Bayerns Asylpolitik

März 20, 2012

Presseerklärung

Zentralrat der Ex-Muslime (ZdE)

20.03. 2012

Seit dem 19. März 2012 greifen Flüchtlinge in Würzburg zu den Mitteln von Hungerstreik und Sitzstreik. Diesen aus dem Iran stammenden Menschen geht es darum, die Öffentlichkeit auf ihre Situation aufmerksam zu machen.

Würzburg ist die Stadt, in der sich vor nicht einmal zwei Monaten der Iraner Mohammad Rahsepar umgebracht hat. In der Nacht vom 28. zum 29. Januar 2012 erhängte sich der Dreißigjährige in seinem Zimmer im Würzburger Asylbewerberheim. Er hinterlässt seine Frau und seinen siebenjährigen Sohn, die beide im Iran leben.

Jetzt wollen diese Flüchtlinge zeigen, aus welchem Land sie zu uns geflohen sind und wie wenig die Asylpolitik von Bayern mit humanen Werten oder Menschenwürde zu tun hat. Viele dieser Flüchtlinge leben in einer völlig unsicheren Situation, nach mehr als drei Jahren, manchmal sogar seit elf Jahren der Anwesenheit in Deutschland wissen sie immer noch nicht, ob sie hier bleiben dürfen.

Eine Abschiebung in den Iran ist lebensgefährlich – diese Leute brauchen unsere Unterstützung.

Der Zentralrat der Ex-Muslime (ZdE) unterstützt diese Aktion und verlangt vom Innenministerium des Freistaats, eine humane und transparente Asylpolitik zu gewährleisten. Besonders auch für Ex-Muslime und politische Dissidenten muss ein zügiges Asylverfahren das Bleiberecht in Deutschland sichern.

Hassan Hosseinzadeh ist einer der Streikenden. Seit vier Jahren wartet der Ex-Muslim auf das erfolgreiche Ende seines Anerkennungsverfahrens. Bis heute hat Hosseinzadeh nur negative Antworten bekommen. Wir vom ZdE wissen, dass jede Abschiebung dieser Ex-Muslime zurück in den Iran ihre Todesstrafe und Hinrichtung bedeutet und verlangen, dass Herr Hosseinzadeh hier schnellstmöglich Asyl erhält.

Wir verurteilen die gegenwärtige bayerische Asylpolitik und verlangen eine Verbesserung hinsichtlich der Lebenssituation von Asylbewerbern sowie das Bleiberecht für die Flüchtlinge aus Diktaturen wie beispielsweise aus dem Iran.

Zentralrat der Ex-Muslime (ZdE)

Mina Ahadi

E-Mail: minaahadi@aol.com

Telefon: 0049 (0) 1775692413

Internationales Komitee gegen Todesstrafe

International Committee Against Execution (ICAE)

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Internationales Komitee gegen Steinigung

International Committee Against Stoning (ICAS)

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Offener Brief der SPME: Warum verteidigen Sie das iranische Regime?

März 3, 2012

سلام

peace

Frieden

Offener Brief an die Professoren Altvater, Birckenbach, Dürr, Fetscher, Grottian, Krippendorff, Narr und Negt sowie an Bahman Nirumand und weitere Unterzeichner des Aufrufs “Sanktionen und Kriegsdrohungen sofort beenden”[1]

Sehr geehrte Damen und Herren, werte Kolleginnen und Kollegen,

wir bedauern, dass Sie mit der Autorität Ihres Namens einer Erklärung zum Irankonflikt Gewicht verleihen, die das iranische Regime von jeglicher Verantwortung für die Zuspitzung der Lage freispricht. Ist Ihnen denn entgangen, dass dieses Regime die Zerstörung eines UN Mitgliedsstaates propagiert und seine Raketenentwicklung hierauf ausrichtet? Oder betrachten Sie die Tatsache, dass die Mullahs Israel erklärtermaßen auszulöschen suchen, als eine Marginalie, die in einem Aufruf an die deutsche Öffentlichkeit keine Erwähnung verdient?

Ihre Erklärung missbraucht die Ängste vor einer kriegerischen Auseinandersetzung für einen ideologischen Zweck: Sie will allein den Westen – die USA, die EU und Israel – an den Pranger stellen, so als befänden wir uns nach wie vor im Kalten Krieg, so als böte das jetzige Regime in Teheran eine gesellschaftspolitische Alternative, die wie selbstverständlich zu verteidigen sei. Auf diese Weise wird Realität verzerrt.

• Gemäß Ihrer Erklärung “tragen USA und EU die Hauptverantwortung dafür, dass kaum ein Oppositionspolitiker im Iran es wagt, die Atompolitik der Islamischen Republik in Frage zu stellen.” Diese Schuldzuweisung erinnert an die Taktik des Regimes, das immer wieder den Westen für selbstverursachtes Leid verantwortlich zu machen sucht. Warum verschweigen Sie, dass die iranischen Machthaber die eigene Bevölkerung und jedes oppositionelle Wort brutal unterdrücken? Warum denunzieren Sie Iraner, die für einen Regime-Wechsel eintreten, als „Mitläufer” der USA, so als sei der Drang nach Freiheit und Demokratie boshaft und fremdgesteuert?

• Gemäß Ihrer Erklarung sind „Israels Atomarsenal und die militärische Einkreisung Irans durch die USA … wichtige Ursachen für die Rüstungsanstrengungen Irans.” Damit erwecken Sie den Eindruck, die eigentliche Gefahr ginge von Israel und der Obama-Administration aus. Ist Ihnen denn entgangen, dass es nicht die Angst vor Israel, sondern die Angst vor dem Iran ist, die heute viele Staaten der arabischen Welt zum Aufbau eigener Atomarsenale treibt? Haben sie vergessen, dass es Barack Obama war, der seine Hand zum Frieden gereicht und für eine Entspannung der bilateralen Beziehungen geworben hat? Eine Staatsführung, die tatsächlich um die militärische Sicherheit Irans besorgt wäre, hätte dieses Angebot genutzt. Das Regime aber demonstrierte, dass es Entspannung nicht will. Es wies Obamas Gesprächsangebot zurück und unterdrückte die grüne Bewegung gegen Ahmadinejad brachial. Ihre Erklärung klammert diese Tatsache aus und entschuldigt die iranische Atomaufrüstung als einen defensiven Akt.

• Sie sprechen von einer „historischen Parallele” zwischen der britisch-iranischen Auseinandersetzung der frühen Fünfzigerjahre und dem gegenwärtigen Druck des Westens auf das Regime. Ist Ihnen denn entgangen, dass heute nicht die „Anglo-Persian Oil Company” sondern der UN-Sicherheitsrat Druck macht, um das iranische Regime zu einer Politikänderung zu veranlassen? Glauben Sie tatsächlich, dass es der Weltgemeinschaft um Öl-Profite und nicht um die iranische Verletzung des Atomwaffensperrvertrags und die Gefahr der iranischen Bombe – um die Bedrohung des Friedens also geht?

Während die Weltgemeinschaft iranische Atomwaffen verhindern will, hält sich Ihre Erklärung ausgerechnet in dieser Frage bedeckt. Sie verschweigen, ob Sie die iranische Atomwaffenoption gutheißen oder ablehnen. Sie formulieren Forderungen an den amerikanischen Präsidenten und an die deutsche Bundeskanzlerin, nicht aber an den Iran.

Ihre Forderung an die Bundesregierung, „die riskante Sanktionseskalation” zu stoppen, um stattdessen eine UNO-Konferenz zugunsten einer atomwaffenfreien Zone im Mittleren und Nahen Osten zu unterstützen, macht klar, dass Sie mit harten Sanktionen das einzige Instrument, das kurzfristig vielleicht noch beides – die iranische Bombe und die Bombardierung Irans – verhindern könnte, ablehnen. Ihre „Erklärung aus der Friedensbewegung und der Friedensforschung vom 23.2.2012″ lauft vorerst auf die Akzeptanz der iranischen Atomwaffenoption hinaus.

Sie treten öffentlich für Frieden ein. Bitte prüfen Sie selbst, ob es dem Frieden im Nahen Osten dient, wenn man die einzige Kraft, die jedweden Nahostfrieden seit 30 Jahren verhindert und bekämpft, die den Holocaust leugnet und Antisemitismus propagiert, die die israelische Politik nicht verändern, sondern den Staat Israel vernichten will – wenn man ausgerechnet dieser Kraft jenen Dienst erweist, den Sie ihr mit dieser Erklärung erweisen.

Wir fordern Sie auf, Ihre Unterschrift unter diesem Aufruf zurückzuziehen. Wir sind gern und auf jeder Ebene bereit, den Gegenstand unseres Briefes naher zu erläutern.

Mit freundlichem Grüßen,

Prof. Dr. Ralf R. Schumann, Dr. Matthias Küntzel, Dr. Nikoline Hansen

für den Vorstand von SPME Germany

Berlin, den 2. März 2012

[1] Kooperation für den Frieden: Friedens- statt Kriegspolitik im Irankonflikt: Sanktionen und Kriegsdrohungen sofort beenden

http://www.aixpaix.de/iran/iran-erklaerung.pdf

Q u e l l e

Warum verteidigen Sie das iranische Regime?

By: Der Vorstand von SPME Germany

No. 8541 SPME Faculty Forum German Edition February 28, 2012

http://spme.net/articles/8541/2/speakers.cgi/Warum-verteidigen-Sie-das-iranische-Regime.html

Zukunftsdialog: Offene Diskussion über den Islam

März 2, 2012

أنجيلا ميركل

А́нгела Ме́ркель

Angela Merkel

Merkels Zukunftsdialog und der Islam

Am 01.02.2012 forderte Thomas Martin im Rahmen des Zukunftsdialogs der Bundeskanzlerin dankenswerterweise die Offene Diskussion über den Islam und begründete überzeugend und bündig:

Das Thema Islam wird von Politik und Medien gründlich gemieden, Islamkritiker werden bestenfalls ignoriert, meist aber diffamiert, Islamkritik wird pathologisiert und kriminalisiert. Eine argumentative Auseinandersetzung über den Islam muss endlich stattfinden. In der Politik. In den Medien.

Zu dem in nur vier Wochen mit etwa 73.000 positiven Bewertungen versehenen Themenvorschlag sind fast viertausend Kommentare eingegangen, die leider nicht nur aufklärungshumanistische und menschenrechtsuniversalistische Positionen umfassen, sondern auch notorischen Fremdenfeinden, christlichen Fundis oder wertebeliebigen Kulturrelativisten eine Bühne geben.

Trotz alledem sollte man sich als Islamkritiker am bestbewerteten Vorschlag des Themenfeldes Wie wollen wir zusammenleben? beteiligen, meint dieses Blog. Jeder Kommentar darf nur aus bis zu 1500 Zeichen bestehen, ein Anspruch auf Freischaltung besteht nicht. Aus dem Diskussionsbereich.

Am 02.03.2012 um 15:55 Uhr schrieb Edward von Roy:

Solange die auf einer wortwörtlichen Lesart von Koran und Hadith entstehenden Schariapflichten nicht abgelegt sind, wird der organisierte Islam auf Segregation (Apartheid) hinarbeiten.

Die deutschen Islamverbände müssen sich von der auf Ungleichbehandlung (Diskriminierung) beruhenden Scharia distanzieren. Recht und Pädagogik der kulturellen Moderne können darauf bestehen, dass den so genannten muslimischen Kindern – gerade auch im Islamischen Religionsunterricht – keine Angst vor der ewigen Verdammnis (Höllenfeuer) gemacht werden darf (sinngemäß etwa: “Mädchen, falls du keinen Hidschab trägst, verspielst du Allahs Wohlgefallen”).

Die Jenseitszentriertheit von halal und haram, das “die Seele rettende” diskriminierende und dabei vor allem frauenfeindliche Wohlverhalten des die Aufklärung verweigernden orthodoxen Islam muss endlich thematisiert werden.

Wir stehen an der Weggabelung zwischen säkularem Recht für alle und jeden (Allgemeine Erklärung der Menschenrechte; Grundgesetz) und einem Rechtspluralismus verschiedener Glaubensnationen oder Religionsvölker, in dem die (angeblich) zu muslimisierenden Menschen ihren Muftis und Scheichen wohl kaum noch offen werden widersprechen können.

Jede Kategoriebildung in Nichtmuslime und Muslime dürfen wir im Namen des Weltbürgerlichen und Staatsbürgerlichen zurückweisen, denn Muslime sind keine Spezies, keine Sorte Mensch.

Am selben Tag um 15:58 Uhr stellte Gabi Schmidt fest:

In der BRD gilt das Grundgesetz. Die Grundrechte (vgl. AEMR, Paris 1948) binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht, das Deutsche Volk bekennt sich zu den allgemeinen, unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten.

Alle islamischen Strömungen berufen sich auf die Scharia, das islamische Gesetz. Sie enthält alle Normen und Werte, die praktizierende Muslime überall auf der Welt zu jeder Zeit kritiklos akzeptieren und wortgetreu umsetzen müssen, wenn sie ein gelingendes Leben führen und ins Paradies eingehen wollen. Auf der Grundlage von Koran (die wörtliche Offenbarung Allahs) und Sunna (die vorbildliche Lebensweise und die gottgefälligen Ratschläge des Propheten) sind alle kultischen Vorschriften, ‏Riten, gottesdienstliche Handlungen sowie die Beziehungen jedes Menschen zu seinen Mitmenschen und zu Allah verpflichtend geregelt. Das eigenmächtige Erforschen von Sinn und Logik der göttlichen Gesetze ist nicht zulässig. Das sieht der KRM nicht anders.

In dieser Welt ist die Scharia in Form von religiösen Gutachten (Fatwas), islamischen Gesetzen und Schariaurteilen zu verwirklichen. Ausschließlich Rechtsgelehrten stehen dafür verschiedene Methoden der Rechtsfindung zur Verfügung, die allerdings Koran und Sunna nicht widersprechen dürfen. Ein auf der Scharia basierender Islam ist verfassungswidrig. Die ungestörte Religionsausübung ist nicht unbegrenzt geschützt.

Um 19:03 Uhr ergänzte Edward von Roy:

Ärgerlicherweise ist in den letzten Jahren nicht zuletzt auch den islamischen Theologen, die der Muslimbruderschaft (europäisch FIOE, deutsch IGD) nahe stehen, der ziemlich ungehinderte Zugang zu unseren Hochschulen (Islamische Studien, Wissenschaftsrat 2010) und Schulen (Islamischer Religionsunterricht in NRW, 2012) gewährt worden.

Es hätte klar sein müssen, dass sich die Theologie des Koordinierungsrats (KRM) nie von derjenigen des muslimbrudernahen Institut des Sciences Humaines (IESH) unterscheiden kann; Kirchentagsgast (Dresden 2012) und Uni-Ehrengast (Tübingen 2013) Mustafa Ceric beispielsweise ist Scheich bei Yusuf al-Qaradawi. Die global aktive, pakistanisch geprägte Darul Uloom oder die türkische Milli-Görüs-Bewegung haben natürlich auch keine andere Scharia im Angebot als Scheich al-Qaradawi.

So werden die Mauern des Schweigens und der Denkverbote zur heilssichernden Ungleichbehandlung und insbesondere Frauenfeindlichkeit der Scharia das Klima unserer Hörsäle und Klassenzimmer mit viel Belauern und Einschüchtern prägen, wenn der Souverän (immerhin das Volk) nicht im Sinne der allgemeinen Menschenrechte, des wissenschaftlichen Denkens und der Rechtseinheitlichkeit widerspricht.

Der an der Scharia festhaltende Islam ist in einer Demokratie, die an ihrer Abschaffung nicht interessiert ist, nicht lehrbar. Der Islam von Scharia und Fiqh ist nicht schulreif.

Quellen

Die Bundeskanzlerin.

Zukunftsdialog. Wie wollen wir zusammenleben?

Offene Diskussion über den Islam

https://www.dialog-ueber-deutschland.de/DE/20-Vorschlaege/10-Wie-Leben/Einzelansicht/vorschlaege_einzelansicht_node.html?cms_idIdea=309

Die Bundesregierung am 01.02.2012:

Bürgerdialog der Bundeskanzlerin jetzt im Internet

Schon in den ersten Stunden des Dialoges sind mehrere hundert Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Einladung der Bundeskanzlerin gefolgt: “Ich lade Sie ein zum Dialog über Deutschlands Zukunft”, sagt die Bundeskanzlerin in ihrem Grußwort zum Dialog, “Jetzt möchte ich mit Ihnen über Ihre Vorschläge im Internet diskutieren.”

Der Bürgerdialog ist Teil des Zukunftsdialoges der Bundeskanzlerin. Unter dem Leitgedanken “Menschlich und erfolgreich. Dialog über Deutschlands Zukunft” sind konkrete Vorschläge für das kommende Jahrzehnt gefragt. Alle interessierten Internetnutzer sind herzlich eingeladen, sich zu beteiligen.

http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/2012/02/2012-02-01-start-buergerdialog.html

Parteiliche Frauenarbeit und AEMR

Februar 25, 2012

‏ تروس

turūs

cogwheels, gears

Zahnräder

Scharia und Produktplatzierung

Ein wenig Zahnrad sein im Getriebe der Islamisierung. Zwangsheiraten und Ehrenmorde schaffen neue Institutionen und einen postmodernen Begriff von Frauenrechtsarbeit und Menschenrechten bzw. Menschenrechtsarbeit. Seit eineinhalb Jahrzehnten wird der den Islam erklärende, nach eigenen Aussagen in der Hauptsache gegen Zwangsheirat aktive Pınar Verein für Menschenrechte und Integration (Name geändert) in der deutschen Presse in aller Ergriffenheit gelobt und in Form von Buchlesungen oder Rathausempfängen im kleinen Kreise ekstatisch gefeiert. Ein Gastbeitrag von Edward von Roy (2012).

