Boos Nünning: Muslimische Migrantinnen sind nicht unterdrückt

النكاح

an-nikah

sharia-compliant marriage

Ehe als Tochtertausch

Subtiler Zwang in der arrangierten Ehe

Der Clan weiß, was die Tochter wünscht

Im Jahre 2009 kommt den kommunalen, wohlfahrtsverbandlichen und kirchlichen Funktionären der Als-ob-Integration die Verteidigung der arrangierten Ehe gerade recht. Dass jede arrangierte Ehe das jahrhundertealte Prinzip des Tochtertausches zwischen zwei patriarchalisch organisierten Clans fortführt ist dabei nicht mehr so wichtig. Wie zufällig geht eine Essener Migrationspädagogin völlig konform mit zwei Elementen der Scharia, der islamischen Ehe (imam nikah) und dem nötigenden Heiratsvormund (wali mudschbir), wenn sie heute dafür wirbt, dass Deutschland gefälligst die arrangierte Ehe als gleichberechtigte Lebensform zu akzeptieren hat.

Aus der Aula einer nordrhein-westfälischen Hochschule dokumentieren und kommentieren Roswitha Wilwerscheid (W.) und Karsten Hilchenbach (H.) einen im Januar 2009 gehaltenen Fachvortrag von Prof. Dr. Ursula Boos-Nünning: »Arrangierte Ehe und Virginität. Familialismus als alternative Lebensform«.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich möchte Sie willkommen heißen zu zu meinem Seminar, mit dem ich unter dem Motto »Arrangierte Ehe und Virginität. Familialismus als alternative Lebensform« zu mehr Verständnis für den türkischen Familialismus ermutigen möchte. Zuwanderung macht das Neue und Fremde öffentlich sichtbar. Minarette und Kopftücher rufen Widerstand hervor. Ist das Kopftuch ein Zeichen der Unterdrückung?

W.: Aber ja, jede Art von islamischer Frauenverschleierung ist ein Mittel der Unterdrückung und damit in Europa und Deutschland ein Politikum ersten Ranges.

H.: Der Hidschab ist ein Zeichen gegenmoderner Sexualmagie, repressiver Sexualpolitik im Namen der so genannten „Religionsfreiheit“.

W.: Boos-Nünning sagt Kopftuch und stoppt ab, schalkhaft lächelnd. Neckisch durch ihre Nickelbrille blitzend sagt sie keine Silbe zum Kopftuch der extremistischen Milli Görüş oder der frauenfeindlichen Fatwas der ECFR-Scheichs. Keine Silbe.

H.: Schon gar keine negative.

Der Westen betrachtet die anderen Teile der Welt polarisierend und zerlegt die eine Menschheit und gerade auch seine Einwanderer in aufgeklärtes Individuum und archaisch denkendes Objekt der Großfamilie, kurz gesagt: in modern versus traditionell. Diese Zuschreibungen betreffen auch das Geschlechterverhältnis und besonders das Frauenbild, der Westen hält die Einwanderin für unterdrückt. Vergleichende Untersuchungen belegen, dass das Selbstkonzept, aber auch das Frauenbild von vierundzwanzig Einwanderinnen, die aus weniger industrialisierten Gesellschaften und so genannten traditionellen Verhältnissen stammen, wesentlich geringer durch Abhängigkeiten vom Mann gekennzeichnet ist als das westlicher Frauen (Herwartz-Emden, 1995). Darüber hinaus lässt sich weder ihr Selbstbild noch ihr Frauenbild durch westliche Polarisierungen charakterisieren. Ebenso lässt sich für männliche Migranten nachweisen, dass sie nicht schlicht autoritärer oder patriarchalischer gesinnt sind als westliche Männer (Herwartz-Emden, 1996). Hier werden westliche Stereotype sichtbar und muss unsere erste Frage ansetzen: Sind traditionelle Frauenrollen ein Hemmnis für geschlechtergerechte Demokratie?

W.: Ja, aber ja! Seit wann verherrlicht die Linke die gute alte Zeit?

H.: Bald endlich wieder „schöner wohnen“, in Zelten und Höhlen.

W.: Über Muslime nur Gutes. Der dekadenten Europäerin die kulturelle Moderne, der stolzen Türkin das innere Mittelalter.

Gewalt oder sexueller Missbrauch, angeblich seien sie bei Migranten in höherem Maße vorhanden als bei den Ureinwohnern.

W.: Staatsministerin Maria Böhmer sieht das in: Jahresbericht der Bundesregierung wesentlich anders: türkische Migrantenkinder mit Misshandlungen und schweren Züchtigungen in den Familien: 44,5 Prozent, zitiert nach Hans-Ulrich Jörges, Die vergrabene Bombe (1). Punkt »5.1. Häusliche Gewalt« stellt fest: „Migrantinnen sind vielfach in besonderer Weise von häuslicher Gewalt betroffen und besonders massiven Formen von innerfamiliärer Gewalt ausgesetzt. Diese Situation steht im Widerspruch zur deutschen Rechtsordnung (2).“

Die Mehrheitsgesellschaft fokussiert Zwangsheirat und Ehrenmorde mit gruseliger Lust in Büchern und Presse, aber sind diese bedauerlichen Missstände denn wirklich so tonangebend, vergessen wir dabei denn nicht, nach der Norm zu fragen? Das geplante Gesetz gegen Zwangsheirat betreffend habe ich das bei einer Anhörung so schon den nordrhein-westfälischen Landtagsabgeordneten gesagt, ich fragte sie: „Habt ihr denn keine anderen Sorgen?!“, was mir viel Kritik eingebracht hat. Notwendig ist es, die Norm, die Normalität zu betrachten, nicht die Extreme.

W.: Im Umkreis von wenigen Kilometern um den Ort des heutigen Vortrags sind innerhalb von fünf Jahren vier Frauen Opfer eines Ehrenmordes geworden. Mehrere Zwangsverheiratungen teilweise sechzehn- und fünfzehnjähriger Mädchen in der unmittelbaren Nachbarschaft sind ebenso nachweisbar wie einige versuchte Entführungen junger, erstmalig alleine wohnender türkeistämmiger Frauen durch ihre Brüder. Auch gibt es durch falsch verstandene Erziehung verursachte schwere Misshandlungen in Einwandererfamilien. Sozusagen im Schatten des Schulgebäudes, in dem Boos-Nünning gerade spricht, wirbt eine radikalislamische Gruppe für den Tschador oder gar für den Gesichtsschleier und verhüllt die eroberten Frauen tatsächlich bereits entsprechend. Soziologin Boos-Nünning wirbt dafür, all diese Verbrechen nicht wahrzunehmen. Damit arbeitet die „Migrationsforscherin“ beispielsweise frontal gegen das Projekt »Gewalt ist nie privat«, eine Kampagne des Sozialdienstes katholischer Frauen (3).

H.: Du hörst doch, wir sollen keine Extreme betrachten, nimm dir ein Beispiel an der optimistischen Migrationspädagogin und denke nicht so negativ.

W.: Danke, Karsten, danke Herr Ichhabenichtsgesehen.

H.: Und vergiss damit für einen Augenblick die elfjährige, in einer islamischen Imam-Ehe arrangiert verheiratete schwangere griechische Türkin, die dem Düsseldorfer Jugendamt bekannt wurde.

W.: Nie!

Viele Welten leben. So der Buchtitel von Yasemin Karakasoglu und mir. Es gibt religiöse Normen, mehr oder weniger verknüpft vielleicht mit sexuellen Normen.

H.: Allerdings, die Gottheit bekümmert sich um dein Genital.

W.: Die männerbündischen Stellvertreter Allahs kümmern sich besonders um das sexuelle Wohlergehen der schutzbedürftigen und wankelmütigen Frauen. Wie alle monotheistischen Religionen ist der Klerus, den es auch im Islam in Form von Imam, Scheich, Ayatollah, Mufti und Kadi gibt, sehr daran interessiert, was unter der ehelichen oder außerehelichen Bettdecke vor sich geht.

