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Kindermagazin des Spiegel-Verlags verharmlost den mädchen- und frauenfeindlichen Islam

Januar 10, 2016

Offener Brief von Mina Ahadi, Vorsitzende des Zentralrats der Ex-Muslime (ZdE)

Dein SPIEGEL ist eine seit 2009 herausgegebene Zeitschrift für Kinder aus jenem Verlag, der seit 1947 das Hauptblatt DER SPIEGEL produziert. Die aktuelle Ausgabe des Kindermagazins (Nr. 1 / 2016) titelt mit: Für Kinder erklärt: DER ISLAM und bildet ein glückliches Mädchen im Hidschab ab, im nach Koran und Sunna ab Pubertät vorgeschriebenen Schleier. Keine Haarsträhne des Mädchens ist zu sehen. Eigentlich lieben Kinder aller Welt an ihrer Kleidung kraftvolle bunte Farben, doch das Körperumriss und Körperlichkeit verbergende Oberteil des Titelmädchens ist von einem unsinnlich blassen Flechtengrün, das Ohren, Nacken und Kehle verbergende Kopftuch von einem beinahe weißen, fahlen Blau. In der Tat sieht man in den letzten Jahren in Deutschland derart bleiche, Lebensfreude verneinende Farben immer häufiger bei der Kleidung muslimischer Mädchen. Das sympathische Kind lächelt, womit suggeriert wird, alles im Islam und insbesondere die religiöse Kleidung sei auch für Frauen und Mädchen grundsätzlich völlig unproblematisch.

Auf drei Seiten erklärt der deutsche Journalist Christoph Reuter den Kindern den Islam. Reuter hatte sein Studium der Islamwissenschaft, Politikwissenschaft und Germanistik mit dem Magister abgeschlossen und arbeitet seitdem beispielsweise im Irak und in Afghanistan als Kriegsberichterstatter.

Im Abschnitt FRAUEN IM ISLAM erklärt Reuter, dass der Koran verlangt, „dass muslimische Frauen sich mit Anstand kleiden müssen“, und ergänzt: „Damit ist klar: sie sollen nicht angebaggert werden.“ Dass damit jede unverschleierte Frau eine Schlampe ist und dass selbst die keusche Verschleierung ihren Körper sexualisiert, beklagt Reuter nicht. Der sogenannte Islamexperte unterschlägt die in Koran und Hadith angedrohte Höllenstrafe für jede Frau, die schuldhaft gegen Allahs bzw. Mohammeds Befehl zum Schleiertragen verstößt. Die Seiten 22 und 23 zeigen den Kindern fünf Frauen, eine ohne Kopftuch und vier in der religiösen Bedeckung verschiedener Gestaltung: Hidschab, Tschador, Niqab und Burka.

Obwohl der Islam den Schleier zur religiösen Pflicht erklärt, nennt der Journalist den entsprechenden Textabschnitt DAS TRÄGT FRAU. Gerade so, als ob es um emanzipiertes weibliches Selbstbewusstsein und modischen Schick ginge. Tatsachenwidrig erklärt Reuter: „Der Hidschab ist ein Kopftuch, das vor allem die Haare bedecken soll. Es gibt ihn in verschiedenen Farben“. Nein, der gesamte Körper ist als sogenannte islamische Aura (Schambereich) blickdicht und jeden Umriss verbergend mit weiter Kleidung abzudecken bis auf Hände und Gesicht. Auch für die muslimischen Frauen wird die Farbauswahl von Jahr zu Jahr eintöniger.

Die DITIB kennt Koran und Sunna und verpflichtet jedes die Pubertät erreichende Mädchen sich mit dem Schleier zu bedecken, was Dein Spiegel dem Leser vorenthält. Vor einem Jahr ließ das Bundesverfassungsgericht die Position des angeblich moderaten türkischen Verbandes in das Urteil zum Lehrerinnenkopftuch einfließen:

Muslimische Frauen müssten ab Eintritt der Pubertät in Gegenwart von Männern, mit denen sie nicht verwandt seien und die zu ehelichen ihnen religionsrechtlich erlaubt sei, ihren Körper – mit Ausnahme von Gesicht, Händen und Füßen – mit Kleidung derart bedecken, dass die Konturen und Farbe des Körpers nicht zu sehen seien. Der Kopf gelte dabei als bedeckt, wenn Haare und Hals vollständig bedeckt seien. Dies sei ein nach den Hauptquellen der Rechtsfindung im Islam (Koran, Sunna, Gelehrtenkonsens und allgemeiner Übereinkunft der Gemeinden) bestimmtes religiöses Gebot definitiver Qualität. In welcher Weise die vorgeschriebene Bedeckung erfolge, sei allein die Entscheidung der muslimischen Frau. Das Tragen des Kopftuchs diene demnach ausschließlich der Erfüllung eines religiösen Gebots […]

Dass einige Musliminnen ihren kompletten Körper, also auch Hände und Gesicht bedecken, ist manchen Kindern bekannt. Christoph Reuter erwähnt den Gesichtsschleier und die Burka, aber verschweigt, dass die afghanischen Taliban die Burka mit Prügel und Mord durchgesetzt haben und erklärt den 8- bis 12-jährigen Lesern äquidistant:

Die Burka gibt es in Afghanistan. Sie bedeckt den ganzen Körper – sogar die Augen. Wer sie trägt, guckt durch ein Gitternetz.

Das ist alles, was der Nahostfachmann sagen will? Sinngemäß schreibt der Islamerklärer: Liebe Kinder, auch ein Vollschleier ist völlig in Ordnung, die wasserblaue Burka ist unproblematisch und wer als Frau in dieses typisch afghanische Gewand schlüpft, kann die Welt natürlich nur noch durch das dazugehörige Stoffgitter betrachten. Auch dass der zumeist schwarze Niqab (Gesichtsschleier) mit seinem Sehschlitz von wenigen Millimetern nur ein extrem schmales Blickfeld ermöglicht, ist für Reuter kein Problem. Nun fröhlich weiter im Text, lernen wir mehr über die aufregende Religion Islam.

Der ZdE verurteilt diese Verharmlosung einer Religion, die, solange sie auf die Wörtlichkeit von Koran und Sunna besteht, immer auch eine totalitäre politische Bewegung ist, die unsere Lebensqualität und Freiheit in den sogenannten islamischen Ländern ebenso wie in Europa oder jedem anderen Land mit Einschüchtung, Angriffen, Hinrichtungen, Schleierzwang oder sogar mit der Burka stark einschränkt und belastet.

Unabhängig davon, ob ein Journalist sich an Kinder oder Erwachsene wendet, können wir erwarten anzuerkennen, dass jedes Kinderkopftuch eine Kinderrechtsverletzung ist. Die Schariagelehrten verlangen den Schleier von jedem Mädchen, das die Pubertät erreicht hat bzw. neun Jahre alt geworden ist. Jungen oder Männer unterliegen weder dieser strengen Verschleierung noch sind sie rund um die Uhr auf anständiges Verhalten zu überwachen. Der Hidschab und die gesamte entwürdigte Rolle der Frau im islamischen Recht verstoßen gegen die allgemeinen Menschenrechte und das deutsche Staatsziel der Gleichberechtigung. Herr Reuter hätte das erwähnen müssen und zusätzlich nicht verschweigen dürfen, dass jede rituelle Beschneidung der Genitalien Minderjähriger, also von Mädchen und Jungen unter 18 Jahren, die körperliche Unversehrtheit antastet und daher grundrechtswidrig ist. Der Islam verlangt die Jungenbeschneidung, in Reuters nordirakischem Arbeitsgebiet sogar die Beschneidung (Genitalverstümmelung) der Mädchen. Noch ist die geringst invasive Form der Mädchenbeschneidung in Deutschland verboten und das soll so bleiben.

In der Scharia ist die Frau ein Wesen, das bereits durch ihr körperliches Existieren die Männer zur Sünde verführen kann und deshalb bis auf Hände und Gesicht mit einem Schamtuch zu bedecken ist. Besser noch sie geht gar nicht erst auf die Straße. Ohne Erlaubnis des Ehemannes darf sie das Haus grundsätzlich nicht verlassen, Fundamentalisten praktizieren den Islam so. Würde Herr Reuter akzeptieren, dass seine Tochter mit neun oder zehn Jahren den Schleier anlegen und bis ans Ende ihres Lebens jeden Tag tragen muss? Würde er billigen, dass ihre Haare nicht frei im Wind wehen dürfen? Weiß Reuter nicht, dass mit der islamischen Kleidung für die Muslima eigentlich auch, wie es der Koran verlangt, ein im Vergleich zu ihrem Bruder halbiertes Erbteil verbunden ist sowie der halbe Wert ihrer Aussage vor Gericht?

Will Herr Reuter uns Frauen aus sogenannten islamischen Ländern erklären, dass es gar nicht so schlimm ist mit einem Tschador oder einer Burka auf die Straße zu gehen? Kann er die Erniedrigung nicht verstehen? Wie kann er für Frauen, wo auch immer auf der Welt, das Kopftuch kritiklos zulassen und zugleich wissen, dass an vielen Orten die Kopftuchverweigerin eingesperrt oder ausgepeitscht und die beispielsweise somalische, afghanische oder iranische Muslima, die mit einem Mann islamisch unerlaubten Sex hat, durch Erhängen oder Steinigung hingerichtet werden kann? Der Kriegsberichterstatter weiß, dass an der globalen Kampagne zur Verschleierung der Frau besonders gewalttätige Organisationen beteiligt sind, von Boko Haram bis zu den Taliban, von Al-Shabaab bis zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Das sogenannte Kopftuch ist kein unschuldiges Stück Stoff und der Terror hat sehr wohl mit dem Islam zu tun. Christoph Reuter:

Der Islam war anders als das Christentum und das Judentum – aber nicht völlig unterschiedlich. […] Bis heute streiten viele Menschen darüber, wie friedlich Mohammed war, wie friedlich der Islam überhaupt in die Welt gekommen ist […]

Mehrere Hadithe befehlen die Tötung desjenigen, der seine Religion wechselt, weshalb das Abfallen vom Glauben nach islamischer Rechtsauffassung mit dem Tode bestraft wird. Selbst in Europa müssen Islamapostaten mit Morddrohungen rechnen. Menschen, die sich in sogenannten islamischen Ländern tatsächlich oder angeblich vom Islam abwenden, erleiden soziale Ächtung, den Verlust des Arbeitsplatzes, Angriffe oder haben mit Mordanschlägen zu rechnen. In mehreren Staaten werden Apostaten islamjuristisch begründet hingerichtet. Offensichtlich ist Reuter der Ansicht, dass man Kindern das wahre Gesicht des Islam nicht zumuten kann und präsentiert ihnen einen rosaroten Kitschislam oder Bambi-Islam.

Der ZdE protestiert gegen diese Verharmlosung der menschenfeindlichen und insbesondere frauenfeindlichen Bewegung und fordert vom Kindermagazin Dein Spiegel eine Erklärung. Kinder brauchen sachliche Information und unseren besonderen Schutz. Alle Mitbürger in Deutschland, denen die universellen Menschenrechte und insbesondere die Gleichberechtigung von Mann und Frau wertvoll sind, rufen wir auf, gegen eine derartige märchenhafte Schönfärberei aktiv zu werden.

Über Mohammad schreibt Herr Reuter völlig unkritisch und verschweigt, dass seine Kriege und Landnahmen denjenigen des heutigen IS sehr ähnlich sind. Nein, nein, dass dürfen wir Kindern nicht erzählen, so scheint Reuter zu denken, die jungen Schüler sollen ausschließlich hören, dass Mohammad ein netter Mensch war und dass alle späteren oder heutigen Probleme mit Dschihadisten mit dem eigentlichen Islam und seinem Propheten nichts zu tun haben. Wir brauchen uns keine Gedanken zu machen, alles ist im grünen Bereich und jede Frau kann schließlich auch mit Kopftuch und Burka glücklich werden und weiter leben …

Sollen die Kinder, sollen wir alle die Folgen der globalen islamischen Bewegung bagatellisieren, vielleicht in der Hoffnung, dass dann die Terroristen nicht böse werden und sowieso alles von selbst besser wird? Hat al-Qaida, haben die Taliban den Islam falsch verstanden, sind Staaten wie Pakistan, Saudi-Arabien oder der Iran ja vielleicht noch nicht islamisch genug?

Nein, liebe Verantwortliche der Kinderzeitschrift des Spiegel-Verlages: Die Musliminnen unter dem Schleier, die Frauen oder Kinder mit dem Kopftuch sind Opfer dieser Bewegung und auch Religion und man kann diesen Mitmenschen nur helfen, indem man Klartext redet und nicht schönfärbt oder vertuscht.

Die Unvereinbarkeit von islamischem Recht und allgemeinen Menschenrechten bzw. von Scharia und Grundgesetz müssen wir ansprechen – auch und gerade gegenüber allen Kindern und Jugendlichen.

Mina Ahadi, Vorsitzende des Zentralrats der Ex-Muslime

09.01.2016

Tel: 0049 (0) 1775692413

minaahadi26@gmail.com

http://exmuslime.com/kindermagazin-des-spiegel-verlags-verharmlost-den-maedchen-und-frauenfeindlichen-islam/

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Emels Kopftuchpolitik

Februar 7, 2009

شَهيد

šahīd

şehit

Glaubenszeuge, Märtyrer

Emels haariger Dschihad

Europas arbeitsteilige Kopftuchpolitik. Von Jacques Auvergne

Vielleicht kennen Sie den simplen und reichlich albernen Cartoon des gelangweilten Eselkarrenfahrers mit der Peitsche, wobei der Mensch, durchaus betrügerisch, das langohrige Zugtier mit einer vor die Nase gehaltenen Möhre zum Fortsetzen des unlustvollen Tuns motiviert. Gestatten Sie mir, die Zeichnungselemente neu zu benennen: Der Karrenfahrer ist der Muslimbruder oder Islamverbandsfunktionär, der Karren ist Europa oder Deutschland, die Fahrtrichtung das Imamat (Cerić) oder Kalifat, die Peitsche der drohende Kopftuchprozess der Fereshta Ludin. Und das Appetithäppchen, die begehrte Möhre? Die Möhre ist ein Jahrtausende alter Leckerbissen sinnlichen Begehrens jedenfalls aufgeschlossenen Kommunizierens, ein wildromantischer femininer Lockenkopf.

Denn Emel Zeynelabidin hat das Kopftuch abgelegt. So was von abgelegt, dass sie als persönliche Garderobe gleich das Haus der Geschichte wählte,[1] ein Museum im alten Bonner Regierungsviertel. Eine doppelzüngige Botschaft, dieser Ort der Deponierung, einerseits Teil werden der Staatsgeschichte und der tatsächlich dokumentierenswerten Einwanderungsprozesse, andererseits findet eine demonstrative Machtergreifung statt: Das Kopftuch, guckstu, ist weg vom lockigen Frauenkopf, doch verewigt in der bundesdeutschen Dar al-Geschichte, der Hidschab ist jetzt BRD … kein Deutschland ohne Schleier. Um es kurz zu machen: Ist Emel für oder gegen eine islamische Kopftuchpflicht? So kurz kann man es leider nicht machen, die Dame ist schließlich professionelle Kommunikationsmanagerin. Also orakelt Emel ein: „Gebt die Köpfe frei!“, was dynamisch und revolutionär, was alternativ und protestkulturell klingt. Wer Emels Geraune widerspricht ist also Freiheitsgegner. Und Emel definiert sich wortlos als Deuterin dessen, was künftig unter Freiheit zu verstehen ist.