Ein (Sinn-/Macht-)Vakuum bleibt ungern leer und angesichts von (Allahs) integrationspolitischen Nebelschwaden lechzt das deutsche Publikum nach Welterklärern sprich Islamverklärern. Die parallele Justiz des Islamischen Rechts (Scharia) muss dem Volk irgendwie erklärt werden, sofern man nicht, wie der postmoderne rheinland-pfälzische Justizminister im Februar 2012, “außergerichtliche Schlichtungen” auf Basis der Scharia als “sinnvoll” bezeichnen und gleich ganz aus der Rechtseinheitlichkeit aussteigen möchte: “Wenn das in Form von Schiedsgerichten geschieht wie im Handel oder im Sport, dann ist das vertretbar” (Jochen Hartloff 2012). “Unser Rechtsstaat darf unter gar keinen Umständen von so etwas Unmenschlichem wie der Scharia unterwandert werden” kommentierte CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt erfreulicherweise, und Stephan Mayer forderte Hartloffs Rücktritt: “Es ist unvorstellbar, dass ein Justizminister solche Gedanken hegt”, sagte der CSU-Rechtsexperte: “Die Scharia ist in jeder Form grausam und menschenverachtend.”

Christlicher Klerus und Kirchentagsbewegte aber möchten Minister Hartloff nicht widersprechen, sondern Allahs Komplettangebot (Koran plus Scharia) pauschal gut finden. Was tun? Rettung naht aus dem deutschen Südwesten, und das ist die Stunde der Islamverharmloserin Sevim Çağrı:

“Diese sogenannten Friedensrichter sind in erster Linie Privatleute ohne juristische Ausbildung. Zum einen sind es Imame, die diese Schlichtung praktizieren und diese Lehren weitergeben.”

Das sieht Allah aber ganz anders, der Mufti oder Kadi ist das Original, der BRD-Richter der unsittliche bis satanische Abklatsch. Çağrı übergeht, dass nur das Befolgen der Befehle von Koranbuch, Gelehrtenschaft (‘Ulama) und Imamen die Seele vor der ewigen Verdammnis (vielleicht, inschallah) rettet.

“Zum anderen sind das lediglich Familienälteste oder Clanchefs”,

na, dann wird es doch Zeit, dass wir die Muftis von ECFR (European Council for Fatwa and Research, Gründer Chef ist Scheich Yusuf al-Qaradawi) und RIGD an unseren Gerichten installieren, damit endlich ordentlich Recht gesprochen wird?! Çağrı schweigt geschickt – und bewusst – zu den europäischen Scharialehrstätten wie v.a. Château-Chinon (FIOE / Muslimbruderschaft) und spielt beim längst proislamisch eingenordeten deutschen Kirchenvolk ein bisschen die Kultursensible.

Eine grob skizzierende Türkenkennerin erspart einem Christenmenschen die Auseinandersetzung mit dem Thema Integration, zum Kirchentag oder zur Sant’Egidio-Friedenskonferenz lädt man dann die theologisch geschulten Muslimbrüder, die Herren übernehmen die Feineinstellung.

Islam als Weltanschauung und Lebensstil (Islamic Shari’a Council focusing on “shari’a ‘a way of life'”) heißt es am The Islamic Shari’a Council (34 Francis Road, London), wo man die einzig von Gott angenommene Eheschließung (nikah) anbietet und die dazugehörige männerfreundliche islamische Verstoßung (talaq) gleich mit.

Die deutsche Variante, demnächst den staatlichen Islamischen Religionsunterricht mitgestaltend, ist der Rat der Imame und Gelehrten Deutschlands (RIGD). RIGD-Vorsitzender ist Dr. Khaled Hanafy, ein Hochschullehrer der Azhar-Universität (Islamisches Recht) sowie Imam und Rechtsberater des Islamischen Informationszentrums in Frankfurt am Main (Islamische Informations- und Serviceleistungen e.V.).

Islamfreundin Sevim Çağrı beschwert sich nicht über die Schariapraxis von ECFR oder RIGD, sondern über namenlos bleibende Hinterhofrichter. Deren Justiz:

“basiert auf drei Prinzipien: Schlichtung, Strafverzicht gegen finanzielle Wiedergutmachung und Selbstjustiz”,

so`n Kappes, das wichtigste Prinzip ist der bewahrte Gnadenstand mit dem Schöpfer und sekündlichen Erhalter des Weltalls, sprich das unbeschädigte Heil im Diesseits und im Jenseits. Nicht der Mensch ist Souverän, Allah ist schließlich Chef. Das ist keine “Selbstjustiz” (Çağrı), das ist ‘Die wahre Religion’ (Abou-Nagie), das ist Justiz.

“Der Einfluss der Schariarichter ist umfassend”,

orakelt Çağrı nun alarmistisch, ohne irgendeinen Beweis zu liefern (wie stets übrigens; auch die ‘Qualität’ sprich Förderungswürdigkeit von Pınar ist über einen schnöden Nachweis erhaben). Werden die Praktiker der Islamjustiz von der selbsternannten Frauenrechtlerin nicht bereits als ganzheitlich (“umfassend”) verharmlost und sogar ein wenig legitimiert?

Zwischen Stammesrat (fallweise ja auch mal nichtislamisch) und koranbasierter Rechtssprechung hätte man genauer unterscheiden müssen, mit:

“die hochgefährlichen Folgen der Selbstjustiz durch Schariarichter”

sind offensichtlich die Freunde der wortwörtlichen Lesart des Korans gemeint. Wie aber kommt Çağrı auf “hochgefährlich”, die Parteigänger von Yusuf al-Qaradawi wollen in den Himmel kommen und kämpfen für die islamisch prekäre Würde der Frau und für das gelingende Soziale (im Sinne des Kalifats). Aus ihrer Sicht ist das säkulare Gericht hochgefährlich (man frage die Salafisten Mustafa Cerić oder Tariq Ramadan). Allahs Justiz anzuwenden ist zudem keine Selbstjustiz, sondern praktizierter Gottgehorsam.

Keine Silbe des Bekenntnisses zur vorbehaltlosen Geltung der AEMR (Allgemeine Erklärung der Menschenrechte), statt dessen deutet Menschenrechtlerin Çağrı an, die Schariarichter wären irgendwie noch nicht religiös genug und hätten den Islam überhaupt völlig falsch verstanden.

“Es kommt auch vor, dass die Tat gerne einem Familienmitglied zugeschoben wird, das die geringste oder gar keine Strafe zu erwarten hat.”

Na klar, das ist leider überall so, wo der Stamm sehr viel gilt und das Individuum sehr wenig. Das ist Stammeskultur/Parallelkultur pur und damit nicht bloß islamisch, sondern kann auch mal zigeunerisch, kurdisch-jesidisch, christlich-albanisch sein oder in einem schwarzafrikanischen Straßenzug stattfinden oder einer China Town.

“Das Resultat ist dann bei genauerer Betrachtung das Ergebnis von Druck und Erpressung anstatt Gerechtigkeit.”

Allah ist nie ungerecht und die Scharia auch nicht (sagt Pierre Vogel). Frau Çağrı ist zu feige, zu sagen, dass auch die echt islamischen Familiengesetze Pakistans, Saudi-Arabiens oder des Iran “das Ergebnis von Druck und Erpressung anstatt Gerechtigkeit” sind, wie überhaupt seit Bestehen des Islam die den Teufel abwehrende und die Seele rettende Justiz “das Ergebnis von Druck und Erpressung” ist und im Sinne der Wissenschaftlichkeit oder der am 10. Dezember 1948 bekundeten AEMR nie zu “Gerechtigkeit” führen kann.

Pınar Verein für Menschenrechte und Integration weicht dieser Problematik elegant aus und redet, bereits im ausführlichen Vereinsnamen, nicht von allgemeinen Menschenrechten, sondern vage von “Menschenrechten”, also nicht anders, als es die islamrevolutionäre Organisation of Islamic Cooperation (OIC) mit ihrer Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam (1990) macht. Auch ein Wohlgefallen verspürender Allah kennt “kein anderes Recht als die Scharia”:

“In solchen unkontrollierbaren, islamischen Parallelstrukturen, in denen eine Schlichtungskultur herrscht, kennen die Menschen kein anderes Recht als die Scharia. Vor allem bei Straftaten gegenüber Frauen führen solche Parallelstrukturen im Bereich der Strafrechtspflege zu enormem Leid bei einer unüberschaubaren Anzahl von Opfern.”

Das Schaffen von Tätern und Opfern im Islam ist leider richtig und hier halbwegs vernünftig gesagt. Nur “unkontrollierbar” ist Unsinn, Allah hat alles unter Kontrolle, und “Leid” stimmt nicht, Islam ist LIEBE und führt zur Glückseligkeit (demnächst per Imam al-Ghazali in unseren Uni-Hörsälen).

Jetzt aber kaufmännisch gedacht und auf zur Produktplatzierung, der Verein braucht etwas Geld:

“Die Ermittlungsbehörden und die Gerichte sollten speziell geschultes Personal einsetzen, um die Vorgänge im Hintergrund besser einschätzen zu können. Selbstverständlich können sie hierbei auf die langjährige Erfahrung einiger Krisen- und Hilfseinrichtung, wie meinem Verein, Pınar e.V., zurückgreifen.”

Will Frauenretterin Çağrı einen Job als Kulturdolmetscherin am deutschen Familiengericht? Pınar-Beratung in jeder Stadt (“juristisch, medizinisch”, s.u.), tägliche Pınar-Islamerklärung, ein Pınar-Ministerium, und überhaupt, das Amt der/des BundespräsidentIn ist gerade vakant?

“Mein Verein und ich betreuten in erster Linie junge Frauen und Mädchen, aber auch junge Männer in jeglichen Notlagen. Wir unterstützen sie juristisch, medizinisch, aber vor allem menschlich.”

Rauschender Applaus, Nachweis null, wie immer. Dafür geht es per Durchklick zum Spendenkonto (nun, “menschlich”). Der Deutsche will sich so gerne gütig und ‘gut’ fühlen. Wie einst beim Ablass-Handel.

Mit einer solchen Frauenrechts- und Menschenrechtsarbeit können Administration und globalisierter Lehrbetrieb des Islamischen Rechts ungehindert Form annehmen.

Edward von Roy

Freiheitslied für die politischen Gefangenen im Iran

Februar 19, 2012

زندان

zendān

prison

Gefängnis

To blaze the way

Den Weg bahnen

Dieses Lied ist den politischen Häftlingen in der staatsterroristischen Islamischen Republik Iran gewidmet, insbesondere denen, die im Rahmen der legitimen Proteste nach den Präsidentschaftswahlen (2009) inhaftiert worden sind. Wir denken an Gefängnisse wie das von Täbris, wo Sakineh Mohammadi Ashtiani eingesperrt ist, Teheran (z.B. das Evin Prison) oder Karadsch (Gohardasht Prison genannt Rajai Shahr Prison) und an all jene mutigen Menschen, die zwar nicht mehr oder noch nicht eingesperrt sind, denen aber die schariarechtlich einwandfreie Verhaftung jederzeit droht. In der Hoffnung auf einen säkularen Iran, der allen Menschen und ihren allgemeinen Menschenrechten (10.12.1948) gerecht wird. Gesungen auf die weltbekannte Melodie der Moorsoldaten (KZ Börgermoor, Surwold bei Papenburg / Emsland 27.08.1933) von Rudi Goguel (1908-1976), Text: Cees van der Duin (Köln am Free Expression Day 11.02.2012).

Während wir geknechtet kauern

ziehen Vögel durch das Licht,

queren die Gefängnismauern,

kennen unser Elend nicht.

Sie können uns nicht hindern,

Freiheit bricht sich Bahn

im Iran.

Turbanträger, Polizisten

haben uns in ihrer Hand.

Schreiben sie auch Todeslisten,

uns gehört das ganze Land.

Sie können uns nicht hindern,

Freiheit bricht sich Bahn

im Iran.

Mögen sie uns treten, schlagen,

spucken sie uns ins Gesicht,

wir Iraner können sagen:

euch gehört die Zukunft nicht.

Sie können uns nicht hindern,

Freiheit bricht sich Bahn

im Iran.

Niemand kann Iran betrügen

diesen gilt es, ungeschwächt

in die Menschheit einzufügen,

ins globale Menschenrecht.

Sie können uns nicht hindern,

Freiheit bricht sich Bahn

im Iran.

Weichen werden Angst und Sorgen

und der Terror dieser Zeit,

nächstes Jahr, vielleicht schon morgen,

ja, die Freiheit ist nicht weit.

Sie können uns nicht hindern,

Freiheit bricht sich Bahn

im Iran.

Freiheit für alle politischen Gefangenen im Iran

Februar 12, 2012

زندانی سیاسی

zendāniyān-e siyāsi

political prisoners

Politische Gefangene

Bekanntmachung Nr. 1

(Unautorisierte Übersetzung aus dem Englischen von Edward von Roy; der Originaltext findet sich weiter unten)

Im Gohardasht genannten Vorort Radschai Schahr der iranischen Großstadt Karadsch ist ein Gefängnis, das seit 1979 für besonders grausame Haftbedingungen, für Folter, Hinrichtungen, Morde und Selbstmorde bekannt ist. Häftlingen aus dem Rajai Shahr Prison ist es gelungen, einen Brief an die britische Rockband Pink Floyd zu verfassen: “Schreiben Sie ein Lied für die freiheitsliebenden Menschen im Iran! Wir hoffen auf den Tag, an dem auch wir Die Freiheit ist gekommen rufen können … With glasses high we raise a cry, for freedom has arrived” (aus: David Gilmour: A Great Day For Freedom, Pink Floyd 1994).

Weltweite Kampagne für die Freilassung der Politischen Gefangenen

Dieser Aufruf greift das Anliegen von politischen Gefangenen der verschiedensten politischen Lager auf, die mit Mina Ahadi den direkten Kontakt aufnahmen, um international ein Bewusstsein für die Lage dieser Gefangenen zu schaffen und ihre Freilassung zu fordern, ungeachtet ihrer ideologischen Grundhaltungen und Zielsetzungen. Im Iran sind hunderte von politischen Gefangenen bekannt; zur Zeit liegen uns die Namen von sechshundert von ihnen vor. Unter ihnen sind Arbeiterführer, regimekritische Studenten, Blogger, Rechtsanwälte, politische Aktivisten und junge Menschen, die in der Folge der Proteste nach den iranischen Präsidentschaftswahlen (2009-2010) verhaftet und eingesperrt worden sind, an denen Millionen von Protestierern teilnahmen. Einigen von diesen Gefangenen droht die Todesstrafe. Heute erwarten alle diese Häftlinge von uns, dass wir uns gemeinsam und staatenübergreifend darum bemühen, ihre Freilassung zu erreichen. Die Inhaftierten meinen, dass es dabei am besten ist, wenn sich alle Institutionen und Organisationen gegen die Todesstrafe und für die Befreiung politischer Gefangener zusammenschließen, um die Weltöffentlichkeit auf die schreckliche Lage der politischen Gefangenen im Iran hinzuweisen und eine konzertierte Aktion durchzuführen, damit sie alle freigelassen werden.

Offiziell startete diese Kampagne mit einem Brief aus dem Gefängnis heraus, der an Pink Floyd gerichtet ist:

Lieber Roger!

In der Geschichte hat es immer jene gegeben, die Mauern um alle freien und stolzen Menschen bauen wollten, die nichts anderes im Sinne hatten als Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden. Die Ziegelsteine dieser Mauer sind Egozentrik, Tyrannei und Ausbeutung. Ich möchte dir über Schmerzen und Todesangst berichten, über ein Gefängnis, das sich letztlich über die gesamte Länge und Breite des Iran erstreckt und das seine Bevölkerung mit den Ketten von Faschismus und Tyrannei fesselt. Ein Volk, dem das Recht zu leben und zu wählen ebenso verweigert wird wie individuelle und soziale Freiheiten und das Recht auf ein Streben nach Glück. Während ich dir diese Zeilen schreibe, umgeben mich überall hohe und kalte Mauern.

Lieber Roger!

Mehr als je zuvor braucht die iranische Demokratiebewegung die Unterstützung von freien und kreativen Menschen sowie von ethisch denkenden Künstlern wie dir. Ich bitte dich, einen anerkannten und maßgeblichen Künstler auf den internationalen Bühnen, ein Lied über die Männer und Frauen im Iran zu schreiben, die für die Sache der Freiheit aufgestanden sind, nicht nur, um ihnen Mut zu machen, sondern ebenso, um bei allen Menschen Bewusstsein und Erkenntnis für die schwierigen und bitteren Umstände zu erzeugen, denen diese Individuen standhalten müssen. Dieser Brief ist durch die Zeilen deines Albums “The Wall” angeregt worden, dessen Verse und Melodien zu meiner Jugend gehörten. Die Musik war mir immer ein Freund. Ich habe dich immer bewundert und dich und Pink Floyd sehr in Ehren gehalten. Wir hoffen auf den Tag, an dem die Mauern zusammenbrechen und die Ketten der Dummheit und Tyrannei auseinandergerissen werden. Wir hoffen auf den Tag, an dem “wir mit erhobenen Gläsern lautstark auf die Ankunft der Freiheit anstoßen werden.”

Herzliche Grüße

aus dem Radschai Schahr Gefängnis, Karadsch

Soweit der Text der ersten Mitteilung der Kampagne für die Freilassung der politischen Gefangenen aus dem Radschai-Schahr-Gefängnis in Karadsch. Die Audioversion dieser Botschaft in Englisch und Persisch ist Pink Floyd zugegangen.

