Posts Tagged ‘arrangierte Ehe’

Sozialpädagogen fordern Rücktritt der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration Aydan Özoğuz

November 7, 2016

„Ein pauschales Verbot von Ehen von Minderjährigen ist zwar vielleicht gut gemeint, kann aber im Einzelfall junge Frauen ins soziale Abseits drängen“, sagt die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration. Aydan Özoğuz übergeht, dass Kinderehen nicht nur im Einzelfall, sondern stets menschenrechtswidrig und grundrechtswidrig sind und trägt so zum Erhalt dieser kinderfeindlichen und erfahrungsgemäß insbesondere mädchenfeindlichen Praxis bei.

Ein Minderjähriger kann die lebenslangen Folgen, die sich aus einer Ehe mit einem Erwachsenen für ihn ergeben, nicht abschätzen, weshalb nur zwei volljährige Menschen einander heiraten dürfen. Volljährig bedeutet achtzehn Jahre alt. Ehen mit zehn- oder zwölfjährigen Mädchen sind Kindesmissbrauch, das ist Fakt und da gibt es nichts schönzureden.

Durch ein Gesetz ist diese Altersgrenze für Ehemündigkeit zu sichern. Entsprechend ist die bestehende deutsche Ausnahmeregelung, bei der ein Ehepartner bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen sechzehn oder siebzehn Jahre jung sein kann, abzuschaffen.

Keine Ehe unter achtzehn, dieser Grundsatz muss auch für religiöse Eheschließungen gelten wie die islamische Imam-Nikah. Nach islamischem Recht, also nach der Scharia, ist ein pubertäres, gegebenenfalls neun Jahre altes Mädchen ehemündig.

Diese dem Vorbild der Heirat Mohammeds mit Aischa folgenden Kinderehen sehen wir seit Jahrzehnten auch in Europa und eben nicht erst seit der Ankunft der syrischen Flüchtlinge. Frau Özoğuz als Staatsministerin für Integration schweigt zur Frauenfeindlichkeit und auch Mädchenfeindlichkeit der islamischen Ehe. Sie ignoriert, dass vormoderne Ehrbegriffe und ausbleibender Schulbesuch die Integration und Teilhabe blockieren und ins „soziale Abseits drängen“.

Im Ausland geschlossene Ehen, auch religiöse, müssen auf Antrag eines Partners oder auf Antrag des Jugendamts aufgelöst werden können. Dass Deutschland vor sieben Jahren ermöglicht hat, religiös zu heiraten ohne standesamtliche Voraustrauung, war grundfalsch und ist fatal, wie spätestens heute für jeden erkennbar wird.

Integration kann nur gelingen bei Wiedereinführung der standesamtlichen Ersttrauung. Eine religiöse Trauung, etwa auch eine islamische Ehe, die sogenannte Imam-Nikah, ohne vorausgegangene standesamtliche Heirat ist keine Ordnungswidrigkeit, sondern ein Straftatbestand.

Zehn oder zwölf Jahre alte Mädchen zu verheiraten hat sehr viel mit dem Islam zu tun. Deshalb braucht die Bundesrepublik Deutschland in der universitären Ausbildung der Imame ebenso wie in der Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer für den bekennenden Islamischen Religionsunterricht ein Verbot der Bewerbung einer Imam-Ehe ohne standesamtliche Voraustrauung.

Bis die Fehlentscheidung von 2009 korrigiert ist, darf im öffentlichen Schulunterricht für die Imamehe keine Werbung gemacht werden, auch nicht im bekennenden Islamischen Religionsunterricht.

Es ist ein Skandal, dass nach wie vor in Griechenland der Mufti kleine Mädchen verheiraten darf. Der Deutsche Bundestag muss den EU-Staat auffordern, die seit 1920, seit dem Vertrag von Sèvres, beziehungsweise 1923, seit dem Vertrag von Lausanne, ins Griechische Recht integrierte Scharia zu entfernen.

Ein moderner Staat braucht ein einheitliches Ehe- und Familienrecht ohne religiöse Ausnahmen oder sonstige Gruppenrechte. Der frauendiskriminierende und kinderfeindliche Versuch der Rechtsspaltung in Ehe- und Familienangelegenheiten („Wege zu finden, wie muslimisches Recht für Personenstandsangelegenheiten, wie z. B. Familienrecht, anerkannt werden kann“, Mustafa Cerić (2006)) ist das Einfallstor für immer noch mehr Schariagesetze.

Die Bundesrepublik hat ins Grundgesetz und in die AEMR zu integrieren und gerade nicht in die Scharia oder die Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam. Gleichzeitig muss die BRD die Mädchen und Frauen überall auf der Welt im Blick haben, siehe GG Artikel 1 (2) „Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt“.

Nicht nur der Bundesminister der Justiz Heiko Maas, sondern auch eine Beauftragte oder ein Beauftragter für Migration, Flüchtlinge und Integration sollte dafür kämpfen, das ausnahmslose Heiratsalter von 18 Jahren für Deutschland rasch zu erreichen und zeitnah weltweit durchzusetzen, denn unsere Menschenrechte sind nicht westlich oder östlich, sondern universell.

Frau Özoğuz ist in ihrem Amt nicht länger tragbar und muss zurücktreten.

Gabi Schmidt, Sozialpädagogin

Edward von Roy, Diplom-Sozialpädagoge (FH)

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Wege zum Miteinander. Berlin 2005

Oktober 18, 2009

شَرِيعَة

šarīʿa

Allahs diskriminierendes Gesetz

»Wege zum Miteinander« … ins Kalifat

Die Umwege und Querverbindungen der Islamisierung Deutschlands, nachgegangen von Jacques Auvergne

Die Lobby der Scharia ist auf den Segen hochrangiger Gutmenschen einigermaßen angewiesen. Schrille Pazifisten mit juristischem Abschluss und bis zum Brechreiz tolerante Atheistinnen mit Hochschulprofessur („Sozialraumorientierte Soziale Arbeit“) wirken besonders unverdächtig. Straßburger will die arrangierte Ehe als gleichberechtigte Lebensform (vgl. Text 146.). Das kommt dem nach seinem Verständnis allein heilsbringenden misogynen Unterwerfungskult namens Islam gerade recht.

Deutschland 2005. Lustvoll ergriffen vom segregierenden »Miteinander« zelebriert Berlin den Ausstieg aus der selbst verschuldeten Mündigkeit. Zwei Atheisten überschreiten und verhöhnen die für alle, auch für Frauen, Ex-Muslime oder Noch-nie-Muslime geltenden Menschenrechte und werben für mehr kulturellen Pluralismus. Zwei Dhimmis oder vielmehr Harbis segnen die schariakonforme Sache ab, pro-Kopftuch-Rechtsanwalt Ströbele und pro-Tochtertausch-Professorin Straßburger treffen sich mit den Freunden der Muslimbruderschaft.

Gaby Straßburger, deren verhängnisvollen Einfluss auf die deutsche Sozialarbeit und Pädagogik in Text Nummer 146. des Weblog Sägefisch beleuchtet wurde, schreckte vor vier Jahren nicht davor zurück, auf der 11. Islamwoche Berlin (15.-21. August 2005) gemeinsam mit dem Islamisten Murad Wilfried Hofmann (17.08.2005) aufzutreten.

Die drei der Muslimbruderschaft nicht allzu fernstehenden Veranstalter von »Wege zum Miteinander« waren IBMUS, der ZDM und der Islamrat. IBMUS bedeutet Initiative Berliner Muslime und umfasst neben dem radikalislamischen INSSAN e. V. die unten genannten Organisationen DMK-Berlin, IZDB, MJD sowie das Islamski Kulturni Centar Bošnjaka u Berlinu (ICK-Berlin, Islamisches Kulturzentrum der Bosniaken in Berlin e. V.), außerdem den Berliner Verein Islami Tahrik Berlin e.V. / Bilal-Moschee (Drontheimer Str. 16) und das als gemeinnützig anerkannte Islamische Kultur- u. Erziehungszentrum. Islami Tahrik Berlin (Bilal-Moschee) verlinkt zum Rat der Imame und Gelehrten in Deutschland (RIGD, http://www.rigd.de), Eichenstraße 41, Frankfurt. In der Eichenstraße 41, so belehrt uns justitia-et-pax.de (Geschäftsstelle Kaiserstr. 161, 53113 Bonn), nistete einst das Islamische Konzil / Islamisches Zentrum Frankfurt, die Muslimische Studentenvereinigung (MSV / M.S.V.) und die Föderation der Islamischen Organisationen in Europa (FIOE), mehr Muslimbruderschaft geht nicht. Ebenso wie islamkennenlernen.de (IIS Moschee Frankfurt, Mainzer Landstraße 120) verwendet auch die RIGD die E-Mail said.boutizla@rigd.de, was nicht auf jenen Herrn Said Boutizla hinweisen muss, der am 12.11.2009 um 19:30 Uhr im Gemeindhaus von Sankt Josef, Rhaban-Fröhlich-Straße 18 in 60433 Frankfurt, mit einem Christen, einer Jüdin und einer Hinduistin zu »Weltsprache Beten« sinnieren wird (1).

RIGD-Präsident ist Dr. Khaled Hanafi beziehungsweise Dr. Khaled M. Hanafy. Hanafi bzw. Hanafy ist Assistenzprofessor für Grundlagen des islamischen Rechts (Fiqh) der Kairoer al-Azhar und lässt sich bei der Islamischen Gemeinschaft in Deutschland (IGD) als Scharia-Rechtsberater empfehlen, ferner ist Hanafi / Hanafy Lektor der Rechtsschulen und der islamischen Rechtsentwicklung (wir sollten besser sagen Unrechtsstillstand) am Institut Européen des Sciences Humaines in Paris (IESH Paris, Hauptstadtvertretung von IESH Château-Chinon), gehört also zum Umfeld der Muslimbruderschaft, was bei »IGD« wenig erstaunt (2).

Bei Justitia et Pax kennt man die Eichenstraße 41, Frankfurt am Main (3).

Für Ströbele und Straßburger kein Problem: Islamische Gemeinschaft in Berlin e. V. / al-Nur-Moschee, Haberstrasse 3, 12054 Berlin (4).

Am 15.07.2009 veröffentlichte der RIGD eine Pressemitteilung zum Tod der im Dresdener Gerichtsgebäude ermordeten Marwa el-Sherbini, wie wir bei IGD-online.de (IGD) lesen können, auf der selben Seite kondolieren Schariafreund Jürgen Micksch vom Interkulturellen Rat, die linksextreme Antietatistin Sabine Schiffer, der glitschige Ibrahim el-Zayat (IGD) und darf Eröl Pürlü (VIKZ, derzeit auch KRM) ein Ende der Angriffe in Gaza fordern (5). Wer die Situation im Gaza-Streifen Anfang 2009 und Ende 2008 verstehen will, lese besser »Same Old Song«. Lizas Welt, 21.12.2008 (6).

Die kluge und mutige Güner Y. Balci schreibt über die Berliner al-Nur-Moschee: ’Hier wird ein Islam propagiert, der sich auf die Salafiyya-Bewegung stützt, … der sich extrem fromm und buchstabengetreu am Koran und der Scharia orientiert, also auch den Alltag kanonisch regelt, ein für allemal. Neuerungen sind verboten (7).’

Thema beim Gaby-Straßburger-Schariadialog 2005 waren Tschetschenien, Optionale arrangierte Ehe, 10 Jahre Massaker von Srebrenica, Einführung in den Islam, die Palästinenser.

Lieblich sang der Kinderchor der Islamischen Grundschule Berlin. Diese Bildungsanstalt gehört zur Milli-Görüs-nahen Islamischen Föderation Berlin und beschäftigt bis zu sechzehn Kopftuchlehrerinnen, verschleiert kleine Mädchen, ist oder war Arbeitsort von Deutschlands berühmtester Kopftuchklägerin Fereshta Ludin und ex-Arbeitsort der heute ’so was von kopftuchlosen’ Emel Abidin Algan genannt Emel Zeynelabidin, Tochter des ranghohen Muslimbruders Dr. Yusuf Zeynel Abidin. Lustige Mädchenfrisuren in der Boppstraße 4? Mädchen und Jungen sind in der Scharia einander wesensfremd, Jungen dürfen nackte Haare haben, Mädchen nicht (8).

Unschuldige tchetschenische und palästinensische Volkstänze durften beim Gaby-Straßburger-Theorieseminar für Tochtertausch ebensowenig fehlen wie der friedensbewegte Unschuldsengel und GRÜNEN-Politiker Ströbele. Mittendrin ließ man Frau Dr. phil. Dipl.-Sozialpädagogin (FH) Dipl.-Orientalistin Straßburger für die arrangierte Ehe werben, damit auch in der Bundesrepublik der Wali Mudschbir juristisch durchgesetzt werden kann sprich ein wichtiges Stück Sexualpolitik (Scharia).

Die Professorin an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin moderierte die sich an ihren barbarisch-gegenmodern ausgerichteten Vortrag ‘Arrangierte Ehe als freie Partnerwahl’ folgende Podiumsdiskussion gemeinsam mit dem Berliner Imam Aly Abdelwahab und Fatima Grimm (Hamburg; siehe unten).

Am selben Tag referierte die postmodern-stammeskulturelle Schülerin von Ursula Boos-Nünning zu »Zukunftsprojekt Familie«, das sie ebenfalls im Anschluss und mit Fatima Grimm moderierte.

Gaby Straßburger findet sich also gelehrt plappernd mitten im Freundeskreis der Muslimbruderschaft. Für sie ist das »Sozialraumorientierte Soziale Arbeit«, erfahrene Unternehmer sprechen vom Standortnachteil Schariarecht, Menschenrechtler sagen dazu Barbarei. Näheres zu den Teilnehmern:

Murad Wilfried Hofmann hält die Fäden zusammen und wird in eher völlig unterschiedlichen Kreisen als Tanzsportfachmann, politisch tätiger Islamist und deutscher Ex-Botschafter verehrt. Das Kalifat hält der weltweit gelesene Islam-Ideologe der säkularen Republik für sittlich überlegen. Für die Freundin der Stammeskultur Gaby Straßburger (»Heiratsverhalten und Partnerwahl im Einwanderungskontext«) ist Hofmann vielleicht ein gebildeter, lebenserfahrener und glaubensstarker Ruheständler, beide verbindet der Lobgesang auf den Tochtertausch.

Andy Abbas Schulz ist stellvertretender Vorsitzender der anhand der kulturrassistischen und frauenentrechtenden Scharia ‘mystisch erleuchteten’ Lichtjugend. Die an Bediüzzaman Said Nursi ausgerichtete Lichtjugend bietet Berlins Lehrerzimmern ihre Hilfe bei gewalthaften Schulkonflikten und unerreichbaren muslimisch sozialisierten Schülern an. Was ein wenig nach Erpressung klingen mag, jetzt müssen die Bengel nur genügend randalieren, dann gibt`s Besänftigung und Scharia-Seelsorge vom Lichtjugendvorbeter. Neo-islamische Arbeitsteilung, eine Schwadron Unruhestifter (Randalierer), eine Abteilung Friedenmachen (Islampädagogen)? Hoffentlich schmeißen Berlins Schulleiter die Lichtjugend achtkantig vom Gelände (9), (10).

