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Minderjährige gehören in die Schule, nicht ins Ehebett

Mai 14, 2017

Nein zu jedem Versuch, den Kinder- und Jugendschutz (Keine Ehe unter achtzehn) aufzuweichen

Was zu befürchten war, ist seit dem 12. Mai 2017 eingetreten: Im letzten möglichen Augenblick wird durch die Länderkammer der durchaus gelungene Entwurf eines Gesetzes zur Bekämpfung von Kinderehen angegriffen. Der Gesetzentwurf (BT-Drs. 18/12086) war am 28. April 2017 in erster Lesung beraten worden. Jetzt ist zu verhindern, dass Deutschland in den nächsten Wochen die Frühehen, ob jesidisch, bei den Roma oder als Kinderehen nach islamischem Nikah (Heirat vor dem Imam, beispielsweise die islamischen Kinderehen Griechenlands), straffrei stellt. Erneut behandelt jetzt der Bundestag das Thema (Öffentliche Anhörung des Rechtsausschusses zur Bekämpfung von Kinderehen am 17. Mai 2017). Von Ümmühan Karagözlü und Jacques Auvergne.

In seiner 957. Sitzung am 12. Mai 2017 bittet der Bundesrat (BR 275/17(B) Beschlussdrucksache) darum, im weiteren Gesetzgebungsverfahren zu prüfen, ob „insbesondere bei einem besonderen kulturellen Hintergrund“ Ausnahmen hinsichtlich des Heiratsmindestalters von achtzehn Jahren zu ermöglichen sind.

Den in der Begründung des Gesetzentwurfs genannten Bereich möglicher Rechtfertigungen für eine Minderjährigenehe, beispielsweise eine schwere und lebensbedrohliche Erkrankung oder eine krankheitsbedingte Suizidgefahr des minderjährigen Ehegatten, hält die Länderkammer für allzu eng und lässt über weitere Ausnahmen nachdenken.

Nachvollziehbarkeit sowie Verlässlichkeit und Rechtssicherheit sollen dem Einzelfall weichen. Das Verfassungsorgan Bundesrat betont, dass vor dem Hintergrund der „prioritären Pflicht zur Berücksichtigung des Kindeswohls pauschale Lösungen nicht in Betracht kommen“ und fordert die „einzelfallbezogene Prüfung des Wohls des oder der betroffenen Minderjährigen in einem familiengerichtlichen Verfahren“.

Selbstverständlich hat das Verbot einer Ehe beispielsweise mit einer erst 14 oder 15 Jahre alten ‚Ehefrau‘ nicht nur im Einzelfall zu gelten, sondern ernst gemeint sowie ausnahmslos (Bundesrat: „pauschal“).

Völlig altersgemäß kann ein Minderjähriger, also ein Mensch unter 18 Jahren, die persönlichen Folgen eines Ehevertrags und Ehelebens nicht abschätzen und ist daher in seine Heirat nicht einwilligungsfähig, ihm fehlt die Ehemündigkeit. Dass Deutschland das Heiratsalter auf 18 Jahre, ohne Ausnahme, anheben will, ist daher überfällig.

Während Kindeswohl nichts anderes bedeuten kann als ‚Keine Heirat unter achtzehn‘, vermengt der Bundesrat in seinem Beschluss vom 12. Mai den Kindeswohlbegriff mit demjenigen eines die Gerechtigkeit angeblich sichernden Einzelfalles („aus Kindeswohlgesichtspunkten und Gründen der Einzelfallgerechtigkeit“). Selbst bei „besonderen kulturellen“ Gründen (Döner statt Currywurst?) unterscheidet sich das Kindeswohl eines noch nicht volljährigen Menschen mit Einwanderungsgeschichte nicht von demjenigen eines Gleichaltrigen ohne Migrationshintergrund.

Auch der Bundesrat unterliegt dem Verfassungsrecht. Art. 20 (3) GG: „Die Gesetzgebung ist an die verfassungsmäßige Ordnung […] gebunden“. Daher hat die Länderkammer zu beachten: Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich (GG Art. 3 (1)), niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden (s. GG 3 (3)).

Auch ein ganzheitlich verstandenes Kindeswohl („insgesamt das Wohl des Kindes“) hat der Bundesrat nicht mit dem sozialen Umfeld des Mädchens oder Jungen oder mit den seelischen Wünschen oder Nöten des Minderjährigen zu vermischen. Eine Ehe mit allen Rechten und Pflichten einzugehen kann dem Kindeswohl niemals entsprechen. Kinder oder Jugendliche gehören in keinem Fall vor den Traualtar oder ins Ehebett, auch „weitere besondere soziale und psychologische Belange der betroffenen Minderjährigen“ rechtfertigen keine Kinderehen.

Minderjährige unbegleitete Flüchtlinge, der 40 jährige ‚Ehemann‘ einer Vierzehnjährigen ist nicht als Begleitperson anzuerkennen, sind durch das Jugendamt in Obhut zu nehmen. Für eventuelle Kinder der Kinder existieren entsprechende Gesetze und Unterstützungsangebote. Es spricht nichts dagegen, dass die beiden Menschen weiterhin ggf. begleiteten Kontakt halten und sich sehen. Wenn sie sich lieben und zusammen leben möchten, können sie heiraten, sobald jeder 18 Jahre alt geworden ist.

Ümmühan Karagözlü; Jacques Auvergne

Q u e l l e n

Bundesrat am 12.05.2017

Drucksache 275/17 (Beschluss)

Stellungnahme des Bundesrates

Entwurf eines Gesetzes zur Bekämpfung von Kinderehen

http://www.bundesrat.de/SharedDocs/drucksachen/2017/0201-0300/275-17(B).pdf

hhttp://www.bundesrat.de/SharedDocs/drucksachen/2017/0201-0300/275-17(B).pdf?__blob=publicationFile&v=1

Gesetz zur Bekämpfung von Kinderehen

Regierungsentwurf

RegE: Gesetz zur Bekämpfung von Kinderehen

http://www.bmjv.de/SharedDocs/Gesetzgebungsverfahren/DE/Bekaempfung_Kinderehe.html?nn=6704238

Deutscher Bundestag

Drucksache18/12086

25.04.2017

Gesetzentwurf der Fraktionen der CDU/CSU und SPD

Entwurf eines Gesetzes zur Bekämpfung von Kinderehen (Vorabfassung)

http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/120/1812086.pdf

Die Koalitionsfraktionen haben einen Gesetzentwurf zur Bekämpfung von Kinderehen (18/12086) eingebracht, der am Mittwoch, 17. Mai 2017, im Mittelpunkt einer öffentlichen Anhörung des Ausschusses für Recht und Verbraucherschutz steht. Die Sitzung unter Leitung von Renate Künast (Bündnis 90/Die Grünen) beginnt um 15 Uhr im Sitzungssaal 2.600 des Paul-Löbe-Hauses in Berlin.

http://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2017/kw20-pa-recht-kinderehe/506500

https://www.bundestag.de/ausschuesse18/a06/anhoerungen/bekaempfung-kinderehen/505928

An den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages

20.08.2016

Eherecht Pet 4-18-07-4030-036062

Keine Heirat unter achtzehn – auch nicht auf Kinderwunsch

Text der Petition

Der Deutsche Bundestag möge beschließen:

1 Es sind ausnahmslos keine Ehen mehr anzuerkennen, bei denen ein Partner jünger als 16 Jahre ist, was auch für religiöse Eheschließungen gilt wie die islamische Imam-Nikah.

2 Im Ausland geschlossene Ehen, auch religiöse, können auf Antrag eines Partners oder des Jugendamtes aufgehoben werden.

3 Gesetzliche Absicherung einer Altersgrenze für Ehemündigkeit von 18 Jahren und Abschaffung der bisher gültigen deutschen Ausnahmegenehmigung einer Heirat bereits ab 16 Jahren.

4 Wiedereinführung der standesamtlichen Voraustrauung und Benennung der religiösen Voraustrauung, auch der Imam-Nikah, als Straftatbestand.

5 Verbot der Bewerbung der Imam-Nikah in der universitären Imamausbildung sowie Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer für den bekennenden Islamischen Religionsunterricht (IRU).

6 Verbot der Bewerbung der Imam-Nikah im öffentlichen Schulunterricht, auch im bekennenden Islamischen Religionsunterricht.

7 Resolution des Deutschen Bundestages: Aufforderung an die Hellenische Republik, seit 1981 Mitglied in der Europäischen Union, die seit 1920 (Vertrag von Sèvres) bzw. 1923 (Vertrag von Lausanne) implementierte Scharia aus dem Griechischen Recht zu entfernen, ein Ehe- und Familienrecht ohne religiös oder anderweitig begründete Rechtsspaltung einzuführen und ein Heiratsalter von 18 Jahren durchzusetzen.

Begründung

Islamisches Recht ist Scharia. […]

https://schariagegner.wordpress.com/2016/08/20/petition-gegen-kinderehen/

Das Kriterium des Handelns

März 17, 2010

ميزان العمل

Mīzān al-ʿamal

Wägeskala des Tuns

Criterion of Action

Das Kriterium des Handelns

Einen schriftgewordenen Angriff auf die menschliche Weltwahrnehmung, Vernunft und Würde verfertigte ein gewisser Abū Ḥāmid Muḥammad bin Muḥammad al-Ġazālī († 1111 n. Chr.) als »Mīzān al-ʿAmal«, aus welchem Jacques Auvergne die wichtigsten Teile neu überträgt und mit Blick auf die Gegenwart kommentiert

Das echte seelische Glück bedarf der Reinigung und Vervollkommnung, der Aneignung aller Tugenden.

Der Bewohner kultureller Moderne könnte Selbstverwirklichung oder Selbsterfahrung im Blick haben, wenn er von Glückseligkeit liest. Das meint al-Ġazālī nicht, dem es um Selbstaufgabe und Gehorsamspflicht gegenüber dem absoluten Gesetz der Scharia. Tugend (islamische Tugend) bedeutet, dem Befehl der Gottheit Folge zu leisten, wie er in Koran und Hadith niedergeschrieben ist, weitere Fragen beseitigt dein Familienoberhaupt, Ehemann beziehungsweise Vater oder klärt dein Imam und dessen Scheich oder Ayatollah. Theologe al-Ġazālī islamisiert (missbraucht) die alten griechischen Philosophen, denen an Lebenskunst im Diesseits, charakterlicher Reife und eigensinnigem autonomem Intellekt gelegen war.

Der den antiken, von Göttern belebten oder göttlichen Kosmos in Diesseits und Jenseits zerreißende, „jenseitszentrierte“ Theokrat und Allahkrat fordert, das Verhalten des Kriegsherrn Muhammad zu kopieren und die Sklavenketten der islamischen Pflichtenlehre als schön und human zu preisen. Spätestens damit wird sein oftmals unter Mystik oder Sufismus verbuchtes Buch hoch politisch.

Guter Verstand ermöglicht, den Pfad der Glückseligkeit vom Pfad der Verdammtheit zu unterscheiden.

Nicht um gewinnorientiertes oder gesundheitliches Streben eines Lebenshungrigen oder Weltverliebten geht es. Das Diesseits, ad-dunyā, ist gegenüber dem Jenseits, al-āḫira, relativ bedeutungslos, eine unvermeidbare Wartestation, ein Prüfstand, der den absoluten Gewinner vom absoluten Verlierer (ḥarbī, murtadd) unterscheidet, wer nicht zustimmt, dem ermangele es an Vernunft. Menschlicher Umgang wird zum dramatischen Gewinnspiel, der absolute Verlust ist dein Verbleib in der Hölle – daher die Affinität männlicher Muslime zur Spielsucht. Das Selektieren ist im kulturrassistischen Menschen- und Gesellschaftsbild des Islam eine ebenso kosmische wie alltägliche Wahrheit, eine Begegnung auf Augenhöhe lästert die Gottheit.

Die Verlierer im dramatischen, von Engeln und Geistern bevölkerten islamischen Diesseits sind hier und heute unter uns anwesend und dürfen, ja, sollen sichtbar gemacht werden. Sich islamisch an die Macht hassen: Schariaverweigerer dürfen gemobbt werden, nur durch alltäglich betriebenes Entwürdigen und Entrechten der Frauen, Nichtmuslime und Ungehorsamen hasst sich die zunehmende Reinigung erfahrende Minderheit hinauf ins Paradies. Lieben für Allāh, Hassen für Allāh (al-walāʾ wal-barā&#ä702;a) sei klug und verständig, befindet der Bagdader Supertheologe.

Al-Ghazali, sofern unkritisch gelesen, könnte auch heute die Islamische Revolution befördern, denn Mitgefühl mit Polytheisten, Atheisten oder Kopftuchgegnern zu zeigen sei unintelligent. Wer die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte oder die Gleichberechtigung der Frau fordert, muss nach der antirationalen und geheiligt sadistischen Herangehensweise von Scharia und Fiqh nicht nur ungerecht sein, sondern auch dümmlich.

Die hellenischen Denker eineinhalb Jahrtausende vor dem Schariapolitiker hätten allerdings den sozialen Charakterlumpen als untugendhaft bezeichnet, den innerlich sehr unwahrhaftigen oder den besonders Brutalen, die olympischen Götter wollten sie inzwischen längst nicht mehr beeindrucken und die Angst vor dem Hades saß ihnen nicht im Nacken. Muslim al-Ġazālī hatte die säkulare Reife also zeitlebens nicht erwerben können oder wollen, um Platon beziehungsweise Aristoteles richtig zu lesen. Ganz im Gegenteil war ihm daran gelegen, das griechische Denken islamisch einzuwickeln und islamisch zu versiegeln, um es unschädlich zu machen, um es zu zerstören.

Bis heute, 2010 nach Christus, sind seit al-Ġazālī neun Jahrhunderte vergangen, doch geändert hat sich im Weltverständnis der islamischen Orthodoxie, man vergleiche dazu die politischen „und“ die religiösen Forderungen der Herren al-Maudūdī, Āyatollāh Ḫomeinī, Yūsuf al-Qaraḍāwī oder Necmettin Erbakan, nichts. Entwickler pädagogischer Leitlininen oder juristisch verbindlicher Gesetzgeber kann der Mensch gar nicht sein:

Ethisch gute Gesinnung hat den Zweck, alle schlechten Angewohnheiten zu entfernen, wie das islamische Gesetz der Scharia genau darstellt.

Griechenlands Philosophen können sich nicht wehren, der frauenentrechtende Kulturrassist macht die klassischen hellenischen Denkfiguren für seine Zwecke nutzbar.

Gute Gesinnung motiviert uns, jede schlechte Gewohnheit so zu verabscheuen wie Dreck.

Scharia macht sauber, das könnten 900 Jahre später auch IGMG und ZMD sagen: Der Schariagegner ist dreckig, und droht, uns zu verschmutzen. In islampädagogischer Verschmelzung mit der anthropologisch verankerten Sauberkeitserziehung und dem erwachsenengesellschaftlich erwünschten sexuellen Wohlverhalten soll dem „zu muslimisierenden“ Individuum die Künstlichkeit und Willkür der islamischen Sittlichkeit nicht nachvollziehbar sein.

Der Einzelne schariatisch Gehirngewaschene wird die theokratische Doktrin für hygienisch einwandfrei halten und den Schariaverweigerer mit dem Bereich der Fäkalien und der ungeheuerlichsten Unzucht verschmelzen. Das bereite frommes Glück:

Man sehnt sich nach den guten Angewohnheiten, so sehr, dass man bei ihrer Ausübung Freude spürt.

Scharia macht dich glücklich, falls nicht, zählst du noch oder bereits zu den Ungläubigen, und das dürfte ein sehr böses Ende nehmen.

„Meine Tochter, trage deinen Schleier mit Freude, damit die gottesfürchtigen Nachbarn, deren Sohn du heiraten sollst, sehen, dass du gläubig bist!“ – „Gewiss, Papa, das Kopftuch macht mich glücklich!“

Sobald die Ausübung der islamischen Pflichten mit Kummer oder Widerwillen verbunden ist, zeigt sich ein charakterlicher Mangel und wird der Weg zum Glück blockiert.

Der Satan selbst verfinstert das Gesicht des Ungehorsamen.

Misstraut den Nörglern! Sei es in Istanbul oder Berlin, Tugendhaftigkeit lächelt uns entgegen. Nur ein schariakonform Handelnder, ohne Murren und Knurren versteht sich, mag dereinst in ewiger Nähe zu Allāh weilen – inschallah.

Um das gänzliche Glück zu erlangen, reicht es nicht aus, ein wenig andächtiges Glück zu verspüren und die Sünde von Zeit zu Zeit zu vermeiden. Nur ein beständiges und lebenslanges Wohlverhalten (ein besonders langes Leben allein bringt die sicherste und vollumfängliche Tugend) kann dir den Garten im Jenseits bestellen.

Das scheint auf den ersten Blick gegen Selbstmordattentate zu sprechen, eine gewisse hochnäsige Weltverachtung schimmert gleichwohl hindurch:

Ohne Allahbewusstsein hat ein noch so langes und sogar formal korrekt geführtes Leben keinen Zweck, der Nichtmuslim gar ist und bleibt ein Mensch sittlich geringeren Wertes und hat nach al-Ġazālī das Ziel (griechisch télos) des Menschseins verfehlt.

Aristoteles und Platon hatten ihr Bild eines gelingenden Lebens gerade nicht vom Gehorsam einer Gottheit gegenüber abhängig gemacht, sondern die einstige Naturmagie und den Polytheismus ins diesseitige ethische Handeln (zurück) transzendiert, die Götter sozusagen arbeitslos gemacht und den eventuell gepflegten Gottesdienst als sprachräumlich-nationale Kulturpädagogik und rituelle Gemeinschafts- und Selbsterfahrung begriffen.

Dem am weitesten entwickelten (zivilisierten) Griechentum der Zeit um 500 vor Christus galt ethisches Handeln sowohl als einem transparenten Regelwerk unterworfen und damit als von jedem überprüfbar und jedem zugänglich, Abstriche wird man leider hinsichtlich der meist noch nicht in Frage gestellten Kaste der Sklaven machen müssen und bei der auf der hellenischen Frauenfeindlichkeit. Erste Bereitschaft, den Sklaven und Frauen das ungeschmälerte Bürger-Sein zuzugestehen, finden sich bereits, anders als ein halbes oder ganzes Jahrtausend später bei Muḥammad und al-Ġazālī, die beide die Sklaverei und die Frauenentrechtung legalisierten und, stellvertretend für die anfallsweise sadistische Himmelsgottheit, als zur Heilssicherung erforderlich aufzeigten.

Der echte alte Islam nämlich schreibt auch neunhundert Jahre nach dem persischen Imam den Glauben an die Engel und Dschinnen sowie an die sekündlich anwesenden Teufel vor. Wer die Engel und Teufel nicht bekennt, ist ein Apostat, hat sein Recht auf Leben verwirkt, wird vermutlich in Somalia oder Pakistan rasch von irgendeinem Gottesfreund ermordet und ist auch in Kairo oder Köln sehr ernsthaft bedroht. Irdische Korantreue (Koranpolitik) ohne Einschüchterei, Bedrohung und Erpressung ist praktisch wie theoretisch nicht machbar.

Der Koran nennt Sure 72 nach den Geistern (Dschinnen), Allahgott sagt selbst, weiß Mohammed, dass die Propheten den Menschen und den Dschinnen offenbaren.

Wolfgang Schäuble hat drei Jahre lang nicht den Mut gefunden, seine islamisch-revolutionären Gesprächspartner zu fragen, ob sie wirklich an die Gegenwart der Engel und Teufel glauben und ob sie im geplanten Islamischen Religionsunterricht (IRU) die ungeschmälerte historisch-kritische Methode zuzulassen bereit sind. Der schlicht nicht schulfähige IRU wird sich noch auf Generationen nicht gegen die kulturrassistische und Frauen entrechtende Scharia aussprechen können, ein potentiell demokratiegefährdendes, gegenmodernes Tun, das Jurist Schäuble ganz offensichtlich unter Religionsfreiheit fassen möchte.

Allahkrat al-Ġazālī wirbt für den dies- und jenseitigen Apartheidsstaat, auf Geheiß der Gottheit und auf Befehl seines Botschafters Mohammed sind die Kollektive der Juden, Frauen und Atheisten emotional und juristisch schmerzhaft herabzusetzen, zu quälen. Deshalb hebt der gegen den säkularen Machthaber protestierende Scharialobbyist das „heilige“ Buch in die Höhe, eigener Koran ist eigene Gewaltlizenz.

Die Summe der korrekt absolvierten religiösen Handlungen zeitigt jenseitigen Lohn und läutert bereits im Diesseits die Seele, deren weltüberwindende Schönheit den Menschen zunehmend erfreut.

Augenblicke der Selbsterkenntnis treten durch erfreuliche Schönheit ebenso ein wie durch beschämenswerte Bloßstellung oder Desorientierung. Es ist gleichsam ein Erwachen, das durch das Ablegen aller diesseitig ausgerichteten Handlungen erreicht wird.

Gezierter Weltekel. Der Jude oder Christ kann an derlei Glück nicht teilhaben und bleibt eine spirituelle Schlafmütze.

Absolute Tugend kann auf zweierlei Weise erlangt werden, durch mühselige Anstrengung oder göttliche Gnade, der zweite Fall gilt für die Propheten und wohl auch die so genannten Gottesfreunde oder Gottvertrauten. Wer kein derart Erwählter ist, sollte versuchen, zu den Erstgenannten zu gehören, doch wissen, dass er im Rang niedriger steht als das zweitgenannte Kollektiv.

Abū Ḥāmid Muḥammad bin Muḥammad al-Ġazālī legt den Folgsamen nahe, an die Existenz sehr stark rechtgeleiteter Zeitgenossen zu glauben und sich ihnen demütig unterzuordnen, ein uns aus dem hinduistischen Guru-Prinzip sowie aus dem etwas leidigen Prophetenkult der Lehre der Bahá’í geläufige Sicht auf eine theokratisch hierarchisierte Menschheit.

Es gibt also eine elitäre, zur Führung berechtigte Kaste, zu denen fraglos die Propheten zu rechnen sind, deren letzter Allahs Liebling Muhammad war. Deutschlands Islambürger sind auf die ewigen Ulama zu verpflichten; wir werden beobachten müssen, ob jemand, der für al-Ghazali wirbt, zu den Scheichen von ECFR (etwa am IESH bei Château-Chinon, Burgund) oder RIGD (Eichenstraße 41, Frankfurt) auf Distanz geht.

Alle Menschen schlafen, erst wenn sie sterben, werden sie wach.

Traum besudelt nach Islamischem Gesetz, Schlaf, das archetypisch Feminine Jungscher Anima, macht unrein. Das Diesseits ist überhaupt durch und durch „verschlafen“, sprich verunreinigt, das Zwielicht des Zweifels an Allahs absoluter (politischer) Erhabenheit hat hienieden noch Raum der Geltung, eine Dimension der Dämmerung und des falschen Glanzes, in dem die auch im Islam bemerkenswert weiblichen Teufel brüten und lauern. Nur mit äußerster Anstrengung (ǧihād, ersatzweise iǧtihād) nach Maßgabe der ḥisba lässt sich aus orthodox islamischer Sicht zivilisiert leben sprich dem eigenen Menschsein gerecht werden. Gelingendes Leben ohne kraftvolle Schariadurchsetzung gibt es nicht.

Mit Sigmund Freud und C. G. Jung weiter denkend, erkennen wir jenes geheiligte und heilssichernde Misogyne, mit dem der Verstand im Patriarchat mit dem Himmlisch-Männlichen, das Träumerische jedoch mit dem Irdisch-Unterirdischen, dem Weiblichen verschmolzen wird. Tempel, Altar, Heilige Schrift und Totenbahre sind von männlichen Menschen umringt, ob zoroastrisch, jüdisch, brahmanisch, katholisch-vatikanisch oder islamisch. Die Verwaltung des Weiblichen, die Beherrschung (Verheiratung, vgl. Wali Mudschbir) der Frauen ergibt sich so als Wille der bärtigen jedenfalls ziemlich maskulinen bronze- und eisenzeitlichen Himmelsgottheit, die wir nicht im Stile der »Bibel in gerechter Sprache« (BigS) postmodern (geschichtsvergessen) androgynisieren sollten, um den geheiligten Machismo eben sichtbar zu lassen und, heute, AEMR-orientiert gesellschaftlich abzubauen, statt die Geschichte „passend“ zu lügen, den Islam friedlich zu nennen und mehr diskriminierendes Islamisches Recht zu „integrieren“.

Wenig zufällig wird die BigS in ausgerechnet den evangelischen und katholischen Kreisen beworben, welche die Scharia am lautesten faktenwidrig verharmlosen und eigene Islamkritiker, noch verbal aber bereits erstaunlich gewalttätig, lächerlich machen und ausgrenzen.

Das Patriarchat ist ebenso künstlich wie seelisch erkrankt, Sozialpädagogik muss Unterwerfungskulte erkennbar halten, um sie zu überwinden. Hier liegt die Gefahr der BigS und natürlich auch einer jeden verkitschten, „kindgerechten“ Übersetzung des Koran und der Hadithe.

Vollkommene Tugendhaftigkeit ergibt sich dem Gottesfürchtigen wie von selbst, in jedem Augenblick ist ihm die Wahrheit mühelos ersichtlich.

Der Zweifler oder bekennend Mühselige ist Allahgott noch nicht ausreichend ergeben, sein Risiko, sehr lange in der Hölle zu brennen, ist ganz erheblich. Das jedoch hatten die alten Griechen mit dem „Erkenne dich selbst!“, „Werde, der du bist!“ und „Sei!“ gar nicht gemeint.

Es geht um die Wohlausgewogenheit, das mittlere Maß, Übermaß wie Mangel sind zu vermeiden. Wir wünschen wohltemperiertes Wasser, nicht zu heiß, nicht zu kalt.

Islam sei wasaṭīya (Islam as the „middle way“), Mittigkeit, absolute Schuldlosigkeit. Der Islamkritiker wird in dieser „ausgewogenen“ Sichtweise zum Exzentriker, der Schariagegner zum Extremisten und Terroristen.

Für Menschen, zumal Männer, die sich gerne völlig unschuldig fühlen möchten, ist der orthodox verstandene Islam die seelisch passende Weltanschauung, denn praktischerweise wird der Schuldige vom Koran gleich mitgeliefert, der weibliche Mensch und sicherlich auch der Atheist, Polytheist, Ex-Muslim oder Jude.

Das ist der Grad der seelischen Reife eines Sandkastenbengels, von denen stehen ja auch zwei mit hochrotem Kopf einander gegenüber, zeigen völlig überzeugt aufeinander und plärren: „Der da hat angefangen!“ Für unsere Dreijährigen ist das auch altersgemäß und damit völlig in Ordnung.

Sandkastenbengel gewinnen keine Nobelpreise für Physik oder Chemie und bestehen nicht auf Pressefreiheit und der Gleichberechtigung der Frau.

Was Norm, was normal ist, bestimmen auch neun Jahrhunderte nach al-Ġazālī die ranghöchsten Koranpolitiker um Kairoer Azhar und pakistanische Jamaat-e-Islami, globale Muslimbruderschaft und Darul Uloom Deoband, der sittenlose Rest der Menschheit (freiheitliche Demokraten, Forscher, Journalisten) ist im stellvertretend übernommenen Auftrag der Gottheit machtgeometrisch korrekt anzuordnen sprich zum „konstruktiven“ Applaudieren zu bewegen oder ins soziale Abseits zu drängen.

Das Islamische Gesetz hat alle guten und bösen Charaktereigenschaften genau beschrieben, die prophetischen Verhaltensweisen liegen uns versammelt vor, jeder kennt sie. Wir können uns kurz fassen.

Du kennst die Spielregeln, um deine Seele dort und deinen Leib hier auf Erden zu retten. Alle grundsätzlichen Fragen sollten für dich damit beseitigt sein.

Zur Motivation diene dir der Krummsäbel in der saudischen Staatsflagge. Da wird die islamische Frage konkret, ob deine Hand den Griff führt oder von der Klinge getroffen wird.

Charakterliche Talente sind verschiedenartig verteilt. Der mit einem scharfen Verstand Beschenkte beispielsweise sollte besonders gründlich nachdenken; die Mehrheit der Menschen ist dazu unfähig. Das Islamische Gesetz gibt die grundlegenden Hinweise, damit die Vorschriften ausgeübt und die Sünden vermieden werden können.

Der Simpel darf sich ein wenig gehen lassen? Man könnte al-Ġazālī für einen Befürworter des Individualismus halten, doch darf niemand die Scharia in Frage stellen, weder der Minderbegabte noch der Intelligente. Details beantwortet einer jeden Frau der Besitzer (Vater; Ehemann), einem jeden Mann der Großmufti.

Oder die Frage wird durch innerfamiliäre Außensteuerung beantwortet sprich durch einen Schlag auf den Hinterkopf, in deutschen Koranschulen ganz erlebnispädagogisch mit einem Holzlineal auf die Fingernägel, das Archaisch-Ursprüngliche hat schließlich wieder Konjunktur und die berühmte muslimische Andersartigkeit (Simonetta Tabboni: „Verkörperte Alterität im öffentlichen Raum“) ist in jedem Fall von Lehrerzimmer und Jugendamt zu würdigen.

Deine Seele erlangt Heilung durch Exklusion der Laster und Integration der Tugenden, so, wie der Leib Heilwerdung durch das Vertreiben der Krankheit und das Heranziehen der Gesundheit verlangt.

Die Scharia macht oder erhält dich gesund. Erfolgreiche Medizin ohne Islam ist Ding der Unmöglichkeit oder Teufelsspuk.

Harmonie und mittleres [islamisches] Maß sind daher als Naturzustand zu verstehen, ein Kind wird gesund sprich auf Allāh hin ausgerichtet geboren [fiṭra-Konzeption], erst seine Eltern machen es zum Juden, Christen oder Zoroastrier.

Der Kulturrassismus der Lebensweise nach der Scharia ist menschliche Naturreligion, jeder Mensch von Natur aus zum Muslim-Sein berufen.

Jüdische, christliche oder zoroastrische Eltern sind fehlgeleitet (denaturiert) und bedrohen das Kind mit der ewigen Verdammnis, so sie es nicht raschestmöglich remuslimisieren.

Jede Konversion zum Islam ist Rückkehr zum Eigentlichen, Rekonversion.

Das Böse greift das Harmonische an, was Krankheit erzeugt. Unwissenheit wird durch [islamische] Unterweisung geheilt.

Devote persönlich-innerliche Allahzentrik und selbstbewusste politische Islamzentrik sind in Straßenzug, Lehrerzimmer und Bundestag in Konzentrik zu bringen, der Staat ist gleichsam um die Kristallmitte von Koran und Kaaba anzuordnen.

Das gesellschaftlich Absolute darf aus islamischer Sicht als Mittelpunkt niemals die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (AEMR) oder ihre die Forderung nach Gleichberechtigung von Mann und Frau beinhalten, diese sind vielmehr von jedem schariatreuen Muslim nach Kräften, erfolgreich und „von Natur aus“ zur Seite zu drängen.

Auch hierbei konnte der intelligente indisch-pakistanische Islamrevolutionär Sayyid Abu l-Aʿlā al-Maudūdī bestens an den genialen Machtstrategen al-Ġazālī anknüpfen, beide haben den Islam keineswegs falsch verstanden und erfuhren später von Schariabegünstigern wie Ban Ki-Moon, Barack Obama, Mathias Rohe oder Armin Laschet Unterstützung.

