Drei Fragen an die Justizministerin zu Demokratie und Rechtsstaat

Frage von Gabi Schmidt an Dr. Katarina Barley bezüglich Demokratie und Bürgerrechte

28.03.2018 – 23:51

Sehr geehrte Frau Dr. Barley,

es hieß: Männer bilden Seilschaften, Frauen fallen sich in den Rücken. Trifft das noch zu?

Beim Thema Integration tauchen in Parlamentsdebatten, den Medien und der öffentlichen Meinung immer wieder Begriffe wie Wertekanon, Werte oder Wertvorstellungen auf. Die sind aber veränderbar. So wichtig und begrüßenswert Wertewandel für individuelle Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit ist, man denke an überkommene Rollenklischees, Abschaffung des § 175 StGB, Homoehe und Kinderrechte, kommen die vom GG garantierten unveräußerlichen unteilbaren und allgemeinen Grund- und Menschenrechte [Art. 2 – 19 GG], Rechtsstaatlichkeit und Verfassungsprinzipien nicht zu kurz?

Bitte definieren Sie Volkssouveränität und was für Sie daraus folgt.

Die in Art. 5 GG verankerten Freiheitsrechte haben für einen freiheitlich demokratischen Rechtsstaat existentielle Bedeutung, gelten aber nicht uneingeschränkt. Nennen Sie bitte Beispiele für Verstöße.

In einem am 21.03.2018 in ZEIT online veröffentlichten Interview wurden Sie zu Kinderehen befragt [14 Jährige mit 19jährigem Ehemann]. Sie verwiesen auf das internationale Privatrecht und Gerichte, die auf den Einzelfall schauen.

Ausgehend vom genannten Beispielfall würde das jeweilige Recht des Staates herangezogen, dem die Braut bzw. der Bräutigam angehört, also etwa syrisches und türkisches Recht [Art. 13 Abs. 1 EGBGB]. Ausschlaggebend für den Einzelfall, den die Richter zu betrachten hätten, wäre dann nur die Nationalität, nicht unsere für Minderjährige wesentlich vorteilhafteren Rechtsstandards. Warum wird das IPR dem am 22.07.2017 in Kraft getretenen Gesetz gegen Kinderehen vorgezogen, das die Ehemündigkeit auf 18 Jahre festlegt und explizit auf das Kindeswohl abzielt?

Mit freundlichen Grüßen

Gabi Schmidt

https://www.abgeordnetenwatch.de/profile/dr-katarina-barley/question/2018-03-28/297904

Schlagwörter: , , , , , ,

6 Antworten to “Drei Fragen an die Justizministerin zu Demokratie und Rechtsstaat”

  1. Καλό Πάσχα – Frohe Ostern Says:

    .

    Χριστὸς ἀνέστη
    Christus ist auferstanden!

    [ Ostern ]

    .

    .

    ____

    المسيح قام بالحقيقة قام … نزار فارس بالاشتراك مع جوقات كنائس الكلدان في ميشيغان

    .

    .
    .

    ترنيمة : خوثد صليوا

    .

    .

  2. Edward von Roy Says:

    „Kein Freies Wissen ohne freien Austausch im Netz“

    Mit dem harmlos klingenden EU-Konzept der Upload-Filter käme eine maschinelle Zensur im Internet.

    Durch die Filtermaschinen der Plattformbetreiber würde jeder Inhalt – ob Text, Musik, Foto bzw. Bild oder Video – automatisiert urheberrechtlich bewertet werden, bevor er publiziert werden kann.

    (A new copyright proposal in the EU would require code-sharing platforms like GitHub and SourceForge to monitor all content that users upload for potential copyright infringement.)

    Proposal for a DIRECTIVE OF THE EUROPEAN PARLIAMENT AND OF THE COUNCIL on copyright in the Digital Single Market

    COM/2016/0593 final – 2016/0280 (COD)

    http://eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/TXT/?uri=CELEX:52016PC0593

    .

    (Mit dem Vorschlag, Fremdinhalte vor dem Hochladen auf Rechtskonformität zu prüfen, bringt die EU-Kommission nicht nur die Internetwirtschaft gegen sich auf. „Maschinelle Zensur“ lautet der Vorwurf.)