Das wäre eine der Hisba[2] und dem Kalifat durchaus zuträgliche Strategie: Ohne Kopftuch streiten für das Kopftuch, es im Blätterwald sinngemäß rauschen zu lassen „Oh ihr Leute, seht, ich trage kein Kopftuch mehr!“ und zeitgleich auf immer weitere Verbreitung des Kinderkopftuchs hinarbeiten, nicht zuletzt an den Universitäten und Schulen der Türkei. Schülerinnenkopftücher sind dort seit Jahrzehnten verboten. Noch. Emel will das Verbot in aller freiheitlich lockenköpfigen Unschuld kippen, Islamist Recep Tayyip Erdoğan, lockenlos, will dasselbe. Man lese Schnee von Orhan Pamuk.

Emel Abidin-Algan (Wikipedia Januar 2009, der Name soll nach wie vor fehlerhaft sein, wie Zeynelabidin außerordentlich bedauert) arbeitet für die Bedeckung der muslimischen Mädchen- und damit auch Schülerinnenköpfe. „Emely“ arbeitet in Sachen Frauenhaarbedeckung, wie es der Zufall oder der qadar (kismet) so will, gemeinsam mit der Islamischen Föderation Berlin (IFB)[3] und vielleicht ja im besten Einverständnis mit dieser.

Die IFB darf nach langen Prozessen in ganz Berlin islamischen Religionsunterricht erteilen und gilt manch einem als veritabler Landesverband der extremistischen, radikalislamischen Milli Görüş, was die IFB natürlich in Taqiyya-Manier laut schnatternd abstreitet. Ganz tolerant billigt Zeynelabidin offensichtlich bis heute die kopftuchbegeisterte Schulpolitik der von ihr gemeinsam mit ihrem (einstigen?) Ehemann gegründeten Islamischen Grundschule Berlin. Fereshta Ludin[4] soll, nachdem ihr das Unterrichten mit Kopftuch untersagt worden war, einem Unterschlupf gleich einen Arbeitsplatz an besagter Grundschule gefunden haben, die IFB teilt sich mit der Grundschule kostenbewusst dasselbe Haus. Ludin war vor dem bekannten Kopftuchurteil zwei Jahre lang Vorsitzende der Muslimischen Jugend Deutschlands (MJD),[5] die dem Gedankengut von menschenrechts- und grundrechtsfernen Theokraten wie Qutb, al-Maududi, und al-Qaradawi nahe steht. Die MJD ist der FEMYSO angeschlossen,[6] FEMYSO ist Muslimbruderschaft.[7]

Nun ja, Solidarität ist an sich etwas Ehrenwertes und Fereshta Ludin und ihr Mann bekamen jeweils eine halbe Stelle an Deutschlands erster islamischer Grundschule. Dürfen wir auf ein Zeichen der Solidarität zu Ex-Muslimen, Juden, Polytheisten und Atheisten von Frau Ludin und Frau Zeynelabidin hoffen? Oder auch nur zu Muslimen, die es wagen, sich von Qutb, Erbakan, Muslimbruderschaft und ECFR eindeutig und scharf zu distanzieren? Beredtes Schweigen, einmal mit, einmal ohne Kopftuch. Wie EMMA berichtet, saß Emel Zeynelabidin in London auf dem Podium neben dem Enkel von Hasan al-Banna, Tariq Ramadan, anlässlich einer Konferenz mit dem alarmierend nach islamischer Gegengesellschaft und europaweiter Rechtsspaltung klingenden Titel Europäische Staatsbürgerschaft von Muslimen. [8]

Islam und (als?) Staatsbürgerschaft findet sich im Begriff muslim citizenship.[9] Der Islam-Bürger, das könnte ja harmlos sein, wenn der Religionsgründer ein Lao Tse oder ein Buddha wäre. Doch wo man die Islamischen Menschenrechte (Kairo) der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 vorzieht, wird wohl alles, was Islam und Staatsbürgerschaft auf einer Augenhöhe ansiedelt, auf ein Dhimma- oder Millet-System hinauslaufen, einen Apartheidsstaat islamisch befreiter Zonen und paralleler Rechtssysteme. Wollen wir die Scharī’a-Gerichtshöfe?

Islamische Autoritäten wie Tariq Ramadan oder Großmufti Mustafa Cerić, der die Scharī’a als ewig und unverhandelbar bezeichnet und für den Aufbau einer “einzigen muslimischen Autorität“ für ganz Europa kämpft, denken seit einiger Zeit intensiv über die Muslim-Staatsbürgerschaft nach[10], [11] Angesichts der, institutionell begründeten und durch wahnwitzige Projekte wie Türkeibeitritt und Vertrag von Lissabon mehr als erklärlichen Europaskepsis breiter Bevölkerungsmehrheiten ist es von den Islamisten sehr geschickt, das Thema Europa zu besetzen und für das segregiert gedachte ethnoreligiöse Kollektiv ein postdemokratisches, nach-menschenrechtliches Staatsbürgertum zu erträumen, welches der Bundesrepublik dereinst ja womöglich von oben, von Brüssel aufgezwungen werden wird.[12] Schlimmstenfalls würden ’die Muslime’ auf Generationen in eine kalifatsähnliche Struktur gesperrt, in der Allahs Schariarichter, Imame und Sittenwächter Gotteslästerung und Verheiratung nach Maßgabe von scharī’a und Sunna regeln. Mustafa Cerić will den zunächst parallelgesellschaftlichen Totalitarismus, die Allahkratie,[13] der Großmufti aus Sarajevo spricht unverfänglicher von Imamat.[14]

Laut Wikipedia habe sich die 1960 geborene Emel Abidin Algan, genannt Emel Zeynelabidin, im Alter von 44 Jahren von ihrem traditionellen Umfeld emanzipiert,[15] man bemerke: Das Umfeld sei nicht etwa radikalislamisch oder wenigstens traditionalistisch gewesen, sondern traditionell, so als sei ein Islamfunktionär, Muslimbruder und Arzt wie ihr Vater, Dr. Yusuf Zeynel Abidin,[16] ein Nomade der Yörük oder ein anatolischer Schafhirte. Ob die Dame in ihrer aufregenden kopftuchorientierten Mission nicht viel eher ein PR-Projekt der globalen Islamischen Bewegung ist, kann eine Enzyklopädie vielleicht nicht fragen. Die Mutter von sechs Kindern sei zwangsverheiratet worden, sie selbst nennt es organisiert verheiratet. Eine traurige Organisation ist die nikāh allemal.[17]

Vom Bündnis der Luther-Städte wurde Zeynelabidin 2007 in Speyer der mit 10.000 € dotierte Preis Das unerschrockene Wort verliehen.[18] Wobei Laudatorin Barbara John,[19] hier ihre schariafreundliche Festrede,[20] als ehemalige Ausländerbeauftragte der Stadt Berlin (1981-2003) davor warnte, ein Zerrbild der Gepriesenen zu entwerfen. Nanu, Zerrbild, da muss sich also jemand beschwert haben? John sitzt im Kuratorium der Muslimischen Akademie in Deutschland, der neben vielen anderen auch Bekir Alboğa[21] und Yasemin Karakaşoğlu angehören.[22] Nun, bei solchen demokratieskeptischen Mitstreitern hoffe ich sogar, dass John von Zeit zu Zeit schon mal ein islamskeptisches ’Zerrbild’ zukommt, ich mute es der Honorarprofessorin und Expertin für Sprachförderung jedenfalls zu.

Mitnichten müssten nun alle Frauen ihre Haare zeigen, raunt Zeynelabidin, es gehe um eine Kleidung, die der “individuellen, natürlichen Scham“ entspreche, lesen wir in Qantara.[23] Das ist womöglich ziemlich gelogen, denn eine “individuelle“ Interpretation des Konzepts etwa der ‚Aura (ʿaura),[24], [25] (zu verbergender Schambereich) ist von Millî Görüş oder Muslimbruderschaft gar nicht vorgesehen. Auch die Konzeption der fitra (fiṭra),[26] die (angebliche) natürliche Veranlagung oder Bestimmung (nämlich als islamisch sprich schariapflichtig) mag den Pflichtvergessenen zwar sozusagen naturgemäß dem Höllenfeuer zuordnen, lässt aber eine Kritik am echten Islam in keiner Weise zu. Eher schon erklärt die Fitra den Islam dreist zur Naturreligion und jeden, der gegen Sunna, Koran und Hadithe verstößt, zum (widernatürlichen) Verräter an kosmischer Ordnung und sozialer Harmonie.

Verschweigt uns Zeynelabidin beim Parlieren über die “individuelle, natürliche Scham“ die Dogmen von fiṭra und ʿaura ganz kalkuliert, um Deutschlands und Österreichs Nichtmuslimen vorzugaukeln, die Frau unter der Scharia habe das Recht auf freie Kleidungswahl und autonomes Definieren des Intimen und Schambehafteten, der Sitte und der Tugend? Oder schnitzt sie sich, meinen Segen hätte sie, eine unerhörte, kreative Emel-Scharia?

Ein paar Perlen aus Emels Kopftuchrhetorik.[27]

Alles darf sein

Das brülle sie doch bitte in Mekka oder Islamabad.

Man muss sich selbst die Erlaubnis geben zu denken, was man will und wie man will

Aber, aber, Frau Zeynelabidin, der Schariavorbehalt.[28]

Meine Söhne haben die Chance, an mir und ihrem Vater zu lernen, mit Konflikten und verschiedenen Lebensformen innerhalb des Islam umzugehen.

Schade, Lebensformen außerhalb des Islam sollen den Söhnen nicht zugänglich sein? Ach so, der gesamte Kosmos ist islamisch (fitra).

Man muss den Schöpfer aus dem Besitzdenken der Religionsverwalter befreien.

Zustimmung, Allāh braucht Emels Beistand.

Und man muss die Frauen aus den Haushalten der Männer befreien.

Moment, wozu hat Allāh den Heiratsvormund (wali) und den männlichen Pflichtbegleiter (mahram) erfunden? Aha, die Außenmauern der Haushalte sollen auch in Zukunft den Männern gehören, die Frauen in der Küche eingesperrt bleiben. Wer als Mann nicht das islamfeministische Zepter der Führung von Küche und Kinderzimmer an seine Frau abgibt, widerspricht der Scharia. Männer raus aus Küche und Kinderzimmer.

Der Schöpfer, den ich erfahren habe, hat es nicht nötig, Forderungen zu stellen und ihre Erfüllung mit Belohnung und Bestrafung einzufordern. Das ist mir zu einfach.

Die Balken biegen sich. Emel schickt den auch azāzil genannten iblīs, den islamrechtlich verbürgten Teufel, auf Urlaub. Mohammed hat sich geirrt, Frau Zeynelabidin, es gibt überhaupt keine Höllenstrafe?

Ich halte es nicht für sinnvoll, wenn Politiker und Politikerinnen immer wieder verordnen wollen, dass muslimische Frauen das Kopftuch ablegen sollen. So etwas Persönliches kann man nicht vorschreiben.

Zeynelabidin kritisiert den nationalistischen Modernisierungsdiktator Mustafa Kemal (“Atatürk“) und sicherlich auch Deutschlands westliches Nachbarland Frankreich, an dem Kopftücher für Schülerinnen und Lehrerinnen während des Unterrichts vernünftigerweise untersagt sind.

Die Muslime wollen nicht zur Kenntnis nehmen, dass ihr Verhalten die Nichtmuslime irritiert. Die Nichtmuslime nehmen die Muslime nicht ernst, weil sie deren Welt gar nicht kennen und auch nicht kennenlernen wollen.

Im Allgemeinen kennen Deutschlands Islamkritiker Koran und Hadithe besser als Deutschlands Türken ihre Grundlagentexte. “Deren Welt“ ist eine leider weit verbreitete, sehr irreführende Metapher, denn es gibt nur eine Welt. Eine Welt – universeller Menschenrechte.

Die Religion darf sich nicht selbst anbeten lassen.

Gut gedacht, konsequent. Hier muss demokratieverträglicher Islam in der Tat weiter voranschreiten. Und die Sunna deiner madhhab, die fatāwā deines Großmuftis? Zeynelabidin sagt uns nichts dazu, dass Indonesiens Schafiiten ebenso wie Gelehrte der Kairoer al-Azhar die Genitalverstümmelung (FGM) an Frauen befürworten. Wenn aber nur der Gottheit Anbetung zusteht, ist dann praktizierte FGM, sehr geehrte Frau Zeynelabidin, ein Gebet an Allāh? Sollten die wahhabitischen Saudis und die iranischen Mullahs ihre Delinquenten vergebens geköpft haben, oder gehören die Bestrafungen bei hadd-Vergehen ebenso zu Frau Zeynelabidins frommer “Anbetung“ wie das Verbot der Apostasie?

Auch die führende Frauenrechtszeitschrift EMMA weiß über Emel zu berichten (Cornelia Filter in: EMMA, September/Oktober 2006).[29] Zeynelabidin:

Beide Organisationen, Milli Görüs wie die Muslimbruderschaft, haben im Laufe der Zeit ihre sozialen Beweggründe verloren.

Die Muslimbruderschaft ist der Wurzelgrund unzähliger terroristischer Bewegungen, ein heutiger Unternehmensbestandteil ist die terroristische HAMAS, Hauptaktivität Verhetzung von Kindern mit paramilitärischen Kindergärten und Abfeuern von Raketen auf Israel. Kein Wort über die Einzelheiten derartig “unsozialen“ Verhaltens?

[Emel über ihren (Ex-)Mann Ahmet Algan] Der glaubt immer noch an den strafenden Gott!

Na so was! Koran und strafender Gott, was denkt sich Ahmet dabei? Der Ex lebt ja noch im geistigen Mittelalter und sollte Emels gutem Rat flugs folgen.

Im WDR erklärt Frau Zeynelabidin:[30]

Das Kopftuch hat mit Religiosität nichts zu tun und ist völlig entbehrlich. Mit dem Ablegen des Kopftuchs als Kennzeichen von Zugehörigkeit und den damit verbundenen Einschränkungen und Grenzen bin ich meinem Schöpfer sehr nahe gekommen und habe mein eigenes Lebens erkannt

Islam ist eben Natur, natürlich, angeboren. Einschränkende Zugehörigkeit gibt es nur zu unnatürlichen, nichtislamischen Religionen. Emels haariger Dschihad.

Hier ein paar Kostproben aus Zeynelabidins Text Lernt Schwimmen, wie er sich beispielsweise auf der Seite Achse des Guten findet.[31]

Die Tochter, gerade mal 12 Jahre alt, durfte aus religiösen Gründen nicht an einem koedukativen Schwimmunterricht teilnehmen, es sei denn nur mit Vollverhüllung.

