Jungenbeschneidung

فطرة

fiṭra

natürliches Ausgerichtetsein auf Allah hin

Blutige Neugeburt im afropazifischen Jägerbund

Zehnter Themenkreis. In einem Landstrich oder Familienverband, in dem alle Mädchen zu beschneiden sind, ist die Unbeschnittene nicht heiratsfähig und ruft ihr unreiner Leib die bösen Geister heran oder die koranisch verbürgten Dschinnen. Beim globalen Top-Tabuthema Jungenbeschneidung ist es ganz entsprechend und ist der Unbeschnittene hochwahrscheinlich kein vollwertiger Mann und folglich kein ehrenwerter Mensch. Im aufklärungsverweigernden Islam von Scharia und Fiqh gilt das nicht per Kult-OP veränderte männliche Genital als Heilsgefährdung. Wer weiß, bleibt auch nur ein Junge unbeschnitten, könnten die Seelen ganzer Grundschulklassen oder Straßenzüge denn nicht auf ewig in der Hölle brennen? Ein Plädoyer für die körperliche Unversehrtheit wenigstens des Kindes und Jugendlichen, die zu den allgemeinen Menschenrechten zu rechnen ist und die auch durch elterlich angestrebte Seelenrettung, „Religionsfreiheit“, Liebe zum Archaischen oder durch postmoderne Multikulturkonzepte nicht außer Kraft zu setzen ist. Von Jacques Auvergne (2007).

Meine als Kind aus Oberschlesien übergesiedelte Nachbarin, ausgebildete Sozialpädagogin, deutscher Pass, hat drei Kinder, drei Söhne (11, 8 und 6 Jahre) von drei verschiedenen Vätern: einem Kroaten, einem Russlanddeutschen und einem Ägypter. Zu allen drei Männern hat sie und haben die Kinder seit Jahren leider keinen Kontakt. Doch da gibt es die Cousine des Ägypters und die wohnt im Stadtviertel. Im Sommer 2006 besuchte die verheiratete Ägypterin die allein erziehende Mutter und empfiehlt ihr, „zur Gesundheit und zum Wohlbefinden des Jüngsten“ die unter Medizinern als Zirkumzision bekannte „Beschneidung“ durchführen zu lassen. Nach 20 Besuchen und bei immer heftigerem Drängen der Freundin („Ich kann nachts nicht schlafen vor Herzweh weil ich mir vorstelle, dass der Junge unbeschnitten bleibt“) gab die Deutsche nach und suchte einen Kinderarzt auf, nicht ohne ihren kleinen Sohn mit allerlei Listen auf eine angebliche Überflüssigkeit der Vorhaut aufmerksam zu machen. Der erste Arzt lehnte ab, der zweite, ein Urologe, führte die Operation auf Krankenkassenkosten durch, medizinische absolute Indikation bestand nicht. Inzwischen hat sie auch ihre beiden anderen Jungen beschneiden lassen können, man staune über ihre Argumentation: „aus Gerechtigkeit“. Eine relative Indikation dürfte sich gefunden haben, der Mythos Phimose funktioniert bei Kinderärzten oder Krankenhäusern und vielleicht fand sich ein Hauch von Entzündung an den kindlichen Vorhäuten.

Hier ist der ethnische, „multikulturelle“ Charakter der Entscheidung pro Zirkumzision einen Blick wert und die Frage, warum gegen das Rechtsgut der körperlichen Unversehrtheit verstoßen wurde.

Objektiv gesagt stoßen zwei Kulturen aufeinander: eine, welche die Jungenbeschneidung als obligatorisch betrachtet und die andere, die sie traditionell nicht kennt. Es wurde nicht, als Kompromiss wäre das ja immerhin denkbar, ein Ersatzritual vollzogen. Auch folgte man nun gar nicht dem traditionellen europäischen (oder chinesischen oder indischen) Stil der genitalen Unversehrtheit. Sondern man folgte, vielleicht in einer modischen Orientbegeisterung oder aus Höflichkeit, der islamischen Alltagspraxis des längst in sein Herkunftsland verschwundenen biologischen Vaters.

So, wie diese deutsche Familie die Jungenbeschneidung akzeptiert hat und irgendwann in eine weitere Generation tradieren wird oder schon bald ihre Nachbarn überzeugt, mag sich in vergangenen Epochen die MGM innerhalb von Afrika ausgebreitet haben, Landstrich für Landstrich.

FGM gibt es nur dort, wo es MGM gibt, und beide, wohl mehrere Jahrtausende alte Arten der Genitalverstümmelung stammen nicht vom Himmel (eher schon von machtbewussten Schamanen) und wurden erst allmählich attraktiv, Kilometer für Kilometer und Dorf um Dorf. Auch wenn bereits Australiens traditionell lebende Ureinwohner Genitalmutilationen durchführten, dürfen wir eine Vorvergangenheit intakter Geschlechtsorgane annehmen, die von den heutigen Himmelswächtern als Zeit der Unwissenheit (Götzenkult; Dschahiliyya) dargestellt werden muss. Das Abschneiden der Penisvorhaut ist eben nicht Natur, vielmehr ist das Gesamtkonzept von der islamischen Fitra (fiṭra), dem natürlichen Ausgerichtetsein auf Allah hin etwas Andressiertes und eine nicht hinnehmbare Einschränkung kindlicher Unbeschwertheit und Potentiale. Die Theologie der Fitra mitsamt ihrer „die Seele vor der Hölle rettenden“ Praxis der Genitalbeschneidung ist in moderne Bildungsarbeit oder Justiz ebenso wenig zu „integrieren“ wie Kindbraut oder Burka.

Von den zwei Kulturen, beschneidungsobligatorisch versus beschneidungsindifferent, fordert auch nur die eine, die andere, die der alten Europäer, hatte die Beschneidung von Jungen seit Jahrhunderten übersehen, bis auf ein paar Diskussionen in der frühesten Christenheit. Eine Ausnahme war der englische Sprachraum des frühen zwanzigsten Jahrhunderts, wo Ärzte für die Zirkumzision warben. In sind den USA sind Routinebeschneidungen dann jahrzehntelang leider völlig üblich gewesen, andererseits konnte sich dort eine starke Anti-MGM-Lobby entwickeln. Seit 1999 empfehlen US-Ärzteverbände die Routinebeschneidung nicht mehr und prompt beginnt die amerikanische Quote der Neubeschnittenen erfreulich zu sinken. Die legendäre „kulturelle Sondersorte Mensch“ namens Umma blockt jede Diskussion zur MGM ab, wie beim Thema der repressiven Schariapflichten leider immer noch üblich und versteckt sich hinter angeblichen Hygienevorteilen oder bedroht Kritiker (nun, Islamkritiker) offen.

Wie kommen Islam und Judentum zur Amputation des Praeputiums? Ein die Beschneidung (Brit Mila) erstanwendender Abraham ist ein frommer Mythos, viel ältere Kulturen im östlichen Afrika dürften die erste Heimat der Zirkumzision sein. Die menschheitsgeschichtliche Beschneidung ist damit nicht jüdisch, sondern steinzeitlich, und auch die Aborigines beschneiden sicherlich länger als der vor 4000 Jahren genitalchirurgisch angeblich eine Axt verwendende achtzigjährige Stammvater fraglicher Historizität. Mohammed oder dessen Erbverwalter standardisierten die wahrscheinlich in dem einen oder anderen polytheistisch-altarabischen Stamm vorhandene und von diesem von benachbarten Juden, Ägyptern, Niloten oder Somaliern übernommene MGM als Bestandteil der Pflichtenlehre, spätere Jahrhunderte legten fest: ohne Jungenbeschneidung keine Religion und ohne Hidschab („Kopftuch“) auch nicht, alles andere regelt Yusuf al-Qaradawi.

Bruno Bettelheim (Die symbolischen Wunden – Pubertätsriten und der Neid des Mannes, englisch 1954 als: Symbolic Wounds; Puberty Rites and the Envious Male) forschte eingehend zu dem bis heute irritierend tabubehafteten Thema Jungenbeschneidung so vieler afrikanischer und pazifischer Völker. Er kommt zum Schluss, dass die Beschneidung einem etwas kläglichen Versuch der Aneignung der magischen weiblichen Geburtskraft durch die neidischen Jägerbünde entspreche. Blut müsse fließen wie bei einer Geburt. Diese blutige Initiation werde zum Gottesdienst.

Solche Neugeburt in die Kriegerkaste hinein würdigt die eigentliche Geburt herab, überkrönt diese jedenfalls hierarchisch, denn nur Männer werden zu Kulturwesen (Stichwort „Mann wird gemacht“), die Frau bleibe dem Erdhaften und Animalischen nahe. Als Betriebsprogramm eines jeden Patriarchats kommt uns Europäern eine derartige misogyne Denkfigur durchaus bekannt vor (Griechen, Römer; Paulus; Vatikan), auch wenn das christianisierte Europa traditionelle Genitalmutilationen nur von seinen zumeist neidisch bis argwöhnisch beäugten Nachbarn jüdischen Glaubens ahnt oder aus der christlich verstandenen Malerei eines Friedrich Herlin (1466) oder Guido Reni (1635-1640) kennt, die die Beschneidung Jesu darstellten.

Es ist wohl die Exotik der Körpermutilation in einem postmodernen Alltag der Geheimnislosigkeit, Belanglosigkeit und Seichtheit, welche ausgerechnet die nordamerikanische Pop-Ikone Madonna 2006 zur bislang glücklicherweise wohl nicht umgesetzten Aussage hinreißen ließ: „Ich will meinen kleinen Adoptivsohn aus Malawi gemäß den heiligen Riten der hebräischen Kabbalah zirkumzisieren, beschneiden, lassen!“ Ein paar hundert Menschen protestierten empört, darunter Hindus, Atheisten, Juden, Christen und sogar Kabbalisten. Der biologische Vater des Knaben ermahnte ebenfalls Adoptivmutter Madonna: „bei uns in Malawi gibt es keine Jungenbeschneidung, bitte tun sie diese unnötige Operation meinem Sohn nicht an.“ Muslime aber waren wohl nicht unter den Protestierenden, und dieses Schweigen muss uns Pädagogen oder Sozialarbeiter interessieren.

Denn nur Necla Kelek war vor zwei Jahren mutig genug, in ihrem: Die verlorenen Söhne – Plädoyer zur Befreiung des muslimischen Mannes (bei Kiepenheuer und Witsch, Köln 2006) ihre Glaubensschwestern und Glaubensbrüder zum sofortigen Abschaffen des traumatisierenden Brauchtums der Routinebeschneidung an männlichen Kindern aufzufordern. Vorerst sind es weltweit nur ganz wenige Muslimas und Muslime, die diesen aufgeklärten Vorschlag offen unterstützen, die Masse der Umma (muslimische Weltgemeinde) schweigt, sei es aus Angst vor sozialer Ausgrenzung, aus sexualmagischen Motiven oder aus Furch vor Allahs vermutetem Missfallen. Jedenfalls verfolgen in Deutschland selbst die bildungsnäheren Menschen unter den türkeistämmigen Migranten die Strategie, zu Necla Keleks Beschneidungskritik feige zu schweigen.

Nichts scheint die Tradition der Sünnet ändern zu können, niemand verlässt dieses Kartell einer Generation um Generation und Junge für Junge aufs Neue zu wiederholenden Szene des blutigen Unterwerfens unter das Clan- und Männerrecht. Offiziell im Namen des Islam und das sogar mit einigem Recht: denn wenn auch die Beschneidung nicht im Koran steht, so fordert doch die Überlieferung (Sunna) aller Rechtsschulen die Amputation jener bergend-hüllenden, sozusagen weiblichen sensiblen Hautfalte, die eigentlich von Natur aus integraler Bestandteil des männlichen Genitales sein und bleiben sollte. Sahih Buchari (Kapitel Libas – Die Kleidung, Hadith Nummer 5890) stellt den Willen Allahs fest: „Zur Fitra gehört das Abrasieren der Schamhaare, das Schneiden der (Finger- und Fuß-) Nägel und das Kurzschneiden des Schnurrbarts“, um zu präzisieren: „Zur Fitra gehören fünf Dinge: Die Beschneidung, das Abrasieren der Schamhaare, das Kurzschneiden des Schnurrbarts, das Schneiden der (Finger- und Fuß-) Nägel und das Auszupfen der Achselhaare (Nr. 5891).

Die Beschneidung. Seelisch und sozial ein Kastrationsängste berührendes Leiden, blutig und vor den schweigend zuschauenden Zeugen der ewigen Großfamilie – du bist Opfer geworden, darfst es aber dein Leben lang nicht sagen. Ur Szene islamischer Gewalterfahrung, möglicherweise ja berechtigend zur Verachtung der unreinen, für das Höllenfeuer bestimmten weil zumeist unbeschnittenen Männer (und ihrer Frauen!).

Nordostafrikanische Hirtenstämme dürften einzelnen arabischen Clans die Beschneidung, weit vor Mohammed, einstmals überliefert haben und manche alten Ägypter kannten die Jungenbeschneidung. Doch aus der Stammesfehde der Quraish und Sulaim (Mohammed in Mekka und Medina) wurde eine Weltreligion. Und wieder einmal ist Islam im interreligiösen Vergleich die Kultur des radikalen Spaltens: die Menschheit wird in zwei Quasi Rassen geteilt, in Beschneider und Nichtbeschneider, in Gläubige und Ungläubige.

Islamintern wird mit der Beschneidung, ebenso wie mit dem Kopftuch, die Gender Apartheid der zwei angeblich einander wesensfremden Kollektive der Männer und Frauen verewigt – seelisch „halbierte Menschen“ (Dinnerstein). Community konforme sexuelle Aufträge werden dem Jungen mit der Beschneidung mitgegeben. Zu einem selbst bestimmten Leben, zum Erarbeiten einer „eigenen Geschichte“ (Kelek) wird mit der Zwangsbeschneidung nun leider nicht gerade ermuntert.

Fitra ist ein verzerrter Blick auf die Natur, den menschlichen Körper, die Gesellschaft und das Weltganze. Fitra ist die ideologisierte Menschennatur aus radikal islamischem Blickwinkel, heutzutage aus revolutionär gegenmoderner Perspektive.

