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Der türkische Schariati

Februar 10, 2011

انفصالي

infiṣālī

separatistic

sezessionistisch

Religionspolitik als Sezession aus dem Universellen

Zum »Alternative Paradigms. The Impact of Islamic and Western Weltanschauungs on Political Theory« des Ahmet Davutoğlu. Jacques Auvergne übersetzt und kommentiert den an Koran und Scharia orientierten langjährigen außenpolitischen Berater von Recep Tayyip Erdoğan.

Ob der bärtige Schweizer Missionar Nicolas Blancho (1) von der Steinigung redet oder der am französischen IESH ausgebildete bayerische Schariagelehrte Bajrambejamin Idriz vom Islam, sei es auf der Deutschen Islamkonferenz oder im lokalen interreligiösen Dialog, muslimische Religionsführer provozieren den in Ausdünnung befindlichen säkularen Staat kraftvoll im Namen der vor dem ewigen Verderben zu rettenden muslimischen Seele und vor allem im Namen des angeblich so andersartigen Orients.

Mit Orient oder orientalisch ist seit Ali Schariati („Gharbzadeghi“ für „Westitis, Okzidentose“) freilich „anti-westlich“ gemeint oder vielmehr gegenmodern, denn sinngemäß bekennt jeder Schariafreund: Mein Nein zum Okzident ist mein Nein zur AEMR. Koranbasiert glaubensbewegte (islamisch revolutionäre) Szenen vermarkten ihre Kontrastkultur des Hasses auf die Meinungsfreiheit und die Gleichberechtigung der Frau gekonnt als charmanten Jugendprotest oder als einfältig fromme Suche nach den sozialen und seelischen außereuropäischen, sprich medinensischen, Ursprüngen, das Ziel dieser Islampolitiker bleibt, solange es eine freiheitliche Demokratie gibt, das religiös begründete Sonderrecht, die Rechtsspaltung.

Der so genannte Westen dient dabei lediglich als willkommenes Mittel der Erweckung von Schuldgefühlen (die Kreuzzüge, die Kolonialzeit), und dass sich nichtmuslimische Nationalisten und sonstige, oft rechts- oder linksradikale Kritiker der offenen Gesellschaft zunehmend auf dem Gleis des Abendländischen oder des Europäischen zu bewegen beginnen, erleichtert dem Islamischen Revolutionär bekanntlich die Arbeit (2). Wer das famose Abendland verteidigt und nicht die AEMR, wer seine Werte „europäisch“ nennt und nicht universell, baut fleißig mit am Kalifat.

Wissenschaftlichkeit beispielsweise ist nicht westlich oder christlich, schließlich fällt ein angehobener und dann losgelassener Stein in Pjöngjang oder Teheran nicht anders nach unten als in Paris oder Köln. Wir haben die Gleichberechtigung der Atheisten oder Frauen auch unter kurdischen Jesiden oder orthodoxen Hindus durchzusetzen und würden den global denkenden Islamisten durchaus dienen, wenn wir Koranlästerung oder Apostatenmord lediglich als unabendländisch oder unchristlich erklären, zumal Jesus in der Tat noch keine Lizenz zum Töten hatte, weil der Dīn noch nicht vollständig herab gesendet worden war.

Gelebter koranbasierter Glaube (ad-Dīn) ist die Herabsetzung der Frauen, die emotional wie juristisch durchzusetzen ist. Scharialobbyisten wissen: Die am 10.12.1948 mit weltweitem Anspruch aufgestellte Norm der Gleichbehandlung ist religiös begründet zu überwinden, sie werden sagen: Meine Damen und Herren, anders als Hitler und Honecker haben Sie doch nichts gegen Religion?

Zu Beginn der Neunziger Jahre und damit zum Auftakt einer Tätigkeit als Assistenzprofessor an der Islamischen Universität von Malaysia begann der Ahmet Davutoğlu (3) damit, Gedanken zur angeblichen Wesensverschiedenheit von Islam und Okzident zusammenzufassen. Sie wurden 1994 als »Alternative Paradigms. The Impact of Islamic and Western Weltanschauungs on Political Theory« publiziert, wobei der größere Teil seiner philosophischen Gottesbeweise bereits in der 1990 beendeten Doktorarbeit erschienen ist.

Davutoğlu:

1. Lange Zeit waren viele Gelehrte und Politiker davon überzeugt, dass der übliche westliche Lebensstil, Denkstil und Politikbetrieb leicht und rasch von den Muslimen adaptiert werden würde, ohne dass diese ihr Islamisches Glaubens- und Regelsystem abschwächen oder gar aussetzen würden oder müssten. Doch zum allgemeinen Erstaunen begannen gerade diejenigen muslimischen Intellektuellen, die die westlichen Lebensweisen und Theorien besonders gründlich studiert hatten, sich dezidiert zu ihrer persönlichen Einbindung in ihre spirituellen und soziokulturellen Normen des Islam zu bekennen.

Qutb, Maududi, Schariati, Erbakan.

Davutoğlu verschweigt diese vier Namen bewusst, und deutet an, das Verschmähen der AEMR sei eine Art von Naturgesetz. Unhinterfragbar wird die Menschheitsbevölkerung in Nichtmuslime („der Westen“) und Muslime gespalten, in zwei globale Kollektive mithin, die einander auf ewig religiös und kulturell wesensfremd zu bleiben hätten, um nur ja ihre „Wurzeln“ nicht zu verlieren, ihre „Identität“.

In den 1980er Jahren erschienen dann auch die ersten Bücher zum Thema dieses „Islamischen Revivalismus“ (Esposito 1980 und 1983, Mortimer 1982, Pipes 1983).

Der professionelle Schariaverharmloser John Esposito (4) sitzt heute in der rechtsspaltend aktiven United Nations Alliance of Civilizations (AoC), gemeinsam mit Hodschatoleslam Chatami, den der deutsche Wissenschaftsrat (WR) für Sommer 2010 skandalöserweise nach Köln eingeladen hatte (5).

Begriffe wie fundamentalistisch oder radikal, wie sie die Orientalisten so gerne verwenden, um aus der Masse der simplen Muslime diejenigen Gruppen abzuheben, die dezidiert darauf hinarbeiten, eine Islamische Seinsweise, einen Islamischen Way of Life in einem ganzheitlichen, umfassenden gesellschaftlich-politischen Rahmen zu verwirklichen, offenbaren lediglich die Unschärfe und damit Unbrauchbarkeit dieser beiden Begriffe.

Salafismus als Lifestyle klingt für manch einen nichtmuslimischen enthemmten Fremdenfreund alternativ und protestkulturell, exotisch und aufmüpfig. Das Kalifat als Way of Life.

Ahmet Davutoğlu leitet damit über zum wortreich und raffiniert, aber letztlich wenig überzeugenden Darstellen einer „semantischen Kluft“, die den „Westen“ schlicht dazu unfähig belasse, den Islam als Zivilisation auch nur exakt zu beschreiben. Europäern, Nichtmuslimen jedenfalls, fehle das Vokabular und damit das Werkzeug, die Scharia angemessen zu würdigen. Aus dieser sprachlichen Unzulänglichkeit resultiere die Unfähigkeit des wissenschaftlich verhafteten Denkens über die Schönheit und Harmonie der Islamischen Gesellschaftsordnung.

Nichtislam sei ein Herausreißen aus der Harmonie kosmischer Zusammenhänge. Ratio und rational begründete Justiz ist für Davutoğlu damit eine Art von Grausamkeit, allemal eine seelische Kälte.

2. In Wesen und Angelegtheit ist der Islam als eine Weltanschauung zu bezeichnen, die als eine ganz grundsätzliche Alternative zur philosophisch-politischen Tradition des Westens anzusehen ist.

Murad Wilfried Hofmann, zwischen 1987 und 1994 war der Jurist, konvertierte Muslim (1980) und Bundesverdienstkreuzträger (1984) deutscher Botschafter in Algerien und Marokko, wählte das Propagieren des unterdrückerischen und frauenfeindlichen Islam als Alternativkonzept und Kontrastkultur gleich zum Buchtitel: Der Islam als Alternative (6).