Aus religiösen Gründen – unsere Emel ist erstaunlich flexibel, sie selbst darf aus religiösen Gründen mit nackten Haaren herum laufen, das Mädchen aber hat ihre Haare aus eben diesen religiösen Gründen zu verhüllen? Ist Allāh Hütchenspieler?

Denn es geht um ein verordnetes Schamgefühl im Namen von Religion, das in die natürliche Entwicklung eines heranwachsenden Menschen eingreift und in der Praxis ein Lernverbot im Namen Gottes nach sich zieht.

Allerdings, und Frau Zeynelabidin kämpft mit Zähnen und Klauen nicht gegen, sondern eben für dieses Andressieren von „Schamgefühl““ (richtig wäre Schande, da es um den guten Ruf geht), für diese heilige Bildungsverweigerung und islamische Lernblockade. Darwin, Freud, Konfizius, Jesus, ein Mädchen braucht so etwas ebenso wenig zu lernen wie Körpererfahrung im koedukativen Sportunterricht der kulturellen Moderne.

Hinter diese Kulissen voller Widersprüche und Unklarheiten mag man sich als Außenstehender und Andersgläubiger nicht gerne begeben, selbst Richter an deutschen Gerichten ziehen es vor, solche Exkursionen zu unterlassen.

Im säkularen Staat ist es nicht die Aufgabe von Richtern, sich einen Trampelpfad durch das dornige Lügengestrüpp der Scharia zu bahnen, dieser schwierige Weg sei den verbohrten oder feixenden Freunden des Gottesstaates oder sei uns Islamkritikern überlassen.

Und als Erwachsene war es bisher unwahrscheinlich schwierig, eine Gelegenheit zu finden, ausschließlich in Anwesenheit von Frauen schwimmen zu gehen.

Emel Abidin Algan wirbt für männerfreie Zonen und Zeiten im Schariaschwimmbad.

Ich wundere mich, warum die nicht-muslimischen Richter nicht die Frage formuliert haben, ob denn die vielen nicht-muslimischen Schülerinnen schamlos und weniger schutzbedürftig seien, als ein muslimisches Mädchen, dass durch diese Art von Verhüllung angeblich schamhafter und geschützter sei.

Frau Zeynelabidin, hier wird nach dem Grundgesetz, dem BGB, dem StGB usw. geurteilt, nicht nach den frauenfeindlichen Gesetzen, wie sie aus der Scharia abgeleitet werden müssen und auch nicht oder nach der totalitäre Folgen zeitigenden Körperkonzeption der ‚Aura.

Muslime trauen einem staatlichen Schutzraum nicht mehr.

Zeynelabidin erpresst uns ein wenig, verstehe ich die Kommunikationsberaterin richtig? Und wohin sollen sich die misstrauisch gewordenen Muslime denn nun hinwenden, werden sie sich ein halāl-Schwimmbad in der Moschee bauen müssen, um endlich Schutz zu haben?

Für Heranwachsende bedeutet das Muslimsein in einer nicht-muslimischen, säkularen Gesellschaft sehr oft immer noch Isolation, Einschränkung und Kontrolle.

Logik war gestern. Was für Erkenntnisse soll der Leser gewinnen? Außerhalb des Kalifats seien Muslime marginalisiert und sehr traurig? Die Säkularität schafft grausamen seelischen Schmerz? Mehr schariakonforme Gesetze im deutschen Erbrecht und Familienrecht schaffen, damit die Muslimbürger nicht so sehr (von der Umma, vom Zugang ins Paradies?) isoliert ist?

Oder, wie gemein von mir, anders gelesen: Isolation der Dhimmis und Harbis, Einschränkung nach Maßgabe der hisbah, Kontrolle durch Sittenwächter? Alles ist möglich, “alles darf sein“ (Zeynelabidin).

Alles, was einem widerfährt, begegnet, herausfordert, ist Teil des Lernprozesses in der Lebenszeit eines Menschen.

Qadar, kismet, Allahs Schicksal und Los, gegen das ein jedes Aufbegehren Sünde ist. Deine Zwangsheirat oder schafiitische FGM, deine sechste Schwangerschaft, dein Verstoßenwerden (talaq) sind chancenreicher Lernprozess. Zeynelabidin folgend, sollen wir jubeln, dass der Islam viele Chancen auf Lernprozesse stiftet.

Steht deshalb in diesem Maße das Wohl eines Heranwachsenden auch für muslimische Eltern und Islamische Organisationen im Mittelpunkt, wenn aufgrund von unterschiedlichen Meinungen Konflikte entstehen, die dann auch noch in aller Öffentlichkeit ausgetragen werden?

Öffentlichkeit ist immer ganz schlecht, lassen Sie uns das vertrauensvolle ‚Prinzip Hinterzimmer‘ bevorzugen oder die Sache staatsvertraglich regeln. Die 1990 in Ost-Berlin vom DDR-Kirchenamt als Religionsgemeinschaft anerkannte Islamische Religionsgemeinschaft (IFB und mehr) klagte 2006 auf Staatsvertrag[32]

Geschichtsbewusste islamische Orthodoxie muss die dār al-’ahd oder dār as-sulh wollen, einen Staatsvertrag mit den aus islamischer Sicht sittlich minderwertigen Nichtmuslimen, um ein Gebiet überhaupt erst zu schaffen, in dem Muslime sich islamrechtlich dauerhaft ansiedeln dürfen.[33]

Weiter beklagt Yeneroglu den Trend in NRW, die Religionsfreiheit der Muslime immer mehr einzuschränken, mit dem Ziel, unter dem Deckmantel von Integration vielmehr die Assimilation zu erreichen. Er befürchtet, dass das Düsseldorfer Urteil den Druck auf Muslime durch nicht-muslimische Schulleitungen erhöhen werde. Yeneroglu zieht einerseits Artikel 6, Absatz 2 des Grundgesetzes heran, um die elterlichen Erziehungsrechte zu untermauern, aber andererseits stellt er fest, dass niemand das Recht dazu habe, jemanden seine Vorstellungen aufzuzwingen wie es der Staat, vertreten durch die Lehrer, angeblich der Familie gegenüber aber tue.

Vor uns haben wir kleine Schülerinnen und Schüler, keine kleinen Kasten Angehörigen verschiedener sittlicher Reinheit sprich sittlicher Dreckigkeit. Der Staat hat alle Schülerinnen und Schüler gleich zu behandeln, auch wenn das Frau Zeynelabidin nicht gefällt, die auf Religions-Apartheid und Sondergesetzlichkeit pocht. Das Familienrecht der Scharia ist in Teilen grundrechtswidrig, etwa in der islamrechtlich einwandfreien Möglichkeit des Vaters oder Großvaters als Heiratsvormund (walī, genauer walī muǧbir, nämlich Heiratsvormund mit Berechtigung zum Zwang eines Mädchens, dieses in erster islamischer Ehe (nikāh) auch gegen ihr Einverständnis zu verheiraten.

Aufschlussreich, dass der von Emel Zeynelabidin zitierte Leiter der Rechtsabteilung der extremistischen Millî Görüş etwa Artikel 3 (2) GG nicht zitiert: Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Darin, dass Zeynelabidin auch heute die in ihrem deutschen Ableger von ihrem Vater mitgegründete radikalislamische und türkisch-nationalistische Millî Görüş erwähnt, dürfen wir ja vielleicht ein Zeichen unverbrüchlicher Loyalität zur Erbakan-Doktrin (adil düzen, batil düzen) sehen, der gerechten islamischen Gesellschaftsordnung, welche die nichtislamische Lebensform des Unglaubens siegreich überwindet.

Eine Alternative wäre es, eigene Schwimmbäder in jeder Stadt zu errichten, um den vielen muslimischen Frauen, die an die Verhüllung glauben und sich daran gewöhnt haben, das Schwimmenlernen zu ermöglichen.

Endlich Klartext: Die nackthaarige PR-Beraterin “Emely“ will die Frauenschwimmbäder, jeweils eines in jeder Stadt.

Emel Zeynelabidin in ihrem Aufsatz Kopftuchpolitik als Reifeprüfung[34]

Dadurch ist eine Parallelwelt entstanden, die es ermöglicht, eine aus- und abgrenzende Minderheitenpolitik zu betreiben. Es ist diese Parallelwelt, in der das eigene Gottes- und Menschenbild, die Einteilung in Gläubige und Ungläubige, in Erlaubtes und Verbotenes eine Bestätigung finden kann.

Genau, die heilige Apartheid von Kalifat nebst Dhimma, mithin genau das, worauf Mustafa Cerić, Tariq Ramadan und Emel Zeynelabidin hinarbeiten. Oder habe ich etwas überhört, Frau Kommunikationsmanagerin, fordern Sie die Imame und Muftis Europas dazu auf, die Unterscheidung zwischen iman und kufr, Glauben und Unglauben beziehungsweise Gläubigen und Ungläubigen fallen zu lassen? Geschickt beschuldigt Zeynelabidin den deutschen Staat, durch irgendwelche Versäumnisse an der Entstehung islamischer Gegengesellschaften schuldig zu sein, zugleich bietet sie sich als Helferin beim Abbauen des islamischen Fundamentalismus an.

Das Vorbild des Propheten Muhamed, der sich ausdrücklich für das Wohl der Frauen einsetzte,

Mohammed als Gleichheitsfeminist? Die Frau kann Koran und Hadithen nicht gelesen haben. Über diese Fehleinschätzung wäre Mohammed ziemlich sauer.

Oder, männerbündisch: Ok, die Frau hat Geld gekostet, man muss sie pflegen, damit die Rendite zum Kauf der Zweitfrau ausreicht, guckstu.

Nachdem dann auch ein geschmücktes Dekoltee einen Mann dermaßen ablenkte, dass dieser gegen eine Mauer lief und sich dabei die Nase brach, kam die Verhüllung der gläubigen Frauen zum vollen Einsatz.

Ein islamisches Märchen, fern jeder aufklärerischen Geschichtsbetrachtung, von Frau Zeynelabidin unterhaltsam-frivol und kalkuliert beschämend in Stadthallen und Hochschulräumen eingesetzt. Die Dhimmis kichern verlegen aufgegeilt, Seelsorgerin Emel guckt treu.

Brutale Theokratie hat die Menschen noch immer am Genital gepackt, symbolisch wie ganz konkret (FGM und MGM; diverse Beischlafdogmatik; heilige Homophobie).

Die textilen Gefängnisse von Tschador und niqāb wurden tausend Jahre lang kultiviert. So ganz gegen Allahs Willen?

Warum, um alles in der Welt, bedienen sich islamische Organisationen hierbei nicht dieser Erlaubnis zur freien Interpretation, als vor fünf Jahren die Kopftuchdebatte mit der Klage der afghanischen Lehrerin entbrannte und sich bis heute als öffentliches Dauerthema ohne absehbares Ende hält?

Idschtihad[35] ist für Sunniten, ohnehin nicht für den Laien, sondern lediglich für höchste Ulama (Gelehrte) möglich, nur innerhalb der von Allah in Koran und Hadith gesetzten Grenzen erlaubt. Höhere schiitische Ayatollahs dürfen eigenständige Rechtsfindung vornehmen, niemals aber für eine muslimische Frau. Im Übrigen möge Zeynelabidin das mit Herrn al-Qaradawi klären oder, falls lebensmüde, selber Fatwas zu schreiben beginnen. Aha, ein Beendigen des Themas Lehrerinnenkopftuch wäre Zeynelabidin wohl ganz recht, am besten mit der Zulassung des Lehrerinnenkopftuchs? Daraus wird nichts.

Mit einem entwickelten Verständnis von sozialer Verantwortung islamischer Organisationen und einer am universalen Wesen der Offenbarungen orientierten Vorstellung wäre damals die Klage der afghanischen Lehrerin vor dem höchsten Gericht Deutschlands vielleicht auf eine vernünftigere Weise gelöst worden.

Deutschland ist grün hinter den Ohren, sittlich wie politisch unreif, ein rückständiges Entwicklungsland! Bravo, Frau Abidin-Algan, das musste mal gesagt sein.

Im Ernst: Mit Universalität meinen wir universelle Menschenrechte, nicht universelle Schariaoffenbarung. Ach so, Allahs Sittenlehre ist nicht lediglich angenehm, sondern auch rational: Scharia ist Vernunft.

Die Diskrepanz zwischen kollektivem Praktizieren von Verhaltensformen im Namen von Religion, die auf eine alte Zeit zurückgehen, und der notwendigen Anpassung an die Gegenwart ist zu einer Überforderung für das solidarische und produktive Zusammenleben von Menschen verschiedener Meinungen in einer pluralen Gesellschaft geworden.

Die Bundesrepublik Deutschland ist überfordert und muss, will sie nicht in Schariastadtviertel zersplittern, die religiös begründete Rechtsspaltung vollziehen, meint Emel Zeynelabidin das? Oder ruft sie nach mehr politischer Macht für die Muftis und Scheiche aus dem Umfeld des 1997 gegründeten ECFR (European Council for Fatwa and Research)? Wie auch immer, die Kommunikationsfachfrau spricht in Rätseln und der Islam ist die Lösung (al-islām huwa al-ḥall, Motto der Muslimbruder).

Die Hürde mit dem Kopftuch muss noch genommen werden, denn sie ist eine Prüfung für den Fortschritt in den Köpfen aller.

Kopftuchkritiker seien per se rückschrittlich, unreif, irgendwie etwas vormodern im Gehirn.

Noch ein paar Weisheiten von Frau Zeynelabidin, der zuerst in der DIE WELT erschienene Aufsatz trägt den Titel: Gebt endlich die Köpfe frei![36]

Gebt endlich die Köpfe frei!

Emel kämpft für die Freiheit des Denkens. Ironie aus.

Verbote, wie das staatliche Kopftuchverbot an den Universitäten der Türkei, greifen in das Persönlichkeitsrecht ein und sind deshalb extrem, was wiederum neue Extreme erzeugt.

Du freiheitlich-demokratischer Extremist hast Probleme mit islamischem Terrorismus, hm? Einfach das Kopftuch zulassen, sonst knallt`s.

Heute wird das Kopftuch immer häufiger zweckentfremdet.

Das arme Kopftuch. Einfach zulassen. Nicht zweckentfremden, einfach haben, legt uns Emel nahe. Überall Hidschab, Dschilbab, Tschador, Niqab.

Für viele Trägerinnen vermittelt es abgrenzende Gruppenzugehörigkeit als ein religiöses Symbol, das zu einem politischen Ausdruck von Widerstand gegen staatliche Bevormundung eingesetzt wird.

Ach, diese sittenstrengen Kopftuchträgerinnen haben diesen Charme des Gegenkulturellen, Widerborstigen, Aufmüpfigen. Spaß beiseite: Ich fühle mich durch die angeblich die Seele vor der Hölle rettende, auf Erden leider ziemlich faschistische Lebensweise der Scharia bevormundet. Und durch die Zwangsheiraten und arrangierten Ehen in meiner Straße, und durch den allgegenwärtigen Schleier.

Versachlichung der Diskussion nötig

Billiger Trick. Werden Mun-Sekte, Scientology und NPD, um ihr gegendemokratisches Anliegen zum Erfolg zu führen, demnächst ebenfalls auf diese Floskel (“Versachlichung der Diskussion“) zurückgreifen?

