Kopftuchfreie Realschule in der Landeshauptstadt

Aus unserem Leserkreis erhielten wir folgenden Kommentar, der eine Düsseldorfer Realschule betrifft, die sich 2007 und 2008 das Profil einer kopftuchfreien Schule gibt

Anne-Frank-Realschule

Düsseldorf (Flingern)

03.10.2008

Sehr geehrte Damen und Herren,

als Sozialpädagogin und Nachhilfelehrerin, Schwerpunkt Sprach- und Lernförderung leite ich einen kleinen gemeinnützigen Verein und betreue mit meinen vier Kolleginnen und Kollegen Schülerinnen und Schüler verschiedener Alterstufen, darunter einige Mädchen und Jungen aus muslimisch geprägten Familien.

Auch in unseren Gruppenstunden sowie in der Mädchengruppe, die eine weitere Kollegin leitet, bleiben Baseballkappen, Baskenmützen und Kopftücher aller Art von Lehrenden wie Lernenden am Garderobenhaken hängen. Wir sind der Meinung, dass Hijab, Niqab, Tschador und Burka Kennzeichen für Genderapartheid und Unterdrückung von Frauen und Mädchen sind, ’reine’, verschleierte Muslimas von Weitem kenntlich machen sollen und sie von den ’unreinen’ Muslimas und Nichtmusliminnen abgrenzen. Damit verstößt das Tragen dieser Textilien sowohl gegen das Grundgesetz als auch gegen die Werte, Normen und Erkenntnisse der Aufklärung.

Zum Recht auf die ‘Freiheit‘ das Kopftuch anzulegen gehört immer auch das Recht auf die Freiheit, ohne Furcht darauf verzichten zu können. Freiheit, so wie viele säkulare Musliminnen und Muslime von Necla Kelek, Serap Cileli, Seyran Ates und Fatma Bläser bis zu Bassam Tibi sie verstehen, ist die Möglichkeit ohne Zwang, Angst vor Bestrafung und ohne Bevormundung zwischen verschiedenen Handlungsmöglichkeiten wählen zu können. Gänzlich kopftuchfreie koedukative Kindergärten und Schulen, in denen sich nicht nur Erzieherinnen und Lehrerinnen, sondern auch die Mädchen unverschleiert bewegen dürfen (französisches Modell), sind sicherlich für sie und ihre männlichen muslimischen Klassenkameraden ideale Lern- und Experimentierfelder des Erarbeitens von Gender-Rollen und Handlungsspielräumen, die den Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden aus konservativen Familien mit muslimischem Migrationshintergrund und zum Islam konvertierten autochthonen Eltern ansonsten fehlen würden.

Wie beispielsweise Frau Mina Ahadi, Frau Arzu Toker und Frau Fatma Bläser, die den Konformitätsdruck in orthodoxen muslimischen Familien aus eigener Erfahrung kennen, vertreten auch wir die Meinung, dass die Mädchen in solchen Milieus sich nicht gegen das Tragen von Kopftüchern wehren können. Wir würden als Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen auch gerne neun- und zehnjährige Mädchen, bei Südländerinnen setzt die Pubertät nämlich meist früher ein, für einige Stunden von der Verantwortung entlasten, „allein vor Gott“ (Balaban, LAGA) zu stehen und angeblich völlig selbstbestimmt zu entscheiden wie man sich kleidet. Auf dem Hin- und Rückweg zu/von unseren Gruppenräumen können die Schülerinnen ihre Haare ja bedecken.

Als (Sozial-)Pädagoginnen und (Sozial-)Pädagogen haben wir die Aufgabe, die uns anvertrauten Schülerinnen und Schüler zu aufgeschlossenen, selbstbewussten und kritisch-kosmopolitischen jungen Demokratinnen und Demokraten zu erziehen, die das nötige Rüstzeug haben, sich später in einem ihren Neigungen, Fähigkeiten und Wünschen entsprechenden Berufs- und Privatleben verwirklichen zu können.

