لربيع العربي
ar-Rabīʿ al-ʿArabī
Le Printemps Arabe
The Arab Spring
Arabischer Frühling
Weltreporter und Arabischer Frühling
Zum 6. Januar 2012 lädt der Westdeutsche Rundfunk die interessierte Bevölkerung nach Köln, wo die freischaffenden Journalisten der Gruppierung Weltreporter über den Arabischen Frühling berichten wollen. Rekonstruktion der Podiumsdiskussion nach handschriftlichen Notizen aus dem Kleinen Sendesaal von Jacques Auvergne.
Es ist der sechste Januar, Dreikönigstag. Ungastlich durchpustet feuchter Wind die frühe Dunkelheit über der alten Domstadt. Wer kann, bleibt bei so einem Wetter zu Hause oder erledigt die letzten paar Besorgungen zügig. Eine orientalisch verkleidete Kindergruppe von etwas verloren wirkenden Sternsängern ist unterwegs, ein Mädchen malt mit Kreide die Zeichen 20*C+M+B+12 für Christus Mansionem Benedicat, das bedeutet Christus segne diese Wohnung, an einen Steinpfosten. In Köln ist die auf Abwehr des Teufels und Rettung der Seele zielende (politreligiöse) oder kulturell modern (säkular) gelesene Legende von den Heiligen Drei Königen seit dem Mittelalter dem Volk vertraut.
Am diesem ersten Freitagabend des neuen Jahres 2012 betritt ein interessiertes Publikum das hinter seinen großen Glasfronten hell erleuchtete Funkhaus Wallrafplatz. Dem Internet war zu entnehmen, dass bei WDR 5 und per Radio-Direktübertragung eine frohgestimmte Gruppierung von so genannten Weltreportern darüber aufklären will, wie der Arabische Frühling richtig zu verstehen ist.
Islampessimisten witterten eine Erneuerung des, im Jahr 2010 beispielsweise von Aygül Özkan unternommenen Versuchs (Pressecharta Niedersachsen), die Bevölkerung über die globalen Muslimbrüder zu desinformieren und die deutsche Presse islamsensibel gleichzuschalten. Wer zu diesen Skeptikern gehörte, sollte, wie wir gleich sehen werden, heute Abend nicht enttäuscht werden. Damals wollte die Ministerin von der CDU (!) die niedersächsischen Journalisten darauf verpflichten lassen, künftig nur noch „eine kultursensible Sprache anzuwenden“ und, wie ein Nachhilfeschüler, „die interkulturelle Kompetenz zu verstärken“.[1] Welcher Hohe Rat von Integrationskundigen die Unbotmäßigen maßregeln darf, hätte die Ministerin für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration uns sicherlich nachträglich empfohlen (befohlen); ob Frau Özkan in die Scharia oder ins Grundgesetz „integrieren“ wollte oder in einen Kompromiss aus Rechtsstaat und Islamstaat, ist bis heute unklar geblieben. Niedersachsens Journalisten ließen sich diesen Versuch, Inhalte und Sprachstil vorzugeben, zum freiheitlich demokratischen Glück nicht gefallen.[2]
Rasch und wider Erwarten ist der angenehm beheizte Kleine Sendesaal fast vollständig gefüllt, die aktuelle Radioübertragung klingt auf, gleich wird man auf Sendung gehen. Holger Beckmann (WDR) erscheint, der bekannte Moderator von Formaten wie Funkhausgespräche oder Echo des Tages. Die Reporter des ideologisch dem übertrieben islamfreundlichen Internetportal Qantara nahe stehenden Netzwerks Weltreporter nehmen Platz. Von links nach rechts sitzen auf der Bühne Karim El-Gawhary (Kairo), Jürgen Stryjak (Kairo), Birgit Kaspar (Beirut/Toulouse) und Markus Bickel als Nahost-Redakteur der FAZ. Beckmann begrüßt Publikum und Weltreporter und lässt in die Augenzeugenberichte zum Arabischen Frühling einsteigen:
El-Gawhary: Kairo war ja nur die Fortsetzung. Zuerst ging der Umbruch in der arabischen Welt, den wir jetzt erleben, in Tunesien los. Dort wurde Ben Ali gestürzt.
Zuerst blieb in Kairo alles ruhig, wir hätten nicht gedacht, dass es so gewaltige politische Veränderungen auch am Nil geben könnte. Ägypten, das 30 Jahre lang sozusagen in der Garage der Welt abgestellt war, folgte etwas später dann doch der heftigen Welle der Veränderung. Und dann ging es also auch in Ägypten los. Ich war da, jeder konnte es spüren, spätestens als die Demonstranten sich nicht mehr von den Polizisten haben vertreiben lassen wurde es klar, jetzt passiert etwas ganz großes. Alle spürten, dass der arabischen Welt ein Tsunami bevorsteht.
Wir in Europa dürfen nicht vergessen, die Leute leben in großer Armut, die halbe Bevölkerung muss mit weniger als 1,50 € pro Tag auskommen, lebt also unterhalb der von der UNO definierten Armutsgrenze.
Das mehrfach wiederholte „dann ging es los“ wirkt infantil, aufregend nichtssagend und nervt mich, denn hätte man in Deutschland 1933 schließlich auch sagen können „jetzt geht es los“, und damals folgte eine menschenverachtende Diktatur. Warum wünscht sich Karim El-Gawhary nicht ausdrücklich, dass in Ägypten jetzt die allgemeinen Menschenrechte endlich umgesetzt werden? Ist heutige materielle Armut ein Alibi für eine dauerhafte Außerkraftsetzung der AEMR?
Noch im Sommer 2006 urteilte der Oberste Verwaltungsgerichtshof, dass den Bahāʿī auch weiterhin alle offiziellen Dokumente zu verweigern sind: „Die Verfassung sieht Religionsfreiheit nur für die drei himmlischen Religionen vor, und das sind Islam, Christentum und Judentum.“ Die Bahai nannte der Richter „Abtrünnige des Islam, Islamapostaten“.[3]
Was El-Gawhary großzügig ebenso übergeht: Um eine Auslandsreise zu unternehmen, braucht jede unter 21 Jahre alte Frau die Erlaubnis ihres Vaters, um nämlich den Reisepass zu beantragen. Ehefrauen jeden Alters können ohne Einwilligung ihres Ehemannes nicht ins Ausland reisen.[4]
Es ist keine vier Jahre her, da wusste die Neue Zürcher über das traurige Los einer dritten Gruppe oder Kaste von ägyptischen Unpersonen zu berichten und nannte als Gegner einer Modernisierung des Familienrechts die Islamisten:
„Bis jetzt waren uneheliche Kinder namenlos, bekamen keine Geburtsurkunden, konnten nicht zur Schule gehen, keine Identitätskarte erwerben und blieben ihr Leben lang Außenseiter. Laut Menschenrechtlern gibt es zurzeit in Ägypten mindestens 20.000 uneheliche, von ihren Vätern nicht anerkannte Kinder.“[5]
Was sind Frömmigkeit oder Armut da für Argumente, will El-Gawhary die vergleichsweise fraglos eher reichen und gottvergessenen Deutschen beschämen und beide, Ägypter und Deutsche, daran hindern, den Wegfall der ägyptischen staatlichen Diskriminierung der Bahai oder der unverheirateten Mütter zu fordern? Sicherlich ist Armut schlimm, aber Armut und Pressezensur oder Armut und Scharia ist noch schlimmer. Soll Armut etwa eine Entschuldigung dafür sein, den Frauen zusätzlich weiterhin das männerverherrlichende islamische Eherecht aufzubürden oder es koranbasiert zu verschärfen?
Das von El-Gawhary gerade verwendete bekannte Bild der zerstörerischen Riesenwelle ist dem gründlichen politischen oder pädagogischen Nachdenken eher hinderlich. Folgte nach dem ersten Februar 1979 für den Iran, dem Tag, an dem Ayatollah Chomeini aus dem Exil zurückkehrte, denn kein „Tsunami“? Auch El-Gawhary ist rasch gereizt und verkündet über WDR 5 seinen Missmut über jene Pessimisten und wohl auch Islampessimisten, die es wagen, den Arabischen Frühling ohne Führung eines Weltreporters selbstständig zu interpretieren:
Mich persönlich nervt es, wenn, wie immer wieder zu hören ist, davon geredet wird, dass: „Aus dem arabischen Frühling nun ein arabischer Winter“ geworden sei.
