Deutsche Jugendbewegung

حركة الشبيبة الألمانية

Ḥarakat aš-Šabība al-Almāniyya

German Youth Movement

Deutsche Jugendbewegung

Besucher in Kluft

Im äußersten Nordosten Hessens, hoch über dem die Grenze zu Thüringen bildenden Fluss Werra liegt die sicherlich bekannteste deutsche Jugendburg. Der am 10.11.2013 von Burg Ludwigstein publizierte Brief an die Bünde. Trennung für ein Jahr – Aufarbeitung! ist ein eindrucksvolles Dokument der jugendbewegt-bündischen Reflexionsabwehr einer vorgeworfenen Nähe zum rechtsextremen Lager, ein Nebelwurf und um die Sache Herumreden.

Der im Oktober 2013 erhobenen, ziemlich berechtigten Kritik an dem offene Burg genannten Konzept einer Kooperation mit vier wohl tatsächlich eher dem völkischen oder neurechten Lager zuzurechnenden Bünden weicht der Text mit einer Kette kunstvoller Auslassungen und Irreführungen aus. Das verdient durch Übertreibung klärende Zwischenrufe.

Mit dem hauptsächlichen Thema des Blogs Eifelginster, dem Islam, hat der kritisierte Text auf den ersten Blick wenig zu tun (mit der Akzentsetzung des Blogs auf das Pfadfindertum sehr wohl). Doch verhindern einflussreiche, die Begriffe Jugendbewegung wie Jugendarbeit beinahe definierende und zwischen Hochschulsälen, Kirchengremien, Stadtjugendringen und Sozialministerien ihre Pfründe sichernde Eliten das faktennahe Reden auch über die Scharia.

Spöttisch im Ton und ernst in der Hoffnung auf ein burgseitiges Aufarbeiten der völkischen und neurechten Ludwigsteiner Verstrickungen.

Von Cees van der Duin.

Liebe Bünde der Jugendbewegung,

liebe Burgfreunde,

die Ereignisse der letzten beiden Wochen haben uns hart getroffen.

Was vierzehn Tage so alles kaputtmachen können. Die völkisch bis neurechts bereicherten Jahrzehnte vorher sind vergleichsweise nicht der Rede wert und verliefen ja auch ganz harmonisch.

Dann die schlimme Kunde: „Hessisches Sozialministerium friert Burg Ludwigstein sämtliche Fördermittel ein.“ Vierzehn Tage lang haben wir sehr gelitten, das müsste euch eigentlich ebenfalls weh tun. Oder seid ihr so herzlos?

Das Krisenmanagement nach allen Seiten hat uns an unsere Grenzen geführt.

Wir sind die geborenen Krisenmanager. Und wir sind am Ende unserer Kräfte. Wer uns jetzt noch quält, ist ein ganz Schlimmer.

Manches ist dabei sicher nicht optimal gelaufen, …

Was soll das, wer arbeitet macht Fehler, …

aber es gab dabei oft keine Handlungsalternative.

… Kritik an uns ist nicht hilfreich.

Wir machen das so. Anders geht meistens gar nicht.

Nach den von Jesko W. veröffentlichen Anschuldigungen im Blogartikel …

Dieser ungehemmt redende Artikelschreiber ist an allem schuld, nicht unsere Kontakte zu den alten Völkischen und Neuen Rechten. Wir sagen ja gar nicht, dass der Blogbetreiber von Rechte Jugendbünde auf der Ebene der Sachargumente Unrecht hat.

Doch ein allzu viel veröffentlichender Textmacher bringt das Elend. Die Blogger sind unser Unglück!

Sagt selbst, Sangesfreunde: Sachargumente sind seelenlos.

… erhielten wir auf der Burg, ebenso wie das Hessische Sozialministerium, zahlreiche Unterstützerschreiben.

Zarte Liebesbriefe bekamen wir und zackige Treuebekundungen. Wie sich das gehört.

Viele mögen uns. Gehöre auch du dazu. Reih dich ein in die Ludwigsteineinheitsfront. Mit Gildenschaftern, Freibündern, Gesellen und Mädchenwanderbund.

Aber jetzt müssen wir ernst werden, denn es gibt auch ausgesprochen unerwünschte Post:

Es fanden aber auch sehr kritische Stimmen ihren Weg zu uns.

Das war abscheulich! Das geht schon mal gar nicht!

Die Dynamik zwischen Befürwortern und Kritikern der offenen Burg war immens …

So viel Wirbel und Her und Hin, einfach nur turbulent.

Dynamisch halt, aber auch irgendwie sehr lebendig.

Im Auge des Orkans die ewige Burg. Eure Burg.

… und hat dem Burgbetrieb und dem ehrenamtlichen Stiftungsvorstand sehr viel Kraft und Zeit gekostet.

Wir leiden für euch, verschwenden Schweiß und Lebenszeit. Dafür solltet ihr uns dankbar sein.

Wesentliche Teile der täglichen Arbeit blieben liegen.

Seht ihr? Ja. So viel liegengeblieben. Dieser ganze Haufen da.

Die Kritiker des Konzepts offene Burg machen uns die alltägliche Arbeit kaputt.

Die starke Polarisierung um die Definition, wer jugendbewegt ist und wer nicht, …

Freibund, Fahrende Gesellen, Mädelwanderbund und Gildenschaft sind jugendbewegt oder jedenfalls ludwigsteinbewegt.

Was soll dieses unmenschliche Polarisieren?

… hat mit dem Ludwigstein einen Kristallisationspunkt erhalten, …

Wie ungerecht, wie 1938 irgendwie. Es hätte doch jemand anderen treffen können. Zum Drumherum-Auskristallisieren. Die Naturfreunde zum Beispiel oder die Georgspfadfinder oder die Antifa.

Stattdessen kristallisiert von hier etwas aus, nur weil wir die Völkischen und Neurechten so gerne freundschaftlich beherbergen. Dieser zerstörerische Kristallmittelpunkt.

Dieser kaputtmachende Kristallisationspunkt …

… welcher der Burg massiven Schaden zugefügt hat.

Wenn wenigstens die Pressefritzen geschwiegen hätten.

Jetzt alles voll von Kristall hier in Hessen, schlimm kristallin.

Wir sind die Opfer. Heute vor 75 Jahren war Kristallnacht.

Die Burg will Ort der Begegnung sein, kein Schauplatz von Grabenkämpfen.

Habt ihr das noch nicht kapiert? Völkische und Neurechte rein, Grabenkämpfer raus!

Ihr müsst die Kämpfer verhindern und die Gräben integrieren.

Die Klüfte integrieren. In Kluft versteht sich. Besucher in Kluft.

