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Ausverkauf der Demokratie

Dezember 21, 2009

اسلامی ریاست

Islāmī Riyāsat

Islamische Führung

Ein Text von Abū ʾl-Aʿlā al-Maudūdī titelt mit »Islāmī Riyāsat (1)«, was „Islamic Presidency“ oder „Islamic Leadership“ bedeutet. Das zu ar-raʾīs, Führer (chief, leader) gehörende ar-ryāsat, Präsidentschaft, verwendet der den Wahhabiten und der Muslimbruderschaft zugeneigte organisierte Islam in Sarajevo unter Raʾīsul ʿulamāʾ (Führer der Islam-Gelehrten, bosnisch »Reis-ul-ulema«) Mustafa Cerić als das bosnische Wort »Rijaset« zur Bezeichnung der höchsten politreligiösen Ratsverwaltung, ansässig im Dienstsitz des Großmuftis in der Kaisermoschee, sowie als Namen seiner Homepage.

Opening the way for the Muslim law

The universal Weltanschauung of Dr. Cerić. Von Jacques Auvergne

Mustafa Cerić durchlief eine Ausbildung an der klassisch islamisch sprich gegendemokratisch und frauenfeindlich ausgerichteten Kairoer al-Azhar-Universität, wo er von 1974-1978 islamische Theologie und Philosophie studierte. Als Imam arbeitete er ab 1981 in den USA, wo er 1987 über den frühen islamischen Denker Abū Manṣūr al-Māturīdī (893-941) aus Samarkand promovierte. 1990 war Cerić Mitgründer der Partei der demokratischen Aktion (SDA, Stranka demokratske akcije), eines angesichts der von Belgrad aus und durch Politiker wie den mit Rechtsradikalen und Paramilitärs kooperierenden serbischen Präsidenten Slobodan Milošević jahrelang betriebenen Diskriminierung aller Nichtserben sehr erklärlichen politreligiösen beziehungsweise ethno-religiösen Bündnisses.

Die SDA, Izetbegović führte sie bis 2001, versteht sich gleichwohl bis heute ihrer Aussage nach als säkular, während Theologe Mustafa Cerić im European Council for Fatwa and Research (ECFR, Europäischer Rat für Fatwa und Forschung) mit jenen radikalislamischen Strömungen wie der Millî-Görüş freundschaftlich zusammenarbeitet, welche die juristische, politische und pädagogische Herrschaft der Stellvertreter Allahs gegenüber der Volkssouveränität für sittlich wertvoller erachten. Das der Muslimbruderschaft nahe stehende ECFR will das Kalifat als ein revolutionär gegenkulturelles Milieu einer eigenen Staatsbürgerschaft und zunächst einer Rechtsspaltung im Personenstandsrecht beziehungsweise Familienrecht, das geheiligte Ziel der Deklassierung der Frau entstammt dabei dem Koran und der mittelalterlichen Orthodoxie. Wolfgang Schäuble und Armin Laschet begehen mit Mustafa Cerić Feierveranstaltungen.

1992 erklärte Bosnien seine Unabhängigkeit von Jugoslawien. Zwischen 1991 und 1993 war der Bosnier, auch im Auftrag des bosnisch-muslimischen Politikers Alija Izetbegović, Universitätslehrer im „differenziert“ denkenden Apartheidsstaat Malaysia am International Institute of Islamic Thought and Civilization (ISTAC, http://www.iiu.edu.my/istac/), das der International Islamic University Malaysia (IIUM, http://www.iiu.edu.my/) angegliedert ist und von Syed Muhammad Naquib al-Attas geleitet wird.

Im Juli 1995 forderte das von den UN als Völkermord klassifizierte Massaker von Srebrenica vom muslimischen Bevölkerungsteil Bosniens, man nennt ihn den bosniakischen, bis zu 8.000 Tote. Für Europa war Srebrenica die schlimmste Gräueltat seit Beendigung des Zweiten Weltkrieges.

Im April 1993 wurde Mustafa Cerić zur obersten islamischen Autorität Bosniens ernannt, manche reden allerdings von einem Putsch gegen den muslimischen Slavomakedonen („Torbesch“) Jakub Selimovski, jenen zeitweiligen ranghöchsten Geistlichen Makedoniens, der irgendwann einmal eine Todesfatwa von ethnisch albanischen Islamführern aus Makedonien erhalten hatte.

Weil der Zerfall Jugoslawiens beziehungsweise der jugoslawische Bürgerkrieg schrecklich war und dauernder Friede schließlich wünschenswert ist, wird der einen schmucken weißen Turban tragende Geistliche aus Sarajevo weltweit von Politikern eingeladen sowie von Religionsfunktionären, zumal christlichen, mit Ehrungen ausgezeichnet. Etwa durch den in Heppenheim ansässigen Internationalen Rat der Christen und Juden (ICCJ), der den abrahamischen Dialog, genauer müsste man sagen: den Trialog pflegt, bei dem entweder Jahwe, christlicher Vatergott nebst Jesus von Nazareth sowie der steinigende Allahgott miteinander im Himmel verschmolzen werden sollen oder eine irdische Segregation von Glaubensnationen nach dem Vorbild von Malaysia oder Ägypten angestrebt wird, der ICCJ überlegt noch.

Im Jahre 2005 erhielt der Schariapolitiker „für seinen außergewöhnlichen Beitrag zum interreligiösen Verstehen“ den Félix-Houphouët-Boigny-Friedenspreis der UNESCO, in Anwesenheit des damaligen Innenministers Wolfgang Schäuble am 22.11.2008 in München den Preis der theokratisch orientierten Eugen-Biser-Stiftung, die grundrechtswidrige Scharia kritisiert man in diesen Kreisen nicht.

Am 24. Februar 2006 weilte der bosnische Reisu-l-ulema, wörtlich Führer der Gelehrten, türkisch Başmüftüsü, in der Moschee der kroatischen Hauptstadt Zagreb, als er die »Deklaracija Evropskih Muslimana« (Declaration of European Muslims) bekannt gab. Cerić ist Šayḫ (Scheich) im ECFR-Netzwerk des in Qaṭar wohnhaften ranghöchsten Predigers der Muslimbruderschaft, Yūsuf al-Qaraḍāwī. Jacques Auvergne kommentiert den von ihm übersetzten und gekürzten englischen und französischen Text der Erklärung der Europäischen Muslime.

Cerić:

Dem Willen Ausdruck verleihend, den die Europäischen Muslime seit dem Angriff vom September 2001 in New York, dem Massaker vom März 2004 in Madrid und der Bombenexplosion vom Juli 2005 in London entwickelt haben.

Cerić interessiert sich für die Probleme, welche die kulturellen Moderne mit dem sich koranisch legitimierenden Terrorismus hat.

Wo doch am 11. September 2001 Tausende von Männern und Frauen, die im New Yorker World Trade Center gearbeitet haben, durch einen terroristischen Angriff getötet wurden, wo am 11. März 2004 Hunderte von Menschen, die sich gerade auf der Eisenbahnfahrt in Madrid befanden massakriert wurden, wo doch am 7. Juli 2005 in London viele unschuldige Menschen das Opfer von Bombenexplosionen wurden, und angesichts der Tatsache, dass all diese Gewalttaten gegen die Menschlichkeit als „Islamischer Terrorismus“ bezeichnet worden sind,

Die Terroristen nennen sich selber so, islamische Kämpfer.

Unter der Berücksichtigung der Tatsache, dass die Anschläge von New York, die Massenmorde in den Eisenbahnzügen von Madrid und die Bombenattentate von London den europäischen Muslimen die schwere Last kollektiver Schuld für jenen „Islamischer Terrorismus“ zu tragen auferlegt haben, die fortwährend von einigen Politikern und Medien propagiert wird,

Seit 9 / 11 würden die Nichtmuslime also die Muslime quälen.

Des Leidens der europäischen Muslime eingedenk, die von einer durch unverantwortliche Berichterstattung gewisser Medien, die über muslimische Angelegenheiten (issues) berichten, verursachten Islamophobie ausgesetzt sind,

Aufruf an die muslimischen und nichtmuslimischen Europäer, eine Hexenjagd gegen jenen angeblich die Menschenrechte und Bürgerrechte gefährdenden Teil der Fernsehsender und Redaktionsstuben zu beginnen, der pauschale Ängste vor dem Islam schürt. Nichtmuslime dürfen keine Angst vor der Scharia haben, das wäre unmenschlich. Über den Islam soll – wohl ausschließlich – positiv berichtet werden.

Wo doch die Europäischen Muslime die Freiheit der Anderen genauso sehr wertschätzen wie ihre eigene

Alleine die Konstruktion einer Sorte Mensch namens muslimische Europäer müssen wir im Namen der bedrohten Rechtseinheitlichkeit zurückweisen.

Es möge in Europa also zwei verschiedene Freiheiten geben: die nichtmuslimische Freiheit und die muslimische Freiheit. Cerić bereitet den Ausstieg der muslimischen Bürger, namentlich der muslimischen Frauen, aus dem für alle geltenden Recht vor: die Polygamie ist noch verboten, sie kann es für die nichtmuslimischen Europäer, Cerić ist tolerant, ja auch bleiben. Dass aber künftig nicht nur den drei Muftis des nordgriechischen Komotiní gestattet sein soll, Dreizehnjährige oder Elfjährige zu verheiraten, die bald darauf schwanger werden, sollen wir im Namen der Religionsfreiheit hinnehmen, den Kopftuchzwang eines Yūsuf al-Qaraḍāwī selbstverständlich ebenso. Ehe- und Familienangelegenheiten, dazu kann doch bitte bald auch das Erbrecht gehören, regeln die Muslimstaatsbürger demnächst bitte ganz friedlich unter sich. Die Schwester erbt eben nur halb so viel wie ihr Bruder, so steht es in Gottes Handlungsanleitung, im al-qurʾān – Sie wollen doch nicht etwa die Muslimbürger daran hindern, nach dem Tod in die ewige Gottesnähe zu gelangen, Sie antimuslimischer Rassist und gruppenbezogener Menschenfeind?

Wo doch die Europäischen Muslime ihre Kinder in Frieden und Sicherheit aufwachsen lassen möchten, im Miteinander mit anderen religiösen Gruppen und in einem Europa, das sich auf einer ‚Ethik des Teilens‘ gründet.

Der Großmufti singt dem Sozialstaat ein Hohelied? Mitnichten, Mustafa Cerić will die Rechtsspaltung: Ihr lasst uns unser Recht, wir lassen euch euer Recht. Eingeteilt, aufgeteilt, zugeteilt. Hier Scharia, da säkulare Moderne, wir teilen dieselbe Stadt. Spiritueller Mauerbau.

Daran erinnernd, dass der Islam Juden und Christen als das Volk des Buches zu betrachten lehrt, damit sie alle, Juden, Christen und Muslime, lernen, ihre gemeinsamen spirituellen Wurzeln ebenso zu teilen wie ihre gemeinsame Zukunftshoffnung, ohne Vorurteile und mit dem Ziel, Diskriminierung zu vermeiden

Monotheistische Theokraten dürfen den Europäern künftig die Welt und die Regeln des Zusammenlebens erklären.