Deutschlands größte Frauenzeitschrift berichtet wesentlich weniger optimistisch über den Arabischen Frühling, den Tahrir-Platz und Aliaa Magda Elmahdy, die Lebensgefährtin von Kareem Amer (Abd al-Karim Nabil Suleiman). Der gesellschaftskritische und atheistische Blogger konnte am 17. November 2010 (bezeichnenderweise zwölf Tage zu spät und nach erlittenen Misshandlungen) seine vierjährige Gefängnisstrafe beenden. Drei Jahre Haft hatte er dabei wegen Volksverhetzung und Beleidigung des Islams bekommen, ein Jahr wegen Präsidentenbeleidigung.[6]
Studentin Elmahdy stellte im Namen der Freiheit des Ausdrucks und der Gleichberechtigung der Frau den fotografierten, unbekleideten weiblichen Körper im Internet dar, ihren eigenen, und muss seither nach islamistischen Todesdrohungen im Verborgenen leben:
„Diese junge Frau ist eine von Millionen, für die der so genannte arabische Frühling gerade zum arabischen Horror wird. Die ägyptische Kunststudentin ist inzwischen untergetaucht, sie ist in Lebensgefahr. Die Islamisten ergreifen die Macht. Und sie verbünden sich mit den konservativen Kräften im Land, die eines mit ihnen gemeinsam haben: Sie sind Männer. Männer, für die Frauen Menschen zweiter Klasse sind. … Selbst das einst als aufgeklärt geltende Tunesien fällt gerade den Gottesstaatlern in die Hände. … Und in Libyen gibt sich die Übergangsregierung zwar „demokratisch“, aber kündigte die Einführung der Scharia an. Und Mustafa Abdul Dschalil, Wortführer der Übergangsregierung, verkündete bei der Gründungsfeier des neuen Libyen auf dem großen Platz von Bengasi unter allgemeinem Jubel: „Männer, ihr könnt wieder vier Frauen heiraten! Denn so steht es im Koran, dem Buch Gottes.“[7]
In Tunesien hat ein Mitglied der islamistischen Nahda-Partei das Herannahen des Kalifats verkündet, das aus dem Arabischen Frühling hervorgehen und Jerusalem und die islamische Welt befreien wird.[8]
Am 18. Februar 2011 hielt der aus seinem Exil in Katar nach Ägypten zurückgekehrte Cheftheologe der Muslimbrüder, Yusuf al-Qaradawi seine Freitagspredigt vor hunderttausenden seiner Anhänger auf dem Tahrir Square.[9] Jahrzehntelang hatte der Scheich mit seiner Fernsehsendung Scharia und Leben sowie mit der Fatwa-Internetseite IslamOnline Millionen von Muslimen in aller Welt erreicht und dazu beigetragen, dass die Muslimbruderschaft die Deutungsmacht zu dem, was Islam ist, heute innehat. Weltreporter Karim El-Gawhary sieht keinen Anlass, heute in Köln das Wort Yusuf al-Qaradawi auch nur auszusprechen.
Im August 2011 verweigerte Irland dem radikalen Scheich und Oberhaupt des Europäischen Fatwa-Rats ECFR die Einreise, der Sitz des ECFR ist Dublin.[10] El-Gawhary distanziert sich nicht vom Gesellschaftsverständnis und Menschenbild eines Gelehrten wie al-Qaradawi, sondern redet von Prozess und Wandel, so als ob Veränderungen immer gut wären:
Diese wichtigen Veränderungen jenseits des Mittelmeers sind ein umfassender Prozess. Es gibt natürlich fortschrittsfeindliche Reste, Überbleibsel das alten Systems, die jeden echten Wandel boykottieren, und es gibt die anderen, die den turbulenten, vollkommenen Wandel wirklich wollen.
Sicherlich ist die Rolle der Frau ein Thema. Aber auch die Hisbollah wird sich sehr stark wandeln, wenn Assad erst stürzt.
Wer garantiert, dass die islamistische libanesische Miliz menschenfreundlich wird und von Israelfeindlichkeit, Scharia und Kalifat Abstand nimmt, was das „wird sich sehr stark wandeln“ doch hoffentlich impliziert? Und warum ist der Status der Frau überhaupt „ein Thema“, soll eine Frau im künftigen Ägypten denn nicht dieselben Rechte und Pflichten haben wie ein Mann?
Bei der Parlamentswahl vor sieben Jahren gewann die HAMAS-freundliche libanesische Hisbollah 14 Parlamentssitze, die mit ihr verbündete Amal-Bewegung 9 Sitze. Im selben Jahr (2005) fand die Miliz Erwähnung im deutschen Verfassungsschutzbericht als islamistische Organisation. In Form mehrerer so genannter Sicherheitsquartiere (Security Quarters) soll die schiitische Hisbollah separatistische Sonderzonen unterhalten, die vom Staat Libanon nicht mehr kontrollierbar sind.
Oder meint El-Gawhary einen noch perfekteren Militärapparat der schiitischen libanesischen Miliz, eine noch genauere Anwendung des die Seele vor dem Höllenfeuer rettenden Islamischen Rechts und eine noch größere Distanz zu den allgemeinen Menschenrechten, wenn er uns sein „auch die Hisbollah wird sich sehr stark wandeln“ prophezeit?
Moderator Beckmann: Die ganze Welt guckt tatenlos zu, was Assad macht?
Kaspar: Als er auch in Syrien los ging, dieser Tsunami, wussten alle, jetzt gibt es Hoffnung.
Beckmann: Aber ist es nicht so, dass in der westlichen Welt jetzt viele sich Sorgen machen, dass diese Staaten dem Islamismus anheimfallen?
Stryjak: Um was es wirklich geht, ist etwas anderes, neues. Es geht um das Aufbrechen von Denkstrukturen. Prozesse wie die Wahlen in Ägypten erfordern von allen ein Umdenken. Man spürt es, es öffnet sich ein Fenster, frischer Wind beginnt zu wehen.
Was für ein Kitsch. Die Logik der Demokratie bricht auf und der Wind des Gottesstaats beginnt zu wehen, meint Stryjak dieses „Fenster“? Warum fordert er nicht den Wegfall von Artikel zwei der ägyptischen Verfassung: Islam is the Religion of the State. Arabic is its official language, and the principal source of legislation is Islamic Jurisprudence (Sharia)?
Was ist, wenn die ägyptische „Zivilgesellschaft“ ganz viel himmlische Scharia legalisieren will?
Und da ist jetzt, Ägypten betreffend, die eigentliche Frage: Hat die Zivilgesellschaft eine Chance? Die Gefahr liegt dort beim Militär, in den alten, unter Mubarak entstandenen Eliten. Die Gesellschaft ist durchsetzt von Mubarak-Anhängern. 10-20 Millionen Menschen sind das, so hat man errechnet. Diese Leute haben kein Interesse an Veränderung.
Zu den weiteren veränderungsfeindlichen Kräften gehören die Golfstaaten und ihre Herrscherhäuser, die von den USA unterstützt werden. Das sind noch auf einige Zeit schier übermächtige Kräfte, da werden wir uns gedulden müssen, das dauert nicht nur ein paar Monate.
Ich finde das immer wieder zu hörende „Aus dem Frühling ist ein Winter geworden“ egoistisch und selbstgefällig!
Stryjak scheint uns sagen zu wollen, dass jeder Deutsche rücksichtslos und eurozentrisch ist, der auch für Nordafrika oder den Nahes Osten die vorbehaltlose Geltung der AEMR einfordert. Der eigentliche Islam, so deutet er Stryjak, ist im Gegensatz zum angeblich amerikatreuen Königshaus der Saudis kein Problem.
Bickel: Die Regierung Assad betreffend, besteht das Risiko, dass sie die Hisbollah von der Leine lässt und einen neuen Krieg provoziert.
El-Gawhary: Die Islamisten sind kein statischer Verein! Ich habe das auf dem Tahrir-Platz erleben können, wie sich die Islamisten wandeln. Ich sprach einen jungen Islamisten an: „Du stehst hier jetzt schon elf Tage auf dem Tahrir-Platz! Was hat das mit dir gemacht, bist du noch derselbe wie vor elf Tagen?“ Und da konnte ich sehen, wie ihn das zum Nachdenken brachte. Dann sagte er mir: „Früher dachte ich, die Frauen können nur dies, die Frauen können nur das. Ich sehe jetzt, wie die Frauen hier erfolgreich mitkämpfen. Ich sehe, die Frauen können alles.“
Eine schwülstige, kitschige Geschichte, die jeden Kairoer Schariafreund als einsichtigen Kumpeltyp darstellen soll. Die Islamisten werden von El-Gawhary als veritable Frauenrechtler dargestellt. Samiha Shafy (DER SPIEGEL 23/2011) sagt, wie weit das „die Frauen können alles“ in Wirklichkeit geht: „Frauen, die ohne männliche Begleitung in der Hauptstadt unterwegs sind, müssen damit rechnen, sexuell belästigt zu werden.“[11]
Streben die Muslimbrüder denn keine Gesellschaft an, in der die Frauen den Hidschab tragen müssen und ohne triftigen Grund das Haus nicht zu verlassen haben? Yusuf al-Qaradawi stellt fest, dass der muslimische Mann seine Ehefrau dazu zwingen muss, den Schleier zu tragen:
„Es herrscht unter den muslimischen Gelehrten Einhelligkeit darüber, dass es für eine muslimische Frau ungesetzlich ist, irgendeinen Teil ihres Körpers unbedeckt zu lassen bis auf Hände und Gesicht (sowie, nach Auffassung einiger Rechtsschulen, der Füße). Folglich ist es einer muslimischen Frau verboten, vor einem Nicht-Mahram-Verwandten ihr Haar, ihre Arme, ihren Oberkörper oder ihre Beine zu enthüllen. Kleidung zu tragen, welche die besagten Teile des Körpers einer Frau dem Blick zugänglich macht, ist absolut verboten. Ein muslimischer Ehemann hat seiner Frau zu befehlen, den Hidschab zu tragen.“[12]
El-Gawhary: Auch den Islamisten also stellt sich die Frauenfrage. Da ist sie wieder, die Frage nach der Rolle der Frau.