Wenn beispielsweise von einem bunten Singewettstreit mit Konzert, Workshops, moldawischen Pfadfindern und 500 Bündischen am Ende nur die Diskussion um eine diffamierende Äußerung auf dem Parkplatz bleibt, ist ein Schlusspunkt erreicht.

So grotesk aufgebauscht wurde diese Parkplatzlappalie. Welche eigentlich?

Egal. Hauptsache nie wieder. Jetzt ist Ende der Fahnenstange.

Schluss jetzt! Wir sind am Schlusspunkt. Gemeinsam versteht sich.

Alle zusammen am Punkt.

Uns allen wurde klar, dass der andauernde Konflikt um das Zugangsrecht der Bünde zur Burg einer einvernehmlichen Lösung bedarf. … Aus diesem Grund möchten wir diese Fragestellung an die Bünde zurückgeben.

Macht einfach. Redet ein bisschen. Und verpflichtet euch anschließend auf immer zum Schweigen.

Unser Beschluss vom ersten Novemberwochenende, Burg und Bünde für ein Jahr zu trennen, sichert allen Beteiligten die dafür notwendige Zeit.

Besucher in Kluft sind in den nächsten 12 Monaten auf der Burg nicht willkommen.

Pfadfinder bzw. Waldjugend sind solche Besucher in Kluft und Völkische oder Neurechte sind ebenfalls Besucher in Kluft.

Unsere Gruppenkleidung, unsere bunte Kluft überbrückt jede Kluft.

Letztlich bilden sie ein untrennbares Ganzes, die Gemeinde der Besucher in Kluft.

Diese Entscheidung war eine sehr schwere, …

Moment, welche Entscheidung doch gleich? Ach ja, Burg und Bünde zu trennen.

Wie gesagt, wir haben sehr gelitten – für euch.

Ihr wagt es da noch undankbar sein?

… besonders weil es diejenigen am allerhärtesten trifft, die sich mit ihrem Engagement für den Enno-Narten-Bau, das Beräunertreffen, die Bauhütten und vielen weiteren Veranstaltungen sehr stark mit der Burg identifizieren.

Du identifizierst dich mit dem Ludwigstein, so gib es nur zu. Und der Freund der alten Artamanen oder der Leser von Junge Freiheit oder Blaue Narzisse identifiziert sich auch mit dem Ludwigstein. Beide mauern oder beräunern. Warum wollt ihr kein gemeinsames Singefest?

In den letzten Jahren ist eine Verbundenheit zwischen Bünden und der Burg entstanden, wie sie es in der Burggeschichte schon lange nicht mehr gegeben hat.

Hundert Jahre Aufbauleistung und dann das.

Diese traute Wärme und dann diese Kritiker.

Das muss sich wieder normalisieren. Bald nur noch gemeinsames Singen. Und vorher eine überbündische Schlusstrichdebatte am gemeinsamen Schlusspunkt.

Ohne Euch ist die Burg nur eine Herberge – wir wollen, dass Ihr wiederkommt!

Ohne singendes Miteinander von Wanderverein und Germanophilie, Pfadfinderzeltlager und konservativer Revolution droht der lebendigen Jugendburg der grausige Hotelbetrieb, die Herbergswerdung.

Scouts, Waldorfer und Gegenmodernisten, Spaßkulturelle und Deutschlandverherrlicher – wir wollen, dass Ihr wiederkommt!

Auch wir als Burgverantwortliche in den einzelnen Gremien wollen die vergangenen Jahre mit Hilfe professioneller Unterstützung aufarbeiten.

Das Ergebnis ist euch oder uns dann transparent oder auch nicht.

Vertraut uns einfach. Wir können professionell.

Wir möchten für uns und unsere Mitarbeiter ein Ort sein, der über Stabilität verfügt, ein Begegnungsort, der nicht jederzeit durch persönliche Meinungsverschiedenheiten gefährdet ist.

Scharfgeistiges Gespräch macht dieses organisch wachsende Stabile bekanntlich kaputt.

Stabilität wächst von Mensch zu Mensch. Und Jugendburg ist Begegnungsort. Das kann man nicht erklären, das muss man erlebt haben.

Bis Ende nächsten Jahres wünschen wir uns, über ein tragfähiges Konzept zum Erhalt der Burg als jugendbewegte Begegnungsstätte zu verfügen, welche den Blick über den Tellerrand ermöglicht …

Wer nicht mit den Freunden von Junge Freiheit und Blaue Narzisse bündisch feiern will, ist ein geistiger Gartenzwerg.

Wir wollen die tellerrandlose Burg, die den Blick freigebende Burg, die stabil ist und …

… und frei vom Verdacht bleibt, politischen Extremismus zu tolerieren.

Seht ihr, dieses Ergebnis der Verdachtsfreiheit steht dabei ja eigentlich jetzt schon fest. Wir reden trotzdem mit euch. So sind wir.

Aber dann endlich Schluss mit jedem Verdacht.

Was bedeutet nun aber die Trennung von Bünden und Burg für ein Jahr genau? Wenn jemand auf Durchreise in Kluft zu Besuch kommen will, muss er sich nicht am Burgberg umziehen.

Psst, alles einfach weiter wie bisher. Mit Mädchenwanderbünderinnen, Freibündern, mit Gilde und Gesellen Tag für Tag kämpfen für die engagierte Trennung von Bünden und Burg.

Und innerlich müssen wir alle diese Trennung spüren, alle miteinander ein ganzes Jahr lang.

Ein Jahr genau. Das ist hart. Ein Jahr lang fallen sich Bünde und Burg schluchzend in die Arme. Zur intensiv gespürten Trennung von Bünden und Burg.

Es geht schlicht darum, dass es für ein Jahr keine Veranstaltungen von Pfadfinder-, Wandervogel-, Jungenschafts- und anderen jugendbewegten Gruppen gibt.

Ihr werdet schon vorher zu uns zu Kreuze kriechen und um Gnade betteln und geloben, nie wieder dieses verstörend unromantische Buch „Wer trägt die schwarze Fahne dort…Völkische und neurechte Gruppen im Fahrwasser der Bündischen Jugend heute zu lesen.

Wir bitten Euch um die Respektierung dieses Beschlusses.

Und zwar auf der Stelle. Wir könnten es natürlich auch befehlen. Aber das klingt nicht so nett.

Also sagen wir bitte bitte. Genau.

Danke.

Augenzwinkern, Zaunpfahlwinken, kleiner Umgehungstrick:

Das Archiv der deutschen Jugendbewegung bleibt von der Regelung ausgenommen. Gruppen oder Einzelpersonen, die im Archiv forschen oder tagen wollen, können sich auch auf der Burg als Übernachtungsgäste einmieten.

… einfach ein bisschen auf Archivarisch machen und die Ludwigsteinparty kann wie gewohnt steigen.