Sie ist eine der Mitteilungen der in den Kerkern der Islamischen Republik eingesperrten Häftlinge an die Weltöffentlichkeit.

Wir geben den Aufbau einer weltweiten Kampagne zur Befreiung der politischen Gefangenen und gegen Hinrichtungen bekannt. Allen Menschen wollen wir die Botschaften der politischen Gefangenen und der zum Tode Verurteilten zu Gehör bringen, um eine Zeit des Protests und Widerstands gegen Folter, Justizmorde und die Erniedrigung von politischen Gefangenen zu initiieren und um den Gefangenen durch unsere Aktionen und Botschaften einer internationalen Solidarität zu versichern.

Gegenwärtig ist die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit ja durchaus auf den Iran fokussiert, denn ökonomische Sanktionen und Kriegsdrohungen haben begonnen, sich über den Köpfen der Menschen aufzutürmen. Jetzt muss der Welt klar gemacht werden, dass der zweckmäßige Weg des Protests gegen die Brutalität und Barbarei der Islamischen Republik im Aufbau eines politischen Boykotts gegen dieses Regime besteht, in der Schließung aller Botschaften und sonstigen Auslandsvertretungen und in der Verteidigung des legitimen Rechts des Iranischen Volkes, für die Freilassung der politischen Gefangenen und zur Überwindung dieses brutalen Systems einzutreten.

Wir rufen alle Menschen dazu auf, insbesondere alle Organisationen, die für die Freiheit von politischen Gefangenen und gegen die Todesstrafe kämpfen, eine kohärente und kompakte unabhängige Front für die Freilassung dieser Gefangenen aufzubauen, dafür, jede Hinrichtung zu verhindern sowie dafür, der ganzen Welt endlich die Stimmen und Proteste der politischen Gefangenen hörbar werden zu lassen.

Internationale Kampagne für die Freilassung der politischen Gefangenen

7. Februar 2012

Internationales Komitee gegen Todesstrafe

International Committee Against Execution (ICAE)

http://notonemoreexecution.org

Internationales Komitee gegen Steinigung

International Committee Against Stoning (ICAS)

http://stopstonningnow.com/wpress/

Mina Ahadi

E-Mail: minaahadi@aol.com

Telefon: 0049 (0) 1775692413

Q u e l l e n

Den Aufruf aus dem Radschai-Schahr-Gefängnis an die Musiker von Pink Floyd kann man auch auf der Seite Rowzane finden.

http://rowzane.com/fa/annonce-archiev/65-zendanisiasi/9038-1390-11-22-10-39-10.html

Das im Vorort Gohardasht befindliche Gefängnis (Zendan Gohardasht), nach dem amtlichen Namen des Vororts bekannt als Radschai-Schahr-Gefängnis (Rajai Shahr prison), gehört zum Stadtgebiet der 20 km westlich von Teheran gelegenen Großstadt Karadsch (Karaj)

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/a1/2072.GohardashtPrison.Karaj.jpg

Irans barbarische Haftbedingungen haben System. Folter im “Rajai Shahr”.

http://www.youtube.com/watch?v=wYXlBJZtjEo

http://www.youtube.com/watch?v=DyNQ3liGiUI

The Ward 1 that houses solitary confinements is known as “dog house” because of harsh conditions and barbaric tortures deployed there. The prisoners are subjected to humiliation, insults and various physical tortures such as hunger and rape and are facing gradual death in the appalling living conditions. Every year a dozen of them commit suicide.

http://mvlturner.wordpress.com/tag/death-of-six-revolutionary-guard-commanders/

Brief eines politischen Gefangenen und Menschenrechtsaktivisten an UN-Generalsekretär Ban Ki-moon. Aus dem Rajai-Shahr-Gefängnis von Behrouz Javid Tehrani, 18.04.2010.

Prisoners in solitary confinement hall 2 of ward 1 are beaten with batons (sometimes electrical), sticks, and cable wire, which often causes the prisoners to urinate on themselves. Last year, a young man died after being beaten by a baton. … Our ward is managed by Hassan Akharian, a drug addict who treats the prisoners violently. If any prisoner objects to his unreasonable behaviour, they are automatically sent to solitary confinement hall 2. He has taken away the camera in one of the rooms so he can turn the space into a torture chamber. Ali Hajkazem is the corrupt head of Rajai Shahr prison who allows the guards to commit the crimes. In 2005, I identified more than ten cases of the sale of death row prisoner body parts without permission from the prisoners. … The prison also lacks space and the prisoners go through mental breakdowns as a result. In Rajai Shahr prison, only four of the twenty four halls have beds. The prisoners in the other halls do not even have enough space to sleep; an obvious example of torture. In hall 1 and 3 of ward 1, mental prisoners are mixed with other prisoners, which results in abuse among prisoners.

Behrouz Javid Tehrani, political prisoner and human rights activist.

Rajai Shahr Prison, Hall 1, Ward 1, Gohardasht, Karaj, Iran

April 18, 2010

Translated by: St Journalist and persian2english.com

http://www.astreetjournalist.com/2010/04/21/political-prisoners-of-gohardasht-called-for-united-nations-secretary-general-to-visit-this-prison/

According to a report by Human Rights Activists for Democracy in Iran, Ali Ajami who is a leftist activist had gone to the prison hospital for medical care. While there, the Assistant Warden Khadem severely beat and battered Ali Ajami.

Once Ali Ajami returned to his prison cell in Ward 4, Hall 12, other prisoners having seen his bruises and injuries protested by demanding a public apology from the Assistant Warden Khadem. The prisoners also refused to accept their daily food rations.

The current assistant warden in Rajai-Shahr Prison is one of the known interrogators and torturers in this prison.

http://www.en-hrana.org/index.php?option=com_content&view=article&id=398:imprisoned-student-ali-ajami-beaten-and-battered&catid=11:students&Itemid=14

Pink Floyd

http://de.wikipedia.org/wiki/Pink_Floyd

The Wall entstand 1979 – im Jahr der Islamischen Revolution

http://de.wikipedia.org/wiki/The_Wall#Trivia

Blurred Vision – Another Brick In The Wall (Hey Ayatollah, Leave Those Kids Alone!)

http://www.youtube.com/watch?v=IvvB8WCW7cE&feature=related

http://www.youtube.com/watch?v=OIP38eq-ywc

Blurred Vision sind die Brüder Soheil und Sepehr Osloobi aus Toronto, Kanada

“Our music must stand on its’ own. If we had to categorize it, we would like it to be considered World Music. We are not trying to imitate anyone,” Soheil explains.

http://www.iranian.com/Music/BlurredVision/index.html

http://viewfromdamavand.com/wp-content/uploads/2010/08/Blurred-Vision.jpg

The Division Bell ist das 14. und letzte Studioalbum der britischen Rockband

On the day the wall came down

They threw the locks onto the ground

And with glasses high we raised a cry for freedom had arrived

http://www.songmeanings.net/songs/view/2903/

http://www.lyricsdomain.com/16/pink_floyd/on_the_day_the_wall_came_down.html

Am Tag an dem die Mauer fiel

Stürzten mit ihr die Blockaden nieder

Und mit erhobenen Gläsern stießen wir lautstark auf die Ankunft der Freiheit an

http://www.songtexte.com/uebersetzung/pink-floyd/a-great-day-for-freedom-deutsch-7bd6ba0c.html

Announcement n. 1.

Letter from Rajai Shahr Prison, Karaj, to Pink Floyd.

Write a song for the freedom-loving people of Iran! In hopes of a day when “with glasses high we raise a cry, for freedom has arrived”.

Worldwide Campaign to Free Political Prisoners.

This letter was written following the request of political prisoners of diverse political tendencies, who contacted Mina Ahadi directly, to raise international awareness regarding the situation of political prisoners and to promote the release of all of them, irrespective of their ideological stances and aims. There are hundreds of known political prisoners in Iran. We currently know the names of six hundred of them. They include labour leaders, dissident students, bloggers, lawyers, political activists and young people arrested and imprisoned following the demonstrations of 2009-10, in which millions of protesters participated. Some of these prisoners are threatened with implementation of their death sentences. Today, these detainees expect us all to unite in a concentrated, international effort to ensure their release. The prisoners believe that it is better if all institutions and organisations against the death penalty and in favour of releasing political prisoners join together to raise international awareness of Iranian political prisoners’ dire situation and to initiate a concerted effort to obtain freedom for all of them.

This campaign has officially begun with a letter to Pink Floyd from within the prison:

Dear Roger!

Throughout history, there have always been those wishing to build walls against free, proud people who wanted only liberty, justice and peace. The bricks in this wall are selfishness, tyranny and exploitation. I want to write to you about pain and terror, about a prison encompassing the length and breadth of Iran which has its people shackled by fascism and tyranny. A people who are denied the right to live and the right to vote, who are denied individual and social liberties, who are denied the right to the pursuit of happiness. As I write this letter to you, I am surrounded by high, cold walls.

Dear Roger!

More than ever before, the Iranian movement for freedom and democracy needs the support of free and creative people and principled artists like yourself. I am requesting you, as a renowned and influential artist on the world stage, to compose a song about the men and women of Iran who have risen in the cause of liberty, not only to hearten them but also to awaken people’s conscience through awareness of the difficult and harsh conditions which these individuals endure. This text of mine is inspired by your album “The Wall”, whose lyrics and tunes were a part of my youth. The music was always my friend. I always admired you and had great respect for you and for Pink Floyd. We hope for a day when the walls will come tumbling down and the chains of ignorance and tyranny will be torn asunder. We hope for a day when “with glasses high we raise a cry, for freedom has arrived”.

With best wishes to you,

From Rajai Shahr Prison, Karaj.

This was the first announcement by the Campaign to Free Political Prisoners from Rajai Shahr Prison in Karaj. The audio version of this message, in English and Persian, has been delivered to Pink Floyd.

This is one of the messages which the prisoners incarcerated in the Islamic Republic’s dungeons have transmitted to the world through the Campaign.

We announce the formation of a worldwide campaign for the release of political prisoners and against execution. We shall try to convey to the ears of the world the messages of political prisoners and individuals condemned to death, to initiate a period of protest and resistance against torture, judicial murder, and the humiliation of political prisoners, and to make the prisoners aware of these activities and messages of international solidarity.

The attention currently focused on Iran, economic sanctions, and the threat of war loom over the people. It must be made clear to the world that the way to protest the crimes and savagery of the Islamic regime is to institute a political boycott of that regime, to close its embassies, and to defend the Iranian people’s legitimate struggle for the release of political prisoners and for the overthrow of this brutal system.

We call upon all people, and particularly all organisations which fight for the freedom of political prisoners and struggle against the death penalty, to form a united and compact independent front to defend the freedom of political prisoners, to strive against executions, and to convey the voices and protests of political prisoners to the ears of the world.

The International Campaign to Free Political Prisoners

7 February 2012.

Würzburg: Demonstration gegen deutsche Asylpolitik

Februar 3, 2012

محمد رهسپار

Mohammad Rahsepar

Aufruf zur Demonstration am 13. Februar in Würzburg gegen deutsche Asylpolitik

Der dreißigjährige Iraner Mohammad Rahsepar erhängte sich in der Nacht vom 28. zum 29. Januar in seinem Zimmer im Würzburger Asylbewerberheim. Er hinterlässt seine Frau und seinen siebenjährigen Sohn, die beide im Iran leben.

Am 13. Februar wird in Würzburg anlässlich der Verzweiflungstat von Mohammad Rahsepar eine Demonstration, zu der durch die »Föderation der iranischen Flüchtlinge – Hambastegi« aufgerufen wurde, gegen die Flüchtlingspolitik in Deutschland stattfinden. Auf der Kundgebung wird u.a. die Vorsitzende des Zentralrats der Ex-Muslime (ZdE), Mina Ahadi, sprechen. Die Giordano-Bruno-Stiftung zählt neben dem ZdE und verschiedenen Flüchtlingsorganisationen zu den Unterstützern der Demo. Jeder, der menschenwürdige Flüchtling- und Asylpolitik befürwortet, ist eingeladen sich zu beteiligen.

Der Zentralrat der Ex-Muslime, Freunde und Mitbewohner erwarten eine lückenlose Aufklärung der Umstände des Todes von Mohammad Rahsepar. Die Vorsitzende des ZdE fordert die Landesregierung von Bayern auf, ihre Flüchtlings- und Asylpolitik endlich wirksam zu ändern. Den jahrelangen Debatten über Verbesserungen der Lebensumstände dieser Menschen müssen endlich Taten folgen. Vor allem müssen Lager- und Residenzpflicht abgeschafft, Arbeitsverbote gelockert werden. Die Sozialkommission der Vereinten Nationen im vergangenen Jahr hat die Flüchtlingspolitik Deutschlands scharf gerügt. Asylbewerber würden in ungeeigneten und überfüllten Unterkünften untergebracht, erhielten unzureichende Sozialleistungen und mangelhafte medizinische und therapeutische Versorgung. Durch Inhaftierung und Folter traumatisierte Flüchtlinge und Asylbewerber wiederum in Kasernen hinter Zäunen und Stacheldraht wegzusperren ist menschenverachtend und beschämend für einen Rechtsstaat, der behauptet, freiheitlich und demokratisch zu sein.

Zentralrat der Ex-Muslime (ZdE)

02.02.12

Ort: Brunnen am Sternplatz, Domstraße, Würzburg

Zeit: Montag, den 13.02.2012 von 14:00 bis 15:00 Uhr

siehe auch

https://www.facebook.com/shahnaz.morattab/posts/3203835460159

https://www.facebook.com/events/170757966366744/

Humanistischer Pressedienst (hpd) 31.01.2012

http://hpd.de/node/12808

Aufruf auf Persisch

http://www.rowzane.com/fa/annonce-archiev/82-reports/8924-1390-11-11-09-27-50.html

Hambastegi bedeutet im Persischen Solidarität und ist auch ein Kurzname für die International Federation of Iranian Refugees (IFIR) oder Internationale Föderation Iranischer Flüchtlinge. Die IFIR steht in der marxistischen und humanistischen Tradition von Iranern wie Zhoobin Razani genannt Mansoor Hekmat (1951-2002).

http://www.facebook.com/group.php?gid=120183761672

http://www.hambastegi.org/english/index_new.htm

Mansoor Hekmat (1951-2002)

http://www.m-hekmat.com/

http://fr.wikipedia.org/wiki/Mansoor_Hekmat

Der Sprecher der Giordano-Bruno-Stiftung (gbs) ist Michael Schmidt-Salomon:

„Besonders dramatisch ist die Lage in Bayern“, sagte Schmidt-Salomon. „Dort haben sich die Behörden offensichtlich zum Ziel gesetzt, ‚die Bereitschaft zur Rückkehr in das Heimatland‘ (§ 7, Abs. 5 der Bayerischen Asyldurchführungsverordnung) dadurch zu fördern, dass sie die Flüchtlinge unter unwürdigsten Bedingungen kasernieren. … Es sollte uns alle beschämen, wie der Staat mit Menschen umgeht, die wie Mohammad Rahsepar schon in der Vergangenheit schlimmste Traumata erlitten haben. Muss man denn wirklich in Erinnerung rufen, dass die Menschenrechte auch für Flüchtlinge gelten? … Es ist an der Zeit, auf die Straße zu gehen, um diese menschenverachtende Praxis zu beenden.“

http://www.giordano-bruno-stiftung.de/meldung/tod-eines-asylbewerbers

gbs, Suchbegriff Islam

http://www.giordano-bruno-stiftung.de/search/node/Islam

(gbs) Die „Abkehr vom Islam“ soll künftig als Asylgrund gelten, wenn die Asylbewerber aus Ländern stammen, in denen Apostasie (Abfall vom Glauben) als Verbrechen verfolgt wird. Dies ist das Ziel einer Kampagne, die heute von den Initiatoren der »Kritischen Islamkonferenz« gestartet wurde.