Beckmann: Hier ist Raum für die erste Frage aus dem Publikum, bitte sehr.
Publikum: Guten Abend, mein Name ist Edward von Roy, ich bin Sozialpädagoge. Meine Frage betrifft die Trennung von Staat und Religion. Seit 40 Jahren heißt es in Artikel zwei der ägyptischen Verfassung: „Der Islam ist Staatsreligion, Arabisch ist Amtssprache und die Scharia ist die Grundlage der Gesetzgebung.“[13] Das Islamische Recht aber, die Scharia, diskriminiert auch die Frau bereits im Ehe- und Familienrecht. Die Scharia ist dabei nicht etwa Islamismus, wie Sie genau wissen, sondern echter alter Islam. Welche Chance haben Staaten wie Ägypten darauf, dass die Scharia illegal wird, dass der Religionsangehörige endlich durch den Staatsbürger ersetzt wird?
Beckmann: Vielen Dank für die Frage. Ja, die Scharia ist sicherlich ein Problem. Herr El-Gawhary, ich wusste gar nicht, dass das ungleich behandelnde Islamische Recht in Ägypten schon seit 40 Jahren Verfassungsrang hat. Frau Kaspar, was meinen Sie, was können wir hier vom Westen aus helfend tun?
El-Gawhary: Dazu muss man wissen: Die Scharia ist nicht statisch. Man kann die Scharia so oder so auslegen.
Stryjak: Es ist immer die Frage, wie man die Scharia anwendet, das lässt sich nicht pauschalisieren.
Kaspar: Wandel ist notwendig und Veränderung wird sicherlich kommen. Aber Veränderung wird nicht kommen, wenn wir jetzt nur alte Strukturen wie die Scharia verteufeln.
Das war etwas gemein von Frau Kaspar, denn „verteufeln“ klingt ein wenig nach schwarzer Magie und erweckt bei einem einfältigen oder schläfrigen Zuhörer den Eindruck, jeder Kritiker der jenseitszentrierten Scharia argumentiere hasserfüllt und irrational. Rational denkenden Menschen aber geht es nicht um den systemeigenen heilssichernden und exorzistischen Charakter des Islamischen Rechts, sondern um eine herrschende Gesetzgebung, deren Schöpfer der Mensch und nicht der Himmelsgott ist, die nachvollziehbar ist und schließlich nur so Rechtssicherheit und die Freiheit von Furcht gewährleisten kann.
Kaspar: Es geht nicht so sehr um die Religion oder den Islam, es sind die Familienstrukturen, die sich verändern müssen! Das System der Oberhäupter der Familie muss in Frage gestellt werden, der Patriarch muss weg.
Es ist notwendig, dass wir die Mädchen und Frauen ausbilden, im Handwerk ausbilden beispielsweise, oder sie hier in Europa studieren lassen.
Beckmann: Auch die westliche Welt muss ihre neue Rolle erst finden, meinen Sie das?
Kaspar: Europa muss, Deutschland muss wissen, was es tun will. Demokratie hat ihre eigenen Gesetzlichkeiten, was das Volk will, wie es sich etwa bei einer Wahl entscheidet, ist dabei dann selbstverständlich zu respektieren.
Wenn die Menschen am Nil – wie auch in Tunesien – die Islamisten wählen, dann müssen wir das akzeptieren, das ist übrigens Demokratie. Und auch die Islamisten wandeln sich ja.
Wir müssen von unseren alten Feindbildern lassen! Vom Feindbild Islam etwa. Und auch vom Feindbild al-Qaida, wie es gerade den Jemen betreffend von allen Medien aufgebauscht wird.
Beckmann: Warum fällt es dem Westen so schwer, offener zu werden? Diese Frage möchte ich an Herrn Bickel richten. Ist es die Angst vor drohender Unberechenbarkeit einer ganzen Region?
„Wer für alles offen ist, kann nicht ganz dicht sein.“ Sagte Christian Wallner.
Deutschland liegt nicht im „Westen“, sondern in der kulturellen Moderne. Dem „Osten“ oder Orient, gemeint ist von Qantara oder den Weltreportern nicht ein völlig säkulares Ägypten oder Syrien, sondern jedes Mal der irgendwie andersartige Islam, ist die Last der AEMR zu tragen nicht zuzumuten. Das ist genau die Weise, in welcher schon der Wegbereiter der Islamischen Revolution Ali Schariati von Osten und Westen redete.
Für Kulturrelativisten mit geistiger Nähe zu Schariati kommt der „westliche“ Einfluss auf den makellos reinen Islam einer Verschmutzung gleich, der iranische Islamist warnte vor der Gharbzadeghi, das bedeutet Westitis oder Okzidentose. In Nigeria sagt man Boko Haram, „westliche Bildung führt ins Verderben“.
Anscheinend merken nur wenige im Publikum des Funkhauses, dass die Weltbevölkerung gerade in eine Apartheid von Orientalen und „Westlern“ gespalten wird, in Schariapflichtige und Nichtmuslime. Um für die schariakonformen Gesetze Toleranz herzustellen und die Universalität der Menschenrechte als Kolonialismus zu diffamieren, ist es unumgänglich, die heute Abend permanent beschworene „arabische Welt“ der „westlichen Welt“ gegenüber zu stellen.
Bickel: Ja, die alten, autoritären Systeme galten als Garant für Stabilität.
Stryjak: Doch viel gefährlicher wäre eine Fortsetzung der Unterstützung der Despoten oder anderen Machthaber. Das ist dann, wie ich vor einigen Jahren bereits einmal sagte: „Wie eine verschleppte Grippe, aus der irgendwann unweigerlich eine Lungenentzündung wird.“ Also das gleicht dann einem Pulverfass.
Man muss die Dinge zulassen, fairer betrachten und nüchternen sehen.
Die Muslimbrüder etwa dürfen wir nicht dämonisieren. Diese Leute sind karitativ und sehr zuverlässig und deshalb beim einfachen Volk anerkannt. Die Muslimbruderschaft hat Jahrzehnte lang Leid abgenommen! Die Muslimbrüder haben die Leute zum Arzt gebracht, sie haben Witwen auf den Dörfern unterstützt.
Publikum: Ich bin Redakteurin und will jetzt endlich die wirtschaftliche Ebene genauer ansprechen, die ja letztlich die soziale Dimension ist. Die Leute leben, wie wir gehört haben, in Armut.
El-Gawhary: Vielen Dank für diese konstruktive Frage, die das Gespräch wieder in eine hilfreiche Richtung lenkt. Ja, die wirtschaftliche Ebene, und nur sie kann die sozialen Probleme lösen, darum geht es eigentlich!
Die Scharia ist nicht so wichtig! Die Rolle der Frau ist nicht so wichtig!
Beckmann: Unsere Sendung geht dem Ende zu, wir alle werden den spannenden Wandel in der arabischen Welt mit Aufmerksamkeit verfolgen. Gleich wird sich im Foyer sicherlich noch die Gelegenheit zu anschließenden Gesprächen ergeben.
Vielen Dank, dass Sie heute Abend hier bei uns in Köln im Funkhaus Wallrafplatz gewesen sind. Aus dem Kleinen Sendesaal verabschieden wir uns und geben zurück ins Studio.
Über sich selbst schrieben die Reporter: „Wir sind Weltreporter.net. Das erste Netz freier Korrespondenten, die für deutschsprachige Medien aus aller Welt berichten.“
Die Religion, jedenfalls der orthodoxe bzw. revolutionäre Islam, ist bei den Weltreportern offensichtlich über jeden Zweifel erhaben. Jede Kritik an den schariagemäßen Gesetzen hat sich im irgendwie positiven weil dynamischen Treibsand des Hier und Jetzt aufzulösen, man vergleiche El-Gawhary: „Die Scharia ist nicht statisch, man kann sie so oder so auslegen“ oder Stryjak: „Es ist immer die Frage, wie man die Scharia anwendet, das lässt sich nicht pauschalisieren“ oder auch Kaspar: „Wir müssen von unseren alten Feindbildern lassen! Veränderung wird nicht kommen, wenn wir jetzt nur alte Strukturen wie die Scharia verteufeln.“
Wer im Januar 2012 beim Kölner WDR die globalen Muslimbrüder oder den authentischen Gesetzesislam problematisiert, verfehlt das Thema Arabische Revolution, lässt sich mit dem Netzwerk Weltreporter sagen. Diskriminierende Scharia und schariagemäß erniedrigte Frauenrolle sind, wie El-Gawhary weiß, schließlich „nicht so wichtig!“ Was aber ist den Weltreportern dann wichtig, nur die beim Herumreisen aufgefangene Stimmung einer prickelnden „Welle der Veränderung“ („Alle spürten, dass der arabischen Welt ein Tsunami bevorsteht“) und die Betonung des Rechts der angeblich so ganz „anders“ strukturierten Muslime auf eine islamgemäße Lebensführung und Staatsgestaltung?