Ebenso wird die Arbeit des überbündischen Arbeitskreises „Schatten der Jugendbewegung“ weiterlaufen. Dessen Veranstaltungen werden während dieses einen Jahres allerdings nicht auf der Burg stattfinden. Veröffentlichungen, Informationen und Kontakte dazu werden aber weiterhin auf der Homepage der Jugendburg einsehbar sein.

Und der AK klärt nur auf zu sexuellem Missbrauch in der Bündischen Jugend.

Denn einen überbündischen Arbeitskreis „Braune Schatten der Jugendbewegung“ wird es nicht geben, damit das mal ganz klar ist.

Nun zu den Personalfragen.

Darüber hinaus hat es in den vergangenen Tagen noch zwei Neuerungen im Stiftungsvorstand gegeben: Eva E. wird nicht wie geplant ausscheiden, …

… hat sich jemand zu früh gefreut?

Keiner. Geht doch.

… sondern bleibt als Vorsitzende weiterhin dabei. Kani (Juliane P.) aus dem Wandervogel Uelzen ist in dieser Situation als neues Vorstandsmitglied hinzugekommen. Mit ihr hat die Jugendbewegung eine weitere Stimme im Vorstand – das ist gerade jetzt besonders wichtig.

Jetzt in diesen schweren Zeiten der Trennung für ein Jahr.

Wir haben versprochen, die Burg für die Bünde offen zu halten …

… aber nicht vergessen diese Trennung, diese Trennung für ein Jahr …

und wir werden als Burgverantwortliche daran arbeiten, einen Weg zu finden, um unser Versprechen einzuhalten.

Wenn ihr nicht kuscht und das Konzept von der offenen Burg absegnet sperren wir euch halt ein weiteres Jahr lang aus. Das wollt ihr doch nicht?

Ok. Versuchen wir es im Guten. Der Sozialminister wird die Fördergelder nicht ein zweites Mal einfrieren.

Und wir bitten Euch, dieses Jahr zu nutzen, um Euren Weg zu finden.

Und ihr wisst es doch, der Weg ist das Ziel. Der Weg der Fördergelder hinauf zu uns. Und der Weg von euch Kinderlein hinauf zu uns.

Der Ludwigsteinweg. Mit Deutschem Mädchenwanderbund, Deutscher Gildenschaft, Fahrenden Gesellen – Bund für Deutsches Leben und Wandern und mit dem Freibund – Bund Heimattreuer Jugend.

10. November 2013

Duzen wir uns nun in der großen Familie der Besucher in Kluft.

Wir bieten euch das jugendbewegte bis völkisch bewegte Du an:

Eva, Roland, Jörg, Alex, Kani für die Stiftung

Holger für das Kuratorium

Selmar für den Burgbetrieb

Stephan für die Jugendbildungsstätte

Ein ehemaliger Burgbesucher beendet seinen Sarkasmus.

Cees van der Duin

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9 Antworten to “Deutsche Jugendbewegung”

  1. Machandelboom Says:

    und einen Millimeter bewegt man sich, macht den gewissenhaften Jesko Wrede ein bisschen lächerlich und rückt sich ohne überzeugende Argumente ins rechte Licht

    Als Leiter der Jugendbildungsstätte Ludwigstein bin ich für die Bildungsarbeit auf der Burg zuständig und möchte den Artikel von Jesko Wrede nicht unwidersprochen so stehen lassen. … Wrede spricht Kindern und Jugendlichen der von ihm kritisierten Bünde die Demokratiefähigkeit ab und erklärt sie zu einer Gefahr für unsere Gesellschaft. … Ich sage, Bildungsarbeit muss allen jungen Menschen offen stehen. … Angst ist keine Kategorie meiner Pädagogik. …

    Stephan Sommerfeld
    23. Oktober 2013 um 19:39 Uhr
    23. Oktober 2013 um 21:30 Uhr

    http://blog.zeit.de/stoerungsmelder/2013/10/23/eklat-um-rechte-umtriebe-auf-burg-ludwigstein_14239

  2. Machandelboom Says:

    ::
    ungerührt auf Kurs bleiben, die Subventionen fließen wieder, tatsachennahe Aufklärung bleibt verhindert, es darf gesungen werden. Vor nicht einmal drei Wochen, Ende Oktober sah es so aus:

    BERLIN taz | Die Gelder der Landesregierung Hessen für die Bildungsstätte Jugendburg Ludwigstein sind gestoppt. Der Grund: Auf der Burg sollen auch völkische Jugendbünde willkommen sein. „Bis zu Klärung der Vorwürfe ist veranlasst, dass keine Landesmittel und Zuwendungen mehr fließen“, sagt Esther Walter, Pressesprecherin des Sozialministeriums.

    Am 3. Oktober fand auf der Burg ein „Markt der Jugendbewegung“ statt. Ein Gast auf der Burg fiel auf: Götz Kubitschek, der aus der Deutschen Gildenschaft (DG) kommt und Mitgründer des Instituts für Staatspolitik ist.

    Doch nicht bloß der neurechte Kubitschek sorgte für Stirnrunzeln. Im Ministerium in Wiesbaden musste sich die Leitung um Stiftungsführerin Eva Eisenträger und Jugendbildungsstättengeschäftsführer Stephan Sommerfeld bereits wegen der „Fahrenden Gesellen – Bund für deutsches Leben und Wandern“, des „Freibunds“ und der DG [vorsprechen]. „Im Gespräch wurden wir gebeten, unsere Kriterien für die Zusammenarbeit genauer darzulegen“, sagt Sommerfeld.

    In Thüringen löste erst im August die Mitgliedschaft des Regierungssprechers Karl-Eckhard Hahn (CDU) bei der DG einen Streit wegen möglicher völkischer Ansätze aus. Das Regierungskabinett beschloss, die DG von der Innenministerkonferenz überprüfen zu lassen. Auf der Burg, die jährlich 16.000 Gäste besuchen, ist auch das Archiv der deutschen Jugendbewegung untergebracht. Der Archivkurator Sven Reiß kommt aus der DG. Sommerfeld erklärt: „Wir folgen der Grundhaltung ’Offene Burg‘. Das heißt, wenn die Gruppen transparent sind und nicht extremistisch, sind sie willkommen“.

    Diese „Offenheit“ stört aber längst andere Gruppen. „Das Konzept der ’Offenen Burg‘“ sagt Oliver Wunder, stellvertretender Bundesvorsitzender des Bundes der Pfadfinderinnen und Pfadfinder e. V. (BdP), „lässt auch Gruppierungen zu, die nicht mit unseren demokratischen Werten und Normen übereinstimmen.“ Die Teilnahme von „völkisch-nationalistischen Gruppen“ schade dem Ansehen.