Nebenbei sagt Fitra auch, dass jeder Mensch „von Natur aus“ Muslim sei. Islam erklärt sich als „natürlich“, „der Natur gemäß“. Wer den „naturhaften“ Islam kritisiert, handele also gegen seine eigene Natur. Ein günstiges Argument der Erpressung. Du bist Islamkritiker: damit bist du widernatürlich … sofern du dich hier erpressen lässt.

Ein „vom Himmel herab gekommenes“ steinzeitliches Stammesritual sickert in die in Ausdünnung befindliche kulturelle Moderne und spaltet Schulklasse und Kollegenkreis in Initiierte und Unveredelte, Paradiestaugliche und Gottlose. Sagen wir als Pädagogen oder Sozialarbeiter Ja zur körperlichen Unversehrtheit, und begründen dieses mit den universellen Menschenrechten vom 10. Dezember 1948 und dem Übereinkommen über die Rechte des Kindes vom 20. November 1989. Saudi-Arabien hat die UN-Kinderrechtskonvention 1996 zwar ratifiziert, das aber zugleich eingeschränkt, da sie nur so weit gelten dürfe, wie ihre Artikel „nicht in Konflikt mit den Vorgaben des Islamischen Gesetzes [Scharia] geraten“ (with respect to all such articles as are in conflict with the provisions of Islamic law).

Allahs Gesetz steht – weltweit – im Zweifelsfall ganz offensichtlich über dem Kindeswohl, jedenfalls glaubt das auch die Islamische Republik Iran bzw. deren Obrigkeit. 1991 unterzeichnet und drei Jahre darauf ratifiziert, ist das Übereinkommen über die Rechte des Kindes (Convention on the Rights of the Child) der Vereinten Nationen vom Mullahregime selbstbewusst kommentiert worden mit einem Zurückweisen aller Normen, die gegen die Islamische Scharia verstoßen könnten (The Islamic Republic of Iran is making reservation to the articles and provisions which may be contrary to the Islamic Shariah; so steht es im Vorbehalt). 1994 wurde angemerkt, dass man ihren Inhalt nicht anzuwenden bereit ist, soweit er „nicht kompatibel mit den Islamischen Gesetzen“ ist (The Government of the Islamic Republic of Iran reserves the right not to apply any provisions or articles of the Convention that are incompatible with Islamic Laws; so der Vorbehalt bei Ratifizierung).

Indonesien, Kuweit, Katar, Syrien, alle diese und noch mehr „islampflichtige“ Staaten schränkten die 11. Kinderrechtskonvention aus heiliger Überzeugung ein und ließen das Islamische Gesetz (Islamic Shariah, Islamic Laws) dabei ausdrücklich unangetastet. Uns Universalisten und Kritikern der diversen Kulturkreistheorien geht es dabei um Kinderrechtsverletzungen wie Verheiratungen sehr junger Mädchen – und sicherlich auch um die Routinebeschneidung, denn Jungengenitale bleiben in den genannten Staaten, anders als UN-Konventionen, nicht unangetastet, sondern werden, mit derselben heiligen Gewissheit beschnitten. Saudi-Arabien und der Iran haben ihre Religion richtig verstanden, im Islam von Scharia und Fiqh zerstört das Heilige das Heile.

Erwachsene mögen an sich eine Schönheitsoperation durchführen, pauschal empfehlen kann man das allerdings sicherlich nicht, Kinder jedoch sind gar nicht einwilligungsfähig.

Fleischopfer vom lebenden Objekt und vermeintliche Reinheit und Gottesfurcht beweisende Initiationsnarben gehören ins Geschichtsbuch und nicht auf den Kinderkörper.

Der Schariagehorsam ist eben nicht angeboren, es gibt kein Kopftuch-Gen und die Umma ist auch keine Rasse.

Die schafiitische Rechtsschule, etwa mit Imam an-Nawawi oder im Rechtskompendium des Ahmad ibn Naqib al-Misri, fordert und praktiziert die Amputation des baẓr (pl. buẓūr), also der Klitoris – und nicht lediglich der Klitorisvorhaut, wie der US-amerikanische Sufi-Scheich Nuh Ha Mim Keller ungerührt, westlichen Ohren schmeichelnd, das Buch Reliance of the Traveller zielsicher falsch übersetzt.

Wer die islamische Jungenbeschneidung nicht pauschal ablehnt wird juristisch nichts erfolgreich gegen die FGM tun können solange das Gleichbehandlungsgebot des Grundgesetzes noch gilt. Umgekehrt ist und bleibt die medizinisch nicht indizierte Jungenbeschneidung selbstverständlich eine HGM oder human genital mutilation, eine Genitalerstümmelung. Diese gilt es abzuwehren, wir dürfen den alle Mädchen und Jungen sexualisierenden islamischen Gruppenzwang und traumatisierenden Beschneidungsritus nicht für naturgegeben oder „vom Himmel gewollt“ halten.

Sagen wir Nein zur Routinebeschneidung an Jungen.

Jacques Auvergne

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23 Antworten to “Jungenbeschneidung”

  1. Cees Says:

    [aus:
    Dtsch Arztebl 2008; 105(34–35): A 1778–80
    Anschrift für die Verfasser
    Dr. iur. Holm Putzke]

    “Die Beschneidung ist als Identifikationsmittel ausgesprochen wichtig. Es ist unbestreitbar, dass der Verzicht auf ein Identifikationsmittel weitreichende Folgen haben kann, es in der Regel sogar stigmatisierend ist, in den die Beschneidung praktizierenden Sozialgemeinschaften nicht beschnitten zu sein. Dieser Umstand allein vermag religiöse Beschneidungen indes nicht zu rechtfertigen. Denn eine Rechtsfrage lässt sich nicht lösen, indem man das Problem auf eine rechtsfreie Ebene verschiebt. Genau das würde aber geschehen, ließe man eine Handlung allein deshalb zu, weil sie eine Tradition darstellt.”
    http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?id=61273

    Veröffentlichungen zum Thema Beschneidung:

    Holm Putzke: Rechtliche Grenzen der Zirkumzision bei Minderjährigen. Zur Frage der Strafbarkeit des Operateurs nach § 223 des Strafgesetzbuches; in: Medizinrecht (MedR) 2008, S. 268-272

    Holm Putzke: Juristische Positionen zur religiösen Beschneidung, Besprechung von OLG Frankfurt a.M., Beschl. v. 21.8.2007 (4 W 12/07), NJW 2007, 3580; in: Neue Juristische Wochenschrift (NJW) 2008, S. 1568–1570

    Holm Putzke / Maximilian Stehr / Hans-Georg Dietz: Strafbarkeit der Zirkumzision von Jungen. Medizinrechtliche Aspekte eines umstrittenen ärztlichen Eingriffs (Liability to penalty for circumcision in boys. Medico-legal aspects of a controversial medical intervention); in: Monatsschrift Kinderheilkunde 8/2008, S. 783–788

    Maximilian Stehr / Holm Putzke / Hans-Georg Dietz: Zirkumzision bei nicht einwilligungsfähigen Jungen: strafrechtliche Konsequenzen auch bei religiöser Begründung; in: Deutsches Ärzteblatt 2008, A 1778–1780

  2. barbara00 Says:

    gute begründung, aber in den islamischen ländern mussen doch die jungen wegen der vorhautentzündung doch beschnitten werden-ich meine in den heißen regionen

  3. schariagegner Says:

    Guten Tag. Danke für Ihr Interesse.

    Sehr geehrte barbara00, Sie verwenden ein
    ‚rationalisierendes‘ Argument bezüglich der
    Erklärung / Deutung (oder, hoffentlich nicht,
    sogar der Billigung?) der Jungenbeschneidung.

    Neben dem Rationalisieren gibt es das
    ‚Bagatellisieren‘ als Verneblungs- und
    Leugnungsstrategie, man kann auch sagen: als
    Durchsetzungsstrategie. ‚Bagatelle‘ heißt: „Es ist
    eine Kleinigkeit, reden wir nicht darüber!“,
    man hört das in Bezug auf die Beschneidung an
    Jungen oder Männern oft,
    gerade von Männern übrigens
    (erklärlicherweise, die müssten sonst zugeben,
    Opfer zu sein, und das ist “un-männlich“).

    In den äquatornahen, heißen Klimazonen der Erde
    wäre die Amputation der Penisvorhaut eher angezeigt
    als in polnäheren, kühleren Breitengraden, sagen Sie?

    Das jedenfalls ist Ihr ‚rationalisierendes‘ Argument,
    das in der Tat gar nicht so selten ist.

    Um es kurz zu machen:
    Ist es in Indien sehr kalt oder auch nur kühl? Oder
    im Amazonas-Gebiet oder im Gebiet der indianischen
    Kulturen in Arizona, Mexico, Yucatán, Kolumbien?

    Aha, schon widerlegt: Indiens Hindus (eine knappe Milliarde,
    die Hälfte männlich)
    sowie tropische/subtropische
    Indianer haben keine Jungenbeschneidung – nicht aus
    klimatischen oder hygienischen Gründen, sondern,
    weil sie das (stammeskulturell) sexualmagische
    (im Staatsislam: Das sexualpolitische)
    Tabu/Gebot nicht ‚pflegen‘.

    In Afrika ist es sozusagen interessant: Einzelne
    Stämme und Völker haben keine Jungenbeschneidung,
    ihre Nachbarn (animistisch oder islamisiert) pflegen
    den Brauch der Jungenbeschneidung. Beide Stämme
    wohnen also in der selben Klimazone, heiß und trocken,
    es gibt also keinen durch das Klima und/oder durch
    medizinische Vorteile ‚lieferbare‘ Begründung.

    Der Islam oder der kenianische Kriegerbund
    ‚liefert‘ die Begründung.

    In Kenia etwa hat das Volk der Luo (Luos) keine
    Jungenbeschneidung, ’nebenbei‘ wird der Stamm
    von den benachbarten Ethnien militant angegriffen,
    namentlich von den kriegerischen Kikuyu.

    Die Kikuyu praktizieren
    die männliche Beschneidung das heißt chirurgische
    Entfernung der Vorhaut – die Luo nicht. Beide leben
    in derselben, heißen Klimazone. Explizit für ihr
    Nichtbeschneiden werden die Luos ‚im Rahmen‘ der
    ‚üblichen‘ Unterdrückungen von den Kukuyu
    diskriminiert und bedroht.
    http://articles.latimes.com/2008/jan/09/world/fg-circumcision9

    Mit freundlichen Grüßen
    Ümmühan Karagözlü

  4. Elisabeth Kremmer Says:

    Meine lieben,
    Es kann doch wirklich nicht wahr sein daß in der heutigen so aufgeklärten Zeit Genitalverstümmelungen von Jungen wie Mädchen noch vorkommen.Überall gibt es massenhaft Hilfen jedoch unsere Kinder von solchen Verstümmelungen zu bewahren das gelingt nicht. Die Würde und das Wohlergehen des Menschen ist untastbar,also sind solche schmerzvollen und mit nachwirkungen verbunden Aktionen unzumutbar und menschenunwürdig.
    Es muß wirklich ein großes umdenken in den köpfen stattfinden,wirklich eine große Erleuchtung was wirklich im leben zählt. Was man liebt schützt man doch oder????
    Ich bete für eine gute lichtvolle lösung Eure Bariana(Elisabeth)
    Erwachsene können ja selber bestimmen ob sie den eingriff vornehmen lassen möchten, aber kinder können sich ja gar nicht wehren.
    Ich glaub auch nicht daß je ein Erwachsener sich freiwillig dieser folterei ohne narkose zu unterziehen

  5. Genitale Integrität Says:

    Der proreligiöse und bewusst nicht judenfeindlich eingestellte australische Schauspieler Russell Crowe nennt MGM „barbaric and stupid. Who are you to correct nature? Is it real that GOD requires a donation of foreskin?“

    The actor added that „babies are perfect“ when they are born. Crowe later said that he „will always stand for the perfection of babies, I will always believe in God, not man’s interpretation of what God requires.“

    http://www.haaretz.com/jewish-world/actor-russell-crowe-rants-against-circumcision-on-twitter-1.366975?localLinksEnabled=false

    bei: Wissen bloggt

    Beschneidung: Ist weniger oft mehr?
    Im Gastbeitrag widerlegt Andreas Müller aufklärungshumanistisch-säkular den Beschneidungsverteidiger Dr. Nathan Warszawski

    http://www.wissenbloggt.de/?p=3740

    bei: feuerbringer

    Russel Crowe (Gladiator) … : „Beschneidung ist barbarisch und dumm“. …

    Es ist kein Argument, dass etwas eine Tradition ist oder nicht. Es gibt gute und es gibt schlechte Traditionen. …

    Zudem ist es ein Fall, wo staatliches Recht dem religiösen Recht zuwiderläuft. Die Bundesregierung ist zwar folgender Auffassung: „Soweit die Beschneidung Grundlage für die Aufnahme eines Kindes in eine religiöse Ge-meinschaft bildet, ist ihre Vornahme Bestandteil der grundsätzlich geschützten Religionsausübung.“ …

    Allerdings liegt diese Beurteilung nicht in ihrem Zuständigkeitsbereich, sondern in dem der Judikative, denn hier sind Grundrechte betroffen.

    http://feuerbringer.com/2011/06/11/beschneidung-von-jungen/

    bei: MANNdat

    Beschneidung von Jungen
    Fragen und Antworten
    zu einem politischen Tabuthema

    http://manndat.de/wp-content/uploads/2011/05/FAQ-Beschneidung-Endfassung-3.pdf

  6. Säkulares Düsseldorf Says:

    Gegen die plausible Darstellung von Dr. iur. Holm Putzke et al. regte sich gottesfürchtiger bis gegenmoderner Widerstand. Ohne Datum, von und bei Deutsch-Islamische Moschee-Stiftung (DIMS, Düsseldorf). DIMS verlinkt zu den Salafisten Pierre Vogel, Muhamed Ciftci und Adel Zaghdoud.

    :::

    Sehr geehrter Herr Kollege Dr. Schreiber,

    als Mediziner bin ich erschüttert über die Anmaßungen des Juristen Dr. Putzke und behalte ich mir das Recht vor, die Möglichkeit zu prüfen, wegen Blasphemie und Volksverhetzung eine Anzeige gegen den o.g. zu erstatten.