Die den von „gemäßigten Islamisten“ erzählenden Weltreportern nahe stehende Internetseite Qantara lässt, sorgsam zwischen „der Islam“ und „der Westen“ unterscheidend, den syrischen Politiker und Schariagelehrten Mohammad Al-Habash bereits im Juli 2005 das Konzept einer „islamische Demokratie“ bewerben.[14]
Macht sich, wer den seitens der Weltreporter heute Abend vorgegebenen Dualismus westliche Welt – arabische Welt nicht einhält, dem Beibehalten von „Feindbildern“ (Kaspar) schuldig? Das wäre eine klassische Double-bind-Situation, den Bewohner des „Okzidents“ einerseits vorzuwerfen, eurozentrisch zu denken und andererseits auf dem konservierten Anderssein der so genannten islamischen Welt (Weltreporter: „arabische Welt“) zu bestehen.
Ist das die letztlich bis heute etwas unklar gebliebene Intention der Gruppe Weltreporter, zu Staaten wie Pakistan, Somalia, Nigeria, dem Iran oder Saudi-Arabien nichts anderes mehr zu sagen und zu schreiben, als: „Die Scharia ist nicht so wichtig, die Rolle der Frau ist nicht so wichtig“? Einen Vorteil hätte eine derartig islamsensible Berichterstattung durchaus, der Weltreporter wird in Teheran oder Riad mit Klerus oder Religionspolizei niemals Probleme bekommen. Zusammen mit dem aktiven Einsatz für die universellen Menschenrechte ist dabei leider auch der Standard eines gründlich arbeitenden Journalismus aufgegeben worden.
Am 16.02.2011 schrieb Schariaverharmloser Thomas Bauer zum einflussreichsten zeitgenössischen ägyptischen Verfassungsrechtler und titelte Tariq al-Bishri, Islamdemokrat und Verfassungsvater,[15] nur zwei Tage also, bevor Scheich Yusuf al-Qaradawi auf dem Kairoer Mīdān at-Taḥrīr (Platz der Befreiung) predigte. Im Titel deutet der den schariatreuen Islamtheoretiker als „Idealbesetzung“ für das Amt des Vorsitzenden der Verfassungskommission bezeichnende Bauer an, dass es neben der säkularen und rechtsstaatlichen Demokratie auch eine „Islamdemokratie“ geben könne und müsse. In Wirklichkeit, Thomas Bauer verschweigt es, empfiehlt Ṭāriq al-Bišrī den Ägyptern, eine globale Apartheid des Menschenrechtsbegriffs zu bejahen, die allgemeinen Menschenrechte als unzumutbar zu empfinden und im Namen des Eigenen (al-Bishri: des „Ererbten“) zurückzuweisen.[16]
Hier beenden wir die am Folgetag nach handschriftlichen Notizen rekonstruierte Podiumsdiskussion im Kleinen Sendesaal des Kölner Funkhauses.[17] Falls wir die Damen und Herren Weltreporter ungenau wiedergegeben oder missverstanden haben sollten, können sie sich doch einfach unbekümmert zu Wort melden, denn: Es gilt das gesprochene Wort.
Jacques Auvergne
Q u e l l e n
[1] Die niedersächsische Landesregierung will die Medien des Landes beim Thema Integration auf einen gemeinsamen Kurs verpflichten. Die neue Ministerin für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration, Aygül Özkan (CDU), hat deshalb eine „Mediencharta für Niedersachsen“ entwerfen lassen. (…)
Es dürfte in Deutschland bislang einzigartig sein, dass eine Landesregierung die Medien auf gemeinsame Inhalte verpflichten will und sogar die dabei zu wählende Sprache vorschreiben möchte.
Außerdem sollen sich die Medien nach Wunsch der neuen Ministerin dahin erklären, entsprechende Projekte zu entwickeln, über die künftig zu berichten sein wird.
aus: Rolf Seelheim: Ministerin will Medien Inhalte vorgeben
NWZ online 23.07.2010
„Mediencharta für Niedersachsen“
WELT 23.07.2010
[2] Medienvertreter kritisierten die Pläne heftig. „Unverblümter hat seit langem kein Politiker mehr versucht, Zeitungen und elektronische Medien auf Kurs zu bringen“, sagte der Chefredakteur der Nordwest-Zeitung, Rolf Seelheim.
Auch die niedersächsische SPD hat die geplante „Mediencharta für Niedersachsen“ scharf kritisiert. „Ich bin absolut fassungslos, dass sich eine Ministerin erdreisten kann, so etwas vorzuschlagen“, sagte die medien- und kulturpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Daniela Behrens, am Freitag. (…)
Die Grünen kritisierten, die geplante Mediencharta sei ein „Instrument der Zensur“. „Die geplante Sprachregelung mag gut gemeint sein, aber die geplante gemeinsame Absichtserklärung zwischen Medien und Ministerium geht gar nicht“, sagte der Fraktionschef der Landtags-Grünen, Stefan Wenzel.
aus: „Mediencharta“: Ministerin löst Sturm der Empörung aus
NWZ 23.10.2010
Pikant sei zudem, dass die Sprachregelung für die Medien offenbar nicht mit der Staatskanzlei abgestimmt worden sei. Wenzel [d.i. der Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Landtag, Stefan Wenzel] forderte Ministerpräsident David McAllister und Ministerin Aygül Özkan auf, das Projekt einer verbindlichen Sprachregelung zu beerdigen.
Özkan selbst rudert inzwischen zurück und sieht die Charta nur als “Diskussionsgrundlage”.
aus: Peter Fehlhaber: Plant Niedersachsen Zensur? “Mediencharta Niedersachsen” sorgt für Irritationen
CelleHeute.de 23.07.2010
http://celleheute.de/plant-niedersachsen-zensur-mediencharta-niedersachsen-sorgt-fuer-irritationen/
Nach heftiger Kritik hat Ministerin Aygül Özkan (CDU) die geplante “Mediencharta für Niedersachsen” gestoppt. “Vor dem Hintergrund der entstandenen Irritationen kann es nur unser Ziel sein, mit den Medien ins Gespräch zu kommen. Daher stellt sich die Frage nach der Unterzeichnung einer Charta zurzeit nicht”, meldete ihr Ministerium. (…)
Özkan hatte in der vergangenen Woche Redaktionen aufgerufen, eine Mediencharta zu unterzeichnen, mit der sie sich zu einer gemeinsamen Linie bei der Berichterstattung über Integration verpflichten sollten. Das war auch von der Opposition als Angriff auf die Unabhängigkeit der Medien betrachtet worden.
aus: Integrationsministerin Özkan zieht Mediencharta zurück
WELT 28.07.2010
[3] Egypt’s Supreme Administrative Court has ruled against Baha’is being able to acquire official documents by today upholding an appeal by the Interior Ministry.
The judge, after giving their verdict, stated that “the constitution promotes freedom of belief for the three recognised heavenly religions and they are Islam, Christianity and Judaism”, he went on to call members of the Baha’i Faith “apostates of Islam, because the faith’s principles contradict the Islamic religion and all other religions.”
The Baha’is principle representative to the United Nations, Ms Bani Dugal, said that “We deplore the Court’s ruling in this case, which violates an extensive body of international law on human rights and religious freedom”… “the Court’s decision threatens to make non-citizens of an entire religious community, solely on the basis of religious belief.”
Hossam Bahgat, director of the Egyptian Initiative for Personal Rights, said “It’s a regrettable decision, but it’s a crisis for the government more than for the Bahais, now the government is forced to find a solution for the hundreds of citizens who have no papers.”
aus: James Herbert: Egyptian Court Rules Against Baha’is
warble.com (personal blog space of James Herbert) 16.12.2006
http://warble.com/blog/2006/12/16/egyptian-court-rules-against-bahais/
An open letter to the people of Egypt
[English version of a statement issued in Arabic by the Bahá’ís of Egypt dated April 2011]
Baha’i Faith in Egypt 06.04.2011
http://www.bahai-egypt.org/2011/04/open-letter-to-people-of-egypt.html
bei: Baha’i Faith in Egypt
[4] Civil Liberties:
Women have a moderate level of civil liberty in Egypt. They generally have freedom of movement, but more so in the cities than in rural areas. To travel outside the country, unmarried women under 21 years of age must obtain their father’s permission to obtain a passport; similarly, wives of any age need their husband’s permission.
Women’s freedom of dress has been the subject of lively debate in Egypt. Fully 70 per cent to 80 per cent of women wear a veil in public. The Associated Press reports that while some women are required by male family members to cover themselves, many others choose to wear the veil to show their devotion to Islam.
Aus: SIGI – Social Institutions and Gender Index
http://genderindex.org/country/egypt-arab-rep
Zum Beispiel Tunesien – Wenn die Islamisten wirklich bald das Land umorganisieren, dürfte diese Meldung leider veraltet sein und wird sich die echte islamische Frauenerniedrigung zeigen.