Die Mehrheitsgesellschaft neigt zu einer Haltung des Paternalismus und Eurozentrismus, des Mitleides und der Überheblichkeit. Das älteste dieser populärwissenschaftlichen Werke stammt von Andrea Baumgartner-Karabak und Gisela Landesberger (Reinbeck 1978), dessen Titel bereits auf die destruktive Richtung der Diskussion der nächsten Jahre verweist: „Die verkauften Bräute: Türkische Frauen zwischen Kreuzberg und Anatolien.“ Dieses Klischee: türkische Mädchen und junge Frauen seien traditionalistischer als Deutsche. Es wird angenommen, dass die weiblichen Einwanderer unter der Verschiedenheit der Kulturen leiden würden. Das ist falsch, die leiden nicht. Das seitens der nichtmuslimischen Mehrheitsgesellschaft vermutete Leiden an konfligierenden Erwartungen wird vor allem oder ausschließlich den Mädchen türkischer Herkunft zugeschrieben und nicht selten auf den Islam zurückgeführt.

H.: Da erklingt es, das Wort Islam. Doch nun? Boos-Nünning schweigt.

W.: Nur Islam, kein weiteres Wort zum Islam. Und schon gar kein kritisches. Wer jetzt noch etwas Ablehnendes über den Islam sagt, hat mit einer geballten Ladung an Vorwürfen zu rechnen, jedenfalls braucht er einigen Mut.

Auch gibt es bei Befragungen immer das Problem: Was genau wird gefragt, und wie groß ist die Gruppe der Befragten.

H.: Im Ansatz nett, doch vermute ich, dass Italienerinnen dieselbe Frage (etwa: sind meine Eltern autoritär) wesentlich anders auffassen als es Türkinnen tun.

Im Titel Viele Welten leben (bei Waxmann, Erstauflage April 2005) spiegelt sich die Souveränität wieder, mit der Migrantinnen in beiden Kulturen klarkommen, Dr. Berrin Özlem Otyakmaz beschreibt das passend als ein „Auf allen Stühlen sitzen“. Die Untersuchung Viele Welten leben befragt Frauen im Alter zwischen 15 und 21 Jahren. Rechtlich stellt sich zunächst folgende Frage zu den Männern und Frauen, die in den Westen einwandern, sind sie eingebürgert, haben sie einen deutschen Pass oder nicht? Für uns muss es besonders um die Kinder der Einwanderer gehen, die Töchter.

Da gibt es aus westlicher Sicht dieses Vorurteil, die Einwanderinnen seien traditionell, real ist, dass sie den Deutschen viel ähnlicher sind als oftmals vermutet. Es gibt „Muster“.

W.: Aha, Muster? Keine Vorurteile, bitte.

Es gibt „anti-traditionelle“ Muster, moderne Lebensweisen, das sind 73 %. Beispielsweise sagen 50 % der Befragten: das Vorschulkind leidet, wenn die Mutter nicht dauernd da ist. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird jedoch persönlich bejaht.

W.: Meint Boos-Nünning jetzt die erwünschte politische Forderung nach der genannten Vereinbarkeit, den verinnerlichten Wunsch oder die persönlich (jetzt oder morgen) gelebte Realität? Das wird überhaupt nicht klar.

H.: Wird ein solcher Wunsch einer sehr jungen Frau denn in den folgenden Jahren auch verwirklicht werden können oder wird die junge Frau im Namen von Religion beziehungsweise Ehre am Geldverdienen gehindert und de facto ins Haus gesperrt werden?

Arbeitskräftewanderung wird als Wanderung von Männern verstanden. Das ist ein falsches Bild, ich erforsche das seit 1971. Die Einwanderer der ersten Jahre waren zu 25 % weiblich!

H.: Autonome anatolische Frauenpower oder aber für die in Bezug auf die Jagdgründe global denkende, jedoch kulturell archaisch gebliebenen Sippe Geld verdienen? Und wie rasch wurden die in Almanya arbeitenden Fabrik-Frauen vom nachrückenden „männlichen türkischen Überwachungsstaat“ eingefangen und in patriarchalisch definierte, relativ schariakonforme Ehen gezwungen?

W.: Nicht wenige türkeistämmige Familien der ersten Migrantengeneration hatten in der Türkei in größtem Elend gelebt, waren unterernährt. In Deutschland Geld zu verdienen war der Ausweg, dieser absoluten Armut zu entrinnen.

Man heiratet inner-ethnisch oder inter-ethnisch. Unabhängig davon gibt es auch die transnationale Ehe.

H.: Wie wär`s mit Heirat aus Liebe?

Die Einwanderinnen bekamen Kinder, darunter natürlich auch Töchter, und Bild des vom Vater abhängigen, im Konflikt zwischen heimatlichen und deutschen Normen lebenden Mädchens ausländischer Herkunft bestimmte jahrelang die Diskussion. Dieses Stereotyp wurde durch eine Vielzahl von Arbeiten verbreitet. Wir müssen in Bezug auf die türkischen Mädchen und Frauen und ihre Partnerwahl fragen: Was möchten die denn? Der überwiegende Teil von ihnen will keinen Deutschen heiraten, Ausnahme sind die Italienerinnen.

H.: Der überwiegende Teil will einen Türken heiraten. Frau für Frau, ganz zufällig.

W.: Immer diese Muster.

Es ist belegbar: Auch die einheimischen, die deutschen Männer wollen keine Frau mit Migrationshintergrund heiraten. Es gibt Barrieren der interethnischen Eheschließung.

H.: Wie die Katze um den heißen Brei.

W.: Boos-Nünning verschweigt uns, worum es wirklich geht: Die Scharia verbietet, dass ein Nichtmuslim eine Muslima heiratet. Der männliche Deutsche müsste zum Islam übertreten, eine anschließende Apostasie ist ihm dann schlichtweg verboten und würde sehr wahrscheinlich ein Leben im Untergrund bedeuten.

H.: Unsere Sexualpolitikerin vermeidet die Forderung aufzustellen, dass jeder junge Mensch das Recht auf eine selbstgeschriebene Biographie hat, also auch auf eine autonome sexuelle Biographie.

W.: Und selbst wenn wir den Wunsch nach Heiratsvermeidung mit einer „fremden Ethnie“ nachweisen können, ist es nicht unsere Aufgabe, das individuelle Mädchen und den einzelnen Jungen bei jedem Bestreben nach „interethnischer“ Beziehung zu unterstützen? Soll Deutschland in einen Flickenteppich kulturell und damit auch heiratsbezogen voneinander abgekoppelter Stämme zerfallen, wollen wir die sexualpolitische Apartheidsgesellschaft, wenig zufällig nach dem Muster der arabischen Dhimma und osmanischen Millet?

Viele Untersuchungen kommen zu dem Ergebnis, dass türkische Kinder und Jugendliche nicht mehr belastet sind als deutsche, so auch eine 1992/93 von Renate Schepker (1995) an der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Klinik Essen durchgeführte Untersuchung, die sich ganz besonders auf Externalisierung oder Internalisierung von Normen richtet. Schepker ermittelt, dass sich Mädchen türkischer Herkunft nicht externaler als Jungen der gleichen Ethnie einstufen. Dieses spricht gegen die Alltagsdeutungen, die von den angeblich so hilflosen Mädchen türkischer Herkunft ausgehen, die „wenig Zukunftsperspektiven und kaum Möglichkeiten zur aktiven Lebensgestaltung“ haben. Es stimmt einfach nicht, dass türkische Mädchen ein „passives Bewältigungsverhalten“ zeigen und sich ihr Verhalten in „Gehorsamkeit, Duldsamkeit und Zurückhaltung“ äußere oder dass sie „im Vergleich zu Jungen eingeschränkte Möglichkeiten im sozialen Handeln“ hätten. Wir müssen uns das so vorstellen, dass die türkischen Mädchen glücklich aufwachsen. Die sind nicht unterdrückt.

W.: Wenn sich türkeistämmige Schülerinnen verzweifelt und Hilfe suchend an ihre Lehrerinnen wenden, weil sie gerne an der Klassenfahrt teilnehmen möchten, dann sind sie nicht unterdrückt?!