„Die Flucht aus der Heimat ist für Ex-Muslime oft die letzte Chance, grausamen Strafen zu entgehen“, heißt es in dem von Mina Ahadi (Zentralrat der Ex-Muslime), Hartmut Krauss (Zeitschrift Hintergrund) und Michael Schmidt-Salomon (Giordano Bruno Stiftung) verfassten Kampagnentext. „Bislang jedoch haben deutsche Gerichte die Gefahren, die diesen Menschen in ihren Ursprungsländern drohen, in skandalöser Weise heruntergespielt und ihnen das Recht auf Asyl verweigert.“

http://www.giordano-bruno-stiftung.de/meldung/kritische-islamkonferenz-fordert-asyl-fuer-ex-muslime-gbs-bittet-um-unterstuetzung

Petition: Asyl für Ex-Muslime

http://www.kritische-islamkonferenz.de/asyl.htm

Wer sich an der Unterschriftenaktion Asyl für Ex-Muslime beteiligen möchte, kann das bei der gbs:

http://giordano-bruno-stiftung.org/p_asyl/petitionbook.php

Ein Bild aus der Unterkunft für Asylbewerber in Zirndorf

http://www.nordbayern.de/region/wurzburg-soll-wieder-neue-asylbewerber-aufnehmen-1.226253

Wie im Gefängnis: Stacheldraht in der Veitshöchheimer Straße in Würzburg. Das politisch gewollte System Gemeinschaftsunterkunft (GU).

http://www.fluechtlingsrat-bayern.de/tl_files/2009_Pressefotos/09-06-26_Mainpost.jpg

Mit „Lagerzwang“ bezeichnen Menschenrechtsorganisationen, die sich für Flüchtlinge in Deutschland einsetzen, die Wohnbedingungen der Flüchtlinge hierzulande, die zumeist in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht werden. Diese Gemeinschaftsunterkünfte, wie die in der Würzburger Dürrbachau, werden auch immer wieder als unzumutbar für die Menschen, die in ihnen leben müssen, kritisiert.

aus: Karoline Kessler:

Flüchtlinge dürfen nicht zu Demo in München fahren

in: Mainpost 12.06.2009

http://www.mainpost.de/regional/franken/Fluechtlinge-duerfen-nicht-zu-Demo-in-Muenchen-fahren%3Bart1727,5162320

Alle Fraktionen im Landtag seien sich „im Grunde sehr einig, dass da Bewegung reinkommen muss“, glaubt die Vorsitzende des Sozialausschusses, Brigitte Meyer (FDP). Klar ist für Meyer aber auch, dass die Verbesserung der Zustände in den Unterkünften „eine landespolitische Entscheidung“ sei. Eine Position, die auch der Würzburger SPD-MdL Volkmar Halbleib teilt: Die Zustände in der Würzburger GU seien „nicht hinnehmbar“, findet Halbleib. „Deshalb ist die Staatsregierung hier unmittelbar gefordert.“ Haderthauer könne die Verantwortung dafür nicht länger an die Bezirksregierungen abschieben. „Dieses Schwarze-Peter-Spiel muss ein Ende haben“, fordert der SPD-Politiker.

aus: Henry Stern:

Konzept für Asylunterkunft gesucht

Mainpost 25.06.2009

http://www.fluechtlingsrat-bayern.de/tl_files/2009_Pressefotos/09-06-26_Mainpost.jpg

In der Rückschau erscheint es, als habe sich das Unglück an diesem Samstag irgendwie angebahnt. Am späten Nachmittag, so erzählen andere Flüchtlinge, habe R. über Kopfschmerzen geklagt. Es gehe ihm nicht gut. Daraufhin wurde über die Pforte der Notarzt verständigt. Ein Krankenwagen brachte ihn zur Untersuchung in die Uniklinik. Nach Angaben von GU-Leiter Armin Sauermann kehrte der Iraner gegen 20.30 Uhr wieder aus dem Krankenhaus zurück.

Als auffallend ruhig wird Mohammad R. von Mitbewohnern und Heimleitung beschrieben, als sehr kontrolliert: kein Alkohol, keine Zigaretten. Dafür machte er, in seinem Zimmer, viel Sport. Er trainierte mit Hanteln. Der Familienvater – er hinterlässt im Iran seine Frau und einen achtjährigen Sohn – war in seiner Heimat im Polizeidienst. Bis er eines Tages, so erzählen es die Freunde, den Befehl verweigerte. Er sei gefoltert worden. Dann floh er nach Deutschland. Nach zwei Monaten in der Zirndorfer Erstaufnahme-Einrichtung kam er Anfang September nach Würzburg. Sein Asylantrag lief, bislang ohne Ergebnis. Die Unsicherheit, sagen die anderen, habe ihm zu schaffen gemacht. Auch die Lebensumstände in der GU in der Veitshöchheimer Straße.

Wiederholt, das berichten unabhängig voneinander gleich mehrere Bewohner, habe er die Atmosphäre in der ehemaligen Kaserne beklagt: Es sei hier wie im Gefängnis. Die Umgebung erinnere ihn ständig an die Polizei, an das Gefängnis im Iran, an die Folter. Auch gegenüber Ärzten soll er dies geäußert haben. Mohammad R. wollte angeblich das Heim wechseln, wäre gerne in die Kölner Gemeinschaftsunterkunft umgezogen, weil dort seit einem Jahr seine Schwester lebt. „Aber sein Antrag ist abgelehnt worden“, berichtet der iranische Asylbewerber und Journalist Arash Zehforoush. So wie der Antrag etlicher Iraner, die die Ex-Kaserne in Würzburg gerne verlassen wollen. (…)

Vor Weihnachten hatte sich seine psychische Verfassung offenbar weiter verschlechtert. „Er ist depressiv geworden“, berichtet sein Zimmergenosse. Knapp zwei Wochen lang wurde er in der geschlossenen Psychiatrie behandelt. Dann kam er wieder in die Gemeinschaftsunterkunft. Nach seinem Suizid haben einige Landsleute zwei Laken an das Haus 305 gehängt: „Er ist für Freiheit gestorben“, steht darauf. Und: „Er war auf der Suche nach der Freiheit. Das ist das Ergebnis.“

Mit diesen Transparenten sind rund 70 Asylbewerber am Montag für eine spontanen Trauerkundgebung zum Würzburger Vierröhrenbrunnen gezogen. Kerzen haben sie angezündet und damit ein fotokopiertes Bild des Toten umrahmt. Sie suchen ein Ventil für ihr Entsetzen, für ihre Gefühle, die Hassan Hosseinzadeh – unwidersprochen von anderen Iranern – so zusammenfasst: „Wir sind alle gestorben. Wir atmen, wir leben nicht.“ Die Demonstration sei eine Mahnung, Mohammad R. nicht zu vergessen, und: „Ein Appell, damit nicht einer von uns den Nächsten im Zimmer findet.“ Es ist die Angst von Asylbewerbern, die ebenfalls das Lagerleben in der GU bemängeln. Rund 70 Bewohner, das bestätigt die Heimleitung, haben am Montag ihr Essen nicht abgeholt. Während GU-Chef Sauermann dies mit religiösen Motiven trauernder Muslime erklärt, sprechen die Iraner von einer gezielten Protestaktion, an der sich auch Asylbewerber anderer Herkunft („mehr als 70“) beteiligten. Auch Dienstag und Mittwoch wolle man das Essen verweigern.

aus: Andreas Jungbauer:

Selbstmord in Asylheim: Trauer um Flüchtling

Mainpost 30.01.2012

http://www.mainpost.de/regional/wuerzburg/Selbstmord-in-Asylheim-Trauer-um-Fluechtling;art735,6588549

Rund 450 Flüchtlinge, darunter rund 70 Kinder, leben in der GU. Knapp die Hälfte stammt aus dem Irak, 13 Prozent aus Äthiopien, neun Prozent aus dem Sudan. Die GU ist eine Militärkaserne aus den 1930er Jahren am nördlichen Stadtrand.

Noch nie, sagte Tobias Klaus vom Bayerischen Flüchtlingsrat nach der Besichtigung, habe er ein Flüchtlingslager gesehen, „das optisch so sehr die Qualität eines Gefängnisses hat“ wie das in Würzburg. Er kritisiert Stacheldraht, Pfortenkontrolle, Ausweiskontrolle, die isolierte Lage. Die Menschen seien psychisch so kaputt, wie er das „nur von isolierten Unterkünften im Wald“ kenne.

Klaus beschreibt die Würzburger GU als „den offensichtlichsten Platz“, wo passiert, was der Freistaat im Paragraphen 7 der Bayerischen Asyldurchführungsverordnung festlegt: Die Verteilung in Sammellager solle „die Bereitschaft zur Rückkehr in das Heimatland fördern“. Für Klaus heißt das: „Die Flüchtlinge sollen zermürbt werden.“

An diesem Donnerstag veranstaltet der Bayerische Landtag eine Anhörung zur Asylpolitik. 30 Experten werden berichten, unter ihnen auch der Würzburger Tropenmediziner August Stich, Vorstandsvorsitzender des Missionsärztlichen Instituts. Er erklärte in den vergangenen Monaten mehrmals, die Gemeinschaftsunterkunft mache krank. Der Bayerische Flüchtlingsrat sieht das ebenso. Klaus: „Jeder, der sich medizinisch auskennt, kommt zur gleichen Ansicht. Außer, er ist im Auftrag der Regierung unterwegs.“

aus: Wolfgang Jung:

„Das krasseste Lager“ in Bayern

Mainpost 20.04.2009

http://www.mainpost.de/regional/franken/-Das-krasseste-Lager-in-Bayern;art1727,5080592

August Stich ist Chefarzt der Tropenmedizinischen Abteilung der Missionsärztlichen Klinik und Vorstand des Missionsärztlichen Instituts in Würzburg:

„Zudem ist die Zielführung des Asylverfahrens, die Zahl der Flüchtlinge so niedrig wie möglich zu halten. Das wird jedoch von politischer Seite so nie zugegeben. Auch das Leben in den GU soll zermürben, sodass sie möglichst bald freiwillig zurückkehren. Zum anderen gewährt das Asylbewerberleistungsgesetz nur einen reduzierten Zugang zu einer adäquaten Gesundheitsversorgung. …

Das System ist menschenverachtend. Die Menschen werden entmündigt. Alles wird vorgegeben, seien es Hygieneartikel oder Nahrungspakete. Die freie Entfaltung wird extrem beschnitten. Und das ist so gewollt. Deswegen geht meine Kritik in Richtung Staatsregierung nach München, wo an diesem System festgehalten wird. Und das, obwohl der Bayerische Flüchtlingsrat errechnet hat, dass jeder GU-Platz teurer ist als die Unterbringung in kleinen Gruppen. Aber man belässt die Menschen in Perspektivlosigkeit. Sie sitzen tagein tagaus in der GU, und es geschieht nichts. Wären da nicht die Ehrenamtlichen und Wohlfahrtsverbände, wäre alles noch viel schlimmer. …

Wir brauchen keine GU, sondern vielmehr eine sehr gute Erstaufnahmeeinrichtung, in der auch ein medizinisches Team dabei ist, das nicht nur nach ansteckenden Krankheiten fahndet, sondern die Menschen individualmedizinisch betreuen kann. Anschließend sollten die Menschen möglichst schnell in die Gesellschaft integriert werden, das heißt: raus aus den Gemeinschaftsunterkünften.“

aus: Mediziner Stich: “Flüchtlinge werden entmündigt”

(Interview mit Christine Jeske, Mainpost 31.01.2012)

http://www.mainpost.de/regional/franken/Mediziner-Stich-Fluechtlinge-werden-entmuendigt;art1727,6590809

Presseerklärung des ZdE zum Ehrenmord an Arzu Özmen

Januar 22, 2012

جريمة الشرف

ǧarīmat aš-šaraf

honour killing

Ehrenmord

Arzu ist nicht das erste und leider auch nicht das letzte Opfer

Morgen werden sich viele Menschen an einem Trauermarsch zum Gedenken an Arzu Özmens beteiligen, die einem Ehrenmord zum Opfer fiel. Ihre Freunde und tausende Menschen haben eine Frage: Wieso?? Wie kann eine Familie ihre Tochter, ein Bruder seine eigene Schwester umbringen? Was können wir tun? Wie können wir Betroffenen helfen? Warum haben wir versagt?

Arzu ist nicht das erste Opfer. Pro Jahr sterben weltweit mehr als 5000 Frauen und Mädchen infolge von Ehrenmorden. Die meisten Ehrenmorde, die eine blutige Unsitte traditionalistisch-religiöser und vormodern-patriarchalischer Gesellschaften darstellen, werden in orthodox-islamisch geprägten Milieus vollstreckt. Arzu entstammt einer jesidischen Familie. Aber sie war in Deutschland und das ist entscheidend. Denn:

Auch Frauen und Mädchen aus traditionell-religiösen Zuwandererfamilien, die in Europa leben, haben das Recht auf ein freies und selbstbestimmtes Leben nach modernen Grundsätzen und menschenrechtlichen Normen. Und sie haben das Recht, vom Staat und der Gesellschaft des Aufnahmelandes besser geschützt zu werden.

Der Zentralrat der Ex-Muslime verurteilt diesen feigen und schändlichen Mord und erklärt sich solidarisch mit allen Menschen, die morgen am Trauermarsch teilnehmen. Aber wir sagen auch: Die Gesellschaft und ihre politischen Repräsentanten müssen sich noch intensiver und tabuloser mit diesem Problem beschäftigen. Reaktionäre und frauenfeindliche Kulturen und Traditionen müssen öffentlich eindeutig verurteilt werden. Es ist absolut falsch, aus Angst, einige rückständige Kräfte könnten sich beleidigt fühlen, Kritik zu unterlassen und die notwendige Auseinandersetzung zu scheuen.

Die meisten Opfer in Deutschland entstammen orthodox-islamischen Familien, die sowohl durch die konservativen Islamverbände Deutschland als auch durch die nachgiebige proislamische Politik in allen gesellschaftlichen Bereichen beständig ermuntert werden. Eine verhängnisvolle Rolle spielt hierbei nicht zuletzt das Unwort des Bundespräsidenten Wulff „Der Islam gehört zu Deutschland”, das mittlerweile wie ein Persilschein für die Ausbreitung islamischer Herrschaftskultur in Deutschland genutzt wird: Zunächst die Etablierung der Islamkonferenz als ungerechte und kontraproduktive Bevorzugung einer bestimmten Zuwanderergruppe; dann Einführung von Islamunterricht als falsches Signal der Integrationspolitik; jetzt Einrichtung islamischer Theologiezentren; generell die Islamisierung des Bildungssystems von den Kindergärten bis zu den Hochschulen – all das bewirkt nicht zuletzt auch die Verfestigung einer frauenfeindlichen und grundrechtswidrigen Gegenkultur.

Tief betroffen von diesem Mord erheben wir deshalb folgende Forderungen:

Den Mädchen aus traditionalistisch-religiösen Zuwanderermilieus muss geholfen werden, nach modernen freiheitlichen Standards zu leben. Geschützt und durchgesetzt werden muss insbesondere das Recht auf freie Partnerwahl. Alle Mädchen haben ein Recht auf voreheliche Freundschaftsbeziehungen! Islamisch geprägte Jungfrauenkäfige dürfen nicht länger geduldet bzw. unter „Kulturschutz” gestellt werden. Die Politik und die Medien in Deutschland müssen sich klar und deutlich auf die Seite der Frauen und Mädchen stellen. Frei-Sein und Lebensfreude sind weder exklusive Eigenschaften der deutschen oder europäischen Kultur, sondern gehören zum Grundinventar der universellen Menschenrechte, die nicht im Sinne eines falschen Multikulturalismus relativiert werden dürfen. In diesem Sinne verlangen wir auch eine härtere Bestrafung von „Ehrenmorden” als besonders verwerfliche Verbrechen.

Zentralrat der Ex-Muslime (ZdE)

19.01.2012

Mina Ahadi

E-Mail: minaahadi@aol.com

Telefon: 0049 (0) 1775692413

Internationales Komitee gegen Todesstrafe

International Committee Against Execution (ICAE)

http://notonemoreexecution.org

Internationales Komitee gegen Steinigung

International Committee Against Stoning (ICAS)

http://stopstonningnow.com/wpress/

Termine im Januar

Januar 10, 2012

Zentralrat der Ex-Muslime (ZdE)

Der Zentralrat der Ex-Muslime ZdE möchte auf folgende interessante Veranstaltungen in Mainz und Königswinter aufmerksam machen, die allen Interessierten offenstehen. Bitte machen Sie auch Bekannte und Freunde in Ihrem Umfeld auf diese Veranstaltungen aufmerksam:

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25.01.2012, Universität Mainz
Einlass 19:00, Beginn 19:30
Atrium Maximum/Minimum in der Alten Mensa, rechte Seite, Uni-Campus Mainz
Eintritt frei

Themen:

Arabischer Frühling
Frauenrechte und Islam

Zentralrat der Ex-Muslime

Mina Ahadi (Vorsitzende des Zentralrates der Ex-Muslime und Gründerin des Internationalen Komitees gegen Steinigung) hält auf Einladung der Hochschulgruppe “Denkfabrik für Humanismus und Aufklärung” einen Vortrag über Menschenrechte und den politischen Islam. Themen sind u.a. der Arabische Frühling, Frauenrechte und Islam und die Arbeit des Zentralrates der Ex-Muslime

http://www.gbs-mainz.de/zukuenftige-veranstaltungen/vortrag-mina-ahadi-25012012

Lageplan: http://www.uni-mainz.de/downloads/Masterplan-Campusplan-Internet-090316.pdf (auf dem Plan rechts, Gebäude H)

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27.-29. Januar 2012, Königswinter

Beginn: Freitag, 19.00 Uhr, Ende: Sonntag, 15.00 Uhr

Zerrbild Islam? Islamophobie oder notwendige Kritik

Programmpunkte und Referenten:

Islamische und christlich-abendländische Werte:
Ergänzung, Konkurrenz, Rivalität?

Klemens Ludwig, Journalist, Tübingen

Christentum und Islam:
Eineinhalb Jahrtausende Eroberungen, Rivalität und Misstrauen

Klemens Ludwig, Tübingen

Die aktuelle Situation der Christen in der islamischen Welt.

Wolfgang Wagner,
Pfarrer und Studienleiter der Evangelischen Akademie Bad Boll

Zerrbild Feindbild? Das öffentliche Bild des Islam in den Medien

Tilman Zülch, Generalsekretär der Gesellschaft für bedrohte Völker, Göttingen

Der politische Islam, seine Organisationen und Strukturen

Collin Schubert, Fachreferentin für “Frauenrechte in Islamischen Gesellschaften” bei TERRE DES FEMMES, Tübingen

Kampf der Kulturen oder friedliches Miteinander? und

N.N. Vertreter des Zentralrats der Muslime (angefr.)

Mina Ahadi, Köln Zentralverband der Ex-Muslime, Köln

Mina Ahadi (54) ist auch Gründerin des Komitees gegen Steinigungen und wurde im Iran wegen ihres Widerstandes gegen das islamistische Regime zum Tod verurteilt, ihr Mann wurde hingerichtet. Seit ihrer Flucht lebt sie in Köln. Sie ist Vorsitzende der Vereinigung der Ex-Muslime.

Tagungsbeitrag inkl. Unterkunft und Verpflegung:
100 € im Doppelzimmer, Einzelzimmerzuschlag 16,00 € pro Übernachtung.