Wo Europa doch ein Kontinent vieler Glaubensbekenntnisse ist

Doch wohl eher ein Kontinent vieler Individuen, und zuerst ein Kontinent der für alle, auch für Atheisten und Frauen, geltenden Rechte. Möchte uns der bosnische Geistliche ein Europa der Glaubensnationen (milal, Sg. milla; türk. millet) in die Debatte hineinmogeln, ein Europa, in dem eine religiöse Gerichtsbarkeit das Recht hat, die universellen Menschenrechte namentlich die Frauenrechte anzuknabbern oder außer Kraft zu setzen?

Eingedenk, dass Europa stolz auf den Weg von der Sklaverei zur Freiheit ist, vom Mythos zur Erkenntnis und Wissenschaft, von der ungebändigten Macht zum Recht und von der Staatstheorie zur Legitimität des Staates und im Wissen von Europas bereitwilligem Bekenntnis zu den Grundwerten von Menschenrechten und Demokratie.

Nicht nur begeistertes Credo, das westliche und mittlere Europa, Weißrussland leider gewiss nicht, hat seine Staatlichkeit, Verwaltung und öffentliche Schule tatsächlich auf die Universalität der Menschenrechte gebaut, wesentlich anders als die Teile der Welt, die vom islamischen Recht bestimmt sind. Bezeichnenderweise redet Cerić hier an der Sache vorbei, er sagt basic values, nicht: vollständige Geltung der säkularen Freiheitsrechte, er sagt Human Rights – welche Menschenrechte, diejenigen der OIC von 1990 mit ihrem Schariavorbehalt?

Der Bosnier hätte statt Menschenrechte AEMR sagen müssen, universelle Menschenrechte, er hat stattdessen wohl Allahs Menschenrechte im Blick. Demokratie (Democracy) ginge auch mit dem Unrechtsstaat der DDR, Cerić hätte sagen müssen: freiheitliche Demokratie, und wer ein wenig über Fundamentalismus beziehungsweise Scharia nachdenkt, wird erkennen, dass nur die säkulare Demokratie eine freiheitliche Demokratie sein kann. Cerić will den freiheitlich-säkularen Staat gar nicht – und redet, nicht anders als Erich Honecker oder Mao Tse Tung, von Demokratie. Ein Bekenntnis hat Bosniens Großmufti übrigens noch nicht einmal gegen die Sklaverei abgelegt, lediglich ausgesagt, dass Europa auf irgendeine „Straße“ (engl. road), irgendeinen „Weg“ (frz. chemin) „stolz“ (proud, fière) ist.

Statt zu sagen: eine dem Mythos unterworfene Gesellschaft, das heißt ein dem Geisterglauben und der Sexualmagie nachgeordnetes Weltbild und Menschenbild, verwendet der Großmufti fälschlich das Wort Mythologie, was jedoch Mythenforschung bedeutet und wissenschaftliches Denken voraussetzt, wozu die islamische Orthodoxie nicht in der Lage ist, denn der Hidschab (ḥiǧāb, wörtlich: Vorhang, Ganzkörperbedeckung der Frau) ist der Sexualmagie nachgeordnet und das Lehren schmerzlicher Höllenfeuer finsterstes Mittelalter und Psychoterror. Auch das ist kein Versehen, Cerić will die Höllenpädagogik ebenso legalisieren wie die Kopftuchpflicht, wozu arbeitet er schließlich so fleißig für das ECFR, den „Fatwa-Rat“ (Europäischen Rat für Fatwa und Forschung).

Europa ist das Haus des Friedens und der Sicherheit, wie es sich auf dem Gesellschaftsvertrag (consensus) gründet.

Mit dem Begriff Haus des Friedens, englisch lässt Cerić „House of Peace“ sagen, frz. „la demeure de la paix“, hat uns der listige bosnische Gelehrtenführer das arabische dār, wörtlich Haus, gemeint ist das irdische Territorium in seiner Relation zu Allahgott, in die Diskussion hinein geschmuggelt, das uns aus der manichäisch und dschihadistisch verstandenen Benennung des islamisch beherrschten Gebietes als dār al-islām bekannt ist.

Das Paradies wird im Koran an zwei Stellen als die dār as-salām bezeichnet (10:25 und 6:127), Haus des Friedens, mit Cerić hat Europa womöglich paradiesische Aussichten.

Gesellschaftsvertrag (Social Contract, Contrat Social) soll uns ein wenig zum Neuverhandeln der gesellschaftlichen Grundlagen ermuntern. Consensus ist iǧmāʿ – schariakonforme Plenardebatte. Referenzmodell jedes anständigen Rats ist (ǧ-m-ʿ, versammeln, Gemeinschaft) ein ǧumuʿa oder ǧumʿa genanntes freitägliches Zusammenkommen, das von Allahgott angeordnete Freitagsgebet als der Nukleus jedes Parlaments, das durch korantreue Verhaltensausrichtung heilssichernde Epizentrum der sittlichen (islamischen) Staatsgründung.

Allahkratisch-kulturrassistische dār-Formeln wie dāru ʾl-ʿahd (Dar al-Ahd), Haus des Vertrags, oder dāru ʾṣ-ṣulḥ, Haus der Übereinkunft (muṣālaḥa, Versöhnung; vgl. das jesuszentrierte Sozialwerk http://www.musalaha.org/) ermöglichen es islamrechtlich Indoktrinierten, die als unsittlich eingestuften Nichtmuslime nicht als Harbis zu bezeichnen und töten zu müssen oder als Dhimmis zu versklaven.

Islamist Tariq Ramadan (Ṭāriq Ramaḍān), der sich in diesen Tagen des Dezembers 2009 als „Islamfachmann“ im französischen Regierungsviertel herumreichen lässt, wo es den säkularen Politikern um ein Burkaverbot geht, Herrn Ramadan jedoch um eine totale Kopftucherlaubnis, ist der großartige Erfinder der Theorie einer dār aš-šahāda (Haus des Glaubensbekenntnisses), in Wirklichkeit will er die schariakonforme Rechtsspaltung, das Sonderrecht der muslimischen Staatsbürger.

Der Sohn des Muslimbruders Said Ramadan („Das islamische Recht“, 1961) ist als städtischer Integrationsbeauftragter für Rotterdam und zeitgleich als Dozent der Uni Rotterdam allerdings gefeuert worden, weil er eine Moderation für einen Fernsehsender der islamischen Diktatur Iran übernommen hatte, wo er es wagte, just in jenen Tagen des Sommers 2009, in dem in Teheran protestierende Studenten erschossen wurden, von den angeblich schrecklich unterdrückten europäischen, zumal französischen Studenten muslimischen Glaubens zu reden, im selbstbeschädigend toleranten Oxford wird er leider auch in Zukunft tätig sein dürfen (2).

Das europäische Territorium (land, territoire) ist das Haus des Gesellschaftsvertrags, denn es ist dort möglich, in Übereinstimmung mit seinem jeweiligen Glauben im Kontext der sinngemäß von John Rawls genannten „Prinzipien“ zu leben, welche: „frei handelnde und rational denkende Menschen bereitwillig akzeptieren, die Sorge dafür tragen, dass die Ausweitung ihrer eigenen Interessen das Gemeinwohl gründet, gewährleistet und definiert“.

Das jedoch ist für den Bankräuber, Nationalsozialisten oder religiösen Radikalen im Allgemeinen kein großes seelisches Problem, er wird seinen Egoismus oder Gruppenchauvinismus flugs als gemeinnützig etikettieren, zumal er das Recht zur kreativen Initialzündung und Neudefinition der sozialen Werte und politischen Leitlinien hat. Allahgott hat die Raubökonomie gestattet, das geheiligte Beutemachen auf Kosten der Nichtmuslime und der Frauen ist orthodoxe islamische Sozialpädagogik. Jetzt muss ich das Ganze nur noch in Sarajevo mit „gerechte Gleichheit“ (equality, égalité) beschriften.

John Rawls (1921-2002), amerikanischer Gesellschaftsphilosoph mit Leitbildern der Menschenrechtsuniversalität, Chancengleichheit und Sozialstaatlichkeit, arbeitete über den von Immanuel Kant entlehnten Begriff des Common sense, der inzwischen radikalislamische Nutzbarmachung erfährt. Rawls war Autor von The Law of the Peoples (1993). Der amerikanische Islamist und Arzt (Endokrinologie) Shahid Athar interpretiert die zunehmende Schariaverträglichkeit der USA als Wandel vom Homogenität erstrebenden „Schmelztiegel“ (melting pot) zur tolerierten Heterogenität der „Salatschüssel“ (salat bowl), in der man jede ethnoreligiöse Differenz dauerhaft erkennen kann.

Womöglich möchten die Bewunderer von al-Maudūdī ihr Streben nach Segregation und Sezession mit einem Selbstbestimmungsrecht als ethnische Minderheit beziehungsweise Glaubensnation vermarkten; Bekir Alboğa zitierte dazu 2009 öffentlich Kant. Rawls greift – wie Cerić – auf Jean-Jacques Rousseau zurück, dessen »Du contrat social ou Principes du droit politique« (Amsterdam 1762) vielerorts sofort verboten wurde, mit Rousseau und mit erheblicher Mühe ließe sich das „spontane“ Zusammenfinden von Muslimen zur kalifatsähnlichen Struktur legitimieren. Während man (ziemlich laut) auf Religionsfreiheit pocht, zaubert man den unfehlbaren volonté générale mit der unsichtbaren Scharia identisch. Den Linken legt man den Köder, den Separatismus der islamischen Gehorsamsgesellschaft als Pluralismus zu sehen und die islamische Revolution als im Kern sozialistisch, die Christen mögen sich von Abrahams koranlesenden Kindern begeistern lassen. Die geduldete radikalislamische Parallelgesellschaft als freie Willens- und Gemeinschaftsbildung, die Dhimmitude als demokratisches Minimum (Rawls: Le minimum démocratique) – wenn die Frau der Muslim-Kaste freiwillig nur halb so viel erben will wie ihr Bruder, hat sie dann nicht ihre Bürgerrechte frei genutzt?

Mit Kopftüchern und Kirchentagen mag eine neue, abrahamische »Natürliche Theologie« über dem Klang der Dreikonsonantenwurzel ṣ-l-ḥ zwischen Thomas von Aquin, Yūsuf al-Qaraḍāwī und Intelligent Design (ID) aussöhnen, maṣlaḥa als das Allgemeinwohl oder istiṣlāḥ als das Streben nach dem sozialen Besten machen den Weg frei zur dāru ʾṣ-ṣulḥ, zum Haus des Vertrags sprich Unterwerfungsvertrags.

Die „konstruktiven“ Dhimmifunktionäre Rowan Williams (Bischof), Christian Giordano (Ethnologe) und Mathias Rohe (Jurist) haben dem als Religion getarnten Herrschaftskult bereits muṣālaḥa angeboten, Versöhnung.

Während ein Gesellschaftsvertrag die vernunftgeleitete Willensbekundung eines Menschen ist und eine Selbstverpflichtung dem Staat gegenüber, so stellt der Bund (a Covenant) das glaubensorientierte Streben des Menschen dar. Durch den Bund weiht der Mensch sein Herz der Gottheit und erlangt innere Sicherheit, durch den Verfassungsvertrag legitimiert er das Staatswesen und erlangt äußere Sicherheit als Bewohner eines Dorfes oder einer Stadt.