    Warum der EU-Vorschlag zur Upload-Filter-Regelung so umstritten ist

    Von Annette Mattgey

    WUV 28.02.2018

    https://www.wuv.de/digital/warum_der_eu_vorschlag_zur_upload_filter_regelung_so_umstritten_ist

    .

    OFFENER BRIEF
    unter anderem von
    Verbraucherzentrale Bundesverband
    Wikimedia Deutschland
    Deutscher Gründerverband
    Jugendpresse Deutschland

    27.02.2018 – 27. Februar 2018

    Europäische Upload-Filter-Regelung verhindern

    https://www.wikimedia.de/w/images.homepage/f/fd/OffenerBrief_UploadFilter.pdf

    .

    Danke, aber das reicht nicht! #NoUploadFilter

    By John Weitzmann
    02.05.2018

    (Im Koalitionsvertrag von Union und SPD werden Upload-Filter als „unverhältnismäßig“ abgelehnt, doch die Bundesregierung setzt das im Rat der EU nicht um. Das Ergebnis könnte der Meinungsäußerungsfreiheit der Menschen und damit auch dem Freien Wissen für Jahrzehnte schweren Schaden zufügen. Wir fordern die Bundesregierung deshalb noch einmal auf, Wort zu halten und Upload-Filter nicht mitzutragen.)

    (…) Artikel 13 sieht vor, dass Plattformen nur dann haftungsfrei ausgehen, wenn sie über technische Filter sicherstellen, dass ihre Nutzenden urheberrechtsverletzendes Material gar nicht erst hochladen können. Egal ob Text, Bild oder Videobeitrag, sämtliche Inhalte sollen bereits vor dem Hochladen (Upload) auf vermeintliche Urheberrechtsverletzungen geprüft und solche, die als potenziell rechtsverletzend maschinell erkannt werden, blockiert werden. Man nennt das auch „notice and staydown“. (…)

    https://blog.wikimedia.de/2018/05/02/danke-aber-das-reicht-nicht-nouploadfilter/

  3. Edward von Roy Says:

    .

    Nach Deleware nun auch New Jersey:

    .

    Heiraten erst ab 18 Jahren: Governeur Phil Murphy (Democrat) unterschreibt Gesetz gegen Kinderehen

    New Jersey. Noch im vergangenen Jahr hatte Amtsvorgänger Chris Christie, ein Republikaner und einstiger Staatsanwalt, sein Veto gegen das Gesetz eingelegt:

    „Ich stimme zu, dass es wichtig ist, das Wohlergehen, die Würde und die Freiheit von Minderjährigen zu schützen. Doch die erhebliche Barriere, die diese Gesetzesvorlage errichtet, ist nicht notwendig, um den Bedenken der Befürworter der Gesetzesvorlage zu entsprechen und wird den Empfindlichkeiten und in einigen Fällen den religiösen Gebräuchen der Menschen in diesem Staat nicht gerecht.“

    „I agree that protecting the well-being, dignity, and freedom of minors is vital, but the severe bar this bill creates is not necessary to address the concerns voiced by the bill’s proponents and does not comport with the sensibilities and, in some cases, the religious customs, of the people of this State.“ (Chris Christie)

    Das neue Gesetz ist nicht zuletzt auch ein Erfolg von Fraidy Reiss, einer amerikanischen Aktivistin gegen sogenannte arrangierte Ehen (die wir getrost Zwangsehen nennen können; Anm.).

    Mit 19 Jahren wurde Fraidy Reiss Opfer einer arrangierten Ehe bzw. Zwangsehe, aus der sie nach zehn Jahren endlich fliehen konnte, gründete die Organisation Unchained at Last. Aufgewachsen ist Reiss in Brooklyn (New York) in einer orthodoxen jüdischen Familie.

    Unchained at Last serves people from various communities, including those that are Orthodox Jewish, Hindu, Muslim, Mormon, and from the Unification Church [ Moon-Bewegung ].

    https://en.wikipedia.org/wiki/Fraidy_Reiss

    Samuel Freedman | Woman Breaks Through Chains of Forced Marriage, and Helps Others Do the Same | The New York Times | 20.03.2015

    Fraidy Reiss | Fraidy Reiss: Breaking The Chains Of Religious Tradition | The Huffington Post | 25.04.2012

    https://www.huffingtonpost.com/2012/04/25/fraidy-reiss-breaking-the_n_1450708.html?guccounter=1

    .