Auch Allahs Diplomat zauberte mit dem Trick, dabei Wittgenstein missbrauchend, dass die reale menschliche Erkenntnisfähigkeit, bedingt durch ungenaue oder unzutreffende Wortwahl oder jedenfalls Sprache, allzu oft nicht in der Lage sei, die überlegenen Werte des Islam anzuerkennen.

Dass ein in den USA oder in Europa bereits halbwegs vollumfänglich (Familienrecht, Erbrecht) gelebter originärer Islam den Ausstieg des Muslims aus einem jeden AEMR-basierten Recht bedeutet, sollen die Nichtmuslime, so locken Davutoğlu und Hofmann, also bitteschön sehend „tolerieren“ oder gerne auch übersehen.

Du brauchst nicht so genau hinzuschauen, Demokrat, der Schariafreund sieht für dich. Erkenntnistheoretisch kannst du dich seines empfindsamen Bewertens von Frauenrechten sowieso nicht annähern. Mach es dir nicht so schwer und betrachte Mohammed einfach als den eigentlichen Feministen.

Oder denke anders und behalte deine Gesetze und lass uns Muslime ein „alternatives“ (gesondertes) Recht sprechen. Ohne Zweitfrau und neunjährige Ehefrau laufen wir schließlich in Gefahr, unsere andersartig angelegte kulturelle (islamische) bzw. religiöse (islamische) „Identität“ zu verlieren.

Einerseits begegnen uns simplifizierende Erklärungen der Islamischen Wiederbelebung (Islamic Revival). So meinte Pipes (1983) ernsthaft, dass nur der aktuelle Ölboom für die scheinbar weltweite politische Machtzunahme des Islam ursächlich sei, das Islamic Revival sei damit nichts als ein flimmerndes Phantom, eine optische Täuschung und Fata Morgana. In jedem Fall, so argumentiert Pipes weiter, könne der [aktiv demokratieverweigernde] politische Islam nur von kürzester welthistorischer Dauer sein.

Davutoğlu liegt richtig. Der geschmeidige Schönredner und Leiter des Middle East Forums Daniel Pipes, zu Harvard-Studienzeiten war sein eigener Vater dort Professor, hat vom Islam, den er krampfhaft vom Islamismus abgrenzt, nach Jahrzehnte währender Beobachtung immer noch keine Ahnung oder arbeitet, kapitalismusnah und königlich saudifreundlich, auf ein globalisierungstaugliches Zwei-Nationen-Modell hin, das die AEMR der Scharia im Zweifelsfall höflich nachordnet. Wer die neokonservative Freundschaft zwischen den USA und Saudi-Arabien ebenso verteidigen muss wie diejenige zwischen den USA und Israel, muss wohl genau dort landen, wo Daniel Pipes thront und uns, etwas verbissen, das Märchen vom demokratiefähigen Islam verbreiten.

Herumgereichte Placebo-Islamkritiker gibt es damit nicht nur von politreligiöser („islamistischer“) Seite, man denke an die schariatreue Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi oder die kopftuchlose Kämpferin für den Schleier Emel Zeynelabidin, sondern auch von Kfz- (Abdullahi an-Na’im, sponsored by FORD) bzw. Erdöllobby, reaktionärer Kirchenpolitik (Rowan Williams) sowie von wertkonservativ daherkommenden Türkeiverstehern (Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS)). Das islamwissenschaftlich ausgebildete derzeitige KAS-Mietmaul ist Mathias-Rohe-Schüler Michael Kiefer, einer der mittlerweile zahlreichen einflussreichen Befürworter eines Islamischen Religionsunterrichts an staatlichen Schulen.

2. Ziel dieses Buches ist die Entwicklung einer vergleichenden Analyse zwischen der Westlichen und der Islamischen Politiktheorie und Gesellschaftsbetrachtung. … Die Frage, wie und durch welche Prozesse diese beiden alternativen Gesellschaftskonzepte, jeweils vermittelt durch ein Gefüge von unlösbar tief verankerten Werten, auf die politischen Vorgehensweisen wirken, ist der besondere Schwerpunkt dieses Buches.

Ahmet Davutoğlu ist der Ansicht, dass eine Wertedebatte unter Nichtmuslimen für alle Zeit zu anderen Ergebnissen führen muss als eine innermuslimische. Eine gemeinsame Werteordnung brauche und könne es nicht geben (es sei denn, die islamische).

In Fortsetzung der Kulturpolitik des Wegbereiters der Islamischen Revolution Ali Schariati sind auch für den türkischen Kulturkreistheoretiker und jetzigen Außenminister Schariavolk und westlich Geprägte abhäsiv wie Öl und Wasser, verfeindet wie Hund und Katz.

Es gibt zwei Sorten Mensch. Koranbasierter Kulturrassismus, geeignet, die USA und Europa so zu zerlegen wie den indischen Subkontinent.

Ohne Schariaverweigerer (Nichtmuslime) gibt es keine Muslime, das Höllenfeuer dort braucht schließlich Brennmaterial und der Sittenwächter der Ḥisba auf Erden einen berechtigten Anlass, zuzuschlagen. Islam ist Feindbildbedürftigkeit.

3. Das Problem der Nomenklatur (nomenclature) und des konzeptionellen Rahmens (conceptual framework)

Ihr Nichtmuslime missversteht uns und unseren Islam, eure Übertragung des Begriffes vom Dīn, von der Religion, ist falsch:

Im Zentrum jeder vergleichenden Untersuchung zwischen der Islamischen und der Westlichen Zivilisation begegnet uns das Problem der Nomenklatur, der unterschiedlichen Benennung.

Angesichts der unaussprechlich erhabenen islamischen Pracht ist und bleibt der nichtmuslimische Passant verwirrt. Allahgott als Hütchenspieler bzw. sein türkischer Kalif Davutoğlu bringt, bei Nutzbarmachung der Herren Schleiermacher, Tillich und Husserl, den Abendländern das korrekte Denken bei.

Zum Zwecke der Überwindung der Wissenschaft und der wissenschaftlich fundierten AEMR muss ein zweifaches kontrolliertes Vokabular her, den Dhimmis und den Schariafreunden ihr jeweils eigenes Glossar. Im Glücksfall reicht eine Chiffre gleich für beide Anwendergruppen: „Sichtbarwerdung des Islam“ (Nilüfer Göle), „Verkörperte Alterität im öffentlichen Raum“ (Simonetta Tabboni), „Komplementarität der Religionen“ (Pfr. Dr. Reinhard Kirste), „kulturelle Differenz“ (Barbara John), „Flexibilität der Scharia“ (Ömer Özsoy), „Islam heißt Frieden“ (Zaqzouq, IGD, ZMD, ENFAL, „Familialismus, Virginität“ (Ursula Boos-Nünning), „im Kern friedliche Religion“ (Hans-Gert Pöttering, Horst Köhler) oder „religionsbezogene Wissenschaften“ (Wissenschaftsrat (WR)). Solches lässt man die Dhimmis plappern, während unsere Koranfreunde von Hidschab, Scharia und Kalifat wissen.

In seinem Roman 1984 (verfasst 1946/47, erschienen 1949) nannte George Orwell eine kalkulierte Sprachveränderung durch die politisch Mächtigen Newspeak, Neusprech.

Klares Reden würde Davutoğlus Gejammer über die Begrifflichkeit allerdings rasch als faulen Zauber entlarven. Der Dschihad der Nomenklatur bedarf daher zunächst der Zerstörung der Deutschen (und Französischen und Englischen) Sprache. Wer dann noch klar denkt, wird öffentlichkeitswirksam als Brunnenvergifter etikettiert, der Lächerlichkeit preisgegeben oder solange niedergeschrieen, bis er sich („funktional, tolerant“) anpasst. Als Islamstratege macht man das, bevorzugt, noch nicht einmal selber, sondern lässt nichtmuslimische Liebhaber des Amorphen und Antietatistischen (Sabine Schiffer) bzw. des organisierten Christentums (Rowan Williams, Jean-Louis Tauran) diese Rolle übernehmen oder greift zurück auf bewährt schariatreue echte oder angebliche Nichtmuslime wie Jörg Lau (verheiratet mit Mariam Lau, der Tochter von Bahman Nirumand), Mathias Rohe (Gesellschaft für Arabisches und Islamisches Recht (GAIR)) oder Thorsten Gerald Schneiders (Ehemann von Lamya Kaddor).