Frei nach Cerić: „Ein Dasein als gottloser Staatsbürger ist hohl und leer, eure Demokratien sind auf die monotheistischen Religionsgemeinschaften, allen voran den Islam, angewiesen.“ Ein Geistlicher mag derartigem Selbstbewusstsein ja gerne Ausdruck geben, die Doppelpackung Religionsbund plus Staatsbürgerschaft erinnert auf den ersten Blick auch ein wenig an das jesuanische „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist“ oder an die jedem Menschen eigene Dualität zwischen dem Emotionalen und dem Rationalen beziehungsweise zwischen dem Idealistischen und dem Organisatorischen. Einem als persönliche Spiritualität gemeinten Islam würden wir derlei Rhetorik zugestehen wollen, einem an der Rechtsspaltung interessierten, strengstens an der Scharia orientierten fundamentalistischen Gehorsamskult allerdings nicht.

So sei es der Europäischen Union erklärt:

Hello Europe, this is Mustafa speaking!

Ein Staatsbürger ist Inhaber von Freiheitsrechten und freiheitlichen Privilegien. Er ist ein Staatsangehöriger, der, sei es als Ureinwohner oder als Einwanderer, einer Regierung Loyalität schuldet. Dabei hat er den Anspruch darauf, dass diese sein Leben, seine Religion, seine Freiheit und seine Würde schützt.

Nett, dass der Herr aus Sarajevo uns den Rechtsstaat erklärt. Was der bosnische Koranpolitiker uns unterschlagen möchte: Das Kind muslimischer Großeltern hat allerdings den Anspruch darauf, dass der Staat es schützt … vor dem Islam der Scharia schützt, sobald dieser Kult seine Freiheit und Würde bedroht, etwa durch den nötigenden Heiratsvormund oder die schafiitische FGM. Mustafa Cerić will die Kinder und Enkel der von ihm gewollten Kaste der Muslimbürger der Gewalt der Fundamentalisten ausliefern – im Namen der Friedfertigkeit oder, gelingt das nicht überzeugend, der Andersartigkeit, der „Differenz“.

Schariafreundin Nilüfer Göle (»Emanzipation auf Islamisch«) schreibt 2008 auf qantara.de zum Kopftuchstreit in der Türkei: „Als Symbol steht das Kopftuch dabei zugleich für persönliche Frömmigkeit und öffentliches Geltendmachen der islamischen Differenz“. Mit dem irgendwie wissenschaftlich wirkenden Wörtchen „Differenz“ versucht die in Paris lehrende Soziologin, uns die Modernitätsverweigerung und den gegenkulturellen Separatismus des politischen Islam als gelebte Religionsfreiheit beziehungsweise muslimische kulturelle Identität zu verkaufen.

Die europäischen Muslime, die schließlich versuchen, ihr Leben in Aufrichtigkeit und Authentizität (decent, honnête) zu führen, haben folgende Erwartungen:

Die Institutionalisierung des Islam in Europa.

Noch eine Moschee? Noch ein Islamverband? Nein.

Das Europäische Islamparlament unter Vorsitz des Großmuftis von Europa!

Gutes Personal ist heute so schwer zu bekommen, aber wer weiß, vielleicht würde der bescheidene Bosnier das Amt notfalls übernehmen, zumal er offiziell in Bälde nicht mehr zum Widerschein Allahgottes in der bosnischen Dämmerung neu gewählt werden darf, im Jahre 2012 wird seine Amtszeit enden. Ob sich der Großmufti (ECFR) seinen Dienstsitz, die im Jahre 1462 erbaute Careva Dzamija oder Kaisermoschee in Sarajevo, als Führungsstelle (Rijaset) des künftigen Europakalifats vorstellt?

Die ökonomische Entwicklung der muslimischen Gemeinschaft, damit sie volle spirituelle und kulturelle Freiheit erlangt und unabhängig ist.

Ökonomisch entwickelt heißt schariakonformes Bankwesen und überhaupt richtig viel „spirituelles“ Geld. Vollständig abgeschottete Geldströme, bis auf das geheiligte Beutemachen (al-anfāl, al-ǧizya)?

Wenn wir erst reich genug sind, kaufen wir uns aus der Demokratie heraus und ins Kalifat hinein.

Die Sūratu l-Anfāl ist sūra 8, die Sure der Kriegsbeute. „Sie fragen dich nach der Beute. Sprich: „Die Beute gehört Allah und dem Gesandten. … In die Herzen der Ungläubigen werde Ich Schrecken werfen. Trefft (sie) oberhalb des Nackens und schlagt ihnen jeden Finger ab (3)!“

Die Entwicklung islamischer Schulen, die in der Lage sind, die in Europa geborenen Muslime dazu zu erziehen, die neuartigen Herausforderungen ihrer multikulturellen Gesellschaften zu bestehen und diese prägend mitzugestalten (d`inspirer la sociéte multiculturelle européenne).

Ein Geflecht ECFR-treuer Zentren der Koranlehre, ein Netz von madāris (Sg. madrasa) möge den Kontinent überziehen, nebenbei ein flächendeckender und dabei möglichst offen schariakonformer Islamischer Religionsunterricht an staatlichen Schulen. Zentren für Imam-Ausbildung möglichst an den Universitäten. Zentren der Ausbildung zum muftī (Scharia-Richter). Ein echter Großmufti braucht viele Kleinmuftis.

Die politische Freiheit, welche die europäischen Muslime in die Lage versetzen wird, ihre legitimen Vertreter in die staatlichen Parlamente zu entsenden.

Der Mensch ist bei Mustafa Cerić eben kein Individuum, sondern Teil seiner Glaubensnation.

Als Gründer des Staates Pakistan kann der Politiker Ǧinnāḥ (Jinnah) gelten. Dazu musste das gemischtreligiöse Indien allerdings erst mit Umsiedlungen, Pogromen und Vertreibungen in zwei Staaten zerfallen, einen vorsichtig säkularen Staat Indien und einen halbwegs radikalislamischen Staat namens Pakistan (mit Ostpakistan, heute Bangladesch). Indien und beide Pakistan wurden am 15.08.1947 unabhängig.

Die dreizehnte Forderung der »Fourteen Points of Jinnah« (März 1929, englisches Wikipedia) lautete: „Jedes Kabinett, sowohl zentral als auch provinziell, muss mindestens ein Drittel muslimische Minister enthalten“, der vierte Punkt fordert ein Drittel muslimische Vertreter in der Gesetzgebenden Versammlung (Central Legislature, das spätere Indian Legislature als Zweikammersystem aus Lok Sabhā, Council of States, Unterhaus, und Rājya Sabhā, Haus des Staates, Oberhaus).

Angesichts der repressiven Realität des indischen Kastensystems mag die acht Jahrzehnte alte Argumentation des Muḥammad ʿAlī Ǧinnāḥ (Ali Jinnah) manchem Beobachter erklärlich erscheinen, die traditionelle Diskriminierung der kastenlosen oder niederstrangigen Dalits („Parias“) kann jedoch keine Entschuldigung dafür sein, im Europa des dritten nachchristlichen Jahrtausends im Namen der Religionsfreiheit ein Millet-System einzurichten – und genau das ist Herrn Cerić zu unterstellen.

Wie überhaupt der christlich-islamische Dialog nach dem Motto vorzugehen scheint: „Lasst uns in Toleranz auseinander gehen – Wir trennen uns in Frieden“. Von universellen Menschenrechten redet man nicht.

Orthodoxer Islam ist feindbildbedürftige Staatlichkeit, revolutionäre Gegenkultur, die Schariagesellschaft ist die antisoziale, geheiligte Meidung. Der Zwei-Nationen-Theorie (Two-Nation Theory) des zerfallenden Indiens, die sich auf den hochmittelalterlichen Gelehrten Abū Rayḥān Bīrūnī (973-1048) zurückführte, ging es weniger um zwei räumlich weit voneinander getrennte Staaten als um die erlebbare Kultur der ḏimma als der „gesamtgesellschaftlichen“ Koexistenz (La Convivencia, Konvivenz). „Gesamtgesellschaft“ ist ein gefährlich vieldeutiger Begriff der Multikulturellen und Koranpolitiker (Islamrat, ZMD, KRM).

Es gilt, Vorbereitungen zur Frage zu treffen, wie das Muslimische Recht in den Angelegenheiten des Personalstatuts anerkannt werden kann, beispielsweise im Familienrecht [aus dem Englischen], es ist die Möglichkeit zu debattieren, das islamische Recht in Bezug auf Personenstandsfragen zur Anerkennung zu bringen, etwa die Fragen des Familienrechts betreffend [aus dem Französischen].

Der zentrale Sprengsatz überhaupt: „f) opening the way for the Muslim law to be recognized in matters of personal status such as the Family Law; f: La possibilité de la reconnaissance de la loi islamique dans le cadre des questions relatives au statut des personnes comme par exemple les questions d’ordre familial.“

Der beliebte Dialogpartner Mustafa Cerić baut hiermit eine veritable Bombe gegen unsere säkulare sprich freiheitliche Zivilisation. Das anerkannte schariatische Familienrecht würde von der kulturellen Moderne nichts mehr übriglassen, der Spezies Muslimfrau wären die allgemeinen Menschenrechte dann nicht mehr zugänglich. Europas Politiker sehen die Gefahr der im Familienrecht (Polygamie, Idschbar / Wali Mudschbir, Kindbraut, Talaq) ansetzenden Islamischen Revolution leider überhaupt nicht, Kirchenpolitiker hoffen auf Machtzuwachs und schweigen aus Berechnung zur diskriminierenden Imam-Ehe und zur theologisch begründeten islamischen Frauenentwürdigung der šarīʿa sowie zur religionsrechtlich begründeten islamischen Frauendiskriminierung des fiqh.

Die »Fourteen Points« (Muḥammad ʿAlī Ǧinnāḥ 1929) fordern unter Punkt zwölf die verfassungsmäßige Festschreibung (The constitution should embody adequate safeguards for the protection) des islamischen Personenstandsrechts (personal laws).

Wir können auch Europa mit der familienrechtlichen Scharia so zerlegen wie den indischen Subkontinent.

Wir erwarten, dass Europa die europäischen Muslime vor solchen Sachen wie Islamophobie, ethnischer Säuberung und Genozid schützt.

Fein gesponnene Manipulation: Islamfurcht ziehe Vertreibung oder Völkermord nach sich, möchte der Geistliche uns nahe legen. Cerić steht als Friedensfreund da, und ganz neuartige muslimische und nichtmuslimische Sittenwächter haben den Freibrief, Islamkritiker zu jagen.

Bewusstsein schaffen für die Vielgestaltigkeit (complexties) des säkularen Kontexts, in dem die heutigen Religionen leben.

Survivaltraining für interreligiöse Fundamentalisten. Als Schariafreund im Dschungel der kulturellen Moderne überleben. Im Namen der Religionsfreiheit sind dem Kalifat kleine Nischen zu schaffen, die orthodox-islamische Menschenrechtswidrigkeit ist gemeinsam mit Rabbinern und Bischöfen der Öffentlichkeit so lange zu erklären, bis jeder die geduldeten Gegenkulturen für einen Teil der zu tolerierenden „Komplexität“ hält und die etwa von Ayaan Hirsi Ali scharf vertretene Forderung nach dem Primat der universellen Menschenrechte erfolgreich als „Aufklärungsfundamentalismus“ (Timothy Garton Ash: Enlightenment fundamentalism) diffamiert werden kann, ein Tolerieren antimoderner Milieus, vor dem im Jahre 2007 Pascal Bruckner warnte (4).