Islamisierung eines Territoriums bedeutet dem orthodoxen (politischen) Islam soziale Gesundung (Resozialisierung), (Re-)Zivilisierung und Wiederherstellen der Gerechtigkeit, ihm geht es um die Abwehr des Teufels, die islamisch verstandene Rehumanisierung, sprich Seelenrettung. Freiheitliche Demokratie bewegt sich in dieser Sichtweise zwischen verspieltem Luxus und lästerlichem Götzendienst.

Die Seele empfängt das absolut Wahre und die unverzichtbare, ewige Wissenschaftlichkeit von den hochrangigen Engeln. Das ist die sichere Erkenntnis, die weder durch die Zeitalter noch durch die Völker angetastet werden kann.

„Wissenschaft“ oder „Wissen“ ist für al-Ġazālī eben Islamische Wissenschaft, alles Gegenläufige ist „falsches Wissen“ und geht vom Satan aus. Die Politreligion Islam benötigt keinen Wissenschaftsvorbehalt, das Denkvermögen jedoch einen Schariavorbehalt. Erkenntniszuwachs innerhalb der Banden des Islamischen Rechts ist gestattet – so eine Religion wird AEMR und Grundgesetz auf Dauer überflüssig machen.

Offenbarung und Vernunft werden miteinander verschmolzen, jeden Gegner des islamischen „Systems“ (niẓām) darf der Muslim erst ermahnen oder einschüchtern und dann bald ökonomisch drangsalieren, physisch angreifen oder töten, je nach persönlichem Stil, „seinen“ Islam zu leben. Das ist es, was der aktuelle organisierte Islam unter Frieden beziehungsweise Pressefreiheit versteht.

Gute Charaktereigenschaften sind die Harmonie zwischen den Extremen. Es ist stets schwierig, das mittlere Maß zu treffen, und so offenbart uns der Koran: „Es gibt keinen von euch, der nicht in die Hölle hinunter kommt!“. Vollkommene Tugend liegt im mittleren Maß.

Wir sollen beispielsweise beim Essen weder der Völlerei frönen, noch bewusst so sehr hungern, dass unser Körper Schaden nimmt. Denn die Nahrungsaufnahme dient dem gestärkten Ausführen der gottesdienstlichen Handlungen, und Genuss darf kein Selbstzweck sein. Sexualität etwa dient dem Herstellen von Nachkommenschaft und Keuschheit, Sex darf kein reines Spiel, kein sinnloser Genuss sein.

Und deine Nachbarn kontrollieren dich, was und wann du isst sowie mit wem und warum du deine Sexualität kultivierst. Aufmerksam wirst du arrangiert verheiratet, auch als Lesbe oder Schwuler, damit du das „moderate“ Maß der wasaṭīya (harmonierhetorisch: Islam as the justly balanced way of life, avoiding extremes, experiencing things in moderation) nicht verfehlst und deine Seele, vielleicht, gerettet werden kann.

Beiderlei Begier, die des Geschlechtsorgans und des Magens, zeigen die Weisheit der Schöpfung, denn Sexualität und Verdauung sind nach dem Willen Allahs im Diesseits unverzichtbar zu Arterhalt und persönlichem Überleben. Ihr zweiter Sinn ist es, in uns das Verlangen nach dem Paradies zu wecken, denn nur durch irdische Sinnesfreuden und Schmerzen sehnen wir uns nach dem Paradies und vermeiden die Hölle.

Lernen durch Schmerz. Und so wird in den Koranschulen aller Welt immer wieder gerne geprügelt, um dem Heranwachsenden die sittlich angemessene Furcht (taqwā, türk. takva), beziehungsweise furchtbesetzte Scham, der Geschöpflichkeit seinem Schöpfer gegenüber, anzutrainieren. Der Muslim soll gottesfürchtig (taqwīy) sein, wie Sure 3:102: „ittaqū Allah, fürchtet Allah“ auffordert, in Sure 2:2 erklärt sich der Koran als Richtschnur für die „Furchtvollen“ [nur der Gottheit gegenüber], die Gottesfürchtigen sind die „muttaqīn, die sich Fürchtenden“. Die muttaqīn sind die Einzigen, die am Tag der Auferstehung keine Angst haben müssen. Das macht den Himmel islampädagogisch attraktiv, stählt den Kampfgeist allem Unislamischen gegenüber und hilft dem Schüler, der ewigen Verdammnis, vielleicht, zu entrinnen.

Gerechtigkeit ist gelebte Harmonie, im ethischen wie im juristischen Bereich. Die Teilgruppen des [gerechten, islamischen] Staates sollen wie die Teile der Seele beziehungsweise des menschlichen Körpers angeordnet sein. Es gibt die Gruppe der Herren, die nicht dienen, die Gruppe der Mittelrangigen, die ebenso dienen wie Dienste empfangen sowie das Kollektiv der Diener, denen niemand dient. Wie die Körperteile eines einzigen Menschen arbeiten die Gruppen zusammen, das ist gerechte Ordnung.

Jedes totalitäre System verwendet diese Rhetorik des Körperlichen, den Organizismus, ob unter Hitler, Mao oder Chomeini. Das jeweilige repressive Feudalsystem repräsentiere die höchste Harmonie, sei realisierte „Politikwissenschaft“, ob rassistisch, sozialistisch oder islamisch begründet.

Dass al-Ġazālī lebenslang die koranisch vorgegebene Erniedrigung der Frauen und Nichtmuslime gefordert hat, ist ihm auch im »Mīzān al-ʿAmal« keine Silbe wert. Schließlich geht es nicht um Nebensächlichkeiten, sondern um von Andächtigkeit versüßte Tugenderziehung. Der eigentliche Mensch ist Mann und Muslim.

Die Liebe zum Diesseits ist die Ursache aller Sünden und das Diesseits ein Ackerfeld für das Leben danach.

Oder, mit al-Qaida gesprochen: „Wir lieben den Tod mehr als ihr das Leben. We love death more than you love life!“

Das Diesseits gleicht der Schlange, welcher der Kundige das Gegengift entnehmen kann und die den Sorglosen mit ihrem Gift tötet.

Gnosis oder Manichäismus pur: Licht und Finsternis mische sich trügerisch, ohne einen Führer wirst du am weltlich-teuflischen Gift zeitlich wie in Ewigkeit verderben. Im nichtislamischen Staat, so wird al-Ghazali heute verwendet, sind Muslime unmündig und benötigen eine Führung, um ihre Interessen artikulieren zu können.

Um das ewige Glück zu erwerben, spielt Geld auf Erden eine Rolle.

Etwa al-ǧizya, das den minderwertigen Monotheisten (Juden, Christen, Zoroastrier) im Auftrag Allahs abgepresste Schutzgeld, oder die „herrenlose Fundsache“ des finanziellen Vermögens des klassisch-islamischen ḥarbī (ḥ-r-b) oder heutigen iranischen moḥāreb (Feind Gottes, ḥ-r-b), das man sich als Muslim einfach so nehmen darf. Oder die „rechtmäßig erworbene“ Kriegsbeute (al-anfāl) der Frauen, Sklaven, Kinder, Felder, Häuser, Gärten und Gelder.

Die islamrechtlich gebilligten beziehungsweise islamkonform umgeleiteten Geldströme pflastern einem Teil der Gottesdiener den Weg ins Paradies. Insofern spielt Geld tatsächlich „eine Rolle“, wie al-Ġazālī frohlockt, ohne schariakonformes Banking dürfte die Herrschaft Allahs nicht finanzierbar sein.

Die Frauen der männlichen Muslime erben die Hälfte, das ist „gerechte“ Geldverwaltung, denn Geld ist maskulin und öffentlicher Raum männlicher Raum. Was soll die Frau in Küche und Kinderzimmer auch mit Silber (dirham) und Gold (dīnār)?

Im Jahre 2010 mag der achtjährige Sohn türkeistämmiger Einwanderer seiner zehnjährigen Schwester einige wenige für sie zugeteilte Münzen verwalten, er bezahlt an der Supermarktkasse für sie, die im Folgejahr mit ihrem Cousin verheiratet wird, da sie geschlechtsreif sprich erwachsen ist. Als Zwölfjährige mag sie von uns in Istanbul, Athen oder Düsseldorf als Schwangere erblickt werden, auch das gehört zum Prinzip der imam-nikāḥ und zum Handlungsbereich des muslimischen Vaters als eines walī muǧbir, eines Heiratsvormundes mit der Berechtigung zum Zwang.

Geld ist Werkzeug der Seelenrettung:

Geld ist ein Mittel für das Jenseits.

Dem ḥarbī oder Islamapostaten darf man das Geld nehmen, er mag ja auf den Pfad der Tugend zurückfinden und bald als Muslim an der schicksalshaft prekären Ausschüttung der Pfründe durch die Emire und Kalifen teilhaben. Schariakonforme Geldanlagen reinigen die Welt wie Waschmittel, insofern ist auch das unerwünschte Geld, das hassenswerte Geld, als (antisemitisches) Feindbild unverzichtbar.

Die Törichten lassen sich durch den trügerischen diesseitigen Glanz blenden, sie gleichen einer Bootsbesatzung auf dem Meer, die auf einer Insel kurze Rast einlegt, obwohl das Ziel doch in weiter Ferne liegt. Ihnen wird aufgetragen, das Schiff zu verlassen, um sich zu reinigen, doch sollen sie sich vor den wilden Tieren der Insel hüten. Sie sehen kostbare Steine, schöne Blumen und prachtvolles Licht und vergessen, an Bord zurückzukehren. Das Schiff läuft ohne sie aus und die wilden Tiere zerreißen sie. Die Edelsteine und seltenen Blumen sind ohne Nutzen.

Sie wehklagen: „Dass ich doch Staub wäre!“, „Mein Besitz rettet mich nicht!“ und „Wie leid es mir doch tut, Gottes Hinweis missachtet zu haben!“

Nichts als Jammer und Erniedrigung bleibt ihnen, eine mahnende Bestrafung für uns alle.

So gefährlich ist es, den diesseitigen Genüssen zu vertrauen und seine Zuflucht nicht bei Allâh zu nehmen.

Kinderschreck al-Ġazālī.

Keine Glückseligkeit erwartet den Sklaven der Dirham und Dinare.

Wir Gottesfürchtigen wissen den rechten Umgang mit Gold (dīnār) und Silber (dirham), die Gottlosen erweisen sich auch im finanziellen Bereich als unmoralisch.

Man mag sich an den Antisemitismus der Nationalsozialisten erinnert fühlen, in dem das Herrenvolk den angeblich rassisch und moralisch minderwertigen Juden einen perversen, geradezu teuflischen Umgang mit dem Geld unterstellte.

Kulturrassisten (Mani, Mohammed, Stalin, Hitler, Mao) differenzieren, religiös oder quasireligiös argumentierend, zwischen sauberem und schmutzigem Geld, guter und böser politischer Gesinnung. Wobei es nicht um das Aufdecken beziehungsweise Verhindern von Straftaten geht, sondern weit eher um die Vernichtung einer als heilsverhindernd konstruierten menschlichen Schicht namens „Heiden“, „diebische Großbauern, Kulaken“ (10 – 15 Millionen Tote oder Deportierte), „Nichtarier“ (Hitler) oder „Konterrevolutionäre“ (Mao) und um die Durchsetzung einer Wohlverhaltensdoktrin mit staatsterroristischen Mitteln, in jedem Fall mit Gewalt.

Man darf als Muslim nur aus ganz bestimmten Quellen Geld entnehmen.

Dem ḥarbī oder Ex-Muslim abnehmen etwa, oder dem Christen als ǧizya abpressen. Oder seiner Schwester als Erbschaft hälftig vorenthalten.

Im Diesseits wird der Mensch lebenslang von der Leidenschaft in Versuchung geführt. Doch in Wahrheit gibt es keinen Anlass, gegen die offenbarte Scharia zu verstoßen, es sei denn Luxus, Verantwortungslosigkeit, Gier oder Faulheit. Diesen liegt die Verschmutzung durch Untugend zugrunde, gegen die rituelle Reinigung, islamische Unterweisung und stets erneuerte gottesdienstliche Handlungen schützen.

Der Tod beendet schließlich diesen Pfad.

Wieviele Stunden pro Woche soll der heutige Muslim rituell praktizieren, um der Hölle mit deutlicher Gewissheit zu entgehen? Wie sehr oder wie wenig darf er leben wie ein Nichtmuslim? Hat ein in Europa lebender Muslim aus seiner eigenen Sicht oder nach den Bekundungen seines Imams die Chance, ins Paradies zu gelangen und zugleich gegen die seiner Rechtsschule auferlegten Befehle zu verstoßen, wie sie etwa Ahmad Abdurrahman (Michael) Reidegeld in seinem »Handbuch Islam: Die Glaubens- und Rechtslehre der Muslime« (2005) versammelt?

Noch zu Reidegeld.

Kriens ist eine schweizerische Gemeinde bei Luzern, in welcher der Verein Islamischer Organisationen des Kantons Luzern (VIOKL) vertreten ist. Der VIOKL versammelt arabische, bosnische und albanische orthodox-islamische Gemeinschaften, gründete sich 2002, sein Präsident war ab 2006 der Kosovo-Albaner Naser Callaku, der zeitweise auch Präsident der Islamischen Gemeinde Luzerns (IGL) war. Präsidentin des Islamischen Frauenvereins Luzern (VIOKL) war Mirzeta Ahmetovic. Der VIOKL verwendete 2004 „Michael Reidegeld, Islamwissenschaftler, M.A., Universität Köln“, um segregierte islamische Gräberfelder durchzusetzen, die von der durch Nichtmuslime besudelten Erde zu reinigen sind. Spätere Nachfragen ergaben, dass Reidegeld an der Kölner Uni nicht bekannt ist, schon gar nicht unter dortigen Islamwissenschaftlern. Am 06.12.2009 trat, wie der Schweizer Gemeinderat Cyrill Wiget erklärt, Pierre Vogel in der Turnhalle des Amlehn-Schulhauses auf. Vogel wurde am 11.12.2009 in Basel an einer weiteren Einreise in die Alpenrepublik gehindert, der Abu Hamza Genannte kämpfte im Januar 2010 dafür, dass die schweizerische Basketballspielerin Sura al-Shawk ihren Sport mit Kopftuch betreiben darf. Das Amtsgericht Luzern-Land verbot der Sportlerin, während des Spielens den ḥiǧāb zu tragen, die Sportlerin distanzierte sich ein wenig vom Kölner Hassprediger und kämpft weiterhin für ihr „Recht“ auf textile Differenz. Vogels Predigtstätte, die Amlehnschule, befindet sich übrigens in der Umgebung von Luzern. In Kriens.

Kein DİTİB-Imam kann dem für das Kalifat werbenden deutschen Ex-Botschafter Murad Wilfried Hofmann oder dem Freund des Gesichtsschleiers und wahhabitischen Missionar Pierre Vogel theologisch begründet widersprechen und beispielsweise sagen, der Hidschab sei zur Rettung der Seele verzichtbar.

Ohne jeglichen Zwang soll der Mensch jederzeit mit seinem Herzen bei Gott sein. Niemals, in keinem Augenblick und noch bei den profansten Handlungen wie Nahrungsaufnahme, Notdurft oder Kleidungspflege darf er diese innige und herzliche Gottesknechtschaft vergessen.

Das zeitigt im Straßenzug der Rechtgläubigen Gerangel um das knappe Gut der Tugendhaftigkeit. Stellvertretend für die Gottheit hat der Mann das weltliche Züchtigungsrecht seinem Eigentum, sprich Frau und Kind gegenüber, aus Liebe zu Allāh.

Schließlich wird nur ein Teil der Muslime die ausreichende Menge an iḥsanan bzw. ḥasanāt (Wohlgefallendes bzw. Wohlgefälligkeiten; auch: ṣaliḥāt, gute Taten), an heilssichernden Pluspunkten erworben haben, um sehr gewisslich in den Himmel kommen. Und der mehr oder weniger verunreinigte Rest fällt hienieden ja bereits hochwahrscheinlich durch untugendhaftes Verhalten auf wie vergessene Pflichtgebete, fehlende oder verrutschte Kopftücher, ein getrunkenes Glas Wein oder, falls Mann, durch Abwesenheit beim Freitagsgebet, fehlenden Bart oder das Eintreten für die Universalität der Menschenrechte.

Aus sündhaftem Tun erwachsene negative spirituelle Punkte, die deinen Weg in die Hölle pflastern, dort erfolgt für jede Sünde, ḏanb (pl. ḏunūb) bzw. iṯm (pl. aṯam), grausame Bestrafung. Den Rechtschaffenen, ṣāliḥūn, gewährt die Gottheit Belohnung (aǧr, pl. uǧūr), deutlicher: sie spendet ṯauwāb, „Belohnungen für religiös gute Werke“. Am yaumu l-qiyāma, am Tag der Auferstehung, teilt dir ein summa summarum nicht zufrieden gestellter Allahgott ewiges Entsetzen und Leiden zu.

Das darf die Muslime eigentlich zum Erschrecken und frommen Weinen bringen, jedenfalls knistern die Höllenflammen bereits im Hier und jetzt nahezu hörbar und wird die permanente und rigide soziale Kontrolle (ḥisba) zur täglichen guten Tat. Die Pflichtvergessenen sind erst zu ermahnen, dann zu blamieren und alsbald in einem Mindestmaß zu quälen.

Der Religiöse sucht die Nähe zu Allah, wie der Verliebte die Nähe zu seiner Geliebten sucht oder, treffender gesagt, wie der eifrige Schüler versucht, sich lernend der Vollkommenheit seines Lehrers anzunähern.

Nach Maßgabe der Ichabstreifung (at-taǧarrud, sprachlich zum rituellen „Gewandabstreifen“ während der Pilgerfahrt gehörend), verehrt etwa der taṣauwuf, der Sufismus, die höchste menschliche Seinsstufe als an-nafs-i ṣafiyya, als „[völlig ego-freie] reine Seele“ und soll sich das zunehmend selbstauslöschende Individuum seiner schariatisch vorgeschriebenen Rolle annähern. Einstweilen frommt den prekär Makelhaften die melancholische Seelenlage des ḥuzn (publikumswirksam) zu bekennen, jene Rolle schmerzlicher Trauer einzunehmen, die in der von Orhan Pamuk als „das Istanbul-Gefühl“ beschriebenen Lebensgestimmtheit namens hüzün aufgehen mag, jener unfasslichen türkischen Melancholie, die das von umma und Stamm nie gänzlich emanzipierte Individuum an irdischen Verlusten und Widrigkeiten ebenso fein gesponnen leiden lässt wie an seiner nahezu entmutigenden Ferne zu Allāh, dem nahe, qarīb (q-r-b), zu sein das letztlich einzig lohnende Ziel ist.

Dein irdisches Leben sei taqarrub (q-r-b), Näherkommen, Herangelangen an die Gottheit.

Nicht anders als die den praktisch-technischen Kriegspfad beschreitenden Dschihadisten treibt eben auch al-Ġazālī den jungen Menschen in die Abhängigkeit einer totalitären Weltanschauung, die seinen Schüler ebenso zum Opfer wie bald zum Täter machen muss. Jeder heutige al-Ġazālī-Schüler, pakistanische al-Maudūdī-Schüler oder bosnische Mustafa-Cerić-Schüler gleicht einer nächtlichen Motte, die das Kerzenlicht in immer engeren Bahnen umkreist, oder einer Fliege, die dem süßen Glitzern des Fliegenfängers namens Scharia auf den Leim geht.

Nicht weniger als die Schriften eines Sayyid Quṭb († 1966) oder Sayyid Abū l-Aʿlā al-Maudūdī († 1979) sind eben auch die zum Kernbestand der islamischen Orthodoxie gehörenden Texte des Abū Ḥāmid Muḥammad bin Muḥammad al-Ġazālī († 1111), sofern sie denn im staatspolitischen Sinne ernst genommen werden, wozu der Islam den Gläubigen eigentlich absolut verpflichtet, eine Bedrohung für die kulturelle Moderne, die freiheitliche Demokratie, die Gleichberechtigung von Mann und Frau.

Der simple Muslim soll die Gelehrten getreulich und eifrig nachahmen, die Erben der Propheten, die Gelehrten sollen die Gottesfreunde, Propheten und Engel bis zur Auslöschung aller menschlichen Eigenschaften nachahmen, auf dass sie im Paradies in Engel in Menschengestalt verwandelt werden.

Die Engel ihrerseits haben Rangstufen.

Derlei sollte der deutsche Souverän, das Volk, nicht per Staatsauftrag im Religionsunterricht lehren lassen.

Zwischen den ranghöchsten Engeln und dem Ersten und Wahren, Allah, gibt es keinen Unterschied mehr.

Allahgott im Plural, die Gottheit in bester Gesellschaft?

Islam vibriert verlässlich unzuverlässig, ein Hauch von Polytheismus umflattert den Thron …

Nachbetrachtung

Abū Ḥāmid Muḥammad bin Muḥammad al-Ġazālī hält den Nichtmuslim für untugendhaft, unreif, unnatürlich und dumm, erwartet vielmehr vom erstklassigen Staatsangehörigen bzw. Stadtbewohner das Streben nach (islamischer) Tugend. Völlig im Sinne des klassischen Medina-Modells nimmt al-Ġazālī dabei in Kauf, dass die Nichtmuslime allenfalls Bürger zweiter Klasse bleiben. Bis auf ihr Recht, zum Islam zu konvertieren, sind Harbis und Islamapostaten nahezu rechtlos.

Die Frauen gilt es, völlig korantreu, rechtlich herabzustufen. Weiblicher Ungehorsam ist als Feindbild zu predigen.

Mit dem Ziel, die vor neunhundert Jahren erheblich starken Spannungen zwischen den Rechtsschulen (Hanafiten, Hanbaliten, Schafiiten), den Sprachen (arabisch, persisch, türkisch) und den islamischen philosophischen Schulen (Aschariten, Mutaziliten, Sufis) zu versöhnen oder vielmehr im Sinne einer kulturrassistischen (politreligiösen) Nachhaltigkeit äußerst herrschaftsbewusst auszugleichen, erneuerte der Bagdader Theokrat den medinensischen Apartheidsstaat.

Das griechische Denken galt es zu bändigen, um künftig jede nachvollziehbare Kritik am Kalifat zu verhindern. Der Koranpolitiker studierte das geistige Griechentum, um es „muslimintern“ für immer unzugänglich zu halten, sein Sufismus dient dazu, den anthropologisch verankerten Anspruch nach Plausibilität ins Rutschen zu bringen.

Dem Propheten Muḥammad und nicht zuletzt dem dreieinhalb Jahrhunderte später lehrenden al-Ġazālī ist es zu verdanken, dass der heutige, um Wahhabiten, Jamaat-e-Islami, Muslimbruderschaft und Millî-Görüş-Bewegung organisierte Islam zum Eintritt in die kulturelle Moderne der allgemeinen Menschenrechte und der universellen wissenschaftlichen Gelehrsamkeit unfähig geblieben ist und weltweit die Rechtseinheitlichkeit angreift. Mit al-Ghazali werden die Muslime zu Geiseln ihrer islamischen Religionsführer.

Ghazalis betrachtetes Werk Mīzān al-ʿAmal wird im Englischen passend als Criterion of Action oder, wohl eher in der schönfärberischen Manier der taqīya, der sakralen Flunkerei mit dem Ziel islamischen Machtausbaus, Balance of Action genannt. Mīzān bedeutet Skala (scale), und ausbalanciert wird in der Tat – die Seele, am Tag der absoluten Abrechnung parallel zum Verlesen der deine guten und bösen Taten verzeichnenden Bücher. Die der zoroastrischen Chinvat-Seelenbrücke (avestisch: Cinvatô Peretûm) entlehnte jedenfalls verwandte, den Höllenschlund überspannende, rutschige und sehr schmale Brücke, kurz genannt ṣirāṭ (aṣ-ṣirāṭ al-ǧaḥīm, anglisiert zu sirat al-jahim, Bridge of Hell) tritt am yaumu l-qiyāma seelenprüferisch neben die Himmelswaage Mizan und schafft das prägende Lebensgefühl der Scharia.

Um hedonistische Wellness oder urbane Sinnfindung geht es bei dieser „balance“ nicht. Ein schriftgewordenes seelenrettendes „Kriterium“, einen Mizan verfasste beispielsweise der zeitgenössische pakistanische Islamgelehrte Javed Ahmad Ghamidi (Ǧāwīd Aḥmad Ġāmidī, * 1951). Ghamidi, anerkannter Fachmann für šarīʿa und tafsīr (Koranexegese) betont den angeblich großen und bedeutsamen Abstand zwischen Scharia und Fiqh und lässt sich unwidersprochen als gleichermaßen von Averroës (bin Rušd, 1126 – 1198) und al-Maudūdī (1903 – 1979) beeinflusst bezeichnen.

Kaum auffällig, zwischen Kabbalakitsch, Runenorakel, windigem Diätkonzept, neohinduistisch angehauchter Lebenshilfe und Wohnraumgestaltung nach Feng Shui steht auch der neunhundert Jahre alte »Mīzān al-ʿAmal« in der Esoterikabteilung unseres Buchladens.

Mit einem religiösen, das unrechte vom rechten islamischen Handeln abgrenzenden Text lässt sich auch nach 1979 ein Staatsstreich vorbereiten.

Jacques Auvergne

Schariagegner empfiehlt: Sehenswertes Theaterstück in Hagen

Dezember 1, 2008


SchülerInnen einer Hauptschule aus Altenhagen beeindruckten durch ihr schauspielerisches Talent. ‚Die Farben der Liebe‘ heißt das Theaterstück nach einem Roman von Ali Arslan, in dem ein muslimischer Vater seine Tochter zwingt das islamische Kopftuch zu tragen. Näheres unter :

http://www.derwesten.de/nachrichten/staedte/hagen/2008/2/15/news-

Nächste Vorstellung: Dienstag 2.12.08, Donnerstag 11.12.08 und 18.12.08 im Lutz, Theaterhagen Elberfelder Straße 65, 58095 Hagen

http://www.bartime.de/location.lutz,-theaterhagen.29.24777.html

Imam-Ehe, Polygamie und Zwangsheirat in Deutschland

November 27, 2008

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UPDATE
Petition gegen Kinderehen (2016)

Edward von Roy

An den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages
20.08.2016

Petition
Keine Heirat unter achtzehn – auch nicht auf Kinderwunsch

Eherecht Pet 4-18-07-4030-036062

https://schariagegner.wordpress.com/2016/08/20/petition-gegen-kinderehen/

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Edward von Roy

An den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages
20.08.2016

Eherecht
Pet 4-18-07-4030-036062

Petition

Keine Heirat unter achtzehn – auch nicht auf Kinderwunsch

Text der Petition

Der Deutsche Bundestag möge beschließen:

1 Es sind ausnahmslos keine Ehen mehr anzuerkennen, bei denen ein Partner jünger als 16 Jahre ist, was auch für religiöse Eheschließungen gilt wie die islamische Imam-Nikah.

2 Im Ausland geschlossene Ehen, auch religiöse, können auf Antrag eines Partners oder des Jugendamtes aufgehoben werden.

3 Gesetzliche Absicherung einer Altersgrenze für Ehemündigkeit von 18 Jahren und Abschaffung der bisher gültigen deutschen Ausnahmegenehmigung einer Heirat bereits ab 16 Jahren.

4 Wiedereinführung der standesamtlichen Voraustrauung und Benennung der religiösen Voraustrauung, auch der Imam-Nikah, als Straftatbestand.

5 Verbot der Bewerbung der Imam-Nikah in der universitären Imamausbildung sowie Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer für den bekennenden Islamischen Religionsunterricht (IRU).

6 Verbot der Bewerbung der Imam-Nikah im öffentlichen Schulunterricht, auch im bekennenden Islamischen Religionsunterricht.

7 Resolution des Deutschen Bundestages: Aufforderung an die Hellenische Republik, seit 1981 Mitglied in der Europäischen Union, die seit 1920 (Vertrag von Sèvres) bzw. 1923 (Vertrag von Lausanne) implementierte Scharia aus dem Griechischen Recht zu entfernen, ein Ehe- und Familienrecht ohne religiös oder anderweitig begründete Rechtsspaltung einzuführen und ein Heiratsalter von 18 Jahren durchzusetzen.

Begründung

Islamisches Recht ist Scharia. […]

https://schariagegner.wordpress.com/2016/08/20/petition-gegen-kinderehen/

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Aus unserem Leserkreis

Deutscher Bundestag

Petitionsausschuss

Platz der Republik

11011 Berlin

Petition gegen das Personenstandsrechtsreformgesetz (PStRG)

Petitions-Aktenzeichen Pet 1-16-06-211-046040

08.12.2008


Text der Petition

der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass das Personenstandsrechtsreformgesetz (PStRG) geändert oder zurückgenommen wird.

Begründung

In Artikel 1 Abs. 1, 2 und 3 des Grundgesetzes verpflichtet sich der Staat, die Würde des Menschen zu achten und zu schützen, das deutsche Volk bekennt sich zu den unverletzlichen, unveräußerlichen (universellen) Menschenrechten, Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung sind an die Grundrechte als unmittelbar geltendes Recht gebunden.

Ein wesentliches Teilziel des PStRG sind die ’papierlosen Standesämter’. Das Prozedere der digitalen Datenverwaltung ist jedoch nicht transparent, wichtige Fragen, beispielsweise zur Dokumentation von Daten, zur Verwaltung der Register und zum Datenschutz bleiben offen. So wäre in diesem Zusammenhang beispielsweise interessant (vgl. Schaubild 2 im Online-Dokument ’Papierlose Standesämter in Deutschland’ 8. EVS‑Kongress Portorož, 05.04.2008[1]), was unter dem ’Kernbestand der Daten’ zu verstehen ist und welche Informationen künftig wegfallen werden.

Da man nach einschlägigen Erfahrungsberichten damit rechnen muss, dass in Ländern mit hohem Korruptionsindex und / oder politischer Instabilität Sachbearbeiter bestechlich sind, ist die Mitwirkung des Gerichts bei Korrekturen von Registereinträgen auf Grund ausländischer Urkunden unverzichtbar. Der Fall der siebzehnjährigen Nuray zeigt, dass sogar bei unterschriebenen Dokumenten Skepsis angebracht ist. In der Dokumentation ’Zwangsverheiratung. Informationen des Berliner Arbeitskreises gegen Zwangsverheiratung’ (dort unter ’Lebensgeschichten junger Mädchen. Nuray, 17’) sagt die junge Frau:

… „Danach ist mein Vater in die Türkei geflogen und hat mich verheiratet. Ich habe durch Zufall davon erfahren, dass ich verheiratet bin. Wie er das gemacht hat, konnte ich nicht verstehen. Die Schwester meines jetzigen Ehemannes hat an meiner Stelle die Unterschrift geleistet[2].“

Nach unserer Auffassung verstößt die am 09.11.2006 vom Bundestag verabschiedete Reform des Personenstandsrechts in einigen Aspekten gegen die erwähnte Fürsorgepflicht des Gesetzgebers, die Würde des Menschen zu schützen und Gesetzesinitiativen an den Rechtsnormen der Verfassung auszurichten. Insbesondere denken wir dabei an den Wegfall der §§ 67, 67a PStG, das Recht auf informationelle Selbstbestimmung und Art. 14 EGBGB, Allgemeine Ehewirkungen.