H.: Sie sind es – und Boos-Nünning leugnet es.

Was die Berufswahl und Berufswege der Migrantenfrauen betrifft, gibt es keine allzu großen Unterschiede zu den deutschen Frauen. Transnationale Eheschließung ist etwa die hereingeholte, die nachgeholte türkische Frau, die Familienzusammenführung, bei einer Heirat mit einem womöglich längst eingebürgerten Türken in der Bundesrepublik oder das Einheiraten einer türkeistämmigen Schülerin aus Deutschland in eine Familie in der Türkei.

W.: Ärgerlich genug, der Brautkauf wird als Familienzusammenführung getarnt.

Türkische Mädchen wollen oft keinen türkeistämmigen Türken.

W.: Sommernachtsalptraum. Sie kriegen ihn trotzdem verpasst. Es gibt keinen Zwang im Glauben (4).

H.: Geliebte gehasste türkische Heimat. Jetzt aber Orhan Pamuk zu lesen, den Völkermord an den Armeniern zu bekennen und die Scharia auf den Müllhaufen der Weltgeschichte zu werfen, das schaffen Deutschlands Türken zu 99 % leider nicht, das Thema geht ihnen zu nah, sie kommen aus der Loyalitätsfalle nicht raus und müssten zugeben, von Eltern, Islam und Türkentum betrogen worden zu sein.

Es stellt sich die Frage nach der Selbstbestimmung bei der Eheschließung. Ich lege Wert darauf, zwischen arrangierter Ehe und Zwangsheirat zu differenzieren. Wir müssen uns das so vorstellen, in der arrangierten Ehe gibt es keinen Zwang. Die Ehe wird arrangiert, der Kontakt wird hergestellt. Das haben wir zu akzeptieren und ist ein Lebensmodell, das unsere gesamtgesellschaftliche Anerkennung verdient.

W.: „Der Kontakt wird hergestellt“, zwei Jahre dürfen sich die beiden, überwacht asexuell, kennen lernen, dann kommt die Freiwilligkeit von alleine. Andere „Kontakte“ zu Männern werden dem Mädchen verboten, damit ihr die Entscheidung nicht so schwer fällt. Manche Mädchen haben auch einfach blanke Angst davor, den Heiratskandidaten, Mamas Liebling, abzulehnen. Die Mutter ist eine türkische Institution (5).

H.: Zumal die Kostenfrage, der Brautpreis oder Brautdienst, durch die beiden Männerbünde bereits geregelt worden ist.

Immer, wenn das Mädchen das Recht hat, „Nein!“ zu sagen, haben wir eine arrangierte Ehe. Und wo es keinen Zwang gibt, können wir nicht von einer Zwangsheirat sprechen. Deutschland muss lernen, den türkischen Familialismus zu verstehen und zu akzeptieren. Pädagogik und Politik müssen versuchen, auch diesen Frauen gerecht zu werden. Die sind nicht unterdrückt.

Zehn Prozent der Mädchen akzeptieren die Mitwirkung der Eltern bei der Auswahl des Heiratspartners. Nur wenn wir die tradierte europäische Prämisse vom individualistischen Denken benutzen, erscheint uns die arrangierte Ehe als Zwangsheirat. Viele Migranten leben nicht individualistisch, sondern familialistisch.

W.: Individuelle Freiheit bildet aber gerade das Selbstverständnis unseres freiheitlichen demokratischen Staatswesens.

H.: Deutschland schützt keine Stammesrechte, sondern Menschenrechte, keine Stämme, sondern Bürger.

Dem so genannten ‚Traditions-Modernitäts-Paradigma’ unterliegt erstens ein westlich geprägtes Modell von Modernität und zweitens ein bipolares Denkmuster von ‚Tradition’ versus ‚Moderne’ – das die Welt entsprechend aufteilt. In diesem Paradigma ist u. a. die Annahme eines linearen Übergangs vom Nullpunkt der Einwanderung zur Endstufe der Integration in die Aufnahmegesellschaft implizit enthalten.

Dieser Übergang sei, so die Annahme, entsprechend mit einem Konflikt und einem so genannten Kulturschock verbunden, der die ‚kulturelle Identität’ des Migranten tangiere bzw. in Frage stelle und zu einer anomischen Situation führe. Entsprechend stellen sich Migrantenfamilien und ihre Sozialisationsbedingungen tendenziell als ‚defizitär’ heraus, oder auch, wie in einem aktuellen Bericht, als sehr traditionell, autoritär, rückschrittlich bis gewalttätig im Umgang mit ihren Kindern und Jugendlichen (so die Darstellung im Bericht des Berliner Forums Gewaltprävention [LkBgG], 2007). Dieses Paradigma hat sich in der Migrationsforschung seit langem als unhaltbar gezeigt und wurde vielfach enttarnt in der kritischen interkulturellen Diskussion.

H.: Boos-Nünning greift die Grundlagen des Aufklärungshumanismus an, wer jetzt noch universelle Menschenrechte einfordert, wird als Eurozentriker und Kulturrassist stigmatisiert.

W.: Sind Gutachten, Jahresberichte und Statistiken nicht genügend politisch korrekt, lässt man neue, passgenaue Expertisen erstellen. Die genaue Fragestellung einer Untersuchung oder Befragung ist in der Tat entscheidend.

Sechzig Prozent der türkischen Mädchen findet es in Ordnung, vor der Ehe mit dem Freund geschlafen zu haben, also können es maximal 40 % sein, welche die Virginität als persönlichen Wert bevorzugen. Im westlichen Kulturkreis ist das ja ganz anders, doch Virginität gilt den türkischen Mädchen und Frauen als etwas Besonderes.

H.: Jetzt wird es obszön, bei Zeus. Das Hymen wird politisch.

W.: Die Männer wollen unbeschädigte Ware.

H.: Das ist finsterste Steinzeit, was die Dame, da von sich gibt. Die in Essen-Altenessen geborene Ursula nahm 1965 im rheinischen Köln ihr Soziologiestudium auf, erlangte 1969 in Österreich den Grad eines Magisters der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften (Mag. rer. soc. oec.) und promovierte 1971 in Soziologie (Dr. rer. soc. oec.) an der Hochschule für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften in Linz. Die Akademikerin kehrte ins Rheinland zurück, rückte am 01.10.1998 zur Prorektorin der Universität Essen auf und wirkte um 2001 sogar als Rektorin dieser Hochschule.

Zur nachfolgenden Palastrevolte an der Essener Uni berichtete Armin Himmelrath (DER SPIEGEL) am 19.12.2001 (6) und 29.05.2002 (7). Das verarmende Nordrhein-Westfalen wollte die Hochschulen Duisburg und Essen fusionieren. Boos-Nünning fiel ihrem eigenen Senat in den Rücken und mauschelte bei dieser Elefantenhochzeit (Arrangierte Ehe? Ohne Zwang?) mit. Der wütende Senat wählte sie mit konstruktivem Misstrauensvotum und bei 15 zu drei Stimmen ab, ihre Verhandlungen mit dem Rektor der Uni Duisburg und dem NRW-Wissenschaftsministerium wurden bei allem Verständnis für den Druck aus Düsseldorf („Uns ist völlig egal, wie die Senate abstimmen. Die Fusion kommt auf jeden Fall, notfalls erzwingen wir das“) anständigerweise nicht hingenommen. Nun ja, dachte Ursula, dann eben wieder Migrationspädagogik, und so frönt die Altachtundsechzigerin auch sieben Jahre später dem Kult um den orientalischen Stamm und dessen viele fraglos ehrbare, zum arrangierten Zeitpunkt blutende Jungfernhäutchen.

W.: Ein besonders kultursensibles Element des Familialismus ist der Ehrenmord, wir müssen das so verstehen, die sind nicht unterdrückt.

H.: Roswitha, jage mir keine Angst ein, du redest schon wie Boos-Nünning.

W.: Man könnte sich an den Singsang gewöhnen. Ironie aus.

