Posts Tagged ‘Chancengleichheit’

Keine Dhimmitude

Oktober 1, 2007

Antwort auf den
‚Brief einer Lehrerin‘ von Céleste de la Rivière

Für Beschäftigte gesellschaftlich relevanter Arbeitsfelder mit hohem Konfliktpotential (dazu zähle ich vor allem soziale, pädagogische und pflegerische Berufe), sollte es die Möglichkeit geben, kostenlos kompetente, unabhängige Supervision in Anspruch zu nehmen. Ebenfalls sollten Weiterbildungs- und Fortbildungsseminare zu aktuellen Herausforderungen und neuen Entwicklungen im Berufsfeld stattfinden. Soviel sollte uns die Qualität unserer Arbeit schon wert sein.

Sicherlich ist diese Meinung den Berufsverbänden und Gewerkschaften bekannt und wird auch von ihnen unterstützt, offensichtlich hapert es aber an der Umsetzung. Ein größeres berufspolitisches Engagement wäre da wahrscheinlich hilfreich.

Ein von gegenseitiger Wertschätzung geprägter Diskussionsstil, eine durch Authentizität und Offenheit gekennzeichnete Gesprächskultur und regelmäßige Teamgespräche sind eine unerlässliche Voraussetzung um gute Qualitätsstandards zu halten und weiter zu entwickeln. Individualisierung bedeutet in diesem Falle Entsolidarisierung und Isolierung, ist daher kontraproduktiv. So sollte ‚Freiheit der Lehre‘ nicht interpretiert werden.

Ein Team ist immer so stark, wie sein schwächstes Glied. Kollegial an einer Lösung zu arbeiten, sich gegenseitig zu stärken potenziert Handlungsoptionen und erleichtert den Arbeitsalltag für alle. Wie überall gilt auch hier: Gewalt, egal in welcher Ausprägung (verbal, psychisch, körperlich) ist niemals privat, sie geht uns alle an.

Erst als die in einem sozialen Beruf arbeitende Ehefrau eines Professors an einer Hochschule für Sozialpädagogik tätlich angegriffen worden war, wurde wenigstens an diesem Ausbildungsort das Thema Klientengewalt in das Seminarprogramm aufgenommen und diskutiert. Die Unkultur des Schweigens, Verharmlosens, der Resignation und der Isolation der Überbringer der schlechten Nachricht belastet den Arbeitsalltag, verschlechtert die Arbeitsqualität, macht krank und verhindert Veränderung. Die Folgekosten dürften immens sein.

Die Würde aller Menschen ist unantastbar, sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt. Das deutsche Volk bekennt sich daher zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten, als Grundlage jeder Menschlichen Gemeinschaft des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.

Niemand muss sich beleidigen und beschimpfen zu lassen. Religionsfreiheit und Toleranz haben schützenswerte Grenzen, die mit rechtsstaatlichen Mitteln verteidigt werden dürfen und müssen. Die Demokratie ist meiner Meinung nach wehrhaft genug, um erfolgreich Angriffe ab zu wehren, wir müssen diese Handlungsoptionen nur konsequent anwenden wollen. Hier zweierlei Maß anzulegen verschlechtert die Lebensqualität, schränkt Handlungsfreiheiten gerade für Frauen extrem ein und ist rassistisch !!!! Grundrechte gelten nicht nur für muslimische Männer!

Gut gemeint ist eben nicht immer gut. Es ist eine begründete demokratische Praxis, auch Minderheiten Handlungsraum zu geben, solange sie Grundrechte anderer nicht einschränken. So kann ich beispielsweise nicht nachvollziehen, weshalb man auf die traditionelle Karnevalsfeier an der Schule verzichtet, aber halal kocht. Wir zwingen doch niemanden sich an dieser rheinischen Brauchtumspflege zu beteiligen, auch Deutsche nicht und Schweinefleisch auf der Menükarte vergrößert die Wahlfreiheit für MuslimInnen, die sich nicht streng an Speisevorschriften halten (auch die gibt es).

Wenn Koranschulen Kinder und Jugendliche aufwiegeln gemeinsam mit ihren Eltern die Scharia und das Kalifat in Deutschland durchzusetzen, hat der Staat das Recht und die Pflicht, diese Schulen zu schließen und Hassprediger in Moscheen an ihrer Hetze zu hindern, nur muss er erst einmal von Verstößen gegen die Verfassung erfahren. Zivilcourage trägt wesentlich dazu bei, die Scharia zu verhindern, das Kalifat (schul)hoffähig zu machen. Wer sich wehrt lebt eben nicht verkehrt.

Die freiheitlich demokratische Grundordnung endet nicht vor der Haustüre der Wohnung oder der Türe der Koranschule / Moschee. Körperliche Züchtigung ist ist auch für Kinder demütigend, ehrverletzend und überall zu ächten.

Privatsphäre ist schützenswert, jede Form von Gewalt jedoch nicht.