Ich hoffe, dass nach Aufhebung dieses einschränkenden und einseitigen Verbots eine Entspannung zwischen Gegnern und Befürwortern eintreten wird, damit man beginnt, sich ernst zu nehmen, um ins sachliche Gespräch zu kommen.

Eine bemerkenswert listige Strategie des Untergrabens der öffentlichen Glaubwürdigkeit des Gegners, laut zu sagen: “Wir sollten einander ernst nehmen.“ Studiert man dazu Kommunikationsmanagement? Und das bei den heutigen Studiengebühren, der Trick steht doch im ’il principe’ des Macchiavelli?

Ich finde, dass Gesprächsverweigerung viel gefährlicher ist als das Tragen eines symbolträchtig gewordenen Kleidungsstücks.

Was für ein Funkensprühen verschachtelter Lügen! Flackernde islamische Rhetorik, ein knisterndes Feuerwerk an Kitman und Taqiyya! Wer nicht über das Kalifat verhandelt, ist in der Tat Gesprächsverweigerer, leider redet Dr. Schäuble immer weiter mit seiner islamistisch dominierten Tafelrunde namens Islamkonferenz. “Symbolträchtig geworden“ behauptet, die Schuld für jeden Kopftuchstreit liege bei den Gegnern von Tschador und Hidschab. Sportlerin Emel ist besser geworden in der olympischen Disziplin der Taqiyya, ich gebe die volle Punktzahl.

Wenn das Kopftuch mit Identitätsverständnis, moralischen Werten und anerzogener Scham verknüpft ist, dann kann man von dieser Frau nicht erwarten, dass sie das Kopftuch beziehungsweise ihre Verhüllung von heute auf morgen ablegt. Das Recht auf Bildung darf davon nicht berührt sein und muss für eine Frau immer uneingeschränkt bestehen bleiben.

Moment, wie lange ist das Kopftuch im türkischen Bildungsbereich auch für Schülerinnen und Studentinnen verboten? Zeit zur Eingewöhnung an dieses beschämende sich-nackig-Machen war ja wohl mehr als genug. Wo wir beim Thema sind, das kopftuchfreie Klassenzimmer auch für Schülerinnen wäre eine tolle Sache.

Spätestens jetzt, wo im Namen des Islam unverhältnismäßig um das Kopftuch gekämpft wird, sollte bewusst werden, dass das ursprünglich als unbedeutender Teil eines Volksglaubens geltende Tuch nun auf der politischen Bühne als Fahne gehisst wird. Warum wird diese Zweckentfremdung geduldet?

Sind schon frech, diese Muslimbrüder und Muftis.

Es sind diese Offenbarungsgründe, aber auch meine eigenen Erfahrungen, durch die ich erkannt habe, dass es sich bei der koranischen Verhüllungsempfehlung um eine praktische Maßnahme handelt, die heute wegen eines entwickelten Selbstverständnisses von Mann und Frau völlig überflüssig ist.

Wissenschaftlerin Zeynelabidin und die Sache mit dem Offenbarungskontext. Statt zu sagen: “In der arabischen Stammes-Politik vor 1.400 Jahren oder sogar in der Psyche des nachmaligen Propheten schien so etwas wie eine himmlische Autorität notwendig geworden zu sein; dieses gewalttätige Monopol auf Spiritualität, Tugend und gelingendes Leben begann sich rasch auszubreiten“ benutzt Zeynelabidin das Wort Offenbarung. Wortgläubige Kreationistin oder eher Intelligent Design?

Liest Frau Zeynelabidin keine Fatwas?[37] Das Kopftuch ist aus Sicht der islamischen Geistlichkeit Vorschrift, die Frau darf zum Kopftuchtragen geprügelt werden.[38] Emel Zeynelabidin will den Großmufti von Sarajevo allerdings gar nicht gegen das Kopftuch einstimmen, sondern die deutschen Nichtmuslime (notfalls auch in Kopftücher) einwickeln und das märchenhafte Bild vom toleranten Islam vermarkten. Gut für den (nicht von mir) erwünschten Türkeibeitritt.

Damals gab es eine einfache, praktische Notwendigkeit für diese Körperverhüllung: Frauen wurden von Männern belästigt, weil sie mit den Sklavinnen verwechselt wurden, und Männer brachten sich mit ihrer Vorliebe für weibliche Dekolletés in Verletzungsgefahr. Da die Menschen von damals sich nicht selber helfen konnten, musste sich Gott mit zwei Offenbarungen einschalten.

Das war ein feiner Zug von Allah, Arabiens hätten andernfalls weiterhin unbedacht Sklavinnen vergewaltigt und wären, von Brüsten gleichsam geblendet, gegen Wände gelaufen. Augenblick, einer von beiden hat jetzt die schwulen Männer vergessen, Emel oder Allah? Ich bitte um ein Rechtsgutachten (fatwā). Zeynelabidin witzelt über die erniedrigte Stellung der Frau in Fiqh (Sakraljurisprudenz als Niederschlag der Scharianorm, menschengemacht) und Scharia (himmlischen Ursprungs). Das Herumgealber soll uns übersehen lassen, dass die Islamaktivistin mehr Scharia und mehr Fiqh will.

Nebenbei, Frau Zeynelabidin: Wollen sie die Sklaverei des Zeitalters der Glückseligkeit (ʿaṣr as-saʿāda) oder der folgenden, kaum weniger authentisch islamischen Jahrhunderte wieder einführen? Warum bekennen Sie sich nicht dazu, dass die am 10. Dezember 1948 bekundeten allgemeinen Menschenrechte auch im Namen der Seelenrettung (Religion) nicht außer Kraft zu setzen sind?

Ich bin heute sehr dagegen, dass eine Gruppe von Menschen mit Äußerlichkeiten wie Kopftuch und Verhüllung bestimmen, was Religion und Religiosität und vor allem Anstand ist.

Brave Koranschülerin: Nicht eine Menschengruppe legt fest, Allahgott legt fest. Ein Fleißkärtchen für Emel.

Deshalb finde ich es heute meistens sehr beschämend, dass der außenstehende Nichtmuslim das Kopftuch mit dem Islam in Verbindung setzt und meint, dass die Trägerin eines Kopftuchs religiöser sei als eine Frau ohne Kopftuch.

Wenn es denn so wäre: Bin ich daran schuld? Islam ist peinlich, mir wäre so manches in Schariatheorie, Fiqhrecht und Sunnapraxis auch peinlich. Psst, wir werden schon einen Schuldigen für solche Schande finden, die HAMAS setzt da ganz auf die Juden. Was hat Zeynelabidin sonst noch gesagt, der kopftuchkritische Nichtmuslim beschämt die Muslime? Will die schamhafte Kommunikationswissenschaftlern den Ungläubigen verbieten, ohne islamische Rechtleitung über den Hidschab auch nur zu sprechen?

Islam ist beides, hundertprozentige Seelenrettung (Religion) und hundertprozentige Politik (irdische Paragraphen entspringen der himmlischen Scharia). Das heilssichernde Islamsystem (Nizam islami) erniedrigt alle Frauen und Nichtmuslime und kann daher (aus religiösen Gründen) keine universellen Menschenrechte zulassen. Nicht zuletzt ist unaufgeklärter Islam (nicht „Islamismus“, den es womöglich gar nicht gibt) Antijudaismus und Antisemitismus.[39]

Zeynelabidins die Schariapflicht zum Hidschab leugnende Annahme ist grundfalsch, denn oft ist es nicht der nichtmuslimische Außenstehende, der die Muslima (verschleiert oder nicht) diskriminiert, sondern die stolze Kopftuchfrau, die die Kopftuchverweigerin mit einem: „Jedes Haar, was man sieht, verwandelt sich in der Hölle in eine Schlange“ oder „Ich komme ins Paradies, und du nicht, wenn du so weitermachst“ zur Ordnung ruft. Das Kopftuch mobbt!

Deshalb sollten Verbote schon aus politischen Gründen abgeschafft werden, (…)

Deshalb sollte Politik bereits aus politischen Gründen abgeschafft werden, (…)

Muslime und Nichtmuslime in Deutschland

Allah kennt verschiedenwertige Sorten Mensch, Emel teilt die Bevölkerung von Staat oder Staat in zwei Klassen auf. Die Dhimmitude als die kulturrassistische Geometrie des Kalifats.[40]

Liebe Leserinnen und Leser, ich bitte Sie, jedes mal dazwischen zu fahren, wenn jemand beginnt, Schule, Krankenhaus, Firma, Stadtrat, Altenheim, Jugendheim oder Kindergarten in die schariatische Kaste der Nichtmuslime und die schariatische Kaste der Muslime zu spalten. Das Überleben der freiheitlich-demokratischen Gesellschaften Europas wird davon abhängen, diese Spaltung, aus der bald eine Rechtsspaltung folgen würde, zu verhindern. Mag mit Provokation, Kriminalität, Gewalt und Terror versucht werden, die Bevölkerung in ethnoreligiöse Kollektive zu segregieren, ist alles zu tun, um die islamische Apartheidsgesellschaft zu verhindern und das gemeinsame, an den allgemeinen Menschenrechten orientierte Recht beizubehalten. Wenn Integration überhaupt ein Rolle spielen kann, dann diese.

Soweit die Analyse der Zitate der Emel Zeynelabidin.

Europas politische Scharia der Dynastien Erbakan und Ramadan betreibt ihre Kopftuchpolitik arbeitsteilig, differenziert. Hier eine Klägerin vor dem Bundesverfassungsgericht, da eine Pressebeauftragte zum Kopftuchbeschwichtigen und Kopftuchverharmlosen. Fereshta und Emel arbeiteten ja womöglich völlig gleichartig motiviert und sorgsam abgesprochen. Die fromme kopftuchtragende Märtyrerin vor dem Verfassungsgericht im Gleichschritt mit Emels haarigem Dschihad,[41] beide kämpfen für das Kopftuch. Treibjagd in Kette, von beiden Seiten angreifen. Der offenen Absichtserklärung ’pro Hidschāb im Schuldienst’ einer mehrjährigen Klage durch alle Instanzen, für die Frau Ludin auserkoren und vorgeschickt wurde, eine Kulisse des fernsehtauglichen kopftuchlosen Lächelns gegenüber stellend. In der Person der Emel ohne Kopftuch in Schrift und Vortrag den Nebel des auch tawriyya genannten īhām werfen und jede Gruppenbildung islamkritisch-säkularer Gegnerschaft erodieren und spalten (fitna), dabei Hand in Hand mit den Parteigängern der Scharia die Deutschen darauf hin trimmen, worum es geht: Auf „pro Kopftuch“.

“Und Allah ist der größte Ränkeschmied“, ermuntert der Koran seine irdischen Statthalter in Sure 3:54 und 8:30.

Man belüge uns Gutmenschen weiter, man nehme uns das Zückerchen Islam heißt Toleranz nicht, von dem wir in Kirche, Wohlfahrtsverband, Jugendamt und Innenministerium mittlerweile längst so abhängig geworden sind wie der Süchtige von der Droge. Wir Multikulturalisten oder Gutmenschen möchten doch so gerne an das Märchen vom abgelegten Kopftuch der Tochter des aus dem Irak stammenden deutschen Millî-Görüş-Gründers Dr. Yusuf Zeynel Abidin glauben. Nachdem der Arzt und Muslimbruder bereits 1976 in Köln eine erste Sektion der Millî Görüş aufgebaut hatte, spielte Dr. Yusuf Zeynel Abidin gemeinsam mit Akgün Erbakan, der Bruder von Necmettin Erbakan, gegen 1985 eine zentrale Rolle beim Aufbau der gesamten Millî-Görüş-Strukturen in Belgien und Deutschland. Tochter Emel tut so, als sei ein Islam ohne Scharia bereits in irgendeiner Moschee lehrbar. Muslim Brotherhood und Millî Görüş seien eigentlich völlig unproblematisch gewesen, findet Emel Zeynelabidin.

Abgemacht. Wir huldigen den radikalislamischen Kopftuchablegerinnen und erzählen in Stadthallen, Gemeindezentren und Universitäten öffentlich etwas von kultureller Vielfalt. Emel bekommt den Preis Das unerschrockene Wort der fünfzehn Luther-Städte verliehen. Im Gegenzug gestatten wir Nichtmuslime euch Muslimen, ethnoreligiös segregierte Gemeinwesen der halbierten Grundrechte auszubauen, wie es Scharia-Dogmatik, Sunna-Zwangshandeln und Fiqh-Jurisprudenz nun einmal voraussetzen. Das Ganze, Dr. Wolfgang Schäuble stimmt uns ja vielleicht zu, lassen wir dann unter Grundgesetz Artikel 4 laufen, ungestörte „Religionsfreiheit“ (im GG lautet es ja zum demokratischen Glück etwas anders und ist gewährleistet, was die die diskriminierende Scharia nicht einhalten kann, dass die anderen Artikel wie 1, Würde, und 3, Gleichberechtigung von Mann und Frau unbeschädigt bleiben).

Yusuf al-Qaradawi[42] kann als Cheftheologe der Muslimbrüder und als eine der höchsten spirituellen Autoritäten des sunnitischen Islam gelten und ist damit auch Frau Zeynelabidins verbindliche irdische Rechtleitung in Sachen Scharia und Fatwa. Er hält das Bedecken des weiblichen Körpers bis auf Hände und Gesicht für fard (farḍ),[43] verpflichtend, doch erlaubt er der muslimischen Frau durchaus, das Kopftuch abzunehmen und für ein paar Minuten mit gotteslästerlich unverhülltem Haupthaar die Öffentlichkeit zu betreten. Wenn auch nur in einem einzigen Fall.

