Deutsch-ägyptischer Autor Hamed Abdel Samad entführt

حامد عبد الصمد‎

Ḥāmid ʿAbd aṣ-Ṣamad

Hamed Abdel-Samad

UPDATE 26.11.2013 · Hamed Abdel-Samad ist wieder frei. Zwei Tage nach seiner Entführung befindet er sich in der Obhut des deutschen Botschafters in Kairo.

http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/afrika/entfuehrter-islamkritiker-abdel-samad-wieder-frei-12682464.html

Islamkritischer Publizist von Kidnappern verschleppt

Der deutsch-ägyptische Politologe, Historiker und Autor Hamed Abdel-Samad wurde am 24. November 2013 in Kairo entführt.

Der Berliner Geschichtsstudent und Blogger Sören Brandes lancierte eine PETITION bei Change, in der die Bundesregierung zum Handeln aufgefordert wird.

http://www.change.org/de/Petitionen/deutsche-bundesregierung-%C3%A4gyptische-regierung-tun-sie-alles-um-hamed-abdel-samad-zu-befreien

Petent Sören Brandes, ein Blog-Mitautor auf Unsere Zeit:

„Mit Entsetzen haben wir erfahren, dass der deutsch-ägyptische Publizist und säkulare Aktivist Hamed Abdel-Samad gestern, am 24. November 2013, in Kairo entführt wurde … Nähere Hintergründe zu seiner Entführung sind noch nicht bekannt, doch gibt es Anlass zu größter Sorge. … Gegen Abdel-Samad wurden schon mehrfach Morddrohungen und Fatwas ausgesprochen …“

http://unserezeitblog.blogspot.de/

Sören Brandes auf Twitter

https://twitter.com/Soeren_Brandes

Ein Freund Abdel-Samads, der Jurastudent, Menschenrechtsaktivist und Publizist (u.a. bei Der Freitag) Walid Malik, bestätigte bereits am 24. November die Entführung auf Twitter:

++EIL++Betätige die Meldung ägyptischer Medien:Hamed Abdel Samad wurde entführt.Wünsche meinem Freund alles Gute!!

https://twitter.com/WalidVanMalik/status/404788719640928256/photo/1

Bruder von Hamed Abd al-Samad: „Ich schließe nicht aus, dass mein Bruder von militanten Islamisten entführt wurde“

Mahmoud Abd al-Samad, der Bruder des Schriftstellers und Publizisten Hamed Abd al-Samad, hat erklärt, dass sein Bruder gestern Nachmittag entführt worden ist, genauer gesagt um 16.15 Uhr. Er enthüllte in einer exklusiven Erklärung für Youm7, dass das Innenministerium seinem Bruder eigens einen Leibwächter zugewiesen hatte, nachdem die deutsche Botschaft aufgrund mehrer Morddrohungen durch militante Islamisten danach verlangt hatte. Sein Bruder habe einen besonderen Termin [wörtl.: Aufgabe, Auftrag, H.B.] gehabt, weshalb ihn keine Leibwächter eskortiert hätten. Jedoch habe er einen der Leibwächter, einen Offizier, angerufen und diesem mitgeteilt, dass ihm ein schwarzes Auto folge, seit er sein Hotel im Zentrum Kairos verlassen habe. Dieses Auto habe ihn verfolgt, bis er sein Ziel, den „Azhar Park“ in der Salah Salem-Straße, erreichte. […] Um 16.15 habe sich die Spur von Hamed vollständig verloren und auf dem Handy sei er nicht mehr erreichbar gewesen.

Der Bruder von Abd al-Samad hat erklärt, dass er, als er von dem Vorfall erfahren habe, die Deutsche Botschaft kontaktiert habe, da sein Bruder die deutsche Staatsbürgerschaft besitze und dort als Universitätsdozent arbeite. Er schließe nicht aus, dass sein Bruder von militanten Islamisten entführt worden ist, da es mehrere Aufrufe zur Ermordung seines Bruders gebe und dieser auch zahlreiche Morddrohungen erhalten habe, insbesondere nach der Kampagne Abu Ishaqs gegen ihn. […]

Youm7, ins Deutsche von Hannes Bode (Jungle World)

zu finden auf dem Blog Ruhrbarone

http://www.ruhrbarone.de/deutsch-aegyptischer-autor-hamed-abdel-samad-entfuehrt/

Auf Arabisch bei youm7 (der arabische Titel lautet: Publizist Hamid Abdel-Samad von Unbekannten entführt)

http://www.youm7.com//News.asp?NewsID=1362022#.UpN9dieFeeb

Wo ist Abdel-Samad?