Maha Abdelwahab sprach am 15. August 2005 zu Einführung in den Islam. Die 1977 in Berlin geborene Tochter ägyptischer Einwanderer trägt strengen Hidschab (al-ḥiǧāb, verharmlosend Kopftuch genannt), machte 1996 Abitur und nahm das Studium der Medizin auf. Abdelwahab war Vorstandsmitglied der Muslimischen Jugend in Deutschland e. V. (MJD). Die MJD ist Mitglied im Forum of European Muslim Youth and Student Organizations (FEMYSO, erster Präsident war Ibrahim el-Zayat) und nach eigenem Bekunden dem Fatwa-Rat ECFR (Chef ist Yūsuf al-Qaraḍāwī) treu ergeben, womit wir sie zum Umfeld des europäischen Flügels der radikalislamischen Muslimbruderschaft zu rechnen haben. Im Nordrhein-Westfalen des Jahres 2009 stört es beiden Organisationen Katholische Landesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz NW e.V. und Landesarbeitsgemeinschaft Katholische Offene Kinder und Jugendarbeit NRW nicht, mit einem Verein wie der MJD zusammenzuarbeiten (»Projekt Dialogbereit«), dem der Berliner Verfassungsschutz 2004 bedenkliche Nähe zu islamistischen Kreisen unterstellte. Bereits 2002 stellte die im interreligiösen Dialog bemühte Katholische Junge Gemeinde (KJG) „Maha Abdelwahab von der Muslimischen Jugend Deutschland“ vor.

Durch uns verantwortungsvoller denkende und handelnde Eltern beziehungsweise Pädagogen sollten die beiden Organisationen Katholische Landesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz NW e.V. und Landesarbeitsgemeinschaft Katholische Offene Kinder und Jugendarbeit NRW solange nach Kräften boykottiert werden, wie deren Zusammenarbeit mit der MJD besteht (11), (12).

Prof. Dr. Abdulgabar Salama, zwei Vorträge am Freitag (19.08.2005) ‘Zeichen islamischen Erbes in Europa’ sowie ‘Muslime – Chancen für Europa?’ Dr. Salama ist Internist und Arzt für Transfusionsmedizin

Sigrid Klaus-Salama, las aus einem Wettbewerb (»Islamour«) hervorgegangene ‘Islamische Heiratsgeschichten’. Klaus-Salama wurde 1949 als viertes Kind eines evangelischen Pfarrers im hessischen Wartenberg geboren. Die verheiratete Berliner Lehrerin hat drei Kinder und ist aktiv im Deutschsprachigen Muslim-Kreis Berlin e.V (DMK-Berlin, Drontheimerstraße 16, Berlin-Wedding). DMK-Berlin: ’Alle Menschen sind vor Allah gleich, ungeachtet ihres Geschlechtes, ihrer Hautfarbe, Herkunft, sozialen Status oder Bildung. Das einzige wodurch die Menschen sich vor Allah unterscheiden ist die Gottesehrfurcht (Taqwa).’, sollte der Berliner Gemeinschaft die Hölle abgeschafft haben und das für die muslimische Tochter geltende Heiratsverbot mit einem Nichtmuslim gleich mit oder ist das alles eine Frage der Gottesfurcht? Ist Kopftuchpflicht und Wali Mudschbir auch Taqwa (13), (14)?

Prof. Dr. Werner Schiffauer von der Uni Viadrina verteidigt den obszönen Hidschab (heilige islamische Sexualpolitik), der Ethnologe WILL das Kopftuch an JEDER deutschen Schule durchsetzen: ‘[Das Kopftuch] Es ist Ausdruck einer religiösen Grundüberzeugung und ein individualistischer Wert. Man kann mit dieser Sichtweise auch eine Konfliktlinie aus der Debatte herausnehmen. Das Kopftuch wird entdramatisiert. Wir müssen mehr Gelassenheit üben … Dies würde den Konflikt entschärfen.’ Ob das Kopftuch von seltsamen Zeitgenossen nicht irgendwie mit Zwang assoziiert wird? Schiffauer: ‘Möglich. Trotzdem würde ich gerne wegkommen von dieser aufgeladenen Debatte (15).’

Herr Giyasettin Sayan (PdS). Der Diplom-Betriebswirt (FH) und migrationspolitische Sprecher wechselte von der Partei DER GRÜNEN her zu DEN LINKEN. Leidvoll erfahren ist der im osttürkischen Hasköy (kurdisch: Dêrxas) geborene Politiker, was die Jahrtausende alte patriarchale Macht und Bewegungslosigkeit der kurdischen Stämme und Clans betrifft, die sich in Berlin eine parallele Welt aufgebaut haben. Sayan setzt sich für mehr Frauenrechte ein. Der erwähnte Kulturrelativist Dr. Werner Schiffauer („Für eine kluge Politik der Differenz“) streitet ab, dass jemals vormoderne, gar islamisch veredelte vormoderne Stammeskultur in die deutsche Hauptstadt eingewandert sei. Insofern ist der multikulturelle (schariafreundliche) Ethnologe Gegenspieler des Orientkenners und kurdischstämmigen Politikers.

Werner Schiffauer ist nach 2005 folgerichtig weiter geschritten, hat 2008 und 2009 die für uns extremistische, für ihn „nach-islamistische“ Milli Görüş mit dem Glanzlack der Demokratiefähigkeit überpinselt und feiert bereits jetzt die Buchwerdung dieses „differenzierten“ Ergebnisses als »Nach dem Islamismus: Eine Ethnographie der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs« (demnächst bei Suhrkamp für Euro 16,80). Das noch nicht erschienene Buch wird von Cornelia Spohn angepriesen.

Spohn ist diplomierte Pädagogin und Supervisorin (DGSv), lehrte mehrere Jahre lang im türkischen Istanbul und leitet seit 1998 den Verband binationaler Familien und Partnerschaften (iaf e.V.). Gemeinsam mit Marieluise Beck, Ursula Boos-Nünning, Havva Engin, Barbara John, Yasemin Karakaşoğlu, Coletta Manemann, Birgit Rommelspacher, Claudia Roth, Rosi Wolf-Almanasreh de C. Esteves und anderen, insgesamt 72 Frauen (zweiundsiebzig Paradiesjungfrauen?) unterzeichnete auch Cornelia Spohn am 01.12.2003 das unter dem Motto »Religiöse Vielfalt statt Zwangsemanzipation!“ stehende Maifest »Aufruf wider eine Lex Kopftuch«. Die Verteidigerinnen des die Menschheit in gereinigt und besudelt zerlegenden Textilsignals namens al-ḥiǧāb appellieren etwas trickreich „an Politik und Gesellschaft, die Gleichstellung von muslimischen Mädchen und Frauen nicht am Nein zum Kopftuch fest zu machen (16), (17).“

Sayan versucht, gemeinsam mit dem Imam der einzigen kurdischen Moschee Berlins die archaischen Großfamilien zu einer geringeren Form der Frauenunterdrückung zu überreden. Ob ein der Scharia verpflichteter Geistlicher dabei der richtige ist? Jedenfalls genießt der islamkorrekt flunkernde Imam (Abdurrahman Tarhan: ‘Im Islam hat die Frau in der Theorie und im Prinzip gleiche Rechte wie der Mann’) bei Berlins ungefähr 45.000 Kurden hohe Autorität. Interessanterweise heißt sein Berliner Sakralgebäude Selahaddin-Eyyubi-Moschee, nennt sich also nach Ṣalāḥ ad-Dīn Yūsuf bin Aiyūb deutsch Saladin. Der hochmittelalterliche islamische Herrscher kurdischer Abkunft ließ den ärmeren Teil der Christen Jerusalems im Oktober 1187 in Ketten legen und versklaven, nachdem er drei Monate eher alle Ordensritter (bis auf einen, sehr noble Geste) umbringen ließ und die Soldaten dem islamrechtlich einwandfreien Sklavenmarkt zuführte.

Nicht weniger interessant ist, dass heute und im selben Berliner Haus ein gewisser Cem Özdemir wohnt, der seit vielen Jahren über die grundrechtsgefährdende Kopftuchproblematik Witze reißt (’Kopftuch? Ich persönlich trage keins’) und das seit Jahrzehnten verbotene Schülerinnenkopftuch in der Türkei wiedereinführen will. Der Bundesvorsitzende von Bündnis 90/DIE GRÜNEN, der 2009 die Solar-Dachanlage des ehedem der Milli-Görüş nahe stehenden Islamischen Forums Penzberg (um Benjamin Idriz; ECFR-Briefwechsel und Kopftuchkult, finanziert vom Herrscher von Schardscha; strebt den Aufbau eines gewaltiges Europa-Islamzentrums an) sagt keine Silbe gegen die Scharia, ist aber türkischer Schwabe, kein Kurde. Nun gilt just dieser „Ort der Niederwerfung“ (al-masǧid, Moschee) dem Verfassungsschutz als der PKK nahe stehend, ein Verdacht, dem auch ein großes Öcalan-Bild an der Wand keinen besonders überzeugenden Abbruch tut. Einstweilen wird der künftige islamische Frieden Berlins also durch ethnische Spannungen getrübt, umso mächtiger dürfte das Prinzip »al-islām huwa l-hall« wirken, der Islam ist die Lösung. Sayan äußerte sich für das Recht einer Zeitung, die dänischen Mohammedkarikaturen abzudrucken (18). Chic wohnen im Kiez der einstigen linken und internationalen Hausbesetzerszene, heute verdrängt der ökogrün-alternative Özdemir seine kalifatsgrün-alternativen Nachbarn (19). Irgendwie kriselt die Integration doch.

Abubakr Jammeh II. Herr Jammeh könnte etwas mit Gambias Staatspräsidenten Yahya Jammeh
zu tun haben oder vielleicht mit Abubakr Jammeh aus dem westafrikanischen Gambia, der sich auch Bubacar Jammeh nennt, Ehemann von Suraya Jammeh, die, als sie noch kein Kopftuch trug, Nicola hieß. Gambias Bevölkerung ist zu 90 % muslimisch,9 % christlich, 1 % stammesreligiös. Die Berliner Eheleute Jammeh betreiben die, sofern islamismus- und schariakritisch, wahrscheinlich sehr löblichen Hilfswerke ‘Bildungsoffensive Kiezkinder’ (es gehe um Lernen lernen und Gemeinschaftslernen), ‘Keine Angst vor dem schwarzen Mann’ (antirassistisch, Musikseminare in Schulen), ‘Help the poor and the needy’ (Gambiahilfe). Suraya Jammeh ist Mitautorin von ‘Orient meets Occident: Ein Versuch der Verständigung’ (2008). Seit wann liegt das westafrikanische Gambia im Orient? Der Rest klingt Vertrauen erweckend, nur Surayas extremes Kopftuch duftet weniger nach afrikanischer Lebenskunst als nach Allahs Tugend-Imperium (20).

Im Vereinsnamen wurde der Partikel al-māʿūn gestrichen, er stammt aus Sure 107:7 und bedeutet Wohltat, Hilfeleistung (21). Sure 107:1-7 warnt vor der Frömmelei, vor dem Beten aus Eitelkeit oder Kalkül, denn um nichts anderes als nur um der Liebe Allahgottes willen darf gebetet und gespendet werden, um nicht zu jenen falschen Muslimen zu zählen, die nach mittelalterlicher Auffassung auf ewig in der tiefsten Hölle braten. So sinnierte jemand glaubensbewegt und ethisch einigermaßen überzeugend, warb für eine Lebensführung der lauteren Absichten, des wechselseitigen Mitgefühls und der Reinheit der Herzen gemäß Sure 107. Leider war es Sayyid Quṭb, der Theoretiker der Muslimbrüder (22).

Hans-Christan Ströbele (MdB) will Polizisten Turbane und Polizistinnen Kopftücher tragen lassen. Der GRÜNEN-Politiker will einen islamischen Feiertag staatlich einführen, eine Umfrage auf WELT-online (mehr als 12.500 abgegebene Stimmen) bewerten seine Migrationspolitik allerdings mit der Schulnote sechs sprich als katastrophal gescheitert (79 %) oder fünf sprich miserabel (11 %). Anlässlich der in Jyllands Posten zivilcouragiert abgedruckten Mohammed-Karikaturen warnte der dschihadverträgliche Friedensfreund vor dem Abdruck, insofern Gegner des erwähnten kurdischstämmigen Ex-GRÜNEN Giyasettin Sayan (23), (24).

Mustafa Yoldas. Der in der Türkei geborene Hamburger Arzt (Allgemeinmediziner) und Vorstand der Schura Hamburg lügt (kitman) uns ins Gesicht, indem er den islamrechtlich legitimen Apostatenmord und den nötigenden Heiratsvormund (arab. wali mudschbir, türk. mücbir veli) verschweigt: ‘Der Islam toleriert in keiner Weise Gewalt, die Menschen anderen Menschen zufügen. Das gilt auch für Zwangsverheiratungen.’ Theokratisch betrachtet richtig, der iranische oder saudi-arabische Henker fügt nicht zu, er führt nur aus, Allah fügt es (zu). Und die islamische Zwangsverheiratung der jungfräulichen Tochter durch ihren Wali Mudschbir ist eben kein Zwang, sondern Gottesdienst. Schura (aš-šūrā)bedeutet Beratung oder Ratsversammlung, allerdings im Sinne der „gerechten“ Weise islamischen Regierens sprich im Sinne der Scharia. Dieser Jahre scheint das allahkratische Schura-Konzept zunehmend mit dem UN-Konzept des Good Governance zu verschmelzen. Noch ein Brüller von Komiker Yoldas: ‘Es gibt Familien, die leben noch im Patriarchat. Sie glauben, dass Frauen der Besitz von Mann und Bruder sind, dadurch werden Frauen Opfer von deren Unterdrückung. Das hat der Islam aber längst abgeschafft. Frauen sind im Islam mündig und können über ihr Leben selbst entscheiden.’ Wenn es nicht so ernst wäre … als Pausenclown akzeptabel (25).

Ferid Haider, las unter dem Titel ‘Quran verstehen – Arbeit mit dem heiligen Buch’, Ferid Haider gehört zum Interkulturellen Zentrum für Dialog und Bildung (IZDB) und propagierte am 11. März 2008 öffentlich (ZDF frontal21) die radikale Geschlechtersegregation: Jungen und Mädchen sollen islamisch, das heißt geschlechtergetrennt aufwachsen. Auch will der Prediger das islamische Gebet in Deutschlands staatlichen Schulen durchsetzen, zu muslimisierende Kinder bereits im Grundschulalter sollen im Ramadan fasten. Das IZDB vertreibt trotz öffentlicher Kritik nach wie vor die Schriften von Sayyid Abu l-A’la al-Maududi. Das IZDB fand 2007 Erwähnung im Bericht des Verfassungsschutzes (26).

Dr. Irene Runge, Jüdischer Kulturverein. Runge ist eine von zwölf Autoren in »Antimuslimischer Rassismus. Konflikte als Chance« (Otto-Lembeck-Verlag, Frankfurt/Main 2009), zynischerweise punktgenau zum Jahrestag des New Yorker Terroranschlags herausgegeben vom Interkulturellen Rat, Herausgeber Jürgen Micksch. Micksch ist bei der verlässlichen Journalistin Gudrun Eussner genannt, die ein gesamteuropäisches Tummelfeld von professionellen Schariaverharmlosern ausleuchtet, da finden sich Roland Koch, die Allianz der Zivilisationen, der berüchtigte Avicenna-Preis und eben auch Dr. Micksch. Sehr geehrte Frau Runge, so besinnen Sie sich doch auf die universellen Menschenrechte und deutschen Bürgerrechte, die beide mit dem Islamischen Recht nicht zu machen sind. Zur Islamophobiemitverschwörerin und Mitautorin Runge bei Migration Online (27). Zu Micksch und Umfeld lese man, wie immer, wenn man etwas über den politischen Islam lernen will, bei Gudrun Eussner (28).