Women in Tunisia have civil liberty. There are no constraints on women’s freedom of movement, and they have freedom of dress. Many women choose to wear the veil in private enterprises or public spaces; however, it is strictly forbidden for women who work in public administration (during working hours).
http://genderindex.org/country/tunisia
[5] Bis jetzt waren uneheliche Kinder namenlos, bekamen keine Geburtsurkunden, konnten nicht zur Schule gehen, keine Identitätskarte erwerben und blieben ihr Leben lang Aussenseiter. Laut Menschenrechtlern gibt es zurzeit in Ägypten mindestens 20 000 uneheliche, von ihren Vätern nicht anerkannte Kinder.
Die Besserstellung unehelicher Kinder komme auch deren alleinstehenden Müttern zugute, die bisher als Prostituierte gegolten hätten, meinte eine Anwältin. Die Islamisten bekämpften diese Revision vor allem mit dem Argument, sie führe zu mehr Unzucht. Ihr Weltbild ist immer noch stark geprägt von der Vorstellung, brave Männer würden von sexbesessenen Frauen verführt und für aussereheliche Geburten seien Frauen ganz allein verantwortlich.
aus: NZZ 13.06.2008
[6] Der Fall Kareem Amer [Nachname Suleiman] soll als Warnung verstanden werden. “Dieses Urteil ist schockierend”, sagt Wael Abbas, einer der prominentesten ägyptischen Blogger. “Ich verstehe das Urteil als drohende Botschaft der ägyptischen Regierung an alle ägyptischen Journalisten und Blogger, dass kontroverse Texte von der Obrigkeit nicht akzeptiert werden.”
Suleimans [d.i. Kareem Amer] Leidensweg begann schon im Oktober 2005. Damals war er zum ersten Mal von der Sicherheitspolizei wegen anti-religiöser Eintragungen, wie die Sicherheitspolizei es ausdrückte, verhaftet worden. Suleiman hatte über religiösen Ausschreitungen in Alexandrien berichtet und sich kritisch über die Rolle der Muslime in den Ausschreitungen geäußert. 13 Tage wurde er damals festgehalten, seine Bücher und persönlichen Aufzeichnungen konfisziert.
Kurze Zeit später, Anfang 2006, wurde Suleiman dann von der Uni verwiesen, weil er sich in seinem Weblog kritisch über einige der konservativen Dozenten geäußert hatte. “Die Professoren und Scheichs der Al-Azhar, die gegen jeden sind, der frei denkt, werden im Abfalleimer der Geschichte enden”, hatte Kareem Amer damals geschrieben. Schon mit sechs Jahren war Suleiman von seinen Eltern in das religiöse Schulsystem der Al-Azhar geschickt worden. Doch anstatt Teil des religiösen Establishments zu werden, rebellierte Suleiman. Er wurde zu einem leidenschaftlichen Verfechter von Frauenrechten, Meinungsfreiheit und Säkularismus und machte seiner Wut in seinen Web-Eintragungen Luft.
Das sollte ihm zum Verhängnis werden.
Im November 2006 stand die Sicherheitspolizei wieder bei Suleiman vor der Tür. Bei der Vernehmung wurde schnell klar, dass die Vernehmungsbeamten Suleiman wegen seiner Ansichten anklagten. “Betest Du?”, “Fastest
Du im Ramadan?”, wollten sie von ihm wissen und machten sich immer wieder über den jungen Mann lustig. Der Staatsanwalt wies Suleiman drauf hin, dass er verhaftet würde, sollte er seine Ansichten nicht ändern. Suleiman bestand auf seinem Recht der freien Meinungsäußerung und landete hinter Gittern. aus: Amira El Ahl: Vier Jahre Haft für Blogger in Ägypten SPIEGEL online 23.02.2007 http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,468313,00.html [7] Seit Monaten ist bekannt, dass die „Rebellen“ auf dem Tahrir-Platz „Jungfrauentests“ bei den Rebellinnen durchführen. Das heißt, sie reißen den Frauen die Kleider vom Körper und penetrieren sie manuell. Das machen sie nicht nur mit Ägypterinnen, sondern auch mit Ausländerinnen, ja sogar mit Korrespondentinnen. aus: Nina Hermann: Tod den Rebellinnen EMMA Winter 2012 http://www.emma.de/ressorts/artikel/islam-islamismus/aegypten-tod-den-rebellinnen/ Samira Ibrahim (L) flashes a victory sign as she attends a protest against military council violations and virginity tests against females at Tahrir Square in Cairo, December 27, 2011. An Egyptian court ordered on Tuesday that forced virginity tests be stopped on female detainees in military prisons. (…) MD Ahmed Adel Mohamed El-Mogy, a 27-year-old conscript, is accused of subjecting seven women, including protester Samira Ibrahim, to “virginity tests” against their will. The women were initially arrested on 9 March, after the military attempted to disperse a sit-in in Cairo’s Tahrir Square. They were then taken to the notorious C28 military prosecution facility, where the tests were carried out. Ahram Online 03.01.2012 [8] This speech was given by a member of Tunisia’s al Nahda Party, where he mentions that the revolutions are the precursor to the next Khilafah (Caliphate) which will liberate Palestine and the Muslim world generally. May Allah reward the sincere brothers in an Nahda Party and make them realise the tricks of the secularists in their own party. Tunisia Nahda Party member: “We are heading for the 6th Caliphate insha Allah!” http://www.youtube.com/watch?v=tL3tJteIwLY Ghannouchi (En Nahda Party) rejects the idea of Caliphate, wants reforms http://www.youtube.com/watch?v=6GOBO8NbW1o&feature=related [9] Leading Islamic theologian Yusuf al-Qaradawi returned from Qatar to rally hundreds of thousands at Tahrir Square today in his first public speech since 1981. Yusuf al-Qaradawi, a leading Egyptian Islamic theologian popularized by Al Jazeera, returned to Cairo today to deliver a stirring but overtly political sermon, calling on Egyptians to preserve national unity as they press for democratic progress. “Don’t let anyone steal this revolution from you – those hypocrites who will put on a new face that suits them,” he said, speaking to at least 200,000 who gathered for Friday prayers in Tahrir Square, the epicenter of Egypt’s uprising. “The revolution isn’t over. It has just started to build Egypt … guard your revolution.” aus: Dan Murphy: Egypt revolution unfinished, Qaradawi tells Tahrir masses in: The Christian Science Monitor 18.02.2011 On February 18, 2011, one week after the fall of the Egyptian dictator Hosni Mubarak, some two millions Egyptians assembled once again in Cairo’s Tahrir Square for the Friday prayer. The day had been proclaimed Yawm al-Fath “the Day of Victory”. The intention was to celebrate the beginning of a new era, to commemorate the martyrs of the revolution and to maintain pressure on the military council temporarily governing the country. The sermon (khutbah) was not going to be preached by one of the highest ranking official Muslim clerics – the Sheikh of al-Azhar University, for example, or the Mufti of the Republic – but by the most emblematic figure of the religious opposition to the former regime, Sheikh Yusuf al-Qaradawi, 84, who had just come back from Qatar the day before. Sheikh Dr. Yusuf al-Qaradawi is one of the most influential of Sunni ulama (scholars) today. Born in Egypt in 1926, he graduated from al-Azhar Faculty of Principles of the Religion (Usul al-Din) in 1960 (…) He helped create the very popular IslamOnLine website in 1997, and his weekly program on Al Jazeera, The Shari`ah and Life, is watched by tens of millions of Muslims worldwide. (…) As much as their choice, the way Sheikh al-Qaradawi recited these verses undoubtedly had an impact on the Tahrir Square worshippers, notably his repeating of the verses 10-14 of The Dawn in the following sequence – 10, 10, 11, 12, 11, 12, 13, 14, 14 – underlining the tyranny of Pharaoh, his corruption and his final chastisement by God. (…) Before the tribunal which hanged him for assassinating Anwar Sadat in 1981, Khalid Islambuli shouted “I killed Pharaoh!” In his Tahrir Square sermon, Sheikh al-Qaradawi does not call for the killing of anybody. However, he does not hide his satisfaction that the pharaonic and criminal regime of Hosni Mubarak was toppled by a peaceful insurrection. aus: Yahya M. Michot: Qaradawi’s Tahrir Square Sermon YouTube Khutbah in Midan Tahrir [Al-Qaradawi] http://www.youtube.com/watch?v=Haxwcqa2btA YouTube Qaradawi Khutbah Tahrir Square http://www.youtube.com/watch?v=fiT4pPHpfOU [10] A CONTROVERSIAL religious leader with close links to Ireland’s largest Muslim organisation has been banned from entering the country, the Irish Independent has learned. The Irish Naturalisation and Immigration Service refused to approve an entry visa for Sheikh Yusuf al-Qaradawi, an Egyptian cleric who has defended suicide