Monsieur Schmitt und die Blumen des Koran

إبرَاهِيم

Ibrāhīm (arabisch),

hebräisch: Abraham

Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran

Zu Baustein 104. auf dem Blog Eifelginster kommentierte Yuki am 3. Juni 2009. Antwort eines Angesprochen. Von Cees van der Duin

Als ob es um die Werbung für den Islam ginge. Mit diesem Buch wird lediglich gezeigt, dass es auch friedliche Muslime gibt. Jeder der einigermaßen nachdenkt sollte bemerken, dass es zwischen den Zeilen nicht um Religion geht.

Vielen Dank, Yuki, für Ihren Kommentar,

gestatten Sie mir als einem dankbar religiösen Menschen diese Spitze: tief religiöse Menschen (jeder Glaubenslehre) mögen vielleicht sagen, dass es immer und überall um Religion geht, also auch “zwischen den Zeilen”, wie Sie es nennen.

Nun aber ausgewogener, und Sie haben insofern völlig recht, als dass der Autor der romantisierenden Roman-Reihe ‘Cycle de l’invisible’ das Buch nicht geschrieben hat, um für den Islam zu missionieren, wie es etwa das pakistanische Missionswerk Tablighi Jama’at bezweckt oder wie es die jüngere Da’wat-e Islami praktiziert oder jeder Muslim gelegentlich tun verpflichtet ist.

Spätestens wenn wir die Etiketten der einzelnen, bei E.-E. Schmitt ‘verwendeten’ Weltreligionen einmal austauschen oder weglassen, wird sichtbar, dass durchaus moralische Orientierung im Buch vorkommt, es ist ja wirklich falsch, seinen Sohn zu vernachlässigen und zu belügen, und es liegt wahrlich etwas Bewegendes und Schönes darin, wenn ein Mann der schwierigen Rolle des Ersatzvaters oder väterlichen Weggefährten gerecht werden möchte und sogar gerecht wird. Arabische Klassische Musik, Unterhaltungsmusik und Volksmusik hat durchaus auch Hörenswertes, und vieles aus der arabischen Küche ist wohlschmeckend.

Autor Éric-Emmanuel Schmitt bedient sich der Romantik und dem Zauber religiöser Mystik, in der für ein auf gute Verkaufszahlen getrimmtes ‘abenteuerliches, politisch korrektes Jugendbuch’ gebotenen Oberflächlichkeit.

Recht geben kann ich Ihnen, dass der Autor nicht für die Theokratie wirbt (Islam als Staatsform) und wahrscheinlich den Anspruch der Scharia auf Totalität noch nicht einmal kennt. Von der Rolle der Frau in Pakistan (juristisch nach Staatsverfassung wie auch bezogen auf das Stammesrecht, letztes neuerdings bisweilen radikalislamisch ‘aufgefrischt’ wie im Swat-Tal) hätte er etwas wissen können, und das beispielsweise werfe ich dem Autor vor.

Schmitt ist menschlichen sprich (im eigentlichen, sage ich, oder auch im weitesten Sinne, sagen viele sehr parteilich Religiöse) spirituellen Dimensionen auf der Spur (oder weiß dieses Image zu verkaufen), das darf beispielsweise ein jeder historischer Roman. Hermann Hesse siedelte etwa Narziss und Goldmund im Mittelalter an und seinen Siddhartha im Indien der Zeit Buddhas, ein kühnes Tun, gleichwohl gelungen.

Je mehr sich ein Romanautor sich aber mit Religion befasst, desto mehr sollte er die feinen Charakterzüge (naja, schafiitische FGM oder iranische Steinigung ist wohl nicht gerade fein) der autorenseits als Vehikel oder Kulisse verwendeten Religion kennen. Schmitt ging ja sozusagen mit Jesus von Nazareth spazieren, indem er die Werke »Das Evangelium nach Pilatus« und »La Nuit des oliviers« anfertigte.