Céleste de la Rivière

Demokratie erhalten, Scharia verhindern

September 30, 2007

حجاب

ḥiǧāb

Hidschab

Kein Kopftuch im öffentlichen Dienst

Von Ümmühan Karagözlü (2007)

Seit dem Richterspruch des Bundesverfassungsgerichts ist auch das bevölkerungsreichste Bundesland, Nordrhein-Westfalen, damit beschäftigt, eine Entscheidung zum Kopftuch bei Beschäftigten öffentlicher Institutionen zu fällen. Als Sozialpädagoginnen (verschiedenster Glaubensrichtungen), die berufsbedingt täglich auf muslimische Kommilitoninnen und Klientinnen treffen, können wir diesem Thema nicht gleichgültig gegenüber stehen.

Bezug nehmend auf unsere langjährigen Erfahrungen in der Kinder- und Jugend- und Schulsozialarbeit sowie in der außerschulischen Bildung möchten wir folgende Gedanken einbringen:

vor etwa vierzig Jahren kamen die ersten Muslime als Gastarbeiter in die BRD. Die damalige Bundesregierung lud diese Menschen nach Deutschland, zunächst meist türkischstämmig und fast immer männlich, da es unserem Land an (billigen) Arbeitskräften mangelte. Weil die Arbeitsmarktsituation noch recht entspannt war und ausländische Arbeitnehmer selbst als Ungelernte hierzulande mehr verdienten als zu hause, holten sie nach einigen Jahren ihre Familienangehörigen nach und bauten gemeinsam mit ihnen eine neue Existenz auf. Der Wunsch in die Heimat zurück zu kehren wurde auf unbestimmte Zeit verschoben, zumal das Wirtschaftswachstum weiter anhielt und für die teilweise bereits in der Bundesrepublik geborenen Töchter und Söhne qualifizierte Schulabschlüsse, interessante Ausbildungsmöglichleiten und attraktive berufliche Chancen lockten.

Bis etwa Ende der 90er Jahre war die Zugehörigkeit zum Islam für die in Deutschland arbeitenden, lernenden, studierenden und lebenden Muslime anscheinend so selbstverständlich, dass es ihnen nicht wichtig war, diese etwa durch Einhaltung strenger Bekleidungsvorschriften gegenüber der nichtmuslimischen Mehrheitsgesellschaft zu dokumentieren. Dies galt auch für die Anhängerinnen dieser Weltreligion, die als Studentinnen in die BRD kamen oder als Flüchtlinge und Asylbewerberinnen Zuflucht vor Verfolgung und Tyrannei suchten. Auch ist uns nicht bekannt, dass zu dieser Zeit die laïzistische Haltung des türkischen Staates kritisiert wurde.

Die hier ansässigen muslimischen Menschen lebten wie die südeuropäischen Gastarbeiter so unauffällig, dass zu Zeiten wirtschaftlicher Blüte und Vollbeschäftigung die bundesdeutsche Politik der Lebenslage dieser Mitmenschen keine Aufmerksamkeit widmete. Obschon selbst während der etwa Mitte der 80er Jahre einsetzenden Weltwirtschaftskrise und deren desintegrierenden Folgen längst nicht mehr mit einer Rückkehr dieser Bevölkerungsgruppe in ihre Heimat zu rechnen war, ignorierte die damalige Bundesregierung gleichermaßen den aufkommenden Unmut der Mehrheitsgesellschaft wie die sich verschlechternde Lebenslage der nicht europäischstämmigen (kleinasiatischen) Migrantinnen.

Viel zu spät bemühten sich beispielsweise Migrationsbeauftragte oder Fachausschüsse um eine erfolgreiche Eingliederung dieser Bevölkerungsgruppe. Vor allem die in vielfältigen Bereichen des Alltags, besonders aber bei der Arbeitsplatzsuche exkludierenden Folgen mangelnder Sprachkompetenz (zunehmend auch in der Muttersprache) wurde lange Zeit nicht beachtet. Zwar haben wir mittlerweile Politikerinnen mit Migrationshintergrund sowie Ausländerbeiräte. Viele von uns haben türkische Kolleginnen, marokkanische Kommilitoninnen und albanische Nachbarinnen. Doch ist es bisher nur in Ausnahmefällen gelungen, die aus islamisch geprägten Kulturen stammenden Familien wirklich in unsere offene Gesellschaft zu integrieren.

Ein deutlicher Beleg für diese These lässt sich am Beispiel der schlechten sprachlichen und sozialen Integration der zweiten und der dritten Generation türkischer Mitbürgerinnen festmachen, die eher Hauptschulabschluss oder auch gar keinen Schulabschluss erlangen. Diese zahlenmäßig große Gruppe lebt nicht selten in fast ausschließlich türkischen Straßenzügen, versorgt sich mit allen Artikeln des täglichen Lebens in den Geschäften ihrer Landsleute und konsumiert dank Satellitenfernsehen Information wie Unterhaltung in türkischer Sprache. Gerade für Frauen und Kinder bleibt die deutsche Sprache zunehmend Terra incognita. Auch trägt die erst seit wenigen Jahren wahrnehmbare Angst der Musliminnen vor Assimilation gewollt oder ungewollt zu einer Ghettoisierung bei, da wirklich tragfähige soziale Bindungen nur zu Landsleuten bestehen. Gespräche mit Deutschen werden auf ein Mindestmaß reduziert, offener Gedankenaustausch gar ist sehr selten.