    Der Bund [der Pfadfinderinnen und] Pfadfinder ist Mitglied in der Vereinigung Jugendburg Ludwigstein e. V. Mit dem Deutschen Pfadfinderverband (…) hat der BdP unlängst eine Erklärung verfasst. Wunder sagt: „Wir möchten unsere Mitgliedern einem derartigen Einfluss nicht aussetzen und wir werden mit diesen Gruppen keine gemeinsame Veranstaltung durchführen.“ …

    von: Andreas Speit
    aus: „Offenheit“ – besonders nach rechts
    in: taz 31.10.2013

    http://www.taz.de/!126606/

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    Kommentator Andreas beschreibt das viele Jahre alte alte völkische bzw. neurechte Ludwigsteinproblem sehr treffend und zugleich noch sehr zurückhaltend, ein Interesse seitens des Sozialministeriums in Bezug auf ein Aufdecken neurechter Zusammenhänge überschätzte er aber, wie wir heute sehen müssen.

    Was zählt ist, dass der Rubel rollt. Kritische Berichterstattung wird da zum Störfaktor.

    Genau treffend versucht Kommentator Andreas noch einmal und mit guten Argumenten, die den Kommentarbereich lautstark beherrschende Front der Beschwichtiger und Schönredner zu knacken:

    … und auch Herr Kubitschek ist nur ein Indikator für einen Trend, der seit Jahren Grund für Diskussionen ist.

    Ein Beispiel ist der Freibund, der z.B. am alljährlichen Beräunertreffen teilnimmt, bis zum letzten Jahr aber auch auf dem Zwischentag einen Stand hatte, auf CDs zusammen mit neurechten Bands auftaucht etc. Das findet jeder, der eine Suchmaschine bedienen kann, sehr schnell heraus.
    Viele sehen seit Jahren ein schleichendes Problem dort auf der Burg – aber die Situation war festgefahren.

    Dass nun Bewegung in die Sache kommt, ist zu begrüßen. Schade nur, dass das auf so unschöne Weise passiert und die tollen Projekte der Burg und deren Mitarbeiter darunter leiden.

    Das nun alles einem einzigen Zeitungsartikel in die Schuhe zu schieben, ist in meinen Augen unsinnig und leichtfertig – es gibt und gab schon viel mehr Berichterstattung über die Burg.

    Außerdem traue ich dem hessischen Sozialministerium auch ein wenig mehr Medienkompetenz zu …

    Andreas
    7. Nov, 11:58

    ::
    ::
    zweiter guter Kommentar von Andreas am selben Tag:

    Liest man den Artikel von Jesko Wrede gründlicher, wird man lesen „Anfang Oktober erschien mit Steffen Hupka ein bekannter Neonazi-Aktivist zum „Markt der Jugendbewegung“. Er wurde vom Burgbetriebsleiter des Geländes verwiesen. “

    Ausserdem geht es nicht um das Auftauchen von drei Personen, die die JF publizieren. Es geht um die regelmäßige Teilnahme von Bünden an Veranstaltungen, die von vielen als „völkisch“ betrachtet werden. Kubitschek ist übrigens nicht nur an der JF beteiligt sondern spielt noch eine ganz andere Rolle in der neurechten Szene.

    Ich wüsste keinen anderen wichtigen Ort der bündischen Jugendbewegung, wo solche Personen und Bünde so problemlos auftauchen können.

    7. Nov, 12:06

    ::

  3. Dwarslöper Says:



    da war doch was, 2013? Richtig, das Meißnertreffen, zu dem schon Anfang 2010 einige weit rechts stehende Bünde explizit ausgeschlossen worden waren. Ein Beschluss, den man leider kaum noch nachweisen kann oder will

    Nach dem zweiten Weltkrieg fanden bereits größere und kleinere Jubiläumstreffen auf dem Nordhessischen Berg statt … Besonders hervorzuheben sind die großen Treffen zu runden Jahrestagen 1963 und 1988. Die Treffen auf dem Meißner dienten auch immer dazu, eine gemeinsame Erklärung, in der Art einer gesellschaftlichen Standortbestimmung abzugeben. Bei all diesen Treffen waren völkische Bünde mit unter den Teilnehmern vertreten. Von Beginn der Meißnertreffen an hat es auch Konflikte bezüglich solcher Gruppen und ihres Gedankengutes gegeben.

    Der Philosoph Walter Benjamin erklärte schon auf dem Treffen 1913 dass erst wenn Chauvinismus und Antisemitismus keine Rolle mehr spielten, von einer wirklich freideutschen Jugend die Rede sein könnte. …

    Während beim letzten großen Treffen 1988 zwar völkische und teils nationalistisch eingestellte Bünde wie die “fahrenden Gesellen” unbehelligt am Meißnertreffen teilnehmen konnten, so hatte man sich jedoch darauf verständigt, das offen rechtsextremistische Gruppen wie die Wiking-Jugend oder der Bund Heimattreuer Jugend (BHJ), der sich gerade den Namenszusatz Freibund gegeben hatte, von der Veranstaltung ausgeschlossen seien.

    Als dann doch eine Gruppe des BHJ auf dem Lagerplatz auftauchte, sollte sie des Platzes verwiesen werden. Zeugen berichten, dass dies letzlich daran scheiterte, dass einer der Verantwortlichen die Gruppe unauffällig in seinem eigenen Zelt unterbrachte. Derselbe – heute über 90jährige – ehemalige Verantwortliche tritt heute nach wie vor für eine Akzeptanz gegenüber dem Freibund ein.

    Im Hinblick auf das anstehende Meißnerlager 2013, zu dem wieder einige tausend junge Menschen erwartet werden, kam es bereits im Vorfeld zu heftigen Diskussionen um die Teilnahme völkischer und nationalistischer Jugendbünde. Eine Reihe von Bünden distanzierte sich von derartigen Gruppen (1, 2, 3, 4, 5).

    Am 28. Februar fand nun die so genannte “Bundesführerversammlung” statt, die neben anderen Gremien der Vorbereitung des Meißnerfestes dient. Insgesamt waren 35 Jugendbünde vertreten. Jeder Bund war bei der Abstimmung mit einer Stimme ausgestattet.

    Zuvor wurde mit den anwesenden Vertetern von Fahrenden Gesellen, Deutschem Mädelwanderbund und der Deutschen Gildenschaft über die Kritik an ihren Gruppen diskutiert und ihnen die Möglichkeit gegeben, Stellung zu diesen Kritikpunkten zu nehmen.

    Im Ergebnis der Abstimmung, wurden mit großer Mehrheit der Freibund – Bund heimattreuer Jugend, die Fahrenden Gesellen – Bund für Deutsches Leben und Wandern, der dazu gehörige Deutsche Mädelwanderbund, der Sturmvogel – Deutscher Jugendbund und die Deutsche Gildenschaft von den weiteren Vorbereitungen und der Teilnahme am Meißnerlager ausgeschlossen.