Vielleicht sollte ich das Buch in das Mischfeld von Phantasieroman und Kinderbuch ansiedeln. Dass es ein Plagiat zu Romain Gary (Du hast das Leben noch vor dir) sein soll, ist allerdings doch wohl eher wenig moralisch.

Der Sohn von zwei Sportlehrern Schmitt wuchs atheistisch auf und habe später eine persönliche Hinwendung zum Christentum gefunden, Moϊse ‘Momo’ könnte dann auch ein wenig Éric-Emmanuel sein.

Schmitt, Experte für den französischen Aufklärer Diderot und erfolgreicher Theaterstückschreiber, bemühe sich um die Annäherung der Weltreligionen. Sein Buch Milarepa etwa befasst sich mit dem Buddhismus Tibets. Genau hier dürfen wir uns zwar auch mal verzaubern lassen, doch sollten wir die Herrschaftskulte gewisser Glaubenslehren (ähnliches gab es auch bei Savonarola oder Calvin) wie nun ausgerechnet dem Scharia-Islam mit seiner fiqh-Rechtssprechung niemals verharmlosen.

Und das Islambeschönigen und Islamverkitschen (der Islamkritiker Auvergne spricht köstlich von “Bambi-Islam”), das macht der aus dem französischen Elsass stammende Schmitt mir eindeutig allzu sehr. Der soll sein süßes Christentum mal auf dem Marktplatz von Dschiddah, Karachi oder Daresalaam bekennen. “Hach, wie koranisch blumig, dar as-salaam (Somalias Hauptstadtname Daresalaam) bedeutet “das Haus des Friedens”, da muss die nächste Reise von meinem kleinen Moische-Momo vorbei führen, all different, all equal!” Nein, das hat Schmitt gar nicht gesagt.

Ich habe das Glück, Muslime zu kennen, die mit (trotz) ihrer Religion sehr reife Persönlichkeiten geworden sind – Islam als persönliche Spiritualität oder auch als gemeinschaftlich begangenes Ritual (Begräbnis, Pilgerfahrt nach Mekka) war und ist für viele Menschen Bereicherung, Kraft- und Sinnquelle. Das traditionelle islamische Frauenverbot am Begräbnis selbst einer Frau ist nicht nur mir aber bereits widerwärtig.

Seit Mohammed, al-Ghazali oder ibn-Taimiyya ist Islam jedoch etwas ganz anderes, als lediglich ein Weg der Lebenshilfe für sinnsuchende Weltbürger oder als eine Sammlung von mehr oder weniger frommen Mythen für einfache Bauern: Islam ist Staat! Islam ist totaler Tugend-Staat, Islam ist Sexualpolitik, geheiligtes Herabsehen auf die Nichtmuslime, permanente Kontrolle des weiblichen ‘politischen Genitals’. Staatsflagge der theologisch als moralisch höherwertig definierten Nation der Gläubigen ist das keusche Kopftuch, die ekle Nation der Ungläubigen lässt ihre Frauen unbewacht frei herum laufen und gestattet es ihnen, schamlos nacktes Haar tragen.

Islam ist Ekelbefrachtung des Frauenleibes und rechtliche Geringerstellung der Frau! Wer etwas anderes sagt kennt diese so genannte Religion nicht oder belügt uns. Islam ist geheiligtes Apostasieverbot mit theologisch berücksichtigter Todesfolge. Islam ist Todesstrafe, es gibt, ist Islam erst einmal Staat geworden, kein Recht auf Leben, kein Recht auf körperliche Unversehrtheit.