Vielleicht interessiert Sie, dass Fatma Bläser unter anderem Vorträge zum Thema Kopftuch hält. Hier der Link zu ihrer Homepage.

http://www.hennamond.de/

Mit freundlichen Grüßen

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7 Antworten to “Kopftuchfreie Realschule in der Landeshauptstadt”

  1. Annemarie Hövels Says:

    Auch ich bin für die kopftuchfreie Schule. Sehr mutige Entscheidung des Rektors, die viele Nachahmer finden sollte. Die Reaktion des Schulministeriums kann ich nicht verstehen. Der Vergleich hinkt natürlich, aber wenn Kanibalismus zu einer Religion gehören würde, würden wir das auch im Namen der Religionsfreiheit zulassen?

    Würden wir nicht einschreiten, wenn Menschenopfer zur ungehinderten Religionsausübung gehören? Wie können wir dann akzeptieren, dass Frauenrechte im Namen einer Religion mit Füßen getreten werden. Es ist zwar richtig, dass Religionsfreiheit und die ungehinderte Religionsausübung im GG garantiert wird, doch zur Religionsfreiheit gehört die negative Religionsfreiheit und niemand darf wegen seines Geschlechtes benachteiligt werden. Die Würde und Reinheit einer Frau hängt nicht vom Tragen des Schleiers ab.

    Annemie

  2. Freak Says:

    Schade, da wurde eine riesen Chance zur Integration vertan.

    Gruß

    Freak

  3. bumchakalacka Says:

    das haste recht

  4. Machandelboom Says:

    Neues von der Kopftuchfront. Die fromme Tochter ist neun Jahre alt geworden und will nicht mehr mit entblößten Haaren vor einem männlichen Lehrer sitzen, was die für Englands Schulen durchaus typische verpflichtende Kleidung (Dresscode) ihr aber aufzwinge.

    Dieses mal bricht der Verschleierungsdschihad an einer griechisch-orthodoxen Grundschule los, der im Süden von London gelegenen St Cyprian’s Greek Orthodox Primary School.

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    03.01.13

    England: Muslimisches Ehepaar empört – Schule verweigert der Tochter den Hijab

    In Südlondon ist nun ein muslimisches Ehepaar empört, weil ihre neunjährige Tochter in der Schule keinen Hijab tragen darf. Das ist ein Ganzkörpergewand, bei dem auch der Kopf bedeckt ist. Die Schule hat – wie viele englische Schulen – einen Dresscode, den alle Schüler berücksichtigen müssen.

    Das Ehepaar glaubt aber, dass es eine Sünde ist, wenn ihre Tochter mit entblößtem Kopf vor einem männlichen Lehrer erscheint. Die Schuldirektorin erklärte jedoch, dass die Eltern bei der Einschulung über den Dresscode aufgeklärt wurden und zugestimmt haben.

    Da die neunjährige Schülerin nun aber in die Pubertät kommt, möchten sie das nicht mehr akzeptieren. Da die Schulleitung jedoch weiterhin auf den Dresscode besteht, will das Ehepaar nun vor Gericht das Recht auf einen Hijab erklagen.

    http://www.shortnews.de/id/1002517/england-muslimisches-ehepaar-emport-schule-verweigert-der-tochter-den-hijab

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    Parents sue school after girl, nine, is banned from wearing hijab

    A Muslim couple are taking a south London primary school to the High Court after their daughter was banned from wearing a headscarf.

    The parents were so annoyed when the nine-year-old girl was prevented from wearing the traditional Muslim hijab they withdrew her.

    After failing to gain the support of the school governors, they have launched a legal action to reverse the ban.

    The parents say it would be a sin for their daughter’s head to be uncovered while in the presence of male teachers.

    The child’s brother remains a pupil at the school. But Kate Magliocco, head of St Cyprian’s Greek Orthodox Primary School in Thornton Heath, said the parents were informed about their uniform policy when their child was first admitted at seven.