Verständnis befördern, Unterschiede anerkennen, einen gemeinsamen Baugrund finden und zugänglich machen.

Kinder spielen Himmel und Hölle oder die Reise nach Jerusalem. Cerić meint kein Kinderspiel, sondern Mythospolitik, Sexualpolitik. Vielleicht noch nicht der griechische Areopag, sicherlich aber der Römische Senat war götterfreie Zone. Kehren mit Leuten wie Cerić die Ǧinn, die Geister, nach denen Koransure 72 benannt ist, in Europas Universitäten und Parlamente zurück?

Lassen Sie uns die komplexe Beziehung zwischen Religion, Kultur, Politik und Ökonomie aufzeigen. Anschließend geht es darum, jene Fakten in den Vordergrund zu stellen, an denen die Religionen das gemeinsame Streben nach Wahrheit, Gerechtigkeit und Frieden erkennen können.

Das Verstörende soll also nicht besprochen werden – Thinking positive. Der Islam habe nichts anderes als den Weltfrieden im Sinn, was in einem voraufklärerischen Verständnis von herrschender Friedlichkeit ja vielleicht stimmen mag. Cerić erdreistet sich, den organisierten orthodoxen Islam, der von der Aufklärung noch nicht berührt worden ist, den anderen Religionen als ebenbürtigen Bündnispartner anzubieten, ein Ansinnen, was diese dem Vertreter des ECFR verweigern sollten. Unsere freiheitliche Lebensweise brauchen wir nicht durch den Schariavorbehalt ironisieren zu lassen, auch nicht im Nehmen des interreligiösen Dialogs.

Es geht darum, religiöse Prinzipien sowie moralische und ethische Werte und Normen genau zu erkennen (identify, identifier), die allgemein akzeptiert oder mehrheitsfähig sind und die geeignet sind, das Zusammenleben möglich zu machen, doch ebenso jene, die jedem Glauben eigen sind, und die möglicherweise hieraus entstehenden Differenzen, Spannungen und Missverständnisse zwischen den so verschiedenartigen Religionen einzuräumen und auszuhalten (recognize, admettre).

Im politislamischen Credo »Fourteen Points« des Muḥammad ʿAlī Ǧinnāḥ (Jinnah) vom 28.03.1929 lautet der harmlos klingende Punkt sieben: „Allen Glaubensgemeinschaften soll die volle Religionsfreiheit gewährt werden, das umfasst die Freiheit zu Glaube und Gebet, die Freiheit Riten und Festlichkeiten zu pflegen sowie die Freiheit der Mission, Vereinsgründung und Erziehung“.

Der Präsident des Verfassungsgerichtshofs und des Oberverwaltungsgerichts des Landes Nordrhein-Westfalen, Michael Bertrams, erklärte im September 2009 allerdings Teile der Scharia für verfassungswidrig, was natürlich stimmt. Diese grundgesetzwidrigen Teile der islamischen Pflichtenlehre, bei Ǧinnāḥ sicherlich unter „Erziehung“ (Männerverherrlichung, Jungfräulichkeitskult, Kopftuchzwang, Kulturrassismus), „Riten“ (schariarechtliche Zwangsheirat englisch wilayat al-ijbar arabisch wilayāt-al-iǧbar / walī muǧbir; geheiligte Verstoßung ṭalāq) oder „Religionsfreiheit“ (Polygamie, erniedrigte Stellung der Frau im Erbrecht) würde mit Mustafa Cerić nun zur islamischen Eigentümlichkeit, die es interreligiös vereint so lange zu erklären gelte, bis alle „Missverständnisse“ ausgeräumt sind.

Bertrams erkannte, dass die Scharia jeder Frau in nahezu allen Lebensbereichen einen niedrigeren Rang zuweist als dem Mann. Eine Frau, folgerte der Verfassungsrichter, die das Kopftuch trage, bekenne sich daher nicht widerspruchsfrei zu der Verfassung und den deutschen Werten. Dieser Umstand schließe ihre Eignung für den Beruf als Lehrerin aus. Der bosnische Großmufti hat hier wieder ein „Missverständnis“ auszuräumen, womöglich unterstützt von seinen deutschen anṣār Melanie Miehl, Thomas Lemmen, Armin Laschet, Wolfgang Schäuble und der Eugen-Biser-Stiftung?

Auch Dschihadisten demonstrieren Geschichtsbewusstsein: anṣār al-islām bedeutet Helfer des Islam, nach jenen ersten muslimischen Medinensern, die den Mekkaner Muḥammad und seine muhāǧirūn („Auswanderer“) unterstützten. Die hiǧra war die Flucht aus Mekka im Jahre 622 nach Christus. Im Iran ist Anṣārī ein Nachname, auf der arabischen Halbinsel oft ein Abkunftsname der Nachkommen der „Helfer“. Al-Muhajiroun war der Name einer britischen Terrorgruppe um den gebürtigen Syrer Omar Bakri Muhammad und den Sohn pakistanischer Einwanderer Anjem Choudary, die für ganz Großbritannien die vollumfängliche Scharia einführen wollte. Ansar al-Islam (AAI) war zwischen 2001 und 2003 der Name einer um Mullah Krekar angeordneten, kurdischen Terrorgruppe im nördlichen Irak, der Unterstützer in Italien, Großbritannien und Deutschland zuzurechnen waren oder sind. Werner Oschlies weiß, dass „terroristische Mujaheddin im bosnischen Bürgerkrieg auf muslimischer Seite mitgekämpft“ haben: „Im November 1992 entstand die 7. Muslimische Brigade, in die von Anfang an Mujaheddin einsickerten und die Kampfgruppe „El Mujahed“ bildeten (5).“

Die Muslime Europas erklären, dass es die Absicht der europäischen Muslime ist:

Die Machtergreifung. Ab sofort ist Mustafa Cerić der Häuptling aller auf Allahgott verpflichteten Europäer.

Die Muslime, die in Europa leben, sollten erkennen, dass Freiheit kein Geschenk ist, das von alleine kommt. Die muslimische Freiheit muss erst verdient werden. Ungeachtet des xenophoben Widerstandes muss der globale Status der Muslime anerkannt werden.

Antiislamisch-rassistische Dhimmistaatsbürger würden den Muslimbürgern die Freiheiten vorenthalten. Nun ja, ehrlich gesagt: die muslimischen Freiheiten. Das gegenmoderne Sonderrecht dürfen sie sich zurückholen, Allāh hat ihnen das gestattet, ja geboten.

Die Muslime, die in Europa leben, sollten den Islam der westlichen Zuhörerschaft gegenüber als eine universelle Weltanschauung präsentieren, nicht als stammeskulturelle, ethnische oder nationale Kultur. Die Muslime können von den Europäern nicht erwarten, die universelle Botschaft des Islam wertzuschätzen, wenn sie ständig nichts anderes als einen ethnisch oder national gefärbten Islam erleben. Die Muslime werden die Europäer mit dieser Universalität des Islam beeindrucken können. Europa ist zudem für die Muslime selbst der geeignete Ort, die Kraft und Schönheit (the power and beauty) der islamischen Universalität zu entdecken.

Der Großmufti will den Weltislam, die Philosophie des globalen Kalifats, die Einschmelzung oder Überhöhung der vier sunnitischen Rechtsschulen sowie der Schiiten – unter Vorsitz des ECFR bitteschön. Den Nichtmuslimen soll die repressive Gegenkultur des kosmischen Medina-Modells, Hauptsitz Sarajevo, als Naturphilosophie verkauft werden.

Von Weltanschauung, Cerić verwendet im englischen wie im französischen Text das deutsche Wort, sprach der Großmufti in seinem 2007 veröffentlichten Text »The challenge of a single Muslim authority in Europe« („In the sharī’a as their Weltanschauung, Muslims have their covenant with God“, in der Scharia als ihrer Weltanschauung leben die Muslime ihren Bund mit [Allahgott] Gott).

Im Folgenden ein Gedanke zur iranisch inspirierten Islamisierung Europas von Bosnien aus. Tito und der Dritte Weg. ʿAlī Šariʿatī. Median-School in Sarajevo.

Der Median ist der mathematische so genannte Zentralwert, der etwa in der Statistik die Grenze zwischen zwei Hälften definiert. Der iranische Pädagoge Ali Schariati (1933-1977, türkisch Ali Şeriati) hatte den Schah und die Geistlichkeit kritisiert, suchte und lobte den „reinen, unverfälschten“ Islam, wurde deshalb als Wahhabit beschimpft und saß zwischen 1973 und 1975 im Gefängnis. Ab dem 25.11.1954 publizierte er in der Zeitung Khorasan an zehn Montagen die visionäre Textreihe »Maktab-e Vaseteh-e Eslam, Die Median-Schule des Islam« (The Median School of Islam; Maktab arab. zu: kuttāb, Schule). Vasateh kann auch Verbindungsmann, Zwischenhändler, Vermittler bedeuten (zwischen dem Muslim und Allahgott gebe es keinen Vasateh, dem Imam oder Mullah gehorche er aus freudiger Einsicht, denn Islam heißt Liebe …). Die Staatwerdung der Scharia sei „gerecht“, gleiche harmonisch aus.

Dorfschullehrer Schariati deutete den Islam, einen Gedanken von Abolqasim Shakibnia bzw. M. B. Razavi (The Median Bloc) aufgreifend, als angeblich ausgewogenen Dritten Weg zwischen Kapitalismus und Kommunismus (politisch), Ost und West (geographisch) sowie Idealismus und Materialismus (philosophisch) hinein in die Moderne, nicht in die kulturelle Moderne zwar, aber hin zur selbstbewussten Weltmacht. Die berüchtigte Mittigkeit (wasaṭīya; s. o.: Vaseteh) des Islam, Schariati sprach von der „ummatan wasatan, community justly balanced“, kann sich auf den Koran berufen, weshalb wir das nicht zufällig an Muʿammar al-Qaḏḏāfī (Gaddafi) erinnernde allahzentrische Mediangleichnis des ʿAlī Šariʿatī als Wegbereiter der Islamischen Revolution von 1979 verstehen sollten. Für die Menschen im ehemaligen Jugoslawien, die von der geschickten Äquidistanz nebst gewährter Reisefreiheit eines General Tito bis heute ebenso fasziniert sind wie von der NAM-Bewegung der Blockfreien Staaten (Non-Aligned Movement, Bandung 1955 mit Staaten wie Indonesien, China, Indien und Ägypten; Kairo 1957) und vom Islam, ist die Verbreitung des sanft erscheinenden Schariati möglicherweise nicht weniger verführerisch und demokratiegefährdend als die Lektüre des offen radikal argumentierenden al-Maudūdī.

Am 21.11.2009 stellt die iranische Seite irib mehrere Stimmen beispielsweise aus Kuba und Syrien, welche eine kanadische Resolution gegen den Iran zurückweisen, ganz bewusst zusammen: „Blockfreie und OIC gegen iranfeindliche Resolution“, der Iran probiert die Fusion von NAM und OIC. Unter Verwendung des Wortes wasaṭ, „mittig“, nennt Yūsuf al-Qaraḍāwī sein frommes Bestreben nach allahzentrischer Überwindung der Rechtsschulen Position der Mittigkeit oder Weg der Mittigkeit, minhāǧ wasaṭiyya, und auch mit Schariati lässt sich die Islamische Revolution als Harmonisierung und Heilwerdung deuten. Reaktionärer Gehorsamskult, islamische Faschisierung sei sozialer Ausgleich und seelische Ruhe, gliche dem die ideologischen Abgründe und persönlichen Lebensrisiken minimierenden Zentralwert, dem Median (6).

