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Mina Ahadis Rede zum Internationalen Frauentag 2013

März 13, 2013

Am 8. März 1979 war ich in Täbris und habe mit sieben anderen Studentinnen meiner Uni zum Widerstand aufgerufen und auf der großen Demonstration meine erste öffentliche Rede gehalten: Das Islamische Regime ist reaktionär und wir werden dieses Regime nicht akzeptieren. Die Demonstrationen am 8. März 1979 waren in verschiedenen großen Städten im ganzen Iran organisiert worden und auch in der Hauptstadt Teheran. Tausende Frauen waren auf der Straße und protestierten gegen Chomeinis Aufruf: Entweder Kopftuch, oder wir schlagen euch. Wir haben laut gesagt: Frauenrechte sind universal und keine westlichen oder östlichen Rechte! Wir werden nicht ins Mittelalter gehen! Die Scharia ist frauenfeindlich.

Der 8. März 1979 ist ein wichtiges Ereignis in unserem Kampf gegen die Islamisten und für ein freies Leben.

Das war der erste Widerstand von iranischen Frauen gegen den politischen Islam und gegen eine Bewegung, die heute seit mehr als 30 Jahren im Iran an der Macht ist und weltweit und besonders im Nahen Osten Millionen Frauen das Leben sehr schwer gemacht hat.

Ich möchte hier über 34 Jahre Kampf gegen die Scharia reden.

Chomeini und die Islamisten im Iran wurden mit Hilfe der westlichen Regierungen und gerade auch durch die USA an die Macht gebracht. Sie sollten eine Revolution niederschlagen und mit Hilfe von Religion und Islam geheiligten Mord und Brutalität anfangen – und genau das haben sie dann auch gemacht.

Sehr charakteristisch war die Strategie der Islamisten im Iran:

Zuerst greifen wir die Frauen an, das schwache Geschlecht und den Teil der Gesellschaft, der von den Menschen nicht verteidigt wird. Ohne Verzögerung begann der Kopftuchzwang: Entweder Kopftuch, oder wir schlagen euch! – das war das Manifest der Islamisten im Iran, ihr Angriff gegen die Frauen und gegen die Revolution.

Ein großer Kampf zwischen den Frauen und dem radikalislamischen Regime hat am 8. März 1979 begonnen – und dieser Kampf geht bis heute weiter.

Ich möchte hier auch über die Steinigung reden.

Denn das ist auch sehr wichtig und ein Teil des frauenfeindlichen politischen Islam. Aus meiner Sicht ist Steinigung Folgendes: Wenn die Frauen nicht gehorsam und still sind, wenn sie nicht akzeptieren, was die Islamisten verlangen, dann werden sie in aller Öffentlichkeit lebendig eingegraben und einige Männer werfen so viele Steine, bis die Frau tot ist.

Heute kann jeder dieses Phänomen und diesen Charakter der Islamischen Bewegung genau erklären und verstehen.

Millionen Frauen im Iran haben alles verloren. Die Scharia wurde zum Gesetz im Iran, und das Regime und seine Machthaber haben offen gesagt: Frauen sind halbe Menschen. Und die Frauen haben alle ihre Rechte verloren.

Wie hat Welt reagiert? Die westlichen Regierungen und gerade auch die USA, sie alle haben über Kopftuchzwang, Massenmorde oder Steinigungen geschwiegen. Die Massenmedien haben das folgende Bild vom Iran verbreitet: Der Iran ist ein islamisches Land und die Menschen haben dieses Regime gewählt und alles ist in Ordnung. Die Frauen dort im Iran sind muslimisch und haben eine andere Kultur, also kann man sich von hier aus die Steinigungen ungerührt ansehen und unbeteiligt weiterleben.

Auch die Intellektuellen in Europa und Amerika haben nichts gesagt, sogar die Frauenrechtsorganisationen und prominenten Feministinnen haben geschwiegen.

Ich musste erleben, dass die ganze Welt den islamischen Faschismus mit sehr viel Höflichkeit und Toleranz akzeptiert hat. Ich musste eine Welt sehen, die die Scharia einfach so hingenommen hat und uns Frauen sogar gesagt hat: Islam und Scharia sind nicht so schlimm, wie immer behauptet wird.

Ich habe eine Welt erlebt, in der einige sogenannte Islamwissenschaftler mit diesem Elend ein sehr erfolgreiches Geschäft gemacht haben und habe Instute wie das Hamburger Orient-Institut mit Ayatollah Steinbach erlebt, die den ursprünglichen Islam verteidigt und so dem jetzigen politischen Islam den Rücken gestärkt haben.

Wir haben gekämpft, es gab keine andere Möglichkeit. Wir Frauen mussten anfangen, für eigentlich selbstverständliche Sachen zu kämpfen wie Spazierengehen, Lachen und Atmen, Freunde haben und seine Liebe offen zeigen, für alles mussten wir kämpfen. Dieser Kampf geht heute im Iran weiter und überall auf der Welt. Ich stelle fest: Bereits jetzt, obwohl das Islamische Regime noch herrscht, haben wir Frauen die Forderung der Mullahs nach dem Kopftuch zurückgewiesen. Die Frage oder große Wunde namens Steinigung haben wir für uns geklärt und dieses Regime moralisch besiegt, denn Millionen von Frauen auf der Welt leben schon lange ganz anders und haben etwas gelernt: Religion per se ist frauenfeindlich und besonders der Islam und dieser politische Islam ist frauenfeindlich und muss aus dem Leben aller Menschen verschwinden.

In den Staaten des Westens habe ich erlebt, wie Multikulturalisten und Postmodernisten die Steinigung als meine und unsere Kultur verkaufen und die Intelektuellen angestrengt versuchen, nicht hinzusehen und gar nichts sagen. Aber ich habe auch gesehen, dass ganz normale Menschen ein großes Herz haben und etwas für Frauen tun wollen.

30 Jahre lang haben wir in dieser grausamen und nebligen Welt gekämpft und 2009 habe ich gesehen, wie eine Massenbewegung von iranischen Jugendlichen die Welt erschüttert hat. Diese Protestbewegung konnte mit Hilfe von Technik wie Internet und Facebook selbst von sich berichten. Und als dann Millionen von Menschen auf der Welt Neda Agha Soltan und ihr Sterben live erlebt haben, als Millionen Menschen gesehen haben, dass die Menschen im Iran gegen Barbarei und islamischen Faschismus aufstehen, war das ein großer Schlag auch gegen die Multikulturalisten und Relativisten.

2011 bis 2013 hat die Welt eine große Wende erlebt. 99 Prozent gegen 1 Prozent, die Macht der Straße hat sich gezeigt.

2013 hat die Frauenbewegung weltweit einen großen Schritt vorwärts gemacht. Am 14. Februar waren Millionen Frauen auf der Straße und haben zusammen gesungen und getanzt und gesagt: Es reicht! Die Gewalt gegen Frauen muss ein Ende haben!

In den vergangenen drei Jahren sind wir als weltweite Frauenbewegung im Kampf gegen Gewalt sehr weit vorangekommen. Aus meiner Sicht war die FEMEN-Bewegung in diesen Jahren besonders wichtig. Eine Bewegung, die den alten und traditionellen Feminismus hinter sich gelassen hat, eine Bewegung, die den Multikulturalismus hinter sich gelassen hat, eine Bewegung ohne Tabus und gegen Religion, gegen Islamischen Faschismus und auch gegen Prostution und Frauenhandel sowie gegen Papst, Nationalismus und Rassismus in Deutschland.

Heute stehen sich zwei Lager gegenüber: Auf der einen Seite die Bewegungen, die gegen die humanistische Aufklärung und die allgemeinen Menschenrechte antreten, und auf der andere Seite unsere Bewegung gegen Islamischen Faschismus und gegen alle Denkverbote und Tabus. Wir haben uns gefunden: Die Frauenbewegung in den so genannten islamischen Ländern und die Frauenbewegung im anderen Teil dieser einen und unteilbaren Welt. Der 14. Februar 2013 war dieser wichtige Moment: Wir Frauen aus Ost und West kämpfen zusammen gegen Gewalt an Frauen, ohne Rücksicht auf traditionelle Tabus oder geographische Grenzen.

Heute können die Menschen ihre Meinungen und Forderungen selbst vortragen. Keine Medienmafia kann heute so viel Macht haben wie damals. Der Arabische Frühling hat angefangen und die Diktaturen wurden eine nach der anderen gestürzt und unsere Geschichte und unsere Erfahrungen aus dem Jahr 1979 wurden, wie mit einem Film, der schnell abläuft, wiederholt.

Ich kenne mehrere Intellektuelle in Deutschland, die gesagt haben: Von Anfang an habe ich gewusst, dass nach Mubarak die Islamisten kommen werden. Da stellt sich mir die Frage: Und??? Hätten die Menschen Mubarak denn nicht stürzen sollen?

Heute sind die Islamisten ein weiteres Mal an die Macht gekommen, in Ägypten und Tunesien, und wieder einmal mit Hilfe der USA und der anderen westlichen Regierungen. Wieder einmal sollen die Menschen dort irgendwie Ruhe bewahren und das nicht so wichtig mit Massenmord oder sogar Steinigung, Hauptsache, die Situation ist ruhig und die Geschäfte laufen. Merkel und Obama können dieses Mal mit Mursi sitzen und reden, so, wie schon seit Jahren mit Mubarak und Chatami oder Ahmadinedschad gesprochen haben.

Die Islamisten in Ägypten versuchen, zuerst die Frauen anzugreifen. Brutalität und Vergewaltigung sind die Folge oder, wie in Tunesien, Morde an Andersdenkenden und Terror.

Doch Tausende von Frauen und auch Männer sind auf die Straße gegangen und haben gegen Islamisten gekämpft, und das ist ein sehr, sehr wichtiger Kampf für die allgemeinen Menschenrechte. Gegen Islamisten überall und gegen die Scharia, und für die Frauenrechte.

Aus meiner Sicht stehen an der Frontlinie im Kampf für die Frauenrechte in den sogenannten islamischen Ländern – die Frauen in Ägypten und Tunesien.

Das ist ein Kampf gegen Einmischung der Religion in unser Alltagsleben, für Gerechtigkeit und gegen Scharia. Das ist auch ein Kampf gegen die Weltanschauung des Multikulturalismus und Postmodernismus.

Ich möchte hier kurz erklären: Wenn in Ägypten Aliaa Magda Elmahdi nackte Fotos von sich veröffentlicht hat, dann ist das eine Revolution in den arabischen Ländern, und diese Form von Widerstand hat einen sehr wichtigen Effekt. Im Iran haben mehrere Frauen diese Form von Widerstand nachgemacht und ohne Tabus haben dort die Jugendlichen das akzeptiert. Besonders in sogenannten islamischen Ländern ist das Revolution.

Der 8. März 2013 ist sehr wichtig, weil dieser Kampf in Ägypten und Tunesien und auch für Iran oder Afghanistan noch nicht entschieden ist. Deswegen schlage ich vor, dass wir an diesem Tag eine Koalition gegen Scharia bilden – eine weltweite Koalition! Wenn seit 30 Jahren Frauen und überhaupt alle Menschen in islamisch geprägten Ländern gegen Islamisten gekämpft haben und die Welt im Allgemeinen nicht viel gesagt und getan hat, dann sollten wir heute am Internationalen Weltfrauentag ein Zeichen setzen.

Wir sind alle gegen Sharia Law, wir verlangen, dass Scharia als Gesetz weltweit verboten wird und wir verlangen säkulare Staaten und Prinzipien. Religion hat im Leben der Frauen nichts zu suchen.

Mina Ahadi

Verbot von Burka und Niqab im öffentlichen Raum

April 30, 2010

النقاب

an-niqāb

Gesichtsschleier

Gabi Schmidt

Mönchengladbach

DEUTSCHER BUNDESTAG

Sekretariat des Petitionsausschusses

Platz der Republik 1

11011 Berlin

Online-Petition an den Deutschen Bundestag vom 30.04.2010

Verbot der Burka und des Niqab

Die Burka in ihrer afghanischen wie in ihrer pakistanischen Variante (1) ist ein Ganzkörperschleier, der wie kein anderes islamisches Kleidungsstück die Unterdrückung muslimischer Frauen symbolisiert. Sie ist das Kennzeichen für misogyne, patriarchalische, polygame Gesellschaften, deren Frauen und Mädchen genötigt werden, als minderwertige, teuflisch verführerische Wesen gesichtslos, ohne Profil und Würde über die Straßen zu huschen. (2) Diese Gewänder haben als Sehfenster nur einen schmalen Augenschlitz oder ein Stoffgitter. Das Blickfeld der Trägerinnen wird extrem eingeschränkt. Die Muslima soll daran gehindert werden, sich ein vollständiges Bild von ihrer Umwelt zu machen oder sich gar nach fremden Männern umzusehen. Auch der Niqab (Gesichtsschleier (3)), der vom Nasenrücken ab das untere Gesicht verdeckt, brandmarkt die Frau als Verführerin und reduziert sie auf ihre biologisch-sexuelle Funktion. Für die anderen Passanten auf der Straße ist eine so verhüllte Frau kaum als menschliches Wesen zu erkennen. Mich erinnern diese Totalverschleierten an die dämonische und gruselige Hauptfigur in der TV-Serie Belfegor, die in den sechziger Jahren ausgestrahlt wurde.

Der Ganzkörperschleier bzw. Niqab ist das sichtbare Zeichen der Kontrolle des Mannes über die Frau, welche ihm als sein Besitz zu gehorchen und sich ihm, seiner Sippe und den geistlichen Autoritäten unterzuordnen hat. In diesen extrem reaktionären, orthodoxen oder salafistischen (4) Milieus bestimmt der Vater oder Ehemann, ob und wann die Tochter oder Ehefrau das Haus verlassen darf. (5) Sie soll den Kontakt zur Außenwelt einschränken und ihn auf wichtige Erledigungen begrenzen. In Rechtsstaaten ist das Freiheitsberaubung. Das frühmittelalterliche Frauengewand wie auch die Stoff sparende Variante des Niqab, der fast immer zu einem bodenlangen sackartigen, unförmigen Gewand getragen wird, verbirgt die Körpersilhouette und entmenschlicht die Trägerin, sie verliert ihre einzigartige Persönlichkeit, wird zur Dutzendware. Beide islamischen Kleidungsstücke verstoßen gegen das Diskriminierungsverbot und das demokratische Prinzip der Gleichstellung von Mann und Frau. Die Vollverschleierung ist unfallträchtig und gesundheitsgefährdend, da das eingeschränkte Sehfeld und die weiten, langen Stoffbahnen ein sicheres Gehen erschweren, ein Überqueren von viel befahrenen Straßen ist lebensgefährlich. Sie lässt kaum einen Sonnenstrahl an die Haut und schädigt die Gesundheit durch den Lichtmangel unserer Breitengrade. Die Milch stillender Niqabis weist in Europa einen signifikanten Vitamin-D-Mangel auf, der bei den Säuglingen Rachitis Vorschub leistet (6), bei den Frauen selbst begünstigt dieser Vitaminmangel, der nicht ausreichend durch Fisch, Milch und Getreide ausgeglichen werden kann, schon in jungen Jahren Osteoporose. (7) Diese extrem fundamentalistische, misgyne Frauenbekleidung verursacht unkalkulierbare Sicherheitsrisiken, da man nicht weiß, wer sich tatsächlich unter diesem total verhüllenden Stoff verbirgt.

Die Petenten begrüßen die französische und belgische Gesetzesinitiative und setzen sich für ein Verbot der Burka und des Niqab in der Öffentlichkeit ein. Sie begründen ihre Einstellung folgendermaßen:

Die Bedeutung des Gesichts in der sozialen Interaktion

Der Mensch ist ein soziales Wesen und als solches auf zwischenmenschliche Beziehungen hin angelegt. Ohne soziale Interaktion wären Männer wie Frauen nicht überlebensfähig, beide Geschlechter würden allmählich seelisch und geistig verkümmern, viele würden lebensgefährlich erkranken. Vier der fünf Grundbedürfnisse nach Abraham Maslow (* 1908), nämlich Sicherheit, das Bedürfnis nach Zugehörigkeit und Liebe, das Streben nach Wertschätzung und Geltung sowie das Bemühen um Selbstverwirklichung sind ohne Zutun oder Mitwirkung anderer nicht möglich. Wäre man nur in der Lage Hunger, Durst, Schlaf und ähnliche lebensnotwendige Körperfunktionen zu erhalten, wäre das Leben ein Dahinvegetieren, das Dasein hätte keine Lebensqualität. Menschen werden sich daher bemühen, Kontakt zum sozialen Umfeld aufzunehmen und diese Beziehungen zu erhalten.

Der Schlüssel, um Zugang zu Mitmenschen zu bekommen, ist Kommunikation, die sich zu 7 % aus verbalen Informationen (was wird mit welchen Worten gesagt), zu 38 % aus vokalen Impressionen (wie klingt die Stimme, Lautstärke, Betonung, Stimmlage) und zu 55 % aus nonverbalen Botschaften (Gestik, Mimik, Körperhaltung) zusammensetzt (Albert Mehrabian). (8) Sobald Menschen einander begegnen, treten sie miteinander in Verbindung, bewusst oder unbewusst, gewollt oder ungewollt. Selbst wenn wir schweigend aneinander vorbei gehen, tauschen wir Botschaften aus, die miteinander korrespondieren. Der Körper und vor allem das Gesicht sind uns dabei wesentliche Brücken. Unser Gesicht, wie auch das unserer Gesprächspartner, ist wie ein aufgeschlagenes Buch, in dem über persönliche Befindlichkeiten gelesen werden kann. Aus den so gewonnenen Eindrücken lassen sich Rückschlüsse darauf ziehen, was die Person denkt und fühlt. Da nonverbales Verhalten zumindest bezüglich der Grundemotionen (Robert Plutchik, * 1927) zum großen Teil angeboren ist, fällt es Menschen mit gesundem Sehvermögen leicht, die Bedeutung dieser wortlosen Botschaften zu entschlüsseln. Schon Babys beherrschen diese ‘Sprache’ bevor sie reden können. Malt man auf ein Blatt Papier einen Kreis mit weit aufgerissenen ‘Augen’ und ‘gefletschten Zähnen’ werden sie Angst bekommen und anfangen zu weinen.

Das Gesicht eines Menschen ist ein sehr wichtiger Anhaltspunkt, um eine Person wieder zu erkennen. Passanten, die Niqabis begegnen, müssen sich fühlen wie Prosopagnosie-Patienten, wie zum Wiedererkennen von Gesichtern Unfähige. Ganzkörperverschleierte Frauen sind gesichtslos, sie haben kein Profil, keine Einzigartigkeit, sie können kein Profil zeigen und daher auch keinen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Kalkulierte Worte können den Inhalt der tatsächlichen Information einer Botschaft ‘schönen’, ‘verschleiern’ oder gar verfälschen, körpersprachliche Signale wie Gesichtmimik und Körperhaltung sind dagegen spontane und oft unbewusste Umsetzungen des momentan Gedachten und Gefühlten in nonverbale Kommunikation. Diese Form der Selbstinszenierung ohne Worte ist in der Regel authentisch, unverfälscht und ehrlich. Zwar kann man lernen, seine Körpersprache zu beherrschen und zu steuern, doch wird auch ein langwieriges, regelmäßiges Training nicht verhindern, dass nach einiger Zeit unbewusste, daher nicht beeinflussbare innerpsychische Befindlichkeiten und Emotionen an die Oberfläche drängen und verraten, was wir wirklich denken, sagen und fühlen. (9)

Das Prinzip Hidschab (10)

Mit der islamischen Gesichtsbedeckung bekleidete Frauen werden systematisch daran gehindert, spontan Kontakt zu anderen Menschen aufzubauen. Die Gesichtsmimik, wie erwähnt ein wichtiges zwischenmenschliches Kommunikationsmittel, ist nicht mehr sichtbar. Sie sind daher wie gesichtslos, sie haben keine Persönlichkeit, keine Einzigartigkeit, sie sind ‘Dutzendware’. Diese Mädchen und Frauen können kein Profil zeigen, daher auch keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Sie haben ihr Gesicht verloren, dieses sprachliche Gleichnis ist eine weltweit verstandene Chiffre für ‘seine Würde verlieren’. Die Frauen können auch kein ‘Gesicht zeigen gegen Rechts’, für ein weltoffenes Europa. Das extrem eingeschränkte Gesichtsfeld dieses religiös begründeten Frauengewandes bewirkt zudem eine künstliche Sinnesbehinderung, welche die Augen überanstrengt und daher nicht ohne Folgen für Körperhaltung, Muskeltonus und Psyche der Trägerinnen bleiben wird. Der Stoff vor dem Mund dämpft die Stimme, strengt beim Sprechen an und erschwert die Verständigung. Unverschleierte oder Kopftuch tragende Gesprächspartner von voll verschleierten Frauen werden sich des Eindrucks nicht erwehren können, mit einem übergestülpten Stoffsack mit Augenschlitzen zu sprechen, bei Burkas wäre durch die Sichtgitter nicht einmal mehr die Augenfarbe erkennbar. Während Männer sinnbildlich ihre Nase in jede Angelegenheit stecken können, haben vollverschleierte Frauen oder Niqabis diese Möglichkeit nicht. Öffentliche Kommunikation wird somit im orthodoxen Islam zur männlichen Kommunikation.

Wir versuchen in den Gesichtern von Menschen zu ‘lesen’, um unser Verhalten diesen Informationen anzupassen. Diese über Jahrtausende weitergegebene Verhaltensweise ist offensichtlich überlebenswichtig und erleichtert unseren Alltag enorm. Sie hilft uns beispielsweise eine Gefahrensituation zu erkennen und einzuschätzen, um im Bedarfsfall blitzschnell einer Schädigung durch einen wütenden Angreifer auszuweichen, der uns durch seine Mimik zeigt, dass wir uns schützen sollten. Dem Stirnrunzeln eines interessierten Käufers ist zu entnehmen, dass er unschlüssig ist oder die genannten Argumente anzweifelt. Geschulte Verkäufer werden daher nachfragen, welche Informationen der Kunde noch braucht, was unklar ist. Immer wieder wird es vorkommen, dass Passanten nach dem Weg fragen, weil sie sich in einer Stadt nicht auskennen oder sie wegen einer anderen wichtigen Information Hilfe brauchen. Benötigt man die Unterstützung von Fremden, wird man sich nach jemandem umsehen, der vertrauenswürdig erscheint und mit seinem offenen Gesicht Hilfsbereitschaft und Interesse an den Mitmenschen signalisiert. Die Totalverschleierung versteckt jedoch Gefühlsregung oder Mimik der Trägerin, sie verunsichert das Gegenüber und vermittelt den Eindruck, die Trägerin habe etwas zu ‘verschleiern’. So jemanden bittet man nicht um Hilfe. Der Stoff vor Mund und Nase erzeugt bei vielen Nichtverschleierten Angst und Misstrauen. Einer komplett verschleierten Auskunftssuchenden wird man erschreckt ausweichen.

Doch mit diesen exkludierenden Auswirkungen des Hidschab nicht genug: Das vormoderne Gewand raubt der Trägerin ihre weiblichen damit auch menschlichen Züge, ihrem Gesicht fehlen die Grundelemente bis auf die Augen, manchmal sind auch die, ähnlich wie bei der Burka, hinter einem diesmal durchscheinenden, opaken Stofffenster verborgen. Punkt, Punkt, Komma Strich, fertig ist das Angesicht, so lernen es schon Kleinkinder. Grundemotionen wie Freude, Trauer, Angst, Ekel, Hass sind authentische, untrennbar mit dem Menschsein verbundene Dimensionen von Befindlichkeit und Stimmungslage, die sich in Mimik, Körperhaltung und Körpersprache den Mitmenschen sichtbar mitteilen und ihrerseits Reaktionen des Umfelds auslösen. Schon wenige Wochen alte Säuglinge suchen die menschliche Nähe und brauchen den Kontakt zu anderen Menschen, um sich gesund entwickeln und wohl fühlen zu können. Im Alter von 6-8 Wochen bereits erkennen sie die Grundelemente von Gesichtern und nutzen das so genannte ‘soziale Lächeln’ als Kommunikationsbrücke zu Menschen in ihrer Umgebung. Wenn sich ein Augenpaar nähert, das den Säugling aus dem meist schwarzen Stoff ansieht, bereitet ihm das zunächst Angst. Er fängt an zu weinen, weil er dem Blick aus den Sehschlitzen keine Grundstimmung entnehmen und daher nicht einschätzen kann, ob ihm Gefahr droht. Erst wenn die Stimme aus dem Stoff sanft, warm und freundlich klingt, beruhigt er sich wieder.

Hörbehinderte, die durch den verdeckten Mund weder Stimmlage, Klangfarbe, Lautstärke des Gesagten wahrnehmen, noch die Worte von den Lippen ablesen können und daher nicht zu entschlüsseln vermögen, was das Gegenüber sagt oder ob es überhaupt spricht, könnten sich mit Niqabis nur verständigen, wenn beide die Gebärdensprache beherrschen (und anwenden). Für den gehandicapten Menschen wie für die extrem verschleierte Muslima eine völlig unnötige Kommunikationsbarriere, die verdeutlichen sollte, wie absurd und diskriminierend der Gesichtsschleier Verständigung und Interaktion verhindert. Menschen brauchen den Gedanken- und Informationsaustausch im Gespräch innerhalb und außerhalb ihrer (Ursprungs)Familie, um nicht seelisch und geistig zu verarmen.

Der ‘sittsame’ Ganzkörperschleier soll offensichtlich Frauen aus der Öffentlichkeit verbannen und ihnen den Mund verbieten, den potentiellen Gesprächspartnern soll die Lust vergehen, diese Frauen anzusprechen oder gar ein Gespräch mit ihnen zu führen. Burka und Niqab erschweren den Kontakt, auch untereinander, weil Niqabis, die ihren Glaubensschwestern auf der Straße begegnen, einander allenfalls am Klang der Stimme wiedererkennen können. Selbst die eigenen Kinder und der Ehemann, die der traditionell / salafistisch gekleideten Muslima spontan in der Stadt begegnen würden, könnten in der ganzkörperverschleierten Figur nicht die Mutter und die Partnerin erkennen und würden unbeteiligt vorbeigehen, wie an einer Fremden, wenn die Niqabi sie nicht anspricht und dann an der Stimme erkannt wird. Hoffentlich ist niemand erkältet und heiser bzw. hoffentlich hört wegen dieser Infektion das Gegenüber, dessen Ohren möglicherweise durch ein Kopftuch verdeckt sind, nicht schlecht. Würdevolle Frauen und respektvollen Umgang stellen die Petenten sich anders vor.

Frauen- und Menschenrechtler sehen in der nonverbalen Botschaft des Gesichtsschleiers eine Ablehnung ihrer Werte, ihrer Lebensweise, manche fühlen sich beleidigt, provoziert oder angegriffen. Analog zur Aura-Fitna-Ideologie (11), die durch den Ganzköperschleier symbolisiert und umgesetzt wird, entmenschlicht der Ganzkörperschleier die Muslima zur wandelnden Vagina, zur Söhnchenfabrik (zoontjesfabriek, Ayaan Hirsi Ali) auf Ausgang, alle unverschleierten Frauen werden zum nuttigen Sexualobjekt und Freiwild, Männer zu triebgesteuerten Tieren erklärt.

Zu einem für alle Seiten interessanten und bereichernden Gespräch ist es notwendig, einander ins Gesicht sehen zu können. Wertschätzende, gleichberechtigte Kommunikation ist wie bereits erwähnt wesentlich auf Gesichtsmimik angewiesen, die nur dann von allen Gesprächspartnern empathisch gespiegelt und beantwortet werden kann, wenn man sich ansieht. Wichtige Gespräche führen wir deshalb von Angesicht zu Angesicht, mit Freunden unterhalten wir uns, wechselseitig Blickkontakt aufnehmend, in vertrauter Runde, auch bei sehr persönlichen Gesprächen sehen wir einander ins Gesicht, um Reaktionen auf das Gesagte zu entnehmen. Wir glauben jemandem an der Nasenspitze anzusehen ob er lügt, unsere Wortwahl und die Intonation unserer Stimme passen wir dem Gesichtsausdruck unserer Gesprächspartner an, um sie nicht zu verletzen oder um festzustellen, ob wir verstanden worden sind.

Ein Hidschab verhüllt den Körper und das Gesichtsoval bis auf den Sehschlitz oder das engmaschige Sichtgitter blickdicht und behindert jede Kommunikation, Interaktion und Teilhabe auf Augenhöhe. Integration in die Gesellschaft und chancengleiche Partizipation im Berufsleben und in der Freizeit können so nicht gelingen. “Gesichter” unterscheiden sich nur noch durch die Form, Farbe und Länge des Schamtuchs, sie erstarren zur ausdruckslosen, leblosen Maske, während selbst Totenmasken einen würdigen, individuellen Gesichtsausdruck haben.

Hidschabis wirken sehr auf sich selbst bezogen, abweisend sowie unnahbar und signalisieren schon von weitem: “Sprich mich bloß nicht an, ich will keinen Kontakt”. Das gilt bewusst oder unbewusst auch für Hidschabträgerinnen untereinander. Kein Wunder also, wenn das aufgeschlossene, der Welt und den Menschen zugewandte kopftuchtragende oder unverschleierte Umfeld sich zurückzieht. Die Männer mögen ihnen vorgaukeln, das traditionelle Gewand grenze Rechtgläubige vom anderen Geschlecht und von Ungläubigen ab, sei zur Bewahrung des Seelenheils notwendig und ebne auch den prinzipiell moralisch vulnerablen Frauen (Fitra-Aura-Konzept (12)) den gerade für das weibliche Geschlecht beschwerlichen und steilen Weg ins Paradies.

Tatsächlich schottet die Vollverschleierung jedoch von der Außenwelt ab, sie behandelt Hidschabträgerinnen wie Gefangene auf Ausgang. Selbst beim ‘Freigang’ sind diese Muslimas in einem Gefängnis aus Stoff eingesperrt. Zwar ließe sich der Gesichtsschleier in der Öffentlichkeit als ‘Würdigung des Frauseins’ deuten, doch ist Ansehen (Würde, Respekt, Geltung) ohne an sehen überhaupt möglich? Jeweils mit Tschador und Niqab oder Burka verhüllt, können Musliminnen allenfalls die Augen der anderen Schwestern sehen, während Kopftuch tragende oder unverschleierte Frauen sich ansehend wieder erkennen und auch ihre Umgebung ganzheitlich wahrnehmen können, ohne durch großflächige stoffene Abdeckungen an den Sinnesorganen Haut, Nase, Ohren und Mund eingeschränkt, künstlich behindert zu sein.

Während das weitgehend verdeckte Gesichtsoval bei einer Ganzkörperverschleierung keine Gemütsregung erahnen lässt, können vollverschleierte Frauen in den Gesichtern der unverschleierten oder Kopftuch tragenden Gesprächsteilnehmerinnen lesen wie in einem offenen Buch. Bei vielen Menschen, deren Gesicht nicht bedeckt ist, entsteht dabei ein Unbehagen, ein Eindruck der Ungleichheit, ein Gefühl des schutzlosen ausgeliefert Seins, der Unterlegenheit. Ein konstruktives Gespräch auf Augenhöhe ist in einer solchen Gesprächsatmosphäre kaum denkbar. Auch während der Beratung, beispielsweise beim Rechtsanwalt, beim Anamnesegespräch in der Arztsprechstunde oder Klientengesprächen in der kommunalen Verwaltung ist die misogyne Bekleidung äußerst störend. Jack Straw, der ehemalige britische Außenminister äußerte sich in einer Zeitung, die in seinem Wahlkreis erscheint, zum Hidschab und berichtete, dass er bei einer seiner regelmäßigen Bürgersprechstunden in seinem Wahlbezirk Blackburn, einer Stadt mit hohem muslimischem Bevölkerungsanteil (19,4 % bei einem Landesdurchschnitt von 3,0 %) auf eine vollverschleierte Muslima traf, die das Beratungsgespräch mit den Worten einleitete: „Schön Sie einmal von Angesicht zu Angesicht zu sehen.“ Er habe sich darauf hin nur gedacht: „Schön wär’s“. Der Politiker gibt offen zu, sich unbehaglich und irritiert zu fühlen, wenn er einer Ratsuchenden bei einem Beratungsgespräch nicht ins Gesicht sehen kann und daher die Reaktionen auf seine Ratschläge allenfalls dem Klang der (durch den Stoff des Schleiers gedämpften) Stimme entnehmen muss, die er, weil er sie nicht kennt, dementsprechend schlecht einzuschätzen und zu entschlüsseln vermag. (13), (14)

Gabi Schmidt, Sozialpädagogin

(1) Burka

http://de.wikipedia.org/wiki/Burka

(2) Adriana Stuijt: »Women could endanger their health by wearing burqas«

http://www.digitaljournal.com/article/272307

(3) Niqāb (Gesichtsschleier)

http://egyptiangumbo.com/wp-content/uploads/2008/05/niqab.jpg

(4) Salafiyya

http://de.wikipedia.org/wiki/Salafiyya

(5) Ralph Gadhban zitiert al Buchari:

“Die Frau ist eine ‘aurah, wenn sie ausgeht, dann kommt ihr der Teufel entgegen. Sie ist am nähsten zu Gott, wenn sie in ihrem Haus tief steckt.”

http://www1.bpb.de/themen/IYRYVB,6,0,Das_Kopftuch_in_Koran_und_Sunna.html#art6

(6) Daniel Pipes: »Niqabs und Burkas – die verschleierte Bedrohung«

http://debatte.welt.de/kolumnen/82/brennpunkt+nahost/152663/niqabs+und+burkas+die+verschleierte+bedrohung

(7) Burka als Gesundheitsrisiko: Vitamin-D-Mangel

http://www.iofbonehealth.org/download/osteofound/filemanager/health_professionals/pdf/Vitamin-D-reports/Vitamin_D-MEast_Africa.pdf

Yasmin Alibhai-Brown: »Nothing to Hide«

http://www.time.com/time/magazine/article/0,9171,901061016-1543877,00.html

(8) Mehrabian: „Körpersprache und Stimmqualität dominieren“

http://www.soft-skills.com/sozialkompetenz/nonverbalesensibilitaet/mehrabian/55387regel.php

(9) Aus: FOCUS Nr. 50 (1998), »Die Wahrheit steht oft im Gesicht geschrieben. Die Körpersprache der Lügner«

http://www.focus.de/gesundheit/news/medizin-die-wahrheit-steht-oft-im-gesicht-geschrieben-und150-die-koerpersprache-der-luegner_aid_172426.html

(10) Hidschāb

http://de.wikipedia.org/wiki/Hidschab

(11) Das Kopftuch in Koran und Sunna (Ralph Ghadban)

http://www1.bpb.de/themen/IYRYVB,6,0,Das_Kopftuch_in_Koran_und_Sunna.html#art6

(12) Das Frauenbild in der Sunna (Ralph Ghadban)

“In der islamischen Glaubenslehre ist der ganze Frauenkörper Geschlechtsorgan, Tabubereich. Frauenhaar ist Schamhaar, verführerischer Fallstrick des Teufels. Diese genderspaltende, frauenfeindliche Konzeption unterteilt außerdem die Menschheit in Kollektive verschiedener (Minder)Wertigkeit. Nach islamischer Auffassung ist diese Doktrin keinesfalls Kulturgut oder zivilisatorische Errungenschaft, sondern als gottgeschaffene, ureigene Veranlagung unabänderliche Natur der gesamten weiblichen Bevölkerung.”

(13) Jack Straw: »’I felt uneasy talking to someone I couldn’t see’«

http://www.guardian.co.uk/commentisfree/2006/oct/06/politics.uk

(14) James Sturcke and agencies: »Straw: I’d rather no one wore veils«

http://www.guardian.co.uk/politics/2006/oct/06/immigrationpolicy.religion

***Blog-Update Juli 2010: Ablehnung Bundestag Petitionsausschuss Annegret Gründler 11.05.2010, Entgegnung Gabi Schmidt 28.06.2010, Antwort des Petitionsausschusses (auf die durch Gründler angekündigte, angeblich sachgleiche Petition eines weiteren, uns gegenüber anonymisierten Petenten) durch BMI MinR Dr. Michael Frehse, ohne Datum***

DEUTSCHER BUNDESTAG

Petitionsausschuss

11011 Berlin, 11.05.2010

Platz der Republik 1

Pet 1-17-06-1000-008559

(Bitte bei allen Zuschriften angeben)

Frau

Gabi Schmidt

Mönchengladbach

Betr.: Bundesverfassung

Bezug: Ihr Schreiben vom 30.04.2010

Anlg.: – 1 –

Sehr geehrte Frau Schmidt,

im Auftrag der Vorsitzenden des Petitionsausschusses des Deutschen Bundestages, Frau Kersten Steinke, danke ich Ihnen für Ihr Schreiben.

Von einer Veröffentlichung Ihrer Eingabe wird abgesehen.

Zu Ihrem Anliegen, das Tragen der Burka zu verbieten, möchte ich Ihnen die Stellungnahme zu einer sachgleichen Petition übersenden. Aus Datenschutzgründen sind Hinweise auf persönliche Daten entfernt worden.

Die Grundrechte der Glaubens- und Gewissensfreiheit gelten in Deutschland uneingeschränkt (Artikel 3 Abs. 3 und Artikel 4 Abs. 1 und 2 des Grundgesetzes – GG).

Das Tragen einer Burka ist aus staatlicher Sicht grundsätzlich als Religionsausübung im Sinne des Artikels 14 GG zu respektieren.

Einwendungen gegen diese Bewertung können Sie innerhalb von sechs Wochen mitteilen. Nach Ablauf dieser Zeit wird den Abgeordneten des Petitionsausschusses vorgeschlagen, das Petitionsverfahren abzuschließen, weil Ihrem Anliegen nicht entsprochen werden kann. Folgen der Ausschuss und das Plenum des Deutschen Bundestages diesem Vorschlag, erhalten Sie keinen weiteren Bescheid.

Mit freundlichen Grüßen

Im Auftrag

(Annegret Gründler)

Gabi Schmidt

Mönchengladbach

Deutscher Bundestag

Petitionsausschuss

Platz der Republik 1

28.06.2010

Pet 1-17-06-1000-008559 vom 30.04.2010, Verbot des Niqab und der Burka, Stellungnahme des Petitionsausschusses, Entgegnung darauf

Zu den wichtigsten Aufgaben eines freiheitlich-demokratischen und sozialen Rechtsstaats gehört es, Menschenwürde (Art. 1 GG), freie Entfaltung der Persönlichkeit (Art. 2), Gleichberechtigung und Gleichstellung (Art. 3) sowie soziale Gerechtigkeit (Art. 20) in seinem Hoheitsgebiet zu garantieren. Allen dort lebenden Menschen soll ein weitgehend selbstbestimmtes, sozial abgesichertes und friedliches Leben möglich sein (1). Dazu tragen die aus der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte entlehnten, in der Verfassung verankerten Grundrechte wesentlich bei, indem sie den Handlungsrahmen von Legislative, Exekutive und Judikative verbindlich festlegen, den Einzelnen vor Willkür des Staates schützen, Geschädigten eines solchen Machtmissbrauchs die Möglichkeit einräumen, Klage zu erheben sowie diese Naturrechte auch im Verhältnis der Bürger untereinander sichern (2), (3). Diese Fundamentalrechte haben globale, religions- und kulturübergreifende Gültigkeit, sind unveräußerlich und unteilbar. Um das Gemeinwohl vor ausufernder Freiheit zu schützen, unterliegen die Abwehr-, Freiheits- und Schutzrechte sinnvoller Weise dem Gesetzesvorbehalt und den grundrechtsimmanenten Schranken.

Das Grundgesetz ist ein kohärentes Gefüge, alle Artikel sind aufeinander bezogen, jedes Grundrecht steckt einen gewissen Rahmen ab, in dem ein Rechtsgut geschützt ist. Dieser Schutz endet genau dort, wo Grundrechtsansprüche Dritter eingeschränkt werden. Wenn im konkreten Einzelfall Grundrechtsgüter kollidieren, müssen die sich widersprechenden Rechtspositionen mittels der praktischen Konkordanz (4) zu einem für beide Seiten gewinnbringenden Ausgleich gebracht werden. Dabei ist darauf zu achten, dass ein durch das Grundgesetz garantiertes Rechtsgut nur dann eingeschränkt werden darf, wenn diese Begrenzung der entgegenstehenden, jedoch ebenfalls durch die Verfassung geschützten Rechtsnorm zugute kommt, auf keines der Verfassungsgüter total verzichtet wird und die Einheit der Verfassung unbedingt gewahrt bleibt (BVerfGE 77, 240, >253<). Es darf keine Freiheitsrechte à la carte geben (frei nach Arzu Toker (5)). Wer seine Weltanschauung streng praktizieren möchte, hat den Handlungsfreiraum dazu, solange er respektiert, dass die ebenfalls in der Verfassung verankerte negative Religionsfreiheit (6) säkularen Glaubensgeschwistern, Andersgläubigen oder Atheisten ein freizügigeres Leben erlaubt. Auch der Austritt aus und der Wechsel in eine andere Religionsgemeinschaft fallen unter die Glaubens- und Gewissensfreiheit und sind Privatsache (7). Genauso gilt, dass Frauen und Männer eben nicht nur vor Gott, sondern auch vor dem Gesetz und im Alltag gleichberechtigt und gleichgestellt sind. Für archaische Ehrbegriffe, patriarchalische Stammestraditionen und Verbrechen wie Zwangsheirat und Ehrenmord gibt es weder Toleranz noch kulturellen / religiösen Rabatt (8), (9).

Selbst die prinzipiell unverletzliche Gewissens-, Bekenntnis- und Glaubensfreiheit und die in der Regel ungestörte Religionsausübung gelten also keinesfalls grenzenlos (s. ‘Rotverbot’, sowie: keine ‘Erlaubnis zum Cannabisanbau aus religiösen Gründen’ (10), (11)), in der Bundesrepublik Deutschland gilt die FdGO für alle, eine Rechtsspaltung in Grundgesetz und Scharia ist inakzeptabel (12).

Die Menschenwürde ist, juristisch betrachtet, ein wandelbarer, unbestimmter Rechtsbegriff, jedoch ist jede freiheitlich demokratische Gesellschaft aufgefordert, “dem Leitziel Menschenwürde – in der Balance zwischen zwingender Staatsgewalt und kultureller Anarchie – durch ihr staatliches Recht zur Verwirklichung im Alltag zu verhelfen (13)”. In der Bundesrepublik Deutschland ist die Würde des Menschen durch das Menschenbild der Aufklärung, das sich im Grundgesetz widerspiegelt, stark geprägt. Das Recht auf menschenwürdige Behandlung, auf Wert- und Achtungsanspruch steht demnach allen Menschen ungeachtet ihrer Eigenschaften, Leistungen oder ihres sozialen Stellenwertes allein auf Grund ihres Menschseins zu (AEMR 1948). Jeder soll als selbstverantwortliche Persönlichkeit mit Eigenwert anerkannt und respektiert werden. Ob Tochter oder Sohn, Frau oder Mann, jedes Individuum ist “als geistig-sittliches Wesen” berechtigt, weitgehend frei und selbstbestimmt seinen Alltag zu gestalten “und auf die Umwelt einzuwirken (14).” Folglich gilt: Wo menschliches Leben existiert, kommt ihm Menschenwürde zu.

Die Würde des Menschen kann nicht aberkannt werden, selbst geringschätzender Umgang mit der eigenen Person kann sie nicht schädigen, sie ist etwas Unverfügbares. Es ist niemandem möglich auf seinen Wert- und Achtungsanspruch zu verzichten. Art. 1 Abs. 1 GG verpflichtet den Staat, die unantastbare Menschenwürde zu achten, sie vor unberechtigten Eingriffen zu schützen. Mögliche Beschränkungen wegen berechtigter Verfassungswerte Dritter sollen daher sehr sorgfältig und genau geprüft werden, bevor ihnen gegebenenfalls stattgegeben wird. Ein Verstoß gegen Art. 1 GG liegt vor, wenn Menschen zum bloßen Objekt staatlichen Handelns werden. Selbst Strafgefangene, Mörder und Vergewaltiger sind in ihrem Menschsein zu achten. Der Einzelne soll auf behördliche Maßnahmen Einfluss nehmen dürfen und können. Desgleichen muss eine Herabwürdigung durch einen Dritten, die dem schwer Gekränkten nicht nur die Subjektqualität und damit den persönlichen Achtungsanspruch prinzipiell aberkennt, sondern durch Diskreditierung diesen Menschen als Gattungswesen schmäht, nicht hingenommen werden (Papst Johannes Paul II. wegen eines körperlichen Gebrechens mit Wackeldackel verglichen ist grobe Geschmacklosigkeit; Leichenhorror nach § 4 Absatz 1 Nr. 8 JMStV als verbotener, allgemeiner Verstoß gegen die Menschenwürde (15)).

Der Staat als Garant des Wert- und Achtungsanspruchs nach Art. 1 GG müsse den Grundrechtsträger jedoch nicht vor sich selber schützen, so der Rechtswissenschaftler und Verfassungsrechtler Dr. Werner Frotscher. Niemand könne dazu gezwungen werden, mit sich selber wertschätzend umzugehen, es ist ebenfalls unzulässig, auf eine Person Druck auszuüben, sich gegen die Herabwürdigung Dritter zu wehren. Es sei das Recht eines jeden, seine Persönlichkeit frei zu entfalten (Art. 2 Abs. 1 GG). Dazu gehöre nach allgemeiner Rechtsauffassung eben auch, sein Aussehen nach persönlichen Vorstellungen zu gestalten, sich entsprechend in der Öffentlichkeit zu präsentieren und eigenständig zu bestimmen, wie die Interaktion mit Frauen und Männern im Familienkreis und im weiteren sozialen Umfeld ablaufen soll. Die Außenwelt habe vor allem bei Einwilligungsfähigen und Volljährigen deren Persönlichkeitsrechte zu akzeptieren und zu respektieren, solange die Handelnden frei entscheiden. Diesbezügliche Eingriffe des Staates in die Privatsphäre des Individuums seien übergriffig und bevormundend, verletzten die Person in ihren Entfaltungsrechten und seien daher nicht durch den in der Verfassung verankerten Schutzauftrag gedeckt.

Diese Einschätzung der Rechtslage stützt sich wesentlich auf die Freiwilligkeit einer strittigen Handlung, betrachtet daher nur einen Teilaspekt des subjektiven Rechts und greift bei einer Prüfung des Burkaverbots im öffentlichen Raum zu kurz (16). Es gibt erdrückende Beweise, dass die Verschleierung des kompletten Körpers oder des Gesichts, die grundsätzlich mit einem vormodernen, äußerst antiemanzipatorischen Verhaltenskodex einhergeht und ausschließlich von radikal-fundamentalistischen Milieus eingefordert wird, nicht so zwanglos umgesetzt wird wie von den Betroffenen gerne behauptet. Die Grundrechte andersdenkender Dritter, die als Anhänger sonstiger islamischer Glaubensrichtungen, als Säkulare oder als Ex-Muslime sich nicht der korangetreuen Orthopraxie unterwerfen wollen, treten bei der Bewertung in den Hintergrund (17). Das gilt auch für die Gruppen, die verachtet und gemieden werden müssen, weil sie sich einer anderen Religion verbunden fühlen bzw. als Atheisten mit einer betont rationalen Weltanschauung ihren Rechtsanspruch auf negative Religionsfreiheit ausleben wollen (18), (19). Nicht berücksichtigt wird, dass die FdGO Autochthone wie Allochthone nicht ausschließlich “als selbstherrliche” Einzelpersonen sieht, sondern jeden Einzelnen als sozial verantwortliche, der gesamten Gesellschaft “vielfältig verpflichtete Persönlichkeiten begreift (20)”. Völlig unbeachtet bleibt auch die Schutzgarantie des Staates gegenüber dem objektiven Recht, also der gesamten Rechtsordnung, der er sich nach Art. 1 Abs. 1 Satz 2 GG nicht entziehen kann. In unserer streitbaren und wehrhaften Demokratie ist der Staat vom Staatsvolk (Art. 20 Abs. 2 Satz 1: “Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus (21)”) beauftragt worden, im Sinne der eigenen Nachhaltigkeit (Ewigkeitsklausel (22)), der Rechtssicherheit und im Interesse aller Grundrechtsträger sowohl eine Schädigung der gesellschaftlichen Werteordnung zu verhindern als auch die in der Verfassung kodifizierten, unteilbaren, nicht verhandelbaren und universellen Menschenrechte zu verteidigen (23).

Die im Grundgesetz propagierte demokratische Persönlichkeit sieht den Menschen durchaus als mit Naturrechten ausgestattetes, selbstbestimmtes und freies Individuum. Genauso wichtig ist jedoch seine Bereitschaft zur sozialen Einbindung wie auch zur wertschätzenden, gleichberechtigt- zwischenmenschlichen Interaktion mit allen Mitgliedern der Solidargemeinschaft, die ihn als Teilhabenden willkommen heißt, ihn achtet und schützt und mit ihm kooperiert, während er die Allgemeinheit unterstützt, ohne sofort von dieser Mithilfe profitieren zu wollen. Diese Annahme wird durch die fünfstufige Bedürfnispyramide des amerikanischen Psychologen Abraham Maslow bestätigt, welche die Motivation für menschliches Verhalten beschreiben soll. Danach ist der Mensch ein soziales Wesen, das bereits bei der Befriedigung einiger Grundbedürfnisse auf andere Menschen angewiesen ist und danach strebt, sich selbst zu verwirklichen. Wenn in Europa “Die aktive Einbeziehung von Einwanderern in das gesellschaftliche und vor allem das Vereinsleben … ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu ihrer Integration (24)” ist und auch in der Bundesrepublik die zur ‘Chefsache (25)’ erklärte Integration die beständigen Voraussetzungen schaffen will, dass chancengleiche Teilhabe aller Bewohner zur Realität wird, muss man den Zuwanderern durchaus zumuten, unsere Sprache zu lernen, das Grundgesetz und die daraus abgeleiteten Werte als Fundament unserer gemeinsamen Gesellschaftsordnung zu akzeptieren sowie diese als Orientierungsrichtlinie und Handlungsrahmen für die Lebensgestaltung zu übernehmen.

Die staatliche Gemeinschaft stellt eine reiche, breit gefächerte Angebotspalette zur Verfügung, damit jeder sein Recht auf eine individuelle, auf seine Person eigenhändig maßgeschneiderte Biographie nutzen kann. Sie trägt dafür Sorge, dass diese Dienstleistungen von jedem Interessierten ohne großen Aufwand genutzt werden können (Jugendhilfeplanung, kostengünstige Integrationskurse). Um tatsächlich allen Einwohnern die Möglichkeit zu bieten, sich privat und beruflich zu verwirklichen, sich mit ihren individuellen Fähigkeiten und der jedem Menschen eigenen Kreativität Anerkennung zu verschaffen, die Gemeinschaft zu unterstützen und sich akzeptiert und wohl zu fühlen, investiert die Bundesregierung viele Millionen Euro jährlich. Auch Mittel aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF), dem Europäischen Flüchtlingsfonds (EFF) sowie den Förderprogrammen EQUAL (26) und URBAN (27) fließen in die gesamteuropäischen Bemühungen zur Integration, von der die Zielgruppe genauso profitiert wie die Politik und die allgemeine Lebensqualität in den Staaten der EU.

Teure Projekte wie Stadtteilmütter, Integrationslotsen und Sprachkurse mit Kinderbetreuung verfehlen ihr Ziel, wenn sich ultraorthodoxe Muslime weiterhin im muslimisch dominierten Kiez einigeln, sich in die undurchdringlichen Wagenburgen der Parallelgemeinschaften zurückziehen und ihr ‘Freiheitsrecht’ einfordern, sich durch die Vollverschleierung vor unislamischen Einflüssen abzuschotten und sich damit bewusst selbst zu exkludieren. Die freiwillige Bereitschaft, sich beispielsweise aus dem Programmheft der Familienbildungsstätten eine interessante, preisgünstige Veranstaltung herauszusuchen, sich dafür anzumelden und daran teilzunehmen, ist im extrem fundamentalistischen Milieu der Burka- und Niqabträgerinnen nicht anzutreffen. Gleiches gilt auch für das Engagement in koedukativen Sportvereinen, Selbsthilfeinitiativen, bei Nachbarschaftstreffen, Kreativkursen, Musikveranstaltungen und Filmvorführungen. Da aus der dogmatischen Sicht von Salafisten Allahs Gebote sowie die Empfehlungen und Verhaltensweisen des Propheten und seiner Gefährten wortgetreu im Alltag umgesetzt werden müssen, wird die berufliche Integration boykottiert sowie gemeinsame Freizeitgestaltung mit ‘Ungläubigen’ von korrekt komplettverhüllten Muslimas gezielt sabotiert. Das überschreitet den Handlungsrahmen der vom Grundgesetz geschützten Religionsfreiheit.

Der Platz der Frau ist nach den Rollenvorstellungen des Zeitalters der Glückseligkeit (Age of Happyness (28)), das die ebenso elitären wie repressiven Wahhabiten und Salafisten nicht nur durch ihre Kleidung wieder erwecken, im Haus am Herd, ihr Lebenslauf sieht die kinderlose Single-Karrierefrau nicht vor. Niemand aus dieser Gruppe wagt es aus der Reihe zu tanzen (29). Aus unserer sozialpädagogischen und privaten Erfahrung wissen wir, dass auch den minderjährigen Töchtern und jungen erwachsenen Frauen in diesen radikal orthodoxen Familien der Zugang zu sozialen Kontakten wie Klassenfahrten, Rockkonzerten oder Geburtstagspartys als haram verwehrt bleibt, statt dessen reglementiert die Überwachung durch ältere Brüder und sonstige meist männliche Verwandte das Leben (30)). Keine Salafistin oder Wahhabitin wird sich dem Vorwurf aussetzen wollen, der eigenen Tochter den ‘geraden Weg’ (Istiqama (31)) ins Paradies vorzuenthalten und damit nicht nur das eigene, sondern auch das Seelenheil des Mädchens zu gefährden. Deshalb wird man das Kind rechtzeitig durch das Kopftuch an das Verschleierungsgebot gewöhnen: „From an early age, daughters should be taught that hijab is an ordinance from Allah to protect their chastity. When a girl reaches puberty she is obliged to do all the obligatory duties and to avoid all haram things. One of the obligatory duties is wearing hijab“, wie man um Yusuf al-Qaradawi allen Eltern zur Frage “Can Muslim Parents Force Hijab on Daughters (32)?” Das kann bei Südländerinnen, zumal wenn sie übergewichtig sind, schon mal mit neun oder zehn Jahren sein. Das Kopftuchgebot diskreditiert daher nach fundamentalistischer Denkweise bereits kleine Mädchen als Verführerinnen, wertet sie ab zum bloßen Sexualobjekt.

Einem nicht linientreuen bzw. unislamisch freisinnigen Erziehungsstil folgen durch die Verpflichtung des muslimischen Umfelds zur Hisba (33) verlässlich Sanktionen im Diesseits. Weil den Gläubigen alles verboten ist, was zu einer Sünde verleiten könnte, und die Gefahr zu sündigen für Muslimas wesensgemäß besonders groß ist (Mangel an Religion, Moral und Verstand), bemüht man sich um strenge Orthopraxie, zumal die erniedrigenden Strafen von der dreifach abgestuften, koranisch legitimierten Sanktionierung durch den Ehemann, sein Scheidungsrecht (34), Mobbing, die Verstoßung aus dem Familienverband, die Stigmatisierung als Unreine und Sünderin, die im Höllenfeuer ewig brennen muss, und damit verbunden der Ausschluss aus der Gemeinde schwer zu ertragen sind. Das ‘System Purdah (35)’ fördert daher die Segregation und verwehrt vor allem Mädchen und Frauen das Recht auf Selbstbestimmung und soziale Anerkennung außerhalb des Clans und dessen frühmittelalterlichen Normen.

Der aus dem Libanon stammende promovierte Philosoph, Islamwissenschaftler und Publizist Dr. Ralph Ghadban schreibt in einem Aufsatz, der auf der Website der Bundeszentrale für politische Bildung eingestellt ist, zum Frauenbild, das den Verschleierungsgeboten in Koran und Sunna als Motivation zu Grunde liegt, wie folgt: “Die Frau ist eine ‘aurah (36), wenn sie ausgeht, dann kommt ihr der Teufel entgegen. Sie ist am nähsten zu Gott, wenn sie in ihrem Haus tief steckt.” Der Prophet soll gesagt haben: “Die Frau hat zehn ‘aurah. Wenn sie heiratet, schützt ihr Mann eine von ihnen und wenn sie stirbt, schützt das Grab alle zehn ‘aurah.” Ghadban sinngemäß weiter: Die Sexualisierung der Frau wird mit dem Begriff al-Fitna, Unruhe stiften, sehr treffend umschrieben. Wenn die Frau beispielsweise, ihren Kleidungsstil irgendwann einmal nach etwas weniger rigiden religiösen Vorschriften orientiert, beispielsweise nur das Kopftuch trägt, strahlt sie nach dieser orthodoxen Lehrmeinung damit immer noch Reize aus, die in ihrer verheerenden Außenwirkung auf Männer die Widerstandskraft dieser ‘triebgesteuerten Unholde’ so lähmen, dass diese sich nicht in der Lage sehen, sich zu beherrschen und zu kontrollieren. Maskuline Muslime seien beim Anblick einer nicht vollkommen verschleierten Schönheit von deren Liebreiz und teuflischer Verführungskunst so gebannt, dass die Abwehrkräfte des angeblich starken Geschlechts schwinden würden und sie, völlig entkräftet, in der Sünderin nicht lediglich eine, sondern gleich zehn Bedrohungen sähen.

Nach dieser Logik ist der Mann immer unschuldig, die Frau hingegen muss für seine lüsternen Blicke bestraft werden. Ihr ganzer Körper ist mit Stoff zu bedecken, damit männliche Muslime nicht die Kontrolle über sich verlieren und vergewaltigend über sie und andere nicht korrekt verschleierte Mädchen und Frauen herfallen. Hält sich eine Frau nicht an die Kleidungsregeln, ist sie selber schuld, wenn sie sexuell missbraucht wird. Scheich Taj al-Din Hamid al-Hilali, der höchste muslimische Geistliche in Australien, bezeichnete unverschleierte Frauen als nacktes Fleisch: “Wenn ihr rohes Fleisch auspackt und offen auslegt, und die Katzen kommen und fressen es – wessen Fehler ist das?”, fragte der Prediger seine Zuhörer – und antwortete sich gleich selbst: “Das unbedeckte Fleisch ist das Problem.” Solange Frauen in ihrem Zimmer bleiben und den Schleier tragen, argumentierte al-Hilali weiter, seien sie keinen Gefahren ausgesetzt. Wer sich aber schminke und verführerisch mit den Hüften schwinge, fordere den Appetit geradezu heraus. Nach kulturell moderner, wissenschaftlicher Auffassung wird die Frau damit nicht nur sexualisiert und diabolisiert, sie wird gleich zum zweiten Mal Opfer einer patriarchalischen Weltsicht, indem nicht der Mann für sein triebhaftes, misogynes Verhalten bestraft wird, sondern sie.

Die Hidschabpflicht (37) ist somit keinesfalls Ausdruck weiblicher Selbstbestimmung und Emanzipation von der Bevormundung der gesellschaftlichen Leitkultur oder äußerlich sichtbares Kennzeichen eines individuellen Weges der religiösen Selbstverwirklichung und daher kein “Freiheitsrecht” (38). Zur Freiheit die Burka anzulegen würde immer auch die Freiheit gehören, ohne Furcht darauf verzichten zu können. Als berufstätige Frau und Mutter genieße ich, mich so zu kleiden wie ich möchte. Witterung, Funktionalität, der Anlass, zu dem ich mich passend kleiden will, meine augenblickliche Stimmung und Seelenlage sowie gesundheitliche und Sicherheitsaspekte sind maßgebliche Entscheidungshilfen bei der Auswahl. Es ist also durchaus möglich, dass ich an einem Tag den maskulin wirkenden, klassischen Hosenanzug Marke erfolgreiche Geschäftsfrau bevorzuge, mich am nächsten Morgen, da ich dienstfrei habe, für eine romantisch gesmokte, betont weibliche Bluse mit Carmenausschnitt und für einen weit schwingenden Rock entscheide, während mir am Tag danach eine bequem sitzende Jeans mit flippig bunter Sommerbluse besonders gefällt. Bei der Arbeit trage ich zu meiner Sicherheit und wegen der Unfallprävention nie Schuhe mit hohen Absätzen, stecke meine Haare hoch, damit wütende Schüler nicht daran reißen können und achte auch bei der übrigen Kleidung darauf, dass meine Bewegungsfreiheit nicht eingeschränkt ist. Sollte ich nachträglich wirklich einmal feststellen, mich bei der Auswahl der Kleidung vergriffen zu haben und mich unwohl fühlen, ist das kein Problem, es wird sich eine Gelegenheit finden, sich umzuziehen. Ist dies aus irgendwelchen Gründen nicht möglich, kann mich jedoch Nichts und Niemand zwingen, am folgenden Tag wieder in dem unpassenden oder unbequemen Outfit herumzulaufen.

Diese Freiheit hat eine gottesfürchtig bedeckte Niqabi oder Burkaträgerin nicht. Auch im Sommer bei schwülster Mittagshitze darf sie das Gewand nicht ausziehen, hat sie sich einmal dazu entschlossen, ihre Aurah zu bedecken, ist der Gesichts- oder Ganzkörperschleier wie festgewachsen. Die Trägerinnen der fundamentalistisch-islamischen Kleidungsstücke werden künftig keine liberalere Verschleierung mehr tragen wollen und können, selbst die Auswahl bezüglich Farbwahl, Muster und Stoffbeschaffenheit ist sehr beschränkt. Die Extremverschleierung wird zur Visitenkarte islamischer Gegengesellschaft, es ist gewissermaßen das Ganzkörperschamtuch und das Gesichtsschamtuch (frei nach Zaimoglu (39)), das Muslimen und Nichtmuslimen erklärt, wie wahre islamische Gottesfurcht auszusehen hat.

Die Soziologen Evelyn Ersanilli und Ruud Koopmans vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung sehen einen klaren Zusammenhang zwischen Erfolgen in der Integrationspolitik und einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Partizipationsrechten und Integrationspflichten (40). Diese Erkenntnis stützen die Forscher auf eine Studie, für die insgesamt 1000 türkischstämmige Einwohner, die in Deutschland, den Niederlanden und Frankreich geboren oder vor 1976 eingewandert sind, befragt wurden (41). Wissenschaftler wie Ralph Ghadban, Hartmut Krauss und Bassam Tibi und Autorinnen wie Güner Balci und Alice Schwarzer werden bestätigen, dass diese Untersuchungsergebnisse auf andere muslimische Zuwanderergruppen übertragbar sind. Wir brauchen eine Abkehr vom kostspieligen und gescheiterten Multikulti-Kuschelkurs hin zu einer Neuorientierung zum Prinzip Fördern und Fordern. Dieser Ansicht ist auch der Berliner Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky (42).

Kleidung schützt uns nicht nur vor Kälte und Nässe, sie ist auch Symbol für soziales Umfeld und Status unseres Gegenübers. Sie übermittelt sowohl den Wertekodex und die Weltanschauungen einer Gruppe wie sie auch Einblick in deren Geschlechterrollen gibt, einem wichtigen Indikator für die Gewährleistung von demokratischen Prinzipien und Menschenrechten. Bei den beiden meist eintönig dunkel gefärbten, nicht selten komplett schwarzen, sackartigen Gewändern und Tüchern handelt es sich eben nicht lediglich um mögliche Schnittmuster islamischer Frauenmode oder um einen schlecht adaptierten, kurzlebigen Modetrend. Burka und Niqab sind vielmehr Kennzeichen polygamer, patriarchalischer Gesellschaften, in denen der Vater oder Ehemann bestimmt, ob und wann die Tochter bzw. Ehefrau die Schule besuchen oder das Haus verlassen dürfen (43).

Die NEON-Redakteurin Anne Dillig wagte sich in einem Selbstexperiment mit der Burka, dem ‘Gefängnis to go’, in die Öffentlichkeit und dokumentierte ihre Gedanken und die Reaktionen des Umfelds in dem Artikel ‘Under Cover’ (44). Frauenrechtler bewerten den Ganzkörperschleier bzw. Niqab als für jeden erkennbares Zeichen der Kontrolle des Mannes über die Frau, welche ihm als sein Besitz zu gehorchen und sich ihm, seiner Sippe und den geistlichen Autoritäten unterzuordnen hat. Sie soll den Kontakt zur Außenwelt einschränken und ihn auf wichtige Erledigungen begrenzen. In Rechtsstaaten ist das Freiheitsberaubung. Yasmin Alibhai-Brown, eine geachtete Journalistin aus Uganda, schrieb unter dem Titel ‘Nothing to Hide’ in der TIME einen lesenswerten Artikel zum ‘Recht’ die Burka, den Niqab zu ‘wählen’.