Die halbherzig betriebene Integrationspolitik führte dazu, dass ein besonders hoher prozentualer Anteil der Migrantinnen und Einwohnerinnen mit Migrationshintergrund arbeitslos war und ist. Die beiden zuletzt geborenen Generationen stehen zudem vor dem Dilemma, von uns als Ausländerinnen gesehen und behandelt zu werden, während sie im Herkunftsland als ’Deutschländerinnen’ gelten. Es sollte uns daher eigentlich nicht überraschen, dass besonders für die dritte Generation einer Migrationswelle angesichts derartig verschlechterter Lebensbedingungen die Frage nach der eigenen Identität immens wichtig wird.

Derart durch düstere Zukunftsaussichten und tiefe Identitätskrisen verunsichert ist es nicht verwunderlich, dass es nach der Islamischen Revolution, Iran 1979, zu einer (vermeintlich) Gemeinschaft stiftenden Fundamentalisierung und Islamisierung insbesondere der unter 40jährigen Musliminnen überall in den Industriestaaten Europa gekommen ist. So ist zu beobachten, dass die Kopftuch tragenden Frauen, viele von ihnen hier geboren, im Straßenbild immer häufiger werden. Die Tatsache, dass nicht selten junge Musliminnen streng verhüllt mit Tuch und langem Mantel das Haus verlassen, während ihre Mütter in der Kleiderfrage die westliche Variante bevorzugen, ist ein unfreiwilliges Ergebnis derartig verfehlter Integrationspolitik und der gesamtgesellschaftlichen Kultur des Wegschauens.

Besonders betroffen macht uns allerdings die Beobachtung, dass seit etwa 2004 bereits sehr junge Mädchen nur noch mit der streng gebundenen Variante des Kopftuchs, welche Nacken, Hals und Dekolletee bedeckt und nur noch das Gesichtsoval frei lässt, aus dem Haus ihrer Familie heraus gehen. Selbst Zehnjährige mit Hidschab, wir meinen damit die Haube, die, aus einem Stück Stoff genäht Haare, Schultern und Oberkörper vollkommen einhüllt, erscheinen im westdeutschen Stadtbild. Dazu tragen sie nicht selten den oben bereits erwähnten, vor wenigen Jahren eigens entworfenen knöchellangen grauen oder schwarzen Mantel.

Dieses streng islamistische Outfit ist, wie wir meinen, für kleine Mädchen, die auch noch spielen und herumtoben sollten, unpraktisch und bewegungsfeindlich. Auch erwachsenen Frauen können mit diesem kaftanähnlichen Gewand ‚keine großen Schritte‘ machen. Zudem behindern diese Formen des Kopftuchs zweifellos Hör- wie Sehsinn der Trägerinnen und schränken das (Um-)Weltwahrnehmen der Mädchen und Frauen nicht unerheblich ein, besonders wenn auch der Blick züchtig gesenkt werden muss. Diese Kleidungsgewohnheiten erhöhen nicht nur die Unfallgefahren im Straßenverkehr (eingeschränktes Blickfeld), nein, jeder einigermaßen aufmerksame Mensch wird bestätigen dass Körpersprache und Auftreten sowie Denk- und Lebensgewohnheiten beeinflusst werden.

Schon diese oben beschriebenen Alltagsszenen deuten an, dass es bei der bevorstehenden Entscheidung des Landtages von Nordrhein-Westfalen um weit mehr geht als um die rechtliche Gewichtung des Staates zur weltanschaulichen Neutralität einerseits und das Diskriminierungsverbot eines nach Meinung der Anhängerinnen religiös zu interpretierenden Symbols einer monotheistischen Weltreligion andererseits. Hier steht wesentlich mehr als die Klärung dieser Streitfrage zur Entscheidung an!

Wie viele Politikerinnen und Bürgerinnen in der BRD sind wir der Meinung, dass Kleidungsstücke wie Hidschab und Türban (dazu gehören nach unserer Ansicht auch Kippa, Sikh-Turban oder Frömmler-Strickmütze der Islamisten) keine religiös zu interpretierenden Insignien sind, die unter das Benachteiligungsverbot nach Art. 3 GG fallen. Diese Ansicht lässt sich wie folgt begründen:

Nach wie vor sehen weltweit viele Musliminnen das Tragen des Kopftuchs nicht als religiöse Pflicht an. So schreibt Prof. Bassam Tibi in seinem Buch Der Islam und Deutschland – Muslime in Deutschland, dass er viele afrikanische und südostasiatische Gebiete islamischer Bevölkerung bereist habe, in denen Frauen mehrheitlich nicht Kopftuch tragen.