    Wir Muslime finden es herabwürdigend und äußerst schändlich sich als zivilisierte Menschen für dieses Thema überhaupt rechtfertigen zu müssen, aber da wir Kollegen sind, möchte ich Ihnen in der Kürze der Zeit einige Formulierungen für Ihren Vortrag übermitteln:

    1. aus medizinischer Sicht:

    Wir sind davon überzeugt, dass ein zwingender medizinischer Grund vorliegt und zwar deswegen, weil es zwischen dem „glans penis“ und dem Präputium ( Peniskopf und abdeckender Haut ) in der Umschlagfalte häufig zu Ansammlungen von Bakterien, Urinresten und manchmal Pilzen kommt, die später in der Ehe beim Sexualverkehr unangenehme Folgen für die Frau mit sich bringen. Außerdem wird durch die s.g. Freilegung des Peniskopfes die Empfindlichkeit des Penis herabgesetzt, so dass dies eine frühe Ejakulation vermeidet und wir sind im Glauben, dass dadurch unsere Frauen mehr Freude in der Ehe bekommen.

    Diese Prozedur – die circumscisio – nach islamischer Art ( nach Abrahamschem Gebot bei dem Propheten Ismail und später bei Issak durchgeführt ) soll zwischen dem 1. bis spätestens 7. Tag nach der Geburt durchgeführt werden, so dass die Schmerzempfindlichkeit und die Infektionsgefahr durch den noch nicht aggressiven Urin am geringsten ist.

    2. der rechtliche Aspekt:

    Wenn das Kind geboren wird, dann wird auch die Nabelschnur durchtrennt und abgebunden, ohne dass das Kind hierzu gefragt wird.

    Außerdem werden die Kinder auch geimpft um gefährlichen Krankheiten vorzubeugen und dazu braucht man auch nicht die Einwilligung des Kindes.

    Deswegen bin ich der Meinung, dass es sich bei dem Juristen Dr. Putzke möglicherweise um jemanden handelt, der eine schlecht gehende Praxis hat und ohne ausreichendes Hintergrundwissen die Öffentlichkeit auf sich aufmerksam machen will.

    2. der religiöse Aspekt:

    Dem Propheten Abraham (Friede sei mit ihm ) wurde offenbart, seinen Bund zu Gott zu bekräftigen und seine männlichen Nachkommen (dazu zählen Muslime und Juden) zu beschneiden.
    Außerdem werden nach Qur‘anischen Kontext die Eltern am Tage der Auferstehung zur Rechenschaft gezogen, ob sie den Bund zu Gott durch die Beschneidung der Knaben haben bekräftigen lassen oder nicht – seitens der Eltern und seitens des neugeborenen Knaben.

    Unser Prophet Muhammad (Friede sei mit ihm) hat außerdem überliefert ( Hadith bei Buchari ), dass alle Kinder als Gottergebene (übersetzt = Muslime ) geboren werden und dass die Erziehung sie später zu Muslimen, Andersgläubigen oder Atheisten macht.

    Daher sehen wir uns als Muslime verpflichtet nicht nur unsere Verpflichtungen, sondern auch die Verpflichtungen des neugeborenen Knaben zu erfüllen, den Bund zu Gott zu schließen.

    Für uns ist aus den o.g. Gründen das Thema „Beschneidung“ nicht verhandelbar.

    Jede Absicht die Beschneidung in Deutschland nicht durchführen lassen zu wollen, werten wir in dieser Hinsicht als Unterdrückung und schwere Menschenrechtsverletzung.

    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. Al Khatib

    http://www.dims-duesseldorf.de/resources/Beschneidung.pdf

    :::

    Vorsitzende: Marita Schopphoven-Al Khatib

    http://www.dims-duesseldorf.de/3.html

  7. Genital Integrity 100 % Says:

    Wer Jungen aus religiösen Gründen beschneidet, macht sich wegen Körperverletzung strafbar. Dies hat das Landgericht Köln in einem wegweisenden Urteil entschieden, das der FTD vorliegt. Weder das Elternrecht noch die im Grundgesetz garantierte Religionsfreiheit können diesen Eingriff rechtfertigen, stellte das Gericht in seiner Urteilsbegründung klar.

    Damit stellt erstmals ein deutsches Gericht den religiösen Brauch unter Strafe. Jährlich werden in Deutschland mehrere tausend Jungen in ihren ersten Lebensjahren auf Wunsch der Eltern beschnitten. In den USA wird sogar die Mehrheit aller Jungen – weitgehend unabhängig von der Religion – direkt nach Geburt beschnitten. Auch dort formiert sich nun aber massiver Widerstand gegen diese Praxis. Weltweit sind rund ein Viertel aller Männer beschnitten.

    Über Jahrzehnte hatten Ärzte in Deutschland in einer juristischen Grauzone agiert, wenn sie Jungen aus rein religiösen Gründen beschnitten, ohne dass es eine medizinische Notwendigkeit gab. Bislang konnten sie sich jedoch darauf berufen, keine Kenntnis von der Strafbarkeit religiöser Beschneidungen gehabt zu haben. Selbst wenn ein Gericht den Einzelfall später als Körperverletzung anerkannte, musste der Arzt wegen des so genannten Verbotsirrtums freigesprochen werden. Mit dem Kölner Urteil fällt diese Möglichkeit nun weg.
    „Das Urteil ist vor allem für Ärzte enorm wichtig, weil diese jetzt zum ersten Mal Rechtssicherheit haben“, sagte Holm Putzke von der Universität Passau. Der Strafrechtler fordert seit Jahren ein ausdrückliches Verbot der religiösen Beschneidung. „Das Gericht hat sich – anders als viele Politiker – nicht von der Sorge abschrecken lassen, als antisemitisch und religionsfeindlich kritisiert zu werden“, lobte Putzke. „Diese Entscheidung könnte nicht nur die zukünftige Rechtsprechung prägen, sondern im besten Fall auch bei den betroffenen Religionen zu einem Bewusstseinswandel führen, Grundrechte von Kindern zu respektieren.“

    Vor allem muslimische und jüdische Organisationen weisen die Forderungen nach einer Strafbarkeit der Beschneidung bislang entschieden zurück. Sie werten ein Verbot als „schweren Eingriff in das Recht auf freie Religionsausübung“. Zum Kölner Urteil wollten sie sich am Montag auf Anfrage zunächst nicht äußern. Man wolle zunächst die Urteilsbegründung prüfen, hieß es.
    Der Richterspruch dürfte für Diskussionen sorgen. Seit Jahren ringen Politik und Verbände um eine bessere Integration der muslimischen Bevölkerung. Wolfgang Schäuble berief dazu als Innenminister 2006 erstmals eine eigene Islamkonferenz ein. Der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff sagte: „Der Islam gehört zu Deutschland.“ Sein Nachfolger Joachim Gauck variierte: „Die Muslime, die hier leben, gehören zu Deutschland.“ Einige Muslime dürften das Kölner Urteil nun als einen Rückschritt auffassen.

    Experten gehen davon aus, dass nun weitere Fälle andernorts vor Gericht landen werden. Abschließend könnte die Frage nach der Strafbarkeit religiös motivierter Beschneidungen dann wohl vom Bundesverfassungsgericht geregelt werden.
    Im Kölner Fall hatte ein muslimischer Arzt an einem vierjährigen Jungen auf Wunsch der Eltern eine Beschneidung vorgenommen. Zwei Tage später kam es zu Nachblutungen, die Mutter brachte den Jungen in die Kindernotaufnahme. Die Staatsanwaltschaft erhielt Kenntnis davon und erhob Anklage gegen den Beschneider. Nachdem das Amtsgericht den Eingriff für rechtens befand, legte sie Berufung ein. Das Landgericht wertete ihn jetzt als „schwere und irreversible Beeinträchtigung der körperlichen Unversehrtheit“.

    aus: Matthias Ruch: Gericht stellt religiöse Beschneidung unter Strafe
    in: FTD – Financial Times Deutschland 25.06.2012

    http://www.ftd.de/politik/deutschland/:koerperverletzung-gericht-stellt-religioese-beschneidung-unter-strafe/70054618.html

  8. Genital Integrity 100 % Says:

    Religiöse Traditionen wurzeln tief, und jede Kritik an ihnen sieht sich hierzulande sofort dem Vorwurf der Intoleranz ausgesetzt. So werden sie immunisiert. Das gilt selbst für Intellektuelle wie Rauf Ceylan, der an der Universität Osnabrück Religionswissenschaften lehrt. Er hält die kritische Beleuchtung religiöser Traditionen schon für eine Herabwürdigung. Durch ihre Geschichte und die Zahl ihrer Anhänger legitimierten sich Religionen quasi von selbst. Auch wenn sich herausstellte, dass durch die rituelle Beschneidung die Entwicklung der Knaben Schaden nähme, würden Muslime, da ist Ceylan sich sicher, daran festhalten: „Die Beschneidung ist für Muslime so elementar, dass sie nie bereit sein werden, sie aufzugeben.“ …

    Beschneidungen muslimischer Knaben werden als großes Familienfest gefeiert. Frau Kelek beschreibt in ihrem Buch „Die verlorenen Söhne“ die Beschneidung ihres Neffen in einem „anatolischen Provinznest“. Sie schildert dessen Angst vor dem Schmerz, und dass es niemanden gibt, der ihm diese Angst nimmt, nicht einmal die eigene Mutter. Wer Angst hat, ist wehleidig und damit „unmännlich“. Sie sagt aber auch, dass die Knaben begeistert seien, wenn sie wie kleine Prinzen verkleidet, bejubelt und mit Geschenken überhäuft würden. „Sie gelten fortan als Löwen und sind der ganze Stolz ihres Vaters.“

    Durch die Beschneidung wird der Junge zum Mitglied der „umma“, der Gemeinschaft der Muslime. In den Augen Frau Keleks hat die Beschneidung schlimme Folgen: Sie nimmt den Jungen die Freiheit und zeigt ihnen, dass sie nichts sind ohne die Gemeinschaft. Und in dieser Gemeinschaft stehen sie auf der untersten Stufe, müssen von nun an gehorchen und den Älteren dienen. „Die Beschneidung reproduziert eine autoritäre Gesellschaft, weil durch das Opfer der Vorhaut die Unterwerfung symbolisch wie materiell manifestiert wird.“ …

    Eine vor kurzem veröffentlichte Studie des Kriminologen Christian Pfeiffer hat einen „signifikanten Zusammenhang von Religion und Gewaltbereitschaft“ bei muslimischen Männern herausgefunden. Deren Idealbild war: der starke Mann, der zuschlagen kann. Auch der Psychoanalytiker Matthias Franz versucht eine Erklärung. Die Verunsicherung muslimischer Jugendlicher und Männer hänge womöglich auch mit dem „Genitaltrauma“ der Beschneidung zusammen. Das werde bei vielen muslimischen Knaben im 5. oder 6. Lebensjahr gesetzt. Das sei die Phase der „Konsolidierung ihrer sexuellen Identität“. Auf dem Höhepunkt der ödipalen Entwicklungsphase, sagt Franz, werde dieser blutige Schnitt gemacht. Ängste und ein Groll gegen die Mutter seien mögliche Folgen. Vielleicht, sagt er vorsichtig, kämen daher die „Verschleierungstendenzen“ und die Kontrolle der weiblichen Sexualität, vor allem aber der „narzisstische Ehrbegriff mit hoher Kränkbarkeit“. …

    Dabei lohnt es sich, die Ursprünge der amerikanischen Beschneidungspraxis zu betrachten. Die liegen nämlich in einer verknoteten Sexualmoral, zu deren eifrigsten Propagandisten im 19. Jahrhundert der Erfinder der Cornflakes, John Harvey Kellogg, zählte. Für Kellogg war die Beschneidung von Knaben ein Mittel gegen Masturbation. Die Operation sollte ohne Betäubung vorgenommen werden, „weil der kurze Schmerz einen heilsamen Effekt hat“. Und auch Mädchen nahm er nicht aus: „Bei Mädchen ist die Behandlung der Klitoris mit unverdünnter Karbolsäure hervorragend geeignet, die unnatürliche Erregung zu mindern.“ Dass für Kellogg – er war verheiratet, seine Ehe wurde aber angeblich nie vollzogen – ein erfolgreicher Tag mit einem Einlauf begann, überrascht da nicht.

    Richard Wagner, FAZ vom 06.02.2011

    http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/beschneidung-blutiger-schnitt-1596907.html

  9. Querverweis Says:

    Der chrislamische Gottesstaat kommt – auch mit der sexualmagischen „rituellen“ MGM bagatellisierend genannt Beschneidung (Jungenbeschneidung). Bischöfe und Kirchenführer kritisieren in diesen Tagen des Juni 2012 Richter und Urteile. Wenn ein auf Seelenrettung verzichtendes deutsches Gericht Recht spricht, ist das keine „Rechtssicherheit“ und muss gefälligst revidiert werden, meinen die kalkuliert politisch wehklagenden Traditionalisten, jüdische Himmelswächter inklusive.

    Körperliche Unversehrtheit ist den Theokraten bekanntlich nicht so wichtig, Kindeswohl schon gar nicht. Kinder haben aus Angst vor göttlichem Strafgericht und Höllenflamme zu zittern und die Eltern gleich mit.

    Sich der AEMR und dem Aufklärungshumanismus verpflichtet fühlende Lehrer und Sozialarbeiter gibt es entweder gar nicht oder sie sind zu feige, den Mund aufzumachen. Ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis die schafiitische FGM im Namen des Kultursensiblen und „Differenzierten“ legalisiert werden wird?