Die Muslime sollten sich den folgenden Glaubensanweisungen (imperatives of their faith, impératifs de leur foi) widmen:

Seid fromm und respektiert eure Eltern! Der Osten muss die Werte der Familie (the familiy values, les valeurs familiales) auch unter äußerem Druck bewahren, der Westen muss sein gefährliches Spiel mit der Zukunft der Menschheit beenden. Die Abkehr von den Familienwerten gliche der Verweigerung der Anerkenntnis, dass die Sonne im Osten aufgeht.

Imperator Allahgott befiehlt und Muḥammad befiehlt für Allahgott und Mustafa Cerić für alle beide. Frömmigkeit ist im orthodoxen Islam schließlich dasselbe wie Gehorsam den Anweisungen von Vater, Ehemann, Imam, Mufti und Scheich gegenüber.

Festung Familie. Prinzip Tochtertausch, demnächst vielleicht auch Wali Mudschbir. Polygamie besser sofort realisieren. Nur eine Frau im Bett ist ungerecht.

Das Kalifat beginnt im Ehebett. Familie als verkleinertes Abbild des islamischen Staats beziehungsweise als dessen Keimzelle.

Es geht darum, die Säkularen mithilfe ihrer Linken und Kirchenfunktionäre dazu zu dressieren, dass sie jede Kritik am orthodoxen Islam für Rassismus halten. Nur so kann es den Islampolitikern gelingen, die rechtliche Herabsetzung der Frau in der Imam-Ehe und im schariakonformen Familienrecht und Erbrecht glaubhaft als kulturelle Besonderheit und verwirklichte Religionsfreiheit darzustellen.

Die emotionale und juristische Diskriminierung der Frau sei menschliche Natur (fiṭra, Geschaffensein auf Allahgott hin). Gleichberechtigung von Mann und Frau, Zurückweisung des Familienrechts der Scharia und Verweigerung der Verschleierung (textiler ḥiǧāb) und Geschlechtertrennung (sozialer ḥiǧāb) entspreche dem gotteslästerlichen Versuch, die Sonne im Westen aufgehen zu lassen.

Seid aufrichtig und kämpft für eure Rechte! Der Erfolg im Diesseits und das Heil im Jenseits verstehen sich nicht von selbst. Jeder sollte nach seinem Erfolg streben. Jeder sollte für seine Rechte im Hier und Jetzt kämpfen, jeder sollte sich bereits auf Erden um seine Heilssicherung bemühen.

Koranische Europapolitik. Das Seelenheil der um Reinigung bemühten dürfe nicht durch ungerechte säkulare Gesetze verbaut werden.

Muslime haben nicht nur darin versagt, eine eigene Theorie oder Konzeption der Globalisierung zu entwerfen, nein, wir müssen leider hinzufügen, dass sie nicht damit zurechtkommen, in einer globalisierten Welt zu leben. Ihnen fehlt die globale Strategie, das globale Bewusstsein. Das wird daran erkennbar, dass sie bis heute keinen Weltkalender haben, der sie vor Missverständnissen bei der [weltweiten und dabei minutengenauen] Bestimmung des Zeitpunktes des ʿĪdu l-ʾAḍḥā bewahrt. Unglücklicherweise haben sie ein Image der Bedrohung für den Weltfrieden und tragen das Stigma des weltweiten Terrorismus.

Am Dschihadismus und erst recht am schlechten Ruf als Friedensgefährder müsse der Islam unschuldig sein.

ʿĪdu l-ʾAḍḥā (in Nordafrika auch Großes Fest, ʿĪdu l-Kabīr, frz. Aïd el-Kebir genannt, türk. kurban bayramı nach arab. qurbān, Opfer) ist einer der beiden höchsten Feste im islamischen Mondjahr. Jenes Opferfest, bei dem der legendäre Stammvater der Juden, Abraham, seine Glaubenstreue unter Beweis stellte, für die er sein Kind der Gottheit zu opfern bereit war. Gott verzichtete allerdings auf das Kindesopfer, wissen die Glaubensgeprüften. Muslime müssen, soweit sie das Geld dafür haben, an diesem fröhlichen Feiertag ein Tier opfern jedenfalls schlachten, die Nachbarn bekommen traditionell auch etwas ab. In Deutschland geben die Schulen auf Wunsch einen Tag schulfrei. Im Jahre 2009 beziehungsweise 1430 war ʿĪdu l-ʾAḍḥā am 27. November.

Höchste Räte müssen den Festtag jährlich neu bestimmen, Herrn Cerić und Allahgott scheinen, Europa betreffend, Gremien wie Mondsichtung (Achtung Sicherheitsrisiko, seien Sie vorsichtig, McAfee: http://moonsighting.com/) nicht auszureichen, und weil Allāh schweigt, redet der Großmufti als Scheich des ECFR.

Zur falschen Zeit zu beten könne in die Hölle führen, vermuten Muslime wie Muḥammad (Prophet) und Mustafa Cerić (Mufti). Wer den kalendarischen Takt vorgibt, hat die irdische Macht und das Monopol auf die Heilssicherung. Auf http://www.fatwa-online.com etwa nimmt die Autorität von Scheich al-ʿUthaymīn (1926-2001) dem muslimischen Endverbraucher das Denken zur korrekten Mondphase ab (7).

Verursacht durch das Stigma des islamischen Terrorismus, an dem die Muslime heutzutage zu Unrecht leiden, sollte die Erklärung der europäischen Muslime aktiv verbreitet werden (travailler à la diffusion), mit dem Ziel, die Bedeutung zu betonen, die darin besteht, den Wechsel von einem schlechten Bild der Muslime zu einem guten Bild der Muslime herbeizuführen, vor allem in Bezug auf ihre Glaubensgrundlagen (in matters of their faith).

Impression management, „die hohe Kunst des Eindruckschindens“. Der Islam brauche sich nicht zu verändern, das Bild müsse sich ändern. Islamrhetorik muss her, solange, bis die diskriminierende Scharia (their faith) das Prädikat „gut“ bekommt.

Am 10.12.2009, für uns Säkulare ist das der Tag der AEMR, weilte der sexualmagisch denkende oder schlicht machtbesessene Kulturrassist Mustafa Cerić um 18:00 Uhr abends in der Gustafskyrkan in Kopenhagen. Anlass war die 15. Weltklimakonferenz in der dänischen Hauptstadt (07.-18.12.2009). Der gemeindeeigene Gospelchor sorgte für multikulturelles Flair, der schwedische Erzbischof Anders Wejryd war zugegen, man betonte die Wichtigkeit des Naturschutzes. Freundlicherweise wurde ein Satz aus der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (AEMR) verlesen, jemand erzählte von sozialer Gerechtigkeit und vom Schutz der Ureinwohner, Kleinbauern und der Wälder, dann erfolgte die Rezitation des hebräischen Schöpfungsverses (Genesis 1:1) durch Kantor Oren Atzmor. Der dänische Imam Abdullah Khan durfte einen Satz aus dem Koran vorlesen, Shoken Pia Trans aus Kopenhagen vertrat den Tendai-Buddhismus, die buddhistische Won-Tradition und der Sikkhismus kamen in der Gustavskirche (Gustafskyrkan) nicht zu kurz, die politreligiöse Veranstaltung nannte sich »Interfaith Ceremony on Climate Change« („Hope for the future“). Organisator Dr. Hans Ucko hielt die Fäden dieser Beschwörung in der Hand.

Ucko ist kein Schamane, sondern der Präsident der Religions for Peace (RfP) in Europe (Genf, Lund). Und da konnte Mustafa Cerić nicht fehlen, der ist für die RfP Europe schließlich Vizepräsident (Co-President). Die christlich-ökologisch motivierte Seite http://www.gronkirke.dk/ findet das alles ganz toll und lässt Rowan Williams als spirituellen Umweltschützer zu Worte kommen (8). Das Oberhaupt der Anglikanischen Kirche hatte bereits die Einführung von Teilen der Scharia ins britische Recht gefordert. Hinter RfP Deutschland steht Schariafreund Dr. Franz Brendle aus Stuttgart.

Politchrist Brendle hat mit dem interreligiösen Dialog keine Probleme und umgibt sich mit der kalifatsorientierten Millî Görüş und der revolutionären Muslimbruderschaft.

Politchrist Ucko ist ein schwedischer Theologe und lässt sich beim Interfaith Dialog Center als Freund vorstellen (9). Ehrenvorsitzender des IDC ist der Führer der „Sekte mit Konzernstruktur“ (Kelek), der türkische Islamist Fethullah Gülen (10).

Es ist falsch, den Islam für das Fehlen von Demokratie in der muslimischen Welt zu beschuldigen. Es ist eine Sünde, Menschenrechte im Namen des Islam zu verletzen

Welche Menschenrechte sollen nicht verletzt werden, die Menschenrechte der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte im Islam (Paris 1981) oder die Menschenrechte der Kairoer Menschenrechtserklärung (OIC, 1990)?

Welche „Demokratie“ meint Cerić, diejenige von al-Maudūdī oder die von al-Qaraḍāwī? Oder die freiheitliche Demokratie, in der für alle Menschen ein einheitliches, nicht diskriminierendes und säkulares Recht gilt, sogar für Ungläubige und Frauen?

Die europäischen Muslime haben das Recht und die Pflicht, die Debatte über diese und andere Angelegenheiten anzustoßen, und ebenso alle anderen Debatten, die ihre Zukunft betreffen, schließlich geht es darum, dass ihre Kinder erkennen können, wer sie sind und was ihnen in einer europäischen Umwelt zu aufzutragen ist.

Mit „Debatte“ ist rechtspolitische Debatte gemeint, der Großmufti ist nicht zu seinem Vergnügen unterwegs, sondern für die islamische Sozialarbeit und den islamischen Umweltschutz, das heißt für die Durchsetzung der koranischen und schariatischen Politik.

„Wer“ die muslimischen Kinder „sind“, sagen ihnen die muslimischen Alten. Die Kinder haben sich schariakonform zu verhalten, nur dann sind sie glückliche Kinder. Sie wollen doch Kinder nicht etwa traurig machen? Glückliche europäische Kopftuchmädchen, glückliche Jungen, die ḥisba (islamische Siedlungspolitik) betreiben und ihre Schwestern bewachen.

Die europäischen Muslime rufen die weltweite muslimische Gemeinschaft dazu auf, die Führung des Bestrebens nach Weltfrieden und weltweiter Sicherheit zu übernehmen.

Den Schariabock zum Gärtner machen – ich verzichte. Der begeisterte Großmufti hat hier Integration mit Machtergreifung verwechselt, mit einem Frieden meint er auch wohl eher Pax Islamica (Bassam Tibi). Wie wäre es, in Algerien, Ägypten oder Pakistan die Korruption einzudämmen und die Pressefreiheit zu befördern, bevor sich die umma zur moralischen Weltmacht aufschwingt?

Unser aller Leben wird verschiedenartig verlaufen, aber wohin wir auch gehen, ein wenig von jedem anderen werden wir überallhin mitnehmen!