Steuer- und familienrechtliche Vergünstigungen, die sich ausschließlich auf zivilrechtlich anerkannte Ehen beschränken, werden religiöse Fundamentalisten wie patriarchalische Wertkonservative aus dogmatischen und Individualisten aus hedonistischen Gründen nicht davon abhalten, auf die standesamtliche Trauung (vorerst) zu verzichten, zumal durch verschiedene prinzipiell begrüßungswerte familienpolitische Entscheidungen der Regierungen, wie etwa die Kindschaftsrechtsreform 1998 (Gleichstellung nicht ehelicher Kinder), die Unterhaltsrechtsreform 2008 (Unterhalt auch für die unverheiratete Partnerin / den unverheirateten Partner) und das Elterngeld, der bezugsberechtigte Personenkreis staatlicher familienfreundlicher Zuwendungen auf nicht verheiratete Paare ausgedehnt wurde.

’Wilde Ehen’ sind in der kulturellen Moderne längst akzeptiert, der verschuldete Staat zieht sich, das Recht auf freie Selbstbestimmung betonend und an die Eigenverantwortung der Bürgerinnen / des Bürgers appellierend, mehr und mehr aus der Gesundheits- und Altersvorsorge zurück. Die wenigen Beihilfen, Freibeträge und Steuervorteile, die ausschließlich standesamtlich verheirateten Eheleuten zustehen, wie beispielsweise das Wahlrecht zwischen den Steuerklassen 3 und 4, das Ehegattensplitting, sind für viele hunderttausend Haushalte, die damit rechnen müssen bis auf weiteres am Existenzminimum zu leben, praktisch ohne Bedeutung.

Sollten dann auch noch die Gebühren für die bei der standesamtlichen Trauung benötigten Papiere so drastisch erhöht werden, wie in dem Artikel der Stuttgarter Nachrichten angekündigt[3], wird das Zögerliche trotz der zur Zeit (noch) bestehenden Nachteile (z.B. Erbrecht) nicht ermuntern, vor einem Standesbeamten zu heiraten. Auch heute ist für die meisten Ehepaare die religiöse Feier / kirchliche Trauung das wichtigere Fest (Feier des “Hochzeitstages“).

Es ist die Aufgabe eines säkularen, sozialen Rechtsstaates; zivilrechtliche und soziale Standards, zu denen auch Ehe und Familie gehören (Art. 6 GG), zu gewährleisten, zu erhalten und präventiv zu schützen (Bezness, Polygamie, Zwangsehe). Grundrechte sind jedoch immer dann einzuschränken, wenn die Grundrechtsansprüche Betroffener, dritter Kollektive oder dritter Einzelpersonen gefährdet sind. Der Staat ist in solchen Fällen verpflichtet, die kollidierenden Rechtsgüter abzuwägen und nötigenfalls verfassungsrechtlich garantierte Rechtsnormen (einseitig) einzuschränken (in Tempo 30 Zonen gilt ’freie Fahrt für freie Bürger’ eben nicht).

Wer eine religiöse Eheschließung ausdrücklich wünscht, kann unmittelbar nach der zivilrechtlichen Trauung die kirchliche / religiöse Zeremonie anschließen. Eine solche minimale Einschränkung des Rechts auf individuelle Selbstbestimmung oder Religionsfreiheit ist wegen der möglichen persönlichen und die Existenz gefährdenden Folgen (Erbrecht) einer zivilrechtlich nicht anerkannten Ehe zumutbar. Der Steuerzahler, der in solchen Sonderfällen diese romantisierende („Ganz in Weiß“) hedonistische Mode indirekt durch seine Steuergelder finanzieren müsste, (Grundsicherung) ist vor dieser vermeidbaren Belastung zu bewahren.

Traditionen, Riten und religiöse Dogmen sind so tief in Psyche, Denk- und Verhaltensmustern der Menschen verwurzelt, dass sie nicht ohne weiteres aufgegeben werden. Obwohl in den von Hinduismus, Sikhismus, Jesidentum, Islam und wohl auch in den vom tibetanischen Buddhismus[4] geprägten Ursprungsländern nicht selten offiziell verboten, werden Imam-Ehen, Zwangsheirat, arrangierte Ehen, Kinderehen und Polygamie die dortige Lebenswirklichkeit noch auf Jahrzehnte bestimmen[5].

Nach Migration in ein anderes Land werden traditionelle Familien- und Ehrkonzepte nicht selten sogar besonders fundamentalistisch interpretiert und streng orthodox praktiziert. Dies bestätigen beispielsweise Studien wie die im Auftrag des Bundesinnenministeriums erstellte Befragung ’Integration und Integrationsbarrieren von Muslimen in Deutschland’. Auch Statistiken[6], wissenschaftliche Arbeiten[7], Fachtagungen, Dokumentationen[8], Zeitungsartikel[9] und Publikationen zum Thema Zwangsheirat und Ehrenmord bestätigen die Relevanz dieser durchaus nicht nur islamischen Verhaltensmuster. In seinem Online-Bericht stellt Dr. rer. soc. Dipl.‑Psych. Ilhan Kizilhan (’Konflikte und Konfliktlösungen in patriarchalischen Gemeinschaften’) beispielsweise die Lebens- und Ehrkonzepte großer Teile der ostanatolischen Bevölkerung dar, die teilweise der jesidischen Religion angehören.

Bei derartigen religiös verbrämten Feierlichkeiten handelt es sich aus Sicht der kulturellen Moderne und dem Blickwinkel der universellen Menschenrechte keinesfalls ausschließlich um kulturelle Bräuche und traditionelle Hochzeitszeremonien, sondern um undemokratische, die Menschenwürde und individuellen Persönlichkeitsrechte ignorierende Initiationsrituale vormoderner Orthopraxie.

Der Gesetzgeber in einem säkularen, demokratischen und sozialen Rechtsstaat sollte, um Grundrechte und Bürgerrechte allen, auch den Bürgerinnen und Bürgern mit Einwanderungsgeschichte zugänglich zu machen, nicht dem Irrtum erliegen, dass eine selbstbestimmte Biographie zu den Selbstverständlichkeiten aller seiner Einwohnerinnen und Einwohner gehört. In einer Studie des Bundesfamilienministeriums gab die Hälfte der befragten türkischen Frauen an, dass sie ihren Partner nicht selbst ausgesucht habe, wenn dabei auch nicht immer großer Druck ausgeübt wurde[10].

Der Wegfall der standesamtlichen Voraustrauung ist daher ein falsches Signal. Unter dem Vorwand der Religionsfreiheit und kultureller Brauchtumspflege könnten sich traditionell und fundamentalistisch denkende Bürgerinnen und Bürger aller Weltanschauungen nach dem 01.01.2009 zusätzlich bestärkt und ermutigt fühlen, die genannten zivilrechtlich folgenlosen Formen der Eheschließung zu propagieren und auch künftig verstärkt zu tradieren[11].

Die patriarchalisch sozialisierten Bräute wagen nicht zu widersprechen, weil sozialer Gruppendruck und die alltägliche häusliche, physische und psychische Gewalt sehr hoch sind[12]. Ihnen werden Handy und Erspartes abgenommen und, falls vorhanden, der deutsche Pass entzogen[13], um eine Flucht zu verhindern. Europäisch aufgewachsene Konvertitinnen (zum Hinduismus, Sikhismus oder Islam) erhalten in solche repressiven Lebensumstände vor ihrer Verheiratung (Imam‑Ehe) oft keinen Einblick, rechtliche Konsequenzen und die massive Einschränkung von Handlungsspielräumen im Alltag werden ihnen nicht selten vorenthalten[14].

Natürlich sind von Zwangsheiraten auch Männer betroffen, da Mütter und andere weibliche Verwandte auch ihren Söhnen die Ehefrau aussuchen. Die ’arrangiert’ verheirateten Ehemänner nutzen jedoch nach den Erkenntnissen des promovierten Diplom‑Pädagogen und Autors Ahmed Toprak die patriarchalische Hierarchie und wälzen das ihnen zugefügte Unrecht auf ihre Ehefrauen ab[15].

Zu den Folgen von Zwangsehe (etwa Imam‑Ehe) können gehören: sexuelle, psychische und physische Gewalt, sexueller Missbrauch an Minderjährigen, Verweigerung des Rechts auf Bildung, Hinderung an der freien Berufswahl, Verstoß gegen das Recht auf sexuelle und individuelle Selbstbestimmung, Missbrauch des Aufenthaltbestimmungsrechts und der elterlichen Sorge, soziale Ächtung bei Regelverstößen, Exklusion und Bedrohung bei Trennung oder Scheidung.

Durch das soziale und vor allem ethno‑religiöse Umfeld wird hoher Konformitätsdruck auf die beispielsweise muslimische Familie ausgeübt, die männlichen Verwandten zu zwingen, ihrer Aufgabe als Sittenwächter, Mahram (nah verwandter männlicher Pflicht‑Begleiter einer Frau) oder Wali (hier: für die Braut verpflichtend vorgeschriebener Heiratsvormund[16]) nachzukommen. Man hält Frauen prinzipiell für schutzbedürftig und moralisch nicht integer, sie seien außer Stande, die Folgen einer solch wichtigen Entscheidung, wie es eine Eheschließung nun einmal ist, zu selbst zu überblicken.

Die permanente Überwachung der Mädchen und Frauen, der Jungfräulichkeitskult und die zu befolgende ’religiöse’ Tugendhaftigkeit hat Jugendliche, Zwangsverlobte und Zwangsverheiratete schon in den Selbstmord getrieben. Andere haben sich vor solchen Belastungen durch Flucht in eine Kriseneinrichtung gerettet. Sie waren gezwungen, in eine fremde, weit entfernte Stadt umzuziehen, mussten ihren Freundeskreis aufgeben und den Kontakt zur Familie extrem einschränken oder ganz abbrechen, um einem Mord aus falsch verstandener Ehre zu entgehen.

Vor solchen Grundrechts- und Menschenrechtsverletzungen hat ein der freiheitlich demokratischen Grundordnung verpflichteter sozialer Rechtsstaat seine Bürgerinnen und Bürger zu schützen. Diese vormodernen, verfassungsfeindlichen Lebens- und Ehekonzepte sind durch Artikel 4 GG (Religionsfreiheit) nicht zu legitimieren, hier darf und muss der Staat die ’ungestörte Religionsausübung’ sehr wohl einschränken.

Für die meisten Importbräute gilt, dass aus aufenthaltsrechtlichen Gründen auch eine stark von Gewalt geprägte Zwangsehe zwei Jahre lang bestehen muss (durchlitten werden muss), damit der Aufenthaltstitel nicht verloren geht. Die nicht selten noch sehr junge Frau ist durch den Ehemann und die (beiden) Familien erpressbar, da Ausnahmeregelungen (AuslG) den Mädchen meist nicht bekannt sind. Die in die Heimat ihrer Verwandten verschleppten Zwangsbräute wissen oft auch nicht, dass nach sechs Monaten ununterbrochenem Aufenthalt in diesem Land ihre Aufenthaltserlaubnis für Deutschland abläuft und ohne genaue Kenntnis der Rechtslage (Ausweichmöglichkeiten durch Regelungen des AuslG) eine Rückkehr kaum möglich ist. Das gilt für Minderjährige und / oder junge Mütter in besonderem Maße, da die deutsche Jugendhilfe im Ausland nahezu keine Eingriffsmöglichkeiten hat und für leibliche Kinder der Zwangsbräute nicht ohne weiteres ein eigenes Aufenthaltsrecht beantragt werden kann.

Die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes, die Frauenrechtlerin und Rechtsanwältin Seyran Ateş und einige Politiker haben bereits auf die möglichen unerwünschten Auswirkungen des mit dem neuen Personenstandsrecht einhergehenden Verzichts auf die bis heute verpflichtende standesamtliche Voraustrauung aufmerksam gemacht. Die Zwangsehe ist zur Zeit leider oft weniger die Ausnahme als die Regel in diesen vormodernen Großfamilien. Besonderes Aufsehen erregte der Fall einer Kindsbraut, die kurze Zeit in Deutschland lebte und mit elf Jahren bereits vor der Geburt ihres ersten Kindes stand[17].

Wir, die Mitzeichnenden, stimmen der vom Bundesverband der Standesbeamtinnen und Standesbeamten veröffentlichten Begründung nicht zu, nach der die §§ 67und 67a PStG im Verhältnis zu den beiden großen Kirchen nicht erforderlich seien, zumal eine verbindliche, schriftliche Erklärung an der standesamtlichen Voraustrauung festzuhalten unseres Wissens nach weder von der evangelischen noch der katholischen Kirche vorliegt. Zu klären wäre auch, wie der Begriff Religionsgemeinschaft definiert und interpretiert wird, wäre eine ’Weltanschauung mit dem Anspruch einer Religion’ (Ron Hubbard 1952, in: Scientology 8-80) mitgemeint?

Nicht berücksichtigt wird der wachsende Einfluss christlich-fundamentalistischer Religionsgemeinschaften, was nach manch einem Erfahrungsbericht wohl ein Fehler ist[18]. Auch halten wir es für grundlegend falsch, der Integrationsresistenz und der Respektlosigkeit “anderer in Deutschland vertretener Religionsgemeinschaften“ gegenüber deutschem Recht nachzugeben, die “trotz wiederholten Hinweises durch verschiedene deutsche Stellen“ nicht dazu veranlasst werden konnten, in ihrer Eheschließungspraxis den staatlichen Gesetzen der BRD Folge zu leisten. Auch dass es sich bei den beiden weggefallenen §§ um unechte Ordnungswidrigkeiten handelt, rechtfertigt eine solche Argumentation und die Streichung der Bestimmungen nicht[19].

Es gehört zu den zentralen Aufgaben des Staates, Grundrechte für alle Bevölkerungsgruppen zu gewährleisten, durchzusetzen und zu schützen. Das gilt auch für die informationelle Selbstbestimmung und Art. 14 EGBGB, Allgemeine Ehewirkungen. Wie würde nach dem 01.01.2009 im Falle der elfjährigen Kindsbraut und Mutter entschieden werden?

Die Streichung der §§ 67 und 67a ignoriert die rückwärtsgewandte Einflussnahme theokratischer Strömungen mit ihren traditionalistischen und fundamentalistischen Lebens- und Ehekonzepten, die mit einer säkularen, freiheitlich demokratischen Grundordnung nicht kompatibel sind. So entstehen segregierende, menschenrechts- und grundrechtsfreie Parallelwelten, den Menschen in der Bundesrepublik droht die Rechtsspaltung. Integration wird so nicht gelingen.


[6]Fachkommission Zwangsheirat der Landesregierung Baden-Württemberg: Problembeschreibung, Statistik und Handlungsempfehlungen

http://www.justiz.baden-wuerttemberg.de/servlet/PB/show/1199041/Bericht%20Fachkommission%20Zwangsheirat%20BaW%20Endfassung%20Januar%202006.pdf

[15] Das schwache Geschlecht – Die türkischen Männer. Zwangsheirat, häusliche Gewalt, Doppelmoral der Ehre, Freiburg im Breisgau. Lambertus Verlag 2007, 2. Auflage

„Auf Gottes Befehl und mit dem Worte des Propheten…“ Auswirkungen des Erziehungsstils auf die Partnerwahl und die Eheschließung türkischer Migranten der 2. Generation. Herbolzheim. Centaurus Verlag 2002

… und Abraham verschlägt`s die Sprache

November 10, 2008

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Ecclesia Catholica Romana

Ecclesia Catholica Romana est orsa a duodecim Iesu apostolis, quorum summus sanctus Petrus, qui et papa primus habetur cuique ipse Iesus Christus claves regni caelorum dedit

Römisch-katholische Kirche, der Scharia und dem Kalifat dienlich.

Und der Priester spricht:

»Ich segne diese Ringe

im Namen von

Jesus Christus und Allah!«

Von Kasimir Krawczyk

Handelnde Personen:

Aurelia: heiratet einen Muslim

Samory: heiratet eine Katholikin

Sékou: Samorys Bruder, afrikanischer Schariafreund

Diakon Frank Schmücker: spielt Gitarre und singt dazu

Pfr. Dr. Walter Dienlich: kennt Jerusalem, segnet Ringe

Ort der Handlung: Altendorf, Kleinstadt unweit von Mainz

Alle Namen und Orte verändert

Ein rheinhessischer Vorfrühlingstag neigt sich seinem Ende zu. Es dämmert über der Innenstadt von Altendorf und wird ganz still und hoch und schwarz ragen die Dächer und Türme der riesigen gotischen Kirche Sankt Mauritius auf. Auch von innen macht die Abteikirche ihrem Namen alle Ehre, Mittelschiff, Seitenschiffe, Säulenreihen im Halbdunkel, ein Seitenaltar, irgendwo in der Schwärze des fernen Altarraumes schwebt ein riesiges Kruzifix mit dem Corpus Christi. Die Steine atmen vielhundertjährigen Weihrauchduft. Schweigend und feierlich langsam betreten die Gäste aus Nackenheim und aus Ingelheim den im Dämmerlicht nahezu unfasslich hoch wirkenden Kirchenraum einer ehrwürdigen, sozusagen klassisch-katholischen Atmosphäre. Sogleich fällt jedem Besucher auf, dass an diesem heutigen Sonntagabend eine Gemeinde oder Gemeinschaft sich zu einer ganz besonderen Festlichkeit zusammenfindet, vielleicht würde ein Jubiläum eines christlichen Laienordens oder ein moderner meditativer Gottesdienst ganz ähnlich inszeniert werden. Wir begrüßen einige lose Bekannte und nicken Unbekannten verspannt lächelnd zu, ein paar afrikanische Gesichter, die Nähe zu Mainz verschafft uns immer wieder etwas Kosmopolitisches. Man gibt sich neugierig und aufgeschlossen. Etwas Ungeahntes liegt in der Luft, etwas jenseits von Vertrautheit und Routine. Im Gemeindebrief stand es, das irritierende Wort: Christlich-muslimische Trauung! Hier und heute also wird katholisches Neuland betreten, das kleine Altendorf schreibt ein bisschen Weltgeschichte.

Das Mittelschiff ist entlang der gewaltig hohen alten Säulen, ob eigens zu diesem Anlass oder nicht, mit orangen, gelben und roten, senkrecht hängenden Tuchbahnen abgehängt und abgeteilt von den Seitenschiffen, was einen neuen und gleichsam zelthaft improvosierten, helleren und wärmeren Innenraum schafft, in dem am Boden zwei unglaublich lange Reihen von brennenden Kerzen stehen, durch weißliches Pergamentpapier matten, dabei nicht zu kalten Glanz verbreitend entlang der hochmittelalterlichen Blickachse zum heute abend wohl etwas vernachlässigten Altarraum. Zu beiden seiten jeweils zwei Stuhlreihen, weiße moderne Klappstühle mit jeweils einer kunstseidenen Schleife versehen und einem Liederblatt. Aha, da hatte man sich zu setzen, oh, dort der Pastoralreferent der regionalen Universitätsgemeinde sprich studentischen Seelsorge, eine Konzertgitarre herantragend, der würde womöglich zum Singen anstiften: „Diakon Frank Schmücker“ flüsterte meine Begleiterin: „Der kann richtig schwungvoll singen!“, und dort, wahrhaftig, eine Art Priester, mir flüsternd mit „Doktor Dienlich, katholischer Priester aus Jerusalem“ vorgestellt, ohne Zweifel war dieser Dr. Dienlich ein veritabler katholischer Theologe, denn er trug ein priesterliches langes feierliches Gewand in fein gemustertem Weiß und Grau und darüber eine Stola in alternativ nach Kirchentagsmilieu wirkendem Regenbogenbunt. Wie modern. Was machen katholische Priester eigentlich in Jerusalem? „Da drüben, Muslime aus Afrika“ verkündete mir meine Nachbarin. Togo oder Sénégal, das hätte ich ja doch gerne gewusst, es schien aber niemanden zu interessieren. Afrika halt, aha. Und natürlich: Muslimisch. Klar.

Meine Begleiterin hatte mich erst wenige Stunden vorher angerufen, dass an diesem Sonntagabend des Jahres 2008 eine ungewöhnliche Trauung und Eheschließung zelebriert werden würde, binational, das interessierte mich sogleich, bireligiös, das fesselte mein Interesse, christlich-muslimisch, ich war elektrisiert. An die ganz große sprichwörtliche Glocke wurde die Angelegenheit in der Stadt dann wohl doch nicht gehängt, die Studentengemeinde aber und ebenso Gemeindebriefe das Bistums hatten eine gute Woche lang auf dieses Ereignis hingewiesen. Wenngleich etwas kryptisch verborgen, es schien und scheint also ein ziemlich subversives Ereignis zu sein. Revolutionär sozusagen, die Achtundsechziger sind im Priesteramt angekommen. Ob Rom davon weiß, ob der Bischof so etwas dulden würde?

Der Raum beginnt sich vom Westwerk her zu füllen, 90 oder 95 Personen werden es nun wohl sein, der priesterlich Gewandete tritt an die altarnahe Stirnseite und zieht alle Blicke auf sich. Da ist aber doch noch etwas, richtig, vorne in beiden Winkeln rechts und links thront oder sitzt würdevoll jeweils eine Gestalt, in rotes Gewandtuch gekleidet, dass muss wohl das binationale Brautpaar sein! Man versucht, genauer hinzusehen und sieht links eine Frau in ein auf kraftvollem Feuerrot braun-schwarz gemustertes, irgendwie afrikanisch oder arabisch wirkendes Gewand gehüllt, sie europäischen Typus bei seltsam geflochtenem Haar, vorne rechts aber ein königlich wirkender, stolzer Mann mit edlem schwarzbraunem Gesicht, in ein nahezu rein rotes, strahlend feuerrotes Gewand gehüllt. Das muss das Brautpaar sein, die Stühle stehen noch weit, weit auseinander. Was würde wohl geschehen? Beide Brautleute wirken, als wären sie vierzig Jahre alt, aber wie gesagt, sie sitzen ein wenig in den Winkeln des sehr längsgestreckten und durch die Kerzenlichter am Boden aufgespannten Raumes, man sieht sie nicht so genau. Auch im Publikum hier und dort afrikanische Gesichter, Frauen in festlichen schwarzgelben Gewändern, kleine Mädchen mit kunstsinnig geflochtenem Haar. Das wirkt international, interkulturell, ungewöhnlich, interessant, aufregend fremdartig und damit durchaus im Kontrast zum altvertrauten, etwas langweiligen Kirchenschiff. Das Gerede und maßvolle Begrüßen wird zu einem Murmeln und verstummt dann bald ganz. Stille.

Der priesterlich Gewandete mit der regenbogenbunten Stola erhebt das Wort:

„Ich begrüße alle Anwesenden und besonders begrüße ich Aurelia und Samory, deren Trauung wir alle zusammen heute feiern möchten mit einer ganz besonderen, einer bislang in Deutschland äußerst seltenen christlich-muslimischen Eheschließung.“

Da ist das unerhörte Wort gefallen! Christlich-muslimische Trauung, christlich-muslimische Eheschließung.

Nun also bin ich Zeuge der ersten christlich-muslimischen Eheschließung in jener Stadt am Rheinufer. Ein neben mir sitzender Mann wendet sich mir zu und sagte leise: „Sehen Sie diesen afrikanischen Herrn dort, auch der soll eine feierliche kleine Rede halten, es ist Sékou, der strenggläubige Bruder des Bräutigams Samory. Die katholische geschiedene Pfälzerin, Mutter zweier erwachsener Kinder, heißt Aurelia, sie und ihr muslimischer neuer Mann heirateten vor zwei Jahren standesamtlich, auch soll es eine große Hochzeitsfeier in Afrika gegeben haben.“ – „Eine islamische Ehe, eine Imam-Ehe?“ wollte ich natürlich sofort wissen – „Ja, ich glaube wohl!“ antwortete der Bürger.

Es versprach ein spannender, womöglich auch verstörender Abend zu werden: Wie würde der katholische Prediger mit Allahs ewiger Scharia umgehen? Würde der afrikanische Bruder des Bräutigams einen Dolmetscher einsetzen oder vielleicht mit einem überraschenden Akzent zu uns auf Deutsch sprechen oder gar auf hessischem oder pfälzischem Dialekt?

Beim priesterlich Gewandeten, flüsterte mir meine Begleiterin von der anderen Seite ins Ohr, soll es sich um einen echten katholischen Theologen handeln, der solche interreligiösen namentlich christlich-muslimischen Hochzeiten schon mehrfach im In- und Ausland zelebriert habe, durchaus zum Missfallen der kirchlichen Obrigkeit und der katholischen Konservativen: „Walter Dienlich ist halt ein sehr moderner Theologe, der hat mit einer christlich-islamischen Ehe kein Problem!“ Sie schien begeistert und zwinkerte mir verschwörerisch zu: „Ob die Bischofskonferenz davon weiß?“ Diese Frage hatte ich mir nun allerdings auch bereits gestellt. Eine reguläre Uhrzeit für einen Gottesdienst war das, Sonntagabend um 19:30 Uhr ohnehin nicht gerade, würde also beispielweise ein Abendmahl gefeiert werden? Würde es eine Segnung der Eheringe geben, einen gesegneten Handschlag der Brautleute, die vorausgegangene klassische Frage an die Eheleute mit der berühmten Formel von den guten und den bösen Tagen?

Der priesterlich Gewandete begann zu feierlich sprechen:

„In dieser besonderen Stunde wollen wir die Eheschließung von Aurelia und Samory feiern. Lassen Sie uns beginnen, einen kleinen Kanon zu singen, der nicht auf dem Liedblatt steht, einen Kanon in hebräischer Sprache, er hat eine eingängige Melodie und lediglich vier Worte, die ich Ihnen einmal vorspreche …“ Routiniert, alle Achtung. Nur eine Minderheit kannte das Lied, und doch erklang nach wenigen Augenblicken ein schöner Kanon, das war ein Erfolgserlebnis, das die Bereitschaft des Aufeinander-Hörens und des guten Willens angemessen ausdrückte. Die Melodie mutete, wie so manche israelisch geprägten religiöse Lieder, etwas ukrainisch-slawisch oder pentatonisch-ungarisch an, die Worte sind die des weltbekannten Psalmes 23:1: Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln, Adonai roi lo echsar.

Die Stimmung ist gelöster, Theologe Dienlich hat diesen Kanon gekonnt eingesetzt und spricht zu uns:

„Ob dieses Lied, wie wir es gerade gesungen haben, die genaue Sprache ist, so wie Jesus, der von den Muslimen Issa genannt wird, sie einst gesprochen hat, wissen wir zwar nicht, aber Hebräisch und Arabisch sind beides nahöstliche, so genannte semitische Sprachen.“ Sprach der Jesus nicht Aramäisch, aber naja, Hebräisch wird er verstanden haben, und die genaue Aussprache ist nach 2000 Jahren nur zu ahnen. Was hat Arabisch mit diesem heutigen Abend zu tun? So schoss es mir durch den Kopf. Der Prediger wollte den afrikanischen Teilnehmern des Abends gegenüber offenbar etwas Nettes sagen, ob die jedoch überhaupt Arabisch sprechen oder nicht viel eher Fulfulde oder Malinke? Dienlich redet weiter:

„Die Entscheidung zu dieser christlich-muslimischen Trauung fand nicht nur Zustimmung. Viele sagten mir, macht so etwas nicht, in Anbetracht der vielen gescheiterten interkulturellen oder interreligiösen Ehen rieten sie mir von dieser feierlichen Eheschließung ab. Doch habe ich selbst und in aller Welt immer wieder gute Erfahrungen mit solch einer christlich-muslimischen Eheschließung gemacht, namentlich in meiner fast zwanzigjährigen Zeit als Seelsorger in Jerusalem. Wahrlich: In Jerusalem ist vieles möglich!“ So spricht der katholische Priester. Und fährt fort:

„Und so wollen wir die Hoffnung nicht aufgeben, dass es auch Aurelia und Samory gelingen wird, eine gemischtreligiöse Ehe in Freude und im Glaube zu leben.“

Wer hier noch an was glaubt wird zwar nicht explizit ausgesprochen, doch ist bereits aus der Einladung und der Ankündigung der Veranstaltung im Gemeindebrief und im Internet recht offensichtlich, dass nämlich Samory Muslim bleiben wird und Aurelia katholische Christin. Ob Christus und Allah damit einverstanden sind oder vielmehr ob die afro-muslimische Großfamilie sich damit dauerhaft zufrieden geben wird, dass ein Teil der Familie Bier trinkt und Schweinefleisch isst? Oder ob Aurelia nicht bereits extrem tolerant ihre unislamischen Lebensmittel und Lebensgewohnheiten aus ihrem Alltag gestrichen hat?

„Abraham, der Anherr der drei monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam, Abraham machte sich auf und wurde Wanderer, Reisender, und auch Aurelia und Samory haben sich auf die Reise gemacht, ihre Lebensreise, zueinander und miteinander. Über den Islam weiß ich leider nicht viel, doch der universelle Gott hat Aurelia und Samory zur Freundschaft und Liebe gerufen. Das wollen wir hier heute Abend feiern.“

Da hätte der alte Abraham jetzt aber vielleicht gerne ein Wörtchen mitgeredet, er wusste ja schließlich gar nichts davon, dass einst Muslime ihn überstrapazieren oder doch arg beanspruchen würden! Aus islamischer Sicht freilich ist Abraham vor über tausend Jahren kurzerhand nachträglich zum Muslim erklärt worden. Für Dr. Dienlich alles kein Problem, der Mann lebt ganz im Hier und Jetzt und will seine Gemeindesekretärin wiederverheiraten und die bireligiöse Ehe salonfähig machen. Und den guten alten jüdischen Himmelsgott Jahwe, Schöpfer der Welt, erklärt Dr. Dienlich flugs zum universellen Gott. Ob Jahwe und ob Jesus damit einverstanden sind? Ach was, Jahwe und Jesus Christus sollen gefälligt Nachhilfeunterricht bei Dr. Dienlich nehmen in Sachen universeller Gott und Ringesegnen. Das ist modern, dynamisch, innovativ, katholisch.

„Ich weiß nicht viel vom Islam, aber ich weiß, dass der Gott des Mohammed ein sehr beweglicher Gott war!“ Samory lächelte verständnisvoll, Aurelia guckte weiterhin versteinert und bekam wohl kaum etwas mit, Sékou aber blickt zornig auf, eine Bewegung durchfuhr den frommen Muslim, recht so, was erlaubt sich denn auch der Dhimmi-Priester, dem Allah irgendwelche Eigenschaften anzudichten? Aus Sicht des katholischen Pfarrers konnte ein gelernter Karawanenhändler und dynamischer Kriegstreiber wohl als persönliche Gottesfigur nur eine Art himmlischen Speditionskaufmann haben. „Ja, Allah ist ein sehr beweglicher Gott! Gott aber ist der universelle Gott, der Gott der Reisenden, nicht derjenigen der sesshaften Hausbewohner, die in ihrer Zimmerecke einen Hausgötzen anbeten!“

Nun, dieser Dr. Dienlich scheint mir auch sehr beweglich zu sein. Jetzt vergöttert er das Nomadentum, die nichtsesshafte Lebensweise, auf Kosten der Bauern und Stadtbewohner. Warum macht der Mann das?