Nadia Abed (ehem. Leiterin der ISG Berlin), das ist ja vielleicht die auf einer englischen Seite genannte ‘Renate Nadja Abed, principal of Islamische Grundschule in Berlin’, dann wohl statt ISG besser IGS als Abkürzung für Islamische Grundschule, Islam Kolleg Berlin e. V.,
Boppstr. 4, 10967 Berlin. Der in Berlin (Drontheimer Str. 16) ansässige Deutschsprachige Muslim Kreis (DMK, genauer: DMK-Berlin) bemühte sich 2005, für den 15. Dezember eine Nadia Abed gemeinsam mit Abdulkadir Schabel einzuladen. Am gleichen Ort wirbt der DMK für einen Vortrag von Murad Wilfried Hofmann und verweist auf ein Papier aus dem Umfeld der Islamischen Religionsgemeinschaft Hessen (IRH) zum Durchsetzen von getrenntgeschlechtlichem Schulsport. ‘Muslimische Kinder in der Schule. Informationen und Empfehlungen’ sei herausgegeben vom Hessischen Islamforum (darin sei Mitglied u. a. der IRH), bestellbar über die Darmstädter Groeben-Stiftung (Postanschrift) und den Interkulturellen Rat (e-mail) (29).

Fatima Grimm ist mit Aischa B. Lemu Herausgeberin von ‘Frau und Familienleben im Islam’, München 1999 bei: Islamisches Zentrum (München, IZM). Das IZM kann uns als das Epizentrum des deutschen Zweiges der Muslimbruderschaft gelten.

Die Sympathisanten der antidemokratischen Muslimbruderschaft weisen Deutschland »Wege zum Miteinander«, und mittendrin preist eine Professorin die Schönheiten des Kinderverheiratens. Durch die 2005 in Berlin sichtbar gewordenen Querverbindungen ins Umfeld der Muslimbruderschaft ist die immense Gefahr, die von dem Verharmlosen der arrangierten Ehe (ziemlich genau: Zwangsehe) ausgeht, wie es von Migrationspädagogin Ursula Boos-Nünning und ihrer Schülerin Prof. Gaby Straßburger betrieben wird, ein wenig deutlicher geworden.

Jacques Auvergne

(1) »Weltsprache Beten«, interreligiöse Podiumsdiskussion mit Said Boutizla (Muslim), Ragni Chandhok (Hinduistin), Esther Ellrodt-Freiman (Jüdin), Oliver Karkosch (Christ) am 12.11.2009, 19:30 Uhr in Frankfurt am Main

http://www.hausamdom.bistumlimburg.de/index.php?_1=238321&_0=1&sid=6b595508bbf6b6b4aa477510033d8d08

(2) Dr. Khaled M. Hanafy (MA), Assistenzprofessor für Grundlagen des islamischen Rechts (des Fiqh) an der al-Azhar „Universität“ in Kairo, Ägypten, seit 2008 Vorsitzender des Rates für Imame und Gelehrte in Deutschland (RIGD)

http://www.igd-online.de/pageID_8301988.html

(3) Hallelujah ! Katholisch-tolerant verlinkt man aus Bonn am Rhein („Justitia et Pax – weltweit ein Erkennungszeichen für Gerechtigkeit und Frieden“) die Frankfurter Adresse Eichenstraße 41 sprich FIOE, MSV, Islamisches Zentrum (pdf)

http://www.justitia-et-pax.de/de/shop/img/arb_77.pdf

(4) al-Nur-Moschee, Berlin

http://www.al-nur-moschee.de/

(5) RIGD bei IGD

http://www.igd-online.de/pageID_7227977.html

(6) Zu Gaza 2008 / 2009

http://www.lizaswelt.net/2008_12_01_archive.html

(7) Berlin: Güner Y. Balci über die al-Nur-Moschee

http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~ED23E8E542A0B468B9D1C9C4BAA7280C1~ATpl~Ecommon~Scontent.html

(8) Das Hollenfeuer vermeiden. Lustige Kinderfrisuren, gebändigt vom Berliner Sittenwächter

http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,grossbild-153159-334978,00.html

(9) Lichtmangel? Hallo Jugend, hier entlang zum Licht

http://www.lichtjugend.de/schulseminar.html

(10) Vielleicht Jugend, vielleicht hinters Licht geführt

http://www.lichtjugend.de/impressum.html

(11) Die KJG („enjoy the difference“) will mehr multireligiösen Dialog. Warum nicht mit den Muslimbrudergeschwistern? (pdf)

http://www.kjg.org/fileadmin/user_upload/infam/infam-2002-02.pdf

(12) »Projekt Dialogbereit« – Jugendschutz plus ein bisschen Islamismus

http://www.dialogbereit.de/

(13) Sigrid Klaus-Salama

http://www.nirwana-events.de/geist/geist.html

(14) DMK-Berlin

http://www.dmk-berlin.de/

(15) Himmel gib uns mehr Kopftücher! Der xenophile Ethnologe Werner Schiffauer orakelt bei der taz: „In dieser Gesellschaft gibt es einen massiven Antiislamismus“

http://www.taz.de/index.php?id=archivseite&dig=2003/11/06/a0158

(16) Aufruf wider eine Lex Kopftuch („Religiöse Vielfalt statt Zwangsemanzipation!“). Bei: DER SPIEGEL

http://www.spiegel.de/schulspiegel/0,1518,276289,00.html

(17) Aufruf wider eine Lex Kopftuch („Religiöse Vielfalt statt Zwangsemanzipation!“). Bei: Süddeutsche

http://www.sueddeutsche.de/politik/444/395232/text/

(18) Social Work in Berlin-Kreuzberg mit Kurden, Allah & PKK

http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2006/0421/seite3/0005/index.html

(19) Özdemir und der unerbetene Betplatz

http://www.tagesspiegel.de/berlin/Kreuzberg-Moschee-Streit-Cem-Oezdemir%3Bart270,2623478

(20) Muslim-Markt interviewt Suraya Jammeh, Vorstandsvorsitzende des Vereins Help the poor and the needy

http://www.muslim-markt.de/interview/2008/jammeh.htm

(21) al-māʿūn, Sure 107

http://en.wikipedia.org/wiki/Al-Ma%27un

(22) Sayyid Quṭb wirbt für eine Lebensführung der lauteren Absichten, des wechselseitigen Mitgefühls und der Reinheit der Herzen: Allah wishes human life to be elevated, happy, based on pure motives and characterized by mutual compassion, brotherhood and purity of hearts and behaviour

http://fesabilillah.wordpress.com/2007/09/22/surah-al-maun-small-kindness-brief-tafsir/

(23) Ströbele fordert gesetzlichen islamischen Feiertag

http://www.welt.de/politik/article4840623/Stroebele-will-muslimischen-Festtag-als-Feiertag.html

(24) Ströbele gegen Mohammed-Karikaturen

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,398865,00.html

(25) Der fromme Spaßvogel. Mustafa Yoldas

http://archiv.mopo.de/archiv/2008/20080528/hamburg/panorama/hamburgs_muslimen_sprecher_mustafa_yoldas.html

(26) IZDB

http://www.bild.de/BILD/berlin/aktuell/2008/08/07/islam-prediger/gibt-lehrern-nachhilfe.html

(27) Runge bei Migration Online

http://www.migration-online.de/beitrag._aWQ9Njg2OQ_.html

(28) Micksch bei Gudrun Eussner

http://www.eussner.net/artikel_2009-04-18_20-29-04.html

(29) Nadia Abed bei DMK-Berlin (pdf)

http://www.dmk-berlin.de/download/gemeindeblatt/GBNovember05.PDF

Boos Nünning: Muslimische Migrantinnen sind nicht unterdrückt

Oktober 8, 2009

النكاح

an-nikah

sharia-compliant marriage

Ehe als Tochtertausch

Subtiler Zwang in der arrangierten Ehe

Der Clan weiß, was die Tochter wünscht

Im Jahre 2009 kommt den kommunalen, wohlfahrtsverbandlichen und kirchlichen Funktionären der Als-ob-Integration die Verteidigung der arrangierten Ehe gerade recht. Dass jede arrangierte Ehe das jahrhundertealte Prinzip des Tochtertausches zwischen zwei patriarchalisch organisierten Clans fortführt ist dabei nicht mehr so wichtig. Wie zufällig geht eine Essener Migrationspädagogin völlig konform mit zwei Elementen der Scharia, der islamischen Ehe (imam nikah) und dem nötigenden Heiratsvormund (wali mudschbir), wenn sie heute dafür wirbt, dass Deutschland gefälligst die arrangierte Ehe als gleichberechtigte Lebensform zu akzeptieren hat.

Aus der Aula einer nordrhein-westfälischen Hochschule dokumentieren und kommentieren Roswitha Wilwerscheid (W.) und Karsten Hilchenbach (H.) einen im Januar 2009 gehaltenen Fachvortrag von Prof. Dr. Ursula Boos-Nünning: »Arrangierte Ehe und Virginität. Familialismus als alternative Lebensform«.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich möchte Sie willkommen heißen zu zu meinem Seminar, mit dem ich unter dem Motto »Arrangierte Ehe und Virginität. Familialismus als alternative Lebensform« zu mehr Verständnis für den türkischen Familialismus ermutigen möchte. Zuwanderung macht das Neue und Fremde öffentlich sichtbar. Minarette und Kopftücher rufen Widerstand hervor. Ist das Kopftuch ein Zeichen der Unterdrückung?

W.: Aber ja, jede Art von islamischer Frauenverschleierung ist ein Mittel der Unterdrückung und damit in Europa und Deutschland ein Politikum ersten Ranges.

H.: Der Hidschab ist ein Zeichen gegenmoderner Sexualmagie, repressiver Sexualpolitik im Namen der so genannten „Religionsfreiheit“.

W.: Boos-Nünning sagt Kopftuch und stoppt ab, schalkhaft lächelnd. Neckisch durch ihre Nickelbrille blitzend sagt sie keine Silbe zum Kopftuch der extremistischen Milli Görüş oder der frauenfeindlichen Fatwas der ECFR-Scheichs. Keine Silbe.

H.: Schon gar keine negative.

Der Westen betrachtet die anderen Teile der Welt polarisierend und zerlegt die eine Menschheit und gerade auch seine Einwanderer in aufgeklärtes Individuum und archaisch denkendes Objekt der Großfamilie, kurz gesagt: in modern versus traditionell. Diese Zuschreibungen betreffen auch das Geschlechterverhältnis und besonders das Frauenbild, der Westen hält die Einwanderin für unterdrückt. Vergleichende Untersuchungen belegen, dass das Selbstkonzept, aber auch das Frauenbild von vierundzwanzig Einwanderinnen, die aus weniger industrialisierten Gesellschaften und so genannten traditionellen Verhältnissen stammen, wesentlich geringer durch Abhängigkeiten vom Mann gekennzeichnet ist als das westlicher Frauen (Herwartz-Emden, 1995). Darüber hinaus lässt sich weder ihr Selbstbild noch ihr Frauenbild durch westliche Polarisierungen charakterisieren. Ebenso lässt sich für männliche Migranten nachweisen, dass sie nicht schlicht autoritärer oder patriarchalischer gesinnt sind als westliche Männer (Herwartz-Emden, 1996). Hier werden westliche Stereotype sichtbar und muss unsere erste Frage ansetzen: Sind traditionelle Frauenrollen ein Hemmnis für geschlechtergerechte Demokratie?

W.: Ja, aber ja! Seit wann verherrlicht die Linke die gute alte Zeit?

H.: Bald endlich wieder „schöner wohnen“, in Zelten und Höhlen.

W.: Über Muslime nur Gutes. Der dekadenten Europäerin die kulturelle Moderne, der stolzen Türkin das innere Mittelalter.

Gewalt oder sexueller Missbrauch, angeblich seien sie bei Migranten in höherem Maße vorhanden als bei den Ureinwohnern.

W.: Staatsministerin Maria Böhmer sieht das in: Jahresbericht der Bundesregierung wesentlich anders: türkische Migrantenkinder mit Misshandlungen und schweren Züchtigungen in den Familien: 44,5 Prozent, zitiert nach Hans-Ulrich Jörges, Die vergrabene Bombe (1). Punkt »5.1. Häusliche Gewalt« stellt fest: „Migrantinnen sind vielfach in besonderer Weise von häuslicher Gewalt betroffen und besonders massiven Formen von innerfamiliärer Gewalt ausgesetzt. Diese Situation steht im Widerspruch zur deutschen Rechtsordnung (2).“

Die Mehrheitsgesellschaft fokussiert Zwangsheirat und Ehrenmorde mit gruseliger Lust in Büchern und Presse, aber sind diese bedauerlichen Missstände denn wirklich so tonangebend, vergessen wir dabei denn nicht, nach der Norm zu fragen? Das geplante Gesetz gegen Zwangsheirat betreffend habe ich das bei einer Anhörung so schon den nordrhein-westfälischen Landtagsabgeordneten gesagt, ich fragte sie: „Habt ihr denn keine anderen Sorgen?!“, was mir viel Kritik eingebracht hat. Notwendig ist es, die Norm, die Normalität zu betrachten, nicht die Extreme.

W.: Im Umkreis von wenigen Kilometern um den Ort des heutigen Vortrags sind innerhalb von fünf Jahren vier Frauen Opfer eines Ehrenmordes geworden. Mehrere Zwangsverheiratungen teilweise sechzehn- und fünfzehnjähriger Mädchen in der unmittelbaren Nachbarschaft sind ebenso nachweisbar wie einige versuchte Entführungen junger, erstmalig alleine wohnender türkeistämmiger Frauen durch ihre Brüder. Auch gibt es durch falsch verstandene Erziehung verursachte schwere Misshandlungen in Einwandererfamilien. Sozusagen im Schatten des Schulgebäudes, in dem Boos-Nünning gerade spricht, wirbt eine radikalislamische Gruppe für den Tschador oder gar für den Gesichtsschleier und verhüllt die eroberten Frauen tatsächlich bereits entsprechend. Soziologin Boos-Nünning wirbt dafür, all diese Verbrechen nicht wahrzunehmen. Damit arbeitet die „Migrationsforscherin“ beispielsweise frontal gegen das Projekt »Gewalt ist nie privat«, eine Kampagne des Sozialdienstes katholischer Frauen (3).

H.: Du hörst doch, wir sollen keine Extreme betrachten, nimm dir ein Beispiel an der optimistischen Migrationspädagogin und denke nicht so negativ.

W.: Danke, Karsten, danke Herr Ichhabenichtsgesehen.

H.: Und vergiss damit für einen Augenblick die elfjährige, in einer islamischen Imam-Ehe arrangiert verheiratete schwangere griechische Türkin, die dem Düsseldorfer Jugendamt bekannt wurde.

W.: Nie!