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    Islamische und jüdische Verbände sehen Gefahr für Religionsfreiheit
    Focus 27.06.2012

    Die Richter des Kölner Landgerichts sehen die religiöse Beschneidung von kleinen Jungen als Körperverletzung – und werten daher das Recht auf körperliche Unversehrtheit höher als die Religionsfreiheit der Eltern. Der Vorsitzende der Unterkommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum der Deutschen Katholischen Bischofskonferenz, Bischof Heinrich Mussinghoff, erklärt: „Es ist bedauerlich, dass das Gericht sich nicht ernsthaft mit den religiösen Gründen der Beschneidung auseinandergesetzt hat. Das Urteil löst erhebliche Unruhe in der jüdischen und der islamischen Gemeinschaft aus.“

    Mussingshoff verweist auf die vorherrschenden religiösen Traditionen und sagt: „Viele fragen sich mit Sorge, ob sie zukünftig ungehindert ihren religiösen Pflichten in unserem Land nachkommen können. Es ist deshalb notwendig, dass in der Sache möglichst schnell Rechtsklarheit hergestellt und die ungestörte Ausübung der Religionsfreiheit sichergestellt wird.“

    Auch greife das Gericht in das Erziehungsrecht der Eltern ein, so Mussinghoff: „Das Urteil des Kölner Landgerichts zur Beschneidung von Jungen ist äußerst befremdlich, weil es der grundgesetzlich geschützten Religionsfreiheit der Eltern und ihrem Erziehungsrecht in keiner Weise gerecht wird. Der Gegensatz zwischen dem Grundrecht auf Religionsfreiheit und dem Wohl des Kindes, den die Richter konstruieren, vermag in diesem Fall nicht zu überzeugen. Der gesundheitliche Nutzen der Beschneidung wird von Medizinern unterschiedlich beurteilt.“

    Das Kölner Urteil zu Beschneidungen könnte nach Ansicht eines Strafrechtlers allerdings zu höheren medizinischen Risiken infolge von unprofessionellen Eingriffen führen. „Man müsste schon sehr naiv sein zu glauben, dass nun keine religiösen Beschneidungen in Deutschland mehr durchgeführt werden“, sagte der Rechtswissenschaftler Bijan Fateh-Moghadam vom Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Uni Münster am Mittwoch.

    „Es besteht aber jetzt ein gewisses Strafverfolgungsrisiko. Gerade Kliniken und neutrale urologische Praxen, die einen hohen medizinischen Standard gewährleisten, werden deshalb Vorsicht walten lassen und den Eingriff möglicherweise nicht mehr anbieten.“ So bestehe die Gefahr, dass die Beschneidungen in einer weniger professionellen Umgebung oder im Ausland stattfänden, sagte Fateh-Moghadam. „Das ist eine Entwicklung, die letztendlich zu weniger und nicht zu mehr Schutz für die Kinder führen wird.“

    „Wenn es darum geht, Kinder vor medizinischen Komplikationen bei der Beschneidung zu schützen, ist das Strafrecht die schlechteste Lösung“ erklärte der Experte. Stattdessen sollten Eltern seiner Ansicht nach besser aufgeklärt werden – etwa über die Möglichkeit, ihr Kind unter möglichst guten Bedingungen beschneiden zu lassen.

    „Drohungen mit dem Staatsanwalt machen aber jede Kommunikation mit den beteiligten Eltern muslimischen oder jüdischen Glaubens von vornherein unmöglich.“ So könnten sich die Familien kriminalisiert fühlen. „Das wäre doch ein sehr erheblicher Vorwurf, wenn man Eltern sagt, dass sie Straftaten an den eigenen Kindern begehen.“ Gerade weil es sich bei der Beschneidung von Jungen nur um eine leichte Operation mit eher kleinem Risiko handle, müsste den Eltern ein Ermessensspielraum bei der Entscheidung zugestanden werden. „Dieser ist erst überschritten, wenn sich die Entscheidung als ein Missbrauch des Sorgerechts darstellt“, erklärte Fateh-Moghadam.

    Der Strafrecht-Experte mahnte eine differenziertere Sicht auf Beschneidungen an Jungen an. „Das Landgericht macht es sich zu einfach. Man kann hier nicht einfach die Religionsfreiheit gegen die Grundrechte des Kindes abwägen“, sagte der Strafrechtler. „Zu deren Verwirklichung ist das Kind immer auf die Entscheidung seiner Eltern angewiesen. Dass den Eltern dieses Recht vorrangig zusteht, ist eine klare Entscheidung unserer Verfassung.“

    Dass die Beschneidung von Jungen aus religiösen Motiven als Straftat eingeschätzt wird, kriminalisiere zu Unrecht religiöse Familien. „Handlungen, die wesentlicher Bestandteil von Islam und Judentum sind und als abrahamitische Tradition seit Jahrtausenden durchgeführt werden, werden damit in Deutschland kriminalisiert.“, sagt der Koordinationsrat der Muslime in Deutschland (KMR), Ali Kizilkaya. Er wertet das Urteil des Kölner Landgerichts zudem als massiven Eingriff in die Religionsfreiheit und das Elternrecht. „Das Urteil führt zu Rechtsunsicherheit, schließlich ist in Deutschland seit Jahrtausenden die Beschneidung üblich und hatte aus gutem Grund keine strafrechtlichen Konsequenzen. Das Urteil wirft mehr Fragen auf, als dass es umfängliche Rechtssicherheit bietet.“, so Kizilkaya.

    Der Zentralrat der Juden bewertet das Urteil als „beispiellosen und dramatischen Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht der Religionsgemeinschaften“. Dieter Graumann, der Präsident des Zentralrates, sagte: „Diese Rechtsprechung ist ein unerhörter und unsensibler Akt. Die Beschneidung von neugeborenen Jungen ist fester Bestandteil der jüdischen Religion und wird seit Jahrtausenden weltweit praktiziert. In jedem Land der Welt wird dieses religiöse Recht respektiert.“ Der Gesetzgeber müsse dringend „die Religionsfreiheit vor Angriffen zu schützen.“

    http://www.focus.de/politik/deutschland/tid-26333/stimmen-zum-urteil-des-koelner-landgerichts-beschneidungsverbot-gefaehrdet-religionsfreiheit-erhoehtes-strafverfolgungsrisiko_aid_773893.html

    Seite zwei andere Internet-URL, ebenfalls in: FOCUS Online: Urteil zum Beschneidungs-Verbot: Islamische und jüdische Verbände sehen Gefahr für Religionsfreiheit

    http://www.focus.de/politik/deutschland/tid-26333/urteil-zum-beschneidungs-verbot-islamische-und-juedische-verbaende-sehen-gefahr-fuer-religionsfreiheit_aid_773827.html

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    Bischöfe kritisieren Urteil gegen Beschneidungen
    Der Spiegel 27.06.2012

    Aachen – Eingriff in die Religionsfreiheit oder Schutz vor Körperverletzung? Die Deutsche Bischofskonferenz hat das Urteil des Kölner Landgerichts zur Beschneidung von Jungen aus religiösen Gründen scharf kritisiert. Die Entscheidung sei „äußerst befremdlich, weil es der grundgesetzlich geschützten Religionsfreiheit der Eltern und ihrem Erziehungsrecht in keiner Weise gerecht wird“, sagte Heinrich Mussinghoff, Vorsitzender der Unterkommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum.

    Das Landgericht hatte die Beschneidung kleiner Jungen aus religiösen Gründen am Dienstag als Körperverletzung bewertet. Es sei jedoch nicht erwiesen, dass die Beschneidung dem Wohl des Kindes schade, sagte Mussinghoff: „Es ist auch nicht einsichtig, weshalb die Beschneidung dem Interesse des Kindes zuwiderlaufen soll, später selbst über seine Religionszugehörigkeit zu entscheiden.“

    Das Urteil habe erhebliche Unruhe in der jüdischen und islamischen Gemeinschaft ausgelöst. „Viele fragen sich mit Sorge, ob sie zukünftig ungehindert ihren religiösen Pflichten in unserem Land nachkommen können“, berichtete Mussinghoff. Um diese Zweifel auszuräumen, sei schnelle Rechtsklarheit gefragt.

    Kritik kam auch von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Die Religionsfreiheit und das elterliche Erziehungsrecht seien unzureichend gegen das Recht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit abgewogen worden“, sagte der Präsident des Kirchenamtes der EKD, Hans Ulrich Anke. Die Entscheidung bedürfe deshalb der Korrektur, um in Deutschland Rechtssicherheit zu schaffen.

    Der Zentralrat der Juden hatte von einem beispiellosen und dramatischen Eingriff in die Rechte der Religionsgemeinschaften gesprochen und den Bundestag aufgefordert zu handeln. Der Zentralrat der Muslime nannte die Entscheidung „einen eklatanten und unzulässigen Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht der Religionsgemeinschaften und in das Elternrecht“. Die Türkische Gemeinde in Deutschland warnte vor einem „Beschneidungstourismus“ in Länder, in denen solche Eingriffe nicht bestraft werden.

    Nach Ansicht eines Strafrechtlers könnte das Kölner Urteil zu höheren medizinischen Risiken infolge von unprofessionellen Eingriffen führen. „Man müsste schon sehr naiv sein zu glauben, dass nun keine religiösen Beschneidungen in Deutschland mehr durchgeführt werden“, sagte der Rechtswissenschaftler Bijan Fateh-Moghadam vom Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Uni Münster.

    Gerade weil es sich bei der Beschneidung von Jungen nur um eine leichte Operation mit eher kleinem Risiko handle, müsste den Eltern ein Ermessensspielraum bei der Entscheidung zugestanden werden. „Dieser ist erst überschritten, wenn sich die Entscheidung als ein Missbrauch des Sorgerechts darstellt“, so Fateh-Moghadam.

    Der Strafrechtler mahnte eine differenziertere Sicht auf Beschneidungen an Jungen an. „Das Landgericht macht es sich zu einfach. Man kann hier nicht einfach die Religionsfreiheit gegen die Grundrechte des Kindes abwägen“, sagte der Experte. „Zu deren Verwirklichung ist das Kind immer auf die Entscheidung seiner Eltern angewiesen. Dass den Eltern dieses Recht vorrangig zusteht, ist eine klare Entscheidung unserer Verfassung.“

    http://www.spiegel.de/panorama/justiz/bischofskonferenz-kritisiert-beschneidungsurteil-a-841280.html

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  10. Kalevala Says:

    Pressemitteilung vom vom 28.06.2012

    Der internationale Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) begrüsst das Urteil des Landgerichtes Köln zur Beschneidung aus religiösen Gründen.
    „Es wurde Zeit, dass die Beschneidung als das gesehen wird, was sie ist: ein strafbarer Eingriff in die körperliche Unversehrtheit von wehrlosen und ihren Eltern ausgelieferten Jungen. Es ist dabei irrelevant, ob diese irreversiblen Verstümmelungen aus religiösen oder anderen ideologischen Gründen durchgeführt werden“, sagt Rainer Ponitka, Pressesprecher des IBKA. „Das Urteil stärkt die Rechte der Kinder vor religiösen Übergriffen. Eine Beschneidung ohne eine medizinische Notwendigkeit ist Körperverletzung.“

    Laut Ponitka sei dieses Urteil ein Schritt in die richtige Richtung: „Wer nun, wie Volker Beck von den Grünen, eine Stärkung der Religionsfreiheit der muslimischen und jüdischen Glaubensgemeinschaft anregt, versteht das Grundrecht der Religionsfreiheit falsch: Ein Grundrecht dient immer dem Schutz des Individuums vor einer Gruppe.“ Auch greife die Kritik des Zentralrates der Muslime in Deutschland (ZMD) nicht. Deren Vorsitzender Aiman Mazyek sah durch das Urteil einen Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht der Religionsgemeinschaften. Hierzu Ponitka: „In unserer Verfassung gibt es kein Selbstbestimmungsrecht der Religionsgemeinschaften. Unser Grundgesetz spricht in Artikel 140 lediglich von einem Selbstverwaltungsrecht innerhalb der Grenzen der für alle geltenden Gesetze.“

    Ponitka weiter: „Richtig wäre der grundsätzliche Schutz von Kindern vor einseitiger religiöser Beeinflussung bis zum Erreichen der Religionsmündigkeit mit der Vollendung des 14. Lebensjahres. Bis dahin könnten sich Kinder ein unbeeinflusstes Bild der verschiedenen Religionen und Weltanschauungen machen, um sich selbstbestimmt für oder gegen eine Mitgliedschaft sowie für oder gegen die Teilnahme an archaischen Ritualen zu entscheiden.“

    http://www.ibka.org/presse12/kinderrechte_gestaerkt

  11. Kalevala Says:

    Necla Kelek: Die Beschneidung – ein unnützes Opfer für Allah
    WELT 28.06.2012

    “Jeder hat das Recht auf körperliche Unversehrtheit.” Steht im Grundgesetz Artikel 2. Niemand wird bestreiten, dass die Genitalverstümmelung von Frauen eine abscheuliche Sitte ist. Sie steht bei uns deshalb unter Strafe.

    Das Oberlandesgericht Köln hat nun in einem Urteil die Entfernung der Vorhaut bei Jungen aus religiösen Gründen ebenfalls als Körperverletzung definiert. Jüdische Verbände, Muslimvereine protestieren dagegen, dass die Verfassung Vorrang vor religiösen Riten haben soll. …

    “Aufgeklärte” Türken führen lieber medizinische Gründe an, die angeblich für eine Beschneidung sprechen. Ein Beschnittener leide nicht an Vorhautverengung, statistisch gebe es weniger Peniskarzinome, die Hygiene falle leichter, und das Risiko der Übertragung des Papillomavirus auf Frauen werde verringert.

    Alle diese Argumente sind inzwischen von Urologen hinreichend widerlegt worden, selbst die Mär, dass die Beschneidung keine nachteiligen medizinischen Folgen habe, wird von Ärzten bestritten.

    “Kurieren durch Amputieren”, so der Kinderarzt und Chirurg Christoph Flechter, “sei so dumm wie der Versuch, einer Nasenentzündung durch Entfernung des Riechorgans beizukommen.” …

    Was die schändliche Tradition der Beschneidung bei Mädchen anrichtet, darüber wissen wir einiges. Die Genitalverstümmelung von Mädchen ist durch den Paragrafen 242 Strafbesetzbuch verboten. Warum gilt die Beschneidung nur bei Mädchen als Körperverletzung?

    Das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit ist ein Grundrecht, das nicht durch ein wie auch immer begründetes Gewohnheitsrecht, durch eine orientalische Sitte, außer Kraft gesetzt werden darf.

    Die Psychiaterin Janet Menage hat den durch die Beschneidung verursachten seelischen Schaden als “gesellschaftlich sanktionierten Missbrauch” bezeichnet, der eine nachhaltige Traumatisierung hervorrufe.

    Die Geborgenheit, die Sicherheit, das Vertrauen, das Kinder in diesem Alter ihren Eltern überwiegend entgegenbringen, wird durch ein anderes “Lebensmuster” ersetzt – sie empfinden Ohnmacht und Verrat.

