Islam kritisieren – aber bitteschön: authentisch

Subkulturen der Islamkritik

Europa reagiert. Verschieden

Islam braucht

Kritik

Mit oder ohne Bergführer?

Sich (s)eine Islamkritik erobern

Ein Essay von Thea Stavridis

Denken ist Topographie, das jedenfalls sagt der etwas in Vergessenheit geratene Psychologe Kurt Lewin sinngemäß. Wenn Menschen also denken, so Lewin, dann tun sie es in geometrischen Figuren. Lassen Sie mich dieses einmal auf Europas Islamkritik beziehen.

Erfolgreiche Islamkritik wird dem Montblanc gleichen, nicht aber dem Matterhorn. Warum?

Wir finden mit Montblanc und Matterhorn zweierlei Geometrie oder Topographie: eine prachtvoll gelassene mit breitem Gipfel auf der einen Seite und andererseits eine hektische spektakuläre Form der aufregenden Abgründe und Abstürze. Glücklicherweise entspricht die Meereshöhe der intellektuellen Höhe und vor allem dem Niveau der Herzensbildung. Das herzlose Matterhorn ist, nüchtern betrachtet, vergleichsweise mickrig.

Die höchsten Stellen des Montblanc weiten sich großzügig zu ganzen Hügellandschaften von Haupt- und Nebengipfeln, die auch an belebten Tagen (hoher Traffic) Platz bieten für viele Seilschaften verschiedener Kletterschulen. Und auch Einzelwanderer nimmt solcherlei Topographie stets heimatlich auf.

Ganz anders das Matterhorn. Diese Geometrie, die eigentlich nur aus Abgründen besteht, sie kann „ganz oben“ nur einem „Führer“ Platz bieten, der dich Kletterer dann, so lange er Lust hat, am „sicheren“ Seil hält. Du bist ganz schön … abhängig, hm? Eine pyramidenspitzenartige Form versinnbildlicht stets Hierarchie, Despotie, Undemokratie. Die Pyramide war schon immer das Sinnzeichen der Sklavenhaltergesellschaft. Sehr islamisch eigentlich. Ein Pharao ist seelisch uneuropäisch. Prinzip Matterhorn: Säkularität und Pluralität werden von herandrängenden Abgründen auf einem erbärmlich ungastlichen Gipfelplatz zurammen getrieben.

Lassen Sie mich die vier „Abgründe europäischer Islamkritik“ beschreiben, als Modell eignen sich die vier Himmelsrichtungen.

The North

Im Norden die Pickelhaube allzu übertriebener Heimatliebe sprich Xenophobie.

The East

Im Osten lauern die manichäischen „Strukturmuslime“ sprich Theokraten, das sind die Evangelikalen, die radikal-schriftgläubigen jüdischen Ultraorthodoxen, die monotheistischen Kreationisten, die Mormonen und viele andere.

The South

Im Süden das Eva-Prinzip, der Macho‑Heimchen‑Dualismus, die mittelalterliche Geschlechter‑Apartheid also von „Mutti‑Kult & Heldensöhnchen“. Geradezu schariakonform.

The West

Zuletzt im transatlantischen Westen das Wolfsgeheul der letzten verbliebenen Weltmacht, die imperiale Bush‑Konservative, jene Umweltzerstörer und Erdölkäufer, die nichts anderes vorhaben, als die Türkei in die Europäische Union zu bringen, um selber die „number one“ zu bleiben – dazu instrumentalisieren sie sogar das diffus islamkritische Fußvolk der westeuropäischen Zuwanderungsgesellschaften. Jene Bush‑Imperialisten, die 2007 aus militärischem Kalkül die türkische Leugnung des Armenier‑Völkermordes hinzunehmen wagten. Die Geschichte der Vereinigten Staaten wird sich, künftig, dafür noch zu schämen haben.

Vier Himmelsrichtungen …

… oder „Abgründe erfolgloser islamkritischer Haltung“ ergeben dem Segelnden oder Bergwandernden eine erstklassige Landkarte. Sogar Mischtypen lassen sich prima orten: „Oh nein, heute wieder Eine aus Südost“ chiffriert die patriarchale Eva‑Hermann‑begeisterte Kreationistin. „Der Sowieso ist ja so was von Nordwest“, denn Sowieso ist so xenophob, dass er sich von den US‑Imperialisten einspannen lässt. Ein „südwestlicher Kerl“ also ist? Richtig, ein germanischer Pascha mit Texas‑Cowboyhut. Yippiee! So viel Spott muss uns Demokraten erlaubt sein. Stichwort: Freiheit der Kunst.