Die Vollverschleierung ist unfallträchtig und gesundheitsgefährdend. Das extrem eingeschränkte Sehfeld dieser religiös begründeten Frauengewänder bewirkt eine künstliche Sinnesbehinderung, welche die Augen überanstrengt und daher nicht ohne Folgen für Körperhaltung, Muskeltonus und Psyche der Trägerinnen bleiben wird. Die weiten, langen Stoffbahnen erschweren ein sicheres Gehen, ein Überqueren von viel befahrenen Straßen ist lebensgefährlich. Der Lichtmangel unserer Breitengrade lässt kaum einen Sonnenstrahl an die Haut. Folglich weist die Muttermilch stillender Niqabis in Europa einen signifikanten Vitamin-D-Mangel auf, der bei den Säuglingen Rachitis Vorschub leistet, bei den Frauen selbst begünstigt dieser Vitaminmangel, der nicht ausreichend durch Fischgerichte, Milch- und Getreideprodukte ausgeglichen werden kann, schon in jungen Jahren Osteoporose (45), (46), (47). Für den Sozialstaat, der für die Gesundheitsvorsorge seiner Bürger mitverantwortlich ist, durchaus ein Problem. Der Stoff vor dem Mund dämpft die Stimme, strengt beim Sprechen an, die Aussprache der Worte ist nicht mehr klar und deutlich vernehmbar und erschwert die Verständigung. Unverschleierte oder Kopftuch tragende Gesprächspartnerinnen von vollverschleierten Frauen, mit Männern, die nicht Mahram (48) sind, dürfen die gottesfürchtigen Fundamentalistinnen erst gar nicht reden, werden sich des Eindrucks nicht erwehren können, mit einem übergestülpten Stoffsack mit Augenschlitzen oder Gitterfenster zu sprechen. Bei Burkas wäre durch die Sichtgitter nicht einmal mehr die Augenfarbe erkennbar. Während Männer sinnbildlich ihre Nase in jede Angelegenheit stecken können, haben vollverschleierte Frauen oder Niqabis diese Möglichkeit nicht. Öffentliche Kommunikation wird somit im orthodoxen Islam zur männlichen Kommunikation. Das verstößt jedoch gegen den Gleichberechtigungs- und Gleichstellungsgrundsatz von Art. 3 GG.

Das Gesicht eines Menschen ist ein sehr wichtiger Anhaltspunkt, um eine Person wiederzuerkennen. Burka und Niqab behindern den Kontakt, auch innerhalb der Gruppe, weil Hidschabis (49), die ihren Glaubensschwestern ungeplant auf der Straße begegnen, einander allenfalls am Klang der Stimme identifizieren können. Selbst die eigenen Kinder und der Ehemann, die der traditionell / salafistisch gekleideten Muslima spontan in der Stadt begegnen, können in der ganzkörperverschleierten Figur nicht die Mutter bzw. die Partnerin erkennen und würden unbeteiligt vorbeigehen wie an einer Fremden, wenn die Niqabi sie nicht anspräche. Wie die Scheuklappen beim Pferd das Gesichtsfeld der Tiere einschränken, so verhindern beide Bedeckungen, dass Mädchen und Frauen sich wie die maskulinen Glaubensgeschwister ohne Energieaufwand ein vollständiges Bild ihrer Umwelt machen können. Der Mangel an Außenreizen, die Sinneseinschränkungen durch Lichtmangel, das Verdecken der Ohren, Einschränken des Gesichtsfeldes sowie der Mangel an sozialen Kontakten bedingt für die Trägerin des Gesichtsschamtuchs / Ganzkörperschleiers eine Art sensorischer Deprivation, verändert auf Dauer Selbst- und Umweltwahrnehmung, Selbst- und Weltbild (50). Während männliche Muslime aus orthodoxen Milieus solchen körperlichen und seelischen Belastungen nicht ausgesetzt sind, ihren Erfahrungshorizont ungehindert in jede Richtung ausbauen können, haben die Mütter, Töchter und Ehefrauen in der Öffentlichkeit nicht einmal die Möglichkeit, die Sonne auf den Armen zu spüren.

Parda, englisch geschrieben Purdah (51), (52), und Hidschab sind auch als Symbol für antidemokratische, misogyne Gesellschaften bekannt, in denen Frauen und Mädchen genötigt werden, als minderwertige, teuflisch verführerische Wesen gesichtslos, ohne Profil und Würde über die Straßen zu huschen (53). Der ‘sittsame’ Ganzkörperschleier soll offensichtlich Frauen aus der Öffentlichkeit verbannen und ihnen den Mund verbieten, den potentiellen Gesprächspartnern soll die Lust vergehen, diese Frauen anzusprechen oder gar eine tiefsinnige Konversation mit ihnen zu führen. Für die anderen Passanten auf der Straße ist eine solche total verschleierte Figur kaum als menschliches Wesen zu erkennen. Beide islamischen Frauengewänder lösen die Körpersilhouette vollkommen auf und verstecken jeden Zentimeter Haut bis auf das dicht gewobene Gitterfenster bzw. den manchmal mit opaker Gaze bespannten Sehschlitz. So bekleidet verliert die Hidschabi ihr Gesicht, eine spätestens seit der Globalisierung weltweit verstandene Redensart für seine Würde verlieren, seine Ehre, Reputation, seine soziale Anerkennung verlieren, wertlos sein.

Gesichtslos, ohne (wiedererkennbare) einzigartige Persönlichkeit, wird sie zur Dutzendware, ist austauschbar. Sie kann kein Profil zeigen und daher auch keinen individuellen, bleibenden Eindruck hinterlassen. Eine Niqabi, die mir an einer Bushaltestelle begegnete, ist mir als mit wehenden Tüchern vor sich her stolperndes schwarzes Gespenst in Erinnerung geblieben, das sich noch nicht an die Kleidung gewöhnt hatte, mit dem fußlangen Saum ihres Gewandes kämpfend, angestrengt auf den Boden schauend, ihrem Ehemann hinterher zu eilen versuchte und in klarem Deutsch laut rief: “Nicht so schnell, nicht so schnell. Warte, ich komm nicht mit.” Der bärtige, mit Kaftan und Pluderhose sowie Gebetskappe (54) bekleidete Göttergatte indes setzte seinen Weg ungerührt fort, ohne sich umzusehen, anzuhalten oder seine souverän weit ausholenden Schritte zu verlangsamen.

In diesen extrem reaktionären, orthodoxen oder salafistischen (55) Milieus dürfen Scharia, Koran und Sunna als Gotteswort nicht historisch interpretiert werden, es gehört zu den religiösen Pflichten, den Inhalt dieser unfehlbaren, sakrosankten Offenbarungen, Überlieferungen und Empfehlungen wörtlich in den Alltag zu integrieren. Der Ganzkörperschleier bzw. Niqab ist daher das sichtbare Zeichen der koranisch legitimierten Überlegenheit und Kontrolle des Mannes über die Frau, welche ihm als sein Besitz sexuell jederzeit zu Verfügung zu stehen sowie zu gehorchen hat, um sich ihm, seiner Sippe und den geistlichen Autoritäten unterzuordnen. Für den muslimischen Ehemann ist unter Amanat, überantwortetes Gut, nämlich durchaus auch die eigene Ehefrau zu verstehen, für die er ja, dank der Gnade des Allmächtigen, die Treuhänderschaft übernommen hat. Zitat und Übersetzung: „Allah, gepriesen sei er, hat die Ehefrau der Obhut des Mannes anvertraut … Allah hat dem Ehemann wahrhaftig das Recht zuerkannt, von der heiligen Wertsache namens Eheweib Behaglichkeit, Erholung, Friedlichkeit und Nutzen zu beziehen – Allah Ta’ala has assigned the wife to the care of the husband … however, Allah Ta’ala in His infinite mercy has bestowed to the husband the right to derive comfort, rest, peace and benefit from the Sacred Trust we call The Wife (56).“

Der Vater oder Ehemann bestimmt daher, ob und wann die Tochter bzw. Ehefrau das Haus verlassen darf, er begleitet sie zum Arzt, entscheidet, ob sie außerhalb des Hauses einer Berufstätigkeit nachgehen darf (57), (58), (59). Auch die konvertierte, mit einem Salafi verheiratete Muslima wird bald begriffen haben, dass es sich für sie nicht ziemt, zu widersprechen, weil sie sonst zurechtgewiesen, beschimpft und gedemütigt wird (ignorieren, wie Luft behandeln, meiden im Ehebett) und letztendlich gar gezüchtigt werden darf, wenn sie den Anweisungen des Gatten auch nach den Warnungen nicht Folge leistet (Koran 4:34). Im Januar 2010 wurden bei einer bundesweiten Razzia der Polizei Moscheen, Verlagshäuser sowie Privatwohnungen von drei muslimischen Predigern durchsucht. Dabei wurden verbotene Videos, CDs und Schriften beschlagnahmt, darunter das bereits ein Jahr zuvor, im Januar 2009, vom Jugendschutz indizierte, ins Deutsche übersetzte Buch “Frauen im Schutz des Islam“. Dieses Machwerk billigt nicht nur das Schlagen von Frauen als letztes Mittel, der Autor, Abd ar-Rahman asch-Schiha, behauptet sogar, einige Frauen würden diese Misshandlung genießen. Falls sich die Muslimas doch irgendwann wider Erwarten dazu entschließen sollten, Anzeige wegen Körperverletzung zu erstatten, gibt die Lektüre frei Haus Tipps, wie zu vermeiden ist, dass die Schläge Spuren hinterlassen, gleich dazu (60) : “Die Medizin oder Behandlung einer jeden Unpässlichkeit kann manchmal sehr bitter sein. Aber eine kranke Person wird das Medikament freudig einnehmen und die Bitterkeit der Medizin ertragen, um von seiner Krankheit geheilt zu werden.” (Frauen im Schutz des Islam, 96). Das Schlagen der Ehefrau sei nach der islamischen Lehre “nur auf die Form einer (medizinischen) Behandlung eingeschränkt und begrenzt.” (ebd., 97). Der Autor bezeichnet es auch als Mittel “zu Erziehungszwecken” (ebd., 98) (61).

Ein derartiges Menschenbild wirft uns hinter die Erkenntnisse der Aufklärung weit zurück, verstößt gegen die auf allen Rechtsgebieten zu beachtende Gleichberechtigung und bekämpft vehement alle frauenpolitischen Standards, die wir in den letzten hundert Jahren erkämpft haben.

Freie Wahlen, die Gleichberechtigung von Frau und Mann sowie der qua Geburt bestehende Achtungsanspruch eines jeden Menschen werden in diesen Milieus als Kufr (Unglauben (62)) und Schirk (Beigesellung (63)) verunglimpft. Normen, Verhaltenskodizes und Qualitätsstandards der kulturellen Moderne (in der Frauen unverschleiert sind), sind danach gottlos und unmoralisch und dürfen nicht befolgt werden, weil sie haram, voller Schmutz, Ehrlosigkeit und Frevel sind. Sie sind sogar minderwertiger als diejenigen einiger Tiere (64). Zu beiden Gruppen, den Salafisten wie den Wahabiten und zu deren engstem Umfeld gehören radikale, antidemokratische Autoritäten (65), (66). Die auf der Grundlage der Scharia erteilten Rechtsgutachten (Fatwas) einiger hoch geachteter Scheichs sind mit den universellen Menschenrechten meist nicht kompatibel, sind nach orthodoxer Lehrmeinung aber überall auf der Welt gültig und, wenn sie von geachteten Gelehrten erteilt werden, verbindlich.

Es handelt sich bei der fundamentalistischen Bekleidungsvorschrift zur Gesichts- bzw Ganzkörperverhülleng um ein kollektives, religiös verbrämtes, patriarchalisches Gebot, dem jede Muslima ‘freiwillig’ zu folgen hat. Fühlt sie sich gegängelt, outet sie sich als glaubensschwach. Entzieht sie sich gar dem hohen Konformitätsdruck, gilt sie in ihrem sozialen Umfeld, das wir uns als erzkonservativ-islamisch praktizierend vorzustellen haben, als widerspenstiges, unmoralisches und verführerisches Teufelsweib und muss als verachtenswerte Unreine, die ewig qualvoll in der Hölle brennen wird, stigmatisiert und gemieden werden. Jeder, der den Kontakt zu dieser ‘Sünderin’ aufrechterhält, verliert den Schutz des Stammes, gefährdet das eigene Seelenheil und das seiner Familienmitglieder gleich mit. Eine Frau, die sich nicht an Allahs Wort hält, entehrt die männlichen Clanmitglieder (Frauen haben keine eigene Ehre, sie sind die Ehre der Männer). Die ebenfalls von diesem hohen Assimilationsdruck getriebenen maskulinen Verwandten sind gehalten, unbotmäßige weibliche Angehörige zu diskriminieren, seelisch und körperlich zu misshandeln und, wenn die Ehre nicht anders reinzuwaschen ist, auch zu ermorden, um nicht zum Gespött der Community zu werden (67).

Taslima Nasreen (68) beschrieb am 22. Januar 2007 in einem Online-Magazin einen Artikel mit der Überschrift Let’s Think Again About The Burqa sehr treffend das “purdah system” und die Stellung der Frau (69). Hier ein kurzer Auszug:

“My mother was put under a Burka by her conservative family. They told her that wearing a burka would mean obeying Allah. And if you obey Allah, He would be happy with you and not let you burn in hellfire. My mother was afraid of Allah and also of her own father. He would threaten her with grave consequences if she didn’t wear the burka. She was also afraid of the men in the neighbourhood, who could have shamed her. Even her husband was a source of fear, for he could do anything to her if she disobeyed him.”

Die Clans der Trägerinnen von Niqab und Burka zählen sich, wie bereits erwähnt, zu den extrem fundamentalistisch-islamischen Glaubensrichtungen wie der Salafiyya und der Wahhabiyya, die ihren Anhängern eine wörtliche Umsetzung von Koran und Sunna verpflichtend vorschreiben (70), (71), (72). Die als Schutzherren der beiden heiligen islamischen Stätten sowie als Gastgeber der verpflichtenden Pilgerfahrt von jährlich hunderttausenden von Muslimen hoch geachteten saudi-arabischen Scheichs gelten vor allem in schriftgläubigen Milieus als nachahmenswertes Vorbild, weswegen es als selbstverständlich gilt, Rechtsgutachten aus diesem Königreich als verbindlich zu bewerten (73).

An den saudischen Rechtsgutachter Scheich Muhammad Saleh al-Uthaimin, einem der prominentesten Gelehrten des sunnitischen Islam des 20. Jahrhunderts, erging folgende Frage (Institut für Islamfragen, dh, 20.02.2010) “Es ist bekannt, dass eine Frau ihr Gesicht bedecken muss. Gilt diese Regel auch in den Ländern der Ungläubigen, wo er [der Gesichtsschleier] der Frau Probleme verursachen könnte?” Antwort: “Die Vorschriften Allahs gelten sowohl in den Ländern der Ungläubigen, als auch in den islamischen Ländern. Selbst wenn die Frau sich [durch diese Regel] aufgrund der Reaktion ihrer Umwelt unwohl fühlen sollte, muss sie sich verschleiern. Sie muss dabei an ihre [göttliche] Belohnung denken. Allah verteidigt diejenigen, die gläubig sind [die Muslime]. Einige Leute sagten mir, dass ihre Ehefrauen und ihre Begleiterinnen ihre Gesichter verschleierten, obwohl sie von anderen nicht belästigt wurden. Aber die Sachlage kann in verschiedenen Ländern unterschiedlich sein. Auf jeden Fall müssen die Vorschriften Allahs beachtet werden, sei es, in den Ländern der Ungläubigen oder in muslimischen Ländern (74), (75).”

Die zentralen theokratischen Leitgedanken und Orientierungsrichtlinien, die in Büchern wie ‘Das System Purdah und die Stellung der Frau’ (76), (77), Islamische Lebensweise (al-Maududi (78)), Handbuch Islam (Reidegeld), aber auch in Internetforen, Datenbanken für Fatwen, Videos und Fernsehsendungen oder auf der Podiumsdiskussion “Citizenship, Islam and the West” (79), dargestellt werden, propagieren eine ebenso misogyne wie gegenmoderne Doktrin. Mädchen, Frauen und vor allem die weiblichen Nichtmuslime werden dementsprechend zu unmoralischen, teuflischen Verführerinnen herabgewürdigt, denen es an Religion, guten Sitten und Verstand fehle, während Männer pauschal als Triebtäter diskreditiert werden. Mit dieser Einstellung wird auch die nichtmuslimische männliche Täterschaft gegen Frauen als naturhaft entschuldigt, die durch die ebenfalls wesengemäße, als unmündig, unmoralisch und sittenlos stigmatisierte weibliche Weltbevölkerung die Schuld trägt.

Der von allen Sunniten sehr verehrte Yusuf al-Qaradawi beispielsweise gestattet jedem Ehepaar, dessen Frau vollverschleiert ist, in einem solchen Gutachten das schöne Wetter am Strand zu genießen, wenn sie dort öffentlich beten, ihre religiöse Erweckung bezeugen und zum Islam einladen (80). Eine andere Ehefrau hatte sich geweigert, den Schleier zu nehmen. Nach langen Diskussionen hatte sie an ihre Bereitschaft sich zu verhüllen listig eine Bedingung geknüpft. Sie wollte ihre Haare dann nicht mehr offen tragen, wenn der Mann seinerseits bereit war sich zu rasieren, was nach der Sunna für Muslime jedoch streng verboten ist. Die Fatwa, die der Ehemann zur Beseitigung des Konflikts einholte, riet ihm, mit ihr die Schritte durchzugehen, die der Islam zum Umgang mit einer widerspenstigen, ungehorsamen Frau ans Herz legt (Koran 4:34 Und jene, deren Widerspenstigkeit ihr fürchtet, mahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie). Ansonsten wäre es besser, sich von ihr zu scheiden, wenn es keinen triftigen Grund gäbe, die Ehe aufrechtzuerhalten oder ein Umstand besteht, der die Scheidung verhindert (81).

Die Mitunterstützer dieses Aufrufs bezweifeln daher die von den streng orthodox praktizierenden Muslimas immer wieder betonte Freiwilligkeit, sich für das Tragen des Gesichtsschamtuchs oder des Ganzkörperschamtuchs in der Öffentlichkeit zu entscheiden. Ein ‘Freiheitsrecht’ auf Niqab und Burka beinhaltet für uns das grundsätzliche ‘Freiheitsrecht’, ohne indoktrinierte Gottesfurcht, Seelenqual und Höllenangst, die den Alltag dieser radikal-fundamentalistischen autoritären Persönlichkeiten prägt, lediglich mit einem Kopftuch bekleidet einkaufen zu gehen, das ausschließlich die Haare versteckt oder zu genießen, den Wind in den offenen Haaren zu spüren und sich den sommerlichen Temperaturen entsprechend leicht zu bekleiden. Eine Verschleierungspflicht des ganzen Körpers, die vielfach von erzkonservativen muslimischen Autoritäten (al-Maududi, ibn Taimiyya, al-Qaradawi, Ibn Baz) eingefordert wird, ist mit einem Freiheitsrecht nicht zu vereinbaren. Migranten, die aus weltanschaulichen / religiösen Gründen aus ihren muslimisch geprägten Herkunftsländern fliehen mussten, kennen den Konformitätsdruck, der von solchen Musterbeispielen an Tugend und Rechtgläubigkeit ausgeht: Alle Muslime werden in Zugzwang gesetzt.

Die bisher unverschleierten Frauen müssen sich bedecken, das bisher im Nacken verknotete Kopftuch muss dem Hidschab weichen, der nun außer den Haaren auch Hals und Dekolleté bedeckt, Salafis werden das Gesichtsschamtuch und Ganzkörperschamtuch einschließlich der Verhaltensdoktrin durchsetzen, um Allah und seinem Stellvertreter auf Erden, dem Wali (Vormund: hier Vater oder Ehemann) keinen Grund zum Zorn zu geben und ins Paradies einzugehen. Am 25.10.2009 berichtete die Schuldirektorin am Antwerpener Atheneum, Karin Heremans, gegenüber WELT-online, dass die Atmosphäre an ihrer Lehranstalt zunehmend einschüchternd geworden sei: “Das Kopftuch zu tragen war plötzlich entscheidend dafür, eine gute Muslima zu sein”, schließlich seien sogar einige Mädchen in Burka zur Schule gekommen (82).

Die FdGO ist kein Versandhauskatalog aus dem der Einzelne Freiheitsrechte aussuchen und bestellen kann, während er andere als für ihn unattraktive Ladenhüter ignoriert. Wichtige Prinzipien unserer Verfassung (s. Art. 79 GG) gelten ohne jede zeitliche Einschränkung und sind weder für den Souverän noch für die übrige Bevölkerung verhandelbar (83). Glaubens- Bekenntnis- und Gewissensfreiheit sowie die freie Religionsausübung genießen in der Wertehierarchie der säkularen, freiheitlich-demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik einen hohen Stellenwert. Sollten jedoch Symbole, Zeichen oder Dresscodes einer Lehre oder Weltanschauung permanent und nachhaltig dazu beitragen, Einzelne oder Gruppen wegen ihrer sexuellen Orientierung, Religion / Nichtreligion, ihrer Ethnie oder ihrer selbstbestimmten Lebensweise herabzuwürdigen und zu verachten, kann der Staat sich nicht mehr auf seine Verpflichtung zur weltanschaulichen Neutralität berufen. Hier ist die staatliche Gewalt verpflichtet, präventiv einzuschreiten, unabhängig davon, wie repräsentativ oder zahlreich eine solche diskriminierende Lehrmeinung ist.

Ein generelles Verbot des öffentlich getragenen Ganzkörperschleiers oder Gesichtsschleiers verwirklicht, ganz im Gegensatz zur Auffassung des Kulturausschusses des Europarats (84) vom 23. Mai 2010, die universelle Menschenrechte.

Gabi Schmidt, Sozialpädagogin

Edward von Roy, Diplom-Sozialpädagoge (FH)

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30

In »Muslimisch, weiblich, deutsch! Mein Weg zu einem zeitgemäßen Islam« (C. H. Beck, München 2010) berichtet Lamya Kaddor kommentarlos zum System der Duisburger Mädchenüberwachung: „Tatsächlich ist es so, dass sich fast alle Jungen im Stadtteil verpflichtet haben, „auf die Lohberger Mädchen aufzupassen“. Dass geht so weit, dass Mädchen mit ihrem jeweiligen Freund in bis zu sechzig Kilometer entfernten Städten von den „Lohberger Jungs“ gesichtet worden sind. Doch es bleibt nicht immer beim bloßen Sichten. Der Freund des Mädchens wird häufig mit körperlicher Gewalt daran „erinnert“, sich von dem Mädchen fernzuhalten. Das Mädchen selbst bekommt es mit dem älteren Bruder oder seinem Vater zu tun. … Sie [die Mädchen] erzählen mir, dass es mittlerweile eine Art Bande gibt, zu der alle „Lohberger Jungs“ gehören, um sie mit ihren Freunden zu erwischen, egal wo. Einige erzählen, wie sie von Ali gesehen worden seien und anschließend großen Ärger bekommen hätten. Selbst die Väter der Mädchen rufen das Bandenoberhaupt an, damit es auf ihre Töchter aufpasst.“

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http://www.fgulen.cc/gulens-works/156-key-concepts-in-the-practice-of-sufism-1/877-istiqama-straightforwardness.html

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http://muslim-canada.org/purdah.pdf

36

Ghadban ebd. zum Begriff der aura im Islam: “Es kann Mangel an Sehfähigkeit (daher a’war, Einäugige) oder Schwachpunkt in der Verteidigungslinie im Krieg oder Mangel an Schutz des eigenen Hauses oder der Privatsphäre heißen. Das Wort bedeutet auch die Schamgegend am Körper, die aus den Geschlechtsteilen besteht.”

Das englische Wikipedia definiert den Begriff wie folgt: »Etymologically, the term Awrah derives from the root ‘a-w-r which means “defectiveness”, “imperfection”, “blemish” or “weakness” – however the most common English translation is “nakedness”.«

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http://chawart.wordpress.com/2010/05/01/die-purdah-%E2%80%93-das-verhullungsgebot/

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http://tawhidikhlas.info/index.php/2010/04/02/der-kufr-der-loyalitaetserklaerung

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http://tawhidikhlas.info/index.php/2010/03/28/der-shirk-der-wahlen

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http://www.islaminstitut.de/Anzeigen-von-Fatawa.43+M52fd14c304c.0.html

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http://webcache.googleusercontent.com/search?q=cache:7w0C7qU1XTkJ:www.bst-mosbach.verdi.de/upload/m42cb8036ded4e_verweis1.doc+Wahabismus

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http://www.al-eman.com/Ask/ask3.asp

http://www.islaminstitut.de/Anzeigen-von-Fatawa.43+M546f51abd88.0.html

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http://www.womenforwomen.org/news-women-for-women/files/crit-half/CHJournalv1.pdf

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http://www.welt.de/die-welt/politik/article4967468/Letzte-Loesung-Kopftuchverbot.html

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http://bazonline.ch/ausland/europa/Deutsche-lassen-Auslaender-Integrationsvertraege-unterschreiben/story/22435040

84

http://www.nzz.ch/nachrichten/international/europaratsparlamentarier_gegen_burkaverbote_1.6217627.html

***Antwort des Petitionsausschusses (auf die durch Gründler angekündigte, angeblich sachgleiche Petition eines weiteren, uns gegenüber anonymisierten Petenten) durch BMI MinR Dr. Michael Frehse, ohne Datum***

Bundesministerium des Innern

MinR Dr. Michael Frehse

Unterabteilungsleiter G II

Alt-Moabit 101 D, 10559 Berlin

Deutscher Bundestag

– Petitionsausschuss –

11014 Berlin

BETREFF Kirchenfragen

HIER [gelöscht]

BEZUG [gelöscht]

ANLAGE – 2 – (Doppel, Petition)

Mit ihrer Eingabe fordert die Petentin ein allgemeines Verbot traditioneller islamischer Kleidung in der Öffentlichkeit und in öffentlichen Gebäuden. Sie konkretisiert dies besonders im Hinblick auf das Tragen von Burka, Niqab und Kopftuch.

Sie begründet ihre Forderung damit, dass es ein entsprechendes Gebot im Islam nicht gebe und die traditionelle islamische Kleidung als politisches Symbol vorrangig der Abgrenzung von der Mehrheitsgesellschaft diene. Das der Verschleierung zugrunde liegende Ehrverständnis habe ferner eine Diskriminierung der Frauen zur Folge, die dies nicht praktizierten. Eine vollständige Verschleierung erschwere zudem die Identifizierung bei Videoaufzeichnungen.

Zu der Eingabe nehme ich wie folgt Stellung:

Dem Anliegen der Petentin kann nicht entsprochen werden.

Die Interpretation der koranischen Texte zur Bedeckungspflicht der Frau reicht von der bloßen Aufforderung zu anständiger Bekleidung über die Bedeckung der Haare bis zur Verhüllung des ganzen Körpers. Auch nationale und kulturelle Traditionen in den Herkunftsländern der Muslime spielen eine Rolle.

Dem in religiösen Fragen neutralen Staat bleibt es verwehrt, die Bewertung einer theologischen Frage selbst vorzunehmen. Ob eine unterschiedlich bewertete religiöse Pflicht im Islam von allen Gläubigen oder nur einem Teil befolgt wird, ist für die staatliche Sicht unerheblich. Entscheidend ist die Überzeugung der Einzelnen, einem religiösen Gebot zu folgen. Sofern eine Muslimin in Deutschland aus eigener religiös motivierter Überzeugung sich an bestimmte Kleidervorschriften hält, ist dies aus staatlicher Sicht grundsätzlich als Religionsausübung im Sinne des Art. 4 GG zu respektieren. Das Tragen entsprechender Kleidung in der Öffentlichkeit und in öffentlichen Gebäuden ist grundsätzlich sowohl als Teil der freien Entfaltung der Persönlichkeit wie auch der Religionsausübung geschützt. Ein möglicher Missbrauch durch Instrumentalisierung der Bedeckung für politische Zwecke oder Diskriminierung der Frauen, die sich nicht an entsprechende Regelungen gebunden fühlen, vermag allein ein grundsätzliches Verbot nicht zu rechtfertigen.

Im Hinblick auf das Kopftuch einer muslimischen Lehrerin an öffentlichen Schulen hat das BVerfG in seiner Entscheidung vom 24. September 2003 festgestellt, dass derartige Verbote einer gesetzlichen Grundlage bedürfen. Verschiedene Bundesländer haben in Folge entsprechende landesrechtliche Regelungen erlassen.

Im Auftrag

Dr. Frehse

Zerreissprobe für die Demokratie

Februar 6, 2010

الأسلمة

Islamisierung

Eine rechte Allianz gegen den Islam?

Warum eine jede konservative Partei antiislamischen Selbstverständnisses das Werk der Muslimbruderschaft fördert. Ein Gleichnis von Edward von Roy.

Zwei Jahre vor der nationalsozialistischen Machtergreifung in Deutschland schuf der im Jahre 1904 im katalanischen Figueres / Figueras (Provinz Girona / Gerona) geborene Salvador Dalí (Salvador Felipe Jacinto Dalí i Domènech, Marqués de Púbol, † 1989) sein weltbekanntes, heute oft als »Die zerinnende Zeit« bekanntes Werk »Die Beständigkeit der Erinnerung« (Originaltitel: La persistencia de la memoria), an dem uns gewisse weiche Uhren interessieren sollten, namentlich diejenige, die, einem nassen Wäschestück auf der Leine nicht unähnlich, auf einem Ast oder Zweig ganz langsam und zähelastisch in die Richtung ihrer mutmaßlich irreparablen Selbstentformung zerläuft.

Was im Europa und Nordamerika dieser Jahre zunehmend amorph wird und seiner Entwerdung zurinnt, ist die säkulare sprich freiheitliche Demokratie und was auf ihre Kosten an Härte und Schärfe gewinnt, ist das ewige Schariagesetz mit seiner ebenso geheiligten wie barbarischen Rechtskultur der Geringerstellung aller Frauen und Nichtmuslime. Schariaverweigerung verhindert schließlich den Platz im Paradies.

Den Kölner Seelenfänger und Hassprediger Pierre Vogel („Way to Allah“) sollten wir politisch ernst nehmen, befinden wir Islamgegner oder auch nur Nichtmuslime uns aus seiner Sicht doch schlicht auf dem Way to Hell. Saiyid Abū l-Aʿlā l-Maudūdī brachte es in simpler Sprache auf den Punkt: Säkulare Demokratie beziehungsweise Demokratisierung wird, da man nicht zwei Herren dienen kann, nur von den Parteigängern des Satans vorangetrieben, dein Herr muss aber Allahgott bleiben, andernfalls wirst du und wird deine Familie dereinst im schmerzlichen Höllenfeuer schmoren und bist du kein Muslim, sondern Apostat.

Das Zifferblatt des nahezu acht Jahrzehnte alten Bildes stehe heute gleichnishaft für unsere freiheitliche Lebensform, die Uhrzeiger sind in der absoluten Mitte der Gesellschaft verankert, in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte.

Der orthodoxe Islam zielt auf die Ungleichbehandlung der Frauen und Nichtmuslime und kann deshalb mit dem 1948 in New York festgelegten Zentrum unverhandelbarer menschlicher Würde, wie er traurig guckend bedauert, nichts anfangen. Die Parteigänger Allahgottes müssen das säkulare Zifferblatt also unbrauchbar machen, aus der Form bringen, um die Nadeln aller heilssichernden irdischen Messinstrumente gewissermaßen an der Kaaba in Mekka zu befestigen oder an der extrem schmalen und rutschigen Brücke über jene höllische Feuergrube, die alle Seelen zu überschreiten haben, um ins Paradies zu gelangen.

Der Teufel muss also wieder politisch werden und unsere Parlamentsbeschlüsse und wissenschaftlichen Diskurse inspirieren, Jahrzehnte nach Sigmund Freud und Hannah Arendt haben es unsere Koranpolitiker namens Tariq Ramadan und Ayyub Axel Köhler dabei nicht einfach. Wären sie auf diesem steinigen Pfad alleine, fiele das sehr auf und würde ihre „Religionsfreiheit“ als Islamische Revolution ruchbar, als Staatsstreich.

Kollegen müssen also her, die über den Verdacht jeder Islamsympathie erhaben sind: Der äußersten Rechten angehörende Islamgegner sind eine ideale Besetzung, ersatzweise tun es auch die Freunde aus dem Lager der bibeltreuen amerikanischen Kreationisten und der diktatorischen Führung aus Peking, die beide aber sich in Europa bisher eher rar machen. Nein, eine im mittlerweile üblichen, schlampigen Sprachgebrauch „rechts“ betitelte Partei ist aus Sicht der Muslimbrüder vonnöten (wir freiheitlichen Demokraten sollten extrem rechts beziehungsweise rechtsextrem sagen), damit die Kooperation mit den Nichtmuslimen (Islamisierung Europas) beginnen kann.

Europas Koranpolitiker nutzen Europas reaktionäre Antiislamisten: Man hat ein Stück des Wegs das gleiche Ziel und kann sich also einstweilen derartig laut beschimpfen, dass das in Ausdünnung befindliche säkulare Bürgertum die Übersicht verliert und das Fußvolk der jeweils eigenen Bewegung gleich mit.

Ein noch so schwerer Hammer kann nicht erfolgreich in die Luft schlagen, sondern bedarf eines Widerlagers, um etwa eine Kokosnuss erfolgreich zu zertrümmern. Der Hammer ist der politische Islam, sein Amboss die europäische beziehungsweise transatlantische politische Reaktion, die sich selbst bald als abendländisch, wertkonservativ, „rechts“ oder auch als nationalistisch beziehungsweise rechtsradikal etikettieren mag, die heterogenen Blöcke jedenfalls schmelzen unter Allahgottes heißem Lichtglanz zu einem einzigen ehernen Amboss zusammen, der die Kokosnuss des Rechtsstaats doch eigentlich knacken müsste.

Die Islamisierung ist eben von mehrfacher Arbeitsteiligkeit: Muslimischerseits werden bekennend schariazentrierte Wölfe und Brandstifter (CAIR, Mustafa Cerić, IGD und ZMD) zeitgleich mit Feuerlöschern und Schafspelzen (Tariq Ramadan, Bekir Alboğa, KRM, Mathias Rohe) in Umlauf gebracht sprich auf Dialogbühnen und in Ministerien geschickt. Andererseits unterliegen die demokratieskeptischen Antiimperialisten und Kapitalismuskritiker (Sabine Schiffer, Beate Sträter) der radikalen Linken ganz im Sinne der europäischen und US-amerikanischen Kalifatwerdung derselben Nutzbarmachung wie Europas zeitgenössische Nationalisten und Neofaschisten von Jean-Marie Le Pen bis zur British National Party (BNP).

Links- und Rechtsradikale sind schließlich ihrerseits an der Überwindung der als dekadent eingestuften Demokratie hoch interessiert. Die Tuchfühlung zwischen Ḥizb at-taḥrīr (HuT) und NPD mag die spektakulärste zweipolige Zerrkraft (an der zerrinnenden Uhr der sich am weitesten bodenwärts neigende Teil des verdoppelten Zipfels) der nach Kräften ziehenden Demokratiefeinde darstellen, den sehr viel weiteren Bereich der zunehmend nebelverhangenen Grenzen der FdGO aber umgeben Lager wie die bieder und dialogbereit daherkommende Diyanet İşleri Türk İslam Birliği, abgekürzt DİTİB oder wie die medial kalkuliert als Gegenspieler des Islam antretende und ebenfalls in Köln ansässige Bürgerbewegung pro Köln und die sie umwölkenden, zwielichtigen „Pro“-Bewegungen.

Die heute gleichnishaft verwendete Uhr das katalanischen surrealistischen Malers jedenfalls wird durch die Demokratieverdrossenen oder von der Demokratie unbelastet Gebliebenen „aller Länder“ wie auf einer Streckbank einigermaßen gequält, die Universalität der Menschenrechte und die Pressefreiheit beginnen bereits, an schöner Form, sprich an Verlässlichkeit zu verlieren.

In diesem Sinne wird eine jede „rechte“ (rechtsradikale?) Partei antiislamischen Selbstverständnisses dem Ziel der Iḫwān al-Muslimūn, der Muslimbruderschaft zuarbeiten, nicht zuletzt durch die nachfolgende öffentliche Plausibilität einer als „gerechtes Gegengewicht“ zu gründenden oder bereits vorhandenen und in Rathäuser und Parlamente hinein wählbaren politischen Islampartei.

Möge sich die gelegentlich durchaus vernünftig argumentierende niederländische Partij voor de Vrijheid (PVV) dieser Gefahr bewusst sein und kein Beförderer dessen werden, was Europa droht und was vor Jahrzehnten im südlichen Asien als Zwei-Nationen-Theorie (Two-Nation Theory) segregierend und sezessionistisch aktiv wurde. Berücksichtigen heißt Machteinräumen, und auch eine Anti-Koran-Politik wäre eine Koranpolitik: AEMR und bundesdeutsches Grundgesetz sind ja bereits vorhanden, gelten also auch für Töchter muslimisch sozialisierter Eltern und Großeltern und müssen lediglich durchgesetzt werden.

Wir brauchen keine Lex Islam, das ist beiden Seiten zu sagen, den Parteigängern der Scharia ebenso wie den nationalen Revolutionären oder sonstigen politischen Antiislamisten. Ein von der PVV geforderter „fünfjähriger Zuwanderungsstopp für Muslime“ müsste unsere säkulare Lebensweise sehr bedrohen, weil damit das Muslim-Sein zum staatsbürgerlichen Merkmal ernannt werden würde – hier phantasiert die Freiheitspartei um Geert Wilders sozusagen kongenial und völlig im Sinne von Tariq Ramadan und Mustafa Cerić. Wilders Kurzfilm »Fitna« bleibt trotz derlei politischer Fehleinschätzung allerdings sehenswert.

Die Möglichkeiten, das Werkzeug der wählbaren Partei gegen den Parlamentarismus zu richten, erlebte Europa bereits, nur zwei Jahre, nachdem der geniale Dalí die beschriebenen Uhren auf seiner Leinwand weich werden ließ.

Die sich nicht nur im Karneval frohgemut gebende Mitte der Gesellschaft sollte sich Sorgen machen, dass ihre Zeit nicht abläuft! Zur Verhinderung der islamkonformen Religionspolitik brauchen wir Mancherlei, Unbestechlichkeit etwa und Zivilcourage sowie den Einsatz gegen Korruption und für die Universalität der Menschenrechte.

Ganz gewiss aber keine „rechten“ Parteien.

Edward von Roy

La persistencia de la memoria – Die Beständigkeit der Erinnerung. Salvador Dalí 1931. Politischer Islam und (vorgeblich) islamhassender Rechtsextremismus ziehen, nicht am selben Strick, aber in die gleiche Richtung. Mag doch das Zifferblatt des AEMR-zentrierten Rechtsstaates zerreißen wie ein überdehntes Gummiband, morgenländische und abendländische Frauen gehören schließlich nicht in die Arbeitswelt, sondern in Küche und Kinderzimmer – wissen die Demokratiefeinde

http://rjdent.files.wordpress.com/2009/10/the_persistence_of_memory_1931_salvador_dali.jpg

Prinzip Amboss. Allahs Hammer braucht zur Zerschlagung der kulturellen Moderne eine verlässliche Arbeitsgrundlage, die rechtsextremistische Anti-Islam-Partei

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/4/41/Blacksmith_at_work02.jpg

Inklusion der Scharia in die Migrationsforschung

Juni 19, 2009

الـشَّـرِيعَـة

aš-šarī’a

die Scharia, Allahs Gesetz

Frau Karakaşoğlu und die Grenzen der Toleranz

In ihrer am 9. Juni 1999 in Frankfurt gehaltenen Rede »Wer definiert die Grenzen der Toleranz? Kopftuch, Koedukation und Sexualkundeunterricht« verteidigt die Bremer Erziehungswissenschaftlerin Dr. Yasemin Karakaşoğlu-Aydın (damals Universität GH Essen) orthodoxes islamisches Menschenbild und radikal schariatreues Gesellschaftsmodell. Von Jacques Auvergne (2009).

Religiosität nach Koran und Hadithen wird wohl auch einmal nützliche Lebenshilfe persönlicher Spiritualität sein, doch in erster Linie ist der orthodoxe Islam leider weltweit und nach wie vor wenig mehr denn der Wohlverhaltensterror einer durch Nachbarschaft, Großfamilie und durch die umma der islamischen Weltgemeinschaft kultivierten Lebensführungsdiktatur, die mit großen Teilen der allgemeinen Menschenrechte oder der deutschen Grundrechte schlicht nichts anzufangen weiß. Wie Lernforscher sagen, muss Wissen anschlussfähig sein, doch Autonomie oder Emanzipation, Frauenrechte oder Religionskritik sind im heutigen Islam sozusagen unfunktional jedenfalls eher überflüssig. Der orthodoxe (politische) Islam braucht die Demokratie nicht und noch nicht einmal die Wissenschaft, welche er gebraucht, nicht braucht, die er verwendet, nicht benötigt. Der ländliche orthodoxe Muslim oder der städtische Islamist guckt sekundenlang mit großen Augen völlig erstaunt, wenn das säkular muslimische oder ex-muslimische Gegenüber ihm universelle Menschenrechte oder Gleichberechtigung der Frau anbietet, um dann sehr rasch äußerst aggressiv zu werden. Derlei fundamentalistische Weltbildbegrenzung und antimoderne Lernverweigerung ist dem homo sapiens mitnichten angeboren, sondern bedarf fein gesponnener Netze des Einschüchterns und Überwachens.

Islam ist 100 % Seelenrettung, 100 % Politik und 100 % Recht und Islam ist das Monopol auf diese drei Bereiche, jedenfalls soweit sie sittlich zu nennen seien und der Teufel seine Finger nicht im Spiel habe. Denn eine andere Heilssicherung als die nach Koran und Sunna gibt es im Islam nicht, das hoch politische Wohlverhalten des Einzelnen blühe auf zu Familiengründung und zu der das Modell von Medina (622-855 d. Z.) kopierenden Staatsgestaltung, und anderen Paragraphen freiwillig und auf Dauer Folge zu leisten als dem vom Himmel herab gekommenen Schariagesetz, ist Gotteslästerung und Götzendienst. Unter Baustein 109. hat Blog Sägefisch einige Auszüge aus dem 1961 erschienenen Buch »Islamic Law« (Das islamische Recht) des Panislamisten (jemand, der das weltweite Kalifat anstrebt) und Muslimbruders Saïd Ramadan (Ramaḍān) analysiert, dessen islamisches juristisches Werk multikultureller Rechtsspaltung seine Söhne Tariq (Ṭāriq Ramaḍān) und Hani (Hānī; Steinigung als gottgefälliges Tun) bis heute so getreulich fortführen.

Zur Teufelsabwehr und Seelenrettung verwendet der etwas mehr verwirklichte Islam das Europa drohende Islamische Familienrecht (2006 forderte Mustafa Cerić: opening the way for Muslim law to be recognized in matters of personal status such as the Family Law), aber, wenn auch erst bei weit fortgeschrittener Islamisierung eines Landes, auch die barbarische diyya, das geheiligte Blutgeld welches dem qisas, dem Wiedervergeltungsrecht zugehörig ist das im Koran in Sure 2:178 verankert ist. Etwas der diyya sehr Entsprechendes wurde im germanischen, die Blutrache tolerierenden Recht Weregild oder Wergeld genannt, aber so etwas pflegt die kulturelle Moderne nicht mehr. Anders die islamische Jurisprudenz (fiqh), die seit tausend Jahren jede juristische (religiöse) Änderung verweigert hat und derlei Recht, wir Säkularen müssten eigentlich Unrecht sagen, als Religion versteht. Islam ist ganzheitlich (total, totalitär) und im Sinne der unveränderlichen Scharia abgeschlossen, ist Welterklärung, Seelsorge, Sexualerziehung und Politik. Veränderlich ist jetzt nur noch die an „Zeit und Raum“ (time and space; Tariq Ramadan, Mustafa Cerić usw.) angepasste Strategie der Schariaimplementierung.

Das islamische Recht bietet, wie sich am Beispiel der am 1. Mai 2009 im Iran hingerichteten Delara Darabi beziehungsweise der verweigerten Annahme der diyya sehen lässt, systematisch noch nicht einmal den Muslimen Rechtssicherheit und diskriminiert Frauen und diskriminiert die verschiedenwertigen Nichtmuslime oder Islamapostaten. Islam erniedrigt die schutzvertraglich erklärten Dhimmis, das sind Juden und Christen, oder die schutzlosen Polytheisten genannt Harbis (vogelfrei, können getötet werden, ferner ist auch ein sich auf islamischem Gebiet aufhaltender ḏimmī ohne einen aman genannten Schutzvertrag als ein ḥarbī zu betrachten). Islam diskriminiert die islamrechtlich beiläufig zu tötenden Islamapostaten verschiedenartig, Allāh erniedrigt eben unterschiedlich.

Scharia diskriminiert differenziert. Völlig glaubenskonform verkündete die Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) in ihrer Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Jahre 1990 folgendes zum Recht auf Leben: „Das Leben ist ein Geschenk Gottes … es ist verboten, einem anderen das Leben zu nehmen, außer wenn es die Scharia verlangt“ (Artikel 1). Die „ewige und unverhandelbare“ (Mustafa Cerić) Scharia führt auch Ihre und meine Meinungsfreiheit als Buchdrucker, Evolutionsforscher, Musiker, Maler, Karikaturist, Regisseur, Publizist oder Religionswissenschaftler in die Bahnen göttlicher wie sozialer Harmonie: „Jeder hat das Recht, den Erfolg seiner wissenschaftlichen, literarischen, künstlerischen oder technischen Arbeit zu genießen, … vorausgesetzt, dass die Werke nicht den Grundsätzen der Scharia widersprechen (3).“

Rechtssicherheit sogar für Frauen und Gotteslästerer sowie vor allem Rechtseinheitlichkeit soll in der Bundesrepublik Deutschland der so genannte »ordre public« derart sichern, dass wesentliche Grundsätze des deutschen Rechts auch durch das islamische Recht der Scharia (šarī’a, islamische Religion) nicht unterlaufen werden. Der deutsche ordre public ist jedoch sozusagen geduldig und möchte erst dann eingreifen, wenn sagen wir einmal das islamische Personenstandsrecht, Aufenthaltsbestimmungsrecht oder überhaupt das islamische Familienrecht „mit wesentlichen Grundsätzen des deutschen Rechts offensichtlich unvereinbar ist“.

Da fragt man sich doch, ab wann denn bitte die korangemäß zu verprügelnde muslimische Ehefrau, die hierzulande eigentlich verbotene Vielweiberei oder die mit mehr oder weniger viel Zwang verbundene, ebenso vorislamisch-traditionelle wie orthodox-islamische „arrangierte Ehe“ denn den Kernbestand der inländischen Rechtsordnung antastet. Bildung, Sprache, Ausstiegswilligkeit und technische Ausstiegsfähigkeit aus dem Kerker der Großfamilie gehören sicherlich dazu, um erlittene Nötigung oder Zwangsverheiratung erst einmal bei einer staatlichen Behörde (hoffentlich nicht bei einem parallelgesellschaftlichen, islamischen religiösen Gericht) anzuzeigen. Vielleicht sollten wir uns an dieser Stelle daran erinnern, dass eine gewisse arabischstämmige Gottheit den seine Tochter oder Enkelin nötigenfalls unter Anwendung von Zwang verheiratenden muslimischen Vater oder Großvater vorsieht (arab. walī muğbir, türk. mücbir veli), dass bereits seit vielen Jahren Migrationsforscher wie Ursula Boos-Nünning (1) oder Erziehungswissenschaftler wie Yasemin Karakaşoğlu (2) die arrangierte Ehe öffentlich und professionell bagatellisieren, beschönigen und, letztlich, verteidigen.

Mit dieser öffentlichen Verteidigung des oft mit einem Cousin und immer wieder für die sechzehn- oder fünfzehnjährige oder noch jüngere Tochter „die Ehe arrangierenden“ Vaters oder Großvaters sorgen Boos-Nünning und Karakaşoğlu dafür, dass die frauenentrechtende Scharia sprich: Dass der politisch gewordene (angewendete) Islam in Jugendamt, Schulministerium und Hochschullandschaft zu wirken beginnt. Diesen Beitrag zur Islamisierung leistet man dann besonders nachhaltig, wenn man das Wort Scharia oder wali mudschbir nicht ausspricht.

Ein Grund zur Besorgnis ist der mit dem Beginn des Jahres 2009 in Kraft getretene Wegfall der so genannten Voraustrauung, der nach Meinung von Familialismus-Gegnern und Scharia-Kritikern der Zwangsheirat, Kinderheirat und der Polygamie womöglich „Tür und Tor geöffnet“ hat (Seyran Ateş), vgl.: Petition gegen das Personenstandsrechtsreformgesetz (PStRG) Petitions-Aktenzeichen Pet 1-16-06-211-046040 vom 08.12.2008 etwa auf Blog Schariagegner beziehungsweise Blog Sägefisch Petition: 077.; ein Kommentar zur Sache: 078. Petition gegen das Personenstandsrechtsreformgesetz (PStRG) Petitions-Aktenzeichen Pet 1-16-06-211-046040 vom 08.12.2008

Vielleicht ist es ja reiner Zufall, dass Karakaşoğlu und Boos-Nünning bei ihrem Verteidigen des elterlichen „Rechts“, die Kinder arrangiert zu verheiraten, ganz im Einklang mit Artikel 22 („Jeder hat das Recht auf freie Meinungsäußerung, soweit er damit nicht die Grundsätze der Scharia verletzt“) oder vor allem mit Artikel 7 der islamischen Erklärung der Menschenrechte (Kairo 1990) tätig sind: „Eltern haben das Recht, für ihre Kinder die Erziehung zu wählen, die sie wollen, vorausgesetzt, dass die Erziehung mit den ethischen Werten und Grundsätzen der Scharia übereinstimmt (3)“, die Muslimbruderschaft jedenfalls kann mit einer derartigen wissenschaftliche Betreuung der bundesdeutschen, seit zwanzig Jahren katastrophal scheiternden Arbeit der eigentlich wichtigen Integration sehr zufrieden sein.

Der eigentlichen, im Sommer 1999 an der Frankfurter Universität gehaltenen Rede wurde fünf Monate später ein von Matthias Proske und Frank-Olaf Radtke angefertigtes und signiertes Vorwort vorangestellt, welches der Intention von Frau Karakaşoglu-Aydın derart (verantwortungslos) gerecht wird, dass die Urheberschaft der deutschtürkischen Bremerin zu vermuten ist.

3. [Proske/Radtke] Das Kopftuch. … Sobald es ernst wird und institutionelle Selbstverständlichkeiten in Frage gezogen werden, kehrt sich die Forderung nach Anerkennung, Wertschätzung und Bewunderung der kulturellen, linguistischen und religiösen Differenz um. Nun sind es die Minderheiten, denen Toleranz und Respekt vor den Traditionen der Mehrheit abverlangt wird. Diese merkwürdige Umkehrung der Toleranzidee …

Die xenophoben Alteingesessenen würden sich hinter ihren verkrusteten Institutionen verstecken? Dann also auf zum „Marsch durch die Institutionen“ im Stile der rebellischen Studentenbewegung der siebziger Jahre, nun allerdings als schariatisch orientierter Legalist. Frau Karakaşoglu-Aydın, unsere Grundrechte sind in der Tat nicht verhandelbar.

Indirekt wird die bundesrepublikanische Gesellschaft als minderheitenfeindlich dargestellt und die Parteinahme für die Scharia mit dem Charme des Jugendbewegten und Gegenkulturellen umgeben. „Sobald es ernst wird“ heißt ungefähr „ihr spielt mit uns“, ein Vorwurf allerdings, der in Teilen leider stimmt und den die Schariafreunde aus der Deutschen Islamkonferenz (DIK) durchaus an Gastgeber Wolfgang Schäuble richten könnten: „Ihr Scheindemokraten redet doppelzüngig von Religionsfreiheit, doch sobald wir die familienrechtliche Scharia fordern mit Allahs Zwangsheirat, mit der dreizehnjährigen Braut, mit Polygamie und mit der geheiligter Verstoßung der Ehefrau, dann enthaltet ihr uns entfremdeten und marginalisierten Einwanderern die grundgesetzlich garantierte Religionsfreiheit vor!“

3. [Proske/Radtke] Weil die Aufgabe der Schule traditionell darin gesehen wird, den Zusammenhalt der Gesellschaft zu gewährleisten fällt ihr der Umgang mit Differenz besonders schwer.

So weit Karakaşoglu-Aydın mit „Differenz“ den eingewanderten Fundamentalismus meint, ist dieses den Lehrerzimmern und Kultusministerien attestierte Unbehagen („fällt schwer“) durchaus zu begrüßen.

Scharia wird trickreich umetikettiert zur „Differenz“, was in den Alteuropäern ganz gezielt Schuldgefühle erwecken soll. Wer jetzt noch länger den Ansprüchen der islamischen Orthodoxie widerspricht, kann ja nur eurozentrisch und fremdenfeindlich motiviert sein.

3-4. [Proske/Radtke] Gesucht werden Ordnungsmodelle, die den Bereich der gesellschaftlich-politischen Gemeinsamkeit zuverlässig von der Sphäre privater Besonderheit trennen, aber auch in der Lage sind, einvernehmliche Lösungen für die neuralgischen Überschneidungszonen bereitzustellen.

Fordert die Autorin beziehungsweise fordern Proske und Radtke mit ihrem Aufruf nach Neubestimmung der Grenzen zwischen „dem Privaten“ und „dem Öffentlichen“ das parallelgesellschaftliche Außerkraftsetzen des Grundgesetzes im Bereich des patriarchalischen Familiengefängnisses nach dem Motto: „Haltet euch da raus, das ist unsere Kindererziehung und Sexualpolitik!“? Dann wäre Karakaşoglu-Aydın neben Amir Zaidan, Nilüfer Göle und Tariq Ramadan zu den exponiertesten europäischen Vorkämpfern der Schariatisierung zu rechnen. „Einvernehmliche Lösungen“ könnte auf einen Staatsvertrag hinauslaufen. Die Bremer Autorin will die Rechtsspaltung und sollte sich schleunigst auf den Boden des (für alle geltenden, sogar für Frauen!) Grundgesetzes zurück bewegen.

4. [Proske/Radtke sagen über die Autorin] Ihre Hoffnung setzt sie auf „dialogische Vermittlung“, deren Ziel neue regulative Ideen, deren Voraussetzung aber Rechtsgleichheit und gegenseitige Anerkennung wären.

Hier wird mit den Worten „Rechtsgleichheit“ und „gegenseitige Anerkennung“ vordergründig harmlos klingend nach „Chancengleichheit“ und „Gleichberechtigung für alle“ gerufen, was wir gut zu finden haben und sogar gut finden. Kenner der differenziert diskriminierenden Scharia hingegen sind alarmiert und müssen selbstverständlich ausrufen: „Keine geheiligte Frauendiskriminierung, keine Rechtsspaltung in Zonen islamischen Rechts!“ Erkennbar wird, dass Proske und Radtke vom Islam ganz offensichtlich keine Ahnung haben. Staatsvertraglich geregelte „gegenseitige Anerkennung“ mit einer intoleranten, antidemokratischen (islamischen) Rechtsordnung darf es niemals geben. Wir können auch anders: Wir anerkennen den orthodoxen (politischen) Islam – als Antimoderne, „wir anerkennen“ heißt dann aber: Wir haben zu verhindern.

So weit das von Dr. Matthias Proske und Prof. Frank-Olaf Radtke (beide Fachbereich Erziehungswissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt) im November 1999 angefertigte jedenfalls unterzeichnete Vorwort zur im Rahmen des Seminars »Die Grenzen der Toleranz in der Einwanderungsgesellschaft« am 9. Juni 1999 gehaltenen Rede der Bremer Erziehungswissenschaftlerin.

Nun zur Rede der Frau Dr. Karakaşoglu-Aydın »Wer definiert die Grenzen der Toleranz. Kopftuch, Koedukation und Sexualkundeunterricht«.

5. In der gegenwärtigen pädagogischen Debatte ist es durchaus umstritten, ob eine durchgängige Koedukation tatsächlich die Gleichberechtigung der Geschlechter fördert.

Dem stimmen wir als langjährige Praktiker einer gleichheitsfeministisch und aufklärungshumanistisch orientierten, reflektierten Mädchenarbeit und einer ebensolchen Jungenarbeit bedingt zu, obwohl wir uns gerade im Bereich der Pädagogik als Gegner der Autorin vermuten müssen. Dass Dr. Karakaşoglu-Aydın an einer Gleichberechtigung der Geschlechter außerhalb der von Allahgott vorgeschriebenen Grenzen überhaupt Interesse hat, würden wir sehr begrüßen.

Mädchen und Jungen ist die wechselseitige Anwesenheit auch beim Mathematikunterricht oder Sportunterricht ebenso zuzumuten, wie sie auch einmal ein paar Stunden lang ohne das andere Geschlecht auskommen können. In der Erlebnispädagogik gilt es etwa, das dem Patriarchat entsprungene Klischee des „die Mädchen kochen, die Jungen bauen das Zelt auf“ ganz bewusst aufzubrechen und die Jungen „weibliche Tätigkeiten“ (Speisezubereitung, Putzen) machen zu lassen beziehungsweise den Mädchen traditionell als „männlich“ deklarierte Rollen (wie eine Fahradtour oder Bergwanderung ohne Jungs) einüben zu lassen. Eine „blinde Koedukation“ beseitigt Geschlechterklischees und Sexismen in der Tat keineswegs.

Redet sie denn wirklich so undeutlich zu uns, will Erziehungswissenschaftlerin Karakaşoglu-Aydın denn überhaupt das in der kulturellen Moderne erstrebenswerte gemischtgeschlechtliche Großraumbüro oder das von Frauen wie Männern jeder Religion, Ex-Religion oder Nichtreligion gleichzeitig benutzte öffentliche Schwimmbad? Die Autorin mag es uns doch einfach erklären. Oder verkauft sie uns die islamische, an der kulturrassistischen und sexualmagischen Scharia ausgerichtete Geschlechtertrennung als Beitrag zur nützlichen geschlechtssensiblen Pädagogik? Das allerdings wäre doch wohl eher ein Missbrauch der wesensgemäß mit gegengewichtsartiger Zeitweiligkeit, gesamtgesellschaftlicher Integration, gleichheitsfeministischem Aufklärungshumanismus und wissenschaftsorientierter Emanzipation zunehmend einhergehenden, von Frau Dr. Karakaşoglu-Aydın zur Untermauerung der eigenen Argumentation kalkuliert herangezogenen geschlechtsspezifischen Jungenarbeit beziehungsweise geschlechtsspezifischen Mädchenarbeit.

5-6. Von einem [bewussteren] Ansatz geht die mittlerweile als pädagogischer Ansatz grundsätzlich anerkannte parteiliche Mädchenarbeit aus, die dem Koedukationsparadigma den geschlechtsspezifischen Ansatz entgegensetzt.

Genau dieses machen wir jeden Tag, dabei die Kinder aus säkular-christlichen, aus eher atheistischen, muslimischen, jüdischen oder ex-muslimisch geprägten Familien in die Mädchengemeinschaft oder aber in die Jungengruppe integrierend. Dabei wollen wir die Koedukation und berücksichtigen das koedukative Lernen jedes jungen Menschen recht genau.

6. Wichtiger Bestandteil dieser Arbeit ist, dass Jungen nicht mit einbezogen werden und die Arbeit nur von weiblichen Fachkräften durchgeführt wird.

Das ist selbst uns als Praktikern des nonkoedukativen Ansatzes zu muffig und vor allem ohne Bekenntnis zu einer Struktur der bewussten Ergänzungen zur lebensweltlichen Koedukation (!). Für Kinder und Jugendliche sind die Nachmittage, Wochenendreisen und Sommerfreizeiten der Selbsterfahrung und des Gemeinschaftserlebnisses mit den ungefähr gleichaltrigen Wesen der eigenen Geschlechtsklasse als den „Menschen des eigenen Selbst“ ein hervorragender Trittstein, Fairness eben auch mit dem anderen Geschlecht zu erlernen, nämlich die „weiblichen“ und „männlichen“ Seelenanteile in sich selbst auszubauen und ihre kulturell und traditionell ererbten Dogmen zu hinterfragen. Die damit durchaus auch einer Meditation ähnelnden Zeiten der gleichgeschlechtlichen und dabei durchaus ganz bewusst dem Abbau von Machismo, weib-weiblicher Aggressivität à la Zickenterror sowie beziehungsweise damit dem Abbau von Homophobie dienenden ausgleichenden Gegengewichte zur wünschenswerten Norm (und schlichten Realität) des gemischtgeschlechtlichen weltbürgerlichen Alltags des Kindes oder Jugendlichen setzt die Mädchen- und Jungenarbeit bewusst ein, um gegen Geschlechterchauvismismus, Gruppenchauvinismus und Fundamentalismus zu immunisieren, nicht zuletzt dem islamischen.

„Jungen nicht mit einbezogen“ (Autorin) wird diesem genannten Anspruch womöglich in keiner Weise gerecht, denn der nationalsozialistische BdM war, derartig vordergründig betrachtet, ja auch „geschlechtsspezifischer Ansatz“. Auch die extremistische, sehr zu Recht vom Verfassungsschutz beobachtete und der Muslimbruderschaft nicht allzu fern stehende Milli Görüş um Necmettin Erbakan (*1926) und Dr. Yusuf Zeynel Abidin (1939-1986, Muslimbruder, Europarepräsentant der Muslimbruderschaft, Vater von Emel Abidin-Algan genannt Emel Zeynelabidin) betreibt auf den ersten Blick eine solche irgendwie „grundsätzlich anerkannte parteiliche“ getrenntgeschlechtliche Mädchenarbeit und Jungenarbeit. Denn auch Milli Görüş, von deren leider nach wie vor einflussreicher, sexualisierter und antimoderner Pädagogik sich Erziehungswissenschaftlerin Karakaşoglu-Aydın nicht hörbar distanziert, lässt unter Berufung auf die Wohlverhaltensdoktrin Allahs ganz gerne „die Arbeit nur von weiblichen Fachkräften“ durchführen. Wahhabiten oder Taliban sind dann die berufensten Experten für jene bewusst zum islamischen Fundamentalismus und zum ersehnten Gottesstaat erziehende Geschlechtertrennung, welche die Sozialpädagogik einer nachhaltigen kulturellen Moderne allerdings nun gar nicht wollen kann.

Herr Tariq Ramadan hat Einreiseverbot in die USA. Ramadan ist zugleich der höchstrangige europäische Funktionär des organisierten, etwa ein Jahrhundert alten Islamismus (mit Thomas Meyer: Fundamentalismus als „Aufstand gegen die Moderne“). In der dem faschistoiden Islamismus arbeitsteilig zugeordneten, nicht weniger herrschaftskulturellen Pyramide der dem vorindustriellen, klassischen Islam entstammenden Orthodoxie und Theokratie entspricht ihm Bosniens Großmufti Mustafa Cerić.