    Im Mai dieses Jahres wurde Delaware der erste US-Staat mit einer entsprechenden Gesetzgebung zur Ehemündigkeit.

    Florida hatte im März das Mindestalter 17 Jahre festgesetzt, immerhin der Schritt in die richtige Richtung der gebotenen 18 Jahre.

    In New Hampshire, Maryland, Tennessee und Kentucky arbeiten die Gesetzgeber ebenfalls am Thema.

    .
    .

    Murphy Signs New Jersey Child-Marriage Ban That Christie Vetoed

    Elise Young | Bloomberg 22.06.2018, 21:22 MESZ

    https://www.bloomberg.com/news/articles/2018-06-21/n-j-lawmakers-to-vote-on-budget-destined-for-murphy-s-veto-pen

    .

  4. Wilm Hilversum Says:

    .

    .
    .

    02.07.2018

    Antwort von Katarina Barley (SPD) 02. Jul. 2018 – 10:41
    Dauer bis zur Antwort: 3 Monate 5 Tage

    .

    Sehr geehrte Frau Schmidt,

    gerne beantworte ich Ihnen die gestellten Fragen.

    1) Der Begriff der Volkssouveränität wird im Grundgesetz bestimmt. Dort heißt es unter Art. 20 Abs. 2 GG: „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt.“ Demnach bestimmt das Volk durch Wahlen direkt oder indirekt seine Regierung, seine Gesetzgeber sowie seine Richter selbst.

    2) Die im Art. 5 GG verankerte Freiheit der Meinung, der Kunst und Wissenschaft können unter bestimmten Bedingungen eingeschränkt werden. Dies ist beispielsweise bei der Leugnung des Holocaust der Fall.

    3) Bis zur vergangenen Legislaturperiode konnte eine Eheschließung unter Umständen schon ab 16 Jahren erfolgen – unabhängig von der Nationalität. Nach dem in der letzten Legislaturperiode beschlossenen Gesetz ist eine Eheschließung erst dann möglich, wenn beide Parteien volljährig sind. Das gilt auch für Ehen, die von Minderjährigen nach ausländischem Recht geschlossen wurden.

    Falls eine Heirat vor Vollendung des 16. Lebensjahres im Ausland vollzogen wurde, dann ist die Ehe in Deutschland automatisch unwirksam. Dieser Grundsatz gilt auch dann, wenn die Ehe nach ausländischem Recht wirksam geschlossen wurde. Zur Aufhebung einer solchen Ehe bedarf es damit keines gerichtlichen Verfahrens.

    Bei Ehen, die nach ausländischem Recht im Alter zwischen 16 und 18 Jahren geschlossen wurden, kann die Ehe durch eine richterliche Entscheidung aufgehoben werden. In besonderen Härtefällen kann von einer Aufhebung der Ehe abgesehen werden.

    Mit freundlichen Grüßen

    Katarina Barley

    https://www.abgeordnetenwatch.de/profile/dr-katarina-barley/question/2018-03-28/297904

    .
    .

  5. Edward von Roy Says:

    Umsetzung des Gesetzes zur Bekämpfung von Kinderehen – Eheaufhebungsverfahren in den einzelnen Bundesländern

    Stand 10.09.2019 | Terre des Femmes

    (…) Zusammenfassung und Erklärung der Ergebnisse:

    Von den insgesamt seit Inkrafttreten des Gesetzes am 22. Juli 2017 813 gemeldeten Fällenwurdein 97 Fällen ein Antrag auf Eheaufhebung gestellt. Bei den bisher insgesamt 53 Urteilen wurde die Ehe nur in 10 Fällen tatsächlich aufgehoben. In den 716 verbleibendenFällen wurde mehrheitlich die Ehe aufgrund der zwischenzeitlicheingetretenen Volljährigkeit derBetroffenenbestätigt. Einige Urteile stehennoch aus.

    Die meisten der minderjährig Verheirateten kamen aus Syrien, aber auch aus Bulgarien, der Türkei und dem Irak.