    Traumata aber sind nicht bewältigbar, sie werden eingefroren und verdrängt. Was nicht der Arbeit der Erinnerung und damit auch der Veränderung zugeführt werden kann, lebt in einem fort und zwingt zur Wiederholung. Das erklärt vielleicht auch, warum diese Tradition immer weiter fortleben kann.

    http://www.welt.de/debatte/kommentare/article107288230/Die-Beschneidung-ein-unnuetzes-Opfer-fuer-Allah.html

  12. Chronist Says:

    Bei Kindergewalt-Debatte „religiöse Beschneidung ausgeblendet“
    Holm Putzke bei dradio 27.06.2012

    im bürgerlichen Gesetzbuch gibt es eine Vorschrift, 1631 BGB, ein Paragraf, der sagt, Gewalt gegen Kinder – auch in der Erziehung – ist nicht zulässig …

    Ich glaube, viele Menschen haben über diese Frage so noch gar nicht nachgedacht. Und wenn man einmal die Argumente auf den Tisch legt und wenn man einmal die Argumente würdigen lässt und vorlegt, dann hört man doch überwiegend: Ja, das ist durchaus überzeugend, dass hier ein Eingriff stattfindet, der nicht im Kindeswohl liegt.

    Und warum wird denn nicht gewartet, bis die Kinder selber entscheiden können, ob sie ein solches religiöses, ja, Mal, also eine Art Stigmatisierung ja auch – man kann sich dieses Merkmals nicht mehr entziehen, es ist irreversibel -, warum man das denn nicht verschiebt und wartet, bis diejenigen selber entscheiden können? …

    bei Erwachsenen würde gar niemand zweifeln daran, dass man eine religiöse Beschneidung vornehmen kann. Oder bei Erwachsenen kommt ja auch niemand auf die Idee, dass man Schönheitsoperationen untersagt. Wenn das Erwachsene sind, dann können die eigenverantwortlich einwilligen, sie sind einwilligungsfähig, und selbstverständlich wirkt diese Einwilligung rechtfertigend, es gibt kein Körperverletzungsunrecht, wenn ein Arzt dies tut. …

    Dass es eine Straftat ist, das ist auf dem Boden unserer Gesetze der Fall. Wie das in anderen Ländern aussieht, das wage ich nicht zu beurteilen. Es ist aber so, dass beispielsweise in den USA die medizinisch nicht notwendige Beschneidung auch aus nicht religiösen Gründen in der Tat sehr stark verbreitet war. Mitte der 80er-Jahre waren die Beschneidungsraten von Säuglingen also routinemäßig noch bei über 80 Prozent.

    Inzwischen hat eine ganz gewaltige Diskussion in den USA eingesetzt und auch in vielen anderen Ländern. Und die routinemäßige Säuglingsbeschneidung liegt inzwischen, na, es gibt Zahlen, unter 50 Prozent, manche sagen, bei 30 Prozent. Also, ein rapides Absinken der Beschneidungsrate, weil man gemerkt hat, diese Eingriff ist ethisch nicht zu rechtfertigen. …

    was die Verpflichtung betrifft, da muss man unterscheiden zwischen dem Islam und dem Judentum: Im Islam gibt es gar keinen festgelegten Zeitpunkt. Es wäre durchaus möglich, dass man sagt, mit der Vollendung des 14. Lebensjahres kann man da noch eine Beschneidung durchführen, ohne gleich in Konflikt mit der Religion zu geraten. Im Judentum ist das in der Tat problematischer, da ist der achte Tag nach der Geburt der entscheidende Tag. Ich wage nicht, irgendeine Alternative vorzuschlagen, ich begebe mich nicht auf das Gebiet der Religion und rede da auch nicht rein, aber das ist in der Tat problematisch.

    Was das Vertreiben in die Hinterhöfe angeht, so muss ich sagen: Wenn wir zu dem Ergebnis kommen, dass es sich um einen rechtswidrigen Eingriff handelt, dann muss man solche Folgen möglicherweise tolerieren. Wir tolerieren und akzeptieren ja auch, dass das Verbot von Drogen, leichten Drogen, dazu führt, dass die Leute sich verschmutzte Spritzen geben und setzen, und wir akzeptieren auch, dass die Abtreibung nach der zwölften Schwangerschaftswoche möglicherweise dazu führt, dass Frauen auch nach der zwölften Schwangerschaftswoche sich in irgendwelche unqualifizierte Hände begeben.

    Immer, wenn wir ein Verbot haben, droht, dass dieses Verbot irgendwo dann in die Illegalität führt. Aber das ist nun mal zwangsläufig bei jedem Verbot so.

    http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/1796548/

  13. One Law For All Says:

    brit milah, metzitzah b’peh

    Sources in Orthodox Jewish community say baby’s parents were related to herpes-infected rabbi who did circumcision
    By Simone Weichselbaum And Reuven Blau • NEW YORK DAILY NEWS March 7, 2012

    An infant died at Maimonides Medical Center on Sept. 28 from herpes contracted during a ritual circumcision.

    Authorities are being stonewalled by the family of a newborn boy who died after contracting herpes through a controversial religious circumcision ritual, the Daily News has learned.

    Multiple sources in the Orthodox Jewish community said the 2-week-old boy’s parents were related to a herpes-infected rabbi who conducted the circumcision according to tradition — using one’s mouth to remove blood from the wound.

    The Brooklyn District Attorney’s Office is investigating the death and trying to identify the rabbi, or mohel, but family members have not been cooperative, sources said. …

    City health officials have criticized the religious practice, saying that putting the open wound into contact with the mouth of the rabbi carries “inherent risks” for the infant.

    The unidentified infant died at Brooklyn’s Maimonides Medical Center last Sept. 28. An autopsy listed the cause of death as “disseminated herpes simplex virus Type 1, complicating ritual circumcision with oral suction,” according to a spokeswoman for the city Medical Examiner.

    Mayor Bloomberg Tuesday vowed to work with the Orthodox Jewish community to prevent future tragedies.

    http://www.nydailynews.com/life-style/health/family-stonewalling-authorities-newborn-dies-herpes-contracted-ritual-circumcision-article-1.1034585

    http://failedmessiah.typepad.com/failed_messiahcom/2012/03/family-of-dead-baby-killed-by-bris-stonewalls-cops-health-department-456.html

    Why Metzitzah B’Peh Must Be Banned Immediately
    Shmarya Rosenberg • FailedMessiah.com

    The Maharam Schick was a leading student of the Hatam Sofer, the arch-traditionalist who fought the nascent Reform Movement. The Maharam Schick continued the Hatam Sofer’s work and his arch traditionalism. He was a strong advocate of keeping metzitzah b’peh (MBP), the direct oral to genital suction done by the mohel to the baby’s open circumcision wound, despite the prevailing medical opinion of his day that found it to be unsanitary and unseemly.

    In a teshuva (Orach Hayyim 152)* he made several points:

    1. We have no evidence of disease transmitted by MBP. No mohel he knew reported any post-circumcision diseases related to MBP.

    2. Doctors rely on probabilities which are really estimates.

    3. Halakha relies on truth given to us by God through Moses his prophet.

    4. There is a halakhic principle: Whenever a life is at risk, we do not rely on probabilities [meaning that, for example, even if it is more likely that breaking Shabbat law to drive a person to an emergency room is unnecessary and it is safe to wait until Shabbat ends to get him treatment, we still break Shabbat laws and drive him to the emergency room immediately, and this is true even if the possibility he will die if we don’t drive him now is very small].

    5. MBP protects the health of the baby. That’s what God told us through Moses. Therefore we must keep doing it.

    6. Even if doctors were correct that gauze or a sterile tube worked as well as MBP, we could not change because, in the end, what they say is only probability, and whenever a life is at risk, we do not rely on probabilities. …

    Herpes Simplex Virus 1 (HSV-1) infections at the MBP site have killed babies and left at least one child brain damaged. (This is far more certain than what many haredi rabbis claim.)

    Every infant who gets HSV-1 will have it for life and will in all likelihood transmit it to many others. Some of those ohers will become very ill. Some some will even die. And all of them and everyone they give HSV-1 to will carry HSV-1 for the rest of their lives. Other diseases, including but not limited to STDs, can also be transmitted through MBP, as well.

    Even according to the arch traditionalist the Maharam Schick, „whenever a life is at risk, we do not rely on probabilities“ – we must do what is necessary to save that life.

    And that means we must ban MBP immediately.

    http://failedmessiah.typepad.com/failed_messiahcom/2012/03/why-metzitzah-bpeh-must-be-banned-immediately-345.html

    The New York City Health Commissioner has issued a strongly worded statement calling for an end to a controversial circumcision-related rite.

    Dr. Thomas Farley said that direct oral-genital suction, known as metzitzah b’peh, should not be performed during Jewish ritual circumcision, and announced that several hospitals, including those serving the haredi Orthodox Jewish community, have agreed to distribute a brochure that describes the risk of contracting the herpes virus from the practice. …

    “There is no safe way to perform oral suction on any open wound in a newborn,” Farley said. “Parents considering ritual Jewish circumcision need to know that circumcision should only be performed under sterile conditions, like any other procedures that create open cuts, whether by mohelim or medical professionals.”

    Haredi leaders have resisted calls to replace direct oral suction with alternative approaches used by some mohelim, such as the use of a sterile tube or gauze to take the blood from the circumcision wound.

    jewishjournal June 7, 2012

    http://www.jewishjournal.com/health/article/nyc_health_commissioner_condemns_metzitzah_bpeh_20120607/

    Report: Newborn died from circumcision-related rite
    The cause of death was listed as ‘disseminated herpes simplex virus Type 1, complicating ritual circumcision with oral suction’
    March 5, 2012

    News of the death comes more than half a decade after a public controversy broke out in New York City over the practice among haredi Orthodox Jews of metzitzah b’peh, which traditionally involves a mohel orally suctioning blood from a circumcision wound. …

    Haredi leaders have resisted calls to replace direct oral suction with alternative approaches used by some mohels, such as the use of a sterile tube or gauze to take the blood from the circumcision wound.

    http://www.timesofisrael.com/report-newborn-died-from-circumcision-related-rite/

    Health Department investigations of newborns with the herpes virus from 2000 to 2011 have shown that 11 infants contracted the herpes virus when mohels, or ritual circumcisers, placed their mouths directly on the child’s circumcision wound to draw blood away from the circumcision cut, according to a statement from the department. Ten of the infants were hospitalized, at least two developed brain damage and two babies died.

    Varma said during the meeting, according to The New York Times, that two of the families whose babies contracted herpes after metzitzah b’peh was performed did not know it would be used. He added that since March, other families have called the department with concerns that their mohel would perform the rite. …

    The rite is not used in most Jewish circumcision ceremonies, but many in the haredi Orthodox community still adhere to it. Haredi leaders have resisted calls to replace direct oral suction with alternative approaches used by some mohels, such as the use of a sterile tube or gauze to take the blood from the circumcision wound.

    The Times Of Israel June 14, 2012

    http://www.timesofisrael.com/compromise-proposed-in-ny-for-metzitzah-bpeh/

  14. Chronist Says:

    Religionsfreiheit und Kindeswohl
    Wann ist die Körperverletzung durch Zirkumzision gerechtfertigt?
    Von Prof. Dr. Rolf Dietrich Herzberg, Bochum
    ZIS 7-8/2010

    M.E. ist die stellvertretende (elterliche) Einwilligung in eine kurativmedizinisch nicht indizierte Zirkumzision selbst dann unwirksam, wenn die Eltern die Operation – was selten der Fall sein wird – ganz bewusst um der „präventiv-medizinischen Vorteile“ willen veranlassen. …

    Stellvertretende Einwilligungen zu Lasten des Rechtsgutsträgers, die ihm gegenüber eine Schutzpflicht verletzen, sind unwirksam; auf Evidenz und Gröblichkeit kommt es nicht an. …

    Dass das kindliche Veto als „Einwilligungssperre“ wirke, ist eine in meinen Augen wertvolle Einschränkung der Macht beschneidungswilliger Eltern, kann aber von vornherein nur für solche Operationen gelten, die nicht der Behebung von Krankheit (im weiten Sinne) dienen, d.h. vereinfacht gesagt: die unnötig sind. …

    Denn das Kriterium des kindlichen Willens verlangt selbstverständlich von den Eltern, dass sie den wahren Willen des Kindes nicht durch Pression, Lüge und Verharmlosung verfälschen. Sie müssen ihm vielmehr sagen, dass die Beschneidung zwar ein Fest und schöne Geschenke, aber auch Risiken und schlimme, tage- oder wochenlang andauernde Schmerzen mit sich bringt, und ihm in fairer Neutralität die Alternative anbieten: „Du kannst es dir überlegen und dich später, wenn du groß bist, selbst entscheiden, dafür oder dagegen.“ Ich vermute, dass sich die meisten Jungen, wenn man sie weder belügt noch unter Druck setzt, für den Aufschub entscheiden würden.

    http://www.zis-online.com/dat/artikel/2010_7-8_468.pdf

  15. Khyber Markhor Says:

    Religiöser Ritus Ein einschneidender Beschluss

    29.06.2012 · Nicht nur das Kölner Landgericht, auch manche Israelis lehnen die jahrtausendealte Tradition der Beschneidung jüdischer Jungen ab. Noch sind sie eine Randgruppe, die gegen ein gesellschaftliches Tabu ankämpft. Aber sie wächst.
    Von Gil Yaron, Tel Aviv

    … Jonathan Enosch, der Gründer des Vereins „Ben Schalem“ – intakter Sohn -, der seit fünfzehn Jahren gegen die Beschneidung kämpft: „Immer mehr Juden entscheiden sich in Israel gegen diese Tradition“, sagt er. Inzwischen sind es rund zwei Prozent der jüdischen Eltern, die sich weigern, ihre Söhne beschneiden zu lassen. Das sind mehrere tausend Familien, schätzen israelische Medien. Sadeh, der eine Website über die „potentiell negativen Konsequenzen einer Beschneidung“ eingerichtet hat, berichtet von monatlich fünfzehnhundert Besuchen. …

    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/religioeser-ritus-ein-einschneidender-beschluss-11802683.html

    [ The aftermath of the proposed circumcision ban
    by Rabbi Michael Gotlieb ]
    JJ — August 8, 2011

    COMMENTS

    I am a Jewish man, and I resent having been circumcised, and I support a law making circumcision illegal. In 1998, an Israeli group, Ben Shalem petitioned the courts in Israel to recognize circumcision, even religious circumcision as “criminal assault”, which is illegal in Israel.

    http://www.britmila.org.il
    http://www.kahal.org
    http://www.jewsagainstcircumcision.org
    http://www.circumcision.org
    http://www.beyondthebris.com
    http://www.jewsagainstcircumcision.org/

    http://www.jewishjournal.com/opinion/article/the_aftermath_of_the_proposed_circumcision_ban_20110808

  16. Khyber Markhor Says:

    Der stellvertretende Leiter der Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie Düsseldorf, Matthias Franz, weist auf langfristige Gefahren der Beschneidung hin.

