Zum Mord an Rafik Tagi. Presseerklärung des ZdE

رافق تقی

Rafiq Tağı

Рафик Таги

Rafik Tagi

aserbaidschanischer Mediziner, Schriftsteller und Journalist

Zentralrat der Ex-Muslime (ZdE)

Presseerklärung vom 30.11.2011

Zentralrat der Ex-Muslime verurteilt den Mord an Rafik Tagi

Der 1950 als Rafig Nazir oglu Taghiyev in Khoshchobanly, Aserbaidschan geborene Publizist, Journalist und Arzt Rafik Tagi war als Kritiker des religiösen, insbesondere des politischen Islams bei der Jugend, den Säkularen und Atheisten sehr bekannt und beliebt und wurde der Salman Rushdie Aserbaidschans genannt.

Tagi erlangte durch seine gesammelten Erzählungen (sechs Bände) große Bekanntheit. Auch die gut begründeten politischen Stellungnahmen des Autors in der internationalen Presse fanden Beachtung. Oft wurde Tagi wegen seiner Zivilcourage bedroht.

In dem Artikel „Europe and us“ (Europa und wir) lehnte der Publizist die enge Zusammenarbeit der Nachbarländer Aserbaidschan und Iran ab. Das Land könne sich nur dann zum Nutzen aller Bürger weiterentwickeln, wenn es sich künftig nicht an Asien binden, sondern nach Europa ausrichten würde. All seinen Fortschritt verdanke der Staat jenem Humanismus und Universalismus, der auch Europa präge. Der Islam habe seine Herrschaft auf dem Kontinent aus diesem Grunde niemals aufbauen können. Ferner nannte der Publizist im Artikel Äußerungen des Propheten Mohammed aggressiv.

Dieser Beitrag in der Zeitung Sanat erzürnte Irans rückwärtsgewandte schiitische Autoritäten. Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Großayatollah Fazel Lankarani (1931-2007) fertigte am 25. November 2006 eine Fatwa (islamisches Rechtsgutachten) wegen „Beleidigung des Islams und des Propheten Mohammed“ gegen Tagi und den Zeitungsherausgeber Samir Sadagatoglu an, in der er für beide die Todesstrafe forderte.

Rafik Tagi wurde am 15. November 2006 verhaftet und, ebenso wie Herausgeber Sadagatoglu, im Mai 2007 zu einer dreijährigen (Tagi) bzw. vierjährigen (Sadagatoglu) Gefängnisstrafe für angebliche „Aufwiegelung zu religiösem Hass“ verurteilt. Die Regierung ließ Rafik Tagi wegen des Druckes der Öffentlichkeit im Dezember 2007 frei.

Erst vor wenigen Wochen, am 10. November 2011 hatte Tagi (in: Der Iran und die Unvermeidlichkeit der Globalisierung, Iran and the Inevitability of Globalization) die Teheraner Machthaber kritisiert und den Präsidenten der islamischen Regierung, Ahmadinedschad, vorgeworfen, den Islam herabzuwürdigen und die ganze zivilisierte Welt zu gefährden.

Am Abend des 19. November stachen zwei Männer an einer Bushaltestelle dem Journalisten mehrmals in Rücken und Unterleib. Trotz schwerer Verwundungen konnte Tagi seine Wohnung erreichen und den Notarzt anrufen. Im Krankenhaus schien er sich nach zwei Operationen soweit erholt zu haben, dass sich Tagi über den Tathergang äußern konnte und einen Zusammenhang zwischen dem Attentat und dem neun Tage eher veröffentlichten irankritischen Artikel herstellte. Am 23. November verstarb Rafig Nazir oglu Taghiyev im Krankenhaus.

Als der Tod des Arztes, Schriftstellers und Journalisten öffentlich bekannt wurde, bedankte sich Ayatollah Mohammad Javad Lankarani, der Sohn des Erstellers der Todesfatwa, bei den Tätern dafür, dass sie den Verfluchten (gemeint ist Rafik Tagi) in die Hölle gebracht haben („sending the reprobate who insulted the prophet to hell“). Lankarani junior gibt sich zuversichtlich, dass die junge muslimische Generation die (angeblichen) Intrigen des globalen Imperialismus und Zionismus („the intrigues of global imperialism and Zionism“) nicht länger hinnehmen werde.