„Gott wohnt nicht in Tempeln. Selbst in den christlichen Kirchen, so sehr wir Europäer diese Bauwerke auch mögen, auch in dieser alten Kirche in der wir uns gerade befinden wohnt Gott nicht. Gott ist kein Gott der Grenze, Gott ist ein Gott der Entgrenztheit, der ungehinderten Reise, der Weite, der Wüste! Gott wohnt, wie wir das auch aus den alten jüdischen Gleichnissen kennen, Gott wohnt im Zelt, nicht im Steintempel!“

Wollte der entgrenzt tolerante Pfarrer etwas Nettes sagen zu den gar nicht anwesenden nomadischen Arabern? Dr. Dienlich macht Mohammed sozusagen Komplimente oder dem vermuteten Gottesbild des Koran? Oder möchte der Pastor, der immer in kalten Steinkirchen arbeiten muss, mit dem Zelt Urlaub machen auf einem netten Campingplatz?

Meine Sitznachbarin flüstert mir verschwörerisch und etwas geschwätzig ins Ohr: „Die Aurelia, Tochter von Herbert und Roswitha, sie ist Kirchenangestellte und war ja schon einmal katholisch verheiratet, deswegen jetzt also dieser Trauungsgottesdienst zweiter Klasse“ – „Aha, Allah sitzt sozusagen am Katzentisch, nicht besonders nett den Afrikanern gegenüber“, meine ich trocken, woraufhin sich meine Sitznachbarin zusammenreißen muss, um nicht in lautes Lachen auszubrechen.

Mir ist klar, dass aus der Sicht der ewigen Scharia hier nur ein folkloristisches Theater stattfindet, den ’ungläubigen, unmoralischen’ weißhäutigen Ureinwohnern gönnt man als großzügiger muslimischer Mensch ein Ritual bei Kerzenschein. Soso, Aurelia ist Gemeindesekretärin, Profi-Katholikin sozusagen. Meine mir unbekannte Nachbarin raunt weiter: „Die Kirche sichert Aurelia ihre Existenz. Werden Gemeindesekretärinnen eigentlich gezielt von Bezness-Tätern oder gar radikalen Muslimen angebaggert, angegraben, um den Einflussbereich der lokalen Moscheegemeinden zu stärken? Oder sind weibliche Kirchenbedienstete schlicht derartige masochistische Gutmenschen, dass sie einen wilden Muslim einfangen und glauben zähmen zu müssen oder den Mann aus der Dritten Welt um Absolution für die Kolonialzeit und MacDonald’s anflehen? Oder ist das hier wirklich einmal starke Freundesliebe, die enge Denkgewohnheiten überwindet und nebenbei gleich noch den Islam zur Demokratieverträglichkeit hin reformiert?“ Alle Achtung, die Dame hat aber gründlich nachgedacht, ich versuche ihr, möglichst unauffällig, dankbar zuzunicken, hatte ich mir doch ähnliche Fragen gestellt. So gänzlich unbedarft sind die Altendorfer Ureinwohner wohl doch nicht.

Das ist interessant und das ist natürlich geheimgehalten worden im Gemeindebrief und auf den katholischen Homepages der Region Rheinhessen: Dass nämlich eine Kirchenangestellte die Braut des Muslims werden würde ist gleich noch einmal so skandalös, würden katholische Konservative jedenfalls sagen. Die Gemeinde von Sankt Mauritius gibt sich also progressiv, weltoffen, „Die Kirchengemeinde ist bischöflicherseits von Mittelkürzungen ebenso akut bedroht wie von der Zusammenlegung mit drei anderen Kirchen zu einer neuen Großgemeinde, das wollen die hier anwesenden Katholiken aus Altendorf natürlich verhindern.“ Aha, interreligiös heiraten, sprudelt da eine neuartige Verdienstquelle? Das wird ja immer toller.

Die Gemeinde kann sich als modern geben und so vielleicht ihre Zwangsauflösung verhindern, geht es darum? Will die Kirche von der Basis her einen zugegeben zunehmend häufigen Ehetyp ebenso alltäglich machen wie kirchenrechtlich standardisieren, vorerst noch eher gegen den Willen der tendenziell konservativeren Bischöfe? Werden Europas Muslime sich daran gewöhnen, mit Katholiken in einer gemeinsamen Familie zu leben, ohne die Christen als ’Dhimmis unterm gemeinsamen Dach’, als Menschen sittlich geringeren Wertes zu betrachten? Wird Samory, der ja in diesem Augenblick absolut sympathisch, sanft, souverän und vertrauenswürdig wirkt, sich von der traditionellen islamischen Geringschätzung der Frau befreien können oder hat er es bereits getan und ist er gar ein bewusst säkularer Muslim, ein Gleichheitsfeminist, ein freiheitlicher Demokratiefreund und Gegner des politischen Islam? Das wäre wahrlich ein Quantensprung, Ayaan Hirsi Ali hat ihn ja geschafft. All dies schießt mir durch den Sinn, während die Gemeinde brav ihre schönen Kirchenlieder singt, auch die afrikanischen Gäste blicken ganz freundlich. Eine seltsame Sache jedenfalls, ungewöhnlich fühlt sich das an, Zeuge einer christlich-muslimischen Eheschließung zu sein! Werden wir alle uns daran gewöhnen müssen? Vielleicht, wahrscheinlich. Werden wir aber auf Richtlinien des Zusammenlebens auf gleicher Augenhöhe wert legen, auf Eingrenzung der alten islamischen Dominanzkultur, ihrer unduldsamen Absolutheit und ihrer engstirnigen Orthopraxie? Doch da, ein Lied ist zu Ende und Pastor Dienlich erhebt beschwörend die Hände und verkündet leidenschaftlich:

„Unser Bischof sagte, und das brachte ihm einen Waschkorb voller Beschwerdebriefe ein, er sagte also: ’Unser Gott ist kein christlicher, kein jüdischer und kein muslimischer Gott!’“

Ich bin erstaunt, anthropologisch-psychologisch gesehen mag der gute Bischof damit zwar Recht haben, Traumdeuter Carl Gustav Jung oder Völkerkundler Mircea Eliade schrieben ja Ähnliches. Doch riskiert unser Pastor Dr. Dienlich damit in Deutschland überhaupt nichts, während er in Pakistan oder dem Irak mit so einem Satz eigentlich nur die brutale Übermacht der islamischen Doktrin schönlügen würde, denn ob Bischof oder, hier und heute im Kirchengebäude, der Pastor, beide sagen mit einem solchen pantheistischen-universalistischen Gottesbild ganz multikulturell und pazifistisch: ’Christen sind ein bisschen muslimisch’, sie versteigen und verbiegen sich zur kruden Christologie und Theologie: ’Als deutscher Katholik glaube ich ab sofort ein bisschen an Allah.’ Die grinsenden Muslime werden nichts dagegen haben, wenn katholische Christen beginnen, die ersten Dogmen von Koran und Scharia anzuerkennen. Doch wollen Deutschlands und Europas Katholiken das?

Es ist nicht höflich, Allah nicht um Erlaubnis zu fragen, mein lieber Herr Pastor! Was für ein Dhimmi, freiwillig den Gott des Weltalls mit dem Namen Allah zu benennen, heute abend in Sankt Mauritius einen kosmischen Allah-Gott zu lobpreisen und den glücklich erfundenen universellen Allahgott zum christuskompatiblen Vatergott zu erklären. Fromme Muslime könnten das als höchst anmaßend empfinden, doch haben sie, anders als Deutschlands wohlstandsverwöhnte heutige Christen, ein klares Gespür für oben und unten, für machtvoll und ohnmächtig. Pastor Dienlich hat, indem er auf ein griffiges christliches Profil verzichtet, sich und die Christenheit erniedrigt und beschwört einen schwammigen Allahjahwe oder vielmehr Jahweallah, wir erkennen, dass er auch gleich über den jüdischen Gott verfügt.

Die katholische Kirche des Jahres 2008 ist schlicht zu feige, zu sagen, ihr Gott ist dezidiert nicht Allah! Man will Konflikte vermeiden, man will Frieden um den Preis der Selbstaufgabe. Bislang hatte ich noch nie gänzlich verstanden, was Giordano mit dem Wort Beschwichtigungsdogmatiker gemeint hatte. Die Muslime werden den Christen Frieden anbieten. Islamischen Frieden, sozusagen. Schariafrieden, Dhimmitude.

Derartig grübelnd blicke ich auf die Braut. Aurelia wirkt zwar momentan etwas königlich versteinert, doch könnte sie eine rebellische Tochter von Altachtundsechzigern sein. Hier im geweihten Kirchenraum spielen alle freilich fromm oder sind es auch tatsächlich.

Dann geschieht das Ungeheuerliche und mit donnernder Stimme ruft Walter Dienlich in den widerhallenden alten Kirchenraum:

„Ich segne diese Ringe im Namen von Jesus Christus und Allah!“

Grauen packt mich. Entsetzen lähmt mich. Das kann doch nicht wahr sein, was geschieht hier, ein Pastor handelt explizit Namen des koranischen Gottes?! Pfarrer Dr. Dienlich erklärt sich zum Beauftragten Allahs, ohne Allah zu fragen womöglich, und verbiegt Christus zum Propheten Allahs, und das tut Dr. Dienlich als ein Katholik und Priester, wo Jesus von Nazareth doch womöglich vom Gott der Kaaba und Scharia gar keine oder keine gute Meinung hat? Wir Christen müssen aber noch weiter fragen:

Priester Dienlich bezeichnet ganz offensichtlich den Gott des Jesus von Nazareth mit dem koranischen und islamischen Wort Allah! Lässt der nahosterfahrene Dr. Dienlich den Frauen steinigenden, Hände- und Köpfe abhackenden Allah gleich noch ein himmlisches Friedensfest mit Jesus Christus feiern? Was der sanfte Dr. Dienlich ausspricht, wirkt wie ganz selbstverständlich, charismatisch, hypnotisch, einlullend, eben sanft. Vielleicht ist das ja der christliche Weg zum Weltfrieden, mag der eine oder andere der hier in Sankt Mauritius Anwesenden denken, jedenfalls zuckt niemand der 95 Anwesenden auch nur mit der Wimper. In aller Seelenruhe und Souveränität fährt der Mann damit fort, sein interreligiöses Ritual zu zelebrieren. Ich bin schockiert.

Pastor Dienlich entehrt und verschrottet, verkauft und verramscht eine zweitausend Jahre alte Weltreligion, besonders schamlos angesichts der Tatsache, dass in Saudi‑Arabien bereits der Besitz einer Bibel Gefängnisstrafen nach sich zieht oder dass in Afghanistan Konvertiten zum Christentum nur mit dem antidemokratischen Kunstgriff, sie als wahnsinnig, das heißt als unzurechnungsfähig zu erklären vor der islamrechtlich einwandfreien Tötung bewahrt werden können.

Ihre eigenen Kinder verlieren angeheiratete Nichtmuslime in jedem Fall, das nennt sich Scharia, ein Wort, das der Pastor (Dienlich: “Ich weiß nicht viel vom Islam“) gar nicht erst zu kennen scheint.

Das klingt ja so modern, so nach Buddha oder Goethe oder Hesse, zu sagen, Gott sei weder christlich noch muslimisch. Obschon Dienlich bezeichnenderweise zu feige ist, heute Abend den buddhistischen oder taoistischen Begriff des Weltganzen zu verteidigen. Ist Dienlich also New-Age-Jünger oder gar Bahá’í? Weiß er, wie es Bahá’i in Teheran oder in Kairo ergeht? Pfarrer Dienlich geht kein Risiko ein, er spielt den ’Wellenreiter’, er ’surft’ auf den Wogen der Macht. Er verhöhnt die Opfer indem er sie noch nicht einmal erwähnt. Er will das Produkt christllich-muslimische Ehe handelskonform machen und als katholischer Funktionär und Manager erfolgreich verkaufen. Hier sieht 2008 womöglich bereits ein beträchtlich starker Teil der Katholischen Kirche die Chance auf Macht, das heißt auf Geld. Moralisch schäbig. Aber kundenorientiert.

Doch da erhebt der Bruder des Bräutigams das Wort, sehr gut zu verstehen trotz des starken Akzentes, der eigentlich sympathisch und charmant hätte sein können, schaute er nicht so giftig und Gehorsam heischend darein:

„Der Wert der Familie im Islam ist außerordentlich hoch! Die Familie ist die absolute Keimzelle der islamischen Gesellschaft und Kultur. Das bedeutet, das es im Islam, anders als es in Europa leider immer wieder behauptet wird, keinerlei Form des Zwanges in der Ehe oder gar eine Zwangsehe gibt! Vielmehr ist der muslimische Ehemann verpflichtet, seine Frau gut zu behandeln. Jede Form von Gewalt gegen die Frauen oder Kinder ist in der islamischen Familie verboten.“

Was für ein Lügner! In mir zuckte es, ich will dazwischenrufen und aufspringen und die Kirche verlassen, doch ich beherrsche mich. Welche Niedertracht! Die islamische Ehefrau ist kein Vertragspartner sondern Vertragsgegenstand, ohne Wali, und Wali bedeutet Vormund, männlich versteht sich, ohne Wali läuft noch nicht einmal eine Eheanbahnung oder standesamtliche türkische oder tunesische Hochzeit! Die Hälfte der türkischen Ehefrauen in unserem Städtchen Altendorf ist im Alter von 16 oder 15 Jahren zwangsverheiratet worden, und, wie es so blumig heißt im blumigen Islam: Das Schweigen der Frau wird als Zustimmung gewertet. Warum macht Sékou das, der Bruder des Bräutigams?

Sékou macht Da’wa! Er streut den Treibsand oder Nebel des Iham oder der Taqiyya um die kunstvoll ausgelegten Schlingen der Da’wa, der Einladung zum Islam, die islamische Mission. Und keine Da’wa ist so nachhaltig wie das Erbeuten eines Weibchens, pardon, einer Ehefrau. Da wird Lüge zur islamischen Selbstverständlichkeit.

Es ist gar nicht selbstverständlich, überlege ich schweigend und kochend vor Wut, dass Islamfreund Sékou sich überhaupt verteidigt – denn niemand hatte ihn angegriffen, niemand (leider) hatte die Muslime beschuldigt, gegen den Willen der Frauen erzwungene Ehen zu arrangieren. Sékou erzählt den anwesenden Christen oder auch Nichtchristen etwas von der Schönheit des angeblich so friedfertigen islamischen Ehelebens und Familienglücks. Seltsam, mein türkischer Kollege und Nachbar schlägt seine Frau häufig und die wiederum schlägt ihre Kinder noch öfter, hat Sékou diese Hanafiten soeben zu Ungläubigen erklärt?

Ist der anwesende Priester, ist Dr. Walter Dienlich mit seiner knapp zwanzigjährigen Israelerfahrung über die im Islam leider immer noch übliche Eheanbahnung nach dem Grundatz des Tochtertauschens zwischen zwei Männerbünden denn gar nicht im Bilde? Hat auch Diakon Frank Schmücker noch nie etwas von der grundsätzlichen rechtlichen Minderwertigkeit der Ehefrau und überhaupt der Frau in Allahs eigenem Gesetz gehört, hat er die Hadithen und Fatwen zum Prügelvers denn nicht gelesen? Haben die beiden katholischen Seelsorger Aurelia auf die Risiken und Nebenwirkungen des Ehelebens nach Sunna und Scharia nicht hingewiesen? Die vor Aufregung (Schmücker) oder Selbstgefälligkeit (Dienlich) wie angeknipsten Gesichter verraten uns nichts, keine Silbe, doch für ein „Ich weiß nicht viel vom Islam“ seitens des Pfarrers reicht es. Ich bin bestürzt, der Mann kennt die Scharia nicht und zelebriert hier eine christlich-islamische Trauung. Das ist unfasslich, diese Ehe muss annuliert werden.

„Aurelia“, wendet sich der Priester an die Braut: „Wenn Kinder kommen sollten, dann erziehe sie im christlichen Geist und im Namen der christlichen Religion!“ Aha, für das Wörtchen katholisch hat es für eine Ehe zweiter Klasse, Aurelia war ja bereits einmal verheiratet, jetzt nicht mehr gereicht, ein wenig christlich also soll es sein. Der Mann ist zu feige zu sagen, dass der Islam das schlicht nicht zulässt, denn Kinder eines muslimischen Vaters gelten nach der Scharia als Muslime, manche im Publikum werden es wissen, andere nicht. Dr. Dienlich ruft zur Seite:

„Ich bitte Sie, die Stühle zusammen zu stellen!“ und wahrhaftig, herbeieilende Helfer setzen die Stühle Armlehne an Amlehne nebeneinander, die beiden Heiratswilligen setzten sich, ihre roten Gewänder strahlen nun genau in der Blickachse des Mittelganges. Der Priester fragt:

„Aurelia, bist du freiwillig gekommen, ohne Zwang, und willst du Samory aus freiem Entschluss und nach reiflicher Überlegung zum Ehemann nehmen im Namen des universellen Gottes?“

Oho, der Gott des Christentums franst heute etwas aus, wird weich gekocht und hier etwas in die Länge gezogen und da etwas gekürzt, damit er auf Allah passt. An Allah traut sich der Priester nicht heran, das ist interessant: Der Christengott wird universell und multikulturell, Allah jedoch bleibt sozusagen unverändert. Tja, es kann nur Einen geben. Nun, wenn mit einem universellen Gottesbild auch universelle Menschenrechte einhergehen, könnten säkulare Humanisten ja zufrieden sein.

„Ja!“ rief Aurelia, es klang etwas hektisch und verkrampft.

„Und du, Samory, bist du freiwillig gekommen und willst du Aurelia nach reiflichem Überlegen und aus freiem Entschluss zur Ehefrau nehmen, für sie sorgen in Gesundheit und Krankheit, in guten und in schlechten Zeiten?“

„Ja!“ sprach Samory mit würdiger Gelassenheit.

„So reicht einander eure Hände!“

Alle drei standen nun vorne vor der Gemeinde, das heiratswütige Paar Hand in Hand und vor ihnen der Priester mit dem grauen Kostüm oder Kittel zum Woodstock-bunten Regenbogenschal:

„Ich lege meine Stola über eure rechten Hände zum Zeichen der Segnung eurer ehelichen Verbindung.“

So also schlägt die ewige Scharia im katholischen Rheinhessen ein wie ein Komet und die schutzbefohlenen Dhimmis können bei Bedarf das Gefühl haben, noch selbst ein aktives Subjekt zu sein.

Zum ersten Januar 2009 wird das zivilrechtliche Gebot der standesamtlichen Voraustrauung fallen, dann braucht für eine derartige doppelreligiöse oder religionsvermischte oder eigentlich rein schariatische Ehe ein Standesamt, seit 1875 war das Pflicht, gar nicht mehr betreten zu werden. Wie schariatische Ehe? Gewiss, aus islamrechtlicher Sicht findet hier im Kirchengebäude einfach nichts statt, gar nichts, Karneval, Party, Dhimmi-Zauber findet statt. Nichts findet statt. Die ewige Scharia hat die Sache bereits geregelt.

„Und so wollen wir diesen Wortgottesdient schließen mit dem Gebet, das uns Jesus gelehrt hat, der im Islam Issa heißt!“ Man spricht das Vaterunser, jedenfalls die größeren Teile der ’Deutschländer’, die afrikanischen Muslime hören höflich zu. Verflixt, der Priester hat soeben den Jesus als Issa bezeichnet, das ist sehr nett den Muslimen gegenüber, doch ist der Islam nicht über ein halbes Jahrtausend später entstanden und Jesus von Nazareth im Vergleich zu den frühesten Christen in Antiochia oder Korinth dann im Islam völlig anders ausgedeutet worden, nämlich islamisiert das heißt islamisch ideologisiert? Muslime erklären beispielsweise den Jesus Issa zum Muslim, zum vorletzten Propheten, so weit so seltsam.

Doch für welchen Jesus entscheidet sich der Pastor von Sankt Mauritius, begeht Dr. Dienlich nicht Verrat am christlichen Jesus, am seit über zwölfhundert Jahren im gesamten Rheinland verehrten Jesus Christus? Die anwesenden katholischen Bürger ficht das alles nicht an, sie lächeln diplomatisch, wenn auch, wie mir scheint, etwas gezwungen. Moment mal, begibt sich Dr. Dienlich nicht ganz und gar in die Rolle des Dhimmis, der sich mit den Machthabern im Kalifat nicht anlegen will, hat er der islamischen Sichtweise auf Jesus nicht soeben den Vortritt und die Höherrangigkeit gelassen? Ist das noch Höflichkeit oder einfach schiere Entchristianisierung, Entchristlichung? Und wenn diese katholisch Gemeinde ihren Gott und ihren Christus schon bereitwillig zum Islam hin verwässert und verfremdet, sind die regionalen Moscheegemeinden denn auch wirklich im selben Maße ’tolerante Brückenbauer’ und christianisieren, humanisieren und demokratiseren ihren willkürlich barmherzigen Allah und ihren kriegerischen und herrschsüchtigen Propheten Mohammed nachträglich ein bisschen, um den Christen oder Humanisten oder Ex-Muslimen entgegen zu kommen?

Keine Rede von diesen Fragestellungen: Die Kirche verändert sich, der Islam verändert sich nicht. Der zauberhafte Priester islamisiert unseren Jesus auf Koran und Hadithe hin, der Bruder des Bräutigams indessen lügt uns Taqiyya-schamlos ins Gesicht, dass es keine Gewalt in der islamischen Ehe gebe und keine Zwangsehen im Islam. Dr. Dienlich denkt dynamisch und führt die Gemeinde ein wenig hinters Licht. Ich blicke mich um. Alle gucken zufrieden. Na dann!

Doch was ist das? Aus dem Hintergrund rollen zwei Helfer ein Stehpult mit einem aufgeschlagenen, gewaltig großen Buch herbei. Horizontal mehr als einen Meter Kantenlänge. Mir stockt der Atem. Das phantastisch multikulturelle Heiratsritual wird im altehrwürdigen Kirchenbuch der Gemeinde Sankt Mauritius eingetragen? Oder sogar im bischöflichen geheimen Verzeichnis, in dem die paar eigentlich nicht statthaften Kinder gewisser Priester nebst kirchlicherseits zugesagter Versorgung anerkannt sind? „Ich brauche noch die beiden Trauzeugen, die jetzt hier doch einmal unterschreiben möchten.“ Was das wohl für ein Buch war? Meine Neugier wächst ins Unermessliche.

Mit einem kühlen Segen an die Gemeinde verabschiedete der Pfarrer sich und uns, nicht ohne auf die kleine Feier im Nachbarraum hinzuweisen, zu der jetzt gleich im Anschluss doch jeder herzlich eingeladen sei. Doch da, da sagte er noch etwas: „Ich rufe die Gemeinde zum Zeugen dieser heute geschlossenen christlich-muslimischen Trauung auf!“

Irgendwie ist es doch reichlich erpresserisch vom Pastor, uns zum Zeugen zu rufen, da nämlich die Anwesenden die kirchenrechtlichen Folgen vielleicht gar nicht kennen und die schariarechtliche Bedeutung ganz sicher nicht, aber egal. Auf zur deutsch-afrikanischen Party im benachbarten Gemeindezentrum! Es wird richtig nett, Speis und Trank gibt es reichlich, Tanz und Gespräch, Frauen ohne und mit Kopftuch, bei halal-Häppchen und Schinkenbrot, bei Saft und Wein friedlich vereint. Es weiß ja jeder, was er zu essen hat! Musik ertönt, vier Musiker aus Westafrika, Trommel und Zupfinstrumente, herrliche Klänge. Alles redet durcheinander, sehr aufregend, man versteht einander vor lauter Tanzmusik und Fröhlichkeit nur noch mit Mühe.

Ob in allem Trubel die Braut vom Schinkenschnittchen isst oder ein Glas Wein trinkt ist nicht bekannt. Noch stundenlang bleibt die Stimmung ausgelassen und irgendwann verabschiede ich mich. Und in meinem Fortgehen vernehme ich noch aus großer Entfernung den Jubelruf des Dr. Dienlich über der brausenden und wogenden Geräuschkulisse: „In Jerusalem ist vieles möglich!“

In Deutschland ganz offensichtlich auch.

Kasimir Krawczyk

Männerblicke, Frauenkörper

März 22, 2008

نِقاب

Niqab-Forum aktuell:

Das Gesicht wahren heißt Würde bewahren.

Von Ümmühan Karagözlü

Ümmühan Karagözlü antwortet am 22. März 2008 auf Noras Kommentar vom 17. Januar 2008 zum Thema Niqab (islamischer Gesichtsschleier)

Inhalt

01. Einfluss der Modebranche auf Frauenbilder und Männerrollen

02. Patriarchalische Machtstrukturen

03. Männerbilder, Erziehungsstile und Lebenskonzepte der kulturellen Moderne und des traditionellen Islams im Vergleich

04. Koran und Sunna

05. Sunna der Jungenerziehung

06. Sunna der Mädchenerziehung

07. Männerwelt und Frauensphäre

08. Auswirkungen der Geschlechterrollen

09. Die Bedeutung des Gesichtes in der sozialen Interaktion

10. Das Prinzip Niqab

11. Redensarten mit Körperbezug

12. Für Frauen, die sich mit dem Gedanken tragen zu konvertieren oder einen Moslem zu heiraten

13. Rechtliches

14. Kollektivismus gegen Individualismus

Liebe Nora,

01. Einfluss der Modebranche auf Frauenbilder und Männerrollen

hier die angekündigte Antwort auf deinen ausführlichen Kommentar auf der Seite von Jacques Auvergne. Es freut mich, dass es offensichtlich einige wichtige Gesichtspunkte gibt, in denen wir wenigstens teilweise übereinstimmen. So entnehme ich deiner sicherlich rhetorisch gemeinten Frage nach den Machern der Mode, dass auch du den männlichen Einfluss in der Modebranche für unverhältnismäßig groß hältst. Wenn ich überlege, welche ModeschöpferInnen ich namentlich kenne, fallen auch mir tatsächlich wesentlich mehr männliche Namen ein, die dem elitären Kreis der Top-DesignerInnen zuzurechnen sind. Trotzdem bin ich davon überzeugt, dass mindestens ebenso viele Frauen ihr fachliches Können in diesem Berufsfeld unter Beweis stellen wie Männer, wenn auch in anderen Funktionen.

Die größte Anzahl werden die Berufsanfängerinnen stellen. Dürfen zukünftige Designerinnen ihre Ausbildung bei einem berühmten Modehaus beginnen, bringen sie sicherlich wie ihre Kollegen außergewöhnliches Talent, großes Interesse am Beruf und handwerkliche Geschicklichkeit mit, doch fehlen noch theoretisches Wissen, Übung, der eine oder andere handwerkliche Kniff oder Trick, sozusagen der letzte Schliff, um sowohl das manuelle Können der meisterlichen internationalen Konkurrenz zu erlangen als auch einen Modestil zu entwickeln, an dem KundInnen die ’Handschrift’ der DesignerIn wiedererkennen. Die Neulinge in der Modewelt werden sich daher glücklich schätzen, von der beruflichen Erfahrung und dem fachlichen Können ihrer LehrmeisterInnen zu profitieren.

Nachdem mit Beendigung der Lehre handwerkliche Fertigkeiten vervollkommnet und theoretische Fachkenntnisse gefestigt und ergänzt wurden, gehen die beiden Geschlechter jedoch sehr unterschiedliche berufliche Wege. Während die meisten männlichen Mitstreiter sich tatsächlich ihren Wunschtraum erfüllen und sich mit ihrem eigenen Modelabel selbständig machen, verlässt kaum eine Designerin, die nicht das Berufsfeld nach der Ausbildung wechseln möchte, das Unternehmen, bei dem sie ihren Beruf von der Pike auf gelernt hat. Vielmehr stellen die Berufsanfängerinnen Kreativität, manuelles Können, Sachverstand und branchenspezifische Kenntnisse weiterhin in den Dienst des bekannten Modehauses, das nicht selten wiederum unter männlicher Leitung steht.

Diese Designerinnen wirken mit ihren Entwürfen als Trendsetterinnen auf den Modestil der künftigen Saison ein und beeinflussen damit, was en Vogue Ist. Anstatt jedoch wie ihre Kollegen mit der Gründung ihres eigenen Unternehmens die attraktive Chance wahrzunehmen, sowohl mit Know-How, Phantasie und Kreativität ihren ganz persönlichen Modestil zu verwirklichen als auch sich unternehmerischen Herausforderungen zu stellen und Führungsaufgaben zu übernehmen, verzichten sie auf möglichen eigenen Ruhm und eventuelle Spitzenverdienste und tragen statt dessen dazu bei, mit Spürsinn für den Zeitgeist und den Geschmack der modebewussten KundInnen die Spitzenposition der Modefirma für die sie arbeiten zu erhalten und auszubauen. Trotz ihrer herausragenden Leistungen verdienen sie dabei nur einen Bruchteil des Geldes, das die international anerkannten ModeschöpferInnen für die medienwirksame Präsentation der Ideen ihrer MitarbeiterInnen erhalten. Dennoch ziehen die Berufseinsteigerinnen es anscheinend vor, im besser gesicherten Angestelltenverhältnis ihrem kreativen Beruf nachzugehen.

Wie die prozentuale Verteilung der Geschlechter in der Führungselite der beiden großen Teilbereiche der Branche Haute Couture und Prête-à-porter deutlich spiegelt[1], ist der Weg in die Selbstständigkeit für avantgardistische Designerinnen in der Modebranche offensichtlich wesentlich steiniger als für ihre Mitbewerber. Mehr als zwei Drittel der international anerkannten ModeschöpferInnen sind Männer, in der Herrenmode fällt das Zahlenverhältnis für die Frauen noch ungünstiger aus. Wie Recherchen ergaben, ist ein Grund für diese erklärungsbedürftige Zurückhaltung und Bescheidenheit des weiblichen Geschlechtes das hohe unternehmerische Risiko, das mit einer Selbstständigkeit auf einem dem sprunghaft wechselnden Zeitgeschmack so sehr unterworfenen und deshalb schwer einzuschätzenden, von Preisverfall und Firmenkonkursen immer wieder erschütterten Markt verbunden ist. Da diese komplexen brancheninternen Bedingungen jedoch sicherlich für beide Geschlechter gleichermaßen gelten, muss es eine andere genderspezifische Ursache geben, die Berufseinsteigerinnen davon abhält, ihr eigenes Unternehmen zu gründen.

Nach zeitaufwändiger, intensiver Suche im Internet ergab sich, dass ein wesentlicher Grund für die männliche Dominanz im exklusiven Kreis der SpitzenverdienerInnen der Modebranche die zumindest Jahrzehnte lang allgemein übliche Praxis gewesen ist, mit der Banken bei der Vergabe von Existenzgründungskrediten grundsätzlich das so genannte ‘starke Geschlecht‘ bevorzugt haben. Die für die Leitung eines erfolgreichen Unternehmens unverzichtbaren Eigenschaften und Kompetenzen wie Fachkenntnis, Branchenkenntnis, Organisationstalent, Nervenstärke, Autorität, Zuverlässigkeit und Durchsetzungsvermögen sowie sehr gute Kenntnisse im Bereich Management und Marketing wurden von den zuständigen (meist männlichen) EntscheidungsträgerInnen bis in die jüngste Vergangenheit hinein für typisch männliche Eigenschaften gehalten, die Frauen nicht zugetraut wurden. Ein weiteres genauso unsinniges wie altbekanntes Argument, Antragstellerinnen zu benachteiligen und von einer Kreditzusage abzusehen, war die mögliche Mutterschaft und anschließend oft übliche Familienphase junger Frauen.