    Wie in der Tabelle ersichtlich wird, sind in jedem Bundesland verschiedene Behörden zuständig, einen Antrag auf Aufhebung einer Ehe an das zuständige Gericht zu stellen. In einigen Bundesländern wie Baden-Württemberg und Bayern ist nur eine Behörde zuständig, in anderensind es viele unterschiedliche, weshalb häufig die Fälle nicht zentral gebündelt werden:In Berlin sind beispielsweiselediglich 3 Fälle von verheirateten Minderjährigen gemeldet, in Bayern wiederum 367.

    Die Tabelle erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit: Viele Bundesländer bündeln die Fälle von Ehen mit Minderjährigen nicht zentral oder führen keine Statistiken, d. h. es kann sein, dass Fälle gemeldet bzw. bearbeitet wurden, die nicht offiziell statistisch erfasst sind. Zudem waren in einigen Bundesländern die Zuständigkeiten behördenintern nicht geklärt, weshalb Informationen nicht leicht zugänglich gemacht werden.

    https://www.frauenrechte.de/images/downloads/ehrgewalt/fruehehen/20190918_TDF-Fruehehen-Aufhebung-Studie.pdf


    Zwei Jahre nach Inkrafttreten ist das Gesetz nicht in der Praxis angekommen: 813 gemeldete Fälle und erst 10 Aufhebungen

    TERRE DES FEMMES warnt: Gesetz zur Bekämpfung von Kinderehen wird bundesweit unzureichend umgesetzt

    Das „Gesetz zur Bekämpfung von Kinderehen“, welches am 22. Juli 2017 in Kraft getreten ist, ist nach einer aktuellen bundesweiten Umfrage von TERRE DES FEMMES – Menschenrechte für die Frau e. V. nicht in allen Bundesländern in der Praxis angekommen.

    Demnach sind bundesweit 813 Fälle von Ehen mit Minderjährigen seit Inkrafttreten des Gesetzes gemeldet worden, in nur 10 Fällen sind die Ehen tatsächlich aufgehoben worden. „Was ein großer Schritt für den Kinder- und vor allem den Mädchenschutz war, kommt durch mangelnde Umsetzung des Gesetzes bei den Betroffenen nicht an“, warnt Christa Stolle, Bundesgeschäftsführerin von TERRE DES FEMMES. „Zudem spiegelt die offiziell gemeldete Anzahl der minderjährig Verheirateten in Deutschland sehr wahrscheinlich die tatsächlich existierende nicht wider.“, so Stolle weiter. „Denn viele der Mädchen trauen sich nicht, Hilfe zu suchen oder sind über ihre Rechte nicht informiert. Und Behörden scheinen hier auch nicht adäquat helfen zu können.“

    Mit Inkrafttreten des Gesetzes zur Bekämpfung von Kinderehen wurde das Mindestheiratsalter in Deutschland auf 18 Jahre ohne Ausnahme festgelegt. Außerdem sind seitdem Ehen mit Minderjährigen aufhebbar (Heirat über 16) oder nichtig (Heirat unter 16 Jahre). Die Ergebnisse der von TERRE DES FEMMES durchgeführten Umfrage (PDF-Datei) zeigen jedoch, dass das Gesetz von den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich umgesetzt wird. So ist in einigen Bundesländern nur eine Behörde zuständig, den Antrag auf Aufhebung einer Ehe mit einer Minderjährigen zu stellen. In anderen gibt es viele unterschiedliche Behörden, so dass Zuständigkeiten häufig unklar sind. In Berlin sind lediglich 3 Fälle von verheirateten Minderjährigen bekannt, in Bayern wiederum 367 Fälle. Weiterhin fehlt in vielen Bundesländern bei MitarbeiterInnen von Behörden und Beratungsstellen ein Wissen über die Verfahrenswege in der Praxis. Es ist zu befürchten, dass viele Ehen gar nicht gemeldet wurden, in anderen Fällen sind Minderjährige inzwischen volljährig geworden und die Verfahren wurden eingestellt. Bei minderjährig verheirateten EU-BürgerInnen wurde häufig die Härtefallregelung angewandt und die Ehe nicht aufgehoben, da eine Aufhebung das Recht auf EU-Freizügigkeit innerhalb der Europäischen Union verletze.