Beim Ausführen einer Märtyreroperation.[44]

Jacques Auvergne

[1] Pressemitteilung: Abschied vom Kopftuch. Emel Algan übergibt Kopfbedeckungen an das Haus der Geschichte in Bonn.

http://www.hdg.de/bonn/presse/news-details/pressemitteilung-abschied-vom-kopftuch/

[2] Hisba: Wahrung der Ordnung nach den Gesetzen Allahs. Hisba ist die Pflicht jedes Muslims, zu gebieten, was recht ist und zu verbieten, was verwerflich ist.

http://de.wikipedia.org/wiki/Hisbah

[3] Islamische Föderation Berlin (IFB). Gilt als Berliner Landesverband der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG).

http://de.wikipedia.org/wiki/Islamische_F%C3%B6deration_Berlin

[4] Fereshta Ludin. Deutsche Pädagogin afghanischer Herkunft. Als Hisba-Aktivistin Deutschlands prominenteste Kopftuchklägerin. Von 1997 bis 1999 im Vorstand der muslimbrudernahen Muslimischen Jugend in Deutschland (MJD).

http://de.wikipedia.org/wiki/Fereshta_Ludin

[5] Muslimische Jugend in Deutschland (MJD). Theologisch und organisatorisch der Muslimbruderschaft nahe stehend:

“ Die MJD ist 1994 im Haus des Islam in Lützelbach von einer kleinen Gruppe von Jugendlichen um Muhammad Siddiq Borgfeldt gegründet worden. … Die MJD ist Mitglied des Forum of European Muslim Youth and Student Organizations (FEMYSO), das sie 1996 mitgegründet hat. Die MJD Schura beschloss 2003, dass bei allen Fiqh-Fragen (z. B. inwiefern soll/darf man die MJD versichern?) der Europäische Fiqh-Rat (European Council for Fatwa and Research, ECFR) befragt werden soll und die MJD sich dann nach seiner Empfehlung richtet. MJD Gründer Muhammad Siddiq ist Mitglied des ECFR, dessen Vorsitzender Yusuf al-Qaradawi ist.“

http://de.wikipedia.org/wiki/Muslimische_Jugend_in_Deutschland

[6] Das Forum of European Muslim Youth and Student Organizations (FEMYSO) ist ein europäisches Netzwerk muslimischer Jugend- und Studentenorganisationen, das ein Büro in Brüssel unterhält und der internationalen Bewegung der Muslimbruderschaft zugerechnet wird … Erster FEMYSO-Präsident war Ibrahim El-Zayat.

http://de.wikipedia.org/wiki/Forum_of_European_Muslim_Youth_and_Student_Organizations

[7] Muslimbruderschaft (Muslim Brotherhood, al-iḫwān al-muslimūn)

http://de.wikipedia.org/wiki/Muslimbruderschaft

[8] Cornelia Filter: Emel hat das Kopftuch abgelegt!, in: EMMA September/Oktober 2006

http://www.emma.de/ressorts/artikel/islam-islamismus/emel-hat-das-kopftuch-abgelegt/

[9] Loyalität wem gegenüber, dem Schariagesetz oder den allgemeinen Menschenrechten? Citizenship kann auch Staatsbürgerschaft heißen oder Bürgerrecht, der Ruf nach einer Muslim citizenship dürfte allerdings den Ausstieg aus der Rechtseinheitlichkeit bezwecken. Die gegenmodern als Spezies, als Sorte Mensch zu verstehenden Muslimbürger brauchen angeblich eine koranbasierte staatsbürgerliche Identität.

Loyalty: Muslim Citizenship in the West

http://islamizationwatch.blogspot.com/2012/03/loyalty-muslim-citizenship-in-west.html

Conceptions of Citizenship in India and the ‘Muslim Question’ … multiple conceptions of citizenship in India

http://journals.cambridge.org/action/displayAbstract;jsessionid=9EB0261F8F696491CD014FC3F5EF9ACB.journals?fromPage=online&aid=6867080

Toward an Acoustemology of Muslim Citizenship in Kenya. Andrew J Eisenberg.

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1556-3502.2010.51906.x/abstract

[10] Zu finden bei der Association of Muslim Social Scientists UK (AMSSUK). Citizenship, Security & Democracy: Muslim Engagement with the West, (edited by Wanda Krause). The papers explore issues around citizenship and identity of the Muslim diaspora.

Proceedings of the 5th Annual AMSS (UK) Conference on Fiqh for Minorities

Toward A Muslim Social Contract in Europe (Joint Publication) by His Eminence Dr Mustafa Ceric, Grand Mufti of Bosnia

http://www.amssuk.com/publications.html

[11] Muslim Citizenship in the U.S. and Abroad; October 9th, 2011; By Sarah Cherrabi El Alaoui. „Asifa Quraishi, a professor at University of Wisconsin Law School. Her talk focused on a central thesis developed from her research: Sharia and U.S. Constitutional Law are compatible. … what is needed instead is the creation of a pluralistic discourse about Sharia.“

http://ircpl.org/2011/rethinking-religion/events/responses/sarahs-post/

[12] by Selçuk Gültaşli for Today’s Zaman: European socialist organizations have decided to stem the increasing Islamophobia in Europe by breaking the monopoly on the debate which has, up until now, primarily belonged to far-right and ultranationalist groups. … “Muslims lived together with Christians in Spain and Bosnia for centuries. Nevertheless, they are still looked upon as foreigners — they are not deemed real citizens,” said Bozkurt, stressing that the words European and Muslim are still not used in the same sentence.

http://www.jihadwatch.org/2007/08/european-socialists-take-aim-at-islamophobia.html

[13] Terror-Scheich Abu Bakar Bashir denkt allahkratisch: THE venerable preacher named as a terrorist leader by the United States had a twinkle in his eye as he talked of his new mission to convert Indonesia, the world’s biggest Muslim nation, into what he calls an “Allahcracy”.

http://www.jihadwatch.org/2006/07/bashir-vows-to-turn-indonesia-into-allahcracy.html

[14] In der aktuellen Ausgabe der European View mit dem Titel „Religion und Politik“ räumte die Redaktion Ceric acht Seiten Platz ein, um über die „Herausforderung einer einzigen Muslim-Autorität in Europa“ zu schreiben.

Diese einheitliche Muslim-Autorität solle auf den drei Grundpfeilern des Islam fußen. Nämlich auf Aqidah (dem Glauben), auf der Scharia (dem islamischen Recht) und auf Imamat, wohinter die Vorstellung steht, dass die Menschen von religiösen Führern geleitet werden sollen.

„Die Frage nach einem Imamat als ‚oberste Führung‘ aller Muslime“, schreibt Ceric, „ist die zentrale Frage der derzeitigen Situation, nicht nur für die muslimischen Kerngebiete, sondern auch für die muslimische Peripherie, einschließlich Europas.“

Den Eindruck, dass die Muslime sich in dem Imamat zuerst der Scharia, dem islamischen Recht, zu unterwerfen hätten, bevor sie die weltliche Justiz anerkennen, verstärkt der gelehrte Autor noch mit einem fundamentalern Satz: Die Verpflichtung auf die islamische Scharia sei „immerwährend, nicht verhandelbar und unbefristet“. Das dürfte nicht weniger sein als ein Verbalangriff auf die freiheitlich-demokratische Grundordnung.

aus: Thorsten Denkler: Prediger wirbt für Scharia – mit Hilfe der CDU; in: Süddeutsche 13.05.2008

http://www.sueddeutsche.de/politik/islam-konservative-und-bruessel-prediger-wirbt-fuer-scharia-mit-hilfe-der-cdu-1.202888

[15] Emel Zeynelabidin (bis 2008 verheiratete Algan; * 1960 in Istanbul)

http://de.wikipedia.org/wiki/Emel_Abidin_Algan

[16] Weltweit vernetzter politischer Islam. Buchbesprechung von Hildegard Becker (zu: Johannes Grundmann: Islamische Internationalisten), bei: Sicherheit heute.

http://demo.ebiz-today.de/personen/personen,217,Weltweit_vernetzter_politischer_Islam,news.htm

[17] Islamische Ehe

http://de.wikipedia.org/wiki/Islamische_Ehe

[18] Emel Abidin-Algan – die Preisträgerin 2007 des Preises der Lutherstädte – „Das unerschrockene Wort“ … „Emel Abidin-Algan zeigte Zivilcourage und persönlichen Mut in einer Form, wie wir uns das als Deutsche in dieser Dimension vielleicht gar nicht vorstellen können“, unterstrich Joachim Mertes, der Präsident des rheinland-pfälzischen Landtages, in seinem Grußwort. Er gratuliere ihr dazu, dass sie selbstbewusst ein neues Leben beschreite.

http://www.worms.de/deutsch/kultur/Lutherpreis/preistraegerin_2007.php

[19] Barbara John ist nicht-muslimisches Mitglied des Kuratoriums der Muslimischen Akademie in Deutschland.

http://de.wikipedia.org/wiki/Barbara_John

[20] Barbara John. Laudatio für Emel Algan.

http://www.marburg.de/sixcms/media.php/20/Laudatio%20von%20Prof.%20Barbara%20John.pdf

[21] Am 26.07.2007 wird das Menschenrechtsverständnis des Taqiyya-Großmeisters Bekir Alboğa auf dem islamkritischen Blog Nebeldeutsch gründlich enttarnt.

http://nebeldeutsch.blogspot.com/2007/07/der-trke-alboga-ist-mein-held.html

[22] Muslimische Akademie in Deutschland. Um Hamideh Mohagheghi, Bekir Alboğa, Aydan Özoğuz, Yasemin Karakaşoğlu, nichtmuslimisch ergänzt durch Barbara John und Heiner Bielefeldt.

http://de.wikipedia.org/wiki/Muslimische_Akademie_in_Deutschland

[23]Voll des Lobes über Emel Abidin-Algan ist am 24.10.2006 Ariana Mirza auf der proschariatische Seite Qantara. Glauben ohne Kopftuch. „In der westlichen Gesellschaft liege überhaupt vieles im Argen, resümiert Abidin-Algan. Gleichgültigkeit und Frustration bezeichnet sie als unmittelbare Auswirkungen des Konsumzeitalters. Es sei höchste Zeit, sich stärker den immateriellen Werten zu widmen. „Zum Beispiel dem Glauben und der Liebe“, sagt sie lächelnd.“

http://de.qantara.de/wcsite.php?wc_c=823

[24] ‚Aura im Islam

http://de.wikipedia.org/wiki/Aura_%28Islam%29

[25] awrah … the intimate parts of the body, for both men and women, which must be covered with clothing. Exposing the awrah is unlawful in Islam and is regarded as sin. The exact definition of awrah varies between different schools of Islamic thought.

http://en.wikipedia.org/wiki/Awrah

[26] Fitra (fiṭra), natürliche menschliche Veranlagung auf gut Islamisch, das heißt angeborenes Ausgerichtetsein jedes Menschen auf Allahgott. Mehrfach nennt sich Allah in seinem Koran fāṭir, Veranlagungsgeber oder Veranlager (nicht Schöpfer, das wäre ḫāliq; zu ḫulq, Schöpfung).

http://de.wikipedia.org/wiki/Fitra

[27] Alles darf sein; veröffentlicht bei Welt der Frau

http://www.welt-der-frau.at/index.htm?http://www.welt-der-frau.at/viewcat.asp?ID=2598&cat=1

[28] Barbarei heißt Menschenrecht im Plural. Thomas Schmidinger: „Alle Menschen sind Untertanen Gottes“. Auch islamische Länder haben Menschenrechte formuliert. Das sind allerdings Rechte, die nicht für alle Menschen gleichermaßen gelten.

Schmidinger: „Das Ziel der ‚Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam‘ ist damit ein anderes: Nicht die Menschenrechte sollen damit in islamischen Staaten durchgesetzt, sondern die Menschenrechte islamisiert werden. Solche Menschenrechte sind jedoch nicht mehr universell und gelten nicht mehr für alle Menschen, bzw. gehen nicht mehr von einer Gleichheit aller Menschen aus. Die Kairoer Erklärung kennt keine Gleichberechtigung von Männern und Frauen, kein Religionsfreiheit oder eine Freiheit der Wahl des Ehepartners. Und selbst die darin gewährten „Menschenrechte“ stehen unter einem entsprechenden Scharia-Vorbehalt.“ (in: LIGA, Zeitschrift der Liga für Menschenrechte, Nr. 4/2008, S. 21)

http://homepage.univie.ac.at/thomas.schmidinger/php/texte/islam_menschenrechte.pdf

[29] Hasan al-Banna und Necmettin Erbakan waren Sozialarbeiter? Zeynelabidin: Beide Organisationen, Milli Görüs wie die Muslimbruderschaft, haben im Laufe der Zeit ihre sozialen Beweggründe verloren. (EMMA September/Oktober 2006)

http://www.emma.de/ressorts/artikel/islam-islamismus/emel-hat-das-kopftuch-abgelegt/

[30] „Das Kopftuch hat mit Religiosität nichts zu tun und ist völlig entbehrlich. Mit dem Ablegen des Kopftuchs als Kennzeichen von Zugehörigkeit und den damit verbundenen Einschränkungen und Grenzen bin ich meinem Schöpfer sehr nahe gekommen und habe mein eigenes Lebens erkannt“, sagt Emel Abidin-Algan, die sich heute als gläubiger denn je bezeichnet. (aus: Wie viel Islam verträgt Deutschland? WDR Fernsehen 08.06.2008 11:00-12:25 Uhr)

http://europenews.dk/en/node/10996

[31] Emel Zeynelabidin: Lernt Schwimmen! (auf: Die Achse des Guten 24.12.2008) “eigene Schwimmbäder in jeder Stadt …, um den vielen muslimischen Frauen, die an die Verhüllung glauben …, das Schwimmenlernen zu ermöglichen.”

http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/emel_zeynelabidin_lernt_schwimmen/

[32] Die Islamische Religionsgemeinschaft will auf dem Prozessweg Verhandlungen mit dem Land Berlin über einen Kirchenstaatsvertrag erzwingen. Das Berliner Verwaltungsgericht bestätigte am Dienstag den Eingang einer entsprechenden Klage (Az.: VG 27 A 55.06). Der Präsident der Berliner Religionsgemeinschaft, Abdurrahim Vural (…); aus: Islamische Religionsgemeinschaft klagt auf Staatsvertrag, Der Tagesspiegel 21.02.2006

[33] Dar al-Harb (dāru l-ḥarb), der Landstrich („Haus“) des Krieges. „Eigentlich ist es nach ursprünglicher Auffassung einem Muslim verboten, in der Dār al-Harb zu leben und er muss, wenn es ihm irgend möglich ist, von dort in die Dar al-Islam auswandern (Hidschra, wörtlich „Flucht“, „Rückzug“, wie einst der Prophet Mohammed aus Mekka, bevor es islamisch war, nach Medina auswanderte).“

http://de.wikipedia.org/wiki/Dar_al-Harb

[34] Emel Zeynelabidin: Kopftuchpolitik als Reifeprüfung (auf: Die Achse des Guten 20.12.2008). Die Burkas dienen dem lockeren Plaudern, was ist das, Taqiyya oder purer Unsinn: „Das Kopftuch wird heute als Teil der Ganzkörperverhüllung der Frauen mit Religion rechtfertigt, obwohl diese Verhüllung zur Zeit der Einführung vor 1400 Jahren eine praktische Maßnahme war, um die entspannte Kommunikation zwischen Frauen und Männern zu ermöglichen. Aber eben dies ist keine Frage der Religion.“

http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/emel/

[35] Idschtihad (iğtihād) … das Verfahren zur Rechtsfindung durch eine unabhängige Interpretation der beiden Rechtsquellen Koran und Sunna. Das Gegenteil von Idschtihad ist taqlīd, „Imitation“/„Nachahmung“. Jeder Anwender des Idschtihad muss ein Gelehrter des islamischen Rechts (mudschtahid) sein.

http://de.wikipedia.org/wiki/Idschtihad

[36] Emel Abidin-Algan: Gebt endlich die Köpfe frei! (bei: qantara 28.02.2008) „Es wird meistens aus Verpflichtung geglaubt, aber nicht mit Überzeugung aufgrund eigener Erkenntnisse. Mit dem Verweis auf das Befolgen von Gottes Willen und die Einhaltung einer religiösen Pflicht geben sich immer noch sehr viele Frauen zufrieden, ohne genauere Fragen zu stellen.“

http://de.qantara.de/wcsite.php?wc_c=826

[37] Fatwa-Archiv. Institut für Islamfragen.