Éric-Emmanuel Schmitt hat mit abgehackten Händen kein spirituelles Problem. Im „religiös“ gewordenen sprich islamisierten Norden Nigerias, Zamfara State, ist dem dreifachen Fahrraddieb Lawali Isa in Allahs Auftrag die rechte Hand amputiert worden, meldete BBC am 19. Dezember 2002, der Mann hat erst jetzt zu Allahgott zurückgefunden uns fühlt sich resozialisiert und integriert. Auch das englischsprachige Wikipedia bemerkt unter Zia ul-Haq’s Islamization, dass seit 1979 der angeblich so blumige und an Weisheit reiche Islam Strafrecht geworden ist und gemäß der islamischen Pflichtenlehre die, man ist modern, von einem Chirurgen vorzunehmende Amputation rechten Hand vorzunehmen verlangt, im Wiederholungsfall zusätzlich des linken Fußes. Dann und wann eine verstümmelte Gestalt zu erblicken stärkt die Moral der Gesamtgesellschaft: Dieses spezielle sakrale Körperbewusstsein der Muslima und des Muslimen kann letztlich durch nichts anderes gefördert und gefordert werden als durch jene soziale (verstümmelnde) Antwort bei hudūd-Vergehen (hadd, die Verletzung von Allahs Grenzsetzung). Islam ist die geheiligte öffentliche Auspeitschung, die Scharia zeitigt mir oder Ihnen für den Genuss von Wein vierzig Peitschenhiebe oder aber die Scharia fordert für den Genuss von Wein achtzig Peitschenhiebe (Flexibilität der Scharia).

Islam ist Antijudaismus. Islam ist die sexualmagische Entfernung des maskulinen Praeputium (man lese zum Thema männliche kultische Beschneidung Sigmund Freud oder Bruno Bettelheim). Islamisch eTradition ist die mit dem blutigen Bettlaken öffentlich erlebbare Prüfung auf unversehrtes Jungfernhäutchen, moderner Islam zwar ohne Bettlaken, dafür mit unversehrtem Jungfernhäutchen. Islam ist wali mudschbir. Wohl keine bundesdeutsche Lehrerin und vermutlich auch kein bundesdeutscher Lehrer hat den Mut, ihren oder seinen Schülerinnen und Schülern zu erklären, was wali mudschbir ist.

Dazu kommt eine weitere Dimension, denn anders als in »Der Medicus« von Noah Gordon spielt »Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran« nicht im elften Jahrhundert (verwerflich wäre es, dabei auch in einem Jugendbuch die damalige real-islamische Sklaverei und Misogynie auszulassen), sondern spielt in der Gegenwart. Schmitts Buch ist, doch wohl nicht ohne seine Billigung, zur islamfreundlichen gesamteuropäischen Schullektüre geworden. Dem elitenseits gewünschten Türkeibeitritt zufällig ebenso dienlich wie dem erlaubten Lehrerinnenkopftuch in Frankreich und Deutschland. Das ist es: Wenn Islam nett ist, ist Kopftuch auch nett! Und genau das sollen die Schüler lernen.

2009 überlagern sich der Nahostproblematik genannte arabische Israelhass mit der in Europa betriebenen Installierung politischer Macht (Bildungspolitik, Familienrecht, Finanzpolitik) durch extrem reaktionäre, an einer totalitären Umsetzung der Scharia und an einem parallelen Recht (islamische Heirat, Polygamie) interessierten Islamverbände. Da allerdings, Schmitt mag ja einfach uninformiert (gewesen) sein, spätestens da wird sein Buch zur pädagogischen Gefahr für die gelingende Integration und droht es, zur Verfestigung der orthodox-islamischen Apartheid (Geschlechtertrennung, dhimma) beizutragen.

Von Herrn Schmitt wünsche ich mir nun ein Buch über eine mutige Türkin, die einen grönländischen Atheisten heiratet und ihre Kinder und Enkelkinder ebenso islamkritisch wie nichtislamisch erziehen lässt, mögen sich die Urenkel doch der Bahá’í-Lehre oder Konfuzius oder wem-auch-immer zuwenden, inschallah. Wir Schmitt dieses Buch schreiben?

Nein. Damit erwirbt man weder Erfolg noch Geld, vielmehr Drohungen. Tja, so rasch ist Europas zunehmend islamkompatible Schulbuch- und Phantasieromanwelt am Ende? Ist sie.

Im Scherz: Wir sollten die Staatsform wechseln.

Mit freundlichen Grüßen

Cees van der Duin, 4.6.2009

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