7. Auf der anderen Seite waren die muslimischen Gelehrten nicht untätig und versuchten, in Epistemologie und Methodologie, das von Verwestlichung geprägte Selbstverständnis der jeweiligen [orientalischen] Eliten zu überwinden. Die hohe Anzahl an Zeitschriften und Büchern, welche die [zeitlos-korangemäßen] religiösen Wahrheiten gerade angesichts der neuesten technisch-wissenschaftlichen Erfindungen und Erkenntnisse verteidigen, lässt sich sicherlich durch diesen Zugzwang erklären.

Davutoğlu nennt leider keine Namen. Wir dürfen ihm unterstellen, Hamidullah, Maududi, Qutb und Schariati im Sinne zu haben, wenn er von muslimischen Gelehrten (Muslim scholars) spricht.

Das Buch der Bücher muss eine Erklärung für jede neue Entdeckung bieten. Allahs türkischer Außenminister fordert von jedem treuen Muslim die Islamisierung der Wissenschaften. Wer sich ihr in den Weg stellt, ist „verwestlicht“ und damit ein Verräter an Islam und Türkentum.

Wie nebenbei ist die Wissenschaft damit halbiert oder auch verdoppelt worden, ab sofort gibt es eine wahre (islamische) und eine trügerische (nichtislamische) Wissenschaft. In seiner Weisheit schenkt Allahgott den Ungläubigen das falsche Wissen, den Geist des Unglaubens.

11. Grundlegend für den westlichen intellektuellen Diskurs der Nachrenaissance ist die Konstruktion einer Metaphysik, welche die Grenzen der menschlichen Erkenntnisfähigkeit, die letztlich der Sinneswahrnehmung zugänglich sind, nicht verlässt.

Das ist korrekt, seit Voltaire und Sigmund Freud, nach Herder und Hegel allerdings bereits seit Protagóras (keine Gottheit, sondern der Mensch trifft die Entscheidung zwischen den wirklichen und den unwirklichen Dingen) und dem platonischen Sokrátes (das die Mitmenschen überzeugende philosophische Leben couragierter Geistesfreiheit als höchster Sinn, ohne vor religiös argumentierenden irdischen Richtern Angst zu haben), hat sich der forschende menschliche Geist von den das Forschen doch eher behindernden Geistern emanzipiert. Ja, seit Renaissance und Aufklärung, mit den erwähnten griechischen Denkern letztlich seit 24 Jahrhunderten, ist der Teufel arbeitslos und haben die vielleicht noch viel älteren Kobolde und Elfen ihren Anspruch auf gesellschaftliche Rücksichtnahme verloren. Den Koran allerdings umschwirren Engel und Dämonen, jedenfalls meinte Mohammed das allen Ernstes, der in Sachen Jenseitsverwaltung keinen Spaß verstand.

Gegenaufklärer Davutoğlu hat jetzt das Problem, den Nordamerikanern und Europäern zu vermitteln, dass nur eine in Justiz und Wissenschaft integrierte Scharia den Anspruch auf liberale Meinungsvielfalt, Pluralität der Lebensformen und legal garantierte Religionsfreiheit umsetze. Gleichsam mit der Brechstange will Davutoğlu in die für ihn offensichtlich schier unerträglich glatten und sterilen Wände von götterfreier (säkularer) Pädagogik und wissenschaftlich begründetem Recht eine Nische für die Anderswelt stemmen, eine Bresche schlagen für Weltgericht und Schöpfergott.

Was in der kulturellen Moderne allenfalls, und meinetwegen gerne, das Individuum beflügeln und der relativ kleinen jeweiligen Religionsgemeinschaft zum nicht totalen Ritus werden darf, soll dem muslimischen Kollektiv die Verweigerung des nüchternen Denkens sichern und den so genannten Muslim in den „Schutzraum“ von medinensischem Wohlverhalten (Sunna) und angewandter islamischer Rechtslehre (Fiqh) einsperren.

Der koranbasierten und damit prinzipiell gewaltbereiten zweiten Staatlichkeit leistete Kurienkardinal Jean-Louis Tauran mit seinem nachchristlichen „Der Islam bringt Gott zurück nach Europa“ unnötigerweise Hilfestellung. Auch der anglikanische Spitzen-Religionsstratege und Erzbischof Rowan Williams sehnt sich nach der Integration der seelenrettenden Diskriminierung. Die AEMR allerdings muss zum Intermezzo werden, wenn mit kirchlicher Hilfe das islamische Jenseits verstaatlicht werden soll.

13. Agnostische, polytheistische und pantheistische Lehren oder Bruchstücke formten das Amalgam der Seinslehre Platons.

Die mutigeren Griechen jonglierten couragiert mit den allseits bekannten Sprachebenen, eben weil sie die Rache der erzürnten Göttinnen und Götter gar nicht mehr befürchteten. Anaxagóras allerdings erlebte eine, uns Heutigen aus dem Iran bemerkenswert vertraute Reaktion der lokalen Himmelswächter, und wurde angeklagt, der Tatvorwurf lautete Gottlosigkeit. Zwar konnte Periklēs ihn vor der Hinrichtung retten, doch musste der Athener Denker, der die blasphemische Vermutung ausgesprochen hatte, dass der heilige Mond nicht selbst leuchte, sondern das Sonnenlicht reflektiere und dass die als Gottheit verehrte Sonne ein profaner glühender Stein sei und dabei etwas größer als der Peloponnes, den Rest seines Lebens in Verbannung in Lámpsakos (heute türk. Lapseki) verbringen, am Ostufer der Dardanellen. Um 500 v. Chr. hatte Anaxagóras in Klazomenaí (heute Kilizman) an der liberalen ionischen Küste unweit von Smyrna (İzmir) das Licht der Welt erblickt. Luciano De Crescenzo verglich einmal die am Westufer Kleinasiens gelegenen griechischen Kolonistenstädte Ioniens (Ionía) mit dem dynamischen New York bzw. mit der „Neuen Welt“ und Athen mit dem konservativen London.

Bürgerlichkeit (Säkularität) ist erst erreicht worden, als der Einzelne ungeschmälerten Lebenssinn in Liedern wie Der Mai ist gekommen oder Im Frühtau zu Berge finden konnte und nicht ausschließlich in Maria, breit den Mantel aus (katholisch, Innsbruck 1640) oder Ein feste Burg ist unser Gott (evangelisch, Martin Luther wohl vor 1529). Und das heißt ja gar nicht, dass der Bürger diese Lieder nicht jederzeit singen kann, sondern dass er keine Angst davor hat, langfristig bzw. dauerhaft im Höllenfeuer zu brennen, wenn er nächsten Sonntagvormittag in den Gemeindegesang eben nicht mit einstimmt, sondern genüsslich im Wald spazieren geht, wo er zwar nicht die Engel, aber die kleinen Vögel jubilieren hört.

Bereits im Jahr 1910 mag der polnischstämmige deutsche Steinkohlearbeiter mehr Lebensfreude aus Brieftaubenzucht und Schrebergarten bezogen haben als aus dem Rosenkranzgebet, während seinem norddeutschen Zeitgenossen die Lektüre der Heimat- und Naturbeschreibung eines Hermann Löns nicht mehr zwanghaft das sofortige Absingen von Psalmen aufnötigte, um den lauernden Gehörnten fern zu halten. Und trotzdem konnten sich beide als Christen verstehen, eine Weise der säkularen (demokratietauglichen) Religiosität, die unter Muslimen leider noch viel zu selten ist.

Der Wissenschaftsrat (WR) nimmt es anscheinend tolerant in Kauf, dass die minderjährigen „Nichtmuslime“ beim Schulgartenprojekt oder Wandertag (Lernen am Modell; global denken – lokal handeln) an Rüdiger Nehbergs Einsatz für die einstweilen nichtislamisierten Yanomami am oberen Orinoco denken, während ihre auf den Koran zu verpflichtenden Klassenkameraden das Tun der ostafrikanischen Umweltaktivistin Wangari Maathai nur als sinnvoll verstehen können, weil aufgeforstetes Land intensivieren Dienst an Allahgott und Kalifat ermöglicht. Das den Biologieunterricht besuchende Duisburger oder Kölner Dhimmikind darf künftig also bei der Wasserbestimmung am Teich, neugierig wie Maria Sibylla Merian oder Alexander von Humboldt, nach Wasserlinse und Libellenlarve fahnden, während seine sittlich einwandfreie Mitschülerin verschleiert am Tümpel steht und „naturkundlich“ über die Größe Allahs sinniert.