Auch in Europa und in der BRD ist die Gruppe derjenigen Muslimas, die sich nicht mit islamistischen Kleidungsvorschriften identifiziert, deren Mitglieder sich gleichwohl als gläubige Musliminnen bezeichnen, recht groß. Selbst im Koran wird man nach einem ausdrücklichen Kopftuchgebot vergeblich suchen (und nur im Hadith fündig), eher findet man dort Textstellen, die besagen, dass die Frauen keine auffällige Kleidung tragen sollten. Das Kopftuch selbst wird nicht erwähnt; Ralph Ghadban (Das Kopftuch in Koran und Sunna) hingegen weist auf die islamische Überlieferung hin. Wie aber kann es dann sein, dass gerade unter den jungen Muslimas der Anteil derjenigen, die zwar ihr Haar unter einem fundamentalistisch streng gebundenen Kopftuch verbergen, ansonsten aber bewusst erotische und den Körper in Szene setzende, hautenge Kleidung bevorzugen, so sehr groß ist (klappernde Stöckelschuhe, Top mit transparenter Spitze an Taille und Oberarm, Rock mit langen Seitenschlitzen)? Religiöse Motive scheinen diese Anhängerinnen des vermeintlich einzig wahren Glaubens wohl nicht gerade umzutreiben.

Unter Berücksichtigung solcher Beobachtungen und angesichts der Tatsache, dass sich selbst aus dem heiligen Buch der Muslime eine religiös begründete Verpflichtung jeder muslimischen Frau zum Tragen des Kopftuches nicht ableiten lässt, kann dieses ‚Stück Stoff‘ nicht als ein ‚eindeutig religiöses Symbol‘ interpretiert werden.

Im Konsens mit vielen Bürgerinnen und Politikerinnen in NRW und auch mit Blick auf die Bundesländer, in denen schon eine Entscheidung zum Kopftuch getroffen wurde, sind wir vielmehr der Ansicht, dass mit dem ‚Kleidungskodex der islamischen Renaissance‘ auch Haltungen einhergehen, die nicht schützenswert ist. Daher fordern wir die Landesregierung auf, sich bei ihrer Meinungsbildung keineswegs darauf zu beschränken, dass allein die Möglichkeit, dass ein Tragen des Kopftuches religiös begründet sein könnte, ausreicht, um eine verfassungsrechtlich nicht tragbare Beteiligung von kopftuchtragenden Lehrerinnen in staatlichen Schulen im Falle eines Kopftuchverbots abzuleiten.

Wir halten es für unverzichtbar, angesichts der Grundrechte der Kopftuchgegnerinnen wie auch der in dieser Frage Unentschiedenen abzuklären, für welche Strömungen (Politislam sprich Schariagesetz-Lobby; Traum vom erneuerten Kalifat), Lebenspraxen (Gewalt in der Erziehung, Zwangsverheiratung) und Geisteshaltungen (Verachtung von Andersgläubigen, Verbot der Apostasie bei Todesdrohung) das Symbol Kopftuch, das Prinzip Kopftuch eben auch gesehen werden kann. Sieht man sich im Straßenbild um, informiert sich oder spricht mit Vertreterinnen der beiden Meinungsfraktionen, spricht vieles dafür, dass ’dieses Stückchen Stoff’ für verschiedene Haltungen und Ansichten in Anspruch genommen werden kann. Doch sicherlich nicht für die Emanzipation der Frau.

Die demonstrative Unterwerfung unter eine Kleidungsvorschrift, die den äußerlich von Weitem erkennbaren Unterschied zwischen den Geschlechtern zementiert, als Ausdruck von Selbstbewusstsein und Gleichberechtigung zu werten hält nicht nur Frau Dr. Lale Akgün, MdB und langjährige Islambeauftragte der SPD Bundestagsfraktion für grotesk. Wer die Weiterentwicklung der Gleichberechtigung und Gleichstellung als wesentliches Ziel der Mitgliedsstaaten des Europarates anerkennt, kann eine solche Verunglimpfung und Verachtung der Frauen Iran, Afghanistan, Saudi Arabien und Algerien, die das Kopftuch eben nicht freiwillig gewählt haben, nur als zynisch ansehen.

Frauen, die behaupten, ohne Kopftuch würden sie sich nackt fühlen, geht es nicht alleine um Schutz. Nein, unausgesprochen unterteilen sie gleichzeitig ihre Geschlechtsgenossinnen in die Gruppe der Ehrenhaften und die der Unreinen, egal ob die Betroffenen Muslimas sind oder gar so genannte Ungläubige. Das Kopftuch, einschließlich der damit einhergehenden ‚Software‘, ist somit Symbol für die Spaltung der halben Menschheit in Sittsame, Tugendhafte sowie in verachtenswerte Sünderinnen. Die zunehmende Gewohnheit dieser Musliminnen, Männern prinzipiell nicht mehr die Hand zu geben (prominente Vertreterin: Fereshta Ludin), zielt in die gleiche Richtung: sie manifestiert für alle Umstehenden sichtbar der minderwertigere Stellung der Frau, die grundsätzlich als unrein gilt. Dieses (deutsche, europäische) Begrüßungs- und Verabschiedungsritual ist streng gläubigen Muslimas außerdem untersagt, weil selbst dieser harmlose Hautkontakt sexualisiert wird und Mädchen und Frauen unterstellt, wie eine Hure Männer zu verführen. Eine unserer Meinung nach kompromittierende Unterstellung.