Viele Welten leben. So der Buchtitel von Yasemin Karakasoglu und mir. Es gibt religiöse Normen, mehr oder weniger verknüpft vielleicht mit sexuellen Normen.

H.: Allerdings, die Gottheit bekümmert sich um dein Genital.

W.: Die männerbündischen Stellvertreter Allahs kümmern sich besonders um das sexuelle Wohlergehen der schutzbedürftigen und wankelmütigen Frauen. Wie alle monotheistischen Religionen ist der Klerus, den es auch im Islam in Form von Imam, Scheich, Ayatollah, Mufti und Kadi gibt, sehr daran interessiert, was unter der ehelichen oder außerehelichen Bettdecke vor sich geht.

Die Mehrheitsgesellschaft neigt zu einer Haltung des Paternalismus und Eurozentrismus, des Mitleides und der Überheblichkeit. Das älteste dieser populärwissenschaftlichen Werke stammt von Andrea Baumgartner-Karabak und Gisela Landesberger (Reinbeck 1978), dessen Titel bereits auf die destruktive Richtung der Diskussion der nächsten Jahre verweist: „Die verkauften Bräute: Türkische Frauen zwischen Kreuzberg und Anatolien.“ Dieses Klischee: türkische Mädchen und junge Frauen seien traditionalistischer als Deutsche. Es wird angenommen, dass die weiblichen Einwanderer unter der Verschiedenheit der Kulturen leiden würden. Das ist falsch, die leiden nicht. Das seitens der nichtmuslimischen Mehrheitsgesellschaft vermutete Leiden an konfligierenden Erwartungen wird vor allem oder ausschließlich den Mädchen türkischer Herkunft zugeschrieben und nicht selten auf den Islam zurückgeführt.

H.: Da erklingt es, das Wort Islam. Doch nun? Boos-Nünning schweigt.

W.: Nur Islam, kein weiteres Wort zum Islam. Und schon gar kein kritisches. Wer jetzt noch etwas Ablehnendes über den Islam sagt, hat mit einer geballten Ladung an Vorwürfen zu rechnen, jedenfalls braucht er einigen Mut.

Auch gibt es bei Befragungen immer das Problem: Was genau wird gefragt, und wie groß ist die Gruppe der Befragten.

H.: Im Ansatz nett, doch vermute ich, dass Italienerinnen dieselbe Frage (etwa: sind meine Eltern autoritär) wesentlich anders auffassen als es Türkinnen tun.

Im Titel Viele Welten leben (bei Waxmann, Erstauflage April 2005) spiegelt sich die Souveränität wieder, mit der Migrantinnen in beiden Kulturen klarkommen, Dr. Berrin Özlem Otyakmaz beschreibt das passend als ein „Auf allen Stühlen sitzen“. Die Untersuchung Viele Welten leben befragt Frauen im Alter zwischen 15 und 21 Jahren. Rechtlich stellt sich zunächst folgende Frage zu den Männern und Frauen, die in den Westen einwandern, sind sie eingebürgert, haben sie einen deutschen Pass oder nicht? Für uns muss es besonders um die Kinder der Einwanderer gehen, die Töchter.

Da gibt es aus westlicher Sicht dieses Vorurteil, die Einwanderinnen seien traditionell, real ist, dass sie den Deutschen viel ähnlicher sind als oftmals vermutet. Es gibt „Muster“.

W.: Aha, Muster? Keine Vorurteile, bitte.

Es gibt „anti-traditionelle“ Muster, moderne Lebensweisen, das sind 73 %. Beispielsweise sagen 50 % der Befragten: das Vorschulkind leidet, wenn die Mutter nicht dauernd da ist. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird jedoch persönlich bejaht.

W.: Meint Boos-Nünning jetzt die erwünschte politische Forderung nach der genannten Vereinbarkeit, den verinnerlichten Wunsch oder die persönlich (jetzt oder morgen) gelebte Realität? Das wird überhaupt nicht klar.

H.: Wird ein solcher Wunsch einer sehr jungen Frau denn in den folgenden Jahren auch verwirklicht werden können oder wird die junge Frau im Namen von Religion beziehungsweise Ehre am Geldverdienen gehindert und de facto ins Haus gesperrt werden?

Arbeitskräftewanderung wird als Wanderung von Männern verstanden. Das ist ein falsches Bild, ich erforsche das seit 1971. Die Einwanderer der ersten Jahre waren zu 25 % weiblich!

H.: Autonome anatolische Frauenpower oder aber für die in Bezug auf die Jagdgründe global denkende, jedoch kulturell archaisch gebliebenen Sippe Geld verdienen? Und wie rasch wurden die in Almanya arbeitenden Fabrik-Frauen vom nachrückenden „männlichen türkischen Überwachungsstaat“ eingefangen und in patriarchalisch definierte, relativ schariakonforme Ehen gezwungen?

W.: Nicht wenige türkeistämmige Familien der ersten Migrantengeneration hatten in der Türkei in größtem Elend gelebt, waren unterernährt. In Deutschland Geld zu verdienen war der Ausweg, dieser absoluten Armut zu entrinnen.

Man heiratet inner-ethnisch oder inter-ethnisch. Unabhängig davon gibt es auch die transnationale Ehe.

H.: Wie wär`s mit Heirat aus Liebe?

Die Einwanderinnen bekamen Kinder, darunter natürlich auch Töchter, und Bild des vom Vater abhängigen, im Konflikt zwischen heimatlichen und deutschen Normen lebenden Mädchens ausländischer Herkunft bestimmte jahrelang die Diskussion. Dieses Stereotyp wurde durch eine Vielzahl von Arbeiten verbreitet. Wir müssen in Bezug auf die türkischen Mädchen und Frauen und ihre Partnerwahl fragen: Was möchten die denn? Der überwiegende Teil von ihnen will keinen Deutschen heiraten, Ausnahme sind die Italienerinnen.

H.: Der überwiegende Teil will einen Türken heiraten. Frau für Frau, ganz zufällig.

W.: Immer diese Muster.

Es ist belegbar: Auch die einheimischen, die deutschen Männer wollen keine Frau mit Migrationshintergrund heiraten. Es gibt Barrieren der interethnischen Eheschließung.

H.: Wie die Katze um den heißen Brei.

W.: Boos-Nünning verschweigt uns, worum es wirklich geht: Die Scharia verbietet, dass ein Nichtmuslim eine Muslima heiratet. Der männliche Deutsche müsste zum Islam übertreten, eine anschließende Apostasie ist ihm dann schlichtweg verboten und würde sehr wahrscheinlich ein Leben im Untergrund bedeuten.

H.: Unsere Sexualpolitikerin vermeidet die Forderung aufzustellen, dass jeder junge Mensch das Recht auf eine selbstgeschriebene Biographie hat, also auch auf eine autonome sexuelle Biographie.

W.: Und selbst wenn wir den Wunsch nach Heiratsvermeidung mit einer „fremden Ethnie“ nachweisen können, ist es nicht unsere Aufgabe, das individuelle Mädchen und den einzelnen Jungen bei jedem Bestreben nach „interethnischer“ Beziehung zu unterstützen? Soll Deutschland in einen Flickenteppich kulturell und damit auch heiratsbezogen voneinander abgekoppelter Stämme zerfallen, wollen wir die sexualpolitische Apartheidsgesellschaft, wenig zufällig nach dem Muster der arabischen Dhimma und osmanischen Millet?

Viele Untersuchungen kommen zu dem Ergebnis, dass türkische Kinder und Jugendliche nicht mehr belastet sind als deutsche, so auch eine 1992/93 von Renate Schepker (1995) an der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Klinik Essen durchgeführte Untersuchung, die sich ganz besonders auf Externalisierung oder Internalisierung von Normen richtet. Schepker ermittelt, dass sich Mädchen türkischer Herkunft nicht externaler als Jungen der gleichen Ethnie einstufen. Dieses spricht gegen die Alltagsdeutungen, die von den angeblich so hilflosen Mädchen türkischer Herkunft ausgehen, die „wenig Zukunftsperspektiven und kaum Möglichkeiten zur aktiven Lebensgestaltung“ haben. Es stimmt einfach nicht, dass türkische Mädchen ein „passives Bewältigungsverhalten“ zeigen und sich ihr Verhalten in „Gehorsamkeit, Duldsamkeit und Zurückhaltung“ äußere oder dass sie „im Vergleich zu Jungen eingeschränkte Möglichkeiten im sozialen Handeln“ hätten. Wir müssen uns das so vorstellen, dass die türkischen Mädchen glücklich aufwachsen. Die sind nicht unterdrückt.

W.: Wenn sich türkeistämmige Schülerinnen verzweifelt und Hilfe suchend an ihre Lehrerinnen wenden, weil sie gerne an der Klassenfahrt teilnehmen möchten, dann sind sie nicht unterdrückt?!

H.: Sie sind es – und Boos-Nünning leugnet es.

Was die Berufswahl und Berufswege der Migrantenfrauen betrifft, gibt es keine allzu großen Unterschiede zu den deutschen Frauen. Transnationale Eheschließung ist etwa die hereingeholte, die nachgeholte türkische Frau, die Familienzusammenführung, bei einer Heirat mit einem womöglich längst eingebürgerten Türken in der Bundesrepublik oder das Einheiraten einer türkeistämmigen Schülerin aus Deutschland in eine Familie in der Türkei.

W.: Ärgerlich genug, der Brautkauf wird als Familienzusammenführung getarnt.

Türkische Mädchen wollen oft keinen türkeistämmigen Türken.

W.: Sommernachtsalptraum. Sie kriegen ihn trotzdem verpasst. Es gibt keinen Zwang im Glauben (4).

H.: Geliebte gehasste türkische Heimat. Jetzt aber Orhan Pamuk zu lesen, den Völkermord an den Armeniern zu bekennen und die Scharia auf den Müllhaufen der Weltgeschichte zu werfen, das schaffen Deutschlands Türken zu 99 % leider nicht, das Thema geht ihnen zu nah, sie kommen aus der Loyalitätsfalle nicht raus und müssten zugeben, von Eltern, Islam und Türkentum betrogen worden zu sein.

Es stellt sich die Frage nach der Selbstbestimmung bei der Eheschließung. Ich lege Wert darauf, zwischen arrangierter Ehe und Zwangsheirat zu differenzieren. Wir müssen uns das so vorstellen, in der arrangierten Ehe gibt es keinen Zwang. Die Ehe wird arrangiert, der Kontakt wird hergestellt. Das haben wir zu akzeptieren und ist ein Lebensmodell, das unsere gesamtgesellschaftliche Anerkennung verdient.

W.: „Der Kontakt wird hergestellt“, zwei Jahre dürfen sich die beiden, überwacht asexuell, kennen lernen, dann kommt die Freiwilligkeit von alleine. Andere „Kontakte“ zu Männern werden dem Mädchen verboten, damit ihr die Entscheidung nicht so schwer fällt. Manche Mädchen haben auch einfach blanke Angst davor, den Heiratskandidaten, Mamas Liebling, abzulehnen. Die Mutter ist eine türkische Institution (5).

H.: Zumal die Kostenfrage, der Brautpreis oder Brautdienst, durch die beiden Männerbünde bereits geregelt worden ist.

Immer, wenn das Mädchen das Recht hat, „Nein!“ zu sagen, haben wir eine arrangierte Ehe. Und wo es keinen Zwang gibt, können wir nicht von einer Zwangsheirat sprechen. Deutschland muss lernen, den türkischen Familialismus zu verstehen und zu akzeptieren. Pädagogik und Politik müssen versuchen, auch diesen Frauen gerecht zu werden. Die sind nicht unterdrückt.

Zehn Prozent der Mädchen akzeptieren die Mitwirkung der Eltern bei der Auswahl des Heiratspartners. Nur wenn wir die tradierte europäische Prämisse vom individualistischen Denken benutzen, erscheint uns die arrangierte Ehe als Zwangsheirat. Viele Migranten leben nicht individualistisch, sondern familialistisch.

W.: Individuelle Freiheit bildet aber gerade das Selbstverständnis unseres freiheitlichen demokratischen Staatswesens.

H.: Deutschland schützt keine Stammesrechte, sondern Menschenrechte, keine Stämme, sondern Bürger.

Dem so genannten ‚Traditions-Modernitäts-Paradigma’ unterliegt erstens ein westlich geprägtes Modell von Modernität und zweitens ein bipolares Denkmuster von ‚Tradition’ versus ‚Moderne’ – das die Welt entsprechend aufteilt. In diesem Paradigma ist u. a. die Annahme eines linearen Übergangs vom Nullpunkt der Einwanderung zur Endstufe der Integration in die Aufnahmegesellschaft implizit enthalten.

Dieser Übergang sei, so die Annahme, entsprechend mit einem Konflikt und einem so genannten Kulturschock verbunden, der die ‚kulturelle Identität’ des Migranten tangiere bzw. in Frage stelle und zu einer anomischen Situation führe. Entsprechend stellen sich Migrantenfamilien und ihre Sozialisationsbedingungen tendenziell als ‚defizitär’ heraus, oder auch, wie in einem aktuellen Bericht, als sehr traditionell, autoritär, rückschrittlich bis gewalttätig im Umgang mit ihren Kindern und Jugendlichen (so die Darstellung im Bericht des Berliner Forums Gewaltprävention [LkBgG], 2007). Dieses Paradigma hat sich in der Migrationsforschung seit langem als unhaltbar gezeigt und wurde vielfach enttarnt in der kritischen interkulturellen Diskussion.

H.: Boos-Nünning greift die Grundlagen des Aufklärungshumanismus an, wer jetzt noch universelle Menschenrechte einfordert, wird als Eurozentriker und Kulturrassist stigmatisiert.

W.: Sind Gutachten, Jahresberichte und Statistiken nicht genügend politisch korrekt, lässt man neue, passgenaue Expertisen erstellen. Die genaue Fragestellung einer Untersuchung oder Befragung ist in der Tat entscheidend.

Sechzig Prozent der türkischen Mädchen findet es in Ordnung, vor der Ehe mit dem Freund geschlafen zu haben, also können es maximal 40 % sein, welche die Virginität als persönlichen Wert bevorzugen. Im westlichen Kulturkreis ist das ja ganz anders, doch Virginität gilt den türkischen Mädchen und Frauen als etwas Besonderes.

H.: Jetzt wird es obszön, bei Zeus. Das Hymen wird politisch.

W.: Die Männer wollen unbeschädigte Ware.

H.: Das ist finsterste Steinzeit, was die Dame, da von sich gibt. Die in Essen-Altenessen geborene Ursula nahm 1965 im rheinischen Köln ihr Soziologiestudium auf, erlangte 1969 in Österreich den Grad eines Magisters der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften (Mag. rer. soc. oec.) und promovierte 1971 in Soziologie (Dr. rer. soc. oec.) an der Hochschule für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften in Linz. Die Akademikerin kehrte ins Rheinland zurück, rückte am 01.10.1998 zur Prorektorin der Universität Essen auf und wirkte um 2001 sogar als Rektorin dieser Hochschule.