    „Wenn Jungen beschnitten werden, kann das zu körperlichen und seelischen Langzeitfolgen führen, etwa sexuellen Funktionsstörungen“, sagte der Medizinprofessor auf einer Pressekonferenz der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität. …

    Diese Problematik werde aus Respekt vor religiösen oder kulturellen Tabus und aus Angst vor möglichen Konflikten bislang aber vorwiegend in Fachkreisen diskutiert. Franz kritisierte eine mangelnde Sensibilität für männliche Leiden. „Mit der Männerrolle ist immer noch verknüpft, Leiden zu ertragen.“

    WELT 12.07.12
    Mediziner warnt vor dem Entfernen der Vorhaut

    http://www.welt.de/gesundheit/article108271234/Mediziner-warnt-vor-dem-Entfernen-der-Vorhaut.html

    Weltweit sind rund ein Drittel der Männer beschnitten – die Beschneidung der Vorhaut ist die am häufigsten durchgeführte Operation. Doch laut Experten kann der Eingriff traumatische Folgen haben.

    Düsseldorf (dpa/lnw) – Der Düsseldorfer Psychoanalytiker Prof. Matthias Franz hat vor den Gefahren der häufig religiös motivierten Beschneidung von Jungen gewarnt. Die Operation im Säuglings- oder Kindesalter stelle ein Trauma dar und könne zu andauernden körperlichen, sexuellen oder psychischen Leidenszuständen führen, sagte der Mediziner am Donnerstag in Düsseldorf. «Diese Problematik wird aus Respekt vor religiösen oder kulturellen Tabus und aus Angst vor möglichen Konflikten bislang aber vorwiegend in Fachkreisen diskutiert.» Aus medizinischen Gründen sei der Eingriff nur sehr selten angezeigt. Das Landgericht Köln hatte die Beschneidung von Jungen aus religiösen Gründen Ende Juni für strafbar erklärt.

    Psychoanalytiker warnt vor Gefahren der Beschneidung von Jungen
    Mittwoch, 11. Juli 2012, 15:00 Uhr

    http://www.bild.de/regional/duesseldorf/duesseldorf-regional/psychoanalytiker-warnt-vor-gefahren-der-beschneidung-25108666.bild.html

    stern 12. Juli 2012, 16:01 Uhr
    Reaktion auf Kölner Gerichtsurteil Rabbiner vergleichen Beschneidungsverbot mit Holocaust

    Für Europas Rabbiner ist klar: Ohne Beschneidungen wird jüdisches Leben in Deutschland unmöglich. Ihr Präsident zieht gar Parallelen zur NS-Zeit und spricht von einer bedrohlichen Entwicklung.

    Das Kölner Beschneidungsurteil wird von der Konferenz Europäischer Rabbiner als schwerster Angriff auf jüdisches Leben seit dem Holocaust betrachtet. „Ein Verbot der Beschneidung stellt die Existenz der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland infrage“, sagte der Präsident des Verbandes, der Moskauer Rabbiner Pinchas Goldschmidt, am Donnerstag in Berlin. „Sollte das Urteil Bestand haben, sehe ich für die Juden in Deutschland keine Zukunft.“ Er gehe jedoch davon aus, dass die Beschneidung von Knaben aus religiösen Gründen gesetzlich in der Bundesrepublik verankert wird.

    Das Schächtverbot der Nationalsozialisten sei ein Zeichen für viele Juden gewesen, „wir müssen weg aus Deutschland“, sagte Goldschmidt. Ein Beschneidungsverbot wäre angesichts der Bedeutung dieses Brauchs ein viel stärkeres Zeichen.

    Das Landgericht Köln hatte als erstes Gericht die Beschneidung von Jungen als Körperverletzung bewertet. Das Selbstbestimmungsrecht des Kindes werde dadurch verletzt.

    Die Beschneidung sei Grundlage für jüdisches Selbstverständnis, betonte Goldschmidt, die rechtliche Überlieferung des Judentums (Halacha) schreibe sie acht Tage nach der Geburt eines Jungen vor. In dieser Frage gebe es absolute Einigkeit zwischen orthodoxen und liberalen Juden.

    Das Urteil sei Teil einer Folge von Angriffen auf religiöse Minderheiten in Europa, sagte Goldschmidt nach einer Sitzung von rund 40 europäischen Rabbinern. Dazu gehörten die Einschränkungen für den Minarettbau in der Schweiz, das Burkaverbot in Frankreich sowie das Schächtverbot in den Niederlanden. Als positiv nannte der Rabbiner Äußerungen des deutschen Botschafters in Israel, Andreas Michaelis, der eine rechtliche Klarstellung bei der Anhörung der Knesset in Aussicht gestellt habe.

    Auf eine höchstrichterliche Klärung wollen die Rabbiner nicht warten. „Keiner von uns kann warten, bis Karlsruhe entscheidet“, sagte der Rabbiner Avichai Apel von der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland. Auch nach dem Kölner Urteil würden die von den Synagogen bestellten Beschneider (Mohel) die Entfernung der Vorhaut von Knaben fortsetzen. Unter Eltern herrsche aber große Verunsicherung. „Das kann so nicht weitergehen.“

    Goldschmidt bezeichnete es als erschreckend, dass nach Umfragen eine Mehrheit der Bevölkerung das Kölner Urteil begrüße. Das Urteil weise daraufhin, dass Muslime und Juden in Europa nicht mehr „salonfähig“ seien. Im 19. Jahrhundert sei der Antisemitismus noch religiös definiert worden. „Die neue Sprache des Antisemitismus ist die Sprache der Menschenrechte“, sagte Goldschmidt und zitierte damit den Londoner Großrabbiner Jonathan Sachs.

    http://www.stern.de/panorama/reaktion-auf-koelner-gerichtsurteil-rabbiner-vergleichen-beschneidungsverbot-mit-holocaust-1856574.html

    „Schwerster Angriff auf jüdisches Leben seit dem Holocaust“
    süddeutsche 12.07.2012

    „Sollte das Urteil Bestand haben, sehe ich für die Juden in Deutschland keine Zukunft“, sagte der Präsident des Verbandes, der Moskauer Rabbiner Pinchas Goldschmidt, in Berlin. Er gehe jedoch davon aus, dass die Beschneidung von Knaben aus religiösen Gründen gesetzlich in der Bundesrepublik verankert wird.

    Das Landgericht Köln hatte als erstes Gericht im Juni die Beschneidung von Jungen als Körperverletzung bewertet. Das Selbstbestimmungsrecht des Kindes werde dadurch verletzt.

    Jüdische und muslimische Organisationen reagierten empört auf das Kölner Urteil. Sie sahen darin einen Angriff auf die Religionsfreiheit und eine grobe Missachtung religiöser Traditionen.

    Von ärztlicher Seite kam hingegen durchaus Zustimmung: So nahm die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH) das Urteil „begrüßend zur Kenntnis“. Die Entscheidung des Kölner Gerichts gebe Rechtssicherheit und unterstreiche das Recht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit.

    Politiker unterschiedlicher Parteien überlegen nun, mit welchen gesetzlichen Mitteln auf das Urteil reagiert werden kann. Zuletzt schlug der integrationspolitische Sprecher der FDP, Serkan Tören, vor, Beschneidungen durch eine Änderung des Patientenrechts zu legalisieren.

    Der Paragraf 630, der auch ästhetische Eingriffe regelt, solle ergänzt werden, schrieb Tören laut einem Bericht der Neuen Osnabrücker Zeitung an Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP). Tören schlug vor, auch medizinisch nicht zwingend notwendige Eingriffe zu erlauben, „sofern die Risiken überschaubar sind und keine negativen gesundheitlichen Folgen aus ihnen resultieren“.

    http://www.sueddeutsche.de/politik/rabbiner-zu-beschneidungsurteil-schwerster-angriff-auf-juedisches-leben-seit-dem-holocaust-1.1410909

    Neben der Moderatorin Will waren der Berliner Gemeinderabbiner Yitshak Ehrenberg, der Rechtswissenschaftler Holm Putzke, die Psychotherapeutin und TV-Moderation Angelika Kallwass, die Journalistin Khola Maryam Hübsch und die Rechtsanwältin und Frauenrechtlerin Seyran Ates auf dem Podium versammelt.

    Zwei Männer und vier Frauen sollten dem Publikum eine adäquate Diskussion der Frage bieten, ob das kontroverse Urteil des Landgerichts Köln eine richtige Entscheidung darstellt. Dass diese Debatte in die Hose gehen könnte, war nur wahrscheinlich. Und man wird mutmaßen, ob künftige Diskussionen bei Will zu Themen wie dem Schwangerschaftsabbruch mehrheitlich mit Männern besetzt werden, oder woran es sonst lag, dass am Mittwochabend ganz überwiegend Frauen den Streit über den Sinn und Unsinn der Beschneidung von Penissen männlicher Kinder austrugen.

    Das schillerndste Beispiel für gravierenden Mangel an der Reflexionsfähigkeit, welche in einer solchen Diskussion hilfreich sein könnte, bot jedenfalls Khola Maryam Hübsch, eine muslimische Journalistin. Die glühende Apologetin des tradierten Glaubens brillierte sowohl mit punktuell erschreckender Ahnungslosigkeit, wenn sie mit offenbar bestem Gewissen die Tatsache bestritt, dass die Beschneidung eine Körperverletzung im strafrechtlichen Sinne darstellt. Oder sich als ein leuchtendes Beispiel von Empathie inszenierte, als sie ihren Kontrahenten vorwarf: „Sie hängen sich auf an einem Stück Vorhaut“. …

    Die Beschneidung sei das Fundament der jüdischen Religion, so Ehrenberg, über seinen Glauben. Er meinte, dass ein Verbot des Abtrennens kindlicher Penisvorhäute die Tötung des Judentums in Deutschland bedeutend würde. Männliche Kinder ohne abgeschnittene Vorhaut, erklärte der Rabbiner, seien weggenommen von Gott und dem jüdischen Volk. …

    Ist es wirklich verboten, Traditionen neu zu denken? Mit dieser Frage konnte wenigstens Seyran Ates die Hoffnung beleben, dass die mediale Diskussion über das Beschneidungsurteil irgendein Potential zur Entwicklung bietet.

    Ates erinnerte ihre aufgeregt sprechende Glaubensgenossin Khola Maryam Hübsch nicht nur daran, dass die Vorhautabtrennung eine Sitte ist, die lange vor der islamischen Religion entstand, sondern plädierte auch dafür, die Denkverbote im eigenen Glauben aus dem Weg zu schaffen. Und einen vernachlässigten Aspekt konnte sie der Kontroverse hinzufügen, als sie auf den Charakter des Kults als ein Eingangsritus für ein patriarchalisches System aufmerksam machte.

    Abseits der Ausreden und Behauptungen von Hübsch sowie dem anscheinend fehlenden Willen der Talkshow-Moderatorin Anne Will, in der Sendung als Moderatorin zu agieren, übernahm Ates schließlich die bedeutende Rolle der Brückenbauerin zwischen den so unterschiedlichen Kulturen und stellte die Frage, ob es denn nicht auch anders geht.

    Neben Seyran Ates und der als „Atheistin“ vorgestellten Angelika Kallwass repräsentierte aber vor allem der Rechtsexperte Holm Putzke die so unverzichtbare und nüchterne Stimme der Vernunft in der Kontroverse.

    „Wir müssen uns an die Fakten halten“, stellte Putzke in der Sendung fest, auch wenn er die Verteidiger der Abtrennung von Vorhäuten männlicher Kinder nicht einfach so dafür begeistern konnte. Aber immerhin dem Publikum half er, den Meinungen der Befürworter dieses Ritus gute Argumente entgegenzuhalten und viele Behauptungen als Ausreden zu entlarven. Respekt gebührt ihm für die souveräne Ruhe, die er in vielen Momenten der Diskussion aufzubringen hatte, bis er sich schließlich zur Frage genötigt sah: „Hat die Religion Narrenfreiheit oder gilt das Grundgesetz?“

    Aber natürlich sieht sich die Religion über dem Grundgesetz, Herr Putzke, was fragen Sie? Jedenfalls den Vorstellungen ihrer orthodoxen Vertreter nach, ob Hübsch oder Ehrenberg, welche in ihren Ausführungen zu oft Zweifel aufwerfen, ob sie wirklich auf dem Boden dieser geringen, nationalstaatlichen Verfassungsgrundsätze stehen wollen, deren Auslegung die eigenen heiligen, alle Grenzen von Raum und Zeit überschreitenden Regeln ansonsten bitte auf keinen Fall berühren sollte – und die dafür noch vom Staat gefördert werden. …

    Arik Platzek
    hpd 12.07.2012

    http://hpd.de/node/13746

  17. Jacques Auvergne Says:

    Zu lesen bei Wiki:
    Patria Potestas

    Die patria potestas war im antiken Rom die theoretisch uneingeschränkte Verfügungsgewalt (potestas) des pater familias, des männlichen Familienoberhauptes, über die familia. Zu römischen familia gehörten anders als bei vielen anderen Familienformen auch die verheirateten Söhne mit ihren Frauen und Kindern, die Adoptivsöhne, Sklaven, Vieh und das sonstige Besitztum. Die patria potestas war für das Familien- und Eheleben rechtlich konstitutiv …

    Die patria potestas manifestierte sich jedoch auch in einer aus heutiger Sicht auf den ersten Blick entsetzlichen Praxis, nämlich in der Entscheidungsgewalt des pater familias über die Annahme oder Aussetzung neugeborener Kinder. Kinder von Angehörigen der familia, die man nicht aufziehen konnte oder wollte, sei es aus finanziellen Gründen, sei es, weil sie Bastarde waren, behindert oder schlicht Mädchen, wurden häufig an öffentlichen Plätzen ausgesetzt. Die Aussetzung von Neugeborenen bei öffentlichen Dunghaufen war in der ganzen römischen Welt bis zum Jahr 374 n. Chr. legal. Die Kinder verfielen allerdings in der Regel nicht dem Tode, sondern normalerweise der Sklaverei: Sie wurden zum Eigentum dessen, der sie aufnahm und großzog. …

    Um neugeborene Kinder dagegen in der familia zu halten, war es erforderlich, dass sie der pater familias, dem sie nach der Geburt zu Füßen gelegt wurden, aufhob (was suscipere oder tollere hieß) und damit formal annahm. Sie erhielten, die Knaben am neunten, die Mädchen am achten Tag (dies lustricus), Namen und religiöse Weihe und wurden hierauf im elterlichen Haus erzogen und unterrichtet.