bombing and advocated the death penalty for homosexuals. Sheikh al-Qaradawi (84) is head of the European Council of Fatwa and Research (ECFR), a private Islamic foundation whose headquarters is in the Islamic Cultural Centre of Ireland (ICCI) in Clonskeagh, Dublin. Immigration officials are understood to have blocked his entry to the country after Mr Al-Qaradawi described suicide-bombing attacks on Israelis as “martyrdom in the name of God”. The Irish Independent has learnt the elderly religious leader was denied a visa when he last tried to enter the country on ECFR business. The Irish ban follows similar ones in the US and UK. Mr Al-Qaradawi had his US visa revoked in 1999 and was also refused entry to the UK three years ago. aus: Shane Phelan: ‘Fatwa’ sheikh with links to Irish Muslims is refused visa Irish Independent 08.08.2011 [11] Die Männer, die Augenzeugenberichten zufolge am Nachmittag des 9. März den Tahrir-Platz stürmten, das Zentrum der ägyptischen Revolution, und anscheinend wahllos Demonstranten attackierten, trugen keine Uniformen. “Sie sahen aus wie Schlägertypen”, erzählt Salwa, “sie beschimpften mich als Hure und schlugen mir ins Gesicht.” Schockiert sei sie gewesen, als die Bande sie mit etwa 20 anderen Frauen ins Ägyptische Museum verschleppt und dort dem Militär übergeben habe. “Ich konnte nicht glauben, dass unsere Armee hinter diesem Angriff steckte”, sagt sie. “Aber dann brachten sie uns ins Militärgefängnis, und von da an wurde es immer schlimmer.” (…) Als Salwa am 9. März im Militärgefängnis ankam, so erzählt sie, wurde sie mit zwei anderen Frauen in einen kleinen Raum geführt, wo sie sich ausziehen und ihre Kleider durchsuchen lassen mussten. Dabei habe sie bemerkt, dass ein Soldat vor dem offenen Fenster stand und die nackten Frauen fotografierte. “Ich hatte Angst, dass sie die Fotos benutzen würden, um uns als Prostituierte darzustellen.” In der Nacht wurden die Frauen in eine Zelle gesperrt; sie bekamen Wasser und Brot, das nach Kerosin stank. Am nächsten Tag stand im Flur vor ihrer Zelle eine Liege; dort, so verkündete ein Offizier, werde nun ein Arzt die Jungfräulichkeit der unverheirateten Frauen überprüfen. “Wir konnten es nicht glauben”, sagt Salwa, “wir fragten, ob es nicht wenigstens eine Ärztin sein könne, aber er sagte nein. Ein Mädchen, das sich wehrte, wurde mit Elektroschocks traktiert.” Was zwischen dem 9. und 13. März im Militärgefängnis von Heikstep geschah, nordöstlich von Kairo, beschäftigt nun mehrere Menschenrechtsorganisationen. Amnesty International forderte die Behörden auf, “die schockierende und erniedrigende Behandlung von Demonstrantinnen zu stoppen”. Das Europäische Parlament verurteilte “die erzwungenen Jungfräulichkeitstests” als Folter. (…) Frauen, die ohne männliche Begleitung in der Hauptstadt unterwegs sind, müssen damit rechnen, sexuell belästigt zu werden. Am vergangenen Dienstag, fast drei Monate nach Salwas Verhaftung, meldete sich erstmals ein General zu Wort. “Die Mädchen, die festgenommen wurden, waren nicht wie Ihre Tochter oder meine”, sagte der General dem US-Nachrichtensender CNN. “Es waren Mädchen, die mit männlichen Demonstranten auf dem Tahrir gezeltet hatten, in den Zelten fanden wir Molotow-Cocktails und Drogen.” Die Jungfräulichkeitstests seien durchgeführt worden, damit die Frauen hinterher nicht behaupten konnten, im Gefängnis belästigt oder vergewaltigt worden zu sein: “Wir wollten beweisen, dass sie sowieso keine Jungfrauen mehr waren.” Eine “zutiefst perverse Rechtfertigung einer herabsetzenden Form von Missbrauch” nannte Amnesty International diese Reaktion und forderte die Behörden auf, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Die Antwort der Armee folgte prompt: Die Anschuldigungen der Frauen, ließ sie über einen Sprecher ausrichten, seien haltlos. aus: Samiha Shafy: Die Jungfrauen vom Tahrir DER SPIEGEL 06.06.2011 http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-78832468.html [12] Dr al-Qaradawi insists that a husband must compel his wife to wear the hijab. “It is unanimously agreed upon among Muslim scholars that it is not lawful for a Muslim woman to uncover any part of her body other than the face and hands (and the feet according to some schools of jurisprudence). Hence, it is unlawful for a woman to reveal her hair, or arms, or chest or legs before non-mahram men. Wearing clothes that reveal such parts of a woman’s body is completely forbidden. A Muslim husband is to order his wife to wear hijab.” http://www.workersliberty.org/node/4068 [13] Constitutional Status of Islam(ic Law): The Constitution was adopted on 11 September 1971 and amended by referendum in May 1980. The amendment made Islamic law “the principal source of legislation” in Egypt. Article 2 of the Constitution reads in full: Islam is the religion of the State and Arabic its official language. Islamic jurisprudence is the principal source of legislation. http://www.law.emory.edu/ifl/legal/egypt.htm [14] Muhammad Habash ist ein vielseitiger Mann. Er sitzt im syrischen Parlament, ist Imam einer Damaszener Moschee, leitet das Islamische Studienzentrum und ist Vorsitzender der islamischen Gelehrten in Syrien. (…) Die Reformer, zu denen er sich selbst zählt, propagierten eine islamische Demokratie. “Wir sind gegen einen religiösen Staat”, betont Habash. “Wir wollen einen säkularen Staat, den wir als Muslime beeinflussen können – ähnlich wie in der Türkei.” Dafür wird sich der Abgeordnete in den kommenden Jahren einsetzen. Schon jetzt gilt Habash im sozialistisch und säkular geprägten Syrien als führender Vertreter eines gemäßigten Islam. (…) “Nach fünf bis zehn Jahren in der Politik werde ich mich wieder voll auf das Verhältnis zwischen Islam und Westen konzentrieren”, kündigt Habash an. aus: Kristin Helberg: Engagement für den Dialog der Religionen Qantara 28.07.2005 http://de.qantara.de/Engagement-fuer-den-Dialog-der-Religionen/3355c3449i1p399/ [15] In der Tat ist Tariq al-Bishri die Idealbesetzung für den Vorsitzenden der Verfassungskommission. Im November 1933 in eine Gelehrtenfamilie geboren, ist al-Bishri nicht nur pensionierter Richter und gestandener Rechtstheoretiker, sondern ein weit über Ägypten hinaus bekannter und geschätzter Intellektueller. … Tariq al-Bishri ist zunächst einmal ein Intellektueller, der sich wie kaum jemand anderes Gedanken über die Rolle des Islams in einer modernen, demokratischen Gesellschaft gemacht hat. Dabei ist er weder auf konservativen islamischen Positionen stehen geblieben, die eine Umsetzung islamischen Rechts in seiner traditionellen Ausprägung für die Gegenwart fordern, noch auf einen unkritischen „Reformislam“ eingeschwenkt, der schlichtweg westliche Konzepte eins-zu-eins auf den Islam übertragen will. Sein Ausgangspunkt ist vielmehr ein gut klassisches Konzept einer schari’a (die übrigens schon seit Sadat Hauptquelle der Gesetzgebung in Ägypten ist), die nicht von vorneherein feststeht, sondern der Interpretation bedarf und stets mit den aktuellen gesellschaftlichen Verhältnissen in Beziehung gesetzt werden muss. Al-Bishri liegt es fern, die direkte Umsetzung von Koranversen oder Hadithen in Gesetze zu fordern oder die Religionsgelehrten in die Gesetzgebung einzubeziehen. Vielmehr billigt er der schari’a etwa jene Rolle zu, die in Europa das Naturrecht spielt. Für al-Bishri, der ein durchaus patriotisches Verständnis von Ägypten hat, ist Ägypten durch eine islamische Kultur (die nicht identisch ist mit der islamischen Religion) geprägt, zu der auch die christlichen Kopten gehören. Gleichberechtigung von Kopten und Muslimen und ebenso von Männern und Frauen ist eines seiner zentralen Anliegen. Bei Konflikten zwischen Kopten und Muslimen hat sich al-Bishri immer wieder für die Rechte der Kopten eingesetzt. aus: Thomas Bauer: Tariq al-Bishri, Islamdemokrat und Verfassungsvater Sawtuna 16.02.2011 http://arabistikwwu.blogspot.com/2011/02/tariq-al-bishri-islamdemokrat-und.html Der Islamdemokrat [16] Ṭāriq al-Bišrī gilt als berufener Verfassungsrechtler. Zum Religionsbegriff eines ägyptischen Juristen, zur Glaubenserhöhung in Kairo und Berlin und zum geologischen Begriff der Plattentektonik. Von Jacques Auvergne. http://jacquesauvergne.wordpress.com/2011/03/12/221/ [17] Umbruch in der Arabischen Welt Weltreporter berichten wdr. Im Rahmen ihrer Jahrestagung diskutieren freie Korrespondenten des Weltreporter-Netzwerkes über die