Der Zentralrat der Ex-Muslime verurteilt diesen abscheulichen Mord und fordert eine lückenlose Aufklärung des Attentats und der Todesumstände durch eine unabhängige Kommission.

Mina Ahadi

Internationales Komitee gegen Todesstrafe

International Committee Against Execution (ICAE)

http://notonemoreexecution.org

Internationales Komitee gegen Steinigung

International Committee Against Stoning (ICAS)

http://stopstonningnow.com/wpress/

E-Mail: minaahadi@aol.com

Telefon: 0049 (0) 1775692413

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3 Antworten to “Zum Mord an Rafik Tagi. Presseerklärung des ZdE”

  1. Jacques Auvergne Says:


    Für einen Artikel, der den Islam kritisiert, zu drei und vier Jahren Gefängnisstrafe verurteilt
    Condamnés à trois et quatre ans de prisons pour un article critiquant l’Islam

    читать на русском

    Der Artikel geht von der Überlegenheit der europäischen Werte gegenüber denen des Orients aus. Insbesondere betont der Autor, dass der Islam eine Verkörperung des orientalischen Despotismus sei und dass der Grund, weshalb der Islam keine Wurzeln in Europa hat schlagen können, die Existenz von humanistischen und universalistischen Werten sei. Der Autor verglich Jesus und Mohammed miteinander, wobei seiner Ansicht nach Mohammed der Urheber von aggressiven Erklärungen sei verglichen mit dem Erstgenannten. Schließlich schreibt er, dass aller Fortschritt Aserbaidschans den europäischen Werten geschuldet sei und keinesfalls den islamischen.

    L’article “L’Europe et nous” affirme la supériorité des valeurs européennes sur celles de l’orient. L’auteur soutient notamment que l’islam est une manifestation du despotisme oriental et que la raison pour laquelle l’islam n’a pu prendre racine en Europe est l’existence de valeurs humanistes et universelles. L’auteur compare également Jésus-christ avec Mahomet, qui, selon lui, est l’auteur de déclarations agressives en comparaison des propos du premier. Enfin, il affirme que les progrès de l’Azerbaïdjan sont dus à l’infuence des valeurs européennes, et en aucun cas, à celles de l’islam.

    12 janvier 2007
    Détention prolongée pour deux journalistes de Sanat

    Rafiq Tagi et Samir Sadagatoglu sont détenus depuis le 15 novembre 2006.

    Angeklagt sind sie wegen “Aufstachelung zum Rassenhass bzw. zum nationalistischen oder religionsbezogenen Hass“ (Artikel 283 1 des Strafgesetzbuches) in der Folge des Abdrucks (06.11.2006) des Artikels mit dem Titel “Europa und wir“.

    Ils sont poursuivis pour “incitation à la haine raciale, nationale et religieuse” (art. 283.1 du code pénal), après la parution, le 6 novembre 2006, d’un article intitulé “L’Europe et nous”.

    Etablissant une comparaison entre l’Europe et l’Orient et affirmant la supériorité des valeurs européennes, celui-ci avait soulevé l’indignation d’un partie de la population azérie mais aussi iranienne.

    Am 25. November war durch einen der höchsten iranischen Ayatollahs eine Fatwa (religiöses Rechtsgutachten) herausgegeben worden, die dazu aufrief, den Journalisten und auch den Chefredakteur, der die Erlaubnis zur Veröffentlichung des Artikels gegeben hatte, als “Apostaten“ zu töten.

    Le 25 novembre, une fatwa (décret religieux) avait été émise par l’un des plus grands ayatollah de la république islamique d’Iran. Elle appelait à tuer le journaliste “apostat” et le rédacteur en chef du journal qui a autorisé la publication de l’article.

    http://arabia.reporters-sans-frontieres.org/imprimer.php3?id_article=20388

    Reporter ohne Grenzen:
    Azerbaïdjan

    ein Artikel, der den Islam kritisiert

    en juillet, la condamnation de Rafik Tagi et Samir Sadagatoglu, respectivement journaliste et rédacteur en chef du journal Sanat, à trois et quatre ans de prison, pour avoir publié, le 6 novembre 2006, un article critiquant l’islam, a été confirmée par la cour d’appel de Bakou.

