Neues aus dem Täbris-Gefängnis

Internationales Komitee gegen Steinigung

Presseerklärung 6

8. Juli 2011

Aktualisiert: Zum Steinigungsurteil gegen Sakineh Mohammadi Ashtiani und zur Verurteilung ihres Rechtsanwalts Houtan Kian

Nach jüngsten Informationen, die dem Internationalen Komitee gegen Steinigung zugegangen sind, befindet sich Sakineh Mohammadi Ashtiani immer noch im Zentralgefängnis der Stadt Täbris.

Frau Ashtiani und ihrer Familie, vor allem ihrem Sohn Sajjad Ghaderzadeh ist es nicht erlaubt, Kontakt zur internationalen Medienwelt aufzunehmen. Nachdem Sajjad und dessen Rechtsanwalt, Houtan Kian, verhaftet worden waren, übte die Islamische Republik Iran erheblichen Druck auf die beiden Gefangenen aus und ließ über die staatlichen Fernsehnachrichten eine Sendung ausstrahlen, in der Ashtiani gezwungen war, ihre (angebliche) Beteiligung am Tod ihres Ehemannes zu „gestehen“. Dabei wurde Frau Ashtiani und ihrem Sohn gegenüber der Eindruck erweckt, dass sie nach dem Veröffentlichen des Fernsehberichts freigelassen werden würden. Das war nicht der Fall, und Ashtiani ist nach wie vor im Gefängnis; ihre Situation und Zukunft bleibt ungewiss.

Dem Internationalen Komitee gegen Steinigung sind Berichte aus dem Gefängnis zugegangen, wonach Ashtiani aufgrund der gegen sie ausgeübten Repressalien versucht hat, Selbstmord zu begehen. Im Vormonat sagte Mousa Khalil Elahi, der Staatsanwalt von Täbris, dass Sakineh regelmäßigen Besuch ihrer Familienangehörigen erhalten würde, gesund und wohlauf sei und dass ihr Fall nach wie vor im Rahmen des üblichen Dienstweges bearbeitet würde. Er fügte hinzu, dass anderslautende diesbezügliche Berichte, wie sie etwa das Internationale Komitee gegen Steinigung verbreite, unwahr wären. Fakt ist, dass Sakineh Mohammadi Ashtiani eine Geisel der Islamischen Republik Iran ist. Die Behörden haben verkündet, dass sie eine Revision des Falles nicht durchführen wollen.

Offensichtlich setzt das Regime darauf, dass die Proteste bald nachlassen werden, damit es darangehen kann, Ashtiani ihrer „gerechten Bestrafung“ zuzuführen. Damit hängt die drohende Gefahr der Todesstrafe durch Steinigung immer noch über ihrem Haupt. Des Weiteren ist uns bekannt geworden, dass Ashtianis Anwalt Houtan Kian zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt worden ist. Nach Berichten hat Houtan 20 Kilogramm an Gewicht verloren, Folge der erlittenen üblen Misshandlung und Folter. Sein Gesundheitszustand ist nicht optimal, er ist Diabetiker und leidet an hohem Blutdruck.

Hieß es anfangs noch, dass Houtan Kian zu elf Jahren Haft verurteilt werden würde, so wurde bald bekannt gegeben, dass er aufgrund von angeblich vorhandenen zwei Personalausweisen sowie angeblichen linksgerichteten Aktivitäten mit der Todesstrafe zu rechnen hätte. Nachdem der Rechtsanwalt aus dem Gefängnis heraus einen Brief schickte, der seine Lage darstellte, und er die Öffentlichkeit um Unterstützung bat, kam es zu breiten internationalen Protesten gegen seine Verurteilung, sodass das Gericht in Täbris ihn nach neuesten Berichten zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt habe.

Das Internationale Komitee gegen Steinigung erneuert seinen Aufruf an die Menschen in aller Welt, gegen diese ungerechtfertigten und ungerechten Entscheidungen zu protestieren und eine Beendung der Steinigungspraxis zu sowie die sofortige Freilassung von Sakineh, Houtan Kian und allen anderen Gefangenen zu verlangen, denen die Steinigung oder eine andere Form der Todesstrafe droht. Steinigung ist eine absolute Barbarei und muss sofort und überall verboten werden.