Zur nachfolgenden Palastrevolte an der Essener Uni berichtete Armin Himmelrath (DER SPIEGEL) am 19.12.2001 (6) und 29.05.2002 (7). Das verarmende Nordrhein-Westfalen wollte die Hochschulen Duisburg und Essen fusionieren. Boos-Nünning fiel ihrem eigenen Senat in den Rücken und mauschelte bei dieser Elefantenhochzeit (Arrangierte Ehe? Ohne Zwang?) mit. Der wütende Senat wählte sie mit konstruktivem Misstrauensvotum und bei 15 zu drei Stimmen ab, ihre Verhandlungen mit dem Rektor der Uni Duisburg und dem NRW-Wissenschaftsministerium wurden bei allem Verständnis für den Druck aus Düsseldorf („Uns ist völlig egal, wie die Senate abstimmen. Die Fusion kommt auf jeden Fall, notfalls erzwingen wir das“) anständigerweise nicht hingenommen. Nun ja, dachte Ursula, dann eben wieder Migrationspädagogik, und so frönt die Altachtundsechzigerin auch sieben Jahre später dem Kult um den orientalischen Stamm und dessen viele fraglos ehrbare, zum arrangierten Zeitpunkt blutende Jungfernhäutchen.

W.: Ein besonders kultursensibles Element des Familialismus ist der Ehrenmord, wir müssen das so verstehen, die sind nicht unterdrückt.

H.: Roswitha, jage mir keine Angst ein, du redest schon wie Boos-Nünning.

W.: Man könnte sich an den Singsang gewöhnen. Ironie aus.

H.: Boos-Nünning war 1996 – 1998 Mitglied der Kommission zum 10. Kinder- und Jugendbericht, ab 1999 saß die Dame im Bundesjugendkuratorium, wo sie den Arbeitskreis Bildung leiten durfte.

W.: Boos-Nünning und Bildung?

H.: Das Fremde integrieren.

Türkische Mädchen akzeptieren die Virginität als Norm. Verglichen mit deutschen Mädchen sind diese Mädchen deutlicher religiös gebunden. Wir fanden heraus und können es wissenschaftlich belegen, Mädchen mit Kopftuch sind konventioneller.

H.: Nobelpreisverdächtig.

W.: Sie besitzen auch deutlich mehr Kopftücher, die Kopftuchmädchen.

Ja, die türkischen Mädchen, überhaupt die Mädchen mit Migrationshintergrund, haben deutlich konventionellere Vorstellungen. Etwa 80 % der deutschen Mädchen im Alter von 18 Jahren hatte bereits Geschlechtsverkehr. Hierin bildet sich auch die Stärke der religiösen Orientierung ab, die jungen Türkinnen sind eher religiös gebunden als die deutschen. Auffallende Religionsbindung haben auch die italienischen und griechischen Mädchen, von den letztgenannten sind, das ist in Deutschland vielfach eher unbekannt, viele Zeugen Jehovas.

Wir können bei den italienischen Mädchen nachweisen, dass gerade die starke Familienbindung, die wir als Familialismus bezeichnen können, den beruflichen Erfolg der Töchter garantiert.

W.: Je engmaschiger das würgende Fangnetz namens Familie, desto wahrscheinlicher die akademische Karriere der geliebten Tochter?

H.: Italienische Kinder haben ihre Eltern voll im Griff und den Rest der Verwandtschaft gleich mit. Nur bei den italienischen Zeugen Jehovas sieht es anders aus, da ist Familie fundamentalistischer Knast und Berufskarriere ohnehin nicht vorgesehen, noch nicht einmal für die Jungen.

Bei der Schule muss sich vieles verändern, um den Türken gleiche Chancen zu ermöglichen. Dasjenige Merkmal, das besonders augenfällig ist, entscheidet über die Exklusion – also beispielsweise die Geschlechtszugehörigkeit in einer gemischtgeschlechtlichen Schule oder die ethnische Zugehörigkeit in Klassen, die überwiegend aus nichtgewanderten deutschen Schulkindern bestehen. Die Möglichkeit, stereotypisierte Gruppen in einer homogenen Umgebung, zum Beispiel in monoedukativen Klassen, zu unterrichten, könnte gerade für die türkischen Mädchen sehr gute Chancen bereiten.

H.: Wozu bitte? Was denn sollen die Mädchen dämonisieren lernen, den angeblich von Natur aus alle Mädchen drangsalierenden, triebgesteuerten Jungen oder die eigene, angeblich wesensgemäß schutzbedürftige und zugleich verführerische Leiblichkeit? Nichts gegen eine gute (gleichheitsfeministisch gedachte, antisexistische, antipatriarchalische) Jungen- oder Mädchengruppe an einem Nachmittag in der Woche, doch Deutschlands türkeistämmige Mädchen haben wohl eher zuviel Geschlechtertrennung als zu wenig.

W.: Mehr Geschlechtertrennung? Verwechselt die Dame da nicht Schule und Koranschule? Wie wäre es, kein saudi-arabisches Schulkonzept der Mädchensegregation einzuführen, sondern allen Kindern und Jugendlichen beizubringen, niemanden zu erniedrigen, auch die kleine Kopftuchverweigerin nicht oder den kleinen Schweinefleischfresser?

Nun zu einem ganz schlimmen Thema, das es auch gibt. Zwangsverheiratung ist eine Menschenrechtsverletzung. Zwangsverheiratung verstößt gegen einen zentralen Bereich der persönlichen Lebensplanung.

H.: Weil meine fürsorgliche Sippe meine persönliche Lebensplanung übernimmt, kann ich nie zwangsverheiratet werden.

W.: Kein Individuum, kein Zwang. Frei Nach Boos-Nünning. Im Ernst und in eigentlich unnötiger Ausführlichkeit: weil jede arrangierte Ehe das Planen Dritter an meiner Lebensbiographie bedeutet, beeinträchtigt das Eheanbahnen stets meine persönliche Lebensplanung.

H.: Welches traditionalistisch oder islamistisch erzogene Mädchen wagt es denn, seinen Eltern zu widersprechen oder die Kerkermauer des Denkverbotes „Meine Eltern wollen nur mein Bestes, so sagen sie es selbst“ zu sprengen?

W.: Es liegt in der türkischen oder kurdischen Großfamilie immer ein mehr oder weniger starker Gruppendruck vor. Jetzt zu sagen, das wenig individualistische Mädchen leidet ja nicht so sehr, und genau das ist die Boos-Nünning-Logik beim Verteidigen der arrangierten Ehe, ist ein Abgrund an Kaltschnäuzigkeit.

H.: Das ist es: 100 % sind arrangierte Ehe, ein Drittel bei brutaler Gewalt also selbst nach Boos-Nünning als Zwangsheirat zu erklären, ein weiteres Drittel bei einem aus mittelalterlicher beziehungsweise schariatischer Sicht normalen Maß an Frauenunterdrückung, ein letztes Drittel bei nur ein wenig oder ganz klein wenig sozialer Einschüchterung und islampädagogisch erweckter Angst vor der bei irdischer Gehorsamsverweigerung im Jenseits zu erwartenden Höllenstrafe.

W.: In der freiheitlichen Demokratie müssen wir Pädagoginnen und Pädagogen uns gegen die arrangierte Ehe aussprechen dürfen. Boos-Nünning behindert unsere Arbeit.

H.: Die Migrationspädagogin schweigt zur islamischen Zweitfrau, zur arrangierten Drittfrau, zur islamrechtlichen Verstoßung (at-talaq, auch arrangiert) der Ehefrau und zum unbedingten Recht des Vaters auf („arrangiertes“) Verheiraten seiner jungfräulichen Tochter, ein Recht, das Allah jedem Vater (Wali Mudschbir) zubilligt, bei Bedarf eben ohne deren Zustimmung. Das alles ist Scharia, das ist Islam, …

W.: … dafür steht das Kopftuch. Boos-Nünning verheimlicht uns die Verwandtenehe, namentlich die Cousinenehe, ein ganz typisches türkisches oder kurdisches „Arrangement“, mit hohem Risiko, aufgrund zu hoher genetischer Verwandtschaft ein behindertes Kind zu bekommen.

H.: Cousinenehe, wenn ich geboren werde, ist schon klar, wen ich heirate. Alles ganz zwanglos. Eine Burka für Boos-Nünning.

W.: Die islamisch erzogenen Mädchen haben nie gelernt, Nein zu sagen. Wie sollen sie sich der Erwartungshaltung und dem Druck der Kernfamilie und Großfamilie entziehen? Im Falle der Verweigerung des Heiratsangebotes wird jede Begegnung im Familienkreis zum Spießrutenlauf, Verwandten begegnet man weltweit überall, beim Türkeiurlaub ebenso wie in Deutschland im Bus oder Supermarkt, beim Arzt oder in der Uni. Es folgen zudem weitere Einladungen zu türkischen Hochzeiten, denen sich noch nicht einmal Männer entziehen können. Bei diesen Festen wird verkuppelt, im Islam ebenso wie im hinduistisch geprägten Kulturkreis, bei den Sikhs ebenso wie bei den Leuten aus Taiwan oder Tibet.

Mädchen wollen nicht unter ihr Bildungsniveau heiraten.

H.: Da trägt die familienseits arrangierte Herausnahme des Mädchens aus der deutschen Schule zu einer künftigen ehelichen Harmonie bei.

W.: Um deine verständlich, aber schwer erträgliche Ironie fortzusetzen: Auch besser erst gar kein Gymnasium besuchen, wer weiß, was das Mädchen da alles lernt.

Einerseits wollen sie früh heiraten, andererseits haben sie eingeschränkte Chancen und eingeschränkte Kontaktmöglichkeiten.

W.: Die Brüder kontrollieren die Deutschtürkin oder Deutschtunesierin auf Schritt und Tritt, ganz im Auftrag der Großfamilie, jedes Gespräch mit Jungen, gar „ungläubigen“, hat schlimme Bestrafung zur Folge. Aber wir lernen gerade: die sind nicht unterdrückt.

H.: Manche der arg vormodern überwachten türkeistämmigen Mädchen bereits im ersten und zweiten Schuljahr wollen, deutsche Lehrer übersehen das bisweilen, ganz zufällig allesamt nicht neben einem Jungen sitzen. Das müssen wir ansprechen dürfen, und genau da ist eine Professorin, die für die angebliche Nestwärme der Sippe und des Stammes („Familialismus“) schwärmt, kontraproduktiv und eine Gefahr für gelingende Integration.

W.: Boos-Nünning erreicht die Segregation, das will sie, und zwar sehr bewusst.

H.: Die Dame macht sich sehr schuldig daran, dass der politische Islam, der ja immer sittenpolitisch ansetzt, seine Macht ausbauen kann und dass die heutigen Mädchen und Jungen im Grundschul- und Unterstufenalter in zehn Jahren nicht in der kulturellen Moderne der vollen Menschenrechte und Grundrechte ankommen werden.

Wenn Mädchen, auch stark misshandelte, das Frauenhaus anrufen und erreichen, gehen sie zumeist rasch wieder in ihre Familien zurück. Die vermissen ihre Familie, die ihnen Halt gibt. Wir müssen den Familialismus verstehen.

Allgemein verbreitete Vorurteile sind jedoch von Dauerhaftigkeit und lauten immer wieder wie folgt: „dass die patriarchalisch autoritäre Familienstruktur der (türkischen) Migrationsfamilie eine Integration der Kinder in die deutsche Gesellschaft verhindere“, „dass die Erziehungsvorstellungen der eingewanderten Eltern nicht mit den deutschen Erziehungszielen und Normen in Einklang zu bringen seien“, „dass in Migrationsfamilien das Verhältnis zwischen den Generationen wegen der unterschiedlichen Sozialisation grundlegend gestört sei“ und „dass vor allem die Durchsetzung rigider, geschlechtsspezifischer Normen in den Familien zu einer grundsätzlichen Benachteiligung der Mädchen, Frauen, Töchter und Schwestern führe“. Die Wissenschaft hat dieses Konstrukt größtenteils überwunden und revidiert, sie zeigt mittlerweile ein erheblich differenziertes Bild der in Deutschland lebenden Migrantengruppen. Kontrastiert mit ernsthaften empirischen Befunden, erweisen sich solche stereotypisierenden Annahmen seit langem als Fehldiagnosen.

Leiden die türkischen Mädchen an ihrer Familie? Nein! Diese Mädchen leiden an den Zuschreibungen und Weiblichkeitskonstruktionen, die wir ihnen auferlegen! Griechische, italienische und vor allem türkische Mädchen in Deutschland leiden an den Beschränkungen, die ihnen die deutsche Gesellschaft auferlegt!

Wir müssen lernen, nicht immer nur auf die Familie zu sehen, sondern müssen die gesellschaftliche Benachteiligung beheben, die viel schrecklicher ist. Genau da ist viel zu tun. Ich Ihnen danke für Ihre Aufmerksamkeit.

W.: Wo geht es hier an die frische Luft, ich muss hier raus!

H.: Es gibt kein Problem mit familiärer Gewalt in den türkisch oder nordafrikanisch geprägten Straßenzügen, und wenn es doch eines gibt, sind die Urdeutschen daran schuld. Menschen mit einer derartig verständnisvollen Haltung wird sogar der an Süleyman Hilmi Tunahan und der unveränderlichen Doktrin der Diskriminierung (Scharia) orientierte İslam Kültür Merkezleri Birliği (IKMB), deutsch: Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ) als Gutachterin wohlwollend dulden (8).

W.: Früher hieß das Fundamentalismus, Sexismus oder Apartheid, heute sagt man interkulturelle Kompetenz (9), (10).

*

(1) Die vergrabene Bombe

http://www.stern.de/politik/deutschland/zwischenruf/zwischenruf-die-vergrabene-bombe-634119.html

(2) Die deutsche Bundesregierung stellt fest: „Migrantinnen sind vielfach in besonderer Weise von häuslicher Gewalt betroffen und besonders massiven Formen von innerfamiliärer Gewalt ausgesetzt. Diese Situation steht im Widerspruch zur deutschen Rechtsordnung.“

http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Publikation/IB/Anlagen/auslaenderbericht-7,property=publicationFile.pdf

(3) Gewalt ist nie privat! skf-Kampagne

http://www.gewalt-ist-nie-privat.de/

(4) »Wenn muslimische Mädchen weinen«, für einen Zuwachs an Fundamentalismus, Patriarchat und Abschottung sorgt diese erbauliche Kurzgeschichte von Allahs Dienerin Sonia-Iman Rassoul

http://www.scribd.com/doc/3461782/Wenn-muslimische-Madchen-weinen-von-SoniaIman-Rassoul

(5) Necla Kelek zur Institution Mutter

http://www.chrismon.de/4557.php

(6) »Schallende Ohrfeige für Essens Rektorin«

DER SPIEGEL, Armin Himmelrath: „Ich bin nicht gewählt worden, um zurückzutreten“ – mit dieser einfachen Formel begründete die Essener Rektorin Ursula Boos-Nünning, warum sie nach der deutlichen Klatsche im Senat keinerlei Anlass zur Reaktion sah. Zwar hatten 11 von 19 Senatsmitgliedern die Rektorin zum Rücktritt aufgefordert und ihr explizit das Misstrauen ausgesprochen. Doch zur Abwahl wäre eine Zwei-Drittel-Mehrheit von 13 Stimmen notwendig gewesen. „Mit ihrer nicht vorhandenen Reaktion hat die Rektorin gezeigt, dass sie kein Interesse an demokratischen Prozessen innerhalb der Hochschule hat“, schimpfte ein studentisches Senatsmitglied.

http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,173564,00.html

(7) »Statt Fusion Putsch, Rektorin futsch«

DER SPIEGEL, Armin Himmelrath: Jetzt ist auch die Rektorin der Universität Essen ihr Amt los: In einem konstruktiven Misstrauensvotum sprach sich der Senat am Dienstagnachmittag mit 15 zu 3 Stimmen gegen Ursula Boos-Nünning aus, die erst vor zwei Jahren Rektorin geworden war.

http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,198364,00.html

(8) Boos-Nünning: Freundschaftsgutachten jedenfalls freundschaftliches Gutachten für den an Tunahan und Scharia orientierten VIKZ

http://www.swr.de/international/de/-/id=233334/vv=print/pv=print/nid=233334/did=4002986/egq2j6/index.html

(9) Der Boos-Nünning-Effekt ist hartgesottenen Pädagogen zur womöglich gewünschten weiteren Abhärtung dienlich und hat für Deutschlands Soziologen einigen Unterhaltungswert, leider droht er auch Folgen für unsere Politik zu haben. Was dem alten Orient seine Fatwa war, ist der Postmoderne ihre Expertise. Düsseldorf 2008: Expertise der Frau Dr. Leonie Herwartz-Emden, Philosophisch-Sozialwissenschaftliche Fakultät der Universität Augsburg: Interkulturelle und geschlechtergerechte Pädagogik für Kinder im Alter von 6 bis 16 Jahren. Expertise für die Enquêtekommission des Landtages von Nordrhein-Westfalen: „Chancen für Kinder“.