H.: Boos-Nünning war 1996 – 1998 Mitglied der Kommission zum 10. Kinder- und Jugendbericht, ab 1999 saß die Dame im Bundesjugendkuratorium, wo sie den Arbeitskreis Bildung leiten durfte.

W.: Boos-Nünning und Bildung?

H.: Das Fremde integrieren.

Türkische Mädchen akzeptieren die Virginität als Norm. Verglichen mit deutschen Mädchen sind diese Mädchen deutlicher religiös gebunden. Wir fanden heraus und können es wissenschaftlich belegen, Mädchen mit Kopftuch sind konventioneller.

H.: Nobelpreisverdächtig.

W.: Sie besitzen auch deutlich mehr Kopftücher, die Kopftuchmädchen.

Ja, die türkischen Mädchen, überhaupt die Mädchen mit Migrationshintergrund, haben deutlich konventionellere Vorstellungen. Etwa 80 % der deutschen Mädchen im Alter von 18 Jahren hatte bereits Geschlechtsverkehr. Hierin bildet sich auch die Stärke der religiösen Orientierung ab, die jungen Türkinnen sind eher religiös gebunden als die deutschen. Auffallende Religionsbindung haben auch die italienischen und griechischen Mädchen, von den letztgenannten sind, das ist in Deutschland vielfach eher unbekannt, viele Zeugen Jehovas.

Wir können bei den italienischen Mädchen nachweisen, dass gerade die starke Familienbindung, die wir als Familialismus bezeichnen können, den beruflichen Erfolg der Töchter garantiert.

W.: Je engmaschiger das würgende Fangnetz namens Familie, desto wahrscheinlicher die akademische Karriere der geliebten Tochter?

H.: Italienische Kinder haben ihre Eltern voll im Griff und den Rest der Verwandtschaft gleich mit. Nur bei den italienischen Zeugen Jehovas sieht es anders aus, da ist Familie fundamentalistischer Knast und Berufskarriere ohnehin nicht vorgesehen, noch nicht einmal für die Jungen.

Bei der Schule muss sich vieles verändern, um den Türken gleiche Chancen zu ermöglichen. Dasjenige Merkmal, das besonders augenfällig ist, entscheidet über die Exklusion – also beispielsweise die Geschlechtszugehörigkeit in einer gemischtgeschlechtlichen Schule oder die ethnische Zugehörigkeit in Klassen, die überwiegend aus nichtgewanderten deutschen Schulkindern bestehen. Die Möglichkeit, stereotypisierte Gruppen in einer homogenen Umgebung, zum Beispiel in monoedukativen Klassen, zu unterrichten, könnte gerade für die türkischen Mädchen sehr gute Chancen bereiten.

H.: Wozu bitte? Was denn sollen die Mädchen dämonisieren lernen, den angeblich von Natur aus alle Mädchen drangsalierenden, triebgesteuerten Jungen oder die eigene, angeblich wesensgemäß schutzbedürftige und zugleich verführerische Leiblichkeit? Nichts gegen eine gute (gleichheitsfeministisch gedachte, antisexistische, antipatriarchalische) Jungen- oder Mädchengruppe an einem Nachmittag in der Woche, doch Deutschlands türkeistämmige Mädchen haben wohl eher zuviel Geschlechtertrennung als zu wenig.

W.: Mehr Geschlechtertrennung? Verwechselt die Dame da nicht Schule und Koranschule? Wie wäre es, kein saudi-arabisches Schulkonzept der Mädchensegregation einzuführen, sondern allen Kindern und Jugendlichen beizubringen, niemanden zu erniedrigen, auch die kleine Kopftuchverweigerin nicht oder den kleinen Schweinefleischfresser?

Nun zu einem ganz schlimmen Thema, das es auch gibt. Zwangsverheiratung ist eine Menschenrechtsverletzung. Zwangsverheiratung verstößt gegen einen zentralen Bereich der persönlichen Lebensplanung.

H.: Weil meine fürsorgliche Sippe meine persönliche Lebensplanung übernimmt, kann ich nie zwangsverheiratet werden.

W.: Kein Individuum, kein Zwang. Frei Nach Boos-Nünning. Im Ernst und in eigentlich unnötiger Ausführlichkeit: weil jede arrangierte Ehe das Planen Dritter an meiner Lebensbiographie bedeutet, beeinträchtigt das Eheanbahnen stets meine persönliche Lebensplanung.

H.: Welches traditionalistisch oder islamistisch erzogene Mädchen wagt es denn, seinen Eltern zu widersprechen oder die Kerkermauer des Denkverbotes „Meine Eltern wollen nur mein Bestes, so sagen sie es selbst“ zu sprengen?

W.: Es liegt in der türkischen oder kurdischen Großfamilie immer ein mehr oder weniger starker Gruppendruck vor. Jetzt zu sagen, das wenig individualistische Mädchen leidet ja nicht so sehr, und genau das ist die Boos-Nünning-Logik beim Verteidigen der arrangierten Ehe, ist ein Abgrund an Kaltschnäuzigkeit.

H.: Das ist es: 100 % sind arrangierte Ehe, ein Drittel bei brutaler Gewalt also selbst nach Boos-Nünning als Zwangsheirat zu erklären, ein weiteres Drittel bei einem aus mittelalterlicher beziehungsweise schariatischer Sicht normalen Maß an Frauenunterdrückung, ein letztes Drittel bei nur ein wenig oder ganz klein wenig sozialer Einschüchterung und islampädagogisch erweckter Angst vor der bei irdischer Gehorsamsverweigerung im Jenseits zu erwartenden Höllenstrafe.

W.: In der freiheitlichen Demokratie müssen wir Pädagoginnen und Pädagogen uns gegen die arrangierte Ehe aussprechen dürfen. Boos-Nünning behindert unsere Arbeit.

H.: Die Migrationspädagogin schweigt zur islamischen Zweitfrau, zur arrangierten Drittfrau, zur islamrechtlichen Verstoßung (at-talaq, auch arrangiert) der Ehefrau und zum unbedingten Recht des Vaters auf („arrangiertes“) Verheiraten seiner jungfräulichen Tochter, ein Recht, das Allah jedem Vater (Wali Mudschbir) zubilligt, bei Bedarf eben ohne deren Zustimmung. Das alles ist Scharia, das ist Islam, …

W.: … dafür steht das Kopftuch. Boos-Nünning verheimlicht uns die Verwandtenehe, namentlich die Cousinenehe, ein ganz typisches türkisches oder kurdisches „Arrangement“, mit hohem Risiko, aufgrund zu hoher genetischer Verwandtschaft ein behindertes Kind zu bekommen.

H.: Cousinenehe, wenn ich geboren werde, ist schon klar, wen ich heirate. Alles ganz zwanglos. Eine Burka für Boos-Nünning.

W.: Die islamisch erzogenen Mädchen haben nie gelernt, Nein zu sagen. Wie sollen sie sich der Erwartungshaltung und dem Druck der Kernfamilie und Großfamilie entziehen? Im Falle der Verweigerung des Heiratsangebotes wird jede Begegnung im Familienkreis zum Spießrutenlauf, Verwandten begegnet man weltweit überall, beim Türkeiurlaub ebenso wie in Deutschland im Bus oder Supermarkt, beim Arzt oder in der Uni. Es folgen zudem weitere Einladungen zu türkischen Hochzeiten, denen sich noch nicht einmal Männer entziehen können. Bei diesen Festen wird verkuppelt, im Islam ebenso wie im hinduistisch geprägten Kulturkreis, bei den Sikhs ebenso wie bei den Leuten aus Taiwan oder Tibet.

Mädchen wollen nicht unter ihr Bildungsniveau heiraten.

H.: Da trägt die familienseits arrangierte Herausnahme des Mädchens aus der deutschen Schule zu einer künftigen ehelichen Harmonie bei.

W.: Um deine verständlich, aber schwer erträgliche Ironie fortzusetzen: Auch besser erst gar kein Gymnasium besuchen, wer weiß, was das Mädchen da alles lernt.

Einerseits wollen sie früh heiraten, andererseits haben sie eingeschränkte Chancen und eingeschränkte Kontaktmöglichkeiten.