Wie alle Jungunternehmerinnen waren somit die angehenden Modedesignerinnen schon beim Start ihrer beruflichen Laufbahn stark benachteiligt. Diese offensichtliche, rechtswidrige Diskriminierung von weiblichen Berufsanfängerinnen und Existenzgründerinnen wurde von Frauenverbänden und Gleichstellungsbeauftragten aufgegriffen und thematisiert[2]. Auf deren Protest hin wurden Frauenförderprogramme eingerichtet, Frauenquoten eingeführt, Vergaberichtlinien angepasst, die Babypause für den Vater bzw. die Aufteilung der Elternzeit auf beide Partner ermöglicht und beworben sowie das Betreuungsangebot für Kleinkinder unter drei Jahren ausgebaut. Maßnahmen die, wenn sie konsequent umgesetzt werden, dazu beitragen werden, die Startbedingungen für couragierte Unternehmerinnen nicht nur in der Modebranche in naher Zukunft anzugleichen.

Vielleicht werden Frauen nun die berufliche Selbstständigkeit als große Chance sehen können, Führungsaufgaben auf lukrativer Leitungsebene zu übernehmen, dabei zu einem besonders hohen Prozentsatz auf ihre individuellen, kreativen Fähigkeiten und persönlichen Erkenntnisse zurückgreifen und vertrauen zu dürfen und ihre Kompetenz unter Beweis stellen zu können, den ökonomischen Herausforderungen des Marktes Paroli zu bieten können. Alles in Allem ein für Frauen und Männer gleichermaßen anspruchsvoller, interessanter und abwechslungsreicher Aufgabenbereich, der für Designerinnen genauso niederschwellig zugängig sein sollte wie für ihre Kollegen.

Um dieses lohnenswerte Ziel der Geschlechtergerechtigkeit nicht nur in allen Berufszweigen sondern auch im Alltag umzusetzen, bieten manche Hochschulen in den Fachbereichen Gesellschafts- und Kulturwissenschaften sowie Kunst, Gestaltung und Design gestufte Studiengänge an, die Ergebnisse der Genderforschung integrieren[3]. Ebenfalls lesenswert sind die Bücher der Gleichheitsfeministin Alice Schwarzer.

Wenn Mode wegen der zumindest bisher ungleich verteilten Startchancen am Markt zu fast 70 % von Designern entworfen wurde, kann es eigentlich doch niemanden wirklich erstaunen, dass die Damen- und Herrenmode wesentlich durch den männlichen Blick auf beide Geschlechter geprägt wird. Der hohe Anteil der für renommierte Modehäuser arbeitenden Top-Designerinnen, Männer wird man in diesen abhängigen Arbeitsverhältnissen ohne hohe Verdienstmöglichkeiten eher nicht finden, konnte an dieser einseitigen Ausrichtung nichts ändern, da die Mitarbeiterinnen um ihren Arbeitsplatz zu sichern loyal die Vorgaben der meist wiederum männlichen Geschäftsführung bezüglich Stilrichtung und Linienführung in ihren Entwürfen einhalten müssen. Am ehesten wäre eine aus ausschließlich weiblicher Perspektive entworfene Mode noch von Freiberuflerinnen umzusetzen, doch ist die kleine Gruppe der Jungunternehmerinnen wegen der eindeutig männlich dominierten Konkurrenz einem so hohen Anpassungsdruck ausgesetzt, dass kaum die Möglichkeit besteht, individuelle, weibliche Wege zu gehen.

Gerade die Freiberuflerinnen können auf die oftmals tatsächlich sexistisch-frauenfeindlichen Looks, gemeint ist im wesentlichen in der Öffentlichkeit getragene Kleidung, die im Gegensatz zur Männermode, die den Körper weitgehend bedeckt, an Dékolleté, Bauch, Rücken und Beinen der Trägerin viel nackte Haut zeigt, nicht verzichten, weil diese freizügige Kleidung anscheinend auch den Geschmack der KundInnen trifft, genauso gern getragen wie auch betrachtet und gekauft wird sowie den benötigten Umsatz sichert. Davon müssen die Designerinnen jedenfalls ausgehen, weil nur wenige KonsumentInnen ihren Unmut äußern oder sich mit ihrer Forderung nach weniger sexualisierter Frauenkleidung an die Öffentlichkeit wenden, um so einen Veränderungsdruck auf die verantwortlichen ModemacherInnen auszuüben. Im Gegenteil, die Verkaufsstatistiken beweisen, dass sich sogar bauchfreie, freizügige Alltagskleidung für kleine Mädchen gut verkauft.

Sicher lässt sich auch mit Herrenkleidung in der Modebranche Geld verdienen, denn ein modisches Outfit gewinnt auch für Männer zumindest im Berufsleben an Bedeutung (Dienstleistungsgewerbe), die Kleidung von ’Modemuffeln’ ist auch irgendwann verschlissen oder die Figur hat sich geändert und ein großer Teil der bisherigen Garderobe passt nicht mehr. Weder eine nennenswerte Anzahl der ’Herren der Schöpfung’ noch ihre Partnerinnen werden sich an die Nähmaschine setzen und Hemden und Hosen selber nähen. Trotzdem scheint dieser Teilbereich für freiberufliche Designerinnen tabu zu sein, da die Herrenmode noch fester in ’männlicher Hand’ ist als der Teilbereich der modischen Kleidung für Frauen. Das kann ich überhaupt nicht verstehen. Wenn der Männerblick auf die Frau richtungweisend für den Kleidungsstil der modebewussten KäuferIn ist, warum soll dann die weibliche Sicht auf den Mann nicht prägend für den Stil und die Linienführung der Männermode sein? Frauen sind für den Chick von Männern doch nicht blind und wie Umfragen von namhaften Marketingunternehmen feststellten, wird Herrenmode auch hauptsächlich von Frauen ausgesucht und gekauft[4].

Ganz offensichtlich liegt der Grund für die geringe Teilhabe nicht in der ’weiblichen Fehlsichtigkeit’ für Männer begründet, sondern darin, dass beide Geschlechter die Deutungshoheit darüber, wie erfolgreiche, attraktive Menschen in der Freizeit und im Berufsleben auszusehen haben den ‘Herren der Schöpfung’ überlassen. Das gilt für den beruflichen und privaten Alltag der KonsumentInnen im Allgemeinen, aber gerade auch für Berufsfelder, die sich mit der äußeren Erscheinung meinungsbildend befassen (Werbung, Film-, Kosmetik- und Modebranche). Die männliche Sichtweise wird jedoch solange in allen den genannten Bereichen dominieren, wie Frauen nicht hinsehen dürfen, wenn es sich um das andere Geschlecht handelt und nur „mit Männeraugen“ sehen (dürfen), wenn es um das eigene Geschlecht geht.

Wegen dieses anerzogenen Wegsehens bei der äußerlichen Erscheinung des anderen Geschlechts würden Frauen womöglich nicht einmal bemerken, wenn ihr Verehrer sich für sie besonders ’in Schale schmeißt’. Männer wirken eben nicht durch ihre Kleidung auf Frauen[5]. Das Outfit des Begleiters gewinnt erst dann an Bedeutung, wenn das Paar gemeinsam aus dem Haus geht. Da wird das männliche Outfit plötzlich schlagartig wichtig – jedoch nur, damit der ’Marktwert’ der weiblichen Begleitung steigt. Schließlich hat es eine tolle Frau ja nicht nötig, sich mit irgendeinem ’dahergelaufenen Modemuffel’ ’abzugeben’.

02. Patriarchalische Machtstrukturen

Ganz anders beim so genannten schwachen Geschlecht. Da ist körperbetonte Mode, die im Sommer oft viel nackte Haut zeigt und durch raffiniert in Szene gesetzte körperliche Reize die attraktive Figur der Trägerin unterstreicht und so die Aufmerksamkeit der Männer auf sich zieht, in der Freizeit, bei gesellschaftlichen Anlässen, wie auch im Beruf ein absolutes Muss, um nicht als Außenseiterin ausgeschlossen und gemieden zu werden. Kleidung, auch Dienstkleidung wird von vielen als Mittel zur Kommunikation gesehen. So bestimmt selbst die Polizeiuniform, der Priesterornat und der Sportdress Gesprächsstil und -inhalt. Sicherlich dient die Garderobe zur Selbstdarstellung, sie verkörpert soziale Rollen und beeinflusst unser Fremdbild (Kleider machen Leute). Damenkleidung wird von DesignerInnen und KonsumentInnen jedoch auch als ein Mittel gesehen, anziehend auf Männer zu wirken und Konkurrentinnen auszustechen. Während Verkaufsargumente für Herrenmode in jeder Jahreszeit vor allem ihre Bequemlichkeit, Bewegungsfreiheit und Strapazierfähigkeit sowie der Preis sind. Männermode versinnbildlicht mann-männlichen Konsens, Frauenkleidung weib-weibliches Konkurrieren.

Das patriarchale Prinzip des weiblichen „geflissentlichen Übersehens“ jeder, eben auch der unvorteilhaften Körperlichkeit beim Mann, des permanenten Kontrollierens der eigenen äußerlichen Erscheinung, des Überwachens mit Argusaugen und des Ausbootens aller Mitfrauen ist das mehr oder weniger bewusste Betriebsgeheimnis sämtlicher nicht matristischer Gesellschaften. Jacques Auvergne meinte einmal sehr treffend: „Das Patriarchat bauen die Frauen, die Männer sind auch dazu zu faul.“

Männer dürfen in der Öffentlichkeit attraktiven Frauen hinterher sehen und für das Umfeld deutlich vernehmbar über schöne Frauen mehr oder weniger wertschätzend fachsimpeln, wahrscheinlich ohne das sich irgendjemand, egal ob männlich oder weiblich, deshalb gestört fühlt oder daran Kritik übt. Das eigene Geschlecht lassen sie in der Regel mit Kritik in Ruhe, da sie meist Möglichkeiten finden, ihr „Jagdrevier“ friedlich untereinander aufzuteilen.

Typisch für zur Norm erhobene, traditionalisierte Rollenerwartung von männlichem Verhalten eben, werden „Kenner“ sagen. Wenn etwa zwei Freunden eine hübsche Frau begegnet, müssen sie das kommentieren, sie sind sonst keine ’echten Kerle’. Es wird jedoch zumindest höchstes Erstaunen, wenn nicht gar Missfallen hervorrufen, sollte es eine Frau wagen, in Hörweite anderer Personen eine Freundin auf die gute oder weniger ansprechende Figur eines Passanten aufmerksam zu machen. Mit Sicherheit wird ihr mit deutlichen Worten oder wenigstens nonverbal von BeobachterInnen signalisiert werden, dass dies in der Öffentlichkeit nicht passend sei und auch im privaten Bereich eher nicht üblich.

Die von Männern wie Frauen bisher weitgehend geduldete, wenn nicht sogar von weiblicher Seite selbstschädigend kooperativ unterstützte Amtsanmaßung der alleinigen Deutungshoheit über normgerechtes Rollenverhalten und Idealbilder von Frausein und Mannsein im öffentlichen wie privaten Raum führt zu einer Manipulation der öffentlichen Meinung. Folge ist ein männlich geprägter Alltag, der viele Handlungsspielräume verringert. Die von Männern gestützte frau-frauliche Konkurrenzorientierung und die oft übliche Stutenbissigkeit, mit der sich viele Frauen durch Geschlechtsgenossinnen unter Druck setzen lassen aber auch selber sich und anderen Mitfrauen das Leben durch ständigen Kleinkrieg erschweren[6], behindert außerdem die konstruktive Zusammenarbeit von weiblichen Teams und solidarisches Verhalten unter Frauen. Auf diese Weise entsteht ein hoher Konformitätsdruck unter den Frauen, der beispielsweise einen individuellen Kleidungsstil sehr einschränkt, zur ungesunden Ernährung verleitet und die Lebensqualität von wenigstens 50% der Bevölkerung in Beruf und Freizeit beeinträchtigt, denn auch einige Männer würden gerne anders leben.

Ein Musterbeispiel für krankmachenden Anpassungsdruck ist der augenblickliche Trend zum knabenhaften, vorpubertär-androgynen Frauenkörper, der Models in die Alkohol- und Drogensucht, Teenager in die Magersucht treibt. Modeschöpferinnen, Kolleginnen und Klassenklassenkameradinnen sahen lange zu und unternahmen nichts. Endlich wurde die lebensbedrohende Gefährlichkeit dieses Schlankheitswahns erkannt, es regt sich Widerstand. Bei der Madrider Modewoche, von Pasarela Cibeles im September 2006 wurde etwa durch einen Erlass der Bezirksregierung von Madrid Models mit einem BMI unter 18 der Auftritt untersagt[7], es gibt die ersten Selbsthilfegruppen für Essgestörte, in den Schulen wird über die verschiedenen Formen der Magersucht informiert.

Immer noch gilt das Motto, ’Wer sich nicht anpasst, wird ausgeschlossen’, und AußenseiterIn will keineR sein. Sogar bei Bewerbungsgesprächen wird von der persönlichen Erscheinung auf die berufliche Kompetenz geschlossen. Bewerberinnen, die sich nicht vorteilhaft und modisch kleiden und / oder älter als das Gros der MitbewerberInnen wirken oder dem aktuellen Frauenbild aus anderen Gründen nicht entsprechen, traut man beispielsweise die für eine erfolgreiche berufliche Tätigkeit notwendige Kompetenz und Flexibilität nicht zu. Für Frauen mit weiblicher Figur (Kleidergröße 42, die heute oft der früheren Damengröße 40 zu entsprechen scheint) ist die Auswahl an modischen Textilien in Boutiquen, Mode- und Versandhäusern stark eingeschränkt. Wenn die Kundinnen nach langer Suche endlich ein passendes Kleidungsstück gefunden haben, bezahlen sie für ihren nonkonformen, selbstbestimmten Lebensstil und ihre gesunde Ernährungsweise einen überteuerten Preis, eine Art ’Strafzoll’, da Kleidungsutensilien dieser Größe in geringerer Stückzahl produziert werden und angeblich kostenintensiver in der Herstellung sind. Wer sich im Straßenbild einmal umsieht, wird jedoch feststellen, dass Modehäuser dringend umdenken sollten, wenn sie Mode für ihre Kundinnen entwerfen wollen und nicht gegen sie.

Entsprechend groß ist der soziale und ökonomische Druck auf wirklich übergewichtige Frauen (BMI>30), besonders wenn sie kleiner als 1,60 m sind. Sie sind gut beraten, ihre Garderobe selbst zu schneidern, wenn sie nicht Gefahr laufen wollen, frustrierende Odysseen durch Fußgängerzonen zurückzulegen, um dann mit einem total überteuerten Kleidungsutensil nach Hause zu kommen, dass eigentlich nicht gefällt, dass aber wenigstens einigermaßen passt. Online-Shopping verbessert die Erfolgschancen nicht und erspart noch nicht einmal die Wege, da die Kleidungsstücke nicht anprobiert werden konnten und öfter mehrmals hin- und her geschickt werden müssen, weil sie nicht passen.

An diesen Beispielen wird deutlich, dass es offensichtlich auch in demokratischen Gesellschaften der kulturellen Moderne Überreste von traditionellem Rollenverständnis und patriarchalischem Verhalten gibt, die sich im Bereich der Selbstdarstellung (impression management, die hohe Kunst des Eindruckschindens) besonders leicht nachweisen lassen. Sollen tatsächlich vorhandene Handlungsmöglichkeiten ausgeschöpft und sogar erweitert werden, was zu einer Verbesserung der Lebensqualität und zu partnerschaftlichem, friedlichem Miteinander beider Geschlechter aber auch der Frauen untereinander führen würde,. dann kann dieses geschlechtergerechte Idealbild demokratischer Gesellschaften nur erreicht werden, wenn Frauen wie auch Männer sich emanzipieren, indem sie umdenken und traditionelle Rollenklischees, veraltete Verhaltensmuster, überholte Einstellungen und festgefahrene Denkprozesse aufgeben.

Gerade die Branchen, die sich als Trendsetter mit dem äußeren Erscheinungsbild der Geschlechter beschäftigen (Werbung, Film-, Kosmetik- und Modebranche) tragen wegen ihrer prägenden Einflussnahme auf den Zeitgeist und das idealtypische Aussehen von Frauen und Männern tragen eine hohe Verantwortung, da ihre Entwürfe von Männlichkeit und Weiblichkeit den privaten wie auch beruflichen Alltag beider Geschlechter mitgestalten. Sie haben es in der Hand eine Neubewertung und Umorientierung alter patriarchaler Denkmuster einzuleiten und zu bewerben. Tatsächlich riskieren einige Firmen bereits neue Wege (Dove)[8]. Grundlage und Rüstzeug für den einzuleitenden Umdenkungsprozess und die neuen Bewertungskriterien liefern geschlechtssensible Mädchen- bzw. Jungenarbeit, gemischt- und getrenntgeschlechtliche Diskussionsforen, intergenerative, gleichheitsfeministische[9] Bildungbausteine, Selbsterfahrungsseminare, gemischt- und getrenntgeschlechtliche Qualitätszirkel in den Berufsfachausschüssen und Bildungseinrichtungen, Genderstudies, sowie Bücher der Gleichheitsfeministin Alice Schwarzer.

Wie du siehst, liebe Nora, ist auch die BRD noch ein weites Stück von dieser Idealvorstellung eines gendergerechten demokratischen Rechtsstaates entfernt. Doch frei nach dem Motto: Gefahr erkannt, Gefahr gebannt, arbeiten die BefürworterInnen der kulturellen Moderne aktiv daran, eine humane Umwelt zu gestalten, die, auf dem Fundament der FdGO basierend, individuelle Lebenskonzepte zulässt und schützt, so lange diese nicht die Freiräume anderer Mitmenschen einschränken. Auch einige der Kommentatorinnen zum ’Thema: Burka und Tschador verbieten’ auf dem Blog Sägefisch berufen sich auf Grundrechte wie Meinungsfreiheit und Religionsfreiheit und fordern diese ein, würden jedoch vorziehen, diese Rechtsansprüche à la carte (Arzu Toker) zu nutzen. Nur haben Grundrechte universelle Gültigkeit, sie gelten für jede und jeden, unabhängig von Geschlecht und Ansehen der Person. Demokratie und BürgerInnenrechte wie an der Käsetheke, nach dem Motto „Wie viel Demokratie darf’s denn bitte sein?“ gibt es nicht (Jacques Auvergne).

Hier scheiden sich die Geister von RepräsentantInnen eines aufgeklärten, moderaten Islams[10] von fundamentalistischen MuslimInnen, die ihr Welt- und Menschenbild aus den, wie sie glauben, nicht interpretierbaren islamischen Quellen Koran, Sunna, (Hadithen) und Scharia entlehnen oder sich gar wie die SalafistInnen an Werten der kulturellen Vormoderne orientieren. Wenn die folgenden Zeilen für dich, Nora, wie auch für einige andere Schwestern eine Zumutung sein mögen, es wäre schade, wenn ihr hier nicht weiter lesen würdet.

03. Menschenbilder, Erziehungsstile und Lebenskonzepte der kulturellen Moderne und des traditionellen Islams im Vergleich

Wir DemokratInnen, gleich welcher Religion oder Weltanschauung, bejahen die Grundannahmen des Humanismus und der Aufklärung, die vor allem davon ausgehen, dass Frauen wie Männer gleichberechtigte, gleichgestellte Lebewesen sind. Beide haben im Grunde einen guten Charakter. Kognitive Fähigkeiten sind gleich gut ausgeprägt und nicht von der Geschlechtszugehörigkeit abhängig. Anders als in der kulturellen Vormoderne, wo beispielsweise der Sohn Generation für Generation der gleichen Tätigkeit nachging wie der Vater und Frauen an die Rolle der Hausfrau und Mutter gebunden waren, haben wir BürgerInnen heute Dank unseres freien Willens die Möglichkeit uns zwischen mehreren Alternativen zu entscheiden. Wir streben danach, unser Leben selbst zu bestimmen und zu gestalten. Hindernisse die sich dabei in den Weg stellen, sehen wir als anregende Herausforderung, um als handelndes Subjekt, allein oder im Team, Strategien zu entwickeln, diese Barrieren aktiv abzubauen.

Schritt für Schritt, die individuelle Entwicklungsstufe berücksichtigend, leiten wir humanistisch orientierten, freiheitsliebenden BürgerInnen Kinder und Jugendliche dazu an, selbstständig zu denken, sich ihre eigene Meinung zu bilden, neugierig Fragen zu stellen, Gehörtes zu reflektieren und kritisch zu hinterfragen sowie Wissenstransfer von bereits Erlerntem durchzuführen, um als kleine ’ForscherInnen’ und ’ErfinderInnen’ ihre Umwelt zu entdecken und zu erobern. Wir ermutigen schon Mädchen und Jungen im Grundschulalter dazu, ohne Angst zu sagen, was sie denken, wir laden Jugendliche ein, sich bei Diskussionen interessanter Themen zu beteiligen, zunächst nur zuzuhören, dann mutig ihren Standpunkt darzustellen und zu vertreten. Sie lernen, mit Kritik an der eigenen Person konstruktiv umzugehen, aber auch bei noch so hitzigen Diskussionen Sachargumente von Persönlichem zu trennen.

Altersgerecht vermitteln wir Eltern und an der Erziehung beteiligte (ErzieherInnen, LehrerInnen, SozialrbeiterInnen) beiden Geschlechtern den Umgang mit Werkzeugen und Haushaltsgeräten, um Mädchen wie auch Jungen in die Lage zu versetzen, erste Hausarbeiten verantwortungsvoll zu übernehmen und kleinere Reparaturen durchzuführen. So gibt man den männlichen Helfern durchaus ein Spültuch in die Hand während man jungen Radfahrerinnen das sachgerechte Flicken eines Fahrradschlauches und den geschickten Umgang mit Hammer und Nagel zutraut. Selbstverständlich dürfen der große Bruder und der Vater die kleine Schwester bzw. Tochter auch mal wickeln und füttern und manchmal grillt auch die Tochter mit ihrer Mutter die Steaks beim Sommerfest. Kulturtechniken wie das Lesen, Schreiben, Sprachkompetenz, der sichere, Missbrauch ausschließende, geübte Umgang mit modernen Kommunikationsmitteln wie dem Internet, Email, und Diskussionsforen befähigen lernwillige, wissbegierige SchülerInnen und Erwachsene beider Geschlechter sich mitzuteilen und sich zu informieren.

Beim Spielen mit Bauklötzen lernen schon die Kleinkinder, kreativ ihre Umwelt zu gestalten, aktiv eine „Welt“ nach ihren Vorstellungen zu bauen. Sollte sich für sie herausstellen, dass einige Bauteile den Anforderungen der ’KonstrukteurInnen’ nicht entsprechen, zerstören sie diese, um sie verbessert wieder aufzubauen. So erkennen schon Kleinkinder physikalischen Grundregeln wie Statik und Hebelgesetze und lernen spielend sie zu nutzen. Auch manche Mädchen haben an dieser Beschäftigung viel Freude. Buntstifte beflügeln die Phantasie, bringen die Welt nahe. Beim Malen kopieren Kinder zunächst die Natur, um später bildnerisch auszuprobieren, wie man sie ästhetisch und visionär verändern kann. Die gewonnenen Erkenntnisse werden anschließend beispielsweise beim Konstruieren mit Technikbaukästen umgesetzt. Oft genug habe ich beobachten können, dass ’Baumeisterinnen’ hier mit Phantasie und Können genauso zu anschaulichen Ergebnissen kommen wie ihre Freunde. Das Spielen mit Puppen ermöglicht Rollen und Verhaltensmuster auszuprobieren. Besonders spannend, authentisch und realitätsbezogen wird dieses Austesten, wenn Jungen mitspielen.

In der Schule lernen Schulkinder, dass wissenschaftliche Thesen so lange Gültigkeit haben, bis sie durch neue Erkenntnisse erweitert oder sogar falsifiziert werden. Anderenfalls würden wir heute noch an den ’physiologischen Schwachsinn des Weibes’ glauben. Die Bibel lernen SchülerInnen im aufgeklärten Religionsunterricht als eines von vielen der durch Menschenhand verfassten Regelwerke kennen, nach dem nicht nur ChristInnen sich orientieren können und dass in seinem geschichtlichen Zusammenhang gesehen und erklärt werden kann. Das kritische Hinterfragen religiöser Texte und das Diskutieren über Glaubeninhalte zeugt von lebhaftem Interesse und Beiträge von Erwachsenen sind durchaus erwünscht. Andersgläubige und AtheistInnen werden eingeladen, sich bei Bibelabenden und Vorträgen zu beteiligen, wer religiöse Inhalte oder Würdenträger in einer Satire persifliert oder karikiert, muss sich weder vor Lynchjustiz noch vor strafrechtlichen Konsequenzen fürchten. Da laizitäre Gesellschaften Aufgaben- und Einflussbereiche des Staates und der Kirche trennen, muss niemand als BürgermeisterIn zurücktreten, weil sie oder er sich kritisch zum Inhalt der Sonntagspredigt geäußert hat oder als KatholikIn sonntags nicht zur Messe geht. Austritt aus einer Kirche oder Übertritt zu einer anderen Weltanschauung ist aus Gründen der Religionsfreiheit ohne persönliche Einschränkungen, berufliche Nachteile oder gar Gefahren für Leib und Leben möglich. Frauen werden in Europa nicht mehr als Hexe verbrannt oder gesteinigt, weil sie angeblich vom Teufel benutzt wurden, um durch ’schwarze Magie’ Menschen, Tiere und Ernte zu vernichten.

All diese zum Experimentieren einladenden Handlungsspielräume, individuellen Gestaltungsoptionen, selbstbestimmten Denk- und Verhaltensmuster, der gleichberechtigte, barrierefreie Zugang zu allen öffentlichen und privaten Bereichen sowie Chancengleichheit in Bildung und Beruf begünstigen eine optimale, den eigenen Fähigkeiten und Begabungen entsprechende Selbstverwirklichung, eine qualitativ hochwertige Lebensführung und Zufriedenheit sowie eine emanzipierte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Wenn diese Idealvorstellungen auch noch nicht erreicht sind, so sind wir reife, demokratische Persönlichkeiten der Überzeugung, als weitgehend freies, eigenständig handelndes und individuell denkendes Subjekt Lösungswege zu entwickeln, die diesen angestrebten Zielvorstellungen zumindest sehr nahe kommen. Wir gestalten unsere Umwelt und wissen zu schätzen, dass wir unsere Lebensbedingungen allein oder im Team zu einem wesentlichen Teil selbst beeinflussen und verändern können. Wir nutzen unsere körperlichen, mentalen und geistigen Kräfte, um als Fachmänner und Spezialistinnen in eigener Sache uns und unseren Kindern schon zu Lebzeiten ein zufrieden stellendes, selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.

04. Koran und Sunna

Während die Mehrzahl der BundesbürgerInnen ihren Alltag auf dem Fundament des Grundgesetzes und anderen abgeleiteten laizitären Regelwerken sehr individuell und weitgehend selbstbestimmt gestaltet, ist der Tagesablauf für Muslime vor allem jedoch für Musliminnen den strengen religiösen Regeln des Korans und der Scharia unterworfen. Für die meisten AnhängerInnen dieser Weltreligion sind diese Regelwerke von Allah den Menschen gesandt und als Gottes Offenbarung ewig und vollkommen. Textstellen können daher nicht im historischen Zusammenhang gesehen und verstanden werden, sie sind angeblich eindeutig und unveränderbar, sie zu kritisieren ist Gotteslästerung, die nach Scharia-Recht schwer bestraft wird. Besondere Berücksichtigung im muslimischen Alltag finden auch Überlieferungen aus dem Leben des Propheten und seiner Gefährten, im Wesentlichen Sammlungen von Aussagen, Taten, Ratschlägen und Verboten des Gesandten Allahs und seines Umfeldes, die je nach Quellenlage (Isnâd, Kette der Überlieferungen) mit unterschiedlicher Verbindlichkeit Verhaltensweisen verbieten, ablehnen oder empfehlen.

Leben MusliminInnen korangetreu und nach diesen Richtlinien, schließen die strengen Regeln viele Handlungsfreiheiten, die von den Menschen in einer säkularen, demokratisch-humanistischen Gesellschaft jederzeit genutzt werden können insbesondere für Frauen aus. Wer beispielsweise vom Islam zu einer anderen Religion wechseln möchte, ist abtrünniger Apostat und muss um sein Leben fürchten, da Glaubensabfall als todeswürdiges Hadd-Verbrechen gilt. Ebenso wird niemand es wagen, die Freitagspredigt kritisch zu hinterfragen. Der Koran und die Scharia sind für traditionell denkende MuslimInnen über jede menschliche Kritik erhaben, Prediger und Gelehrte sind Autoritäten, die den Willen Allahs in für Jede und Jeden verständliche Worte fassen. Anders als die meisten Mitglieder der Gemeinde, die ihre eher bescheidene Fachkenntnis ausschließlich auf die religiöse Erziehung im Clan und die Koranschule stützen, haben diese Islamgelehrten eine gründliche religiöse Ausbildung durchlaufen und gelten als Experten von hoher Glaubwürdigkeit, die man allein deshalb schon nicht anzuzweifeln wagt, weil man befürchtet, dass die Kritik Allah missfallen und damit das persönliche Seelenheil gefährden könnte.

05. Sunna der Jungenerziehung

Während in weitgehend laizitären, humanistisch-demokratisch geprägten Gesellschaften der berufliche wie auch private Alltag für beide Geschlechter wenigstens im Idealfall qualitativ und quantitativ gleiche Handlungsmöglichkeiten bereithält, ist im Islam Freizügigkeit und Handlungsvielfalt grundsätzlich an die Zugehörigkeit zum männlichen Geschlecht gebunden. Jungen werden von Geburt an eindeutig bevorzugt, ihnen werden vor allem in der Kindheit nur selten Grenzen gesetzt. Das zeigt sich besonders deutlich, wenn sich der Lausbub daneben benommen hat. Meist springt Annääh dann in die Bresche, und bügelt die unangenehmen Folgen für ihren Sohn aus.

Greift der kleine Bruder beispielsweise, nachdem er schon mehrere Stücke Schokolade gegessen hat, schnell in dem Moment nach der letzten Ecke, als seine Schwester auch von der Süßigkeit probieren will, weist Annääh das Mädchen an, großzügig und rücksichtsvoll zu sein, sie sei doch die Ältere und Vernünftigere. Gibt es wegen schlechter Leistungen Probleme in der Schule, mutiert die zurückhaltende, scheue Muslima zur Löwenmutter und greift zur Strategie des Dschihad im Lehrerzimmer[11]. Bei grobem Fehlverhalten ist ihre Phantasie und Diplomatie gefragt, um Entschuldigungsgründe für die groben Lausbubenstreiche und respektlosen Unverschämtheiten zu erfinden und die wütenden Geschädigten zu beschwichtigen.

Vor allem die Mütter und weiblichen Verwandten sind es, die durch ihr rollengerechtes, unterwürfiges Vorleben weiblicher Handlungs- und Reaktionsmuster einerseits und die nach Sunna, Koran und Scharia ausgerichteten ungleichen Erziehungsmethoden für Mädchen und Jungen andererseits diese extreme Genderapartheit und vormodernen Rollenkonzepte zu übermitteln und traditionsgemäß unreflektiert an die nächste Generation weiterzugeben und zu festigen haben. Sollte diese gottergebene, weitgehend auf den Erhalt und die Verewigung religiöser und kultureller Traditionen bedachte Lebensweise nicht durchbrochen werden, werden die erwachsenen Kinder die Lebens- und Alltagskonzepte ihrer Eltern voraussichtlich genauso unkritisch für die neu gegründete Familie übernehmen und ihrerseits an den Nachwuchs weitergeben.

Nie habe ich in streng muslimischen Familien Bausteine, Legosteine, Puppen, Buntstifte oder Märchenbücher gesehen. Die Eltern wollen ihre Kinder vor westlichem Einfluss bewahren, Spielen mit gleichaltrigen ’Ungläubigen’, das Feiern von Kindergeburtstagen, Theaterbesuche, sind daher verbotene Freizeitaktivitäten, Kunst- Schwimm- Sport- und Aufklärungsunterricht ist für viele SchülerInnen wegen ihrer Weltanschauung verpönt. Rechtsgelehrte wie Mohammad Rassoul ermutigen verunsicherte Erziehungsberechtigte, ihre Kinder abzugrenzen und in Parallelgesellschaften aufwachsen zu lassen.

Spätestens mit 10 Jahren werden die Jungen, von den männlichen Angehörigen dem wachsenden Verstand angemessen, Schritt für Schritt an die korangetreue Lebensweise herangeführt. Während die Regeln des heiligen Buches der Muslime und die Empfehlungen der Sunna mit Strenge vermittelt und durchgesetzt werden, Ungehorsam wird durchaus mit körperlicher Züchtigung bestraft, messen die Erziehungsberechtigen der Wertehierarchie der Mehrheitsgesellschaft sowie den Regeln des Zusammenlebens in der kulturellen Moderne offensichtlich wenig Bedeutung zu, einige lehnen diese sogar ab. Nach einer Untersuchung des Innenministeriums der BRD zu Integration und Integrationsbarrieren von Muslimen in Deutschland (18.12.2007)[12] stimmte beispielsweise jeder vierte gläubige Befragte zu, sogar körperliche Gewalt gegen ’Ungläubige’ anzuwenden, wenn es der Umma diene. Grund für diese demokratiefeindlichen Haltungen und islamistischen Denk- und Handlungsmuster seien vor allem ’die einseitige Ausrichtung auf nicht-deutsche, demokratiefeindlich ausgerichtete Medien (Fernsehsender, Videos, Zeitungen) sowie der ebenso einseitige Rückzug in ethnisch‑religiös geschlossene Milieus’, der wie ich meine durch die Erziehungsberechtigen und Miterziehenden gefördert und verstärkt wird[13] indem sie z.B. den Kontakt zu andersgläubigen Nachbarn einschränken, wenn nicht gar verbieten. Auch die Hetze radikaler Prediger und Koranschulen. So wurde ein mit langem, schwarzen Mantel, Hut und Schläfenlocken traditionell gekleideter Russlanddeutscher von einer Gruppe 8-10 jähriger Muslime als „Scheiß Jude“ beschimpft. An ihrer Grundschule haben die Kinder sicherlich nicht gelernt, wie gläubige Juden zu erkennen sind und wie man sie diskriminiert.

Folgen dieses Erziehungsstils des ’Laissez Faire’ bei Jungen sind Frustration und Gewalt sobald die verwöhnten Muttersöhnchen mit Regeln des Schul- oder Gemeinwesens der kulturellen Moderne konflikthaft konfrontiert werden und wegen ihres rücksichtslosen in den Tag Hineinlebens auffällig werden. Männliche Heranwachsende mit muslimischem Migrationshintergrund tragen vor allem wegen der Unvereinbarkeit ihrer lange Zeit ungebremst ausgelebten Allmachtsphantasien und der Verachtung der Lebensweise der ’Ungläubigen’ mit ihren von der Mehrheit akzeptierten Regeln der demokratischen Moderne ein hohes Risiko, in säkularen Gesellschaften straffällig zu werden.

In der ’Zeit des unruhigen Blutes’ dürfen Muslime jedoch heterosexuelle Erfahrungen mit weiblichen Andersgläubigen sammeln ohne eine feste Beziehung oder gar Ehe anzustreben. Pflichtgemäß müssen sie diese Frauen wegen ihres ’unwürdigen, gottlosen Lebensstils und der großzügigen Sexualmoral besonders verachten. Mit einem Mann zu schlafen, ohne mit ihm verheiratet zu sein, ein solches ’Lotterleben’ ist für Frauen nach islamischen Regeln eine Schande, auch in der Familie des jungen Mannes missbilligt man diese freizügige Lebensweise und hält solche Mädchen für Schlampen. Sollte sich der Sohn trotzdem in eine solche zügellose Modernistin verlieben, niemals würden die Eltern sie als Schwiegertochter akzeptieren und alles daran setzen, eine solche Ehe zu verhindern. Wenn männliche muslimische Heranwachsende es mit der Treue nicht so genau nehmen und mehrere Freundinnen gleichzeitig haben, sieht man ihnen das in der Familie und in der Community großzügig nach, sie sind halt ’junge Heißsporne’, heimlich wird man sogar die ‚tollen Hechte’ bewundern. Außerdem hatte ja auch der Prophet mehrere Frauen. Für eine Muslima wäre ein derartiger ’Männerverschleiß’ jedoch undenkbar, mit einem Mann aus sexueller Lust zu schlafen ist für diese Frauen höchst kompromittierend, die Familie würde einen solchen Lebenswandel, der Schande über die ganze Sippe bringen würde, nicht akzeptieren.

Selbst wenn eine Horde muslimischer Jugendlicher eine sommerlich leicht bekleidete ’Ungläubige’ vergewaltigt, bringen die Täter keine Schande über die Angehörigen, weil ein solches Verhalten nach den Richtlinien der Sunna[14] regelgerecht ist, die Verbrecher in den traditionellen Milieus der Parallelgesellschaften sogar aufwertet. Selbst wenn der Moslem vergewaltigt, ist nach den Denkmustern der muslimischen FundamentalistInnen grundsätzlich die Frau schuld, schließlich kann es nach islamischem Verständnis gar nicht anders sein, als dass sie ihn verführt hat und das ’arme männliche Opfer’ nur ihrer raffinierten Verführungstaktik und wirkungsvoll in Szene gesetzten Reizen erlegen ist. Muslimische Ehemänner, die ihre Frauen und Kinder verprügeln, verletzen ebenfalls nicht die falsch verstandene Ehre ihrer Familie. Gemeinsam bei einer chronisch kranken alten Dame einzubrechen, sie bestialisch zu quälen und sie zu bestehlen[15] ist für islamistisch denkende Clans ebenfalls ein dummer Jungenstreich, wenigstens solange es sich bei der gedemütigten Frau um eine Dhimmi handelt. Nach dem brutalen Überfall (Juli 2007) der Kinderbande in Mönchengladbach-Speick haben weder die albanischen Eltern der Haupttäter noch ein Hodscha oder Imam diese menschenverachtende, respektlose Untat verurteilt. Das StGB der BRD gibt den jungen Migranten offensichtlich keine Handlungsorientierung, der Clan missbilligt lediglich das sich Erwischen lassen.

Solange Muslime die Regeln und Verhaltensempfehlungen von Koran, Sunna und Scharia hoch achten und die Hierarchie des Clans respektieren, sind sie sich in für sie bedrohlichen Situationen der Solidarität und Unterstützung der Sippe sicher. Sollte wegen der aus der stammesüblichen Missachtung der demokratischen Regeln und Wertehierarchien der christlich-humanistischen Mehrheitsgesellschaft resultierenden Respektlosigkeit und des größenwahnsinnigen Hochrisikoverhaltens (verbotene Autorennen, Straftaten als gefährliche Mutproben, Schlägereien, Sachbeschädigung) Ärger ins Haus stehen, Annääh läuft zur Hochform auf und bringt alles wieder ins Lot, auch die übrigen Familienmitglieder verharmlosen nachsichtig grobe Rüpeleien als dumme Bübereien.

Doch hat diese Solidarität des Clans einen Pferdefuß: Sollte der Familienrat beschließen, dass auf Grund eines Verstoßes gegen die Maßgaben von Sunna, Koran und Scharia die falsch verstandene Familienehre wieder rein gewaschen werden muss, gibt es für den potentiellen Mörder kaum einen Ausweg sich dem innerfamiliären Auftragsmord zu entziehen. Ayhan Sürücü musste seine Schwester Hatun Aynur umbringen, wenn er sich nicht selbst in Lebensgefahr begeben wollte. Mit seinen Gewissensbissen, die sicherlich auch im Milieu des Tötens aus falsch verstandener Ehre den Täter quälen, muss der inhaftierte Schwesternmörder nun lange Jahre in einer beengten Zelle hinter Gittern leben. Ich glaube nicht, dass die vom Vater nach der Tat geschenkte goldene Uhr und der ihm von seinem älteren Bruder wegen der Untat entgegengebrachte ’Respekt’ darüber hinwegtrösten können.

Während beim ’Dschihad im Klassenzimmer’ und bei den ’diplomatischen Verhandlungen mit den aufgebrachten Geschädigten’, die unter dem ungezügelten Draufgängertum und der sadistischen Respektlosigkeit der Söhne zu leiden hatten, die Mütter gut genug sind, ihre Söhne zu verteidigen und ’über den grünen Klee’ zu loben, um sie ins ’rechte Licht’ zu rücken und für ihre verwöhnten Bengel die ’heißen Kastanien’ aus dem Feuer zu holen, ist jedoch der Vater als Familienoberhaupt zuständig, wenn der Jugendliche oder Heranwachsende bei einer Straftat erwischt wurde und von der Polizei abzuholen ist oder Elterngespräche geführt werden sollen. Seine Ehefrau ist auf dieser Hierarchieebene nicht mehr vertretungsberechtigt. Doch statt mit der Polizei gemeinsam nach Lösungskonzepten zu suchen, beispielsweise das Jugendamt hinzuzuziehen, scheitert zunächst das Gespräch an den tatsächlichen oder angeblichen schlechten Kenntnissen der deutschen Sprache des Vaters. Doch auch ein eilig herbeigerufener Dolmetscher wird den Klienten voraussichtlich nicht überzeugen können, sein Recht auf Unterstützung in schwierigen Erziehungssituationen in Anspruch zu nehmen, da es aus väterlicher Sicht doch gar keine Probleme gebe. Der Junge sei nicht wirklich schlecht, er werde ihm gründlich ins Gewissen reden. Zuhause geschieht dann … nichts. Es folgt die nächste Straftat. Das oben beschriebene Prozedere wiederholt sich nicht selten ein paar Mal, die später im dann fälligen Jugendgerichtsverfahren als Erziehungsmaßnahme auferlegten Sozialstunden werden in der Regel nicht abgeleistet, was wegen Überlastung der Jugendgerichtshelfer nicht sofort geahndet wird. Und prompt beginnt der Teufelskreislauf von vorne. Unter den gleichaltrigen Kumpels gelten die dickfelligsten Ignoranten als Helden. Nicht nur die Schwerfälligkeit und Langatmigkeit der Justizbehörden sondern vor allem das stillschweigende Dulden der Straftaten seitens der Community verleitet manche der fehlgeleiteten jungen Straftäter dazu zu glauben, einen Freibrief zu haben, ihre kriminellen Allmachtsphantasien jahrelang auszuleben.

06. Sunna der Mädchenerziehung

Ganz anders sieht die Erziehung bei den frommen Töchtern aus. Muslimischen Mädchen und Frauen sind von klein auf viele Bereiche des öffentlichen und privaten Lebens wegen der vor allem in Koran und Sunna genannten patriarchalen Verhaltensregeln, Denkmuster und Einstellungen nicht zugängig, beziehungsweise strengen Vorschriften unterworfen. So dürfen Frauen und Männer nicht gemeinsam beten. Schülerinnen sollen nicht an mehrtägigen, gemischten Klassenfahrten teilnehmen. Oft werden sie vom Sexualkundeunterricht befreit. Für die regelgerechte Abmeldung vom Schwimm- und Sportunterricht können sich Eltern bereits Form vollendete Vordrucke aus dem Internet herunterladen. Wenn eine Schule auf einer Teilnahme am Schwimm- und Sportunterricht besteht, müssen die Schülerinnen unpraktische Kleidung tragen, die Beine und Arme, zwar züchtig verhüllen, den Anforderungen an die Beweglichkeit jedoch nicht gerecht wird. Auch sollen die Haare trotz der unfallträchtigen Befestigungstecknadeln selbst beim Handballtraining unter Kopftüchern versteckt werden, damit der Haarschopf nicht die Aufmerksamkeit eines Lehrers oder Mitschülers auf sich zieht.

Männer und Frauen geben sich zur Begrüßung nicht die Hand, da selbst der harmlose kurzfristige Hautkontakt sexuelle Begierden beim männlichen Gegenüber wecken könnte. Muslimas ist es in der Öffentlichkeit verboten, ohne sehr triftigen Grund einen Mann anzusprechen, entsprechend werden es Männer vermeiden, mit ihnen zu reden. Es gibt Rechtsauffassungen, die sogar den Tagesgruß erotisieren. Im Gegensatz zu ihren heranwachsenden Brüdern, die hingehen dürfen, wohin sie wollen und sich treffen mit wem sie wollen, überwachen Familien ihre Töchter, verbieten ihnen den Besuch von KlassenkameradInnen, selbst wenn diese Glaubensschwestern sind, das draußen Herumtollen und Spielen wird eingeschränkt, ein spontaner Stadtbummel, Spaziergang, Ausflug ist Jugendlichen nicht mehr möglich, Kinobesuche sind verboten. Es sind meist die weiblichen Angehörigen, die bereits die Mädchen im Grundschulalter an das Tragen eines Kopftuches gewöhnen wollen. Immer mehr islamische Familien gestalten ihren Alltag genau nach den traditionellen, in der Sunnah und im Koran mit verschiedener Verbindlichkeit empfohlenen Verhaltensmustern und Regeln. Nach Einbruch der Dunkelheit, das kann im Winter in unserer Klimazone schon gegen 16.30 sein, hat daher eine anständige Frau nichts mehr auf der Straße verloren, es sei denn sie ist verschleiert und in Begleitung eines Mahrams. Die Jungfräulichkeit der unverheirateten Frauen, die einen wesentlichen Teil der falsch verstandenen Ehre der ganzen Sippe symbolisiert, muss unbedingt geschützt werden, da ist fast jedes Mittel recht. Fest davon überzeugt, wie allen Frauen auch ihren Töchtern allein auf Grund ihres angeblich verführerischen und teuflischen Weiblich-Seins misstrauen zu müssen, versucht der Clan durch strenge Kontrolle und das Bestehen auf akribisch einzuhaltende Vorschriften ’Schande’ von der Familie fernzuhalten.

Die an den Aussagen von Koran und Sunna orientierten, streng einzuhaltenden Verhaltensregeln bauen bei den Mädchen und Frauen einen hohen Konformitätsdruck auf, der sich nicht selten in Verhaltensauffälligkeiten wie Ritzen und Essstörungen[16] manifestiert. Spätestens mit Einsetzen der ersten Regel, bei Südländerinnen im Schnitt mit zehn Jahren, unterstützt die Tochter die Mutter bei der Hausarbeit und kümmert sich um die Betreuung jüngerer Geschwister. Mit der Einführung der Ganztagsschule haben die Teenager dann nicht selten einen fünfzehn Stunden Tag, wenn sie nach der Rückkehr von der Schule gleich mit der Erledigung der ihnen übertragenen Hausarbeiten beginnen und beispielsweise die jüngeren Geschwister hüten. Für Hobbies oder Pflegen von Freundschaften bleibt kaum Zeit. Die Brüder hingegen werden nie zur Mitarbeit herangezogen, müssen je nach Alter nur zum Koranunterricht, sollen regelmäßig beten und Freitags in die Moschee gehen, ansonsten genießen sie die reichliche Freizeit nach Lust und Laune.

Schul- und Berufsausbildung ist bei den Mädchen, wenn überhaupt, nur bis zur Hochzeit wichtig, Muslimas heiraten traditionsgemäß sehr früh und ’arrangiert’[17], die Wahrscheinlichkeit, dass die junge Braut ’unberührt’, das heißt sexuell absolut unerfahren in die Ehe geht, ist dann besonders groß und die Verantwortung für den Schutz kann endlich an den Bräutigam und dessen Familie abgegeben werden. Es ist üblich, dass der Vater des künftigen Bräutigams an die männlichen Verwandten der Braut einen zuvor ausgehandelten Brautpreis auszahlt[18]. Sind die jungen Mädchen mit der Wahl des ausgesuchten zukünftigen Ehemannes nicht einverstanden, wird keine ’gute’ Tochter es wagen, diese für die Zukunft so folgenschwere, womöglich lebenslang bindende Entscheidung anzweifeln oder den Ehekandidaten gar brüsk ablehnen, würde sie doch die Menschenkenntnis, Lebenserfahrung und gute Absicht der Eltern und Schwiegereltern oder sonstiger nahe stehender ’EheanbahnerInnen’ und nicht zuletzt die Weisheit Allahs in Frage stellen. Lehnen sich doch hin und wieder einige Mädchen auf und weigern sich, den potentiellen Ehemann zu akzeptieren, drohen ihnen die Mütter mit Selbstmord[19] und setzen so die Töchter unter unvorstellbaren psychischen Druck, den einige nicht aushalten[20]. Der in allen traditionell-koranisch ausgerichteten Familien stark reglementierte Tagesablauf der weiblichen Familienmitglieder, das den Mädchen und Frauen ständig entgegengebrachte Misstrauen, die permanente Kontrolle jedes ihrer Schritte in der Öffentlichkeit bestärken den Eindruck, dass Mädchen, Frauen und sogar die eigene Schwester und Mutter als minderwertige, defizitäre Geschöpfe einzustufen sind, die wegen der Bedrohung der falsch verstandenen Ehre der Sippe allzeit zu überwachen sind.

07. Männerwelt und Frauensphäre

Grundlage für die islamische Variante der Genderspaltung ist das vormoderne patriarchale Menschenbild im Islam. Zwar sind nach weit verbreiteter Auffassung der religiösen Gelehrten Männer und Frauen vor Allah gleich und beide können bei entsprechendem Wohlverhalten ins Paradies kommen, doch sei der Weg dorthin für Frauen wegen angeblicher, angeborener, natürlicher Unterschiede in der weiblichen Biologie und Wesensart erheblich steiler und beschwerlicher als für Männer. So könne die Frau zwar eine Seele haben, was sie zum menschlichen Wesen mache, doch bringe ihre Natur ihr angeborene Nachteile, die sich im Alltag auswirken würden. Frauen seien daher z.B. nach verbreiteter Rechtsauffassung der islamischen Gelehrten während ihrer Menstruation unrein, dürfen in dieser Zeit weder beten noch fasten und müssen diese religiösen Pflichten nachholen[21]. Auch fehle es Mädchen und Frauen an Einsicht und Vernunft. Deshalb müsse die Aussage einer Zeugin vor einem Scharia-Gericht durch eine zweite Zeugin bestätigt werden, um die Beweiskraft der Aussage eines Mannes aufzuwiegen. Weibliche Staatsoberhäupter wie Angela Merkel, Ministerinnen wie Ursula von der Leyen und die Präsidentschaftskandidatin der Weltmacht USA, Hillary Clinton, mögen mir verzeihen, aber wenn man den überlieferten Aussagen des Propheten glaubt, könnten Frauen auf Grund dieses Mangels an Verstand niemals die Staatsgeschäfte so kompetent ausführen, wie es nötig wäre, um sozialen Frieden zu schaffen sowie Wohlstand und Lebensqualität für die Bevölkerung zu ermöglichen und zu vermehren. Wahrscheinlich ist die Diskrepanz zwischen der korangemäßen Frauenrolle, der angebliche Mangel an Einsicht und Vernunft auch ein Grund, warum Lehrerinnen von muslimischen Schülern so wenig akzeptiert, respektiert und oft beleidigt werden[22]. Wer jedoch hier lernen arbeiten und leben will, wird die von der Mehrheit getragenen Absprachen, Vereinbarungen, Regeln und Gesetze akzeptieren und befolgen mussen (Tibi) und bereit sein, einen wesentlichen Teil sich den muss bereit sein,

Auf Grund der Verschiedenheit der Wesensart von Mann und Frau und deren komplett unterschiedlichen Lebenswelten könne es nach den überlieferten Hadithen des Propheten und seiner Begleiter, Suren des Korans und der Kernaussage der Scharia keine universellen Menschenrechte geben. Ayatollah Murtada al-Mutahiri schreibt z.B. sinngemäß, dass ’die Welt und die natürliche Beschaffenheit von Frau und Mann unterschiedlich sei. Daraus ergebe sich zwangsläufig, dass viele Rechte, Pflichten und Strafen nicht einheitlich seien’. Daher steht eine vergewaltigte Muslima vor einem schier unlösbaren Problem. Einerseits ist sie verpflichtet, das Verbrechen anzuzeigen, um einem Mord wegen Verletzung der falsch verstandenen Familienehre zu entgehen, andererseits muss sie entweder ein Geständnis des Täters vorweisen oder 4 männliche Zeugen erbringen, die ihre Aussage bestätigten. Gelingt ihr das nicht, was sehr wahrscheinlich ist, drohen ihr eine Gegenklage und 80 Peitschenhiebe wegen angeblicher Verleumdung. Durch die physischen und psychischen Folgen der Untat gedemütigt und traumatisiert, wird sie wieder Opfer[23], diesmal durch die strukturelle Gewalt der Scharia-Gerichte.

Nachgewiesen werden müssen die verallgemeinernden, diskreditierenden Behauptungen über die weibliche Wesensart nicht, noch weniger dürfen sie angezweifelt oder kritisiert werden, denn die Koransuren wurden nach muslimischer Lehre von Allah den Menschen offenbart, fassen seinen Willen in Worte und sind über jeden Zweifel erhaben. Wer den Wahrheitsgehalt der Gottesbotschaft in Frage stellt oder Gottes Wort kritisiert, stellt nach islamischem Verständnis das Allwissen und die Weisheit des Schöpfers der Welt in Frage und begeht Blasphemie, ein todeswürdiges Hadd-Verbrechen. Auch die überlieferten Aussagen und Ratschläge des Propheten und seiner Gefährten in den Hadithen sind für ’Rechtgläubige’ verlässliche Orientierungshilfen, mit unterschiedlichem Verbindlichkeitsgrad. Resultierend aus dem Verbot des kritischen Hinterfragens religiöser Inhalte wird das Reflektieren von Sachverhalten in allen Themenbereichen verneint und MuslimInnen schon im Kleinkindalter systematisch abgewöhnt. Lernen heißt auch wertschätzen, lieben und mitfühlen und bedroht somit das Dogma des unantastbaren Tawhid (der Einheitlichkeit Gottes im Himmel, ebenso: der Totalität der Umma, der islamischen Weltgemeinschaft auf Erden) mit der Gefahr von Schirk und Bid’a, (Beigesellung und Neuerung). Du sollst eben keine Götter neben Allah haben.

Das Funktionieren von Maschinen und Geräten wird einfach hingenommen, der Gebrauch nachgeahmt, Inhalte und Informationen der technisierten Moderne werden stumpfsinnig akzeptiert und umgesetzt. Nach Gründen zu fragen oder Erklärungen zu suchen ist einfach nicht vorgesehen. Einer meiner Schüler, etwa acht Jahre alt fragte seine Mutter: „Annääähh, warum steigt man vorn in den Bus ein?“ Die Mutter über diese Frage höchst erstaunt wie man eine solche Frage überhaupt stellen kann: „Natürlich weil das so auf dem Schild steht.“

„Wieso? Weshalb? Warum? Wer nicht fragt bleibt dumm. Viele tausend Sachen gibt es auf der Welt zu seh`n, manchmal muss man fragen, um sie zu versteh’n“, hieß es im Intro der Sesamstraße. Bei meiner beruflichen Tätigkeit in der Lern- und Sprachförderung hatte ich oft den Eindruck, dass Fragepronomen im Wortschatz von Kindern und Jugendlichen mit muslimischem Sozialisationshintergrund nicht existieren. Die Arbeit mit diesen SchülerInnen ist in den ersten Wochen oft zeit- und energieaufwändig, weil sie Lerninhalte einfach hinnehmen, unwichtig ob sie verstanden worden sind, uninteressant ob der Lerninhalt plausibel erscheint. Viele lernen den Unterrichtsstoff einfach auswendig, um ihn anschließend zu rezitieren. Diese ’Lerntechnik’ ist jedoch spätestens in den weiterführenden Schulen nicht mehr erfolgreich.

Um die bestehenden patriarchalischen Gesellschaftsstrukturen nachhaltig zu sichern, gaben sich die islamischen Gelehrten nicht damit zufrieden, die Hälfte der Menschheit als minderwertig, defizitär und dumm zu stigmatisieren. Sie diffamierten Mädchen und Frauen auch als sozial zersetzende, Unfrieden stiftende Verführerinnen, die, wenn sie einem Mann begegnen, nichts anderes im Sinn haben könnten, als ihn vom gottgefälligen Weg abzubringen und zu betören, selbst wenn die Ehefrau neben ihm steht. Allein ihr doppeltes x‑Chromosom mache Mädchen und Frauen zu einer ständigen Gefahr für jeden Mann, ihre teuflische Macht bewirke, dass ihr bloßes Erscheinen ausreiche, dass Männer nicht mehr Herr ihrer Sinne und ihres Willens seien. Sie stifte schon dadurch Unruhe (al Fitna), dass Nicht-Mahrams ihr Gesicht und ihre Haare sehen. In der Nähe von weiblichen Personen sei der Mann so schwach, als hätte sie zehn Aurah[24]. Erst im Grab sei die Männerwelt vor ihrer sexuellen Ausstrahlung und Verführungskunst (Aurah) sicher, das soziale Umfeld, andere Frauen eingeschlossen, bliebe dann endlich von ihrem spaltenden, verletzenden und zerstörerischen Einfluss verschont[25]. Um zu verhindern, dass Männer als völlig wehrlose, jämmerliche Opfer weiblicher Attraktivität und zu keinem klaren Gedanken mehr fähig sind, somit auch für wichtige Aufgaben im Stamm, z. B. die Bekämpfung feindlicher Angreifer, nicht mehr zur Verfügung stehen, empfahl der Gesandte Allahs, dass Muslimas zusätzlich zu ihrer Haarpracht das Antlitz verschleiern sollen, wenn es hübsch ist. Diese Ansicht teilen einige Islam-Gelehrte und religiöse Vorbilder heute noch.

Muslimische Rechts- und Religionsexperten dämonisieren und pornografisieren die Frau von Geburt an. Nach dieser Rechtsauffassung erregen bereits weibliche Neugeborene die männliche Lust, weshalb der Unterleib des Kindes abgedeckt werden soll, wenn ein Mann beim Wickeln zufällig das Zimmer betritt. Wer jetzt glaubt, so winzige weibliche Wesen können höchstens den Beschützerinstinkt im Mann wecken, jedoch niemals seine sexuelle Begierde, der kennt den Islam nicht. Selbst diesen hilflosen Winzlingen unterstellt Koran, Sunna und Scharia nur aus Aurah und Fitna zu bestehen. Das damalige Oberhaupt des schiitischen Islams, Ayatollah Khomeini, schreibt: „Es ist dem Mann erlaubt, sich mit einem Baby sexuell zu vergnügen. Er sollte es jedoch nicht penetrieren. Falls er es dennoch tut, und das Kind einen Schaden erleidet, soll er für seinen lebenslangen Unterhalt aufkommen. Allerdings wird das Mädchen nicht unter seine vier (möglichen) Frauen fallen[26]. Der Mann darf sich somit nicht nur an wehrlosen, weiblichen Babys vergehen, er genießt auch das von Allah garantierte Recht, ’unbeschädigte Ware’ zu ehelichen.

Nach diesen schon weibliche Neugeborene pornographisierenden Vorstellungen darf der stolze Vater niemals seine kleine Tochter anziehen, sie baden oder knuddeln, nur flüchtiger Hautkontakt ist erlaubt. Schon kleine Mädchen seien auf Grund dieser angeborenen, verderblichen und teuflischen sexuellen Ausstrahlung in Gefahr, Männern den Verstand so zu vernebeln, dass sie Opfer der nicht mehr zu beherrschenden Triebhaftigkeit des Mannes werden. Erziehungsziel im Islam ist es daher, in Mädchen und Frauen allgegenwärtiges Beschämtsein wegen ihrer erotischen Anziehungskraft zu erwecken, was jeden noch so zarten Ansatz von bejahender, individueller Weiblichkeit und selbstbestimmter Sexualität im Keim erstickt. Durch ständige Ermahnungen, soziale Kontrolle und Genderapartheit bestärkt, werden in jeder Muslima, von Geburt an permanent Schuldgefühle und Gewissensbisse wegen ihrer Attraktivität geschürt, die dazu beitragen, die übergriffige und gewalttätige Lust der Männer als Gottes gerechte Strafe zu umzudeuten und schicksalsergeben als unabwendbar hinzunehmen. PsychologInnen werden wissen, welchen Schaden ein nicht hinterfragbares und nicht kritisierbares Verinnerlichen solcher Frauenbilder, Glaubens- und Lebensphilosophien Generation für Generation bei Kindern und Erwachsenen stiftet.

Wenn Muslime fremdgehen oder sogar vergewaltigen, ist immer die sexuelle Anziehungskraft der Frau schuld. Ihrer teuflischen, erotischen Ausstrahlung könne kein Mann widerstehen. (siehe Fußnote 22) Bezogen auf den Umgang mit dem anderen Geschlecht beanspruchen die sich sonst immer als stark und unbesiegbar aufspielenden Helden gerne die Opferrolle. Obwohl dieses Verhaltensmuster das so genannte starke Geschlecht zunächst als schwach, wehrlos und manipulierbar etikettiert, stabilisiert diese von diesen Machos sonst verhöhnte Rolle der Ohnmacht die Herrschaft der Männer über die Frauen. Diese scheinbare Erniedrigung nämlich erstellt, durch die generelle Verteufelung des Weiblichen immer wieder entschuldbar, jedem Gläubigen auf unbegrenzte Zeit einen Freibrief, seinen sexuellen Appetit nach Lust und Laune ungehemmt zu stillen. Die Wirkung der magischen Verführungskünste jeder Frau darf bei Bedarf sogar gemäß Sunna verzehnfacht werden, um als besonders wehrlos zu erscheinen und jeden leisen Verdacht von Verantwortlichkeit und Schuldhaftigkeit weit von sich zu weisen. Ganz im Einklang mit Koran, Scharia und Sunna werden sexuelle Übergriffe, Vergewaltigung in der Ehe und sadistische Gruppenvergewaltigungen von der religiösen Gemeinschaft biologisiert und sakralisiert. Die zersetzenden und spaltenden Folgen für die betroffenen Familien werden verschwiegen und die traumatisierenden Auswirkungen auf das tatsächliche, nämlich weibliche Opfer geleugnet. Die zügellose, nicht zu beherrschende Triebhaftigkeit des Mannes und die angebliche Unfrieden und Verwirrung stiftende Boshaftigkeit und prinzipiell sexuell erregende Nähe jeder Frau werden als den Geschlechtern angeborene Wesensmerkmale tradiert und sozialisiert. Belästigung, sexuelle Nötigung und Vergewaltigung sind nach diesem islamischen Erklärungsmuster der Lauf der Dinge, sind Kismet der Frau. Sanktioniert wird männliche sexualisierte Gewalt so gut wie nie, allenfalls am weiblichen Opfer, da es einer noch so couragierten Klägerin kaum gelingen wird, ein Geständnis des Täters / der Täter oder die nach Scharia notwendigen vier männlichen Zeugen beizubringen.