Das Verhüllen der Haare kann also auch als Symbol für die Diskriminierung aller Menschen (also der muslimischen Männer) gesehen werden, die nicht bereit sind, sich dieser Frauen verachtenden Bekleidungsethik zu unterwerfen. Während eine große Gruppe von ‚Ungläubigen‘ Religionsfreiheit und das Recht zur freien Meinungsäußerung, d.h. auch Kritik an den religiösen Weltanschauungen, als demokratische Tugend (bekannte Persönlichkeiten erachtet (bekannte Persönlichkeiten wie z.B. Prof. Bassam Tibi, der Dalai Lama, Hans Jonas und Willigis Jäger gehören dazu), droht Schriftstellerinnen und künstlerischen Freigeistern wie Sir Salman Rushdie die Todes Fatwa. Für eine solche Geisteshaltung, für die das Kopftuch eben auch stehen kann, religiöse Toleranz einzufordern, halten wir für eine dreiste Provokation.

Wir alle wissen um die lebenslang prägende Beispielfunktion jeder Kindergärtnerin und Lehrerin, vor allem in Grundschulklassen. Daher müssen wir damit rechnen, dass nicht nur auf muslimische Kinder und Schülerinnen einer neben den Eltern und später der Peergroup so wichtigen Identifikationsfigur vorbehaltlos nacheifern. Eine Art textilen Ausweis der Reinheit und Rechtgläubigkeit (dazu gehören auch das islamische maskuline Gebetskäppchen und die jüdische Kippa) tragende Islamistinnen hätten dann in staatlichen Institutionen wesentlichen Anteil an der Interpretationshoheit ‚wahrer Religion‘. Sie würden jungen Muslimas verdeutlichen, wie sich ehrbare Mädchen und Frauen nicht nur ihren Glaubensbrüdern und -schwestern, sondern auch der Mehrheitsgesellschaft gegenüber kleiden und zu verhalten hätten. Damit würden wir ausgerechnet Fundamentalistinnen einen so wesentlichen Bereich wie die Deutung des (Um )Welt- und Menschenbildes in demokratischen Erziehungs- und Bildungsräumen überlassen.

Die gesunde, selbst bestimmte Entwicklung von Töchtern und Söhnen zu gesellschaftskritischen und demokratischen Persönlichkeiten, die ein auf dem Grundgesetz (Artikel 3 Absatz §) fußendes Frauenbild bejahen, sollte uns sehr am Herzen liegen. Nicht nur wir Pädagoginnen sollten uns verpflichtet wissen, jeder diesem Erziehungs- und Bildungsauftrag zuwiderlaufenden Entwicklung entschieden entgegenzutreten. Die seit wenigen Jahren von Islamisten propagierte Abmeldung vom Sport- und Schwimmunterricht sowie das Verbot an Klassenfahrten teilzunehmen, verhindert ein wesentliches Erziehungsziel: die gelingende Integration in die Klassengemeinschaft.

Der Gewissenskonflikt, dem junge Musliminnen, die ihre nicht verhüllten Mütter und Schwestern verachten müssten ausgesetzt sind, dürfte niemanden kalt lassen, schon gar nicht Abgeordnete einer demokratischen Landesregierung. Solch vorgeblich religiöse Kleidungs- und damit einhergehende Verhaltensvorschriften und Einstellungen sorgen für die Instrumentalisierung unserer Schulhöfe, Lehrerzimmer und Klassenräume durch die hart agitierende Minderheit der Fundamentalistinnen und verstoßen gegen Art. 3 Abs. 3 GG. Beides kann nicht im Interesse der Landespolitik sein und sollte durch ein entsprechendes Gesetz verhindert werden.

Das Verbot von Kopftuch und anderen aufdringlichen Symbolen sollte sich jedoch keinesfalls auf staatliche Erziehungs- und Bildungseinrichtungen beschränken, sondern auch im Gerichtssaal Anwendung finden. Dies halten z.B. für eine verfassungskonforme Verteidigung und Urteilsfindung für unumgänglich. Wir hätten Zweifel, dass ein Gebetskappe oder Turban tragender Anwalt beziehungsweise eine streng verhüllte Richterin aufgrund ihrer schon äußerlich sichtbaren fundamentalistisch religiösen Wertehierarchie zu einem Vergewaltigungsopfer oder zu einem homosexuellen Verdächtigen mit der gebotenen Objektivität Stellung nehmen kann.

Ümmühan Karagözlü

Diese Abhandlung wird von einer Autorin verfasst. Sie beschreibt und reflektiert insbesondere Lebenslage und Perspektiven von Frauen mit und ohne Migrantionshintergrund in der BRD. Zur besseren Lesbarkeit des Textes verwendet die Autorin generell die weibliche Sprachform (geschrieben: Sozialpädagoginnen, Bürgerinnen etc.), Männer sind ganz selbstverständlich mit gemeint.