Herr Ramadan folgte am 04.04.2009 der Einladung der deutschen Milli Görüş zum „Uniday 2009“ in die Dortmunder Westfalenhalle. Der Sohn des Muslimbruders Said Ramadan rief die 3.000 (Islamische Zeitung: 4.000) Anwesenden ja womöglich zur Etablierung der islamischen Gegenkultur und Gegenmoderne auf mit Sätzen wie: „Wir sind europäische Muslime und nicht Muslime in Europa. Wir haben multiple Identitäten und müssen dazu stehen“, „Wo immer ihr seid, habt ihr eine Verpflichtung. Ihr müsst vermitteln“ oder: „Wir wollen endlich von dem Begriff Integration weg – zu dem Begriff Partizipation! (4)“ Die Islamische Zeitung (um den Konvertiten Andreas Abu Bakr Rieger entstanden) zitiert Ramadan unter dem Hinweis auf die laut Ramadan wünschenswerten „multiplen Identitäten der Muslime in Europa“ so: „Muslime sollen sich integrieren, aber ihre eigene Identität beibehalten. Es wird nicht bei der Integration bleiben! (5)“

Ermunterte uns Frau Dr. Karakaşoglu-Aydın 1999 in Frankfurt ja womöglich, über genau die Fragen nachzudenken, die ein Tariq Ramadan zehn Jahre später in Dortmund beantwortet? „Erneuerung durch Wiederholung“ jedenfalls hieß das Motto des zweiten Uniday (2009), zu dem Celal Tüter (IGMG) ausführte: „Wer nicht wiederholt und zurückblickt kann sich nicht erneuern, sich nicht bessern. Eine gesunde Beziehung zur Vergangenheit wird zu einer optimalen Zukunftsgestaltung führen! (5)“ Die IGMG verwendet die Pädagogik des Kopftuchs und die Pädagogik der Geschlechtertrennung, die imaginierte unsichtbare Scharia umflattert die ganze Sache wie Allahs mahnend erhobener Zeigefinger und fordert die teilweise Selbstaufgabe und permanente Verhaltenskontrolle. Celal Tüter ist Leiter der Jugendabteilung der Milli Görüş und damit pädagogisch tätig (taz: Jugendarbeit im Dienste Allahs (6)). Auch Herr Tüter vertritt ja vielleicht genau jenen „geschlechtsspezifischen Ansatz“, den die erziehungswissenschaftliche Akademikerin Karakaşoğlu-Aydın uns wärmstens zu tolerieren empfiehlt.

7-8. Die türkisch-muslimische MigrantInnengesellschaft

Dieses große „i“ wirkt ja sehr modern und feministisch, da gibt der Durchschnittsintegrationsbeauftragte sogleich das weitere Denken an der Abendkasse ab. Ich vermisse die „türkisch-atheistische MigrantInnengesellschaft“. Sind denn säkulare Muslime mit gemeint, und wie säkular dürfen diese dann sein? Und überhaupt, was glauben die Kinder und Enkelkinder dieser von Karakaşoglu-Aydın umrissenen Sorte oder Klasse Mensch namens muslimische Türken oder türkische Muslime? Und wie türkisch sind die Passdeutschen der zweiten oder dritten Generation? „Türkische Muslime“ lautete es im Buchtitel der Autorin aus dem Jahre 1994, herausgegeben von einem nordrhein-westfälischen Ministerium.

Glaubenswechsel ist hier womöglich nicht vorgesehen, könnte man meinen, damit aber wäre ein Anspruch der Scharia erfüllt und ein Artikel des Grundgesetzes (Religionsfreiheit) übergangen.

Wir müssen beides tun, „kulturalisieren“ mit dem Ziel der Integration sprich Demokratisierung aller (leider realen und sehr wirksamen) ethnisch-religiösen Kollektive, gerade auch familiäre Gewalt, familiären oder milieubezogenen Fundamentalismus, Jugendkriminalität oder einheimischen wie zugewanderten Antisemitismus und Extremismus betreffend, und wir müssen gleichzeitig „nicht kulturalisieren“, um die für jede Präventionsarbeit oder Integrationsarbeit notwendigen Nullpunkte der Koordinatensysteme oder durchschnittlichen Normwerte zu bestimmen. Gegen die Verwendung des Begriffs „türkisch-muslimische MigrantInnengesellschaft“ ist nicht grundsätzlich etwas einzuwenden. Doch gegen die beispielsweise von den Integrationsräten und Ausländerbeiräten wie der LAGA NRW (7) vertretene Werbung für die „multikulturelle“ Gesellschaft möchten an den universellen Menschenrechten orientierte Sozialarbeiter warnen, da damit die Zunahme an ethno-religiöser Segregation (kalifatsähnliche Struktur) verschleiert oder bagatellisiert wird.

Die nordrhein-westfälische LAGA distanziert sich nicht von der Scharia, sondern kehrt die wünschenswerte Verhinderung der (fundamentalistischen, familialistischen) Parallelgesellschaft und der schariatischen (kulturrassistischen) Gegengesellschaft gekonnt um, indem sie jede bloße Benennung (Denken heißt Unterscheiden) der prekär integrierten Milieus als „Ethnisierung“ und „Kulturalisierung“ in die Ecke des deutschen Nationalismus und der rassistischen Fremdenfeindlichkeit schiebt (7). Die LAGA nimmt uns die Sprache, das Handwerkszeug. Integrationserfolg und Integrationsmisserfolg wird so nicht länger messbar.

Damit tun die Integrationsräte und Ausländerbeiräte, vielleicht ohne das zu beabsichtigen, den Deutschland ganz grundsätzlich willkommenen Einwanderern nun allerdings gar keinen Gefallen. Es muss uns darum gehen, Zwangsheiraten und Ehrenmorde zu verhindern, dazu gehört auch die Aufklärung über die islamische arrangierte Ehe mit den durch ihr Schweigen oder Weinen zustimmenden hanafitischen Importbräuten oder extrem minderjährigen Bräuten zuzüglich gelegentlicher Zweitfrauen. Dazu gehört die Forschung und das Informieren über den patriarchalischen namus-Ehrbegriff (nāmūs) mit der archaischen Logik des Tochtertausches und der Zwangsverlobung der Kinder. Auch zum entwürdigenden Jungfräulichkeitskult von altorientalischem namus wie orthodox islamischer Scharia schweigt die LAGA „differenziert“ und „kultursensibel“. Der Nebelschleier der politisch korrekten Sprachlosigkeit beginnt die zu scheitern drohende Integration zu umwölken. Vorwärts, avanti, venceremos, auf zum Integrationsfest …

Dr. Klaus Gebauer (8) wirbt in einer LAGA-Publikation mit dem Aufsatz „Islamischer Religionsunterricht – Es wird Zeit! Wir brauchen ihn!“ (Titel wie genannt, in: Aus vielen Quellen schöpfen. Mehrsprachigkeit, religiöse und kulturelle Identität – eine Bereicherung für diese Gesellschaft, Seite 51-64) für den flächendeckend einzuführenden islamischen Religionsunterricht. Diesen stellt sich Gebauer erfreulicherweise als mündig machend, zur Kritik befähigend, das Überwältigungsverbot garantierend vor. So einen Islamunterricht stellen wir uns ja vielleicht auch vor. Das Wort Scharia erwähnt Gebauer nicht. Beim Suchlauf nach „islam“ ergeben sich in der LAGA-Veröffentlichung „Aus vielen Quellen schöpfen“ mehr als 150 (in Worten: hundertfünfzig) Treffer, das klingt ja richtig herzhaft islambegeistert, indessen finden wir beim Suchen nach „scharia“ „sunna“, „kopftuch“, „fiqh“, „fatwa“ jedes mal 0 Treffer, in Worten: Null; nichts, nothing, rien, niente, nada. Ich vermute, nach wali mudschbir brauchen wir nicht zu suchen. Was für einen Islam beschwört der freundliche Herr Gebauer uns denn da und schmuggelt uns die LAGA in Schule, Rathaus und Jugendamt hinein?

Gebauer arbeitet am in Soest ansässigen Landesinstitut für Schule und ist seit dem iranischen Revolutionsjahr, pardon, seit 1979 (seit drei Jahrzehnten) im Auftrag des Kultusministeriums mit der Erstellung „eines Curriculums für die religiöse Unterweisung von Schülern islamischen Glaubens“ befasst. Wie gesagt, das Wort „Überwältigungsverbot“ stimmt etwas hoffnungsvoll. Das reicht aber nicht. Denn andererseits: Dreißig Jahre Islam befördern – und von Scharia kein Wort gehört? Warum verschweigt uns Gebauer die Scharia beziehungsweise distanziert sich nicht hörbar von der Scharia? Gebauer dozierte im September 2004 auf dem 29. Deutschen Orientalistentag der Deutschen Morgenländische Gesellschaft zum Thema „Islamunterricht in Nordrhein-Westfalen – Ein Modellversuch“, ohne Frage der geeignete Referent (8). Nun ja, dann eben Islam ohne Scharia. Müsste mir eigentlich ganz recht sein.

Vorsitzender der LAGA NRW ist Tayfun Keltek, Mitautorin der erwähnten Broschüre („Aus vielen Quellen schöpfen“) war Sanem Kleff von der Lehrergewerkschaft (GEW Berlin) und war die wiederholte Verteidigerin der Kopftücher und der arrangierten Ehen Prof. Dr. Ursula Boos-Nünning (mündlich: „Die werden nicht unterdrückt!“). Sanem Kleff leitet die bundesweite Aktion „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, gibt die auf den ersten Blick verhalten antideutsch, antietatistisch und proislamisch wirkende Schülerzeitung Q-rage heraus (Auflage eine Million). Q-rage lästert zwar nicht über die Hamas oder Muslimbruderschaft, dafür jedoch über evangelikale Christen, die sie im November 2008 unter Verzicht von Korankritik und Schariakritik mit den terrornahen Islamisten verglich (9). Pädagogin, Interkulturalitätsfachfrau und GEW-Funktionärin Kleff ist seit einem halben Jahrzehnt eher für das Lehrerinnenkopftuch und eher gegen Korankritik aktiv, dabei aber ganz entschieden gegen Rassismus und für Toleranz (10).

7-8. Das Grundgesetz als „imperative“ (L. Berger 1997) Vermittlungsinstanz zwischen den Positionen. … Im Gegensatz zur imperativen Vermittlung … [der staatlichen Gerichte und ihrer Urteile will die] „pragmatische“ Vermittlung [spontan ausdiskutieren und beschließen und die] „dialogische Vermittlung“ … normative Unterschiede direkt aufgreifen und nicht nur nach einem pragmatischen sondern ideenbildenden Kompromiß suchen

Good vibrations, legalize it, Weihrauch- oder noch ganz anderer Pflanzenduft durchströmt die Hippie-Kommune. Oder vielmehr ein Hauch von Rechtsspaltung? Wenn wir konzeptionell und organisiert bundesweit Foren außergerichtlicher Vermittlung stiften, nähern wir uns de facto der Schaffung einer zweiten Ebene von Gerichten, nur dass dort eben kein „imperativer“ (hach, wie repressiv und ewiggestrig!) säkularer bundesdeutscher Paragraph länger bemüht werden muss, sondern ein multikultureller Mix aus Bauchgefühl, Wut, Kreativität und Scharia-Islam.

Wir sind Utopia, so benannte Dichter Stefan Andres (1942) einen großartige Roman zum Thema menschlicher Freiheit und Schuld, in dem der idealistische, innerlich fraglos autonome Held Paco, Matrose, nun Gefangener, vormals jedoch Mönch, dem Lagerkommandanten die Beichte abnehmen soll und dabei die Gelegenheit hätte, ihn zu töten wie auch seine Mitgefangenen zu befreien. Was er nicht tut und woraufhin er von seinem seltsamen, religiös symbolischen und minutenlang realen Schützling und wochenlangen grausamen Wächter hingerichtet wird. Es betrat Paco „Utopia“ und Zerstörung zugleich, dieser Freund der uns von Pädagogin Karakaşoglu-Aydın ans Herz gelegten Rechtsfindungspraxis „dialogischer Vermittlung“, Das Beispiel passt nur mäßig, denn anders als der Strafgefangene in einer Diktatur „Paco“ verspielen wir unsere in vielen Generationen errungene säkulare Freiheit vor dem zugewanderten geheiligten Kulturrassismus (šarī’a, fiqh) einstweilen ohne jede Not, sondern eher aus „dialogischer“ Langeweile, aus geradezu suchthafter und dabei in der Sache eher unkundiger Xenophilie, aus Karrieregeilheit oder aus masochistischer Lust an der Unterwerfung. Vielleicht bereits aus Machtkalkül, schon bald Mitmensch und Mitsadist im durchaus möglichen Kalifat zu werden.

8. Ziel [der dialogischen Vermittlung] ist es, die Parteien zu der Erkenntnis zu bringen, dass die jeweilige ’Gegen’-Partei ebenso legitime Identitäts- und Existenzansprüche vorbringt wie sie selbst.

Ich als Schiffbrüchiger mit nur einem Menschen auf der Insel, der Kannibale hat Hunger. Wetter ok, Strand super, nächste Fähre in zwei Wochen sicher, bis dahin Fisch und Obst satt. Aber nein, der Mann ist legitimer Menschenfresser, existenzieller Kannibale. Und dem Mann knurrt der Magen.

Wir wissen, dass der Scharia-Islam Existanzansprüche stellt, die allerdings die FdGO anknabbern. Die Scharia mag ja vor Allahgott legitim sein, das jedenfalls ist islamisches Recht. Islam ist Recht, aber kein deutsches. Das Menschenbild der Scharia ist mittelalterlich oder in Teilen (schafiitische FGM bzw. al-Azhar-FGM) sogar in ihrer Wurzel vorgeschichtlich. Über eine Art von geheiligtem Faschismus wird sich die angewendete Scharia nicht hinaus entwickeln können. So einer Lebensweise brauchen wir nicht die „ebenso“ gleichen Entfaltungsmöglichkeiten einzuräumen wie den deutschen Grundrechten (1948) und allgemeinen Menschenrechten (1949).

Karakaşoglu-Aydın wirbt für genau jene multikulturelle (diskriminierende) Rechtsfindung, wie sie im Londoner Stadtteil Leyton betrieben wird. Dort in der Straße Francis Road Hausnummer 34 ist genau jene alternative Instanz der die staatlichen Gerichte vermeidenden Vermittlung ansässig, die sich unsere Bremer Erziehungswissenschaftlerin vorstellt: Islamic Sharia Council. Wohlverhalten zeitigt auch gleich noch den Platz im Paradies, da kann das säkulare Gericht zugegebenermaßen nicht mithalten. Witzig ist die Sache indes gar nicht, denn die Angst vor der Höllenstrafe beziehungsweise vor sozialer Ächtung wird es den jungen Frauen schwer machen, aus der parallelen Welt der Rechtsfindung heraus zu kommen und den Weg zu Polizei, Rechtsanwalt, Frauenhaus und Staatsanwalt zu finden.

Für solche womöglich demokratiegefährdenden Gedankenspiele, wie Frau Karakaşoglu-Aydın sie betreibt, sollten wir unsere Erziehungswissenschaftler eigentlich ganz bewusst nicht bezahlen.

8. Nicht selten wird auf das Selbstverständnis des Islam als „Der Islam ist Religion und Staat“ hingewiesen und damit eine grundsätzliche Unvereinbarkeit mit westlichen Vorstellungen von Demokratie unterstellt.

„Nicht selten“? Leider etwas zu „selten“. „Unterstellt“ ist durchaus möglich und wäre dann sogar noch völlig richtig! Damit hätte Frau Karakaşoglu-Aydın, kaum zu fassen, zum Thema politischer (orthodoxer) Islam auch mal einen Treffer gelandet. Und dabei auch noch die passende Formel zitiert, al-islām dīn wa daula, die in ihrer Kürze und Wortfigur zwar dem neunzehnten Jahrhundert entstammen soll, sich jedoch auf nahezu eineinhalb Jahrtausende Geschichte berufen kann und auf die real existierenden heutigen Islamverbände, Moscheegemeinden und Muslimbrüder gleich mit.

Im Übrigen besteht in Deutschland Religionsfreiheit und kann hier jeder ein Gebet zu einer Göttin oder einem Gott seiner Wahl sprechen. Die Autorin scheint gezielt den Eindruck erwecken zu wollen, in der Bundesrepublik Deutschland würde das Grundrecht auf Religionsfreiheit mit Füßen getreten und wären Muslime eine diskriminierte religiöse Minderheit. Ein paar fromme Gebete irgendeiner Lehre zwischen Taoismus, Zarathustra und Bahá’í oder ein paar unfromme Verse der Herren Feuerbach, Marx oder Nietzsche, an ein paar Engel oder Teufelchen auch Orishas des Santería glauben oder an die Wiedergeburt oder auch Atheist sein, das alles ist in Europa für jeden möglich und du darfst sogar jedes Jahr eine neue Religion haben wenn es dir Spaß macht. Anders als in Pakistan oder Somalia und übrigens auch anders als von Koran und Hadithen vorgesehen! Der Spruch al-islam din wa daula ermahnt uns säkulare oder sonstige Weltbürger:

Islam ist daran zu hindern, Staat zu werden.

Sehr gehrte Frau Karakaşoglu-Aydın, hier in Deutschland ist das Volk oberster Souverän, nicht die Gottheit. Das Konzept des Demokratiehassers Sayyid Qutb von der gesellschaftlichen hakimiyyat allāh möchten wir „citoyens et citoyennes“ gemeinsam mit den Ex-Muslimen oder den dissidenten und gefährdeten säkularen (antischariatischen) Muslimen keinesfalls tolerieren müssen, nur weil eine wissenschaftlich vergütete Bremer Universitätsprofessorin im Februar 2006 in den Schmerzensschrei „Gerechtigkeit für die Muslime!“ ausbrach (12).

10. Unterrichtsbefreiung aus religiösen Gründen

Antrag abgelehnt. Es gilt die Schulpflicht.

Buddhisten, Fußballspieler, Muslime, Atheisten oder Taubenzüchter stehen nicht unter Naturschutz, sie alle müssen bei „Rot“ an der Ampel warten, ihre Steuererklärung beim Finanzamt einreichen und alle werden bei unterlassener Hilfeleistung belangt oder haben Krankenwagen im Einsatz beziehungsweise fahrende Busse nicht anzugreifen.

Bekannt sind die Klagen von Pädagogen und Pädagoginnen über den Widerstand eines Teils der muslimischen Eltern gegenüber der Teilnahme ihrer Kinder auch am Biologie-Unterricht (vor allem wegen den Unterrichtseinheiten zur Sexualkunde und der Evolutionstheorie), und der Versuch, die Kinder vom Besuch dieses Unterrichts zu befreien.

In der Tat wird uns der von den Parteigängern der politischen Scharia verweigerte oder staatlicherseits durchgesetzte schulische Bildungsauftrag noch jahrelang beschäftigen. Kinder aus Familien der bibeltreuen Zwölf Stämme, der Zeugen Jehovas oder evangelikaler Kreationisten unterliegen ebenfalls diesem Druck der Familie, dem wissenschaftlich ausgerichteten Denken und Lernen Scheuklappen anzulegen.

Im Mai 2005 wies das Verwaltungsgericht Düsseldorf die Klage der einem orthodoxen Islam anhängenden Eltern eines Jungen ab und beschloss, dass dem Jungen der koedukativ erteilte Schwimmunterricht zuzumuten sei (13). Im Mai 2008 verkündete das Verwaltungsgericht Düsseldorf, dass eine Tochter aus orthodox-islamischem Elternhaus am koedukativ erteilten Schwimmunterricht teilnehmen muss (14).

Erziehungswissenschaftlerin Karakaşoglu-Aydın unterstützt ganz offensichtlich jene europaweit vernetzten und hart agitierenden Legalisten, die mit Rechtsanwälten wie dem Bonner Konvertiten Yahya Martin Heising versuchen, unter Berufung auf Religionsfreiheit und bei Darstellung eines angeblichen Gewissenskonfliktes, den (angeblichen) islamischen Wohlverhaltenskodex gegen den staatlichen Erziehungs- und Bildungsauftrag durchzusetzen (15).

11. Zur Frage des Sexualkundeunterrichts gibt es von islamischer Seite Vorschläge, wie ein Kompromiß zwischen den Positionen erreicht werden könnte.4 [siehe auch Fußnote 4]

Fußnote 4 gibt eine Lektüreempfehlung dessen, was Dr. Yasemin Karakaşoğlu unter der „islamischen Seite“ versteht: Adnan Aslan: „Geschlechtererziehung in den Schulen und die islamische Haltung“, Institut für islamische Erziehung (Hg.), Stuttgart 1996. Adnan Aslan wird unter kitapshop.de vertrieben (16), dort empfiehlt man lesefreudigen Glaubensbrüdern und -schwestern, die Veröffentlichungen folgender Publikationsorte zu studieren: Islamisches Zentrum Hamburg (Schia), Islamisches Zentrum Aachen (jetzt ZdM, vorher IGD, noch vorher Muslimbruder Issam el-Attar), Islamisches Zentrum München (heute ZdM, früher IGD, einstiger Leiter war der mittlerweile oberste Führer der Muslimbruderschaft Mohammed Mahdi Akef), das nur zum Buchstaben „i“, kitapshop empfiehlt damit Schriften der deutschen Unterorganisationen der weltweiten Muslimbruderschaft (MB) und der Teheraner Mullahs gleich mit. Das ist schön vollständig, doch sollte eine Erziehungswissenschaftlerin uns ein paar Worte der Kritik am Erziehungsansatz und Menschenbild der MB um Akef (Dschihad, FGM, Kalifat, Streben nach der Vernichtung Israels) und an der Pädagogik des Staates Iran seit Chomeini (Allahkratie, Apostatenmord, Wunsch nach der Zerstörung Israels) bekunden.

Herr Aslan wird auch unter buchara-versand.de verkauft, etwa seine Werke „Religiöse Erziehung der muslimischen Kinder“ und „Geschlechtererziehung in den öffentlichen Schulen“ (17). Der klassisch islamisch ausgerichtete Online-Handel hält das Frauenbild und die Ehevorstellung des im Jahre 1111 verstorbenen Extrem-Theokraten al-Ghazali (Das Buch der Ehe – Kitab adabi n-nikah) für islamisch und verkauft es uns in deutscher Übersetzung. Mit einem wörtlich genommenen al-Ghazali sind universelle Menschenrechte, Gleichberechtigung der Frau oder Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland schlicht unvereinbar. Beim Buchara-Versand ist der Risale-i Nur (Bediüzzaman Said Nursi) ebenso erhältlich wie die Schrift „Muslime im Westen“ (Tariq Ramadan), ferner sind dort die fundamentalistischen Machwerke des Leugners der Evolutionstheorie Harun Yahya zu erstehen.

Auch das Buch „Gleichwertigkeit der Geschlechter im Islam“ des gebürtigen Ägypters und emeritierten kanadischen Professors, des begeistert homophoben Verteidigers der Polygynie Dr. Jamal Badawi aus Halifax, Nova Scotia, darf in diesem Buchversand nicht fehlen. Jamal Badawi ist Mitglied im kanadischen fiqh-Rat ISNA, sein reaktionäres: „Gender Equity in Islam“ ist auf Englisch zu lesen unter: soundvision.com/Info/gender. Wir dürfen uns sicherlich erlauben, Karakaşoglu-Aydın als brave Nachfolgerin (taqlīd) der Herren Tariq Ramadan und Jamal Badawi zu betrachten, wann immer sie von „muslimischer Mann“, muslimische Frau“ und, im Bereich Schule und Erziehung, von „muslimischer Junge und muslimisches“ Mädchen spricht. Wer als gebildete Muslima Ramadan oder Badawi lobend zitiert, stellt sich hinter das Konzept der nikah, der frauenentrechtenden Imam-Ehe. Wir warnen alle Leser dringend vor der reaktionären, theokratischen und repressiven „islamischen Religionspädagogik“ der Herren Dr. Ramadan und Dr. Badawi, die mit persönlicher, autonomer Spiritualität oder mit dem Ungewissheitsvorbehalt jeder Wissenschaft sehr wenig, dafür mit Kollektivismus, Modernitätsverweigerung, Familialismus, Wohlverhaltenskontrolle und Schariavorbehalt sehr viel zu tun hat.

Karakaşoğlu, inzwischen (2006) als Kämpferin (Gerechtigkeit für die Muslime) gegen die mutigen Menschenrechtsaktivistinnen Seyran Ateş, Necla Kelek oder Ayaan Hirsi Ali bekannt geworden empfiehlt uns 1999 als islamische Autoritäten zu Erziehungsfragen, öffentlichem Schulwesen, Bildungspolitik und Integrationspolitik die Funktionäre aus dem Dunstkreis der Muslimbruderschaft, die mit ihren europäischen Unterorganisationen wie FIOE, FEMYSO, UOIF (französisch) und IGD (deutsch) einer allumfassenden (totalitären) Scharia zum Durchbruch verhelfen will mindestens im Sinne einer staatsvertraglich geregelten Rechtsspaltung. Als Nahziel sieht die Muslimbruderschaft das eigene Scharia-Familienrecht für die „Nation der Gläubigen“ vor, daher das auffällige, Europäern vielleicht gar nicht nachvollziehbare Interesse nahezu aller islamischen oder islamistischen Autoritäten von Milli-Görüş-Bewegung bis ECFR für die Themen islamische Rolle der Frau, „muslimische Gleichberechtigung“ und durchgesetzte Verschleierung.

Das Kopftuch ist nicht erst politisiert worden, es ist immer hoch politisch gewesen. Politikum Kopftuch.

Prof. Dr. Adnan Aslan wurde 1959 im nordostanatolischen Bayburt geboren. Gute zwei Jahrzehnte später habe er in Krefeld und Köln Sozialwesen studiert (1981-82) und habe sein Diplom als Sozialpädagoge in Esslingen erworben. Aslan sei nacheinander für die Arbeiterwohlfahrt Stuttgart, das Sozialamt Tübingen und das Deutsche Rote Kreuz Heilbronn tätig gewesen und habe in der Erwachsenenbildung gewirkt. Heute leitet der Schariafreund das Institut für islamische Erziehung (Schwerpunkt: Entwicklung von Lehrplänen für den Islamischen Religionsunterricht, Entwicklung islampädagogischer Lehrerdidaktik). Mit einer Arbeit zur religiösen Erziehung muslimischer Kinder in Österreich und Deutschland habe er 1996 einen akademischen Titel im österreichischen Klagenfurt (Kärnten) erworben. Seine Homepage adnan-aslan.com titelt: Islamische Religionspädagogik und Didaktik, Prof. Dr. Mag. Adnan Aslan.

Heute lebt Aslan in Wien, und wer im Internet nach „Neustiftgasse 117“ sucht, erfährt, dass man sich dort (www.islamologie.info) zwar nicht zur Fortbildung in Islamwissenschaft (historisch-kritische Methode, Ratio) anmelden kann, dafür gleich zur Ausbildung in „Islamologie“ (fundamentalistische Methode, Esoterik) und dass im selben Haus die Islamische Religionspädagogische Akademie (IRPA) ansässig ist.

IRPA (Neustiftgasse 117) denkt weltweit. In die Räumlichkeiten der IRPA lud der Direktor des Islamischen Religionspädagogischen Instituts (IRPI, Adresse ebenfalls Neustiftgasse 117, Träger: IGGiÖ sprich Anas Shakfeh) namens Herr Mag. Amir Zaidan im April 2006 zu einem Kongress europäischer Imame und islamischer Seelsorger. Auf der Rednerliste für den Kongress, deren Eröffnung unverständlicherweise im Wiener Rathaus stattfinden durfte, standen Ayatollah Seyyed (Sayed) Abbas Ghaemmaghami als der Präsident (2004-2008) des den iranischen Mullahs (Religionspolizei, Steinigung, Blutgeld) treu ergebenen, schiitischen Islamischen Zentrums Hamburg, der österreichische Bundeskanzler Dr. Wolfgang Schüssel, der radikalislamische Theoretiker Dr. Murad Wilfried Hofmann, die EU-Kommissarin Dr. Ferrero-Waldner, Schariafreund Dr. Axel Ayyub Köhler vom deutschen ZdM, Dr. Ursula Plassnik als die österreichische Außenministerin sowie Generaldirektor Abdul Aziz-Altuajiri (auch: Abd al-Aziz ‘Uthman al-Tweijri, Abdulaziz Othman Altwaijri) von der in Marokko ansässigen Islamischen Wissenschafts-, Erziehungs- und Kulturorganisation ISESCO und schließlich Generalsekretär Mohammed Ahmed Sherif (auch: Mohammad Abd al-Ghaffār al-Sharīf; 1998-2002 Professor für Scharia an der Universität von Kuweit) von der World Islamic Call Society. Die letzten beiden, Altuajiri (Altwaijri) und Sherif (al-Sharif) gehören zu den Unterzeichnern des offenen Briefes an Papst Benedikt. Über die Wiener „Konferenz Europäischer Imame und SeelsorgerInnen 2006“ berichtete etwa die spanischsprachige Internetseite webislam.com (18).

Der gebürtige Syrer Amir Zaidan (19) war Mitunterzeichner der berüchtigten, auf schulische Desintegration und Islamisierung des Schulalltages zielenden „Kamel-Fatwa“, scheiterte dabei, im Rahmen der Islamischen Religionsgemeinschaft Hessen (IRH) für die ihr unterstehenden Muslime eine Art von paralleler Rechtsordnung zu installieren und hat dazu beigetragen, über die intransparente Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) den Einfluss der Muslimbruderschaft auf Österreichs Schulsystem zu vergrößern.

Die im Sinne des Islam auf Tugendhaftigkeit hin orientierte World Islamic Call Society (WICS) ist ganz bewusst auch frauenpolitisch aktiv. Nein, nicht gleichheitsfeministisch, das war die entfremdete kulturelle Moderne, jene materialistische Epoche der Dekadenz und Gottlosigkeit. Jetzt startet die befreite Menschheit in die Ära der Spiritualität und nun möchte auch die WICS die Frauen von der Last befreien helfen, den Männern nacheifern zu müssen und damit ihr einzigartiges weibliches Wesen zu verlieren.

Am 29. Januar 2009 besuchte der bereits im Februar 2008 durch seine Forderung nach teilweiser Einführung der Scharia ins britische Rechtssystem bekannt gewordene Erzbischof Rowan Williams die World Islamic Call Society, redet im Beisein von Dr. Mohamed Achmed Sherif (Secretary General of the WICS) von Gottesbewusstsein und echtem Dialog sowie von dem Juden, Christen und Muslime angeblich irgendwie verbindenden Stammvater Abraham (20). In der angegebenen Quelle wird lobend erwähnt, dass Rowan Williams sich Weihnachten 2008 als Gegner der „israelischen Aggression gegen Palästina“ erklärt hatte, gemeint ist, dass er es als Oberhaupt der Anglikanischen Kirche für verachtenswert hält, dass die Israelis sich gegen den monatelangen Beschuss mit aus dem Gaza-Streifen abgefeuerten Kassam-Raketen wehrten. Moment mal, lieber Erzbischof, „der Führer spricht“ hier, und auch da ist schon wieder auf der WICS-Seite (islamic-call.net) von „Brother Leader“ die Rede, Rowan Williams mittendrin, Bruder Führer vorneweg, und hier, The Leader`s Speech, „Führerrede“? Wer ist der Bruder Führer, wer ist der Führer (21)?

Muammar al-Gaddhafi! (Mu’ammar al-Qaḏḏāfī) gründete unter großzügiger Mitwirkung der WICS die unter Führung Libyens stehende World Islamic Peoples Leadership und lässt in seiner Barmherzigkeit zu, eben auch in den Kreisen der WICS als „Leader“ bezeichnet zu werden. Der deutsche Islamratsvorsitzende Hasan Özdoğan war 1989 an der Gründung der Deutschen Sektion der libysch finanzierten WICS beteiligt, gelegentlich werden beide Organisationen sinnvollerweise wie eine einzige, etwa als „WICS / WIPL, Tripolis“ genannt, deren Ziel als eine da’wā-Organisation (Missionsorganisation) es ist, den Islam besonders in Afrika und grundsätzlich weltweit zu intensivieren und auszubreiten. Im Dezember 1999 hielten der Islamrat und die Weltkonferenz der Religionen für den Frieden (WCRP) eine Tagung in Bad Neuenahr ab, auf welcher der Generalsekretär der WICS sprechen dufte (22). In dieser Zeit kooperierten im Islamrat neben Hasan Özdoğan auch Ali Kızılkaya sowie Abu Bakr Rieger.

Alles … „von islamischer Seite“.

11-12. Bedenken der muslimischen Eltern, die Sexualkundeunterricht vor allem als Angelegenheit der Familie und nicht der Schule betrachten, richten sich vor allem gegen die Intention des Unterrichts, Kinder auch auf außereheliche Beziehungen vorzubereiten, Mädchen und Jungen in der gleichen Klasse mit dem Thema Geschlechtlichkeit zu konfrontieren und entsprechend realistisches Bildmaterial zu verwenden. Adnan Aslan schlägt vor, eine Form des Unterrichts zu verwenden, die auch den Ansprüchen der islamischen Sicht auf den Unterricht gerecht wird. Das heißt, er fordert die Beteiligung der muslimischen Seite im Hinblick auf die Unterrichtsgestaltung ein (Aslan 1996, S. 50-54) und macht damit im Sinne Bergers ein Angebot zur diskursiven Verständigung.

Adnan Aslan, der sich mit Murad Wilfried Hofmann, Axel Ayyub Köhler und dem nach eigener Aussage dem Gedankengut der Muslimbruderschaft nahe stehenden Amir Zaidan zu umgeben pflegt, mache also der säkular gedachten Demokratie „im Sinne Bergers ein Angebot zur Verständigung“?

Wohl weniger „im Sinne Bergers“, schon eher im Sinne Allahs.

Karakaşoğlu will, dass wir mit der „islamischen Sicht“ der Islamisten Tariq Ramadan und Muammar al-Gaddhafi sowie mit derjenigen des erwiesenen Umfeldes der Muslimbruderschaft (Islamrat, Milli Görüş, IRH, IGGiÖ) „Verständigung“ suchen! Die Bremer Erziehungswissenschaftlerin möchte damit, dass wir uns großzügig („tolerant“) über die Erkenntnisse des hessischen Landesverfassungsschutzes hinwegsetzen. Die Behörde attestierte der von Adnan-Aslan-Freund Amir Zaidan (einst IRH, jetzt IGGiÖ) geführten Islamischen Religionsgemeinschaft Hessen, insgeheim verfassungsfeindliche Ziele zu verfolgen und recht offen eine Lebenspraxis zu kultivieren, die die Freiheits- und Grundrechte besonders von Frauen massiv einschränkt (23).

12. Der Staat ist … nicht befugt, zu bewerten, ob eine Religion ihrem Angehörigen eine bestimmte Kleidung vorschreibt oder nicht. … Dies gilt auch für Schülerinnen, die das Gesicht mit Ausnahme der Augen völlig verschleiern.

Die multikulturell tolerierte Schleierpflicht des vom Terrorismusverteidiger Yusuf al-Qaradawi oder vom der Diktatur des Iran geforderten hidschab, was für ein reiner Wahnsinn aus dem kulturellen Mittelalter! Eine westfälische (1999), inzwischen ostfriesische (2009) Erziehungswissenschaftlerin fordert von Deutschlands Lehrerinnen und Lehrern allen Ernstes, in den Klassenzimmern staatlicher Schulen den sexualisierenden ḥijāb fallweise auch als entmenschenden niqāb zuzulassen: Unfasslich, Karakaşoğlu-Aydın (mittlerweile nennt sie sich meist kurz Karakaşoğlu) will nicht nur den Tschador jeder in der BRD schulpflichtigen Schülerin zulassen, sondern auch ihren Gesichtsschleier (peçe auf türkisch, mit Tschador kombiniert: Çarşaf). Die Autorin weiß, dass im Einklang mit der antidemokratischen Scharia bis heute viele hoch angesehene islamische Autoritäten in ihren Schriften oder islamische Rechtsgelehrte in ihren Fatwas von jedem männlichen Gläubigen fordern, an ihren untergebenen Töchtern oder Ehefrauen den hidschab oder mindestens das Kopftuch notfalls mit Prügel durchzusetzen. Unter der Burka sieht man die blauen Flecken auch nicht, seelisch stabilisierender für die „Islam heißt Frieden“ singenden bundesdeutschen Pädagogen.

In der Fußnote 5 verweist die Autorin auf Seite 13 lobend auf die „Vielzahl von konkreten Beispielen“, die eine Untersuchung biete, die 1996 von der Deutschsprachigen Islamischen Frauengemeinschaft (DIF) „zur Situation muslimischer Kinder und Jugendlicher in Schule und Ausbildung“ angefertigt worden sei. Beim Lesen von Helmut Zenz (helmut-zenz.de/hzisla12.html) wird uns klar, wer unter DIF in der Meerheimer Straße 229 in Köln residiert: Milli Görüş, die vom Verfassungsschutz observierte Islamistenbewegung des Entwurfs der die Ära der Menschenrechte (batil düzen, nichtige Weltordnung) siegreich verlassenden Gegendemokratie eines türkisch-nationalistischen und radikalreligiösen Islamstaates (adil düzen, gerechte Weltordnung), wie ihn Necmettin Erbakan erträumte. Karakaşoğlu verweist grundsätzlich anerkennend („eine Vielzahl von Beispielen“) auf die in radikalislamischem Umfeld erstellte Studie „Schleierhaft. Dokumentation zur Situation muslimischer Kinder und Jugendlicher in Schule und Ausbildung (Köln 1996)“, ohne es offenbar für nötig zu halten, sich vom extremistischen Gedankengut der Milli Görüş zu distanzieren. Damit wird sie zur Komplizin der Erbakan-Doktrin und jener geheiligten Frauenfeindlichkeit, wie sie im größten türkischen organisierten dschihād gegen die kulturelle Moderne Gestalt annimmt. Ein Foto auf der selben Seite („Illustration 2“) zeigt fünf im Stile der Milli Görüş verschleierte Frauen.

Milli Görüş gehört ideell und personell ganz dicht zur durch staatliche Verbote unterbrochenen Traditionslinie legalistischer (die Demokratie zu überwinden strebender) Parteien wie Fazilet Partisi (Tugendpartei, 2001 verboten) und Saadet Partisi (Partei der Glückseligkeit). Laut Ursula Spuler-Stegemann aber wollte die der Erbakan-Lehre treu ergebene Tugendpartei „die Regierung übernehmen und die Scharia einführen“ (24). Für Karakaşoğlu ist eine solche politisierte Theologie (oder Theologisierung und Schariatisierung der türkischen Politik) offensichtlich kein Problem.

Die islamische Kleidung oder eben auch das Kopftuch mag ja für vieles stehen, für den empfundenen Ekel gegenüber Nichtmuslimen und Menstruationsblut, für nachbarschaftlichen Tugendterror und Gerangel um den Platz im Paradies oder für den Wunsch nach einem Leben wie zu Zeiten des Propheten, jedoch ist Kopftuch immer auch Werbung zur Errichtung einer radikalislamischen Politik. Islampolitik (Islam) ist theozentrisch, das bedeutet, das Volk ist nicht länger oberster Souverän, Allahgott ist es bzw. dessen Emire, Muftis, Ayatollahs und Imame sind es (angeblich gibt es ja keinen Klerus, so die taqiyya). Kopftuch ist der unhörbare Kampfschrei nach Errichtung eines hierarchischen und repressiven Staates islamischer Pflichtenlehre (Kalifat).

15. Der Fall „Fereshta Ludin“ … zeigt, [dass es darum gehen muss, dass sich alle Bürgerinnen und Bürger] an den Grundwerten der Verfassung orientieren [und nicht darum gehen kann, ob Zuwanderer] in ihrem Lebensstil den ’common sense’ der Mehrheit (als eine Art ’Nationalkultur’) übernommen haben.

Erbakan, al-Qaradawi, Zaidan und Ramadan haben hidschāb und islām keineswegs verfälscht oder fehlinterpretiert, und Frau Karakasoglu hat Kopftuch und Scharia ebenso wenig missverstanden. Die Scharia widerspricht den „Grundwerten der Verfassung“ sehr und widerspricht der grundgesetzlich verankerten Gleichberechtigung von Frau und Mann ganz und gar. Kindern und Jugendlichen die Angst vor der imaginierten Hölle anzudressieren als die Hauptaufgabe der Erziehung und Bildung zu betrachten ist wohl auch nicht ganz der Geist der von der Autorin bemühten Verfassung, eher der Geist der Inquisition und Hexenverbrennung.

15. Hierin offenbart sich die diesem Integrationsverständnis innewohnende Aufforderung der kulturell-religiösen Assimilation, die die Zugewanderten von der aktiven Beteiligung an einem Wandel des gesellschaftlichen ’common sense’ ausschließt.

Jammerei. Solch eine freiheitliche Gesellschaft wie in Westeuropa findet Schariafreundin Karakaşoğlu zwischen Marokko und Malaysia nicht so rasch. Also Deutsch lernen, Deutscher werden, wählen dürfen, Steuern zahlen und durchschnittlich begeistert gesetzeskonform leben. Wer freilich die islamische Revolution anstrebt oder eine andere Art von Faschismus, der ist von „einem Wandel des gesellschaftlichen ’common sense’“ fern zu halten. Das genau nämlich IST der common sense: Keine Toleranz der Intoleranz.

Raffiniert mogelt die Autorin ins schläfrige Halbbewusste der bundesdeutschen Integrationsdebatte, „die Ausländer“ (eben nicht!) oder vielmehr „die Muslime“ (aha!) würden diskriminiert, ins Abseits gedrängt, an der Mitbestimmung gehindert. Seitens von Frau Karakaşoğlu-Aydın eine ziemliche Unverschämtheit, der Mehrheitsgesellschaft ein solches undemokratisches Verhalten zu unterstellen, zugleich ist uns die Dreistigkeit der Autorin kaum nachweisbar, denn wer wird denn vor einem Lehrerinnenkopftüchlein Angst haben oder einem melodiösen Gebetsruf, und das Wort Scharia oder Kalifat spricht die Dame nicht aus.

Schon wieder hat die Autorin die Ex-Muslime vergessen, oder die säkularen muslimischen Gegner einer zur (kalifatsähnlichen) Politik gewordenen Scharia. Diese Menschen vor den orthodoxen Patriarchen und antimodernen Extremisten zu schützen, das ist demokratischer, pluralistischer common sense, besser: Das ist ordre public.

Privat mag Fereshta Ludin ihr Kopftuch ja tragen, im Staatsdienst und als professionelles Vorbild für Minderjährige nicht.

18. [Kapitel 4.1. ist überschriftet mit] Islam als Hindernis für selbstbestimmte weibliche Lebensentwürfe

Was für ein erfreulicher Titel.

19. [Schule, Lehrer seien gegen das Kopftuch aktiv tätig] Der unbedeckte Kopf soll den Mädchen helfen, sich in der Mehrheitsgesellschaft zu integrieren.

Genau das soll er. Und das erreicht er. Und das Ganze ist auch wesentlich besser, als dass sich ein unbedeckter Mädchenkopf verschleiern müsste, um sich in die wahhabitisch-saudische oder mullah-iranische Gesellschaft zu integrieren. Die äquidistante, entgrenzt kulturrelativistische Autorin sieht das ja vielleicht anders.

Gute Pädagogen wollen die eine die orientalische Sexualisierung (‘aura engl. awrah als Befrachtung des weiblichen Leibes mit geheiligtem nādschis-Ekel) vermeidende Kleidung, wollen eine nicht segregierende (dhimma, islamische Apartheid) Kleidung als äußeres Zeichen ernst gemeinter Gleichstellung. Die vollen Freiheitsrechte und Bürgerrechte gelten auch für Ex-Muslime und sogar für Muslime, selbst für weibliche Muslime.

21. … in der westlichen Moderne …

Falsch, es muss heißen: In der „kulturellen Moderne“, nicht in der „westlichen Moderne“. Nationalsozialismus, Vietnamkrieg, DDR-Unrechtsregime mit Mauerbau und Schießbefehl sowie dem Stasi-Gefängnis „Bautzen II“ oder das Camp Delta in Guantanamo Bay wären durchaus Teil dieses neuzeitlichen „Westens“, da sie sich zeitlich nach der Französischen Revolution und nach der Erfindung von Evolutionstheorie, Dampfmaschine, Glühbirne und Psychoanalyse ereignet haben, waren aber nicht kulturell modern.

Universelle Menschenrechte, Rechtsstaat, Parlamentarismus, Pressefreiheit, Religionsfreiheit, Bürgerrechte, alles mit Gleichberechtigung für Frauen, Apostaten irgendeiner Glaubenslehre oder für Religionskritiker, das alles ist kulturelle Moderne, die wir auch in Japan oder Israel vorfinden. Kulturelle Vormoderne ist beispielsweise, wenn und solange die Schafiiten kleinen Mädchen im Genitalbereich geheiligte Amputationen durchführen. Die Journalistin Stephanie Sinclair hat dieses islamische Handeln des Genitalverstümmelns der schafiitischen Rechtsschule, durchgeführt von der hoch angesehenen indonesischen Assalaam-Foundation, dankenswerterweise dokumentiert (25). Wir wünschen unverstümmelte indonesische Mädchen in Bandung, West Java. Die von der Autorin angeführte „Moderne“ ist also mitnichten „westlich“, sondern eine Lebenswirklichkeit politischer, religiöser und sexueller Selbstbestimmung.

Ein typischer Trick der Islamisten ist es, die freiheitlichen Demokratien als „westlich“ zu bezeichnen, damit wollen sie erreichen, dass der islamisch geprägte Teil der Erde von kulturell-politischer Modernisierung (Demokratisierung, Pressefreiheit, Religionsfreiheit, Gleichberechtigung der Frau) verschont bleibt. Konsequent ist es in dieser fundamentalistischen Logik zudem, die Demokratisierung mit „Christianisierung“ gleichzusetzen, das ist auch unter deutschen Muslimen gar nicht so selten: „Eure Demokratie ist eine Form von Christentum“.

Manch ein islamischer Hadith (ḥadīṯ, pl. aḥādīṯ) spricht: Wenn du schneidest, übertreibe nicht, „ashimmi wa-la tanhaki“, das ist angenehmer, „ahza“ für den Mann. Die Beschneidung des weiblichen Geschlechtsteils macht das Gesicht der Frau strahlender, „ashraq“ und ist besser, „ahab; abha“ für den Mann. Nimm nur ein wenig [Genitalgewebe, mit dem Messer] weg und zerstöre nicht. Übertreibe es nicht, „la tanhaki“. Die Beschneidung, „khafdh; khifadh“ ist verpflichtend, „sunnah“ für der Mann und ehrenwert, „makrumah“ für die Frau. So weit der islamische Hadith, hier genannt als ein Beispiel für ein Textdokument aus der kulturellen Vormoderne.

Modern ist nicht gleich westlich. Auch unsere (allgemeinen) Menschenrechte sind universell oder sie sind gar nicht. Mittlerweile ist FGM auch in Europa kultiviert worden, damit ist die FGM ja vielleicht „westlich“ jedenfalls „im Westen angekommen“, nicht aber modern, Frau Karakaşoğlu. Auch die ersten Gesichtsschleier sind in Deutschland aufgetreten, das erste Hundert der anrollenden Welle der am Namus-Ehrkonzept orientierte Frauenmorde („Ehrenmorde“) hat sich ereignet. Auch Burka und Niqab könnte man, geographisch nüchtern, insofern „deutsch“ oder „westeuropäisch“ oder „westlich“ nennen, jedenfalls als europäisches oder deutsches Integrationsproblem, sie entstammen allerdings anderen Jahrhunderten (Jahrtausenden) kultureller Vormoderne.

Die Heirat einer (traditionell islamisch: Die Verheiratung einer) patrilateralen Parallelcousine, arabisch: bint ‘amm, wörtlich Tochter des Vaterbruders, galt zwar auch den Herren Isaak (19. Jahrhundert … ) und Jakob (18. Jahrhundert … ) als besonders ehrenvoll, doch sollte man bedenken, dass die beiden frommen Juden nicht NACH der Geburt des Juden Jesus von Nazareth ihre aus damaliger Sicht juristisch, pädagogisch und religiös einwandfreie Cousinenehe kultivierten, sondern im genannten Jahrhundert VOR Christus. Familienseits gewünschte Cousinenehe muss von modern denkenden (selbstverständlich auch von muslimischen!) Pädagogen doch wohl hörbar zurückgewiesen werden. Karakaşoğlu schweigt auffallend. Arrangierte Ehe haben wir grundsätzlich ebenso zurückzuweisen, und die elf-, zehn- oder neunjährige Braut erst recht (das Letztgenannte gilt der Moderne gottseidank auch juristisch als inkorrekt). Karakaşoğlu schweigt schon wieder. Solange Europäischer Fatwa-Rat (ECFR), Milli Görüş, die Kairoer Azhar und die Muslimbruderschaft mit der kulturellen Moderne ein geheiligtes (totales) Problem haben, darf und muss die Moderne (meinetwegen auch: Darf „der Westen“) mit der so genannten Religion des Islam ein säkulares (rechtliches, journalistisches, pädagogisches) Problem haben.

Wir haben die Gegengesellschaften der Einwanderermilieus zu analysieren, um Bürgerrechte und Frauenrechte für jeden einzelnen Menschen durchzusetzen. Das ist etwas völlig anderes als die womögliche Empfehlung der Erziehungswissenschaftlerin, die kulturelle Vormoderne des Scharia-Islam (Islam) und Fiqh-Islam (auch Islam) mit ihren Apostatenmorden, Gesichtsschleiern und Zwangsheiraten in die kulturelle Moderne zu integrieren. Karakaşoğlu promovierte 1999, im selben Jahr also, aus dem dieser ihr Text stammt, als Wissenschaftlerin, und mag sich künftig doch bitte klarer verständlich machen, wie sie zu den universellen Menschenrechten und zur menschenrechtswidrigen Scharia steht.

25. Mit dem Kopftuch bzw. entsprechend verhüllender Kleidung [erreichen] muslimische Frauen, die dies freiwillig aus religiöser Überzeugung tun, … die ansonsten in räumlicher Trennung ausgedrückte Geschlechtertrennung (Innenraum – Raum der Frauen, Außenraum – Raum der Männer) zu durchbrechen und sich gemeinsam mit Männern im öffentlichen Raum außerhalb des Hauses aufzuhalten.

Frauen sollen in die Häuser gesperrt werden? Parlamente, Rathäuser und selbst öffentliche Versammlungsorte als männerbündisches Refugium? Was für ein kulturelles Mittelalter, und zwar orientalisches, oder auch Bronzezeit, allerdings wohl weder slawische noch keltische Bronzezeit. Und ist die muslimische Frau, die den öffentlichen Raum unverschleiert betritt, ein Stück Dreck?

Der Islam steckt in einer kulturellen Sackgasse und hat erklärlicherweise Angst, „sein Gesicht zu verlieren“ und als System barbarischer Sexualpolitik (Wächter maḥram, Stoffgefängnis ḥiǧāb, Verkauftwerden nikāh, Verstoßenwerden ṭalaq) sowie als Konzept kulturrassistischer (ḏimma, Ḫilāfa) ethnoreligiöser Politik enttarnt zu werden. Diese Blamage kann die kulturelle Moderne (damit auch: Kann die Psychologie oder kann die Erziehungswissenschaft) weder Recep Tayyip Erdoğan noch Yasemin Karakaşoğlu-Aydın ersparen.

30. In einer säkularisierten Gesellschaft wie derjenigen der Bundesrepublik erscheinen religiös begründete Argumente als unzeitgemäß, weil irrational, ja sogar gefährlich, da Fundamentalismus- und Extremismus-verdächtig.

Das kommt vor … und bisweilen bewahrheitet sich der Verdacht sogar.

Weil die Autorin die Milli-Görüş-Bewegung ebenso kennt wie deren Bewertung durch die deutschen Sicherheitsbehörden nicht als „Extremismus-verdächtig“, sondern ganz klar als extremistisch, dürfen wir vorläufig annehmen, dass Frau Karakaşoğlu die pädagogischen Ansätze der verfassungsfeindlichen Milli Görüş zu den „religiös begründeten Argumenten“ rechnet.

30. Die Diskussion um die Rolle der Religion in Deutschland hat durch die muslimischen Zuwanderer und ihre lauter werdenden Ansprüche, in allen Bereichen der Gesellschaft gleichberechtigt zu partizipieren, neuen Auftrieb bekommen.

Wie bereits 1994 beruft sich die Autorin auch 1999 auf das Buch Die Stellung der Frau zwischen Islam und westlicher Gesetzgebung (München 1993) des Sunna-Fundamentalisten und Allahkraten Salim el-Bahnassawy („das islamische Lebenssystem … kann niemals geändert werden“, 207), der sich auf über 200 Seiten um die islamistenseits neuerdings dreist „Frauenfrage“ genannte Gängelung jeder einem besonders fundamentalistischen Islam unterworfenen Frau bekümmert, weil für den Islam alle Frauen wankelmütig, hilfsbedürftig und verhältnismäßig unmündig sind (26).

Wer definiert die Grenzen der Toleranz? Das macht, Seite 204, Salim el-Bahnassawi: „Der Islam betrachtet Ehe und Familienleben als eine heilige Institution, gerichtet auf das Allgemeinwohl aller Beteiligten und der Gesellschaft im allgemeinen. Im umfassenden und vollständigen islamischen Familiensystem wird Gehorsam als eine Angelegenheit der Loyalität und Treue betrachtet. Es ist aber kein Indikator für die Unterlegenheit oder Inferiorität der Frau. Es ist schlicht eine Verpflichtung gegenüber der Familie und für den andauernden Erfolg der Ehe.“ Der fromme Mann predigt also, dass die Frau gehorsam sein muss, ohne sich unterlegen zu fühlen, andernfalls würde sie völlig unverantwortlich handeln. Mit noch anderen Worten: Weib, du hast zu gehorchen, nur so bist du nicht unterlegen. Man sollte von Erpressung reden, zumal ein Verstoß gegen die als Loyalität und Treue schönzulügende Gehorsamspflicht den Platz im Paradies verspielt, da sie nach orthodox islamischem Weltbild die Frau ins ewig lodernde Höllenfeuer führt und ihre eigenen Kinder gleich mit. Sie kann es natürlich nicht verantworten, das Seelenheil ihrer Kinder zu zerstören: Nur deshalb gehorcht die orthodox denkende Muslima ihrem Ehemann total, von der „motivierenden“ Prügel abgesehen.

Was meint Prof. Dr. Yasemin Karakaşoğlu-Aydın, wenn sie von „der Westen“ oder von „Gleichberechtigung von Mann und Frau“ spricht? Das hören wir auf Seite 204 bei Salim el-Bahnassawi: „Im Islam wurde die Gleichberechtigung von Mann und Frau vom Qur’an ausdrücklich garantiert und stellte kein Problem dar. Mit dieser Gleichberechtigung war nicht gemeint, dass die Frauen die Männer überbieten sollten, oder das westliche bzw. östliche Konzept von Freiheit und Gleichberechtigung zu übernehmen, das der Frau den Boden entzog und sie mehr und mehr entfeminisierte. Vielmehr wurde ständig im Auge behalten, dass Mann und Frau gleich, aber nicht dasselbe sind.“

Da müssen wir säkularen Muslime, Ex-Muslime oder Noch-nie-Muslime uns also Sorgen machen, dass unsere Bremer Erziehungswissenschaftlerin nicht den Boden unter den pädagogischen Füßen verliert und sich, im verderbten Westen lebend, maskulinisiert. Im Islam erbt die Frau lediglich 50 %, doch sie ist nicht ungleich, sondern gleich, ihre Aussage vor Gericht gilt die Hälfte, doch gerade das macht sie gleich. Frauen aller Länder, auf in die Bodenhaftung und Feminisierung!

Leider wird in Bezug auf die hinsichtlich der heiligen Gehorsamspflicht die Frau islamisch diskriminierenden Scharia-Gleichberechtigung der genannte Herr el-Bahnassawi, der in Kairo islamisches Recht studiert hat und nun als Richter in Kuweit tätig ist, mittlerweile offensichtlich völlig unkritisch bei der Friedrich-Ebert-Stiftung verbreitet, wo ihn Frau Dr. Menekşe Gün (Bad Salzuflen) in: „Religion und Sexualität in muslimischen Gemeinschaften“) verbreiten darf (27).

Damit das Grundgesetz erhalten bleibt, sollten wir die vormoderne, angeblich göttlich herabgesendete, uns irdischen Staatsbürgern jedoch keine Rechtssicherheit bietende Scharia als sehr weitflächig vorstellen, die Fläche der echte Freiheitsrechte (sowie wissenschaftliches Denken) ermöglichenden Religionsfreiheit aber wesentlich begrenzter: die ihrem eigenen Bekunden nach unverhandelbare, unermessliche, kohärente und zeitlose Scharia (Großmufti Cerić 2007 in The challenge of a single Muslim authority in Europe: Hence, this Islamic covenant, the sharī’ah, is perpetual, it is not negotiable and it is not terminable) lappt hier also maßlos über – und macht Bürger-Sein und Pressefreiheit überflüssig. Mit den Gottlosen trete man in Verhandlung, um mehr und mehr schariakompatibles Recht zu legalisieren, ganz im Hier und Jetzt (Cerić a. a. O.: in the context of its time and space in accordance with its own experience). Richtigerweise und wenigstens hierzulande wurde am 15.01.2003 die am radikal verstandenen Islam (an der ewigen Scharia) orientierte, international aktive Hizb ut-Tahrir durch den Bundesinnenminister an der weiteren Betätigung („ihre lauter werdenden Ansprüche“) gehindert (28).

Karakaşoğlu wird die „muslimischen Zuwanderer“ der Hizb ut-Tahrir sicherlich nicht übersehen haben, die noch im Jahre 2002 Besuch des geschwisterlich denkenden sprich grundgesetzwidrig orientierten NPD-Vorsitzenden Udo Voigt erhalten hatten; eigentlich müssten, Karakaşoğlu zu Ende gedacht, im Rechtsstaat die selbe Chance haben, „in allen Bereichen der Gesellschaft gleichberechtigt zu partizipieren.“

Aus Sicht der freiheitlichen Demokratie sind der orthodoxe Islam und seine Scharia wesentlich mehr als bloße Religion. Im Übrigen gilt für jeden Menschen in Deutschland die Gewährleistung der ungestörten Religionsausübung, die Autorin möge dazu doch gerne im Grundgesetz unter Artikel 4 (2) nachlesen.

Jacques Auvergne

(1) Verwandt, verlobt verheiratet! Von Janine Flocke. Migrationsforscherin Boos-Nünning verteidigt die arrangierte Ehe mit Zähnen und klauen, weil diese ja keine Zwangsehe sei

http://www.zeit.de/online/2007/12/verwandtenehe?page=all

(2) Erziehungswissenschaftlerin Karakaşoğlu zitiert uns zu Integrationsproblemen und Ehefragen nicht das Grundgesetz, sondern den Koran. Karakaşoğlu gibt das Vorhandensein von mehr oder weniger starkem „Druck“ – also Zwang! – der Eltern gegen ihre Kinder zu, in eine der unter deutschen Türkeistämmigen „sehr weit verbreiteten“ arrangierten Ehen einzuwilligen. Gut dokumentiert am 08.03.2005, 15.17 Uhr bei WDR von: Schiwa Schlei: Mord im Namen der Familienehre.

“Ich glaube, dass in der türkisch-muslimischen Community in Deutschland, der Versuch, Kindern eine arrangierte Ehe nahe zu legen, sehr weit verbreitet ist”, sagt Karakasoglu

http://www1.wdr.de/themen/archiv/sp_integration/integration322.html

http://www.wdr.de/themen/politik/1/integration_muslime/zwangsehe.jhtml

Islam ist … wali mudschbir (walī muğbir), der zwingende Heiratsvormund

http://de.wikipedia.org/wiki/Wali_mudschbir

(3) Der Allahgott kann Menschenrechte, islamische Menschenrechte. Die Kairoer Erklärung der OIC (1990), hier in der englischen Fassung

http://www.religlaw.org/interdocs/docs/cairohrislam1990.htm

(4) Die islamistische Milli Görüş lässt Tariq Ramadan reden, Uniday 2009 in der Westfalenhalle in Dortmund. Bei Milli Görüş

http://www.igmg.de/index.php?id=582&no_cache=1&type=98

(5) Auch die Islamische Zeitung (um Rechtsanwalt Andreas Abu Bakr Rieger, Rieger gehört zur radikalislamischen Sekte der Murabitun um den schottischen Ex-Hippie Ian Dallas, welcher konvertiert nun Abdalqadr as-Sufi heißt) schreibt zu Tariq Ramadans Rede im April 2009 in Dortmund

http://www.islamische-zeitung.de/?id=11827

(6) IGMG erzieht mit und zu Kopftuch und Geschlechtertrennung. taz: Jugendarbeit im Dienste Allahs.

http://www.taz.de/index.php?id=archivseite&dig=2004/09/29/a0269

IGMG für feminine Kleidungsvielfalt? Da sei Allah vor

http://www.berlin-igmg.de/bolge/resimler/2008/alemlere_rahmet/2008Alemlere_Rahmet-25.jpg

Männerfreie Zone, Karakasoglu-Aydin nennt es „geschlechtsspezifischer Ansatz“

Ohne Sitte kein Way to Allah. Scharia: Heiratsalter neun Jahre

http://www.berlin-igmg.de/bolge/resimler/2008/alemlere_rahmet/2008Alemlere_Rahmet-5.jpg

(7) Und das werdende Kalifat wird unsichtbar: Mythos Multikultur. LAGA NRW nennt ungefähre Normen, auf die hinzu integriert werden soll, nationalistisch und fremdenfeindlich. Damit sagt die LAGA: Lass die Fremden, sie sie sind, wende keine „deutschen“ (keine grundgesetzlichen?!) Normen auf die „Anderen“ an und bewerte (beobachte) beide nicht. Der die zu scheitern drohende Integration umwölkende Nebelschleier des islamverbandlich auferlegten Schweigens oder der politisch korrekten Selbstzensur wird dichter

http://www.laga-nrw.de/xd/public/content/index._cGlkPTU4_.html

(8) Islam bereits demokratisiert? Islam jetzt ohne Scharia? Islamkritiker nun beschäftigungslos? Dem Herrn Dr. Gebauer geht das Wörtchen Scharia nicht über die Lippen, doch referiert er auf dem 29. Orientalistentag (DMG) über seine drei Jahrzehnte Curriculums-Entwicklung für IRU (links unter „Teilnehmer“ klicken)

http://www.dot2004.de/orientalistentage.php

(9) Die in Ankara geborene Deutsch-Türkin Sanem Kleff von der GEW ist Autorin von „Islam im Klassenzimmer“ und organisiert seit 2001 die bundesweite Sektion der europäischen Aktion „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ (SOR-SMC)

http://de.wikipedia.org/wiki/Sanem_Kleff

(10) Kleff (GEW) elegant und fürsorglich pro Fereshta Ludin (GEW), aber gegen Islamismus. In dieser Quelle bemerkenswert, dass die schariatreue Kollegin Ludin behauptet, nicht zu wissen, dass ihr Arbeitgeber, die Islamische Grundschule der Islamischen Föderation Berlin (IFB) zu Milli Görüs gehöre – natürlich taqiyya vom Feinsten; indes, die beobachtende Kleff zitiert uns die ganze Sache seltsam genüsslich und womöglich lückenhaft. Islamkritiker, beobachte den Beobachter …

http://www.gew-berlin.de/2564.htm

(11) Staatlich-säkulares Gerichtsurteil war gestern, willkommen in der Postmoderne, Ihr Scharia-Gerichtshof. Islamic Sharia Council

http://www.islamic-sharia.org/

(12) Was für eine herzzerreißende Wehklage aus den barbarischen Germanien: Gerechtigkeit für die Muslime! Drei mutige Frauen namens Seyran Ates, Necla Kelek und Ayaan Hirsi Ali kann man da schon mal öffentlich verunglimpfen. Gemeinsam mit Mark Terkessidis, von Yasemin Karakasoglu

http://www.zeit.de/2006/06/Petition

Diesem arg demokratieverdrossenen Gejammere gegen die „ungerechte“ Säkularität und vielleicht ja für die irgendwie „gerechtere“ Ordnung der Scharia entgegnete Alice Schwarzer

http://www.emma.de/514.html

(13) AZ 18 K 74/05 – Allahgottes kleiner Sohn muss Schwimmen lernen wie alle Jungen und Mädchen der bergischen Stadt Wuppertal. Denn unsere Kinder aus Familien jeder Religion, Ex-Religion und Nichtreligion sollen gesund und lange leben und nicht im Bach oder Teich ertrinken

http://www.vg-duesseldorf.nrw.de/presse/pressemitteilungen/archiv/2005/19_050530/index.php

(14) AZ 18 K 301/08 – Allahgottes kleine Tochter muss Schwimmen lernen wie alle Mädchen und Jungen der bergischen Stadt Remscheid. Denn uns. Kinder a. Familien jed. Religion, Ex-Religion u. Nichtreligion sollen gesund u. lange leben u. nicht i. Bach o. Teich ertrinken

http://www.vg-duesseldorf.nrw.de/presse/pressemitteilungen/archiv/2008/20_080507/index.php

(15) Ein deutschstämmiger, zum Islam konvertierter Rechtsanwalt betreibt die Homepage muslimeandeutschenschulen.de und unterstützt Eltern, die ihre Tochter oder ihren Sohn vom Schwimmunterricht oder Sportunterricht abmelden möchten

http://www.muslimeandeutschenschulen.de/recht_schwimmunterricht.php

(16) Adnan Aslan

http://www.kitapshop.de/Verlage/I/Institut-fur-islamische-Erziehun

(17) Adnan Aslan: „Religiöse Erziehung der muslimischen Kinder“, „Geschlechtererziehung in den öffentlichen Schulen“, beide bei: Buchari-Versand

http://www.bukhara-versand.de/index.php?manufacturers_id=54&XTCsid=tcke7qi2moq7gq3ou10j93r22ju4qri4

(18) webislam.com

http://www.webislam.com/?idn=5372

Bis ins ferne japanische Tokyo für die Sache Allahs im Einsatz: Dr. Abdulaziz Othman Altwaijri (ISESCO; in Wien und Spanien auch geschrieben: Abdul Aziz-Altuajiri)

http://www.unu.edu/dialogue/papers/Altwaijri-ss.pdf

(19) „Der Autor der Kamel-Fatwa als Ausbilder islamischer Religionslehrer in Deutschland?“ Von Jörg Lau

http://blog.zeit.de/joerglau/2007/03/27/405_405

(20) Rowan Williams bei der WICS

http://www.islamic-call.net/english/modules/news/article.php?storyid=639

(21) Islamic Call

http://www.islamic-call.net/english/modules/news/article.php?storyid=716

(22) Andreas Lenz, Stephan Leimgruber (Hg.), Lernprozess Christen Muslime

http://books.google.de/books?id=Nt2a9WA4xugC&pg=PA80&lpg=PA80&dq=gaddafi+wics&source=bl&ots=R22TgnTFAE&sig=VqSP56AdIAHi-2R9K3s-dS-EGvM&hl=de&ei=YD84SrXALty2sgaTzqWrCw&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=1#PPP1,M1

(23) Karl Pfeifer auf haGalil über Amir Zaidan (einst IRH, jetzt IGGiÖ).

http://www.hagalil.com/01/de/Europa.php?itemid=1299

(24) Die 2001 zwangsaufgelöste Tugendpartei wollte die Türkei in einen an der Scharia ausgerichteten, mehr oder weniger islamischen (undemokratischen) Staat umformen

http://www.buergerimstaat.de/4_01/muslimelorga3.htm

(25) Geheiligte Genitalverstümmelung an Frauen ist auch im größten muslimischen Staat der Erde eine Selbstverständlichkeit. Dokumentation

http://www.nytimes.com/2008/01/20/magazine/20circumcision-t.html

(26) Rechtleitung für die hilfsbedürftige, ständig von Unmoral bedrohte muslimische Frau erteilt Herr Salim el-Bahnassawi: Die Stellung der Frau zwischen Islam und westlicher Gesetzgebung, München 1993.

http://www.scribd.com/doc/4447641/Die-Stellung-der-Frau-Salim-el-Bahnassawi

(27) Menekse Gün darf bei der Friedrich-Ebert-Stiftung das Scharia-Konzept der die Frau diskriminierenden islamischen Gleichberechtigung von Mann und Frau bewerben und el-Bahnassawi unkritisch zitieren. Politischer Dialog, Islam und Gesellschaft Nr. 7: Karin Brettfeld, Menekse Gün, Bernd Simon: Religion und Sexualität in muslimischen Gemeinschaften, dort als der Aufsatz: Individualität, Pluralität und sexuelle Selbstbestimmung bei sunnitischen Muslimen in Deutschland

http://library.fes.de/pdf-files/akademie/berlin/06007.pdf

(28) Januar 2003, Verbot der (beispielsweise auch durch Nähe zur gleichfalls anti-demokratischen und antisemitischen NPD aufgefallenen) radikalislamischen Hizb ut-Tahrir.

http://www.hamburg.de/archiv/231958/rechtsextremisten-kontakte-hizb-ut-tahrir-artikel.html

Bildung und Scharia? Was sind uns unsere Grundrechte wert

Januar 17, 2009

Lamya Kaddor und Jörgen Nieland zum ‘Umgang’ mit den ‘Besonderheiten’ muslimischer Schülerinnen und Schüler

Der Integrationsbeauftragte der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen Thomas Kufen ließ eine von Lamya Kaddor verfasste Abhandlung veröffentlichen, die die sich an alle in Schule und Kindergarten Tätigen richtet. Ümmühan Karagözlü und Jacques Auvergne fühlen sich herausgefordert und lesen diesen Knigge für Nichtmuslime, diese Fibel des islamfreundlichen Wohlverhaltens

6 Angst. Der Sünder (…) wie Brennholz in der Hölle. Aufgrund solcher Aussagen im Koran entsteht in den Köpfen der Muslime das Bild eines strafenden Gottes.