Fazit. Ausblick

Wir islamkritischen Demokratinnen und Demokraten, wir dürfen uns gewiss nicht selbst zerfleischen, dafür ist die Gefahr des weltweit agitierenden politischen Islams viel zu ernst. Die Scharia bedroht alle europäischen Werte und Strukturen. Damit aber Islamkritik „nachhaltig“ d. h. erfolgreich ist, muss sie zur Selbstkritik fähig bleiben.

Thea Stavridis

Quelle: Theas Blog:

http://wer-sich-wehrt.blogspot.com/

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3 Antworten to “Islam kritisieren – aber bitteschön: authentisch”

  1. Manfred Says:

    Ich habe diesen Artikel jetzt ein Dutzend mal gelesen, bin aber nicht sicher, ob ich ihn richtig verstanden habe:

    Plädierst Du jetzt dafür, dass wir uns gegenüber Nationalisten, Antifeministen, Imperialisten und christlichen Fundamentalisten NICHT abgrenzen sollten, weil wir sonst einsam auf dem Gipfel des Matterhorns stehen statt mit Vielen auf dem des Montblanc?

    Oder sagst Du, dass wir uns abgrenzen SOLLTEN, damit wir nicht in die „Abgründe der erfolglosen Islamkritik“ stürzen? Ich nehme jetzt einmal an, dass dies gemeint ist.

    Es klingt vielleicht merkwürdig, wenn gerade ich das schreibe, aber ich habe mit dieser Abgrenzung ein Problem. Zwar habe ich selber theoretisch solche Haltungen x-mal kritisch aufs Korn genommen, und ich sehe auch die Gefahr, dass all diese Formen von fragwürdiger Islamkritik in ein rechtstotalitäres Fahrwasser geraten. Trotzdem haben sie – jede für sich – starke Argumente auf ihrer Seite.

    Die ganze Political Correctness beruht ja auf der Idee, den Stärkeren gegenüber dem Schwächeren künstlich zu benachteiligen; also das Eigene zu bekämpfen, soweit das Eigene die stärkere Partei ist. Gegenüber einem Gegner wie dem Islam, der solche Skrupel nicht nur nicht kennt, sondern geradezu als Verrat am Islam verdammt, ist das tödlich:

    Da darf der Westen – die eigene Kultur – seine Interessen nicht durchsetzen, weil das sonst „imperialistisch“ wäre. (Und wenn die USA das auch in unserem Interesse tun, rufen alle „Pfui!“)

    Da darf man das Christentum – die eigene Religion – nicht als die moralisch überlegene Religion bevorzugen, weil der Islam sonst „diskriminiert“ wird, und schließlich hat das Christentum ja auch die Kreuzzüge…

    Da ist das Bekenntnis zum eigenen Land faschismusverdächtig, und es gibt keine schlimmere Todsünde als dessen „kulturelle Bereicherung“ abzulehnen.

    Und schließlich sollen Männer tunlichst keine starke männliche Identität ausbilden, weil das sonst machistisch ist. (Für die Konfliktfähigkeit einer Gesellschaft eine Katastrophe – vor allem gegenüber einem Gegner, dessen Männer gar machistisch genug sein können. Ein Punkt für die Antifeministen; und ein weiterer: Wir haben ein demographisches Problem. Wenn wir es nämlich nicht schaffen, die islamischen Parallelgesellschaften aufzulösen – und es spricht wenig dafür, das wir das schaffen -, diese Parallelgesellschaften aber zahlenmäßig expandieren, während wir schrumpfen, dann kommt, lange bevor sie eine Mehrheit bilden, der Punkt, an dem sie allein durch ihr zahlenmäßiges Gewicht uns diktieren können, wie wir zu leben haben. Was ihnen zur Mehrheit fehlt, wird die Linke ausgleichen. Wenn wir nicht mehr Kinder in die Welt setzen, brauchen wir uns in zwanzig oder dreißig Jahren über Feminismus nicht mehr zu unterhalten.)

    Natürlich kann bloße IslamKRITIK reinrassig demokratisch, liberal, internationalistisch und feministisch sein. In der Theorie. Leider lassen sich unsere islamischen Freunde von bloßer Kritik normalerweise nicht groß beeindrucken. Wenn wir konfliktfähig sein wollen, brauchen wir mehr Imperialismus, mehr Nationalismus, mehr Christentum und mehr Machismo. (Ich könnte das alles auch gefälliger formulieren, aber ich liebe es, die Dinge auf den Punkt zu bringen.)