Scharia null Treffer, Islam und Kopftuch jeweils zwei und erwartungsgemäß ohne Aussage, 17 Treffer Boos-Nünning, da denkt man mit Grausen an den Namen Karakaşoğlu und siehe, auch 17 Treffer. Was ebenso wenig verwundert, wie die ständige Nennung »Viele Welten leben«, nun ja, ebenfalls 17 Treffer, was ein Gutes hat, denn den Landtagsabgeordneten bleibt der sonstige Unsinn der beiden Damen für dieses Mal erspart. Der buchgewordene Heuhaufen an denkbar unsinnigen Fragestellungen und nahezu aussagefreien Diagrammen: Ursula Boos-Nünning, Yasemin Karakaşoğlu: Viele Welten leben. Lebenslagen von Mädchen und jungen Frauen mit griechischem, italienischem, jugoslawischem, türkischem und Aussiedlungshintergrund. BMFSFJ: Berlin. Und hier zur krass korrekten Boos-Nünning-Verwendung, eine ganz echte Expertise. Suchfunktion getestet, Menschenrechte / Grundgesetz / Grundrechte jeweils 0 (null) Treffer, interkulturell mehr als 150 Treffer, man muss Prioritäten setzen, guckstu

http://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/GB_I/I.1/EK/14_EK2/Gutachten/ExpertiseHerwartz-Emden.pdf

(10) Landtag Nordrhein-Westfalen -33- Ausschussprotokoll 13/1454. Ausschluss für Frauenpolitik 15.02.2005, 40. Sitzung (öffentlich) the-ro. Als html-Version

http://209.85.129.132/search?q=cache:jCFTQZuGe_wJ:www.barbara-steffens.de/ZwHAusschProt.pdf+barbara+steffens+%22zwangsehen+verhindern%22&cd=1&hl=de&ct=clnk&gl=de

(10) Professorin wirbt für mehr schariakompatible Gesetze! Boos-Nünning 2005 vor dem Landtag NRW … werbend … für was wohl … für die arrangierte Ehe! Nachredner: Islampolizeifreund Bülent Arslan); als pdf

http://www.barbara-steffens.de/ZwHAusschProt.pdf

Kinderrechte ins Grundgesetz

Juni 15, 2008

Nilüfer,

persisch-türkisch:

„Der Lotos, die Seerose“

Bericht aus unserem Leserkreis. Über den Alltag in Deutschlands Jugendämtern und die selbst verschuldete Unmündigkeit Sozialer Arbeit. Alle Namen wurden von der Redaktion des Blogs Schariagegner geändert

Es ist merkwürdig, wie fern ein Unglück ist, wenn es uns nicht selbst betrifft. John Steinbeck

Nilüfer

Marion Laurenburg: An einem Donnerstag im Januar, es war der letzte in den Weihnachtsferien, betraten mein Kollege und ich schon morgens um 8:30 das Gemeindezentrum einer der beiden deutschen Großkirchen und schlossen den Jugendraum auf. Wie in der unterrichtsfreien Zeit üblich, wollten wir uns mit einigen der von uns betreuten Kinder zum gemeinsamen Frühstück treffen, um anschließend zu einem der beliebten, erlebnisreichen Ausflüge zu starten. Ein Besuch in einem Naturkundemuseum stand diesmal auf dem Programm.

Gegen 10:30 zogen wir, 5 Kinder, mein Kollege und ich gut gelaunt und gesättigt, mit ausreichendem Proviant, den Fahrkarten, Handy und Notfallset ausgestattet, zur Bushaltestelle. Alles war gut organisiert, die öffentlichen Verkehrsmittel waren pünktlich, keinem wurde schlecht und wir kamen erwartungsvoll und guter Stimmung am Zielort an. Dort im ökologischen Erlebnisgarten hatten die acht- bis zehnjährigen SchülerInnen dann genügend Zeit und Gelegenheit, mit den eigens vorbereiteten physikalischen Versuchsanordnungen zu experimentieren, es gab die Gelegenheit mit Wasserexperimenten herumzumatschen, Hebelgesetze auszuprobieren, optische Täuschungen wurden präsentiert, besonders hat die Mädchen und Jungen beeindruckt, wie untrainiert und verkümmert ihre Sinneswahrnehmungen waren, vor allem beim Geruchs- und Geschmacksinn zeigte sich, typisch für Großstadtkinder, Entwicklungspotential. Die Kinder hatten an dieser ungewohnten Form des selbst gesteuerten, experimentellen Lernens viel Freude, die Veranstalter haben aber auch dafür gesorgt, dass genügend Raum für das Herumtoben, Lachen, Krakeelen, Essen und Trinken blieb.

Nach einigen Stunden saßen wir dann auch nach einem spannenden, lehrreichen und spaßigen Ausflug glücklich und zufrieden, jedoch ziemlich erschöpft im Bus und freuten uns, bald wieder zu Hause zu sein. Wir kamen auch pünktlich an der Zielhaltestelle an. Auf dem kurzen Fußweg zum Gemeindezentrum, wo wir unseren Ausflug ausklingen lassen wollten, kamen wir an einer Döner-Grillstube vorbei. Nilüfer Yilmaz, ein zehnjähriges türkisches Mädchen aus unserer Gruppe, sah durch das große Fenster des Ladens und bat mich, schnell hineinzuspringen zu dürfen, um einen der Mitarbeiter dort zu begrüßen. „Das ist mein Onkel, äääh, nicht Onkel, äääh, ich weiß nicht mehr wie das auf Deutsch heißt.“ Ich hatte Nilüfer und auch den Rest der Familie schon öfter dort essen sehen, manchmal sprach man im Vorbeigehen miteinander. Es schienen also Freunde oder sogar Verwandte der Familie zu sein, die dort arbeiteten. Ich sagte darum zu und versprach, mit den anderen draußen zu warten.

Es waren keine anderen Gäste da, niemand versperrte mir das Blickfeld und so konnte ich im Hauseingang durch das Fenster bis in den hintersten Winkel der Imbissstube sehen, wo ein kräftiger, nicht sehr großer Südländer, der deutlich älter als das Mädchen war, etwa 35 – 40 Jahre alt, die Schülerin begrüßte. Als ich beobachtete, wie der Mann die Zehnjährige viel zu innig und intim umarmte, ihr dabei über den Rücken streichelte, Nilüfer jedoch stocksteif die bemerkenswert einseitigen Zärtlichkeiten über sich ergehen ließ, wurde ich misstrauisch und unruhig. Ich weiß noch, dass ich laut fragte: „Was geht denn da ab? Was ist da los?“, weil man derart erotisch seine wesentlich jüngere Verwandte oder die Kinder der Nachbarn oder der Freunde nicht begrüßt.

Bevor mein Kollege sehen konnte, was mich so beunruhigte, ließ der Mann die Schülerin auch wieder los. Um mir einen genaueren Eindruck zu verschaffen, betrat ich, ohne Rücksprache mit meinem Kollegen zu halten, der mit der Beaufsichtigung der anderen vier Kinder beschäftigt war, den Laden. Wahrscheinlich war mir meine Empörung anzusehen, denn kaum dass ich die Imbissstube betreten hatte, drängte ein weiterer Mitarbeiter des Ladens sich zwischen das Mädchen und mich. Dabei hatte er ein scharfes Dönermesser, mit dem er gerade noch Fleisch geschnitten hatte, in der Hand .und streckte den Arm seitlich weit aus, einem Schlagbaum an einem alten Grenzübergang nicht unähnlich. Diese unmissverständliche Geste, unterstrichen durch seinen hasserfüllten Blick, waren eindeutig, ich sollte es nicht wagen einen Schritt näher zu kommen. Um das Mädchen nicht zu gefährden und dem Kind eine Chance zu geben, möglichst unkompliziert und sicher aus der Situation herauszukommen, fragte ich Nilüfer, ob sie mit uns zum Gemeindezentrum kommen oder lieber bleiben wolle. Sie sagte, sie wolle bleiben. So verließ ich den Dönerverkauf, um mit den anderen ins Gemeindezentrum zurückzukehren und die Gruppe zu verabschieden. Anschließend besprach ich mit meinem Kollegen die Erlebnisse im Schnellrestaurant und klärte das weitere Vorgehen ab.

Josef Eppelmann: Auch meine Kollegin war der Ansicht, dass wir zumindest in Betracht ziehen mussten, dass hier von einem seit längerem andauernden sexuellen Missbrauch auszugehen sei, der vielleicht sogar den Eltern Yilmaz bekannt war. Da wir keine ausreichenden Beweise für das Vorliegen einer solchen Straftat hatten, beschlossen meine Kollegin und ich, weder die Eltern noch die Behörden zu informieren. Wir wollten das Kind weiter beobachten und Kontakt zu Fachleuten einer Beratungsstelle gegen sexuellen Missbrauch von Kindern aufnehmen und dort um Unterstützung bitten. Das veranlassten wir auch umgehend. Nochmals unseren Dank für die kompetente, einfühlsame Begleitung und Beratung, die uns bis heute von großem professionellem und persönlichem Nutzen ist.

Nilüfer war das mittlere von drei Kindern der Familie Yilmaz und würde bald elf Jahre alt werden. Sie besuchte die letzte Klasse einer kleinen deutschen Grundschule. Einige der SchülerInnen dort nutzten in den nahe gelegenen Gemeinderäumen ein Förderangebot mit Mittagessen, Hausaufgabenbetreuung, Nachhilfe und Freispiel, das durchaus multikulturell besetzt war. Auch Nilüfers zwölfeinhalbjähriger Bruder Serkan, in der Erprobungsstufe der Realschule, kam wie sie selbst eine zeitlang 3-4 mal wöchentlich ins Gemeindezentrum, bis er, abwechselnd mit seiner zweiten Schwester Serpil, dem fünfjährigen Nesthäkchen der Yilmaz, gute drei Monate lang von meiner berufserfahrenen Kollegin Einzelunterricht bekam. Zweimal wöchentlich und für jeweils drei Stunden war sie in dieser Zeit Gast bei der Familie, wir kannten die Lebensverhältnisse also recht gut. Es handelte sich bei den Yilmaz nicht unbedingt um eine streng gläubige, aber sehr traditionelle und bildungsferne Familie, es gab außer dem Koran und den Schulbüchern der Kinder keinen Lesestoff, nicht einmal eine Fernsehzeitung lag auf dem Couchtisch.

Das Tochter-Eltern-Verhältnis, auch das der übrigen Kinder, war von Respekt und Angst vor Strafe geprägt. Einmal konnte meine Kollegin, die im gleichen Raum war, nicht verhindern, dass Nilüfer von der Mutter wegen einer Nichtigkeit eine knallende Ohrfeige bekam, so dass die Finger im Gesicht minutenlang abgemalt waren. Dem Kind standen die Tränen in den Augen, doch sie wagte nicht zu weinen.

Ein paar Wochen später erschien das Mädchen mit einem zu einem Dreieck gefalteten klitzekleinen und mohnroten Nickituch auf der Straße, das am Hinterkopf zusammen gebunden wurde und reichlich albern aussah, jedoch die hübschen dunkelbraunen und schulterlangen Haare rücklings noch weit herausschauen ließ. Das war ihre Art mit der mütterlichen Anweisung umzugehen, künftig außerhalb des Hauses ein Kopftuch zu tragen.

Laurenburg: Kurz nach dem Jahreswechsel aber war das Haar der Zehnjährigen immer ganz bedeckt. Den Gruppenregeln entsprechend, zog sie beim Betreten des Jugendraums das Kopftuch aus, um es beim Verlassen wieder umzubinden. Weil sie das des Öfteren vergaß, gab es dann zu Hause Ärger. Wie es in ähnlich patriarchalisch strukturierten Milieus üblich ist, hatte die Grundschülerin kein eigenes Taschengeld. Für jedes Kaugummi, jedes Heft, jeden Bleistift musste sie ihren Bruder um Erlaubnis fragen. Ein zwölfjähriger Bengel, der die Macht hatte zu entscheiden, ob er dem Bitten seiner zwei Jahre jüngeren Schwester gnädig nachgibt oder ihr despotisch verbietet etwas zu kaufen, man stelle sich vor, wie das den Charakter des heranwachsenden Machos prägt.

Zuhause war das Mädchen es gewohnt, hinter ihrem Bruder herzuräumen. So musste sie beispielsweise den Platz, an dem Serkan saß und den er nie ordentlich verließ, abwischen, Kleidung, die er überall verstreute, musste sie in den Schrank räumen. Wenn die Geschwister gemeinsam nach der Schule nach hause gingen, trug die Zehnjährige seinen Schulranzen zusätzlich zu dem ihren. Sie trug dann halt zwei Tornister, der einen Kopf größere Bruder hatte die Hände frei. Bereits mit zehn Jahren musste das Mädchen neben den Hausaufgaben Mutter Yilmaz im Haushalt helfen und oft auf die jüngere Schwester aufpassen. Während ihr Bruder seine freie Zeit einteilte, wie es ihm gefiel, er sich verabredete mit wem er wollte, stand das seiner Schwester nicht zu. Wie Frau Karagözlü bestätigen wird, ist das in traditionellen türkischen Familien keine Seltenheit.

Wie gewohnt kam Nilüfer Yilmaz drei bis vier mal in der Woche zur Lernförderung, auch an dem Freizeitangebot für Mädchen hatte sie viel Freude. Verschiedentlich fiel uns während des Nachhilfeunterrichts beim Wiederholen des Lernstoffs die nicht altersgemäße Umgangsweise und Ausdrucksweise in Zusammenhang mit Lehrinhalten des Aufklärungsunterrichts auf. Während sich die etwa gleichaltrigen anderen SchülerInnen verlegen kichernd und herumdrucksend mit dem Thema auseinandersetzten, meinte Nilüfer kalt: „Ich weiß wie ein Penis aussieht.“ Manchmal erwähnte sie wie beiläufig, dass sie in dieser Nacht bei ihrer Tante Nilgün, Frau Yilmaz Schwägerin übernachten würde, auf meine Nachfrage, ob sie sich darauf freue, wich sie mir immer aus oder wechselte das Thema. Bald bemerkten wir, wie das Mädchen zunehmend stiller wurde, kaum noch redete, auch nicht mit den anderen Kindern. Anfang März beobachteten wir, dass Nilüfer Aksen, eine ein Jahr jüngere türkische Schulkameradin aus der Gruppe, Tochter eines Imams, zur Seite zog und ihr zuraunte, dass sie ihr ein Geheimnis verraten müsse.