Zukunft der arabischen Welt. Sie berichten seit Jahren für Zeitungen und Hörfunk aus der Region und haben den Arabischen Frühling selbst miterlebt. http://www.wdr.de/wissen/wdr_wissen/programmtipps/radio/12/01/06_2005_5.php5 auch bei den Schariafreunden von Qantara, abgleichen heißt versuchen, gleichzuschalten: Am Freitag, 6. Januar 2012, berichten fünf Korrespondenten des Netzwerks Weltreporter von ihren Erfahrungen während der Umbrüche und gleichen diese mit der Darstellung in den deutschen Medien ab http://de.qantara.de/Termine/15894c18720i/index.html Friedenskonferenz um Friedenskonferenz verläuft der Pfad in den Schariastaat. Die katholischen Pazifisten und Antisäkularen von Sant’Egidio etwa laden im September 2011, weil man an die zehn Jahre zurückligenden Terrorangriffe denken möchte, hochrangige Muslimbrüder wie Dr. Moneim (Ägyptens Präsidentschaftskandidat) nach München. Claudia Mende frohlockt: Mit den vielen muslimischen Gesprächspartnern, nicht nur aus der arabischen Welt, sondern auch aus Malaysia und Indonesien habe man aber zeigen können, dass der Islam “viele Facetten” hat, sagt Susanne Bühl von der deutschen Gemeinschaft Sant’Egidio. Das trage zu einem besseren Verständnis des Islam bei. “Viele wichtige Gespräche fanden auch hinter den Kulissen statt.” Das nächste internationale Friedenstreffen ist übrigens für 2012 in der bosnischen Hauptstadt Sarajewo geplant. http://de.qantara.de/Alte-Wunden-neue-Fragen/17656c18263i1p104/index.html Abu’l-Futuh Abd Al-Moneim Präsidentschaftskandidat, Ägypten Interview mit Cesare Zucconi – Generalsekretär der Gemeinschaft Sant’Egidio. Vaticanista News 11.09.2011. Zucconi: Wir freuen uns darüber, dass wir zwei Podien dem arabischen Frühling widmen können, dem Umbruch in Ägypten und dem in Tunesien. Mit Abdel Moneim Abul Futuh kommt einer der Präsidentschaftskandidaten zu uns http://www.vaticanista.info/2011/09/09/echte-begegnungen-mit-echten-menschen/ Interview mit Tariq Ramadan: “Es gibt kein islamisches System, nur islamische Prinzipien” Im Gespräch mit Claudia Mende wendet sich der muslimische Gelehrte und Reformdenker Tariq Ramadan gegen autoritäre Herrschaftsstrukturen im Islam und wirbt für ein modernes Glaubensverständnis auf der Grundlage einer Trennung von Staat und Kirche. Die Methode Sant’Egidio München. Mohamed Abdul Malek und Fatih Mohammed Baja brauchen jetzt erst einmal einen Kaffee. Um 16 Uhr sollen der Vizepräsident der Muslimbruderschaft in Libyen und das Mitglied des Nationalen Übergangsrates wieder im Herkulessaal der Münchner Residenz über den Arabischen Frühling diskutieren. Gerade noch haben sie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gelauscht. http://kirchensite.de/aktuelles/kirche-heute/kirche-heute-news/datum////die-methode-santegidio/ http://www.santegidio.org/index.php?pageID=64&id=8508&idLng=1067 Beitrag Mohamed Abdul Malek Vizepräsident der Muslimbruderschaft, Libyen http://www.santegidio.de/index.php?pageID=2396&idLng=1067 Aus erzkatholischer Sicht sind Westler und Koranvolk in Wesen und Lebensführung grundverschieden, weshalb das Miteinander von Demokratie und Islamdemokratie kommen muss. Des représentants des Frères musulmans, venus de Libye, assuraient qu’ils voulaient construire la démocratie dans leur pays, mais que les démocrates occidentaux devaient admettre que cette démocratie pouvait être différente de la leur. Burka und Bikini integrieren, der Trend geht zur Zweitfrau: « la paix est le nom même de Dieu » http://www.santegidio.org/pageID/64/id/8518/idLng/1067/.html Scharia und Weihrauch für`s katholische München, ECFR-Chef ist Yusuf al-Qaradawi: Abdul Majeed Al-Najjar (ECFR), Stellvertretender Generalsekretär des European Council for Fatwa and Research, Tunesien http://www.santegidio.org/index.php?int=oratori&id=528 Per Riccardi “non possiamo essere pessimisti perché il pessimismo può influenzare in modo negativo il futuro del mondo arabo”. Importante la presenza di interlocutori libici – l’uno vicino ai Fratelli musulmani, l’altro rappresentante del CNT – certo per il contesto attuale, ma anche perché i libici non hanno mai amato partecipare a questi incontri. Abdul Majeed Al-Najjar È membro dell’autorevole International Association of Muslim Scholars e dell’European Council for Fatwa and Research di Parigi. L’European Council for Fatwa and Research (ECFR) è un’organizzazione di studiosi islamici istituita a Londra nel 1997, il cui fondatore e presidente è Yusuf al-Qaradawi. [Zehnter Jahrestag der Terrorangriffe vom 11. September, Dialog der Religionen für den Frieden, Panel 30, Der Arabische Frühling] La primavera araba http://www.santegidio.org/index.php?pageID=1077&idLng=1062&cosa=Najjar&x=0&y=0 Qantara Qantara.de (arab.: Qantara = Brücke) ist ein Internetportal, das in den Sprachen Deutsch, Englisch, Indonesisch, Arabisch und Türkisch den intellektuellen Dialog der westlichen mit der islamischen Welt fördern soll. Das Portal geht auf eine Initiative des deutschen Außenministeriums zurück, in Reaktion auf die krisenhafte Entwicklung der Beziehung zum islamischen Kulturkreis nach dem Schock der Terroranschläge am 11. September 2001 in den USA. Gemeinsame Träger der seit März 2003 online erreichbaren Plattform sind die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), die Deutsche Welle (DW), das Goethe-Institut (GI) und das Institut für Auslandsbeziehungen (ifa); das Projekt wird vom Außenministerium gefördert. Das gemeinsame Dialogprojekt macht es sich zur Aufgabe, die Verständigung zwischen den verschiedenen Kulturkreisen zu fördern, mit dem Ziel, vorhandene Wissensdefizite aufzuheben und Vorurteilen entgegenzuwirken. Anspruch des Redaktionsteams ist, die Publikation von solchen westlichen und islamischen Autoren zu ermöglichen und zu betreuen, die auch in Krisenzeiten die offene und respektvolle Auseinandersetzung über Gemeinsamkeiten wie über strittige Themen suchen. Dazu gehörten beim Startangebot der Plattform zum Beispiel der ägyptische Literaturwissenschaftler Nasr Hamid Abu Zaid, der deutsche Ex-Diplomat und Muslim Murad Hofmann, die Islamtheologin Halima Krausen, der Konfliktforscher Heiner Bielefeldt und der Physiker Ernst Ulrich von Weizsäcker. aus: Wikipedia abgerufen am 07.01.2012 http://de.wikipedia.org/wiki/Qantara.de Die Muslimbruderschaft hat sich im Laufe ihrer achtzigjährigen Geschichte meist als gewalttätige, anti-westliche Bewegung hervorgetan, die auf eine strikte Einhaltung der islamischen Gesetze drängt. Viele der gewaltsamen radikal-islamischen Bewegungen, die wir heute kennen, sind ursprünglich aus der Bruderschaft hervorgegangen oder von ihrer radikalen Ideologie beeinflusst worden. Im Lauf der letzten dreißig Jahre haben jedoch verschiedene der nur lose miteinander verbundenen Ableger dieser Bruderschaft in unterschiedlichen arabischen Staaten an Wahlen teilgenommen. Man hat sich um Transparenz sowie eine demokratische Reformierung der eigenen Parteipolitik bemüht und das System der parlamentarischen Volksvertretung ausdrücklich anerkannt. (…) Aber statt die neueren demokratischen Bestrebungen der Bruderschaft zu begrüßen, versuchen die Regierungen der arabischen Staaten, möglichst hart durchzugreifen. Darunter leidet nicht zuletzt ihre eigene Glaubwürdigkeit, da die Öffentlichkeit diesen Widerspruch durchaus wahrnimmt. Moderatere Anhänger des Islam werden so womöglich erst recht in die Arme der radikalen, an den Rändern der Bewegung agierenden Dschihad-Prediger getrieben. aus: James M. Dorsey: Richtungsstreit um demokratische Öffnung Qantara 26.11.2009 http://de.qantara.de/Richtungsstreit-um-demokratische-Oeffnung/5090c5170i1p537/index.html Toleranz für verschiedene Wege: In seinem neuen Buch beschreibt der Islamwissenschaftler Thomas Bauer die Spielräume muslimischer Kultur und räumt mit Zerrbildern eines alle Lebensbereiche dominierenden, dogmatischen Islams auf. Von Katajun Amirpur „Abgesehen davon, dass wohl kaum eine Aussage darüber möglich ist, was “der Islam” eigentlich sei, denn dazu gibt es viel zu viele Erscheinungsformen des Islams, ist falsch daran die Grundannahme: “Der Islam” hat in Geschichte und Gegenwart islamischer Gesellschaften keineswegs alle Lebensbereiche durchdrungen.