Mina Ahadi, die Sprecherin des Internationalen Komitees gegen Steinigung, stellt fest:

‚Steinigung ist ein Verbrechen und ein terroristischer Akt gegen Frauen. Wir klagen die Islamische Republik Iran für ihre begangenen Verbrechen gegen die Menschlichkeit an.‘

Heute ist Sakineh zur Symbolfigur gegen Steinigung geworden und zum Symbol des Protests gegen das Islamische Regime des Iran. Am 11. Juli, dem Internationalen Tag gegen Steinigung, werden wir weltweit auf die barbarische Steinigungspraxis aufmerksam machen.

Die Kampagne zur Rettung von Sakineh Mohammadi Ashtiani hat die Weltöffentlichkeit gegen das herrschende brutale Islamische Regime des Iran eingenommen. Laut und unmissverständlich hat sich der Geist des Zivilisierten und Humanen Gehör verschafft. Genug ist genug! Wir werden nie mehr zulassen, welche Ausrede seitens der Mächtigen auch immer gebraucht werden wird, dass ein Mensch irgendwo auf der Welt gesteinigt wird.

Kein einziger: Not one more!

Kontakt:

Mina Ahadi

Internationales Komitee gegen Todesstrafe /
Internationales Komitee gegen Steinigung

E-Mail: minaahadi@aol.com

Telefon: 0049 (0) 1775692413

http://notonemoreexecution.org

http://stopstonningnow.com/wpress/

Quellen:

Aktualisierte Termine, Statements und Aktionen zum 11. Juli:

http://stopstonningnow.com/wpress/4344

Mehr zum 11. Juli:

EQUAL RIGHTS NOW: July 11: International Day Against Stoning

http://equalrightsnow-iran.com/stoning.html

11. Juli 2011 – Internationaler Tag gegen Steinigung

https://schariagegner.wordpress.com/2011/07/05/internationaler-tag-gegen-steinigung/

Eine Petition zur Freilassung von Rechtsanwalt Houtan Kian kann hier mitgezeichnet werden: Wir, die Unterzeichnenden, appellieren an die Verantwortlichen aller internationalen Organisationen, der Europäischen Union, der Vereinten Nationen (UN) und aller Menschenrechtsorganisationen, von der Iranischen Regierung zu verlangen, Houtan Kian, seine Mutter sowie Sakineh Ashtiani bedingungslos frei zu lassen,

»We, the undersigned, call on the Heads of International Governments, the EU, UN and Human Rights Organizations to demand the Iranian regime immediately release Houtan Kian and his mother, as well as Sakineh Ashtiani, without charge.«

http://www.gopetition.com/petition/43372/sign.html

Foto: Houtan Kian (rechts), auf: LA RÈGLE DU JEU (RDJ). Im Bild links: Sakineh Ashtianis Sohn, Sajjad Ghaderzadeh.

http://laregledujeu.org/files/2010/10/Sajjad-Houtan-Kian.jpg

Foto: Houtan Kian (rechts), auf: STOP STONING NOW (links: Sakinehs Sohn Sajjad).

http://stopstonningnow.com/wpress/wp-content/uploads/2010/09/SajjadFinal.jpg

Foto: Sakineh Mohammadi Ashtiani

http://images.smh.com.au/2010/12/10/2090446/Sakineh-420×0.jpg

http://www.nypost.com/rw/nypost/2010/12/09/news/photos_stories/Sakineh_Mohammadi_Ashtiani–300×300.jpg

Aus dem Englischen ins Deutsche von Cees van der Duin, nach: International Committee against Stoning: An Update on Iran Stoning Case Sakineh Mohammadi Ashtiani and her Lawyer Houtan Kian, bei: IRAN Solidarity

http://iransolidarity.blogspot.com/2011/07/update-on-sakineh-ashtiani-and-her.html

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3 Antworten to “Neues aus dem Täbris-Gefängnis”

  1. Cees van der Duin Says:

    Außenminister Guido Westerwelle (FDP) begründete die Absage am Freitag damit, dass das Treffen in drei Wochen als Bühne für antisemitische Parolen genutzt werden könnte. Zuvor hatte unter anderem der Zentralrat der Juden einen Boykott verlangt.