    Aufzulösen war die patria potestas nur durch den Tod des Gewaltinhabers, seltener durch die später häufiger werdende mancipatio, den Scheinverkauf durch den pater familias an Dritte, die dann die Freilassung aussprachen, wodurch aber das Anrecht auf Erbschaft verlorenging. Söhne wurden so sui iuris („eigenen Rechts“) und konnten nun selbst als pater familias eine eigene Familie gründen.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Patria_Potestas

  18. Islamic Law on Female Circumcision Says:

    *

    Circumcision is obligatory upon men and women according to us (i.e. the Shafi’is). (Majmu’ of Imam An-Nawawi 1:164) The circumcision is wajib upon men and women according to the rājih qawl of Shāfiʿī madhhab. In a situation a woman is in her advanced age, it is not permissible to circumcise her if it may harm her (al-Rauḍah of Imam An-Nawawi: 3: 384).

    Allah knows best

    Answered by:
    Sidi Abdullah Muḥammad al-Marbūqī al-Shāfiʿī

    Checked by:
    Al-Ustāż Fauzi ibn Abd Rahman

    http://www.shafiifiqh.com/what-is-the-ruling-on-circumcision-for-women/

    *
    *

    Female Genital Mutilation „An Obligation“ According to Iraqi Muslim Cleric

    by Irfan Al-Alawi
    August 18, 2011

    … But a local cleric, Ismail Sussai, in the major Iraqi Kurdish city of Arbil, has delivered a televised sermon in which he described FGM as „obligatory,“ called on fathers to kill themselves, on pain of losing their „honor,“ if they are legally prevented from abusing their daughters for using mobile phones; and he defended the beating of wives and children. …

    He went on to threaten political opposition to the KRG if Barzani signs the law against domestic violence and FGM. …

    Sussai based his argument for FGM on support for it by the Shafi’i school of Islamic jurisprudence, one of four Sunni schools. While Shafi’i legalists have declared FGM obligatory, its imposition on girls has not been uniform. Shafi’i jurisprudence is widely adhered to in Muslim communities in East Africa, as well as in Egypt and Indonesia, with additional enclaves of support in the other Arab lands, the Indian ocean, and Southeast Asia. But FGM is rare in large areas of the Muslim geographical region that recognizes Shafi’i religious law. …

    http://www.gatestoneinstitute.org/2360/female-genital-mutilation-iraq

    *
    *

    Die Schafiiten verlangen die weibliche Genitalverstümmelung, die anderen drei sunnitischen Rechtsschulen halten sie für ehrbar oder empfehlen sie.

    Below is my excerpted translation of the 41-page Arabic-language paper by Dr. Hatem al-Haj entitled „Circumcision of Girls: Jurisprudence and Medicine

    The Hanafis: Al-Zayla’i said: “The general ruling is that circumcision is sunnah, and is one of the trademarks of Islam. In fact, if the people of Egypt or some land decided to abandon its practice, the Imam would make war against them, for it cannot be abandoned except by necessity… Female circumcision is not sunnah, but it is an honor for men because it is more pleasing during sex” [ellipses in original].

    The Malikites: From al-Kharshi’s brief summary of Khalil: “Its ruling (i.e. circumcision) is that it is sunnah for men, and it cuts off the foreskin. It is recommended for women, and is called khifad [reduction].”

    The Hanbalis: From Ibn Muflih’s Furu’ [body of rules and regulations for man’s behavior]: “(According to Ahmad), circumcision is obligatory on all but women, for whom it is recommended. Our Shaykh said, ‘It is obligatory because cleanliness and prayer are obligatory’.” Ibn Qudama said: “Circumcision is a duty for men, and for women it is an honor, but it is not obligatory. This has been stated by many scholars.” Ahmad said: “The man is more difficult, because if the man is not circumcised, then the skin dangles over the [penis] and cannot be cleaned. But the woman is easier.”

    (…)

    the Shafi’ites and Hanbalis, as is also stated by Sahnoun from the Malikites, believe that circumcision is a duty for both men and women. … Third, this is written by Ibn Qudama in al-Mughni, that circumcision is a duty for men, and for women it is an honor but not a duty” [ellipses in original].

    Assessment

    It appears that for male circumcision the most correct view is that it is obligatory, owing to the saying of Muhammad to the man who converted to Islam: “Remove your infidel hair and be circumcised.” This was obligatory–there was no alternative.

    Regarding women, perhaps the most correct view is that it is recommended, however there is consensus that it is (at least) legitimate. Muhammad also endorsed it, as was narrated in the hadith of Umm ‘Atiyah, who used to circumcise girls. He said to her: “Reduce it, but do not remove too much, because it is more beautiful to behold and better for her husband.” He also said, “If you touch the two circumcisions, you must wash.” This shows that female circumcision was prevalent during his day, and he did not repudiate it. Nor did he stipulate anything else regarding female circumcision.

    (…)

    http://www.translatingjihad.com/2012/04/amja-senior-committee-member-female.html

    *
    *

    Islamic Jurisprudence of Female Circumcision
    Even though there are different opinions among scholars of Islamic jurisprudence regarding female circumcision (like whether it is obligatory or Sunnah), it is very obvious that female circumcision shouldn’t be discouraged or abandoned. According to majority of Shaafi- Mazhab scholars (Shaafi School of Islamic Jurisprudence), female circumcision is obligatory and others say it is Sunnah (favourable).

    Female Circumcision in Islam
    By: Siddique Saqafi

    http://www.islamexplored.net/2009/06/female-circumcision-in-islam.html

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    In Malaysia, a university survey of 1000 respondents found that over 90 percent of Muslim women reported being circumcised.[vii] A study in Kelantan found that all of the women in the labour ward had undergone FGC.[viii] In Indonesia, the figure is upwards of 86 percent, with 90 percent of adults supporting it.[ix] In her study of southern Thailand, Claudia Merli applies the same description to the province of Satun, because of cultural and regional proximity to Malaysia and Indonesia.[x] …

    The overwhelming majority of Muslims in Southeast Asia follow the Shafii school of law, which declares FGC as wajib, or obligatory. In contrast, the other three Sunni schools, together with the Shia schools, consider FGC a sunnah or a recommended act. Just like male circumcision, there is no mention of it in the Quran. The form of FGC taking place in Southeast Asia seems to follow this general and gender-neutral rule from al-Nawawi to remove the prepuce at a young age, but also at an older age if it causes no ‘harm’.[xvi] This ruling is found in his chapter on taharah or purity …

    Sya Taha

    http://www.theislamicmonthly.com/a-tiny-cut-female-circumcision-in-south-east-asia/#_edn16

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    Reliance of the Traveller, a classical manual of Islamic sacred law in Arabic with facing English text, commentary and appendices edited and translated by Nuh Ha Mim Keller (1994) re ‘circumcision’ we find the Arabic actually says –

    “Circumcision is obligatory (for every male and female) by cutting off the piece of skin on the glans of the penis of the male, but circumcision of the female is by cutting out the clitoris (this is called HufaaD). “ (p59) (Shafi’I jurisprudence)

    (Note the English version is falsely translated as ‘prepuce ‘ of the clitoris!!)

    The Arabic word bazr does not mean “prepuce of the clitoris”, it means the clitoris itself (cf. the entry in the Arabic-English Dictionary). The deceptive translation by Nuh Hah Mim Keller, made for Western consumption, obscures the Shafi’i law, given by ’Umdat al-Salik, that circumcision of girls by excision of the clitoris is mandatory. This particular form of female circumcision is widely practiced in Egypt, where the Shafi’i school of Sunni law is followed. Note a comment by Sheikh ‘Abd al-Wakil Durubi in the English ‘version’ notes “Hanbalis hold that circumcision of women is not obligatory but sunna, while Hanafis consider it a mere courtesy to the husband.” (answering-Islam.org)

    This is supported by several hadiths eg

    Abu-Dawud Book 41, No. 5251: Narrated Umm Atiyyah al-Ansariyyah: A woman used to perform circumcision in Medina. The prophet (peace be upon him) said to her: Do not cut severely as that is better for a woman and more desirable for a husband.

    http://gatesofvienna.net/2010/03/al-misri-on-circumcision/

    *
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    The Arabic word bazr does not mean „prepuce of the clitoris“, it means the clitoris itself

    http://forum09.faithfreedom.org/viewtopic.php?f=4&t=7365&start=0

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    vom amerikanischen Sufi-Scheich wird bazr, Klitoris, einfach bewusst falsch übersetzt:

    e4.3 Circumcision is obligatory (O: for both men and women. For men it consists of removing the prepuce from the penis, and for women, removing the prepuce (Ar. bazr) of the clitoris (n: not the clitoris itself, as some mistakenly assert). (A: Hanbalis hold that circumcision of women is not obligatory but sunna, while Hanafis consider it a mere courtesy to the husband.)

    http://sheikyermami.com/clit-cutting-fgm-obligatory-in-islam/

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    *

    doch das ist der Bazr (baẓr, Mz. buẓūr) wirklich: die Klitoris

    http://ar.wikipedia.org/wiki/%D8%A8%D8%B8%D8%B1

    http://de.wikipedia.org/wiki/Klitoris

    *
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    Islamic Law on Female Circumcision

    The Arabic word bazr does not mean „prepuce of the clitoris“, it means the clitoris itself (cf. the entry in the Arabic-English Dictionary). The deceptive translation by Nuh Hah Mim Keller, made for Western consumption, obscures the Shafi’i law, given by ‘Umdat al-Salik, that circumcision of girls by excision of the clitoris is mandatory.

    http://answering-islam.org/Sharia/fem_circumcision.html

    *

  19. Machandelboom Says:

    In der türkischen Stadt Keşan, bulgarisch Кешан, griechisch Kissos, dicht an der Grenze nach Griechenland gelegen, leben viele Roma. Und auch diese „feiern“ das gefährliche Penis-Ritual von gestern, die Beschneidung.

    Kinderfeindlichkeit kultureller Vormoderne bzw. (heute) Gegenmoderne, blutige Initiation in den Männerbund, Schwarze Pädagogik, korangemäße Angst vor der Hölle, die unhinterfragbare Herrschaft der elterlichen und insbesondere väterlichen Wünsche, der archaische Macho-Kult um das angeblich männlichste aller Körperteile, die Verachtung aller Unbeschnittenen, hohe Risiken und grundsätzliche gesundheitliche Nachteile – für KiKa ist all das keine Silbe der Kritik am Ritual wert:

    Ausstrahlung:
    19. Januar 2014

    Tahsins Beschneidungsfest

    Bald ist es so weit! Aufgeregt und voller Vorfreude blickt der elfjährige Tahsin auf das kommende Ereignis, das ihn und seinen kleinen Bruder Emir endlich zu Männern machen soll: Die Beschneidung. … Für die Roma-Familien in Kesan ist die Beschneidungsfeier eines der wichtigsten Feste überhaupt. Zwei Wochen nach Tahsins Beschneidung wird es ein großes Fest mit über 400 Gästen geben und Tahsins wird auf einem Thron sitzen und viele viele Geschenke bekommen.

    http://www.kika.de/fernsehen/a_z/s/schauinmeinewelt/home.shtml#140119

    Bald ist es soweit! Aufgeregt und voller Vorfreude blicken der elfjährige Tahsin und sein kleiner Bruder auf das kommende Ereignis: die Beschneidung. „Wenn ich beschnitten bin, dann bin ich ein echter Mann“, freut sich Tahsin, obwohl er nicht so genau weiß, was dann eigentlich anders sein wird. KiKA stellt Tahsins Welt und die festlichen Vorbereitungen für das Sünnet-Fest am 19. Januar um 15:00 Uhr mit der Premiere von „Schau in meine Welt!: Endlich ein Mann“ vor.

    Jeder muslimische Junge muss beschnitten werden, so verlangt es die religiöse Tradition. Häufig geschieht das im Kleinkindalter. Doch der Wunsch von Tahsins Vater ist, dass sein Sohn diesen Schritt im Leben bewusst miterlebt. Trotz aller Ängste vor dem Eingriff fiebert der Elfjährige diesem Tag entgegen. Denn alle seine Freunde sind schon beschnitten und ziehen ihn mächtig damit auf, dass er es als einziger noch nicht hinter sich hat.

    http://www.kika-presse.de/index.cfm?fuseaction=kika.pressemitteilung&pmi_id=1846

    Regie und Buch
    Volker Lehmann, Fritz Schmidt-Sondermann
    p 72

    … Es wird getanzt, gesungen und Musik gemacht. Und dann naht der große Höhepunkt für Tahsin und Emir: In Festtagskleidung besteigen die Beiden einen gepolsterten Thron und die Gäste stecken ihnen Geldscheine und Goldstücke an einen Schal, der ihnen um den Hals gelegt wird. Das Geld wird auch dringend benötigt, denn für die Feier haben sich Tahsins Eltern Geld leihen müssen. Strahlend vor Stolz winkt der Elfjährige in die Menge, sein Vater wischt sich die Tränen aus den Augen. Und dann stürzt sich Tahsin erneut in die tanzenden Menge und es wird gefeiert – bis tief in die Nacht.