W.: Die Brüder kontrollieren die Deutschtürkin oder Deutschtunesierin auf Schritt und Tritt, ganz im Auftrag der Großfamilie, jedes Gespräch mit Jungen, gar „ungläubigen“, hat schlimme Bestrafung zur Folge. Aber wir lernen gerade: die sind nicht unterdrückt.

H.: Manche der arg vormodern überwachten türkeistämmigen Mädchen bereits im ersten und zweiten Schuljahr wollen, deutsche Lehrer übersehen das bisweilen, ganz zufällig allesamt nicht neben einem Jungen sitzen. Das müssen wir ansprechen dürfen, und genau da ist eine Professorin, die für die angebliche Nestwärme der Sippe und des Stammes („Familialismus“) schwärmt, kontraproduktiv und eine Gefahr für gelingende Integration.

W.: Boos-Nünning erreicht die Segregation, das will sie, und zwar sehr bewusst.

H.: Die Dame macht sich sehr schuldig daran, dass der politische Islam, der ja immer sittenpolitisch ansetzt, seine Macht ausbauen kann und dass die heutigen Mädchen und Jungen im Grundschul- und Unterstufenalter in zehn Jahren nicht in der kulturellen Moderne der vollen Menschenrechte und Grundrechte ankommen werden.

Wenn Mädchen, auch stark misshandelte, das Frauenhaus anrufen und erreichen, gehen sie zumeist rasch wieder in ihre Familien zurück. Die vermissen ihre Familie, die ihnen Halt gibt. Wir müssen den Familialismus verstehen.

Allgemein verbreitete Vorurteile sind jedoch von Dauerhaftigkeit und lauten immer wieder wie folgt: „dass die patriarchalisch autoritäre Familienstruktur der (türkischen) Migrationsfamilie eine Integration der Kinder in die deutsche Gesellschaft verhindere“, „dass die Erziehungsvorstellungen der eingewanderten Eltern nicht mit den deutschen Erziehungszielen und Normen in Einklang zu bringen seien“, „dass in Migrationsfamilien das Verhältnis zwischen den Generationen wegen der unterschiedlichen Sozialisation grundlegend gestört sei“ und „dass vor allem die Durchsetzung rigider, geschlechtsspezifischer Normen in den Familien zu einer grundsätzlichen Benachteiligung der Mädchen, Frauen, Töchter und Schwestern führe“. Die Wissenschaft hat dieses Konstrukt größtenteils überwunden und revidiert, sie zeigt mittlerweile ein erheblich differenziertes Bild der in Deutschland lebenden Migrantengruppen. Kontrastiert mit ernsthaften empirischen Befunden, erweisen sich solche stereotypisierenden Annahmen seit langem als Fehldiagnosen.

Leiden die türkischen Mädchen an ihrer Familie? Nein! Diese Mädchen leiden an den Zuschreibungen und Weiblichkeitskonstruktionen, die wir ihnen auferlegen! Griechische, italienische und vor allem türkische Mädchen in Deutschland leiden an den Beschränkungen, die ihnen die deutsche Gesellschaft auferlegt!

Wir müssen lernen, nicht immer nur auf die Familie zu sehen, sondern müssen die gesellschaftliche Benachteiligung beheben, die viel schrecklicher ist. Genau da ist viel zu tun. Ich Ihnen danke für Ihre Aufmerksamkeit.

W.: Wo geht es hier an die frische Luft, ich muss hier raus!

H.: Es gibt kein Problem mit familiärer Gewalt in den türkisch oder nordafrikanisch geprägten Straßenzügen, und wenn es doch eines gibt, sind die Urdeutschen daran schuld. Menschen mit einer derartig verständnisvollen Haltung wird sogar der an Süleyman Hilmi Tunahan und der unveränderlichen Doktrin der Diskriminierung (Scharia) orientierte İslam Kültür Merkezleri Birliği (IKMB), deutsch: Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ) als Gutachterin wohlwollend dulden (8).

W.: Früher hieß das Fundamentalismus, Sexismus oder Apartheid, heute sagt man interkulturelle Kompetenz (9), (10).

*

(1) Die vergrabene Bombe

http://www.stern.de/politik/deutschland/zwischenruf/zwischenruf-die-vergrabene-bombe-634119.html

(2) Die deutsche Bundesregierung stellt fest: „Migrantinnen sind vielfach in besonderer Weise von häuslicher Gewalt betroffen und besonders massiven Formen von innerfamiliärer Gewalt ausgesetzt. Diese Situation steht im Widerspruch zur deutschen Rechtsordnung.“

http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Publikation/IB/Anlagen/auslaenderbericht-7,property=publicationFile.pdf

(3) Gewalt ist nie privat! skf-Kampagne

http://www.gewalt-ist-nie-privat.de/

(4) »Wenn muslimische Mädchen weinen«, für einen Zuwachs an Fundamentalismus, Patriarchat und Abschottung sorgt diese erbauliche Kurzgeschichte von Allahs Dienerin Sonia-Iman Rassoul

http://www.scribd.com/doc/3461782/Wenn-muslimische-Madchen-weinen-von-SoniaIman-Rassoul

(5) Necla Kelek zur Institution Mutter

http://www.chrismon.de/4557.php

(6) »Schallende Ohrfeige für Essens Rektorin«

DER SPIEGEL, Armin Himmelrath: „Ich bin nicht gewählt worden, um zurückzutreten“ – mit dieser einfachen Formel begründete die Essener Rektorin Ursula Boos-Nünning, warum sie nach der deutlichen Klatsche im Senat keinerlei Anlass zur Reaktion sah. Zwar hatten 11 von 19 Senatsmitgliedern die Rektorin zum Rücktritt aufgefordert und ihr explizit das Misstrauen ausgesprochen. Doch zur Abwahl wäre eine Zwei-Drittel-Mehrheit von 13 Stimmen notwendig gewesen. „Mit ihrer nicht vorhandenen Reaktion hat die Rektorin gezeigt, dass sie kein Interesse an demokratischen Prozessen innerhalb der Hochschule hat“, schimpfte ein studentisches Senatsmitglied.

http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,173564,00.html

(7) »Statt Fusion Putsch, Rektorin futsch«

DER SPIEGEL, Armin Himmelrath: Jetzt ist auch die Rektorin der Universität Essen ihr Amt los: In einem konstruktiven Misstrauensvotum sprach sich der Senat am Dienstagnachmittag mit 15 zu 3 Stimmen gegen Ursula Boos-Nünning aus, die erst vor zwei Jahren Rektorin geworden war.

http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,198364,00.html

(8) Boos-Nünning: Freundschaftsgutachten jedenfalls freundschaftliches Gutachten für den an Tunahan und Scharia orientierten VIKZ

http://www.swr.de/international/de/-/id=233334/vv=print/pv=print/nid=233334/did=4002986/egq2j6/index.html

(9) Der Boos-Nünning-Effekt ist hartgesottenen Pädagogen zur womöglich gewünschten weiteren Abhärtung dienlich und hat für Deutschlands Soziologen einigen Unterhaltungswert, leider droht er auch Folgen für unsere Politik zu haben. Was dem alten Orient seine Fatwa war, ist der Postmoderne ihre Expertise. Düsseldorf 2008: Expertise der Frau Dr. Leonie Herwartz-Emden, Philosophisch-Sozialwissenschaftliche Fakultät der Universität Augsburg: Interkulturelle und geschlechtergerechte Pädagogik für Kinder im Alter von 6 bis 16 Jahren. Expertise für die Enquêtekommission des Landtages von Nordrhein-Westfalen: „Chancen für Kinder“.