Freie Berufswahl auch für Frauen

September 24, 2007

Zivilcourage

Wieder wurden in Afghanistan zwei Frauen ermordet, die sich nicht mit der Rolle als ‚Nur Hausfrau‘ und Mutter zufrieden geben wollten. Beide waren als Journalistinnen tätig, Sakia Saki war Chefin des teilweise mit westlicher Hilfe finanzierten Friedensradios, ihre Kollegin Schakiba Sanga Amaj arbeitete als Fernsehansagerin. Von unbekannten waren sie aufgefordert worden, ihre Arbeit aufzugeben, mehrere Morddrohungen sind gegen sie ergangen, jetzt beide wurden erschossen.

Es ist unglaublich, in der dritten Welt verteidigen mutige Frauen ihr Menschenrecht auf freie Entfaltung ihrer Persönlichkeit und Berufstätigkeit und zahlen für ihre Zivilcourage mit dem Leben. In unserem demokratischen Rechtsstaat, der allen BewohnerInnen ein einklagbares Grundrecht auf freie Persönlichkeitsentfaltung und eine individuelle Biographie einräumt, propagieren wir mit Büchern wie ‚Das Eva-Prinzip‘. Denk- und Verhaltensmuster die alle Frauen qua Natur an Haus, Kinder und Herd fesseln will.

Was sind uns unsere Grundrechte wert?

Ümmühan Karagözlü

Quelle: Journalist Das Deutsche Medienmagazin 7/2007

Integrationsgipfel

September 23, 2007

Türkische Verbände ziehen es vor, dem Integrationsgipfel der Bundesregierung fern zu bleiben
von Jacques Auvergne

Vierundzwanzig Stunden vorher sagten sie ab. Den dramatischen Effekt haben die Sprecher der türkisch-islamischen Verbände in Deutschland (TGD, DITIB usw.) sicherlich sorgsam kalkuliert, zusätzlich sind sie vielleicht auch überfordert sowie untereinander uneins. Ihr islamischen Verbandsvertreter – lasst mich euch so ansprechen.

Warum missfiel euch diese von Merkel und Schäuble bereitete Chance eines gemeinsamen Gespräches mit der Bundesregierung derartig, dass sie den Integrationsgipfel kühl verschmähten?

Zur Erhellung eurer Motivation mag ein im Internet veröffentlichtes Schreiben dienen, das sich auch auf den zweiten Blick mit den bezeichnend dürren Aussagen der islamischen Verbandsvertreter kongenial zu decken scheint.

Auch auf euer larmoyantes und albernes Beleidigtspielen über das eurerseits erwünschte extrem niedrige Nachzugsalter für eure Heiratspartner gehen wir im Folgenden ein.

Ja, allerdings verlangen wir Demokratinnen und Demokraten, dass eure Frauen und Männer den Islam verlassen dürfen, ohne totgeschlagen zu werden oder schärfstem sozialem Mobbing seitens von Allahs Fußvolk in ihrem bundesdeutschen Kiez ausgesetzt zu sein.

Ja, wir Demokratinnen und Demokraten verlangen allerdings von euch, den Koran als zeitbedingt, als mysogyn (frauendiskriminierend) und als neurosenah sehen zu dürfen und das auch sagen zu können, was eure intelligentesten und/oder mutigsten Frauen und Männer weltweit längst taten und tun und weshalb sie sich in der freien Welt vor euch Islamisten verstecken mussten und bis auf Weiteres zumeist auch verstecken müssen.

Ja, wir Demokratinnen und Demokraten verlangen die Anerkennung von lesbischen oder schwulen Lebensentwürfen, eine persönliche Selbstbestimmtheit, die wir nicht zuletzt auch den lesbischen Muslimas in Deutschland und Europa oder den schwulen Muslimen in Deutschland und Europa garantieren.

Vorsicht bleibt ohnehin geboten, ob eine jede staatliche Selbstverpflichtung mit Islamverbänden nicht der Einführung der Dhimmitude nahe kommt, mithin der Etablierung eines politreligiösen Dar al-Islam frischer Eroberung. Islamisten jedenfalls hätten gegen solches auch gar nichts einzuwenden und den schafblöden Europäern ist dieses religionsrechtliche Problem bislang kaum aufgefallen.

Ihr türkischen Islamverbände in Deutschland habt ein Problem: die Orthodoxie in Ghom, Nadjaf oder an Kairos Al-Azhar-Universität beharrt seit Jahrhunderten auf einer grundsätzlichen und weltweiten Geltung des genannten sklavenhalterischen und totalitären Religionsrechtes, der repressiven Scharia. Da sich aber auch Europas, Nordamerikas und Australiens bzw. Neuseelands Islamverbände nicht von den theokratischen Rechtsgelehrten ihrer islamischen Herkunftskulturen distanzieren können ohne als Verräter oder Apostaten (Abtrünnige, vom Glauben Abgefallene) zu gelten, werden beide und werdet auch ihr von TGD oder DITIB die Scharia nicht als unzeitgemäß zu erklären wagen, sei es in Kairo, Istanbul oder Köln.