Eine schariatische Arbeitsteilung im Klassenzimmer wäre das durchaus, denn ohne in ausreichender Anzahl in der Ǧahannam (downstairs) verbrennende Menschen ist es in der Ǧanna (upper class) ewiger Nähe zu Allāh nicht angenehm temperiert.

Ewige Fußbodenheizung, sozusagen.

17. Die Umwandlung des Christentums von einer messianischen Religion semitischen Ursprungs zu einem allumfassenden Gemisch von Glaubenssystemen geschah innerhalb des synkretistischen Weltgefühls der Pax Romana.

Was geschichtsbewusste Christen ja gar nicht abstreiten, Priester, Bischof und Papst sind sicherlich ebenso wenig jesuanisch wie Trinitasdogma, Kirchenarchitektonik und Weihnachtsbaum. In der Manier islamischer Revolutionäre wie Āyatollāh Ḫomeinī oder Saiyid Quṭb schmäht Erdoğan-Berater Ahmet Davutoğlu das Christentum als Mischmasch, als verunreinigt. Er versäumt dabei leider, den Islam als Mischwesen aus manichäischem Weltekel, ostafrikanischem Geisterglauben, jüngerer mediterraner Frauenverachtung, orientalischer Tyrannis und antiker Sklavenökonomie zu bezeichnen, die Sunna das reinste Flickwerk zu nennen und Allahgott als den Wolpertinger unter den Schöpfergöttern.

Man kann den nach seinem Verständnis makellos „reinen“ Islam freilich auch anders würdigen, als konsequentestes Theoriegebäude des Hasses auf das Fremde und das Gemischte, als hemmungslosesten religiösen Freibrief auf Sadismus für die kultgläubigen (muslimischen) Männer, als globales Gefängnis für alle Nichtmuslime und Frauen.

47. Wichtigster Grundsatz der theozentrischen Kosmologie des Islam ist der Glaube an den Tauḥīd.

Größtmögliches (Allāh wohlgefälliges, denn er alleine ist akbar) Glück im Diesseits und Jenseits vermag den Menschen, inschallah, alleine der tauḥīd zu garantieren, der Dreierlei ist: Die Unteilbarkeit Allahs, seiner Umma und seines Gesetzes. Wer nach dem tauḥīd ruft, hat damit ebenso sein und dein persönlich bejahtes und gelebtes Schariagesetz (ʿaqīda) gemeint wie das durch eine Elite gesellschaftlich angewandte Schariarecht (fiqh). Ohne energisch erstrebten und durchgesetzten Schariastaat (Kalifat) schließlich ist dein Gerede vom tauḥīd kalter Kaffee, und ob du in Sachen Eingottglaube (at-tauḥīd) zu den Strebsamen (way to Allah) oder den Nachlässigen (way to hell) zu rechnen bist, kannst du gar nicht wissen, sondern beantwortet dir dein Scheich oder Großmufti.

Der negative Aspekt des Tauḥīd meint die Zurückweisung jeder anderen Quelle von Transzendenz oder Herrschaft, während der positive Aspekt den Gehorsam aller Wesen gegenüber dem Fokus des Absoluten bedeutet, gegenüber Allāh. In der allumfassenden Islamischen Weltanschauung (in the holistic Islamic Weltanschauung) ist Tauḥīd der Hauptstrom von der Theorie zur Praxis, vom Glauben zum Leben und vom Ideal zur Realität.

Das [Tauḥīd] zugrunde liegende Verb ist waḥḥada, als ein Einziges erklären, hier also Gott als den Einen und das Eine zu bekennen. Die Wurzel von Islām ist salima, das bedeutet aufgeben, sich ausliefern, sich unterwerfen, gemeint ist, sich bedingungslos der Herrschaft Allahs zu unterwerfen. Derjenige, der sich völlig aufgibt und ganz unter Allahs Willen unterwirft, wird Muslim genannt.

Wörtlich heißt waḥḥada vereinen, vereinheitlichen. Nur der koranische Gott ist Souverän, nichts darf die Größe Allahs schmälern. Konsequent (salafistisch) verstanden kommt die Anwendung menschengemachter Gesetze einem Götzendienst gleich.

60. Die zivilisatorische Aufbauleistung mit [den Werkzeugen von] ʿaqāʾid und uṣūl ad-dīn als den beiden Kodifizierungen des Islamischen Glaubens sowie die Entwicklung des kalām als die theologische Systematisierung standen am [erfolgreichen] Ende der Bestrebungen, den Herausforderungen des sozialen Wandels trotzend, eine korantreu bleibende Ontologie zu reproduzieren.

Als das perfekte Geschöpf gestorben war und, nach 855 n. Chr., als sogar die dritte der rechtschaffenen Generationen die Sozial- und Staatspolitik der umma nicht mehr heilssichernd steuern konnte, begann die Ära der Hadithjongleure (Kodifizierer der prophetischen Legenden) und Sunnavirtuosen (Orthopraktiker, „Salafisten“). Diese Kräfte, einander durchaus antagonistisch, sowie die weiteren Gegenspieler der Mystiker (taṣauwuf, Sufismus) und „islamischen Rationalisten“ (muʿtazila, allahzentrische Ratio; was islamische Vernunft ist, kann der vernünftigsten Handlungsanleitung nicht widersprechen, dem Koran), bestimmen die innerislamische (schariatreue) Debatte bis heute.

Der im Jahre 1111 verstorbene al-Ġazālī verbrachte dann die Meisterleistung, diese vier Zerrkräfte zu bändigen und die letzten Sphären des menschlichen Daseins „zu schariatisieren“, dem Islamischen Gesetz einzuschreiben, Mutaziliten und Sufis allerdings waren als Kulturpädagogen des Kalifats in den gemeinschaftlichen („sunnitischen“) Dienst zu stellen oder zu töten. Ohne Herrschaft gewährende Hadithverwaltung sollte Islam auch unter Schiiten nicht mehr funktionieren.

Kalām ist lediglich schöngeistiger Disput innerhalb der ehernen Banden der Scharia, eine ihren Namen verdienende Theologie kann es im (nicht reformierbaren) Islam nicht geben. Bemerkenswert ehrlich nennt Ahmet Davutoğlu die von dir in deinem Leben zu erwerbende innere (ʿaqīda, pl. ʿaqāʾid) und die auch von dir der Politikwerdung zuzuführende äußere (uṣūlu d-dīn) Sphäre der Scharia die zwei „Kodifizierungen des Islamischen Glaubens“. Und den Nichtmuslimen erzählt man immer noch, die Scharia sei nicht erlernbar und auch nicht nachzulesen. An der Islamic University In Madinah (IU, http://www.iu.edu.sa), der Darul Uloom Deoband (www.darululoom-deoband.com, http://www.darululoom.org.uk) oder am burgundischen IESH (www.iesh.org) wird Scharia, wird Islam, so sorgsam gelehrt und so eifrig gelernt, dass al-Ghazali und sicherlich sogar Mohammed zufrieden sein könnten.

Offenbarung als Bedeutungsvermittlung ist im Islam etwas Fortwährendes, genauer: etwas, von Ādam bis Muḥammad, wiederholt Auftretendes.

Um der verstandesmäßig doch sehr unterbelichteten Menschheit das zur Seelenrettung unabdingliche Lernpensum zu vermitteln, benötigte der fürsorgliche Gott namens Allāh ein Curriculum, das sich über viele Jahrhunderte und viele Propheten erstreckte.

Wer Muḥammad nicht akzeptiert, tut Ādam Unrecht und vergeht sich nicht zuletzt an ʿĪsā bin Mariam, den die Fehlgeleiteten Christus nennen.