Scharia null Treffer, Islam und Kopftuch jeweils zwei und erwartungsgemäß ohne Aussage, 17 Treffer Boos-Nünning, da denkt man mit Grausen an den Namen Karakaşoğlu und siehe, auch 17 Treffer. Was ebenso wenig verwundert, wie die ständige Nennung »Viele Welten leben«, nun ja, ebenfalls 17 Treffer, was ein Gutes hat, denn den Landtagsabgeordneten bleibt der sonstige Unsinn der beiden Damen für dieses Mal erspart. Der buchgewordene Heuhaufen an denkbar unsinnigen Fragestellungen und nahezu aussagefreien Diagrammen: Ursula Boos-Nünning, Yasemin Karakaşoğlu: Viele Welten leben. Lebenslagen von Mädchen und jungen Frauen mit griechischem, italienischem, jugoslawischem, türkischem und Aussiedlungshintergrund. BMFSFJ: Berlin. Und hier zur krass korrekten Boos-Nünning-Verwendung, eine ganz echte Expertise. Suchfunktion getestet, Menschenrechte / Grundgesetz / Grundrechte jeweils 0 (null) Treffer, interkulturell mehr als 150 Treffer, man muss Prioritäten setzen, guckstu

http://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/GB_I/I.1/EK/14_EK2/Gutachten/ExpertiseHerwartz-Emden.pdf

(10) Landtag Nordrhein-Westfalen -33- Ausschussprotokoll 13/1454. Ausschluss für Frauenpolitik 15.02.2005, 40. Sitzung (öffentlich) the-ro. Als html-Version

http://209.85.129.132/search?q=cache:jCFTQZuGe_wJ:www.barbara-steffens.de/ZwHAusschProt.pdf+barbara+steffens+%22zwangsehen+verhindern%22&cd=1&hl=de&ct=clnk&gl=de

(10) Professorin wirbt für mehr schariakompatible Gesetze! Boos-Nünning 2005 vor dem Landtag NRW … werbend … für was wohl … für die arrangierte Ehe! Nachredner: Islampolizeifreund Bülent Arslan); als pdf

http://www.barbara-steffens.de/ZwHAusschProt.pdf

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7 Antworten to “Boos Nünning: Muslimische Migrantinnen sind nicht unterdrückt”

  1. gleichberechtigungjetzt Says:

    Gastgeberin Boos-Nünning heißt uns im restaurierten Mittelalter herzlich willkommen.

    Dankeschön, das ermutigt, wenn sich noch jemand der neuen Heiligung der kinderfeindlichen und modernitätsverweigernden arrangierten Ehe widersetzt.

    Der Journalist Ahmed Arpad schrieb am 16.03.2006 in der Stuttgarter Zeitung zum Thema ‘Gescheiterte Integration und neue Parallelgesellschaft heizen Heiratsmarkt mit Frauen aus der Heimat an ‘ Vernünftiges und Bedenkenswertes:

    Immer mehr junge Türken setzen auf die arrangierte Ehe

    http://www.ahmet-arpad.de/yazilar/060316stn.html

  2. Jacques Auvergne Says:

    Ursula Boos-Nünning hat ihr Freundschaftsgutachten äh freundschaftliches Gutachten zum VIKZ fertig erstellt!

    Aufgrund der Vorwürfe und Kritik gegenüber seinen Schülerwohnheimen hat der Verband seine 20 Schülerwohnheime durch die Universität Essen Duisburg unter der Leitung der mittlerweile emeritierten Erziehungswissenschaftlerin Dr. Ursula Boos-Nünning untersuchen lassen. Die Ergebnisse der Untersuchung mit dem Titel „Beten und Arbeiten“ sind im Juli 2010 der Öffentlichkeit vorgestellt worden, laut Boos-Nünning fanden sich keinerlei Anzeichen für verfassungsfeindliche Bestrebungen oder für eine demokratiefeindliche Indoktrination. Zur gegenmodernen, kulturrassistischen und frauenfeindlichen Scharia geht Boos-Nünning, die bekanntlich die arrangierte Ehe öffentlich verteidigt („Familialismus, Virginität“) und mit dem sexualmagischen und frauenentwürdigenden Hidschab kein Problem hat, nicht auf Distanz.

    Der Kölner Stadt-Anzeiger titelt im Juli 2010 ‚Islamverband indoktriniert Schüler nicht‘ und lässt verlauten: „In den 19 Schülerwohnheimen, die der Verband der islamischen Kulturzentren (VIKZ) bundesweit betreibt, werden die Jugendlichen weder religiös noch politisch indoktriniert. … Das sind erste Ergebnisse einer empirischen Studie der Sozialwissenschaftlerin Ursula Boos-Nünning, die sie am Freitag gemeinsam mit der VIKZ-Verbandsspitze in Köln vorstellte. Die Migrations-Pädagogin befragte in dem Forschungsprojekt der Universität Duisburg-Essen 347 Schüler sowie Mitarbeiter und externe Fachleute. Die Studie ist eine Reaktion auf Kritik an den VIKZ-Heimen. Die beiden Kernvorwürfe – die Jugendlichen zögen auf Druck ihrer Eltern in die Heime; Ziel sei Elitebildung – hätten sich nicht bestätigt. … Der pädagogische Anspruch komme im Titel ihrer Untersuchung („Beten und Lernen“) zum Ausdruck. Mehr als 90 Prozent der Jugendlichen gaben als Motiv für die Anmeldung einen guten Schulabschluss an. Die meisten schätzen den Islam als wichtigen Bestandteil ihres Alltags ein.“

    http://www.ksta.de/html/artikel/1278666293450.shtml

    Auch die Frankfurter Rundschau („Internate unter der Lupe“) ist im Juli 2010 voll des Lobes: „Die Erziehungswissenschaftlerin Ursula Boos-Nünning von der Uni Duisburg-Essen stellt in der „Beten und lernen“ betitelten Untersuchung fest, dass die zentrale Aufgabe der Wohnheime Bildungsarbeit ist. Offenbar erhalten die Schüler dort „einen besseren Start in ihr weiteres Leben“. Die Unterbringung erfolge keineswegs, entgegen der gängigen Kritik, auf Druck der Eltern.“

    http://www.fr-online.de/in_und_ausland/wissen_und_bildung/aktuell/2837280_Gutes-Zeugnis-Internate-unter-der-Lupe.html

  3. Jacques Auvergne Says:

    Ursula Boos-Nünning und der VIKZ. Hütchenspielertrick … wo ist die Kugel, wo ist die Studie?

    Die Studie ‘BETEN UND LERNEN’ sei zwar am Freitag, 09.07.2010 öffentlich vorgestellt worden („Öffentlichkeit“ ist das Kölner VIKZ-Hauptquartier Villa Hahnenburg ab 10:30 für 90 Minuten), leider ist sie offensichtlich nicht zugänglich.

    Man würde ‘Beten und Lernen’ ja gerne lesen.

    http://www.vikz.de/index.php/pressemitteilungen/items/beten-und-lernen-eine-untersuchung-der-padagogischen-arbeit-in-den-wohnheimen-des-vikz.html

    Das weitere Umfeld der Muslimbrüder namens ZMD titelt zur Studie der Ursula Boos-Nünning ‚VIKZ Heime weder verfassungsfeindlich noch rückständig. Wissenschaftliche Studie entlastet Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ)‘ und meint: „«Die Studie hat uns auch Hausaufgaben aufgegeben», sagte VIKZ-Präsident Mustafa Imal. Deren Erledigung wollten der Verband und die Trägervereine der Heime nun leisten.“ – wie süß, Hausaufgaben, wie rührend, ein wenig Buße und Einsicht.

    http://islam.de/16072.php

    Canan Topçu darf am 12.07.2010 in der FR-online „Erste Ergebnisse einer Studie werfen nun ein ganz anderes Licht auf die Heime für junge Migranten“ und „Jetzt liegen erste Ergebnisse vor.“ fallen lassen. Nanu, ist BETEN UND LERNEN denn erst teilweise fertiggestellt? Man fasst es nicht, Absurdistan …

    http://www.fr-online.de/wissenschaft/internate-unter-der-lupe/-/1472788/4452154/-/index.html

  4. Querverweis Says:

    Köln, 02.02.2012 – Der Verband der Islamischen Kulturzentren e. V. (VIKZ) empfing heute Philipp D. Murphy, Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika in Deutschland, in seiner Verbandszentrale in Köln. Der Botschafter kam in Delegation von Janice Weiner, US Generalkonsulin in Düsseldorf, Whitney Wiedemann, stellvertretender Konsul und weiteren Mitarbeitern des Konsulats.