    http://www.rsf.org/IMG/pdf/rapport_fr-3.pdf


  2. سکولاریسم Sekulyarizm Says:

    Aserbaidschan nach dem mörderischen Anschlag auf den Journalisten Rafik Tagi
    Beerdigung von Rafik Tagi

    (verschiedene Kurzfilme)

    :::

    Killed Azerbaijani Journalist Buried In Baku

    WATCH: Azerbaijani writer Rafiq Tagi is buried in Baku

    http://www.rferl.org/content/killed_azerbaijani_journalist_buried_in_baku/24401287.html

    RAFİQ TAĞININ DƏFN

    Rafiq Tağı vəfat etdi – Rafig Tagi died

    Rafiq Tağı torpağa tapşırıldı

    :::

  3. Kalevala Says:

    Eurovision … und Ayatollah Sobhani (demnächst mehr zu Jafar Sobhani beim Blog Sägefisch)

    Teheran/Baku – Iran hat das ESC-Gastgeberland Aserbaidschan beschuldigt, den Islam zu beleidigen. Die Regierung in Teheran bestellte deswegen den Botschafter des Nachbarlandes ein und zog seinen eigenen Gesandten in Baku zu Beratungen ab.

    Dies berichtet die amtliche Nachrichtenagentur Irna. Der Botschafter Bakus in Teheran habe ein offizielles Protestschreiben erhalten, so Irna weiter. Am 26. Mai steigt in Baku der 57. Eurovision Song Contest(ESC), rund 120 Millionen TV-Zuschauer werden allein in Europa erwartet.

    Iranische Geistliche haben Aserbaidschan wegen seiner Ausrichtung des diesjährigen ESC scharf kritisiert. Sie warfen der Regierung in Baku außerdem vor, Kundgebungen von Homosexuellen erlaubt zu haben, die in Iran verboten sind. Tatsächlich fand in Baku noch nie eine Schwulenparade statt.

    Beide Länder haben schon länger ein angespanntes Verhältnis. Das ölreiche Aserbaidschan hat seine Kontakte zu den USA in letzter Zeit weiter vertieft – was in Teheran für wenig Begeisterung gesorgt hat.

    aus: DER SPIEGEL 22.05.2012
    Eurovision Song Contest Iran wirft Aserbaidschan Beleidigung des Islam vor

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/esc-iran-wirft-aserbaidschan-beleidigung-des-islam-vor-a-834524.html

    Iran withdraws ambassador from Baku in row over Eurovision Song Contest

    Clerics in Iran accuse Azerbaijan of undermining Islamic values and of staging a ‚gay parade‘ in Baku …

    Ayatollah Sobhani, a senior Iranian cleric, issued a statement urging Muslims in the region to protest at what he described as anti-Islamic behaviour by Azerbaijan’s government.

    „We heard that the government of Azerbaijan is hosting the international Eurovision Song Contest and that during this contest there will also be a gay parade,“ the semi-official Fars news agency quoted the cleric as saying.

    Iran was angered by subsequent anti-Iranian protests in the Azerbaijan capital Baku, where demonstrators carried pictures of President Mahmoud Ahmadinejad and the supreme leader, Ayatollah Ali Khamenei, and banners that read „Azerbaijan does not need clerics-homosexuals!“

    The latest spat between the countries that share a religion but have sharply different political systems is part of wider diplomatic tensions. Iran has accused Azerbaijan of assisting Israel in what it says was the Jewish state’s assassination of Iranian nuclear scientists.

    http://www.guardian.co.uk/world/2012/may/22/iran-ambassador-baku-eurovision-row

    Iranian cleric Ayatollah Sobhani condemned the event, saying it included a “gay parade” and went against the teachings of Islam.

    http://muslimvoices.org/iranian-ambassador-azerbaijan-ousted-pop-music-event/

    Grand Ayatollah Jafar Sobhani (Born in 1930) is an Iranian Twelver shia marja, influential theologian and writer …

    Books: Doctrines of Shi’i Islam: A Compendium of Imami Beliefs and Practices

    http://en.wikipedia.org/wiki/Ja%27far_Sobhani

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