Karagözlü (K): Das Bild eines Gottes? Die Muslima oder der Muslim darf sich gar kein Bild von Gott machen.

Auvergne (A): Kaddor erweckt den Eindruck, Muslime hätten bereits die Kompetenz der persönlichen Konstruktion eines Gottesbildes.

K: Die Erlaubnis dazu haben Muslime nicht. Der Gott der Muslime ist der strafende Gott, auch der willkürliche Gott.

A: Der Gedanke der Vorherbestimmung ist durchaus vorherrschend, auch derjenige der menschlichen Machtlosigkeit.

K: Kaddors duldet schwarze Pädagogik. Die Höllenangst und die Angst vor sozialer Ächtung sowie irdischer Prügelstrafe begleitet bis heute nahezu jede islamische Erziehung! Steinigung und Auspeitschungen oder Handabhacken inklusive.

A: Allah hat geschlossene Augen und ein halbiertes Gesicht, ein tolerant-barmherziges Auge und eines der Mitleidlosigkeit und Gnadenlosigkeit. Problem: Mit einem von beiden Augen wird Allah dir gleich zublinzeln, du weißt aber nicht, mit welchem. Will Kaddor das Handabhacken, das Auspeitschen?

K: Sie grenzt sich von den Körperstrafen der Scharia in keiner Weise ab. Unser evangelischer Theologe Jörgen Nieland, offiziell Mitverfasser der Handreichung, dessen Rolle bei der Texterstellung jedoch nicht ganz klar wird, hört ihr schweigend zu – will er die muslimischen Kinder und Jugendlichen Deutschlands diesen Ängsten nachhaltig ausgesetzt wissen? Als Christ wie auch als Pädagoge müsste er Partei ergreifen – für jeden jungen Menschen, ungeachtet der ethno-religiösen Zugehörigkeit. Und was ist mit den nichtmuslimischen Jungen und Mädchen, sollen sie lernen, mit dem Wissen zu leben, dass muslimisch geprägte Schülerinnen und Schüler von der Angst vor der Höllenstrafe getrieben sind? Müssen Nichtmusliminnen und Nichtmuslime derlei Verschiedenheit ohne Mitgefühl akzeptieren oder mit dem Gefühl der politisch korrekten Ohnmacht?

A: Sollen sie gar selber an die Hölle zu glauben beginnen? Die Hölle sickert in das einst irgendwie säkular gedachte Klassenzimmer.

6 [Kinder] lehnen es förmlich ab, über Ihn [Allah] zu reden

A: Nicht nur Kinder, Kaddor auch: Kaddor sagt kein persönliches Wort über Allah, sie wiederholt lediglich die jahrhundertealte Allah-Dogmatik.

K: Kein Erwachsener darf über Allah-Gott sprechen, ihm Eigenschaften zuzuschreiben ist verboten, sie würden den Gott in die Nähe der Bildhaftigkeit geraten.

A: Insofern könnte man sagen und sagte es im religionswissenschaftlichen oder völkerkundlichen Vergleich, der Islam-Gott sei radikal-transzendent.

K: Ich würde von einer patriarchalisch-esoterischen, patriarchalisch-herrschaftskulturellen Lehre sprechen, die schiitischen Ayatollahs oder die frühmittelalterlichen Ulemas konnten „Gott denken“ und idschtihād betreiben, Koran islamrechtlich interpretieren, du als Laie kannst es eben nicht (Schließung der Tore des idschtihād). Insbesondere Frauen müssen den Männern der al-Azhar oder des Europäischen Fatwa-Rates hinterher trotten. Die Fatwas deiner madhhab sind für Fundamentalisten verbindlich …

A: … für Europas Muslime wohl demnächst diejenigen von Herrn Cerić aus Sarajevo …

K: … sprich al-Qaradāwi, der auch Frau Kaddor den Kurs vorzugeben scheint. Ein ’interreligiöser Dialog auf Augenhöhe’ kann so nicht geführt werden.

A: Muslime verweigern die Erkenntnisse der Psychoanalyse und sind weltweit nicht in der Lage, Gott sprachfähig zu machen.

7 Koran … Gottes wortwörtlich überliefertes Wort

K: Will Kaddor die wortgetreue Auslegung des Korans in den staatlichen Schulen lehren? Ich vermisse ihre diesbezügliche Aussage, sie kommentiert es nicht.

A: Ich erwarte in einer staatlichen Broschüre die Verwendung der indirekten Rede: Der Koran ’ist’ nicht, er ’sei’ das Wort Gottes.

K: Kaddor muss islamisch argumentieren. Bezeichnenderweise schweigt der evangelische Religionslehrer, nur Kaddor spricht.

A: Von Atheisten oder säkularen Muslimen oder Ex-Muslimen erst gar keine Spur.

7 Umgang der Muslime miteinander

K: Frauen sind weniger wert als Männer, sie erben bloß 50 %, ihre Aussage vor Gericht gilt nur halb so viel wie die eines Mannes. Arrangierte Ehen sind üblich, gegen Genitalverstümmelung an Frauen (FGM) hat Allah nichts einzuwenden (pro-FGM: al-Qaradāwi, Wahdan; Schafiiten).

A: Das Medina-Konzept, dem Kaddor sich offensichtlich verpflichtet fühlt, ruft zum Aufbau der ’islamischen Gesellschaft’ auf, des Imamats oder Kalifats, einer Staatsordnung mit Allah als oberstem Souverän.

K: Hält Lamya Kaddor die seit 50 Jahren bestehende Arbeitsmigration von Muslimen nach Europa analog zum Medina-Modell für eine Hidschra, für die durchzusetzende Islamisierung eines Territoriums?

7 Zusammenleben mit Nicht-Muslimen

A: Nichtmuslime sind Menschen zweiter Klasse, haben keinen Zugang zu den vollen Rechten, sind einer abgepressten ’heiligen’ Schutzsteuer (Dschizya) unterworfen, dürfen nichts erben und, soweit männlich, keinen muslimischen Menschen heiraten. Kinder aus Mischehen mit den sittlich minderwertigen Dhimmis sind selbstverständlich Muslime. Juden müssen als Nachkommen von Affen und Schweinen angesehen werden, dürfen nicht zu Freunden genommen werden und sind das Volk, dem Gott zürnt. Man darf die Kritiker Allahs und seines Propheten töten.

K: Man darf – man soll – den Islamapostaten töten, auch das ist eine Weise des Umgehens mit einem Nichtmuslim, dem Ex-Muslim. Was aber sagt uns Frau Kaddor dazu?

A: Nichts. Der evangelische, pädagogische Kollege möchte gerne als Dhimmī leben. Kalifat im Lehrerzimmer.

K: Und nicht vergessen: ’Es gibt keinen Zwang im Glauben’ und ’Islam ist Frieden’.

8 tafsīr

A: Der Betreiber von tafsīr als Wissenschaftler? Nietzsche nannte einen solchen Forscher einen Menschen, der: „Ein Ding hinter einem Busch versteckt, es eben dort sucht und auch findet.“ Jemand will seine Vorurteile bestätigt sehen. Kaddor ist Fundamentalistin.

K: Eine ’islamische Wissenschaft’ kann es ebenso wenig geben wie eine ’evangelikal-kreationistische Wissenschaft’. Tafsīr ist Fundamentalismus. Will Kaddor die bärtigen Islamgelehrten in die Kultusministerien, Schulkonferenzen und Lehrerzimmer hinein bringen? Sollen die Imame der „örtlichen Moscheevereine“ (Schäuble) den Inhalt des islamischen Religionsunterrichts wesentlich mit bestimmen?

A: Die an scharī’a, fiqh und fatāwā ausgerichtete Lamya Kaddor öffnet den Imamen, den Muftis und den ’Islamologen’ die Türen der staatlichen Schulgebäude Deutschlands. Es gibt noch keinen anderen Islam.

K: Solange bleibt das Schultor zu. Der Islam ist, mit Heumann gesprochen, noch nicht schulreif[1]. In fünfzig Jahren vielleicht, einstweilen gefährdet er die aufklärungshumanistisch-säkulare Schule.

8 Koran 3:7 [es gebe im Koran eindeutige und mehrdeutige Verse, sage der Koran über sich selbst]

A: Der Koranvers 3:7 („eindeutig – mehrdeutig“) ermöglicht nun gerade keine Bandbreite an persönlicher Interpretation, sondern fordert deinen blinden Gehorsam, nötigenfalls deiner Geistlichkeit gegenüber. Die legt die relative (willkürliche) Eindeutigkeit fest, du musst gehorchen, sonst wärst du Apostat.

8 Festzuhalten bleibt, dass der Koran auf vielfältige Weise gedeutet werden kann

K: Echte Spiritualität individueller Religionsmündigkeit stelle ich mir anders vor, sie ist derzeit in keiner sunnitischen madhhab islamrechtlich-legal möglich.

A: Bei den Schiiten sicherlich noch weniger. Betreibt Kaddor an dieser Stelle īhām, Flunkerei für Allah, oder effektive da’wa, islamische Mission?

K: Natürlich, als muslimische Religionslehrerin versteht sie ihre Arbeit als Missionieren. Sie will, wie Schäuble und auch die CIBEDO, den flächendeckenden islamischen Religionsunterricht mit Verkündigungs-Charakter einführen. Dieser Form des islamischen Religionsunterrichts als ordentliches Lehrfach an staatlichen Schulen verstößt gegen das Überwältigungsverbot (Heumann[2]).

A: Die katholische CIBEDO weiß, dass Lamya Kaddor sagt: „die Aufklärung ist für den Islam nicht übertragbar[3].“ Gleichwohl will die Bischofskonferenz den deutschlandweiten islamischen Verkündigungsunterricht und hält Heumanns Argumentation für abwegig[4].

K: Zollitsch glaubt allen Ernstes, muslimische Eltern selbst einer eher säkularen Großfamilie würden es wagen, ihre Kinder vom Religionsunterricht abzumelden oder sie dort nicht anzumelden. Der soziale Druck wird rasch so hoch sein, dass jeder Junge und jedes Mädchen hin gehen muss. Dass Geistliche ein gespanntes Verhältnis zu Aufklärung und Humanismus haben, ist für mich irgendwo nachvollziehbar. Thomas Kufen jedoch, als Landtagsabgeordneter, als Integrationsbeauftragter und damit als demokratisch gewählter Volksvertreter, muss der Ansicht Kaddors widersprechen.

A Die Theokratie hat Probleme mit der Wissenschaft, Kaddor verweigert der Religionstheorie des Islam die Aufklärung ganz ausdrücklich.

K Mit einer solchen Einstellung ist Religionskritik im Sinne Kants, sapere aude, nicht möglich. Doch nur mit den, ’integrierten’, Ansprüchen eines Kant wäre der Islam schulfähig.

8 Koran 3:7. (…) Festzuhalten bleibt, dass der Koran auf vielfältige Weise gedeutet werden kann.

K: Koran 3:7 definiert zwei Gruppen von Koranlesern: Die Gottgetreuen als gehorsam und einfältig sowie die Zwietracht Säenden als anmaßend und eigensinnig. Kaddor enthält uns vor, dass es gerade Vers 3:7 ist, der eine Gruppe der Koranexegeten zu bewussten oder unbewussten Abweichlern erklärt, welche die Umma verwirren und fehlleiten. Dem Koran blind zu gehorchen sei „klug“, nur der Gehorsame habe „Verstand“. Entspricht dieses koranische Prinzip der Kritiklosigkeit Frau Kaddors Bildungsbegriff? Sollen muslimische Schülerinnen und Schülern außer vom Elternhaus und von den Koranschulen künftig im auch islamischen Religionsunterricht zur Kritiklosigkeit erzogen werden? Moderne Pädagogik fordert das ’sapere aude!’ für alle Schülerinnen und Schüler, also selbstverständlich auch für muslimisch sozialisierte Kinder und Jugendliche. Lamya Kaddor beklagt den prekären Anschluss muslimischer Schülerinnen und Schüler an das Bildungsniveau – mit dem koranischem Ideal des grundsätzlichen Gehorsams wird sie ihn nicht erreichen. Möchte Kaddor, dass die Kinder den Koran wortwörtlich nehmen?

A: Ja, Kaddor will die vormoderne, fundamentalistische, wortgetreue Sicht auf den Koran. Kaddor sagt zur Koranexegese: „Es bleibt jedoch offen, welche Interpretation richtig ist“, damit betreibt sie taqiyya oder īhām, denn für Gott Allah (3:7) ist die Sache absolut klar und auf Erden ist jedem Muslim taqlīd, Folgsamkeit vorgeschrieben.

8 Scharia (šarī’a)

A: Kaddor will die Scharia.

K: Die ganze Scharia, die Doktrin des Wohlverhaltens, deren Verweigerung der erklärten Feindschaft zu Allah gleichkäme. Gegen deine Rolle in der Großfamilie hast du nicht aufzubegehren, die Eltern dürfen dich arrangiert verheiraten. Scheiden lassen darf sich der Mann, über die Kinder verfügt der Mann, das ist Scharia! Vor Gericht und im Testament ist die Frau benachteiligt, das ist Scharia! Die Scharia verstößt gegen das Grundgesetz, auf die Scharia ist grundsätzlich kein Verlass. Dass die Scharia nicht kodifiziert ist, sollte uns nicht zu der Annahme verleiten, sie sei mit der Demokratie kompatibel oder gar human. Die so genannte Flexibilität der Scharia ist vielmehr prinzipielle Willkür.

A: Alle Pädagogik muss sagen: Die Scharia stammt nicht von einer Gottheit. Der Rechtsstaat muss sagen: Die Scharia diskriminiert Frauen und Nichtmuslime ebenso systematisch wie begrenzt willkürlich. Die Familienpolitik und Ordnungspolitik der Scharia ist, will man die Rechtsspaltung vermeiden, als ein vormodernes und gegenkulturelles Parallelrecht keinesfalls unter Religionsfreiheit Artikel 4 des Grundgesetzes zu fassen. Mit der islamrechtlichen Amputation von Händen und Köpfen scheint Frau Kaddor keine Probleme zu haben. Kaddor will die Rechtsspaltung, Kaddor will die muslimische Sondergesetzlichkeit mit Fatwa-Räten und dazugehörigen Muftis, mit Scharia-Gerichtshöfen.

9 Muhammad. Für die meisten Muslime ist er ein Mensch, der keine Fehler hatte und in allem perfekt war. Er war stets freundlich zu allen Menschen und gerecht in allen Lebenslagen.

K: Mit der neunjährigen Ehefrau Aischa geschlechtlich verkehren, das soll fehlerfrei und perfekt sein? Lamya Kaddor hat ja bemerkenswerte Ansichten. Auch wundert es mich, dass Kaddor als verheiratete Frau damit einverstanden ist, mit bis zu drei Nebenfrauen ihres Ehegatten rechnen zu müssen, von Konkubinen nicht zu reden.

A: Mohammed war ein Feldherr, darauf aus, Beute zu machen, Nachbarstämme zu besiegen und einzugemeinden, Sklaven und Frauen zu erbeuten. Er vertrieb den Stamm der Banū Nadīr aus einer fruchtbaren Oase und ließ die männlichen Angehörigen der Banū Quraiza persönlich allesamt ermorden. Die Frauen wurden selbstverständlich gefangen genommen, manche versklavt, andere geheiratet, in jedem Fall islamisiert. Mohammed war also durchaus brutal. Lamya Kaddor müsste Mohammed hörbar kritisieren.

10 Noch wichtiger ist es, die jungen Muslime in Deutschland zu religionsmündigen Menschen zu erziehen

K: Religionsmündigkeit definiert Wikipedia als „das Recht eines Kindes, über seine Religionszugehörigkeit selbst zu entscheiden.[5]

A: Kaddor müsste ihre Schülern Möglichkeiten der Korankritik, Schariakritik und Islamapostasie aufzeigen und erklären und gegebenenfalls die vierzehnjährigen Apostatinnen und Apostaten wohlwollend und wertschätzend begleiten und vor den wütenden Eltern schützen. Das wäre Erziehung zur Religionsmündigkeit, wir werden Frau Kaddor dahingehend beobachten müssen.

K: In Wirklichkeit dürfen – laut Kaddor und Koran 3:7 – noch nicht einmal mehrdeutige Koranverse autonom ausgelegt werden. Kaddor arbeitet also gegen die Religionsmündigkeit, nahezu die gesamte islamische Geistlichkeit tut das. Sie können aus dogmatischen Gründen derzeit und wohl noch auf einige Jahrzehnte nicht anders, ohne bid’a (Neuerung) und kufr (Unglaube) zu begehen. So eine „Religion“ ist in der kulturellen Moderne nicht schulreif.

A: Allerdings. Auch auf Jahrzehnte.

10 … gibt es auch in Deutschland den Islam in vielen Erscheinungsformen

A: Warum ruft Frau Kaddor nicht aus: „In welcher Gesellschaft wollen wir in zwanzig Jahren leben?“ Denn das ist unsere Verantwortung, wenn es nun wenig fundamentalistische, orthodoxe und sehr fundamentalistische Muslime gibt – welche der Gruppen hat in Zukunft die Deutungshoheit zum Thema Islam?

K: Frau Kaddor ist tolerant. Hauptsache, die Scharia wird nicht angetastet.

10 Muslime … in der Bildungspyramide der deutschen Gesellschaft nicht proportional vertreten

A: Wie wäre es mit Lernen? Fleiß? Unterstellt Kaddor dem deutschen Bildungssystem islamfeindlichen Kulturrassismus, systematische Diskriminierung der an Allah Glaubenden?

K: Bildungsferne ist nicht an die Gene gebunden, sondern wird sozial vererbt, das gilt auch für autochthone (deutschstämmige) Familien.

A: Islam und Bildungsverweigerung ist leider immer noch ein (sozial)pädagogischer Teufelskreis.

K: Im Haus gibt es kein Buch. Kinder haben kein Spielzeug. Dürfen keine Fragen stellen. Erleben ihre Eltern nicht beim neugierigen Lernen, beim Lesen. Eltern waren und sind zu träge, sich aufzumachen und die Sprache des Gastlandes gründlich zu erlernen. Die Mädchen haben einen eingeschränkten Bewegungshorizont, damit einen eingeschränkten Erfahrungshorizont.

A: Viele deutsche Türken sind sozusagen niemals ausgewandert. Ja, die Mädchen werden vielfach weggesperrt und zwangsverheiratet. Da gestaltet niemand ein eigenes Weltbild, das ja die Großfamilie in Frage stellen würde.

K: Und die Scharia als Machwerk, Maske und Fessel entlarven würde. Stichwort selbst gewählte Fremdheit zum einen.

A: Kerker Großfamilie zum anderen.

10 Der Islam wird häufig mit Fundamentalismus gleichgesetzt

K: Wundert uns das jetzt?

A: Mit Kaddors Gottes- und Weltbild wird das eher noch schlimmer werden, fürchte ich. Denn Selbstbild, Gottesbild und Weltbild sind jedem Individuum innerpsychisch in einem Gleichgewicht aufeinander bezogen wie die Elemente eines Mobilé. Mit dem angsterfüllten Wohlverhalten eines Sunna-Fundamentalismus oder einem antidemokratischen ordnungspolitischen Scharia-Islam ist ein reifes Weltbild nicht zu entwickeln.

K: Kaddor versäumt es, sich zur kulturellen Moderne zu bekennen. So aber wird der flächendeckende Islamunterricht im Stile des von Lamya Kaddor mitverantworteten Schulbuchs ’Saphir 5/6’ zur Gefahr für gelingende Integration. Mit Angst vor der Höllenstrafe im Jenseits und Allahs strafendem Missfallen im Diesseits ist weder die Religionsmündigkeit noch ein selbst bestimmtes Leben zugänglich. Alle Kinder haben das Recht auf eine eigene Biographie.

10 (Mit dem islamischen Religionsunterricht in deutscher Sprache) könnten Kinder befähigt werden, sich in deutscher Sprache über ihren Glauben zu äußern

K: Das können sie noch nicht einmal auf Türkisch, Kurdisch oder Arabisch.

A: Selbst erwachsene, autochthone Konvertiten zum Islam geben nur Stereotype wieder. Da ist niemals persönliche Spiritualität sprachfähig geworden, da wird papageiengleich nachgeplappert.

K: In der Tat, die (meisten) Deutschen hätten die Sprache und sind im Allgemeinen sogar säkular und kritisch sozialisiert worden. Kaum muslimisiert, ist es mit dem Entwickeln eines persönlichen Gottesbildes vorbei.

A: Auch Lamya Kaddor findet kein Wörtchen einer eigenen Gottesvorstellung, verrät uns keinen Krümel persönlicher Spiritualität. Sie ist Empfängerin von Fatwen und ruft die Schüler zum schariatischen Wohlverhalten gemäß der jeweiligen Madhhab und Großfamilie des Schülers auf. Den Schülern bleibt damit zum eventuell unvermeidlichen eigenwilligen Protest nichts als das Schlupfloch, die Eltern an islamischer Radikalität zu übertreffen.

K: Die Scharia ist für orthodoxe (politreligiöse) Muslime „die ewige, unverhandelbare“ (Großmufti Cerić) islamische Pflichtenlehre, die nach ordnungspolitischer, letztlich auch militärpolitischer Totalität strebt und die den Gott Allah als obersten Gesetzgeber und Souverän darstellt. Der Scharia sind auch alle Nichtmuslime zu unterwerfen. Nach den „ewigen“ Regeln der Scharia dürfen Muslime an der Ausübung ihrer „Pflichten“ auch von Nichtmuslimen nicht gehindert werden. Das versteht Kaddor unter Integration.

A: Für Parteigänger der Scharia, des politischen Islam gilt die parlamentarische Demokratie als sittlich minderwertig und letztlich widergöttlich. Kaddor will die Scharia.

10 Noch wichtiger ist es, die jungen Muslime in Deutschland zu religionsmündigen Menschen zu erziehen, damit sie den Islam in Deutschland – in all seinen Facetten – selbstbewusst leben können.

K: Welche Facetten bitte sind denn hier gemeint?

A: Kinderheirat oder Handabhacken?

K: Doch wohl hoffentlich nur diejenigen Facetten, die mit dem Grundgesetz vereinbar sind. Unter Religionsmündigkeit verstehe ich kritisches Reflektieren religiöser Traditionen und Normen, Befähigung der Schülerinnen und Schüler zur religionswissenschaftlichen Außenansicht sowie die dezidiert bejahte negative Religionsfreiheit bis hin zum ermöglichten Verlassen der Glaubensgemeinschaft ohne Sorge um Gesundheit und Leben. Ebenfalls ist der Begriff der Familienehre zu hinterfragen.

A: Und derjenige der traditionellen islamischen Gender-Konstruktion, die Mann und Frau als radikal wesensverschieden definiert und die Frau religiös wie rechtlich und politisch systematisch diskriminiert.

K: Der Islam muss lernen, zwischen Religion und Politik zu unterscheiden, zwischen privater, persönlicher Spiritualität und Parlamentsdebatte.

A: Säkulare Demokraten können erwarten, dass sich Frau Kaddor von den Konzepten der ’hakimiyya(t) Allah’(Gottesherrschaft) und ’din wa daula’ (Islam als Religion und Staatlichkeit) hörbar distanziert.

11 Wer jedoch als Muslim angegriffen oder verdächtigt wird, reagiert auch als Muslim.

A: Kaddor spricht wohl über einen Nichtmuslim, der einen Muslim (verbal) angreift oder eine Verdächtigung äußert. Gehört das in eine Lehrerfibel?

K: Warnung vor dem bissigen Hund! Das kann doch wohl nicht wahr sein. Haben Muslime sich nicht genau so an demokratische Spielregeln zu halten wie alle anderen auch?

A: Man stelle sich vor: „Achtung, freilaufende kleine Katholiken, im Beleidigungsfall reagieren sie wie kleine Katholiken!“

12 Nur durch ein Aufeinanderzugehen ist Integration möglich

K: Gute Idee, wie wäre es denn, Frau Kaddor?

A: Will Kaddor uns ein schlechtes Gewissen machen, die Nichtmuslime sollen sich des Muslimdiskriminierens schuldig fühlen? Der rhetorische Islam sonnt sich in seiner selbst gewählten Opferrolle. Kalkuliert.

K: Wo ist denn bitte die Handreichung für muslimische Eltern, in der erklärt wird, wie man mit dem demokratisch-säkularen Staat, seinen Institutionen und Angestellten umgeht? Diese Frage geht an Thomas Kufen. Und an Lamya Kaddor: Wo sind denn, Elternsprechtage und Elternversammlungen betreffend, die muslimischen Eltern der letzten vierzig Jahre gewesen? Einwanderer, die dauerhaft in Deutschland leben möchten, sollten Deutsch lernen. Das wäre der erste Schritt, der auch für Muslime gilt. Der zweite wäre, Deutsch mit den Kindern zu sprechen.

12 Koran: Nehmt nicht meine Feinde und eure Feinde zu Freunden. 13 Dschihad: Großer Dschihad, kleiner Dschihad

K: Kaddor argumentiert mit dem Koran: Alle Nichtmuslime sind Feinde Allahs und Feinde der Muslime. Mit dieser militanten Ethik zersetzen, untergraben wir die schulische Klassengemeinschaft. Wie sollen Kinder, die gerade im islamischen Bekenntnisunterricht gelernt haben, dass sie ihre Klassenkameradinnen und Klassenkameraden zu hassen haben, in den folgenden Stunden miteinander friedlich auskommen? Respektvolles Umgehen miteinander ist mit der Dschihad-Doktrin nicht möglich, auch nicht mit der Doktrin des von Frau Kaddor erwähnten großen Dschihad, der der islamischen Psychohygiene, der Selbstreinigung diene. Freundschaft zu Ungläubigen besudele die Seele des korantreuen Kindes. Frau Kaddor, wie war das doch mit dem aufeinander Zugehen?

A: Kaddor folgt dem islamischen Rechtsgrundsatz “al-walā w’al-bara’ā“, die sich auf Deutsch etwa mit „Lieben, was Allah liebt, und hassen, was Allah hasst“ übersetzen lässt. Auch von dieser Doktrin muss Pädagogin Kaddor sich hörbar und glaubwürdig verabschieden.

K: Lamya Kaddor hat dazu keine persönliche Meinung: So versteht sie ihr Amt.

13 Märtyrertod: Paradies, 72 Jungfrauen

A: Kaddor verbreitet das Dogma vom Märtyrertod und lehrt, dass 72 Jungfrauen den Märtyrer im Paradies erwarten. Das soll moderne Pädagogik sein?

K: Wie können wir zulassen, dass diese grundgesetzwidrigen Dogmen islamischer Religion in unseren Klassenzimmern gelehrt werden? Kaddor als die Ausbilderin der künftigen muslimischen Religionslehrerinnen und Religionslehrer hat dieses konfliktreiche Erbe aufzuarbeiten und religionskritisch zu problematisieren.

A: Dem schahīd (Märtyrer) stünden 72 Jungfrauen sexuell zur Verfügung, was für ein Macho-Mythos. Die absolut wortgläubige Kaddor trägt das einfach so weiter in die nächste Generation.

K: Und das als Frau! Hier wird deutlich, dass der aus dem Grundgesetz abzuleitende Gleichheitsfeminismus mit Koran wie auch Scharia nicht in Übereinstimmung zu bringen ist. Selbstverständlich steht dem Märtyrer immer unverbrauchte Ware zur Verfügung, die nicht altert.

A: Unbegrenztes Haltbarkeitsdatum.

K: Beschmutzen kann er sich auch nicht, denn sie sind rein, da sie keine Menstruation haben und nicht gebären. Misogyner geht`s nimmer.

A: Die menschenverachtenden Gebote kultischer Reinheit bei den entsprechenden antrainierten Ängsten vor angeblicher Besudelung (Verbot, den Tempel zu betreten usw.) durch Menstruationsblut, Sperma und den schwangeren Leib der Frau, wie sie teilweise im afropazifischen und eben auch im orientalischen Menschenbild jahrtausendelang tradiert worden sind, sie sind neurotisch und vormodern, die moderne Pädagogik muss sie ablehnen. Lamya Kaddor ist nicht in der Lage, sich dieser bürgergesellschaftlichen und zivilisatorischen Aufgabe zu stellen. Mit dieser Haltung darf sie nicht vor einer säkular gedachten Schulklasse stehen. Wer kontrolliert eigentlich unsere Lehrer?

K: Niemand! Anything goes.

A: Woodstock goes caliphate.

13 dār al-islām, dār al-harb

A: Allahs Endsieg: Den kosmische Kampf zwischen Gut und Böse gilt es, im Hier und Jetzt zu bestreiten.

13 Muslime in Deutschland: Die Scharia [bildet sich nicht ab] in der Verfassung

K: Allerdings, hier gilt das Grundgesetz, nicht die Scharia. Kaddor bzw. Kufen schreibt abwechselnd Scharia und šarī’a, was die elektronische Suchfunktion (vielleicht ja gezielt) erschwert und zu unterschiedlichen Treffern führt.

13 [die Scharia als für die BRD ohne Verfassungsrang] im schulischen Bereich zu einem Dilemma führt, besonders wenn es beispielsweise um den koedukativen Schwimm- und Sportunterricht geht

K: Wieso nur im schulischen Bereich, für Demokratinnen und Demokraten gilt das Grundgesetz, das mit der Scharia nirgendwo kompatibel ist, auch nicht im Erb- und Familienrecht.

A: Vom Strafrecht nicht zu reden, vielleicht vermisst Kaddor ja die verfassungsrechtlich garantierten Peitschenhiebe.

13 Die überwiegende Mehrheit der muslimischen Haushalte fühlt sich dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland gegenüber verpflichtet und lebt danach

K: Das Innenministerium kommt zu einer ganz anderen Auffassung, wie die Studie ’Muslime in Deutschland’ (2007) feststellt[6]. Hans-Ulrich Jörges, berichtet in ’Die vergrabene Bombe’ von der alltäglichen familiären Gewalt in muslimischen Einwandererfamilien[7]. Erwähnenswert ist hier auch der Integrationsbericht der Bundesbeauftragten für Integration Dr. Maria Böhmer[8].

13 [Muslime in Deutschland haben] die Tendenz, die Eigenständigkeit zu erhalten und zu pflegen

A: Sollten wir nicht eher von Abschottung sprechen?

K: Erdogans Beauftragung an die Deutschtürken, sich nicht zu integrieren? Um es mit Arzu Toker zu sagen: „Grundrechte à la carte. Die Demokratie ist jedoch kein Selbstbedienungsladen.

A: Es liegt eine Gefahr für gelingende Integration darin, die Arbeitsmigranten in Europa als ansar (Unterstützer, in Yathrib nachmals Medina) zu sehen und die muslimisch dominierten Straßenzüge als Brückenkopf einer hidschra, der legendären Auswanderung mit dem Ziel der Gründung oder Ausweitung des islamischen Staatswesens nach dem Medina-Modell (Raddatz) zu betrachten.

14 Häufig ist man nur mit Muslimen befreundet

A: Der Tochter aus muslimischem Elternhaus ist es schlich verboten, einen autochthon-nichtmuslimischen oder auch einen selbst gewählten muslimischen Freund zu haben, ganz im Einklang mit der von Frau Kaddor so geschätzten Scharia übrigens.

K: Mädchen dürfen noch nicht einmal zu einheimischen Freundinnen (den ’Feindinnen Allahs’), oft noch nicht einmal zu türkisch-muslimischen Freundinnen. Jede muslimische Familie bildet eine abgeschottete Welt, eine Wagenburg, in die nur Verwandte Zutritt haben.

A: Ehen der Töchter (und Söhne[9]) werden regelmäßig abgesprochen[10], kein Wunder, der Freundeskreis ist total eingeschränkt, vorsortiert.

14 Deutschland. Eine Heimat, die sie oft nicht spüren lässt, dass sie ein Teil dieser Gesellschaft sind

K: Welchen Teppich sollen wir den muslimisch geprägten Einwanderern denn noch ausrollen? Deutschland bietet ihnen ein nahezu kostenfreies Bildungssystem, stellt Jungen wie auch Mädchen (!) gute berufliche Chancen, garantiert Meinungsfreiheit und Religionsfreiheit sowie Schutz von Leib und Leben.

A: Nur mit dem Schutz vor Zwangsehe, islamisch motiviertem Ehrenmord und schafiitischer oder seitens der al-Azhar gebilligter FGM (und MGM) hapert es noch ein wenig.

K: Die weltweite Rezession macht vor niemandem Halt und trifft vor allem bildungsferne Jugendliche. Mit Islam oder gar der von Kaddor implizit unterstellten Islamfeindlichkeit hat das nichts zu tun, eher schon mit mangelnder Lernbereitschaft, die man leider auch bei deutschstämmigen Kindern und Jugendlichen findet.

A: Arbeitslosigkeit ist frustrierend – auch für Nichtmuslime.

14 Die sogenannte Mehrheitsgesellschaft muss der Minderheit [lediglich der Muslime?] die Hand ausstrecken und Angebote machen. Diese Angebote wurden in den letzten 30 Jahren allerdings nicht gemacht.

K: In der Tat hätten gute Angebote der Sprachförderung die sprachliche Integration erleichtert.

A: Bildungskurse, die vor islamischem Fundamentalismus warnen, wären auch sehr sinnvoll gewesen.

K: Es ist nur auffällig, dass beim Sprachtest im Kindergarten viele Mädchen und Jungen nicht anwesend sind[11]. Testaufbau und Supervision ist ausbaufähig.

14 Integration braucht von beiden Seiten Bewegung aufeinander zu

K: Das Grundgesetz ist nicht verhandelbar.

15 Kann es der Schule gelingen, ethnisch, sprachlich, kulturell, religiös homogene Gruppenbildung der Schülerinnen und Schüler zu durchbrechen, zu mischen (…)

K: Dann müsste erst einmal das türkische Mädchen neben einem „nichtmuslimischen“ Jungen sitzen, zeichnen, laufen und schwimmen dürfen. In der Nachmittagsbetreuung sollte man dafür sorgen, dass die Kinder und Jugendlichen nur Deutsch miteinander sprechen. Ich kann als türkische Mutter meiner Tochter erlauben, die „urdeutschen“ (Ateş) Kinder von nebenan zum Geburtstag einzuladen und die Tochter zu den nichtmuslimischen Kindern und Jugendlichen zu einer Party gehen zu lassen. Und dann die Klassenfahrten! Die Sportvereine, die niederschwelligen Traditionsvereine, die Pfadfinder, die Musikschulen, die Schulprojekte! Gelegenheit der Begegnung gäbe es reichlich.

A: Stattdessen zementiert Kaddor in aller Unauffälligkeit die Kategorien der Sondergesetzlichkeit und angeblichen Wesensverschiedenheit: Die Gruppe der Nichtmuslime und diejenigen der angeblich so ganz ’anders’ gearteten Muslime, immer wieder verfestigt sie diese Klassifikation.

15 Zunächst gilt es, die Gruppenbildung als einen natürlichen, notwendigen und nicht steuerbaren Vorgang zu akzeptieren

A: Im Ansatz gescheitert, damals die ’akzeptierende Jugendarbeit’ bei jugendlichen Neonazis. Nein, wir sollen einschreiten, Kinder brauchen Grenzen, Neonazis und Islamisten und Schariafreunde auch. Gruppenbildung: Will Kaddor das fitra-Konzept, Mädchen würden eine awra (aurah) haben, Mädchen seien total anders als Jungen?

K: Das glaubt Kaddor, sie will die Segregation.

A: Sie will die Trennung in dār al-harb und die dār al-islam im ’geometrisch zerrissenen’ Klassenzimmer. Kaddor unterscheidet (’dichotom’ und womöglich kulturrassistisch) in die Kategorie der nichtschariatisch lebenden und der schariatisch lebenden Kinder und Jugendlichen.

K: Als korantreue, der Scharia verpflichtete Religionspädagogin muss sie das wohl. Ein weiterer Beweis, dass islamischer Religionsunterricht die Integration nicht erleichtert, sondern erschwert.

A: So eine Religion kann kein ordentliches Lehrfach sein.

16 Sportunterricht

A: Kaddor vermeidet es, sich zum koedukativen Sportunterricht und Schwimmunterricht zu bekennen.

K: Das sollte sie aber tun, wo sie doch ausdrücklich bei Eltern vorhandene Probleme („Dilemma“) zwischen gemischtgeschlechtlichem Sportunterricht und den Forderungen von Islam und Scharia sieht.

18 [Islamisch erzogene Kinder] „Wir dürfen uns Gott nicht vorstellen. Das ist harām (verboten) und wir kommen in die Hölle dafür!“ Sie sind es nicht gewohnt, über Gott nachzudenken. Das eigenständige Denken wird von vielen Seiten nicht gefördert.

K: Über Allah und seine Schöpfung nachzudenken und darüber auch noch zu reden oder gar islamische Werte und Normen zu kritisieren ist bei Höllenstrafe im Jenseits und Prügelstrafe auf Erden unzulässig. Dieser islamische Habitus hat leider auch Konsequenzen für alle anderen Schulfächer, namentlich für Biologie (Evolution, Gespräch über Tiere), Sexualkunde (Fortpflanzung und Geburt, angstfreie Betrachtung des unbekleideten Leibes, Verteufelung des weiblichen Körpers), Kunst, Naturwissenschaften und Sport. Die gesamte Natur (Ökologie) wird von muslimisch geprägten Menschen allzu schnell dem Korsett des Fundamentalismus unterworfen, Tierschutz und Umweltschutz werden, emotional wie kognitiv, allenfalls erschwert erreicht. Empathie und neugierige Weltaufgeschlossenheit sind für ostasiatische oder südeuropäische Kinder viel eher zugänglich, islamisch sozialisierte Kinder jedoch scheinen innerlich dem Vorwurf von bid’a (Neuerung) und schirk (Beigesellung) ausweichen zu müssen.

A: Eigene, persönliche Religiosität findet eigene, eigenwillige und eigensinnige Sprache. Der Islam aber denkt bis heute vor allen Dingen in den Kollektivismen von Stamm, Nation („das Türkentum“, „wir, die Kurden“) und Umma (muslimische Weltgemeinschaft) und tut sich schwer damit, dem Individuum Eigenwilligkeit und Eigensinn zuzugestehen. Alles Nichtislamische soll nicht nur abgelehnt, sondern aktiv gehasst werden, da wird die staatliche Schule oder die säkulare Wissenschaft rasch zum vermeintlichen Götzendienst. Jeder Fiqh-Islam oder Scharia-Islam ist mit dem Aufbau von äußeren wie innerseelischen Lernbarrieren verbunden (zumal beim Kind), oder aber (gerade beim Erwachsenen) mit der Abspaltung des Spirituell-Emotionalen vom Kritisch-Rationalen, hin zum ’fundamentalistischen Weltbetrachten’, wie man es etwa von akademischen Kreationisten kennt (islamisch Harun Yahya, Mustafa Akyol).

K: Statt frühkindlicher religiöser Erziehung sollten Mädchen und Jungen spielend und experimentierend ihre Welt entdecken. Kinderbücher, Bauklötze oder Puppen wird man in nordafrikanischen oder kleinasiatischen Familien meist vergebens suchen.

A: Desgleichen Malsachen, zeichnen hieße ja, sich Pläne machen dürfen, „sich etwas ausmalen“. Wir sind nicht gegen Religion. Religionskundliches Wissen und Mythen sind der Entwicklung förderlich. Kinder brauchen Märchen, ja. Antrainierte, angeprügelte Angst vor der Hölle brauchen Kinder jedoch nicht.

18 „Wenn der Hodscha das gesagt hat, ist es ja wohl richtig!“ – Die derzeit einzige Instanz, die diesen Tendenzen entgegenwirken kann, ist die öffentliche Schule.

K: Allerdings, die Schule mit ihren der Säkularität verpflichteten Lehrkräften, die in der aufklärungshumanistischen Tradition von Voltaire und Kant stehen, ist die einzige Lösung, Kinder gegen Fundamentalismus zu immunisieren.

A: Frau Karagözlü stimme ich zu, und ob wir diese Qualitätskriterien für unsere staatlichen Schulen aus dem Goethe-Humboldtschen Wertgefüge ableiten oder aus dem antitotalitaristischen und herrschaftskritischen der siebziger Jahre ist dabei zweitrangig. Entscheidender ist es da wohl, den politischen (orthodoxen) Islam als totalitäre Herrschaftsordnung zu entmystifizieren.

K: Bezeichnenderweise spricht Frau Kaddor die Problematik der islamischen Unfähigkeit zur Reflexion und Kritik zwar ebenso an wie die schwarze Pädagogik der Großfamilien und Koranschulen. Jetzt bietet sie uns was als Lösung an? Den korantreuen Islamunterricht, dessen Inhalt von jeder Schülerin und jedem Schülern nicht hinterfragt werden darf. Wie Kaddor (Seite 8 der Handreichung) den Koranvers 3:7 sagen lässt, interpretieren, deuten nur die Uneinsichtigen und Streit Suchenden.

A: Wo ist das Kaddor-Konzept zu ihrer Lehrerausbildung, wo sind die Leitlinien, nach denen „ihre“ jetzt noch bei Kaddor studierenden Lehrerinnen und Lehrer später „Islam unterrichten“ sollen? Wo ist Kaddors Gottesbild, wo ihre überprüfbare Didaktik zu Höle, Teufel, Scharia, Fiqh, Dschihād, Dhimma oder Kalifat?

19 Der Glaube daran, dass alles vorherbestimmt ist. Vorherbestimmungen

A: Kaddor vertritt eine irgendwie gezügelte Variante der orthodoxen islamischen Prädestinationslehre und will vor extremem Fatalismus islampädagogisch warnen? Das wäre in Ordnung. Die Prädestination war im Christentum auch mal ein „Problem“, beispielsweise für Calvin oder für die transatlantisch-protestantische „christliche“ Auffassung eines ’Am Reichen zeigt sich das vorweggenommene Himmelreich’.

Theologisch geht es beim Dogma der Vorherbestimmung stets um Gottes Allmacht, Gottes Gnade, des Menschen Willensfreiheit, die menschliche Verantwortlichkeit für seine Taten. Es geht um ein Gottesbild – und damit um ein Menschenbild, um Erziehungsaufgaben. Islamisch zentral: Gender-Apartheid, Dschihad-Doktrin, Dhimmī-Status und Apostatenmord. Qadar (maskulin, der qadar), wörtlich ’das Zugeteilte’ ist der islamische Begriff für Vorherbestimmung oder zu ertragendes Schicksal oder gottgewolltes Los. Der qadar führt uns zum fitra-Konzept der politischen Scharia (die ’fitra’ steht unter muslimischen Fundamentalisten für ’natürliche Veranlagung, Art und Weise des Erschaffen-Seins’, fitra ist islamische Ideologisierung des Körpers). Nach der fitra beispielsweise ist jeder Mensch ’von Natur aus’ Muslim. Kaddor möchte sich offensichtlich nicht vom Dogma der fitra distanzieren. Aus der fitra lässt sich sogar die Kopftuchpflicht ableiten und das Verbot für Männer, kurze Hosen zu tragen und sich die Penisvorhaut nicht rituell amputieren zu lassen. Wer gegen die ewigen Prinzipien der fitra verstößt, wird bestraft werden – alles qadar. Das Los, das dir Allah zugeteilt hat, ist zu tragen, als indonesische oder ägyptische Muslima eben die FGM, die von der schafiitischen Rechtsschule oder der so genannten Universität der Kairoer al-Azhar verteidigte Genitalverstümmelung. FGM ist beides, fitra und qadar.

K: Wenn ich mich dem qadar, der ’göttlichen Vorhersehung’ unterwerfe, im Türkischen sagt man Kismet, verzichte ich auf Einflussnahme, Gestaltungsoption und persönliche Verantwortlichkeit. Ernährungsfehler, körperliche und geistige Handicaps, Krankheit und Unfall, sexuell übertragbare Krankheiten sind dann ebenso Schicksal und Allahs Wille wie Umweltverschmutzung, Klimawandel, Bodenversalzung oder die Desertifikation, das Voranschreiten der Wüsten. Die genetischen Risiken der Cousinen-Ehen oder die Ausbreitung von AIDS und anderen Geschlechtskrankheiten (Abhilfe wäre die Verwendung von Kondomen) wären dann unvermeidlich. Die Logik des qadar geht bestens einher mit Lernverweigerung, inszenierter Larmoyanz und der Unfähigkeit, Kritik zu äußern oder entgegenzunehmen.

19 Alle eigenen Interessen sind der Familie unterzuordnen, denn die Interessen der Familie stellen das höchste Gut dar. Darunter leidet die Persönlichkeitsentwicklung.

K: Na endlich! Ein wichtiges Thema. Die traditionelle arabische oder islamische Erziehung verlangt die Auflösung, Auslöschung des Individuellen. Mädchen und Frauen tragen in der Öffentlichkeit Kopftuch, um dieses (öffentliche) Verloschensein äußerlich zu dokumentieren, was muslimischen (wie nichtmuslimischen) Menschen allerdings zumeist nicht bewusst ist. Außerhalb des Hauses hat die muslimische Frau keine ’Rolle’, der öffentliche Raum ist nicht nur männerrechtlich, sondern auch maskulin.

A: In der islamischen Mystik etwa der Sufis wird das hingebungsvolle Aufgeben des autonomen Selbst in eine Ekstase oder Trance hinein als der tadscharrud (tajarrud) bezeichnet, als die Abstreifung des Ego, der Begriff wird gelegentlich auch in Bezug auf das Umkleiden nach der sakralen Reinigung auf der haddsch-Wallfahrt verwendet.

Die Individualität unterjochen lassen, sich in Großfamilie, Moscheegemeinde, Madhhab und Umma hineinzwingen lassen (Islam bedeutet wörtlich Unterwerfung), als Befehlsempfänger in den Tages- und Jahresrhythmen, Fieberkurven der politischen Empörung und in den von Ayatollah oder Mufti vorgeschriebenen Weltbildern mitmarschieren, das ließe sich als politischer tadscharrud bezeichnen. Die Tochter zwangsweise zu verheiraten (oder schafiitisch beschneiden zu lassen), weil alle das tun oder als Türke den Armeniervölkermord leugnen weil alle das tun wäre dann der ’soziale tadscharrud’ islamischen Wohlverhaltens.

Der unter heutigen Islamisten wertgeschätzte Gründer der Muslimbruderschaft (1928 ) Hassan al-Banna habe den Begriff tadscharrud sehr betont, berichtet 2008 der in Großbritannien viel gelesene, radikale malaysische Blog DakWah hiLaHi und findet zu ’tajarrud’ die klaren Maßgaben, in sich selbst jede Spur von menschengemachten Ideologien und anderen Ismen wie etwa Sozialismus oder Kapitalismus auszulöschen, um den unverfälschten, unvermischten, reinen kosmischen Islam durch sich strömen zu lassen[12]. Sich geplant als lebende Bombe gemeinsam mit nicht informierten Ungläubigen in die Luft zu sprengen wäre mit al-Banna gesprochen vielleicht dschihadistischer tadscharrud. Darunter leidet die Persönlichkeitsentwicklung (Kaddor).

K: Früher sagte man in Deutschland: „Wes` Brot ich ess`, des Lied ich sing`“ oder, vor 1968: „Solange du die Füße unter meinen Tisch stellst …“. Das versteht Kaddor also unter Erziehung zur Religionsmündigkeit. Kaddor lakonisch: Darunter leidet die Persönlichkeitsentwicklung. Sie kritisiert diesen Missstand mit keinem Wort.

19 Das ewige Hintenanstellen der eigenen Interessen vor den Familieninteressen

A: Sie meint wohl: „hinter den Familieninteressen“, die Familieninteressen gehen vor, das Bedürfnis des Individuums wird abgehängt, abgedrängt …

K: … Kaddor weiß genau, was sie tut und was sie sagt. Wie steht sie zur Unkultur der ’Waschung der Familienehre’ (Mord aus falsch verstandener Ehre)? Das soll die Persönlichkeitsenwicklung behindern? Das ist doch wohl untertrieben, das Mädchen ist tot.

A: Will Kaddor („Familieninteressen“) die islamische Kultur der Zwangsheirat und der ägyptischen, kurdisch-irakischen oder indonesischen FGM? Sie schweigt.

K: Betreibt sie den kitman, die Lüge durch Auslassung?

A: Islamische Rhetorik: Die taqiyya, der kitman, der īhām.

Die taqiyya (eher nur bei Not für Leib oder Seele) oder der īhām (eher ohne Notlage, also bei Mission (da’wa), Werbung für den Islamverband, Moscheebauwunsch oder bei Bezness) sind Lügen durch aktive Falschaussage. Der besonders orthodoxe Imam mag sagen: Diese Moschee wird die Integration befördern, der Bezness-Profi mit treuem Blick beteuern: Ich bin nicht verheiratet, du musst nicht konvertieren und in der islamischen Ehe wird die Frau niemals geprügelt.

Der kitman hingegen ist das Lügen durch gezielte Auslassung, die halbe Wahrheit nur wird gesagt, als kalkulierte Doppelbotschaft oder sogar Mehrfachbotschaft für ein an Wissen über die Scharī’a intern strukturiertes, ein verschieden gut informiertes Publikum: Sich offiziell nichts nachweisen lassen. Wohlwollender könnte man den kitman als die Poesie der kunstvollen Anspielung verstehen, als eine dem Eingeweihten Etliches an Bildung verratende Hintergründigkeit, als mystische Tiefe oder einfach als ein zweiter mit-gemeinter Sinn.

Während die taqiyya die aktive, wortgewordene Lüge darstellt, meint der kitman den Krieg der Andeutung, die List der Halbwahrheit, der ’dschihād der Stille’, das um die Sache herum Reden, ein zwar teilweises, doch nicht weniger gezieltes Verschweigen der Wahrheit.

Die kunstvolle Lüge. Nur Allah ist von unübertrefflicher List, der Koran nennt ihn „den besten aller Ränkeschmiede“ (13:33, 13:42).

Die Rhetorik des ’Lügens für den Glauben’ ist weniger Programm, eher eine Art Welt- und Lebensgefühl. Gewissermaßen bewahrheitet sich die Lüge in der grundsätzlichen Korruption jedes Machthabers zwischen Marokko und Malaysia, in der allgemeinen Rechtlosigkeit und Vetternwirtschaft und, nicht zuletzt, im hohen Maß familiärer Gewalt und Gewalt in der Erziehung. Das kunstvolle Lügen dient dem Überleben in der islamischen Gesellschaft.

19 [muslimische Jugendliche in Deutschland] Der Glaube an die Gerechtigkeit Gottes in seinem berechtigten Fordern und Strafen

K: Wenn du zwangsverheiratet[13] oder als Mädchen oder Frau genitalverstümmelt bist (Schafiiten, al-Azhar), ist das gerecht? Ehrenmord als Allahs berechtigtes Strafen?

20 [muslimische Jugendliche in Deutschland] Der Koran ist für sie das gültige Wort Gottes, das befolgt werden muss

K: Die Ehefrau, die nicht mit ihrem Mann geschlechtlich verkehren möchte, soll korangetreu erst gemahnt, dann gemieden und zuletzt geschlagen werden.

A: Aber nur mit der Hand und nicht ins Gesicht. Oder mit einem Stöckchen.

K: Laut Koran muss die Frau eine bis drei Nebenfrauen dulden.

A: Kaddor will die Polygamie, die ganze Scharia.

20 [muslimische Kindergartenkinder, Schulkinder und jugendliche Schüler in Deutschland] erleben das Nebeneinander verschiedener Religionen, Säkularismus und Gleichgültigkeit. Wie kann die Schule helfen, wenn Verbindliches relativiert und Religiöses nicht mehr mit Ehrfurcht beachtet wird?

K: Ambiguitätstoleranz ist das Zauberwort. In einer freiheitlichen Demokratie hat das Individuum die zu bewältigende Entwicklungsaufgabe, eine Fülle von Lebensstilen kennenzulernen und zu vergleichen und sich einen ganz persönlichen Habitus, eine ganz eigenwillige Biographie zu erarbeiten. Der Auftrag von Pädagoginnen und Pädagogen ist es, für die Kleinen eben spielerisch-kreativ, Wissensinhalte zu vermitteln, die Beobachtungsfähigkeit des jungen Menschen zu schärfen, sein Reflexionsvermögen und seine Kritikfähigkeit zu fördern. Schule ist Schutzraum und Experimentierfeld zugleich, gerade für das Ausprobieren von Geschlechterrollen. Das Klassenzimmer ist auch der Raum, der vor radikalen religiösen Ansichten schützen muss, nicht zuletzt vor islamischen, wie sie Wahhabiten, Milli Görüş, Muslimbruderschaft und Salafiyya in unseren Städten propagieren. Kopftücher gerade auch bei sehr jungen Schülerinnen ironisieren dieses entwicklungsförderliche Milieu weltanschaulicher Neutralität. Es ist durchaus gewollt, dass eine Vielfalt von Weltdeutungen, dass die ’Religion im Plural’, zu der eben auch atheistische, agnostische, pantheistische Auffassungen gehören, gleichwertig nebeneinander gestellt werden. Die kulturelle Moderne stellt sich der Herausforderung des Wertewandels und Wertepluralismus. Dazu gehört Toleranz dem Andersdenkenden und Andersgläubigen gegenüber. Damit hat der Islam Schwierigkeiten.

A: Entdecke die Möglichkeiten. Genau genommen ist jedem Mitmenschen anderes ’heilig’ als mir und hat jeder Mensch seine eigene Sicht auf das Absolute oder Göttliche, manche mögen sagen: Auf Gott. Ich kann ja mit ihm über meine derzeit favorisierten Werte und aktuellen Gottesbilder diskutieren, ihn überzeugen, mich überzeugen lassen.

25 [Einhaltung der Gebetszeiten für Schüler] Gott ist aus dem Leben der meisten Musliminnen und Muslime nicht wegzudenken.

K: Allah hat im Klassenzimmer Sendepause. Im Ernst, an einer bekenntnisfreien Schule haben Scharia und Sunna nicht den Ton anzugeben, auch nicht Bibel, Thora, Baghavad-Gita oder der zoroastrische Avesta. Die streng gläubigen Muslime können sich eine eigene Schule bauen, beispielsweise statt KGS, Katholische Grundschule, eine IGS, Islamische Grundschule. Da mag der Unterricht durch Gebetszeiten strukturiert werden, an staatlichen Schulen nicht. Und auch an islamischen deutschen Schulen haben die universellen Menschenrechte von 1948 ebenso volle Gültigkeit wie die Grundrechte der Bundesrepublik Deutschland.

27 [Unterrichtsbefreiiung für christliche Schüler bei kirchlichen Weltjugendtagen und Kirchentagen]

K: Hat die staatliche Schule nicht zu berücksichtigen, Religion ist Privatsache. Es dürfte für die Organisatoren kein Problem sein, den Schulbesuch der schulpflichtigen Teilnehmer bei der Kongressplanung zu berücksichtigen.

27 Speisegebote und Fasten. Die Speisegebote der Muslime sollten berücksichtigt und respektiert werden. Auf diese Weise kann eine Ausgrenzung vermieden werden.

A: Umgekehrt, die islamischen Speisegebote grenzen die Ungläubigen aus.

K: Es bleibt nicht beim Verbot des Schweinefleischverzehrs, es gibt Stufen zunehmender Radikalität: geschächtet, besonders halāl geschächtet, Zertifikat vom Imam, besonderes Zertifikat vom Großmufti, Geschlechtertrennung beim Essen in der Schulkantine, verschiedenes Besteck und Geschirr für halāl-Speisen und nicht-halāl-Speisen, Anwesenheitsverbot für schweinefleischverzehrende Nichtmuslime beim Mahl der Rechtgläubigen, Verbot von Schweinefleischverzehr, Anwesenheitsverbot von allen Nichtmuslimen, Verbot der Essenszubereitung von nicht-halāl-Speisen in der selben Küche, Verbot von nichtmuslimischem Küchenpersonal. Islamische Küche grenzt planmäßig aus.

28 [Speisegesetze gehören zur Kategorie] „Erlaubtes und Verbotenes“

A: Kaddors „Kategorie“ findet sich auch im Buchtitel des einflussreichen Predigers Yūsuf al-Qaradāwi („Erlaubtes und Verbotenes im Islam“), in dem der Gründer und politreligiöse Chef des Europäischen Fatwa-Rates das Verprügeln („leicht schlagen, nur mit den Händen, nicht ins Gesicht“) der ungehörigen Ehefrau empfiehlt und die Todesstrafe bei Unzucht, Homosexualität und Apostasie. Herr al-Qaradāwi gilt als eine der höchsten Autoritäten des sunnitischen Islam und billigt Selbstmordattentate („islamisches Märtyrertum“) gegen Israelis, auch gegen Frauen und Kinder.

Nur Allah und Lamya Kaddor wissen, ob es ein Zufall ist, dass „Erlaubtes und Verbotenes“ (Kaddor) nicht nur eine „Kategorie“ (Kaddor) ist, sondern ein Schulbuch[14]. Ein Schulbuch, das Anas Shakfeh als der oberste Inspektor aller Religionspädagogen für das österreichische Schulfach islamischer Religionsunterricht zehn Jahre lang einsetzte. Shakfeh leitet mit autoritärem Führungsstil und unbescheidenem Vertretungsanspruch sein wenig transparentes islampädagogisches Institutsgeflecht (IGGiÖ[15]; IRPI[16] mit dem Leiter Amir Zaidan, im selben Haus die IRPA[17]), das vom österreichischen Staat monopolartig mit der Kontrolle der schulischen Religionserziehung aller Kinder und Jugendlichen aus muslimisch geprägtem Elternhaus betraut ist[18]. Näheres zu Shakfeh unter Seite 59, Kamel-Fatwa / Amir Zaidan. Das Schulbuch ’Erlaubtes und Verbotenes im Islam’ ermuntert dazu, von Menschen gemachte Gesetze zu verwerfen und die einzig gültigen Gesetze vorzuziehen, das seien die von Allah geschaffenen. Ob Kaddor von diesem Buch noch nie gehört hat, in dem Yūsuf al-Qaradāwi lehrt, dass kein Mensch, sondern nur Allah sagen könne, was erlaubt und was verboten ist?

K: Kultische Speisegesetze definieren die ’Anderen’ als sittlich minderwertig und ekelhaft, Ekel erregend. Besonders ’motivierte’ junge Muslime halten in der immer und immer rigider durchzusetzenden Tugend-Politik, im halāl-Terror Übergriffe gegen ’unislamische Gesetzesbrecher’ für gerechtfertigt. Die staatliche Schule wird die islamischen Speisegebote daher immer wieder eingrenzen müssen.

A: Kaddor will die totale Sunna, den Sunna-Fundamentalismus.

K: Der Monat Ramadan, religiöses Fasten (welcher Glaubenslehre auch immer) sollte von der weltlichen Schule nicht berücksichtigt werden. Schülerinnen und Schüler sind von der angeblichen Pflicht, tagsüber nichts zu trinken, unbedingt zu befreien, besser vom gesamten Fasten. Vier Wochen Lernausfall können sich die Mädchen und Jungen nicht leisten. Sehr ungesund ist die Sache auch noch. In der Pubertät und im Wachstum ist der Körper mit dem Aufbau von hormonellem Gleichgewicht, Knochen- und Hirnsubstanz genügend ausgelastet, nicht umsonst besteht in der Zivilisation das Verbot von Kinderarbeit. Leider habe ich es als Sozialpädagogin öfter erleben müssen, dass vor allem Mädchen durch die Fastenvorschriften in Essstörungen gerutscht sind.

A: Für beginnenden Diabetes ist Fasten katastrophal, durch Bewegungsmangel (die nahezu wahnhaft in Bezug auf „unkeusches Verhalten“ kontrollierten Mädchen dürfen ja nicht raus und aus Angst vor zerrissenem Jungfernhäutchen keinen Sport machen) haben junge Deutschtürkinnen in erheblich hohem Maße Diabetes. Aufschlussreich, dass Lamya Kaddor wieder einmal ein Sonderrecht für ein ethnoreligiöses Kollektiv einfordert. Thomas Kufen scheint zu einer derartigen Segregation und ethnokulturellen Apartheid schlicht keine Meinung zu haben und signiert die Handreichung.