Der Teufel schläft nicht, Verunreinigung droht dem Gottesfürchtigen beständig, schlimmstenfalls „verläuft“ sein Weg „verschieden“, nämlich hinein in die ewige Verdammnis. Dem Dhimmi hingegen mag in der Begegnung mit einem Rechtgläubigen „ein wenig“ Erkenntnis zuteil werden, in seiner Bekehrung zur wahren Religion könnte er das ewige Heil erlangen.

Von der Gleichberechtigung von Mann und Frau nimmt Herr Cerić allerdings auch im Weggehen nichts mit.

Uns Freunde auf Erden zu geben, ist die Weise Gottes, für unseren Schutz zu sorgen.

Jenes Augenzwinkern: Feinde – Schariaverweigerer, Islamkritiker – sind die Weise, wie der Teufel sich um uns kümmert.

Der Politikwissenschaftler und Osteuropakenner Wolf Oschlies („die bosnischen Muslime … Kopftuch tragen, Schnaps trinken, Schweinefleisch essen … reine Privatsache“) nennt uns ein Sprichwort, das die traditionelle, ländliche Gelassenheit der Bosnier im Umgang mit den Religionen humorvoll wiedergibt: „Prijepodne Ilija – poslijepodne Alija“, „Am Vormittag der Heilige Elias, am Nachmittag Allah (11)“.

Azhar-Absolvent und Eugen-Biser-Preisträger Mustafa Cerić dürfte auch an bosnischen Vormittagen weniger duldsam sein.

Jacques Auvergne

Erklärung der Europäischen Muslime, bei: RIJASET. ISLAMSKE ZAJEDNICE U BOSNI I HERCEGOVINI

http://www.rijaset.ba/en/index.php?option=com_content&view=article&id=66

oder: aus Malaysia

http://www.rferl.org/content/article/1066751.html

Gazi Husrev-begova medresa (gegründet 1537)

http://www.medresasa.edu.ba/

Mešihat. Islamske zajednice u Srbiji (Novi Pazar, Serbien)

Fakultet za islamske studije

http://www.islamskazajednica.org/

Protest in Bosna for Palestine. Bei: Hijab Bosnia

http://hijab-bosnia.blogspot.com/2009/01/protest-in-bosnia-for-palestine.html

Bosnien und der Iran. Auf der Seite des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad erfährt man, dass die göttliche Diktatur Iran im bosnischen Sarajevo das ‚Ibn Sina Research Institute‘ betreibt. Im Beisein des kroatischen Botschafters im Iran stellt Ahmadinedschad im iranischen Shiraz die Übersetzung des Diwan von Hafiz ins Bosnische vor. Mustafa Cerić freut sich über das Buch und schweigt zur Frauenfeindlichkeit und zum faschistischen System der Mullah-Herrschaft. Nusret Isanovic, der Direktor der Islamic Pedagogic Academy in Zenica, hält am jährlichen Hafiz-Gedenktag eine Festrede „Hafez in the Mind of the Bosnian People of Today“.

http://www.president.ir/en/?ArtID=18229

Bosnien und der Iran. Bei: IranBalkan (IRBA)

http://www.iranbalkan.com/site/index.php?mod=article&cat=Srpski&article=1967

(1) Islami Riyasat (By Maududi)

http://www.scribd.com/doc/19036427/24-Islami-Riyasat-By-Maududi-

Maududi im Internet

http://www.scribd.com/tag/maududi

(2) August 2009: Die Erasmus-Universität zu Rotterdam schmeißt den Dozenten Tariq Ramadan raus

http://bazonline.ch/ausland/europa/Umstrittener-Schweizer-IslamWissenschaftler-entlassen/story/16316811

Oxford hält dem Islamisten Ramadan die Treue

http://www.tagesspiegel.de/politik/international/Tarik-Ramadan-Oxford;art123,2879644

(3) Sure 8. Die Beute, al-anfāl

in der Übersetzung vom „Schweigsamen Knecht Allahgottes“ Abdullah as-Samit (ʿAbdullāh aṣ-Ṣāmit), unerleuchtet Frank Bubenheim, 1952 in Lindau am Bodensee geboren, mittlerweile Šayḫ (Scheich) und Absolvent der šarīʿa-Fakultät der Jordan-University im jordanischen ʿAmmān, und Dr. Nadeem Elyas (Nadīm Ilyās), Mediziner (Gynäkologie) aus Eschweiler bei Aachen, nicht viel weniger schweigsam und von 1995-2006 ZMD-Präsident

http://islam.de/1407.php

(4) Pascal Bruckner (2007). Timothy Garton Ash bezichtigt Ayaan Hirsi Ali des Aufklärungsfundamentalismus

Pascal Bruckner: Fundamentalismus der Aufklärung oder Rassismus der Antirassisten?

http://www.perlentaucher.de/artikel/3594.html

Pascal Bruckner: Enlightenment fundamentalism or racism of the anti-racists?

http://www.signandsight.com/features/1146.html

Pascal Bruckner: »En finir avec le Multiculturalisme« (2007) Bruckner verteidigt Ayaan Hirsi Ali gegen den von Ian Buruma Timothy Garton Ash erhobenen Vorfurf, eine “fondamentaliste des Lumières” zu sein, eine Aufklärungsfundamentalistin. Französisch, bei: Comité Laïcité République.

http://www.laicite-republique.org/spip.php?article197

(5) Bosnien 1992 und die Brigade der Mujaheddin, in: Wolf Oschlies: »Bosnien und sein „Nachmittag-Islam“«

http://www.eurasischesmagazin.de/artikel/?artikelID=20060206

(6) IRBA, türkisch. Tagespolitik und (islamische) Kultur. Themen sind die USA, das iranische Atomprogramm sowie Kulturelles, etwa die Werbung für den angeblichen Modernisten Ali Schariati (Ali Şeriati).

Ali Schariati (1933-1977) und »Die Median-Schule des Islam« (Maktabe Vasete Islam). Kuba und Syrien iranisch zusammengestellt: „Blockfreie und OIC gegen iranfeindliche Resolution“. Wird die versuchte Fusion von NAM und OIC das zerfallene Yugoslawien „medianisch“ (nach Schariati) begeistern können?

http://www.iranbalkan.com/site/index.php?mod=article&cat=T%C3%BCrk%C3%A7e&page=page_2

NAM und OIC – alles Wasatiyya oder was?

http://german.irib.ir/index.php?option=com_content&view=article&id=30053:auflehnung-von-blockfreien-und-oic-gegen-iranfeindliche-resolution&catid=13:kommentare&Itemid=11

Islamrevolutionär Schariati 1954: Maqtab-e Vaseteh-e Eslam. Die kosmisch, spirituell und sozial harmonische Mittigkeit (Wasatiyya, Vaseteh) als „Schule“, Theorie und Lebensweise

http://books.google.de/books?id=yoQQ2YzmMyMC&dq=%22median+school%22+islam&source=gbs_navlinks_s

(7) Mondgucker [Achtung: McAfee meldet „Seien Sie vorsichtig, diese Homepage könnte Ihre PC-Sicherheit gefährden!“].

Hanbalitisch-wahhabitisches Gedankengut wie das von Scheich al-ʿUthaymīn auf der Seite Fatwa-Online

http://www.fatwa-online.com/fataawa/muslimminorities/0001009_2.htm

(8) Schariafreund Erzbischof Williams will den theozentrischen Naturschutz. Den engelske ærkebiskop Rowan Wiliams, taler på dette videoklip fra YouTube om, hvordan omsorg for miljøet kan lære os om Gud.

http://www.gronkirke.dk/index.php?id=239

Ohne Zweifel (tvivl), hier können Sie gemeinsam mit Mustafa Cerić das Weltklima retten. Am 10. Dezember 2009, Folke Bernadotte’s Allé 4, Kopenhagen. Auf zur Interreligiøs Ceremoni.

http://www.gronkirke.dk/index.php?id=524&0=

Theologisch gelingt uns Dänen die ökologische Annäherung an den Islam mit dem Verwalterschaftsdenken (forvalterskabstanken). Ökoreligiöse Stellvertreterschaft (Forvalterskab, al-khilafa) gibt es auch schariatreu, auch dort denkt man interreligiös und weiß vom Kalifat.

http://www.gronkirke.dk/index.php?id=227

Klima, Natur und Christentum (Klima, miljø og kristendom) verlangen unsere Islamsensibilität. Muslime sind schließlich anders als wir! Wer als dänischer Christ die Welt retten will, muss „Ja!“ sagen zu Tschador und Burka. Das ist Ökotheologie (Miljøteologi).

http://www.gronkirke.dk/index.php?id=207

Ein ökotheologisches (miljøteologisk) multikulturelles „Ja!“ zur unfairen Scharia, aber nur mit ökologisch angebautem und fair gehandeltem Kirchenkaffee. Dänische Fairness. Kirkekaffe.

http://www.kirkekaffe.dk/

RfP Deutschland, Franz Brendle. Runder Tisch der Religionen: Affolderbach, Jaschke, Alboğa, Burhan Kesici, Ayyub Axel Köhler, Nadeem Elyas.

http://www.religionsforpeace.de/?id=rundertisch

RfP Europe. Großmufti Mustafa Cerić, Prof. Dr. Ali Bardakoğlu

http://www.rfp-europe.eu/council

(9) Hans Ucko. Bei : IDC, Interfaith Dialog Center (IDC)

http://idcnj.org/news/20051207/

(10) Ehrenvorsitzender des IDC ist Fethullah Gülen

http://idcnj.org/MFGulen/

Fethullah Gülen. Understanding and Respect.

http://en.fgulen.com/

(11) Wolf Oschlies: »Bosnien und sein „Nachmittag-Islam“«

http://www.eurasischesmagazin.de/artikel/?artikelID=20060206

Will Europa das Kalifat?

Juli 3, 2008

إمامة

imamah,

islamisches Imamat.

Imamat ist die politische Herrschaft der

islamischen Geistlichkeit bei aufgezwungener

„Muslimisierung“ auch der säkularen Muslime.

Imamat ist seit 1979 im Iran kulturell wirksam

Herr Cerić fordert das

europäische Imamat

Jacques Auvergne

3. Juli 2008

In der Doktrin der Schiiten, der Schia bezeichnet imamah, Imamat die religiöse, spirituelle und (!) politische Führung der umma, der Gemeinschaft der Gläubigen (1). Man beachte das „und“, es steht dem Muslim nämlich nicht zu, lediglich Religionsführerschaft bis zur Abwahl, persönliche geistliche Lebenshilfe oder vorübergehendes politisches Kanzleramt zu wählen, nein, das Imamat der Schiiten ist die monopolistische Deutungsmacht des Klerus in Bezug auf jeden organisierten Islam des Territoriums, die Kontrolle jeder Behörde und Stadtverwaltung und ist das von dir lebenslang zu erbringende moralische Ausrichten an der Kaste der höchsten Imame. Eine eventuell vorhandene gesonderte weltliche Administration ist dem Rat der Imame untergeordnet: Imamat ist die totale staatspolitische Steuerung des Territoriums. Imamat ist politisch angewendeter Islam, realisierter Islam, Kalifat.

Für Schiiten, so das englische Wikipedia, sind die Imame die wahren Kalifen oder rechtmäßigen Nachfolger des Propheten Mohammed, für Zwölferschiiten und Ismailiten sind darüber hinaus die höchsten Imame mit übernatürlichen Kräften ausgestattet, frei von Fehlerhaftigkeit und Sünde, sprich: Sind zauberkräftig, unfehlbar und moralisch rein. Sunnitische Muslime kennen diese Verehrung des Imamats, die seit 1979 von Teherans Ayatollahs nutzbar gemacht wird, in dieser Weise nicht, jedoch hat der Begriff Kalif auch für Sunniten viel zu sagen.