    „Wir können leider nicht ausschließen, dass die Veranstaltung in New York für antisemitische Äußerungen missbraucht wird, so wie es bei zurückliegenden Konferenzen schon der Fall war“, erklärte Westerwelle. Deshalb werde Deutschland nicht teilnehmen. „Dies ist auch Ausdruck unserer besonderen Verantwortung gegenüber Israel.“

    Die sogenannte Durban-III-Konferenz – zehn Jahre nach dem ersten derartigen Treffen 2001 in Durban (Südafrika) – soll am 22. September am Rande der alljährlichen UN-Generalversammlung stattfinden. Auch mehrere andere westliche Staaten haben bereits abgesagt. …

    Westerwelle betonte, dass die Entscheidung erst nach „intensiver Abwägung“ innerhalb der Bundesregierung gefallen sei. Der Kampf gegen Rassismus bleibe trotzdem ein „Kernanliegen“ der deutschen Politik. … Auch beim Folgetreffen 2009 in Genf war Deutschland bereits nicht dabei.

    Insbesondere der Zentralrat der Juden hatte vor einer Teilnahme gewarnt. Dessen Präsident Dieter Graumann bezeichnete das Treffen in einem Brief als „Festival der Lüge und der Heuchelei“. „Es steht für ein bösartiges Hass-Fest gegen Israel, für Doppelmoral in der internationalen Politik.“ Auch die Deutsch-Israelische Gesellschaft sowie Abgeordnete hatte einen Boykott verlangt.

    2 September 2011

    http://www.dnews.de/nachrichten/politik/598583/deutschland-boykottiert-anti-rassismus-konferenz.html

    Der Zentralrat der Juden hat den Verzicht der Bundesregierung auf eine Teilnahme an der umstrittenen Anti-Rassismus-Konferenz der Vereinten Nationen begrüßt.

    Die Bundesregierung setze „ein klares Zeichen für eine vernünftige und wertorientierte Politik“, sagte Zentralratspräsident Dieter Graumann der Passauer Neuen Presse vom Samstag. Die Konferenz sei ein „organisierter Schauprozess gegen Israel“, dem keine Legitimität verliehen werden dürfe. Graumann forderte die Regierungen Frankreichs und Großbritanniens auf, ihre Teilnahme ebenfalls abzusagen.

    Die sogenannte Durban-III-Konferenz soll Ende September am Rande der UN-Vollversammlung in New York stattfinden. Bei der letzten Durban-Konferenz 2009 in Genf hatte der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad das Forum zu wüsten Beschimpfungen gegen Israel genutzt. Am Freitag hatte Außenminister Guido Westerwelle (FDP) den Verzicht Deutschlands auf eine Teilnahme an der diesjährigen Konferenz verkündet; er begründete dies mit dem hohen Risiko eines politischen Missbrauchs für „antisemitische Äußerungen“. Auch andere Staaten haben angekündigt, nicht teilzunehmen, darunter die Niederlande und Österreich.

    3 September 2011

    http://www.dnews.de/nachrichten/politik/598840/juden-loben-boykott-anti-rassismus-konferenz-.html

    beide Quellen zu finden bei

    Dnews (Sanoma Media Netherlands, Amsterdam/Niederlande)

  2. Edward von Roy Says:

    aus: Hängen statt steinigen
    25.12.2011

    Die angebliche Ehebrecherin Sakine Mohammadi Aschtiani sollte gesteinigt werden … Doch nun droht Aschtiani wohl der Tod durch den Strang, teilten die Justizbehörden am Sonntag mit. Ein endgültiges Urteil gibt es aber noch nicht.

    Iran hatte die Frau ursprünglich wegen Ehebruchs zum Tod durch Steinigung verurteilt. … Nach Protesten von Menschenrechtsaktivisten aus aller Welt legte Iran dieses Urteil zunächst auf Eis. Nun gebe es von der Justiz aber erneut Bestrebungen, die Frau hinzurichten …

    Der Chef der iranischen Justiz, Ajatollah Sadek Amoli-Laridschani, sei dabei, diese Entscheidung demnächst zu treffen, hieß es seitens der Justizbehörden der Provinz Ost-Aserbeidschan. …

    In Iran wird seit 1979 die Scharia, das islamische Recht, angewendet. Es sieht unter anderem für Ehebruch, Mord und Raub die Todesstrafe vor.

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,805759,00.html

    Sakineh Mohammadi Ashtiani could be hanged in Iran

    Authorities in Iran say they are moving ahead with plans to execute a woman who was sentenced to death by stoning for adultery, but are considering whether to carry out the sentence by hanging instead.

    Sakineh Mohammadi Ashtiani is serving 10 years in prison for a separate conviction over the murder of her husband. After an international outcry last July, Iran suspended plans to carry out her death sentence.