http://www.islaminstitut.de/Fatawa-Archiv.39.0.html

[38] Question: Does a man have the right to enforce the Islamic dress code on his wife against her wishes? Answer: Hijab is a duty Allah, the Almighty prescribed for the Muslim woman, and she has to comply with that order and show her sincere faith in Allah … When a Muslim neglects to dress according to the Islamic code it is usually because of lack of knowledge and weakness of Iman. … If, however, both of them were fully conscious Muslims observing all the rules including those of hijab prior to marriage, then he has every right to insist that his wife continues to observe the rules of hijab.

http://infad.usim.edu.my/modules.php?op=modload&name=News&file=article&sid=7556

Question: Do Muslim parents have the right to force their daughter to wear hijab if she refuses to wear it? Answer: Muslim parents should bring up their children according to the teachings of Islam. Parents have to make their children get used to doing the obligatory duties and avoiding haram (unlawful) things before puberty, so that it will not be too hard for them to adhere to Islamic rules after they reach puberty. … Sheikh Muhammad Al-Mukhtar Al-Shinqiti, director of the Islamic Center of South Plains, Lubbock, Texas, states: „They [Muslim parents] should try their best to convince her to wear hijab and she should know that she is not to refuse something that has been ordained by Allah in the first place and that was also ordained by her parents, who deserve her obedience.“ … The father, as the guardian of his family, may stress that his daughter should wear hijab in case she refuses to wear it out of disobedience to the obligation of Allah. … Sheikh `Abdul-Majeed Subh, a prominent Azhar scholar, adds: „Hence in this situation her parent or guardian has to make her wear hijab so as to prevent means that may lead to evil or immorality.“

http://infad.usim.edu.my/modules.php?op=modload&name=News&file=article&sid=8813

[39] Spiegel-SPECIAL 2/2008, April 2008 • „Die Juden auslöschen“ • Hasspropaganda im Namen des Islam: Schon Kleinkinder werden indoktriniert. • Von Matthias Küntzel

http://www.matthiaskuentzel.de/contents/die-juden-ausloeschen

[40] Dhimmi, Schutzbefohlener. Falschgläubig und damit sittlich minderwertig. Sklave unter der Herrschaft der Muslime.

http://de.wikipedia.org/wiki/Dhimmi

[41] Dschihad. Von Allah angeordnete Verpflichtung zum Beseitigen der Macht der Nichtmuslime und Islamapostaten als der „Kampf auf dem Wege Gottes“ (al-ǧihādu fī s-sabīl illāh, the struggle in the path of Allah) „Der Dschihad stellt als eines der Grundgebote des islamischen Glaubens und eine allen Muslimen auferlegte Pflicht ein wichtiges Glaubensprinzip des Islam dar.“

http://de.wikipedia.org/wiki/Dschihad

[42] Yusuf al-Qaradawi (Yūsuf al-Qaraḍāwī)

http://de.wikipedia.org/wiki/Yusuf_al-Qaradawi

[43] Farḍ bedeutet religiöse Pflicht, (göttliche) Verordnung, Verordnung. Farḍ ist die Summe derjenigen religiösen Verpflichtungen, die Muslime im Ritualleben bedingungslos zu erfüllen haben. Das Verb dazu ist faraḍa bzw. iftaraḍa und kommt entsprechend in der Bedeutung von jemandem etwas als (religiöse) Pflicht auferlegen, verordnen, für verbindlich erklären sowohl im Koran als auch im Hadith vor.

http://de.wikipedia.org/wiki/Fard

[44] Darf der weibliche Märtyrer oder Schahid (šahīd, pl. šuhadāʾ) vor der Bombendetonation die ‚aura entblößen und, um noch mehr Menschen umzubringen, minutenlang das Kopfhaar zeigen? Question: I would like to ask about the ruling of Palestinian women carrying out martyr operations. Fulfilling this mission may demand that they travel alone, without a mahram, and they may need to take off their hijab, the matter which may expose part of their ‚awrah. Dr. Qaradawi answers: The martyr operations is the greatest of all sorts of Jihad in the Cause of Allah. A martyr operation is carried out by a person who sacrifices himself, deeming his life less value than striving in the Cause of Allah, in the cause of restoring the land and preserving the dignity. … Concerning the point on Hijab, a woman can put on a hat or anything else to cover her hair. Even when necessary, she may take off her Hijab in order to carry out the operation, for she is going to die in the Cause of Allah and not to show off her beauty or uncover her hair. I don’t see any problem in her taking off Hijab in this case.

http://www.meforum.org/646/the-qaradawi-fatwas

Kopftuchfreie Schulen – auch für Schülerinnen

Februar 1, 2009

Kinderkopftuch ist Kinderrechtsverletzung

Ein Redetext der Podiumsdiskussion vom 30. Januar 2009, gehalten in Raum 3E, Philosophische Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Von Gabi Schmidt, Sozialpädagogin in der Sprachförderung

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Schülerinnen und Schüler,

heute möchte ich über das Thema ’Kopftuchfreie Schulen – auch für Schülerinnen’ referieren und folgende Überlegungen vorausschicken:

Auch die BRD ist als säkularer Staat[1] verpflichtet, den politischen, religiösen und weltanschaulichen Frieden in Schulen zu gewährleisten. Das Tragen eines Kopftuches an staatlichen Schulen und bei Schulveranstaltungen ist Lehrerinnen auch deshalb in vielen Bundesländern nicht gestattet. Das Lehrerinnenkopftuch ist nach Auffassung vieler Richter dazu geeignet, junge Menschen in einer staatlichen Schule einer möglichen politischen und religiösen Beeinflussung auszusetzen. Es gefährdet die kollegiale Zusammenarbeit der Pädagoginnen und Pädagogen. Das betrifft insbesondere die Proklamation und Repräsentation eines frauen- wie männerfeindlichen Menschenbildes, das mit den in der Verfassung garantierten Grundrechten (insbesondere 1 – 6) und dem Übereinkommen der UN‑Kinderrechtskonvention, da vor allem Art. 14 negative Religionsfreiheit, nicht vereinbar ist[2].

Auch die negative Religionsfreiheit hat in unserem freiheitlich demokratischen Rechtsstaat Verfassungsrang. 1988 untersagte das Bundesverwaltungsgericht deshalb einem Lehrer in der roten Bhagwan-Kutte zu unterrichten, weil Art. 4 Absatz 1 und 2 GG nicht schrankenlos gewährt ist, sondern insbesondere dort seine Grenzen findet, wo seine Ausübung auf die kollidierende negative Religionsfreiheit der Schüler oder ihrer Eltern trifft[3]. Soll der Schulfrieden für Lehrende und für Lernende garantiert werden können, reicht es jedoch nicht, wenn der Staat, um Schülerinnen und Schüler zu schützen, die Religionsfreiheit von Lehrerinnen und Lehrern beschränkt, die als Beamtinnen und Beamte in einem besonderen Dienstverhältnis stehen und daher einen solchen Eingriff in ihre religiöse, politische und weltanschauliche Orientierung dulden müssen. Mädchen und Jungen sind in einer Klassengemeinschaft unabhängig von Geschlecht, Religion oder Nichtreligion auch dem Erscheinungsbild ihrer verschleierten Klassenkameradinnen ausgesetzt. Sie können sich einer möglichen Wirkung und Beeinflussung durch das ’Schamtuch’[4] (Feridun Zaimoğlu) ebenso wenig entziehen, wie sie dem Eindruck eines Lehrerinnenkopftuchs ausweichen können. Der Staat als Garant[5] der Neutralitätspflicht an öffentlichen Bildungseinrichtungen hat somit die in der Urteilsbegründung des Bundesverwaltungsgerichts besonders hervorgehobene ‚negative Religionsfreiheit für Schülerinnen und deren Eltern’ durchzusetzen, notfalls gegen den Willen einiger Eltern.

Die Verfassung ist ein kohärentes Gefüge, alle Artikel sind aufeinander bezogen. Jedes Grundrecht steckt einen gewissen Rahmen ab, in dem ein Rechtsgut geschützt ist. Dieser Schutz endet genau an dem Berührungspunkt, wo Grundrechte anderer eingeschränkt werden. Das Erziehungsrecht muslimischer Eltern, auch wenn sie als Privatpersonen nicht dem Beamtenrecht unterworfen sind, stößt in staatlichen, der weltanschaulichen und religiösen Neutralität verpflichteten Schulen auf Grenzen. Eltern anderer Religionen oder säkular-muslimische Eltern, Ex-Muslime und atheistisch Denkende, die ihre Töchter und Söhne in der Tradition des Humanismus und der Aufklärung erziehen und unterrichten lassen wollen und sie deshalb an einer öffentlichen Schule anmelden, haben das Recht, sich darauf verlassen zu können, dass ihre Kinder während des Aufenthalts in der Schule und bei Schulveranstaltungen keiner weltanschaulichen Propaganda oder politischen Beeinflussung ausgesetzt sind.

In freiheitlichen Demokratien hat jeder Mensch das Recht auf eine von ihm selbst auf seine Person maßgeschneiderte Biographie. Junge Menschen sind auf Grund ihrer noch nicht abgeschlossenen, individuellen Persönlichkeitsentwicklung in ihrer seelischen, körperlichen und geistigen Entwicklung naturgemäß beeinflussbar und verletzlich. Schülerinnen und Schüler sind daher beispielsweise vor jeglichem religiösen, weltanschaulichen und politischen Fundamentalismus besonders zu schützen. Das Kinderkopftuch, das neuerdings sogar in Grundschulen immer häufiger zu sehen ist, steht für einen besonders fundamentalistischen Polit-Islam, der wegen seiner geschlechtsspezifischen Sozialisations- und Erziehungsprinzipien vor allem kleine Mädchen eine ihrer ganzheitlichen, individuellen Entwicklung förderliche, unbeschwerte Kindheit vorenthält. Sie werden dazu missbraucht, für hierarchische Weltbilder Reklame zu laufen, die gegen den Gleichheitsgrundsatz von Art. 3 GG verstoßen und patriarchalisches Rollenverhalten sowie Gender-Apartheid einfordern. Frauenrechtlerinnen wie Alice Schwarzer, Seyran Ateş, Serap Çileli, Mina Ahadi und Fatma Bläser sehen das ähnlich. Die Vorsitzende des Zentralrats der Ex‑Muslime sieht im Kinderkopftuch eine Kinderrechtsverletzung, die Europaabgeordnete Dr. Renate Sommer hält den Kinderhijab für Kindesmisshandlung. Bleibt das Schülerinnenkopftuch, haben ‚rechtgläubige’ junge Menschen keinen Freiraum, islamischer Indoktrination zu entgehen.

Das im neuen Schulgesetz von NRW verankerte Eigenprofil ermöglicht Schulleitern in diesem Bundesland ausdrücklich, Unterricht, Erziehung und Schulleben in eigener Verantwortung zu regeln und zu gestalten. Sie sollen auf der Grundlage ihres Bildungsauftrages besondere Schwerpunkte, Ziele und Organisationsformen im Schulprogramm festschreiben, diese Kriterien regelmäßig überprüfen und nötigenfalls nachbessern. Die Schulaufsichtsbehörden haben dabei beratende Funktion, Rahmenbedingungen sind die geltenden Gesetze. In einer Petition wandten wir uns daher an den Landtag NRW, um eben auch die kopftuchfreie Schule als schulgesetzlich immanentes Eigenprofil explizit zu ermöglichen.

Als Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen fühlen wir uns dem Menschenbild des Humanismus und den Werten und Normen der Aufklärung verpflichtet und unterstützen die Initiative der kritischen Islamkonferenz ’Aufklären statt Verschleiern’ und setzen uns für ‚Kopftuchfreie Schulen – auch für Schülerinnen’ ein. In unseren Gruppenräumen legen wir Wert auf praktische, neutrale Kleidung, die niemanden ausgrenzt. Kopfbedeckungen aller Art hängen unsere Kinder und Jugendlichen vor dem Betreten der Gruppenräume am Garderobenhaken auf. Während des Unterrichts ist kopftuchfrei.

Auch wir setzen uns für gänzlich kopftuchfreie, koedukative Kindergärten und Schulen ein, in denen sich nicht nur Erzieherinnen und Lehrerinnen, sondern auch die Mädchen unverschleiert frei bewegen dürfen (französisches Modell). Für Kleinkinder wie auch für Schülerinnen und ihre männlichen Klassenkameraden (unabhängig von einer Religion oder Nichtreligion) wären diese Einrichtungen Schutzräume und ideale Lern- und Experimentierfelder des Erarbeitens von Gender-Rollen und Handlungsspielräumen, die gerade den Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden aus konservativen Familien mit muslimischem Migrationshintergrund sowie zum Islam konvertierten autochthonen Eltern ansonsten gänzlich fehlen würden.

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Schülerinnen und Schüler,

Gleichberechtigung und Gleichstellung von Frau und Mann, Mädchen und Junge sind gerade auch unabhängig von der Ethnie oder Religion der Eltern ein wesentliches Gut im freiheitlich demokratischen Rechtsstaat. Gemeinsam mit den anderen in der Verfassung garantierten Grundrechten bilden sie die Rahmenbedingungen und Qualitätskriterien für eine gelingende Eingliederung ins Berufsleben, für die Integration in und die Teilhabe an der Gesellschaft.

Allerdings beginnt ein weltweit erstarkender Fundamentalismus, antidarwinistischer Kreationismus und vormoderner Patriarchalismus Freiheitsrechte legalistisch auszuhebeln, frauenpolitische und wissenschaftliche Standards auszuhöhlen sowie persönliche Entwicklungschancen einzuschränken. Während die großen Kirchen weiterhin Mitglieder verlieren, erfreuen sich evangelikale Freikirchen wachsenden Zulaufs. Der Niederländer Jan Siebelink beschreibt in seinem 2007 erschienenen, teilweise autobiographischen Roman ’Im Garten des Vaters’ wie religiöser Fundamentalismus individuelle Freiheit, Selbstbestimmung und hedonistische Lebenslust rigide einschränkt. Der ’Atlas der Schöpfung’, welcher Kölner Biologie- und Philosophielehrerinnen und ‑lehrern kostenlos als Werbegeschenk zugestellt wurde, zeigt, mit wie viel Aufwand Kreationistinnen und Kreationisten versuchen, für ihre Lehre zu werben. (TimeTurk nach: Kölner Stadtanzeiger, Helmut Frangenberg 2007). Die steigende Anzahl der immer jünger werdenden Kopftuchträgerinnen sowie der zunehmend streng verhüllten Mädchen und Frauen sind weitere Hinweise rückwärtsgewandter Einstellungen und Denkmuster einer religiösen Radikalisierung, einer frauen- und integrationsfeindlichen Gegenmoderne.

Hijab, Niqab, Tschador und Burka gelten unabhängig von Religion, Weltanschauung, Geschlecht, Nationalität und Ethnie einem repräsentativen Teil der Bevölkerung als Symbole für Gender-Apartheid und Unterdrückung von Frauen und Mädchen. Verschleierte Mädchen und Frauen sollen von weitem als praktizierende Muslima erkannt werden. Die Verhüllung, die nicht zu übersehen ist, stempelt sie unmissverständlich als ’der umma, der Weltgemeinschaft der Muslime. zugehörig’ ab. Das Verschleierungsgebot im öffentlichen Raum soll ‚reine’, Allah wohlgefällige Töchter von weitem kenntlich machen und sie von mit Sünde besudelten, für die Hölle bestimmten barhäuptigen Glaubensschwestern abgrenzen. Diese Mädchen und Frauen erscheinen im Straßenbild eben nicht als Düsseldorferin, Kölnerin, Kollegin, Schwester, Tochter, Mutter oder einfach Sevim, sie sind in erster Linie Muslima und damit zumindest für Frauenrechtlerinnen und Frauenrechtler Objekt des männlichen Herrschaftsrechts[6].