Fest steht: Seit seiner deutlichen Kritik am politischen Islam galt Abdel-Samad in Ägypten als „vogelfrei“. Bekannte ägyptische Salafisten-Prediger hatten im Juni eine Fatwa ausgesprochen – einen Aufruf zum Mord: „Abdel-Samad hat den Islam beschmutzt, für ihn ist der Islam eine schlechte Religion. Das Urteil ist, ihn zu töten, selbst wenn er bereut, weil er den Propheten Mohammed verunglimpft hat. Er muss getötet werden und Reue wird nicht akzeptiert“, sagte Assem Abdel-Maguid, Vorsitzender Partei der Gamaa al Islamiyya.

Abdel-Samad ließ sich von den Drohungen nicht beeindrucken. Im Interview erklärte er noch vor wenigen Wochen: „Ich werde natürlich vorsichtiger sein müssen, wo ich auftrete, welche Vorträge ich annehme, aber ich werde nach wie vor schreiben und sagen was ich denke: Ein Leben ohne Freiheit macht für mich keinen Sinn.“

Von Anna Osius, ARD-Hörfunkstudio Kairo

Tagesschau Stand: 26.11.2013 00:11 Uhr

http://www.tagesschau.de/ausland/samad106.html

Islamkritiker vermutlich entführt

Von Julia Gerlach

Für große Aufregung sorgte ein Vortrag, den er im Frühjahr bei einer Konferenz der Bewegung der „Säkularen“ hielt. Dort vertrat er die These, dass der islamische Fanatismus nicht erst mit dem Aufkommen der islamischen Bewegungen im vergangenen Jahrhundert begonnen habe, sondern dass die Saat für Intoleranz und Unterdrückung bereits bei der Gründung des Islams durch den Propheten gelegt wurde. Mehrere radikale Islamisten riefen daraufhin zur Verfolgung des Schriftstellers auf. Er wurde als Feind des Islams bezeichnet – dies kommt in radikal-islamischen Kreisen einem Aufruf zum Mord gleich.

„Womöglich haben sie diese Drohung jetzt in die Tat umgesetzt“, befürchtet der Bruder des Schriftstellers. Im Frühjahr war dieser zunächst untergetaucht. Erst vor wenigen Tagen sei er nun nach Kairo zurückgekehrt, um die Familie zu besuchen, so Mahmud Abdel-Samad. …

Wegen der Drohungen vonseiten der Islamisten stehe Abdel-Hamad unter Personenschutz. Allerdings habe er den Leibwächter nicht zu dem Treffen mitnehmen wollen. Gegen 15.45 Uhr habe sein Bruder ihn aber angerufen und berichtet, dass er von einer schwarzen Limousine verfolgt werde. Kurz darauf riss der Kontakt ab. Abdel-Samads Telefon ist seitdem ausgeschaltet.

in: Frankfurter Rundschau 25.11.2013

http://www.fr-online.de/politik/hamed-abdel-samad-islamkritiker-vermutlich-entfuehrt,1472596,25134232.html

Deutscher Publizist in Ägypten verschwunden

Von Matthias Kamann

Hamed Abdel-Samad kritisierte den Islam und bereiste mit Henryk M. Broder Deutschland. In Ägypten gab es Morddrohungen gegen ihn. Nun teilt sein Bruder mit, dass Abdel-Samad in Kairo verschwunden ist. Von Matthias Kamann

in: DIE WELT 25.11.2013

http://www.welt.de/politik/ausland/article122228476/Deutscher-Publizist-in-Aegypten-verschwunden.html