So wachsen die unsichtbaren Mauern der parallelen Gesellschaft. Das reaktionäre Kalifat mit seiner Dhimma weitet sich Straße um Straße aus und verfestigt sich, Deutschland ’islamisiert’. Die Chancen für so genannte ’muslimische’ Kinder und Jugendliche, die sich herausbildende islamische Gegengesellschaft zu verlassen, beginnen zu sinken. Merken wir denn gar nichts mehr: ’Muslimische Kinder’, warum dulden wir solch eine Klassen- oder Kastenbildung eigentlich? Es heißt an der weltlichen Schule, die schließlich aus den Steuermitteln aller Bürger bezahlt wird: ’Kinder’ und nicht etwa ’muslimische Kinder’!

K: Weil Schule ein Ort des Lehrens und Lernens nicht nur von theoretischem Wissen, sondern ein Raum der Persönlichkeitsbildung ist, muss der Eindruck entstehen, solche archaischen Speise- und Fastenvorschriften würde zur pädagogisch legitimierten Charakterschulung gehören. Die alten Achtundsechziger, die schließlich die Bildungspolitik über vier Jahrzehnte geprägt haben, legen heute eine fragwürdige Auffassung von Emanzipation und Partizipation an den Tag.

A: Man duldet die Pädagogik des Gottesstaates, entgrenzt tolerant! Doch wer für alles offen ist, kann nicht ganz dicht sein.

32 Für den weiblichen Teil der Familie bedeutet der Ramadan meist eine stressige Zeit, weil die Essensvorbereitung sehr viel Zeit einnimmt.

K: Wie wär`s, wenn die Jungs und Männer den Mädchen und Frauen mal helfen würden, statt nur zu konsumieren? Aber nein, das ist eines stolzen Moslems nicht würdig. Lamya Kaddor erweist sich als patriarchalische Traditionalistin. Nicht nur im Ramadan trägt die jüngere Schwester beide Schultaschen, ihre und die des älteren Bruders. Dieser stößt ein Glas Wasser um, und Schwester wischt auf, wenn ich nicht eingreife und dem ’kleinen Prinzen’ das Wischtuch in die Hand drücke.

32 Auch sollte die Schule muslimischen Schülerinnen und Schülern kein Alibi liefern, sich über [islamische] Vorschriften hinwegzusetzen. (…) Die Schule darf nur in sehr begrenztem Maße Einschränkungen bekannter [wohl: Islamischer] Vorschriften zulassen.

A: Wollen islamische Religionslehrer Deutschlands Lehrer und Schüler jeder Religion oder Ex-Religion als muslimische Sittenwächter einspannen? Sollen wir, multikulturell, die muslimischen Kinder und Jugendlichen überwachen? Man könnte von Erpressung sprechen: Sobald eine „Vorschrift“ „bekannt“ ist, soll die Schule sie, offensichtlich im Namen der Religionsfreiheit, weitestgehend ermöglichen.

K: Hier geht es wohl weniger um Überwachung als vielmehr darum, Lehrerinnen und Lehrern einen islamkonformen Maulkorb zu verpassen. An die Gleichberechtigung im Grundgesetz zu erinnern wäre ein „Alibi“ (Kaddor) für die Mädchen, am geliebten Schwimmunterricht teilzunehmen.

34 Ein Muslim ist stets bemüht, im Sinne der Familie oder Gemeinschaft zu denken. Er stellt seine eigenen Ansprüche stets zurück.

A: Zu Tränen rührend, diese Nächstenliebe, das sind schon Altruisten.

K: Klar, du darfst nicht aus der Reihe tanzen, du wirst zwangsverheiratet werden. Großvater weiß heute schon, wie du morgen handeln wirst. Und wehe, wenn nicht.

34 Familie, islamrechtlich. Im Koran lassen sich zahlreiche Stellen zur Familie finden, die beinahe jeden Bereich des Zusammenlebens regeln

A: Was hat die Frau an der weltlichen Schule zu suchen, die gehört an eine pakistanische Madrasa, Koranschule. Die Frau steckt seelisch im Mittelalter.

K: Das ist so, als wollte die evangelische Religionspädagogik zur Familienmoral des alten Testamentes aufrufen.

34 Koran. Frauen sind die Saatfelder für die Männer. Verboten wird [im Koran] der Geschlechtsverkehr während der Menstruation und tagsüber während des Ramadan.

K: Zoontjesfabriek nannte Ayaan Hirsi Ali den weiblichen Teil einer solchen Zwangsehe, Söhnchenfabrik.

A: Was für eine Jahrtausende alte Sexualmagie, der Kult um das Menstruationsblut, das die Frau rituell-moralisch verdrecke, verunreinige. Saatfeld ist Fruchtbarkeitsmagie, viele Kinder werden von der Gottheit erhofft, der Mann wird zum Spender allen menschlichen und kulturellen Lebens, die irgendwie erdhafte Frau bleibe eher Gefäß des Geistes. Das ist die ’software’ des misogynen Kriegerbundes, des Patriarchats. Was will Thomas Kufen den deutschen Frauen damit sagen? Mutterkreuz?

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35 Der Mann ist islamrechtlich das Oberhaupt der Familie.

A: Muslimisch erzogene Mädchen aufgepasst: Die Lehrerin Kaddor will für euch die entrechtende nikāh, die frauenfeindliche Imam-Ehe, nichts Anderes. Schluss mit der Rechtssicherheit der auf dem Standesamt geschlossenen Ehe. Der Mann sagt: „Talaq talaq talaq“, und schon bist du als seine Ehefrau, islamrechtlich einwandfrei, für immer verstoßen.

K: Neuerdings auch per e-mail oder SMS[19], [20]. Die Kinder bleiben übrigens bei ihm, und Unterhalt bekommst du trotz Unterhaltsreformgesetz nicht. Eine Religionslehrerin an staatlichen Schulen muss aktiv für die Zivilehe werben.

36 Die Söhne haben die Pflicht, auf ihre Schwestern und die jüngeren Familienmitglieder zu achten.

A: Zu achten? Wohl zu überwachen, zu gängeln. Das ist schlimm genug und muss besprochen werden. Es muss aber auch geändert werden, und dafür wäre Kaddor zuständig.

K: Die Kinder, nicht nur die Söhne, haben sogar die eigene Mutter zu überwachen. Vormoderne Islampädagogik: Als Junge sollst du lernen, die Frauen zu bewachen, zu kontrollieren. Darum schreit der Vierjährige alle zwei Minuten mit ’Anäää’ nach seiner Mutter, um sie an der unsichtbaren Leine zu halten. Das ist durchaus auch in ihrem Interesse, denn wenn sie sich um ihn kümmern muss hat sie, für alle Nachbarn erkennbar (das Alarm-Quengeln ist verstummt) keine Gelegenheit gehabt, auf „unkeusche“ Gedanken zu kommen.

A: Bei kleinen Seehunden auf der Sandbank sagt man ’Heuler’.

K: Man stelle sich nun vor, mehrere dieser kleinen Robben bewohnten deine häusliche Nachbarschaft, die im Wechselgesang bzw. Kanon die Ehre der jeweiligen züchtigen Hausfrau akustisch umsetzen würden. Jetzt muss ich aber ernst werden: Drei Viertel der Ehen dieser Mütter sind ’arrangiert’, also erzwungen. Leicht erklärlich, dass diesen permanent überwachten und von ihren Nachbarinnen wegen des Lärms kritisierten, wahnsinnig genervten Frauen zehn oder auch zwanzig Mal täglich ’die Hand ausrutscht’. Kaddors an Koran, Scharia und Fatwen orientierte Islampädagogik wird zu einer Änderung dieses häuslich-erzieherischen Elends auch nicht viel beitragen. Die Noch-Kinder werden wohl in einigen Jahren ebenfalls überwiegend zwangsverheiratet werden.

36 Wer eine Familie zerstört, dem gebührt keine Ehre

A: Kaddor orakelt, kultursensibel und differenziert, zum Ethos der orientalischen Ehrenmordmilieus. Sie stellt sich den aufklärungshumanistisch geprägten (in Europa zumeist nichtmuslimischen) Lehrerinnen und Lehrern gegenüber als die Kenntnisreiche dar, die Kundige, doch versäumt es, sich dazu zu bekennen, mit aller Kraft gegen die Logik des Patriarchats und die Kerkermauern der Festung Großfamilie anzureden und zu erziehen. In der Hand hält sie den Koran, die Hadithen und ein paar Fatwas. Sie verwendet keine indirekte Rede, nichts an ihren Aussagen verrät uns die Fähigkeit zur Außenansicht.

Sie wird kleine Patriarchinnen und Patriarchen erziehen und ist ganz empört, wenn jemand sagt, zwischen ’Ehrenmord’ und Islam bestünde ein Zusammenhang. Sie ist vielleicht schlicht unfähig, den Zusammenhang zu sehen, der zwischen der koranischen Prügelerlaubnis oder der die Frau entrechtenden nikāh-Ehe und der familiären Gewalt in muslimisch geprägten Familien besteht.

K: Habe ich das richtig versanden: „Wer eine Familie zerstört, dem gebührt keine Ehre“, sagt die Lehrerin aus Dinslaken-Lohberg? Wie meint sie das? Kerem Sürücü meldete seine begabte sechzehnjährige Tochter vom Berliner Gymnasium ab und zwang sie in eine Ehe in Kurdistan, ist das „ehrenhaft“? Hatun musste wegen Streitigkeiten mit dem Ehemann und dessen streng religiöser Familie hochschwanger zurück nach Deutschland flüchten. Weil sie sich gegen dieses Unrecht wehrte, „zerstörte sie die Familie“?

Diesen Schaden richtete doch eher Vater Kerem an, der die aussichtsreiche Zukunft der Tochter und gegen die falsch verstandene familiäre Ehre eintauschte. „Schande“ habe die junge Mutter über die Großfamilie gebracht, ihr jüngster Bruder als ihr bestellter Mörder wurde mit einer goldenen Uhr belohnt. Auch die an der Tat beteiligten anderen Brüder werden in dieser Familie und von der patriarchalischen sozialen Umgebung als „Helden“ gefeiert. Die Brüder hätten die „besudelte Ehre“, den die „unsittliche Schlampe“ durch ihr „deutsches“ Verhalten zu verantworten hätte, „rein gewaschen“. Die männlichen Täter haben in Wirklichkeit die Großfamilie zerstört und dem kleinen Can die Mutter genommen, damit gebührt ihnen aus pädagogischer wie aus freiheitlich-demokratischer Sicht keine Ehre. Zu allem Überfluss und islamrechtlich korrekt beanspruchten sie vor dem deutschen Familiengericht das Sorgerecht für Can, das ihnen allerdings verweigert wurde.

36 Verhält sich die Frau oder Tochter unsittlich, so bereitet sie nicht nur der eigenen Familie Schande, sondern gleich der ganzen Großfamilie. (…) Die Angst des Mädchens, lebenslang mit dem Image einer „Schlampe“ leben zu müssen (…)

K: Was versteht die islamische Theologin unter unsittlich, was unter Schande, klärt sie ihre Schülerinnen und Schüler über diese vormodernen Ansichten auf?

37 … wenn ein muslimisches Mädchen einen nicht-muslimischen Freund hat. Die Mädchen in solchen oder ähnlichen „schandhaften“ Liebesbeziehungen kommen gelegentlich sogar durch so genannte Ehrenmorde ums Leben.

K: Das schariarechtliche Schwerverbrechen, einen Menschen zu lieben. Islam pur. Kaddor will den Übertritt des Mannes zum Islam, dessen Zwangskonversion?

A: Der Mann würde lebenslang sagen, freiwillig konvertiert zu haben. Wie heißt es doch so schön: Es gibt keinen Zwang im Glauben. Das ist vormodern, eine Art Kastensystem, der Islam muss auch an dieser Stelle reformiert werden, die muslimisch erzogene Tochter muss einen Nichtmuslim heiraten dürfen, der, und dessen noch ungeborenes Kind, nicht als Muslim leben muss.

K: Zunächst muss sie ihren Ehepartner überhaupt selbst aussuchen dürfen, der wali-Heiratsvormund ist ein Indikator für fehlende Gleichberechtigung.

37 So genannte Ehrenmorde. Das sind jedoch äußerst seltene Fälle.

A: 08. Dezember 2008, in Essen erschlägt ein türkischer Mann seine Ehefrau, er hatte seine deutschstämmige Frau oft misshandelt und war von der Polizei mit einem Hausverbot belegt worden, Kinder: mindestens ein Sohn. 16. Dezember 2008, in der Dorstener Innenstadt wird eine vor Tagen bereits ins Frauenhaus geflüchtete Muslima nahezu geschächtet, ihr Mann hat ihr mit einem Messer die Kehle aufgeschnitten, so dass sie stirbt, zwei Kinder, Tochter 6, Sohn 8 Jahre alt. 01. Januar 2009, eine Achtzehnjährige wird von ihrem „nach türkischem Recht“ (Imamehe?) angetrauten türkischen Cousin und Ehemann auf einem Feldweg in Gütersloh-Harsewinkel erstochen und anschließend mit dem Auto überfahren. 03. Januar 2009, eine Berliner Lehrerin, möglicherweise Importbraut, wird von ihrem Ehemann erschossen, 2 Töchter aus erster Ehe (24, 27). Islam in Deutschland: Ehrenmord über Ehrenmord, vier Ehrenmorde in den letzten zehn Wochen, Dunkelziffer unbekannt[21]. „Äußerst seltene Fälle“ (Kaddor).

37. Diese so genannten Ehrenmorde sind kein islamisches Phänomen, man findet sie beispielsweise auch in christlich geprägten Ländern Südeuropas.

K: Es mag sein, dass auch in nicht islamisch geprägten Gebieten der Erde solche abscheulichen Verbrechen möglich sind, Hinduismus und Jesidentum sind zu nennen, die Milieus der Roma. Was unternimmt der Islam gegen diese Untaten in den eigenen Reihen? Wie begegnet die islamische Religionspädagogin Kaddor diesem „Phänomen“? Nur zu behaupten, dass habe nichts mit dem Islam zu tun ist mir zu wenig.

A: Tote Frauen als Phänomen zu bezeichnen, was für eine Geschmacklosigkeit und Pietätlosigkeit.

K: Was würde Frau Kaddor beispielsweise zu einer Aussage erwidern, wie sie die Nachbarin der von ihrem Bruder, sicherlich ganz im Sinne der Familie Obeidi ermordete Schwester und Tochter Morsal vor der Kamera sinngemäß tätigte: „Die Familie hatte in schweres Problem, sie musste handeln.[22]“ Morsal hat für die Nachbarin noch nicht einmal einen Namen, ihr ’ehrloser’ Name ist ausgelöscht, der Name des Stammes ist wieder makellos.

37 [Schule statt Familie] Jungen müssen gegenüber den Mädchen ein neues Rollenverständnis gewinnen.

K: Die beschriebenen Vorstellungen von Geschlechterrollen und traditionellen Familienhierarchien sind, allerdings, den Anforderungen des beruflichen, schulischen und privaten Lernens abträglich. Privatsphäre und persönliche intime Rückzugsräume, persönliches Eigentum auch als Kind oder gar Mädchen ist in traditionalistischen muslimischen Familien im Maghreb, in Köln, Kleinasien oder Duisburg unüblich. So ist es völlig normal, dass die ältere Schwester sich ungefragt im Kleiderschrank der jüngeren bedient, die kleine Tochter dürfte ihrerseits nicht einmal wagen, die Schranktür der Großen zu öffnen. Abschließbare Zimmer oder Schränke gibt es nicht. Taschengeld ist weithin unbekannt, wenn überhaupt, haben die Männer der Familie Zugang zu Geld.

Dem familienseits erwünschten Umstand, dass beim Einkaufen der Bruder das Portemonnaie hat und für die (große) Schwester (mit) bezahlt, wäre eine gleichberechtigte Lebensweise entgegen zu setzen. Der Koran kann da keine Orientierung geben. Wir sehen, wie deutschtürkische Mädchen zwischen 6 und 16 Jahren für jedes Kaugummi und jeden Bleistift bei ihrem (nicht selten jüngeren) Bruder um ein paar Münzen betteln müssen, die der Pascha meist noch nicht aus der Hand gibt, sondern an der Kasse an der Schwester vorbei dem Kassenpersonal aushändigt.

A: Männersache, im Islam ist Geld Männergeld. Es gibt in Europa muslimische Einwandererfamilien, in denen die Frauen als einzige arbeiten und den Männern Jahr für Jahr ihren Monatsverdienst abgeben, ohne im Alltag auch nur einen Euro in der Hand zu haben. In den Herkunftsländern haben (die) Frauen grundsätzlich kein Bankkonto, das dürfte hier oft nicht viel anders sein.

K: Wer Mädchenarbeit macht, soll dafür sorgen, dass jedes Mädchen ihr eigenes Konto bei der Sparkasse eröffnet und lernt, ihre finanziellen Ressourcen einzuteilen, bei Plünderungsgefahr durch höherrangige Familienangehörige eben ohne Wissen der Familie.

A: Bei Jungen und jungen Männern mit muslimischem Elternhaus sind Verschuldung und Spielsucht ein Problem, bei Erwachsenen die betrügerischen Konzepte von Spareinlagen oder Anteilsscheinen wie Yimpaş[23] oder Kombassan[24]. Wir Sozialpädagogen sollten zudem gegen schariakonforme Geldanlagen explizit Reklame machen dürfen, dürfen es aber arbeitsrechtlich meist nicht.

K: Die mittelalterlichen Geschlechterrollen, die sich an märchenhaften Prinzen und Prinzessinnen in Bagdad oder im alten Istanbul orientieren, taugen nicht für Werkstatt, Hochschule oder Großraumbüro.

A: Koransuren und Hadithen entstammen aus einer Kultur und Epoche, die sehr frauenfeindlich geprägt war und zum heiligen Hass auf alle Nichtmuslime aufrief. Die Salafisten, Muslimbrüder, Milli-Görüş-Freunde und Fatwa-Konsumenten orientieren sich ins sittliche und menschenrechtliche Mittelalter. Da muss in der Tat ein „neues Rollenverständnis“ (Zitat Kaddor) her. Völlig fern scheint Lamya Kaddor dem Geist von Sayyid Qutb und Yūsuf al-Qaradāwi jedoch nicht zu stehen, für die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948 wirbt sie jedenfalls nicht gerade aufdringlich, ihr Schweigen könnten wir als wortlose Zustimmung zum ’Schariavorbehalt’ über die universellen Menschenrechte und die deutschen Grundrechte deuten.

38 (….), was bei Anerkennung der Unterschiede beider Geschlechter Gleichberechtigung bedeutet.

K: Ja klar, nach der Geschlechterideologie der Scharia ist Gleichberechtigung Sünde. Kaddor will die Geschlechterapartheid an Deutschlands staatlichen Schulen lehren. Kaddors Menschenbild, speziell Frauenbild, steht im Einklang mit der Kairoer Erklärung der Menschenrechte von 1990[25]. In Artikel 6 heißt es dort: „Die Frau ist dem Mann an Würde gleich. Sie hat Rechte und Pflichten“, das ist Nebeldeutsch sprich taqiyya, nur die dem Mann in allen Lebensbereichen unterworfene Frau habe „Würde“. Nach dem Koran erbt die Frau nur die Hälfte von dem, was ein Mann erbt. Kaddors Šarī’a = die Scharia schreibt vor, dass die Aussage einer Frau vor Gericht nur halb so viel gilt wie die eines Mannes. In Staaten wie Iran oder Pakistan wird es einer Frau kaum möglich sein, eine Vergewaltigung anzuzeigen, weil sie die dafür nötigen vier männlichen Zeugen nicht aufbringen können wird, vielmehr läuft sie Gefahr, der Verleumdung und zudem noch des Ehebruchs angeklagt zu werden. Das bedeutet in Ländern mit umgesetztem Scharia-Strafrecht die öffentliche Auspeitschung und die mögliche Steinigung.

Die Kairoer Erklärung umgeht, vermeidet bewusst das Wort Gleichberechtigung, sie will keine Gleichberechtigung, und genau so, schariagetreu, sieht es Lamya Kaddor. Artikel 24 regelt den absoluten Schariavorbehalt, Artikel 25 den absoluten Vorbehalt der Scharia über jede Judikative und Exekutive.

A: Das freiheitlich-demokratische Prinzip der Gewaltenteilung ist im politischen Islam aufgehoben, zudem darf es „Gleichberechtigung“ nur in den Grenzen von Allahs „Pflichtenlehre“ namens Scharia geben. Schariatreu statt verfassungstreu, Kaddor will die sexualpolitische und ordnungspolitische Scharia, Kaddor will das Kalifat.

38 [Auch muslimische] Mädchen [können in der deutschen Schule ein] unbefangenes Miteinander der Geschlechter entwickeln.

K: Da stimme ich Frau Kaddor völlig zu, allerdings unter der Bedingung, dass Schule auch für Schülerinnen kopftuchfreie Zone ist. Dann nämlich ist das Klassenzimmer tatsächlich ein Experimentierfeld und zugleich geschützter Raum, in dem für alle Mädchen und Jungen (nämlich auch die nichtmuslimischen) ein unbefangenes Rollenlernen möglich ist.

A: Eine Geschlechtertrennung darf allenfalls aus pädagogischen Gründen beispielsweise gelegentlich innerhalb der Sexualkunde genutzt werden, zeitweise im Sport und eventuell und zeitlich sehr begrenzt in naturwissenschaftlichen Fächern, niemals aber grundsätzlich.

38 Beide Eltern, Mutter und Vater müssen den Kontakt zur Schule pflegen und an den Elternpflegschaftssitzungen teilnehmen. Trotz mancher Sprachprobleme (…)

K: Volle Zustimmung! „Sprachproblemen“ lässt sich abhelfen, in dem man Deutsch lernt. Doch sollten diese Kurse ebenfalls möglichst nicht geschlechtergetrennt abgehalten werden und auch nicht in der Moschee stattfinden. An diesen Sprachkursen sollten immer auch nichtmuslimische Menschen teilnehmen. Unter der Voraussetzung, dass auch nichtmuslimische Frauen teilnehmen und der Kurs nicht im islamischen Gotteshaus stattfindet, unterstütze ich auch Sprachkurse für Mütter, die wie in allen Familien die Vermittlerinnen der Muttersprache wie auch der Zweitsprache Deutsch sind.

38 Beim Eintritt in die Schule wie beim Übergang zu anderen Schulen bedarf es der sorgfältigen Vorbereitung und sensiblen Wahrnehmung der Besonderheiten und Erwartungen aller Eltern und ihres sozialen und kulturellen Hintergrundes.

K: Das ist Kulturrassismus oder mindestens Kulturrelativismus[26], [27]. Dass Pädagoginnen und Pädagogen professionell vorbereitet sind, sollte außer Frage stehen, die „Besonderheiten und Erwartungen aller Eltern“ sollten unabhängig von Religion und kulturellem Hintergrund anhand von aufklärungshumanistischen, wissenschaftlichen Kriterien sensibel wahrgenommen werden. Auch das gehört zur Professionalität.

A: Unterstellt Kaddor universalistisch Denkenden, „unsensibel“ (Kaddor) zu sein? Jaja, kultursensibel, islamsensibel, der antidemokratischen Scharia gegenüber duldsam, dem Kalifat zugeneigt …

40 Mann und Frau sind aus koranischer Sicht gleich und werden von Gott als Seine Geschöpfe gleich und gerecht behandelt bzw. beurteilt

A: Koran und Scharia verpflichten jeden Muslim zur Ungleichbehandlung von Mann und Frau, damit tut solches auch der Islam, denn einen anderen als den orthodoxen (politischen) Islam gibt es leider erst in Ansätzen (wie etwa Tibi und Kalisch). Die Säkularisierung dieser Religion steht noch bevor, Kaddor will zu dieser Modernisierung und Demokratisierung offensichtlich nichts beitragen.

K: Kaddor ist offensichtlich nicht willens oder in der Lage, Dogma und Orthodoxie des Islam zu kritisieren. Auch zu dieser ’Außenansicht’ müsste sie aufrufen.

40-41 Koran 4:34 [der so genannte Prügelvers]

K: Die textgläubige Muslima Lamya Kaddor sollte Geschichtswissenschaften grundsätzlich den Historikern überlassen. Asbāb an-nuzūl[28] ist keine Wissenschaft, sondern kenntnisreiche Spekulation im Einklang mit der Scharia. Zu welcher der beiden erwähnten Interpretationen der Sure 4:34 sich die / der Gläubige auch immer entscheiden mag, das Schlagen der Ehefrau ist eine Körperverletzung nach StGB und damit strafrechtlich relevant. Die Aufklärung ist sehr wohl auf den Islam übertragbar, beispielsweise durch die historisch-kritische Methode[29]. Fundamentalistinnen wie Kaddor verhindern das jedoch. Deutschlands erste Ausbilderin von künftigen islamischen Religionspädagoginnen und ‑pädagogen zwingt eben auch die Wissenschaften wie Geschichte, Psychologie und Pädagogik unter das Dogma des Schariavorbehalts.

A: Ebenso die Religionswissenschaft. Kaddor unterschlägt uns, dass es die fünfzehn Jahre ältere, zunächst nichtmuslimische Heidin Chadīdscha gewesen ist, Speditionskauffrau und seine Arbeitgeberin übrigens[30], die den jungen, talentierten Mohammed ehelichte. Vor dem ersten subjektiven Offenbarungserlebnis im Jahre 612 gab es auf der arabischen Halbinsel sehr verschiedene Formen von Stammes-Eherecht (monogam, polygam, geehelichte Sklavin, Genuss-Ehe) bzw. monogam jüdischer oder christlicher Eheschließung, und es ist vermutlich Gräuelpropaganda, zu behaupten, „die polytheistischen Araber“ hätten dauernd tote Neugeborene begraben und bei ihnen wären Frauen rechtlos, mittel- und besitzlos gewesen. Dass der Islam bis heute die Polygamie[31], richtiger Polygynie[32] grundsätzlich pflegt, erklärt Kaddor flugs zur frühmittelalterlichen Sozialreform. Die institutionelle Entrechtung der Frau in jeder heutigen Imam-Ehe ist der Pädagogin keine Silbe wert. Sie will Deutschlands aus muslimisch geprägtem Elternhaus stammenden Kinder und Jugendliche, orientiert an den Leitsignalen der Hadithe und Fatwen, den (wörtlich) „gebahnten Weg (zur Tränke)“ der Scharia zurück ins angeblich makellose asr as-saadet, ins Zeitalter der Glückseligkeit schicken. Die Dame ist reaktionär ausgerichtet und ein Gott namens Allah ist ihr, absoluten Gehorsam fordernder und damit politisch relevanter, Gesetzgeber. Sie lehrt damit nicht Religion, sondern absoluten Gehorsam, Politreligion.

42 Frauen, die ihr Haus nur dann verlassen, wenn es nicht mehr anders geht (Arztbesuche, Elternsprechtage etc.), bei denen die Ehemänner den ganzen Tag für den Lebensunterhalt arbeiten. Die Frau bewegt sich allein bzw. ohne Erlaubnis ihres Mannes nicht aus dem Haus. Doch solche Verhältnisse findet man nur noch relativ selten vor.

A: Die dem Männerrecht radikal unterworfene Frau ist, ob in Kairo, Dubai oder Duisburg-Marxloh, gleichsam eingemauert, jeder öffentliche Platz ist männerbündische Zone. Kaddor lehnt dieses durchaus islamische Konzept nicht hörbar ab.

K: Kaddor marginalisiert und bagatellisiert. Aus meiner Erfahrung als Sozialarbeiterin kann ich ihre Aussage, das Verbannen der Frau in den häuslichen Bereich käme selten vor, nicht bestätigen. Ich erlebe junge Mütter in der Öffentlichkeit nur, wenn sie ihre rollentypischen Aufgaben erledigen: Einkaufen, das Kind zum oder vom Kindergarten begleiten, sich in Mütterkursen aller Art mit Frauen treffen. Männerfreie Zone, schariakonform. Bei Elternabenden, Schulfesten oder auf dem Fußballplatz fehlen sie. Bei der Polizei, auf dem Jugendamt, bei Anmeldung zur Schule dürfen sie allerhöchstens den Mann begleiten – und schweigen, auch wegen ihrer schlechten Sprachkenntnisse.

42 [neuerdings gebe es junge muslimische Liebespaare, die] händehaltend durch die Fußgängerzonen laufen und sich sogar den ein- oder anderen Kuss geben.

K: Nie gesehen, Kaddor kann nicht in Nordrhein-Westfalen wohnen. Allerdings sieht man in Deutschland seit Jahrzehnten immer wieder, dass muslimische Jungen und junge Männer sich ein einheimisches jedenfalls nichtmuslimisches Mädchen „angeln“, Russinnen und Tschechinnen bevorzugt. Die Familienprinzen spielen, öffentlichkeitswirksam, gerne den Gigolo und Gockel, und drängen die Mädchen der Ungläubigen, die ihre Rolle in der islamischen Community nicht kennen, in die jeder Frau angeblich naturgegebene Rolle der ewigen Verführerin.

42 Mädchen helfen nach der Schule im Haushalt, [für] Jungen beginnt die Freizeit: In einigen Familien hat die Frau als Hausfrau und Mutter zu funktionieren, der Mann sich um den Lebensunterhalt der Familie zu sorgen.

K: Und das soll so bleiben? Die kulturelle Moderne oder Europa im 21. Jahrhundert stellt jedem Individuum eine selbst entworfene Biographie. Nur den Musliminnen nicht?

A: Und was ist mit den muslimischen Männern, haben sie in den nächsten Jahrzehnten keine andere Perspektive, als Hüter der fraulichen Tugend und Wegbereiter des Kalifats zu sein? Sicherlich hat ein männliches oder weibliches Individuum (in grundgesetzlichen Grenzen) das Recht, im selbst verantworteten geistigen Mittelalter zu leben. Hoffentlich kommt es da auch bald wieder heraus, vielleicht über die Selbsthilfegruppe der ’Fundamentals anonymous’ oder eine Flucht ins Männer- oder Frauenhaus.

K: Die Möglichkeit, sein bisheriges Lebenskonzept zu ändern, sieht der Scharia-Islam bei Gefahr an Gesundheit und Leben nicht vor. Wo bleiben da Selbstbestimmung, Partizipation und Chancengleichheit? Diese Werte sind uns freiheitlichen Demokratinnen und Demokraten wichtig.

43 Da es jedoch zu einem islamischen Leben gehört, sich nicht gegen die Eltern aufzulehnen

K: Wo bleibt da die Erziehung zur Außenansicht, Frau Kaddor? Das sollen religionsmündige Menschen werden, die noch nicht einmal Papi und Mami geschweige denn Koran und Scharia kritisieren dürfen? Wenn wir einmal von nur 25 % Zwangsehen unter Deutschlands Türkinnen und Türken ausgehen[33], müssen diese jungen Menschen dann dem elterlichen Willen islamisch Folge leisten? Wie soll bereits zwangsverheirateten oder zwangsverlobten Schülerinnen, die künftig bei von Frau Kaddor ausgebildeten islamischen Religionslehrerinnen und ‑lehrern im Unterricht sitzen werden, der Weg in eine Beratungsstelle oder gar die Flucht in ein Frauenhaus gelingen? Was sollen sie von Mädchen und Frauen halten, die die sich dem Elternwunsch und damit wohl der islamischen Pflichtenlehre nicht fügen? Können solche Jungen und Mädchen um ihre Freiheit kämpfen?

A: Scheinheilig vermeidet die Autorin die indirekte Rede. Wir dürfen ihr bis auf weiteres unterstellen, diese Haltung des absoluten Gehorsams pädagogisch-professionell zu billigen, eine Haltung, die sie (ohne Anführungsstriche) ganz klar als islamisch bezeichnet. So etwas gibt es im Judentum oder Christentum wohl seit Jahrzehnten lediglich in ultra-konservativen und gottlob winzigen Milieus.

43 Bulimie und Magersucht [unter muslimischen Mädchen in Deutschland] gehören mittlerweile zum Tagesgeschäft für Sozialpädagogen

K: Ja, Essstörungen sind eine Form von Autoaggression[34] und wie das sogenannte Schlitzen in der Tat auch unter muslimischen Mädchen und Frauen verbreitet. Dazu gehören jedoch auch Adipositas und, in der Folge, Diabetes.

A: Die Kausalität von Fundamentalismus und Essstörung beziehungsweise Patriarchalismus und Essstörung sieht Kaddor nicht.

K: Lieber Jacques, du gibst mir das Stichwort. Anorexie bringen Psychologinnen und Psychologen mit Ablehnung der subjektiv verhassten Frauenrolle in Verbindung. Die sekundären Geschlechtsmerkmale bilden sich nicht jahrelang nicht voll aus oder sogar zurück, manche haben mit siebzehn oder achtzehn ihre Menarche noch nicht. Unter Bulimie leiden meistens extrem ehrgeizige oder perfektionistische Mädchen und Frauen, die sich dem Erwartungsdruck in der Familie wie in der Community, uneingestanden, nicht gewachsen fühlen. Dann gibt es noch Islam und Frustfressen, gerade bei der auferlegten Bewegungsarmut problematisch.

A: Den jungen Männern steht die Möglichkeit offen, zur lokalen Rauschgiftmafia oder in den terroristischen dschihād zu ziehen, um ihre nicht bewältigten pubertären Konflikte zu lösen. Bei der HAMAS Kassam-Raketen auf Sderot abfeuern statt mit Papa heftig zu diskutieren.

43 Wie finden alle die gleiche Anerkennung, unabhängig von der durch das Geschlecht bestimmten Rolle

A: Warum soll ich den dezidiert misogynen islamischen Macho genau so wertschätzen wie den männlichen Gleichheitsfeministen?

K: Spötter könnten sagen, ’wo ist das Problem’? Selbstverständlich bekommen alle kopftuchtragenden Muslimas die gleiche Anerkennung der muslimischen Lehrerin und des muslimischen Lehrers. Alle nichtkopftuchtragenden Mädchen bekommen ebenfalls innerhalb dieser Gruppe das gleiche Maß an Anerkennung. Doch beide Gruppen eben nicht dieselbe! An unterster Stelle stehen die Nichtmuslime. Frauenrechte sind im Islam niemals universell[35].

A: Scharia ist Ungleichbehandlung. Kaddor sagt (zwar) Geschlechtsrolle doch meint sie vermutlich Scharia-Geschlechtsrolle. Wir dürfen und müssen jedoch ein Denksystem diskriminieren, das seinerseits diskriminiert.

45 Von der Grundschule an genießen die Mädchen von vielen Lehrerinnen und Lehrern, nicht zuletzt wegen ihrer schnelleren Entwicklung, größere Aufmerksamkeit, Anerkennung und Förderung in fachlich-inhaltlicher Hinsicht.

K: Wenn das so wäre, dann wäre das nur ein weiterer Beweis dafür, dass die Gender-Thematik eben universell ist.

A: ’Christenkinder’ und ’Heidenkinder’ behandeln wir gleich, ebenso hell- und dunkelhäutige. Auch zwischen Muslimkindern und Exmuslimkindern machen wir keinen Unterschied. Die Chancengleichheit für Mädchen und Jungen zu gewährleisten, bedarf in jedem Bereich der Pädagogik ständiger Selbstkritik und Korrektur, ohne religiöse Rechtleitung. Quelle und Maßgabe für ein jedes Reflektieren über das ’soziale Geschlecht’ (gender) ist die Wissenschaft, nicht Allahs Pflichtenlehre. Der von Politik (Wolfgang Schäuble, Thomas Kufen, Armin Laschet), Kirche (CIBEDO), Lehrergewerkschaft (GEW, ver:di) und Islamverbänden heiß ersehnte islamische Religionsunterricht an staatlichen Schulen muss unter einem Wissenschaftsvorbehalt stehen, nicht jedoch Wissenschaft und Lehre unter Schariavorbehalt.

K: Kaddors Beobachtung teile ich nicht. Gerade die im Durchschnitt eineinhalb Jahre früher einsetzende körperliche Reife verleitet die Mädchen, im Unterricht abgelenkt zu sein und verliebt ihren Tagträumen nachzuhängen oder Pop-Stars nachzueifern und in Bezug auf den Kleidungsstil zu kopieren. Das ist der Stoff fürs Getuschel unter den Mädchen, in den Pausen wie im Unterricht. Außerdem glaube ich nicht, dass Mädchen in den naturwissenschaftlichen Fächern die nötige Unterstützung bekommen[36].

45 Rolleneinstellung

K: Könnte die “Rolleneinstellung” etwa durch den Besuch in der Koranschule mitverursacht sein, in welchem die bei Ralph Ghadban wiedergegebenen Hadithe gelehrt werden, die jede Frau nicht nur als teuflische Verführerin, sondern auch als geistig schwaches Wesen darstellen[37]?

45 Bei allem Eingehen und Reagieren auf mitgebrachte und im Verhalten erkennbare Rolleneinstellung darf nicht der Eindruck entstehen, dass von allen verlangt wird, sich der aktuellen, hier gültigen Norm unterzuordnen. Bei den Jungen und Mädchen soll ein Verhalten überwunden werden, das die eigene Teilhabe (…) und eine selbstbestimmte Entwicklung erschwert.

K: Dieser Satz ist ein weiteres Beispiel für Kaddorsches Nebeldeutsch.

A: Oder Doppelsprech, so denn nebenbei ruft sie ja möglicherweise zum Sturz der grundrechtlichen Normen auf, ohne das man ihr das nachweisen könnte. Wie kann Thomas Kufen so einen, jede Logik verhöhnende Provokation unterzeichnen und in seinem Ministerium drucken lassen.

K: Koran und Scharia sind über tausend Jahre alt. Die „aktuelle, hier gültige Norm“ (Kaddor) ist das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, und der haben sich selbstverständlich „alle unterzuordnen“, auch Frau Kaddor.

46 Kleidungsvorschriften im Islam [legen Koran und Hadithe d. h. legt die Scharia fest].

A: Der Rest der Menschheit hat mitbekommen, dass der Islam seine Angehörigen, besonders die weiblichen, einem geheiligten Reglement von Kleidungsvorschriften unterwirft, das theologisch als ’naturhaftes, natürliches’ Sittengesetz dargestellt werden muss. Nichtmuslime sind damit eben auch kleidungsbezogen unsittlich lebende Menschen. Wie im indischen Kastensystem die Brahmanen die edelste aller Menschengruppen darstelle und diesen Anspruch auf moralisch-religiöse Führung der Gesamtgesellschaft gelegentlich in der, strukturell exklusiven, Kleidung widerspiegeln lässt, zerteilt die so genannte islamische Kleidung die Menschen verschiedener Religionen sichtbar in Muslime und Nichtmuslime.

Im Laufe der Jahrhunderte mögen sich grundlegende Kleidungsweisen geändert haben, dem Islam geht es nach wie vor um das Bekunden der sittlichen Andersartigkeit, um eine selbst gewählte Abgrenzung von den Nichtmuslimen. Islamintern wird das Individuum in das Korsett des schariatischen Wohlverhaltens gezwungen, eine Kritik an der angeblich von Allah geschaffenen ’islamischen Kleidung’ steht dem männlichen Muslim wie der Muslima nicht zu.

Männerkleidung und Frauenkleidung sind nach Scharia und orthodoxer Geistlichkeit ganz unterschiedlich[38], denn geradezu konzeptionell ist bereits ein der Kleidungsnorm zugrunde liegender, angeblich natürlicher (fitra) Schambegriff gender-gespalten. Es geht also einerseits um Abgrenzung von den Nichtmuslimen, dann um die Geschlechterideologie der radikalen Spaltung in männlich und weiblich, es geht um die Ideologisierung des Frauenkörpers.

K: Wieder und wieder erschwert die angeblich religiös legitimierte, selbst gewählte Fremdheit die gelingende Integration. Außerhalb des Islam ist (heutzutage) es in dieser Radikalität nirgends üblich, die Gruppe der anders Denkenden und anders Glaubenden derartig zu diskriminieren[39]. Jeder Mensch hat seinen subjektiven tabubehafteten Schambereich, seine Intimzone, in der Regel geht es um Bedeckung der primären und sekundären Geschlechtsmerkmale. In der aufgeklärten Moderne gibt es Zonen wie Sauna und FKK-Strand, in denen aus medizinischen oder persönlichen Gründen auch diese Tabus nicht gelten. Das wäre im Kontrollbereich des orthodoxen Islam leider nach wie vor nicht denkbar.

A: Politischer Islam und Kleidung: Die Scharia-Gesellschaft ist immer Gegengesellschaft. Der Kleidungsdschihad als Krieg gegen die kulturelle Moderne zielt auf Sonderrechte für „die Muslime“ und will die schariatisch segregierten Siedlungen und Lebensweisen, will die politreligiös aus islamischer Sicht letzten Endes stets zu verhindernde Empathie und Solidarität der Gesamtgesellschaft.

K: Nicht nur darum geht es, wie der völlig ernst gemeinte Begriff Schamtuchträgerin des Feridun Zaimoğlu (2007) belegt[40], der eigentlich von Schande-Tuch hätte sprechen müssen, denn das Gegenteil von Ehre ist nicht Scham, sondern Schande. Die von der Scharia vorgeschriebene Intimsphäre der Männer reicht von Bauchnabel (einschließlich) bis zu den Knien (auch einschließlich), umfasst damit etwa 30 % des Körpers. Die Frau jedoch darf nach Auffassung der weltweiten islamischen Geistlichkeit eigentlich nur Hände und Gesicht zeigen und eventuell die Füße, damit sind etwa 95 % ihres Körpers schariatisch zu bedecken. Die Frau sei mit dem Teufel im Bunde und Zwietracht verbreitende Verführerin. Die Kleidungsordnung bejaht nicht nur die patriarchalische, fundamentalistische Doktrin der Dichotomie zwischen Mann und Frau, es geht auch um den Konkurrenzkampf Frau gegen Frau, nämlich reine, verschleierte Frau gegen die unzüchtige Frau mit offenen Haaren. Zickenterror in der ’Religion des Friedens.[41]

A: Du hast recht, Ümmühan, die aufgezwungene, ’sittsam zu fühlende’ so genannte islamische Scham ist ein Trick schwarzer Pädagogik, der die permanent drohende soziale Exklusion moralisch legitimieren soll und irgendwann zum islampädagogisch gewünschten Selbstekel führt. Scham wäre innengesteuert (gehört auch gar nicht zu den Grundemotionen nach Plutchik), doch es geht um Gesichtsverlust für den Clan (!), um Ansehensverlust der Menschen im nahen sozialen Umfeld durch die Menschen des weiteren Umfeldes aufgrund eines vermeintlichen Schmutzflecks im Kollektiv. Auch Zaimoğlus Begriff von Scham verschleiert, dass es um die emotionale Innenwelt eines Individuums gar nicht geht, bedroht ist der (gewaltsam außengesteuerte) Status einer kleinen Kette von Menschen, die ihrer Pflicht als Sittenwächter nicht nachgekommen sind.

K: Allahs Haarspaltereien sind kein Scherz, es gehe um die Ewigkeit, um deinen Platz im Himmel … oder in der Hölle.

47 Auffällig ist, dass manche Mädchen sich erst nach der Heirat als Frau ansehen bzw. gesehen werden und sie dann zum Zeichen des Verheiratet-Seins ein Kopftuch aufsetzen.

K: Diese Kleidungsgewohnheit würde dem alten europäischen „unter die Haube kommen / bringen“ entsprechen. Die bei Kaddor erwähnte islamische Verhaltensweise ist jedoch selten geworden. 1973 und 1974, zu Woodstock-Zeiten, trugen meine weiblichen türkischen Verwandten in Deutschland ihr Haar offen, auch manche türkisch-muslimischen Männer hatten, der Mode der Siebziger entsprechend, längere Haare. Erst seit wenigen Jahren sind Grundschülerinnen von sechs oder sieben Jahren mit Kopftuch[42] auch in meiner Stadt zu sehen, von den weiblichen muslimischen Teenagern tragen inzwischen sechzig Prozent „türban“[43].

A: Warum redet Kaddor nicht davon, dass für viele muslimische Mütter nach wie vor die, letztlich sexualmagische, Menarche das Ereignis ist, die Mädchenzeit für beendet zu erklären und das Kind zur Frau? Warum verschweigt sie uns die in großen Teilen der islamisch geprägten Welt vorherrschende Einschätzung, dass ein Mädchen mit neun Jahren „Frau“ ist, ob im archaischen Jemen oder im staatstotalitären, islamistischen Iran?

48 ganz zu schweigen von den Fällen, in denen eine Frau quasi gegen ihren Willen das Kopftuch trägt. (…) Das Motiv, das dahinter steckt, ist nicht etwa, das Kind zu unterdrücken, sondern vielmehr die Liebe und Fürsorge der Eltern und der Wunsch, gottgefällig zu leben und den Qualen der Hölle zu entkommen.

K: Der Koran erwähnt das Paradies und die Hölle an vielen Stellen ausführlich. Man müsste, wie bei der Bibel inzwischen möglich, das heilige Buch der Muslime als Beschreibung historischer Menschenbilder, Gesellschaftsformen und Lebensweisen verstehen, an die eigentümliche Hoffnungen und Ängste gebunden waren und mit denen Politik betrieben wurde (man vergleiche den spätmittelalterlichen Ablasshandel).

A: Kaddor erzählt vom erweckten Bedarf etlicher Muslime, „den Qualen der Hölle zu entkommen“. Es wird Zeit, dass der Islam auf die Drohung mit der imaginierten Höllenstrafe verzichtet. Dazu müsste man allerdings den Koran nicht wortgetreu auffassen dürfen. Der Fundamentalismus ist sozusagen auf der Flucht vor Sigmund Freud (und Charles Darwin, siehe Kreationismus), eben auch der islamische.

K: Kaddor behauptet, dass das Kopftuch kein Hinderungsgrund sei, sich untugendhaft zu verhalten. Das ist definitiv falsch. Einerseits erinnert das Tuch auf dem Kopf (psychologisch wirkt es, sowohl für die Trägerin als auch für das muslimische oder nichtmuslimische Umfeld als ’mnemotechnische Stütze’[44]) die Trägerin ständig an den einzuhaltenden koranisch-schariatischen Verhaltenskodex. Ein Mädchen mit Kopftuch muss der muslimischen Lehrerin als fromm und strebsam gelten, ein Vorurteil, das sich in den so genannten Kopfnoten der Zeugnisse niederschlagen könnte. Die nichtmuslimische Lehrerin könnte schariakompatibel manipuliert werden und, halb bewusst, zum Büttel islamischen Wohlverhaltens werden. Schlimmstenfalls könnte die nichtmuslimische Lehrerin die muslimischen Kopftuchmädchen beispielsweise zum Einhalten des Fastens auffordern oder die nichtmuslimischen Mädchen und Jungen dazu motivieren, im Ramadan solidarisch mitzufasten oder „Rücksicht zu nehmen“ und das Butterbrot heimlich zu essen – das ist in Deutschland bereits vorgekommen.

Andererseits grenzt das Kopftuch deutlich die „gläubigen, reinen“ Frauen von Weitem sichtbar von den „Unreinen“ ab. Nicht zuletzt ist die Trägerin als eine praktizierende Muslima gekennzeichnet, die der Kontrolle von wali, mahram und umma unterworfen ist. Sie geht keinen Schritt mehr unbeobachtet, ständig steht sie unter Kontrolle. Schlimmstenfalls fordern sie sogar Nichtmuslime zum Einhalten der Scharia auf, worauf Lamya Kaddors beziehungsweise Thomas Kufens Handreichung, die sich ja an Deutschlands Lehrerinnen und Lehrer beziehungsweise Kindergärtnerinnen und Kindergärtner richtet, durchaus zielt. Die Freiheit, das Kopftuch ungestraft wieder auszuziehen, besteht aus Sicht der Sunna nicht.

A: Auch die Nichtmuslime dürfen sich durch das Kopftuch beleidigt fühlen, werden sie doch durch die Scharia (Dhimmitude) als sittlich minderwertig definiert. Männliche Muslime sind durch jedes sichtbar werdende Kopftuch als triebgesteuert (Fatma Bläser) definiert und sind zusätzlich aufgerufen, die antidemokratische Ordnungspolitik der „ewigen“ (Mustafa Cerić) Scharia durchzusetzen (dschihād), sprich die kulturelle Moderne abzubauen und das Kalifat aufzubauen.

48 Betrachtet man Muslime in ihrer Gesamtheit, so stellt man fest, dass sich ihre Kleidung sehr stark nach den Ländern und den Kulturen richtet, in denen sie leben

A: Wie stark ist sehr stark, wie schwach? Kaddor versucht, zu bagatellisieren, sie will uns Kritikern von hijāb und niqāb zuvorkommen, in dem sie die Öffentlichkeit glauben machen will, irgendwie wären die Muslime hinsichtlich ihrer Kleidung angepasst. Das aber ist falsch, die islamische, kulturell segregierte Lebensweise gründet gerade auf der Kleidungs-Apartheid. Nach dem Motto: Ohne Kopftuch keine Politreligion.

K: Die in der Ausbildung islamischer Religionspädagoginnen und Religionspädagogen tätige Kaddor kennt das radikalislamische Prinzip der ’at-takfīr w’al-hidschra’ nicht, den ’Rückzug von den (Lebensweisen der) Ungläubigen als (innere) Auswanderung’, das heißt die Gründung einer an der Scharia ausgerichteten Siedlung der Tugendhaften in der minderwertigen und unmoralischen ’dār al-harb’? Da es, gerade auch nach Kaddor, ein verpflichtendes Gebot sei, sich islamisch zu kleiden, wird die „Gesamtheit“ (Kaddor) der Muslime sich einerseits stets durch (extreme) Verhüllung des Frauenkörpers von der Umgebungsgesellschaft abzugrenzen trachten und sich andererseits darum bemühen, auch die Kleidungsgewohnheiten der Nichtmuslime islamkompatibel zu beeinflussen. Die von Frau Kaddor mit dem Ziel der Verharmlosung zitierten legendären bauchfreien indischen Sari-Muslimas wird man selbst in Indien mittlerweile vergeblich suchen[45]. Wir müssen über den gegenwärtigen Fundamentalisierungsprozess reden, der in traditionell islamischen Staaten oder Regionen wie Indonesien[46], [47], Ägypten[48],[49] , oder der Türkei[50], [51] stattfindet, in denen sich Polit-Scharia, Tschador und Niqāb auszubreiten beginnen[52]. Auch diesen, nicht zuletzt frauenrechtlich bedenklichen Wandel in Richtung einer Theokratie übergeht Kaddor bei dieser Bemerkung großzügig.

48 Festzuhalten bleibt: Das Kopftuch ist für seine Trägerinnen ein Tuch, das einem bestimmten Zweck dient, nämlich aus einem freien Willen heraus Gott ergeben zu sein.

K: Im Islam soll der Mann die Frau zwingen, das Kopftuch zu tragen[53].

A: Frömmelei. Und Falschaussage. Gerade noch hat sie zugegeben, dass es durchaus Mädchen und Frauen gibt, die zum Kopftuchtragen gezwungen werden: Wie kann die Pädagogin aus Nordrhein-Westfalen dann diese Aussage tätigen, denn zumindest den unfreiwilligen Kopftuchträgerinnen fällt die Dame nun in den Rücken. Kopftuch bedeutet: Die Frau ist Mangelwesen, mit einem Mangel an „Bedeckung“ auf die Welt gekommen. Unter muslimischen Schariakritikern ist der Spruch geläufig: „Wollte Gott, dass die Frauen Kopftuch tragen, hätte er sie mit einem solchen erschaffen“, diese Islamkritiker könnten sogar das fitra-Konzept gegen (!) den hijāb oder gar niqāb (Gesichtsschleier) verwenden (sie sollten allerdings besser gar nicht ’islamisch argumentieren’, sondern universalistisch-aufklärungshumanistisch sprich wissenschaftlich). Bemerkenswert: Lamya Kaddor schweigt zu Tschador oder niqāb.

K: Zur Freiheit, das Kopftuch anzuziehen, gehört immer auch die Freiheit, es jederzeit ohne Nachteile und ohne Angst vor Bestrafung ablegen zu dürfen.

50 Wenn muslimische Mädchen ihre besondere Rolle und Eigenständigkeit sowie ihre religiöse Bindung durch Kleidung oder Kopftuch ausdrücken wollen, ist dies anzuerkennen und den Mitschülern gegenüber zu vermitteln; die Entscheidungen sind zu würdigen und die Schülerinnen sind vor Spötteleien und Vorwürfen zu schützen

K: Frau Kaddor macht sich … die Welt, widde-widde, wie sie ihr gefällt! Einerseits soll man nicht kulturalisieren und ethnisieren, andererseits soll es Lex Islam geben. Wo sind bitteschön die Befindlichkeiten der nichtmuslimischen Mädchen, wer berücksichtigt die? Ist die Meinung einer Tochter aus atheistischem, jüdischem oder ex-muslimischem Elternhaus, die das Kopftuch als Zeichen der Unterdrückung von Mädchen und Frauen versteht, nicht genau so zu berücksichtigen und wertzuschätzen?

Wer schützt die „christlichen Mädchen“ vor dem Mobbing ihrer kopftuchtragenden Klassenkameraden, die abwertend auf ihre nichtverschleierten Mitschülerinnen herabschauen?

Eltern, die ihre Kinder möglicherweise bewusst auf einer konfessionell nicht gebundenen Schule angemeldet haben, sehen sich in ihrem Vertrauen, dass sie in das aufklärungshumanistische Konzept einer öffentlichen staatlichen Schule gesetzt haben, getäuscht, wenn religiöse Werte und Normen das Klassenzimmer zu beeinflussen beginnen.

A: „Muslimische Mädchen in ihrer besonderen Eigenständigkeit“, ja, und evangelisch-freikirchlichen Mädchen in ihrer „besonderen Eigenständigkeit“, und russlanddeutsche oder atheistischen Mädchen oder buddhistischen Mädchen? Wir brauchen keine Sondergesetzlichkeit für ethnoreligiöse Kollektive, auch keine für kleine Jusos oder Messdiener. Schule ist der Ort der Integration, der in den jungen Menschen die Neugier auf Zwischentöne wecken soll, sie zur Selbsterfahrung und zum Dulden von Widersprüchen ermuntern soll, zum Selberschreiben einer individuellen Lebensgeschichte.

Zur Rechtlosigkeit der Islamapostaten oder Bahá’í im Iran oder in Ägypten, schweigt Lamya Kaddor, doch das Kopftuch steht eben auch für diese islamischen Realitäten. In keinem vom Islam geprägten Staat zwischen Marokko und Malaysia gibt es Pressefreiheit oder Religionsfreiheit oder universelle Menschenrechte – soll das so bleiben, sehr geehrte Frau Kaddor? Vom Konzept der Dhimma (Dhimmitude) distanziert sich Lamya Kaddor nicht. Denn auch die Dhimma wird, wie die nach Kohärenz und Totalität strebende (politische) Scharia, durch das Kopftuch versinnbildlicht.

50 Es bedarf aber der Erklärung und des Bemühens um Verständnis für Unterschiede, wenn das Kopftuch unbeanstandet bleibt, aber die Baseballkappe im Unterricht abgenommen werden soll.

K: Genau.

Richtig, bei beiden Kleidungsstücken, Kopftuch und Sportkappe, handelt es sich um Kopfbedeckungen: Wenn ich das eine verbiete, kann ich das andere nicht zulassen. Wenn wir als säkulare Lehrerinnen und Lehrer staatlicher Schulen das Kopftuch im Klassenzimmer zulassen, während wir alle anderen Kopfbedeckungen untersagen, geben wir ihm eine herausragende Stellung. Gerade wenn wir das Kopftuch als „religiöses Symbol“ und als „religiöse Pflicht“ deuten, geben wir dem textilen Konfliktstoff eine geradezu sakrale Bedeutung, was wir als professionelle Garanten der staatlichen Neutralität nicht tun dürfen. Entsprechend darf im Büro eines auf die freiheitliche Demokratie vereidigten Integrationsbeauftragten kein Bild eines heiligen Tempels an der Wand hängen, damit auch kein Foto einer Moschee, auch keines, das man geschenkt bekommen hat.

A: Du hast sehr geradlinig argumentiert, Ümmühan. Dem Fußballfan ist seine in den „heiligen“ Farben des Traditionsvereins gehaltene Mütze ja womöglich genau so kostbar wie der Konvertitinnentochter ihre hübsche Haarverhüllung. Obschon ihre Haare ja vielleicht nicht weniger hübsch sind. Doch Jungenhaare sind so hässlich nun auch wieder nicht. Es ist Schülerinnen und Schülern durchaus zuzumuten, im Klassenzimmer die Haare der jungen Leute des eigenen und des anderen Geschlechts anzugucken, ohne vor deren Schönheit den Verstand zu verlieren.

50 es kann zweckmäßig sein, die Fragen um Kopftuch und Kleidung mit den Schülerinnen einer Klasse allein zu besprechen. Die Mädchen entwickeln vielleicht untereinander eher Verständnis und können Lösungsmöglichkeiten erörtern. [Auch] könnte es geboten sein, Jungen alleine [ohne die Mädchen] auf ihr Verhalten und ihre Einstellungen [zur islamischen Mädchenkleidung und zum Kopftuch] anzusprechen

A: Werden im Mädchengespräch Jungen dämonisiert? Wird unter Jungen die der männlichen Sexualität angeblich so wesensverschiedene weibliche Sexualität und Körperlichkeit dämonisiert?

K: Aufschlussreich ist, dass die Pädagogin aus Dinslaken-Lohberg den Konfliktstoff Kopftuch in geschlechtshomogenen Gruppen diskutieren möchte. Hat sie Angst, dass die Gender-spaltenden Argumente des fundamentalistischen Islam offenkundig werden? Den nichtmuslimischen Mädchen in einer geschlechtergemischten Diskussionsrunde könnte bewusst werden, dass sie sexuelles Freiwild für patriarchalisch denkende (muslimische) Jungen und junge Männer sind. Mädchen unter sich werden womöglich eine kopftuchtolerante Position einnehmen, um die Anzahl der Konkurrentinnen zu verringern. Und die verbissen Rechtgläubigen missionieren mit da’wa an der Schule und glauben, mit dem angeblich pflichtgemäßen Kopftuchtragen persönliche hassanat, paradiesische Pluspunkte zu erwerben. An Schulen im Namen einer falsch verstandenen Toleranz geduldete so genannte islamische Kleidung für Mädchen und Frauen hat Auswirkungen auf beide Geschlechter, auf Muslime wie Nichtmuslime. Gerade auch die Jungen jeder Weltanschauung oder Religion dürfen sich nicht den Mund den Mund verbieten lassen.

A: Danke, auch die Jungen gehören zu den Opfern der Fundamentalisierung, auch wenn sie sich erfahrungsgemäß gerne einbilden, die (islamische, patriarchalische) Sache im Griff zu haben und besonders souverän, heldenhaft sowie selbstbestimmt zu sein. Islam gefährdet eben auch Männer, allein deshalb beispielsweise, weil im blühenden Kalifat nur noch seelisch versklavte Frauen anzutreffen sind. Kaddor hätte mit geschlechtshomogenen Gesprächen zur so genannten islamischen Mädchen- und Frauenkleidung ein erstes Stück Geschlechtertrennung durchgesetzt, ausgerechnet zu dem selbst für viele von uns Erwachsenen oft halb-bewussten und damit für fundamentalistische Manipulation stets gefährdeten Bereich der Ideologisierung des Sexuellen beziehungsweise Leiblichen. Kaddors anvisierte ’geschlechtssensible Diskussion’ hat mit wissenschaftlich orientierter Sexualaufklärung oder mit nachvollziehbar pädagogisch ausgerichteter Kleingruppenarbeit nichts zu tun.

50 … das Eigenständige, das Besondere, die Differenzen …

K: Ja ist es jetzt gut?!

52 Vor allem fühlen sich muslimische Eltern häufig durch die strengen Moralvorstellungen des Islams dazu verpflichtet, ihre pubertierenden Töchter vor dem gemeinsamen Schwimmunterricht zu schützen

K: Kaddor sagt: „… ihre Töchter zu schützen“, wovor, vor den Blicken der männlichen Mitschüler oder Lehrer? Nicht vor dem Ertrinken schützen, dazu lernt man übrigens Schwimmen, nein, vor dem Angeguckt-Werden. Und das soll Generation für Generation so weiter gehen, liebe Frau Kaddor? Misstrauen Sie der Kompetenz und Professionalität der Pädagoginnen und Pädagogen im Staatsdienst, die auf die Sicherheit und gesunde Entwicklung aller Kinder und Jugendlichen, auch der nichtmuslimischen Mädchen übrigens, achten?

Sollen bundesdeutsche Lehrerinnen und Lehrer ihre der Aufklärung und dem Humanismus verpflichtete Ausbildung diesen streng gläubigen muslimischen Eltern zuliebe über Bord werfen und als Büttel des Kalifats mittelalterliche Menschenbilder tradieren helfen?

Auch das Verwaltungsgericht Düsseldorf hält den koedukativen Schwimmunterricht für zumutbar[54].

A: Die Eltern würden sich verpflichtet fühlen, behauptet Kaddor, ihre Töchter von einem jeden koedukativen Sport- und Schwimmunterricht abzumelden, verpflichtet durch den Islam und den Koran? Diese orthodoxen Milieus sind in der Tat einer Erwartungshaltung unterworfen, jedoch nicht nur derjenigen des Korans, sondern mindestens ebenso derjenigen der Unterwerfung fordernden und mit Exklusion drohenden Großfamilie[55]. Der Disziplinierung im Sinne von Scharia und Sunna dient, gerade auch in der deutschen Diaspora, eine Art schmerzende Daumenschraube des alltäglichen Getuschels und Getratsches.

Dass dieser vielfach ungeheuerlich hohe psychische Druck leider reale Folgen haben kann, beweisen die Zwangsverheiratungen und Ehrenmorde, von denen jedoch sich die kulturelle Moderne nicht erpressen lassen darf. Schwimmen können ist Bildungsziel für jedes einzelne Kind, da steht keine von einer Frau Kaddor künstlich geschaffene Kindergemeinschaft („die muslimischen Mädchen/Kinder“) eines ethnoreligiösen Kollektivs unter abgesondertem Recht.

53 Jungen könnten Mädchen „zu nahe kommen“ und durch diese Art von Belästigung die Ehre der Mädchen beschmutzen. Da die Ehre der Mädchen unbedingt rein zu halten ist, muss jede Situation vermieden werden, in denen ein Mädchen von einem Jungen sowohl verbal als auch physisch belästigt werden könnte. (…) Jede unkontrollierbare Situation, in der die Ehre der Tochter unter Umständen auf dem Spiel steht, muss vermieden werden

K: Wie werden sich die Eltern der nichtmuslimischen Jungen verhalten, die ihren Söhnen und Töchtern ein an den universellen Menschenrechten orientiertes Frauen- und Männerbild vermittelt haben, wenn auch ihren Söhnen generelle Triebhaftigkeit unterstellt wird?

Meinen Sohn jedenfalls würde ich von einer Schule abmelden wollen, die nach solchen vormodernen Verhaltensvorschriften arbeitet, die solche Geschlechterbilder und Familienkonstellationen unterstützt.

53 Zum Sporttreiben finden wir bei Jugendlichen in verschiedenen Altersstufen sehr unterschiedliche Einstellungen. Unterschiedlich bei Mädchen und Jungen nimmt die Bewegungsfreude der Kinder mit zunehmenden Alter ab, wenn kein strukturiertes Bewegungsangebot in Vereinen, in der Schule (…) die Bewegungsfähigkeit sowie die Freude am Sport erhält und ausbaut.

K: Tatsächlich nimmt die Bewegungsfreude mit zunehmendem Alter ab, das gilt in besonderem Maße für die Phase der 15- bis 25-Jährigen, wenn schulische und häusliche Pflichten wie auch Entwicklungsaufgaben umfassender werden. Gerade deswegen ist es wichtig, dass Mädchen und Jungen bereits im Grundschulalter Schwimmen lernen, um als (junge) Erwachsene auf diese grundsätzlich erworbene Fähigkeit selbstbewusst zurückgreifen zu können. Sport dient der Charakter- und Persönlichkeitsbildung und beugt Krankheiten vor.