Musliminnen und Muslime sind Koran, Sunna und Scharia unterworfen und ausgeliefert. Weder das muslimische Individuum noch das islamische Kollektiv haben die Freiheit, sich diesen Vorschriften zu entziehen. Nach fundamentalistischer Auffassung betreiben alle, die den Koran und die Pflichtenlehre historisch-kritisch interpretieren, bid’a (Neuerung) oder gar Verrat an der Religion. Wer es wagt, mit seinem Verhalten aus der Reihe zu tanzen, gar abzuschwören oder Abweichler zu unterstützen, wird aus der Gemeinschaft ausgeschlossen und droht Opfer psychischer oder lebensbedrohlicher körperlicher Gewalt zu werden. Muslimas sind vom schariatischen Verhaltenskodex und der sozialen Kontrolle der Sunna besonders eingeengt. Konservativ erzogene Mädchen und Frauen müssen dem sexualisierten und dämonisierten Frauenbild entsprechend mindestens die Haarpracht so verstecken, dass keine Strähne sichtbar ist. So soll die angeblich angeborene, mit der weiblichen Natur verschmolzene verführerische, verruchte Wesensart, die gute Sitten und Anstand gefährde, abgeschirmt werden. Nur eine an Koran und Sunna orientierte Frauenkleidung vermeide Fitna, Zwietracht und Zwiespalt. Unter dem Dogma der Freiwilligkeit (Es gibt keinen Zwang im Glauben, Koran 2:256, wer sich dennoch gegängelt fühlt, glaubt eben nicht stark genug) muss das Individuum Strategien entwickeln, sich das Unterworfen-Sein schönzulügen. Die Zahl der ihr Kopftuch ‚freiwillig’ tragenden Mädchen und Frauen darf uns nicht verwundern, denn der Hijab ist die Eintrittskarte in den Club der Alpha-Mädchen, zu deren zwingend notwendigem Verhaltensrepertoire die Verachtung und der heilige Ekel gegenüber allen nichtislamischen Lebensweisen gehört. Mit dem Kopftuch mobben für Allah, gottgefälliges Mobbing.

Von klein auf wird jedem Menschen in konservativen muslimischen Familien und in allen Koranschulen mit geradezu militärischem Drill panische Angst vor der Hölle antrainiert. So wird das Kopftuch attraktiv, zumal nach islamischer Glaubenslehre das für Frauen und Mädchen prinzipiell nur schwer zugängige Paradies bei züchtiger Bedeckung in greifbarere Nähe rücke. Kein Kind käme von selbst auf die Idee ein Kopftuch aus religiösen Gründen zu tragen. Daher wird in vielen Clans mit enormer Energie dieses äußerlich überdeutlich sichtbare Kennzeichen der religiösen Selbstaufwertung initiiert und zementiert, um im Gegenzug Menschen in Gruppen verschiedener Minderwertigkeit einzuteilen und dabei pauschal zu stigmatisieren.

Zu bedenken ist die Rolle der Eltern, speziell der Mutter, die ihren Töchtern das ‚Schamtuch’ erfolgreich anzutrainieren versucht. Sie steht unter starkem Erfolgsdruck der Großfamilie, da es zum Selbstverständnis und ausdrücklichen Auftrag muslimischer Frauen gehört, Normen und Werte zu tradieren. Sie wird sich aller erdenklichen Tricks bedienen, die islamische Bedeckung durchzusetzen, notfalls Gewalt anwenden. „Wer seine Tochter nicht schlägt, schlägt sein Knie.“ Wer seine Tochter nicht bei jedem Regelverstoß verprügelt, wird sich später schwere Vorwürfe machen. So lautet ein türkisches Sprichwort.

Mit Erreichen der Menarche gelten muslimische Mädchen als reife Frau, die ihre Scham spätestens jetzt zu bedecken haben, um die Ehre der Familie nicht zu gefährden. Das kann bei Südländerinnen, zumal wenn sie übergewichtig sind, schon mal mit neun oder zehn Jahren sein. Das Kopftuchgebot diskreditiert daher nach fundamentalistischer Denkweise bereits kleine Mädchen als Verführerinnen, wertet sie ab zum bloßen Sexualobjekt.

Schon wenige ‚Schamtücher’ im Klassenraum reichen aus, um einen unbefangenen Umgang der Schülerinnen und Schüler miteinander, gerade über ethno-religiöse Grenzen hinweg, zu verhindern. Auf die säkular erzogenen muslimischen Klassenkameradinnen, die ihre Haare offen tragen, wird hoher Anpassungsdruck ausgeübt, weil sie ‚ihre Religion beleidigen’ und ‚ihren Eltern Schande’ bereiten würden. Dem gemeinsamen Druck von Koranschule, Clan wie auch Mitschülerinnen und Mitschülern halten elf- und zwölfjährige Teenager selten Stand und entscheiden dann‚ ‚ganz aus sich heraus’, ‚freiwillig’ künftig Hijab zu tragen. Freiheit ist jedoch das Recht, ohne Zwang, Angst vor Bestrafung oder Ausgrenzung und ohne Bevormundung zwischen verschiedenen Handlungsmöglichkeiten wählen zu können. Wer das Kopftuch öffentlich trägt, muss es ohne Bedenken auch in der Öffentlichkeit wieder ausziehen können, um es, je nach Befinden, einfach wieder umzubinden.

Die männlichen muslimischen Klassenkameraden übernehmen in der Klassengemeinschaft die von klein auf anerzogene Rolle des Sittenwächters und üben permanente Kontrolle über die ‚rechtgläubigen’ verschleierten und unverschleierten Mädchen aus. Kuffar-Mädchen sind in den Augen orthodoxer muslimischer Jungen und Männer Schlampen, die kein guter Moslem jemals heiraten würde. Kein verschleiertes Mädchen wird sich freiwillig neben einen Klassenkameraden setzen, ganz unabhängig davon, ob er muslimisch ist oder nicht. Der ‚ungläubigen, sündigen Lehrerin’ brauchen nach dem Verhaltensdogma von Sunna und Scharia auch muslimische Eltern keinen Respekt entgegen zu bringen. Der Klassenfrieden, das Lernklima und die Kommunikation sind auf Dauer gestört.

Hatice, die sich züchtig verhüllt, will dann plötzlich nicht mehr neben ihrer ehemals besten Freundin Lena sitzen, weil diese unrein und der Kontakt mit Andersgläubigen oder Atheistinnen und Atheisten haram sei. Bei einer Honorartätigkeit während des Studiums kam eine meiner türkischen Nachhilfeschülerinnen, die mich wohl mochte, in einen Gewissenskonflikt, weil sie nicht wollte, dass ich als geschiedene Frau in der Hölle schmore. Sie schlug mir daher vor, ihren kürzlich verwitweten Onkel zu heiraten. Das Mädchen war neun Jahre alt, ihm musste vollkommen klar sein, dass ich diesen Mann noch nie gesehen hatte. Das Kopftuch ist der Stoff gewordene Ausweis der Unterwerfung und des Gehorsams. Es ist das Indiz und das Symbol für das Verbot, kritisch zu reflektieren, in Frage zu stellen, anzuzweifeln und gegebenenfalls couragiert widersprechen zu dürfen. Wie eine mnemotechnische Stütze erinnert es die Trägerin daran, die islamische Pflichtenlehre einzuhalten. Nimmt nach den Sommerferien die Zahl der Kopftücher zu, häufen sich üblicherweise auch die Abmeldungen vom Schwimm- und Sexualkundeunterricht, viele Schülerinnen dürfen nicht mehr an Klassenfahrten teilnehmen (s. FN 2 ).

Ein wichtiges Ziel jeder pädagogischen Arbeit ist die Förderung, Erziehung und Bildung der uns anvertrauten Schülerinnen und Schüler. Sie sollen befähigt werden, mutig ihren eigenen Verstand nutzen, um ein eigenes, differenziertes Verständnis von der Kultur der Menschheit und der biologischen und physikalischen Natur der Welt zu entwickeln. Mädchen wie Jungen sollen zu demokratischen Persönlichkeiten heranwachsen, die ihre Grundrechte kennen und jedem Fundamentalismus gegenüber immun sind, die sich selbstbewusst einmischen und kritisch Stellung nehmen. Wir wollen dazu beitragen, dass sie das Rüstzeug haben, sich in einem ihren Neigungen, Fähigkeiten und Wünschen entsprechenden Berufs- und Privatleben verwirklichen zu können. Gänzlich kopftuchfreie Kindergärten und Schulen würden unsere Arbeit in idealer Weise unterstützen.

Gabi Schmidt


Kopftuchfreie Realschule in der Landeshauptstadt

Oktober 2, 2008

Aus unserem Leserkreis erhielten wir folgenden Kommentar, der eine Düsseldorfer Realschule betrifft, die sich 2007 und 2008 das Profil einer kopftuchfreien Schule gibt

Anne-Frank-Realschule

Düsseldorf (Flingern)

03.10.2008

Sehr geehrte Damen und Herren,

als Sozialpädagogin und Nachhilfelehrerin, Schwerpunkt Sprach- und Lernförderung leite ich einen kleinen gemeinnützigen Verein und betreue mit meinen vier Kolleginnen und Kollegen Schülerinnen und Schüler verschiedener Alterstufen, darunter einige Mädchen und Jungen aus muslimisch geprägten Familien.

Auch in unseren Gruppenstunden sowie in der Mädchengruppe, die eine weitere Kollegin leitet, bleiben Baseballkappen, Baskenmützen und Kopftücher aller Art von Lehrenden wie Lernenden am Garderobenhaken hängen. Wir sind der Meinung, dass Hijab, Niqab, Tschador und Burka Kennzeichen für Genderapartheid und Unterdrückung von Frauen und Mädchen sind, ’reine’, verschleierte Muslimas von Weitem kenntlich machen sollen und sie von den ’unreinen’ Muslimas und Nichtmusliminnen abgrenzen. Damit verstößt das Tragen dieser Textilien sowohl gegen das Grundgesetz als auch gegen die Werte, Normen und Erkenntnisse der Aufklärung.

Zum Recht auf die ‘Freiheit‘ das Kopftuch anzulegen gehört immer auch das Recht auf die Freiheit, ohne Furcht darauf verzichten zu können. Freiheit, so wie viele säkulare Musliminnen und Muslime von Necla Kelek, Serap Cileli, Seyran Ates und Fatma Bläser bis zu Bassam Tibi sie verstehen, ist die Möglichkeit ohne Zwang, Angst vor Bestrafung und ohne Bevormundung zwischen verschiedenen Handlungsmöglichkeiten wählen zu können. Gänzlich kopftuchfreie koedukative Kindergärten und Schulen, in denen sich nicht nur Erzieherinnen und Lehrerinnen, sondern auch die Mädchen unverschleiert bewegen dürfen (französisches Modell), sind sicherlich für sie und ihre männlichen muslimischen Klassenkameraden ideale Lern- und Experimentierfelder des Erarbeitens von Gender-Rollen und Handlungsspielräumen, die den Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden aus konservativen Familien mit muslimischem Migrationshintergrund und zum Islam konvertierten autochthonen Eltern ansonsten fehlen würden.

Wie beispielsweise Frau Mina Ahadi, Frau Arzu Toker und Frau Fatma Bläser, die den Konformitätsdruck in orthodoxen muslimischen Familien aus eigener Erfahrung kennen, vertreten auch wir die Meinung, dass die Mädchen in solchen Milieus sich nicht gegen das Tragen von Kopftüchern wehren können. Wir würden als Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen auch gerne neun- und zehnjährige Mädchen, bei Südländerinnen setzt die Pubertät nämlich meist früher ein, für einige Stunden von der Verantwortung entlasten, „allein vor Gott“ (Balaban, LAGA) zu stehen und angeblich völlig selbstbestimmt zu entscheiden wie man sich kleidet. Auf dem Hin- und Rückweg zu/von unseren Gruppenräumen können die Schülerinnen ihre Haare ja bedecken.

Als (Sozial-)Pädagoginnen und (Sozial-)Pädagogen haben wir die Aufgabe, die uns anvertrauten Schülerinnen und Schüler zu aufgeschlossenen, selbstbewussten und kritisch-kosmopolitischen jungen Demokratinnen und Demokraten zu erziehen, die das nötige Rüstzeug haben, sich später in einem ihren Neigungen, Fähigkeiten und Wünschen entsprechenden Berufs- und Privatleben verwirklichen zu können.

Vielleicht interessiert Sie, dass Fatma Bläser unter anderem Vorträge zum Thema Kopftuch hält. Hier der Link zu ihrer Homepage.

http://www.hennamond.de/

Mit freundlichen Grüßen

Brief an Ebru: Konfliktstoff Kopftuch

Januar 9, 2008

Liebe Ebru,

auch ich legte schon als selbstbewusstes Grundschulkind großen Wert darauf, meine Kleidung im Geschäft selbst auszusuchen und morgens so zusammenzustellen, dass mir die Sachen, die ich anzog, auch gefielen. Das hat sich als Jugendliche und später als Studentin trotz des knappen Budgets nicht geändert und auch heute als berufstätige Frau und Mutter genieße ich die Freiheit, mich so zu kleiden wie ich möchte. Während ich mich als 10-jährige an der Garderobe meiner Lieblingslehrerin orientierte, sind mir heute Witterung, Funktionalität, der Anlass, zu dem ich mich passend kleiden will sowie meine augenblickliche Stimmung und Seelenlage maßgebliche Entscheidungshilfen bei der Auswahl.

Es ist also durchaus möglich, dass ich an einem Tag den maskulin wirkenden, klassischen Hosenanzug Marke erfolgreiche Geschäftsfrau bevorzuge, am nächsten Morgen mich für eine romantisch gesmokte, betont weibliche Bluse mit Carmenausschnitt und einen weitschwingenden Rock entscheide, während mir am Tag danach eine flippig bunte Sommerbluse mit farblich passenden Bermudashorts besonders gefällt. Sollte ich nachträglich wirklich einmal feststellen, mich bei der Auswahl der Kleidung vergriffen zu haben, ist das kein Problem, es wird sich eine Gelegenheit finden, sich umzuziehen. Ist dies aus irgendwelchen Gründen nicht möglich, kann mich jedoch Nichts und Niemand zwingen, am folgenden Tag wieder in dem unbequemen Outfit herumzulaufen.

Diese Freiheit hat eine Kopftuch tragende Muslima nicht. Selbst im Sommer bei schwülster Mittagshitze darf sie das Tuch nicht abnehmen, denn hat sie sich einmal dazu entschlossen, ihre Haare zu bedecken, ist das Tuch wie festgewachsen. Alternativen bestehen dann nur in Farbwahl, Muster und Stoffbeschaffenheit, denn selbst die unterschiedlichen Möglichkeiten die Tücher zu binden, sind zumindest für die Befürworterinnen der streng gebundenen Formen des Hijabs, die Kopf, Stirn, Hals und Schultern bedecken, sehr eingeschränkt. Die Befürworterinnen dieses fundamentalistischen Kopftuchs werden künftig keine liberalere Variante mehr tragen wollen und können, die mehr Haut zeigt.