    Die Gruppen der heutigen Jugendbewegung haben so die Möglichkeit geschaffen, sich nach ihrer mehr als 100jährigen Geschichte erstmals ohne ihren “völkischen Flügel” auf dem Hohen Meißner zu treffen und ihren heutigen gesellschaftlichen Standort zu bestimmen.

    Blog Rechte Jugendbünde
    Freitag, 09. April 2010

    http://rechte-jugendbuende.de/?p=923





    wo ist das Abstimmungsergebnis von Hofgeismar 2010, wie genau war die Frage der Nichtzulassung einiger Bünde zum hundertsten Jahrestag des Ersten Freideutschen Jugendtages formuliert?

    Kaum noch sind irgendwo auch nur Partikel zu finden … beinahe alle Spuren sind erfolgreich verwischt worden

    Ein Großteil der heutigen „Bündischen/Jugendbewegten“ hat sich ganz klar von Gilde, Freibund, Sturmfahrern und Fahrenden Gesellen / DMWB distanziert, nicht zuletzt auf der Meissner-Bunderführerversammlung in Hofgeismar.

    tiffi 26.11.2010 – 15:44

    http://www.pfadfinder-treffpunkt.de/include.php/www.stammwelfen.de/include.php?path=forumsthread&threadid=9807&entries=75



    am Vortag noch etwas kryptischer

    Zitat
    Original geschrieben von *Dennis*
    Im gleichen Zug werden eine Zahl von Bünden vom Meissner ausgeschlossen.

    Falsch.
    Dies geschah bei der Bundesführerversammlung im Frühjahr 2010 in Hofgeismar, welche stets unabhängig vom RJB stattfindet.

    bölkes 25.11.2010 – 18:39

    http://www.pfadfinder-treffpunkt.de/include.php/www.stammwelfen.de/include.php?path=forumsthread&threadid=9807&entries=45



    dann, 2012, ein Jahr vor dem „Hundertsten“, der geheimniskrämerische Austritt der Grauen Reiter aus dem RjB, kein Bekenntnis in der Sache, eher ein Versickern

    Die Pfadfinderschaft Grauer Reiter e.V. hat auf dem Burgrat (der Vollversammlung) am 27.10.2012 mehrheitlich ihren Austritt aus dem Ring junger Bünde beschlossen. Jahrelange ergebnislose Diskussionen über den Umgang mit rechten Tendenzen in verschiedenen Bünden und die Uneinigkeit in der Zusammenarbeit mit der Jugendbildungsstätte Burg Ludwigstein haben aus Sicht der Grauen Reiter eine weitere Zusammenarbeit unmöglich gemacht. Der genaue Wortlaut des Beschlusses lautet:

    Die Pfadfinderschaft Grauer Reiter sieht die Differenzen zwischen den Bünden innerhalb des RjB als nicht mehr überwindbar an und erklärt somit ihren Austritt aus dem Ring junger Bünde. Das Ziel einer Plattform für den Austausch zwischen den Bünden ist aus unserer Sicht durch die unterschiedlichen Ausrichtungen der Bünde nicht mehr möglich.

    Der Austritt wurde mit Bekanntgabe auf der Bundesführerversammlung des Ring junger Bünde am 24.11.2012 durch die Bundesführung der Pfadfinderschaft Grauer Reiter e. V. bestätigt.

    Quelle: scouting 04-12; Autor: murkel (Bundesführung der Grauen Reiter)

    http://scouting.de/austrittserklarung-der-pfadfinderschaft-grauer-reiter-aus-dem-rjb/



    dann, im Mai 2013, versickerte die große Freischar ebenfalls aus dem RjB

    Die institutionelle Verquickung mit dem Ludwigstein hat sich dabei als belastend erwiesen.

    Daher erklärt die Deutsche Freischar e.V. – Bund der Wandervögel und Pfadfinder ihren Austritt aus dem Ring junger Bünde.

    Beschlossen auf der Bundesversammlung Polle 19. Mai 2013

    http://www.freischar.de/aktuell/austritt-der-deutschen-freischar-aus-dem-ring-junger-buende-rjb



    Ludwigsteiner Blätter Heft 242 März 2009 Seite 29 (dort ab Seite 30 unten lese man unter Liebe Freunde sowie dann auf Seite 31 das VJL Positionspapier – Offene Burg – Eine Klärung)

    01.06.2009 – „Meißner 2013“ findet 2010 in Hofgeismar statt

    nanu, Hofgeismar, doch nicht etwa dasselbe Treffen wie die Bundesführer? Im größeren Ausschnitt:

    … Im Zusammenhang mit dem „Beräunertreffen“ sind Vorwürfe aufgekommen, dass rechtsradikale Bünde Zugang zur Burg hätten. Eva Eisenträger erklärte für die Stiftung, dass sich die Burg eindeutig positionieren müsse. Alle Gremien der Burg müssten eine klare Position finden und veröffentlichen, die die Besonderheit unserer Satzung und unserer Leitsätze als Treffpunkt aller Bünde berücksichtigt, jedoch gleichzeitig die Kritiker ernst nimmt und Kriterien zur Teilnahme am Burgleben findet (siehe dazu das „Positionspapier Offene Burg“ in diesem Heft).

    Das nächste Vorbereitungstreffen für „Meißner 2013“ findet 2010 in Hofgeismar statt. Mit dem Stiftungsvorstand ist abzusprechen, ob für 2011 die Burg auf den Ludwigstein einlädt. …

    Der Kuratoriumsvorstand

    http://www.burgludwigstein.de/fileadmin/LudMedia/0168_VJL/LB/LB242.pdf


    Zur gegenwärtigen Haltung der Burg gegenüber Freibund und Sturmvogel

    Der Freibund als Jugendbund hat in direkten Gesprächen am 10. März 2009 den im Papier „Offene Burg – Eine Klärung“ benannten Voraussetzungen für eine aktive Teilnahme am Burgleben der Jugendburg Ludwigstein zugestimmt und dies durch seine Unterschrift bestätigt.

    In Reaktion auf kritische Stimmen aus anderen Jugendbünden erklärt der Freibund, sich eigenständig um Aufklärung und Verständigung zu bemühen. In einem ersten Schritt signalisiert die Bundesführung des Freibunds in ihrem Papier Der Freibund – Jugend in Bewegung“ vom 12. März 2009 Offenheit und stellt sich für einen weiteren Austausch zur Verfügung.