Während Nilüfer im Allgemeinen weiterhin sehr still war und den anderen Kindern und uns auswich, hielten die beiden Mädchen jetzt engen Kontakt. Ständig hatten sie in den Pausen oder auf dem Weg nach Hause geheimnisvoll zu tuscheln. Irgendetwas Besonderes schien bevorzustehen, worauf sich Nilüfer zu freuen schien. Da die beiden türkisch sprachen, verstanden wir kein Wort. Als ich nachfragte, was denn los sei, dass sie so aufregt sei, erzählte sie, dass in ihrer Familie ein großes, fünftägiges Fest kurz bevor stehe. „Ich weiß nicht wie das auf Deutsch heißt, ich trage dann ein wunderschönes Kleid. Es gibt leckeres Essen, wir feiern und es kommen meine Großeltern, auch Verwandte aus der Türkei.“

Ich wunderte mich, dass Nilüfer weiterhin samstags zur Mädchengruppe kam, obwohl sie sich für eine Sport AG in der Schule angemeldet und mehrmals mitgeteilt hatte, dass sie bald nicht mehr kommen würde. Offensichtlich gefiel es ihr besser, zu basteln und zu klönen als beim Training zu schwitzen. Natürlich freute ich mich darüber, zumal ich hoffte, beim ungezwungenem Spielen und Spaßhaben eher das Vertrauen des für ihr Alter viel zu nachdenklich, ernst und traurig wirkenden Mädchens zu gewinnen. Das gelang mir jedoch nicht in dem gewünschten Maße. Dann begann Aksen unbegründet immer seltener zu erscheinen. Auf Anfrage meinte sie verlegen „Ich übe jetzt mit meinem großen Bruder“. Der Bruder aber, das wussten wir alle, würde sich nie mit seiner kleinen Schwester abgeben. Das wäre unter seiner Würde gewesen. Dann verabschiedete sich Aksen endgültig aus der Gruppe. Darüber war Nilüfer sehr traurig, sie zog sich noch mehr zurück und begann sich auch körperlich zu verändern.

Die Schülerin entwickelte einen sehr großen Appetit und stopfte wahllos Lebensmittel und Süßigkeiten in sich hinein, nie verzichtete sie, wenn sie von den anderen Gruppenmitgliedern Schokoriegel oder ähnliches Zuckergebäck angeboten bekam. Oft gab es deswegen mit dem Bruder Ärger, der sie wegen ihrer Esslust hänselte. Serkan hatte auf sein blechernes Federmäppchen mehrfach „şişlik“ geschrieben, was etwa „Anschwellung, Geschwulst, Schwellung“ bedeuten kann. Nilüfer wurde zunehmend trauriger, sonderte sich von den anderen mehr und mehr ab, wenn sie auch immer wieder meine Nähe suchte, war sie meistens sehr allein. Das Mädchen wurde rundlicher. Manchmal wurde ihr schlecht. Na klar, so was kommt von so was, dachte ich und bat das Kind wenigstens, nicht soviel Süßigkeiten zu essen.

Eines warmen Frühlingsnachmittags stand Nilüfer schon vor der Eingangstür des Gemeindezentrums und wartete auf uns. Mir fiel an diesem wunderschönen Tag besonders auf, wie still und bedrückt sie auf der Mauer saß. Früher wäre sie uns entgegengelaufen und hätte laut gerufen: „Ich bin die Erste, ich bin die Schnellste.“ An diesem Dienstag reichte es nur für ein gleichgültiges „Hallo.“ Als ich das zehnjährige Mädchen, das nun vor der Haustüre stand, von der Seite kommend ansah, glaubte ich meinen Augen nicht zu trauen. Wie eine kleine Kugel wölbte sich ihr Bauch vor. Ich versuchte, mir nichts anmerken zu lassen.

Eppelmann: Wir schlossen auf und gingen hinein. Das Mädchen folgte uns mit hängenden Schultern, gesenktem Kopf, setzte sich an ihren Platz und begann mit ihren Hausaufgaben. Wieder fiel uns auf, dass die Schülerin, wie in letzter Zeit immer wieder, dafür sorgte, allein am Tisch zu sitzen. War das nicht möglich, ließ sie nur Mädchen neben sich sitzen und platzierte die Schultasche zwischen sich und die Nachbarschülerinnen. Darauf von meiner Kollegin angesprochen, meinte die Zehnjährige: „Ich kann mich dann besser konzentrieren.“ Auffällig, wie die Schülerin sich von den anderen Kindern absonderte. Einmal war es dann einem etwa gleichaltrigen Jungen doch gelungen, sie zu einem Tischtennisspiel zu überreden, da habe ich die Zehnjährige nach langem wieder lachen hören. Es war erschütternd, wie das Kind sich veränderte.

Laurenburg: Wenn Nilüfer früher in den Pausen im ganzen Haus, in dem sie sich gut auskannte, überall herum sprang, ging sie jetzt nicht einen Schritt ohne Begleitung. Sogar zur Toilette wollte sie nicht allein gehen, ich musste ihr dann versprechen, vor der Türe zu warten, bis sie herauskam. Wenig später bat ich Nilüfer nach dem Unterricht noch zu bleiben. Ich erklärte ihr unter vier Augen, dass mir aufgefallen sei, wie sie sich in kurzer Zeit verändert habe und fragte sie, ob sie sich krank fühle. Sie schüttelte den Kopf und meinte, es ginge ihr gut. Da die Schülerin mir dabei mit den Blicken auswich, fragte ich, ob es zu hause ein Problem gäbe. Sie schüttelte nur traurig den Kopf. Meine nächste Frage war, ob denn etwas in der Schule passiert sei. Da begann sie zu weinen und erzählte mir, dass Aksen, die Tochter des Imams, mit der sie im Gemeindezentrum und wohl auch in den Schulpausen sehr oft zusammen gewesen war, nicht mehr mit ihr reden und spielen wolle und sogar anderen muslimischen Mädchen verboten habe, sich mit Nilüfer zu unterhalten und oder zu beschäftigen.

Sie berichtete, dass Aksen sich so ekelhaft benehme seit sie nicht mehr zur Nachhilfegruppe ins Gemeindezentrum kam. Da es an dieser Grundschule, wie an vielen anderen auch, leider üblich ist, dass muslimische Kinder den deutschen MitschülerInnen außerhalb der Unterrichtsveranstaltungen aus dem Weg gehen, blieb Aksens ehemalige beste Freundin in den Pausen und auf dem Weg zur Schule immer allein. Eine Begründung habe die Tochter des Imams nicht geben wollen oder können. Die Klassenlehrerin habe Nilüfer auch schon um Hilfe gebeten, die habe sie aber ohne sie anzuhören mit der Begründung weggeschickt, sie habe im Moment keine Zeit. Später habe die Schülerin nicht mehr gewagt die Lehrerin anzusprechen. Ich versuchte die Zehnjährige zu trösten, bestätigte ihr, dass Aksen sich sehr gemein verhalten und mich auch enttäuscht habe und bot ihr an, in dem Streit zu vermitteln. Nilüfer nahm mein Angebot dankend an.

Eppelmann: In diesen Tagen sprach mich meine Kollegin an: „Sag mal, fällt dir was an dem Mädchen auf?“ Auch ich hatte bemerkt, dass Nilüfer einen merkwürdig spitz nach vorne gewölbten Bauch hatte und in der seitlichen Silhouette recht schwanger aussah. Was wir natürlich tagelang nicht fassen wollten. Gemeinsam mit der Beratungsstelle erarbeiteten wir ein Konzept, um Nilüfer zu helfen. Es war bereits Mitte April und der Bauch des Mädchens wurde immer dicker. Meine Kollegin sprach unabhängig voneinander zwei im Gemeindehaus tätige Frauen an, die das Mädchen gut kannten. Als erstes die Gärtnerin: „Hast du dir Nilüfer schon mal von der Seite angeschaut?“, auch diese antwortete: „Das Kind ist schwanger. Ist es schon vierzehn oder erst dreizehn?“ „Nein, Nilüfer ist zehn!“ „Das gibt es nicht. Ja, das Kind ist schwanger, ich als Großmutter kann das beurteilen. Die Art wie sie geht, wie sie sich bückt, wie sie den Bauch schützt, sie bewegt sich wie eine Schwangere, das ist anthropologisch, das tun werdende Mütter auf der ganzen Welt so, solche Mädchen kenne ich aus meiner Zeit in Brasilien. Weiß der Pastor schon Bescheid?“

Eine zweite im Gemeindezentrum beschäftigte Mittfünfzigerin, Frohnatur, selbst Mutter von vier Kindern und Oma von drei Enkelkindern, wurde von der Nachhilfelehrerin, die auch Mutter ist, mit einem „Kommst du mal eben mit runter?“ unter einem Vorwand in den Jugendraum begleitet, wo sie sich einige Minuten lang im mit fünf Kindern bevölkerten Zimmer aufhielt, darunter auch Nilüfer. Die Kinder hatten gerade Pause. Sie plauderte wie üblich unterhaltsam über das Wetter und über ihre Enkelkinder und verließ den Raum kurze Zeit darauf. Etwa zwei Stunden später trafen sich die Erwachsenen auf der Terrasse. Diese zweite Mitarbeiterin der Gemeinde sprach die Nachhilfelehrerin direkt an: „Ich weiß, warum du mich wirklich herunter gelockt hast. Die ist schwanger, ne?“ „Ja. Im vierten Schuljahr!“ „Ist sie mehrmals sitzengeblieben? Hat sie mehrfach wiederholt?“ „Nein. Das Mädchen ist zehn Jahre alt.“ „Das kann doch wohl nicht wahr sein. Und was machst du jetzt?“ „Ich werde das Jugendamt einschalten. Und den Pastor informieren. Das wird diesmal kein angenehmes Gespräch, aber da muss ich wohl durch.“

Noch zum Pastor. Drei Frauen, die als Mütter oder sogar Großmütter eine Glaubwürdigkeit haben, die eigene Körpererfahrung und Lebenserfahrung auf ein knapp elfjähriges Mädchen zu beziehen, hielten Nilüfer über Wochen hinweg für schwanger. Leider waren zwei dieser Mitwisserinnen, die das Kind persönlich kannten und über zehn Wochen besorgt die körperliche Veränderung des Mädchens registrierten, gewissermaßen beim Pastor angestellt, jedenfalls bei der Kirche in Diensten. Diese beiden nahm sich Hochwürden besonders „seelsorgerlich“ vor und verpflichtete sie durch eine Dienstanweisung, über den Fall nie mehr zu sprechen, das heißt, künftig nicht mehr zu sagen, das Mädchen sei persönlich als schwanger eingeschätzt worden.

„Ich habe den beiden die dienstliche Anweisung gegeben, über den Fall Nilüfer nicht mehr zu reden, mit niemanden“, so der Pastor telefonisch zu uns. Dieses Vorgehen könnte man als Beeinflussung von Zeugen beschreiben. Die beiden Frauen waren und sind von dem Pastor existenziell abhängig. Hochwürden drängte mithin zwei Frauen zu verschweigen jemals ein schwangeres Kind gesehen zu haben. Wir haben damit zwei Ansprechpartnerinnen weniger, die beiden Frauen jedenfalls haben wir bis heute nicht mehr auf den Sachverhalt angesprochen. Einmal im Quartal sieht man sich, dem Thema Nilüfer weichen wir jedoch alle aus.

Laurenburg: Auch in den folgenden Wochen war der Geistliche eifrig bemüht, jegliche Spuren, die auf einen Bezug des Mädchens zum Gemeindezentrum hätten hinweisen können, zu verwischen. Mehrfach lief er zwischen Jugendamt, Kirche und Grundschule hin und her, um begierig alle die Informationen aufzunehmen und weiter zu geben, die halfen, das Gemeindezentrum ins rechte Licht zu rücken. Dabei scheute er nicht davor zurück, das zehnjährige Opfer als notorische Lügnerin darzustellen, weil er „aus verlässlicher Quelle“ gehört habe, dass die Schülerin öfter flunkert. Eine in dieser Entwicklungsphase selbst unter unproblematischen Lebensumständen gar nicht so seltene Verhaltensweise.

Eppelmann: Die anderen Grundschülerinnen und Grundschüler merkten, altersgemäß naiv und verträumt, glücklicherweise absolut gar nichts, Schwangerschaft eines Kindes ist für sie offensichtlich und Gott sei Dank nicht Teil ihrer Lebenswelt. Eine vierzehnjährige Jugendliche jedoch sprach meine Kollegin an: „Sag mal, ist die Nilüfer schwanger, die sieht aus wie meine Mutter, als mein Bruder unterwegs war?“ „Das scheint so zu sein, auch mir ist der Bauch aufgefallen.“ „Die ist doch viel zu jung. Was machst du jetzt, wie wird es mit ihr weitergehen?“ „Ich werde das Jugendamt einschalten müssen. Bitte sprich mit niemandem aus der Kindergruppe darüber.“ „Ok, klar.“

Laurenburg: An einem Samstag, die Mädchengruppenstunde war beendet, es war alles aufgeräumt und gespült und die Kinder wollten nach Hause gehen, kam eines der Mädchen auf eine dumme Idee. Sie wollte sich über Nilüfers Ängstlichkeit lustig machen und meinte aufgeregt: „Da in der Ecke steht ein Mann.“ Im nächsten Moment starrte Nilüfer mich mit weit aufgerissenen Augen und Mund an, kreidebleich, nicht fähig sich zu rühren oder einen Ton von sich zu geben. Nur weil ich den Arm um sie legte und ihr versicherte, dass die Türe abgeschlossen war und es doch niemandem möglich ist durch die verschlossene Tür zu gehen, gelang es mir das Mädchen zu beruhigen.

Weitere Tage vergingen. Nilüfers Bauch wurde immer dicker. Wildfremde Leute auf der Straße blieben stehen und guckten uns hinterher, wenn wir mit dem Mädchen über den Marktplatz gingen. Das Kind zeigte inzwischen verwahrloste Züge, fleckige Kleidung, oft kam sie schon viel zu früh zur Gruppenstunde oder zur Nachhilfe, obwohl sie damit rechnen musste, dass die Eingangstür abgeschlossen war. Wenn die Gärtnerin gerade da war durfte die Schülerin ihr helfen.