Der Anteil an adipösen, das heißt extrem übergewichtigen Jungen gerade auch innerhalb von Deutschlands türkeistämmig-muslimischer Community ist seit einem Jahrzehnt bedenklich hoch, denn gerade diese kleinen Paschas verbringen ihre Freizeit vor dem Computer, Fernseher oder der Spielkonsole. Diese Medienverwahrlosung bei zeitgleich vorhandenem Konformitätsdruck durch die Gleichaltrigen gleichen Geschlechts (’peers’) durchkreuzt die gesundheitsförderliche und wohl auch natürliche Bewegungsfreude vor allem der Jungen. Die Mädchen dagegen gerade in muslimisch geprägten Familien sind aufgrund der ihnen abverlangten häuslichen Pflichten von gesundheitsschädlichem Bewegungsmangel betroffen.

53 Bei der Kleidung [im Sport] ist für alle Jugendlichen klar, dass man sich an der Ausrüstung im nationalen und internationalen Sport orientiert.

A: Eben universell, ein Stück Humanisierung und Globalisierung, denn solange die Ausrüstung in Design und Qualität an den Maßgaben der Funktionalität, Ergonomie und Gesundheitsförderung orientiert ist und nicht am ideologischen Keuschheitskodex und Moralkorsett des Scharia-Islam, kann mir das nur recht sein.

K: Sicherheit, Bewegungsfreiheit und Hautfreundlichkeit sind wichtige Kriterien für Sportbekleidung. Ich bin auch für Humanisierung, wenn damit individuelle Entwicklungschancen gemeint sind und nicht durchgesetzte Geschlechterapartheid oder Sonderbekleidung für das Islamkollektiv oder ein anderes Kollektiv. Alle anderen Empfindlichkeiten der Elternhäuser haben die Schule grundsätzlich nicht zu interessieren.

A: Ja, es geht den Islam-Legalisten um den Streit nicht für Individualrechte, sondern für Gruppenrechte. Der politische Islam will Rechte eines Kollektivs durchsetzen, welches seine Individuen gleichsam frisst, schluckt. Auch Kaddor will diesen Vorrang der Gruppenrechte vor den Individualrechten beziehungsweise Bürgerrechten. Wir Sozialpädagogen hingegen unterstützen die Forderung von Professor Bassam Tibi, der den deutschen Muslimen zumutet, sich als ’citoyen’, als Staatsbürger zu verstehen und sich von Scharia-Islam und Fiqh-Islam zu distanzieren.

K: Citoyenne und citoyen, bitte, Staatsbürgerinnen und Staatsbürger.

A: Habe ich doch gemeint.

K: Das ist das europäische Patriarchat, Frauen sind immer „irgendwie“ mit-gemeint.

54-55 [durch muslimische Familien gewünschte Befreiung vom Schulsport oder Schwimmunterricht]

K: Wenn Eltern oder Erziehungsberechtigte ihre Kinder vom Schulsport befreien lassen, auch ärztliche Atteste sind, bei jeder Schülerin und jedem Schüler sehr kritisch zu prüfen, dann ist das für mich ein Alarmsignal, das auf eine konservative, orthodoxe Interpretation des Islam schließen lässt. Hier ist die von Lamya Kaddor so gerne im Munde geführte „Sensibilität“ wirklich gefragt. Nicht selten sind es gerade diese Milieus, in denen Prügel und Zwangsheirat drohen.

A: Auch scheint mir die Gefahr von Ketten-Reaktionen gegeben, ein Sich-Ausbreiten vom angeblich spontanen Wunsch nach Abmeldung vom Schulsport unter den sich wechselseitig überwachenden und zugleich ja vielleicht fundamentalisierenden Familien islamisch geprägter Straßenzüge. Die Islamverbände und radikalen Moscheegemeinden agitieren hart, die Abmeldeformulare können über einschlägige Internet-Seiten von islamloyalen Eltern gefunden und ausgedruckt werden[56] ,[57] .

55 Artikel 7 Absatz 1 Grundgesetz

K: Kaddor interpretiert das Grundgesetz recht großzügig. So heißt es in Artikel 7 Absatz 1 GG: „Das gesamte Schulwesen steht unter der Aufsicht des Staates“. Um diesen Absatz in Kaddors Sinne auszulegen, muss man weit vom Gesetzestext abweichen, wenn man wie Kaddor den staatlichen Bildungs- und Erziehungsauftrag ableiten will.

A: Aufsicht heißt: Die Republik überprüft und genehmigt für alle Schultypen Lehrinhalt, Lehrmethodik und Curriculum, auch für Privatschulen oder Bekenntnisschulen. Es gilt die Hoheit des Staates, der Vorrang des Grundgesetzes, nicht der Vorrang der Scharia.

K: Im Artikel 7 Absatz 2 betont und garantiert der Staat die Freiheit der Erziehungsberechtigten, zumeist der Eltern, über die Teilnahme des Kindes (d. h. des unter 14 jährigen jungen Menschen) am Religionsunterricht zu bestimmen. Säkularen Muslimen oder Ex-Muslimen ist damit zugesichert, dass sie ihr Kind ohne Gefahr für Gesundheit und Leben vom (islamischen) Religionsunterricht abmelden dürfen. So wichtig ist der Verfassung die negative Religionsfreiheit (anders als Prof. Schachtschneider vermutet).

55 Um jedoch vom Schwimmunterricht befreit zu werden, muss die Schülerin glaubwürdig darlegen können, dass sie durch die Teilnahme in einen Gewissenskonflikt kommt.

K: Das wird ja wohl kein Problem sein: Wenn mir nur oft genug vorgehalten wird, dass ich mich „islamisch zu bedecken“ habe, um ins Paradies zu kommen, gerate ich rasch in den islampädagogisch erwünschten Gewissenskonflikt. Die koranisch angedrohten Höllenstrafen dürften eigentlich ausreichen, notfalls helfen die Erziehungsberechtigten mit islamkonformer Prügel nach. So erklären sich die 44,5 Prozent türkischer Migrantenkinder mit Misshandlungen und schweren körperlichen Züchtigungen in den Familien[58].

A: Statt den geschlechtergetrennten Sportunterricht durchzusetzen, sollte sich Pädagogin Kaddor hörbar von der Hölle verabschieden.

K: Das kann sie nicht, das wäre lebensgefährlich.

A: Ich denke, es gibt keinen Zwang im Glauben?

K: Du musst verleugnen, gezwungen zu sein, sonst geht es dir schlecht.

A: Die allseits einschüchternde Doktrin der Scharia würde verdampfen, gäbe es nicht diese kopftstarken Milieus, die von der ’autoritären Persönlichkeit’[59] geprägt sind. Ohne die mitnichten angeborene, vielmehr permanent und angestrengt erzeugte Familien- und Gruppenkultur des ’autoritären Charakters’[60] wäre der Islam reformfähig, demokratietauglich.

56 [Sport, Schulsport. Es] ist darauf zu achten, dass durch (…) Schamvorstellungen keine zusätzlichen Belastungen (…) auftreten. Deshalb ist eine besondere Aufsicht bei der Trennung der Geschlechter beim Umkleiden u. Ä. von großer Bedeutung.

A: Es reicht doch wohl, dass Allahs Auge ständig guckt, guckst du? Kaddor will die islamsensiblen Sittenwächter in der Mädel- und Buben-Umkleidekabine! Urlaubsgrüße aus dem Mittelalter.

K: Wie wird Pädagogin Kaddor das den Schülerinnen und Schülern erklären, dass ab sofort für die Mädchen eine Sittenwächterin und für die Jungen ein Sittenwächter in der Duschkabine Wache schiebt? Was sagen die Mädchen und Jungen eigentlich dazu, plötzlich unter der prickelnd-erfrischenden Duschbrause sittenstreng beäugt zu werden? Ob Deutschlands nichtmuslimische oder ex-muslimische Eltern derartige pädagogische Konzepte der Überwachung begrüßen werden?

A: Ich fürchte, die kommen sich schariatisch-erregt vor, das Kontrolliertwerden bezüglich eines tabuhaft-dämonischen Sexuellen steuert zwei neurotische Ebenen an, steuert sowohl die voyeuristisch-exhibitionistische als auch die masochistisch-sadistische Ebene an, damit hat die Scharia auf obszön-verklemmte Weise Sex-Appeal. Islam geilt auf.

K: Lernziel: Du darfst dir nicht vertrauen, dein Körper zieht, zumal als Frau, das Satanische an. Als Frau bist du, so die Logik von Koran, Hadithen und Scharia, teuflische Verführerin. Als männlicher Jugendlicher bist du (dschihadistischer) Beauftragter deines Trieblebens, ist dein Ausüben sexualisierter Gewalt dein von Allah auferlegtes Schicksal. Die von der Scharia vorgesehene Rolle jeder Frau als Verführerin gilt auch für die nichtmuslimischen Mädchen, ebenso definiert sie konzeptionell (fitra, ’aura) auch den sittlich minderwertigen (dhimma) männlichen Nichtmuslim als wesensgemäßen Triebtäter. Allahs Patriarchat. Derart verunsicherte Muslimas werden niemals zugeben, zur Verschleierung des Haares gezwungen worden zu sein. Sie werden immer davon überzeugt sein, dass das Kopftuch schützt. Was macht dieses Erziehungskonzept mit den nichtmuslimischen Klassenkameradinnen und Klassenkameraden?

A: Aufpasser in Waschsaal und Duschkabine? Nicht etwa schulischerseits die (panische) Kontrolle auf Drogen, nein, es geht der ordnungspolitischen Scharia um Überwachung des Genitalen und Sexuellen. Bei Mädchen und bei Jungen. Mädchen als angebliche Täterin der Vergewaltigung nach weiblichem Verführen, Jungen als angebliches Opfer weiblicher Verführung. Die Scharia vertauscht Täter und Opfer. Die gelangweilte Demokratie war der Freiheit überdrüssig, sie fordert den Nebel der „kultursensiblen“ Wertebeliebigkeit, in welchem sie ganz richtig jene schmerzenden Sklavenketten wittert, nach denen sie begierig ist.

58 Ihre Töchter müssen bis zur Eheschließung unberührt bleiben und haben ihre Jungfräulichkeit um jeden Preis zu bewahren.

K Das haben sie, auch um den Preis des Lebens.

58 Dies kann in besonders konservativen Familien dazu führen, dass als letztes Mittel sogar Gewalt angewendet werden muss.

A: Alle Gewalt geht vom Volke aus. Körperliche Unversehrtheit ist ein wichtiges Rechtsgut. Richtig, orthodoxe islamische Milieus und familiäre Gewalt gehören eng zusammen.

59 Kamel-Fatwa [Kaddor zitiert und erklärt ausführlich die Kamel-Fatwa]. Bis heute berufen sich viele streng gläubige Eltern auf das von einem Islamologen ausgestellte Rechtsgutachten. Diese so genannte „Kamel-Fatwa“ besagt, das Musliminnen ohne männliche Begleitung nicht an einer Klassen- oder Studienfahrt teilnehmen dürfen, deren Entfernung größer ist als die Strecke, die ein Kamel während einer Tages- und Nachtreise zurücklegen kann (…), etwa 80 Kilometer.

A: Die Kamel-Fatwa wurde von dem Islamisten Amir Zaidan[61] unterzeichnet, der nach eigenen Aussagen das Gedankengut der fundamentalistischen Muslimbruderschaft[62] vertritt, das auch ganz praktisch Terrorismus umfasst. Zaidan studierte im radikalislamischen Studienzentrum (von Saint-Léger-de-Fougeret[63] bei) Château-Chinon (Burgund, Frankreich), das heißt im der Muslimbruderschaft nahe stehenden Institut Européenne des Sciences Humaines (IESH)[64]. Dort im burgundischen IESH wird angehenden Imamen die für Deutschlands Intellektuelle so folkloristisch-harmlos erscheinende nikāh (islamische Imam-Ehe) gelehrt und steht al-Qaradāwi[65] als spirituelle islamische Autorität in hohen Ehren[66].

Vielleicht unterstützt Kaddor teilweise die islampädagogischen Ambitionen des syrischen Zaidan[67], der in Österreich das Islamische Religionspädagogische Institut (IRPI) leitet? Zu IRPI siehe auch hier unter Seite 28 „Speisegesetze. Erlaubtes und Verbotenes“. Eine schariafreundliche Akademie namens IRPA, Wien, steht der Kairoer al-Azhar nahe und ist im selben Haus ansässig wie das IRPI, Zaidan führt etwas autokratisch die ebenso einflussreiche wie nebulöse Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ). Aufgrund von österreichischen Gesetzen, die bis ins Jahr 1912 und sogar 1874 zurück reichen, hat die IGGiÖ den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts und gilt sie als anerkannte Religionsgemeinschaft in Österreich.

Den religionspolitischen Kurs der staatlich gewürdigten und rechtlich privilegierten IGGiÖ geben der Sympathisant der Muslimbruderschaft Amir Zaidan und der islampädagogisch an Yūsuf al-Qaradāwi orientierte Anas Shakfeh vor. Der weltweit höchst einflussreiche Gelehrte al-Qaradāwi vertritt die islamischen theologischen Positionen, dass für jede Frau das Kopftuch und die Körperbedeckung bis auf Gesicht und Hände verpflichtend sei, dass die Ehefrau vom Ehemann geschlagen werden dürfe (nur leicht, nicht ins Gesicht), dass weibliche Genitalverstümmelung erlaubt sei (nur etwas schneiden). Selbstmordattentate gegen die dār al-harb, beispielsweise gegen Israel, so al-Qaradāwi, seien schon in Ordnung, und Homosexuelle hätten öffentlich hundert Peitschenhiebe verdient.

Kaddor verschweigt uns, dass (Kaddor: „Islamologe“) ’Islamologie’ keine anerkannte Wissenschaft ist und zu ’Islamwissenschaft’ ungefähr so steht wie Astrologie zu Astronomie oder Alchimie zu Chemie. Der Verfassungsschutz von Baden-Württemberg nennt Amir Zaidan „höflich gesagt einen ultraorthodoxen Muslimen“ während die deutsche Islamwissenschaftlerin Claudia Dantschke erklärt: „Zaidan hat in Hessen für seine Mitglieder faktisch versucht, eine Art parallele Rechtsordnung durchzusetzen.“ Woraufhin es uns täglich mit muslimischen Migrantenkindern arbeitenden Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen wenig nachvollziehbar erscheint, dass der erklärte Bewunderer der Gedanken der Muslimbruderschaft, Herr Amir Zaidan, ganz offiziell Lehrer für den islamischen Religionsunterricht an Österreichs Schulen ausbilden darf[68].

Im November 2007 nahm Österreichs Vizekanzler Molterer die kaum zuzumutende Qual auf sich und las das seit 24 Jahren bestehende Curriculum der Islamlehrer-Ausbildung. Wilhelm Molterer (ÖVP) entdeckte beim leider stets so anstrengenden Lesen („ich machte mir die Mühe“), dass in dem von Amir Zaidan geprägten Institut seit einem Vierteljahrhundert nichts anderes als die an der ganzen Scharia ausgerichtete islamische Gesellschaftsordnung gelehrt wird, der Islamstaat, das Kalifat[69]. Gut für die freiheitliche Demokratie, dass Molterer sofort und laut eine Änderung des Lehrplans forderte: „Wir haben in Österreich einen demokratischen Rechtsstaat und keinen islamischen Staat!“ Der verantwortliche, aus Syrien stammende Anas Shakfeh[70] sagte zu, den schulischen Unterrichtsinhalt ’islamischer Staat’ (Shakfeh: „diese Formulierung“) zu streichen[71]. Das schulische Lehren der Scharia scheint Herrn Molterer unbesorgt zu lassen, vielleicht kennt er die politisch folgenreiche ewige Pflichtenlehre nicht.

Wikipedia berichtet, dass Shakfeh ein ganzes Jahrzehnt lang unbeanstandet das Schulbuch ’Erlaubtes und Verbotenes im Islam’ des einflussreichen islamistischen Predigers al-Qaradāwi verwendet hat und heute für 360 Religionslehrer und 2.700 Schulen in Wien zuständig ist als der einzige Fachinspektor für islamische Religionslehrer. Kritiker halten Shakfehs IGGiÖ, die gerechtfertigt nur einen winzigen Bruchteil der Muslime Österreichs vertreten dürfe, doch beanspruche, alle Muslime zu vertreten, für undurchsichtig und für undemokratisch geführt[72].

61 Klassenfahrt. In dem Prozess des gemeinsamen Planens kann es hilfreich sein, wenn sich eine muslimische Mutter oder ein Vater oder auch eine besondere Vertrauensperson bereit erklärt, die Klasse auf der Fahrt zu begleiten. Manchmal hilft ein zwangloses Zusammensein der Eltern in der Vorbereitungsphase

K: Fahrtbegleiter, Kontrolletti oder was? Womöglich der Hodscha aus der Moscheegemeinde? Es gibt auch orientalische Atheistinnen und Atheisten, die wären, wenn überhaupt, die geeigneteren, objektiveren Begleiterinnen und Begleiter, da auch nichtmuslimische oder sogar entschieden islamkritische Schülerinnen und Schüler den Anspruch darauf haben, nicht von der Scharia oder sonst einer (angeblichen) Religionspflicht gegängelt zu werden. Das rituelle islamische Gebet kann übrigens nachgeholt werden[73], es ist nicht sinnvoll, das gemeinsame Programm beim Aufenthalt in Schullandheim oder Jugendherberge fünfmal täglich zu unterbrechen. Der gemeinschaftsbildende Effekt einer Klassenfahrt wäre aufgebrochen, wenn Teilgruppen sich segregieren, um sich zu Kulthandlungen zurückzuziehen. Aus dem gleichen Grund appelliere ich an alle, die Klassenfahrt als kopftuchfreie Zeit zu gestalten.

A: Man sollte auf Eltern verzichten, die Kinder brauchen gerade den für sie vielleicht ja erstmaligen „elternlosen“ Freiraum.

K: Bei Klassenfahrten können aktive Eltern ihre Dienste der Nachbarschule oder wenigstens Parallelklasse anbieten. Aus pädagogischen Gründen sollten Eltern ihre eigenen Kinder auf schulischen Veranstaltungen nicht betreuen, grundsätzlich mögen sich Mütter und Väter mit und ohne Religion gerne in die Gemeinwesenarbeit ihres Wohnortes einbringen.

A: Ein zwangloses Elterntreffen, überhaupt eine gute Gemeinschaft unter den Eltern der Klasse oder Jahrgangsstufe oder Schule ist sicherlich eine nützliche Kultur und einigen Einsatz wert.

62 Gute Gelegenheiten für einen solchen Austausch, an dem sich alle beteiligen sollten, sind Zusammenkünfte der Schüler, Eltern und Lehrer nach Klassenfahrten. Dabei können Bilder, Filme und andere Produkte der Fahrt gezeigt werden; (…) es sollte deutlich werden, welche Erwartungen und Befürchtungen erfüllt bzw. überwunden wurden.

K: Ein guter Vorschlag, der leider noch viel zu selten umgesetzt wird.

63 In der vorislamischen Zeit, der sogenannten Dschahiliya, war es nicht nur üblich, neugeborene Mädchen bei lebendigem Leibe zu begraben, sondern ebenfalls aus Armut sämtliche Kinder zu töten. Deshalb haben muslimische Eltern die Pflicht, sich um ihre Kinder zu sorgen und diese nicht aus Armut oder aus anderen Gründen zu vernachlässigen oder gar zu töten.

A: Die Menschen der Zeit der dschāhiliyya können also nicht alle arm gewesen sein, sonst hätten sie sich vollständig ausgerottet. Was für eine wissenschaftsferne Gräuelpropaganda gegen die Kulturen der Antike.

K: Sind für Kaddor nichtreligiöse Eltern oder Eltern anderer Religionen und Weltanschauungen grausame Barbaren? Abgesehen davon, dass alle Eltern, welcher Religion oder Nichtreligion auch immer, ihre Kinder schützen und fördern müssten, sollten so genannte muslimische Eltern auch nicht riskieren, ihre Mädchen genital zu verstümmeln (female genital mutilation, FGM). Genau dieses, Leib und Seele extrem zerstörende Initiationsritual jedoch fordert die islamische Rechtsschule der Schafiiten verpflichtend ein, die Kairoer al-Azhar und die Muslimbruderschaft billigen oder empfehen die FGM da, wo es angeblich nötig ist, während die höchste Autorität des sunnitischen Islams, Yūsuf al-Qaradāwi, die Frauenbeschneidung großzügig als „erlaubt“ toleriert.

Für mich sind häusliche Gewalt, Zwangsverheiratung von Mädchen und Jungen sowie der Tugendterror, der noch halbe Kinder in den Suizid treibt (autobiographisch bei Serap Çileli: ’Wir sind eure Töchter, nicht eure Ehre’; literarisch bei Orhan Pamuk: ’Schnee’), keine Form elterlicher Fürsorge.

A: Mit dschāhiliyya ist im Islam die vorislamische Zeit gemeint als die ’Zeit der Unwissenheit’, sie entspricht ungefähr dem christlich-dogmatischen Begriff ’vorchristliche Barbarei’ oder ’Heidentum’[74]. Der Islamist Sayyid Qutb[75] deutete den Begriff dschāhiliyya tagespolitisch[76] und bezichtigte alle Gegner seines islamischen Fundamentalismus als Anhänger und Angehörige der dschāhiliyya, sprich als sittlich minderwertige Menschen, als de-facto-Islamapostaten, Feinde Allāhs. Ist Kaddor, die uns die orthodoxe islamische Auffassung des Begriffs aufwändig erklärt und ihn zugleich in die Gegenwart transponiert, ist ihr die islamistische Lesart von dschāhiliyya unbekannt?

63 Im Koran ist an keiner weiteren Stelle eine Pflicht der Eltern gegenüber den Kindern aufgeführt. Vielmehr müssen sich die Kinder den Eltern gegenüber verpflichten.

K: Bin ich froh, dass ich in einem Land lebe, in dem das Grundgesetz gilt, das in Grundgesetz Artikel 6 Absatz 2 vom „natürlichen Recht“ und von der „zuvörderst (…) obliegenden Pflicht“ zur „Pflege und Erziehung der Kinder“ spricht, die für alle (!) Eltern oder anderen Erziehungsberechtigten gilt. Hier geht es eben nicht nur um die Garantie, dafür zu sorgen, dass das Kind überlebt, sondern elterliche Fürsorgepflicht umfasst Erziehung zur Mündigkeit im Denken und Handeln sowie zu der individuellen Teilhabe an der demokratischen Gesellschaft.

Die elterliche Rolle, wie sie das Grundgesetz voraussetzt, fördert Fähigkeiten und Talente und befähigt das Kind, sich selbständig Wissen aus allgemein zugänglichen Quellen anzueignen. In solchen Familien pflegt man einen liberalen, emanzipatorischen Erziehungsstil, der Mädchen und Jungen gleichermaßen altersgerecht in die Lage versetzt, sich an Entscheidungsprozessen zu beteiligen. Während derart aufwachsende junge Menschen nach und nach ihre Biographie völlig eigenständig entwerfen können, sind korangetreu erzogene Kinder bestimmten, vormodernen Lebenskonzepten unterworfen. Sich des eigenen Verstandes zu bedienen (Kant, sapere aude) bleibt durch die islamische Pflichtenlehre nachhaltig verboten.

A: Im klassischen Islam ist das Kind Besitz der Eltern, Wertanlage, die zu verheiratende Tochter ist eine Art Handelsgut (Brautgeld[77] ,[78] ). Eine Individualität ist von Koran und Scharia gar nicht vorgesehen, Frauen sind schariarechtlich zu diskriminieren, Nichtmuslime haben geringeren Status.

K: Die / der Einzelne ist Erfüllungs- und Vollstreckungsgehilfe von Stamm und Umma, der die Reinheit der Frauen überwacht und den beschlossenen Ehrenmord vollzieht.

64 Der ungütige und respektlose Umgang mit seinen Eltern wird vom Propheten als zweitschwerste Sünde nach der Anbetung anderer Götter bzw. Götzen neben Gott [Allāh] gesehen.

K: Schirk, Beigesellung, der Islam wirft den trinitarischen (de facto allen) Christen traditionell vor, mit dem Jesus als Gottessohn ’Beigesellung’ zu betreiben; Kaddor schreibt ärgerlicherweise Širk, was die elektronische Suchfunktion zum Begriff Schirk erschwert.

A: Klar, Papi und Mami sind ja auch fast so erschreckend und unhinterfragbar wie Gott. Es ist eine zu leistende Entwicklungsaufgabe des vielleicht Acht- bis Sechzehnjährigen, allmählich die gerade durch Religion und Tradition postulierte jedenfalls verstärkte angebliche Allmacht und Unfehlbarkeit der Eltern zu relativieren und die, vielleicht verzeihlichen jedenfalls erklärlichen, ganz individuellen Schwächen der Eltern zu erkennen und sich vom elterlicherseits eingeforderten Gehorsam loszulösen.

Religionsunterricht, der für die freiheitliche Demokratie tauglich sein soll, muss diese Aufgabe des individuellen Erwachsenwerdens (Emanzipation) begleiten. Kaddor müsste zu dieser behutsamen Kritik an der archetypisch-abstrakten wie konkret-persönlichen Elternrolle, eine Kritik, die von jedem erwachsen werdenden jungen Menschen zu leisten ist, hörbar ermutigen beziehungsweise zu ihr überhaupt erst einmal in der Lage sein. Kaddor distanziert sich nicht von der islamisch verlangten („vom Propheten“, Kaddor) Gehorsamspflicht den Eltern und der Sunna-Tradition gegenüber, was der tausend Jahre alten, radikalen Außensteuerung der arabischen Kindererziehung entspricht beziehungsweise diese erklärt, die ein jedes autonomes Urteilen zu verhindern trachtet und, bislang recht erfolgreich, der kulturellen Moderne Widerstand leistet.

Diese Kultur des Einschüchterns und Gehorchens verschmilzt weltweit mit dem so genannten Islam. Es könnte einen anders orientierten Islam geben, der das Gewissen über den Gehorsam stellt, wie ihn etwa Ayaan Hirsi Ali fordert[79]. Lamya Kaddor will diese, an Aufklärung und Psychoanalyse gereifte Religiosität nach besten Kräften und wohl auch mit der erstaunlich großzügigen Billigung der nordrhein-westfälischen Landesregierung verhindern. Schulischer Religionsunterricht an staatlichen Schulen jedoch darf kein die Emanzipation des Individuums verhindernder, die universellen Menschenrechte mit dem dreist eingeforderten Schariavorbehalt ironisierender Polit-Islam sein.

Hier, bei Lehre und Verbreitung der Scharia, haben „alle Deutschen“ durch Artikel 20 Absatz 4 des Grundgesetzes das Recht zum Widerstand: „gegen jeden, der es unternimmt, die verfassungsmäßige Ordnung zu beseitigen.“ Die von Thomas Kufen unterschriebene Handreichung der Lamya Kaddor sollte vom Bundesamt für Verfassungsschutz auf eine etwaige extremistische, gegen den Fortbestand der für alle (auch für Menschen aus muslimischem Großeltern- und Elternhaus) zugänglichen freiheitlichen Grundordnung gerichtete Gesinnung und Propaganda geprüft werden.

Zusätzlich ist der in der Handreichung vielfach begangene explizite Aufruf zur Befolgung von Partikeln der letztlich kohärenten und totalen Scharia[80] womöglich ja dazu geeignet, die Menschenwürde dadurch zu gefährden, dass sie Teile der Bevölkerung angreift. Nichtmuslime, Islam-Apostaten sowie alle Mädchen und Frauen werden von der Scharia (Koran, Hadithe, Fatwas; die Konzepte von Dhimma, Dschihad, Kalifat) diskreditiert. Das aber würde über den vielleicht betroffenen Jugendmedienschutz[81] hinaus eine Gefährdung des öffentlichen Friedens darstellen, Tatbestandsmerkmal von § 130 StGB (Volksverhetzung).

Islamische Religionslehrer, sollte die Bundesrepublik sie überhaupt an den öffentlichen Schulen zulassen wollen, müssen sich von der konzeptionellen Erziehung zur Scharia distanzieren und dürfen die Scharia auch nicht in Elementen in einem das Kind oder den Jugendlichen einschüchternden und „überwältigenden“ Bekenntnisunterricht im Klassenzimmer lehren.

K: Islamischer Religionsunterricht ist bis auf Weiteres nicht schulreif. Vor allem die Damen und Herren, die offen oder verdeckt in Islamverbänden in Führungspositionen organisiert sind, haben mein Vertrauen für alle Zeit verspielt.

A: Im Sinne von Artikel 7 Absatz 3[82] ist der so genannte Islam, solange er ein auf absoluten Pflichtengehorsam (Scharia) und grundrechtswidrige Rechtsfindung (Fiqh) gegründeter herrschaftspolitischer Kult ist, keine Religionsgemeinschaft. Ein islamischer Religionsunterricht, Kaddors hier analysierte Handreichung mag das hinreichend belegen, kann einstweilen an Deutschands öffentlichen Bildungseinrichtungen von Kindergarten bis Gymnasium nicht erteilt werden. Nach Kaddors eigener Aussage[83] ist „die Aufklärung für den Islam nicht übertragbar“, das soll wohl heißen: Die Aufklärung ist auf den Islam nicht anwendbar. Wir möchten ihr entgegnen: Sehr geehrte Frau Kaddor, solange Sie die grundrechtswidrige Scharia propagieren, sind Ihr Lehrinhalt auf die schulisch gebotene Erziehung im Einklang mit der FDGO[84] nicht anwendbar.

65 [An die] beruflichen Perspektiven der Kinder stellen viele muslimische Eltern keine allzu hohen Ansprüche. Vor allem Mädchen werden nicht ermuntert, eine Ausbildung zu machen. Oft ist es Schülerinnen und Schülern nicht besonders wichtig, welchem Beruf sie später nachkommen werden.

K: Die erfolgreiche Bewältigung beruflicher Herausforderungen erfordert eine Haltung der neugierigen Weltzugewandtheit, der Selbstsicherheit, der Kreativität und der geradezu wissenschaftlich zu nennenden Experimentierfreude. Wie Kaddor selber zugibt, steht „muslimischen“ jungen Menschen eine derartige Haltung und Denkweise nicht zu. Schülerinnen und Schüler aus muslimisch geprägtem Elternhaus entwickeln, trotz ausreichender Begabung, deshalb wenig Lerneifer, weil sie vor allem als Töchter keine individuelle Biographie entwickeln dürfen.

Speziell von den Mädchen wird erwartet, sich in die traditionelle islamische Frauenrolle einzufügen. Dagegen aufzubegehren ist die zweitgrößte Sünde, zitiert Kaddor, gefährdet das „Ansehen“ der Familie und muss geahndet werden. Auch den Jungen ist es in der Regel nicht gestattet, nonkonformistisch zu leben, als Sittenwächter haben sie jedoch deutlich mehr Kontrollmacht. Berufliche Integration scheitert nicht nur an der aufnehmenden Gesellschaft.

A: Berufliche Integration, ökonomische Autonomie des Individuums droht die Unhinterfragbarkeit von Großfamilie, Fatwa und Sunna in Frage zu stellen, was es aus Sicht der Fundamentalisten natürlich zu verhindern gilt. Die Herrschaftskultur des Tochtertausches (Zwangsheirat) will energieaufwändig (dschihād) verteidigt sein.

65 So gut der Kontakt in der Großfamilie ist, so selten sind meist Begegnungen mit Nachbarn, mit den Familien der Arbeitskollegen und den Familien der Mitschüler und Mitschülerinnen, vor allem wenn sie nicht aus demselben Kulturkreis kommen. Die Rangordnung in der Familie könnte nämlich gefährdet werden

K: Der von Lamya Kaddor hervorgehobene „gute Kontakt“ zur Großfamilie besteht nur, solange jede und jeder das ungeschriebene Regelwerk (man könnte von Familiensunna oder Stammesscharia sprechen) einhält. Kontakte zu „feindlichen Außenwelt“ werden systematisch unterbunden, damit keine „neuen Sitten“ (islamrechtlich bid’a, Neuerung) einsickern können. Das würde nämlich nicht nur die tradierte familiäre Hierarchie gefährden, sondern Zwietracht (fitna, die Ur-Panik der Umma) unter die Angehörigen bringen.

66 [Integration werde auch verhindert durch die] Überheblichkeit der Mehrheitsgesellschaft

A: Manchmal erscheint mir die Kultur der Freunde von Koran und Scharia als arrogant und als die Nichtmuslime in Theorie und Praxis herabwürdigend. Musliminnen und Muslime sehen sich gerne als Opfer, das rechtfertigt weitere Fundamentalisierung oder sogar Aggressivität als eine angeblich notwendige Verteidigung.

K: Die säkulare kulturelle Moderne bezeichnet die Muslime nicht als Nachkommen von Affen und Schweinen. Die Deutschen nennen die Türken nicht ungläubig, unrein. Im Ernst, Überheblichkeit gibt es doch wohl in jeder Kultur, sie ist eine veränderbare, dabei ablegenswerte Eigenschaft.

66 [muslimische Eltern und Familien haben] eigene Vorstellungen von Autoritäten, Erziehungszielen und Bildungschancen

K: Patriarchalisch eingestellte Eltern auf der ganzen Welt pflegen ihren Töchtern zu sagen: „Was brauchst du einen Beruf, du heiratest ja doch und bekommst Kinder.“ Solchen Eltern sollte man, übrigens gerade auch als Religionslehrerin, antworten: „Warum nicht beides, viele Frauen fühlen sich diesen Herausforderungen durchaus gewachsen, sie sind gerne berufstätige Hausfrau und Mutter.“

A: Kaddor verteidigt phänomenale „eigene Vorstellungen“ muslimischer Eltern in Bezug auf „Autoritäten, Erziehungsziele und Bildungschancen“? Was ist denn, wenn zu diesen elterlichen „Autoritäten“ Hassprediger der Erbakan-Doktrin gehören, die „Erziehungsziele“ denen der HAMAS entsprechen oder die „Bildungschancen“ für Mädchen denen der Wahhabiten oder Taliban, müssen wir das dann kultursensibel begrüßen?

66 Notwendig und erfolgreich ist eine auf die muslimischen Eltern bezogene spezielle und intensive Elternarbeit der Schule

K: Nein, das ist nicht notwendig. Im Gegenteil, die Schule darf „die Muslime“ als Kollektiv in keiner Weise würdigen. Alle Eltern werden gleich angesprochen. Kontakt zu allen, zu jeder und jedem, ja, aber bitte keine Sondervorschriften „bezogen auf“ (Kaddor) ein ethno-religiöses Kollektiv. Tee und Kekse ja, aber für jeden, doch bitte keine kommunikative schulische Islamkultur, schließlich gibt es auch orientalisch-stämmige Christinnen und Christen oder orientalisch-stämmige Atheistinnen und Atheisten sowie säkulare Musliminnen und säkulare Muslime …

A: … die alle auf Ansprache im Einklang mit Sunna und Scharia womöglich keinen gesteigerten Wert legen. Sittenwächter im Lehrerzimmer.

67 Sprachprobleme. Übersetzungen von Mitteilungen / Formblättern

K: Bis auf Flüchtlinge, die vor drei Tagen nur mit einem Koffer nach Deutschland gekommen sind, hätte jeder sich noch in der alten Heimat auf die neue Sprache und Gesellschaft vorbereiten können. Die mittlerweile nachzuweisenden Deutschkenntnisse beim Nachzug von Angehörigen sollten als Chance gesehen werden.

A: Permanente neue Übersetzungen von schulischen Elterninformationen oder Formblättern ins Türkische oder Arabische begünstigen die Parallelkultur, hier gilt es Schüler wie Eltern zu ermuntern und, durchaus in Erziehungspartnerschaft zwischen Eltern und Schule, Deutsch zu lernen. Im Notfall und bei Gesundheitsinformationen bitte zweisprachig, es wird dann ja besonders ersichtlich, wie dringend es ist, Deutsch zu lernen. Auch die Import-Bräute sollen Deutsch lernen, darunter auch die, die schon seit Jahren ohne ein Wort der Landessprache zu reden (reden zu dürfen) in der Bundesrepublik leben. Jene Importbräute, die wie Gefangene in ihren ’vierzig Quadratmetern Deutschland[85]’ leben.

K: Unabhängig von Religion oder Kulturkreis ist Bequemlichkeit eine weit verbreitete menschliche Eigenschaft. „Verwöhnen“ wir Migrantinnen und Migranten weiterhin, indem wir ihnen Übersetzerinnen und Übersetzer zur Seite stellen, werden sie sich dieser „Krücke“ weiterhin bedienen. Ein anderer Vorteil ausreichender Sprachkenntnisse ist, dass Eltern nicht lebenslang auf die Kompetenz ihrer Kinder zurückgreifen müssten. Das ist für beide Seiten, Eltern und Kinder, vorteilhaft: Der eine braucht sich nicht länger als „sprachloser Bittsteller“ zu „erniedrigen“, die Kinder bekommen nicht mehr Macht, als ihnen entwicklungsgemäß zusteht. Mit dem sozialen Umfeld in Kontakt treten zu können, im Notfall die „Ureinwohner“ um Hilfe bitten zu können, ist eine unter Umständen lebensrettende Ressource.

67 Fehlzeiten, Verspätungen. [Nur] gut türkisch sprechende Sozialarbeiter mit Zuwanderungsgeschichte [werden Ernst genommen] weil es den Eltern peinlich ist, wenn jemand aus ihrem Kulturkreis auf die Versäumnisse der Eltern bzw. ihrer Kinder hinweist

A: Die Deutschen soll man also weiterhin nicht ernst nehmen müssen.

K: Kannst du das nicht anders ausdrücken, Jacques? Aber du hast Recht. Ginge es nach Kaddor, muss es jemand mit Zuwanderungsgeschichte sein, der damit den muslimischen Familien den „Knigge des deutschen Schulwesens“ erklärt. Eine deutsche Kollegin, die Spaß daran hatte, die türkische Sprache zu lernen, reicht Kaddor nicht.

A: Nachhaltig kulturalisieren und ethnisieren, der muslimische „Kulturkreis“ (Kaddor) darf das? Das Risiko dieses von Kaddor vorgesehenen, vielleicht allzu bequemen Kulturdolmetschers scheint mir auf Migrantenseite ein wachsendes Unverständnis und eine wachsende emotionale Ferne zu „den Deutschen und ihrer Schule“ zu sein und damit die zunehmende Segregation. Die Autorität der autochthonen Lehrer wird untergraben.

68 Hausbesuche

K: Wie stellt sich Kaddor die schulische Kultur der Hausbesuche vor? Sollen nur leistungsschwache Schüler besucht werden oder nur sozial auffällige? Oder etwa nur solche mit Migrationshintergrund? Sinnvoll ist ein solches Vorgehen doch nur, wenn alle Schülerinnen und Schüler im Laufe des Schuljahres Hausbesuch bekämen. Da jedoch die finanziellen, personellen und zeitlichen Ressourcen für solche Vorhaben nicht vorhanden sind, sollte darauf bestanden werden, dass die Eltern den Kontakt zur Schule suchen, am besten aus eigener Initiative, aber durchaus auch nach einer Einladung zum Gespräch. ’Empowerment[86]’ in der Elternarbeit wäre hier gefragt.

A: Kaddor hat den italienischen, kroatischen und russischen Muttersprachler „mit Zuwanderungsgeschichte“ vergessen. Wir sollten drauf bestehen, dass auch ein echter wilder deutscher Lehrer bei den „besonderen“ Eltern mit Migrationshintergrund akzeptiert wird, das ist zuzumuten, wir muten euch Einwanderern Deutschland zu und die Deutschen gleich mit.

68 Bei der Beratung und den Hilfen zum Übergang von der Schule in die Berufsausbildung kann und muss die Schule nicht nur für die Schülerinnen und Schüler, sondern auch für die Eltern Kontakte zur Arbeitswelt herstellen und über Berufsbilder und Zugänge zum Beruf informieren.

K: Auch hier zeigt sich, wie wichtig Sprachkompetenzen in der Landessprache sind.

Ich halte meine Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern für ausreichend kompetent, Kontakt zu Firmen und Behörden selbst aufzunehmen. Chancengleichheit setzt gleiche Startbedingungen voraus, muslimische Schülerinnen und Schüler brauchen keine Privilegien. Von der ersten Klasse an muss die Schule sich drauf konzentrieren, jedes einzelne Mädchen, jeden einzelnen Jungen zu befähigen, autonom und souverän seinen Berufsweg einzuschlagen. Es ist ureigenste Aufgabe der Pädagoginnen und Pädagogen, den Jugendlichen die notwendigen Fähigkeiten und das theoretische Wissen dafür zu vermitteln. Über Berufsfelder, ‑chancen und Verdienstmöglichkeiten informieren die Agenturen für Arbeit und Jobcenter.

68 [Schule soll berufsberaterisch tätig sein] Gleichzeitig sind auch die Erfahrungen und Kenntnisse von Vätern und Müttern aus der Arbeitswelt wie auch deren Kontakte als Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu nutzen.

A: Nur Community-intern? Sollen „muslimische Kinder“ um jeden Preis genau so leben (müssen) wie ihre Eltern – damit auch ja keiner ausbricht?

69 Moscheegemeinde. Von Seiten der Schule wäre es wünschenswert, in Moscheevereinen engagierte Eltern und andere Vertreter der Moschee einzubeziehen, wenn es um die Deutung und Klärung religiöser Vorschriften geht.

A: Falsch liebe Frau Kaddor, das wäre nun allerdings gar nicht wünschenswert, die öffentliche Schule fragt keine Imame oder Hodschas nach sittenpolitischer Rechtleitung, sondern bespricht Sunna-Fundamentalismus, Fatwas, Islamismus, Todesfatwas, Hasspredigten, arabische Architektur und türkische Kochrezepte in den entsprechenden Schulfächern wie Geschichte, Erdkunde, Soziologie oder Hauswirtschaft. Arabische Christen dürfen Schweinefleisch essen, und auch sie haben religiöse Vorschriften, was ja nicht heißt, dass alle Schüler Schweinefleisch essen müssen. Die Moral der sich im Stadtgebiet (Nebenthema: „Moscheekriege“ konkurrierender islamischer Strömungen) als „religiös“ definierenden Gemeinschaften darf nicht den öffentlichen Raum oder gar die Bildungsorte dominieren. Kinder und Jugendliche sind von der öffentlichen Schule nicht als in Kollektive eingesperrte Wesen zu betrachten, sondern als junge Individuen in der Entwicklung.

K: Kaddor hat das Prinzip des säkularen Staates nicht verstanden. In der Bundesrepublik Deutschland haben wir eine Trennung von staatlichen Einrichtungen und Religionsgemeinschaften.

70 Der Koran und die Sunna würden für die Regierung eines islamischen Staats die Grundlage bilden. In allen Belangen, die die Zivilgesellschaft oder den islamischen Staat betreffen, müssten die Aussagen aus dem Koran oder der Sunna zugrunde gelegt werden.

A: Würden sie. Richtig. Ohne Scharia kein Kalifat, Kaddor trifft die Sache. Die Bundesrepublik Deutschland ist ein parlamentarischer Rechtsstaat, es gelten die an den universellen Menschenrechten orientierten Grundrechte. Möchte Lamya Kaddor den Scharia-Staat im Religionsunterricht lehren, dabei immer, wie hier, den grammatikalischen Konjunktiv verwendend?

K: Was versteht Kaddor unter dem Begriff „Zivilgesellschaft“? Meint sie die Bewohnerinnen und Bewohner einer islamischen Theokratie, das heißt eines Imamats oder Kalifats[87] beziehungsweise eines islamischen Staates wie das neu entstandene Afghanistan, in dem jedes Gesetz unter Schariavorbehalt steht? Zivilgesellschaft hat mit Gewaltenteilung und freiheitlicher Demokratie zu tun, Kaddor jedoch redet in diesem Augenblick von einem Staatswesen, dessen oberster Souverän Allah ist.

70 Mit der Installierung eines islamischen Gottesstaates entsteht eine theokratische Struktur, die das Gemeinwohl aller Menschen und das Wohl des Individuums nach den Vorschriften des Korans und des Propheten sichern soll.

K: Absolut richtig. Diese Struktur hat die Pädagogin aus Dinslaken-Lohberg verstanden. Lamya Kaddor wird hier sehr deutlich: Die Theokratie hat keine Gewaltenteilung, keine Grundrechte, keine universellen Menschenrechte, der Einzelne ist nichts, die Umma alles[88]. Individuelle Handlungsfreiheiten und Gestaltungsoptionen stehen niemandem mehr zu. Neugieriges Fragen, Erforschen der Welt, Reflektieren von Sachverhalten ist im islamischen Gottesstaat erwiesenermaßen ungesund[89].

A: Öffentliche Auspeitschungen finden statt, Atheisten oder Islamkritiker sind nach gebührender Ermahnung zu töten. Mit dem entsprechenden Warnhinweis auf Risiken und Nebenwirkungen der islamischen Theokratie versehen, informieren wir Islamkritiker ebenfalls zum Kalifat, doch Kaddor verschweigt uns eben die Risiken. Kaddor informiert Deutschlands Lehrerzimmer über den islamischen Gottesstaat und Thomas Kufen unterzeichnet die Sache. Alles Integration oder – was?

Im Gottesstaat ist von beidem nicht mehr zu sprechen, weder vom Individuum noch von einem Gemeinwohl. Kaddor lehrt das Kalifat.

70 Merkmale der islamischen Gesellschaft: Gerechtigkeit, Solidarität und Brüderlichkeit

A: Gerechte Steinigungen der Ehebrecherinnen, solidarischer Hass auf Dhimmis und Apostaten, brüderlich verübte Pressezensur.

K: Darum hat die Aussage einer Frau nur den halben Wert vor Gericht und erbt sie nur 50 %. Juden und Christen gehören ebenfalls nicht uneingeschränkt zu der von Kaddor so genannten Solidarität islamischer Theokratie. Die Ehefrau darf, wie im Koran angeordnet, straffrei geprügelt werden, auch hier das Grundrecht der körperlichen Unversehrt aufgehoben.

In einer „theokratischen Struktur“ (Kaddor) ist für Musliminnen und Muslime eine bürgerliche Ehe (Zivilehe) nicht länger zugänglich. Frauen haben sich den Männern grundsätzlich unterzuordnen. Scheidungen unterliegen der Gesetzmäßigkeit der an-nikāh, das heißt der Imam-Ehe[90], dem Mann ist die Scheidung unverhältnismäßig viel leichter gemacht, der geschiedenen Frau droht die soziale Exklusion und die zwangsweise Wiederverheiratung oder auch die Tötung durch ihre Herkunftsfamilie. Das Sorgerecht für Kinder hat nach der Scharia grundsätzlich der Vater.

71 Den Islam in Deutschland in deutscher Sprache zu vermitteln, sollte in der Zukunft von hier ausgebildeten Theologen bzw. Islamwissenschaftlern erfolgen.

A: Islamwissenschaftler sind nicht dazu ausgebildet, Theologie zu betreiben. Die antidemokratische Scharia und die vormoderne, fundamentalistische und patriarchalische Sunna zu lehren will ich als nichtmuslimischer Steuerzahler nicht mitfinanzieren, schon gar nicht die öffentlichen Schulen betreffend. Das Lehren des politischen (orthodoxen) Islam dient nicht dem Gemeinwohl. In unseren Universitäten wird darauf zu achten sein, dass die Islamwissenschaft nicht in den Würgegriff der islamischen Theologie gerät.

K: Auch hier äußert sich Kaddor sehr verschwommen. Kaddor ist Religionslehrerin an staatlichen Schulen. Überschreitet Kaddor damit nicht ihren Zuständigkeitsbereich? ’Geschichte des Christentums (Kirchengeschichte)’ ist, sehr geehrte Frau Kaddor, ein anderes Sachgebiet als ’Katholische Moraltheologie’ oder ’Fundamentaltheologie.’

72 Wer könnte Ansprechpartner für die Schule bei benachbarten Moscheevereinen sein? (…) In natürlicher und zwangsloser Weise können und sollten die Religionslehrkräfte den Kontakt zur Moscheegemeinde herstellen, aber auch die dort engagierten Eltern und dort eingebundene Schüler und Schülerinnen sind gute Vermittler.

K: Schura[91] in der säkularen Schule? Der ’heiße Draht’ zu den islamischen Geistlichen der lokalen Moscheegemeinden. Wozu soll dieser ’kleine Dienstweg’ denn eingerichtet werden? Etwa, um schwarze Schafe unter den Schülern den Islamtheologen zu „melden“, damit der diesen Schüler „rechtleitet“? Deutschlands Pädagoginnen und Pädagogen sollten mit ihren erziehungsschwierigen Schülern auch ohne Unterstützung von Imam oder Hodscha klar kommen.

Listig versucht Kaddor über die Möglichkeit der künftig in Deutschland ausgebildeten Imame, Hodschas oder Islamtheologen, den Einfluss der Islamverbände und der ihnen angeschlossenen Moscheevereine auf die säkulare Schule bezüglich Seelsorge, Erziehungsberatung und bezüglich des islamischen Religionsunterrichts zu stärken. Hatte Dr. Wolfgang Schäuble den Einfluss der Koranschulen durch die Mitsprache der Schulverwaltung eindämmen wollen, wird durch die von Kaddor angedachte „vertrauensvolle“ enge Einbindung an die lokalen islamischen Gotteshäuser eben diese Indoktrination wieder zugelassen. Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrkräfte der Schule stünden unter permanenter Beobachtung hinsichtlich des (vermeintlichen) islamischen Wohl- oder Fehlverhaltens.

Da Kaddor der Auffassung ist, „die Aufklärung ist für den Islam nicht übertragbar[92]“ und sich dafür einsetzt, dass diese Religion „in allen Facetten“ (Kaddor, diese Handreichung, 11) gelebt und damit auch gelehrt werden kann, politische Scharia und Kalifat eingeschlossen, müssen wir Demokratinnen und Demokraten aus Wissenschaft, Pädagogik und Politik diesem Wunsch entgegentreten, dass künftig ein erheblicher Teil der deutschen Bildungs-, Erziehungs-, und Kulturlandschaft jeder wissenschaftlichen Supervision und staatlichen Mitbestimmung systematisch entzogen sein soll. Die Islamverbände und die ihnen angeschlossenen Moscheegemeinden werden die dazu notwendige Transparenz niemals erreichen oder anstreben.

Uns könnten Parallelen zum berüchtigten und gefürchteten System der Blockleiter oder „Blockwarte“[93] der NSDAP auffallen, Bürgerinnen und Bürger der ehemaligen DDR mögen sich an die sichtbaren und unsichtbaren „Dienstleister“ des Ministeriums für Staatssicherheit[94] (MfS) erinnert fühlen. Das gezielt einschüchternde, notfalls mit Gewalt durchgesetzte, System des Überwachens, Bespitzelns und Verschleierns ist durch und durch islamisch.

A: Einen anderen Islam gibt es nicht. Noch nicht.

73 evangelische Jugendarbeit. Ganztagsbereich

A: Will Kaddor künftig die islamische Jugendarbeit im Ganztagsbereich?

K: Natürlich, auch die Hausaufgabenbetreuung, Sprachförderung und Kulturpädagogik, die Erlebnispädagogik, die Jugendfreizeiten und Sprachcamps (Stichwort: Muslimische Pfadfinder[95]) sollen islamverbandlich im Sinne der Scharia geregelt werden.

74 Im Rahmen eines islamischen Religionsunterrichts können Schüler und Schülerinnen zu mündigen Muslimen erzogen werden, die in der Lage sind, Glauben und Tradition kritisch zu hinterfragen.

K: Versteht Kaddor das sich in das Schicksal der Zwangsverheiratung durch die Eltern Ergeben von Kindern oder Jugendlichen und den damit verbundenen absoluten Gehorsam gegenüber den Eltern als Mündigkeit?

A: „Kritisch zu hinterfragen“, das ist die heute geradezu nostalgische, verklärende Emotionen weckende Sprache der deutschen Pädagogik der Jahre 1975 bis 1985. Damit erweckt Kaddor gezielt den Eindruck, ein Interesse an Emanzipation und Demokratisierung zu haben. Die Lehrerin vom Niederrhein macht taqlīd, Sunna-Orthodoxie.

K: Kaddors islampädagogische didaktische Priorität liegt weniger auf dem Verstehen und Kritisieren des Inhalts von Koranversen und Hadithen als auf dem melodischen Intonieren (Seite 70).

A: Was aber hat Stimmbildung und Hocharabischlernen mit Religionsmündigkeit, mit geistig-seelischer Autonomie zu tun? Mit einem ständigen Wiederholen der Forderungen von Sunna und Scharia, wie Kaddor es in der uns hier vorliegenden Lehrerhandreichung macht, gehen Charles Darwin oder Sigmund Freud wohl nicht zusammen. Weist Kaddor ihre Schüler im Religionsunterricht wertneutral auf Darwin und Freud hin?

74 Koran. Durch diese Verse wird klar, dass der Mensch bei seiner Erschaffung kein Wissen hatte, dieses hat er dann von Gott gelehrt bekommen.

A: Kaddor lebt im Mittelalter! Was für ein Fundamentalismus, daneben noch unsäglich arrogant, die Buddhisten oder Atheisten hätten ja dann ebenfalls all ihr Wissen von Frau Kaddors Allāhgott bekommen.

K: Haben sie ja auch, so der orthodoxe Islam. Die Menschen waren alle Muslime, sind alle muslimisch, sie glauben bloß, Atheist oder Jude oder sonst etwas zu sein.

74 Wissen suchen. Koran 2:31, 32. Tirmidhī

A: Der als Verfasser einer der sechs kanonischen Hadithensammlungen geltende at-Tirmidhī[96] vertiefte das für alle Muslime verbindliche Konzept des „al-qada’ wa-’l qadar“, was sich mit „du planst, doch Gott bestimmt es vorher“ oder „Der Mensch beabsichtigt etwas, doch (wörtlich und) Gott muss es zulassen“ übertragen lässt. Im Deutschen gibt es das sinngemäß, wenn auch seit Jahrhunderten deutlich weniger fundamentalistisch, als „Der Mensch denkt und Gott lenkt!“ Die derzeit promovierende Kaddor scheint der islamischen Prädestinationslehre anzuhängen.

Ein bildungsverweigernder Schüler der (gar von einem Dhimmī-Lehrer) eine Note bekommt, sei es eine Eins oder eine Sechs, könnte in fatalistisch-fundamentalistischer Weise sagen: „„al-qada’ wa-’l qadar: Es stand geschrieben.“ Und wir wundern uns noch über die geringe Zahl der muslimisch sozialisierten Nobelpreisträger im Vergleich zu den japanisch oder südkoreanisch erzogenen?

In Koran 2:31, 32 lobpreist Adam den Allāhgott und sagt, dass es kein Wissen geben kann, das nicht von Gott kommt. Ein neuzeitlicher, allzu textgläubiger Muslim könnte zu der womöglichen Fehleinschätzung gelangen, dass alles Wissen, also auch die Technologie der Nichtmuslime somit nur von Allāh stammen kann. Solche auch in der zunehmend ’globalisierten’ kulturellen Moderne an der angeblichen Superiorität des Islam borniert festhaltenden Muslime gibt es nicht wenige. Will Kaddor den schulisch nicht selten prekär integrierten muslimischen Schülerinnen und Schülern einen Zugang zu einem säkularen Wissenserwerb verbauen?

75 Zudem käme es vielen muslimischen Eltern gelegen, wenn der Staat ihnen Teile der religiösen Erziehung der Kinder abnehmen würde.

K: Fundamentalistische Indoktrination auf Staatskosten, egal welcher Weltreligion oder Weltanschauung, können wir nicht bezahlen und erst recht nicht dulden.

A: Der Staat ist freiheitlich-demokratisch orientiert, nicht monotheistisch-theokratisch. Die öffentliche Schule darf keine Koranschule sein, da muss es, solange der Islam zur Totalität (Polit-Religion) und zur Verkündung einer absolut einzuhaltenden Gehorsamspflicht (Scharia) neigt, deutliche Unterschiede geben.

75 Religion [muslimischer Jugendlicher]. In einer oftmals fremden und ablehnenden Umgebung wirkt sie identitätsstiftend.

K: Ich kann Kaddors Aussage nicht zustimmen. Während die Jungen aus muslimisch geprägtem Elternhaus zumindest bis zu einem Alter von etwa 11 oder 12 Jahren ziemlich frei aufwachsen, kann man ihre Schwestern nicht früh genug auf die islamische Frauenrolle vorbereiten und an das Kopftuch gewöhnen. War es in orthodoxen Familien bisher übliche „religiöse“ Praxis, den Mädchen die „Bedeckung“ mit Beginn der Geschlechtsreife aufzudrängen, sieht man in den Straßen meiner Stadt immer häufiger Dreijährige mit hijāb.

A: Kaddor erweckt den Eindruck, „die“ muslimischen Jugendlichen würden in Deutschland pauschal abgelehnt, wohl von der nichtmuslimischen Mehrheitsgesellschaft. An dieser entgegengebrachten Sympathie, so sie denn seitens der Zuwanderer erwünscht ist, lässt sich jedoch arbeiten. Die erwähnte „fremde“ Umgebung kann man sich zur Heimat machen – wenn man es denn wollte. Türkischstämmige Jugendliche könnten Experten für Demokratiegeschichte, europäische Geschichte, Heimatkunde und Naturkunde sein, könnten sich in Vereinen der „fremden“ Ureinwohner engagieren. Ist die Fremdheit nicht vielmehr das Erziehungsziel der fundamentalistischen „Wagenburgen“?

75 Prinzipiell kann man sagen, dass die reine Lehre des Islams kaum gelebt wird.

A: Richtig, das geht nur in der islamischen Gesellschaft (Kalifat), alles andere ist Provisorium, halbe Sache. Nur der volle Einsatz für die politische Scharia, mit allen Kräften und Mitteln, würde die Seele des Muslims in der Diaspora (in der er sich aus orthodoxer Sicht nur vorübergehend aufhalten darf) retten. „Die reine Lehre des Islams“ heißt, das verschweigt uns Lamya Kaddor, nikāh, Imamehe, denn die Ziviltrauung würde die „Reinheit“ der Lehre bereits besudeln, da diese demokratisch-zivilrechtliche Errungenschaft (der standesamtlichen Ehe) nicht von Allāh stammt.

In Syrien, Ägypten und selbst in Saudi-Arabien wird mit dieser Aussage, dass „die reine Lehre des Islams kaum gelebt“ werde, die (ohnehin prekäre) staatliche Legitimität durch politisch aktive Islamisten (etwa der Muslimbruderschaft) ironisiert, in Frage gestellt. Aus Sicht von Tugendwächtern der totalen Sunna ist aber bereits der von jedem frommen Muslim zu benutzende miswak oder siwak, der hölzerne[97] Zahnstocher des Propheten gemeint[98]. Absolute Gehorsamspflicht der „ewigen“ Scharia und Sunna gegenüber ist verlässlich islamisch. Schlussendlich rechnet Allāh ab, nur dein Gehorsam der Großfamilie und Madhhab gegenüber rettet dich vor der schmerzlichen Verdammnis der Hölle. Allāh als Alibi für den prügelnden Ehemann und den seine Tochter zwangsverheiratenden Vater!

Klarheit hinsichtlich des „reinen Islams“ wird uns der an Yūsuf al-Qaradāwi[99] orientierte europäische Fatwa-Rat ECFR[100] schaffen, der denkt für dich, wenn dein Ehepartner oder Vater es etwa nicht tun sollte. Will Kaddor die Jugendlichen in eine seelische Abhängigkeit vom ECFR treiben[101]? Ihre Aufgabe wäre es, die jungen Menschen gegen jeden Fundamentalismus zu immunisieren, gerade das würde dem Einzelnen den Weg in eine religiöse Mündigkeit und (damit) in eine freiheitliche, persönliche Spiritualität ermöglichen helfen. Stattdessen scheint Kaddor in Kollektiven zu denken: „die“ Muslime mit „ihren Besonderheiten“. Universelle Menschenrechte sind gut – für Nichtmuslime.

K: Für Kaddor als bekennend gläubige Muslima, die Koran, Scharia und Hadithen als einzige Quellen eines Allāh wohlgefälligen Lebens postuliert, sind die Würfel gefallen. Selbstverständlich wird die Religionslehrerin „ihre“ Schülerinnen und Schuler auf dem „Weg zur Quelle“ rechtleiten und vor jedem nichtislamischen Einfluss warnen. Wie die säkulare Schule mit dieser praktizierten Gegenkultur umgehen soll, wird sich zeigen und hängt auch von der örtlich zuständigen Schulaufsicht ab.

75 Bräuche, wie die spezielle Art, das Beschneidungsfest für kleine Jungen zu feiern

A: Routine-Jungenbeschneidung ist ein vormodernes, sexualmagisches Initiationsritual[102], gegen das sich alle moderne Pädagogik ganz grundsätzlich positionieren sollte, Ausnahme wäre lediglich die medizinisch indizierte Amputation der Penisvorhaut. Kaddor befürwortet die systematische Jungenbeschneidung, sie käme auch in einige Schwierigkeiten, würde sie die für die at-tahāra[103], die rituelle Reinheit[104] und damit für die „Gültigkeit“ des Gebets angeblich unverzichtbare (männliche) Beschneidung in Frage stellen. Jungenbeschneidung ohne medizinischen Grund ist eine Form des sexuellen Missbrauchs und selbstverständlich auch des Verstoßes gegen die grundgesetzlich garantierte körperliche Unversehrtheit. Ebenso wie eine muslimische Frau erst dann in der kulturellen Moderne angekommen ist, wenn sie ihre Tochter nicht zwingt (auch nicht mit dem Allah als Alibi), ein Kopftuch zu tragen, ist auch ein muslimischer Vater erst dann Teil der an den Erkenntnissen von Psychologie und Fundamentalismuskritik gereiften Weltzivilisation, der durchsetzen kann, dass seinem Sohn Präputium und Frenulum erhalten bleiben, sofern kein (säkularer) Mediziner es anders empfiehlt. Weltweit wird Jungenbeschneidung rhetorisch ganz aggressiv bagatellisiert. Es geht um Macht und Ohnmacht, um ein „heiliges“ Unterwerfungsritual, das dazu berechtige, andere zu unterwerfen. Die Ur-Erfahrung des kultisch-rituell „beschnittenen“ Jungen, im genitalen und intimen Bereich Opfer geworden zu sein, ist grundsätzlich Anknüpfungspunkt für die von der „Religion“ geduldete Ausübung sexualisierter Gewalt an Frauen und Männern. Im orthodoxen Islam ist Dreierlei verschmolzen, das Sakrale, das Sexuelle und das Militaristische. Heiliger sexualpolitischer Krieg.

75-76 Die Vermischung der Religion mit Traditionen und Bräuchen. (…) Denn kulturelles Handeln ist veränderbar, göttliche Gesetze sind es nicht.

K: Zur weiblichen islamischen Genitalverstümmelung, wie sie der Theologe ibn-Taymiyya (gestorben 1328), die heutigen Schafiiten beispielsweise in Indonesien oder mehrere prominente al-Azhar-Prediger favorisieren, schweigt Pädagogin Kaddor.

Was, wenn ein bereits oder noch nicht genitalverstümmeltes Mädchen aus Indonesien, Somalia, Irak oder Ägypten bei ihr im islamischen Religionsunterricht sitzt? Wenn FGM „veränderbarer Brauch“ ist, spricht Kaddor die Eltern und / oder die Betroffenen an, um die Genitalverstümmelung wenigstens an jüngeren Schwestern zu verhindern? Pädagoginnen und Pädagogen müssen den Kontakt zu Beratungsstellen zum Thema ’female genital mutilation’ (FGM) anbieten (können).

Wie geht Frau Kaddor mit den in Deutschland lebenden muslimischen Mädchen und Frauen um, denen eine Verstümmelung hier oder im Heimatland droht? Wie mit denen, die bereits genital verstümmelt sind?

Bezeichnenderweise wird die Genitalverstümmelung im Namen des Männerrechts von Frauen an Frauen ausgeübt. Oft hält die eigene Mutter das Kind bei dem qualvollen Ritual persönlich fest. Schier unentwirrbar ist das Amalgam von Motivationen und Emotionen, die die weibliche Täterschaft an der patriarchalischen FGM tradieren. Natürlich möchte die Mutter, die davon überzeugt ist, dass nur eine „beschnittene“ Frau eine ehrbare, heiratsfähige Ehefrau sein kann, dieses geheiligte Reinigungs- und Initiationsritual ihren Töchtern nicht vorenthalten. Es gibt ihr aber auch Identität, Status und Macht. Der Männerbund profitiert von der sich gegenseitig überwachenden und verstümmelnden Frauenschaft, die ihre Aggression gegen Geschlechtsgenossinnen richtet und nicht gegen die männliche Stammesführung. In der Gewalt ’Frau gegen Frau’ wird eine der Wurzeln des gegenseitigen weib-weiblichen Misstrauens und der Frauenkonkurrenz jedes Patriarchats liegen.