Kalif ist die deutsche Form des arabischen Wortes خَلِيفَة Khalīfah und bedeutet wörtlich Nachfolger oder Repräsentant. Der Kalif ist das Staatsoberhaupt aller Muslime der umma, der vom juristischen Rahmen der gottgeschaffenen Scharia umfangenen Gemeinschaft aller Muslime (2). Die Scharia ist für folgsame Muslime Allahs ewiges, unveränderliches Religionsgesetz, gebunden an die einzelnen islamischen Rechtsschulen ebenso wie an die zeitlos gültige Rechtleitung von Koran und Hadithen. Wie im einzelnen „die“ Scharia in einem islamisierten Territorium der Erde zur Anwendung kommt, sprich wie denn Scharia in die Urteile der Rechtssprechung oder die Paragrafen einer staatlichen Ordnung gefasst werden soll ist von Gott Allah offensichtlich nicht eindeutig geregelt worden.

Insofern könnte die Scharia als flexibel und erneuerungsfähig bezeichnet werden, was für uns Demokraten jedoch einem verhängnisvollen Trugschluss gleichkäme, denn die institutionalisierte Herabwürdigung der Frau, die geheiligte Verachtung der Christen und vor allem der Juden, Atheisten und Apostaten, die Etablierung des Kalifats als der idealen islamischen Gesellschaft sowie die weltweite Ausbreitung des Herrschaftsbereichs des Islam, diese jedem Muslim auferlegten Pflichten schaffen einen immerwährenden Konflikt zu den universellen Menschenrechten, etwa zu deren gleichheitsfeministischem Anspruch.

Was einem Trugschluss gleichkäme – und wohl auch: Gleichkommen soll. Muslime jedenfalls haben den Freibrief und Auftrag, Nichtmuslime in dieser Angelegenheit mit Taqiyya, geheiligter Lüge, nur im Notfall zulässig, oder vielmehr mit ايهام Îhâm zu täuschen, der heiligen Lüge für den Normalfall. Von dieser rhetorischen Gepflogenheit im Umgang mit Nichtmuslimen, die einem Nebelschleier gleich die Methodik der دعوة da’wa, der islamischen Mission sowie tagespolitisch besonders kontroverse und dabei islamrelevante Themen zu umgeben pflegt, von dieser heiligen Lüge namens Îhâm machen nicht nur Deutschlands islamverbandliche Vertreter verlässlich regen Gebrauch. Auch der Großmufti von Bosnien und Herzegowina, Mustafa Cerić, gibt sich bedarfsweise als Menschenfreund oder Frauenversteher wenn es nur der guten Sache dient, sprich der Ausbreitung der islamischen Ausbeutungs- und Herrschaftsverhältnisse in Europa.

Wir ahnen mit leichtem Grauen die mehr als ein Jahrtausend alte Unversöhnlichkeit des institutionalisierten Islam, der nicht einen Millimeter zur Veränderung bereit ist und noch jede andere, nichtislamische Lebensweise planmäßig und in Allahs Auftrag erodiert und unterdrückt hat wenn er sie nicht vernichtet hat. Das aber halten die zarten Nerven der politischen Elite des heutigen Europas nicht gerne aus weshalb man bevorzugt, den Islam für reformfähig zu halten und die islamischen Geistlichen für unser Vertrauen verdienend. Europas Ex-Muslime warnen uns vergeblich, diesen Zerstörern jeder Geschlechtergerechtigkeit und Meinungsfreiheit auch nur ein Wort zu glauben.

Volksvertreter Schäuble führt seine Gespräche mit den frauenfeindlichen und zum Apostatenmord aufrufenden Anhängern der Theokratie weiter. Warum eigentlich? Ein Demokrat hat mit einem Faschisten, Rassisten oder eben Theokraten eigentlich keine Kompromisse einzugehen. Offensichtlich hofft man, den Islam demokratisch zähmen zu können. Optimismus ist sicherlich eine gute Sache. Menschen können, will mir scheinen, nicht nur blind vor Hass oder Liebe sein sondern auch blind vor Optimismus.

Hören wir auf Mustafa Cerić, den obersten orthodox-islamischen Führer und für das muslimische Fußvolk Südosteuropas damit wohl auch bereits den höchsten politreligiösen Führer Bosniens. Dieser Großmufti von Bosnien und Herzegowina also tut Europas Rechtgläubigen und Dhimmis kund:

It is not enough that Europe recognises the presence of Islam on its territory. Muslims deserve more than that. They deserve that their presence be legalised in the sense of creating a political and economic climate in which European Muslims can represent themselves through the institutions that should have both governmental support and public acceptance.

Es reicht nicht aus, dass Europa die Anwesenheit des Islam auf seinem Territorium anerkennt. Muslime verdienen mehr als das. Ein Leben in Würde muss für Europas Muslime bedeuten, legalisiert zu werden in dem Sinne, dass Europa ein politisches und ökonomisches Klima schafft, in dem sie sich durch ihre Institutionen umfassendes Recht auf Teilhabe und Mitsprache schaffen können, Institutionen, die sowohl die Unterstützung der Regierungen genießen als auch die öffentliche wertschätzende Anerkennung.

Cerić erweckt in den Nichtmuslimen Schuldgefühle für angeblich verübte ausgrenzende Gewalt und in den Muslimen heilige Wut in Bezug auf ein ihnen ebenso angeblich ständig widerfahrenes Unrecht. Ziemlich dreist stellt der Großmufti die sensiblen europäischen Muslime der herzlosen Demokratien Europas als gedemütigt, ja fast als illegal dar. Die erwähnten Institutionen kosten („Unterstützung“) sicherlich auch Geld, wahrscheinlich darf die EU da finanziell mit angemessener Dschizya einspringen. Und einerlei was diese islamischen Behörden leisten werden, sie verdienen deine und meine Anerkennung. An einem Übermaß an Schüchternheit leidet Herr Cerić jedenfalls nicht.

Cerić durfte diese Worte im Dezember 2007 in der europäisch-wertkonservativen und CDU-nahen European View abdrucken, eine Rede, die den Titel „The challenge of a single Muslim authority in Europe“ trägt. Ein Titel, der jeden Fundamentalismuskritiker alarmieren müsste, denn das wörtliche „Die Herausforderung einer einzigen Muslimischen Behörde/Autorität in Europa“ ließe sich in Kenntnis des politischen Islam treffender durch „Die Herausforderung, eine einzige, anerkannte muslimische Hierarchie für ganz Europa zu etablieren“ wiedergeben. Für jeden Islamkenner wird damit klar: Der Mann will das Kalifat (was denn sonst, er ist Muslim).

Aber: Eine CDU-nahe Zeitung druckt diese Worte ab, wahrscheinlich in völliger Unkenntnis des orthodoxen Islam, der immer auch eine Staatsgründung ist und der die Muslime seines Territoriums – alle Muslime, auch die, die die Schnauze voll haben von der Theokratie – in psychische Abhängigkeit bringen will und halten will. Und bringen wird und halten wird, verhindert die säkulare Demokratie dieses nicht. Einen anderen Islam, man mag das bedauern, gibt es noch nicht. Europa muss die Muslime vor „ihrem“ politischen Islam schützen, sie selbst sind dazu aus seelischer Abhängigkeit und mangelndem islampolitischen Einfluss nicht in der Lage, von den wenigen dezidiert säkularen Muslimen einmal abgesehen, die man allerdings an einer Hand abzählen kann.

Yassin Musharbash beliebte, die in European View abgedruckte Rede des Großmuftis zu verteidigen. Am Begriff und Anspruch der Scharia kaute Musharbash scheinbar kenntnislos jedenfalls lustlos herum, wobei er die islamisch unverzichtbare Existenz der hadd-Vergehen und ihrer koranisch angemessenen Folgen (Steinigung, Handabhacken) zwar nicht völlig leugnete, sie jedoch benutzte, um uns Demokraten irgendwie zu beschuldigen (4). Als Redakteur von SPIEGEL-online scheint er mit der Aufforderung Allahs, jeden Islam-Apostaten zu töten, keine großen Schwierigkeiten zu haben. Der Mann ist wirklich toleranter als ich. Oder aber: Der 1975 geborene Sohn einer Deutschen und eines Jordaniers betreibt kunstsinnig ايهام Îhâm, notfallfreie Lüge (3). Fromme Flunkerei.

Die meisten Muslime vernebeln mir als Nichtmuslim jeden interreligiösen Dialog oder auch nur jedes ernsthafte Gespräch über Religion oder Islam innerhalb von Minuten mit Îhâm und schrecken beispielsweise nicht davor zurück, sich in einem Satz mehrfach zu widersprechen, schmierig zu grinsen, bewusste Auslassungen vorzunehmen (die in Allahs Scharia enthaltene Todesstrafe für Apostasie, die auch in Europa und Deutschland angestrebte Rechtsspaltung für edle Muslime beziehungsweise unwürdige Dhimmis, die Reife für den Geschlechtsverkehr eines islamischen Mädchens mit neun Jahren, die Wertschätzung islamischer Geistlicher für die islamische Frauenbeschneidung) oder mich fraglos wider besseres Wissen der Demokratiefeindlichkeit namentlich des Angriffs auf die Religionsfreiheit zu beschuldigen. Ich weiß nicht, ob Muslime derlei aus Unfähigkeit zu Selbstkritik tun, aus Angst vor Allahs Höllenstrafe beziehungsweise Sorge vor sozialer Exklusion oder aus einer fast rassistisch zu nennenden Verachtung für mich als sittlich geringer wertigen Menschen sprich Nichtmuslim. Ich bilanziere lediglich, dass es einen wie auch immer gearteten Dialog nicht gibt. Und ich habe den Verdacht und zugleich die Hoffnung, dass selbst Dr. Schäuble allmählich erkennt, dass er seine Islamkonferenz besser gar nicht erst gestartet hätte.

Cerić, der Großmufti aus Sarajevo weiter:

First, Muslims have to understand Europe as a house of peace, not a house of war. Second, Muslims have to be clear that their minimum claim is to be free from social interference in their cultural life and that their maximum claim is for social recognition because of their positive contribution to the common good of European society as a whole. And thirdly, Muslims have to establish a single Muslim authority that can speak for both Islam as a world religion and Muslims as good citizens of Europe.

Erstens müssen Muslime verstehen lernen, dass Europa ein Haus des Friedens ist, kein Haus des Krieges. Zweitens muss ihre Minimalforderung sein, ohne störende soziale Einmischung ihre islamische Kultur leben zu können und ihre Maximalforderung, aufgrund ihres heilsamen gesamtgesellschaftlichen Beitrags für die Europäische Gesellschaft anerkannt zu werden. Drittens müssen Muslime eine einzige islamische Autorität etablieren, die sowohl für den Islam als Weltreligion sprechen kann als auch für die Muslime Europas als gute Staatsbürger.