Der Medinastaat bleibt der Menschheit das unübertrefflich intensive Laboratorium sittlicher Menschwerdung. Gegen Ausbildungsende gab der höchste Lehrmeister, der unverständliche Gott der Ungleichbehandlung und Willkür, mit Sure 5:3 bekannt:

Heute habe Ich euch eure Religion vervollkommnet und Meinen Dienst an euch vervollständigt und euch den Islam als Religion auferlegt (7).

82. Wertetheoretische Normativität: Einheit von Leben und Gesetz (axiological normativeness: Unity of life and law)

Sittliches Zusammenleben ist angewandtes Gottesgesetz, Staatlichkeit ist realisierte Scharia. Aus Sicht des Absoluten (aus Sicht Allahs) bist du ein Islamisches Paragraphenzeichen.

Grundlegendes Merkmal Islamischer Wertenorm (Islamic axiological normativeness) ist ihre Deutung der Verantwortlichkeit des Menschen auf Erden im Sinne der Einheit von Leben und Gesetz. …

Damit erweist sich das Islamische Verständnis der moralischen Verantwortlichkeit des Menschen als unmittelbar mit seinem seinstheorethischen Standort im Weltganzen verknüpft.

Selbst die Naturgesetze verlassen die schariatischen Bahnen nicht. Dein Denken, dein Handeln, dein Herzschlag ist Scharia. Einerlei, ob du Gehorsam oder Frevel übst, bei Bedarf ist eben dein Gesteinigtwerden oder deine Höllenqual Scharia.

85. Damit kennzeichnen das Islamische Göttliche Gesetz, verglichen mit anderen [von Menschen ersonnenen] Gesetzeswerken, einzigartige Wesensmerkmale.

Genau: Praktische Frauenentwürdigung, Versklavung der Nichtmuslime, göttliche Willkür, Lizenz auf Sadismus. Erregende Lebensangst, hochnäsiger Weltekel und herrschaftliches Sendungsbewusstsein.

Die [gelehrigen] Darstellungen der Ziele der Scharia widerspiegeln die [äußerst] umfassende wertetheoretische Basis des Islamischen Gesetzes.

Menschliches Dasein ist Göttliches Recht. Es gibt kein Entrinnen.

123 Was die politische Legitimation im Islam betrifft, so ist sie, im Gegensatz zur Vorgehensweise des Westens, in ihrer gesellschaftswissenschaftlichen und erkenntnistheoretischen Basis unmittelbar den ureigenen Vorgängern verpflichtet.

Und das sind die Salaf aṣ-Ṣāliḥ, die rechtschaffenen Ahnen. Muslim und Nichtmuslim entstammen zwei unterschiedlichen Bautypen oder Versuchsreihen des Schöpfergottes, der eben nur ein einziges Mal die ungeschmälerte sittliche Seinsweise offenbarte. Jesus etwa durfte noch nicht töten, denn die wahre Religion war noch nicht herangereift.

123 Der Glaube an die Einheit der menschlichen Verantwortung und die Einheit des Lebens entspringt unmittelbar dem Glauben an die transzendentale Einheit Allahs.

Der säkulare Muslim kämpft gegen diese Einheit des Lebens, er tanzt aus der Reihe und ist dementsprechend als unsozial auszurufen und zum koranisch korrekten Handeln zu zwingen. Eine halbierte Scharia würde Allahgott halbieren, angreifen.

123 Der prägnanteste Charakterzug der Islamischen Weise von Legitimation ist sein normativer Charakter.

Glauben heißt gehorchen.

Allahs Faschismus wird vom Schweizer Professor Reinhard Schulze als »iN« etikettiert, verpackt und vertrieben, als »islamische Normativität« (Scharia). Dr. Schulze: „Auch soll erörtert werden, wie die islamische Normativität – der Begriff wurde von Baber Johansen (8) in den 1980er Jahren zunächst eingeführt, um eine passende Übersetzung des arabischen Begriffs sharî’a zu finden – zum „gesatzten Recht“ (sharî’a) wurde und wie das Verhältnis von moralischen Normen und Rechtsnormen gestaltet war. … In diesem Masterseminar geht es um Geltungsansprüche, die mit der islamischen Tradition begründet werden und die den Islam als „normative Ordnung“ definieren. … Schließlich wird es darum gehen, den aktuellen Status der islamischen Normativität in öffentlichen Geltungsansprüchen zu analysieren. Hier wird zu fragen sein, wie das religiöse Selbstverständnis muslimischer Gemeinschaften auf moderne Prinzipien der Normativität wie liberale und demokratische Prinzipien der Rechtstaatlichkeit sowie rationale Standards und theorieüberprüfende Kriterien der empirischen Wissenschaften reagiert.“

Davutoğlus gleich erfolgender Ruf nach dem Kalifat, sein Aufruf zur muslimischen Sezession aus der Universalität von Wissenschaftlichkeit und Menschenrechten, steht in der Tradition von Ḥasan Aḥmad ʿAbd ar-Raḥmān al-Bannā (1906-1949). Seelenrettung statt Vernunft, Scharia statt Gleichberechtigung der Frau. Der Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen (2005, Seite 30) zitiert den Gründer der Muslimbruderschaft:

„Die Ausrüstung des Orients ist Sitte und Glauben; wenn er diese beiden verliert, so verliert er alles, wenn er zu ihnen zurückkehrt, so kehrt alles zu ihm zurück. … Daher werden sich die Führer des Ostens um die Festigung des Geistes und um die Wiedergewinnung seiner verlorenen Moral bemühen, denn dies ist der einzige Weg zu einer echten Renaissance. Diesen Weg aber werden sie nur finden, wenn sie zum Islam zurückkehren und an seiner Lehre festhalten.“

Multikulturelle Europäer werden nervös und möchten so gerne glauben, dass der ihnen irgendwie unangenehme „politische Islam“, gemeint ist der organisierte Islam, eine Art von Überreaktion auf den Kolonialismus oder gar auf den Nationalsozialismus sei. Wer al-Ghazali, al-Dschauzi (Abū al-Faraǧ ibn al-Ǧawzī, 1116-1201) oder Ibn Taimiya (1263-1328) liest, weiß jedoch, dass Ḥasan al-Bannā den Islam völlig richtig verstanden hat.

124 So ist das Kalifat als die ultimative religiös-politische Institution ein in seinem Ursprung ganz und gar Islamisches sozio-politisches Gebilde. … Sir Thomas W. Arnold (The Caliphate (9)) ist zuzustimmen, dass das Kalifat keine Nachahmung irgendeiner bereits bestehenden Zivilisation bzw. politischen Organisation war, sondern der Ausfluss von [selbst] für die Araber völlig unvertrauten Umständen, der jenen Charakter anzunehmen begann, der diesen [zeitlichen und örtlichen] Umständen vollkommen angepasst war. Damit wurde das Kalifat als politische Organisation [durchaus] zum Kind seiner Zeit und verstand sich nicht als ein Wiederaufleben (revival) irgendeiner politischen Institution früherer Epochen. So konnte es im Rahmen der Islamischen Expansion in das ganze Gebiet zwischen Nil und Oxus [zwar] eine [jeweils charakteristische] Institutionalisierung geben, die [gleichwohl] der spezifischen erkenntnistheoretischen und wertebezogenen Dimension [des Islam] verpflichtet blieb.

Allah ist schließlich kein Nachäffer, sondern absolut originell. Folgerichtig hat eine Wiederbesinnung auf Islamische Werte, etwa in der Türkei oder in der Diaspora in Europa, ein „Revival“ des authentischen Kalifats (632-855 n. Chr.) darzustellen. Das Kalifat, einst unabgestanden und unverstaubt, sei erneuert und verjüngt und „an Zeit und Ort“ angepasst.

Islam ist kein Traditionsverein, sondern Salafismus, korantreue Jugendbewegung. Scharia in alter Frische sozusagen, oder, frei nach Karl Marx bzw. Leo Trotzki: Der Islam als permanente Revolution. Ob die Familie des Mordopfers das ewige Blutgeld (diyya) akzeptiert, bleibt im irdischen Kollektiv der Paradiesanwärter damit weiterhin spannend.