Wenn ein Mädchen noch nicht einmal seiner Mutter vertrauen kann, die lügt („Sie versprachen mir ein herrliches Fest[105]“), der Gewalt ausliefert und behauptet, der unzerstörte Frauenleib sei abstoßend, satanisch und ekelhaft unrein, und die die selbst erfahrene Traumatisierung abstreitet, wie soll es jemals einer anderen Frau vertrauen können[106]? Es ist richtig, dass FGM uralt, vorislamisch ist. Ich vermisse jedoch eine glaubwürdige und endgültige Abkehr der weltweiten islamischen Geistlichkeit von der islamisch khifadh oder khafdh genannten FGM. Religionspädagoginnen an säkularen Schulen haben sich eindeutig gegen die FGM zu positionieren.

A: Erschreckend, wie gleichgültig, wie kalt Kaddor Menschen als in ein Kollektiv eingesperrte Wesen konstruiert und verewigt, sei es madhhab oder Stamm. Kaddor will dir und mir verhindern, eine wirklich eigenwillige Biographie zu schreiben, ein selbst bestimmtes Leben zu führen. Kaddor kennt die Bedeutung der orientalischen Großfamilie genau, sie duldet wissentlich den sich gegen die kulturelle Moderne wirksam verstärkenden Sunna-Familialismus und Sunna-Tribalismus.

K: Die Kinder und Jugendlichen sollen die göttlichen Gesetze, die „reine“, unverschmutzte Scharia befolgen.

76 Um das Verwobensein von kulturellen Traditionen und Religion zu lösen, müssen Muslime „aufgeklärt“ werden. Diese „Aufklärung“ können sie u. a. in der Moschee erhalten oder durch einen staatlich beaufsichtigten islamischen Religionsunterricht, wenn die Unterrichtenden eine entsprechend solide Ausbildung (in Europa) erhalten haben.

A: In einer geradezu manichäisch[107] anmutenden, extremdualistischen Manier lobt Kaddor die reine, hehre Religion und will die Verunreinigungen, die lokale und epochale Kulturen oder Traditionen angeblich in Sunna und Scharia hinterlassen hätten, auswaschen. Für diese imaginierte politreligiöse Katharsis missbraucht Kaddor den auf die historische Neuzeit, die Epoche des 18. Jahrhunderts und auf die Fundamentalismuskritik bezogenen Begriff ’Aufklärung’.

K: Ob die „klare, unvermischte“ Lehre des Scharia-Islam in Teheran, Kairo oder Dinslaken-Lohberg gelehrt wird, ist letztlich egal. Auch der „reine“ Islam (Kaddor: „göttlicher Wille“) bleibt, was er ist, selbst unter einer wie auch immer gearteten staatlichen Aufsicht: Partiell grundgesetzwidrig und mit den universellen Menschenrechten in keiner Weise kompatibel. Kaddor will die praktizierte „Aufklärung“, nämlich die Gegenaufklärung[108].

Während die der freiheitlichen Demokratie verpflichtete säkulare Schule junge Menschen zu autonomen, kritischen Persönlichkeiten heranbildet, zielt die schwarze Pädagogik[109] (Rutschky, Miller, Foucault) jedes Fundamentalismus oder jeder Herrschaftsideologie auf Gehorsamspflicht, Auflösung des Ichs gegenüber der glorifizierten Gemeinschaft und Unterwerfung.

A: Meint die Autorin mit „solide Ausbildung (in Europa)“ Konzepte wie die ’Islamische Religionspädagogische Ausbildung’ des Islamisten und erklärten Bewunderers der Gedanken der Muslimbruderschaft Amir Zaidan in Wien (IGGiÖ, IRPI, IRPA)? Oder denkt sie eher an das französische IESH[110]? Kaddor distanziert sich nicht von den Zaidan- oder IESH-Konzepten der dortigen „soliden“ religionspädagogischen Ausbildung.

76 [Islamischer Religionsunterricht an staatlichen Schulen] Nahezu die Gesamtheit aller muslimischen Eltern fordert diesen Unterricht, der einen großen Beitrag dazu leisten könnte, ihre Kinder in diesem Land zu integrieren.

K: Lamya Kaddor möchte alle muslimischen Kinder in der Bundesrepublik in die schariatisch orientierte Parallelkultur „integrieren“? Die individuelle Eingliederung in die ’riskanten Chancen’ (Ulrich Beck) einer hochtechnisierten Informations- und Dienstleistungsgesellschaft wird durch das vormoderne Menschenbild und die dem Islam inhärente Wissenschaftsfeindlichkeit (Kaddor: „Die Aufklärung ist für den Islam nicht übertragber“), speziell für Frauen, erheblich erschwert.

76 Doch ein islamischer Religionsunterricht kann und darf auf gar keinen Fall den Unterricht in der Moschee ersetzen. Ziel eines islamischen Religionsunterrichts muss es sein, Kinder zu mündigen und damit entscheidungsfähigen Muslimen zu erziehen.

K: „Mündig und entscheidungsfähig“ (Kaddor) durch einige eingeübte Gebete und auswendig gelernte Koranverse? Das kann die Verfasserin nicht meinen. Wie auch immer, Kaddor möchte wohl vorbauen. Unter der staatlichen Aufsicht in der Schule den ’Kuschel-Koran’ und ’Islam light’, die unverschleierte Polit-Scharia in der Moschee.

A: Der Einklang mit der Weltbürgerlichkeit, der Wissenschaftlichkeit namentlich der historisch-kritischen Methode und der ernst gemeinten und ausgehaltenen Verträglichkeit mit den Erkenntnissen der Psychoanalyse ist offensichtlich nicht Kaddors Arbeitswerkzeug. Doch nur dieses Qualitätskriterium wäre die Legitimation für einen ’schulreifen’, schultauglichen Religionsunterricht. Der Islam, wie er sich in der von Thomas Kufen publizierten Handreichung darstellt, kann ein Schulfach an einer Koranschule sein, nicht jedoch an einer öffentlichen Schule.

79 Wo es religiöse Elemente im Schulleben gibt, muss der Beitrag des Islams in Form einer Kooperation mit der Moscheegemeinde einbezogen werden.

A: Muss er nicht, da die einem Islamverband zugehörigen Moscheegemeinden nahezu alle einen ultrakonservativen Islam vertreten müssen. Nebenbei drohen islamistische, nationalistische, ethnische und sonstige politreligiöse Konflikte aus dem islamischen Teil der Erde über die Moscheegemeinden („Moscheekrieg“) den Schulfrieden zu gefährden. Es wird noch längere Zeit dauern, bis ’Moscheegemeinde’ so wenig demokratiegefährdend ist wie ’Kirchengemeinde’.

79 „Raum der Stille“

K: Gegen einen Meditationsraum habe ich nichts, solange keine religionsgemeinschaftliche Bindung vorherrscht und auch atheistisch, kirchenkritisch oder islamkritisch Denkende, jederzeit und gemeinsam mit allen anderen, Nutznießerinnen und Nutznießer dieser Räumlichkeit sind. Versuche eine radikalislamische Geschlechtertrennung in derartigen „Räumen der Stille“ durchzusetzen, hat es bereits gegeben. An einer nicht konfessionsgebundenen Schule hat keine Religion Räume oder Stunden zu prägen.

79 Nicht zuletzt, um ein Abkapseln der „Religiösen“ zu verhindern, ist der breite Dialog und die Zusammenarbeit des Religionsunterrichts mit allen anderen Fächern notwendig.

A: Eventuell vorhandene Radikale sollen nicht nur den Islamunterricht, sondern gleich alle Schulfächer ansteuern können?

K: In Bildungsinstituten haben Fundamentalisierung, Islamisierung beziehungsweise erzwungene Muslimisierung des Schulalltags und des Unterrichts keinen Platz. Das gilt auch für Naturwissenschaften, Kunst und Sport. Bekenntnisfreie Schulen sind Lernorte, die dem Anspruch von Wissenschaftlichkeit und moderner Pädagogik zu genügen haben.

Da’wa (politreligiöse Propaganda), die auf Nichtmuslime gerichtet ist, Schariatisierung des öffentlichen Raumes, Bilderverbot in Theorie und Praxis (Dr. Johannes Kandel in: Organisierter Islam in Deutschland und gesellschaftliche Integration, 2004, zum Thema Abmeldung vom Kunstunterricht[111]) und umgesetzter theozentrischer Moralkodex bezüglich von Kleidung und Verhalten, all dies gefährdet den Schulfrieden.

A: Kinder haben das Recht, vor den anmaßenden Forderungen der Doktrin des Wohlverhaltens (Sunna) und dem Dogma der angeblich ewigen, unverhandelbaren Pflichtenlehre (Scharia) wenigstens für die Stunden ihres Schulbesuchs verschont zu werden. Das nennt man ’negative Religionsfreiheit’.

Sozialpädagogische Analyse zur Handreichung «Herausforderungen und Chancen in Bildungseinrichtungen» der Landesregierung NRW 2008.

Grundinformationen zur Demokratie von Jacques Auvergne und Ümmühan Karagözlü. Januar 2009


Laura heiratet

Mai 19, 2008

الشهادة

Schahāda,

islamisches Glaubensbekenntnis

Neues aus

Altendorf

Jacques Auvergne

Jungakademikerin

sucht Mann fürs Leben.

Deutschlands höhere Töchter

konvertieren zum Islam

(Personen- und Ortsnamen geändert)

Laura ist bei ihrer Mutter aufgewachsen, Tochter einer Apothekerin und eines erfolgreichen Frankfurter Immobilienmaklers und heute 25 Jahre alt. Lauras Eltern leben seit zwei Jahrzehnten getrennt, doch auch der Vater hat häufigen Kontakt zu seinem Kind, das 2001 in Mainz die Hochschulreife erreichte. Im Mai 2006 schloss die in der idyllisch am Rheinufer gelegenen Kleinstadt Altendorf bei Mainz aufgewachsene Laura ihr Studium der Anglistik erfolgreich ab. Noch am Tage der Diplomfeier setzte sie eine Annonce in die Zeitung: „Junge Akademikerin sucht Mann fürs Leben“. Das jedoch hielt sie vor ihrem Vater geheim, Eltern brauchen ja nicht alles zu wissen. Der erfreute Papa stiftete seiner Tochter eine noble Zweizimmerwohnung im benachbarten Mainz. Wenn das kein Optimismus ist.

Zwei Dinge sind allerdings zu ergänzen. Erstens nutzte sie kein Printmedium sondern eine Online-Zeitung, sie inserierte in einer Partnerbörse im Internet. Und zweitens schrieb sie nicht einfach „Mann“ sondern spezifizierte genau „muslimischer Mann“. Denn das versprach eine besondere, abenteuerliche Herausforderung zu werden. Worin sie sich nicht täuschen sollte.

Und bis heute ist das Abenteuer noch nicht einmal zu Ende. Die Motivation für diese besondere Suche nach dem Risiko dürfte nicht zuletzt in einer uneingestandenen Rivalität zu ihrer Jugendfreundin Melanie wurzeln.

Lauras Kommilitonin Melanie nämlich, Freundin seit dem Kindergarten und heute nur einen dreiminütigen Fußweg von ihr entfernt wohnend, wurde im Grundstudium Opfer von Bezness: Ein charmanter Tunesier täuschte Liebe vor, umgarnte die Studentin wochenlang, kultivierte vielseitige Sexualität und gelangte an Melanies Bank-Karte nebst dazugehöriger Geheimnummer. Nach ein paar erotischen Nächten im Wiesbadener Studentenwohnheim waren alle drei verschwunden, Geldbörse, Schmuck und Liebhaber. Das Konto leergeräumt, vom Verbleib einer stattlichen Summe Geldes fehlt bis heute jede Spur. Der Nordafrikaner finanziert sein Dasein ganz offensichtlich mit diesem eigenwilligen Lebensstil. „Naja, das kann der einfältigen Melanie passieren“, dachte Laura: „der Misserfolg meiner simpel strukturierten Freundin ist für mich als Siegertyp doch gerade ein Grund, es besser zu machen als sie!“ Gesagt, getan.

Am Tag nach der Diplomfeier blieb der Computer-Bildschirm leer. Auch am zweiten. Am dritten Tage aber flatterte Antwort auf Lauras Bildschirm. Khalid, 27, Libanese, Student der Elektrotechnik, fragt in aller Höflichkeit nach einem Treffen in einem Mainzer Café: „Willst du vielleicht kommen?“ Ein Photo dabei, einfach umwerfend sieht der mediterrane Typ aus. Nein, so etwas Nettes, Melanie würde grün werden vor Neid. Und ob Laura wollte! Ob denn Khalid auch wirklich ein echter Muslim wäre? Khalid versprach mit treuherzigen Sätzen, der sunnitischen Glaubensrichtung anzugehören. Sunnit, wie aufregend! Er erschien im Café, hübsch wie Adonis und Laura fühlte sich im siebten Himmel. Es folgten studentische Wochen voller Verliebtheit. Die anderen Studentinnen gratulierten, auch Melanie. Papa wusste von nichts.

Einige Monate später zog Khalid bei Laura ein. Lauras konservativer Vater, der die Wohnung bis heute finanziert, darf jedoch davon nichts wissen, er hatte immer gesagt, dass er einen Ausländer als Ehemann seiner Tochter nicht dulden würde. Doch niemand sagte dem Makler etwas und so konnte im Mai 2007 geheiratet werden. Ebenfalls in Lauras privatem Zimmer, den dafür notwendigen, feierlich gewandeten Geistlichen organisierte Khalid beim benachbarten Moscheeverein. Sehr orientalisch, sehr aufregend. In den eigenen vier Wänden also sprach Laura die altehrwürdige Schahada aus, das islamische Glaubensbekenntnis, denn, so hatte Khalid es erläutert, ohne Übertritt zum Islam keine Heirat. Notfalls eben am Tag der Heirat, kein Problem. Khalid war fromm und praktisch zugleich. Laura war beglückt.

Das deutsche Standesamt weiß davon natürlich nichts, personenstandsrechtlich gilt Laura damit als ledig. Khalid hält von den Ämtern der säkularen Moderne nach eigenem Bekunden auch nicht besonders viel: „Du musst autonom leben, die muffigen Behörden brauchen nicht alles zu wissen!“ So viel rebellischer, antibürgerlicher Geist, was sind ihre Eltern doch für langweilige Spießer. Ohne Vaters Wissen zu heiraten ist natürlich gleich noch viel aufregender. Ihre Mutter allerdings nahm sie zur Hochzeit mit, sicher ist sicher. Doch nahm Laura ihr das Versprechen ab, Papa nichts zu sagen: „Mama, die Sache bleibt unter uns!“ Ehrensache, Frauensache. Lauras Vater weiß bis heute nichts von der Heirat.

Laura tritt einen schlecht bezahlten, aber sicheren Job in einem kleinen Buchladen an. Nicht gerade ihr Traumberuf, aber gut erreichbar und mit vielen internationalen Kunden. Lauras Englischkenntnisse und Kenntnis der anglophonen Literatur sind gefragt. Die Umsatzzahlen jedenfalls steigen deutlich. Der Chef erhöht ihr Gehalt. Ende Januar 2008 stellte Laura fest, schwanger zu sein.

Das jedoch sagt sie noch nicht einmal ihrer Mutter, denn womöglich würde Mama die zugesagte Geheimhaltung vor Schreck beziehungsweise aus verantwortungsbewusster Sorge aufgeben und Papa etwas verraten, und der würde ihr die finanzielle Unterstützung entziehen und Khalid am Kragen packen und aus der Wohnung werfen. Im Scherz hatte Papa so etwas Ähnliches nämlich vor Jahren bereits erwähnt und dabei ziemlich grimmig geguckt. Wo Khalid doch so ein sanfter Junge ist. Womöglich also würde Blut fließen, und sie wäre dann daran schuld.

Laura hat ihr Diplom und ihren Job im heimatlichen Altendorf. Die alten Studenten arbeiten mittlerweile in anderen Städten oder gar im Ausland. Lauras Bekanntenkreis jedenfalls schrumpft. Im Frühling 2007 meldete sie sich im Schwimmverein ab. Auf Khalids Wunsch hin, da seien zu viele Männer: „Geh mal in die Koranschule, die Frauen werden dir das erklären.“ Sie ging. Und man erklärte es ihr. Sie wollte doch glauben.

Laura geht bis heute einmal wöchentlich zur Frauen-Koranschule und beginnt, „sich zu bedecken“, wie sie es ihrer letzten deutschen Freundin gegenüber nennt: Sie trägt das islamisch erwünschte Kopftuch. Laura führt ein Doppelleben: Khalid verbietet ihr, alleine auszugehen, doch dem Vater gegenüber glänzt sie als die moderne Berufstätige, die ihr Leben auch völlig selbst finanzieren könnte. Da stiftet der großzügige Papa auch weiterhin gerne die Bleibe.

Man beginnt zu sehen, dass Laura schwanger ist. Ihre Kleidung passt sich den sprichwörtlichen Umständen an, doch das dürfen Papas Freunde aus dem Schützenverein keinesfalls ahnen. Schließlich war Papa erst letztes Jahr der Schützenkönig der Sebastianusgilde von Altendorf.

Khalid macht den Vorschlag, das Kind, sobald es geboren ist, im Libanon aufwachsen zu lassen: „Es ist doch besser, wenn das Kind seine Verwandten kennen lernt! Wenn das Kind die Sprache und Kultur kennen lernt.“ Das klingt erklärlich. Das Ungeborene soll doch einst Sprache und Kultur des Orients kennen lernen, irgendwie hat Khalid ganz recht. Doch etwas macht sie stutzig.

„… besser, wenn das Kind seine Verwandten kennen lernt!“

Laura beginnt zu ahnen, dass der deutsche Großvater dem Kind kein „Verwandter“ sein soll. Jedenfalls kein gleichberechtigter.

Die letzte urdeutsche Freundin, ja, Bezness-Opfer Melanie, war selbstverständlich zur Hochzeit eingeladen. Sie sagte ab. Sie habe Angst, erklärte Melanie, dass Laura sich in eine allzu abhängige und unterworfene Rolle begebe, das könne sie nicht ohne schlechtes Gewissen billigen.

Laura trifft Melanie einmal im Monat. Heimlich. Per SMS verabredet man sich. Das Telefon könne Laura nicht mehr benutzen. Melanie verstand und fragte couragiert nach: „Verbietet er dir, mit mir zu telefonieren?“

Lauras Antwort war ein kurzes „Ja!“ Melanie fragte nach, ob Laura noch einen Schlüssel habe. „Nein“, antwortete Laura, „ich muss gleich wieder zurück sein, damit Khalid zur Hochschule gehen kann.“ Ich bin entsetzt: „Dann kannst du ja gar nicht einfach so aus deiner Wohnung gehen, wenn du es willst?“ Laura schwieg. Das ist sechs Wochen her.

Ich bin Melanie. Heute Morgen huschte Laura zu mir. Sie heiße jetzt Layla, ich dürfe sie nicht mehr Laura nennen. Ich wollte das aber nicht. Sie müsse darauf bestehen, ihr Ehemann verlange es: „Layla, nie wieder Laura.“ Ich war schockiert und lehnte deutlich ab.

Nein. Ich werde Laura nicht Layla nennen.

Ich bin verwirrt und sehr verzweifelt. In welcher Katastrophe wird die Sache enden, in welchem Stumpfsinn oder welchem Fanatismus? Ich, Melanie, bin Lauras letzte deutsche Freundin.

Ich heiße Melanie und wohne mitten in Deutschland. Meine zum Islam konvertierte Freundin wohnt in der Nachbarstraße. Drei Minuten zu Fuß. Sie könnte jederzeit herüberkommen, gerne. Sie heißt Laura. Oder Layla?

Jacques Auvergne

Der Drohbrief gegen Hirsi Ali

April 18, 2008

067

أسلم تسلم

Aslim Taslam!

Aslim taslam!

Accept Islam

and you will be saved

Aslim, taslam!

Convertis-toi

et tu seras sauvé

Aslim Taslam!

Unterwirf dich, sei Muslim

und du wirst verschont

Der Drohbrief an

Ayaan Hirsi Ali

Aus dem Niederländischen übersetzt und

kommentiert von Cees van der Duin

Der Drohbrief an

Ayaan Hirsi Ali

Am Morgen des zweiten November 2004 um halb neun fallen Schüsse in der Amsterdamer Linnaeusstraat. Passanten schauen entsetzt in die Richtung der scharfen Knallgeräusche: Zwei Radfahrer scheinen beteiligt, einer strauchelt neben parkenden Autos zu Boden, schleppt sich über die Straße? Der andere, stürzt er sich nicht wie ein Angreifer über ihn? Doch, ein metallenes Hiebwerkzeug in der Hand, eine Art von Machete. Einige erregte Rufe oder Schreie. Dem am Boden Liegenden sticht er in die Kehle, säbelt? Eine Frau schreit zum Täter: „Das kannst du doch nicht machen!“ Der zweite, der Täter, eher noch jung, südländischer Teint, marokkanisch anmutendes Gewand, antwortet kalt: „Doch, kann ich! Und so geht euch das in Zukunft!“ und verlässt langsam den Ort in Richtung Oosterpark. Im Körper des Toten oder auch Sterbenden stecken anscheinend mehrere Messer. Irgendjemand telefoniert bereits erregt nach der Polizei. Wenige Augenblicke danach und wenige Schritte weiter fallen wieder Schüsse und die ersten Polizisten umstellen das Gelände des angrenzenden parkartigen Rasengrundstückes. Zwei Ordnungshüter werden angeschossen und auch der mitten auf der Wiese stehende Attentäter verletzt. Stille. Keine Schüsse mehr. Da er keine Kugeln mehr hat, lässt der Attentäter sich, innerlich gefasst wie es scheint, gefangen nehmen.

Der junge Islamist Mohammed Bouyeri hatte dem durch eigenwillige und regelmäßig provokante Gesellschaftskritik landesweit bekannten Filmemacher Theo van Gogh aufgelauert, mit dem Ziel, ihn zu töten. Der gebürtige Niederländer Bouyeri war in ein für traditionelle Marokkaner wie auch für radikalislamische Salafisten typisches kittelartiges Gewand gekleidet und benutzte sein kittelverträgliches Damenfahrrad.

Der zur Zeit der Mordtat 26-jährige Bouyeri wurde 1978 in Amsterdam als Sohn von Einwanderern aus dem Rif-Gebirge geboren, einer von der Kultur der Berber vom Volk der Rif-Kabylen geprägte Region Marokkos mit armen Bergdörfern, in denen die Frauen Analphabetinnen sind und kaum ein Haus elektrischen Strom hat. Vater Hamid war einer der ersten Einwanderer in die Niederlande gewesen und hat seine Gesundheit mit allzu harter Fabrikarbeit ruiniert. 2001 starb seine Frau, Mohammeds Mutter. Man lebt in den Niederlanden, doch Hamid heiratete selbstverständlich nach kabylischer Tradition die Schwester seiner Frau, Fatma.

Der junge Bouyeri wusste, welchen Weg der Regisseur jeden Tag nehmen würde. Die Schusswaffe war einsatzbereit. Das Gesicht des Regisseurs kannte in den Niederlanden jeder. Boyeri schoss mehrere Kugeln auf den auf seinem täglichen Weg zur Arbeit befindlichen van Gogh, schnitt ihm, als dieser bereits auf dem Pflaster lag, die Kehle durch und stach anschließend ein weiteres, kleines Messer mit einem mehrseitigen Brief in den Leichnam, in dem die Ermordung mit van Goghs Film „Submission“ und mit van Goghs Ansichten über den Islam begründet war.

In diesem Brief rief Bouyeri beziehungsweise rief der oder riefen die Verfasser die Muslime aller Welt auf zum Dschihad gegen alle, die nicht an den Allah-Gott glauben, gegen die Vereinigten Staaten, gegen Europa, die Niederlande und gegen die Politikerin Ayaan Hirsi Ali.

Bei seiner Verhaftung wurde Bouyeri, der inzwischen sein Magazin leer geschossen hatte, von einem Polizisten ins Bein geschossen. „Du kannst von Glück sagen, dass wir dich nicht getötet haben!“, sagte einer. Bouyeris eiskalte Antwort war: „Aber genau das war doch meine Absicht.“ Auch bei der Gerichtsverhandlung am 12. Juli 2005 räumte Bouyeri unumwunden ein, gerne als Märtyrer gestorben zu sein. Er hat den herbeihalluzinierten Platz im Paradies einem Leben in den Niederlanden vorgezogen.

Mit seiner doppelten Staatsbürgerschaft hätte ihm ein Übersiedeln in das sonnige Rif-Gebirge jederzeit offen gestanden und ein Leben an der frischen Luft als anständiger Bergbauer. Doch Bouyeri Junior zog es vor, die niederländische Raumordnung und Landespflege islamisch mitzugestalten. Dazu greift man als radikaler Muslim die kulturelle Moderne und deren exponierteste Vertreter engagiert an. Denn die Moderne ist unübersichtlich. Und der Islam ist die Lösung.

Nun zum Bekennerschreiben und Drohbrief. Eingerückt und klein das für den Mordvorgang angefertigte Original niederländischer Sprache, dem übrigens eine arabische Übersetzung beigefügt war. Schwarz und groß die Übersetzung ins Deutsche vom 17. April 2008, schwarz und kursiv meine Kommentare. cd

In Naam van Allah de Barmhartige, de Genadevolle.

Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Gnadenreichen.

Feierliche Eröffnung islamischer Prägung. Der Mord wird zur sakralen Handlung stilisiert, zum soldatisch praktizierten heiligen Eifer (Dschihad).

Oder ist Islam überhaupt nur eine militärpolitische Doktrin und die geschnörkelte Floskel die vorweggenommene Ausrufung niederländischer Scharia?

Vrede en zegeningen op de Emir van de Mujahideen, de lachende doder Mohammed Rasoeloe Allah (Sala Allaho alaihie wa Sallam), zijn familie en metgezellen en degenen die hen oprecht volgen tot aan de Dag des Oordeels.

Friede und Segen sei auf dem Führer der Kämpfer Gottes, dem Gesandten Allahs: Dem lachenden Töter Mohammed (der Friede sei auf ihm), seiner Familie ihren Freunden und all denen, die ihm standhaft folgen bis zum Tag des Urteils.

Dem lachenden Töter? Wirklich, lächelnder Menschenmörder, „laughing killer“. Aha, der Prophet brachte also schon mal Menschen um. Historisch korrekt. Und er lachte dabei, vornehmer: Er lächelte. Das ist dieses sakrale Schweben, das der provokant überirdisch daherkommende Terroristenführer bin-Laden an den Tag legt, der seine Visage mit Videobändern und Fotos zur Ikone des „laughing killer“ geadelt hat, zum weltbekannten Markenzeichen. Ein entrücktes zartes Grinsen, aber bitte ohne gerauchten Kiff und am besten unmittelbar nachdem man einem Ungläubigen den Kopf abgetrennt hat. Das ist diese sanfte Führungsstärke. Fast ein bisschen Prophet. Und schon fast die Garantie auf einen Platz im Paradies.

Er is geen agressie behalve tegen de agressors.

Es gebe keine Feindschaft, ausgenommen gegen die Feindseligen. Nur gegen Aggressoren ist uns Muslimen Aggression zulässig.

Es ließen sich, ohne ihm Unrecht zu tun, dem frommen Sprecher diese Sätze in den Mund legen: „Islam heißt Frieden. Islam kennt damit keinen Krieg. Nur gegen Angreifer sei eben doch Krieg. Wenn wir Unschuldsengel also islamisch Krieg führen, dann war immer zuerst der böse Angreifer da. Der Islam bereitet der Gerechtigkeit den Weg, der gerechten Gesellschaft. Allah ist schön.“

Vorsicht, Ironie: „Islamlogik. Raumordnung und Landespflege auf gut islamisch. Nachher gibt es keine Nichtmuslime mehr. Das ist wirklich besser für alle.“

Het volgende:

Zur Sache:

Vrede en zegeningen op ieder die de Leiding volgt.

Frieden und Segen jedem, der der Rechtleitung folgt.

Auch: Der der Anleitung folgt, der Führung. Dazu hat man ja auch seit zwei Jahren nicht mehr die muffig-weichgespülte Amsterdamer Moschee besucht, zu der sein Vater regelmäßig geht, sondern die radikale Tawhid-Moschee der Tawhid-Stiftung (Tawhied-Moskee, Tawhied-Stichting), die den Wahhabiten ebenso nahe steht wie den Salafisten und deren Bau mit Geld aus Saudi-Arabien finanziert worden war.

Geert Wilders (damals VVD) stellte bereits im letzten Quartal des Jahres 2002 der niederländischen Regierung die Anfrage, ob ihr bekannt sei, dass saudisches Geld die Fourqan-Moschee und die Tawhid-Moschee finanziert habe. Diese Frage wurde bejaht. Die Waqf-Stiftung beziehungsweise „Waqf el Islamia“ habe die Fourqan-Moschee nebst angeschlossener Schule (!) finanziert, die saudische Stiftung „El Haramain“ zur Tawhid-Stiftung beigetragen, welche auch die as-Siddiq-Schule betreibt. Die Besucher beider Moscheen seien großteils als ultraorthodox und radikalislamisch einzustufen. In diesen Wochen, in denen Wilders seine Frage stellte, betrat Bouyeri wohl zum ersten Mal die Moschee, die, wie wir heute wissen, Treffpunkt der in Ermittlerkreisen „Hauptstadtgruppe“ (Hofstadgroep) genannten Terrorsympathisanten gewesen ist. Erst im folgenden ganzen Jahr, 2003, fand Bouyeris persönlicher Radikalisierungsprozess statt. Wilders Anfrage geschah damit ziemlich genau zwei Jahre vor der schrecklichen Tat.

Geert Wilders wurde zeitnah geantwortet („Beide moskeeën zijn een verzamelplaats voor bezoekende orthodox-radicalen die weinig op hebben met de westerse samenleving en de daarin geldende normen en waarden“), übersetzt: „Beide Moscheen sind Versammlungsort von ultrakonservativen und radikalen Muslimen, Leuten, die wenig im Sinn haben mit der westlichen Gesellschaft und den in ihr geltenden Normen und Werten.“ Quelle:

http://www.minbzk.nl/actueel/kamerstukken?ActItmIdt=4435

Soweit zum im Drohbrief verwendeten Wort „Rechtleitung“, wörtlich durchaus als „Führung, Leidung“ zu übersetzen.

Dit is een open brief aan een ongelovig fundamentalist, Ayaan Hirshi Ali, van de Thaghoet partij VVD.

Dieses ist ein offener Brief an eine ungläubige Fundamentalistin, Frau Ayaan Hirshi Ali von der Partei der Sünde, der Abirrung und der Verworfenheit namens VVD.

Der Drohbrief bzw. das Bekennerschreiben verwendet durchgehend die Schreibweise „Hirshi“ statt „Hirsi“, hier (blaue Schrift, groß) beibehalten.

Thaghoet (sg. ṭāġūt, pl. ṭawāġīt) muss von muslimischen Fundamentalisten als Abgötterei, vielleicht als Teufelsanbeterei aufgefasst werden, ist Schirk (Polytheismus, Beigesellung) und womöglich Ridda (Apostasie). T(h)aghoet oder Taaghoet, nichtfigürlicher Götze, ist auch für niederländische Wahhabiten und Salafisten unter Berufung auf den Koran (4:76) die militärpolitische Parteinahme gegen Allah und für den Satan. Sure 4 Aya (Vers) 76 bezeichne mit Thaghoet (Taaghoet) die widergöttliche Ideologie der Gegner der Kämpfer Allahs und damit die satanische Lehrmeinung der Kämpfer gegen den Islam. Beim Gründer der islamisch-göttlichen Diktatur Ayatollah Chomeini wie auch beim radikalislamischen Kölner Kalifen Cemaleddin Kaplan spielt der ṭāġūt-Begriff eine zentrale Rolle und meint etwa die ‘Götzen’ der Meinungsfreiheit oder des Parlamentarismus.

Die bürgerliche Regierungspartei VVD sei also die Partei (Hizb …) der In-die-Irre-Gehenden. „Du, Wähler der Partei der parlamentarischen Verworfenheit“ wäre eine ganz neue Art, Wahlkampf zu machen. Machen wir uns nichts vor: Die islamischen Parteien werden in ganz Westeuropa kommen.

Geachte mevrouw Hirshi Ali,

Sehr geehrte Frau Hirshi Ali,

Sinds uw aantreden in de politieke arena van Nederland bent u constant bezig om de Moslims en de Islam te terroriseren met uw uitlatingen. U bent hiermee niet de eerste en zal ook niet de laatste zijn die zich hebben aangesloten bij de kruistocht tegen de Islam.

U heeft met uw afvalligheid niet alleen de Waarheid de rug toegekeerd, maar u marcheert ook nog eens langs de ranken van de soldaten van het kwaad. U steekt uw vijandigheid tegen de Islam niet onder stoelen of banken en hiervoor bent u door uw meesters beloond met een zetel in het parlement. Zij hebben in u een medestander gevonden in hun kruistocht tegen de Islam en de Moslims. Een medestander die hen alle ”kruit” aanreikt zodat zij hun handen niet zelf vuil hoeven te maken. Aangezien u verblindt bent door de brandende ongelovigheid die in uw woedt, bent u niet in staat om in te zien dat uw slechts een instrument bent van de ware vijanden van de Islam.

Seit Ihrem Antreten in der politischen Arena sind sie ununterbrochen damit beschäftigt, die Muslime und den Islam zu terrorisieren. Damit sind Sie nicht die erste und werden auch nicht die letzte sein, die sich dem Kreuzzug gegen den Islam angeschlossen hat. Nicht nur der Wahrheit haben Sie mit Ihrem Abfall vom Glauben den Rücken zugekehrt, jetzt formieren Sie sogar die Aufstellung der Heere der Soldaten des Bösen. Ihre Feindseligkeit gegen den Islam haben Sie nun wahrlich nicht verheimlicht, vielmehr zum Lohn für diesen Frevel von ihren politischen Meistern einen Platz im Parlament erhalten. In Ihnen haben diese einen Parteigenossen, einen Unterstützer gefunden, der ihnen das Schießpulver anreicht, sodass sie sich selbst nur ja nicht die Hände schmutzig machen müssen. Verblendet durch den in Ihnen wütenden lodernden Unglauben sind Sie nicht in der Lage zu erkennen, dass Sie nichts als ein Werkzeug der wahren Feinde des Islam sind.

U wordt gebruikt om allerlei vijandigheden over de Islam en de meest edele mens, Mohammed Rasoeloe Alla (Salla Allaho aleihie wa Sallam), uit te spuien.

Sie werden benutzt, um mancherlei Feindseligkeit über den Islam und seinen edelsten Menschen, Mohammed, den Gesandten Allahs, auszuspeien.

Dit alles mevrouw Hirshi Ali neem ik u niet kwalijk, als soldaat van het kwaad doet u slechts uw werk.

Dies alles, sehr geehrte Frau Hirshi Ali, nehme ich Ihnen noch nicht einmal persönlich böse, denn als Soldatin des Bösen tun Sie nichts anderes als Ihre ureigene Arbeit.

Ach wie ritterlich, den Feind zum anstehenden Schlagabtausch feierlich zuzulassen. Aufschlussreich das Schwarz-Weiss-Denken nach dem Grundsatz „Wer nicht für mich ist, ist gegen mich“, und „ich“ als niederländischer Dschihad-Aktivist bin selbstverständlich auf der „guten“ Seite, somit kann Hirsi Ali nur Kriegerin des „Bösen“ sein.

Het feit dat u zo openlijk uw kwaad uit kunt spuien is niet aan uzelf te danken, maar aan de Islamitische Ummah. Zij heeft haar taak van verzetten tegen het onrecht en het kwaad laten liggen en ligt haar roes uit te slapen. Al uw vijandelijkheden tegen de Islam is dus alleen de Islamitische Ummah kwalijk te nemen.

Die Tatsache, dass Sie öffentlich Ihre Bösartigkeiten ausspeien können, verdanken Sie nicht eigener Leistung oder Begabung, sondern dem Versagen der islamischen Ummah (Weltgemeinschaft). An ihr liegt es damit nun endlich auch, viel zu spät Widerstand zu leisten gegen all das Unrecht und Böse, das Sie mit verschuldet haben. Die Ummah, die ihre Aufgabe, gegen Sie einzuschreiten wie im Rausch bislang verschlafen hat, ist damit jetzt berechtigt und aufgefordert, all Ihre Feindseligkeiten gegen den Islam übel zu nehmen.

Deze brief is Insha Allah een poging om uw kwaad voor eens en altijd het zwijgen op te doen leggen. Deze geschreven woorden zullen Insha Allah uw masker doen laten vallen.

Dieser Brief ist, so Allah will, ein wohlwollender Versuch, Ihnen die Chance zu geben, Ihr permanentes Fehlverhalten zu beenden und mitzuhelfen, Ihre Missetaten ein für alle mal zum Schweigen zu bringen. Zugleich sollen diese hier verfassten Worte mit Allahs Willen dazu beitragen, Ihre Maske der Täuschung abzureißen.

Man ist human und gewährt die Möglichkeit der Reue und Umkehr. Das ist im Koran bei Apostasie so vorgegeben, angeblich also vom Allah-Gott selbst verfasst. Islam pur: Du Apostat hast drei Tage lang Zeit, dich öffentlich zu unterwerfen („Islam“)

Ayaan Hirsi Ali wird wahrheitswidrig des betrügerischen Spiels bezichtigt, der bewussten Täuschung. Wiederholung der Figur: „Sie haben uns angegriffen, wir verteidigen uns nur!“ Ob die fundamentalistischen Verfasser des Drohbriefes das wirklich glauben oder diese Rhetorik mühsam konstruieren? Vielleicht „glauben“ sie diesen Wahn wirklich.

Ik zou graag willen beginnen bij uw onlangs opgegooide voorstel om de Moslims te screenen op hun ideologie bij sollicitaties.

Ich werde also gerne damit beginnen, Ihren unlängst geäußerten Vorschlag zur Rolle der Muslime und des Islam zu analysieren.

Uw voorstel is zeer interessant, temeer daar de invoering hiervan het rotte gezicht van uw politieke meesters tevoorschijn laat komen (wanneer het natuurlijk eerlijk op hen zou worden getoetst en zij openlijk hun ware ideologie kenbaar maken).

Dieser Ihr Vorschlag ist durchaus aufschlussreich, vor allen Dingen deshalb, weil er das verkommene Gesicht Ihrer politischen Meister zum Vorschein kommen lässt.

Die mit Mord bedrohte Hirsi Ali habe Auftraggeber, „politische Meister“, sie werde ferngesteuert oder jedenfalls vorgeschickt. Erfahrungsgemäß folgt unter radikalen Muslimen einer solcher Denkfigur (von Auftraggebern vorgeschickt) rasch die gehässige Bemerkung „vom Satan“ oder „von den Juden“ oder auch „von den Juden, also vom Satan“. Satanshass und Judenhass überlagern sich in Islamistenkreisen, vgl. „Großer Satan – kleiner Satan“, die Vereinigten Staaten – Israel. Nun, wird sich der Verdacht der Judäophobie oder vielmehr des radikalislamischen Rassismus und radikalislamischen Antisemitismus noch erhärten können?

Het is een feit dat de Nederlandse politiek gedomineerd wordt door vele Joden die een produkt zijn van de Talmud leerinstellingen; zo ook uw politieke partijgenoten.

Denn es ist eine Tatsache, dass die Politik der Niederlande durch viele Juden beherrscht wird, die, nicht anders als Ihre Parteigenossen, durch die Lehren des Talmud indoktriniert worden sind.

Das ging aber schnell. Die (angebliche!) kausale Entwicklung des Sachverhalts aus dem vorangehenden halte ich für derart beabsichtigt, dass ich den Satz mit einem „denn“ beginnen möchte.

Aangezien u altijd ”de hand in eigen boezem” propageert, zullen we dus uw voorstel in uw eigen politieke omgeving toetsen. Dezelfde politiek die met haar beleid zich heeft aangesloten bij het terrorisme tegen de Islam en Moslims. Ik zou u graag de volgende vragen willen stellen:

Wo Sie doch immer das „Jeder kehre vor seiner eigenen Türe!“ beziehungsweise das „Die Schuld zuerst bei sich selber suchen!“ propagieren, wollen wir uns doch einmal den Menschen in Ihrem engsten parteipolitischen Umfeld zuwenden. Ja, eben die Politik, die sich mit ihrer Art der Amtsführung dem Terror gegen den Islam und die Muslime angeschlossen hat. Aus diesem Grunde möchte Ihnen gerne die folgende Frage stellen:

Man bemerke die seitens des praktizierenden islamischen Terroristen theatralisch wehklagend vorgetragene Wendung „Terror gegen den Islam“. Der Täter also heult medienwirksam „Wir sind Opfer!“ Die Fähigkeit zu solchem Theaterspiel ist eine im weltweiten Vergleich ausgesprochen islamtypische und mag durch den als gottgefällig eingestuften Auftrag zur politreligiösen Lüge (Taqiyya) unterstützt werden. Vielleicht entspringt sie auch einem (pervertierten, demokratiezersetzenden) „hohen Rollenbewusstsein“, einer (boshaft berechnenden) „Effizienz und Effektivität“. Man lässt eine Bemerkung voller Widerhaken wie beiläufig fallen. Mag sie die nichtislamischen Gegner durch Streit (Fitna) schwächen, mag sie die Sache der Ummah („Fitna unerwünscht“) stärken.

Wat vindt u van het feit dat van Aartsen een ideologie aanhangt waarin niet-Joden als niet-mensen worden gezien?

Was sagen Sie uns zur Tatasche, dass Herr van Aartsen einer Weltanschauung beipflichtet, in der Nichtjuden als Nichtmenschen angesehen sind?

Jozias van Aartsen, gegenwärtig Bürgermeister von Den Haag, war zwischen 1998 und 2002 Außenminister der Niederlande. Van Aartsen gehört der liberalen und gemäßigt rechten Partei VVD an, einer der bedeutendsten Parteien der niederländischen Politik. Hirsi Ali war, für die Partei VVD, bis Mai 2006 Mitglied der Zweiten Kammer des niederländischen Parlaments. Dass van Aartsen gar kein Jude ist, darauf kommt es für Bouyeri und sein radikalislamisches Umfeld nicht so genau an. Radikale Muslime (nicht anders übrigens als nichtmuslimische Alt- und Neonazis) verwenden das antisemitische Bild einer „jüdischen Verschwörung“ ganz gerne und tradieren es.

Baba Mezie 114a-114b: Alleen Joden zijn mensen (”Alleen jullie zijn mensen genoemd”). Zie ook Kerlthoth 6b ondr sub-kop (”Oll of anointing”) en Barakath 56a, waarin Gentile (niet-Joden) vrouwen dieren worden genoemd (‘vrouwtjes-ezels”).

Baba Mezie 114a-114b aussagt, nur Juden alleine seien Menschen („Nur Juden? Mögen Menschen genannt werden“). Vergleiche Kerltoth 6b ondr-sub-kop („Oll of anointing“) und Barakath 56a, Textstellen, in denen die Frauen der Nichtjuden Tieren gleichgesetzt werden (‘Eselinnen‘).

Yebamoth 92a: Alle Gentile kinderen zijn dieren.

Yebamoth 92a: Alle Kinder der nichtjüdischen Völker sind Tiere.

Die Deutung zu Yebamoth mag stimmen oder auch nicht, sogenannte heilige Schriften der Menschheit, auch islamische, kommen bisweilen exklusiv oder gar arrogant daher. Als Mörder in Amsterdam jedoch betätigt sich nicht ein jüdischer Yebamoth sondern ein muslimischer Bouyeri. Aber einfach mal die alten oder neuen Hebräer beschuldigen, das von Blut tropfende Messer in der Hand: „Der böse Jude hat angefangen. Ich Muslim bin schuldlos und rein. Ich beseitige nur den jahrhundertealten Dreck der gotteslästerlichen Juden. Ich bin ein Saubermann, geradezu ein Saubermacher“ So ‘reinigt‘ islamischer Antisemitismus die Welt, so wird die Dar al-Islam auf Kosten der Dar al-Harb Territorium für Territorium ausgeweitet.

Wat vindt u van het feit dat er een burgemeester in Amsterdam aan het roer staat, die een ideologie aanhangt waarin Joden tegen niet-Joden mogen liegen?

Was sagen Sie uns zur Tatsache, dass ein Bürgermeister der Stadt Amsterdam an den Hebeln der Macht sitzt, der einer Ideologie angehört, die besagt, dass Juden alle Nichtjuden belügen dürfen?

Von der dem Allah-Gott angeblich wohlgefälligen heiligen Lüge, der Taqiyya, möchte der Verfasser des Drohbriefes uns nichts mitteilen? Erstaunlich.

Baba Kamma 113a: Joden mogen leugens (”listen”) gebruiken om een Gentile te misleiden.

Baba Kamma 113a: Juden sollen List, also Lüge, anwenden, um Nichtjuden irrezuführen.

Der Verfasser des mit einem eigens mitgeführten speziellen Messer in den erkaltenden Körper des ermordeten Filmemachers gespießten Briefes, des Briefes also, den wir gerade lesen, wiederholt sich inhaltlich und glaubt, dieses mit einer anderen jüdischen Textquelle belegen zu können. Womöglich in den Minuten des Attentates auf hunderte von Metern gar kein Jude anwesend. Die Planer des Mordes indes scheinen jüdische Menschen wirklich nicht zu mögen. Doch die Somalierin Ayaan Hirsi Ali ist keine Jüdin, auch nicht der gelbhaarige Niederländer Theo van Gogh, noch nicht einmal Bouyeri selber. Ein Niederländer, ein terroristischer Sohn von Marokkanern, eine Islamkritikerin aus Nordostafrika. Was soll Baba Kamma dazu sagen?

Wat vindt u van het feit dat u deel uitmaakt van een regering die de Staat steunt met een ideologie dat genocide bepleit?

Was sagen Sie dazu, dass Sie integraler Bestandteil einer Regierung sind, die zu Völkermorden geradezu aufruft, sie jedenfalls religiös rechtfertigt?

Jetzt übertreibt er aber. Ach so, Bouyeri verhindert einen Völkermord im letzten Moment, indem er den Filmemacher von Submission erschießt und ihm, wochenlang sorgsam geplant, die Kehle mit einem nepalesischen Kampfmesser aufschlitzt. Wahrscheinlich wollten die Niederlande in Marokko einmarschieren und die Muslime ausrotten. Das war knapp. Man verzeihe mir den bissigen Ton.

Mir gelingt es kaum, nicht ins Ironische abzugleiten.

Seit der Ausrottung eines jüdischen Stammes im Umland von Mekka noch zu Lebzeiten des „Propheten“ Mohammed haben Muslime auf ihrem immer sehr persönlichen Dschihad Hunderttausende von Juden beschimpft, diskriminiert, erpresst, ausgeplündert, verletzt, versklavt und ermordet. Noch 2007 stieß in Frankfurt ein junger Muslim einem als orthodoxen Juden erkennbaren Rabbiner nach einem kurzen Fluch ein Messer in den Bauch. Solcher Art ist, leider und weltweit, die muslimischerseits gewünschte Realität von interreligiösem Dialog. Die besondere Grußbotschaft sind Kassam-Raketen aus der EU-subventionierten Stadt Gaza nach Sderot.

Und nicht vergessen: Islam heißt Frieden.

Bekommen wir noch mehr hebräische religionswissenschaftliche Erkenntnisse angeboten? Ja, eine darf es noch sein:

Sofarim 15, regel 10 (Minor Tarcctates): Dit is de uitspraak van rabbijn Simom ben Yohai: Tod shebe goyyim herog (”Zelfs de beste van de Gentiles zouden gedood moeten worden”).

Sofarim 15 Regel 10 (Tarcctates der Jüngere) schreibt: „Dieses aber sagte uns Rabbiner Simom ben Yohai: Tod shebbe goyyim herog, selbst die Besten der Nichtjuden werden wir zu töten haben.“

So weit die uns durch Bouyeris zuteilgewordene Kurzfassung der mehrtausendjährigen Geschichte der jüdischen Theologie. Und in 2000 Jahren jüdischer Anwesenheit im christlichen Europa hat einfach kein Jude einen der Schlechtesten oder auch Besten von uns Gojjim ermordet, ungeheuerlich! Bouyeri veröffentlicht, die Juden betreffend, einen höchst unzuverlässigen Brief. Wir sind ziemlich enttäuscht. Die radikalislamische Seite der Integration betreffend jedoch spricht Bouyeris Handeln sozusagen für sich, da ist Verlässlichkeit Thema.

Aangezien u een voorvechtster bent voor gelijke rechten, zult u waarschijnlijk (nadat deze kennis tot u is gekomen) bij uw Joodse meesters in de kamer pleiten om de leerstellingen van de Talmud te verwerpen. U zult er waarschijnlijk ook meteen werk van maken om dit ook bij de Joodse gemeenschap van Nederland te bepleiten.

Sie (sehr geehrte Frau Hirsi Ali) als Vorkämpferin der Gleichberechtigung und Gleichstellung werden nun, sobald der Inhalt dieses Briefes Ihnen bekannt geworden ist, schnurstracks in zu Ihren jüdischen Meistern im Parlament laufen, um dafür zu plädieren, die Lehrsätze des Talmud ein für alle mal zu verwerfen. Sie werden dieses wohl auch gleichzeitig bei der jüdischen Gemeinschaft der Niederlande einvernehmlich durchsetzen.

Vermutlich so etwas wie feine gemeine Ironie. Andererseits islamische Rechtleitung für die Islamkritikerin Hirsi Ali. Sie soll wirklich dementsprechend handeln, um nicht getötet zu werden. Der Satz ließe sich im Sinne der Verfasser wohl so erklären: „Das ist ihre letzte Chance, wenn Sie als Politikerin gegen die jüdisch-talmudische Kultur sprechen, wenn Sie die talmudischen Lehren im Parlament unglaubwürdig machen, dann ermorden wir Sie nicht, inch`a Allah.“ Islam heißt Frieden machen.

Uw optreden verraadt zo nu en dan uw laffe moed waarmee u aandacht vraagt vooor uw strijdt. Zo heeft u de laffe moed gehad om Islamitische kinderen op school te vragen om een keuze te maken tussen hun Schepper en de grondwet.

Ihre ganze Haltung jedoch entlarvt Niedertracht, mit der Sie den unmoralischen Kampf gegen uns anzutreten gewagt haben. So haben Sie beispielsweise die Heimtücke an den Tag gelegt, muslimische Kinder in der Schule aufzufordern, sich zwischen ihrem Schöpfer und der Verfassung zu entscheiden.

Hirsi Ali soll angedichtet werden, Kinder der Einwanderer unter psychischen Druck gesetzt zu haben. Die Absicht wird eine rufschädigende sein, nach dem unmoralischen Motto: „Ich sage zwar erkennbar überwiegend die Unwahrheit, aber etwas bleibt immer hängen.“

Ärgerlicherweise ist, probieren Sie es mit ihrem Nachbarn einmal aus, mindestens die Hälfte der Muslime in den Niederlanden und Deutschland wirklich nicht in der Lage, diesen Sachverhalt zu verstehen oder jedenfalls zuzugeben: Muslime sind weltweit (aber wie schuldhaft?) dazu bereit, eine jede Kritik an der demokratiegefährdenden islamischen Sunna oder eine Kritik an den zahlreichen islamistischen Hasspredigern als Verletzung des geliebten Allah-Gottes zu „erleben“, die einen pflichtschuldigst zum theatralischen „schmerzlichen Aufheulen“ zu bringen hat. Man will man nicht geächtet werden. Und man will Beute einstreichen, Dhimmis beherrschen, Territorien.

Nahezu alle Muslime lassen sich von den Radikalen erpressen. Islam ist die Kultur und der Kult des Sich-Erpressens. Angeblich für den Platz im Himmel, der dem letzten leeren Stuhl im bekannten Kinderspiel mit dem aufschlussreichen Namen „Reise nach Jerusalem“ zu gleichen scheint: Zwei Muslimas müssen im traditionellen Islam nicht anders als im Dschihadismus sich als Konkurrentinnen um den „letzten freien Stuhl“ begreifen. Der Wangenkuss unter patriarchalen Muslimas entspricht damit dem christlich-biblischen Judaskuss: „Ich gebe dich zum Abschuss frei, ich ziehe an die vorbei auf den letzten freien Platz im Paradies!“ Muslimische Männer verhalten sich üblicherweise nicht besser in Kollegialität und angedrilltem Lebensgefühl. Und Männern wie Frauen dienen die willkommenen koranischen drei Feindbilder Harbi (Polytheist oder Atheist, allerdings auch: Jizya-Verweigerer), Jude und Dhimmi-Christ als satanischer düsterer Hintergrund, der die eigenen guten Taten aus Sicht des Allah-Gottes umso verdienstvoller erstrahlen lassen möge.

Jacques Auvergne sagte einmal dazu: „Praktizierter Antisemitismus, praktizierte Christenverfolgung scheint weltweit immer noch der ‘Erhöhung der Hassanat, der Zahl der paradiesischen Pluspunkte‘ erstklassig dienen zu können. Diese Praxis und die ihr zugrunde liegende Theorie muss sich ändern, will der Islam in der kulturellen Moderne ankommen, will er demokratiefähig sein.“

Das ist nämlich in der Tat ein Problem, dem muslimische Kinder in der europäischen, säkular geprägten Zuwanderungsgesellschaft ausgesetzt sind: Das Verehren des Allah-Gottes ‘muss‘ für sie derzeit immer noch mit der Pflicht einhergehen, die Gesetze des Landes zu verspotten, um ‘Allah nicht zu beschädigen‘. Zwischenzeitlich können es die Hassprediger in nahezu jeder deutschen Stadt auf den im oben sinngemäß wiedergegebenen Satz bringen „Glaubst du an Allah oder an die Verfassung?“

Säkularer Islam ist eine sehr ferne Zukunft. Die Herren Prodi, Balkenende, Verheugen, Kufen, Laschet und Schäuble sehen das allerdings anders und halten „Islamischen Religionsunterricht“ bereits heute für ein schulgeeignetes Unterrichtsfach.

Het antwoord van deze jonge reine zielen heeft u meteen gebruikt om argumenten te bedenken om uw kruistocht te rechtvaardigen. U heeft met al deze vijandelijkheden een boemerang losgelaten en u weet dat het slechts een kwestie van tijd is voordat deze boemerang uw lot zal bezegelen.

Die Antwort dieser jungen reinen Seelen haben Sie unverzüglich und dreist als Rechtfertigung für Ihren Kreuzzug gegen den Islam verwendet. Mit einer solchen Feindseligkeit gegen den Islam allerdings haben Sie einen gewaltigen Bumerang losgelassen, der sie über kurz oder lang gewaltig treffen wird und der ihr Schicksal gerecht besiegeln wird.

Die steinzeitliche Fernwaffe der australischen Ureinwohner, der Bumerang ist ein geschickt kalkuliertes Sinnbild, das etwaigen künftigen radikalislamischen Mördern an Hirsi Ali sogar die Mühe erspart, sich auf Selbstverteidigung oder Notwehr zu berufen. Hirsi Ali hat sich den Bumerang selbst an den Kopf geworfen, mein Faustschlag verkörpert diesen Bumerang lediglich. Die verlogene Dschihadisten-Logik in Reinstform.

Hirsi Ali wird bewusst wahrheitswidrig die Rolle der Angreiferin zugeschrieben. Das dümmlichere muslimische Fußvolk wird dieses gerne zu glauben bereit sein.

„Junge reine Seelen“: Der radikale Islam missbraucht das einem anthropologisch verankerten Schlüsselreiz nahekommende ‘Kindchenschema‘, das, wie wir Menschen wissen, Tier-Eltern instinktiv zur Pflege aufruft. Zudem lassen sich die Europäer, die sich, durch frömmelnden Identitätshass und seltsam aufgefasstes Christentum bedingt, in blindem Altruismus baden, mit derartiger Rhetorik ganz passabel erpressen. Es funktioniert jedenfalls immer wieder, der Schenkelklopfer in den Kreisen der maskulinen Spaßvögel von Milli Görüs, HAMAS und Muslimbruderschaft. Entsprechend signieren radikale Islamisten im deutschsprachigen Internet mit großäugigen, hilflosen Säuglingsgesichtern.

U krijgt de kans echter, mevrouw Hirshi Ali, om uw gelijk voor eens en altijd in de bladzijdes in te kerven:

Sie aber sollen die Chance erhalten, sehr geehrte Frau Hirsi Ali, sich selbst ein für alle mal zu vergegenwärtigen und folgerichtig und gottgefällig in die Seiten Ihres Lebensbuches einzuschreiben:

Er is één zekerheid in het hele bestaan van de schepping; en dat is dat alles zijn einde kent.

Wörtlich etwa „Buchseiten“: Statt Lebensbuch ließe sich wohl auch Weltchronik sagen, wobei für Theokraten („es steht geschrieben“) der Lauf der Welt ja immer bereits fest steht. Wichtiger wohl für das Hier und Jetzt, dass man ihr „eine großzügige Chance gewährt“. Islamisten denken sehr sozial.

Denn es gibt eine Gewissheit im Universum, und die ist, dass alles sein Ende hat.

Dezent werden wir auf unseren Tod hingewiesen, wird Hirsi Ali auf ihren Tod hingewiesen. Eingeschlossen sicherlich die leichte Andeutung, dass der Tod bei Fehlverhalten auch sehr bald „eintreten“ mag. Zudem ein morbider Zug, wir ahnen den Einstieg in eine nun folgende todesverliebte Reihung von Argumenten der lebensverachtenden islamischen Fetischisten des militärischen Dschihad.

Een kind dat ter wereld komt en met zijn eerste levenskreten zijn aanwezigheid in dit universum vult, zal uiteindelijk met een doodskreet deze wereld verlaten.

Ein Kind, das geboren wird und mit seinem ersten Schrei seine Anwesenheit in diesem Universum kundtut, wird schlussendlich mit seinem Todesschrei diese Welt verlassen.

Aha, jetzt wird`s existenzialistisch. Inhaltlich nicht ganz falsch aber grenzenlos geschmacklos bei beibehaltenen Untertönen eines zum Mord bereiten Bedrohens gegen die Politikerin Hirsi Ali. Fundamentalistischer Islam ist Manichäismus in Reinstform, vollendeter Weltekel.

Een grasspriet die uit de donkere aarde zijn kop opsteekt en die vervolgens door het zonlicht wordt gestreeld en door het neervallende regen wordt gevoed, zal uiteindelijk verwelken en tot stof vergaan.

Ein Grashalm, der sich anschickt, aus dunkler Erde seinen Kopf dem Sonnenlicht entgegen zu strecken und der durch niederfallenden Regen genährt wird, wird letztlich welken und zu Staub zerfallen.

Zu Staub zerfallen, in den Staub treten sind im Orient seit der Zeit der Pharaonen und persischen Despotien beliebte Floskeln, um politische oder soziale Ohnmacht auszudrücken. Sklavenhalter nicht im Staub, Sklave im Staub. Herrenvolk im sexuell aktiven und ohne Frage staubfreien Paradies, Dhimmis zu Staub zerrieselt.

Grashalm. Regen. Man sage nicht, Naturpoesie und Islamkritikermord gingen gar nicht zusammen. So viel zur islamischen Naturpoesie.

De dood, mevrouw Hirshi Ali, is het gemeenschappelijke thema van alles wat bestaat. U, ik en de rest van de schepping kunnen ons niet aan deze waarheid loskoppelen.

Der Tod, sehr geehrte Frau Hirshi Ali, ist das existenzbestimmende Grundthema allen Seins. Sie, ich und der Rest der Schöpfung können uns nicht von dieser kosmischen Wahrheit abkoppeln.

Vanitas vanitatis, geradezu barock. Oder einfach nur lebensmüde? Dazu das quasi hörbare Geräusch des bedrohlichen Messerwetzens. Dürfte alle Kriterien von schwerstem und glücklicherweise inzwischen strafbaren „Stalking“ erfüllen. Obwohl ja nur über den Tod gesprochen wird. Man wird doch noch über den Tod sprechen dürfen.

Wir sehen: Radiale Muslime sind Stalker und Sadisten und Hasser des Lebendigen.

Er zal een Dag komen waarop de ene ziel de andere ziel niets kan baten. Een Dag dat gepaard gaat met verschrikkelijk martellingen en kwellingen. Een Dag dat de onrechtvaardigen afschuwelijke kreten uit hun longen persen. Kreten, mevrouw Hirshi Ali, die rillingen over iemands rug zullen veroorzaken; dat de haren op de hoofden rechtovereind doet staan. Mensen zullen dronken worden gezien (van angst) terwijl zij niet dronken zijn. ANGST zal op die Grote Dag de atmosfeer vullen:

Der große Tag. Und der Tag wird kommen, an dem die eine Seele der anderen nicht helfen kann. Ein Tag, an dem schrecklichste Folter und Qual allgegenwärtig ist. Ein Tag, an dem aus den Lungen der Ungläubigen abscheuliche Schreie herausgepresst werden. Schreie, sehr geehrte Frau Hirshi Ali, die jedem von uns Schauer über den Rücken laufen lassen, sodass die Haare auf dem Kopf vor Schreck senkrecht abstehen. Menschen werden wie betrunken sein (vor Angst) während sie keinen Wein getrunken haben. ANGST wird an diesem großen Tag den Raum erfüllen.

Koranischer Liebreiz. Und nicht vergessen: Allah ist schön.

Wanneer de zon opgerold wordt. En wanneer de sterren vallen. En wanneer de bergen bewogen worden. En wanneer de drachtige kamelen achtergelaten worden. En wanneer de zeeën tot koken gebracht worden. En wanneer de zielen verenigd worden. En wanneer het levend begraven meisje ondervraagd wordt. Voor welke zonde zij gedood werd. En wanneer de bladen opengeslagen worden. En wanneer de hemel afgestroopt wordt. En wanneer de Djahim (de Hel) ontstoken wordt. En wanneer het Paradijs nabij gebracht wordt. Dan weet een ziel wat zij verricht heeft. (81:1-14)

Der Tag: Wenn die Sonne zur Seite gerollt wird. Wenn die Sterne stürzen. Wenn die Berge wandern. Wenn die trächtige Kamelstute zurückgelassen wird. Wenn die Seen zu kochen beginnen. Wenn die Seelen versammelt werden. Wenn die lebend begrabenen Mädchen befragt werden, um welcher Sünde willen sie getötet worden waren. Der Tag, an dem die Bücher aufgeschlagen werden. An dem der Himmel abgestreift wird. An dem das Höllenfeuer entfacht wird. Und an dem das Paradies herangebracht wird. Das ist der Tag, an dem jede Seele spürt, was sie verrichtet hat (81:1-14).

Trauriges Ergebnis kindlicher seelischer Traumatisierungen. Mohammeds Betriebsgeheimnis halt. Ach so, gibt es auch nachzulesen, in Sure 81 Vers 1-14.

Historisch ging mit Mani und Mohammed die altorientalische Weltheimischkeit endgültig zum Teufel. Oder auch zu Allah. Heutzutage, zumindest in einer funktionierenden Demokratie, sollte so ein Weltgefühl als vormodern erscheinen. Zusätzlich als eine ziemlich schwarze Pädagogik und eigentlich als ungeeignet für Dr. Schäubles hartnäckig anvisierten islamischen Religionsunterricht sowie für die Studentenausbildung an der ersten islamischen Hochschule Dänemarks.

Wo kommen eigentlich die lebendig begrabenen sündigen Mädchen her? Bestimmt aus der Zeit der vorislamischen „Unwissenheit“?

Op die Dag vlucht de mens van zijn broeder. En van zijn moeder en zijn vader. En van zijn vrouw en zijn kinderen. Een ieder van hen zal op die Dag een bezigheid hebben die hem genoeg is. Gezichten (van de ongelovigen) zullen op die Dag met stof bedekt zijn. En een duisternis zal hen omhullen. Zij zijn degenen die de zondige ongelovigen zijn. (80:34-42)

An diesem Tag flüchtet ein jeder vor seinem eigenen Bruder. Und flüchtet der Mann vor seiner Ehefrau und seinen Kindern. Denn jeder von ihnen wird an diesem Tag die Quittung bekommen, die ihm gerechterweise zukommt. Gesichter (der Ungläubigen) werden mit Staub bedeckt sein. Und eine Finsternis wird sie einhüllen. Denn sie sind diejenigen, die wir die sündigen Ungläubigen nennen.