    Die Autoren Till Lehmann und Volker Schmidt−Sondermann haben sich auf die Reise in eine fremde Welt begeben, die so nah bei uns in Europa ist und doch manchmal so fern ist. Den Autoren gelang eine eindrückliche und sensible Dokumentation über einen aufgeweckten Jungen, der unserem Filmteam die Chance gegeben hat, ihn in einem der wichtigsten Momente seines jungen Lebens mit der Kamera zu begleiten. …

    http://www.kika.de/_dl/programmwochen/text2014pw04.pdf

    Sinnvoll besprochen bei Beschneidungsforum

    http://www.beschneidungsforum.de/index.php?page=Thread&threadID=3779

    Auch Thema bei Brightsblog

    Der kleine Tahsin feiert sein Beschneidungsfest und die kleinen Zuschauer dürfen an der medialen Verblödung teilhaben. Die kritische Debatte zum Thema Zirkumzision wird durch den Fernsehsender völlig ausgeblendet.

    Die Argumentation des Senders, dass man durch eine Beschneidung zum Manne wird ist nicht nachvollziehbar.

    http://brightsblog.wordpress.com/2014/01/15/facepalm-beschneidungsfeier-bei-kika/

  20. Jacques Auvergne Says:

    ::

    Mindestens für den gerade als Säugling seinen Körper unverstellt empfindenden sowie nun auf Stammes- oder Elternwunsch hin sexuell überwältigten Jungen ist die Beschneidung ein Sexualkontakt. Andererseits und folgende Definition zugrunde gelegt ist die Beschneidung – für die Erwachsenen! – kein Sexualkontakt, da der Zweck der sexuellen Erregung oder Befriedigung nicht gegeben ist:

    Sexual Contact
    The intentional touching of a victim’s, defendant’s, or any other person’s intimate parts, or the intentional touching of the clothing covering the immediate area of a victim’s, defendant’s or any other person’s intimate parts, if that intentional touching can be reasonably construed as being for the purpose of sexual arousal or gratification.
    Segen’s Medical Dictionary.

    http://medical-dictionary.thefreedictionary.com/Sexual+Contact

    Der Xhosa-Beschneider, Mohel, Sünnetci oder AAP-fehlgeleitete Arzt will sich in den Minuten des Operierens vermutlich persönlich nicht sexuell befriedigen, wenn auch sämtliche religionsrechtlich erlaubte beschneidungskulturelle Erwachsenen-Orgasmen im Moment des Vorhautamputierens seltsam entrückt erinnert werden, und auch die gutgläubig einen Gesundheitsvorteil vermutenden und den Beschneidungsauftrag erteilenden US-amerikanischen Eltern wollen das im Allgemeinen sicherlich nicht.

    Das seinen Körper authentisch erlebende Kind jedoch wird durch die angesichts eines erinnerten Himmelsbefehls erstarrende Erwachsenenschar oder die parawissenschaftlich HPV- bzw. HIV-prophylaxegläubigen Eltern zu einem Sexualkontakt (mit einem Messer, allerdings: das ist pervers) gezwungen sprich sexuell missbraucht.

    Die aus der – im Islam leider noch gar nicht abgeschlossenen – Epoche der Steinigung der Ehebrecher stammende Zirkumzision ist sexueller Missbrauch an Kindern und verfassungswidrig allein aufgrund der Ungleichbehandlung zwischen den vor selbst FGM WHO Typ 1a bzw. Typ IV geschützten Mädchen und den durch § 1631d BGB rechtlos gestellten Jungen, die eventuell schwerer beschädigt werden dürfen als Mädchen bei der FGM.

    Es geht nicht nur um Seelenrettung, sondern durchaus auch um den erheblichen Konformitätsdruck in die Richtung der einzigen sozial akzeptierten Geschlechtlichkeit – nämlich um ein Leben religionsrechtlich als erb- und heiratsfähiger jedenfalls ehrbar-erstklassiger Mann nur ohne Vorhaut – und der ritualisierte sprich wieder und wieder an einem jeweils neuen Opfer ausgeführte Angriff richtet sich gegen einen Kinderkörper:

    Each Party shall ensure or promote, in accordance with its internal law, effective intervention programmes or measures for the persons referred to in Article 16, paragraphs 1 and 2, with a view to preventing and minimising the risks of repeated offences of a sexual nature against children.

    Die Ritualbeschneidung ist sexueller Missbrauch, gerade der Europarat soll doch endlich seine eigenen Kriterien ernst nehmen.

    Die Jungenbeschneidung beschädigte oft auch psychisch:

    the offence seriously damaged the physical or mental health of the victim

    ein acht Tage altes männliches Kind ist ganz extrem vulnerabel, ganz besonders verletzbar:

    the offence was committed against a particularly vulnerable victim

    en abusant d’une situation de particulière vulnérabilité de l’enfant, notamment en raison d’un handicap physique ou mental ou d’une situation de dépendance.

    der ärztlich ausgebildete Beschneider missbraucht seine Vertrauensstellung und der beschneidigungsfreundliche Pädagoge, Sozialarbeiter oder Politiker ebenso:

    the offence was committed by a member of the family, a person cohabiting with the child or a person having abused his or her authority

    en abusant d’une position reconnue de confiance, d’autorité ou d’influence sur l’enfant, y compris au sein de la famille

    das Geflecht von Mohel, Sünnetci oder AAP-fehlgeleitetem Arzt und den Familienangehörigen ist durchaus eine Zusammenarbeit

    the offence was committed by several people acting together

    Quelle:

    Council of Europe Convention on the Protection of Children against Sexual Exploitation and Sexual Abuse

    Done at Lanzarote, this 25th day of October 2007

    http://conventions.coe.int/Treaty/EN/treaties/Html/201.htm

    Convention du Conseil de l’Europe sur la protection des enfants contre l’exploitation et les abus sexuels

    http://conventions.coe.int/Treaty/FR/Treaties/Html/201.htm

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    Einstweilen bleibt die irgendwie gegen Kindesmissbrauch geeignete Unterhosenregel (THE UNDERWEAR RULE) nur Blabla, wenn die Erwachsenen dem Kind in einer heilssichernden oder traditionsbeladenen Atmosphäre dann doch irreparabel im Genitalbereich sensitives Gewebe wegschneiden dürfen und beispielsweise der intaktivistische Arzt oder Sozialpädagoge auch in Jugendamt, Wohlfahrtsverband oder Schule keinen aufklärenden Vortrag über die gesundheitlich schädlichen Folgen der MGM halten kann.

    What is The Underwear Rule? It’s simple: a child should not be touched by others on parts of the body usually covered by their underwear. And they should not touch others in those areas.

    http://www.underwearrule.org/Default_en.asp

    Ganz genau Herr Mohel oder Sünnetci,

    ON NE TOUCHE PAS ICI

    http://www.onnetouchepasici.org/Default_fr.asp

    contact someone who could help, like a psychologist, child care specialist, doctor, social worker or the police

    Nun, wir sind die durch den Europarat angesprochenen social worker, aber die Frage, ob wir Sozialarbeiter dem Jungen zu seiner lebenslangen genitalen Selbstbestimmung verhelfen könnten (could help) hat der Deutsche Bundestag am 12.12.2012 im Sinne des himmlischen Gesetzes und auf Kosten des Kindeswohls und der Männergesundheit leider ablehnend entschieden und wird das verfassungswidrige Gesetz zurücknehmen müssen.

    http://www.underwearrule.org/whatto_en.asp

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  21. Machandelboom Says:

    Weil die rituelle Zirkumzision ein Jahrtausende altes Menschheitsproblem ist, ist Intactivismus heutzutage eine internationale Frage.

    Die israelische Computer-Ingenieurin Ronit Tamir ist Gründerin der Organisation „Eltern unbeschnittener Kinder“ (Kahal)
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    In Israel, some rebel against circumcision

    By Maayan Lubell

    JERUSALEM 28.11.2012

    http://www.reuters.com/article/2012/11/28/us-israel-circumcision-idUSBRE8AR0M720121128

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    Jewish Law, the Foreskin, and Human Rights | Part 1

    Hear from some of these pioneers in their own words.

    IntactNews 28.07.2011

    http://www.intactnews.org/node/104/1311886091/jewish-voices-current-judaic-movement-end-circumcision-part-1

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    “Cut: Slicing Through the Myths of Circumcision” Goes Digital, Earns Entry Into Pasadena Film Festival

    http://www.beyondthebris.com/2014/01/cut-slicing-through-myths-of.html

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    Rebecca Wald ist Absolventin der George Washington University und der Brooklyn Law School. Im Jahre 2010 begann sie das Projekt.

    Beyond the Bris: News and Views on Jewish Circumcision

    http://www.beyondthebris.com/

  22. Machandelboom Says:

    Ethnologisch informiert, kulturell modern, ethisch anspruchsvoll, menschenrechtlich zumal kinderrechtlich (Kind ist ein Mensch unter achtzehn Jahren) sehr überzeugend. Im Sommer 2012 reagierte er unverzüglich war damals bereits zehn Jahre lang auf einem eindeutigen Kurs gewesen in Richtung der weltweiten Abschaffung jeder Genitalbeschneidung d. i. FGM oder MGM: Volker Handke (2002), (2012).
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    (2002)

    BESCHNEIDUNG VON JUNGEN UND MÄNNERN
    Eine Problematisierung von Volker Handke

    […] Auffällig ist die Analogie zwischen dem, was physisch entfernt und dem, was fast sozial konstruiert wird. So lässt sich die Vulva geometrisch als konkav charakterisieren während der Phallus eine konvexe Form darstellt. Die weibliche Verstümmelung entfernt nun die verbliebenden konvexen Anatomien während beim Mann die konkaven Reste entfernt werden. Es geht also um die Reinheit der physischen Form als sichtbarer Ausdruck der Eindeutigkeit des sozialen Geschlechts. Während dem Mann keine weibliche, die Eichel umhüllende Körperform zugestanden wird, da dies Schutzbedürftigkeit signalisiert, darf die Frau keine männlichen, exponierten Formen ihr Eigen nennen. Männer werden auf eine herausragende, sichtbare und unverletzbare Rolle fixiert, und diese Rolle wird durch die Verstümmelung körperlich sichtbar manifestiert. Frauen werden dazu reziprok auf ihre innengerichtete und passive Rolle reduziert. Die Analogie zwischen körperlicher Form und sozialer Rolle ist frappierend. Auffällig ist auch die Reduzierung der Empfindungsfähigkeit als Ausdruck der sozialen Abwertung der sexuellen Lust. […]

    Programmatisch sollte die Beschneidung von Männer als genitale Verstümmelung aufgefasst werden, deren Ziel es ist, eine männliche Geschlechterrolle zu konstruieren. Daher existiert kein Unterschied zwischen der genitalen Verstümmelung von Männern oder von Frauen. Die genitale Verstümmelung ist ebenso wie jede Form der körperlichen Verstümmelung ein Verstoß gegen das verbürgte Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit. Damit wird auch deutlich, dass es selbstverständlich jedem Menschen frei steht, seinen Körper zu „gestalten“ wie es ihm beliebt. Aber bitte unter der Prämisse der Selbstbestimmung und der Freiwilligkeit. Dann wird auch sichtbar, was die genitale Verstümmelung von Kindern darstellt, nämlich eine Barbarei, die durch nichts zu legitimieren ist und deren Ächtung Aufgabe jeder am Menschenrecht orientierten Zivilisation sein sollte.

    http://www.researchgate.net/profile/Volker_Handke/publication/260122017_BESCHNEIDUNG_VON_JUNGEN_UND_MNNERN_eine_gendersensible_kulturelle_Einordnung_CIRCUMCISION_OF_BOYS_AND_MEN_a_gender-sensitive_cultural_attribution/links/00b4952fa08a2a3abb000000.pdf

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    (2012)

    betr.: Keine religiöse Beschneidung, taz vom 27.06.2012

    „Das überraschende Urteil des Kölner Landgerichts ist wegweisend und markiert einen juristischen Paradigmawechsel mit weitreichenden Folgen. Wegweisend ist zum einen die juristische Anerkennung, dass es sich bei der Genitalbeschneidung von Jungen um eine Körperverletzung handelt, die das Menschenrecht der Jungen auf körperliche Unversehrtheit verletzt. Zum anderen ist es bedeutsam, dass diese körperliche Unversehrtheit höher wiegt als das Erziehungsrecht der Eltern und deren Grundrecht auf Religionsfreiheit.

    In Europa, wo männliche Beschneidungen überwiegend aus religiösen Gründen durchgeführt werden, ist die Entfernung der Vorhaut Gegenstand im geschlechterpolitischen Diskurs. Es wird dabei zunehmend auf die prinzipielle Vergleichbarkeit von männlicher und weiblicher Genitalbeschneidung verwiesen und die Bagatellisierung der männlichen Beschneidung kritisiert. Auch wenn es graduelle Unterschiede zwischen den Geschlechtern geben mag, handelt es sich den Kritikern zufolge bei genitalen Beschneidungen immer um eine Verletzung der körperlichen Unversehrtheit, die dazu dient, die soziokulturelle Konstruktion der Geschlechterrollen physisch festzuschreiben und unumkehrbar zu machen.

    Die Kritik an der religiösen Beschneidung stellte sich mit dem Hinweis auf die Religionsfreiheit als schwierig dar. Genau auf diesen Punkt zielt nun das Urteil des Kölner Landgerichts. Es leugnet, dass die Erfüllung religiös-kultureller Pflichten dem Kindeswohl entspräche, und hält das Abwarten bis zur Zustimmungsfähigkeit des Kindes für zumutbar. Das Individualrecht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit wird höher gewertet als die von beschneidungswilligen Eltern befürchtete mögliche Ausgrenzung aus dem religiös-kulturellen Kollektiv. Ein guter Tag für das Selbstbestimmungsrecht der Menschen.“

    (So plausibel der mutige Leserbrief von VOLKER HANDKE, Berlin)

    http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=au&dig=2012%2F06%2F29%2Fa0072&cHash=7fcc8075b7

  23. Dwarslöper Says:

    Dieser Mann klagt vor allem rücksichtslose und gewinnorientierte Ärzte an.

    #ichbinnichtdankbar

    Als Kind beschnitten wegen kindlicher Phimose, als Erwachsener klagt er deshalb über sexuelle und psychische Probleme.

    #beschneidungverletzt

    Ein weiterer Mann, der auf Anraten seines Arztes seine Vorhaut verlor. Und damit auch sein sexuelles Empfindungsvermögen und seine Orgasmusfähigkeit.

    #beschneidungschadet

    https://www.beschneidungsforum.de/index.php?page=Thread&threadID=6059


    https://twitter.com/hashtag/beschneidungverletzt


    https://twitter.com/search?q=%23ichbinnichtdankbar

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