Dem sexuell missbrauchten, gedemütigten Opfer wird ein weiteres Mal Unrecht zugefügt, wenn ihm die eigene Großfamilie die Alleinschuld am sexuellen Übergriff und der ’besudelten Familienehre’ zuschiebt. Es wurde offensichtlich, dass die Sippe ihrer wichtigsten Aufgabe, nämlich die Frauen des Clans zu schützen, nicht erfolgreich nachkommen konnte. Derartig bloßgestellt, verliert die weit verzweigte patriarchale Großfamilie, der ganze Stamm, an Ansehen und Einfluss, sie gerät in Verdacht, glaubensabtrünnig zu sein. Die Nachbarn brechen in Folge den sozialen und ökonomischen Kontakt ab, niemand würde solche Familien einladen, besuchen, oder Nachbarschaftshilfe leisten. Keiner würde solchen Ladenbesitzern Ware abkaufen, mit einem Mitglied des Clans zusammenarbeiten oder seinerseits Handel treiben. Schnell wäre die wirtschaftliche Existenz vernichtet, die körperliche Gesundheit gefährdet. Die betroffene Sippe wird daher versuchen, sich zu rehabilitieren. Ist das Vergewaltigungsopfer noch unverheiratet, wird es beispielsweise mit dem Täter oder mit einem wenig angesehenen, wesentlich älteren Mann zwangsverheiratet. Leider kommt es aber auch in Deutschland immer wieder vor, die missbrauchte Frau aus falsch verstandener Ehre zu töten. Das ist die ’Sühne’ mit der das unschuldige Opfer annähernd das Ansehen ihrer Sippe wiederherstellen herstellen kann. Nur so kann der massive wirtschaftliche Schaden, als ’beschädigte Ware’ senkt die missbrauchte Tochter ihren Brautpreis und den ihrer Schwestern, in Grenzen gehalten werden[27].

Auch Ali, der Schwiegersohn des Propheten soll gesagt haben, dass die Frau durch und durch böse sei, gerade auch weil man nicht auf sie verzichten kann. In einem Hadith, heißt es, dass die Frau teuflisch, verführerisch und schlecht sei, deshalb seien die Frauen auch in der Hölle in der Überzahl. Die Frau sei eine Aurah, und wenn sie das Haus verlasse, käme ihr der Teufel entgegen. Zu ihrem eigenen Besten müsse ihr der Ausgang verboten werden, sie sei Gott am Nächsten, wenn sie im Haus versteckt bleibt. Gläubige, traditionell denkende Muslimas akzeptieren diese jede individuelle Entfaltung verhindernden, gewissermaßen mit dem doppelten x-Chromosom verschmolzenen Wesenszüge als gottgegeben und unabänderlich und sollten doch Zweifel aufkommen, dann gilt: „Allah ist weise, Allah weiß es besser“. Kritik an frauenfeindlichen Fatwas, dass steht der Unfrieden und Verwirrung stiftenden, jede Gemeinschaft spaltenden, dem Teufel nahe stehenden und wenig einsichtsfähigen Frau schlecht. Nicht nur dass man Kritikerinnen sofort unterstellen würde, Fitna zu verbreiten und Schwestern und Brüder im Glauben vom rechten Weg abzulenken, sie würden sich auch selbst gefährden, weil sie die Autorität der Gelehrten der Rechtsschulen untergraben. Über den Islam können FundamentalistInnen und TraditionalistInnen eben nicht diskutieren, denn für sie heißt Islam Unterwerfung. Sie haben nach ihrer Auffassung die Genderspaltung im öffentlichen wie privaten Raum zu akzeptieren und nehmen es auch widerspruchslos hin, wenn ihr Ehemann sie angeblich zu ihrem Schutz und zu Ihrem Besten ins Haus verbannt. Dort, auf die ehelichen und häuslichen Pflichten sowie die Kindererziehung reduziert, fällt einem schnell die Decke auf den Kopf, zumal wenn man in der kulturellen Moderne sozialisiert wurde. Da chattet man auch schon mal gerne im Internet, selbstverständlich nur in muslimischen Frauenforen.

08. Auswirkungen der Genderrollen

Während Männer in patriarchalen Gesellschaften Seilschaften bilden, die zusammenhalten und miteinander durch dick und dünn gehen, misstrauen sich Frauen. Dieses Verhaltensmuster ist zwar auf der ganzen Welt verbreitet, trifft jedoch in besonderem Maße für die Anhängerinnen der kulturellen Vormoderne unter den Muslimas zu, weil sie verinnerlicht haben, dass die angeblich angeborene moralische Verwerflichkeit und erotische Ausstrahlung, eben Aurah und Fitna, untrennbar mit dem Weiblichsein verbunden seien. Ein anderes weibliches Persönlichkeitsprofil kann für sie gar nicht existieren, das wäre nämlich Kritik an der ’Schönheit’ des Islam und sehr ungesund. So beobachtet die Mutter argwöhnisch den Kontakt der Tochter zu Männern, selbst die unbefangene Nähe des Kindes zum eigenen Vater kontrolliert die Mutter eifersüchtig, die Schwester sorgt dafür, dass die anderen Schwestern nicht heimlich mit Ihrem Ehemann kokettieren, die Freundin überwacht misstrauisch die beste Freundin. Frauen fürchten in jeder Frau die Nebenbuhlerin und bilden deshalb meist nur lose Zweckgemeinschaften, die sich zudem nicht selten durch zermürbenden Kleinkrieg untereinander das Leben erschweren. Sogar die religiöse, islamkonforme Kleidung missbrauchen manche, um sich gegenseitig im Wettbewerb ’wer ist die frommste unter uns’ aus dem Feld zu schlagen.

Konvertitinnen, die in der säkularen Moderne aufgewachsen sind, hatten, verglichen mit praktizierenden Muslimas, vor ihrem Glaubenswechsel sicherlich einen sehr freizügigen Lebensstil (sexistische Kleidung, flirten, Sex vor der Ehe, Alkohol trinken). Zwar wussten sie zu dieser Zeit nicht, dass sie, legt man die Regeln von Koran und Sunna zu Grunde, ein moralisch verwerfliches Leben geführt hatten, doch werden sie ihre frühere Lebensweise bereuen und sich nun besonders viel Mühe geben, nicht länger den Zorn Allahs herauszufordern und ein gottgefälliges Leben führen. Vielleicht gibt es deshalb unter den übergetretenen Schwestern so viele Niqabi-Fans, die diese sittenstrenge islamische Kleidung bevorzugen, um mehr ’Hassanat’ (paradiesische Pluspunkte) zu sammeln und auch nach außen zu demonstrieren, dass sie nun besonders religiös und gottesfürchtig leben und weder der Familie des Mannes Schande bereiten, noch ihren Ehemann erzürnen wollen.

In vielen europäischen Ländern ist es Sitte, sich mit Handschlag zu begrüßen, man wünscht sich einen guten Morgen oder einen schönen Tag. Selbst diese höflichen Begrüßungsrituale werden von muslimischen FundamentalistInnen erotisch aufgeladen und ziemen sich für praktizierende Muslimas daher angeblich nicht. Konservative muslimische Frauen beten isoliert von den Männern, feiern hohe Familienfeste nach Geschlechtern getrennt, sitzen nie im gemischten Freundeskreis gemeinsam bei einer Tasse Tee. Indes lassen selbst traditionell denkende, nach Sunna und Koran lebende Muslime keine Gelegenheit aus, mit unverschleierten Frauen zu flirten, sie in ein Café zum Tee einzuladen und sie mit lästigen Fragen zu behelligen, manche junge Burschen stellen hübschen, modernen Mädchen in unverschämter Weise nach, veranstalten regelrechte Treibjagden, in denen sie in Gruppen ihre in Panik geratenden Opfer vor sich her jagen. Unter all den lästigen „Verehrern“ sind durchaus auch verheiratete Familienväter, die sich als praktizierende Muslime bezeichnen würden. Kein Hodscha oder Imam wird sie für dieses Nachstellen ermahnen, anders als bei Frauen, denen neben dem Tadel Vergewaltigung und Höllenfeuer droht wenn sich so verhalten würden.

In einem Hadith heißt es, dass freie Christinnen und Jüdinnen ähnlich wie die Sklavinnen ihr Haar und ihr Gesicht nicht zu verhüllen brauchten und daher jederzeit als sexuell verfügbar anzusehen seien[28]. Daraus ergibt sich für Muslime der Freibrief, ihre sexuellen Wünsche jeder Zeit durch außereheliche Beziehungen mit diesen ’Kuffâr’ zu stillen. Sollte unter den Objekten der Begierde eine unverschleierte Muslima sein, kann man behaupten, sie habe sich unkeusch und aufreizend gekleidet. Einige KritikerInnen des Islams leiten aus dieser Textstelle sogar den sakralen Auftrag ab, Ungläubige zu schwängern und damit die Umma zu vergrößern[29]. Außerdem dürfen nach dem Koran Muslime mit bis zu vier Ehefrauen intim in ehelicher Gemeinschaft leben. Wenn er seine neue Favoritin dann ins Haus holt, muss seine erste Ehefrau sie als Familienmitglied und neue Partnerin des Ehemannes akzeptieren, und mit ihrer Nebenbuhlerin das Haus und den Mann teilen. Diese Entwürdigung hat die Ehepartnerin eventuell dreimal widerspruchslos zu ertragen, während sie selbst nicht einmal ohne Erlaubnis das Haus verlassen darf, um keine Gelegenheit zu haben fremde Männer zu sehen und anzuflirten. Obwohl Polygamie in europäischen Ländern verboten ist und Vielehen strengen Regeln unterworfen sind (z.B. gleichberechtigter Anspruch auf Versorgung) und daher auch in muslimischen Ländern eher selten sind (Armut), gibt es Familien in Deutschland, in denen Frauen so leben müssen[30]. Es würde mich nicht wundern, wenn Salafistinnen, die schließlich ihren Alltag streng nach den Überlieferungen Mohameds ausrichten wollen, diese männerfreundliche, Frauen entwürdigende und verletzende Form des Zusammenlebens verteidigen.

Legt man das im Koran und den Hadithen dargestellte Männerbild zu Grunde, müssten in Europa lebende Niqabis, gerade als Neomuslimas, die in säkularen Familien aufgewachsen sind, rasend vor Eifersucht sein und kochen vor Wut, sobald ihr Ehemann das Haus verlässt. Sie kennen die freizügige Lebensweise in der säkularen, aufgeklärten Moderne aus eigenem Erleben und haben nach dem islamischen Männerbild schließlich davon auszugehen, dass ihr Gatte, der anders als sie selbst, alleine hingehen und sich aufhalten darf wo er will und sich trifft mit wem er will, den Reizen weniger oder gar unverschleierter Frauen ’hilflos ausgeliefert’ ist und ihnen nicht widerstehen kann. Auch wenn der Mann ’nur’ mit einer ’Ungläubigen’ fremdgegangen ist, ist es menschlich, dass seine betrogene Ehefrau bitter enttäuscht ist, sich gedemütigt und entwürdigt fühlt, besonders wenn er diesen Treuebruch als sein Recht der sexuellen Herrschaft verteidigt und auch zukünftig einfordert, was korangemäß wäre. Der Niqab der Ehefrau wird den Ehebrecher nicht daran hindern, außerehelichen Sex zu haben, wenn er Lust darauf hat. Vor dieser schmerzhaften Erfahrung kann auch die Ganzkörperverschleierung nicht schützen. Der Niqab wird nicht verhindern, dass benachteiligende, frauenfeindliche religiöse oder traditionelle Regeln, Einstellungen und Konnotationen wie körperliche Züchtigung, Entrechtung, Demütigung, Entmenschlichung, Biologisierung, Dämonisierung, sexuelle Untreue des Ehemannes, Veruntreuung der in die Ehe gebrachten finanziellen Ressourcen, finanzielle Abhängigkeit, Freiheitsberaubung, aufgezwungene Mutterschaft, Vergewaltigung in der Ehe stattfinden und notfalls gewaltsam durchgesetzt werden. Zu diesen Diskriminierungen gehört auch die für Männer wesentlich leichter durchzuführende islamische Scheidung, bei der sich der Ehemann dreimal lossagt, neuerdings gerne auch per SMS[31].

Auch ihre Töchter unterliegen dem körperfeindlichen Frauenbild des traditionellen Islam, dem Jungfräulichkeitskult, der Zwangsuntersuchung auf intakte Jungfräulichkeit, der ständigen Kontrolle, sie haben nicht die Chance, eine ihren individuellen Fähigkeiten und Begabungen entsprechende Ausbildung wahrzunehmen und werden früh zwangsverheiratet. Anders als ihre Mütter, die das Grundrecht der Religionsfreiheit nutzen durften, um zum Islam zu konvertieren, können sie sich nie von dieser Religion lossagen, ohne der Apostasie beschuldigt zu werden und vogelfrei zu sein. Die Frau im traditionellen Islam gilt als sexuelles Objekt, dass der Mann ’benutzen’ kann wie und wann er will. Egal ob es eine unverschleierte Dhimmi ist oder seine eigene Ehefrau, die in der Öffentlichkeit und in der Nähe von Nicht‑Mahrams Niqab trägt. Die nur den Sehschlitz freilassende Verschleierung gibt der Frau nicht etwa Würde, sondern sie ist das unmissverständliche, äußerliche, für jede und jeden erkennbare Zeichen, dass die Trägerin sich unterwirft, Allah, dem Islam, dem Menschenbild in Koran, Scharia und Sunna. Dieses Kleidungsstück gibt ihr nicht das Recht auf eine würdevolle Behandlung. Gesichtslose Niqabis werden von Muslimen wegen ihrer frommen Kleidung nicht etwa besonders geschätzt. Ihre streng verhüllende Kleidung versinnbildlicht allenfalls den hohen Status des Mannes und seiner Ehre. Männer schützen nicht ihre Frau und deren Gesundheit, sondern ihre Zoontjesfabriek[32], ihren Ruf als Mahram und Ehemann sowie ihre Stellung in der Hierarchie des Stammes.

09. Die Bedeutung des Gesichtes und des Körpers in der sozialen Interaktion

Der Mensch ist ein soziales Wesen und als solches auf zwischenmenschliche Beziehungen hin angelegt. Ohne soziale Interaktion wären Männer wie Frauen nicht überlebensfähig, beide Geschlechter würden allmählich seelisch und geistig verarmen. Vier der fünf Grundbedürfnisse nach Maslow[33], nämlich Sicherheit, das Bedürfnis nach Zugehörigkeit und Liebe, das Streben nach Wertschätzung und Geltung sowie das Bemühen um Selbstverwirklichung sind ohne Zutun oder Mitwirkung anderer nicht möglich. Wäre man nur in der Lage Hunger, Durst, Schlaf und ähnliche Lebensgrundlagen zu befriedigen, wäre das Leben ein Dahinvegetieren, das Dasein hätte keine Lebensqualität. Daher werden Menschen sich bemühen, Kontakt zum sozialen Umfeld aufzunehmen und zu halten. Der Schlüssel, um Zugang zu Mitmenschen zu erhalten, ist Kommunikation, die sich zu 7 % aus verbalen Informationen (was wird mit welchen Worten gesagt), zu 38 % aus vokalen Eindrücken (wie klingt die Stimme, Lautstärke, Betonung, Stimmlage) und zu 55 % aus nonverbalen Botschaften (Gestik, Mimik, Körperhaltung) zusammensetzt. Sobald Menschen einander begegnen, treten sie miteinander in Kommunikation, bewusst oder unbewusst, gewollt oder ungewollt. Selbst wenn wir schweigend aneinander vorbei gehen, tauschen wir Botschaften aus, die miteinander korrespondieren. Der Körper und vor allem das Gesicht sind uns dabei wesentliche Brücken. Unser Gesicht, wie auch das unserer Gesprächspartner, ist ein aufgeschlagenes Buch, in dem über persönliche Befindlichkeiten gelesen werden kann, aus dem man Rückschlüsse darauf ziehen kann, was die Person denkt und fühlt.

Selbst unsere Sprache reflektiert die Bedeutung nonverbaler Signale in jahrhundertealten Redensarten. Menschen „stehen sich nahe“, wenn sie sich sympathisch sind, sie sind „ein Herz und eine Seele“. Das Auspusten der Luft mit vollen Backen zeigt uns dagegen an, dass die GesprächspartnerIn unsere Worte ablehnt. Auch Stirnrunzeln signalisiert mindestens Skepsis bezüglich des Gehörten, schüttelt die GesprächsteilnehmerIn gleichzeitig den Kopf, gibt sie / er zu erkennen, dass ihr / ihm der Inhalt des Gesagten sogar ‚gegen den Strich’ geht (Pferde werden auch gegen die Wuchsrichtung des Fells gestriegelt), d.h. überhaupt nicht gefällt. Da nonverbales Verhalten zumindest bei den Grundemotionen nach Plutchik[34] zum großen Teil angeboren ist, fällt es Menschen mit gesundem Sehvermögen leicht, die Bedeutung dieser wortlosen Botschaften zu entschlüsseln, schon Babys beherrschen diese ’Sprache’ bevor sie reden können. Malt man auf ein Blatt Papier einen Kreis mit weit aufgerissenen ’Augen’ und ’gefletschten Zähnen’ werden sie Angst bekommen und anfangen zu weinen. Das Gesicht eines Menschen ist ein sehr wichtiger Anhaltspunkt eine Person wiederzuerkennen. Passanten, die Niqabis begegnen, müssen sich fühlen wie Prosopagnosie-PatientInnen[35], wie zum Wiedererkennen von Gesichtern Unfähige. Ganzkörperverschleierte Frauen sind gesichtslos, sie haben kein Profil, sie haben keine Einzigartigkeit, können kein Profil zeigen, daher auch keinen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Gerissen kalkulierte Worte können den Inhalt der tatsächlichen Information einer Botschaft ’schönen’, „verschleiern“ oder gar verfälschen, körpersprachliche Signale wie Gesichtmimik und Körperhaltung sind dagegen spontane und oft unbewusste Umsetzungen des momentan Gedachten und Gefühlten in nonverbale Kommunikation. Sie wirkt daher authentisch, unverfälscht und ehrlich. Zwar kann man lernen, seine Körpersprache zu beherrschen und zu steuern, doch wird auch ein langwieriges, regelmäßiges Training nicht verhindern, dass nach einiger Zeit unbewusste, daher nicht beeinflussbare innerpsychische Befindlichkeiten und Emotionen an die Oberfläche drängen und verraten, was wir wirklich denken, sagen und fühlen. Der populistische Politiker und Medienmogul Berlusconi beschränkte Fernsehauftritte zu Beginn seiner Karriere immer auf höchstens 20 Sekunden und war mit dieser Strategie sehr erfolgreich, da es ihm für die bewusst kurze Dauer gelang, Gestik, Mimik und Körperhaltung zu beherrschen und die Botschaft zu vermitteln, welche die Wähler verinnerlichen sollten. Besonders glaubwürdig sind Menschen für uns dann, wenn verbale, vokale und nonverbale Botschaften über einen Mindestzeitraum hinaus kongruent sind.

10. Das Prinzip Niqab

Eine Niqabi kann durch den Gesichtsschleier keinen spontanen Kontakt zu anderen Menschen aufbauen. Gesichtsmimik, wie wir wissen eine wichtige zwischenmenschliche Kommunikationsbrücke[36], ist nicht mehr sichtbar. Ganzkörperverschleierte Frauen sind daher gesichtslos, sie haben kein Profil, sie haben keine Einzigartigkeit, sind ’Dutzendware’. Niqabis können auch kein Profil zeigen, daher auch keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Sie haben ihr Gesicht verloren, dieses sprachliche Gleichnis ist eine weltweit verstandene Chiffre für ’seine Würde verlieren’. Sie können auch kein Gesicht gegen Rechts zeigen und für ein weltoffenes Deutschland. Das extrem eingeschränkte Gesichtsfeld dieses islamischen Frauengewandes bewirkt zudem eine künstliche Sinnesbehinderung, die sich negativ auf das Sehen auswirkt und daher nicht ohne Folgen für Körperhaltung, Muskeltonus, Psyche der Trägerinnen bleiben wird. Der Stoff vor dem Mund dämpft die Stimme, strengt beim Sprechen an und erschwert die Verständigung. Unverschleierte oder Kopftuch tragende GesprächspartnerInnen von voll verschleierten Frauen werden sich des Eindrucks nicht erwehren können, mit einem übergestülpten Stoffsack mit Augenschlitzen zu sprechen, bei Burkas wäre durch die Sichtgitter nicht einmal mehr die Augenfarbe erkennbar. Während Männer sinnbildlich ihre Nase in jede Angelegenheit stecken können, haben muslimische Frauen mit Gesichtsschleier diese Möglichkeit nicht. Öffentliche Kommunikation wird im traditionalistischen Islam zur männlichen Kommunikation.

Doch mit diesen exkludierenden Auswirkungen nicht genug: Dieses traditionelle Gewand raubt der Trägerin ihre weiblichen damit auch menschlichen Züge, ihrem Gesicht fehlen die Grundelemente bis auf die Augen, manchmal sind auch die, ähnlich wie bei der Burka, hinter einem diesmal durchscheinenden, opaken Stofffenster verborgen. Punkt, Punkt, Komma Strich, fertig ist das Angesicht, so lernen es schon Kleinkinder. Grundemotionen wie Freude, Trauer, Angst, Ekel, Hass sind authentische, untrennbar mit dem Menschsein verbundene Dimensionen von Befindlichkeit und Stimmungslage, die sich in Mimik, Körperhaltung und Körpersprache den Mitmenschen sichtbar mitteilen und ihrerseits Reaktionen des Umfelds auslösen[37]. Schon wenige Wochen alte Säuglinge suchen die menschliche Nähe und brauchen den Kontakt zu anderen Menschen, um sich gesund entwickeln und wohl fühlen zu können. Im Alter von 6-8 Wochen bereits erkennen sie die Grundelemente von Gesichtern und nutzen das so genannte ’soziale Lächeln’ als Kommunikationsbrücke zu Frauen und Männern in ihrer Umgebung. Wenn sich ein Augenpaar nähert, das den Säugling aus dem meist schwarzen Stoff ansieht, bereitet ihm das zunächst Angst. Er fängt an zu weinen, weil er dem Blick aus den Sehschlitzen keine Grundstimmung entnehmen und daher nicht einschätzen kann, ob ihm Gefahr droht. Erst wenn die Stimme aus dem Stoff sanft, warm und freundlich klingt, beruhigt er sich wieder.

Hörbehinderte, die durch den verdeckten Mund weder Stimmlage, Klangfarbe, Lautstärke des Gesagten wahrnehmen können, noch die Worte von den Lippen ablesen können und daher nicht entschlüsseln können, was das Gegenüber sagt oder ob es überhaupt spricht, könnten sich mit Niqabis nur verständigen, wenn beide die Gebärdensprache beherrschen (und anwenden). Für den gehandicapten Menschen wie für die extrem verschleierte Muslima eine völlig unnötige Kommunikationsbarriere, die beiden verdeutlichen sollte, wie absurd und diskriminierend der Gesichtsschleier Verständigung verhindert. Erwachsene brauchen den Gedanken- und Informationsaustausch im Gespräch innerhalb und außerhalb ihrer (Ursprungs)-Familie, um nicht seelisch und geistig zu verkümmern. Derartige ’sittsame’ Kleidung soll offensichtlich Frauen in der Öffentlichkeit den Mund verbieten, den potentiellen GesprächspartnerInnen soll die Lust vergehen, diese Frauen anzusprechen oder gar ein Gespräch mit ihnen zu führen. Der Gesichtsschleier in der Öffentlichkeit erschwert den Kontakt, selbst untereinander, weil Niqabis, die ihren Glaubensschwestern auf der Straße begegnen, einander allenfalls am Klang der Stimme wiedererkennen können. Selbst die eigenen Kinder und der eigene Ehemann, die der traditionell-salafistisch gekleideten Muslima spontan in der Stadt begegnen würden, könnten in der ganzkörperverschleierten Figur nicht die Mutter und die Partnerin erkennen und würden unbeteiligt vorbeigehen, wie an einer Fremden, wenn die Niqabi sie nicht anspricht und dann an der Stimme erkannt wird. Hoffentlich ist dann niemand erkältet und heiser bzw. hört wegen dieser Infektion der möglicherweise durch ein Kopftuch verdeckten Ohren schlecht. Würdevolle Frauen und respektvollen Umgang stelle ich mir anders vor.

Wir versuchen in den Gesichtern von Menschen zu ’lesen’, um unser Verhalten diesen Informationen anzupassen. Diese über Jahrtausende weitergegebene Verhaltensweise ist offensichtlich überlebenswichtig und erleichtert unseren Alltag enorm. Sie hilft uns beispielsweise eine Gefahrensituation zu erkennen und einzuschätzen, um im Notfall blitzschnell einer Schädigung durch einen Angreifer auszuweichen, der uns wütend ’die Zähne zeigt’ und anfaucht oder dem Stirnrunzeln eines interessierten Käufers zu entnehmen, dass er unschlüssig ist oder die genannten Argumente anzweifelt. Geschulte Verkäufer werden daher nachfragen, welche Informationen er noch braucht, was unklar ist. Immer wieder wird es vorkommen, dass PassantInnen sich in einer Stadt nicht auskennen und nach dem Weg fragen oder irgendeine andere wichtige Information brauchen. Benötigt man die Hilfe von Fremden, wird man sich nach jemandem umsehen, die oder der vertrauenswürdig erscheint und mit ihrem / seinem offenen Gesicht Hilfsbereitschaft und Interesse an seinen Mitmenschen signalisiert. Gesichtsschleier jeder Art verstecken jedoch Gefühlsregung oder Mimik der Trägerin, sie verunsichern das Gegenüber und vermitteln den Eindruck, die Niqabi habe etwas zu ’verschleiern’. Der Stoff vor Mund und Nase erzeugt bei vielen Nichtverschleierten Angst und Misstrauen. Andere sehen in der nonverbalen Botschaft des Gesichtsschleiers eine Beleidigung ihres Menschenbildes und ihrer Lebensweise. Analog zur Aura-Fitna-Ideologie, die durch den Gesichtsschleier symbolisiert und umgesetzt wird, entmenschlicht der Niqab jede Trägerin zur wandelnden Vagina, zur Söhnchenfabrik auf Ausgang, alle unverschleierten Frauen werden zum nuttigen Sexualobjekt und Freiwild, Männer zu triebgesteuerten Tieren.

Zu einem für alle Seiten interessanten und bereichernden Gespräch ist es notwendig, einander ins Gesicht sehen zu können. Wertschätzende, gleichberechtigte Kommunikation ist wie bereits erwähnt wesentlich auf Gesichtsmimik angewiesen, die nur dann von allen GesprächspartnerInnen empathisch gespiegelt und beantwortet kann, wenn man sie sieht. Wichtige Gespräche führen wir deshalb von Angesicht zu Angesicht, mit Freunden unterhalten wir uns, wechselseitig Blickkontakt aufnehmend, in vertrauter Runde, auch bei sehr persönlichen Gesprächen sehen wir einander ins Gesicht, um Reaktionen auf das Gesagte zu entnehmen. Wir glauben jemandem an der Nasenspitze anzusehen ob sie / er lügt, unsere Wortwahl und die Intonation unserer Stimme passen wir dem Gesichtsausdruck unserer GesprächspartnerInnen an, um sie nicht zu verletzen oder um festzustellen, ob wir verstanden worden sind. Ein Niqab verhüllt das Gesichtsoval bis auf den Sehschlitz oder das engmaschige Sichtgitter blickdicht und nimmt der Trägerin Einzigartigkeit und Persönlichkeit. „Gesichter“ unterscheiden sich nur noch durch die Form, Farbe und Länge des Schleiers, sie erstarren zur ausdruckslosen, leblosen Maske, während selbst Totenmasken einen würdigen, individuellen Gesichtsausdruck haben.

Niqab-Trägerinnen wirken sehr auf sich selbst bezogen, abweisend sowie unnahbar und signalisieren schon von weitem: „Sprich mich bloß nicht an, ich will keinen Kontakt“ (das gilt, liebe Nora, auch für Niqabis untereinander). Kein Wunder also, wenn das aufgeschlossene, der Welt und den Menschen zugewandte kopftuchtragende oder unverschleierte Umfeld sich zurückzieht. Sicherlich werden die total verschleierten Frauen sich dadurch isoliert fühlen, doch war es nicht ihre Absicht sich abzugrenzen? Die Männer mögen euch vorgaukeln, der Niqab grenze Rechtgläubige vom anderen Geschlecht ab und sei zu eurem Schutz. In Wahrheit jedoch wollen sie euch von der Außenwelt abschotten, selbst als Gefangene auf Ausgang sperren sie euch in ein Gefängnis aus Stoff. Selbstverständlich könnt ihr den Gesichtsschleier in der Öffentlichkeit als ’Würdigung eures Frauseins’ deuten, doch ist das Ansehen (Würde, Respekt, Geltung) ohne an‑sehen überhaupt möglich? Jeweils mit Tschador und Niqab oder Burka verhüllt, können Muslimas allenfalls die Augen der anderen Schwestern sehen, während Kopftuch tragende oder unverschleierte Frauen sich ansehend wieder erkennen und auch ihre Umgebung ganzheitlich wahrnehmen können, ohne durch großflächige stoffene Abdeckungen an den Sinnenorganen Haut, Nase, Ohren, Mund eingeschränkt, behindert zu sein.

Während das weitgehend verdeckte Gesichtsoval bei einer Ganzkörperverschleierung keine Gemütsregung erahnen lässt, können vollverschleierte Frauen in den Gesichtern der unverschleierten oder Kopftuch tragenden GesprächsteilnehmerInnen lesen wie in einem offenen Buch. Bei vielen Menschen deren Gesicht nicht bedeckt ist, entsteht dabei ein Unbehagen, ein Eindruck der Ungleichheit, ein Gefühl des schutzlosen ausgeliefert Seins, der Unterlegenheit. Ein konstruktives Gespräch auf Augenhöhe ist in einer solchen Gesprächsatmosphäre kaum denkbar. Nach altbewährter demokratischer Sitte sollten daher fundamentalistisch-traditionell gekleidete Muslimas sich der unverschleierten Mehrheit anpassen und bei offiziellen Gesprächsgelegenheiten wie KlientInnengesprächen beim Rechtsanwalt, als Patientin in der Arztsprechstunde oder in Dienstzimmern der kommunalen Verwaltung, an anderem beispielsweise nachbarschaftlichem Gedanken- und Informationsaustausch besteht ja wohl auf Seiten der Niqabis kein Interesse, wenigstens für diese begrenzte Zeit den Niqab ablegen.

Ähnlich denkt Jack Straw, der ehemalige britische Außenminister. In einem Artikel einer Zeitung, die in seinem Wahlkreis erscheint, äußerte er sich zum Thema Burka und Niqab und berichtete, dass er bei einer seiner regelmäßigen Bürgersprechstunden in seinem Wahlbezirk Blackburn, einer Stadt mit hohem muslimischem Bevölkerungsanteil (19,4 % bei einem Landesdurchschnitt von 3,0 %) auf eine vollverschleierte Muslima traf, die das Beratungsgespräch mit den Worten einleitete: „Schön Sie einmal von Angesicht zu Angesicht zu sehen.“ Er habe sich darauf hin nur gedacht: „Schön wär’s“. Seither bittet der jetzige Fraktionsvorsitzende der Labour Partei, seine vollverschleierten Klientinnen den Niqab während des Beratungsgesprächs abzunehmen. Meist kämen die Frauen seiner höflichen Bitte nach und wären oft sogar erleichtert[38]. Der Politiker gibt offen zu, sich unbehaglich und irritiert zu fühlen, wenn er einer Ratsuchenden bei einem Beratungsgespräch nicht ins Gesicht sehen kann und daher die Reaktionen auf seine Ratschläge allenfalls dem Klang der (durch den Stoff des Schleiers gedämpften) Stimme entnehmen muss, die er, weil er sie nicht kennt, dementsprechend schlecht einzuschätzen und zu entschlüsseln vermag.