Totenhund Anubis plus Göttervernichter Echnaton plus Extremdualist Mani gleich Kindersexfreund Mohammed. Ach so, die Ummah hat immer recht und der Islamkritiker immer unrecht. Islam ist eine sehr logischer Kult.

U als ongelovige extremist gelooft natuurlijk niet in de bovenstaande beschreven scène. Voor u is het bovenstaande slechts een verzonnen dramatisch stukje uit een Boek zoals velen. En toch, mevrouw Hirshi Ali, durf ik mijn leven ervoor te wagen om te beweren dat het ANGSTZWEET u uitbreekt wanneer u dit leest.

Sehr geehrte Frau Hirshi Ali, Sie, als ungläubiger Extremist, glauben natürlich nicht an die hier geschilderte Szene. Für Sie ist diese Schilderung des Tages des Weltendes nichts als ein märchenhaft unterhaltsames Bühnenstückchen aus einem von vielen Büchern. Und doch, liebe Frau Hirshi Ali, wage ich es, mein Leben dafür zu verwetten, dass Ihnen jetzt der ANGSTSCHWEISS ausbricht.

Muslime unter sich. Also bitte, sofern Muslim, niemals den Zeigefinger auf sich gerichtet sehen mit dem Schrei „Bid’a, Fitna, Takfir, Ridda!“ Läuft allerdings meistens nonverbal, so einen aufwändigen Drohbrief bekommt man nicht so rasch, schon gar nicht als Frau. Söhnchenfabriken nämlich, das heißt Frauen und Töchter, werden ehrenhalber ermordet. Auch das nonverbal.

Islam macht nicht viele Worte. Redet nicht drumherum. Kommt zu Sache.

Ayaan Hirsi Ali hat einen vertrauten Menschen verloren, mit dem sie einen tiefgründigen Film geschaffen hat. Jetzt beginnt die Hatz auf sie, die islamische Treibjagd gegen jeden Apostaten. Da darf krimineller Psychoterror wie „ich wette, Sie spüren jetzt große Angst, nicht wahr“ keinesfalls fehlen.

U, als ongelovige fundamentalist, gelooft natuurlijk dat er geen Oppermacht is die het hele universum bestuurt. U gelooft niet dat uw hart, waarmee u de waarheid verwerpt, vóór elke tik toestemming moet vragen aan deze Oppermacht om te kloppen. U gelooft niet dat uw tong waarmee u de Leiding van deze Oppermacht ontkent onderhevig is aan Zijn wetten. U gelooft niet dat leven en dood door deze Oppermacht wordt geschonken.

Sie als ungläubiger Fundamentalist zweifeln selbstverständlich an der Existenz der Allmacht, die das Universum lenkend beherrscht. Sie glauben nicht, dass Ihr Herz, mit dem Sie die Wahrheit verwerfen, für jeden Herzschlag die Zustimmung bei Allah dem allmächtigen erst erbeten muss. Sie glauben nicht, dass Ihre Zunge, mit der Sie die Existenz der Allmacht frech bestreiten, dem heiligen Regelwerk Gottes tributpflichtig ist. Sie glauben nicht daran, dass jedes Leben und jedes Sterben ein Geschenk dieser Allmacht, ein Geschenk des Allmächtigen ist.

Die Formulierung „ungläubiger Fundamentalist“, weiter oben bereits gefallen, sei uns hier einmal von Interesse: Der zu erwartende Vorwurf, verbissen textgläubige Koranfreunde seien „Fundamentalisten“, wird einfach einmal in das Feld des Gegners geschoben. Dschihadistische Gemeinwesenarbeit sozusagen und dabei von sportiver Risikofreude: Mal gucken, wie die mediale und politische Öffentlichkeit so reagiert, es wird beim nichtmuslimischen islampolitischen Gegner schon „`was hängen bleiben“, es wird der Dschihad der Rufschädigung schon irgendwie … erfolgreich sein. Der Islamkritiker sei Fundamentalist.

Als u daadwerkelijk in dit alles gelooft, dan moet de volgende uitdaging voor u geen belemmering zijn.

Wenn Sie aber wirklich glauben, was Sie zu glauben vorgeben, dann wird Ihnen die symbolische wiewohl ultimative Aufforderung zum Zweikampf, die dieser Brief bewusst darstellt, kein Hindernis auf Ihrem fortgesetzten, ungestümen und wirklichkeitsblinden Weg des Frevelns sein können.

Ik daag u met deze brief dan ook uit om uw gelijk te bewijzen. U hoeft er niet veel voor te doen:

Also fordere Sie mit diesem Schreiben auf, zu beweisen, dass Sie mit Ihrer mir als hässlich erscheinenden Meinung Recht haben. Und so vieles und so schwierig ist es ja gar nicht, was Sie jetzt tun müssen:

Mevrouw Hirshi Ali: WENST de DOOD als u werkelijk van uw gelijk OVERTUIGD bent.

Liebe Frau Hirsi Ali, WÜNSCHEN Sie sich den TOD, wenn Sie wirklich von Ihrem Ansinnen ÜBERZEUGT sind.

„Der Tod ist dann besser für Sie, damit Sie andere Muslime, zumal Schulkinder, nicht länger verführen. Außerdem ist der Tod jetzt in Ihrem Interesse, da er Ihnen Aufklärung und Einsicht darüber verschafft, ob Sie mit Ihrer Weltbetrachtung Recht haben. Zuletzt: Ein anständiger Mensch hat den Tod ja nicht zu fürchten. Sehen Sie selbst.“

Neemt u deze uitdaging niet aan; weet dan dat mijn Meester, de Meest verhevene, u heeft ontmasterd als een onrechtpleegster.

Nehmen Sie diese Herausforderung aber nicht an, dann seien Sie gewiss, dass mein Meister, der Allerhöchste, Sie als eine vom wahren Glauben Abgefallene erachtet und dass Gott Allah Sie in dieser Sekunde bereits öffentlich demaskiert und allen Menschen als Ketzerin erkennbar gemacht hat.

Ich vermute, dass der mit Mord Bedrohten mit dieser Formel als letzter Ausweg der Suizid nahe gelegt wird, um der unendlichen Schande, als Apostatin angesehen und angeschrien zu werden, zu entgehen.

‘Wenst dan de dood, als jullie waarachtig zijn.’ Maar zij zullen hem (de dood) nooit wensen, vanwege wat hun handen (aan zonden) hebben voortgebracht. En Allah is Alwetend over de onrechtplegers. (2:94-95).

„Gläubiger, wünsche dir den Tod und fürchte ihn nicht, sofern du aufrichtig gelebt hast.“ Sie aber (die Sünder) werden den Tod nicht wünschen sondern sehr wohl fürchten aufgrund all dessen, was Ihre Hände (an Sünden) verursacht haben. Und Allah ist allwissend in Bezug auf die, die Unrechtes verüben (2:94-95).

Om te voorkomen dat mij hetzelfde zou kunnen worden verweten als u, zal ik deze wens vóór u wensen:

Und um der Unterstellung zuvorzukommen, dass ich genau so unmoralisch handeln würde wie Sie es zu tun pflegen werde ich die genannten Maßstäbe an mich selbst anlegen, werde ich diesen Ihnen anempfohlenen Wunsch zu sterben für mich selbst wünschen:

Mijn Rabb, schenk ons de dood om ons te verblijden met het martelaarschap. Allahoemma Amien.

Allah, mein Herr und Meister! Gewähre uns die Gnade des Todes, um uns in die Reihen der edlen Märtyrer aufzunehmen. Allahs Segen möge auf uns kommen.

Der Dschihadist hat den Tod nicht zu fürchten, der Ungläubige sehr wohl.

Attentäter Bouyeri etwa musste sehr damit rechnen, von Polizisten erschossen zu werden. Der 26-jährige hatte seine Flucht jedenfalls gar nicht vorbereitet, so dass zu vermuten ist, dass er, ganz im Stil der HAMAS-Selbstmordattentäter oder der Islamisten von „nine-eleven“ an den radikalislamischen Direkteinstieg ins Paradies als Märtyrer hoffte. Einen Abschiedsbrief, inhaltlich völlig verschieden von dem hier besprochenen „offenen Brief“ oder Bekennerschreiben oder Drohbrief an Ayaan Hirsi Ali führte er mit sich.

Mevrouw Ayaan Hirshi Ali en de rest van de extremistische ongelovigen: de Islam heeft de vele vijandigheden en onderdrukkingen in de Geschiedenis doorstaan. Telkens wanneer de druk op de Islam werd opgevoerd is hierdoor slechts het vuur van het geloof aangewakkerd. De Islam is als een afgestorven plant, die de jarenlange druk en extreem hoge temperaturen tot een diamant wordt gevormd. Een afgestorven plant dat door de grillen van de tijd gevormd wordt tot de sterkste edelsteen op deze aarde. Een edelsteen waarop de hardste moker zich kapot slaat.

Sehr geehrte Frau Hirshi Ali, sehr geehrter Rest der extremistischen Ungläubigen! Der Islam hat in seiner leidvollen Geschichte schon viele Feindseligkeiten und Unterdrückungen durchgestanden. Doch jedes Mal, wenn der brutale und niederträchtige Druck auf den Islam ausgeübt wurde, ist das Feuer des Glaubens in den Herzen der Muslime nur umso stärker entfacht worden. Der Islam gleicht einer abgestorbenen Pflanze, die durch jahrhundertelangen Druck und höchste Temperatur zu einem Diamanten geformt worden ist. Eine abgestorbene Pflanze, durch die Widrigkeiten der Zeit zum widerstandsfähigsten Edelstein dieser Welt geformt: Ein Edelstein, auf dem sich der härteste Kritiker kaputtschlagen wird!

Diese letztgenannte, manichäisch-antike und vor allem verlogene Denkfigur soll uns Demokratiefreunden und Islamkritikern ganz wichtig sein zu verstehen: Der ewige und gerechte Islam bewege sich nicht, er sei passiv-unschuldig, klar und rein, der finstere Kritiker jedoch von Koran und Hadithen verwandle sich, ohne Frage vom Satan motiviert (ersatzweise reiche wohl auch ein Jude) zum brutalen und hasserfüllten Aggressor, der letztlich seinen gerechten Tod selbst herbei führe.

Dieser Unschuldblick, diese Kulleraugen: „Ich habe doch gar nichts getan!“ Bestens geeignet zum islamlogischen oder zumindest dschihadistischen Vertauschen von Täter und Opfer.

Diese Krokodilstränen eingangs: „In einer Welt voller Feinde!“ Das ist wohl schon fast autistisch. Radikale Muslime „denken“ so, möglicherweise hat Mohammed bereits so ähnlich empfunden.

AYAAN HIRSHI ALI JE ZAL JEZELF STUK SLAAN OP DE ISLAM!

AYAAN HIRSHI ALI, SIE WERDEN SICH SELBST AUF DEM ISLAM IN STÜCKE SCHLAGEN!

Die Todesdrohung. Die ernst gemeinte (Großbuchstaben) Morddrohung. Zugleich Vertauschung von Täter und Opfer gemäß der dschihadistischen, („effizienten und effektiven“) Islamlogik. Der Islam, ich wiederhole es, bewege sich in sanfter Schuldlosigkeit nicht, Frau Hirsi Ali aber sei die brutale Angreiferin, die ein „gerechtes“ Schicksal zu erwarten habe. Soweit auch zum Begriff der von Islamfunktionären so gerne eingeforderten „Gerechtigkeit“ gewisser Dialogforen, Integrationsgipfel und Islamkonferenzen.

U en uw kompanen weten heel goed dat de huidige Islamitische jeugd een ruwe diamant is dat slechts moet worden geslepen, zodat het haar aldoordringend licht van de Waarheid kan verspreiden. Uw intellectuele terrorisme zal dit niet tegenhouden, integendeel het zal dit alleen maar bespoedigen.

Sie und Ihre fragwürdigen Mitstreiter wissen sehr genau, dass die derzeitige islamische junge Generation wie ein roher Diamant ist, der einfach nur noch geschliffen werden muss, damit sein alldurchdringendes Licht der Wahrheit sich weltweit ausbreiten kann. Und auch Ihr intellektueller Terrorismus wird dem nichts entgegenhalten können, im Gegenteil wird er die schicksalshaft erfolgreiche Arbeit dieser islamischen Jugend noch begünstigen, nämlich beschleunigen.

„Eh, Chef, dann könnten wir die Frau ja eigentlich leben lassen, wenn ihr geistiger Terrorismus die weltweite Islamisierung doch letztlich unterstützt?!“

Wieder das Gleichnis vom hellen, „islamisch leuchtenden“ Diamanten vor dem „satanischen und islamkritischen“ dunklen Bühnenhintergrund der Weltkulisse. Jetzt aber steht weniger die unbesiegbare Härte im Vordergrund sondern das vom künftig, nach dem „Schleifvorgang“, nach dem „Schliff“ brillierende, gewaltig ausstrahlende, reine und reinigende „Licht des Glaubens“.

Ein „Licht“ der Welteroberung, das für Demokraten oder andere Ungläubige nichts Gutes zu verheißen hat, jedenfalls solange man die Beschädigung der seelischen und körperlichen Unversehrtheit nicht als gut bezeichnen mag.

Lichtsymbolik und Islam: Eine dualistische oder manichäische Religionsauffassung wird sich der Metapher Licht geradezu zwangsläufig zu bedienen haben. Und dabei die „Welt des Unglaubens“, dem kontrastreich abgesetzten lichtlosen Hintergrund entsprechend, sinnzeichenhaft und kaum bewusst „verdrecken und verfinstern“, namentlich den dämonischen Frauenkörper der koranischen und islamischen Mysogynie und den satanischen jüdischen Einfluss des traditionellen islamischen Antisemitismus.

Das Sinnzeichen eines jüdischen oder christlichen oder buddhistischen „Lichtes“ ist da wohl wesentlich menschlicher, milchiger, wie ein sanfter Frühsommermorgen oder wie das Leuchten eines heimelige und heimatliche Atmosphäre schaffenden Kerzenleuchters in einem nach Aussöhnung strebenden Weltganzen, das den Menschen als Ebenbild der Gottheit weiß und keine Menschenopfer mehr fordert. Im radikalen Islam jedoch gleicht die Strahlkraft Allahs eher einem erschreckenden Blitz oder einem alles Material zerschneidenden Laserstrahl und sind „Verlierer“ vorgesehen.

Gewinner und Verlierer im Manichäismus. An vielen Stellen im Koran schreien sie qualvoll und entsetzt in der „Hölle“, die Ungläubigen, es „muss“ sie also geben. Ohne Frage auch in deiner Stadt, in deiner Straße.

Menschenopfer sind in Sunna, Scharia und Islam vorgesehen und werden von Zeit zu Zeit inszeniert werden „müssen“, um Angst beziehungsweise sadistische Genugtuung zu erzeugen, um den unbequemen Glauben inklusive Islam-Expansion (Dar al-Islam, weltweit) und Scharia-Staat (Kalifat) plausibel zu machen. Wie sagte doch eine nordrhein-westfälische Grundschulpädagogin so islamisch-spirituell: „Wenn alle hundert Jahre eine Ehebrecherin gesteinigt wird, vielleicht werden dann ganz viele Ehen gerettet!“

De Islam zal zegevieren door het bloed van de martelaren. Het zal haar licht verspreiden in elk donkere hoek van deze aarde en het zal het kwaad desnoods met het zwaard terugdrijven naar zijn duistere hol.

Der Islam wird durch das Blut seiner Märtyrer den triumphalen Sieg davon tragen. Der Islam wird sein Licht bis in jeden dunklen Winkel dieser Welt hinein erstrahlen lassen und wird, nötigenfalls mit dem Schwert, alles Übel zurücktreiben in seinen finstersten Abgrund.

„Gib Satan keine Chance. Herrlich!“ Sich wollüstig suhlen in orgiastischer Gottesbegeisterung. Der muslimische Asket und Theokrat lässt die Sau raus. Sozusagen. Auch mal mit scharfer Schwertklinge. Nötigenfalls.

Das „Schwert“ des Islam schmückt die Fahne Saudi-Arabiens. Und durchtrennt auch schon mal, so Allah will, die blutsverpritzenden Hälse von Missetätern. Nötigenfalls.

Deze losgebarsten strijd is anders dan alle voorgaande strijden. De ongelovige fundamentalisten zijn ermee begonnen en Insha Allah zullen de ware gelovigen deze eindigen. Er zal geen genade voor de onrechtplegers zijn, slechts het zwaard wordt tegen hen opgeheven. Geen discussie, geen demonstraties, geen optochten, geen petities: slechts de DOOD zal de Waarheid van de Leugen doen scheiden.

Dieser entbrannte Kampf ist grundsätzlich anders als die Kämpfe der Menschheitsgeschichte. Begonnen haben ihn die ungläubigen Fundamentalisten und, so Allahgott will, werden die Rechtgläubigen den Sieg davontragen. Dann wird keine Gnade für die Missetäter sein, nur noch das richtende Schwert ist es, das ihnen zuteil wird. Keine Diskussionen mehr, keine Gerichtsverhandlungen mehr, keine Aufrufe oder Demonstrationen, keine Bittschriften: Einfach der TOD wird es sein, der die Wahrheit von der Lüge ein für alle Mal scheidet.

Das alte Theater kranker (zoroastrischer und) manichäischer Dogmatik: Die gute Gottheit wird einst Licht und Finsternis entwirren, Moral und Sünde klärend voneinander scheiden und damit diese Welt des trügerischen Anscheins beenden. Dann Höllenfeuer und Sünder auf kleiner Flamme genießerisch rösten. Mit Harald Strohm („Die Gnosis und der Nationalsozialismus“) ließe sich sagen: Auch Antisemit Adolf Hitler betätigte sich manichäisch. Die Verwirrung klären.

Seit Mani oder auch Zarathustra, vielleicht schon mit Echnaton ist der Orient an einem spezifischen Hass auf die Erde, die Gegenwart und das Leben erkrankt. „Erde“ ist natürlich „Frau“ und ungezeugter wiewohl allzeugender Geistgott die Entsprechung der patriarchalen Verhältnisse auf Erden.

„Ihr liebt das Leben, wir lieben den Tod“ lässt al-Qaida verlauten. Problem für Demokraten: Die Krieger Allahs glauben das wirklich. Und bedeutende Teile der islamischen Geistlichkeit lehren mit entsprechendem frauenhassenden Unterton (islamspirituelle Vergewaltigung als Zügelung des Satans), dass das Irdische nichts als Mittel zum paradiesischen Zweck sei.

Radikale Muslime rufen zum immer neuen Sturz der „ungläubigen“ Regierung auf.

Junta und Putsch verorten wir in Lateinamerika. Es gibt auch eine dschihadistische Kultur von Junta und Putsch. Die „islamrevolutionären“ Juntas der Dschihadisten. Der Putsch des Installierens von Scharia.

Problem für Muslime: Eine andere, lebensbejahende Geistlichkeit findet sich derzeit weltweit noch kaum. Und indem sie die Demokratie als Frevel gegen Allah sehen muss, wird die jahrhundertealte islamische Verachtung alles Irdischen und Menschengemachten zur Bedrohung für die kulturelle Moderne.

Ein nachhaltiges Leben in politischer, religiöser und sexueller Selbstbestimmung wird es für dich und mich mit dem derzeitigen Islam leider noch nicht geben können. Deshalb brauchen Demokratien vorläufig noch keinen islamischen Religionsunterricht an öffentlichen Schulen zuzulassen.

Zeg: ”Voorwaar, de dood die jullie trachten te voorkomen zal jullie zeker vinden, daarna zullen jullie worden teruggevoerd naar de Kenner van het onwaarneembare en Hij zal jullie dan mededelen wat jullie plachten te doen.” (62:8.).

Sprich: „Wahrlich, der Tod, magst du ihn auch noch so sehr verabscheuen, wird dich gewisslich anfinden und sodann wirst du zurückgeführt werden zum Allmächtigen, zum großen Wissenden des Unerkennbaren, und Er wird dir dann mitteilen, was dich erwartet“ (62:8.)

Dualistischer Monotheismus halt. Sündenbemessendes Seelenwiegen, Anubis und so. Nicht zwangsläufig ein hochneurotisches, perverses Traumbild. Das weltweit bekannte alte Kinderspiel „Himmel und Hölle“ hüpfender kleiner Mädchen gefällt auch unseren muslimischen Terroristen. Alles in allem doch ein bisschen lebensmüde.

En zoals een groot Profeet ooit heeft gezegd:

Und so wie ein großer Prophet sagte:

”En ik weet zeker dat jij, O Pharao, ten onder gaat.” (17:102).

Ich weiß sicher, dass du, o Pharao, untergehen wirst! (107:102)

Pharao. Präsident Sadat erkannte 1977, nach seiner Beteiligung am Jom-Kippur-Krieg vom Oktober 1973, in dem es Sadat um die Rückgewinnung des Sinai ging, in seiner Rede vor der Knesset das Existenzrecht des Staates Israel an. Staatsmann Muhammad Anwar as-Sādāt erhielt 1978 gemeinsam mit Menachim Begin den Friedensnobelpreis. Am 6. Oktober 1981 aber wurde Sadat von Mitgliedern des „Islamischen Dschihad“ erschossen, die mittlerweile die Armee unterwandert hatten. Einer der drei Attentäter, Leutnant Khaled al-Islambouli jubelte: „I killed the Pharaoh, I killed the Pharaoh!“

Präsident oder Pharao, für Freunde des politischen Islam ist das einerlei. Nicht Djoser, Snofru, Cheops oder Chephren. Sondern der für seinen Einsatz für Schulbildung und Gesundheitsfürsorge kämpfende Fellachensohn Sadat, der wenige Monate vor dem Attentat Massenverhaftungen an aus seiner Sicht gewaltbereiten Dschihadisten hat vornehmen lassen, was unter Ägyptens Islamisten erklärlicherweise für lodernden „islamischen“ Hass sorgte. Wahrscheinlich hatte Sadat sogar recht und die „frommen“ Islamisten haben wirklich auf einen Staatsstreich in Ägypten hingearbeitet. Und vermutlich tun sie es immer noch.

Pharao ist, für jeden Muslim verständlich, der Herrscher des Reiches des Unglaubens, ein Stellvertreter Satans mithin. Mehrere koranische Suren klauen oder jedenfalls verwenden die jüdische Geschichte von Moses in Ägypten und dem Pharao. Nur dass Koran wie Islam jüdische Männer wie Moses (und Aaron und Joseph) beschlagnahmt und ebenso nachträglich als auch ungebeten zu Muslimen macht.

Islamlogik: Alle Menschen sind Muslime, die meisten jedoch sind darüber unwissend oder auch verlogen, Juden, Buddhisten, Christen und so weiter, sie sind Muslime, wissen es bloß nicht. So gesehen: Du kannst eigentlich gar nicht zum Islam kon-vertieren als vielmehr lediglich re-konvertieren. Jesus war Muslim. Lieber Leser, auch du bist also eigentlich Muslim. Rückfragen an Bouyeri.

„Die Zeit der Unwissenheit.“ Die Sprengung der Buddha-Statuen von Bamyan: Die Überreste der regionalen vorislamischen Kultur des buddhistischen Zentralafghanistans „zu Staub“ vernichten. Den Präsidenten ermorden: Sadat ist kein Kalif und will nicht die ganze Scharia implementieren, damit ist seine Herrschaft also „pharaonisch“, das heißt nicht rechtgemäß, seine Ermordung ein Dschihad, ein gottgefälliges Werk.

Kampf der weltweiten Muslimbruderschaft oder der IGMG (Milli Görüs) gegen die Demokratie: Die „sittlich minderwertige“ Lebensform siegreich überwinden.

UN, EU, BRD, alles „Pharao“.

Zo willen wij ook gelijknamige woorden gebruiken en deze voor ons uitsturen, zodat de hemelen en de sterren dit nieuws op zullen pikken en dit als een vloedgolf over alle uithoeken van het universum zullen verspreiden.

So möchten wir auch gleich lautende Worte verwenden und sie vor uns aussenden, sodass alle Himmel und alle Sterne diese Botschaft aufsammeln können und sie weiter tragen wie einen Flutstrom bis in die entlegensten Winkel des Weltalls.

Jetzt lässt er sogar die Sterne für seine Propaganda arbeiten. Etwas größenwahnsinnig. Ach so, es wird gar nicht fromm, es wird bedrohlich und greift die Sache mit dem „Pharao“ auf. Nun gut, wer also soll denn bedroht werden?

”Ik weet zeker dat jij, O Amerika, ten onder gaat.”

„Ich weiß sicher, dass du, o Amerika, dann untergehst!“

Der große Satan. Die Vereinigten Staaten also. Kein Kalifat, keine Zukunft. Die Amerikaner hätten eigentlich längst drauf kommen müssen.

”Ik weet zeker dat jij, O Europa, ten onder gaat.”

„Ich weiß sicher, dass du, o Europa, dann untergehst!“

„Ehh, Chef, du hast Israel vergessen!“ Sei`s drum: Europa Zukunft ist, solange die Scharia noch nicht gilt, keinen Pfifferling wert.

”Ik weet zeker dat jij, O Nederland, ten onder gaat.”

„Ich weiß sicher, dass du, o Niederlande, dann untergehst!“

Wozu ist man auch in den Niederlanden geborener Sohn marokkanischer Eltern? Mein lieber Herr Kulturrelativist: Die parlamentarische Arbeit verhöhnt Gott. Seien wir tolerant gegenüber den Migranten.

”Ik weet zeker dat jij, O Hirshi Ali, ten onder gaat.”

„Ich weiß sicher, dass du, o Hirshi Ali dann untergehst!“

”Ik weet zeker dat jij, O ongelovige fundamentalist, ten onder gaat.”

„Ich weiß sicher, dass du, o ungläubiger Fundamentalist, dann unter gehst!“

Hasboena Allah wa ni3ma alwakeel Ni3ma alMawla wa Ni3ma anNasseer

Hasboena Allah wa ni3ma alwakeel Ni3ma alMawla wa Ni3ma anNasseer

Saifu Deen alMuwahhied

Signatur eines phantasievollen Kunstnamens, der sich als „Schwert der Religion des wahren Monotheismus“ oder „Schwert des Glaubens, Bekenner des Tawhid“ übersetzen lässt. Vielleicht ein Autorenkollektiv unter Beteiligung Bouyeris. Tawhid oder tauhid ist die islamische Auffassung von Monotheismus bzw. Eingottglaube, Muwahhid موحد‎, ist das arabische Wort für Monotheist, “Bekenner des Tawhid, Bekenner der Unantastbarkeit und Unteilbarkeit Gottes.

[Ende des Drohbriefes]

Im zu neunzig Prozent von Migranten bewohnten Amsterdamer Stadtviertel Slotervaart war Bouyeri lange Zeit in der lokalen Gemeinwesenarbeit (Nachbarschaftsplattform „Eigenwijks“) als kooperativer und engagierter junger Mann bekannt und hörte sich durchaus geduldig die zahlreichen (berechtigten) Klagen über das Fehlverhalten marokkanisch-stämmiger „Jugendlicher“ an. Er tritt für ein neues Jugendzentrum im Stadtviertel ein, das aber von der Stadtverwaltung nicht genehmigt wird.

Vor ein paar Jahren ist ein altes Jugendzentrum besetzt worden und es gab Schlägereien mit der Polizei. Als Jugendlicher soll Bouyeri in jenen Jahren dann und wann mal ein Glas Bier getrunken haben oder einen Joint geraucht. Ein völlig normales Leben, sagen Bekannte.

Gegen die Umbaupläne des Mietshauses indessen, überwiegend von älteren Allochthonen („Weißen“) bewohnt, macht Bouyeri plötzlich Front: Die Wohnzimmer wären dann einsehbar und die (muslimischen) Frauen könnten nicht mehr ungesehen in die Küche gehen.

Und dann, 2003, änderte sich sein Verhalten sehr auffallend. Bouyeri betete eines Tages so laut im Nachbarraum der Gemeinwesenarbeit, dass die Versammlung abgebrochen werden musste. So etwas wie eine gebetete Provokation, lokalpolitisches Beten. Wie aus Kontemplation und persönlicher islamischer Spiritualität islamische Politik wird.

Bouyeri trägt nur noch die Dschellaba, das traditionelle Gewand. Er weigert sich, Frauen die Hand zu geben. Seiner Schwester droht er einmal mit Mord, da sie mit einem „Ungläubigen“ ausgegangen sei. Ein anderes Mal rief er bei einer Versammlung der Nachbarschaftsplattform, offensichtlich zornig über die anwesenden „Ungläubigen“, die Propheten an und schrie „La ilaha illa`llah!“, „Kein Gott außer Allah“. Die Polizei nahm, wie nach dem Mord öffentlich bekannt wurde, in diesen Monaten der sichtbaren islamischen Radikalisierung Kontakt zum Geheimdienst auf, so groß war die Besorgnis. Das aber geschah also eineinhalb Jahre vor dem Mord.

Seit Beginn des Jahres 2002 hatte Bouyeri die Amsterdamer Tawhied-Moschee besucht (auch: Tawhid-; Tawheed-Moskee), in der er seinen Radikalisierungsprozess durchlebte. In der Tawhied-Moschee versammelten sich die Mitglieder der terroristischen „Haupstadtgruppe“ (so in Ermittlerkreisen benannt, „Hofstad-Groep“) wie Islamist Noureddine el-Fatmi. Dabei war Bouyeri alles andere als ein unauffälliger oder unbedeutender Gast: Einmal soll er zum Gebet angeleitet haben und einmal el-Fatmi bei einer Lesung assistiert haben.

Dann besorgte Bouyeri sich ein nepalesisches Khukri (Khukuri-Langmesser), eine Art von gekrümmter Machete, halb Werkzeug, halb Waffe, wie sie die auf die viktorianische Zeit zurückgehende englische Elitetruppe der Gurkhas verwendet. Und setzte seinen Entschluss, den Macher des islamkritischen Filmes „Submssion“ zu töten, in die Tat um.

Dann der Mord an van Gogh.

Der in Amsterdam geborene Muslim ermordet den aus der Verwandschaft des weltbekannten Malers Vincent van Gogh stammenden, unangepassten Zyniker und ätzenden Religionskritiker. Zwei Männer: Der Jüngere ermordet den Älteren, der 26-jährige den 47-jährigen. Der Zugewanderte ermordet den Ureinwohner, der Freund von Koran und Scharia den Atheisten, den Säkularen, den Demokraten. Der reale Krieger gegen die Meinungsfreiheit, der Dschihadist ermordet den symbolischen „Krieger“ für die Meinungsfreiheit, den Regisseur und Satiriker. Der Muslim tötet den Dhimmi. Korangemäß.

Am 2.11.2004 wurden im seit Längerem die Wirklichkeit verfälschenden ideologischen Glanzlack einer „multikulturellen niederländischen Gesellschaft“ erhebliche Risse erkennbar. Die Nation der Toleranz, jahrhundertelang Fluchtpunkt für Glaubensverfolgte aus ganz Europa, sieht sich plötzlich mit dem Problem einer in Teilen theokratischen, nämlich radikalislamischen jungen Generation von Einwanderern konfrontiert, die von Religionsfreiheit, Frauenrechten und Meinungsfreiheit nicht viel wissen will, an Scharia, Tschador und Kalifat aber größtes Interesse zeigt.

In den Tagen nach dem 2. November 2004 wurden Menschen mit europäischen Gesichtern in allen Straßen rund um die Tawhied-Moschee mit gezielten Steinwürfen vertrieben. Kontakt zu den „Weißen“ (den Autochthonen) ist, so dürfen wir die fliegenden Steine getrost interpretieren, seitens der „Schwarzen“ (der Allochthonen, gemeint sind eigentlich: Muslime aus Nordafrika, Pakistan und der Türkei), offensichtlich nicht erwünscht.

Vielleicht gelingt es dem jetzigen Stadtteilbürgermeister von Slotervaart, Ahmed Marcouch, der einen strengen Kurs gegen Jugendbanden und Islamismus verspricht, den 45.000 Einwohner umfassenden Stadtteil zu stabilisieren. Bis Ende 2008 soll sein Aktionsplan messbare Erfolge zeigen.

Die niederländische Journalistin Margalith Kleijwegt hat ein Jahr lang den Amsterdamer Stadtteil, in dem Bouyeri seine Kindheit und Jugend verbracht hat, besucht und ein Buch über die explosiven Probleme von Slotervaart geschrieben („Onzichtbare ouders“, deutsch als: „Schaut endlich hin!“) Ein Buch, das sich vor allem mit der Rolle der nichtintegrierten Eltern, wie sie treffend sagt: Der „onzichtbare“, d.h. „unsichtbaren“ Eltern der Generation der radikalislamischen oder auch „einfach nur“ kriminellen jungen Männer befasst. Eingewanderte Eltern, die seelisch immer noch eher in ihren patriarchalen Dörfern an der Grenze zu Algerien oder im Hohen Atlas „zu Hause“ sind denn in einer Demokratie mit Frauenrechten, Religionsfreiheit und Meinungsfreiheit.

Muslimische Eltern und muslimische Söhne. Wo sind eigentlich die Töchter?

Muslimische Eltern, oft arm gebliebene eingewanderte Eltern inzwischen „unerreichbarer und unbrauchbarer“ dörflicher Lebenswelten, die ihren meist arbeitslosen wiewohl islamisch-traditionell großspurigen Jungen längst keine Autorität mehr sind.

Muslimische junge Männer, die sich ihr Bedürfnis nach „Autorität“ beim Hassprediger holen, der den Untergang der demokratischen Niederlande und die Errichtung von Scharia und Kalifat sehnsüchtig herbeiwünscht. Der ihn wahrscheinlich herbeiführen wird, lassen wir Demokraten ihn tolerant gewähren.

Bürgermeister Ahmed Marcouch hat eine schwierige Aufgabe. Vielleicht ist er der richtige Mann für ein nachhaltig demokratisches Gemeinwesen namens Slotervaart. Wir wünschen es ihm – und uns.

Übersetzung ins Deutsche und Kommentare von Cees van der Duin vom islamkritischen Arbeitskreis Sägefisch, Roermond 2008

Quellen:

Das Opfer: Regisseur Theo van Gogh. Wikipedia:

http://de.wikipedia.org/wiki/Theo_van_Gogh_(Regisseur)

Der Täter, der zum Tatzeitpunkt 26jährige

gebürtige Amsterdamer Mohammed Bouyeri:

http://de.wikipedia.org/wiki/Mohammed_Bouyeri

http://www.vvd.nl/index.aspx?ChapterID=1851&ContentID=7636

http://images.zeit.de/text/2005/31/Van_Gogh_31

Die im Bekennerbrief Angesprochene und Bedrohte:

gebürtige Somalierin und Politikerin Ayaan Hirsi Ali:

http://de.wikipedia.org/wiki/Ayaan_Hirsi_Ali

http://ayaanhirsiali.web-log.nl/ayaanhirsiali/deutsch/index.html

Der „offene Brief an Ayaan Hirshi Ali“, der Drohbrief. Wiedergabe des niederländischen und durch den Mörder Mohammed Bouyeri am Leichnam des Theo van Gogh befestigten Originals

http://www.parool.nl/nieuws/2004/NOV/05/brief2.html

http://www.militantislammonitor.org/article/id/312

Submission. Zum Film, bei Wikipedia:

http://de.wikipedia.org/wiki/Submission_(Film)

Submission. Ein Film von Ayaan Hirsi Ali und Theo van Gogh. Einzige öffentliche Vorführung am 29. August 2004.

http://video.google.com/videoplay?docid=5801910281431808038

http://video.google.com/videoplay?docid=-7106648073888697427

http://video.google.com/videoplay?docid=846339861805446088

Geert Wilders: Offizielle Anfrage, Herbst/Winter 2002

http://www.minbzk.nl/actueel/kamerstukken?ActItmIdt=4435

طاغوت, āğūt.

Zum Begriff Thaghoet (Taaghoet, satanische

Abirrung) „weiß“ die radikale Seite as-Siraat:

http://members.lycos.nl/assiraat/artikelen/Aqiedah/algemeen/betekenislaillahaillaAllah.htm

طاغوت, āğūt.

Wikipedia, niederländisch, zu „Thaghoet“:

„Thaghoet ist für extremistische Muslime

ein zentraler Begriff, um große Gruppen

von Menschen für ungläubig zu

erklären (…). Bekannt durch M. Bouyeri.“

http://nl.wikipedia.org/wiki/Thaghoet

DIE ZEIT 21/2007 zu Ahmed Marcouch, Bürgermeister von Amsterdam-Slotervaart

http://images.zeit.de/text/2007/21/Portrait-Marcouch

Journalistin Klijwegt: „Schaut endlich hin!“ Das explosive Stadtviertel Slotervaart:

http://www.amazon.de/Schaut-endlich-hin-Margalith-Kleijwegt/dp/3451298236

Schließt die radikalen Moscheen!

http://www.vvd.nl/index.aspx?ChapterID=1851&ContentID=7636

Uni Münster zur Situation in den Niederlanden:

http://www.uni-muenster.de/HausDerNiederlande/Zentrum/Projekte/NiederlandeNet/Dossiers/Politik/Vangogh/zwei_gesichter.html

Schäubles islamischer Religionsunterricht erschwert die Integration

April 5, 2008

صلح الحديبية

Vertrag von Hudaibiya,

Hudaibiya, Staatsvertrag mit Nichtmuslimen:

kann vom Imam jederzeit gebrochen werden

Ein Fach Islam ist

nicht schultauglich

Ein klares Nein zum

Islamischen Religionsunterricht

an staatlicher Schulen

Jacques Auvergne

Der traditionelle Islam folgt, nicht anders als die dynamischen fundamentalistischen Bewegungen, der bewährten Doktin der einstweiligen Anpassung. Im islamisch geprägten Teil der Zuwanderermilieus Westeuropas hat sich beides seit mindestens einer Generation intensiv verbunden, die Bildungsferne der oft dörflich geprägten Einwandererfamilien der Milieus der arrangierten Ehen mit den gut organisierten und moscheebetreibenden Kultur- und Sozialwerken. Dieses Amalgam aus Hinterwäldlerei und islamistischer Elite geht „legalistisch“ vor, das heißt: Versucht die Gesetze der Demokratie ironisch „auszulasten“ mit dem Ziel, sie zu überwinden, hin zu einer angenommenen „höheren“ Form von Zivilisation, die Kalifat genannt wird oder islamische Lebensweise.

Bereits Professor Bassam Tibi (Islam und Deutschland, Muslime in Deutschland) weist drauf hin, dass die Rechtsauffassungen des an der Scharia orientierten Fiqh-Islams mit der Demokratie nicht nachhaltig in Koexistenz leben können. Ein aus einem islamisch geprägten Land nach Europa einreisender Muslim, so Tibi sinngemäß, habe nennenswert große Teile seines Selbstverständnisses abzulegen, wenn er als „muslimischer Citoyen, muslimischer demokratischer Staatsbürger“ und damit als integriertes Mitglied der kulturellen Moderne mit Nichtmuslimen, Atheisten, Ex-Muslimen und Frauen selbstverständlich (und straffrei) leben möchte.

Innenminister Schäuble hält den Islam für schulfähig und möchte ihn an staatlichen Schulen unterrichten lassen. Das ist doch wohl noch auf einige Jahrzehnte abzulehnen, meinen Islamskeptiker.

Die kulturelle Moderne hat ein Islamproblem, gegen das sie die Islamresistenz eines „demokratischen Stolzes“ setzen müsste, wozu uns Tibi mit dem Begriff der europäischen „Leitkultur“ deutlich ermuntert. Diese Rolle aber einzunehmen oder die Worte „theokratischer Islam, Scharia, Islamproblem“ auch nur laut zu denken hindert sie eine Art emotionaler Blockade aus diffusen Schuldgefühlen und demokratischer Identitätsschwäche. Aus schlecht bewältigtem ehemaligem Eurozentrismus, wobei das politisch korrekte Exotisieren der „Fremden“ wiederum eine klammheimliche eurozentrische Arroganz darstellt, wie es sinngemäß Alice Schwarzer und Arzu Toker betonen.

Wollte der Islam unterrichtstauglich sein, müsste er sich glaubhaft von den meisten seiner Fesseln der Sunna (islamisches Brauchtum, alltagsprägende Überlieferung) und vor allen Dingen von den Dogmen der Scharia (angeblich: Gottes eigenes Gesetz) befreien. In diese Richtung mag der „Secular Islam“ um Irshad Manji oder Wafa Sultan denken, doch ist das für die Mehrheiten der deutschen Muslime kaum oder gar nicht nachzuvollziehen. Andere Muslime verlassen den Islam unter Lebensgefahr oder führen in unseren Städten ein zaghaft selbstbestimmtes Doppelleben, erwähnenswert hier zum Beispiel die Lebensweisen gleichgeschlechtlicher sexueller Orientierung, die es natürlich auch unter Muslimen gibt, für die der Islam aber, wie im Falle der Apostasie, die Todesstrafe vorsieht.

Es gibt also die „muslimischen Hedonisten“ mit den Sinnhorizonten des ökonomischen Erfolges oder der sexuellen Selbstbestimmung. Es gibt, nicht selten in denselben Straßenzügen, die Milieus der jahrhundertealten Zwangsehen beziehungsweise Cousinenehen. Hart agitierende Islamisten indes gehen auf Seelenfang und gründen fundamentalistisch (was sonst?) orientierte Kindergärten oder Moscheen und helfen mit, dass manch eine Ausbildung zum Dschihadisten bereits im Kindergarten beginnt und in der Unterstufe abschließt.

Alice Schwarzer hält interessanterweise den ‘Männlichkeitswahn’ für das Hauptproblem: Dschihadismus als Rückzugsgefecht der Extrem-Patriarchen, so Schwarzer sinngemäß. Damit wäre er, der (ab-erzogene) Männlichkeitswahn, auch Hauptstrategie der Lösung. Schwarzer ist Atheistin. Sie übersieht, dass der (imaginierte, aber schier unendlich starke) windige Gott Allah persönlich am Männlichkeitswahn erkrankt ist. Im Ernst: Das Problem ist, und da ist Schwarzer zuzustimmen, die ‘Gender-Spaltung’, die islamische traditionelle Mädchen- und Jungenerziehung, die voll und ganz in Koran, Scharia und Sunna verankert ist!

Auch deshalb darf es wohl keinen ‘islamischen Religionsunterricht’ geben, was unsere Regierung nicht verstehen möchte: Die Schule müsste Geschlechterrollen lehren, die dem Ansinnen der islamischen Geistlichkeit in Ghom oder an der Al-Azhar Universität von Kairo sehr entgegengerichtet sind. Welche Lehrerin oder welcher Lehrer soll das tun?

Kann, und das scheint Schäubles Hoffnung zu sein: Kann gerade der Religionsunterricht unter deutscher Schulaufsicht und in deutscher Sprache dafür sorgen, dass ein den westlichen Werten entsprechender Islam gelehrt oder erst einmal erfunden wird? Schäuble ist von rührender Zuversichlichkeit.

Die Anforderungen (an Pädagogik) scheinen mir zudem dieser Jahre im extrem steilen Sinkflug zu sein. Zugleich herrscht ein Klima, in dem sich jeder als ‘erfolgreicher Winner’, nicht als ‘Looser’ inszeniert. Irgendwann will die politische oder schulpolitische Kaste ‘erfolgreich’ sein. Das gleicht einer ebenso langsam wie unerbittlich vorwärtslaufenden Maschine, die sich womöglich „an Akten statt an Fakten“ orientiert.

Lehrerinnenkopftuch: Wie lange gibt es noch Beamtentum in Deutschland – wenn wir eine ‘Aktiengesellschaft Schule’ haben werden die sinnvollen Diskussionen gegen das Lehrerinnenkopftuch hinfällig sein. Kein ganz unwahrscheinliches Szenario, und dann sieht Schule aus wie in England: Ziemlich viel Tschador und Burka.

Zurück zur deutschen staatlichen Schule. Das heißt hier: Nach einigem rituellen Stirnrunzeln “IST” der Islam „schulfähig“, schultauglich. Wir säkularen Deutschen (jeder Religion) halten die notwendige Rolle, Gegendruck aufzubauen, nicht aus! Und verspielen die in eineinhalb Jahrhunderten mühselig erkämpften Standards.

Schulaufsicht: Ich weiß von Migrantenfamilien, die ihre Kinder jahrelang nicht zur Schule geschickt haben, das „lag“ zwar beim Jugendamt in der Akte, kam aber erst dann und sehr klein gedruckt in die Zeitung, als die Kinder ganz extrem straffällig wurden. Freilich, es gibt mutige Lehrerinnen und Lehrer, die erfolgreich um die Teilnahme von türkischen Mädchen an Klassenfahrt und Sexualkundeunterricht kämpfen! Es gibt aber auch Schulen, die gar keine Klassenfahrten mehr durchführen. Schulaufsicht? Prinzipiell passen wir den Lernstoff ‘nach unten an’, um überhaupt noch Noten verteilen zu können. Ehrliche Noten müssen wieder her, bereits ab dem zweiten Schuljahr.

Schulaufsicht? Seit wohl zwanzig Jahren versickern allsommerlich türkische Mädchen in arrangierten Ehen! Oder geben Mittel- oder gar Unterstufenschülerinnen ihr Kind als ‘Kind der besten Freundin’ aus. Soweit zum Thema Schulaufsicht.

Ganz verheerend dürfte sich der Gedanke des ‘ranking’ auswirken, der dieser Jahre bis in Fachhochschulen und Universitäten die Runde macht: Ein geradezu feudales Gerangel um Pfründe, der Transparenz und der Unbestechlichkeit nun wirklich nicht dienlich.

Das in konservativen türkischen Mädchen übliche Zwingen unters Kopftuch, kann das von einem islamischen Religionsunterricht irgendwie berührt werden? Nein, fürchte ich, der Lehrende müsste sich als relativer Kopftuchgegner positionieren. Soll eigentlich stundenweise Geschlechtertrennung kultiviert werden, für Koranliebhaber ebenso wie für Islamistenkreise weltweit geradezu ein Muss?

Islamischer Religionsunterricht: Gegen die Autorität der Imame? Wer will das leisten? Kopftuchlehrerinnen, Bärtige?

Historisch-kritische Methode, Textentstehung monotheistischer heiliger Schriften, den Koran als menschenseits handgeschrieben? Wer will das sagen, ohne Lebensgefahr? Muslime in Deutschland, ob pädagogisch ausgebildet oder nicht? Die müssen wohl erst noch geboren werden. Auch besteht die Gefahr, dass Koranschule oder Madrassa das ‘Original’ ist, Demokratenschule die Kopie oder die Taqiyya.

Dhimma, Dhimmitude auf dem Lehrplan? Oder die Absage an die gottgeschaffene Dhimma? Bitte, pädagogisch: Von wem zu leisten? Ohne Leibwächter und kugelsichere Weste … Versicherungen und Berufsgenossenschaften werden ihre Monatsbeiträge erhöhen müssen.

Steinigung als ‘Grenzverletzung’, als ’Hadd-Vergehen, Verletzung des absoluten Rechtes des Allah-Gottes’ auf dem Lehrplan? Nach dem Motto: “Lass` uns darüber reden, was macht das mit dir, was macht das mit den Christenkindern aus dem Nachbarklassenraum?“ Die andere Möglichkeit und demokratische wie pädagogische Pflicht: Steinigung als Irrweg darstellen, als vormodern, als barbarische Perversion?! Den Jungs und Mädchen, die dann in der letzten Reihe sitzen werden mit (so schon vorhanden) Fusselbart oder Extremkopftuch, und die ihre Lehrerin der Bid’a oder Ridda bezichtigen, bezichtigen müssen?

Die Option propagieren: “Eh, du darfst austreten aus dem Islam, lebe mal ein paar Jahre als Christ oder Buddhist oder jedenfalls Ex-Muslim, die kulturelle Moderne lässt das zu”? Ohne diese Worte aber ist “demokratiekompatibler islamischer Religionsunterricht” keinen Pfifferling wert oder er zersetzt das wissenschaftsnahe ‘Prinzip Schule’.

Die Schwierigkeiten werden deutlich. Gut, in hundert oder schon fünfzig Jahren muss so unterrichtet werden und, uns wäre es lieb, auch in Jakarta, Kairo und Teheran. Oder Istanbul. Viel Arbeit wird nötig sein, um das zu erreichen.

Ich fürchte, unsere “hohen pädagogischen Ansprüche” in Deutschland oder Europa halten dem HEUTE nicht Stand.

Wir leugnen (die) Schwierigkeiten. Probleme unter den Teppich zu kehren indes sind wir Schildbürger wahre Meister, man lese nur das Buch ‘Colonia corrupta’ (Rügemer), hoffentlich lesen wir Demokraten es intensiver als die Islamisten.

In Baden-Württemberg findet islamischer Religionsunterricht an zwölf Stellen bereits statt, zehn Mal sunnitisch, zwei Mal alevitisch. Angeblich ein weltzugewandtes Experiment, ein kreatives Provisorium, ein neugieriger Testlauf. Die ‘Projekt-Betreuer’ in Ministerium und Universität werden sich, von den Lehrern ganz abgesehen, weigern, das Experiment jemals freiwillig einzustellen oder als unbrauchbar zu etikettieren. Alle rollen begeistert die Augen: Erfolg, Erfolg, Erfolg! Es ist schon später als wir denken.

Die ministerielle bzw. administrative Blasiertheit der ‘Integratoren’ ist betonhart, und Entscheidungen finden in Hinterzimmern statt: Eigentlich undemokratisch, jedenfalls gefährlich intransparent.

Nun ja. Wie kriegen wir den islamischen Schulunterricht wieder aus der Schule heraus? Auch das ist zu bedenken, eine fast unüberwindlich hohe Hürde für uns sanften Gutmenschen. Es gibt Entscheidungen, die die Demokratie zu zerreißen drohen. Die Legalisten wissen das. Die Demokraten nicht.

Ich halte viel vom deutschen Schulsystem! Schule ist an vielen Orten mindestens so gut wie ihr Ruf. Überfordern sollte man sie allerdings nicht, die Lehrerzimmer können nicht ausbügeln, was das Parlamente versäumt.

Nötigenfalls haben wir aber auch das zu bewältigen. Nun, dann findet der ’schmerzliche Kontakt’ zwischen individualistischem Menschenbild und Scharia-Kollektiv eben im Klassenzimmer statt. Tut er ja.

Wozu haben wir Parlamente, Landtage, Rathäuser? Politik hat auch die Aufgabe, Wellenbrecher zu sein, Schutzräume zu schaffen und zu erhalten. Gerade der so sensible Raum des Erzieherischen muss solch ein geschützter Ort sein. Mit Angst lernt es sich schlecht.

Islam-Apostasie oder Islamkritik müssen in einer Demokratie, die diesen Namen verdienen will, ohne Lebensgefahr und auch für Jugendliche möglich sein. In der Praxis allerdings gibt mancherorts bereits die fundamentalistische Überwachung jedes Nonkonformisten den repressiven und schariafreundlichen Ton an. In vielen islamischen Teilen der Welt wird, ganz im Einklang mit Koran und Scharia, ein Apostat getötet. Deutsche Lehrer in Schäubles „Islamischen Religionsunterricht“ hätten ein am Islam subjektiv leidendes Individuum zur Apostasie zu ermuntern, jedenfalls religionskritisch zu begleiten. Welcher muslimische Lehrer will das wagen oder wird sich auch nur gestatten, islamkritisch denken?

Kein deutscher muslimischer Prediger erklärt den angeblich göttlichen Text des Korans als zeitgebunden. Die als historisch-kritische Methode bekannte wissenschaftliche Herangehensweise müsste auch in einem „Islamischen Religionsunterricht“ ihren Raum finden, soll dieses Schulfach nicht zur Gehirnwäsche verkommen und zum Heranzüchten fundamentalistischen islamischen Nachwuchses.

Die Gleichwertigkeit der Geschlechter und die Gleichwertigkeit von Menschen aller Religionen oder Nichtreligionen sind mit dem Ansinnen der weltweiten islamischen Geistlichkeit der Gegenwart wie der letzten Jahrhunderte nicht in Einklang zu bringen. Eine Frau erbt in einer im koranischen Sinne islamischen Gesellschaft nur halb so viel wie ihr Bruder und ihre Aussage vor Gericht gilt nur die Hälfte von der eines männlichen Zeugen. Eines von beidem also wird der Bundesminister des Innern in der Tat verändern: Den Islam oder die Demokratie. Ich fürchte: Letzteres.

„Islamischer Religionsunterricht“ gehört an die indonesische oder pakistanische Madrasa und macht den freiheitsliebenden Menschen dort Probleme genug, nicht jedoch an die staatliche Schule einer Gesellschaft, die eine Demokratie sein und bleiben will.

Jacques Auvergne

Noch ein Leserbrief

Februar 25, 2008

Aus einem evangelischen Gemeindebrief

aus dem Januar 2008, nicht signiert

Zur Diskussion

Natürlich tut es weh, wenn ein „Christian“ oder eine geborene „Lüdenscheid“ sich neuerdings zum islamischen Glauben bekennt. So wie es immer weh tut, wenn jemand sich vom christlichen Glauben abwendet, der oder die einmal mitgemacht und mitgebetet hat. Und natürlich müssen wir ganz genau nachfragen, wie das eigentlich bewertet wird, wenn ein ehemaliger Muslim Christ werden will. Ob es ebenso bedauert wird, wie wir eine Konversion zum Islam vielleicht bedauern, oder ob darin ein eigentlich todeswürdiges Verbrechen gesehen wird. Wir müssen darauf bestehen, dass Christen sich in islamischen Ländern auch ungestört und öffentlich zum Gottesdienst versammeln dürfen, auch in Kirchen. Das ist übrigens in vielen islamischen Ländern auch der Fall.

Aber solange der Westen eines der reaktionärsten islamischen Regime im Nahen Osten als engsten Verbündeten pflegt, ist die Glaubwürdigkeit des westlichen Engagements für Demokratie etwas angeschlagen. Und die Toleranz, die wir fordern, muss in unserem Land auch gelebt werden. Für ein antiislamisches Ressentiment sollte es in einer christlichen Gemeinde genauso wenig Platz geben wie für ein antijüdisches.

Antwort auf „Zur Diskussion“ (anonym)

Von einem Gemeindemitglied (auch anonym)

Ressentiment ist ein elastischer Begriff, der in philosophischen, psychologischen, soziologischen und nicht zuletzt umgangssprachlichen Kontexten durchaus unterschiedlich ausgedeutet worden ist. Mein Fremdwortlexikon übersetzt ihn mit „Abneigung (einer Person oder Sache) gegenüber“.

„Ressentiment“ mag bedeuten: Abneigung oder Ablehnung trotz relativ hoher Informiertheit. „Ressentiment“ kann ebenso bedeuten: Unbehagen oder Vorurteil bei fehlender oder unzulänglicher Information.

Solche Haltungen können sicherlich anerzogen, vermittelt oder auf andere Weise „betreten“ werden, wie sie auch wieder „verlassen“ werden können. Selbst grobe Fehlurteile und Vorurteile können vom Individuum vorübergehend verwendet werden und, bei förderlichem Umfeld, als unzulänglich und unreif durchschaut und wieder abgelegt werden.

„Man gibt sich immer die Gesetze, die man braucht“, so lautet ein bemerkenswerter Spruch eines Psychologen. Ein weiterer: „Vorurteile sind etwas Nützliches. Wenn wir keine Vorurteile gegen Schmutz hätten, würden wir uns nicht waschen.“

Was für eine „christliche“ Gemeinschaft wären wir, von jedem Kirchenbesucher zu verlangen: „Alle Fehl- und Vorurteile ablegen, sonst kommst du nicht hier `rein!“ oder „Menschen mit Ressentiments sind hier unerwünscht!“

So einer „christlichen“ Gemeinde möchte ich nicht angehören: Das schmeckt mir dann doch zu sehr nach Frömmelei oder gar Tugendterror, nach Manipulation und Gesinnungsschnüffelei.

Ich bestehe auf meine gehörige Portion an facettenreichen antiislamischen Ressentiments und kritisiere sogar das ultraorthodoxe Judentum sehr. Es mag ja sein, dass es mir an Information mangelt, lese ich ja auch erst seit fünfzehn Jahren Koran und Hadithen: Sehr, sehr vieles am Fiqh‑Islam und Scharia‑Islam behagt mir gar nicht und findet meine Missbilligung. Glücklicherweise weiß ich mich dabei mit vielen Muslimas und Muslimen auch dieser Stadt einig, denen sowohl der traditionalistische Islam als auch der Polit‑Islam als äußerst unbehaglich und sogar ablehnenswert erscheint.

Der Beitrag „zur Diskussion“ fällt christlichen, muslimischen und ex‑muslimischen Menschenrechtlern und Frauenrechtlern ebenso elegant wie tragisch in den Rücken. Sicherlich aus Uninformiertheit.

NN

Ein Leserbrief

Februar 25, 2008

Aus einem evangelischen Gemeindebrief

aus dem Januar 2008, nicht signiert

Zur Diskussion

Natürlich tut es weh, wenn ein „Christian“ oder eine geborene „Lüdenscheid“ sich neuerdings zum islamischen Glauben bekennt. So wie es immer weh tut, wenn jemand sich vom christlichen Glauben abwendet, der oder die einmal mitgemacht und mitgebetet hat. Und natürlich müssen wir ganz genau nachfragen, wie das eigentlich bewertet wird, wenn ein ehemaliger Muslim Christ werden will. Ob es ebenso bedauert wird, wie wir eine Konversion zum Islam vielleicht bedauern, oder ob darin ein eigentlich todeswürdiges Verbrechen gesehen wird. Wir müssen darauf bestehen, dass Christen sich in islamischen Ländern auch ungestört und öffentlich zum Gottesdienst versammeln dürfen, auch in Kirchen. Das ist übrigens in vielen islamischen Ländern auch der Fall.

Aber solange der Westen eines der reaktionärsten islamischen Regime im Nahen Osten als engsten Verbündeten pflegt, ist die Glaubwürdigkeit des westlichen Engagements für Demokratie etwas angeschlagen. Und die Toleranz, die wir fordern, muss in unserem Land auch gelebt werden. Für ein antiislamisches Ressentiment sollte es in einer christlichen Gemeinde genauso wenig Platz geben wie für ein antijüdisches.

Antwort auf die Einladung zur Diskussion

Sehr geehrte(r) Schreiber(in),

sicherlich ist es für praktizierende ChristInnen traurig, eine Glaubensschwester, einen Bruder im Glauben durch Konversion zu verlieren, müssen wir uns doch fragen, ob vielleicht ein Grund für den Übertritt in einem Fehlverhalten unsererseits liegt. Unter Umständen hätte man durch gute Gespräche die bestehenden Zweifel ausräumen können, klären können, was so stört oder unannehmbar ist, dass sie oder er nicht mehr zur christlichen Kirche gehören möchte und sich nach neuen Leitlinien und Weltanschauungen orientiert.

Vielleicht war da schon immer ein Unbehagen, man kannte nur die christliche Religion, kam nicht dazu sich zu informieren, wagte den Wechsel nicht oder wollte die Eltern nicht enttäuschen. Nun, da man Gelegenheit hatte, die andere Religion kennenzulernen, vielleicht durch die zukünftige Lebenspartnerin / den zukünftigen Lebenspartner motiviert, ist man sicher, sich vorher geirrt zu haben, z.B. zu den im Glaubensbekenntnis verankerten Inhalten nicht mehr stehen zu können, ein anderes Gottesbild, ein anderes Menschenbild zu bevorzugen, eine andere Spiritualität entwickelt zu haben.

Eines ist jedoch sicher: Aus welchen Gründen Gemeindemitglieder auch immer austreten, um zu konvertieren, wir heißen ehemalige Mitglieder nicht nur als reuige RückkehrerInnen sondern auch als KonvertitInnen jederzeit willkommen. So leben wir ChristInnen unseren Glauben. Gegen jede Religion, übrigens auch gegen jede Tradition, jede Kultur, die AbweichlerInnen und deren UnterstützerInnen mit dem Tode bedroht, nehme ich mir allerdings heraus, Ressentiments zu haben.

Da offensichtlich viele Bedeutungen dieses französischen Fremdwortes kursieren, möchte ich an dieser Stelle definieren, was ich unter ‚Ressentiments‘ verstehe und wie ich mit ihnen umgehe. Ich meine mit diesem Begriff eine begründete Abneigung gegen eine Sache, gegen Einstellungen einer Person oder deren Lebensweise. Grundlagen für meine ablehnende Haltung sind z.B. Erlebnisse und Hintergrundwissen aus zitierbaren Quellen, Diskussionen mit betroffenen BefürworterInnen und KennerInnen wie auch den GegnerInnen.

Abneigung gehört wie Freude, Angst, Traurigkeit, Wut, Begehren und Abscheu zu den Grundemotionen eines jeden Menschen (Plutchik), solche Gefühle zu verleugnen und abzuspalten, ist unaufrichtig und macht krank. Das wird sicherlich jede Psychologin / jeder Psychologe bestätigen. Wie Vorurteile (im Gegensatz zu Ressentiments relativ spontane und unreflektierte positive oder negative Einschätzungen und Bewertungen) uns schützen (Ekel vor grünlich-blauen, muffig riechenden Lebensmitteln) und helfen, sich in einer komplexen Umwelt zu orientieren, sind Ressentiments wichtig für die Entwicklung von Wertvorstellungen und Moral sowie für die seelische Ausgeglichenheit. Ohne Ressentiment gegen Hitler hätte es keinen Widerstand gegeben. Es gäbe die Reformation nicht ohne Martin Luthers Ressentiments gegen die (katholische) Kirche. Solche Haltungen und Einstellungen sind nur dann bedenklich, wenn sie zur unabänderlichen, nicht zu hinterfragenden Doktrin werden. So wie ich als Demokratin und Christin mir die Freiheit nehme, Ressentiments gegen Denkweisen und Überzeugungen zu entwickeln, habe ich auch die Verpflichtung diese zu überprüfen und gegebenenfalls abzubauen.

Wie Ulrich Wickert schon mit seinem Buchtitel meinte: Gauner muss man Gauner nennen.

Wenn beispielsweise Frauen verachtet werden, für die gleiche Arbeit weniger verdienen als ihre Kollegen, in der Erziehung und im Alltag Gewalt angewandt wird, fühle ich mich als Frau, Mutter und Christin verpflichtet, solche Verhaltensmuster abzulehnen und unter bewusster Benennung des erkennbaren Kontextes, des kulturellen, traditionellen und religiösen Zusammenhanges, vorbehaltlos zu kritisieren, auch wenn dieser orientalisch-islamisch, jüdisch oder christlich-europäisch ist. Wer hier politisch korrekt verallgemeinernd und beschwichtigend Appeasement betreibt, nimmt dem Gegenüber die Chance, Fehlentwicklungen zu erkennen und ihnen entgegenzuwirken.

Kirchengemeinden, die Flüchtlingen Kirchenasyl gewähren, werden die nicht selten aus islamischen Herkunftsländern stammenden Schutzsuchenden, wohl kaum nach eventuell vorhandenen antijüdischen Ressentiments befragen, bevor sie ihnen Schutz gewähren. Ähnlich handelt die BRD bei Menschen, die aus anerkannten Asylgründen nach Deutschland fliehen. Selbst überzeugte Feinde der freiheitlich demokratischen Grundordnung erhalten Schutz- und Bleiberechte, wenn sie den Asylgrund nachweisen können.

MenschenrechtlerInnen und HumanistInnen wie Ayaan Hirsi Ali, Bassam Tibi, Necla Kelek, Seyran Ates, Mina Ahadi, Serap Cileli, Christine Schirrmacher, Ute Spuler-Stegemann, Salman Rushdie, haben sicher die beschriebenen Ressentiments gegen den Islam. Sollte in einer christlichen Gemeinde für diese mutigen Frauen und Männer kein Platz sein? Ist es nicht gerade unsere Christenpflicht, beispielsweise aus dem Irak stammende Glaubensgeschwister aber auch ‘Ungläubige‘, die in ihrer Heimat wegen ihrer polytheistischen Weltanschauung oder aus anderen Gründen verfolgt werden, in unsere Gemeinde aufzunehmen, obwohl sie sicherlich Abneigung gegen den Islam entwickelt haben und vielleicht antijüdische Ressentiments hegen?

Dann würde allerdings gerade die lutherisch-evangelische Kirche in arge Erklärungsnöte geraten, wenn man ihren Gründer Martin Luther zitiert (‘War Luther nur reaktiv und antijüdisch?‘).

Mit freundlichen Grüßen

N. N.

Quelle: Luther:

http://www.sgipt.org/sonstig/metaph/luther/judens.htm


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