    Im Rahmen des Besuches sprachen die Teilnehmer über die Gründung der islamisch-theologischen Fakultäten an deutschen Universitäten, die steigende Islamfeindlichkeit sowie den zunehmenden Rassismus in Deutschland. Dabei betonten die Gesprächspartner die Bedeutung des gegenseitigen Respekts sowie der Toleranz für ein friedliches Zusammenleben in der Gesellschaft.

    https://schariagegner.wordpress.com/2009/10/08/muslimische-migrantinnen-sind-nicht-unterdruckt/

    17.02.2012 – Bundesinnenminister Dr. Hans-Peter Friedrich hat am 17. Februar Vertreter des Verbands der Islamischen Kulturzentren e.V. (VIKZ) in Köln besucht. Das Treffen stand im Zeichen des persönlichen Gesprächs und Erfahrungssaustauschs. Der VIKZ ist Mitglied der Deutschen Islamkonferenz. …

    Nach einer Führung durch die Villa Hahnenberg in Köln-Buchheim, Sitz einer der rund 300 Gemeinden des VIKZ, informierte Verbandspräsident Ali Ataullah Demirezen Friedrich bei Tee und türkischen Gebäck über die Tätigkeit des Dachverbands. Demirezen gab dem Minister zudem Einblicke in laufende Projekte des Vereins. Mit den Projekten „PARTIMO“ und „Bildungsbrücken“ leistet der Verband wertvolle Arbeit zur Verbesserung der Integration von Muslimen. Während „PARTIMO“ die Jugendarbeit des VIKZ im Blick hat, unterstützt das Projekt „Bildungsbrücken“ die Qualifizierung von Eltern mit Migrationshintergrund, um bessere Bildungschancen ihrer Kinder zu bewirken. Beide Projekte werden vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. …

    Als Dachverband bildet der VIKZ selbst Imame aus und engagiert sich insbesondere in der religiösen Bildung muslimischer Jugendlicher. Deutschlandweit betreiben der VIKZ und seine Mitgliedsvereine mehrere Schülerwohnheime.

    Am 19. April wird die Deutsche Islamkonferenz in Berlin zu ihrer nächsten Sitzung zusammen kommen. Bei der diesjährigen Tagung stehen die Integration von Muslimen auf dem Arbeitsmarkt sowie Fragen der Gleichberechtigung von Mann und Frau im Mittelpunkt.

    http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Kurzmeldungen/DE/2012/02/bm_besuch_vikz.html?nn=303936

  5. Querverweis Says:

    Michael Mertens, Leiter des Landesjugendamts Köln, sagt es gleich zu Beginn einer eilig einberufenen Pressekonferenz: „Wir zweifeln die Zuverlässigkeit des VIKZ an.“ Deshalb sei der Betrieb von internatsähnlichen Einrichtungen untersagt worden. …

    Das Landesjugendamt (LJA) hegt seit langem „Misstrauen“ gegenüber dem VIKZ, sagt Mertens: „Man hält sich dort nicht an Zusagen.“ Mehrmals seien bundesweit internatsähnliche Heime gebaut und betrieben worden, ohne dass das LJA als zuständige Behörde informiert worden war. Mertens: „Dabei wussten die VIKZ-Vetreter um ihre Informationspflicht.“ Erst vor zwei Tagen sei ein Heim in Waltrop im Ruhrgebiet von der Polizei stillgelegt worden. Dort sei in den vergangenen sechs Monaten illegal internatsähnlich unterrichtet worden. Der VIKZ bestreitet alle Vorwürfe. …

    Ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung gegen den VIKZ wurde gegen Zahlung von 15 Millionen Euro eingestellt. …

    Die ablehnende Haltung zu den VIKZ-Einrichtungen sei in deren „integrationshemmender Ausrichtung“ begründet. Es verstärke sich der Eindruck, dass die VIKZ-Heime den Zweck verfolgten, junge Menschen „auf isolierten Inseln außerhalb der deutschen Gesellschaft“ zu erziehen, betonte die hessische Sozialministerin Silke Lautenschläger. „Die Kinder haben keine Chance, ihre individuelle Persönlichkeit zu entfalten, weil sich die Zielrichtung des Vereins nicht am Kindeswohl orientiert, sondern an seinen religiösen und damit gesellschaftspolitischen Vorstellungen“, ergänzt Ministeriumssprecher Gemein: „Hier wird nicht integriert, sondern indoktriniert.“

    aus: DETLEF SCHMALENBERG, MATTHIAS NIEWELS, TIM STINAUER: Das große Misstrauen; in: ksta 11.04.2008

    http://www.ksta.de/html/artikel/1207479012599.shtml

  6. Chronist Says:

    :::

    Die Erwartungen der Eltern an den Islamischen Religionsunterricht entsprechen vor allem den unter Muslimen üblichen traditionellen Lehrmethoden. So äußerten im Rahmen der Evaluation für den Unterricht in Niedersachsen viele Eltern den Wunsch, ihre Kinder sollten Koransuren und Prophetenaussprüche auswendig lernen, sowie die Unterschiede zwischen Verbotenem (haram) und Erlaubten (halal) vermittelt bekommen.

    Djavad Mohagheghi fasst die Erkenntnisse dieser Untersuchung über die Erwartungen der Eltern in drei Kategorien zusammen: Den Kindern soll Wissen über den Glauben vermittelt werden, sie sollen gottesdienstliche Handlungen lernen und sich im gesellschaftlichen Leben engagieren.

    Die Bedeutung eines Islamunterrichts an Schulen wird anhand der Darstellung von Ceylan nochmal besonders deutlich. Demnach würde solch ein Unterricht den Kindern im Gegensatz zum Unterricht in Moscheen, in denen meist das Auswendiglernen des Korans und die Vermittlung islamischer Grundlagen und ethischer Prinzipien im Vordergrund stehen, eine Chance bieten, sich mit dem Sinn des Glaubens auseinanderzusetzen, einen eigenständigen Zugang zu ihm zu finden oder ihn gar abzulehnen. Unter den Lernzielen betont Ceylan die „Fähigkeit zur kritischen Selbstreflexion“, die den Schülern angeeignet werden muss. Außerdem sollen sie lernen, „als muslimische Individuen selbstständig und selbstbewusst in der deutschen Gesellschaft ihren Platz einzunehmen.“

    aus: Hussein Hamdan: Muslime in Deutschland: Geschichte – Gegegnwart – Chancen
    in: Schriften des Zentrums für interkulturelle Kommunikation Band 1 (p 50)

    http://www.zikk.eu/tl_files/zikk/pdfs/Muslime-Band.pdf

    Literatur

    Ceylan, Rauf: Religiöse Erziehung muslimischer Schülerinnen und Schüler – Zur Bedeutung des islamischen Religionsunterrichts in Deutschland. In: Uçar, Bülent/Blasberg-Kuhnke, Martina/Scheliha von, Arnulf (Hrsg.): Religionen in der Schule und die Bedeutung des islamischen Religionsunterrichts. Göttingen 2010. S. 201-210.

    Mohagheghi, Djavad: Erwartungen muslimischer Eltern an den islamischen Religionsunterricht. In: Uçar, Bülent/ Blasberg-Kuhnke, Martina/ Scheliha von, Arnulf (Hrsg.): Religionen in der Schule und die Bedeutung des islamischen Religionsunterrichts. Göttingen 2010. S. 211-218.