Anmelden können Sie sich per Mail (entwicklungspolitik@azk.de), per Post, per Fax oder über unsere Homepage http://www.azk.de.
allen Interessierten offen.

http://www.azk-csp.de/uploads/tx_seminars/12_6_665_5__Zerrbild_Islam.pdf

http://www.azk-csp.de/

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Zentralrat der Ex-Muslime
10.01.2012

Islamsensible Berichterstattung

Januar 10, 2012

لربيع العربي

ar-Rabīʿ al-ʿArabī

Le Printemps Arabe

The Arab Spring

Arabischer Frühling

Weltreporter und Arabischer Frühling

Zum 6. Januar 2012 lädt der Westdeutsche Rundfunk die interessierte Bevölkerung nach Köln, wo die freischaffenden Journalisten der Gruppierung Weltreporter über den Arabischen Frühling berichten wollen. Rekonstruktion der Podiumsdiskussion nach handschriftlichen Notizen aus dem Kleinen Sendesaal von Jacques Auvergne.

Es ist der sechste Januar, Dreikönigstag. Ungastlich durchpustet feuchter Wind die frühe Dunkelheit über der alten Domstadt. Wer kann, bleibt bei so einem Wetter zu Hause oder erledigt die letzten paar Besorgungen zügig. Eine orientalisch verkleidete Kindergruppe von etwas verloren wirkenden Sternsängern ist unterwegs, ein Mädchen malt mit Kreide die Zeichen 20*C+M+B+12 für Christus Mansionem Benedicat, das bedeutet Christus segne diese Wohnung, an einen Steinpfosten. In Köln ist die auf Abwehr des Teufels und Rettung der Seele zielende (politreligiöse) oder kulturell modern (säkular) gelesene Legende von den Heiligen Drei Königen seit dem Mittelalter dem Volk vertraut.

Am diesem ersten Freitagabend des neuen Jahres 2012 betritt ein interessiertes Publikum das hinter seinen großen Glasfronten hell erleuchtete Funkhaus Wallrafplatz. Dem Internet war zu entnehmen, dass bei WDR 5 und per Radio-Direktübertragung eine frohgestimmte Gruppierung von so genannten Weltreportern darüber aufklären will, wie der Arabische Frühling richtig zu verstehen ist.

Islampessimisten witterten eine Erneuerung des, im Jahr 2010 beispielsweise von Aygül Özkan unternommenen Versuchs (Pressecharta Niedersachsen), die Bevölkerung über die globalen Muslimbrüder zu desinformieren und die deutsche Presse islamsensibel gleichzuschalten. Wer zu diesen Skeptikern gehörte, sollte, wie wir gleich sehen werden, heute Abend nicht enttäuscht werden. Damals wollte die Ministerin von der CDU (!) die niedersächsischen Journalisten darauf verpflichten lassen, künftig nur noch „eine kultursensible Sprache anzuwenden“ und, wie ein Nachhilfeschüler, „die interkulturelle Kompetenz zu verstärken“.[1] Welcher Hohe Rat von Integrationskundigen die Unbotmäßigen maßregeln darf, hätte die Ministerin für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration uns sicherlich nachträglich empfohlen (befohlen); ob Frau Özkan in die Scharia oder ins Grundgesetz „integrieren“ wollte oder in einen Kompromiss aus Rechtsstaat und Islamstaat, ist bis heute unklar geblieben. Niedersachsens Journalisten ließen sich diesen Versuch, Inhalte und Sprachstil vorzugeben, zum freiheitlich demokratischen Glück nicht gefallen.[2]

Rasch und wider Erwarten ist der angenehm beheizte Kleine Sendesaal fast vollständig gefüllt, die aktuelle Radioübertragung klingt auf, gleich wird man auf Sendung gehen. Holger Beckmann (WDR) erscheint, der bekannte Moderator von Formaten wie Funkhausgespräche oder Echo des Tages. Die Reporter des ideologisch dem übertrieben islamfreundlichen Internetportal Qantara nahe stehenden Netzwerks Weltreporter nehmen Platz. Von links nach rechts sitzen auf der Bühne Karim El-Gawhary (Kairo), Jürgen Stryjak (Kairo), Birgit Kaspar (Beirut/Toulouse) und Markus Bickel als Nahost-Redakteur der FAZ. Beckmann begrüßt Publikum und Weltreporter und lässt in die Augenzeugenberichte zum Arabischen Frühling einsteigen:

El-Gawhary: Kairo war ja nur die Fortsetzung. Zuerst ging der Umbruch in der arabischen Welt, den wir jetzt erleben, in Tunesien los. Dort wurde Ben Ali gestürzt.

Zuerst blieb in Kairo alles ruhig, wir hätten nicht gedacht, dass es so gewaltige politische Veränderungen auch am Nil geben könnte. Ägypten, das 30 Jahre lang sozusagen in der Garage der Welt abgestellt war, folgte etwas später dann doch der heftigen Welle der Veränderung. Und dann ging es also auch in Ägypten los. Ich war da, jeder konnte es spüren, spätestens als die Demonstranten sich nicht mehr von den Polizisten haben vertreiben lassen wurde es klar, jetzt passiert etwas ganz großes. Alle spürten, dass der arabischen Welt ein Tsunami bevorsteht.

Wir in Europa dürfen nicht vergessen, die Leute leben in großer Armut, die halbe Bevölkerung muss mit weniger als 1,50 € pro Tag auskommen, lebt also unterhalb der von der UNO definierten Armutsgrenze.

Das mehrfach wiederholte „dann ging es los“ wirkt infantil, aufregend nichtssagend und nervt mich, denn hätte man in Deutschland 1933 schließlich auch sagen können „jetzt geht es los“, und damals folgte eine menschenverachtende Diktatur. Warum wünscht sich Karim El-Gawhary nicht ausdrücklich, dass in Ägypten jetzt die allgemeinen Menschenrechte endlich umgesetzt werden? Ist heutige materielle Armut ein Alibi für eine dauerhafte Außerkraftsetzung der AEMR?

Noch im Sommer 2006 urteilte der Oberste Verwaltungsgerichtshof, dass den Bahāʿī auch weiterhin alle offiziellen Dokumente zu verweigern sind: „Die Verfassung sieht Religionsfreiheit nur für die drei himmlischen Religionen vor, und das sind Islam, Christentum und Judentum.“ Die Bahai nannte der Richter „Abtrünnige des Islam, Islamapostaten“.[3]

Was El-Gawhary großzügig ebenso übergeht: Um eine Auslandsreise zu unternehmen, braucht jede unter 21 Jahre alte Frau die Erlaubnis ihres Vaters, um nämlich den Reisepass zu beantragen. Ehefrauen jeden Alters können ohne Einwilligung ihres Ehemannes nicht ins Ausland reisen.[4]

Es ist keine vier Jahre her, da wusste die Neue Zürcher über das traurige Los einer dritten Gruppe oder Kaste von ägyptischen Unpersonen zu berichten und nannte als Gegner einer Modernisierung des Familienrechts die Islamisten:

„Bis jetzt waren uneheliche Kinder namenlos, bekamen keine Geburtsurkunden, konnten nicht zur Schule gehen, keine Identitätskarte erwerben und blieben ihr Leben lang Außenseiter. Laut Menschenrechtlern gibt es zurzeit in Ägypten mindestens 20.000 uneheliche, von ihren Vätern nicht anerkannte Kinder.“[5]

Was sind Frömmigkeit oder Armut da für Argumente, will El-Gawhary die vergleichsweise fraglos eher reichen und gottvergessenen Deutschen beschämen und beide, Ägypter und Deutsche, daran hindern, den Wegfall der ägyptischen staatlichen Diskriminierung der Bahai oder der unverheirateten Mütter zu fordern? Sicherlich ist Armut schlimm, aber Armut und Pressezensur oder Armut und Scharia ist noch schlimmer. Soll Armut etwa eine Entschuldigung dafür sein, den Frauen zusätzlich weiterhin das männerverherrlichende islamische Eherecht aufzubürden oder es koranbasiert zu verschärfen?

Das von El-Gawhary gerade verwendete bekannte Bild der zerstörerischen Riesenwelle ist dem gründlichen politischen oder pädagogischen Nachdenken eher hinderlich. Folgte nach dem ersten Februar 1979 für den Iran, dem Tag, an dem Ayatollah Chomeini aus dem Exil zurückkehrte, denn kein „Tsunami“? Auch El-Gawhary ist rasch gereizt und verkündet über WDR 5 seinen Missmut über jene Pessimisten und wohl auch Islampessimisten, die es wagen, den Arabischen Frühling ohne Führung eines Weltreporters selbstständig zu interpretieren:

Mich persönlich nervt es, wenn, wie immer wieder zu hören ist, davon geredet wird, dass: „Aus dem arabischen Frühling nun ein arabischer Winter“ geworden sei.

Deutschlands größte Frauenzeitschrift berichtet wesentlich weniger optimistisch über den Arabischen Frühling, den Tahrir-Platz und Aliaa Magda Elmahdy, die Lebensgefährtin von Kareem Amer (Abd al-Karim Nabil Suleiman). Der gesellschaftskritische und atheistische Blogger konnte am 17. November 2010 (bezeichnenderweise zwölf Tage zu spät und nach erlittenen Misshandlungen) seine vierjährige Gefängnisstrafe beenden. Drei Jahre Haft hatte er dabei wegen Volksverhetzung und Beleidigung des Islams bekommen, ein Jahr wegen Präsidentenbeleidigung.[6]

Studentin Elmahdy stellte im Namen der Freiheit des Ausdrucks und der Gleichberechtigung der Frau den fotografierten, unbekleideten weiblichen Körper im Internet dar, ihren eigenen, und muss seither nach islamistischen Todesdrohungen im Verborgenen leben:

„Diese junge Frau ist eine von Millionen, für die der so genannte arabische Frühling gerade zum arabischen Horror wird. Die ägyptische Kunststudentin ist inzwischen untergetaucht, sie ist in Lebensgefahr. Die Islamisten ergreifen die Macht. Und sie verbünden sich mit den konservativen Kräften im Land, die eines mit ihnen gemeinsam haben: Sie sind Männer. Männer, für die Frauen Menschen zweiter Klasse sind. … Selbst das einst als aufgeklärt geltende Tunesien fällt gerade den Gottesstaatlern in die Hände. … Und in Libyen gibt sich die Übergangsregierung zwar „demokratisch“, aber kündigte die Einführung der Scharia an. Und Mustafa Abdul Dschalil, Wortführer der Übergangsregierung, verkündete bei der Gründungsfeier des neuen Libyen auf dem großen Platz von Bengasi unter allgemeinem Jubel: ¬„Männer, ihr könnt wieder vier Frauen heiraten! Denn so steht es im Koran, dem Buch Gottes.“[7]

In Tunesien hat ein Mitglied der islamistischen Nahda-Partei das Herannahen des Kalifats verkündet, das aus dem Arabischen Frühling hervorgehen und Jerusalem und die islamische Welt befreien wird.[8]

Am 18. Februar 2011 hielt der aus seinem Exil in Katar nach Ägypten zurückgekehrte Cheftheologe der Muslimbrüder, Yusuf al-Qaradawi seine Freitagspredigt vor hunderttausenden seiner Anhänger auf dem Tahrir Square.[9] Jahrzehntelang hatte der Scheich mit seiner Fernsehsendung Scharia und Leben sowie mit der Fatwa-Internetseite IslamOnline Millionen von Muslimen in aller Welt erreicht und dazu beigetragen, dass die Muslimbruderschaft die Deutungsmacht zu dem, was Islam ist, heute innehat. Weltreporter Karim El-Gawhary sieht keinen Anlass, heute in Köln das Wort Yusuf al-Qaradawi auch nur auszusprechen.

Im August 2011 verweigerte Irland dem radikalen Scheich und Oberhaupt des Europäischen Fatwa-Rats ECFR die Einreise, der Sitz des ECFR ist Dublin.[10] El-Gawhary distanziert sich nicht vom Gesellschaftsverständnis und Menschenbild eines Gelehrten wie al-Qaradawi, sondern redet von Prozess und Wandel, so als ob Veränderungen immer gut wären:

Diese wichtigen Veränderungen jenseits des Mittelmeers sind ein umfassender Prozess. Es gibt natürlich fortschrittsfeindliche Reste, Überbleibsel das alten Systems, die jeden echten Wandel boykottieren, und es gibt die anderen, die den turbulenten, vollkommenen Wandel wirklich wollen.

Sicherlich ist die Rolle der Frau ein Thema. Aber auch die Hisbollah wird sich sehr stark wandeln, wenn Assad erst stürzt.

Wer garantiert, dass die islamistische libanesische Miliz menschenfreundlich wird und von Israelfeindlichkeit, Scharia und Kalifat Abstand nimmt, was das „wird sich sehr stark wandeln“ doch hoffentlich impliziert? Und warum ist der Status der Frau überhaupt „ein Thema“, soll eine Frau im künftigen Ägypten denn nicht dieselben Rechte und Pflichten haben wie ein Mann?

Bei der Parlamentswahl vor sieben Jahren gewann die HAMAS-freundliche libanesische Hisbollah 14 Parlamentssitze, die mit ihr verbündete Amal-Bewegung 9 Sitze. Im selben Jahr (2005) fand die Miliz Erwähnung im deutschen Verfassungsschutzbericht als islamistische Organisation. In Form mehrerer so genannter Sicherheitsquartiere (Security Quarters) soll die schiitische Hisbollah separatistische Sonderzonen unterhalten, die vom Staat Libanon nicht mehr kontrollierbar sind.

Oder meint El-Gawhary einen noch perfekteren Militärapparat der schiitischen libanesischen Miliz, eine noch genauere Anwendung des die Seele vor dem Höllenfeuer rettenden Islamischen Rechts und eine noch größere Distanz zu den allgemeinen Menschenrechten, wenn er uns sein „auch die Hisbollah wird sich sehr stark wandeln“ prophezeit?

Moderator Beckmann: Die ganze Welt guckt tatenlos zu, was Assad macht?

Kaspar: Als er auch in Syrien los ging, dieser Tsunami, wussten alle, jetzt gibt es Hoffnung.

Beckmann: Aber ist es nicht so, dass in der westlichen Welt jetzt viele sich Sorgen machen, dass diese Staaten dem Islamismus anheimfallen?

Stryjak: Um was es wirklich geht, ist etwas anderes, neues. Es geht um das Aufbrechen von Denkstrukturen. Prozesse wie die Wahlen in Ägypten erfordern von allen ein Umdenken. Man spürt es, es öffnet sich ein Fenster, frischer Wind beginnt zu wehen.

Was für ein Kitsch. Die Logik der Demokratie bricht auf und der Wind des Gottesstaats beginnt zu wehen, meint Stryjak dieses „Fenster“? Warum fordert er nicht den Wegfall von Artikel zwei der ägyptischen Verfassung: Islam is the Religion of the State. Arabic is its official language, and the principal source of legislation is Islamic Jurisprudence (Sharia)?

Was ist, wenn die ägyptische „Zivilgesellschaft“ ganz viel himmlische Scharia legalisieren will?

Und da ist jetzt, Ägypten betreffend, die eigentliche Frage: Hat die Zivilgesellschaft eine Chance? Die Gefahr liegt dort beim Militär, in den alten, unter Mubarak entstandenen Eliten. Die Gesellschaft ist durchsetzt von Mubarak-Anhängern. 10-20 Millionen Menschen sind das, so hat man errechnet. Diese Leute haben kein Interesse an Veränderung.

Zu den weiteren veränderungsfeindlichen Kräften gehören die Golfstaaten und ihre Herrscherhäuser, die von den USA unterstützt werden. Das sind noch auf einige Zeit schier übermächtige Kräfte, da werden wir uns gedulden müssen, das dauert nicht nur ein paar Monate.

Ich finde das immer wieder zu hörende „Aus dem Frühling ist ein Winter geworden“ egoistisch und selbstgefällig!

Stryjak scheint uns sagen zu wollen, dass jeder Deutsche rücksichtslos und eurozentrisch ist, der auch für Nordafrika oder den Nahen Osten die vorbehaltlose Geltung der AEMR einfordert. Der eigentliche Islam, so deutet er Stryjak, ist im Gegensatz zum angeblich amerikatreuen Königshaus der Saudis kein Problem.

Bickel: Die Regierung Assad betreffend, besteht das Risiko, dass sie die Hisbollah von der Leine lässt und einen neuen Krieg provoziert.

El-Gawhary: Die Islamisten sind kein statischer Verein! Ich habe das auf dem Tahrir-Platz erleben können, wie sich die Islamisten wandeln. Ich sprach einen jungen Islamisten an: „Du stehst hier jetzt schon elf Tage auf dem Tahrir-Platz! Was hat das mit dir gemacht, bist du noch derselbe wie vor elf Tagen?“ Und da konnte ich sehen, wie ihn das zum Nachdenken brachte. Dann sagte er mir: „Früher dachte ich, die Frauen können nur dies, die Frauen können nur das. Ich sehe jetzt, wie die Frauen hier erfolgreich mitkämpfen. Ich sehe, die Frauen können alles.“

Eine schwülstige, kitschige Geschichte, die jeden Kairoer Schariafreund als einsichtigen Kumpeltyp darstellen soll. Die Islamisten werden von El-Gawhary als veritable Frauenrechtler dargestellt. Samiha Shafy (DER SPIEGEL 23/2011) sagt, wie weit das „die Frauen können alles“ in Wirklichkeit geht: „Frauen, die ohne männliche Begleitung in der Hauptstadt unterwegs sind, müssen damit rechnen, sexuell belästigt zu werden.“[11]

Streben die Muslimbrüder denn keine Gesellschaft an, in der die Frauen den Hidschab tragen müssen und ohne triftigen Grund das Haus nicht zu verlassen haben? Yusuf al-Qaradawi stellt fest, dass der muslimische Mann seine Ehefrau dazu zwingen muss, den Schleier zu tragen:

„Es herrscht unter den muslimischen Gelehrten Einhelligkeit darüber, dass es für eine muslimische Frau ungesetzlich ist, irgendeinen Teil ihres Körpers unbedeckt zu lassen bis auf Hände und Gesicht (sowie, nach Auffassung einiger Rechtsschulen, der Füße). Folglich ist es einer muslimischen Frau verboten, vor einem Nicht-Mahram-Verwandten ihr Haar, ihre Arme, ihren Oberkörper oder ihre Beine zu enthüllen. Kleidung zu tragen, welche die besagten Teile des Körpers einer Frau dem Blick zugänglich macht, ist absolut verboten. Ein muslimischer Ehemann hat seiner Frau zu befehlen, den Hidschab zu tragen.“[12]

El-Gawhary: Auch den Islamisten also stellt sich die Frauenfrage. Da ist sie wieder, die Frage nach der Rolle der Frau.