Ägypten: Islamkritiker Abdel-Samad offenbar in Kairo entführt

Von Ulrike Putz und Hannah Pilarczyk

Der deutsch-ägyptische Schriftsteller Hamed Abdel-Samad soll in Kairo entführt worden sein. Er habe ohne seinen Leibwächter das Hotel verlassen, berichtet eine ägyptische Zeitung. Hassprediger hatten zuvor zum Mord an dem Islamkritiker aufgerufen.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/aegypten-islamkritiker-abdel-samad-offenbar-in-kairo-entfuehrt-a-935438.html

Bundesregierung fordert Aufklärung über Schicksal von Abdel-Samad

in: FAZ 25.11.2013

25.11.2013 • Der deutsch-ägyptische Publizist Hamad Abdel-Samad ist in Kairo verschollen. Die ägyptische Polizei geht von einer Entführung aus. Abdel-Samad hatte Morddrohungen erhalten.

http://www.faz.net/aktuell/politik/publizist-verschwunden-bundesregierung-fordert-aufklaerung-ueber-schicksal-von-abdel-samad-12679944.html

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Eine Antwort to “Deutsch-ägyptischer Autor Hamed Abdel Samad entführt”

  1. Bragalou Says:

    I believe that the untouchable nature of the Quran stands in our way

    favorite color – Lieblingsfarbe
    post-quranic discourse – postkoranischer Diskurs

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    Wenn ich sage, dass es im Islam vielleicht einen Geburtsfehler gibt, dann distanzieren sich die Menschen von mir, auch säkulare Intellektuelle. Sie wollen das nicht hören. … ich habe böse Reaktionen erhalten. Ich sage auch, wir brauchen einen postkoranischen Diskurs, wir müssen nicht alles aus dem Koran ableiten. Wir müssen das hinter uns lassen, wir müssen neue Antworten suchen durch Verhandeln, nicht durch göttliche Botschaft. Die spirituelle Seite des Korans ist für alle Zeiten gültig.

    Die juristisch-politische Seite aber ist entstanden, um die Angelegenheiten einer vormodernen Gemeinde im 7..Jahrhundert in der Stadt Medina zu regeln, und hat im 21..Jahrhundert nichts zu suchen. Viele sogenannte Reformer flirten mit der Moderne, sie wollen Sex mit ihr haben, aber nicht schwanger werden. Das ist verlogen. Man muss konsequenter werden und klarer sprechen. Uns fehlt die Zeit.

    Wir steuern auf eine Katastrophe zu: Schwindende Ressourcen, ein Millionenheer von Ungebildeten in Perspektivlosigkeit, Wasserknappheit – wo bitte soll das hinführen? Wenn die islamische Welt zusammenbricht, werden wir die größte Völkerwanderung aller Zeiten in Richtung Europa erleben. Das ist keine Angstmacherei, das ist übermorgen.

    Hamid Abdel-Samad (am 09.09.2010 in Die Welt, Quelle s. u.)

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    Sie schreiben, Konsum ohne Kant führe zur Verwirrung. Was meinen Sie damit?

    Viele denken, die Menschen in der islamischen Welt leben asketisch, religiös und abgeschottet. So ist es nicht. Sie haben sich der Moderne durchaus geöffnet – aber nur von der Konsum-Seite her. Sie kaufen die modernen Konsumgüter, haben aber ihren Geist nicht für die Gedanken geöffnet, die diese Konsumgüter zustande gebracht haben.

    Konsum gibt es auch in Europa.

    Aber in Europa gibt es mit den Gedanken der Aufklärung und des Humanismus einen Ausgleich! Diese Gedanken gibt es in der islamischen Welt nicht, und deshalb führt der Konsum dort zur Verwirrung, zur Verwahrlosung sogar. Ich gebe Ihnen ein Beispiel. Vor mehreren Jahren habe ich bei einer Konferenz in Deutschland einen ägyptischen Professor getroffen. Um vier Uhr nachts hat er im Hotel zum Gebet gerufen und die anderen Hotelgäste geweckt. Als ich ihn darauf aufmerksam machte, dass er das nicht darf, sagte er, er übe lediglich seine religiöse Freiheit aus. Am nächsten Tag weigerte er sich, an einem Tisch Platz zu nehmen, an dem ein Kollege ein Bier trank. Der Mann war Erziehungswissenschaftler – er bildet Lehrer aus! Nach der Konferenz habe ich ihn zufällig in einem Laden getroffen, wo er einen iPod kaufen wollte, um darauf den Koran abzuspeichern. Dieses Bild – Koran auf iPod – zeigt das Dilemma der islamischen Welt: Man konsumiert, aber niemand fragt nach dem Hintergrund der Konsumgüter. Warum wurde der iPod nicht von einem Muslim erfunden?