    :::

  7. Edward von Roy Says:

    Die Freundin des Kopftuchs (Hidschab) in der Arbeitswelt Eva Maria Welskop-Deffaa (Bundesvorstand ver.di) für den religionspolitischen Kongress der Grünen (Düsseldorf am 17.01.2015) und allen Ernstes:

    Religiöse und weltanschauliche Vielfalt am Arbeitsplatz ist also Vielfalt der religiösen und weltanschaulichen Überzeugungen und Traditionen der Beschäftigten ebenso wie der Kunden und Kundinnen. Die muslimische Apothekenhelferin, die in der Apotheke ein Kopftuch trägt, macht damit ihre religiöse Beheimatung KollegInnen und KundInnen gegenüber sichtbar. Der christliche Bäcker, der Osterlämmer bäckt und sie im Schaufenster dekoriert, verortet sich und seine Produkte sichtbar in christlichen Feiertagstraditionen. …

    Versöhnte Verschiedenheit, Respekt vor der Vielfalt und der religiösen und weltanschaulichen Überzeugung des anderen schafft Voraussetzungen dafür, gemeinsame Interessen gemeinsam vertreten zu können, schafft Voraussetzungen für betrieblichen Frieden. …

    Negative Stereotype vom Islam […] [Kennt Welskop-Deffaa die Scharia nicht oder findet sie das Islamische Recht tolerant und demokratietauglich? Über Koran und Sunna nur Gutes? Und brachte Chomeini jetzt schlimme „Stereotype“ oder war der Ayatollah gar nicht „negativ“, Frau Welskop-Deffaa?] schwappen in die betriebliche Wirklichkeit hinein. Nicht nur, aber auch um im Betrieb ein friedliches Miteinander von Kollegen und Kolleginnen unterschiedlicher Religionen zu sichern, ist gewerkschaftlich dem Entstehen religionsfeindlicher, islam- und fremdenfeindlicher Stereotype im öffentlichen Raum mit Entschiedenheit entgegen zu treten. …

    Die Attentate von Paris haben die Bedeutung des Geschlechterunterschiedes im Kontext von Islam und öffentlichem Raum noch einmal sichtbar gemacht – wie zuvor bereits die im Winter 2014 in Deutschland kurz aufflackernde Debatte um das Burka-Verbot. In dieser Debatte ging es – so scheint mir – um die Sichtbarkeit von Religion im öffentlichen Raum und um Unsichtbarkeit von Frauen im öffentlichen Raum. Ob ein Verbot der Burka im öffentlichen Raum dazu führen würde, dass muslimische Frauen zukünftig in unseren Straßen als Frauen ohne Burka sichtbar würden oder ob sie im Gegenteil gar nicht mehr sichtbar wären, weil sie ohne Burka ihre Wohnung nicht verlassen dürften, das gehört zu den besonders spannenden Fragen im Umfeld der Debatten um Religion im öffentlichen Raum [Genau, die Frauen werden eingesperrt, nachzulesen bei Imam al-Ghazali, der starb 1111 d. Z.]. …

    Religiosität und Religion stehen, so scheint es, bei einer größer werdenden Gruppe von Menschen unter einem latenten Antimodernismus-Verdacht. Dass unter diesen Umständen im (Arbeits-)alltag wahrnehmbare religiöse Praxis von gläubigen Menschen – der Wunsch, Gebetszeiten einzuhalten, ein Kopftuch zu tragen, […] – tendenziell irritiert und womöglich als störend empfunden wird, ist kaum verwunderlich. Anti-Islamismus und Säkularismus können sich unter diesen Vorzeichen, wenn nicht aufmerksam gegengesteuert wird, zu einer aggressiven Kultur der Intoleranz verknüpfen. …

    Ein toleranter und behutsamer Umgang mit Zeichen und Inhalten religiöser Bekenntnisse im öffentlichen Raum (…) verhindert Eskalationen der Gewalt. …

    Religiöse Alphabetisierung und Dialogbereitschaft als Bedingung weltanschaulicher Toleranz

    (aus: Eva Maria Welskop-Deffaa: „Alltag, Kultur und Tradition: Religion und Weltanschauung im öffentlichen Raum“. Sechs Thesen aus gewerkschaftlicher Perspektive)


    Religionsfreiheit am Arbeitsplatz? Querdenkerin Welskop-Deffaa im Interview in der Brackeler Kommende

    Wann? 25.06.2015 19:30 Uhr
    Wo? Kommende Dortmund, Brackeler Hellweg, Dortmund

    Über aktuelle Fragen der Religionsfreiheit im öffentlichen Raum – speziell in der Arbeitswelt – diskutiert Eva M. Welskop-Deffaa, Mitglied des Bundesvorstands der Gewerkschaft ver.di, am Donnerstag, 25. Juni, ab 19.30 Uhr in der Kommende Dortmund, Brackeler Hellweg, in der Reihe Profilierte Querdenker im Interview mit Richard Geisen und dem Publikum.

    Der Streit um religiöse Symbole wie Burka oder Beschneidung [meint die Ministerialdirektorin i. R. und heutige ver.di-Schariafreundin jetzt die allen Schafiiten religionsrechtlich verpflichtende Jungenbeschneidung oder die schafiitisch nicht minder verpflichtende Mädchenbeschneidung? Und warum überhaupt bezeichnet Welskop-Deffaa Genitalverstümmelung als Sinnzeichen („Symbol“)?] ist längst nicht überwunden. Unduldsamkeit gegenüber jeder Religionspräsenz einerseits und religiös begründete Gewaltbereitschaft andererseits schüren die Konflikte.

    Was tun Gewerkschaften und Betriebsräte zum Schutz der Religionsfreiheit? Welche Ausnahmen und Sonderrechte sollten die Betriebe religiös praktizierenden Menschen zugestehen? Wo liegen die Grenzen, was muss für alle gelten [wie wäre es mit universellen Menschenrechten, AEMR, Paris 1948, statt mit Islamischen Menschenrechten, OIC, Kairo 1990]? Wo liegt der Zusammenhang zwischen Religionsausübung und Benachteiligung von Frauen? [Gute Frage, in der Literalität von Sure und Hadith liegt der Kontext von Islam und Frauenentwürdigung.]

    Diese Fragen will Geisen, im erzbischöflichen Sozialinstitut in Brackel für den Bereich Arbeitswelt und Sozialpolitik zuständig, mit der Querdenkerin diskutieren.

    http://www.lokalkompass.de/dortmund-ost/politik/religionsfreiheit-am-arbeitsplatz-querdenkerin-welskop-deffaa-im-interview-in-der-brackeler-kommende-d557776.html


    „Von 2006 bis 2012 war Welskop-Deffaa Ministerialdirektorin im Bundesfamilienministerium und Abteilungsleiterin für Gleichstellung und Chancengleichheit unter den Ministerinnen Ursula von der Leyen und Kristina Schröder. In dieser Funktion veranlasste sie den ersten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung und damit eine strategische Erweiterung der Gleichstellungspolitik um die Lebensverlaufsperspektive. … Sie war Vorsitzende des Verwaltungsrates des Europäischen Instituts für Gleichstellungsfragen (engl.: European Institute for Gender Equality), einer in Vilnius ansässigen europäischen Agentur, die die EU-Länder und -Institutionen – namentlich die Kommission – in diesem Bereich unterstützt und bis Juni 2012 Vertreterin der Bundesregierung im Verwaltungsrat der Bundesagentur für Arbeit. … Welskop-Deffaa ist stellvertretende Vorsitzende des Hildegardis-Vereins, des ältesten Vereins zur Förderung von Frauenstudien in Deutschland mit Sitz in Bonn. Zu ihren Aufgaben zählte die Zuständigkeit für das bundesweit erste Mentoring-Programm für Studentinnen mit Behinderung. Welskop-Deffaa ist stellvertretende Vorsitzende des Instituts für Diversitätsforschung der Universität Göttingen, Kassenprüferin von UN Women, Nationales Komitee Deutschland, Bonn“

    https://de.wikipedia.org/wiki/Eva_Maria_Welskop-Deffaa


    Eva Maria Welskop-Deffaa: Religiöse Vielfalt am Arbeitsplatz. In: Gegenblende. Das gewerkschaftliche Debattenmagazin, Nov/Dez 2014.

    http://www.gegenblende.de/30-2014/++co++ed69b652-7184-11e4-b6f8-52540066f352/++co++9604ed8e-7169-11e4-9e83-52540066f352

    http://www.gegenblende.de/30-2014/++co++ed69b652-7184-11e4-b6f8-52540066f352

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