    Daraus ergibt sich, dass es aus Sicht der Jugendburg Ludwigstein keinen Grund gibt, den Freibund vom Burgleben auszuschließen. Dem Freibund ist es damit möglich, zum gegenseitigen Kennenlernen auch an Veranstaltungen wie dem Beräunertreffen, dem Kirschenfest, den Bauhütten und dem Meißnerforum teilzunehmen.

    Die Bundesführung des Sturmvogel sucht nach einem eigenen Zeitpunkt für den persönlichen Austausch mit der Burg. Da ein offener Austausch aus Sicht der Burg Voraussetzung für ein Engagement auf dem Ludwigstein ist, werden Gruppen des Sturmvogel bis dahin keine Raumpatenschaft übernehmen und auch keine Veranstaltungen der Burg besuchen.

    Burg Ludwigstein, den 13. März 2009

    http://www.burgludwigstein.de/fileadmin/LudMedia/0168_VJL/LB/LB242.pdf


  4. Machandelboom Says:

    ::
    Für einen Verbleib des Freibundes auf der Jugendburg setzte sich am 17.11.2010 der aus dem Wandervogel Deutscher Bund (WVDB) stammende Gerhard Neudorf ein.

    Gemeine Scharfmacher, so Neudorf sinngemäß, würden das unbefangene Kennenlernen vermasseln!

    Man soll einander, so argumentiert der Schriftleiter von IDEE UND BEWEGUNG (die seit 1988 erscheinende Zeitschrift der Kulturinitiative ‚lebendig leben‘) allen Ernstes, doch überhaupt erst einmal bzw. immer noch etwas besser kennenlernen:

    Liebe Bundesführerinnen und
    Bundesführer des RjB!

    Als einer der Mitbegründer des RjB mit Dr. Karl Vogt in den 60er Jahren teile ich Euch meine entschiedene Ablehnung der undemokratischen Politisierung der Arbeit des RjB in den Jahren 2009 und 2010 mit.

    Als Höhepunkt wurde von Verantwortlichen des RjB vor einer guten Woche gegen den Wunsch der Vereinigung Jugendburg Ludwigstein (VJL) der Freibund von der Nutzung der Bildungsstätte ausgegrenzt.

    Dies geschah, obwohl der Freibund sich zu den Prinzipien der Offenen Jugendburg Ludwigstein nicht nur bekannt, sondern auch dementsprechend gehandelt hat. Bekannt sind sein konstruktives Mitwirken beim Beräuner Singetreffen und beim Bauen am Enno-Narten-Bau, bei Archiv-Tagungen auf Burg Ludwigstein und bei Veranstaltungen der Vereinigung Jugendburg Ludwigstein.

    Die jungen Sänger/innen und Bauenden von Bünden und Gruppen verschiedenster Weltanschauungen auf der Burg haben sich bei ihren vielen Treffen sehr gut vertragen, und politische Agitation wurde nicht bekannt.

    M. E. ist die Ausgrenzung des Freibundes eine Bevormundung, mit dem Zweck, den Freibund nicht kennenlernen zu sollen. Solche Bevormundung steht im Widerspruch zur Meißnerformel, die die „eigene Bestimmung“ und die „eigene Verantwortung“ der Jugend fordert. …

    Mit wirklichem Entsetzen über die Entwicklung einer überbündischen Institution, die mir immer
    noch viel bedeutet,
    grüße ich Euch

    Gerhard Neudorf

    http://www.kulturinitiative-lebendig-leben.de/KI_WEB/Artikel_2013/Gerhard_Neudorf_an_RjB-Bundesfuehrer.pdf

    ::
    ::
    die Namen der vier Bünde sowie den ausgrenzenden Bundesführerbeschluss verbirgt gerhard in den Fußnoten. Den Fahrtennamen dadarish trägt Dieter Geißler von der Deutschen Freischar (DF)

    Wo bleiben Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit?
    Mit Hinweisen auf die „frei“ im Namen tragenden Bünde Deutsche Freischar und Freibund. Von Gerhard Neudorf.

    Aufpassen müssen wir in den heutigen Bünden: Krieg herrscht in den Köpfen einiger ihrer Verantwortlichen. Diese behaupten gebetsmühlenartig, rechtsextreme Bünde (= Feinde) ausfindig gemacht zu haben, und sie brüsten sich damit, diese vom Meißnerfest 2013 ausgeschlossen zu haben.

    19 So hebt dadarish zwar in einem Aufsatz in seiner Freischar-„Zeitung“ 1/2010 Worte Karl Vogts mit einem Zitat von Wilhelm Stählin hervor, der als Bleibendes der Meißnerformel „eine unbefangene Offenheit für den anderen im Verhältnis Mensch zu Mensch“ erkannte (S.39), verweigert eine Seite später diese Offenheit aber dem „Konzept des starren Nationalismus und „Ethnopluralismus“. Dieses Konzept und „Ignoranz oder fehlende Bereitschaft zur Kritik gegenüber der deutschen und bündischen Geschichte …“ unterstellt er damit den ausgeschlossenen Bünden, ohne Beweise zu nennen. Wie ihm dieses Scharfmachen gegen Feinde gefällt, erkennt der Leser auch aus seiner Überschrift „Die Diskussion um „neurechte“ Bünde zieht weite Kreise“ (a.a.O. – Mitte des Heftes).

    Als „Beschluss einer sehr deutlichen Mehrheit“
    führt er auf:

    Zum gegenwärtigen Zeitpunkt schließen die anwesenden Bundesführer Freibund, Sturmvogel, Fahrende Gesellen/DMWB (d.i. der Deutsche Mädelwanderbund – G.N.) und Deutsche Gildenschaft von den weiteren Vorbereitungen und der Teilnahme des Jubiläumslagers zum Hohen Meißner 2013 aus. Die Ergebnisse sollen als Handlungsaufforderung gesehen werden, die ein Umdenken in den betroffenen Bünden bewirken soll. Den anwesenden Bünden wird angeboten, sich nach internen Klärungsprozessen erneut vorzustellen.“

    Dadarish schließt seinen Artikel mit folgendem
    Absatz:

    „Anwesend waren in Hofgeismar alle genannten Gruppierungen bis auf den „Sturmvogel“. Mit dem o.a. Beschluss wurde der Tatsache Rechnung getragen, dass in der bündischen Gemeinde schon seit längerer Zeit eine Diskussion um sog. „neurechte Bünde“ geführt wird und um Bünde, denen eine zumindest in Teilen feststellbare Nähe zum „rechten Lager“ vorgeworfen wird. Bereits in Martinfeld wurde darauf hingewiesen, dass zum Meißnerfest 1988 die Frage der Teilnahmeberechtigung grundsätzlich so entschieden worden war, dass einige Gruppierungen, denen Vorhaltungen in verschiedener Richtung gemacht wurden, von der Teilnahme ausgeschlossen worden waren. Dies war damals (fast) allgemein als richtige Entscheidung gewertet worden.“