Cerić verwendet einen tausend Jahre alten Binärcode, die Dualität aus der Dar al-Islam und der Dar al-Harb. Hier sei kein Haus des Krieges: Rührend aufmerksam, denn als Harbi dürfte mich jeder Muslim, islamrechtlich einwandfrei, totschlagen. Augenzwinkernd verkündet er mit dem Begriff „Haus des Friedens“ jedem Islamkundigen, Europa sei bereits dem Islamischen Staatsschatz zuzuzählen, islamisiertes Territorium. Die multikulturellen Deppen indes speist er mit demselben, doppelgesichtigen Satz ab mit einem sinngemäßen, „Euer Großmufti will Frieden!“ Bemerkenswert ist seine Forderung, „ohne Einmischung und Störung“ leben zu dürfen. Wir müssen ihm widersprechen: Nein, die Demokratien werden die übliche Gewalt in der islamischen Familie, die Prügelstrafen als Mittel der Kindererziehung und Koranschulpädagogik, die islamisch weltweit wohlwollend geduldete Frauenbeschneidung und die antisemitischen Sprüche in Moschee und Koranschule nicht dulden vielmehr durchaus stören. Und es ist ja wohl ein Witz, dass ein europäisches Imamat notwendig sein soll um den andernfalls allzu sprachlosen Muslimen eine staatsbürgerliche Stimme zu verleihen. Problem allerdings: Die staatsbürgerlich schafblöden Muslime Europas setzen sich gegen Cerić wahrhaftig nicht zur Wehr.

Der Großmufti, so ist zu befürchten, wird seine Vision einer islamischen Schreckensherrschaft recht ungehindert verwirklichen können. Die europäischen Moscheegemeinden, die einem Theokraten und Ironisierer der Demokratie wie Herrn Mustafa Cerić zu widersprechen in der Lage und willens sind, lassen sich an einer Hand abzählen. Da muss sich rasch etwas ändern. Ist es die Angst vor der Höllenstrafe, die nahezu jeden deutschen Muslim daran hindert, den Großmufti von Sarajevo als Gefahr für die Demokratie zu benennen? Oder ist es der antrainierte Hass auf die Kuffar?

Mustafa Cerić war Gründungsmitglied des europäischen Fatwa-Rates (European Council for Fatwas and Research, ECFR). Das ECFR möchte nach eigener Aussage ein Scharia-Recht formulieren, welches auf die kulturelle Moderne zugeschnitten ist. Mit dem Vorsitzenden Yusuf al-Qaradawi und der Beteiligung aus deutschem und niederländischem Sprachraum durch die vom Verfassungsschutz beobachtete Milli Görüş (IGMG) dürfen wir also in den nächsten Monaten und Jahren auf eine fleißige Fatwaproduktion gespannt sein.

Yusuf al-Qaradawi billigt Selbstmordattentate, hält Homosexuelle („100 Peitschenhiebe“, auch mal: „die Todesstrafe“) für abartig und islamrechtlich bestrafenswert, hält das Frauenkopftuch für verpflichtend („nur Gesicht und Hände sollen sichtbar sein“) und fordert eine Dominanz der Scharia im Allgemeinen und seiner Fatwas im Besonderen über jedes säkulare Recht. Der Ehemann darf, so al-Qaradawi, seine Frau schlagen („leicht, mit den Händen“), sollte diese sich gegen ihn auflehnen.

Vorsitzender des deutschen Kooperationspartners IGMG ist Osman Döring genannt Yavuz Çelik Karahan, der immerhin den Mord an drei christlichen Mitarbeitern in Malatya im April 2007 als „barbarischen Akt“ verurteilte. Den gefesselten Opfern eines religiösen Verlages waren die Kehlen durchschnitten worden wie auszublutendem Schlachtvieh. Einer der Vorgängerorganisationen der IGMG aber meinte 1986 in Bezug auf die ungläubigen europäischen Ureinwohner: „Der Europäer ist ein Atheist und Götzenanbeter, ein Wucherer, Kapitalist, Sozialist, Zionist, Kommunist und Imperialist, ständig brünstig und besoffen, ehebrecherisch und materialistisch. Er hat sich dem Teufel verschrieben. (5)“ Vielleicht sucht die IGMG ja noch ihre Identität.

Für uns Islamskeptiker ist dieses Zitat von 1986 sicherlich geradezu ein Leckerbissen. Als Sozialpädagoge frage ich mich allerdings, ob auch heute im demokratiehassenden Geist Erbakans Kinder und Jugendliche indoktriniert werden und, gegebenenfalls, wie denn diese radikalislamisch Indoktrinierten wieder zu entnazifizieren, pardon, zu resozialisieren sind. Lassen Sie uns hoffen, dass den anständigeren Muslimen Bosniens, Österreichs und der Bundesrepublik Deutschlands die Demokratie stets attraktiver erscheinen wird als das Kalifat oder Imamat.

Das Gottesgesetz der Scharia, wie sehr man es auch polieren und vergolden mag, wird mit der Gleichberechtigung von Mann und Frau, der körperlichen Unversehrtheit, der religiösen und der an sie gebundenen sexuellen Selbstbestimmung sowie mit der Meinungsfreiheit stets kollidieren. Im Sinne dieses von Musharbash so gerne bagatellisierten Gottesgesetzes werden die Herren al-Qaradawi, Cerić und Döring (genannt Karahan) nun auch für Europa Fatwa um Fatwa produzieren. Von der kulturellen Moderne allerdings wird in ihrem Arbeitsbereich womöglich nicht viel übrig bleiben. Die der Erbakan-Doktrin von der gerechten Ordnung („adil düzen“) und der nichtigen Ordnung („batil düzen“) verpflichtete und an einer verstärkten Nichtintegration, Segregation und Gegengesellschaft der türkischstämmigen Muslime in Deutschland interessierte Organisation Milli Görüş wird das antidemokratische, das theokratische Gedankengut von al-Qaradawi und Cerić begierig aufsaugen.

Ein sadistischer Kriegsgott könnte mit seinem bosnischen Vertreter in Sarajevo eigentlich ganz zufrieden sein. Und die militanten und mysogynen Muslime werden sich einen kriegerischen, frauenfeindlichen Gott schaffen, um ihre fiebrige Seele, auf Kosten der Ex-Muslime, Dhimmis und demokratischen säkularen Muslime, im Gleichgewicht zu halten. Hadithe hin, Fatwas her. Wie auf Erden so im Himmel.

Ein aufmerksamer Zeitgenosse (6) prägte unlängst das Gleichnis des Kabelbinders (7), welches das zersetzende islamische Umweltverändern, die ätzende islamische Grenzfläche zur Dar al-Harb sehr treffend zeichnet. Der Kabelbinder, jene elastische Plastikschlinge mit schräger Rasterzahnung und stabilem, kantigem Kopf nämlich bewegt sich … immer nur in eine Richtung. Demokraten empört, dialogbereit. Islam bewegt sich nicht. Demokraten sauer, kompromissbereit. Umma bewegungslos. Demokraten machen ein Zugeständnis. Islam steht still. Demokraten wieder nervös … und so fort.

Das Bild vom Kabelbinder beschreibt den derzeitigen, von Ausnahmen abgesehen zum Scheitern verurteilten demokratisch-islamischen Dialog. Der Kabelbinder der Scharia bewegt sich nur in eine Richtung. Die Schlinge der Multikulturalität und der Dialogforen zieht sich zu.

Seit mehr als tausend Jahren: Islam verändert Nichtislam. Stillstand auf der einen Seite, Nachgeben auf der anderen. Da’wa trifft Dialog, Schäuble den KRM (8). Das von Herrn Cerić gepriesene Europa-Imamat begegnet der säkularen Gesprächsbereitschaft. Wir schuldzerknirschten Europäer sind ganz auf Toleranz und windigen Veränderungsprozess getrimmt, indes die Schergen der politischen Scharia vor Sadismus und frommer Lernverweigerung nur so glänzen. „Es geht immer nur in eine Richtung weiter“. Die meisten Kabelbinder lassen sich nur durch Zerstörung öffnen.

Tolerant bis naiv also redet man von „kultureller Vielfalt am Arbeitsplatz“ (9) oder „ethnischer Ökonomie“ (10). Die Europäische Union hat 2008 zum „Jahr des interkulturellen Dialogs“ ernannt (11).

Der Islam strebt nach totaler Herrschaft und damit gerade auch nach militärischer und politischer Dominanz. Der klassische und der derzeitige Islam können daher die Demokratie nicht wollen. Ein anderer Islam, etwa ein sich einer weltbürgerlichen Rationalität und damit Wissenschaftlichkeit freiwillig unterordnender Ijtihad-Islam oder ein sich auf Seelsorge beschränkender und auf jede politische Herrschaft bewusst verzichtender Sufi-Islam, der allerdings Menschen- und Frauenrechte erst einmal entdecken müsste, ein anderer als der politische Islam hat sich bislang als unerwünscht oder nicht überlebensfähig erwiesen. Säkulare Muslime wie Irshad Manji und Bassam Tibi versuchen, einem noch sehr utopischen, künftigen Islam eine solche Verträglichkeit mit der kulturellen Moderne, damit beispielsweise eine Demokratiefähigkeit, zugänglich zu machen. Mögen sie Erfolg haben.

Der politische Islam aber umschließt alle Kulturen seiner Umgebung. Wie ein Kabelbinder.

Jacques Auvergne

Quellen:

1

http://en.wikipedia.org/wiki/Imamah_(Shi%27a_doctrine)

2

http://en.wikipedia.org/wiki/Caliph

3

Iham, Fromme Flunkerei, bei Wikipedia unter: Taqiyya, dort: Diskussion

http://static.wikipedia.org/new/wikipedia/de/articles/t/a/q/Diskussion~Taqiyya_7096.html#Iham

4

Yassin Musharbash am 14 Mai 2008, SPIEGEL-online

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,553231,00.html

5

Islamische Gemeinschaft Milli Görüş

http://de.wikipedia.org/wiki/Islamische_Gemeinschaft_Milli_G%C3%B6r%C3%BC%C5%9F

6

„Hier in Deutschland läutet man mit solchem “Entgegenkommen” den Beginn einer gesellschaftlichen Veränderung ein: Die Gutmenschen denken, sie machen was Humanes, wenn sie sooo auf die türkischen Bürger zugehen.

Die türkischen Bürger werden aber stehen bleiben. Die Gutmenschen werden sich wieder auf sie zubewegen. Dieser Zyklus ergibt langfristig einen islamischen deutschen Gottesstaat. Diese Gutmenschen erkennen nicht, dass sie bestehende Werte einfach wegwerfen.

Der Islam und das Türkische werden immer mehr Einzug in den deutschen Alltag halten. Das Deutsche wird aber nicht Einzug in den türkischen Alltag der hier lebenden Türken halten. Es ist wie bei einem Kabelbinder: Es geht immer nur in eine Richtung weiter.“

Politically Incorrect, #37 RadikalDemokrat (15. Jun 2008 19:49)

http://www.pi-news.net/2008/06/oeffentlich-rechtlicher-rundfunk-jetzt-auf-tuerkisch/

7

Kabelbinder. Bei: Wikipedia

http://de.wikipedia.org/wiki/Kabelbinder

8

http://de.wikipedia.org/wiki/Koordinierungsrat_der_Muslime

9

„Kulturelle Vielfalt am Arbeitsplatz“

http://www.vielfalt-als-chance.de/index.php?id=235

10

„Ethnische Ökonomie“

http://www.schader-stiftung.de/wohn_wandel/499.php

11

EU ernennt 2008 zum Jahr des interkulturellen Dialogs

http://www.interculturaldialogue2008.eu/333.html?L=1