Die koranisch verbürgte, religiös getrieben Hände und Köpfe abhackende Säbelklinge bleibt ewig scharf, muss aber nicht unbedingt zum Einsatz kommen inschallah. Alles eine Frage des Einzelfalls.

Kadi und Mufti sind damit auch in Sarajevo (Mustafa Cerić) oder Braunschweig (Muhamed Seyfudin Ciftci) so wenig von Arbeitslosigkeit bedroht, wie es tausend Jahre vor Mohammed die delphische Orakelbeantworterin war, Pythía (10).

125 Heutzutage besteht das grundlegende Problem für die Muslimischen Gesellschaften, vor allem für ihre durch den Westen geprägten Eliten, darin, dass moderne, westliche soziopolitische und sozioökonomische Standards deren [nichtislamische, eben westliche] Werte reproduzieren. Muslime stehen damit vor der entscheidenden Frage, entweder ihre ewigen Werte zu verraten oder der Verfremdung zu widerstehen. Die erste Runde im Kampf mit dieser zivilisatorischen Herausforderung schien ein Sieg der westlich orientierten Eliten dazustellen, aber auf längere Sicht begann sich die geheime Kraft der ewigen Werte als Quelle für jenen Widerstand zu erweisen, den die traditionelle soziopolitische Kultur [des Kalifats] einst aufbaute.

Tunesiens Säkulare oder die türkischen Kemalisten werden als Feinde des „muslimischen“ Volkes dargestellt. Der gottesfürchtige Türke hat Ankaras Elite zu boykottieren.

Der iranische Schriftsteller Jalal Al-e Ahmad (Ǧalāl Āl-e Aḥmad, 1923-1969), Sohn eines schiitischen Klerikers und dem Vernehmen nach in 30. Generation vom Fünften Imam der Zwölfer Schiiten Muḥammad ibn ʿAlī al-Bāqir (681-733 (11)) und damit vom einzigen vollkommenen irdischen Wesen abstammend, warf den Verrätern am Iranisch-Eigenen und Islamisch-Eigenen in einem 1962 illegal erschienenen Buch sinngemäß an den Kopf, westlich infiziert zu sein und an Vergiftung durch den Imperialismus zu leiden sowie an Euromanie (12).

Nach dem Zweiten Weltkrieg noch Kapitalistenhasser und global denkender Kommunist, später Schahgegner in der Nationalen Front (Jebhe Melli) um Mossadegh und zuletzt Mitstreiter an Chomeinis Islamischer Revolution, konnte der Theoretiker der Verweigerung universeller Menschenrechte die angeblich ewige Wesensverschiedenheit von Orient und Okzident immer klarer herausarbeiten und die genannten Vorwürfe im auch von Ali Schariati aufgegriffenen Makel ultimativer Gesinnungslumperei verdichten, der sich als Westitis oder Okzidentose wiedergeben lässt: Gharbzadegi!

Mit dem sadistischen Seitenhieb auf die gescheiterte prowestliche Elite verhöhnt Ahmet Davutoğlu natürlich den ab 1934 als Atatürk bekannten Mustafa Kemal (1881-1938) und seine im heutigen Beamtenbetrieb von Ankara noch tonangebende Anhängerschaft. Politologe Davutoğlu, Absolvent des rein staatlichen Istanbuler Gymnasiums (İstanbul Lisesi (13)), einer durch die deutsche Kultusministerkonferenz anerkannten Deutschen Auslandschule, an dem bereits im Jahr 1914 22 deutsche Lehrer eingestellt worden waren, wirbt für ein weiteres Zurückdrängen der Säkularen in der Türkei, für eine Schariatisierung oder sogar Salafisierung des Landes.

Am 1884 gegründeten İstanbul Lisesi gingen die einstigen türkischen Ministerpräsidenten Mesut Yilmaz und Necmettin Erbakan zur Schule.

151. Seinstheoretisch legitimierte Politik (Ontologically justified political power)

In einem [absoluten] Kontrast zur Westlichen [gesellschaftlichen] Erfahrung beinhaltet die Islamische Tradition eine allumfassende theozentrische Auffassung und Rechtfertigung politischer Macht (a complete theocentric interpretation and justification of political power). …

Diese starke und unmittelbare Verbindung zwischen ontologischer Transzendenz und politischer Macht wurzelt in Koran und Hadith als den beiden Quellen von ʿaqāʾid [(muslimischem Glauben und Schariagehorsam, sg. ʿaqīda)] und fiqh [(geheiligter und heilssichernder Rechtssprechung)].

Eine auf Teufelsabwehr und Seelenrettung verzichtende Politik ist für Ahmet Davutoğlu der „islamischen“ Türkei keinesfalls zuzumuten, der Staat des Modernisierungsdiktators Kemal Atatürk ist demzufolge islamisch umzugestalten, zu „entwestlichen“. Wer als Türke den koranbasierten Staat nicht will, begeht Verrat an der nationalen und religiösen Sache.

152. Die Vorstellung, dass die Gesamtheit von Macht und Autorität allein Allāh zusteht, impliziert zugleich die Zeitbezogenheit und Relativität des jeweiligen irdischen wirtschaftlichen und staatlichen Systems.

Vieles ist islamisch möglich, flunkert Herr Davutoğlu, Kalifat könne alles Mögliche sein. Korrekt ist, dass auch Maududi oder Ayatollah Chomeini, gespielt bescheiden, nur ihr Bestes geben können, da nur Allahgott allmächtig ist. Der Kalif kann also religiös begründet ein wenig Parlamentarismus spielen oder massenhaft morden, das ist letztlich gar nicht so wichtig, da nur das Jenseits zählt und dein Gehorsam dem Islam gegenüber. Um den so genannten Westen zu irritieren und das eigene zu muslimisierende Fußvolk gleich mit, lässt sich die „Zeitbezogenheit und Relativität“ (Davutoğlu) von Ökonomie und Administration auch als Demokratiefreundlichkeit darstellen.

Wie man es halt gerade braucht: Den Radikalen sendet man die Botschaft von der zeitlosen Verpflichtung auf das Kalifat, den Säkularen erzählt man das („auf Zeit und Raum bezogene“) Märchen von der islamischen Toleranz. Allāh ist ausgesprochen anpassungsfähig.

Soweit zu Ahmet Davutoğlu. Der 1959 in Konya geborene zeitweilige Gastdozent an der türkischen Militärakademie spricht fließend Deutsch.

Wenn in Jahrhunderten von einer Höhlendecke ein spitzer Tropfstein gewachsen ist, ein Stalaktit, und sich von Zeit zu Zeit ein einzelner Wassertropfen löst, wird auf einem darunter befindlichen unterirdischen Weiher eine konzentrische Welle entstehen, die uns gleichnishaft für die ideellen, musischen, intellektuellen und politischen, kurz: Für die zivilisatorischen Äußerungen einer Menschengemeinschaft stehe. Uns Universalisten reicht dabei eine Menschheit und entsprechend eine Zivilisation, uns reicht ein gleichnishafter Tropfstein und ein einheitliches und gleich behandelndes Recht. Den Rassisten bzw. Kulturrassisten jedoch und ihrer linksradikalen bzw. wertevergessen-linken Spielart der Multikulturellen ist das nicht genug, sie brauchen einen zweiten Tropfstein, damit die Staatlichkeit und Kultur werdende Welle der exotisierten Anderen auf Dauer einen anderen Mittelpunkt hat und die Bereiche der Wellenkollision durch allgemeines Nichthandeln oder durch islamisches Handeln zu lösen sind.

Der kulturelle und zivilisatorische Impuls der so genannten Muslime stamme schließlich aus einer anderen Sphäre oder Quelle als derjenige der Nichtmuslime, ein gemeinsamer Rechtsrahmen für die deutschen oder europäischen Christen und Muslime sei daher widernatürlich, jedenfalls unmenschlich. Die Rechtsspaltung sei attraktiv und unvermeidlich, sie sei ebenso alternativ wie alternativlos. Das von Ahmet Davutoğlu im Titel verwendete Wort alternativ ist, im Sinne einer Entweder-oder-Entscheidung (lat. alter als der zweite von zweien), eng geführt zu lesen (un choix entre deux possibilités distinctes), wenn wir im Wort alterNATiv nicht gar das lateinische nāscentia, Geburt bzw. nātus est, Geborensein (naître, être né) entdecken wollen. Der Muslim wäre dann der zivilisatorisch Andere, der Andersgeborene, die NPD oder Tariq Ramadan hätten sicherlich nichts dagegen einzuwenden, und die Multikultis lässt man beim Reden von der alternativen Scharia noch ein wenig an Daseinsfreude und Lotterleben der Hippiezeit denken.