11. Redensarten mit Körperbezug

Körper schafft Sprache und Körperbewusstsein. Menschen sagen, eine Sache habe „Hand und Fuß“, sie bieten jemandem „die Stirn“, sprechen einander „von Angesicht zu Angesicht“. Auch Sinn ist ohne Sinneserfahrung nicht „sinnvoll“ möglich, so erlebt jede und jeder von uns auch mal gerne, wie Wind in den Haaren spielt, wie die Sonne die Haut wärmt, wie Meereswasser den Leib kühlt. Das sind uralte, ur-menschliche Naturerlebnisse, die auch in der kulturellen Moderne Selbsterfahrung und Selbstwahrnehmung sinnlich begleiten. Niqabträgerinnen sind diese elementaren Körpererfahrungen und Sinneseindrücke verwehrt, sie können beispielsweise nicht die würzige Waldluft atmen, der Sehschlitz ihres Gewandes schränkt das Blickfeld so ein, dass der unebene, mit Wurzeln durchzogene Waldboden zur gefährlichen Stolperfalle würde. Ein körperliches Selbsterleben etwa durch das Ertasten des verschiedenartigen Waldbodens (lehmig, matschig, steinig, mit Kiefernnadeln übersät, uneben, nachgiebig, federnd, sandig, laubbedeckt) mit den Füßen wird verhindert, ein differenziertes Körperbild kann so nicht entstehen, Selbstbewusstsein wird sich so nicht entwickeln können. Die Ganzkörperverschleierung lässt kaum einen Sonnenstrahl an die Haut und gefährdet die Gesundheit durch den Lichtmangel unserer Breitengrade. Die Muttermilch stillender Mütter mit Niqab weist in Europa einen signifikanten Vitamin D Mangel auf, der bei den Säuglingen Rachitis Vorschub leistet[39], bei den Frauen selbst begünstigt dieser Vitaminmangel, der nicht ausreichend durch Fisch, Milch und Getreide ausgeglichen werden kann, schon in jungen Jahren Osteoporose.

Man sagt, jemand nimmt etwas „auf die leichte Schulter“ oder trägt eine Verantwortung für ein Unternehmen auf seinen oder hoffentlich auch mal: Auf ihren „Schultern“. Überall auf der Welt haben Mädchen und Frauen Schultern, nur eben da nicht, wo ein weiter fußlanger Tschador mit oder ohne Khimar / Hijab die Haare einschließlich Haaransatz verdeckt und die Körperkonturen verschwimmen lässt. Als meist unifarbene, dunkle oder rabenschwarze, gesichtslose Mumien verhüllt bis auf den Sehschlitz, gehen Frauen durch die Straßen, verkleidet wie ein Schlossgespenst, oder wie seiner Zeit der Herr der Unterwelt, der gruselige Belfegor einer alten Fernsehserie. Durch die Frauen- und Körperfeindlichkeit des Islams davon überzeugt, ständig von der eigenen ’Unreinheit’ durch die Monatsblutung bedroht zu sein, glauben die Fundamentalistinnen sich verpflichtet, durch das bodenlange Gewand, das kaum einen Zentimeter des Körpers unbedeckt lässt, das männliche Umfeld vor Besudelung und Teufelsnähe[40] zu bewahren. Würde man ihnen eine Glocke in die Hand geben, sähen sie aus wie Leprakranke im Mittelalter, die, in lange Gewänder gehüllt, mit der Glocke läutend und laut „unrein“, „unrein“ rufend die Menschen warnen mussten, wenn sie durch die Straßen gingen. Tschador mit Niqab dienen jedoch auch als ’Schutzkleidung’, um die TrägerIn vor dem Schmutz der unverschleierten Frauen abzuschirmen. Die Ohren zugedeckt, das Blickfeld bis auf einen Spalt eingeschränkt, wie sollen Frauen mit einem solchen Stoffverband „ganz Ohr“ sein oder „alles im Blick“[41] haben? Keine Frau kann jemandem so vermummt „die kalte Schulter“ zeigen.

Der Niqab ist keine Privatangelegenheit, er ist hochpolitisch und antidemokratisch, weil er Qualitätsstandards der Aufklärung, der Demokratie und des Feminismus attackiert und ironisiert, in der Verfassung garantierte Rechtsansprüche nach eigenem Gutdünken legalistisch missbraucht bzw. verwirft und Toleranz für diese Geisteshaltung einfordert. DemokratInnen dürfen nicht zulassen, dass Frauen sich ihres Frauseins, ihrer Schönheit und Weiblichkeit zu schämen haben. Wenn das offene Haar und die Schönheit der Frauen Begehrlichkeiten bei den Männern weckt, wäre es besser, den Männern fesselnde Handschellen anzulegen als den Frauen Kopftuch und Burka oder Tschador mit Niqab. (so sinngemäß Ralph Giordano anlässlich einer Podiumsdiskussion). Es kann nicht sein, dass salafistische FundamentalistInnen sich anmaßen, bestimmen zu dürfen, wer „Gesicht zeigen“ darf. Wir müssen verhindern, dass mittels muslimischer Kleidung islamistisch-salafistisches Umweltverändern beginnt, unsere Freiräume und Kommunikation untereinander einzuschränken.

12. Für Frauen, die sich mit dem Gedanken tragen zu konvertieren oder einen Moslem zu heiraten

Die meisten dieser Konvertitinnen treten zum Islam über, weil sie einen muslimischen Partner heiraten wollen. Besonders wenn diese Frauen in nicht islamischen Ländern aufgewachsen sind und in einem säkularen demokratischen Land sozialisiert wurden, sollten sie sich vorher im Internet[42] und bei neutralen Beratungsstellen[43] über mögliche Konsequenzen des Glaubenswechsels für die Beziehung zur Ursprungsfamilie, z.B. zu den eigenen Eltern informieren. Selbsthilfegruppen sind eine gute Möglichkeit Informationen zu sammeln und Erfahrungen auszutauschen. Sollten Kinder aus früheren Beziehungen im Haushalt oder bei anderen Erziehungsberechtigten leben, ist eine wichtige Frage, welche Veränderungen sich für diese Jungen und vor allem Mädchen ergeben werden. Wie werden Schule / SchulkameradInnen der Kinder reagieren und wie akzeptiert die Familie die eigenen FreundInnen, KollegInnen, NachbarInnen, Bekannten, wenn sie von dem Vorhaben zu konvertieren erfahren? Wird die Familie des Mannes die neue Frau akzeptieren?

Sicherlich haben Verliebte andere Interessen, doch gerade damit dieses Hochgefühl starke Wurzeln bekommt und dauerhaft wachsen kann, wäre es nicht nur um künftige Missverständnisse und Streitigkeiten zu vermeiden wichtig, sich in der fremden Religion auszukennen. Einen wesentlichen Einfluss auf die Lebensgestaltung im Alltag haben Koran und Hadithen, die zur Sunna zusammengefasst wurden. Auch die Scharia ist eine wichtige Orientierungshilfe für MuslimInnen, fast alle islamischen Länder nutzten beispielsweise dieses theokratische Regelwerk als Quelle für Gesetzgebung und Rechtsprechung in Fragen des Ehe- und Familienrechts, wenn die Maßgaben und Vorschriften auch unterschiedlich stark einfließen (Türkei < Iran) und spezielle regionale Ausprägungen aufweisen (z.B. Rechtsschulen). Es wäre außerdem von Vorteil, über den Alltag, die Bräuche und Gewohnheiten und die Rechtspraxis im Heimatland des zukünftigen Partners informiert zu sein, wenn der künftige Bräutigam aus dem nicht europäischen Ausland stammt[44]. Gerade weil die Konversion endgültig und unwiderruflich ist und kinderlose Ehen für MuslimInnen sehr ungewöhnlich sind, sogar als schändlich zu gelten haben, sollten neben den Rechten und Pflichten der zukünftigen Ehefrau nicht zuletzt Regelungen bezüglich des Kindeswohls der aus der Ehe hervorgehenden Kinder und Folgen für deren Nachkommen bekannt und mit dem neuen Partner abgesprochen sein. Belange und Rechtsansprüche mit betroffener Dritter, wie Kinder aus einer früheren Beziehung, deren geschiedene oder getrennt lebende Väter einschließlich deren eventuellen neuen PartnerInnen und den Großeltern väterlicherseits sind abzuklären.

Der künftigen Mutter sollte klar sein, dass Kinder von Muslimen Generation für Generation ausnahmslos muslimisch sind und nach den Regeln des Islams erzogen werden müssen, die im Wesentlichen auf Scharia, Koran und Sunna beruhen. Obwohl die Jungen und Mädchen nicht gefragt werden müssen und durch die Übertrittsentscheidung der Mutter von dieser Weltreligion einfach vereinnahmt werden, können sie auch später als Erwachsene nach der bisherigen Auffassung nicht austreten. Sie gelten wie alle, die den Islam verlassen wollen als Apostaten (Abtrünnige), die wo immer auf der Welt sie sich aufhalten, getötet werden können. MuslimInnen ist es auch nicht erlaubt, Andersgläubige zu heiraten Sollte sich die Tochter doch in einen Hindu oder Christen verlieben, ist dieser gezwungen zu konvertieren. Wo bleibt da die viel gepriesene Freiheit im Glauben? Was wird aus dem Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit?

13. Wissenswertes

Frauen, die einen Moslem heiraten wollen, sollten daher folgende Punkte überdenken:

Obwohl ausländische Ehepartner einer Deutschen ein eigenständiges Aufenthaltsrecht erhalten, wenn sie im Besitz einer Aufenthaltserlaubnis sind und zwei Jahre mit der PartnerIn in ehelicher Lebensgemeinschaft gelebt haben (keine Abschiebung mehr möglich), sollten Frauen trotzdem auf einer standesamtlichen Trauung bestehen, weil die alleinige Imam-Ehe[45] in der BRD nicht anerkannt und auch nicht rechtsgültig ist. Genauso wichtig wie bei allen Eheschließungen ist es, in jedem Falle einen notariellen Ehevertrag abzuschließen, um beispielsweise Erziehungsfragen bezüglich der aus der Ehe hervorgehenden und eventuell in die Ehe eingebrachten Kinder (Besuchsrecht, wenn diese beispielsweise bei ihrem Vater leben) einvernehmlich zu regeln. Sollte die Ehe eines Tages scheitern, wäre es besser, neben dem eigenen Unterhalt auch das Sorgerecht, das Aufenthaltsbestimmungsrecht, die gesetzliche Vertretung und das Besuchsrecht aller eigenen minderjährigen Kinder, auch denen aus einer vorhergehenden Beziehung, schriftlich fixiert zu wissen. Eigene Urkunden und Pässe sowie die der Kinder niemals aus der Hand geben und an einem sicheren Ort aufbewahren, gerade auch bei Besuchen im Ausland.

Außerdem ist zu berücksichtigen, dass besonders in den extrem fundamentalistisch-salafistischen Kreisen, die den Niqab favorisieren, der gesamte Alltag künftig akribisch nach den Vorgaben von Koran, Sunna und Scharia gestaltet werden wird, was wiederum Auswirkungen auf die Konvertitin, das gesamte Umfeld der Ursprungsfamilie der Frau und ihren bisherigen Freundeskreis haben wird. So bestimmt der künftige Partner als Familienoberhaupt wer als Besucher erwünscht ist, zu welchen Gelegenheiten die künftige Ehefrau das Haus verlassen darf, er kann sogar vorschreiben, dass seine Partnerin den Kontakt zu ihren Verwandten auf das unbedingt notwendige zu reduzieren hat, wenn diese islamkritisch eingestellt sind.

Nachbarn, Bekannte und Freunde werden langsam versickern, weil sie den Menschen, den sie gut zu kennen geglaubt haben nicht mehr wieder erkennen und die Veränderung der Lebenseinstellung weder gutheißen noch verstehen. Wenn Kontakte zu früheren Arbeitskolleginnen eventuell geduldet werden, diese Verbindungen werden sowieso nicht von Dauer sein und bald einschlafen, wird kein Kollege und nicht Mahram die Frau mehr ansprechen dürfen. Die Ehefrau und Mutter selbst wird bald ihre frühere Berufstätigkeit aufgeben müssen, immer seltener die Wohnung verlassen dürfen und ihrerseits kaum Freundschaften pflegen können. Sicherlich wird es in salafistischen Familien gerne gesehen werden, wenn sie in der Öffentlichkeit, falls sie dann doch aus dem Haus gehen muss, nur noch mit Tschador und Niqab verhüllt in Erscheinung tritt.

Ähnliche Einschränkungen der freien persönlichen Entfaltung und anderer Kinderrechte / Menschenrechte gibt es für die Kinder in der Familie. Grundlage für diese obligatorischen Verhaltensregeln sind das Menschenbild und das Prinzip der Geschlechtertrennung aus Koran, Sunna und Scharia, von denen sich viele Regeln und Verhaltensweisen für Mädchen und Jungen ableiten lassen. Der Jungfräulichkeitskult, Kopftuchgebot, Zwangsverheiratung[46] von Mädchen und Jungen sowie Zwangbeschneidung von Jungen,[47] in manchen Kulturen leider auch Genitalverstümmelung[48] von Mädchen gehören zu solchen .massiv gegen das Selbstbestimmungsrecht verstoßende Traditionen

Zur Jungenbeschneidung: Der im Islam weltweit immer noch als obligatorisch geltenden Vorhautbeschneidung wird sich kaum ein Moslem entziehen können. Mit etwa 5-10 Jahren wird der in ihre Persönlichkeitsrechte, vor allem das Recht auf körperliche Unversehrtheit und das der sexuellen Selbstbestimmung. massiv verletzende Eingriff durchgeführt. Ungeachtet medizinisch- psychologischer Erkenntnisse wird ein vorislamisches, jahrtausendealtes Initiationsritual aus dem afropazifischen Raum in unsere westeuropäischen Stadtkerne transportiert, wo sie allenfalls für die jüdische Bevölkerungsminderheit üblich war (Brit Milah). Dieses Ritual (Sünnet) einer vormodernen Körpermutilation wird nicht selten auch den männlichen Halbgeschwistern aufgedrängt, zumal wenn sie in Haushalt leben.

Zur Mädchenbeschneidung: Das Wissen über dieses Ritual ist immer noch lückenhaft und tabuisiert. Durch Jahrtausende hindurch tradiert und durch das Vorliegen islamisch-geistlicher Rechtfertigung als ehrenhaft (Malikiten, Hanbaliten) oder sogar verpflichtend (Schafiiten) begrüßt, ist dieser unmenschliche Kult nur schwer auszurotten. Immer wieder entdeckt man neue Risikogebiete (Irakisch Kurdistan, Burma, Malaysia, Indonesien und Indien), wo diese grausame, oft tödliche Verstümmelung im Geheimen durchgeführt wurde und wird, ohne dass die Weltöffentlichkeit bisher davon wusste. In Malaysia, Indunesien und Indien war dieser verbrecherische Brauch völlig unbekannt, bis sich die ’Religion des Friedens’ in Südostasien verbreitete. Auch in Europa werden Mädchen entweder von Beschneiderinnen illegal verstümmelt oder der Clan findet medizinisches Personal, das bereit ist, wegen der drohenden Gefängnisstrafe selbstverständlich gegen ein hohes Honorar, die Verstümmelung gesetzeswidrig durchzuführen[49]. Misstrauen ist immer dann angebracht, wenn die Tochter mit dem Vater oder einer sonstigen Verwandten Urlaub in der Heimat verbringen soll[50].

Als 1999 durch InformatInnen bekannt wurde,

dass ein ägyptischer Frauenarzt in Berlin für 610 €

FGM heimlich als medizinische Dienstleistung

anbot, riskierte ein Kameramann der Fernsehredaktion

des ARD Magazins “Report Mainz“ als Interessent getarnt,

das subversive Gespräch mit versteckter Kamera aufzunehmen.

Ein nach der Ausstrahlung des Beitrags eingeleitetes

Ermittlungsverfahren musste eingestellt werden,

da keine Patientinnenkartei auffindbar war.

Leider wird mit dem weltweiten Trend zur Islamisierung und Rückbesinnung auf alte Rituale und Traditionen vermehrt damit zu rechnen sein, dass diese grausame Verstümmelungspraxis eine Renaissance erlebt und sich neue „Risikogebiete“ erobert.

Während die Konvertitin sich frei für diese Lebensform entscheiden konnte und bewusst in Kauf genommen hat, auf ein selbstbestimmtes, weitgehend individuelles Leben zu verzichten, stehen den Kindern und Kindeskindern wenigstens zur Zeit keine vergleichbaren Handlungsspielräume offen. Solange der Austritt aus dem Islam nicht ohne Nachteile und Einschränkungen oder gar Lebensgefahr möglich ist, kann der Übertritt zum Islam eigentlich keine persönliche Gewissensentscheidung sein. Diese Entscheidung beeinflusst nicht nur den künftigen Lebensstil der Konvertitin selbst extrem, gerade wenn sie sich der salafistischen Glaubensrichtung verbunden fühlt, sondern zwängt auch die eventuell im Haushalt lebenden Töchter und Söhne in ein starres, vor allem für die zehn- bis siebzehnjährigen weiblichen Familienmitglieder stark reglementiertes Lebenskonzept, das keine AbweichlerInnen duldet. Manchen bisher haltlosen Jugendlichen mag dieses enge Korsett an Handlungsmöglichkeiten die lang vermisste Orientierung bieten und in einer unübersichtlich erscheinenden Umwelt willkommene Leitlinie sein. Andere jedoch fühlen sich in ihren bisherigen Freiräumen und Gestaltungsoptionen jedoch massiv eingeschränkt, haben aber keine Möglichkeit, innerhalb der Familie einen auf ihre Bedürfnisse, Träume und Entwicklungschancen ausgerichteten individuellen Lebensstil auszuhandeln.

Manche weibliche Teenager werden die nach dem vormodernen Frauen- und Männerbild ausgerichtete Genderapartheit nicht verstehen und akzeptieren können und gegen die schmerzlichen Einschränkungen opponieren, da Ausgehverbot, Kontakteinschränkungen, Kleidervorschriften, Kopftuch in der Öffentlichkeit, die Mutter außerhalb des Hauses nur noch im Tschador und Niqab zu sehen, Schminkverbot, die ständige Kontrolle durch den ’Stiefvater’ und dessen männliche Verwandte sowie die aufgedrängte Konversion ihre bisherige Erziehung und Sozialisation ad absurdum führen und daher nicht zu ertragen sind. Besonders wenn etwa gleichaltrige Brüder in der Familie leben, für die sich durch die Bevorzugung des männlichen Geschlechts außer der Gebetspflicht, dem Fasten und gelegentlichen Moscheebesuchen nur wenig an der bisherigen Lebensführung ändert, werden die Töchter andauernd daran erinnert, ein angeblich verteufeltes Mängelwesen zu sein, dass sich seiner Aurah zu schämen hat. Es ist daher nicht verwunderlich, dass vor allem einige Mädchen allen Mut zusammennehmen, um ihre leiblichen Väter oder sonstige Verwandte zu bewegen, mit der Ex-Partnerin zu besprechen, sie auf Dauer aufzunehmen. Ist dies nicht möglich, bleibt den Teenagern noch der Gang zu Polizei oder Jugendamt, der Anruf beim Jugendtelefon oder die Kontaktaufnahme zu einer Kriseneinrichtung[51]. Kommt es zu einem Verfahren vor dem Familiengericht, muss die Mutter sich darauf einstellen, das Sorgerecht für ihre Kinder aus erster Ehe an deren leiblichen Vater abgeben zu müssen. Selbst wenn Kinder aus erster Ehe nur im Rahmen des Besuchsrechts bzw. Umgangsrecht die Mutter regelmäßig besuchen, wird die Umstellung auf die neuen Lebensgewohnheiten und strengen Regeln schwer fallen und vielleicht das sicherlich sowieso schon belastete Verhältnis trüben.

14. Kollektivismus gegen Individualismus

Ob es der Neomuslima wenigstens gelingen kann, eine tragfähige Mutter-Kind Beziehung zu den sicherlich bald nach der Heirat geboren werdenden Töchtern und Söhnen aus der jetzigen Ehe aufzubauen, die gegenseitig jede und jeden gleichermaßen als eigenständige Persönlichkeit mit individuellen Stärken, Schwächen, Interessen und Wünschen akzeptiert und wertschätzt, ist fraglich, da die Erziehungsziele im Islam die kollektivistische Umma und deren Vorteil in den Vordergrund stellt. Während die Jungen vor allem ein nützliches und kampfstarkes Mitglied des weltweiten Kollektivs werden sollen, haben die Mädchen nur die Aufgabe für die Reproduktion des Weltislams zu sorgen. Das weitgehend selbstbestimmte, gleichberechtigte, demokratische Individuum mit eigenen Interessen, Wünschen und Träumen ist im derzeitigen Islam nicht gefragt.

Oft wird unterschätzt, dass gerade bei der Heirat mit einem Partner aus dem orientalisch-islamischen Kulturkreis auch die Familie des künftigen Bräutigams mitgeheiratet wird. Sollten Kinder aus einer früheren Beziehung im Haushalt leben, wird der Druck zum ’wahren Glauben zu finden’ immens sein. Neben der Mutter und dem ’Stiefvater’ werden auch die Frauen aus dem Clan des Ehemannes besonders argwöhnisch darauf achten, dass die Kinder aus der bestehenden Ehe streng nach den Regeln des Korans, der Sunna und der Scharia erzogen werden und in einer Umgebung aufwachsen, die einen islamisch-traditionellen Lebensstil nicht in Frage stellt oder gar gefährdet. Möglicherweise wird man einer Konvertitin die notwendige Festigkeit im Glauben und das erforderliche Wissen nicht zutrauen und, gerade wenn kein Kontakt zum leiblichen Vater besteht, dafür Sorge tragen, dass die „Stiefkinder“ in der traditionell muslimischen Verwandtschaft aufwachsen. Kleine Kinder werden sich kaum dagegen wehren können, aus der Kernfamilie herausgenommen zu werden. Auch der konvertierten Mutter werden die Hände gebunden sein, ist sie doch davon überzeugt, dass nur eine kompetente religiöse Unterweisung den Weg ins Paradies ebnet. Um nicht als Zweiflerin ihren hart erkämpften Platz in der Hierarchie des Clans zu verlieren und vor allem als gute Mutter und gehorsame Muslima nicht in den Verdacht zu geraten, das Seelenheil ihrer Kinder zu gefährden, muss sie dem Fortzug zustimmen. Auch die weiblichen muslimischen Verwandten werden sicher sein, mit dieser Maßnahme ihre traditionelle und religiöse Rolle zu erfüllen und dazu beigetragen zu haben, sich ihren Platz im Paradies zu sichern. respektieren und zu akzeptieren. Immer wieder wird es in der Familie zu Konflikten kommen, weil die früher gewohnte freizügige Lebensweise von der neuen Kernfamilie der Mutter nun als gotteslästerlich abgelehnt werden muss. Die Speisevorschriften sind da die harmlosesten Reibungspunkte.

Auch eine islamische Ehe kann scheitern, wie wir wissen erleichtert die männerfreundliche Scharia den Ehemännern die Trennung, meist trifft dieses Scheidungsvorhaben die betroffene Partnerin völlig unvorbereitet. Gerade wenn der Ex-Ehemann aus dem nichteuropäischen Ausland stammt und in seiner Heimat Verwandte leben, besteht die Gefahr[52] einer Kindesentführung in sein Herkunftsland. Seine Großfamilie, die wie er Kinder als ihr Eigentum ansieht[53], wird ihn ’motivieren’, die korangetreue Erziehung seiner Kinder nicht in den Händen einer Konvertitin zu belassen. Sie werden mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln und schauspielerischem Einsatz dafür Sorge tragen, dass „ihr Fleisch und Blut“ nicht in einer Gesellschaft von ’Ungläubigen’ aufwachsen muss. Den geschiedenen Vater werden sie eindringlich an seine Pflichten als guten Muslim erinnern und androhen, ihn zur Verantwortung zu ziehen, wenn aus den Kindern, speziell den Söhnen, nicht rechtschaffene Glaubensbrüder werden. Der muslimische Vater wird nicht widersprechen können, um nicht sein Gesicht zu verlieren, als abtrünnig und undankbar zu gelten und seinen Platz im Paradies nicht zu gefährden. Die Väter kämpfen mit Hilfe der Großfamilie unter Umständen gnadenlos um ihre Kinder, notfalls mit illegalen Mitteln, weil sie sonst ihr ’Gesicht verlieren’, den Platz im Paradies gefährden. Kein muslimisches Land, in dem die Scharia für juristische Fragen zum Familienrecht herangezogen wird, und das sind die meisten, gibt die Kinder ohne Schwierigkeiten heraus. Zuständige Dienststellen wie Jugendämter, Familiengerichte, Polizei, Bundesanwaltschaft und Bundesgrenzschutz können im Ausland oft nicht tätig werden, weil einschlägige Abkommen von vielen Staaten nicht unterzeichnet wurden.

Wenn zur Zeit der Eheschließung die Heirat nicht standesamtlich registriert wurde, kann die Frau nicht einmal nachweisen, mit dem Kindesentführer verheiratet gewesen zu sein, denn die Imam-Ehe ist auch in den meisten islamischen Ländern nicht anerkannt bzw. muss nachgewiesen werden, was kaum gelingen wird. Ohne den notariellen Ehevertrag, in dem die schriftlichen Absprachen bezüglich des Kindeswohls (Sorgerechts, Besuchsrecht, Aufenthaltsbestimmungsrecht, gesetzliche Vertretung) unwiderlegbar beglaubigt wurden, tendiert die Chance der Mutter die Kinder wiederzusehen oder gar zurückzuholen gegen Null[54]. Das hat mehrere Gründe: Die Umsetzung der Scharia ist landesspezifisch gefärbt. Stammestraditionen, Regierungserlasse und die unterschiedlichen Rechtsschulen beeinflussen die Handhabung des undemokratischen Gesetzes. Für Ausländerinnen sind die ministeriell und administrativ zulässigen familienrechtlichen Regelungen nicht transparent, selbst der gleiche Richter kann ähnlich gelagerte Fälle unterschiedlich entscheiden. Solange Kinderrechte nicht im Grundgesetz explizit integriert sind, wird es auch den involvierten deutschen Dienststellen weiterhin nicht möglich sein, anhand der Handynummer den Kindesentführer ausfindig zu machen, wie der Chemnitzer Fall zeigt.

Mich wundert, dass in Deutschland und Europa zu dem Thema Kindeswohl und Weltanschauungsfragen noch keine aussagekräftigen Untersuchenergebnisse vorliegen. Dringend erforderlich wäre meiner Meinung nach die an den universellen Menschenrechten orientierte, fundamentalismuskritische, interkulturelle Schulung aller Fachkräfte in (sozial)pädagogischen Berufen und eine flächendeckende kommunale Selbstverpflichtung, kostenlose Partnerschaftsberatung gerade für binationale und bikulturelle Paare anzubieten.

Liebe Nora, wie wir sehen ist der Niqab nicht nur ein Stück Stoff.

Ümmühan Karagözlü


[6]IGFM: Martha Bibi leiht Baumaterial und wird zum Dank wegen Gotteslästerung verhaftet. Eine benachbarte Geschäftsführerin, der Frau Bibi bei einem Small-Talk erzählt hat, dass sie sehr ungehalten sei, weil die geborgten Werkzeuge nach Wochen noch nicht zurückgegeben wurden, zeigte die fünffache Mutter bei den Behörden an, weil sie angeblich den Propheten beleidigt habe. Nun ist die Christin wegen Blasphemie angeklagt, ihr droht die Todesstrafe. Ferner auch:

Meine beste Feindin

[14] Die freien Christinnen und Jüdinnen durften wie die Sklavinnen ihren Kopf und ihr Gesicht nicht verhüllen, der Muslim darf ihren Anblick genießen (Bereich der sexuellen Herrschaft). Die Muslimin ist beschützt, daher der Begriff muhassanat. Die anderen Frauen sind Freiwild.

http://www.ad.nl/buitenland/article1210611.ece

[17] http://www.taz.de/index.php?id=archivseite&dig=2003/08/11/a0107

http://www.d-a-s-h.org/dossier/13/03_arrangement.html

http://www.hannover.de/data/download/z/dokuzwangsheirat.pdf außerdem:

TERRES DES FEMMES e.V. (Hg.) (2002): Unterrichtsmappe zum Thema Zwangsheirat: »Wer entscheidet wen du heiratest…?« Tübingen

TERRES DES Femmes e.V. (Hg) (2002) : Zwangsheirat. Lebenslänglich für die Ehre. Schriftenreihe NEIN zu Gewalt gegen Frauen. Menschenrechte für die Frau. Tübingen und

http://www.amnesty.at/vaw/cont/laender/tuerkei/tuerkei_ausmass.htm

[18]http://magazine.web.de/de/themen/nachrichten/unicef/2900468-Tuerkei-Auf-in-die-Schule-Maedchen,articleset=2903764,f=mba3.html Die Soziologin Necla Kelek schildert in ihrem Buch die verkaufte Braut die Geschichte der jungen Türkinnen, die für den Brautpreis Deutschland als Importbräute in die ferne Bundesrepublik ’verheiratet’ wurden

[22] http://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%BCtli-Schule#_note-6 siehe auch

http://wdrblog.de/schulblog/2006/04/hauptschulen_in_nrw_in_zahlen.html rechnet man die SchülerInnen

mit Zuwanderungsgeschichte die mittlerweile einen deutschen Pass haben, jedoch nicht in der Statistik

erfasst wurden hinzu, erhöht sich der prozentuale Anteil sicherlich,

http://www.berlin.de/lb/intmig/presse/archiv/20060426.1000.43851.html zumal spätestens seit 2006 mit

hohem Aufwand für die Einbürgerung geworben wird.

[23] http://www.igfm.de/?id=461#2384 , Grenzvergehen (hadd-Vergehen), Abs.2.

[24] „[…] die Frau selbst ist eine ‚aurah, weil man sich für sie schämt, wenn sie sich zeigt: genau wie man sich schämt, wenn die ‚aurah zum Schein kommt. Und die ‚aurah ist das Geschlechtsteil und alles, wofür man sich schämt, wenn es sichtbar wird.“ Al-Manawî schreibt in seiner Erläuterung desselben: Die Frau ist eine ‚aurah „bedeutet, dass ihre Erscheinung und Entblößung vor den Männern verwerflich ist.“

[25] Nach einem Hadith soll der Prophet gesagt haben: „Die Frau hat zehn ‚aurah. Wenn sie heiratet, schützt ihr Mann eine von ihnen und wenn sie stirbt, schützt das Grab alle zehn ‚aurah.“

[26] (Ayatollah Khomeini, Tahrir-ul-Vaseela IV, ins deutsche Hans-Peter Raddatz: Allahs Frauen).

[40] Hadith: wenn ein Mann eine Frau trifft, dann ist der Teufel der Dritte

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