    On Sunday, a senior judiciary official said experts were studying whether the punishment of stoning could be changed to hanging.

    „There is no haste. We are waiting to see whether we can carry out the execution of a person sentenced to stoning by hanging or not,“ Malek Ajdar Sharifi, the head of the justice department of East Azerbaijan province – where Ashtiani is imprisoned – said, according to the semi-official ISNA news agency.

    http://www.guardian.co.uk/world/2011/dec/26/sakineh-mohammadi-ashtiani-hang-iran

    Iran: condamnée à la lapidation, Sakineh pourrait être pendue

    La peine de mort par lapidation de Sakineh Mohammadi Ashtiani pourrait être transformée en pendaison, a déclaré dimanche Malek Ajdar Sharifi, chef de la justice de la provine iranienne de l’Azerbaïdjan orientale (nord-ouest), où elle est détenue, selon l’agence Fars.

    „Mme Sakineh Mohammadi a commis deux délits: l’adultère pour lequel elle a été condamnée à la lapidation et la participation au meurtre de son mari pour lequel elle a été condamnée à dix ans de prison“, a déclaré M. Sharifi.

    „Nous n’avions pas les moyens d’appliquer la peine de lapidation (…) Le chef de l’autorité judicaire, l’ayatollah Sadegh Larijani, a estimé que dans la mesure où l’objectif est l’exécution de la condamnée, si on n’a pas les moyens d’appliquer la lapidation, on peut choisir la pendaison, mais il a ordonné qu’on demande l’avis d’autres juristes religieux“, a-t-il ajouté.

    http://www.liberation.fr/depeches/01012379683-iran-condamnee-a-la-lapidation-sakineh-pourrait-etre-pendue

    Sadegh Laridschani
    http://de.wikipedia.org/wiki/Sadegh_Laridschani

    Sadeq Larijani (Ayatollah)

    current head of the judicial system of Iran.

    http://en.wikipedia.org/wiki/Sadeq_Larijani

    Sadeq Larijani: „We support a society which is based on the spirit of Islam and religious faith, in which Islamic and religious values are propagated, in which every Koranic injunction and the teachings of the Prophet of Islam and the Imams are implemented. It will be a society in which the feeling of servitude to God Almighty will be manifest everywhere, and in which people will not demand their rights from God but are conscious of their obligations to God.“

    http://lass.calumet.purdue.edu/cca/jgcg/2007/sp07/jgcg-sp07-jahanpour.htm

    Sadegh ist der Bruder von Ali Laridschani

    http://en.wikipedia.org/wiki/Ali_Larijani

    Laridschani leugnet in München den Holocaust

    Er könne weder sagen, er akzeptiere den millionenfachen Mord an Juden als Tatsache, noch könne er dies zurückweisen, sagte Laridschani in einer Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz.

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,465688,00.html

    im Bild: Malek Ajdar Sharifi

    http://www.presstv.ir/detail/151155.html

    http://winterfeldt-markt.de/wp-content/uploads/Teher

  3. Bragalou Says:

    27.08.2013
    Houtan Kian nach drei Jahren freigelassen
    nach drei Jahren Haft wurde der Rechtsanwalt von Sakineh Mohammadi Ashtiani freigelassen, wie L4L meldet, Lawyers for Lawyers

    Iran Houtan Kian free after three years
    27 Aug 13

    On 20 August 2013, Houtan Kian was released from Tabriz prison in Iran, where he was detained for the last three years.

    Houtan Kian became a well-known figure when he took on the case of Sakineh Mohammadi Ashtiani, a woman sentenced to stoning for alleged adultery. Shortly after he became Ashtiani’s lawyer, he was arrested in his office in October 2010 whilst being interviewed by German journalists. He was sentenced to a six year prison sentence. During his imprisonment, Houtan Kian was allegedly tortured. …

    Lawyers for Lawyers (L4L) has been campaigning for Houtan Kian’s release ever since he was arrested.

    http://www.advocatenvooradvocaten.nl/8281/iran-houtan-kian-released-from-jail/

    ::
    ::
    Lawyers for Lawyers helps lawyers in danger around the world

    Objectives

    In conformity with international law and the Universal Declaration of Human Rights, the Basic Principles on the Role of Lawyers and the Declaration on Human Rights Defenders of the United Nations, L4L has committed itself to enable lawyers to practice law in freedom and independence, always and everywhere, even when that does not suit the local government, bar association or establishment.

    http://www.advocatenvooradvocaten.nl/about-us/

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