Scharialobby, Neonazis und linke Multikultiszene sind sich bemerkenswert einig darin, dass der famose Orient das Recht wenn nicht die Pflicht hat, anders zu sein die angeblich abendländisch verwurzelten Europäer. Imame ermuntern die Christen zur Einhaltung der biblischen Gebote.

Nur in einem säkularen Staat hat oder hätte die Religion frei von ökonomischen und machtpolitischen Interessen sein können, der inzwischen beschworene „eine Gott“ des Dialogs mit dem Islam jedoch ist die ungleich behandelnde Gottheit der Dhimmitude. Jean-Louis Taurans politischer Kultgott ist die Gottheit der Zweitfrau und der Steinigung, der Gott von Hidschab und Dschihad. Der Kurienkardinal und Vorsitzende des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog erleichtert Europas Kopftuchlobby die Arbeit und erschwert Europas muslimischen Säkularen das Leben.

Am 01.05.2009 löste Ahmet Davutoğlu seinen Amtsvorgänger Ali Babacan ab und wurde Außenminister der Türkei. Im Folgejahr traf er zwei Mal, im Januar und im Juli 2010, mit seinem deutschen Amtskollegen Guido Westerwelle zusammen (14).

Solange nichts zur Vermutung Anlass gibt, dass der heutige Davutoğlu von seinem 25 Jahre alten Streben nach Scharia und Kalifat abgerückt ist, dürfen wir sein Konzept der Stratejik Derinlik (Strategic Depth, „Strategische Tiefe“) als Fahrplan ins Kalifat verstehen.

Man sollte Davutoğlu den Said Ramadan Kleinasiens nennen, den türkischen Schariati.

Jacques Auvergne

(1) „Der Neo-Muslim, damals erst 22-jährig, sorgte mit verfassungsfeindlichen Äusserungen für Aufsehen. Die Scharia, liess er verlauten, stehe «im Zweifelsfall» über dem Schweizer Recht. Und was den Dschihad betreffe, den heiligen Krieg für den Islam, so sei er «noch nicht auf dem Niveau», um ihn glaubhaft führen zu können. … Frauen gehörten «von Natur aus» ins Haus, sagte Blancho in der Sendung «Schweiz aktuell». … Zu den Stargästen des Seminars gehörten der deutsche Prediger Pierre Vogel, auch er ein Konvertit, dem zuvor mehrmals die Einreise in die Schweiz verweigert worden war, und Abu Anas alias Mohammed Ciftci. «Allah sagt: ‹Ihr sollt eure Frauen schlagen, wenn sie nicht gehorchen›», mit dieser und ähnlichen Aussagen ist Anas in Internetvideos zu sehen.“, von: Philip Gut, aus: Bin Laden in Biel, in: DIE WELTWOCHE, 07.04.2010.

http://www.weltwoche.ch/index.php?id=538019

Schweizer Hanbalismus (Salafismus) firmiert als Islamischer Zentralrat der Schweiz (IZRS). Abu Ammar Abdullah = Nicolas Blancho. Abu Nusaybah = Abdel Azziz Qaasim = Patric Illi. Oscar Bergamin = Oscar Assadullah Mukhtar Bergamin.

Reto Wissmann: Islamisches Zeltlager am Bielersee, in: DER BUND, 09.06.2010.

http://www.derbund.ch/schweiz/standard/Islamisches-Zeltlager-am-Bielersee/story/23350288/print.html

(2) Nach Auffassung das pakistanischstämmigen Ṣiddīq Ġurūb ist jede Politik werdende Berücksichtigung von Islamgott inklusive Islamteufel, auch der parteibildende Kampf gegen derlei Magie und Barbarei, selber ein Steigbügelhalter des Kalifats, sei es als den Islam großzügig verwendender Nationalismus oder Faschismus oder aber als Kartell panischer Fehlgeleiteter und als, muslimbruderseits hoch erwünschte, verschreckte Schafherde von Dhimmis:

Eine rechte Allianz gegen den Islam? Warum eine jede konservative Partei antiislamischen Selbstverständnisses das Werk der Muslimbruderschaft fördert. Ein Gleichnis von Edward von Roy.

http://jacquesauvergne.wordpress.com/2010/02/06/161/

(3) Ahmet Davutoğlu

http://turkeymacedonia.files.wordpress.com/2010/04/ahmet_davutoglu.jpg

Bei: Turkey Macedonia – Turkish and Macedonian friedship. „This blog is dedicated to the ongoing struggle for human rights in Greece in regards to the recognition of the Turkish and Macedonians minorities that live in the country, who have been for many years denied the right to self identification.“, wo man zu Batı Trakya Birliği Bonn (West-Thrakien, Griechenlands Scharia im Familienrecht mit legaler Kindbraut) in die alte deutsche Bundeshauptstadt verlinkt.

http://www.westtrakien.com/batitrakya/index.html

(4) The Alliance of Civilization (AoC) was established in 2005, at the initiative of the Governments of Spain and Turkey, under the auspices of the United Nations. Prof. John Esposito (United States). H.E. Hojjatoleslam Seyyed Mohammad Khatami (Iran).

http://www.unaoc.org/content/view/160/197/lang,english/

Siegfried Kohlhammer: „Wesentlichen Anteil an Ramadans Erfolg bei den nicht-muslimischen Europäern hat – neben den üblichen Unverdächtigen und Apologeten des Islamismus wie Reinhold Schulze oder John Esposito – die Linke.“, aus: Kohlhammer: Pyromanischer Feuerwehrmann, in: DIE WELT, 20.05.2006.

http://www.welt.de/print-welt/article218074/Pyromanischer_Feuerwehrmann.html

(5) Hodschatoleslam Chatami, darf mit begeisterter Billigung des Wissenschaftsrats (WR) die künftigen deutschen universitären Islamischen Studien weiterhin ebenso kraftvoll beeinflussen wie Ägyptens Schariaminister Zaqzouq: „So hat Professor Mahmoud Zakzouk, Minister für Religiöse Angelegenheiten in Ägypten, angekündigt, bei der „Verwirklichung dieser Pläne (gemeint ist die Einrichtung von Islamischen Studien) mit Rat und Tat mitzuhelfen“. Auch der ehemalige Staatsminister des Iran, Seyed Mohammad Khatami, bewertet unser Vorhaben und unsere Tagung als „sehr wichtig im Sinne einer konstruktiven Zusammenarbeit zwischen der islamischen Welt und dem Westen.“

http://www.wissenschaftsrat.de/download/archiv/Strohschneider_Begruessung.pdf

(6) »Der Islam als Alternative« (Murad Wilfried Hofmann 1992), analysiert von Jacques Auvergne.

http://jacquesauvergne.wordpress.com/2009/10/05/144/

(7) Sure der Tisch, Sūratu l-Māʾida, Sure 5:3. Sahih International übersetzt: This day I have perfected for you your religion and completed My favor upon you and have approved for you Islam as religion.