“ http://de.qantara.de/Eine-andere-Geschichte-des-Islams/18273c18959i0p/index.html Welche Bedeutung hat das islamische Recht gegenwärtig für den Alltag von Muslimen? Die Antwort auf diese Frage fällt regional sehr unterschiedlich aus. … Während die jungen Nationalstaaten sich beim Straf- und Handelsrecht meist an europäisch inspirierten Codices orientierten, wurde das Personenstandsrecht in Ländern wie Ägypten, Marokko, Malaysia oder Indien konfessionell geregelt. Das heißt, dass z.B. ein Wohnungseinbruch genauso wie in Europa mit Gefängnis bestraft wird, während in persönlichen Angelegenheiten wie Heirat, Scheidung oder Erbe das Recht der jeweiligen Glaubensgemeinschaft gilt. Für Muslime bedeutet das, dass sie gemäß der jeweils geltenden Interpretation des islamischen Rechts heiraten, sich scheiden lassen und erben. Diese von Fachleuten so genannte konfessionelle “Rechtsspaltung” war kein großes Problem, solange nur wenige Muslime in nichtmuslimische Länder auswanderten. aus: Martina Sabra: Perspektiven auf die Scharia qantara 18.05.2009 http://de.qantara.de/Perspektiven-auf-die-Scharia/3956c4050i1p411/ Das islamische Recht, die Scharia, hat einen schlechten Ruf – insbesondere in westlichen Ländern, aber auch unter vielen säkularisierten Muslimen. Es steht für Unterdrückung der Frauen, Verachtung der Menschenrechte und Rückständigkeit. Abdullah An-Na’im, Rechtsprofessor an der amerikanischen Emory-Universität in Atlanta und keineswegs Fundamentalist, versteht den Begriff Scharia freilich ganz anders. Scharia, sagt er, sei positiv und zukunftsfähig, die Zukunft liege allerdings in einem säkularen Staat und nicht in einem islamischen: “Mein Argument ist, dass die Idee des islamischen Staates eine postkoloniale Idee ist. Sie hat sich aus der europäischen Staatslehre und der europäischen Rechtslehre heraus entwickelt. Das passt nicht in die Natur der Scharia und ist nicht vereinbar mit der Geschichte der islamischen Gesellschaft.” Die auf das siebte Jahrhundert zurückgehenden Rechtslehren der Scharia, so an-Naim, seien in ihrer ursprünglichen Form mit der Lebensrealität im 21. Jahrhundert einfach nicht mehr vereinbar. Man müsse sie neu definieren. Cem Sey bei Qantara am 02.08.2006 http://de.qantara.de/Die-Zukunft-der-Scharia-ist-der-saekulare-Staat/3524c3618i1p402/ In Libyen ist das Familien- und Erbrecht schon lange von Scharia-Grundsätzen geprägt. Also: Was genau ist die Scharia? In der westlichen Debatte, auch unter manchen Muslimen, wird sie meist als Gegensatz zu demokratischer Rechtsstaatlichkeit gesehen. Das ist jedoch weniger als die Hälfte der Wahrheit. In einem weiten Verständnis, das viele Muslime haben, beinhaltet die Scharia das gesamte, höchst komplexe und flexible System islamischer religiöser und rechtlicher Normen und deren Interpretation. (…) So kann die “Scharia” auch den Einsatz gegen Folter, Korruption und staatliche Willkür gegen BürgerInnen begründen. Die Partei der ägyptischen Muslimbrüder (HHA) setzt Scharia in ihrem Programm mit Demokratie gleich, im Gegensatz zu Gottesstaat und Militärherrschaft. (…) Wer aber über die Grenzen liberalsäkularer Eliten hinaus in die breite Bevölkerung hineinwirken will, wird sich ohne Bezugnahme auf islamische Kultur und Scharia schwertun. Muslimische Vorkämpfer der Menschenrechte wie Schirin Ebadi oder Nasr Hamid Abu Zaid befürworten deshalb eine kulturelle Übersetzung der Menschenrechte in die herrschende Denktradition, die sie als etwas “Eigenes” erfahrbar machen. Die Klimakatastrophe, die dem Arabischen Frühling tatsächlich droht, ist nicht die Scharia per se, sondern weitere Destabilisierung im wirtschaftlichen und sozialen Bereich. aus: Mathias Rohe: Eine westliche Fehlinterpretation bei: Qantara 02.12.2011 http://de.qantara.de/Eine-westliche-Fehlinterpretation/17880c18506i0p/index.html Der Schariaverweigerer brutzelt auf ewig in der Feuergrube, weil er den Sinn gelingenden menschlichen Lebens verfehlt hat, den Rechtsgehorsam nach Maßgabe von Scharia und Fiqh. Wenn die Gottheit Souverän und die Scharia die Wolke ist, regnen Gesetze vom Himmel. Aus: Edward von Roy: Die Landesregierung, der Verbandsislam und die Suche nach dem bekennenden Religionsunterricht. Offener Brief an die Düsseldorfer Landtagsabgeordneten. Zum 10.12.2011. http://jacquesauvergne.wordpress.com/2011/12/05/273/ Tags: arabische Welt, Arabischer Frühling, gemäßigte Islamisten, Islam Darstellungen abgleichen, Muslimbruderschaft, nahda, Qantara, Umbruch in der Arabischen Welt, Weltreporter
Januar 16, 2012 um 11:41 pm
Zur Scharia schreibt der selbst von Indien aus verlegte nigerianische Rechtsanwalt Adeleke Dirisu Ajijola
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Al Haj A.D. Ajijola (Author)
What is Shariah?
Hardcover: 370 pages
Publisher: South Asia Books; 1 edition
ISBN-10: 8174350284
ISBN-13: 978-8174350282
What Is Shariah? (Hardbound)
By: Ajijola, Al Haj A D (Author)
http://www.rightshopping.in/Books/p_d.asp?pid=8174351299&item=What-Is-Shariah?
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Alhaj ad Ajijola What is Shariah ? (81-7435-129-9 / 8174351299) .
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Ajijola, A. D.
Introduction to Islamic Law
. Karachi, Pakistan: InternationalIslamic Publishers, 2002
http://www.scribd.com/doc/24089215/Historical-Dictionary-of-Islam
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Alhaj A. D. Ajijola,
The Essence of Faith in Islam (Lahore, Pakistan: Islamic Publications Ltd., 1978)
“The Unity of Allah is the distinguishing characteristic of Islam. This is the purest form of monotheism, i.e., the worship of Allah Who was neither begotten nor beget nor had any associates with Him in His Godhead. Islam teaches this in the most unequivocal terms.”
http://www.scribd.com/doc/74575034/Answering-Islam-The-Crescent-in-Light-of-the-Cross-By-NORMAN-L-GEISLER-ABDUL-SALEEB
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The Essence of Faith in Islam / by A. D. Ajijola [Taschenbuch]
Adeleke Dirisu (1932-) Ajijola (Autor)
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Introduction to Islamic Law [By Alhaji A.D. Ajijola, Bar at Law
[3c5,Ed: SM Madni Abbasi, HB 410pp, Indian Print, {Shariat, Fiqh, Usul, Hukm, A valuable book for law]
Introduction to Islamic Law [By Alhaji A.D. Ajijola, Bar at Law
Introduction To Islamic Law
Alhaji A.D.Ajijola
Revised & Edited By S M Madni Abbasi
Hardback 412 Pages
Published in India
Written By an Outstanding Nigerian Lawyer. It presents a complete history of the development and codification of Islamic Law.
It’s Salient features, its various aspects. It also introduces the great works of previous scholars. A valuable book for lawyers and parliamentarians
Part 1-Islamic Jurisprudence
Part 2-The Imams of Jurisprudence or the Schools of Law
Part 3-The Sources of Law
Part 4-A Birds eye view of Islamic Jurisprudence
Part 5-Family Relations
Part 6-Succession and Inheritance
Part 7-Wills and Death-bed Gifts
Part 8-Allienation
Part 9-Modern Reforms in The Islamic Personal Law
http://kitaabun.com/shopping3/product_info.php?manufacturers_id=59&products_id=1840&osCsid=b0d
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Concept Of Family In Islam, The
Al Hajj A. D. Ajijola
ISBN: 8174351914
List Price: INR 200.00
ISBN-13: 9788174351913
Language: English
Publisher: Adam Publishers & Distributors
http://www.a1webstores.com/concept-family-islam/itemdetail/8174351914/
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The Hijacking of Christianity
Alhaj A.D Ajijola
http://www.simplyislam.com/iteminfo.asp?item=53799
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weitere Buchtitel:
Islamic conception of law
Basic Quranic moral teaching
Are you saved?
Qurʼān in the classroom
http://www.ranker.com/list/adeleke-dirisu-ajijola-books-and-stories-and-written-works/reference
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Prophet Muhammad and his mission
http://books.google.de/books/about/Prophet_Muhammad_and_his_mission.html?id=UrpSGwAACAAJ&redir_esc=y
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Sharia is perfection. It is the constitution of Islam. Sharia is selfsufficient, it needs no supplements. It is perfect without any change for the present and the future. It is perfect and sublime. It has been revealed by Allah and is the creation of Allah!
Al Haj A.D. Ajijola (Bar-at-law)
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Februar 4, 2012 um 9:45 am
Die Arbeiterinnen werden bei IKOMET gezwungen Blanko Vertraege zu unterzeichnen, die sie nie zu Gesicht bekommen.
http://www.labournet.de/internationales/gr/kuneva.pdf