Nilüfers Klassenlehrerin konnte die Verhaltensänderung und den zunehmend dickeren Spitzbauch der Viertklässlerin nicht übersehen haben. Die Pädagogin, deren Aufgabe es eigentlich sein sollte, ihren SchülerInnen Ansprechpartnerin und Beraterin in den vier Jahren einer sehr wichtigen Lebensphase zu sein, die prägend für die Einstellung zum lebenslangen Lernen ist und auch die individuelle Persönlichkeitsentwicklung beeinflusst, sprach weder mit dem Mädchen noch mit dessen Eltern. Sie stand kurz vor ihrer Pensionierung, nach diesem vierten Schuljahr würde sie keine eigene Klasse mehr übernehmen und sich auf den wohlverdienten Ruhestand vorbereiten. Jetzt, kurz vor dem Ende ihrer beruflichen Karriere, wollte sie keinen Skandal. Sie wird die Sommerferien sehnlichst herbeigewünscht haben. Dann wäre sie das Problem los gewesen, da Nilüfer im nächsten Schuljahr eine weiterführende Schule besuchen würde. Übrigens hätte ihr eigentlich auffallen müssen, dass die Schülerin am Stichtag an keiner solchen Bildungseinrichtung in der näheren Umgebung angemeldet war. Ihr ist es als Einzelperson gelungen, das übrige Kollegium der Grundschule, dass uns größtenteils nicht einmal persönlich kannte, genau wie den Pastor davon zu überzeugen, der Familie sei durch unser „unprofessionelles“ Vorgehen schwerstes Unrecht zugefügt worden. Hauptvorwurf war, vor dem Einschalten der Behörden die Familie nicht zu dem Sachverhalt gehört zu haben. Genau das aber hielt nicht nur der Polizist für gefährlich und einer erfolgreichen Klärung der Sachverhalte im Sinne des Kindeswohls für hinderlich.

Eppelmann: Wahrscheinlich war die Klassenlehrerin völlig überfordert. Welcher Kollegin hätte sie sich anvertrauen können? So etwas, Kindesmissbrauch und mutmaßliche Schwangerschaft einer Zehnjährigen ist an deutschen Schulen einfach nicht vorgesehen, das kommt nicht vor. Sicherlich hätte sie sich an eine einschlägige Beratungsstelle wenden können, doch dazu fehlte ihr wohl der Mut. Aufschlussreich, dass Deutschlands angeblich so qualifizierte Pädagoginnen angesichts des auch hierzulande praktizierten muslimischen Traditionalismus mit seinen Verhaltensweisen aus der kulturellen Vormoderne ganz offensichtlich nicht mehr handlungsfähig sind. An eine urdeutsche Familie hätte man sich wahrscheinlich heran getraut, auch an eine italienische oder spanische. Bei den muslimischen MigrantInnen oder bei Roma-Clans jedoch wechseln deutsche Behörden panisch die Blickrichtung wenn es um bronzezeitliche Bräuche wie Kinderverlobung und Kinderheirat[1] geht. Wie viele Mädchen wie Ghulam[2] wird es in Europas Parallelgesellschaften geben? Auch das ist eine Form der Diskriminierung, auch diese Kinder haben Menschenrechte.

Laurenburg: Eines Tages kam Nilüfer besonders niedergeschlagen in die Mädchengruppe. Als ich hörte, wie sie zu einer Schülerin sagte, dass sie sich aus dem Fenster stürzen wolle, übertrug ich meiner Vertreterin die Gruppenleitung und zog das Mädchen aus der Gruppe, um in einem anderen Raum unter vier Augen mit ihr zu reden. Ich sagte ihr, dass man, wenn man aus dem Fenster springt, sich sehr schmerzhaft, folgenschwer oder sogar tödlich verletzen kann und schon sehr traurig und verzweifelt sein muss, um das Risiko einzugehen, sich beim Sturz andauernde Schäden zuzufügen oder gar umzubringen. Ob sie mir nicht sagen wolle, was sie bedrückt, damit wir gemeinsam eine andere Lösung finden. Da begann sie zu weinen, und sagte, dass sie bald nicht mehr kommen werde, auch nicht zur Hausaufgabenbetreuung und darüber traurig sei. Ich versuchte sie damit zu trösten, dass wir sie dann vermissen würden, dass sie uns jeder Zeit besuchen könne und sie uns auch bei zufälligen Begegnungen ansprechen dürfe. Für alle Fälle hätte sie ja auch meine Telefonnummer. Auf meine Frage, ob noch andere Dinge sie bedrücken, schwieg sie. Ich versicherte ihr, dass ich verstanden hätte, dass es manchmal sein kann, dass einem das Herz schwer ist, aber man darüber in dem Moment nicht sprechen kann. Sie könne mich jederzeit ansprechen, wenn ihr danach sei, zu reden. Wir gingen dann zurück in die Gruppe und setzten unsere Töpferarbeiten fort. Nilüfer formte aus Ton einen Pilz, eine Schlange und ein Herz, in dem die Initialen ihres Namens eingeritzt waren.

Als die Schülerin etwa eine Woche später mit einer wenn auch nicht sehr tiefen Schnittwunde am Handgelenk erschien, beschlossen wir das Jugendamt einzuschalten. Die KollegInnen hatten jedoch Feierabend, eine Rufnummer für Notfälle außerhalb der Dienstzeiten gab es nicht. Daher riefen wir bei der Polizei an. Der Beamte an der Zentrale des Polizeipräsidiums vermittelte uns an die zuständige Dienststelle. Der berufserfahrene Hauptkommissar, selber Vater, nahm den geschilderten Sachverhalt auf und riet uns dringend, nichts mehr in dieser Angelegenheit zu unternehmen, um uns und das Kind nicht zu gefährden. Er teilte uns mit, dass von dem Verdacht des Kindesmissbrauchs auszugehen sei, den die Eltern zumindest dulden. Wenn die auch nur eine schwache Ahnung hätten, dass gegen sie ermittelt wird, würde Nilüfer auf Nimmerwiedersehen in der Türkei verschwinden und deutsche Behörden hätten keine Möglichkeiten einzugreifen und das Kind zu schützen. In den nächsten Tagen würde ein Beamter uns zu dem Sachverhalt vernehmen und das Jugendamt würde sich bei uns melden. Das geschah denn auch.

Zuerst meldete sich die Polizei und bestellte mich zwei Tage später aufs Präsidium. Auch das Jugendamt vereinbarte noch in der gleichen Woche einen Termin mit meinem Kollegen und mir. Die Kollegin im Jugendamt führte das Gespräch mit maschineller Routine. Im Wesentlichen ließ sie uns schildern was wir beobachtet hatten, stellte wenige Fragen und hielt das Gehörte schriftlich fest. Zum Schluss ermahnte sie uns dringend, uns fortan in der Angelegenheit absolut zurückzuhalten, sie würde alles Notwendige selbst in die Hand nehmen. Nach dem Gespräch fühlten wir uns zwar wie gerädert, waren aber auch erleichtert, eine weitere kompetente Mitstreiterin gefunden zu haben. Das sollte sich jedoch als absoluter Irrtum herausstellen.

Eppelmann: Für uns waren diese Wochen im Mai und Juni fast unerträglich, doch hielten wir uns an den dringenden Rat des Polizeibeamten und verrichteten Business as usual. Ohne die Unterstützung der Beratungsstelle gegen sexuellen Missbrauch wäre uns das nicht gelungen. Nilüfer kam zunächst weiterhin dreimal in der Woche zur Hausaufgabenbetreuung und samstags auch in die Mädchengruppe. Das Ende des Schuljahrs und die Sommerferien rückten näher. Die Kinder freuten sich auf den Urlaub, nur das zehnjährige türkische Mädchen nicht. Sie meinte einmal zu mir, dass sie sogar lieber täglich ins Gemeindezentrum kommen, Hausaufgaben machen und für Klassenarbeiten üben würde, als mit ihren Eltern in die Türkei zu fahren.

Im Gespräch mit den anderen Kindern, die wissen wollten, welche Schule Nilüfer denn im nächsten Schuljahr besuchen würde, stellte sich eines Tages heraus, dass die Eltern die Zehnjährige offensichtlich bei keiner Schule angemeldet hatten. Die Schülerin war auch nicht wie die anderen bei den diversen Informationsveranstaltungen gewesen, um sich mit ihrer Mutter einige Schulen anzusehen oder sich gar bei einer bestimmten anzumelden. Die Zehnjährige meinte auf meine erstaunte Frage, dass sie auch keinen Bescheid einer Schule bekommen habe, der sie als künftige Schülerin begrüßt. Die Mutter habe auf ihre Frage gesagt, sie solle sich keine Sorgen machen, es sei alles in Ordnung.

Da das Prozedere des in Deutschland üblichen Schulwechsels den Yilmaz durch ihren Sohn Serkan bekannt sein musste, ihr Sohn besuchte bereits die 6. Klasse in der Realschule, machte diese Nachricht meine Kollegin und mich stutzig. Für die fast Elfjährige bestand doch Schulpflicht. Sollte Nilüfer nicht in Deutschland bleiben, drohte dem Kind der unfreiwillige Umzug in die Türkei? Wir beschlossen, Anfang der Woche beim Jugendamt vorzusprechen, einmal um diese Information an die Sozialpädagogin weiterzugeben, aber auch um uns nach dem Sachstand zu erkundigen. Was wir damals nicht wussten, das dies Nilüfers letzter Tag in der Gruppe sein würde. Sie sollte nicht einmal mehr die Gelegenheit bekommen, sich von den anderen SchülerInnen zu verabschieden.

Laurenburg: An dem Morgen, an dem ich in der Sprechstunde der Sozialpädagogin beim Jugendamt vorsprechen wollte, begegnete mir Nilüfer auf dem Weg zur Schule, sie war bereits einige Minuten zu spät. Trotzdem beeilte sie sich nicht, sondern schlich mit gesenktem Kopf und hängenden Schultern wie ein geprügelter Hund in Richtung Schule. Sie hatte mich nicht gesehen und war daher einigermaßen überrascht als ich sie ansprach. Ich fragte sie, wo sie denn in den letzten Tagen gewesen sei. Sie begann verzweifelt zu weinen und teilte mir mit, nicht mehr kommen zu dürfen. Sie drückte mich noch einmal und rannte dann weinend zur Schule.

Die Sachbearbeiterin beim Jugendamt war angeblich gerade auf dem Weg zu einem Außentermin und räumte mir („Sie haben zwei Minuten!“) trotz regulärer Sprechzeit mit eisigem Blick nur einen ganz kurzen Wortwechsel ein. Ins Zimmer bat sie mich nicht. Nun ja, dann eben auf der Treppe. „Wie geht es Nilüfer, wissen Sie etwas Neues?“ „Dem Kind geht es gut Ich habe mit den Eltern gesprochen. Dabei musste ich ihnen sagen, wer den ungeheuerlichen Verdacht in die Welt gebracht hat. Sie brauchen sich also nicht zu wundern, wenn sich die Familie zurückzieht und den Kontakt abbricht. Die Mutter war entsetzt und tief enttäuscht, wie Sie, die Sie ja in der Familie aufgenommen worden seien wie eine liebe Verwandte, so etwas überhaupt denken können! Auch die Klassenlehrerin hält ihre Reaktion auch für total überzogen.“ – „Wissen Sie, dass Nilüfer noch nicht auf einer weiterführenden Schule angemeldet ist?“, wollte ich wissen. Diese Frage überhörte die Sachbearbeiterin. Ich fragte: „Ist das Mädchen schwanger?“ – „Sie war beim Arzt. Das ist alles, was ich Ihnen dazu sage. Halten Sie sich jetzt raus.“ Damit war das Gespräch für die Beamtin beendet. Die Diplom-Sozialpädagogin machte auf dem Absatz kehrt, ließ mich grußlos auf dem Treppenabsatz stehen und verschwand nach draußen. Ich war wie vom Donner gerührt. So viel Kaltschnäuzigkeit ist mir im Leben selten begegnet.

Eppelmann: Die Arbeitswelt deutscher Jugendämter bezeichnet derartige Hochnäsigkeit und extreme Distanziertheit den Klienten gegenüber leider als „Professionalität“. Entlastend muss allerdings hinzugefügt werden, dass in Deutschland ein äußerst restriktiv auszulegender Schutz von Sozialdaten (SGB I § 35), der unter Umständen sogar die Ermittlungsarbeit der Polizei behindert[3], eine niederschwellige und bürgernahe Vorgehensweise, die sehr wohl Datenschutz da berücksichtigt, wo öffentliche Interessen nicht verletzt werden, unmöglich macht. Gerade wegen dieser Gesetzesnorm hätte die Sachbearbeiterin unseren Namen weder preisgeben müssen noch dürfen.

Auch hätte sie, schon um sich juristisch abzusichern, Nilüfer eigentlich zu einem Amtsarzt einbestellen sollen. Stattdessen durfte die Familie einen Doktor ihrer Wahl konsultieren. Möglicherweise war sie dem schauspielerischen Talent, der Vernebelungstaktik und dem patriarchalischem Bollwerk traditioneller türkischer Wagenburgen, die alles daran setzen, nichts aus der familiären Innenwelt der muslimischen ParaIlelgesellschaft nach außen dringen zu lassen, nicht gewachsen. Für diese Clans gelten universelle Menschenrechte nur vor der Haustüre.

Laurenburg: Sicherlich wurden zunächst laut zeternd wüste Drohungen ausgestoßen, um dann nicht mehr zu leugnende, offensichtliche Missstände, viel Süßholz raspelnd, beschwichtigend zu verharmlosen. Funktionieren Vernebelung und Taqiyya nicht wie gewünscht, greift man zu einer neuen List. Jetzt wird der beanstandete Sachverhalt mit der kulturellen oder religiösen Besonderheit begründet. Ist das Gegenüber dann immer noch nicht überzeugt, die Unschuld vom Lande vor sich zu haben, die über jeden Zweifel erhaben ist und die Rechtschaffenheit in Person, dann knickt jeder gutmenschelnde Kritiker und Zweifler spätestens dann ein, wenn man behauptet, armes Unschuldslamm einer fürchterlichen islamophoben Hetze und diskriminierenden Verleumdungskampagne geworden zu sein.

Wir organisierten einen Termin in der Beratungsstelle für ein Supervisionsgespräch mit allen in den Fall Involvierten. Der Pastor kam in der Tat zur Beratungsstelle. Die Stimmung war eisig Er war allein gekommen, anders als von uns gewünscht. Die von uns angeregte Einladung der Klassenlehrerin, der Mitarbeiterin vom Jugendamt und eines Mitglieds des Presbyteriums hatte er mit den Worten „Das halte ich für keine gute Idee“ einfach verhindert.

Auffällig war, dass der Geistliche während des gesamten Gesprächs nur als Briefträger von Botschaften der Schule und des Jugendamtes fungierte, deren persönliche Anwesenheit er aber erfolgreich verhindert hat. Wieder wies der Priester auf das schwere Unrecht hin, dass der Familie Yilmaz durch die Anschuldigungen widerfahren sei. Die Nachfrage der Psychologin, was der Familie und dem Mädchen außer der Unannehmlichkeit der ärztlichen Untersuchung durch die Einschaltung der Behörden denn Schlimmes passiert sei, konnte der Geistliche nicht beantworten. Meinem Kollegen und mir prophezeite die Psychologin nach dem Gespräch eine gegen uns gerichtete Stimmungsmache aller betroffenen Institutionen im Stadtviertel. Sie sollte Recht behalten.

Eppelmann: Wir sind uns aufgrund von Berichten Dritter, die das Kind jahrelang gekannt hatten, ziemlich sicher, dass Nilüfer nach einem langen Sommerurlaub in der Türkei jetzt wieder in Deutschland lebt.