    02.01.2013

    http://www.standard.co.uk/news/london/parents-sue-school-after-girl-nine-is-banned-from-wearing-hijab-8434976.html

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    Muslim couple sue school who banned their nine-year-old daughter from wearing a hijab

    By Sam Webb

    A school is being sued by a Muslim couple after it banned pupils from wearing the traditional Islamic headscarf.

    They launched their legal battle with St Cyprian’s Greek Orthodox primary in south London after withdrawing their nine-year-old from the school when she was banned from wearing one.

    The parents say it would be a sin for their daughter’s head to be uncovered while in the presence of male teachers as she has ‚reached puberty‘.

    After failing to gain the support of the school governors, they have now launched a legal action to overturn the ban. …

    They believe that, because she is nine, she has reached puberty and it would be a sin for her not to be covered because the school has male teachers.

    http://www.dailymail.co.uk/news/article-2256388/Muslim-couple-sue-school-banned-daughters-hijab-Parents-say-sin-year-old-bare-headed-male-teachers.html

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  5. Bragalou Says:

    Mit seinem Kopftuch-Urteil hat das Bundesarbeitsgericht eine Debatte um Religionsfreiheit und die Sonderrechte kirchlicher Arbeitgeber ausgelöst. …

    … Der Zentralrat der Muslime in Deutschland sieht darin einen „Rückschlag für die Integrationspolitik in Deutschland“. Für die betroffene Krankenschwester, die gegen das Kopftuchverbot in einer evangelischen Klinik geklagt hatte, sei das Urteil „eine persönliche Tragödie“, sagte der Zentralratsvorsitzende Aiman Mazyek der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Donnerstagsausgabe). CDU-Politiker, darunter die rheinland-pfälzische CDU-Landesvorsitzende Julia Klöckner, begrüßten die Entscheidung hingegen. Die Diakonie betonte, dass es kein allgemeines Kopftuchverbot in der evangelischen Kirche gebe. …

    Für den Zentralrat der Muslime in Deutschland mit Sitz in Köln steht das Urteil in einer Reihe mit weiteren Richtersprüchen, die den Sonderstatus der Kirchen in Deutschland bestätigen. Man müsse die Frage stellen, inwiefern eine solche Rechtsprechung noch zeitgemäß sei, sagte Mazyek: „Heutzutage ist es Aufgabe von erfolgreichen Unternehmen, sich weltoffen aufzustellen.“ …

    ekhn (Evangelische Kirche in Hessen und Nassau) 26.09.2014

    http://www.ekhn.de/aktuell/detailmagazin/news/diakonie-vorstand-kein-kopftuchverbot-in-der-evangelischen-kirche.html

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    Osnabrück. Kirchliche Arbeitgeber dürfen Mitarbeiterinnen das Tragen eines Kopftuchs bei der Arbeit verbieten. Das besagt das Urteil des Bundesarbeitsgerichts (BAG) in Erfurt, das am Mittwoch verkündet wurde (AZ: 5 AZR 611/12).

    Kirchen dürfen Mitarbeiterinnen Kopftuch verbieten
    noz (Neue Osnabrücker Zeitung) 24.09.2014

    Geklagt hatte eine Krankenschwester, die seit 1996 Angestellte der evangelischen Augusta-Klinik in Bochum war. Nach einer längeren Auszeit wegen Schwangerschaft und Krankheit hatte sie 2010 ihre Arbeit wieder aufnehmen, dabei jedoch künftig ein Kopftuch tragen wollen. Die Klinik lehnte das mit Hinweis auf vertraglich vereinbarte Loyalitätspflichten ab. …

    Der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) bedauert das Urteil als „Rückschlag für die Integrationspolitik in Deutschland“. Für die Krankenschwester, sei es „eine persönliche Tragödie“, sagte Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD), in einem Gespräch mit unserer Zeitung. „Sie hat viele Jahre für diesen Arbeitgeber gearbeitet. Dass sie dies nun nicht mehr darf, weil sie ein Kopftuch trägt, ist menschlich tragisch und auch sozial bedauerlich.“

    Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und die Diakonie begrüßten das Urteil in einer gemeinsamen Stellungnahme. Es existiere in der evangelischen Kirche kein „kategorisches Kopftuch-Verbot“. Hierüber sei „im Einzelfall mit Augenmerk und unter Abwägung der unterschiedlichen Situationen und Interessen“ zu entscheiden, hieß es weiter. …

    http://www.noz.de/deutschland-welt/politik/artikel/509076/kirchen-durfen-mitarbeiterinnen-kopftuch-verbieten

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    Das Tragen eines Kopftuchs als Symbol der Zugehörigkeit zum islamischen Glauben und damit als Kundgabe einer abweichenden Religionszugehörigkeit ist regelmäßig mit der arbeitsvertraglichen Verpflichtung einer in einer Einrichtung der Evangelischen Kirche tätigen Arbeitnehmerin zu neutralem Verhalten nicht vereinbar.

    Die Klägerin befand sich in der Zeit vom 27. März 2006 bis zum 28. Januar 2009 in Elternzeit. Danach war sie arbeitsunfähig krank. Im April 2010 bot die Klägerin schriftlich eine Wiederaufnahme ihrer Tätigkeit im Rahmen einer Wiedereingliederung an. Dabei teilte sie der Beklagten mit, dass sie das von ihr aus religiösen Gründen getragene Kopftuch auch während der Arbeitszeit tragen wolle. Die Beklagte nahm dieses Angebot nicht an und zahlte keine Arbeitsvergütung. Mit der Zahlungsklage fordert die Klägerin Arbeitsentgelt wegen Annahmeverzugs für die Zeit vom 23. August 2010 bis zum 31. Januar 2011. …

    Zwar kann einer Arbeitnehmerin in einer kirchlichen Einrichtung regelmäßig das Tragen eines islamischen Kopftuchs untersagt werden, …

    Bundesarbeitsgericht
    Urteil vom 24. September 2014 – 5 AZR 611/12 –

    Vorinstanz: Landesarbeitsgericht Hamm
    Urteil vom 17. Februar 2012 – 18 Sa 867/11 –

    http://juris.bundesarbeitsgericht.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bag&Art=pm&Datum=2014&nr=17591&pos=0&anz=47&titel=Islamisches_Kopftuch_und_Annahmeverzug

  6. Bragalou Says:

    Privatschule darf das Tragen von Kopftüchern verbieten
    Focus vom 12.11.2014

    Zwei 13 Jahre alte Mädchen waren nach den Sommerferien aus religiösen Gründen erstmals mit Kopftüchern in die Kölner Privatschule gegangen und erhielten gleich am ersten Tag ein Verbot. Dagegen wollten sie eine einstweilige Verfügung erwirken. Doch laut Urteil hatten die Eltern mit der Anmeldung der Kinder an der Privatschule auch deren Regeln akzeptiert. Darin hat sich die Schule einer „vollkommenen, ausnahmslosen, weltanschaulichen Neutralität“ verschrieben. Das Tragen religiöser Symbole sei deswegen nicht zulässig, betonten die Richter.

    Anders als an staatlichen Schulen habe eine Privatschule die Freiheit, ihr eigenes Erziehungsziel festzulegen, urteilte das Landgericht Bonn am Mittwoch. (AZ: LG Bonn 1 O 364/14)

    http://www.focus.de/familie/schule/gericht-bestaetigt-das-kopftuch-verbot-privatschule-darf-das-tragen-von-kopftuechern-verbieten_id_4269651.html

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    Privatschule darf das Tragen von Kopftüchern verbieten
    DIE WELT 12.11.2014

    http://www.welt.de/regionales/nrw/article134272885/Privatschule-darf-das-Tragen-von-Kopftuechern-verbieten.html

  7. Ümmühan Karagözlü Says:

    Privatschule darf das Tragen von Kopftüchern verbieten
    DIE WELT 12.11.2014

    Urteilsbegründung

    https://openjur.de/u/749971.html

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