    Und deswegen habe ich bei aller Kritik ein Problem damit, mich von Neokonservativen, Nationalkonservativen, Christenfundis und Antifeministen abzugrenzen. In der Theorie ja – aber in der Praxis? Die sind ja sozusagen die Spezialisten für jeweils einen Aspekt von Anti-PC. Und wenn sie auch dazu neigen, die Dinge auf die Spitze zu treiben: Kann man sich ernsthaft vorstellen, dem Islam die Stirn zu bieten ohne amerikanische Streitkräfte? Wird man den Bau irgendeines Djihad-Stützpunktes – auch Moschee genannt – verhindern ohne die Hilfe von christlichen Fundamentalisten? Wird man irgeneinen Muslim dazu kriegen, unserem Land gegenüber loyal zu sein, wenn man den Nationalismus verdammt und ständig versichert, es komme vor allem darauf an, „den Anfängen zu wehren“?

    Kurz gesagt: Sollte man nicht wenigstens tolerant sein auch gegenüber den verschiedenen Spielarten rechtskonservativer Islamkritik?

    Ich habe darauf keine Antwort. Aber an den Fragen kommen wir nicht vorbei.

  2. schariagegner Says:

    Hallo lieber Manfred,

    wichtige Punkte, die du gekonnt sicher beleuchtest.

    Der Text entstand in den Wochen um und v.a. vor der „Brüsseler Demo“ (11.9.2007, geplant, abgesagt usw.), einer Zeit, in der sich aus unserer Sicht so etwas wie ein ‚Gerangel von Großen Häuptlingen‘ abzuzeichnen begann. Wir hatten Sorge, dass EINER dieser ‚Meister‘ eine Art „Monopol der Islamkritik“ aufbaut; Mechanismen gegenseitigen Zerfleischens waren wohl schon in Gang gekommen.

    Zudem witter(te)n wir in jenen Wochen mancherlei Instrumentalisierung durch aggressiv-manipulierende Kräfte, destruktiv hin zielend auf eine doch hoffentlich mögliche ‚bürgerliche Mitte der Islamkritik und Fundamentalismus-/Extremismuskritik‘, sie werden wohl ein Risiko bleiben für … geistige Freiheit.

    In den nächsten Tagen noch zwei, drei Zeilen mehr.

    Gruß
    Ümmühan Karagözlü

  3. Jacques Auvergne Says:

    Hallo Manfred,

    unsere Mitstreiterin Thea bedankt sich für dein Interesse.

    Die Thea liebt Rätsel und redet in Bildern und Gleichnissen. Thea selbst: „Sinnzeichen sind manchmal schwerlich zu dechiffrieren“. Phh, diese Griechinnen.

    Du sagst es ja bereits in etwas anderen Worten: Auch aus unerwarteten Randbereichen werden immer wieder hervorragende islamkritische Argumente kommen.

    Islamkritik darf sich von politischem, religiösem oder sonstigem Extremismus nicht vereinnahmen lassen. Wir werden es aushalten müssen, dass auch die politische oder religiöse ‚Gegenseite‘ gute Argumente zu einem islamkritischen Diskurs beisteuert.

    Beispielsweise war die Zusammensetzung der ZuhörerInnen bei der Kölner Podiumsdiskussion am 1.12.2007 durchaus heterogen. Uns persönlich bekannte christlich- wie atheistisch motivierte Menschen aus dem Großraum Köln saßen im Saal, und auch gemäßigte MuslimInnen, fundamentalistische MuslimInnen wie Ex-MuslimInnen.

    Grenzen setzt die FdGO. Konservativ Denkende, die diese demokratischen Grundsätze einhalten, sind den Blogs Schariagegner und Sägefisch willkommen. Entsprechende Menschen aus der politischen Linken ebenso. Gerade auch MuslimInnen sind hier herzlich eingeladen, mit zu denken, desgleichen Ex-MuslimInnen.

    Die Demokratie HAT scharfe Waffen – sie muss sie nur gebrauchen. Wesentlich erscheint uns ein besserer Politikunterricht in Schule sowie in der Jugendarbeit. Auch in Erwachsenen jeden Alters gilt es, Interesse am Kritisieren von Scharia und Patriarchat zu wecken.

    Ümmühan und Thea meinen, dass es unverantwortlich ist, Kinder in die Welt zu setzen, um ein demographisches Gegengewicht gegen die anwachsenden islamischen Parallelgesellschaften zu schaffen. Doch da denkst du sicherlich ganz ähnlich.

    Ümmühan sagt: Aufrufe zu „mehr Machismo“ sind auf ihrem Blog nicht erwünscht.

    Jacques: Ja, die Demokratie muss wehrhaft sein, sich aber vor lauter Kampfbereitschaft / rhetorischer Militanz auch nicht gewissermaßen abschaffen.

    Gruß und vielen Dank für`s Mitdenken
    Jacques / Thea / Ümmühan

    ___
    PS: Über das große „BInnen-I“ (HörerInnen usw.) haben wir uns gerade eben fast verzankt …

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