    Dadarish frage ich: Wie kommt es dann, dass die Deutsche Gildenschaft 1988 im Zentrum ‚lebendig leben’ mitwirkte? …

    26 Verbindliche Grundsätze als Voraussetzung für die Teilnahme am Meißnerfest 2013 habe ich in Idee und Bewegung Heft 87, S. 102, aufgeschrieben. Neue Vorschläge dafür hat Roland Eckert in der DF-„Zeitung“ a. a. O. S. 32 gemacht. …

    http://www.kulturinitiative-lebendig-leben.de/KI_WEB/Artikel_2013/Wo_bleiben_Freiheit-Gleichheit_und_Bruederlichkeit.pdf

    ::

  5. petsamo Says:

    Hachja, diese Sehnsucht nach dem Singen am Lagerfeuer. Nicht über Theorie und Praxis der gegenmodernen deutschen Rechtsrevolutionäre ist man „erschrocken“, nein, man bejammert dieses schlimm gestörte Zwischenmenschliche:

    „Wir zeigen uns erschrocken über den Verlauf und die zwischenmenschliche Art und Weise der Diskussion um die Burg Ludwigstein in den letzten Monaten.“

    Davon hätte noch nicht einmal Eva Eisenbieger träumen können, die postmoderne bündische Amigo- und Bussi-Szene schafft vollendete Tatsachen. Es ist unfasslich. Karo (w, Pfadfinderschaft Süddeutschland im DPV), Bene (m, 26, VCP Bezirk Elm in Niedersachsen), Jan (m, 25, VCP Bezirk Homburg) und Hagen (m, 19, VCO Bezirk Homburg) wollen singen, nein wir haben uns nicht verhört: sie wollen singen!

    Und sprachen die entgrenzt gastfreundliche Einladung aus nach Gut Steimke nach Uslar.

    Treuherziger Dackelblick. Piep piep piep wir ha’m uns alle lieb.

    Man will sich einfach wohl fühlen dürfen! Mit einer derartigen kulturorientierten Versöhnungspraxis wird es im Laufe des Jahres 2014 kaum noch möglich sein das zu tun, worauf es ankäme, nämlich zwischen ‚uns‘ und ‚denen‘ – zwischen Völkischer Bewegung und AEMR-orientierter Jugendbewegung – zu unterscheiden. Damit sind ein paar (selbstgefällige) Tränchen vergossen worden und bleiben die der konservativen Revolution (Neue Rechte) zuzurechnenden vier Bünde in den braungetönten Blaue-Blume-Sumpf auf weitere Jahrzehnte einzementiert.

    petsamo

    :::::::

    „‚Was ist so schlimm an den kritisierten Bünden?‘ Immer wenn wir diese Frage stellen, wird von Kritikerseite nicht geantwortet oder alte Geschichten erzählt (Freibund auf dem Zwischentag). Die Leute merken anscheinend nicht, dass sich die Jugend doch noch bewegt und innerhalb mehrerer Jahre einiges passieren kann.

    Aber solange es keine stichhaltigen Fakten (nicht Anschuldigungen) gibt, die einen Ausschluss eines Bundes rechtfertigen, kann ich ihnen auch nicht sagen: “Ihr dürft nicht kommen, weil jemand euch nicht mag”. Unter dieser Argumentation kann ich ja auch alle CDU oder Grünen-Wähler ausladen.

    Wir dürfen über die ganze Streiterei nicht das aus den Augen verlieren, was unser (über-)bündisches Leben ausmacht, nämlich die Begegnung, der Austausch, das gemeinsame Singen und in unserem Fall auch der Wettstreit, wer der beste Sänger ist. …

    Wir möchten an dem Singewettstreit nicht diskutieren, sondern Freunde wiedertreffen, Spaß haben am Musizieren und das Bündische aufleben lassen.“

    (Schwarzzeltvolk 14.03.2014)

    http://www.schwarzzeltvolk.de/wir-bieten-einen-raum-fuer-eine-unbefangene-begegnung-ein-interview-mit-dem-vorbereitungskreis-des-exilberaeunertreffens/

    ::

    ExilBeräuner 2014
    Vorbereitungskreis (VK) des Exilberäuners

    „Der Termin dürfte den meisten Beräunerfreunden schon bekannt sein, am 22.03.2014 ist es wieder soweit!“

    http://www.exilberäuner.de/kontakt/

    ::

    „Auch wir sehen uns von der aktuellen Diskussion in der Szene über Teilnahme oder Nichtteilnahme bestimmter Bünde an überbündischen Veranstaltungen betroffen. Deswegen haben wir einen innovativen Weg gewählt und das Gespräch mit den betreffenden Bünden gesucht, statt nur über sie zu sprechen.“

    http://www.exilberäuner.de/kodex/

    ::

  6. Cees van der Duin Says:

    Endlich! Wenn auch inhaltlich wenig bis gar nicht begründet: VCP verlässt den Dialog der Bünde:
    ::

    Leider konnten die Personen aus dem VCP, die bis jetzt am „Dialog der Bünde“ teilgenommen haben, nicht am BR teilnehmen und ihre Sicht schildern. Der BR beschloss nach kurzer Diskussion, dass der VCP nicht an einem kommenden Mediationsprozess im Rahmen des „Dialogs der Bünde“ teilnehmen wird. Auch wurden die Bundesvorsitzenden vom BR beauftragt, dafür zu sorgen, dass der VCP als Verband nicht mehr als Unterzeichner der Steimker Grundsätze erscheint

    aus: Tagung des Bundesrates 1-2015, von: Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder, Bundeszentrale

    http://www.vcp.de/uploads/media/BR_aktuell_01_2015.pdf

    ::
    aha, Pfadfinder jergen kann durchaus sinnvoll argumentieren und lehnt das Denken in Kulturkreisen ab. Sich wie pfadfinderisch geboten allerdings gleichzeitig zu den weltweit, d. h. bei Bedarf auch gegen das Islamische Recht (Scharia) durchzusetzenden allgemeinen Menschenrechten (AEMR) zu bekennen wäre allerdings schön gewesen:

    Es ging meines Wissens zunächst darum, dass die VCP-Vertreter im Dialog nicht ermächtigt waren, diese Erklärung (oder andere) zu unterzeichnen, und dass vor der Unterzeichnung auch keine Rücksprache mit dem Bundesvorstand erfolgt ist.

    Was der Verband als Ganzes inhaltlich kritisiert, weiß ich nicht, ich kann da nur für mich sprechen. Für mich werden die sogenannten Steimker Grundsätze von ethnopluralistischen Vorstellungen überprägt.