Beckmann: Hier ist Raum für die erste Frage aus dem Publikum, bitte sehr.

Publikum: Guten Abend, mein Name ist Edward von Roy, ich bin Sozialpädagoge. Meine Frage betrifft die Trennung von Staat und Religion. Seit 40 Jahren heißt es in Artikel zwei der ägyptischen Verfassung: „Der Islam ist Staatsreligion, Arabisch ist Amtssprache und die Scharia ist die Grundlage der Gesetzgebung.“[13] Das Islamische Recht aber, die Scharia, diskriminiert auch die Frau bereits im Ehe- und Familienrecht. Die Scharia ist dabei nicht etwa Islamismus, wie Sie genau wissen, sondern echter alter Islam. Welche Chance haben Staaten wie Ägypten darauf, dass die Scharia illegal wird, dass der Religionsangehörige endlich durch den Staatsbürger ersetzt wird?

Beckmann: Vielen Dank für die Frage. Ja, die Scharia ist sicherlich ein Problem. Herr El-Gawhary, ich wusste gar nicht, dass das ungleich behandelnde Islamische Recht in Ägypten schon seit 40 Jahren Verfassungsrang hat. Frau Kaspar, was meinen Sie, was können wir hier vom Westen aus helfend tun?

El-Gawhary: Dazu muss man wissen: Die Scharia ist nicht statisch. Man kann die Scharia so oder so auslegen.

Stryjak: Es ist immer die Frage, wie man die Scharia anwendet, das lässt sich nicht pauschalisieren.

Kaspar: Wandel ist notwendig und Veränderung wird sicherlich kommen. Aber Veränderung wird nicht kommen, wenn wir jetzt nur alte Strukturen wie die Scharia verteufeln.

Das war etwas gemein von Frau Kaspar, denn „verteufeln“ klingt ein wenig nach schwarzer Magie und erweckt bei einem einfältigen oder schläfrigen Zuhörer den Eindruck, jeder Kritiker der jenseitszentrierten Scharia argumentiere hasserfüllt und irrational. Rational denkenden Menschen aber geht es nicht um den systemeigenen heilssichernden und exorzistischen Charakter des Islamischen Rechts, sondern um eine herrschende Gesetzgebung, deren Schöpfer der Mensch und nicht der Himmelsgott ist, die nachvollziehbar ist und schließlich nur so Rechtssicherheit und die Freiheit von Furcht gewährleisten kann.

Kaspar: Es geht nicht so sehr um die Religion oder den Islam, es sind die Familienstrukturen, die sich verändern müssen! Das System der Oberhäupter der Familie muss in Frage gestellt werden, der Patriarch muss weg.

Es ist notwendig, dass wir die Mädchen und Frauen ausbilden, im Handwerk ausbilden beispielsweise, oder sie hier in Europa studieren lassen.

Beckmann: Auch die westliche Welt muss ihre neue Rolle erst finden, meinen Sie das?

Kaspar: Europa muss, Deutschland muss wissen, was es tun will. Demokratie hat ihre eigenen Gesetzlichkeiten, was das Volk will, wie es sich etwa bei einer Wahl entscheidet, ist dabei dann selbstverständlich zu respektieren.

Wenn die Menschen am Nil – wie auch in Tunesien – die Islamisten wählen, dann müssen wir das akzeptieren, das ist übrigens Demokratie. Und auch die Islamisten wandeln sich ja.

Wir müssen von unseren alten Feindbildern lassen! Vom Feindbild Islam etwa. Und auch vom Feindbild al-Qaida, wie es gerade den Jemen betreffend von allen Medien aufgebauscht wird.

Beckmann: Warum fällt es dem Westen so schwer, offener zu werden? Diese Frage möchte ich an Herrn Bickel richten. Ist es die Angst vor drohender Unberechenbarkeit einer ganzen Region?

„Wer für alles offen ist, kann nicht ganz dicht sein.“ Sagte Christian Wallner.

Deutschland liegt nicht im „Westen“, sondern in der kulturellen Moderne. Dem „Osten“ oder Orient, gemeint ist von Qantara oder den Weltreportern nicht ein völlig säkulares Ägypten oder Syrien, sondern jedes Mal der irgendwie andersartige Islam, ist die Last der AEMR zu tragen nicht zuzumuten. Das ist genau die Weise, in welcher schon der Wegbereiter der Islamischen Revolution Ali Schariati von Osten und Westen redete.

Für Kulturrelativisten mit geistiger Nähe zu Schariati kommt der „westliche“ Einfluss auf den makellos reinen Islam einer Verschmutzung gleich, der iranische Islamist warnte vor der Gharbzadeghi, das bedeutet Westitis oder Okzidentose. In Nigeria sagt man Boko Haram, „westliche Bildung führt ins Verderben“.

Anscheinend merken nur wenige im Publikum des Funkhauses, dass die Weltbevölkerung gerade in eine Apartheid von Orientalen und „Westlern“ gespalten wird, in Schariapflichtige und Nichtmuslime. Um für die schariakonformen Gesetze Toleranz herzustellen und die Universalität der Menschenrechte als Kolonialismus zu diffamieren, ist es unumgänglich, die heute Abend permanent beschworene „arabische Welt“ der „westlichen Welt“ gegenüber zu stellen.

Bickel: Ja, die alten, autoritären Systeme galten als Garant für Stabilität.

Stryjak: Doch viel gefährlicher wäre eine Fortsetzung der Unterstützung der Despoten oder anderen Machthaber. Das ist dann, wie ich vor einigen Jahren bereits einmal sagte: „Wie eine verschleppte Grippe, aus der irgendwann unweigerlich eine Lungenentzündung wird.“ Also das gleicht dann einem Pulverfass.

Man muss die Dinge zulassen, fairer betrachten und nüchternen sehen.

Die Muslimbrüder etwa dürfen wir nicht dämonisieren. Diese Leute sind karitativ und sehr zuverlässig und deshalb beim einfachen Volk anerkannt. Die Muslimbruderschaft hat Jahrzehnte lang Leid abgenommen! Die Muslimbrüder haben die Leute zum Arzt gebracht, sie haben Witwen auf den Dörfern unterstützt.

Publikum: Ich bin Redakteurin und will jetzt endlich die wirtschaftliche Ebene genauer ansprechen, die ja letztlich die soziale Dimension ist. Die Leute leben, wie wir gehört haben, in Armut.

El-Gawhary: Vielen Dank für diese konstruktive Frage, die das Gespräch wieder in eine hilfreiche Richtung lenkt. Ja, die wirtschaftliche Ebene, und nur sie kann die sozialen Probleme lösen, darum geht es eigentlich!

Die Scharia ist nicht so wichtig! Die Rolle der Frau ist nicht so wichtig!

Beckmann: Unsere Sendung geht dem Ende zu, wir alle werden den spannenden Wandel in der arabischen Welt mit Aufmerksamkeit verfolgen. Gleich wird sich im Foyer sicherlich noch die Gelegenheit zu anschließenden Gesprächen ergeben.

Vielen Dank, dass Sie heute Abend hier bei uns in Köln im Funkhaus Wallrafplatz gewesen sind. Aus dem Kleinen Sendesaal verabschieden wir uns und geben zurück ins Studio.

Über sich selbst schrieben die Reporter: „Wir sind Weltreporter.net. Das erste Netz freier Korrespondenten, die für deutschsprachige Medien aus aller Welt berichten.“

Die Religion, jedenfalls der orthodoxe bzw. revolutionäre Islam, ist bei den Weltreportern offensichtlich über jeden Zweifel erhaben. Jede Kritik an den schariagemäßen Gesetzen hat sich im irgendwie positiven weil dynamischen Treibsand des Hier und Jetzt aufzulösen, man verggegenwärtige sich El-Gawhary: „Die Scharia ist nicht statisch, man kann sie so oder so auslegen“ oder Stryjak: „Es ist immer die Frage, wie man die Scharia anwendet, das lässt sich nicht pauschalisieren“, oder auch Kaspar: „Wir müssen von unseren alten Feindbildern lassen! Veränderung wird nicht kommen, wenn wir jetzt nur alte Strukturen wie die Scharia verteufeln.“

Wer im Januar 2012 beim Kölner WDR die globalen Muslimbrüder oder den authentischen Gesetzesislam problematisiert verfehlt das Thema Arabische Revolution, lässt sich mit dem Netzwerk Weltreporter sagen. Diskriminierende Scharia und schariagemäß erniedrigte Frauenrolle sind, wie El-Gawhary weiß, schließlich „nicht so wichtig!“ Was aber ist den Weltreportern dann wichtig, nur die beim Herumreisen aufgefangene Stimmung einer prickelnden „Welle der Veränderung“ („Alle spürten, dass der arabischen Welt ein Tsunami bevorsteht“) und die Betonung des Rechts der angeblich so ganz „anders“ strukturierten Muslime auf eine islamgemäße Lebensführung und Staatsgestaltung?

Die den von „gemäßigten Islamisten“ erzählenden Weltreportern nahe stehende Internetseite Qantara lässt, sorgsam zwischen „der Islam“ und „der Westen“ unterscheidend, den syrischen Politiker und Schariagelehrten Mohammad Al-Habash bereits im Juli 2005 das Konzept einer „islamische Demokratie“ bewerben.[14]

Macht sich, wer den seitens der Weltreporter heute Abend vorgegebenen Dualismus westliche Welt – arabische Welt nicht einhält, dem Beibehalten von „Feindbildern“ (Kaspar) schuldig? Das wäre eine klassische Double-bind-Situation, den Bewohnern des „Okzidents“ einerseits vorzuwerfen, eurozentrisch zu denken und andererseits auf dem konservierten Anderssein der so genannten islamischen Welt (Weltreporter: „arabische Welt“) zu bestehen.

Ist das die letztlich bis heute etwas unklar gebliebene Intention der Gruppe Weltreporter, zu Staaten wie Pakistan, Somalia, Nigeria, dem Iran oder Saudi-Arabien nichts anderes mehr zu sagen und zu schreiben, als: „Die Scharia ist nicht so wichtig, die Rolle der Frau ist nicht so wichtig“? Einen Vorteil hätte eine derartig islamsensible Berichterstattung durchaus, der Weltreporter wird in Teheran oder Riad mit Klerus oder Religionspolizei niemals Probleme bekommen. Zusammen mit dem aktiven Einsatz für die universellen Menschenrechte ist dabei leider auch der Standard eines gründlich arbeitenden Journalismus aufgegeben worden.

Am 16.02.2011 schrieb Schariaverharmloser Thomas Bauer zum einflussreichsten zeitgenössischen ägyptischen Verfassungsrechtler und titelte Tariq al-Bishri, Islamdemokrat und Verfassungsvater,[15] nur zwei Tage also, bevor Scheich Yusuf al-Qaradawi auf dem Kairoer Mīdān at-Taḥrīr (Platz der Befreiung) predigte. Im Titel deutet der den schariatreuen Islamtheoretiker als „Idealbesetzung“ für das Amt des Vorsitzenden der Verfassungskommission bezeichnende Bauer an, dass es neben der säkularen und rechtsstaatlichen Demokratie auch eine „Islamdemokratie“ geben könne und müsse. In Wirklichkeit, Thomas Bauer verschweigt es, empfiehlt Ṭāriq al-Bišrī den Ägyptern, eine globale Apartheid des Menschenrechtsbegriffs zu bejahen, die allgemeinen Menschenrechte als unzumutbar zu empfinden und im Namen des Eigenen (al-Bishri: des „Ererbten“) zurückzuweisen.[16]

Hier beenden wir die am Folgetag nach handschriftlichen Notizen rekonstruierte Podiumsdiskussion im Kleinen Sendesaal des Kölner Funkhauses.[17] Falls wir die Damen und Herren Weltreporter ungenau wiedergegeben oder missverstanden haben sollten, können sie sich doch einfach unbekümmert hier melden, denn: Es gilt das gesprochene Wort.

Jacques Auvergne

Q u e l l e n

[1] Die niedersächsische Landesregierung will die Medien des Landes beim Thema Integration auf einen gemeinsamen Kurs verpflichten. Die neue Ministerin für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration, Aygül Özkan (CDU), hat deshalb eine „Mediencharta für Niedersachsen“ entwerfen lassen. (…)

Es dürfte in Deutschland bislang einzigartig sein, dass eine Landesregierung die Medien auf gemeinsame Inhalte verpflichten will und sogar die dabei zu wählende Sprache vorschreiben möchte.

Außerdem sollen sich die Medien nach Wunsch der neuen Ministerin dahin erklären, entsprechende Projekte zu entwickeln, über die künftig zu berichten sein wird.

aus: Rolf Seelheim: Ministerin will Medien Inhalte vorgeben

NWZ online 23.07.2010

http://www.nwzonline.de/Aktuelles/Politik/Nachrichten/NWZ/Artikel/2391776/Ministerin+will+Medien+Inhalte+vorgeben.html

„Mediencharta für Niedersachsen“

WELT 23.07.2010

http://www.welt.de/politik/deutschland/article8598674/Mediencharta-fuer-Integration-in-Niedersachsen.html

[2] Medienvertreter kritisierten die Pläne heftig. „Unverblümter hat seit langem kein Politiker mehr versucht, Zeitungen und elektronische Medien auf Kurs zu bringen“, sagte der Chefredakteur der Nordwest-Zeitung, Rolf Seelheim.

Auch die niedersächsische SPD hat die geplante „Mediencharta für Niedersachsen“ scharf kritisiert. „Ich bin absolut fassungslos, dass sich eine Ministerin erdreisten kann, so etwas vorzuschlagen“, sagte die medien- und kulturpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Daniela Behrens, am Freitag. (…)

Die Grünen kritisierten, die geplante Mediencharta sei ein „Instrument der Zensur“. „Die geplante Sprachregelung mag gut gemeint sein, aber die geplante gemeinsame Absichtserklärung zwischen Medien und Ministerium geht gar nicht“, sagte der Fraktionschef der Landtags-Grünen, Stefan Wenzel.

aus: „Mediencharta“: Ministerin löst Sturm der Empörung aus

NWZ 23.10.2010

http://www.nwzonline.de/Region/Artikel/2391959/%84Mediencharta%93-Ministerin-loest-Sturm-der-Empoerung-aus.html

Pikant sei zudem, dass die Sprachregelung für die Medien offenbar nicht mit der Staatskanzlei abgestimmt worden sei. Wenzel [d.i. der Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Landtag, Stefan Wenzel] forderte Ministerpräsident David McAllister und Ministerin Aygül Özkan auf, das Projekt einer verbindlichen Sprachregelung zu beerdigen.

Özkan selbst rudert inzwischen zurück und sieht die Charta nur als “Diskussionsgrundlage”.

aus: Peter Fehlhaber: Plant Niedersachsen Zensur? “Mediencharta Niedersachsen” sorgt für Irritationen

CelleHeute.de 23.07.2010

http://celleheute.de/plant-niedersachsen-zensur-mediencharta-niedersachsen-sorgt-fuer-irritationen/

Nach heftiger Kritik hat Ministerin Aygül Özkan (CDU) die geplante “Mediencharta für Niedersachsen” gestoppt. “Vor dem Hintergrund der entstandenen Irritationen kann es nur unser Ziel sein, mit den Medien ins Gespräch zu kommen. Daher stellt sich die Frage nach der Unterzeichnung einer Charta zurzeit nicht”, meldete ihr Ministerium. (…)

Özkan hatte in der vergangenen Woche Redaktionen aufgerufen, eine Mediencharta zu unterzeichnen, mit der sie sich zu einer gemeinsamen Linie bei der Berichterstattung über Integration verpflichten sollten. Das war auch von der Opposition als Angriff auf die Unabhängigkeit der Medien betrachtet worden.

aus: Integrationsministerin Özkan zieht Mediencharta zurück

WELT 28.07.2010

http://www.welt.de/die-welt/politik/article8683468/Integrationsministerin-Oezkan-zieht-Mediencharta-zurueck.html

[3] Egypt’s Supreme Administrative Court has ruled against Baha’is being able to acquire official documents by today upholding an appeal by the Interior Ministry.

The judge, after giving their verdict, stated that “the constitution promotes freedom of belief for the three recognised heavenly religions and they are Islam, Christianity and Judaism”, he went on to call members of the Baha’i Faith “apostates of Islam, because the faith’s principles contradict the Islamic religion and all other religions.”

The Baha’is principle representative to the United Nations, Ms Bani Dugal, said that “We deplore the Court’s ruling in this case, which violates an extensive body of international law on human rights and religious freedom”… “the Court’s decision threatens to make non-citizens of an entire religious community, solely on the basis of religious belief.”

Hossam Bahgat, director of the Egyptian Initiative for Personal Rights, said “It’s a regrettable decision, but it’s a crisis for the government more than for the Bahais, now the government is forced to find a solution for the hundreds of citizens who have no papers.”

aus: James Herbert: Egyptian Court Rules Against Baha’is

warble.com (personal blog space of James Herbert) 16.12.2006

http://warble.com/blog/2006/12/16/egyptian-court-rules-against-bahais/

An open letter to the people of Egypt

[English version of a statement issued in Arabic by the Bahá’ís of Egypt dated April 2011]

Baha’i Faith in Egypt 06.04.2011

http://www.bahai-egypt.org/2011/04/open-letter-to-people-of-egypt.html

bei: Baha’i Faith in Egypt

http://www.bahai-egypt.org/

[4] Civil Liberties:

Women have a moderate level of civil liberty in Egypt. They generally have freedom of movement, but more so in the cities than in rural areas. To travel outside the country, unmarried women under 21 years of age must obtain their father’s permission to obtain a passport; similarly, wives of any age need their husband’s permission.

Women’s freedom of dress has been the subject of lively debate in Egypt. Fully 70 per cent to 80 per cent of women wear a veil in public. The Associated Press reports that while some women are required by male family members to cover themselves, many others choose to wear the veil to show their devotion to Islam.

Aus: SIGI – Social Institutions and Gender Index

http://genderindex.org/country/egypt-arab-rep

Zum Beispiel Tunesien – Wenn die Islamisten wirklich bald das Land umorganisieren, dürfte diese Meldung leider veraltet sein und wird sich die echte islamische Frauenerniedrigung zeigen.

Women in Tunisia have civil liberty. There are no constraints on women’s freedom of movement, and they have freedom of dress. Many women choose to wear the veil in private enterprises or public spaces; however, it is strictly forbidden for women who work in public administration (during working hours).

http://genderindex.org/country/tunisia

[5] Bis jetzt waren uneheliche Kinder namenlos, bekamen keine Geburtsurkunden, konnten nicht zur Schule gehen, keine Identitätskarte erwerben und blieben ihr Leben lang Aussenseiter. Laut Menschenrechtlern gibt es zurzeit in Ägypten mindestens 20 000 uneheliche, von ihren Vätern nicht anerkannte Kinder.

Die Besserstellung unehelicher Kinder komme auch deren alleinstehenden Müttern zugute, die bisher als Prostituierte gegolten hätten, meinte eine Anwältin. Die Islamisten bekämpften diese Revision vor allem mit dem Argument, sie führe zu mehr Unzucht. Ihr Weltbild ist immer noch stark geprägt von der Vorstellung, brave Männer würden von sexbesessenen Frauen verführt und für aussereheliche Geburten seien Frauen ganz allein verantwortlich.

aus: NZZ 13.06.2008

http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/verbesserter_schutz_fuer_aegyptische_kinder_1.757800.html

[6] Der Fall Kareem Amer [Nachname Suleiman] soll als Warnung verstanden werden. “Dieses Urteil ist schockierend”, sagt Wael Abbas, einer der prominentesten ägyptischen Blogger. “Ich verstehe das Urteil als drohende Botschaft der ägyptischen Regierung an alle ägyptischen Journalisten und Blogger, dass kontroverse Texte von der Obrigkeit nicht akzeptiert werden.”

Suleimans [d.i. Kareem Amer] Leidensweg begann schon im Oktober 2005. Damals war er zum ersten Mal von der Sicherheitspolizei wegen anti-religiöser Eintragungen, wie die Sicherheitspolizei es ausdrückte, verhaftet worden. Suleiman hatte über religiösen Ausschreitungen in Alexandrien berichtet und sich kritisch über die Rolle der Muslime in den Ausschreitungen geäußert. 13 Tage wurde er damals festgehalten, seine Bücher und persönlichen Aufzeichnungen konfisziert.

Kurze Zeit später, Anfang 2006, wurde Suleiman dann von der Uni verwiesen, weil er sich in seinem Weblog kritisch über einige der konservativen Dozenten geäußert hatte. “Die Professoren und Scheichs der Al-Azhar, die gegen jeden sind, der frei denkt, werden im Abfalleimer der Geschichte enden”, hatte Kareem Amer damals geschrieben. Schon mit sechs Jahren war Suleiman von seinen Eltern in das religiöse Schulsystem der Al-Azhar geschickt worden. Doch anstatt Teil des religiösen Establishments zu werden, rebellierte Suleiman. Er wurde zu einem leidenschaftlichen Verfechter von Frauenrechten, Meinungsfreiheit und Säkularismus und machte seiner Wut in seinen Web-Eintragungen Luft.

Das sollte ihm zum Verhängnis werden.

Im November 2006 stand die Sicherheitspolizei wieder bei Suleiman vor der Tür. Bei der Vernehmung wurde schnell klar, dass die Vernehmungsbeamten Suleiman wegen seiner Ansichten anklagten. “Betest Du?”, “Fastest

Du im Ramadan?”, wollten sie von ihm wissen und machten sich immer wieder über den jungen Mann lustig. Der Staatsanwalt wies Suleiman drauf hin, dass er verhaftet würde, sollte er seine Ansichten nicht ändern. Suleiman bestand auf seinem Recht der freien Meinungsäußerung und landete hinter Gittern.

aus: Amira El Ahl: Vier Jahre Haft für Blogger in Ägypten

SPIEGEL online 23.02.2007

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,468313,00.html

[7] Seit Monaten ist bekannt, dass die „Rebellen“ auf dem Tahrir-Platz „Jungfrauentests“ bei den Rebellinnen durchführen. Das heißt, sie reißen den Frauen die Kleider vom Körper und penetrieren sie manuell. Das machen sie nicht nur mit Ägypterinnen, sondern auch mit Ausländerinnen, ja sogar mit Korrespondentinnen.

aus: Nina Hermann: Tod den Rebellinnen

EMMA Winter 2012

http://www.emma.de/ressorts/artikel/islam-islamismus/aegypten-tod-den-rebellinnen/

Samira Ibrahim (L) flashes a victory sign as she attends a protest against military council violations and virginity tests against females at Tahrir Square in Cairo, December 27, 2011. An Egyptian court ordered on Tuesday that forced virginity tests be stopped on female detainees in military prisons. (…)

MD Ahmed Adel Mohamed El-Mogy, a 27-year-old conscript, is accused of subjecting seven women, including protester Samira Ibrahim, to “virginity tests” against their will.

The women were initially arrested on 9 March, after the military attempted to disperse a sit-in in Cairo’s Tahrir Square. They were then taken to the notorious C28 military prosecution facility, where the tests were carried out.

Ahram Online 03.01.2012

http://english.ahram.org.eg/NewsContent/1/64/30859/Egypt/Politics-/Virginity-tests-trial-adjourned-to-midJanuary.aspx

[8] This speech was given by a member of Tunisia’s al Nahda Party, where he mentions that the revolutions are the precursor to the next Khilafah (Caliphate) which will liberate Palestine and the Muslim world generally. May Allah reward the sincere brothers in an Nahda Party and make them realise the tricks of the secularists in their own party.

http://www.dailymotion.com/video/xmg5i9_tunisia-nahda-party-member-we-are-heading-for-the-6th-caliphate-insha-allah-translated_news

Tunisia Nahda Party member: “We are heading for the 6th Caliphate insha Allah!”

http://www.youtube.com/watch?v=tL3tJteIwLY

Ghannouchi (En Nahda Party) rejects the idea of Caliphate, wants reforms

http://www.youtube.com/watch?v=6GOBO8NbW1o&feature=related

[9] Leading Islamic theologian Yusuf al-Qaradawi returned from Qatar to rally hundreds of thousands at Tahrir Square today in his first public speech since 1981.

Yusuf al-Qaradawi, a leading Egyptian Islamic theologian popularized by Al Jazeera, returned to Cairo today to deliver a stirring but overtly political sermon, calling on Egyptians to preserve national unity as they press for democratic progress.

“Don’t let anyone steal this revolution from you – those hypocrites who will put on a new face that suits them,” he said, speaking to at least 200,000 who gathered for Friday prayers in Tahrir Square, the epicenter of Egypt’s uprising. “The revolution isn’t over. It has just started to build Egypt … guard your revolution.”

aus: Dan Murphy: Egypt revolution unfinished, Qaradawi tells Tahrir masses

in: The Christian Science Monitor 18.02.2011

http://www.csmonitor.com/World/Middle-East/2011/0218/Egypt-revolution-unfinished-Qaradawi-tells-Tahrir-masses

On February 18, 2011, one week after the fall of the Egyptian dictator Hosni Mubarak, some two millions Egyptians assembled once again in Cairo’s Tahrir Square for the Friday prayer. The day had been proclaimed Yawm al-Fath “the Day of Victory”. The intention was to celebrate the beginning of a new era, to commemorate the martyrs of the revolution and to maintain pressure on the military council temporarily governing the country. The sermon (khutbah) was not going to be preached by one of the highest ranking official Muslim clerics – the Sheikh of al-Azhar University, for example, or the Mufti of the Republic – but by the most emblematic figure of the religious opposition to the former regime, Sheikh Yusuf al-Qaradawi, 84, who had just come back from Qatar the day before.

Sheikh Dr. Yusuf al-Qaradawi is one of the most influential of Sunni ulama (scholars) today. Born in Egypt in 1926, he graduated from al-Azhar Faculty of Principles of the Religion (Usul al-Din) in 1960 (…)

He helped create the very popular IslamOnLine website in 1997, and his weekly program on Al Jazeera, The Shari`ah and Life, is watched by tens of millions of Muslims worldwide. (…)

As much as their choice, the way Sheikh al-Qaradawi recited these verses undoubtedly had an impact on the Tahrir Square worshippers, notably his repeating of the verses 10-14 of The Dawn in the following sequence – 10, 10, 11, 12, 11, 12, 13, 14, 14 – underlining the tyranny of Pharaoh, his corruption and his final chastisement by God. (…)

Before the tribunal which hanged him for assassinating Anwar Sadat in 1981, Khalid Islambuli shouted “I killed Pharaoh!” In his Tahrir Square sermon, Sheikh al-Qaradawi does not call for the killing of anybody. However, he does not hide his satisfaction that the pharaonic and criminal regime of Hosni Mubarak was toppled by a peaceful insurrection.

aus: Yahya M. Michot: Qaradawi’s Tahrir Square Sermon

http://www.onislam.net/english/shariah/contemporary-issues/interviews-reviews-and-events/451341-the-tahrir-square-sermon-of-sheikh-al-qaradawi.html?Events=

YouTube

Khutbah in Midan Tahrir [Al-Qaradawi]

http://www.youtube.com/watch?v=Haxwcqa2btA

YouTube

Qaradawi Khutbah Tahrir Square

http://www.youtube.com/watch?v=fiT4pPHpfOU

[10] A CONTROVERSIAL religious leader with close links to Ireland’s largest Muslim organisation has been banned from entering the country, the Irish Independent has learned.

The Irish Naturalisation and Immigration Service refused to approve an entry visa for Sheikh Yusuf al-Qaradawi, an Egyptian cleric who has defended suicide bombing and advocated the death penalty for homosexuals.

Sheikh al-Qaradawi (84) is head of the European Council of Fatwa and Research (ECFR), a private Islamic foundation whose headquarters is in the Islamic Cultural Centre of Ireland (ICCI) in Clonskeagh, Dublin.

Immigration officials are understood to have blocked his entry to the country after Mr Al-Qaradawi described suicide-bombing attacks on Israelis as “martyrdom in the name of God”.

The Irish Independent has learnt the elderly religious leader was denied a visa when he last tried to enter the country on ECFR business.

The Irish ban follows similar ones in the US and UK.

Mr Al-Qaradawi had his US visa revoked in 1999 and was also refused entry to the UK three years ago.

aus: Shane Phelan: ‘Fatwa’ sheikh with links to Irish Muslims is refused visa

Irish Independent 08.08.2011

http://www.independent.ie/national-news/fatwa-sheikh-with-links-to-irish-muslims-is-refused-visa-2842247.html

[11] Die Männer, die Augenzeugenberichten zufolge am Nachmittag des 9. März den Tahrir-Platz stürmten, das Zentrum der ägyptischen Revolution, und anscheinend wahllos Demonstranten attackierten, trugen keine Uniformen. “Sie sahen aus wie Schlägertypen”, erzählt Salwa, “sie beschimpften mich als Hure und schlugen mir ins Gesicht.” Schockiert sei sie gewesen, als die Bande sie mit etwa 20 anderen Frauen ins Ägyptische Museum verschleppt und dort dem Militär übergeben habe. “Ich konnte nicht glauben, dass unsere Armee hinter diesem Angriff steckte”, sagt sie. “Aber dann brachten sie uns ins Militärgefängnis, und von da an wurde es immer schlimmer.” (…)

Als Salwa am 9. März im Militärgefängnis ankam, so erzählt sie, wurde sie mit zwei anderen Frauen in einen kleinen Raum geführt, wo sie sich ausziehen und ihre Kleider durchsuchen lassen mussten. Dabei habe sie bemerkt, dass ein Soldat vor dem offenen Fenster stand und die nackten Frauen fotografierte. “Ich hatte Angst, dass sie die Fotos benutzen würden, um uns als Prostituierte darzustellen.”

In der Nacht wurden die Frauen in eine Zelle gesperrt; sie bekamen Wasser und Brot, das nach Kerosin stank. Am nächsten Tag stand im Flur vor ihrer Zelle eine Liege; dort, so verkündete ein Offizier, werde nun ein Arzt die Jungfräulichkeit der unverheirateten Frauen überprüfen. “Wir konnten es nicht glauben”, sagt Salwa, “wir fragten, ob es nicht wenigstens eine Ärztin sein könne, aber er sagte nein. Ein Mädchen, das sich wehrte, wurde mit Elektroschocks traktiert.”

Was zwischen dem 9. und 13. März im Militärgefängnis von Heikstep geschah, nordöstlich von Kairo, beschäftigt nun mehrere Menschenrechtsorganisationen. Amnesty International forderte die Behörden auf, “die schockierende und erniedrigende Behandlung von Demonstrantinnen zu stoppen”. Das Europäische Parlament verurteilte “die erzwungenen Jungfräulichkeitstests” als Folter. (…)

Frauen, die ohne männliche Begleitung in der Hauptstadt unterwegs sind, müssen damit rechnen, sexuell belästigt zu werden.

Am vergangenen Dienstag, fast drei Monate nach Salwas Verhaftung, meldete sich erstmals ein General zu Wort. “Die Mädchen, die festgenommen wurden, waren nicht wie Ihre Tochter oder meine”, sagte der General dem US-Nachrichtensender CNN. “Es waren Mädchen, die mit männlichen Demonstranten auf dem Tahrir gezeltet hatten, in den Zelten fanden wir Molotow-Cocktails und Drogen.” Die Jungfräulichkeitstests seien durchgeführt worden, damit die Frauen hinterher nicht behaupten konnten, im Gefängnis belästigt oder vergewaltigt worden zu sein: “Wir wollten beweisen, dass sie sowieso keine Jungfrauen mehr waren.”

Eine “zutiefst perverse Rechtfertigung einer herabsetzenden Form von Missbrauch” nannte Amnesty International diese Reaktion und forderte die Behörden auf, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Die Antwort der Armee folgte prompt: Die Anschuldigungen der Frauen, ließ sie über einen Sprecher ausrichten, seien haltlos.

aus: Samiha Shafy: Die Jungfrauen vom Tahrir

DER SPIEGEL 06.06.2011

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-78832468.html

[12] Dr al-Qaradawi insists that a husband must compel his wife to wear the hijab.

“It is unanimously agreed upon among Muslim scholars that it is not lawful for a Muslim woman to uncover any part of her body other than the face and hands (and the feet according to some schools of jurisprudence). Hence, it is unlawful for a woman to reveal her hair, or arms, or chest or legs before non-mahram men. Wearing clothes that reveal such parts of a woman’s body is completely forbidden. A Muslim husband is to order his wife to wear hijab.”

http://www.workersliberty.org/node/4068

[13] Constitutional Status of Islam(ic Law): The Constitution was adopted on 11 September 1971 and amended by referendum in May 1980. The amendment made Islamic law “the principal source of legislation” in Egypt. Article 2 of the Constitution reads in full:

Islam is the religion of the State and Arabic its official language. Islamic jurisprudence is the principal source of legislation.

http://www.law.emory.edu/ifl/legal/egypt.htm

[14] Muhammad Habash ist ein vielseitiger Mann. Er sitzt im syrischen Parlament, ist Imam einer Damaszener Moschee, leitet das Islamische Studienzentrum und ist Vorsitzender der islamischen Gelehrten in Syrien. (…)

Die Reformer, zu denen er sich selbst zählt, propagierten eine islamische Demokratie. “Wir sind gegen einen religiösen Staat”, betont Habash. “Wir wollen einen säkularen Staat, den wir als Muslime beeinflussen können – ähnlich wie in der Türkei.”

Dafür wird sich der Abgeordnete in den kommenden Jahren einsetzen. Schon jetzt gilt Habash im sozialistisch und säkular geprägten Syrien als führender Vertreter eines gemäßigten Islam. (…)

“Nach fünf bis zehn Jahren in der Politik werde ich mich wieder voll auf das Verhältnis zwischen Islam und Westen konzentrieren”, kündigt Habash an.

aus: Kristin Helberg: Engagement für den Dialog der Religionen

Qantara 28.07.2005

http://de.qantara.de/Engagement-fuer-den-Dialog-der-Religionen/3355c3449i1p399/

[15] In der Tat ist Tariq al-Bishri die Idealbesetzung für den Vorsitzenden der Verfassungskommission. Im November 1933 in eine Gelehrtenfamilie geboren, ist al-Bishri nicht nur pensionierter Richter und gestandener Rechtstheoretiker, sondern ein weit über Ägypten hinaus bekannter und geschätzter Intellektueller. … Tariq al-Bishri ist zunächst einmal ein Intellektueller, der sich wie kaum jemand anderes Gedanken über die Rolle des Islams in einer modernen, demokratischen Gesellschaft gemacht hat. Dabei ist er weder auf konservativen islamischen Positionen stehen geblieben, die eine Umsetzung islamischen Rechts in seiner traditionellen Ausprägung für die Gegenwart fordern, noch auf einen unkritischen „Reformislam“ eingeschwenkt, der schlichtweg westliche Konzepte eins-zu-eins auf den Islam übertragen will. Sein Ausgangspunkt ist vielmehr ein gut klassisches Konzept einer schari’a (die übrigens schon seit Sadat Hauptquelle der Gesetzgebung in Ägypten ist), die nicht von vorneherein feststeht, sondern der Interpretation bedarf und stets mit den aktuellen gesellschaftlichen Verhältnissen in Beziehung gesetzt werden muss. Al-Bishri liegt es fern, die direkte Umsetzung von Koranversen oder Hadithen in Gesetze zu fordern oder die Religionsgelehrten in die Gesetzgebung einzubeziehen. Vielmehr billigt er der schari’a etwa jene Rolle zu, die in Europa das Naturrecht spielt. Für al-Bishri, der ein durchaus patriotisches Verständnis von Ägypten hat, ist Ägypten durch eine islamische Kultur (die nicht identisch ist mit der islamischen Religion) geprägt, zu der auch die christlichen Kopten gehören. Gleichberechtigung von Kopten und Muslimen und ebenso von Männern und Frauen ist eines seiner zentralen Anliegen. Bei Konflikten zwischen Kopten und Muslimen hat sich al-Bishri immer wieder für die Rechte der Kopten eingesetzt.

aus: Thomas Bauer: Tariq al-Bishri, Islamdemokrat und Verfassungsvater

Sawtuna 16.02.2011

http://arabistikwwu.blogspot.com/2011/02/tariq-al-bishri-islamdemokrat-und.html

Der Islamdemokrat

[16] Ṭāriq al-Bišrī gilt als berufener Verfassungsrechtler. Zum Religionsbegriff eines ägyptischen Juristen, zur Glaubenserhöhung in Kairo und Berlin und zum geologischen Begriff der Plattentektonik. Von Jacques Auvergne.

http://jacquesauvergne.wordpress.com/2011/03/12/221/

[17] Umbruch in der Arabischen Welt

Weltreporter berichten

wdr. Im Rahmen ihrer Jahrestagung diskutieren freie Korrespondenten des Weltreporter-Netzwerkes über die Zukunft der arabischen Welt. Sie berichten seit Jahren für Zeitungen und Hörfunk aus der Region und haben den Arabischen Frühling selbst miterlebt.

http://www.wdr.de/wissen/wdr_wissen/programmtipps/radio/12/01/06_2005_5.php5

auch bei den Schariafreunden von Qantara, abgleichen heißt versuchen, gleichzuschalten:

Am Freitag, 6. Januar 2012, berichten fünf Korrespondenten des Netzwerks Weltreporter von ihren Erfahrungen während der Umbrüche und gleichen diese mit der Darstellung in den deutschen Medien ab

http://de.qantara.de/Termine/15894c18720i/index.html

Friedenskonferenz um Friedenskonferenz verläuft der Pfad in den Schariastaat. Die katholischen Pazifisten und Antisäkularen von Sant’Egidio etwa laden im September 2011, weil man an die zehn Jahre zurückligenden Terrorangriffe denken möchte, hochrangige Muslimbrüder wie Dr. Moneim (Ägyptens Präsidentschaftskandidat) nach München. Claudia Mende frohlockt:

Mit den vielen muslimischen Gesprächspartnern, nicht nur aus der arabischen Welt, sondern auch aus Malaysia und Indonesien habe man aber zeigen können, dass der Islam “viele Facetten” hat, sagt Susanne Bühl von der deutschen Gemeinschaft Sant’Egidio. Das trage zu einem besseren Verständnis des Islam bei. “Viele wichtige Gespräche fanden auch hinter den Kulissen statt.” Das nächste internationale Friedenstreffen ist übrigens für 2012 in der bosnischen Hauptstadt Sarajewo geplant.

http://de.qantara.de/Alte-Wunden-neue-Fragen/17656c18263i1p104/index.html

Abu’l-Futuh Abd Al-Moneim

Präsidentschaftskandidat, Ägypten

http://www.santegidio.org/index.php/de/solidarieta/disabili/index.php?pageID=2386&idLng=1067&idOratore=569

Interview mit Cesare Zucconi – Generalsekretär der Gemeinschaft Sant’Egidio. Vaticanista News 11.09.2011.

Zucconi: Wir freuen uns darüber, dass wir zwei Podien dem arabischen Frühling widmen können, dem Umbruch in Ägypten und dem in Tunesien. Mit Abdel Moneim Abul Futuh kommt einer der Präsidentschaftskandidaten zu uns

http://www.vaticanista.info/2011/09/09/echte-begegnungen-mit-echten-menschen/

Interview mit Tariq Ramadan:

“Es gibt kein islamisches System, nur islamische Prinzipien”

Im Gespräch mit Claudia Mende wendet sich der muslimische Gelehrte und Reformdenker Tariq Ramadan gegen autoritäre Herrschaftsstrukturen im Islam und wirbt für ein modernes Glaubensverständnis auf der Grundlage einer Trennung von Staat und Kirche.

http://www.iphpbb.com/foren-archiv/5/294400/293880/tariq-ramadan-quotviel-feind-viel-ehrquot-93510334-17659-47.html

Die Methode Sant’Egidio

München. Mohamed Abdul Malek und Fatih Mohammed Baja brauchen jetzt erst einmal einen Kaffee. Um 16 Uhr sollen der Vizepräsident der Muslimbruderschaft in Libyen und das Mitglied des Nationalen Übergangsrates wieder im Herkulessaal der Münchner Residenz über den Arabischen Frühling diskutieren. Gerade noch haben sie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gelauscht.

http://kirchensite.de/aktuelles/kirche-heute/kirche-heute-news/datum////die-methode-santegidio/

http://www.santegidio.org/index.php?pageID=64&id=8508&idLng=1067

Beitrag

Mohamed Abdul Malek

Vizepräsident der Muslimbruderschaft, Libyen

http://www.santegidio.de/index.php?pageID=2396&idLng=1067

Aus erzkatholischer Sicht sind Westler und Koranvolk in Wesen und Lebensführung grundverschieden, weshalb das Miteinander von Demokratie und Islamdemokratie kommen muss.

Des représentants des Frères musulmans, venus de Libye, assuraient qu’ils voulaient construire la démocratie dans leur pays, mais que les démocrates occidentaux devaient admettre que cette démocratie pouvait être différente de la leur.

Burka und Bikini integrieren, der Trend geht zur Zweitfrau:

« la paix est le nom même de Dieu »

http://www.santegidio.org/pageID/64/id/8518/idLng/1067/.html

Scharia und Weihrauch für`s katholische München, ECFR-Chef ist Yusuf al-Qaradawi:

Abdul Majeed Al-Najjar (ECFR), Stellvertretender Generalsekretär des European Council for Fatwa and Research, Tunesien

http://www.santegidio.org/index.php?int=oratori&id=528

Per Riccardi “non possiamo essere pessimisti perché il pessimismo può influenzare in modo negativo il futuro del mondo arabo”. Importante la presenza di interlocutori libici – l’uno vicino ai Fratelli musulmani, l’altro rappresentante del CNT – certo per il contesto attuale, ma anche perché i libici non hanno mai amato partecipare a questi incontri.

http://www.santegidio.org/pageID/3/id/4163/idLng/1062/Da_Monaco_di_Baviera_-_Andrea_Riccardi_Lo_Spirito_di_Assisi_ha_incontrato_la_primavera_araba_Decisivo_il_messaggio_di_Benedetto_XVI_Pi%C3%B9_spiritualit%C3%A0_vuol_dire_pi%C3%B9_concretezza.html

Abdul Majeed Al-Najjar È membro dell’autorevole International Association of Muslim Scholars e dell’European Council for Fatwa and Research di Parigi. L’European Council for Fatwa and Research (ECFR) è un’organizzazione di studiosi islamici istituita a Londra nel 1997, il cui fondatore e presidente è Yusuf al-Qaradawi.

[Zehnter Jahrestag der Terrorangriffe vom 11. September, Dialog der Religionen für den Frieden, Panel 30, Der Arabische Frühling] La primavera araba

http://www.santegidio.org/index.php?pageID=1077&idLng=1062&cosa=Najjar&x=0&y=0

Qantara

Qantara.de (arab.: Qantara = Brücke) ist ein Internetportal, das in den Sprachen Deutsch, Englisch, Indonesisch, Arabisch und Türkisch den intellektuellen Dialog der westlichen mit der islamischen Welt fördern soll.

Das Portal geht auf eine Initiative des deutschen Außenministeriums zurück, in Reaktion auf die krisenhafte Entwicklung der Beziehung zum islamischen Kulturkreis nach dem Schock der Terroranschläge am 11. September 2001 in den USA. Gemeinsame Träger der seit März 2003 online erreichbaren Plattform sind die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), die Deutsche Welle (DW), das Goethe-Institut (GI) und das Institut für Auslandsbeziehungen (ifa); das Projekt wird vom Außenministerium gefördert. Das gemeinsame Dialogprojekt macht es sich zur Aufgabe, die Verständigung zwischen den verschiedenen Kulturkreisen zu fördern, mit dem Ziel, vorhandene Wissensdefizite aufzuheben und Vorurteilen entgegenzuwirken.

Anspruch des Redaktionsteams ist, die Publikation von solchen westlichen und islamischen Autoren zu ermöglichen und zu betreuen, die auch in Krisenzeiten die offene und respektvolle Auseinandersetzung über Gemeinsamkeiten wie über strittige Themen suchen.

Dazu gehörten beim Startangebot der Plattform zum Beispiel der ägyptische Literaturwissenschaftler Nasr Hamid Abu Zaid, der deutsche Ex-Diplomat und Muslim Murad Hofmann, die Islamtheologin Halima Krausen, der Konfliktforscher Heiner Bielefeldt und der Physiker Ernst Ulrich von Weizsäcker.

aus: Wikipedia abgerufen am 07.01.2012

http://de.wikipedia.org/wiki/Qantara.de

Die Muslimbruderschaft hat sich im Laufe ihrer achtzigjährigen Geschichte meist als gewalttätige, anti-westliche Bewegung hervorgetan, die auf eine strikte Einhaltung der islamischen Gesetze drängt. Viele der gewaltsamen radikal-islamischen Bewegungen, die wir heute kennen, sind ursprünglich aus der Bruderschaft hervorgegangen oder von ihrer radikalen Ideologie beeinflusst worden.

Im Lauf der letzten dreißig Jahre haben jedoch verschiedene der nur lose miteinander verbundenen Ableger dieser Bruderschaft in unterschiedlichen arabischen Staaten an Wahlen teilgenommen. Man hat sich um Transparenz sowie eine demokratische Reformierung der eigenen Parteipolitik bemüht und das System der parlamentarischen Volksvertretung ausdrücklich anerkannt. (…)

Aber statt die neueren demokratischen Bestrebungen der Bruderschaft zu begrüßen, versuchen die Regierungen der arabischen Staaten, möglichst hart durchzugreifen. Darunter leidet nicht zuletzt ihre eigene Glaubwürdigkeit, da die Öffentlichkeit diesen Widerspruch durchaus wahrnimmt. Moderatere Anhänger des Islam werden so womöglich erst recht in die Arme der radikalen, an den Rändern der Bewegung agierenden Dschihad-Prediger getrieben.

aus: James M. Dorsey: Richtungsstreit um demokratische Öffnung

Qantara 26.11.2009

http://de.qantara.de/Richtungsstreit-um-demokratische-Oeffnung/5090c5170i1p537/index.html

Toleranz für verschiedene Wege: In seinem neuen Buch beschreibt der Islamwissenschaftler Thomas Bauer die Spielräume muslimischer Kultur und räumt mit Zerrbildern eines alle Lebensbereiche dominierenden, dogmatischen Islams auf. Von Katajun Amirpur

„Abgesehen davon, dass wohl kaum eine Aussage darüber möglich ist, was “der Islam” eigentlich sei, denn dazu gibt es viel zu viele Erscheinungsformen des Islams, ist falsch daran die Grundannahme: “Der Islam” hat in Geschichte und Gegenwart islamischer Gesellschaften keineswegs alle Lebensbereiche durchdrungen.“

http://de.qantara.de/Eine-andere-Geschichte-des-Islams/18273c18959i0p/index.html

Welche Bedeutung hat das islamische Recht gegenwärtig für den Alltag von Muslimen? Die Antwort auf diese Frage fällt regional sehr unterschiedlich aus. …

Während die jungen Nationalstaaten sich beim Straf- und Handelsrecht meist an europäisch inspirierten Codices orientierten, wurde das Personenstandsrecht in Ländern wie Ägypten, Marokko, Malaysia oder Indien konfessionell geregelt.

Das heißt, dass z.B. ein Wohnungseinbruch genauso wie in Europa mit Gefängnis bestraft wird, während in persönlichen Angelegenheiten wie Heirat, Scheidung oder Erbe das Recht der jeweiligen Glaubensgemeinschaft gilt. Für Muslime bedeutet das, dass sie gemäß der jeweils geltenden Interpretation des islamischen Rechts heiraten, sich scheiden lassen und erben.

Diese von Fachleuten so genannte konfessionelle “Rechtsspaltung” war kein großes Problem, solange nur wenige Muslime in nichtmuslimische Länder auswanderten.

aus: Martina Sabra: Perspektiven auf die Scharia

qantara 18.05.2009

http://de.qantara.de/Perspektiven-auf-die-Scharia/3956c4050i1p411/

Das islamische Recht, die Scharia, hat einen schlechten Ruf – insbesondere in westlichen Ländern, aber auch unter vielen säkularisierten Muslimen. Es steht für Unterdrückung der Frauen, Verachtung der Menschenrechte und Rückständigkeit.

Abdullah An-Na’im, Rechtsprofessor an der amerikanischen Emory-Universität in Atlanta und keineswegs Fundamentalist, versteht den Begriff Scharia freilich ganz anders. Scharia, sagt er, sei positiv und zukunftsfähig, die Zukunft liege allerdings in einem säkularen Staat und nicht in einem islamischen:

“Mein Argument ist, dass die Idee des islamischen Staates eine postkoloniale Idee ist. Sie hat sich aus der europäischen Staatslehre und der europäischen Rechtslehre heraus entwickelt. Das passt nicht in die Natur der Scharia und ist nicht vereinbar mit der Geschichte der islamischen Gesellschaft.”

Die auf das siebte Jahrhundert zurückgehenden Rechtslehren der Scharia, so an-Naim, seien in ihrer ursprünglichen Form mit der Lebensrealität im 21. Jahrhundert einfach nicht mehr vereinbar. Man müsse sie neu definieren.

Cem Sey bei Qantara am 02.08.2006

http://de.qantara.de/Die-Zukunft-der-Scharia-ist-der-saekulare-Staat/3524c3618i1p402/

In Libyen ist das Familien- und Erbrecht schon lange von Scharia-Grundsätzen geprägt. Also: Was genau ist die Scharia?

In der westlichen Debatte, auch unter manchen Muslimen, wird sie meist als Gegensatz zu demokratischer Rechtsstaatlichkeit gesehen. Das ist jedoch weniger als die Hälfte der Wahrheit. In einem weiten Verständnis, das viele Muslime haben, beinhaltet die Scharia das gesamte, höchst komplexe und flexible System islamischer religiöser und rechtlicher Normen und deren Interpretation. (…)

So kann die “Scharia” auch den Einsatz gegen Folter, Korruption und staatliche Willkür gegen BürgerInnen begründen. Die Partei der ägyptischen Muslimbrüder (HHA) setzt Scharia in ihrem Programm mit Demokratie gleich, im Gegensatz zu Gottesstaat und Militärherrschaft. (…)

Wer aber über die Grenzen liberalsäkularer Eliten hinaus in die breite Bevölkerung hineinwirken will, wird sich ohne Bezugnahme auf islamische Kultur und Scharia schwertun. Muslimische Vorkämpfer der Menschenrechte wie Schirin Ebadi oder Nasr Hamid Abu Zaid befürworten deshalb eine kulturelle Übersetzung der Menschenrechte in die herrschende Denktradition, die sie als etwas “Eigenes” erfahrbar machen.

Die Klimakatastrophe, die dem Arabischen Frühling tatsächlich droht, ist nicht die Scharia per se, sondern weitere Destabilisierung im wirtschaftlichen und sozialen Bereich.

aus: Mathias Rohe: Eine westliche Fehlinterpretation

bei: Qantara 02.12.2011

http://de.qantara.de/Eine-westliche-Fehlinterpretation/17880c18506i0p/index.html

Der Schariaverweigerer brutzelt auf ewig in der Feuergrube, weil er den Sinn gelingenden menschlichen Lebens verfehlt hat, den Rechtsgehorsam nach Maßgabe von Scharia und Fiqh. Wenn die Gottheit Souverän und die Scharia die Wolke ist, regnen Gesetze vom Himmel.

Aus: Edward von Roy: Die Landesregierung, der Verbandsislam und die Suche nach dem bekennenden Religionsunterricht. Offener Brief an die Düsseldorfer Landtagsabgeordneten. Zum 10.12.2011.

http://jacquesauvergne.wordpress.com/2011/12/05/273/


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