Muhsin Khan übersetzt: This day, I have perfected your religion for you, completed My Favour upon you, and have chosen for you Islam as your religion.

http://quran.com/5/3

Muhammad Muhsin Khan. Anerkannter Koranübersetzer und renommierter Mediziner (Herzkrankheiten). Lebensweg: Pakistan (Provinz Panjab; Lahore), Großbritannien (Wales), Saudi-Arabien (Taif (aṭ-Ṭāʾif); Medina (al-Madīna al-munawwara, „die erleuchtete Stadt“)).

http://en.wikipedia.org/wiki/Muhammad_Muhsin_Khan

(8) Baber Johansen, Karlsruhe 26.-28.04.2002. Auf dem Rechtspolitischen Kongress der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) hält der gebürtige Berliner Baber Johansen einen so genannten Festvortrag, der dem auf Seelenrettung ausgerichteten Kulturrassismus namens Scharia huldigt („Diesen Prozess der Normenfindung nenne ich die islamische Normativität. … Mit den anderen [ägyptischen] Verfassungsprinzipien müssen die der islamischen Normativität , wie das Gericht ausführt, „eine organische Einheit“ bilden.“). Der offensichtlich sozialdemokratisch verträgliche Karlsruher Vortrag lautete: »Das juristische Erbe des Islams in der Moderne. Offenbarte Normen, staatliche Gesetze und globales Recht«. Zur engagiert realisierten Scharia (iN) wusste der damals in der französischen Hauptstadt lehrende Studienleiter der Hochschule für Sozialwissenschaften im Jahre 2002, der drei Jahre später als Professor für Islamische Religionsstudien an der Divinity School (Harvard, US-MA) zu arbeiten begann:

„Die Juristen des Heiligen Rechts unterscheiden zwischen den Offenbarungsgrundlagen des Rechts, der shari’a, und den juristischen Qualifikationen von Handlungen und Institutionen, die aus diesen Offenbarungsgrundlagen durch menschliche – und daher fehlbare – Anstrengungen abgeleitet sind.

Sie trennen auch zwischen dem Recht als religiöser Norm einerseits und den Regulierungsmassnahmen der politischen Herrscher, die diese als Teil ihrer Leitungs- und Steuerungskompetenz wahrnehmen.

Der Begriff der shari’a verweist also zum einen auf die unfehlbaren Offenbarungsgrundlagen der von den Juristen erarbeiteten islamrechtlichen Normen, zum anderen auf den offenen Prozess mit stets ungewissem Ausgang, in dem aus diesen Offenbarungsreferenzen durch die Vernunftanstrengungen von Juristen Normen zu finden und zu formulieren sind, die dann kontrovers zwischen den Juristen diskutiert werden.

Diesen Prozess der Normenfindung nenne ich die islamische Normativität.

Ich grenze ihn ab gegen die Summe der so gewonnenen Normen und der sie stützenden Argumentationen, die in der Rechtswissenschaft, dem fiqh, von den einzelnen Rechtsschulen rezipiert, dokumentiert und zur Schuldoktrin erhoben wird.

Diese Normen nenne ich die islamrechtlichen Bestimmungen.

Beide sind deutlich abgegrenzt gegen die politischen Regulierungsmassnahmen.

Die Juristen produzieren einen Überschuss an konfligierenden Lehrmeinungen zu jeder Frage und aus diesem Reichtum einander widersprechender Lehrmeinungen wählen die juristischen Autoren und Lehrer die aus, die ihnen am einsichtigsten sind.

Es gibt keine Institution, die in letzter Instanz für alle Juristen entscheiden kann, welche Norm rechtens ist.

Die Autorität der Rechtsnormen bleibt, im Prinzip, an die personale Autorität der Juristen gebunden.

Hier setzt die spezifische Funktion der Rechtsschulen ein: sie wählen Lehrmeinungen aus, deren Autorität im Rahmen der Schule anerkannt wird.

Sie lehren solche Doktrinen und stabilisieren sie durch ihre Weitergabe, so dass die Kontinuität des juristischen Denkens gewährleistet ist.

Sie begrenzen zugleich die Kompetenz des einzelnen Juristen zur freien Rechtsfindung“

http://www.fes.de/rechtspolitischer-kongress/koo/fest-3.htm

Baber Johansen was appointed Professor of Islamic Religious Studies at Harvard Divinity School in 2005. His research and teaching focus on the relationship between religion and law in the classical and the modern Muslim world. He served as Directeur d’Atudes at the Ecole des Hautes Etudes en Sciences Sociales (Centre d’Atude des normes juridiques), Paris (1995-2005), and Professor for Islamic Studies at the Freie Universitat Berlin (1972-1995). In 2006 he was appointed Affiliated Professor at Harvard Law School and Acting Director of its Islamic Legal Studies Program for 2006 to 2010. In 2007 he was affiliated with the Department of Near Eastern Languages and Civilizations.

http://fora.tv/speaker/9597/Baber_Johansen

Schariaverharmloser Reinhard Schulze und die totalitäre iN (islamische Normativität), Kurs W6224, 17.9.2009 – 17.12.2009, 8:00 – 10:00, Falkenplatz 11, Bern, Schweiz

http://evub.unibe.ch/pievub/?KursID=3475026&KursNr=W6224&UeberschriftID=504035&page=detail

(9) Thomas W. Arnold, The Caliphate (London 1924)

http://www.scribd.com/doc/27709844/The-Caliphate-Sir-Thomas-Arnold

(10) Rechtleitung, noch schariafrei, verschafft uns Pythía (Πυθία), die seherische Priesterin zu Delphi. Priestess of Delphi (1891), Öl auf Leinwand 160 x 80 cm, Gemälde von John Collier (1850–1934)

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/25/Collier-priestess_of_Delphi.jpg

Fatwa-Vorläufer, noch dem Rätselhaften verhaftet. Was kommt morgen, Karrieresprung oder Karriereknick? Göttin Themis, zeitweise Chefin am delphischen Orakel, klärt den Aigeus auf. Attische Kýlix (κύλιξ, vgl. lat. Calix; Kelch), rotfigurig, um 435 vor Christus.

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/7/79/Themis_Aigeus_Antikensammlung_Berlin_F2538.jpg

The Pythia (1917), Jacek Malczewski (1854-1929), Öl / Lwd.

http://www.mlahanas.de/Greeks/images/PythiaMalczewski.jpg

(11) Muhammad al-Baqir, der Fünfte Imam

http://en.wikipedia.org/wiki/Muhammad_al-Baqir

(12) JALAL AL-I AHMAD: OCCIDENTOSIS: A Plague From the West. Translated by R. Campbell, Annotations and Introduction by Hamid Algar. Zu Gharbzadaghi (Westitis, Occidentosis) 26 Treffer.

http://multiworldindia.org/wp-content/uploads/2010/05/occidentosis.pdf

Hamid Algar, der schariafreundliche Professor aus dem kalifornischen Berkeley. Mit Begeisterung übersetzte der Islamkonvertit die Schriften Ayatollah Chomeinis ins Englische: „One person who had heard of the concept of velayat-e faqih was Hamid Algar, the man who had translated Khomeini’s lectures on the subject into English. When Algar, a British-born convert-to-Islam and Khomeini supporter”, aus: Elmer Swenson: »What Happens When Islamists Take Power? The Case of Iran«

http://gemsofislamism.tripod.com/khomeini_promises_kept.html

(13) İstanbul Lisesi – Türkocağı Caddesi No: 4 Cağaloğlu / İstanbul

http://www.istanbullisesi.k12.tr/

Noch fühlt man sich Atatürk verpflichtet

http://www.istanbullisesi.k12.tr/#PageID259

Ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr wünscht die Deutsche Abteilung des Istanbul Lisesi allen Leserinnen und Lesern unserer Website.

http://www.istanbullisesi.net/

(14) Rheinische Post, 07.01.2010. „Am Abend wurde er in Istanbul erwartet, wo am Freitagmorgen Gespräche mit dem Staatsminister für Europa, Egemen Bagis, sowie mit dem griechisch-orthodoxen ökumenischen Patriarchen Bartholomäus I. geplant sind. Am Nachmittag reist er weiter in die Golfstaaten. Begleitet wird der Außenminister von deutschen Wirtschaftsvertretern.“

http://www.rp-online.de/politik/deutschland/Westerwelle-schuert-EU-Hoffnung_aid_803849.html

NZZ, 28.07.2010. Westerwelle trifft mit seinem türkischen Amtskollegen Ahmet Davutoglu zusammen

http://www.nzz.ch/westerwelle_trifft_mit_seinem_tuerkischen_amtskollegen_ahmet_davutoglu_zusammen_1.6956146.html

DER WESTEN, 28.07.2010. Daniel Freudenreich: Westerwelle demonstriert Schulterschluss mit der Türkei

http://www.derwesten.de/nachrichten/politik/Westerwelle-demonstriert-Schulterschluss-mit-der-Tuerkei-id3297291.html