Ihr wollt die Scharia an Rhein und Elbe, um ins koranisch verheißene Paradies zu kommen. Ihr wollt das Kalifat, sonst gibt`s Minuspunkte bei der Auferstehung, so erzählt ihr in euren Koranschulen. Ihr haltet, gesteht uns das, die Scharia dem Grundgesetz für sittlich überlegen.

Die antidemokratischen Fanatiker unter den Muslimen tun dieses aus Überzeugung, die anderen wohl eher aus einem gewissen brutalen Konformitätsdruck. Denn wer als Türkin oder Türke den zeitbedingten, frauenfeindlichen und neurotischen Koran kritisiert, die oder der sollte an der rheinischen Haustüre besser kein Klingelschild mehr haben. Deshalb also schweigen 90% der Muslimas und Muslime zu ihrer Religion, schon weil ihr ihnen durch generationenlange Gehirnwäsche Angst vor Allahs Höllenstrafen anerzogen habt. Deshalb bleibt der weltweite Islam im Würgegriff der radikalen Demokratiehasser, der ’frommen’ Theokraten. Denn von zwei Gläubigen hat der Radikalere halt stets Recht.

Der Islam ist eine Geisel seiner eigenen beiden Extremismen: seines bronzezeitlichen Traditionalismus und seines pseudomodernen Islamismus. Islamkritik ist verboten, kritisches Denken überhaupt. Denken überhaupt. Deshalb gehen keine Nobelpreise in islamische Staaten und deshalb ist den religiösen Führungskreisen an einem permanenten wie fortgesetzten Dummhalten der Basis gelegen. Protest der Bildungsfernen etwa an der Staatsregierung von Pakistan oder Ägypten findet so immer nur mit ’dem’ Buch in der Hand statt und gleicht dem immer neu inszenierten rituellen Vatermord. Der monströs große, willkürliche und brutale innere Vater, den es auszulachen gälte, er bleibt unerkannt.

Alle islamischen Staaten zwischen Marokko und Indonesien sind vorläufig wenig mehr denn soziale Hühnerleitern (Gerangel an der Futterkrippe) oder auch Haifischbecken (Kannibalismus; Treibjagd gegen Dhimmis und Apostaten), alle islamischen Staaten können nicht viel mehr, als auf die Option Militärdiktatur oder auf die Option Gottesstaat zurückgreifen. Bronzezeitliche oder sogar steinzeitliche vorislamische Rituale wie die Klitorisamputation Ägyptens, die vormoderne Routine-Jungenbeschneidung, das blutige Bettlaken der Hochzeitsnacht, die Blutrache Albaniens oder die Ehrenmordpraxis Anatoliens werden im derart versteinerten und fortschrittsfeindlichen Islam nahezu perfekt konserviert. Europas gynäkologisch Ausgebildete beginnen, Jungfernhäutchen rekonstruieren zu lernen. Berliner Türkinnen gehen dazu neuerdings als Nichtmehrjungfrau bzw. Nochnichtjungfrau ins grenznahe polnische Szczecin / Stettin – abartig, sexistisch und vormodern.

Ja, die absolute Gleichwertigkeit der Geschlechter verlangen wir Demokraten von euch islamischen Verbandsvertretern anzuerkennen. Es sind auch Muslimas und Muslime unter uns islamkritischen Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern, aber auch Atheistinnen und Atheisten und sogar Exmuslimas und Exmuslime.

Ja, wir erwarten, dass eure Töchter und Söhne am Sexualkundeunterricht staatlicher Schulen teilnehmen.

Ja, wir muten euren Töchtern und Söhnen zu und wir trauen es ihnen zu, dass sie sich mit Pädagogik, Psychologie, Religionswissenschaft, Menschenrechten, Geschichte und Politik befassen. Sie werden ihren – und deinen – Erziehungsstil in Frage stellen, deine Vorstellungen von Sitte. Wir werden sie darüber hinaus dazu ermuntern, ihren Lebensweg selbst zu gehen, ihre Lebensgeschichte selbst zu schreiben und wir versuchen dafür zu sorgen, dass du sie möglichst wenig daran hinderst.

Die koranisch legitimierte geringere Stellung der Frau (geringwertige Frauenaussage vor Gericht; nur 50 % des Erbes) wird jede Demokratin und jeder Demokrat angreifen müssen, gleich welcher Religion oder Nichtreligion. Ihr Verbandssprecher von TGD und DITIB seid eingeladen am demokratischen Haus Deutschland mitzubauen … oder auch nicht mitzubauen. Dann bleibt, ihr Vertreter vom ’Türkischer Gemeinde’ oder vom ’Anstalt für Religion’, dann bleibt den demokratischen Integrationsgesprächen bitte einfach fern.

Ihr seid fern geblieben. Ihr habt euch in eure Parallelgesellschaften verkrochen, die straßenzugweise leider bereits den Charakter einer antidemokratischen Gegengesellschaft hat.

Denn das unterstellen wir euch: ihr seid bestrebt, die Kluft zwischen Nichtmuslimen und Muslimen zu vertiefen. Darin ähnelt ihr ironischerweise ’unseren’ Rechtsextremisten, wenngleich letztere auch überwiegend anders motiviert sind. Den Hass auf die Moderne teilen allerdings beide, die Unterdrückung der Frau, die vormoderne Auffassung von Sexualität einschließlich Homosexualität sowie die hierarchisch-undemokratische Gesellschaft, das gefällt beiden, euch Islamisten wie ’unseren’ Neonazis.

Wir haben nichts zu verhandeln, ’ein bisschen Scharia’ ist mit uns nicht zu machen.

Und eben darum muss es der Demokratie gehen, auch und gerade den muslimischen Demokratinnen und Demokraten weltweit: die totalitäre Scharia als unzeitgemäß zu erklären, das islamische Religionsgesetz als Hindernis zu verstehen auf dem Weg hin in Gesellschaften, die den Namen kulturelle Moderne wirklich verdienen.

Ja, ihr werdet es dulden müssen, dass wir Europäer uns über Religionen lustig machen. “Es gibt kein Recht darauf, nicht beleidigt zu werden“, sagte dazu einmal jemand. Etliche eurer Intellektuellen künstlerisch Tätigen sind vor Leuten wie euch aus Iran oder Ägypten zu uns nach Europa geflohen, eben gerade um sich ironisch oder kreativ über die Kriecherei und Korruption des islamischen Innenlebens lustig zu machen. Die schreiben längst auch Bücher (Rushdie) oder malen Cartoons (Satrapi), die sind längst juristisch, pädagogisch oder psychologisch ausgebildet. Und sie, Muslimas und Muslime wohl gemerkt, haben wenig Lust, sich von euch Theokraten nun, statt am Kaspischen Meer oder am Nil, nun auch an Rhein oder Nordsee gängeln zu lassen.

In vielen Aspekten ist der zeitbedingte und manichäische Koran heute, in einer Kultur, die auf Individualität und Emanzipation, das heißt auf ein selbst bestimmtes Leben der oder des Einzelnen Wert legt, als entwicklungsfeindlich anzusehen. Der Scharia-Islam ist als unterdrückerisch, antisemitisch und quasi-rassistisch anzusehen. Als Stütze einer individuellen Spiritualität mag der Koran dem muslimischen Menschen dienen (müssen) oder auch nicht, doch sehr viel mehr kann Religion in der säkularen Moderne nun nicht sein denn individuelle Spiritualität.

Distanziert euch von jeder Scharia. Predigt den Verzicht auf das Kalifat.

Einen ’wahren Gott’ anerkennt Demokratie nicht. Fundamentalistischen Demokratieskeptiker haben wir Europäer selber, Kreationisten, Evangelikale, Mormonen, Jehovas Zeugen und viele andere Spinner. Mit dem Unterschied, dass nörgelnde Muslime Bomben in Madrid und London legen, verbiesterte Neuapostoliker aber keine Raketen auf Kairo oder Islamabad abfeuern. Ihr Islamisten jedoch sprengt euch im Irak zum Freitagsgebet wechselseitig aus der Moschee und drangsaliert, foltert oder ermordet Christen in vielen islamisch geprägten Staaten, so viel hat sich mittlerweile herumgesprochen über den ’friedlichen’ Islam.

Ihr ermordet Homosexuelle in Bangladesch, ihr hackt Dieben die Hand ab im Iran, ihr steinigt Ehebrecherinnen an so vielen Orten. Zugegeben, vor 500 Jahren haben wir Europäer das auch gemacht mit Indios, Waldensern oder Hexen, aber wir haben ein bisschen dazu gelernt. Nun lernt ihr Muslimas und Muslime mal, es wird euch nicht schaden.

Wir verstecken eure islamkritischen Intellektuellen vor euch, wir verteidigen lesbische und schwule muslimische Menschen vor euch, zu uns flüchten eure Frauen und Töchter vor der Ehrenmordpraxis oder der allgegenwärtigen arrangierten Ehe. Und wir laden euch zum Integrationsgipfel.

Ihr bliebt fern. 2007.

Welche Ausreden, welches larmoyant inszenierte Wehgeklage und welche raffinierten Beschuldigungen lasst ihr euch 2008 einfallen?

Im Scherz: lebe nicht in Deutschland, lieber Islamverbandsvertreter, wechsle doch einfach deinen Wohnort: die Vereinigten Arabischen Emirate sind für ihre Toleranz gegenüber lesbischen oder schwulen Lebensentwürfen berühmt, Saudi-Arabien ist für seine Freiheit des Religionswechsels anerkannt, Ägypten für seinen humanen Strafvollzug und Algerien für die Transparenz seiner Gerichtprozesse. Was also machst du an Donau, Rhein, Main, Elbe oder Spree? Das im Scherz.

Im Ernst: wir muten dir Einiges zu, ja. Und wir trauen es dir zu. Demokratie ist eine Zumutung. Trau dich.

Jacques Auvergne