    Die Aussage zur Staatsangehörigkeit liegt rechts von der AfD – „nicht ausschließlich“ heißt ja, dass das nur im extremen Ausnahmefall gilt. Die Realität sieht anders aus: Wer in Deutschland geboren wird, bekommt einen deutschen Pass – und wird ihn zukünftig wohl auch dann behalten dürfen, wenn er eine zweite Staatsangehörigkeit besitzt.

    Durch die Grundsätze wabern Begriffe wie „Volk“ bzw. „Kultur eines Volkes“, die auch genau diese ethnopluralistische Klientel bedienen können. Interessanterweise ist das alles erst auf der Tagung reingekommen, im Entwurf der Mosaikler findet sich das nicht so.

    Und das, was zu Veränderungen in der diffus-undefinierten „Kultur eines Volkes“ drin steht, ist meilenweit vom aktuellen Forschungsstand im Bereich „Cultural studies“ entfernt: Kultur verändert sich nicht auch durch interkulturellen Austausch, wie die Steimker Grundsätze postulieren, sondern fast ausschließlich durch diesen Austausch.

    Meiner Meinung nach war das eine dringend notwendige Entscheidung und die einzige richtige – weg von diesem ethnopluralistisch überprägten Unfug.

    http://www.pfadfinder-treffpunkt.de/include.php?path=forumsthread&threadid=12266&entries=0#post189966

    ::
    Die nächste Sitzung des Bundesrates findet vom 20.-23. März statt. Hoffentlich wird der VCP dann nicht, durch den offenbar schier unwiderstehlichen Duft der blaubraunen Blume der Romantik betört, einknicken und mit dem Ludwigstein Dialog zu den vier rechtskonservativen bis neurechten Bünden betreiben.

  7. Cees van der Duin Says:

    Na geht doch! Erfreut liest man auf der Homepage des größten evangelischen deutschen Pfadfinderverbandes:

    Dialog der Bünde – Beteiligung des VCP

    Nach Abwägung aller Argumente und einer Diskussion trafen Bundesrat und Bundesleitung die Entscheidung, dass sich der Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VCP) aus dem Dialog der Bünde und allen eventuellen Nachfolgeprozessen zurückzieht. Dazu gehört auch, dass der VCP nicht länger unter den „Steimker Grundsätzen“ gelistet wird.

    Da es in Teilen des VCP (aber nicht im gesamten Verband) Verbindungen zur Burg Ludwigstein gibt, wurde im Februar 2014 eine Beteiligung an dem „Dialog der Bünde“ rund um die Burg Ludwigstein entschieden und durch eine Beauftragung der Bundesleitung wahrgenommen. Der Auftrag dieses Dialoges war, ein „tragfähiges Konzept über den Zugang der Bünde zur Burg [Ludwigstein]“ zu erarbeiten.

    Dieser Auftrag wurde bei mehreren Treffen bearbeitet und mit einem Antrag an die Mitgliederversammlung der Burg Ludwigstein abgeschlossen. Dieser Auftrag war Basis für die Beteiligung des VCP und für die Beauftragung. Die Beauftragten standen dazu in regelmäßigem Kontakt mit der Bundesleitung. Über den Fortschritt des Prozesses wurde in den Gremien des VCP regelmäßig berichtet. Der Bundesrat hat sich darüber hinaus im Rahmen seiner Tagungen 04.2014 und 01.2015 intensiv mit den Ergebnissen des Dialogs beschäftigt.

    Der am Ende des Prozesses vereinbarte Kriterienkatalog ist aus Sicht des VCP teilweise nicht klar genug formuliert, um ausreichend Distanz zu extremen Bünden aufzuzeigen. Das trifft auch auf die „Steimker Grundsätze“ zu. Dort werden Begriffe verwendet werden, die einen weiten Interpretationsspielraum zulassen. Deshalb sehen Bundesrat und Bundesleitung eine Beteiligung des VCP an einem Nachfolgeprozess, in dem es nicht mehr allein um den Zugang zur Burg Ludwigstein geht, als nicht sinnvoll.

    Bundesleitung und Bundesrat danken den Beauftragten ausdrücklich für ihr Engagement und ihre Arbeit in diesem Prozess.

    Q u e l l e :

    http://www.vcp.de/nachrichten/artikel/dialog-der-buende-beteiligung-des-vcp/

  8. Mach mit beim Steimker-Grundsätze-Boykott Says:

    „Also die CPD stimmt diesem Text zu – möchte aber nicht das jemand davon weiß.

    Der VCP war bislang einverstanden, hat den Text mit erarbeitet und auch für gut befunden – möchte aber jetzt ausscheiden und jeden Hinweis darauf das sie mal beteiligt waren gelöscht wissen.“

    (derralf 09.03.2015 – 16:42)

    h__p://www.pfadfinder-treffpunkt.de/include.php?path=forumsthread&threadid=12266&entries=45

  9. Cees van der Duin Says:

    Reih dich ein in die Ludwigsteineinheitsfront. Mit Gildenschaftern, Freibündern, Gesellen und Mädelwanderbund.

    Thema deutscher Scoutismus und rechte bündische Szenen in ihrer potentiell demokratiegefährdenden Scharnierfunktion zum Bereich deutsche Neue Rechte bzw. deutsche Konservative Revolution, hier: Burg Ludwigstein und der sogenannte Dialog der Bünde (DdB).

    Leider ohne die Namen der vier rechtslastigen Bünde (Deutscher Mädelwanderbund, Deutsche Gildenschaft, Fahrende Gesellen – Bund für Deutsches Leben und Wandern, Freibund – Bund Heimattreuer Jugend) auszusprechen, verlässt der größte deutsche nicht konfessionell gebundene Pfadfinderbund heute den DdB.

    Grundsätzlich eine sehr richtige (und längst überfällige) Entscheidung:

    Stellungnahme der BdP-Bundesleitung zum Dialog der Bünde

    „… sehen wir den von uns mit initiierten Dialogprozess nach den bisherigen Erfahrungen nicht als geeignet an, die Situation auf der Burg weiter positiv zu beeinflussen. Vielmehr bestehen mittlerweile durch den Dialog der Bünde regelmäßiger Kontakt zu den kritisierten Bünden und ein gemeinsamer öffentlicher Auftritt; beides wünschen wir so nicht und es schadet unserer Ansicht nach dem Ansehen des BdP.

    Demnach sehen wir keinen Grund mehr, am so genannten Dialog der Bünde teilzunehmen und erklären hiermit unseren Austritt. Außerdem legen wir Wert darauf, aus oben genannten Gründen nicht weiter mit den kritisierten Bünden genannt zu werden. Dazu gehört auch, dass der BdP nicht mehr auf der Homepage des Dialogs der Bünde genannt werden darf.

    http://www.pfadfinden.de/aktuelles/stellungnahme-zum-dialog-der-buende/

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