Wäre das Kopftuch wirklich eine Freiheitssache, müsste es möglich sein, sich im Haus und in der Öffentlichkeit nach Lust und Laune mal ‘gut betucht‘, mal ‘oben ohne‘ zu bewegen. Zur ‘Freiheit‘ das Kopftuch anzulegen gehört immer auch die Freiheit, ohne Furcht darauf verzichten zu können, um bei einer anderen Gelegenheit einfach wieder nach diesem Utensil zu greifen. Trugen die ersten Arbeitsmigrantinnen das Kopftuch, um sich vor Wind und Wetter zu schützen oder um wie die Schauspielerin Catherine Deneuve und die spätere Fürstin von Monaco, Gracia ihre elegante Kleidung modisch aufzupeppen, ist das heute jedoch nicht mehr möglich, weil das meist seidene Tuch längst nicht mehr als nützliches Kleidungsstück oder Modeaccessoire getragen.

Heute verteidigt die zweite und dritte Generation dieser Einwanderer den ‘Konfliktstoff‘ sinnbildlich gesprochen mit Zähnen und Klauen als ihren individuellen Weg der Selbstverwirklichung, als kulturelles Symbol, als Zeichen der Zugehörigkeit zur Umma. Waren zunächst nur vereinzelt moderat gebundenen ‘Piratenkopftücher‘ im Straßenbild zu entdecken, die noch viel Haar offen zeigten, ist die Anzahl der jede Haarsträhne versteckenden, den Oberkörper bis zu den Schultern verhüllenden Schleier gerade unter den jungen, bildungsnahen Frauen stark gestiegen. Selbst Grundschulkinder in der zweiten Klasse, die ihren Kopf und Hals bedecken, fallen mir seit 2005 vermehrt auf.

Freiheit, so wie viele säkulare MuslimInnen sie verstehen, ist die Möglichkeit ohne Zwang, Angst vor Bestrafung und ohne Bevormundung zwischen verschiedenen Handlungsmöglichkeiten zu wählen. Es sollen Spielräume des individuellen Gestaltens geschaffen und erweitert werden, die Zufriedenheit soll gesteigert und die Lebensqualität verbessert werden. Um dabei auch die Interessen der Mitmenschen genügend zu berücksichtigen und deren Freiräume nicht unnötig einzuschränken, gibt es Rahmenbedingungen, die aus frei verhandelbaren, ungeschriebenen Vereinbarungen und Wertvorstellungen der kulturellen Moderne wie auch aus mehrheitsfähigen verfassungsgemäßen Gesetzen bestehen.

Ein solches, weitgehend selbstbestimmtes Leben setzt ein kritisches, verantwortungsbewusstes Verstehen und Überdenken der betreffenden Situation voraus, das möglichst reflektiert Vor- und Nachteile abwägt und dann eine Entscheidung trifft. Dabei ist die Chance sein Leben in eigener Regie zu gestalten und das Recht, die individuelle Biographie selbstbestimmt beeinflussen zu können, offensichtlich für die meisten so attraktiv, dass mögliche Fehlentscheidungen hingenommen und als Gelegenheit gewertet werden, damit umgehen zu lernen und Rückschlüsse zu ziehen, wie künftig solche Irrtümer vermieden werden können. Dabei ist die / der Einzelne immer wieder aufs Neue gefordert, Entscheidungen zu treffen und daraus zu lernen.

Zu so komplexem Denken und Handeln sind Achtjährige jedoch nicht in der Lage, dazu fehlt ihnen vor allem die Einsichtsfähigkeit in die Folgen ihres Tuns. Sie orientieren sich wie weltweit alle Kinder ihres Alters an Leitbildern in ihrem sozialen Umfeld und kopieren deren Verhaltensmuster. Geprägt durch Elternhaus, Koranschule und Umma sind sie vor allem den Brüdern und älteren männlichen Verwandten Respekt und Gehorsam schuldig. Im Fokus ihres Erziehungs- und Sozialisationsprozesses steht das traditionelle Menschenbild und Rollenverständnis des Islams, sie lernen von klein auf, eigene Interessen zu Gunsten der Gemeinschaft zurückzustellen und den Regeln der koranisch geprägten Sippe zu folgen.

Sehr familienbezogen, mit noch weniger Kontakten zu ‘ungläubigen‘ Gleichaltrigen, kennen die Kinder keine anderen Kleidungsgewohnheiten und wie mir meine Schülerinnen versichern, weisen die Koranschulen eindringlich (hoffentlich ohne Gewaltmittel) auf fromme Kleidungsregeln hin. Auch im Elternhaus wird der islamische Kleidungskodex ein zentrales Thema der religiösen Erziehung der Kinder sein und vor allem die selbst tief verschleierten Mütter werden deutlich auf die Vorzüge gottgefälliger Kleidung hinweisen. Hat sich die überwiegende Mehrheit der weiblichen Angehörigen in einer Familie für den Hijab entschieden, werden die Mädchen ihrem Beispiel sicher nacheifern.

Durch den Mangel an weniger fundamentalistisch orientierten Identifikationsfiguren im zahlenmäßig bewusst recht klein gehaltenen sozialen Umfeld haben die Kinder kein Bedürfnis, die Haare offen zu tragen. Viele Mädchen können sogar den Zeitpunkt kaum erwarten, endlich ‘dazu‘ zu gehören und das auch nach außen kenntlich zu machen. Ein weiterer Grund, aus dem Grundschülerinnen zum Kopftuch greifen, ist die einhergehende soziale Aufwertung im Clan. Konnte bisher selbst der kleinste Bruder ungestraft seinen Spott mit den Mädchen treiben, sind diesem Unfug jetzt gewisse Grenzen gesetzt. Alles sehr nachvollziehbare Gründe, sich früh zu verschleiern, mit Freiheit hat das aber wenig zu tun.

Um diesen altersgemäß leicht zu beeinflussenden, in ihrer Persönlichkeitsentwicklung unreifen Kindern eine wirklich freie Entscheidung zu ermöglichen, müssen alternative Erfahrungs- und Gestaltungsräume her, die weltanschauliche Neutralität garantieren. Diese Haltung sollte durch einfache, weder wertende noch symbolträchtige Kleidung dargestellt und umgesetzt werden. Gänzlich kopftuchfreie koedukative Kindergärten und Schulen, in denen sich auch die Mädchen ‘oben ohne‘ bewegen dürfen (französisches Modell), wären sicherlich ideale Lern- und Experimentierfelder. Mit dem Kopftuchverbot für Lehrerinnen ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung gegangen worden.

Diese Identifikations- und Vorbildfunktion von PädagogInnen sowie das ihnen zuerkannte Fachwissen mag sicherlich manche Eltern bei schwierigen Erziehungsfragen dazu bewogen haben, sich an deren Verhalten zu orientieren. Wenn mir dieser Sachverhalt als Sozialpädagogin auch sehr schmeichelt, der vielleicht vorschnell entgegengebrachte Vertrauensvorschuss und ExpertInnenbonus hat dann Nachteile, wenn er, gewollt oder ungewollt, Ansichten und Denkmuster manipuliert. Meine Studienkollegin Juliana berichtete mir von Esma A., einer Klientin, deren türkische Mutter, Frau Hatice A. eine eher liberale Einstellung zu den von Natur aus tizianroten Haaren ihrer elfjährigen Tochter hatte.

Eines Tages bestand sie jedoch plötzlich darauf, dass die Jugendliche ihre Haarpracht unter einem Tuch verbarg. Nach den Gründen des plötzlichen Sinneswandels befragt, vertraute Frau A. meiner Kollegin, die als Familienhelferin bei A. tätig war, an, dass die neue Klassenlehrerin der frisch gebackenen Gymnasiastin Esma ebenfalls türkischer Herkunft war und Kopftuch trug. Nun war Frau A. um den guten Ruf der Familie besorgt und vor allem darum, ihren Eifer unter Beweis zu stellen, ihre Kinder zu gottesfürchtigen, frommen Mitgliedern der Umma zu erziehen. Die Reaktion der Klientin A. zeigt, dass es sich bei der Akzeptanz des Kopftuches gerade nicht um eine Freiheitssache handelt.

Die im letzten halben Jahr veröffentlichten Pressefotos der türkischen Politikergattinnen Gül und Erdogan, die sich demonstrativ mit Hijab an der Seite ihres Ehemannes fotografieren ließen, üben einen ähnlichen Druck aus wie das Vorbild der eben erwähnten Pädagogin. Die Bilder sollen das neue Image der modernen türkischen Muslima näherbringen, die genauso emanzipiert wie streng religiös konservativ ihr Leben in die eigenen Hände nimmt. Wenn die First Lady des ehemals betont laizitären Staates Türkei, Hayrünnisa Gül das ‘Schamtuch‘ nicht nur privat trägt, wenn sie das Haus verlässt, sondern auch bei Staatsbesuchen im Ausland und anderen offiziellen Anlässen, bricht sie bewusst mit ca. 80 Jahren säkularer Tradition.

Das ist ein überdeutliches Signal an die karrierebewussten TürkInnen im In- und Ausland, wie (Ehe-)Frauen künftig in der Öffentlichkeit aufzutreten haben. Das ist Wasser auf die Mühlen der religiösen Hardliner, nach Bundesinnenminister Schäuble (2007) ca. 40% der hier lebenden Muslime. Die werden sich in ihrer fundamentalistischen Lebensführung bestätigt fühlen und die fromme Kleiderordnung, die sie in ihrem engen sozialen Umfeld längst durchgesetzt haben, noch konsequenter zu überwachen und auszubreiten versuchen. Zumindest für TürkInnen gibt es keine Ausrede mehr, sogar die ‘Landesmutter‘ wirbt offensiv für die schariakompatible Verschleierung von Frauen. Auffällig dabei der betont emanzipierte, selbstbestimmte Eindruck.

Trotz der islamischen Renaissance nach 1979 gibt es in Europa und in der BRD gläubige Muslime, die sich nicht nur als ‘Ramadan-Muslime‘ der Umma zugehörig fühlen, sondern die fundamentalistischen Kleidungsvorschriften ablehnen oder die in dieser Frage noch unentschlossen sind. Wo bleiben deren Freiheitsrechte? Wo bleibt die negative Religionsfreiheit für AtheistInnen KonvertitInnen, ApostatInnen und ‘Ungläubige‘, die in unserem Land dieselben Grundrechte genießen und nicht totgeschlagen werden dürfen? Die Freiheit auf die du dich berufst, liebe Ebru, ist ein demokratisches Grundrecht, dass immer die Freiheit der anderen mit einschließt und sich eben nicht darin erschöpft, den Koran und die Sunna zu leben (Necla Kelek).

Muslimas, die behaupten, ohne Kopftuch würden sie sich nackt fühlen, geht es nicht alleine um Schutz. Sie unterteilen ihre Geschlechtsgenossinnen in die Gruppe der Ehrenhaften und die der Unreinen, egal ob die Betroffenen muslimisch sind oder gar ’Ungläubige’. Das Kopftuch ist somit Symbol für die Spaltung Menschheit in sittsam Tugendhafte sowie in verachtenswerte Sünderinnen. Der soziale Druck auf alle Mädchen und Frauen steigt proportional mit der Anzahl der Kopftücher im Straßenbild. Es gibt Stadtzentren, in denen Altbürgerinnen mit offenen Haaren vor die Füße gespuckt wird, sie werden zur Seite abgedrängt, ihnen wird der Weg abgeschnitten, sie werden absichtlich überhört, man sieht bewusst an ihnen vorbei.

Sollte es tatsächlich eine Muslimin wagen, ihre Haare nicht schamhaft zu bedecken, wird zunächst die Kernfamilie, dann die Sippe und schließlich die Community vorerst mit Hilfe von dringenden Ermahnungen und dem Erwecken von Schuldgefühlen versuchen, die Abweichlerin wieder auf den rechten, Allah wohlgefälligen Weg zu bringen. Gelingt das nicht, folgen wüste Beleidigungen, üble Nachrede, Ausschließen aus dem Freundeskreis, Schläge, Verweigern von intimen Zärtlichkeiten bis hin zum Mord aus falsch verstandener Ehre. Nahezu niemand wagt es daher, sich aus den Fesseln der sakralen Systeme Scharia, Koran und Sunna zu befreien, wer darüber redet oder schreibt, beschmutzt in den Augen der Fundamentalisten die Ehre des Clans, beleidigt die Umma und begeht Verrat an Allah.

Mit dem Kopftuch bedeckt man eben nicht nur die Haare, um als Frau erkannt zu werden, mit dem Tragen des Türban unterwirft man sich den nicht interpretierbaren Gesetzen des Islams. Der Hijab ist nicht nur ein unschuldiges Stück Stoff unter dem man die Haare versteckt, er ist eine Art Vertrag zwischen der Trägerin und der Umma, den sie mit dem ersten Binden des Tuches quasi unterschreibt und anerkennt. Sie bejaht mit der Verschleierung die für orthodox denkende Muslime wörtlich umzusetzenden Vorschriften aus Koran, Sunna und Scharia. In der kulturellen Moderne jedoch Frauen grundsätzlich für unrein und minderwertig zu halten und das Ganze als Ausdruck von Selbstbestimmung und individueller Freiheit zu werten ist grotesk und inakzeptabel.

Wenn ich auch niemanden zu seinem Glück zwingen möchte und Meinungsfreiheit ein von mir sehr geachtetes Menschenrecht ist, meine Toleranz endet an dem Punkt, wo von der Verfassung der BRD garantierte Grundrechte missachtet werden, besonders wenn die Gefahr besteht, dass Rechte von Frauen oder Kindern bedroht oder verletzt werden. Die Kairoer Erklärung der Menschenrechte und die Arabische Charta der Menschenrechte mit Scharia und Koran als Fundament, prägen in Theokratien Gesellschaft und Rechtsprechung, im demokratischen Europa gelten sie nicht.

Verachtung von Andersgläubigen, Verbot der Apostasie bei Todesdrohung, Diskriminierung von Frauen, Gewalt in der Erziehung, körperliche Züchtigung in der Ehe, Zwangsverheiratung, Teenagerschwangerschaften, Mord aus falsch verstandener Ehre gehören für islamische Fundamentalisten zum Lebensalltag wie das ‘Schamtuch‘ für Frauen. Du, liebe Ebru, magst diese ‘Software‘ als persönliche Art sehen deinen Glauben zu leben, ‘Freiheitssache‘ ist der Schleier schon deswegen nicht, weil er für eine Lebensführung steht, die Freiheiten anderer beschneidet. Ich halte es da eher mit Ralph Giordano, der anlässlich einer Podiumsdiskussion sagte: „Wenn das offene Haar der Frauen Begehrlichkeiten bei den Männern weckt, wäre es besser, den Männern Handschellen anzulegen als den Frauen das Kopftuch“.

Ümmühan Karagözlü