    Warum nicht?

    Ich habe damals zu dem Professor gesagt: „Wissen Sie, warum es diesen iPod gibt? Weil jeder hier im Westen trinken darf, was er will.“ Ohne Freiheit, ohne freies Denken gibt es keine Kreativität. Das zählt. Es muss möglich sein, alles in Frage zu stellen – auch das Heiligste. In der islamischen Welt ist das absolut tabu.

    Sie glauben nicht an die Reformierbarkeit des Islam.

    Es gibt eine Kette, die das System Islam umspannt. Diese Kette besteht aus der Unantastbarkeit der Religion, dem Nichtinfragestellen der Herrschaft und den altarabischen Stammesstrukturen – Ehre, Stolz und so weiter. Die Reformer hatten niemals den Mut, diese Kette zu sprengen, obwohl sie längst verrostet ist. Stattdessen versuchen sie, die Kette in ihrer jeweiligen Lieblingsfarbe anzustreichen. Das sind die Reformprozesse, die wir bislang erlebt haben.

    Das klingt sehr pessimistisch.

    Der Islam ist nicht reformierbar, aber die Geisteshaltung der Muslime zum Islam ist reformierbar. Daran arbeite ich.

    (…)

    Haben Sie gar keine Hoffnung?

    Ich habe eine minimale Hoffnung, sonst hätte ich das Buch nicht geschrieben. Die islamische Welt muss einen drastischen Neuanfang wagen. Der schwere Koffer, der die islamische Welt daran hindert, den Weg in die Moderne zu beschreiten, muss weg. In diesem Koffer gibt es mehrere harte Brocken – der größte ist die Unantastbarkeit des Koran. Wir, die Muslime, müssen Abstand nehmen von den Ressentiments gegenüber dem Westen, wir müssen aufhören, nach Sündenböcken zu suchen. Wir müssen uns von unserer Selbstverherrlichung trennen, wir müssen die herrschenden Strukturen infrage stellen, Religion und Politik trennen. Wir müssen uns von einem bestimmten Gottesbild trennen – dieses Allmächtige, das nicht infrage gestellt werden darf, ist eine Schablone für die Diktatoren in der islamischen Welt geworden. Wir brauchen eine effektive Bildung, die auf freiem und kritischem Denken basiert, nicht auf Indoktrination. Wir brauchen eine Hinwendung zum weltlichen Wissen. Es gibt eine große Wissenschaftsskepsis in der islamischen Welt, die Leute empfinden Schadenfreude, wenn eine Raumfähre abstürzt oder wenn ein Genforscher an Krebs erkrankt. Das alles muss weg. Es würde einen radikalen Bruch mit der Tradition bedeuten. Nur: Wenn wir ihn nicht wagen, dann kommt ein anderer Bruch: der Zusammenbruch.

    Welchen Ratschlag haben Sie für die europäische Gesellschaft im Umgang mit der islamischen Welt?

    Wie der Westen mit der islamischen Welt umgeht, ist unsäglich. Vor wenigen Wochen haben die USA ein Waffengeschäft mit Saudi-Arabien über 60 Milliarden Dollar beschlossen. Damit sollen 750.000 Arbeitsplätze in Amerika gesichert werden. Na gut. Aber die Waffen, die Saudi-Arabien von Amerika kauft, werden irgendwann gegen den Westen verwendet werden. So war es bei Saddam Hussein, so war es bei den Taliban. Die westlichen Staaten sollten sich neue Verbündete suchen: Demokraten, die ihr Land öffnen wollen, Frauenrechtlerinnen, Künstler, Kinder – das ist die Hoffnung. Leider hat der Westen im Umgang mit Diktaturen eine Art strategische Ungeduld: Das Ziel sind schnelle Geschäfte und kurzfristiger Profit.

    Und wie sollte Europa mit den Muslimen hier umgehen?

    Hier in Europa sollte man von den Migranten verlangen, sich an die Spielregeln dieser Gesellschaft zu halten. Man muss schon an der Pforte Klartext mit ihnen reden. Menschen, die einwandern, sind flexibel. Am Anfang sind sie zu allem bereit. (…)

    Ihr Vater ist Imam in Ihrem Heimatdorf. Was sagt er zu Ihren Büchern?

    Gerade in dieser Woche ist mein Buch auf Arabisch erschienen, mein Vater hat das erste Exemplar gleich nach dem Druck bekommen. Er hat es gelesen und ist sehr begeistert. Er hat seine Kritikpunkte, aber er weiß, was ich meine und was ich beabsichtige.

    Ihr Buch ist in Ägypten erschienen?

    Ja. Ich finde sehr wichtig, dass man nicht nur über die islamische Welt spricht, sondern auch mit ihr. In zwei Wochen fliege ich hin, um das Buch dort vorzustellen. Ich bin schon sehr gespannt.

    aus dem Interview: „Der Islam ist nicht reformierbar“
    Mit Hamed Abdel-Samad sprach Hubertus Volmer
    ntv 04.10.2010

    http://www.n-tv.de/politik/Der-Islam-ist-nicht-reformierbar-article1636341.html

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    Hamed Abdel-Samad fordert den postkoranischen Diskurs, den Verzicht der Muslime darauf, den Koran für das ewig gültige Wort Gottes zu halten, das alle politischen und sozialen Fragen lösen kann

    Abdel-Samad became known to the German public through his book Mein Abschied vom Himmel (My farewell from heaven) (2009). It is neither a settlement with his culture, nor a call to abandon the Muslim faith. According to Abdel-Samad, he just wanted to understand the contradictions of his life. Following the book’s publication in Egypt a group issued a fatwa against Abdel-Samad and he was put under police protection.

    Abdel-Samad calls for an “Islam light” in Europe without shari’a, jihad, gender apartheid, proselytism and “entitlement mentality”. He criticized the German political establishment for appeasing Islam, while ignoring fears about Islam. According to Abdel-Samad, this behavior created resentment in the German population.

    Abdel-Samad participated in the German Islam Conference held at the invitation of the German Federal Interior Minister Thomas de Maizière.

    In autumn 2010, Abdel-Samad took the journalist Henryk M. Broder on a 30,000 km-long road trip through Germany for a five-part TV series.

    (…)

    Host: You are not only attacking [the problems], but you also propose a solution. You say that really there is no other option than to switch to a post-quranic age. You need to explain this? What is a “post-quranic” age?

    Abdel-Samad: Many Muslim reformers make the mistake that they do not really want to break the chain holding the Islamic system together. They try to paint the chain in their favorite color, and call this a “Reform”. I believe that the untouchable nature of the Quran stands in our way and we need to leave this behind. Without polemicising against it or destroying it. We must simply separate ourselves from this notion, that this is the word of god, providing relevant instructions for daily life in the 21st Century. Post-quranic discourse means that we need to look for other explanations and solutions for our lives today.

    (…)

    http://themuslimissue.wordpress.com/2012/09/03/germany-muslim-author-predicts-the-collapse-of-islam/

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    (…) Die arabisch-islamische Welt hat den Zug der Moderne verpasst, und ihr bleibt nichts anderes übrig, als auf dem Gleis zu stehen und auf den Lokführer zu fluchen – und das ist der Westen.

    WELT ONLINE: Sie sagen, der Islam als Kultur ist dem Untergang geweiht. Gibt es Rettung oder auch nur einen Hoffnungsschimmer zum Beispiel in Indonesien, der Türkei oder in den Golfstaaten? Wer ist der Fahnenträger einer positiven Entwicklung?

    Abdel-Samad: Einen Fahnenträger gibt es nicht, es gibt nur Karnevalisten. Die Türkei zeigte eine erfreuliche Entwicklung, die Früchte der Säkularisierung. Doch jetzt sehen wir die Zurücknahme vieler dieser Prozesse. Das Gleiche gilt für Malaysia und Indonesien, die vorbildliche Schritte gegangen sind. Aber ihr Einfluss auf die insgesamt 57 islamisch geprägten Staaten der Erde ist gering.

    Im Gegenteil ist der theologische Einfluss Saudi-Arabiens oder Ägyptens auf solche sogenannten Reformstaaten wieder gewachsen. In diesen großen, einflussreichen Ländern aber wurden die Hausaufgaben nicht gemacht. Alles, was in Jahrzehnten unter den Teppich gekehrt wurde, kommt nun zum Vorschein. Das Haus ist kaum noch bewohnbar, weil es stinkt.

    Es gibt sehr viel, was man vor 100 Jahren hätte tun müssen, um heute einigermaßen auf der Höhe der Welt sein zu können. Stattdessen geht es stärker in Richtung Re-Islamisierung als hin zu Öffnung und Demokratisierung.

    Der Untergang der islamischen Welt ist logische Konsequenz einer seit vielen Jahrzehnten verfehlten Identitäts- und Bildungspolitik sowie einer asymmetrischen Beziehung zum Westen, die auf Paranoia und Ressentiments basiert.

    WELT ONLINE: Was meinen Sie mit asymmetrischer Beziehung?

    Abdel-Samad: Es kommt nicht mehr zu einer gegenseitigen Befruchtung, die islamische Welt hat aufgehört, vom Wissen anderer zu profitieren. Im Mittelalter war die islamische Kultur führend, weil sie kooperativer und integrationsfähiger war für das Wissen anderer. Die Werke der alten Griechen wurden übersetzt und weiterentwickelt. Man war offen und neugierig, hat mit Persern, Juden und Christen zusammengearbeitet und eine Kultur geschaffen.

    Jetzt herrschen Verkrampftheit, Skepsis, ja Schadenfreude, wenn das Wissen scheitert, etwa wenn ein berühmter westlicher Genforscher an Krebs stirbt oder ein Spaceshuttle abstürzt. Viele Muslime sitzen da und ernähren sich von Ressentiments, Gekränktsein und Kränkung. Das ist keine gesunde Nahrung.

    WELT ONLINE: Steuern wir also unvermeidlich auf einen Zusammenprall der Zivilisationen zu, wie Samuel Huntington es prognostizierte?

    Abdel-Samad: Der ist längst da, nicht nur zwischen Westen und islamischer Welt, sondern auch innerhalb der islamischen Staaten – zwischen dem Geist der Öffnung und dem Konformitätsdruck, zwischen Innovation und Kontinuität. Es gibt viele junge Muslime, die die alten Strukturen verlassen und nach neuen Antworten suchen.

    Aber sie finden keine demokratische Infrastruktur, keine Zivilgesellschaft vor, in die sie ihre Energien leiten könnten. Deshalb münden diese Energien in Chaos und Gewalt. Davon ernährt sich der Fundamentalismus.

    WELT ONLINE: Können die muslimischen Intellektuellen im Ausland eine Rolle bei der Erneuerung der islamischen Welt spielen?

    Abdel-Samad: Ja, so wie die russischen Dissidenten zur Zeit der Sowjetunion, Solschenizyn etwa oder Sacharow. Sie verließen ihre Systeme, machten deren Verbrechen öffentlich und – das ist entscheidend – veröffentlichten auch in ihrer Muttersprache. Ihre Werke wurden dort gelesen, wo sie Veränderung erzeugen sollten.

    Das machen muslimische Exilanten aber nicht, sie bekommen Applaus in ihren Gastländern, aber in den islamischen Ländern kennt sie kaum jemand. Sie gleichen vielen kleinen Rinnsalen, die nie zu einem Fluss werden, den man Aufklärung nennen könnte. Daraus wird keine Bewegung entstehen, keine Dynamik der Veränderung.

    Die Muslime, die hier in Europa leben, haben die große Chance, sich abzunabeln, eine neue Theologie zu entwickeln, die frei von Herrschaft und Autoritätshörigkeit ist. Stattdessen frieren sie das ein, was sie aus ihrer Heimat importiert haben, und nennen es Identität.

    (…)

    aus dem Interview: „Der Islam wird als Kultur untergehen“
    von: Dietrich Alexander
    in: DIE WELT 09.09.2010

    http://www.welt.de/politik/ausland/article9500423/Der-Islam-wird-als-Kultur-untergehen.html

    ::
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