    Forderungen von TERRE DES FEMMES

    TERRE DES FEMMES fordert deshalb mehr Schutz für Betroffene von Frühehen und ruft die Bundesregierung auf, ihre Rechtsaufsicht auszuüben, um sicher zu stellen, dass die Länder die Bundesgesetze auch ausführen. Eine bundesweite Erhebung über die tatsächliche Anzahl von Frühehen sowie Zwangsverheiratung in Deutschland ist dringend notwendig.

    Außerdem muss der § 3 FreizügG/EU derart ergänzt werden, dass das Freizügigkeitsrecht von eingereisten Ehegatten bestehen bleibt, auch wenn die Ehe nach deutschem Recht wegen Minderjährigkeit im Zeitpunkt der Eheschließung unwirksam oder aufgehoben worden ist.

    TERRE DES FEMMES fordert zudem die Bundesländer auf, das „Gesetz zur Bekämpfung von Kinderehen“ adäquat umzusetzen, durch:

    • mehr Transparenz in den Verfahrensabläufen und Zuständigkeiten
    • mehr finanzielle Unterstützung von Fachberatungsstellen und Jugendämtern sowie Präventionsmaßnahmen für betroffene Mädchen und Frauen
    • Schulungen von MitarbeiterInnen von Behörden, Beratungsstellen und Schutzeinrichtungen zur besseren Umsetzung des Gesetzes

    In allen EU-Ländern muss außerdem das Mindestheiratsalter auf 18 Jahre ohne Ausnahme gesetzlich festgelegt werden.

    TERRE DES FEMMES setzt sich durch konkrete Präventionsmaßnahmen in Schulen sowie Sensibilisierung und Schulung von unterschiedlichen Berufsgruppen dafür ein, dass Mädchen und Frauen ein selbstbestimmtes Leben führen und frei entscheiden können. Weiterhin erstellt die Frauenrechtsorganisation Informationsangebote in mehreren Sprachen, die Betroffene über ihre Rechte aufklären. Auf http://www.stopchildmarriage.de können Betroffene in acht verschiedenen Sprachen alle Informationen über das Gesetz zur Bekämpfung von Kinderehen abrufen.

    Stand: 09/2019

    https://www.frauenrechte.de/unsere-arbeit/themen/gewalt-im-namen-der-ehre/aktuelles/4033-terre-des-femmes-warnt-gesetz-zur-bekaempfung-von-kinderehen-wird-bundesweit-unzureichend-umgesetzt


    TERRE DES FEMMES · 18.09.2019

    TDF warnt: Das „Gesetz zur Bekämpfung von Kinderehen“ wird bundesweit unzureichend umgesetzt!

    „Was ein großer Schritt für den Kinder- und vor allem den Mädchenschutz war, kommt durch mangelnde Umsetzung des Gesetzes bei den Betroffenen nicht an“, kritisiert Christa Stolle, Bundesgeschäftsführerin von TERRE DES FEMMES (TDF).
    Die Frauenrechtsorganisation hat mit einer bundesweiten Umfrage bei den für die Umsetzung zuständigen Behörden nachgefragt – etwa zu Zahlen gemeldeter Fälle und Eheaufhebungen. Das Ergebnis: Ein enttäuschend uneinheitliches Bild, das zeigt, dass bei der Umsetzung deutlich nachgebessert werden muss (…)

    #Mädchenschutz
    #Kinderehe
    #Frühehe
    #esistnichtallesrosarot

    _ttps://de-de.facebook.com/terre.des.femmes/posts/3019621474733914?__tn__=-R

  6. Edward von Roy Says:

    [ Bekämpfung von Kinderehen ]

    Der Tagesspiegel 18.09.2019 18:42

    In Berlin hat niemand einen Überblick

    ( Wie viele verheiratete Minderjährige leben in Berlin? Das weiß niemand. Hier gibt es weniger Hilfe als in anderen Bundesländern. Von Ronja Ringelstein )

    (…) Monika Michell ist Referentin bei Terre des Femmes und hat die Umfrage mit erstellt. Hierfür musste sie in Berlin zunächst höchst umständlich herausfinden, wer überhaupt zuständig ist. Im September 2017 habe es von der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie die Auskunft gegeben, dass zunächst vorläufig das Landesjugendamt zuständig sei, sagt sie. Im März 2018 habe es dann auf Nachfrage geheißen, dass sich Änderungen ergeben hätten und die Zuständigkeit doch nicht beim Landesjugendamt liegen werde. Es sei ein Rundschreiben an die Bezirke in Arbeit, um die Zuständigkeit zu klären. Das war acht Monate nach Inkrafttreten des Gesetzes.

    Als klar war, dass die Bezirke zuständig sind, habe Michell die Standesämter angeschrieben und um Auskunft gebeten, ob sie zuständig und wie viele Fälle ihnen bekannt seien. Nur die Standesämter Treptow-Köpenick, Friedrichshain-Kreuzberg, Mitte und Steglitz-Zehlendorf hatten überhaupt geantwortet. Mitte beispielsweise mit der kurzen Antwort, da könne man nur „Fehlanzeige melden“. Bei den anderen hieß es, es seien „konkret keine Fälle“ aufgetreten. Ob nicht doch das Rechtsamt zuständig sei, sei nicht aufgeklärt worden. (…)

    „Es wäre wichtig, dass Berlin eine Handlungsanleitung erlässt, in der klar geregelt ist, was im Falle einer Kinderehe für die Fachstellen zu tun ist“, sagt Michell. Denn schließlich müsse jede Person, die einen solchen Fall bemerke, wissen, an wen sie sich damit wenden kann. (…)

    Auch wenn die Ehefrau mittlerweile volljährig geworden ist, kann die Ehe aufgehoben werden, allerdings kann die inzwischen Volljährige die Ehe auch bestätigen und verheiratet bleiben. Dies sei wohl der Normalfall, sagt Michell. Gerade deshalb sei es wichtig, dass die Fachstellen die Frauen beraten, um zu verhindern, dass diese die Ehe nur aus der Angst heraus, nicht versorgt zu sein, bestätigen. „Die große Aufgabe der Fachstellen wäre, hier Aufklärung darüber zu liefern, welche Anlaufstellen und Unterstützungen es für Frauen gibt“, sagt Michell.

    https://www.tagesspiegel.de/berlin/bekaempfung-von-kinderehen-in-berlin-hat-niemand-einen-ueberblick/25029876.html


    [ Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes zum Problem Kinderehen ]

    General-Anzeiger (Bonn) 18.09.2019 07:38

    Behörden mit Kinderehen überfordert

    (…) Für Myria Böhmecke, Referentin bei Terre des Femmes, wirft die eigene Statistik bereits jetzt ein Schlaglicht auf die Situation. „Die wenigen Aufhebungen von Frühehen bilden nicht die Wirklichkeit ab“, urteilte sie. „In vielen Fällen sind diese Verbindungen keine freien Lebensentscheidungen der Mädchen.“

    Manche litten unter Gewalt durch erwachsene Ehemänner. Dazu kämen Gesundheitsrisiken durch Teenager-Schwangerschaften und fehlende Bildungs- und Berufsperspektiven durch Schulabbruch. Am häufigsten betroffen seien in Deutschland bisher junge Mädchen aus Syrien und Bulgarien, aber auch aus der Türkei, dem Irak und Afghanistan.

    „Wir haben hier ein Problem von streng patriarchalischen Gesellschaften“, sagte Böhmecke. Es gehe ihr nicht allein um Anklage. „Viele deutsche Behörden wissen einfach nicht, wie sie damit umgehen sollen.“ Das Gesetz habe dabei wohl auch nicht geholfen. Es fehle weiter an Wissen, wie es überhaupt umzusetzen sei.

    Für alle Eheleute unter 16, die verheiratet ohne ihre Familie nach Deutschland einreisen, ist seit Sommer 2017 das Jugendamt zuständig. Es muss die Teenager zumindest vorläufig in Obhut nehmen, um eine Kindeswohlgefährdung auszuschließen. Aber auch Ehen ab 16 sollen nach dem Gesetz nur in besonderen Härtefällen wirksam bleiben. „Da wundert uns natürlich die geringe Zahl der bisherigen Ehe-Aufhebungen“, sagte Böhmecke.

    Aus deutschen Behörden ist hinter vorgehaltener Hand zu hören, das sei eine aufgeputschte Debatte (…)

    https://www.general-anzeiger-bonn.de/news/politik/ausland/terre-des-femmes-behoerden-mit-kinderehen-ueberfordert_aid-45907653

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: