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Muslim Scouts. Wahhabiten und WAMY unterwandern das Weltpfadfindertum

September 9, 2009

الإتحاد الدولي للكشافة المسلمين

al-Ittiḥād ad-Dawlī al-Kaššāfa al-Muslimīn

The International Union of Muslim Scouts

Das WSIS Kampala 2009 boykottieren!

Boykottaufruf betreffend das Dritte World Scout Inter-religious Symposium (WSIS). Verfasst von Cees van der Duin

Ugandas um 1890 gegründete Hauptstadt Kampala hat heute 1,4 Millionen Einwohner, das Handels- und Dienstleistungszentrum des ostfrikanischen Binnenstaates liegt nahe am Viktoriasee. Kampalas Name leitet sich von den zehn so genannten Antilopenhügeln (kasozi k’empala) her, die das Relief der äquatornahen, ganzjährig durch ein mildes Klima begünstigten und das Umland der auf 1100-1200 Metern Meereshöhe liegenden Metropole prägen. In Uganda leben 10 % Muslime beziehungsweise 10 % mehr oder weniger muslimisch sozialisierte Menschen. Die Obrigkeit der Umma, der muslimischen Weltgemeinschaft, beginnt sich um diese Seelen rührend zu kümmern.

Auf der deutschsprachigen Seite der international tätigen, türkisch-radikalislamischen Bewegung Milli Görüş (hierzulande: IGMG) berichtet uns Ömer Faruk Yıldız am 27. Januar 2009 von der wohltätigen „Opfertierkampagne“ sprich Islamisierungskampagne der IGMG aus Ugandas Hauptstadt Kampala, wo er die Zentralmoschee (New National Mosque, aufgrund ihrer Lage in der Altstadt genannt Old Kampala Mosque) besucht. Der einschüchternd mächtige Sakralbau auf dem Mengo Hill, die größte Moschee südlich der Sahara, wird nach dem libyschen „Führer der Völker, Brother Leader“ auch Gaddafi-Moschee genannt, schließlich hat der libysche Diktator den Bau bezahlt. Der Leiterin des Goethe-Instituts sowie dem deutschen Konsulat überreichte der türkischstämmige deutsche Freund des Gedankenguts von Necmettin Erbakan jeweils einen Koran.

Neben dem ugandischen Baumeister Allahs und Sponsor der für die genannte Moschee jährlich in Höhe von 200.000 US-Dollar anfallenden Kosten für Unterhalt und Reparatur Muammar al-Gaddafi und neben der deutschen, vom Verfassungsschutz als extremistisch eingestuften Milli Görüş sorgen sich also weitere gottesfürchtige Kreise um das Seelenheil der ostafrikanischen Muslime. So traf sich im Jahre 2008 die Organisation of the Islamic Conference (OIC) im milden, grünen Kampala, jene OIC, welche die allgemeinen Menschenrechte ablehnt (Kairo 1990) und, völlig im Einklang mit Koran und Hadithen, halbierte Rechte für die Frauen und Nichtmuslime fordert.

OIC, Milli Görüş, al-Gaddafi, bei der Islamisierung (heiligen Kolonialisierung) Afrikas scheint es also einiges Gerangel der politreligiösen saudi-arabischen, türkischen und libyschen Goldgräber zu geben, letztlich aber wird man sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner namens Scharia und Kalifat einigen können. Ebenso wie in Europa Tariq Ramadan und Mustafa Cerić den absoluten Schariavorbehalt sprich die Rechtsspaltung „legalistisch“ (demokratieüberwindend) durchsetzen wollen, bringt die „Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam“ die Eliten um al-Gaddafi und Milli Görüş keineswegs in einen Gewissenskonflikt.

Ugandas einstiger Gewaltherrschschaft unter Idi Amin fielen 250.000 bis 500.000 Menschen zum Opfer, dem Diktator selbst gelang 1979 die Flucht über Libyen in den Irak, sein Exil (und seinen Tod am 16. August 2003) fand der Massenmörder im saudi-arabischen Dschidda (Jeddah). Der Flughafen der 35 Kilometer von Kampala entfernten ehemaligen Hauptstadt Entebbe war 1976 Ort einer mit Hilfe Idi Amins durch überwiegend palästinensische Terroristen ausgeübten Entführung eines Flugzeuges der Air France. Die Maschine sollte von Tel Aviv nach Paris fliegen, wurde von der an Bord gelangten Gruppe von Terroristen gekapert und gewaltsam wenig zufällig ins „revolutionäre“ Libyen umgeleitet, wo sie auftanken durfte. Ziel der Geiselnahme war es, inhaftierte PLO-Aktivisten in Deutschland, Frankreich, Israel und der Schweiz zu befreien, ein Erpressungsversuch, der durch die Armee Israels (Operation Entebbe, später auch Operation Jonathan genannt) am 4. Juli 1976 glücklich durchkreuzt werden konnte. Unter den getöteten Entführern befanden sich zwei deutsche Linksterroristen der Revolutionären Zellen, darunter eine Studentin der Pädagogik.

Die 1907 gegründete, weltweit konzipierte Pfadfinderbewegung (Scouting, arabisch al-kashafa, al-kaššāfa) ist in über 200 Staaten der Erde aktiv und fasst weltweit 38 Millionen Kinder und Jugendliche zusammen. Nichtkonfessionelle und konfessionelle Verbände arbeiten hierbei im Sinne der Jugenderziehung durch Gruppenerlebnis und Naturerlebnis. Zu den ehrenwerten ethischen Zielen des Scouting gehören Selbstvervollkommnung, Mitgefühl, Nächstenliebe, Gemeinwesenarbeit, Religionsfreundlichkeit und religiöse Toleranz sowie Völkerverständigung und Weltfrieden. Pfadfindertum ist mit einem säkularen Islam problemlos kompatibel. Scouting geht jedoch nicht mit der Scharia und dem schariatischen Fiqh (das islamische Recht) zusammen, in dem Menschenklassen verschiedener (Minder-)Wertigkeit geschaffen werden und die Frau einer geheiligten Entwürdigung und Entrechtung unterliegt. Das Weltpfadfinderbüro sieht das seit Jahrzehnten und schweigt, vielleicht hofft man ja auf eine Islamreform.

WSIS 2009

Vom 21. bis zum 25. Oktober tagt das 3RD WORLD SCOUT INTER-RELIGIOUS SYMPOSIUM im zehn Kilometer außerhalb von Kampala liegenden Speke Resorts, Munyonyo. Organisator ist das World Scout Inter-religious Forum (WSIF), nach eigener Aussage ein informelles Netzwerk religiöser Gruppen/Organisationen der Pfadfinderbewegung.

Gemeinschaftlicher ausgerichtet wird das interreligiöse pfadfinderische Treffens in Uganda von der religionspolitisch im Scharia-Islam eingekerkerten International Union of Muslim Scouts und der demokratiefähigen, traditionsreichen, im Jahre 1915 gegründeten Uganda Scouts Association. Die IUMS hat ihren Sitz in Idi Amins Todesort Dschidda, im frauenentrechtenden und gottgefällig hinrichtenden Saudi-Arabien. Innerhalb der letzten zwanzig Jahre wurden in Saudi-Arabien mehr als zweitausend Menschen hingerichtet, ungefähr tausend von ihnen waren ausländische Gastarbeiter, die das barbarische klassisch-islamische Blutgeld (diya) nicht bezahlen können. Von diesen „Hütern der Heiligen Stätten“ (Mekka und Medina), Anklagepunkt als todeswürdiges Verbrechen sind neben Mord und Drogenschmuggel auch Hochverrat, Ehebruch, Hexerei und Gotteslästerung, lässt man sich als Muslim Scout ungern oder auch gerne sein Zeltlager finanzieren. Gut Pfad.

Als gesetzesislamische geistliche Autorität steht der IUMS Dr. Abdullah Omar Naseef nahe oder vielmehr vor, religionspolitischer Führer der Muslim World League (MWL). Dr. Abdullah Omar Naseef hat gegen das Gedankengut der Ideologen der Muslimbruderschaft wie Abu l-A’la al-Mawdudi, Sayyid Qutb und Said Ramadan offenkundig nichts einzuwenden und war 1988 Gründer des nach US-amerikanischer Auffassung als Terrororganisation einzustufenden Rabita Trust.

Die International Union of Muslim Scouts (IUMS) entstand vor 28 Jahren. Aus der wahhabitisch-saudischen Gastfreundschaft in Tayef heraus fassten die versammelten Majestäten, Exzellenzen, Herrschaften und Präsidenten der islamischen Staaten den Entschluss, dass mehr für das leibliche, „wertebezogene“ und „spirituelle“ Wohl der Jugend getan werden müsse.

„Werte“ sind dabei selbstverständlich die sexualmagischen und antiaufklärerischen Werte der totalitären islamischen Pflichtenlehre (Scharia), „Spiritualität“ steht im Einklang mit der repressiven hanbalitischen Rechtsschule. Im Folgejahr antwortete die Qatar Scout Association (Doha 1982) mit der Ausrichtung eines schariatisch-scoutistischen Kongresses (1st Islamic Conference & Jamboree).

Die Doppelpackung politislamisch-pfadfinderisch ist bis heute beibehalten worden und widerspiegelt sich auch 2009 im zusammenaddierten, ungleichen Pärchen IUMS plus Uganda Scouts Association. Der die islamische Radikalisierung und die ethnoreligiöse Segregation wünschende Politislam betreibt die Nutzbarmachung des sportiv, kreativ und sozial gemeinten Pfadfindertums.

Wiederum ein Jahr darauf, im September 1983 wurde die zweite Doppeltitelveranstaltung des auch von Dhimmi-Seite zunehmend schariakonform veränderten Scoutismus veranstaltet. Das Treffen titelte als Islamic Conference and Jamboree, Gastgeber war die nordafrikanische islamisch-sozialistische Theokratie Libyen. Zeitgleich fand im Unrechtsstaat des Auftraggebers eines 259 Tote fordernden Terroranschlags (Sprengung eines Flugzeugs über dem schottischen Lockerbie am 21.12.1988), des amtierenden Präsidenten der Afrikanischen Union (African Union, Union africaine) Muammar al-Gaddafi das fünfzehnte Arabische Pfadfinder-Welttreffen, das 15th Arab Scout Jamboree statt.

Bemerkenswerterweise beschloss das Arab Scout Committee im Jahre 1984, Islamic Scout Jamboree und Arab Scout Jamboree voneinander zu trennen.

Im Jahr des deutschen Mauerfalls und der deutschen Wiedervereinigung 1989 erfolgte in dieser Tradition die Ausrufung der International Union Of Muslim Scouts (IUMS) auf dem gemeinsamen Treffen auf Gruppenleiterebene namens 3rd International Muslim Scouts Conference & 5th Islamic Scout Jamboree.

August 1992: Pakistan lädt zur Sechsten Islamischen Pfadfinderkonferenz (6th Islamic Scout Conference). Im 2009 heute leider revolutionär-radikalislamisch unterwanderten, korrupten Polizeistaat Pakistan (Bewohner zu 96 % Muslime, meist streng hanafitische Barelwis oder ultraorthodoxe Deobandis) sind Nichtmuslime wie etwa Christen, Hindus, Parsen und Kalasha seit Jahrhunderten Menschen zweiter Klasse, die man bestehlen und belästigen darf.

Sozusagen pakistanisch-volksislamisch unterliegen gerade die pakistanischen Christen seit Jahrzehnten eher unvorhersehbaren, sozusagen anfallsweise initiierten Pogromen, sie werden, deutsche Zeitungen schreiben darüber zumeist nicht, nach lautstark geäußerten, wenig glaubwürdigen Vorwürfen (den Propheten beleidigt, den Koran geschändet) angegriffen, vergewaltigt oder ermordet, ihre Häuser werden niedergebrannt. Der labile Staat Pakistan könnte vor einer Islamischen Revolution nach iranischem Modell stehen, er hat die militärpolitische Kontrolle über gewisse Stammesgebiete wie das Swat-Tal verloren. Der Staat des Islamisten, Generals, Putschisten und langjährigen Regierungschefs Zia-ul-Haq (1977) ist seit der erfolgreichen Spionage eines in einer muslimischen Mittelschichtfamilie in Indien geborenen Muslims im Besitz von Nuklearwaffen. Aufgrund schlampiger Sicherheitsvorkehrungen gelang es dem Ingenieur Dr. Abdul Qadeer Khan, im niederländischen Atomforschungszentrum von Almelo im Laufe der Jahre 1972-1976 in den Besitz von Bauplänen für Zentrifugen für Urananreicherung zu kommen. Allahs pakistanischer Statthalter Zia-ul-Haq nannte die erstrebenswerte Gesellschaftsordnung Islamische Ordnung (nizam islami), führte die Scharia vollumfänglich ein und ließ Dieben folgerichtig die Hand abhacken, unter den Islamisten aller Welt wurde Pakistan so das Referenzmodell für einen „gerechten“ (islamischen) Staatsentwurf.

Auf der 33 Konferenz der höchsten Funktionäre der Weltpfadfinderverbände (weiblich WAGGGS und männlich WOSM), 33rd World Scout Conference, stellte sich die IUMS öffentlich vor beziehungsweise erklärte ihre künftige Anwesenheit bei allen Veranstaltungen und wurde Stunden später, Pfadfinder sind höflich und fremdenfreundlich, offiziell anerkannt. Das geschah im thailändischen Bangkok des Jahres 1993. In Thailand leben 5 % Muslime und ist der Buddhismus (Theravada) de facto Staatsreligion, lediglich im äußersten Süden (Provinzen Yala, Pattani, Narathiwat) stellen sie 30 % der über 15jährigen Bevölkerung, wo in den letzten Jahren leider dschihadistische Milizen grausame Morde an Nichtmuslimen begangen haben.

Das marokkanische Casablanca war im Juli 1994 Ort der 7th Islamic Summit Conference, dort wurde man inhaltlich: „Integrate spiritual with scouting understanding in all Muslim scout activities and programs and make them have strong believe in God.“ Während der grandiose Optimist und pragmatische, etwas pantheistische Weltbürger und Sportsgeist Lord Baden-Powell ganz selbstverständlich religiös empfand und niemandem auf der Welt sein Gottesbild wegnehmen wollte, wird hier von einer „Integration des Spirituellen mit dem Pfadfinderischen“ gesprochen. Scouting war also nicht „spirituell“ genug.

Fundamentalismuskritikern ist so etwas ganz ungefähr aus gewissen kleinen, christlich-fundamentalistisch geprägten pfadfinderischen Organisationen bekannt. Mit „strong believe in God“ aber könnte die Islamische Revolution gemeint sein und müssen wir eine auffällig angestrengte Umschreibung (kitman, Lügen durch Auslassung) der Worte Hisba, Fiqh und Scharia vermuten. Der muslimische Pfadfinder, auch der französische oder britische, soll also künftig der politreligiösen Gehorsamspflicht unterliegen, und was darunter zu verstehen ist, sagen ihm die saudischen Wahhabiten beziehungsweise wissen ja vielleicht auch die weltweit agitierenden Brüder der al-ichwan al-muslimun, der Muslimbruderschaft, von denen sich die IUMS selbstverständlich ebenso wenig distanziert wie von Yusuf al-Qaradawi.

Vorangestellt war der Satz „Select and train scout leaders according to clear understanding of Islamic teachings and scouting requirements for youth“. Die nicht schariakonformen Gruppenleiterinnen und Gruppenleiter sollen also ausgesiebt werden, das ganzheitlich-kreative (sportlich-musisch-soziale) Programm der seit 1907 typischen Scout-Jugendarbeit ist demgegenüber dezidiert nachrangig.

Wird denn nicht überall da, wo von Religionsfreiheit, Schutz von Nichtmuslimen, Säkularisierungsprozessen und (fundamentalismuskritischer; islamkritischer) Pressefreiheit gar nicht erst die Rede ist, die Formel „Peace to cover the hole world and scouting work for better world under the umbrella of One World One Law and One Promise“ ein wenig zum Ruf nach dem Kalifat? Ist „Peace“ denn dann nicht vorzugsweise Islamic Peace und „One Law“ etwas anderes als das Sharia-Law?

Mädchen islamverbandlich einsperren, Frauen bändigen: „Provide union coverage to the formation of Muslim girls guide under umbrella of IUMS.“ Weib, der (pfadfinderische) Kalif ist erstens männlich und weiß zweitens, wo es lang geht. Schluss mit dem pfadfinderischen Lotterleben.

Ein müdes „Encourages cooperation between Muslim and non-Muslim scout“ setzt die berüchtigte Islamsensibilität voraus sprich den Verzicht an jeder Kritik des Nichtmuslimen am orthodoxen beziehungsweise politischen Islam. Zusammenarbeit mit islamkompatiblen Nichtpfadfindern, „cooperation with non-scout organizations of similar nature“ hingegen wird, tolerant herrschend, akzeptiert.

Zu dem seinerzeit Sünder öffentlich auspeitschenden oder hinrichtenden König Fahad Ibn Abdul-Aziz († 2005) bekennt sich die International Union Of Muslim Scouts (IUMS), die eigentlich, man kann das überlesen, die islamisch-spirituelle das bedeutet repressiv-religionspolitische Führung über alle muslimischen Pfadfinder weltweit („representing Muslim Scouts all over the world“) beansprucht, was bereits heute das Pfadfindertum in Frankreich und Großbritannien und in nicht ferner Zukunft auch die Jugendarbeit vieler Staaten Europas meinen wird.

2009 bedeutet die Unterstützung der IUMS ein Befördern des politreligiösen Ansinnens der FEMYSO (Forum of European Muslim Youth and Student Organisations), deren erster Präsident Ibrahim el-Zayat hieß. Die deutschen Jugendverbände der FEMYSO sind die Jugendabteilung der Milli Görüş (IGMG) und die 1994 im Haus des Islam (HDI) in Lützelbach, Odenwald, durch Mohammed Siddiq Borgfeldt mitgegründete Muslimische Jugend in Deutschland (MJD). Die im Juni 1996 von WAMY (World Assembly of Muslim Youth, Dachverband von 450 Organisationen, Vertretungen in 35 Staaten) und FIOE (Federation of Islamic Organisations in Europe, das ist ungefähr die Muslimbruderschaft Europas) gemeinschaftlich gegründete FEMYSO kann für freiheitlich-demokratische und damit auch für pfadfinderische Jugendverbände kein Kooperationspartner sein. Die Namensähnlichkeit des im englischen Wikipedia unter Europäischer Fatwa-Rat (ECFR) Nummer 25 genannten „Sheikh Muhammed Siddique (Germany)“ mit dem gerade genannten MJD-Mitgründer, dem Odenwälder Herrn Muhammad Siddiq (Wolfgang Borgfeldt) aus Lützelbach ist bemerkenswert, zumal Wikipedia deutsch unter MJD ausführt: „MJD-Gründer Muhammad Siddiq ist Mitglied des ECFR, dessen Vorsitzender Yusuf al-Qaradawi ist“. Ob Scheich oder Nichtscheich, die treue FEMYSO möchte ihr Leben offiziell nach den Weisungen des Fatwa-Rates (ECFR) ausrichten.

Zu ihrer politreligiösen Einbindung bekennt die IUMS: „Active member of World Assembly of Muslim Youth“.

Ob das selbstbewusste Weltweite islamische Pfadfindertum („To motivate and promote Islamic Scouting on global basis“) etwas anderes als eine weltweite Islamisierung wünscht? Die Gefahr der globalen muslimischen Gegengesellschaft sollten WAGGGS und WOSM beachten, die Unvereinbarkeit von Scharia und Allgemeiner Erklärung der Menschenrechte (AEMR) müssen Pfadfinderinnen und Pfadfinder endlich hörbar betonen, um sich nicht länger mitschuldig zu machen, den religiösen Nichtmuslimen, säkularen Muslimen und Ex-Muslimen in islamisch geprägten Ländern und längst auch in Europa die mühselig errungene Freiheit zu rauben.

Die Kooperation mit der IUMS gefährdet die Glaubwürdigkeit der Weltpfadfinderbewegung als eine mit der kulturellen Moderne und der freiheitlichen Demokratie kompatible Form der Jugenderziehung und Jugendbildung. Nicht zuletzt geht es um universelle, gleichheitsfeministisch gedachten Frauenrechte, denn die hier erwähnte Traditionslinie der IUMS, ihre offenkundige Loyalität zur Wahhabiyya, zur Muslimbruderschaft, zu Muammar al-Gaddafi (Libya 1983) und zu womöglich ja auch zum in Katar lebenden, unter Sunniten hoch angesehenen Yusuf al-Qaradawi („Qatar took the initiate and held the first Muslim Scout Conference, Doha 1982″) tritt das zivilisatorische Streben der einen Menschheit nach der Gleichberechtigung der Frau mit Füßen.

Auch ist davon auszugehen, dass die politreligiösen Funktionäre der in die WAMY eingebundenen IUMS glühende Israelhasser sind. Als veritabler deutscher Zweig der radikalislamischen Muslimbruderschaft kann die Islamischen Gemeinschaft in Deutschland (IGD, vgl. Islamisches Zentrum München) gelten, der einstige IGD-Vorsitzende Ibrahim el-Zayat ist in der WAMY führend aktiv (Vertreter für Westeuropa). An alle, die in der Pfadfinderarbeit Verantwortung tragen, sei die Frage gerichtet, ob folgendes denn etwa die Ethik des gut hundertjährigen Scouting ist, was WAMY zum Thema Kindererziehung predigt: „Lehrt unsere Kinder zu lieben, dass Rache an den Juden und den Unterdrückern genommen wird und lehrt sie, dass unsere Jugend Palästina und Al-Quds [Jerusalem] befreien wird, wenn sie zum Islam zurückkehren und den Jihad um der Liebe Allahs wegen ausüben.“

Das Blog für Pfadfinderische Islamkritik „Eifelginster“ beobachtet die Re-Fundamentalisierung der muslimisch geprägten Individuen, Großfamilien und Staaten mit großer Sorge und richtet an die europäischen und eben auch deutschen Pfadfinderverbände die dringende Bitte, am interreligiösen Treffen 3RD WORLD SCOUT INTER-RELIGIOUS SYMPOSIUM, 21 -25 OCTOBER 2009, SPEKE RESORT MUNYONYO, KAMPALA – UGANDA nicht teilzunehmen. Den in den pfadfinderischen Verbänden organisierten Kindern und Jugendlichen sei die offene islamismuskritische und schariakritische Diskussion, Meinungsbildung und innerverbandliche Meinungsvertretung empfohlen.

Statt die gesetzesislamischen, durchweg faschistoiden bis faschistischen Staatskonzepte und Menschenbilder, statt die Islamvorstellungen der Wahhabiten und Muslimbrüder weiterhin zu bagatellisieren oder zu beschweigen, sollten Europas in WAGGGS bzw. WOSM organisierte Jugendverbände die Zusammenarbeit mit denjenigen muslimischen, außereuopäisch-christlichen sowie israelischen Strömungen vertiefen, die sich auf Pressefreiheit, Wissenschaftlichkeit, Säkularität und universelle Menschenrechte hinzu bewegen.

Das Pfadfindertum des Nahen Ostens hat eine reiche Geschichte. Während die erste türkische Pfadfindergruppe an der Istanbuler Imperial Galatasaray High School und noch im Osmanischen Reich durch den englisch-türkischen Lehrer Ahmet Robinson ins Leben gerufen wurde, der auch die türkischen Worte für „Pfadfinder, Pfadfinderei“ (Izci, Izcilik) prägte, standen die armenischen Pfadfindergruppen bereits vor dem antiarmenischen Völkermord (1915-1917) zumeist der 1918 in Istanbul von Shavarsh Khrissian und Hovhannes Hintlian gegründeten, patriotisch-sportiven Homenetmen-Bewegung (HoMenEtMen) nahe.

Im Bereich der Weltsprache des Arabischen war es vermutlich der Hochschullehrer Mamduh Haqqi aus dem nordsyrischen Aleppo (arab. Halab, 15-20 % der Einwohner sind Christen verschiedener Bekentnisse), der im Jahre 1929 als Erster das Buch »Scouting for Boys« als »al-Kashafa« ins Arabische übersetzte. Im Vorjahr hatte Hassan al-Banna in Ägypten die dezidiert antimoderne, radikalislamische Muslimbruderschaft gegründet, nachmaligen Wurzelgrund etlicher Terrorgruppen. Es wäre schön, wenn der Geist des »Scouting for Boys« (… and Girls) zur Demokratisierung des nahen Ostens und Afrikas beitragen kann, und ganz anders als Kulturrassist Hassan al-Banna hat Pädagoge Mamduh Haqqi seinen Beitrag für die Jugenderziehung des arabischen Sprachraumes geleistet. Die israelische Pfadfinderbewegung der für alle Kinder und Jugendlichen, auch für christliche und muslimische, offen stehenden, durchweg koedukative Hit’ahdut HaTzofim VeHaTzofot BeYisrael kurz: „Tzofim“ entstand 1919 und feiert dieses Jahr stolz ihr neunzigjähriges Jubiläum. Seit Jahren aber feuern radikalislamisch orientierte Palästinenser Kassam-Raketen aus dem Gaza-Streifen aufs israelische Sderot ab. Welchen Umgang mit dem das Weltpfadfindertum offensichtlich gezielt und menschenrechtswidrig beeinflussenden politischen Islam sind Europas und gerade auch Deutschlands Pfadfinderverbände denn unseren jüdischen Pfadfinderverbänden etwa der USA, Kanadas, Frankreichs und Israels schuldig, damit das 1907 gestiftete Ideal von der weltweiten Bruderschaft auch in Zukunft glaubhaft erfüllt werden kann?

Was für ein Islambild hat und wünscht die offizielle Pfadfinderbewegung sieben Jahrzehnte nach dem erscheinen des pfadfinderischen Handbuches »Scouting for Boys / al-Kashafa«, wenn ihr im Jahre 2009 auf dem interreligiösen Treffen in Kampala sogar wahhabitisch finanzierte und Muammar al-Gaddafi wie auch der Muslimbruderschaft kaum verhohlen nahe stehende Gruppen als annehmbare Dialogpartner gelten? Es gibt unter muslimisch sozialisierten Menschen weit mehr an Weltbürgertum und gutem Geschmack als lediglich die ewiggestrigen Rufer nach der frauenfeindlichen islamischen Orthodoxie oder die Parteigänger der die Pressefreiheit, Religionsfreiheit und Menschenrechte verhindernden islamistischen Politreligion.

Zivilcouragierte muslimische Frauen und Männer gibt es schließlich auch, und gerade für diese, die allgemeinen Menschenrechte verlangenden und damit auf die weitgehende Trennung von Religion und Politik angewiesenen Menschen haben WOSM und WAGGGS einzustehen, nicht für die Architekten der Gegenmoderne und Gottesherrschaft.

Cees van der Duin, 09. September 2009

zum Weiterlesen:

Lagerfeuer und Köpfen für Allah, Scouting & Hadd-Strafen. Al-kashafa al-arabiyya. Königlich Saudi-Arabische Botschaft in Tokio, Japan

http://www.saudiembassy.or.jp/Ar/EmbNews/Kashafa.htm

Lake Victoria, Pfadfinderfunktionäre und Polit-Islam. Homepage des luxuriösen Tagungszentrums Speke Resort, Munyonyo, Kampala, Uganda

http://www.spekeresort.com/

Gaddafi-Moschee, Kampala

http://www.world66.com/africa/uganda/kampala/lib/gallery/showimage?pic=africa/uganda/kampala/new_national_mosqu

http://www.zeast.com/blogs/ac/2007/07/friday-prayers-in-kampala.html

Organisation der Islamischen Konferenz (OIC), 18.-20. Juni 2008, Kampala / Uganda

http://www.oic-oci.org/35cfm/english/index.html

Ugandas Präsifent Yoweri Kaguta Museveni eröffnet mit Muammar el-Gaddafi die größte Moschee südlich der Sahara

http://allafrica.com/stories/200803200007.html

OIC bei OIC. Member States, et al.: Albanien, Surinam, Uganda

http://www.oic-oci.org/member_states.asp

Kairoer Erklärung … der Menschenrechte … im Islam!

http://www.soziales.fh-dortmund.de/Berger/Forschung/islam/Kairoer%20Erkl%C3%A4rung%20der%20OIC.pdf

http://de.wikipedia.org/wiki/Kairoer_Erkl%C3%A4rung_der_Menschenrechte_im_Islam

Dschihadismus in Thailand. VORSICHT, die Ergebnisse der Internet-Bildsuche unter „thailand jihad“ sind ERST AB 16 JAHREN GEEIGNET

http://www.longwarjournal.org/cgi-bin/mt-search.cgi?tag=Thailand&blog_id=7

http://littlegreenfootballs.com/article/26895_Zombie-_The_Thailand_Jihad

Operation Entebbe

http://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Entebbe

Einladung zum WSIS 2009, bei Weltpfadfinderverband (WAGGGS / WOSM)

http://www.scout.org/en/information_events/events/wsis/3rd_wsis

Einladung zum WSIS 2009, bei: Internationale Konferenz des Katholischen Pfadfindertums (IKKP) / International Catholic Conferenz of Scouting (ICCS) / Conférence Internationale Catholique du Scoutisme (CICS)

http://www.cics.org/html/download/circular_letter/Circulair_Letter__Apr09_ENG.pdf

IUMS, bei WSIS

http://www.wsis2009.org/scouting_iums.php

Dr. Abdullah Omar Naseef

http://www.historycommons.org/entity.jsp?entity=abdullah_omar_naseef_1

Rabita Trust

http://www.satp.org/satporgtp/countries/pakistan/terroristoutfits/Rabita_Trust.htm

WAMY

http://demo.ebiz-today.de/personen/personen,217,Weltweit_vernetzter_politischer_Islam,news.htm

http://www.discoverthenetworks.org/groupProfile.asp?grpid=6425

http://www.geocities.com/johnathanrgalt/FBI_was_frustrated.html

militantislammonitor.org/article/id/2050

http://article.nationalreview.com/?q=ODgwMGNkNzM0MTNiMWMyZGM3ZWJlYTYxYzczNGNhMmU= </

http://de.wikipedia.org/wiki/World_Assembly_of_Muslim_Youth

Ibrahim el-Zayat

http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~E01016036B44C421C90293F71616657F0~ATpl~Ecommon~Scontent.html

FEMYSO

http://de.wikipedia.org/wiki/Forum_of_European_Muslim_Youth_and_Student_Organizations

Islamische Gemeinschaft in Deutschland e.V. (IGD)

http://de.wikipedia.org/wiki/Islamische_Gemeinschaft_in_Deutschland

Pfadfinderfunktionäre flirten mit dem Polit-Islam, Baden-Powell wäre womöglich stocksauer. Das 1923 gegründete Internationale Pfadfinderzentrum im Schweizer Kandersteg, Weltzentrum des WOSM, lädt zum WSIS Uganda 2009

http://www.scout.org/en/information_events/events/wsis/3rd_wsis

Anmeldung bei den tunesischen Pfadfindern, Scouts Tunisiens (al-Kachāfa at-Tūnisiyya) der Teilnehmerbetrag ist nach Jeddah (Dschidda) zur IUMS zu überweisen. Bitte ausfüllen: 12. Experience in working with Scouting and Spiritual Development, 13. Have you participated in an inter-religious dialogue before? If yes, briefly explain your experience

Applications to be sent to: Mr. Hussain Sahal, Deputy General Secretary, International Union of Muslim Scouts (IUMS), P.O. Box 9141 Jeddah 21413, Kingdom of Saudi Arabia. (Deadline for the application to reach us: 20th July 2009)

http://www.scouts.org.tn/pages/Registration-3rd-WSIS-En.pdf

The Hebrew Scout Movement, Israel (Hebrew)

http://www.zofim.org.il/

Friends of Israel Scouts. Tzofim

http://www.chetz-vkeshet.org.il/

Catholic Scouts Association in Israel (CSAII)

http://www.csaii.org/en/

Gaza, Hamas, Kindererziehung. Bei: Spirit of Entebbe

http://spiritofentebbe.wordpress.com/2009/09/03/gaza-stimmen-fur-den-frieden/

Europas kirchliche Islamverteidiger

Februar 28, 2009

الولاء والبراء

»al-walā‘ wa-l-barā’a«

Affection and aversion, love

and hate for Allah`s sake.

Diesen bist du mitverpflichtet, von

jenen hast du dich abzusondern

Lieben für Allah –

Hassen für Allah

Von Jacques Auvergne

Islam spaltet Integration. Dazu ist er schließlich erfunden worden. Muslimas dürfen sich nicht in die bevorrechtigte Sphäre der männlichen Muslime integrieren, sittlich minderwertige Nichtmuslime nicht in die Zone der Rechtgläubigen. Diese geheiligte Apartheid der Geschlechtsklassen und Religionskasten ist von keinem Geringeren als Allāh gestiftet worden, jedenfalls von seinem irdischen Aktivisten Mohammed. Islam ist antisozial nach außen und nach innen (und außen!) frauendiskriminierend, er verhindert als unkreativ und imitierend (taqlīd) persönliche Autonomie, freies Denken und nennenswerte Wissenschaft. Islam betrachtet Gesellschaftskritik und freien Journalismus nahezu als Gotteslästerung, will militärisch expandieren und, im Machtbereich, zunehmenden politreligiösen Totalitarismus kultivieren.

Die sehr säkular zu denkende kulturelle Moderne universeller Menschenrechte hat nun allerdings ein Problem. Das Konzept Islam ist wesensgemäß antiintegrativ. Die Moderne muss jedoch Integration wollen und kann sich schariatische Sonderrechtlichkeit islamisch befreiter Zonen nicht leisten, ohne die mühselig errungene Gleichberechtigung von Frau und Mann – für alle Staatsbürgerinnen und Staatsbürger – oder ohne den Begriff von der absoluten Würde des – jedes – Menschen einer anfallsweise jähzornigen und grundsätzlich unberechenbaren Gottheit zu opfern.

Mehrere in islamischer Doktrin als ’ewig und unverhandelbar’ geltende Grundsätze sind es also, die in einer freiheitlich-demokratisch bleibenden Zukunft durch Europas Muslime künftig aufgegeben werden müssen: Die heiligen Dogmen der Scharia (Pflichtenlehre mit beispielsweise Familienrecht und Personenstandsrecht), der Sunna (Orthopraxie bei permanenter wechselseitiger Verhaltenskontrolle) und der Gehorsam gegenüber den fatāwā (Fatwen; Europäischer Fatwā-Rat, ECFR) sind zu nennen.

Ebenso wird die militante Politreligion auf das Konzept der fitra (Ideologisierung des Leibes und der Natur) sowie tahāra (rituelle Reinheit einschließlich männlicher Beschneidung oder schafiitischer weiblicher Genitalverstümmelung; anzutrainierender Ekel gegenüber dem und den Unreinen) verzichten Müssen. Schließlich muss der Islam seine sexistische Geschlechterideologie bzw. misogyne Geschlechtertheologie ablegen, einschließlich des Zeichens ordnungspolitischen Herrschaftsanspruchs namens hidschāb (Verschleierung, Kopftuch; islamische Kleidung). Last but not least gilt es, die gewaltsame traditionelle arabisch-islamische Kindererziehung einzustellen.

Solange sich der Islam von diesen seit einem Jahrtausend geheiligten Ansprüchen nicht trennt, wird er jede (erwünschenswerte) Integration mehr oder weniger bewusst ironisieren, jede kulturelle Moderne (kufr, dār al-harb, bei Sayyid Qutb: die eigentlich ’vorislamische Zeit’ bedeutende dschāhiliyya) mehr oder weniger erfolgreich angreifen, einebnen, wegätzen und beseitigen. Und das alles im Namen der Religionsfreiheit. Beim Wort Religion allerdings wacht die europäische, für uns speziell die deutsche Kirche auf und wittert Pfründe. Ein paar Krümel der Macht werden doch wohl vom Tisch des Kalifen herunter fallen.

Europas Klerus beäugt das gegenwärtige Schauspiel misslingender Integration und ’surft’ auf der prekären sozialen Schieflage wie ein kriegs- und krisengewohnter Wellenreiter. Das Wort Islam wird vermieden, das Wort Scharia wird nie ausgesprochen. Daneben gibt es in den Kirchen ausgesprochene Islamoptimisten und dezidierte Islamverteidiger. Meist nur mäßig informiert, dafür umso dialogfreudiger.

Theologe Dr. Krämer ist professionell in der Erwachsenenbildung und Mitarbeiterweiterbildung tätig und wird in ländlichen Regionen Süddeutschlands als Fachmann für Literatur aus den islamisch geprägten Teilen der Welt gehandelt. Krämer schreibt am 22. Februar 2009 zu Ümmühan Karagözlü vom Blog Schariagegner, hier eingestellt als Nr. 042. (IKEA kündigt Kopftuchkritiker) sowie zu hier Nr. 043: (Die Schura von Vólos – Europäische Jugendverbände treffen sich mit dem frommen Nachwuchs der Muslimbruderschaft).

Der (schariakompatible) Standpunkt des Theologen hinsichtlich der allgemeinen Menschenrechte verblüfft uns Kummer gewohnte Sozialpädagogen längst nicht mehr. Die hauptberuflich betriebene Islambeschönigung durch Angehörige der beiden Großkirchen ist für uns atheistische oder säkular-religiöse Islamkritiker immer wieder Gegenstand der Beobachtung. Manch ein Moscheebau wird umgesetzt, wenn nur der evangelische und der katholische Geistliche ihm zustimmen und zur ’Versachlichung der Debatte’. Mancherorts bildet sich ein betonhartes Amalgam aus intransparenter Islamverbands- und Kirchenpolitik heraus, ein Dhimma- oder Millet‑System, global gedacht, lokal gehandelt. Bekennender Ex‑Muslim sollte man in so einem Stadtviertel besser nicht sein.

Zunächst zum Kopftuch oder Hidschab, Dr. Krämer spricht islamisch korrekt von Bedeckung. Gepfefferte Antwort erhielt Krämer noch am selben Tag von Jacques Auvergne, hier als Baustein 102. Vgl. Erwiderung von Ümmühan Karagözlü an den Theologen, hier als 103.

Sehr geehrte Damen und Herren,

ja es sollte jeder Frau selbst überlassen sein, ob sie sich bedeckt oder nicht. Zur Intergration trägt die Bedeckung sicher nicht bei. Und manchmal finde ich es fast witzig wenn bedeckte Frauen mit Minirock und hautengen Kleidern durch die Fußgängerzone in unseren Stäcten spatieren.

Sagt nicht der Prophet, Frau solle das bedecken, was zur Sünde reizt? Das sind bei uns nun wirklich nicht die Haare.

Ich finde es spannend, dass eine Entscheidung Muhamads, die seine eigenen Frauen betraf, nun von allen Frauen im Islam geteikt werden soll.

Sind denn alle Propheten-Frauen?

Nichtmal vom Islam gedeckt ist, was da geschieht. Es ist bloß ein patriarchles Übel, das religiös verbrämt wird.

Freundliche Grüße

Dr. M. Krämer

Sehr geehrter Herr Dr. Krämer,

leider liegen Sie radikal daneben. Das noch so winzige islamische Kopftuch diskriminiert mich (nichtmuslimisch, Schariagegner) als Dhimmi, als unsittlichen Menschen zweiter Klasse. Antisemit und Terrorversteher Yusuf al-Qaradawi fordert, auch Sie benutzen dieses beschönigende und irreführende Wort, die ‘Bedeckung’, bis auf Hände und Gesicht. Burka ist ein textiles Gefängnis, und doch wird sie (niqab, parda, abaya, tschador) mit Androhung vor der Strafe ewiger Verdammnis angedrillt oder vielmehr (arabisches Erziehungsprinzip: Außensteuerung …) angeprügelt.

Nein, es sollte nicht jeder Frau überlassen sein, ob sie sich im Einklang mit der schafiitischen Rechtsschule nachträglich beschneiden lässt oder die selbe Genitalverstümmelung, die, wie Sie sicherlich wissen, auch von Geistlichen der Kairoer al-Azhar verteidigt wird (islampädagogisch immer wieder unterstützt von der Muslimbruderschaft), an ihrer Tochter durchführen lässt.

Hat der vielleicht ja schlicht anmaßende und selbsternannte Prophet überhaupt gelebt? Herr Dr. Krämer, Sie sprechen von einer mythischen Figur – wir können uns ganz ernsthaft darüber unterhalten, ob es wirklich ein Chinese namens Lao Tse gewesen ist, der das (lesenswerte) Buch Tao Te King schrieb, wir können diskutieren, ob indianischer Schamanismus rascher und nachhaltiger zu einem Heil-Werden oder gar Heil-Sein führt als die reaktionäre Salafiyya mit ihren nachempfunden mittelalterlichen Textilien oder das Pfründe-Denken und Hofschranzentum der heutigen Wahhabiyya der Wirkmächtigkeit ihrer Petro-Dollars.

Sie hätten schreiben müssen: ‘Der hypothetische Mohammed, legendärer und kultisch verehrter Feldherr’. Sie können in der kulturellen Moderne nicht erwarten, dass es unwidersprochen bleibt, wenn Sie schreiben: ‘Der Prophet’. Denn es befinden sich unter uns auch Nichtmuslime und Ex-Muslime, auch bekennende Christen oder bekennende Atheisten lesen hier mit. Die alle womöglich keinen Wert auf das ‘Prophetentum’ des (mutmaßlichen) Gründers der (wahrscheinlich) inhumanen Theokratie von Medina (vormals Yathrib) legen.

Ihre islamtheologische Kopftuchkritik richten Sie doch bitte an Yusuf al-Qaradawi, an den Vorstand von Milli Görüs bzw. an sein Berliner Pendant Islamische Föderation Berlin und natürlich auch an die schiitischen Ayatollahs in Teheran. Helfen Sie diesen Herren frauenpolitisch ein wenig auf die Sprünge.

Sie sind, sei es eher beiläufig oder recht gezielt, Islambeschöniger, mehr noch: Islamverteidiger (’Verteidiger des Glaubens’). Ich wünschte, Sie würden die säkulare freiheitliche Demokratie gegen die Orthopraxie der Sunna, gegen die ‘ewige und unverhandelbare’ (Mustafa Ceric) Scharia verteidigen. Dazu lade ich Sie ein. Kritisieren Sie – mit mir – den Großmufti von Sarajevo.

Der Nebel des īhām umwölkt jede da’wa.

Nein, ich widerspreche Ihnen. Das islamrechtliche Kaufobjekt, von der nikkah, Imam-Ehe haben Sie gewiss gehört, das entwürdigte und unterdrückte, nach Maßgabe des Beutemachens und Tochtertauschens zwischen den patriarchalischen islamischen Clans überreichte Wesen beziehungsweise die eroberte Nichtmuslima, Kinder sind Muslime und gehören nach der Scharia dem Vater (Aufenthaltsbestimmungsrecht), diese Frau trifft keine freie Entscheidung über ihre Biographie.

Die dem orthodoxen (politischen) Islam unterworfene Frau hat keine wirkliche Kompetenz, zu entscheiden, ob sie ihre awrah (aura), ob sie den ‘Schambereich’ des ideologisierten Leibes bedeckt und wie sehr und wie lange. Kopftuch ist der erhobene Zeigefinger der hisba (hisbah), der ordnungspolitischen Schariatisierung (Europas, Deutschlands). Kopftuch ist der stumme Schrei: ‘Ich bin keinesfalls lesbisch und ein schwuler Sohn wäre mir und Allah ein Gräuel’.

Verteidigen Sie die Imam-Ehe (potentiell polygam) und das frauenentwürdigende und frauenentrechtende Familienrecht der Scharia (vom Strafrecht nicht zu sprechen)? Behaupten Sie, es gäbe im deutschen Sprachraum keine Mädchen und Frauen, denen das Kopftuch oder der hidschāb aufgezwungen worden ist und der Bräutigam gleich mit?

Ein wirksamer rhetorischer Trick der Islamisten, ‘aus eins mach zwei’, einen totalen Komplex (Politreligion, Kerker des Wohlverhaltens und der Bedarfsweckung auf den jenseitigen Platz im zu erspinnenden Paradies) in zwei Bereiche oder vielmehr Begriffe zu trennen: Einmal sagen Religion, ein anderes mal Tradition … je nach Bedarf … um dann, ohne rot zu werden, ‘aus zwei mach eins’, von ‘islamischer Tradition’ zu sprechen. Je nach Bedarf. Wo ist die Kugel, sagt der Hütchenspieler, unterm Hütchen Religion oder unterm Hütchen Tradition? Inschallah unterm Doppelhütchen Islam, guckstu.

Der territorialdominante, fundamentalistische Islam ist eine sehr flexible (taqiyya), sehr soziale (kulturrassistische), sehr ganzheitliche (Kalifat) Religion. Es kann einen anderen Islam geben und es muss uns darum gehen, ob Nichtmuslime oder Muslime, ihm Geltung zu verschaffen: Ohne Scharia-Doktrin und Sunna-Zwangshandeln, ohne fiqh (Scharia-Gerichtshöfe) und ohne Pflicht zur … ‘Bedeckung’.

Wie Sie sehen, stimmen wir weltanschaulich und politisch sogar ein klein wenig überein, doch es könnte und ich meine es sollte etwas mehr sein.

Bekennen Sie sich gegen das, was Sie heute noch – schariakompatibel – verteidigen: Den hidschāb, das Kopftuch.

Mit freundlichen Grüßen

Jacques Auvergne

In seinem zweiten Kommentar zur von mir bedauerten Zusammenarbeit europäischer kirchlicher Organisationen der Jugendarbeit mit Abgesandten des Umfelds der radikalislamischen Muslimbruderschaft schlug der Globalisierungskritiker und Erwachsenenbildner einen ausgesprochen vorwurfsvollen Tonfall an, verzichtete jedoch der Einfachheit halber auf irgendwelche Begründungen und fordert stattdessen den entgrenzten Dialog. Alles andere würde zu Religionskriegen führen.

Von den beiden Großkirchen würden wir gerne ein Wort der Distanz zur Scharia vernehmen, etwa zum radikal antimodernen Vorschlag von Professor Christian Giordano (“Rechtspluralismus – ein Instrument für den Multikulturalismus?“), welcher ethnoreligiös definierte, segregierte Rechtssprechung (Scharia‑Gerichtshöfe) fordert[1]. Oder zum gleichgerichteten Vorschlag von Erzbischof Rowan Williams[2].

Der kulturelle und politische Bildungsverbreiter und professionelle Christ Dr. Krämer schweigt zu universellen Menschenrechten, beispielsweise zu Frauenrechten in Alltag und Theologie des heutigen Islam, zu Rechten für Bahá’í, Juden, Christen oder Atheisten in islamisch dominierten Gebieten (Ägypten, Irak, Pakistan) oder zur Lebensqualität von bekennenden Ex‑Muslimen in Europa. Dr. Krämer:

Sehr geehrte Damen und Herren,

selten habe ich einen Artikel gelesen, der so von Unsachlichkeit und Emotion geprägt war. Fakten lassen sich aufzählen und sprechen für sich. Sie bedürfen dann kines Kommentars.

Als Europäer, die durch den Prozess der Aufklärung gelaufen sind, bleibt uns nichts anderes als unsere Form der anderswo unbekannten Reflexion einzusetzen. Wir hatten genügend Religionskriege. Das hat uns gereicht. Wir müssen – und das scheint mir hier ein Problem zu sein – nicht wieder zu Religionskriegen blasen.

Wir schaffen den Dialog – übrigens auch mit Fundamentalisten – nur, wenn wir diese Form der europäischen Identität nicht verleugnen.

Und christlichen Fundamentalismus, qwie er mir in dem obigen Artikel entgegen kommt, verachte ich nicht weniger als muslimischen.

Im übrigen kommen in den USA mehr Menschen durch christlichen Fundamentalismus um als durch islamischen.

Freundliche Grüße

Dr. theol. M. Krämer

Sehr geehrter Herr Dr. theol. Krämer,

ich bitte Sie um ein öffentlich vernehmbares, deutliches Wort des Bekennens gegen den demokratiegefährdenden, ordnungspolitischen Anspruch der vormodernen Scharia, gegen die schariatische und frauenfeindliche Institution der Imam-Ehe.

Ich frage mich, ob Sie zum ersten Mal von FEMYSO, EYCE und Muslimbruderschaft gehört haben – mir will es so scheinen.

Falls Sie jedoch al-Bannā und Qutb und al-Qaradāwi etwas genauer kennen, sagen Sie doch bitte öffentlich vernehmbar etwas gegen die islamische Theologie dieser Herren – und gegen die frauendiskriminierende und in Teilen grundrechtswidrige Theologie der al-Azhar gleich mit. Von einem – von meinem – Seelsorger darf ich solches erwarten, jedenfalls erhoffen.

Kennen Sie die Unterschiede zwischen der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 und der Kairoer Erklärung der Menschenrechte? Wie weit, sehr geehrter Herr Dr. Krämer, wie weit geht Ihr ‘toleranter Dialog’ mit dem orthodoxen (politischen) Islam?

Ich beginne zu ahnen, dass Sie Ihren christlich-islamischen oder interreligiösen Dialog zwar in Ihrem eigenen, nicht aber in meinem Namen betreiben. Und doch ermutige ich Sie, weiterzumachen! Denn nur gemeinsam und gemeinsam mit vielen anderen Menschen jeder Religion oder Ex-Religion oder Nichtreligion werden wir das Zwielicht und den Nebel lichten helfen, der den Fiqh-Islam und den Scharia-Islam umgibt.

Ex-Muslime sollten Sie einmal kennen lernen, es lohnt die Mühe sehr. Sagen Sie uns ein Wort zum neuen islamistischen Antisemitismus und alten koranisch-schariatischen Antijudaismus! Äußern Sie sich gegen Theorie und Praxis von Apostasieverbot (Apostatenmord), dhimma (Dhimmitude) und dschihād!

Und selbstverständlich haben sich unsere Bemühungen um die kulturelle Moderne auch zu richten gegen christlichen Fundamentalismus (Kreationismus, theologisch/theokratisch begründete Homosexuellenfeindlichkeit, christlichen Antijudaismus, gewalttätige Abtreibungsgegner), gegen Hindu-Fundamentalismus (Kastensystem, Misogynie), Sikh-Fundamentalismus (Zwangsehen) und Jesidentum (Steinigungen) – Sie rennen da die sprichwörtlichen offenen Türen ein.

Von Islam haben Sie – mit Verlaub – keine Ahnung.

Mit freundlichen Grüßen

Jacques Auvergne



Rabeya und Reinhard, IPD und INTR°A

Februar 19, 2009

رابعة

Rābi’a,

weiblicher Vorname arabischer Herkunft mit der Bedeutung

rābi`a »die Vierte« für die vierte Tochter oder aber als

weibliche Form zu rab`ī »zum Frühling gehörend«

»Die Komplementarität der Religionen«

Kölns erster Lehrstuhl für heilige Segregation.

Von Jacques Auvergne

Institut für interreligiöse Pädagogik und Didaktik (IPD) nennt sich eine in Köln gelegene Einrichtung, die beansprucht, die regelmäßig misogyne und zumeist extrem dualistische Weltdeutung des Islam unseren gelehrigen Lehrerinnen und Lehrern staatlicher Schulen verständlich zu machen, zugleich und zeitgleich mit der Vermittlung des gleichnamigen, tausend Jahre alten herrschaftspolitischen Kultes (Scharia). Im Namen steht nicht islamisch, sondern interreligiös.

Das IPD will nicht nur Muslime ansprechen, die interreligiöse Pädagogik der Scharia erklärt selbst den ungelehrigen Nichtmuslimen die Welt des Erzieherischen aus Allahs ewiger Perspektive. Lassen wir das IPD dozieren:

Das Institut für Interreligiöse Pädagogik und Didaktik wurde mit der Zielsetzung gegründet, Beiträge zu inhaltlichen und strukturellen Fragen zum Thema Bildung und Erziehung zu leisten.

Wir verstehen uns einmal als Forschungsinstitut, an dem wissenschaftliche Arbeit zur Lösung von Fragen im Bereich der Erziehung erbracht wird und zum anderen die erbrachten Ergebnisse in die Praxis umgesetzt werden.

Kein kleiner Anspruch. Ob jemand am IPD Pädagogik studiert hat? Ein Psychologe, Soziologe oder Islamwissenschaftler wäre auch gut.

Das IPD hat einen eigenen pädagogischen Ansatz erarbeitet, der auf globalen Denkstrukturen beruht. Wissen und Information wird nicht separatisiert verabreicht, sondern in einen Gesamtzusammenhang gestellt. Der Unterricht und die Materialien sind handlungsorientiert konzeptioniert.

Scharia firmiert unter Ganzheitlichkeit, der Drill und das geradezu zwanghafte Wiederholen islamischen Wohlverhaltens (Sunna als eine Orthopraxie) sei handlungsorientiert. Etikettenschwindel einerseits. Andererseits sind Allahs Gier, Gefräßigkeit und Herrschaftsanspruch in der Tat unbegrenzt, entgrenzt, insofern global.

Gefordert ist also Raum zu schaffen für Lebenserfahrungen und Lernwelten zu eröffnen. Ergebnisse werden bejaht, weil sie hinterfragt werden und verinnerlicht werden konnten. Informationen und Wissen mit Offenbarungtexten verbinden zu können, ist notwendig, da ersteres aus dem zweiten hervorgeht. Dies liegt den erarbeiteten IPD-Konzepten zugrunde.

Frontalangriff des Fundamentalismus auf die bundesdeutsche Pädagogik! Hier müssten Jugendschutz, Schulministerium (Frau Barbara Sommer), Jugendamt und Sektenbauftragte eingreifen. Es kann nicht sein, dass wir seit vielen Jahren wissenschaftlich fundiert etwa vor der Mun-Sekte gewarnt haben, doch jede voraufklärerische und gegenaufklärerische Strategie („tolerant“) dulden, solange es nur der Allāh-Kult ist, der diesen, pädagogisch gefährlichen Unsinn von sich gibt.

Lesen Sie bitte genau: „da ersteres aus dem zweiten hervorgeht“, das zweitgenannte sind die Offenbarungstexte sprich heiligen Texte, die Quelle und Voraussetzung des erstgenannten seien. „Information und Wissen“ ist „ersteres“, Information und Wissen seien also nichts als Folge und Auswirkung der wesentlich ursprünglicheren Basis von Koran und Hadithen. Um uns Pädagogen oder Sozialpädagogen hinters Licht zu führen, wird das ganze in die modischen pädagogischen Floskeln der achtziger und neunziger Jahre gewickelt wie „Lernwelten“ und „hinterfragen“. Das Kölner IPD bekennt sich zum fundamentalistisch verstandenen Islam.

Auf bloße Reproduktion wird in Curricula und Unterricht weitestgehend verzichtet. Die qur’anischen Lern- und Lehrmethoden sind die Basis.

Selten so gelacht. IPD kennt die Verpflichtung zum taqlīd nicht? Wieder ein billiger Trick: Die Nichtmuslime sollen denken, hier werde innovativ und kreativ gewirkt. Klar, IPD ist zu feige oder nicht willens, den, wird er wörtlich aufgefasst, ausgesprochen lernfeindlich und entwicklungsgefährdend wirkenden Koran zu kritisieren. Der kulturrassistische und frauenfeindliche Koran wird, ohne rot zu werden, zum pädagogischen Grundlagenwerk („Lern- und Lehrmethoden“) befördert.

Lernen, seine Ehefrau zu verprügeln, oder lernen, Juden zu köpfen? Lernen, mitten in Europa eine so genannte islamische Gesellschaft (Imamat, Kalifat) aufzubauen, sich von den Nichtmuslimen abzusondern?

Der Unterricht gestaltet sich dual: Zeitgleich mit der Wissensvermittlung wird das soziale Interagieren des Einzelnen in der Gruppe eingeübt, wie es aus den Quellen des Islams ersichtlich wird.

Social group work, Selbsterfahrungsgruppe?

Nicht, dass jemand aus der Reihe tanzt.

Es war nach einer Biologiestunde, als uns eines unserer Kinder frug, wie es denn nun wirklich sei, ob Gott den Menschen erschaffen habe oder die Natur die Schöpferin sei.

Das Kind also hatte eine Frage, ein aufgeschlossenes Kind. Und? Stille. Wir sollen uns ein süßes Kindlein vor‑stellen und das weitere Denken ein‑stellen. Kein Bekenntnis für oder gegen islamischen Kreationismus.

Vielleicht … hat das Kind inzwischen keine Fragen mehr.

Unsere muslimischen Kinder leben und lernen in diesen Dingen kaum anders als die Kinder der Mehrheitsgesellschaft um sie herum: Die Einteilung des Wissens bzw. des Lehrstoffes in Fächer bedeutet besonders für uns Muslime eine Aufsplitterung in Informationshäppchen, welche dem islamischen Denken entgegen läuft. Hinzu kommt dann noch, wie oben bereits erwähnt, der hiervon getrennte Religionsunterricht, so als hätten die Phänomene des Lebens mit der Religion nichts zu tun.

Was für eine Kindergärtnerinnensprache, und selbst da wäre es ein unstatthaft infantiles Herumalbern: „Informationshäppchen“. Als-ob-Gefühle von Harmlosigkeit, kalkuliert erweckt. IPD schaffe Weitblick.

„Aufsplitterung“ suggeriert, den „Muslimen“ werde unmoralische Gewalt angetan. „Muslime“ würden ’ganzheitlich-global’ und ’ökologisch vernetzt’ denken, Überprüfbarkeit fehlt. Allahgott womöglich soll es sein, der die wertvolle pädagogische Ganzheitlichkeit herstellt.

Bei uns allen, Pädagogen, Eltern und den mit Erziehung Betrauten, hat sich dieses Denken in getrennten Bereichen und Bahnen leider verinnerlicht, so daß Erziehung und Bildung nicht zu den gewünschten Ergebnissen führen kann.

Kritik an der Pädagogik, das klingt verantwortungsvoll. Günstige Gelegenheit für eine kleine Bußübung, ach, das tut gut. Ohne Selbstkritik keine Umkehr. Ohne den Klebstoff der totalen Scharia gehen Kinder in die Irre, werden verhaltensauffällig oder gar Schulversager. Niemand jedenfalls wird so gemein sein, „erwünschte Ergebnisse“ zu verbauen.

Die Gedanken und Erkenntnisse, diese Problematik islamisch lösen zu müssen, haben zur Gründung des Instituts für Interreligiöse Pädagogik und Didaktik geführt.

Der Islam ist die Lösung, al-islām huwa al-hall. Sagt al-Bannā.

Man stelle sich einmal vor, eine konservative fundamentalistische christliche Freikirche würde das nordrhein-westfälische Schulwesen kritisieren, ganz traurig gucken und sagen: Wir rechtgläubigen Pädagogen litten seelischen Schmerz und mussten christliche Lösungswege für „diese Problematik“ finden.

Wir sind bei all unseren Überlegungen von zwei entscheidenden Fragen ausgegangen, die letztendlich doch wieder ineinandergreifen, nämlich : „WOHER KOMMT DIE WELT?“ und „WER BIN ICH?“. Das sind zwei weite Forschungsfelder, die alles andere umfassen.

Gnōthi sautón, Γνθι σαυτόν, erkenne dich selbst. Sigmund Freud. Und natürlich Charles Darwin.

Wetten, dass diese zweieinhalb Jahrtausende alten Fragen nun islamisch gelöst werden sollen?

Wir wünschen uns Denkanstöße in und aus allen Richtungen, vor allem aber zu der Überlegung, ob der isolierte Religionsunterricht nicht durch einen integralen ersetzt werden sollte, wobei das Wort Religionsunterricht verschwände; wir hätten dann z.B. einen physikalischen Islamunterricht oder einen islamischen Physikunterricht: Wie wir es auch nennen wollen, es läuft auf ein einheitliches Denken hinaus. Wie sollte auch der Schöpfer von Seinem Werk getrennt gesehen werden ?

Anfangs gibt sich das IPD weltoffen und sucht „Denkanstöße“. Ich wette allerdings, dass sunnakritische oder schariafeindliche Denkanstöße nicht willkommen sind. Danach wird es gefährlich total und totalitär: Der Islam-Kult soll ausgreifen dürfen, ausufern, die Biologie und Physik durchdringen, verzerren und manipulieren dürfen.

Wer wird hier eigentlich ausgebildet, Lehrer für eine Madrasa oder Koranschule? Das staatliche Schulwesen der kulturellen Moderne sollte sich verbitten, dass sein von der öffentlichen Hand bezahlter Physiklehrer beim Vermitteln von Magnetismus, Auftrieb und Fliehkraft ganz „integral“ Gotteslob betreibt oder dass der Biologielehrer die Artenvielfalt mythisch als ’Schöpfung’ bezeichnet. Sollen Deutschlands Schulen den antiken oder auch heutigen polytheistischen Menschen in Geschichtsunterricht und Sozialkunde als harbī definieren dürfen?

„Einheitliches Denken“ hatte Deutschland von 1933 bis 1945.

Wir glauben fest daran, daß es auf diese Weise möglich ist, die Kluft zwischen täglichem Leben einerseits und „Religion“ andererseits, die sich in der säkularen Welt aufgetan hat, zu überwinden und wieder zum Tauhid-Gedanken, dem Gedanken der Einheit, zum La ila-ha ill-allah zurückzufinden. Hierbei haben wir uns von den Methoden der originären islamischen Quellen leiten lassen.

Das zuletzt Genannte war zu befürchten, IPD betreibt den kriecherischen taqlīd, die platte Textgläubigkeit, etwas anderes steht Sunniten derzeit offiziell auch gar nicht zu. „Originär“ mag andeuten, es gebe auch verfälschte Islamtraditionen und man habe Zugang zu ’authentischem Wissen über den Islam’. Welche Muftis oder Fatwas dem IPD als originär gelten wird uns bewusst verschwiegen.

Dreist verunglimpft das IPD die, wörtlich, „säkulare Welt“ als alltagsfern. Ein politischer Fundamentalismus soll im Bildungsbereich mehr Einfluss, mehr Macht bekommen. Was nicht funktionieren wird, ohne Religionskritiker organisiert zu entmachten.

Solange der Islam scharī’a, fiqh und fatāwā nicht verwirft, da hat das IPD Köln recht, ist der tauhīd genannte Eingottglaube an den Allahgott tatsächlich dazu geeignet, das „tägliche Leben“ von Verhalten, Frauenentrechtung, Meinungs- und Pressefreiheit total zu bestimmen. Dann wird es offiziell, das bislang vielleicht eher von extrem patriarchalischen Großfamilien betriebene, permanente Kontrollieren der Töchter und Ehefrauen auf Keuschheit und das fromme Bedrohen aller Kritiker von Sunna und Koran. Auf derlei ’Alltagsnähe des Religiösen’ möchte Europa nach Renaissance und Aufklärung, nach dem Überwinden von Hexenprozessen und Inquisition vielleicht gerne verzichten.

Und Er läßt (Seinen) Zorn auf jene herab, die ihren Verstand nicht gebrauchen wollen.“ Qur’an: Sura Yunus 100

Wer den Islam kritisiert, verweigert es, seinen Verstand zu gebrauchen. Aufgeklärte Menschen sollten von Erpressung reden, phantasiereiche Spiritualität stelle ich mir anders vor. Wir sollen hier wohl verspannt lachen.

Auch wir sind diesen Fragen nachgegangen und zu dem Ergebnis gekommen, daß es entscheidend ist, die natürlichen Veranlagungen des Kindes zu fördern, um die Selbstentwicklung nach der Fitra des Heranwachsenden, d.h. nach der natürlichen Anlage, wie Gott sie geschaffen hat, nicht zu hindern.

Fitra: Jeder Mensch ist Muslim, ob er es weiß (Muslim) oder nicht (Jude, Christ, anderes). Fitra: Islam ist, sagen englischsprachige Muslime: standard religion, angeborene Naturreligion. Druckfrische Fatwas lesen und vor allen Dingen befolgen sei dem Kind angeboren, wer noch nicht lesen kann, wird mit physischer und psychischer Gewalt in die ’naturgemäß’ richtige Richtung gedrängt. Mädchengenitalverstümmelung der Schafiiten sowie Jungengenitalbeschneidung sei fitra, naturgemäß, ab der Pubertät Schamhaarrasur und Achselhaarauszupfen.

Was für ein Angriff der vormodernen Entwicklungsstufe der Menschheit auf die wissenschaftsorientierte Pädagogik: „Selbstentwicklung nach der fitra“ dürfen wir übersetzen mit ’Freiheit gemäß der naturhaft angeborenen heiligen Doktrin’ oder ’Kognitives und emotionales Lernen im Einklang mit der naturhaften islamischen Sittlichkeit’. Fundamentalisten denken vielleicht wirklich so. Angeboren ist das jedoch nun wirklich nicht.

Von fitra zu qadar (Prädestination, türkisch kismet) ist es nicht weit. Qadar und auch fitra sagen: Islam ist vorherbestimmt, der Menschheit wie deinem Leben. Zwangsheirat, Ehrenmord, Krieg, alles Schicksal. Allahs knallende Peitschenhiebe auf dem Rücken des Delinquenten in Saudi-Arabien, im Iran oder im Sudan sind fast schon mehr als qadar oder fitra, sind praktiziertes Gotteslob, Vergeltungs- und Reinigungsritual. Auch der militärische dschihād ist gewissenhaft erwogene, intensiv gelebte gottesdienstliche Handlung, Saubermachen aktiven Umweltschutzes, spirituelle Selbsterfahrung ganz im Hier und Jetzt.

Aber vielleicht ruft das IPD explizit gegen militärischen dschihād auf und verlangt von Teheran, die gottgefälligen Steinigungen einzustellen? Das weiß bereits jetzt nur Allah, das Kölner IPD überlegt noch ein wenig.

Religion und Natur. Jeder Religion stellt sich das, was ich die pantheistische Herausforderung nennen möchte, das Verhältnis von Diesseits und Jenseits, die (ideologische, beanspruchte) Verwobenheit oder Zerrissenheit von Weltlichem und Göttlichem zu definieren. Es ist ebenso ärgerlich wie unvermeidlich, dass jede Sekte mit Kornähre und Sonnenuntergang im Schaukasten wirbt, darunter ein Spruch, der die Natur (Strand, Wald, Stein, Oase, Quelle) eigentümlich ideologisiert sprich missbraucht. Die Kornähre kann ja gar nichts dafür, von der hinduistischen, christlichen oder sonstigen Weltanschauungsgemeinschaft verwendet zu werden. Zugleich ist der Mensch, mit C. G. Jung und Mircea Eliade argumentiert oder auch mit Goethe oder Hesse, ein religiöses Wesen und der Guru, Ayatollah oder Papst eben kein absoluter Experte für Religion.

Derartig lassen sich, etwas überspitzt und bewusst ironisch-distanziert, selbst die extrem-dualistischen Gruppen als ’naturreligiös’ bezeichnen oder sich zumindest an ihrem je eigenen Profil an (behaupteter) Weltliebe, Weltheimischkeit, ’Naturreligiosität’ (oder, negativ gesehen: An ihrem Weltekel) beschreiben. Weltekel und Selbstekel ist Bildungsziel der orthodoxen islamischen (schwarzen) Pädagogik.

Hier sind von uns Demokraten veritable ’Schulnoten’ zu vergeben hinsichtlich der Verträglichkeit mit den universellen Menschenrechten, den Erkenntnissen der Psychoanalyse und Totalitarismuskritik sowie der Extremismus- und Antisemitismusforschung. Und, an Herrn Innenminister Dr. Schäuble und Frau Schulministerin Bärbel Sommer ebenso gerichtet wie an das IPD Köln: Die kulturelle Moderne braucht die Ausbildung oder vielmehr das Abrichten von Kindern zu kleinen korangläubigen und judenhassenden Kalifen und Dschihadisten nicht begeistert zu begrüßen.

Zurück nach Köln.

Inhaltlich soll dabei dem Kind das islamische Verständnis von Familie, also Eltern, Geschwister, Großeltern und der übrigen Verwandtschaft vermittelt werden.

Das in Teilen grundrechtswidrig ist. Konsequenterweise berufen sich radikale, antidemokratische Muslime auf die Kairoer Menschenrechtserklärung, nicht auf die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948.

Die Kinder gehören immer dem Vater, die Frau zieht mit kontrolliert unbenutztem Jungfernhäutchen ins Haus des Mannes und hat lebenslang seine Befehle und diejenigen der Schwiegermutter widerspruchslos zu befolgen. Ohne (männlichen) islamischen Heiratsvormund, walī, darf die Frau nicht heiraten, dafür dürfen Vater und gegebenenfalls Großvater als ’walī mudschbir’ (türkisch mücbir veli) die junge Muslima, eine neunjährige Braut ist islamrechtlich in Ordnung, auch gegen ihren Willen verheiraten. Der Ehemann darf eine ungehorsame Frau im Ehebett meiden und mit einem Knüppel behutsam schlagen. Bei Lust und Laune darf er sie beispielsweise mit einer dreifach ausgesprochenen Verstoßungsformel (at-talāq) verstoßen. Der Interims-Ehemann (mustabil) verwaltet die Frau bedarfsweise auf Zeit. Der Mann darf sich drei Nebenfrauen nehmen und unbegrenzt Sex mit unmoralischen Dhimmifrauen haben, die gottesfürchtige muslimische Frau hat das als Schicksal (qadar, sicherlich auch fitra, Art und Weise des Erschaffenseins) zu dulden. Kinder eines muslimischen Mannes sind automatisch Muslime, die beiden deutschen Großkirchen finden das offensichtlich völlig in Ordnung. Die Brüder überwachen die Schwestern, die Frauen kontrollieren einander auf Verstöße gegen die vorgeschriebenen Pflichten und Sitten, ein eventueller Ehrenmord ist dann ja vielleicht unislamisch, doch fraglos auch qadar, sonst wäre Allahgott nicht allmächtig.

In einer nach den Maßgaben von al-iman (Gläubigkeit), fitra, qadar und tahīd endlich gesundeten, gesunden Gesellschaftsordnung (islamische Gesellschaft) werden Ehebrecherinnen (und Ehebrecher) sorgsam mit dem Unterkörper in den Boden eingegraben und mit den von Gott Allāh dafür vorgesehenen (die Vorsehung) fliegenden Steinen in aller Öffentlichkeit und in pädagogisch wertvoller Gemeinschaftsarbeit (soft-skill team-work, ein Leben mit Ritualen, die Religion im Alltag leben) vom Leben zum Tod befördert. Ob anlässlich einer islam‑juristisch einwandfreien Steinigung ein der Tat überführter und islamisch resozialisierter Dieb (der unsichtbaren Gottheit ist dazu die diebische Hand zu opfern) mit der anderen Hand mitwerfen darf, entzieht sich meiner Kenntnis, ich bitte Herrn Mustafa Cerić hiermit um eine rechtleitende fatwā.

Wer dem Gesagten widerspricht, zweifelt an Gott und kommt inscha’llāh nicht in den Himmel. Und nicht vergessen: Es gibt keinen Zwang im Glauben. Denn wer nicht aus freien Stücken glaubt, kommt auch nicht in den Himmel.

Das will das Kölner IPD der nächsten Generation vermitteln? Wahrscheinlich ja, einen anderen Islam gibt es leider noch nicht, jedenfalls duldet keine der vier sunnitischen islamischen Autoritäten einen anderen Islam, weder die weit über tausend Jahre alte so genannte „Universität“ der Kairoer al-Azhar (duldet wohlwollend FGM) noch der 1997 gegründete Europäische Fatwa Rat (ECFR, Führer ist der antisemitische Terrorismusfreund und Kulturrassist Yūsuf al-Qaradāwi, oberster europäischer Theokrat des ECFR ist Großmufti Mustafa Cerić aus dem bosnischen Sarajevo), weder die Religionspolitik der hanbalitischen-sunnitischen Wahhabiten aus Saudi-Arabien (Pilgerziel Mekka; Ölreichtum) noch die achtzig Jahre alte Muslimbruderschaft (MB, Deutschland: Ibrahim el-Zayat und die IGD, Europa: Tariq Ramadan).

Der Islam hat ein Problem mit der kulturellen Moderne, jedenfalls müsste er eines haben. Er leugnet seine problematische Krise und macht dem Rest der Welt … Probleme. Ob das Kölner IPD eher der MB nahe steht oder der Azhar? Hält das Kölner IPD die freiheitliche Demokratie für kufr, lästerlichen Unglauben? Das IPD hüllt sich in Schweigen (taqiyya). Aber hören wir weiter.

Dem Kind soll bewußt werden, daß der Islam keine Hierarchie im Sinne von übergeordneten und untergebenen Positionen kennt und ihm (dem Kind) innerhalb seiner Familie eine selbstbewußte Stellung einräumt. Dies wird mit qur’anischem Material nachgewiesen; nur so kann das Denken in getrennten Bereichen verhindert oder wieder aufgehoben werden.

Die Frau erbt nur die Hälfte, ihre Aussage vor Gericht gilt nur die Hälfte. Christen und Juden sind islamrechtlich genau definiert ebenfalls Menschen zweiter Klasse, Bahá’í, Atheisten und Polytheisten nahezu rechtlos. Aber das ist nicht etwa untergeordnet! Nein, das ist harmonisches Aufeinander-Bezogen-Sein, das ist die ’Komplementarität der Religionen’ (Pfr. Kirste), das ist Gerechtigkeit. Die Scharia diskriminiert die Frau nicht, sondern würdigt ihre minderen Fähigkeiten und schafft so den sozialen Frieden. Kopftuch ist naturhafte, natürliche Pflicht (fitra), auch das befreit und beglückt alle Beteiligten. Islam ist Frauenrechtsbewegung, Gerechtigkeit.

Und Sie sind doch nicht etwa gegen Gerechtigkeit?

„Nur so kann das Denken in getrennten Bereichen verhindert oder wieder aufgehoben werden“, ob da jemand zur anerkannten Weltspitze der Gehirnforschung und Lernforschung gehört? Oder aber raunend Wohlverhalten einfordert, meines, Ihres und das der zu unterweisenden Kinder? Hardcore-Esoteriker des New-Age, totalitärer Führerkult oder bemerkenswerte rheinische religiöse Ekstase? Oder ein allzu kräftiger Zug aus der mit haschīsch gefüllten Wasserpfeife? Die Gesichter muss ich einfach mal sehen, alles Denken zu einem Bereich verklumpt und verklebt, zu einer göttlichen Einbahnstraße. Andererseits, religiös und romantisch sind wir ja auch, sogar bürgerrechtlich-universalistisch.

Seltsam, dass es, letztlich auch im Christentum, viele der angeblich mystischen (Islam: tassawuf, Sufismus) oder monistischen Strömungen sind, die ein kosmisches Einssein preisen und mit derselben Begeisterung die Menschheit in Kasten verschiedener Wertigkeit beziehungsweise Wertlosigkeit zerlegen. Der eher diesseitig orientierte kultische Rassismus eines Himmler tat dies entsprechend: Sich mit dem Welt-Ganzen verbunden ’spüren’ und einen Teil der Menschheit als „unwertes Leben“ vernichten wollen. Himmler machte aber die Leugnung vor sich selbst oder aber die taqiyya vor dem Publikum deutlich:

Die ’Einheit’ (Hitler: Die Vorsehung) des kosmischen Rassismus benötigte die Trennung an der Rampe in Auschwitz, in die Gaskammer oder noch (ein wenig) leben. Der Islam zerteilt die Räumlichkeiten (aller Zeit) in die dār al-harb und die dār al-islām, die die eine Menschheit, strukturell dem Mani oder Himmler durchaus entsprechend, in Gläubige und Ungläubige spaltet. Insofern lügt das IPD, ob unbewusst oder bewusst. Es wird von Scharia und Sunna das „Denken in getrennten Bereichen“ eben gerade nicht verhindert, sondern verewigt! Jeder Gegner des begrenzt berechenbaren Gottes Allāh wird, man lese es in Koran und Hadithen an Dutzenden von Stellen, im Feuer schmoren, heißes Wasser trinken, bis ihm die Gedärme platzen, mit Flammen versengt werden, bis ihm die Haut verbrennt, eine neue Haut nur dazu erhalten, um noch mehr Qualen zu leiden.

Der Parteigänger des politischen Islam darf im Sinne der islamischen Ethik des Sadismus jeden (potentiellen) Gegner der Scharia (der Großfamilie arrangierter Ehen, der intransparenten Raubritter- und Pfründe-Ökonomie des Scharia-Banking, der deutschen Islamverbände) mobben, diskriminieren, belügen und betrügen. Ins Abseits drängen. Seine Busfahrer (Karawane), seine Polizisten und Notärzte (sozusagen als nichtmuslimische ansar, Helfer) behindern und angreifen. Die Geometrie der menschenrechtsfeindlichen und frauenunterdrückenden Scharia als ein „ewiges, unverhandelbares (Cerić), dabei egoistisches, asoziales, kalkuliert antisoziales Muster, das jedes andere Motiv erodiert, anätzt, einebnet.

Kurt Lewin (topologische Psychologie) ein wenig weiter gedacht: Der Mensch erfährt und gestaltet Körperbewegung und Raumbewegung und symbolisiert sie in Sprachbildern, Kunstwerken, Kinderspielen und in der Stadtarchitektur (Islam: Geschlechtertrennung; kuffār-freie Zonen). Das etwas feindselige Spiel ’Reise nach Jerusalem’ mag versinnbildlichen: Diesseitig Kalifat, jenseitig Himmel, der Verlierer (dhimmī) ist vorgesehen (qadar) und darf erpresst werden (dschizya), überfallen werden, leiden, bluten, sterben (dschihād). Das Hüpfspiel ’Himmel und Hölle’ … denkt in getrennten Bereichen, verbindet diese aber auch in verspielter Arglosigkeit (in der radikalen islamischen Sozialisation sind Kinderspiel und Kindheit, Kindlichkeit und Lernen eher nicht vorgesehen, daher unsere deutschen muslimischen Bildungsverweigerer).

Scharia als ein kalkuliert antisoziales Muster ’sozialer Geometrie’ denkt so sehr in „getrennten Bahnen“ (IPD) wie wohl keine andere Religion. Einen derart antisozialen sexualpolitischen und militanten Kult braucht die kulturelle Moderne nicht gerade aus Steuermitteln zu fördern (Moscheebau, Koranschule, Islamischer Religionsunterricht). Ein anderer Islam ist, allerdings, wünschenswert.

Der Ansatz: Das hier vorgelegte Curriculum folgt der Vorstellung, dass religiöse Erziehung dem Grundsatz folgen muss, Kindern religiöse Lernwelten und die Sinnhaftigkeit religiösen Lebens mit allen Sinnen zu erschließen.

Mit allen Sinnen, Erlebnispädagogik, Hugo-Kükelhaus-Pädagogik. Sinnlicher Kulturrassismus für die lieben Kleinen. Nebenbei, wo fliegen sie denn, die religiösen Lernwelten? Plural, Mehrzahl, WeltEN? Es gibt nur eine Welt – universeller Menschenrechte.

Noch immer wird im Religionsunterricht zuviel Reproduktion vorgegebener Inhalte erwartet und zu wenig mit Kindern philosophiert. Kinder werden dadurch in der Entwicklung eigener Religiösität nicht gefördert.

Stimmt. Das traurige Ergebnis dieser Erziehung sind die fundamentalistischen Erwachsenen des derzeitigen IPD.

Das Bestreben geht eher dahin, die tradierte Vorstellungen zu reproduzieren.

Aus eins mach zwei, ein beliebter Trick unter Islamisten: Ein Missstand im Islam (Ehrenmorde, Zwangsheiraten, Terror, FGM) ist dann eben nicht Religion, sondern Tradition. Ein Hütchenspielertrick, der Dhimmi greift immer daneben und ist gehalten, sofern Politiker oder christlicher Kleriker, das Märchen vom friedfertigen Islam nachzuplappern. Ganz schlimm war Hans-Gert Pöttering, Präsident des Europa-Parlaments (EP), der den Islam als eine „im Kern friedliche Religion“ erklärte. Damit tut Pöttering dem grimmigen Feldherrn, Auftragsmörder und Eroberer Mohammed aber wirklich keinen Gefallen. HAMĀS und al-Qā’ida sind „im Kern“ unislamisch, Salzsäure ist „im Kern“ genießbar, bei Nacht sieht man „im Kern“ nichts?

Pöttering ist Jurist, Honorarprofessor der Universität Osnabrück. Dort lehrt Professor Bülent Ucar Islamische Religionspädagogik. Ucar ist Mitgestalter von Lehrplänen für (schariatreue, versteht sich) Islamkunde in Nordrhein-Westfalen, islamwissenschaftlicher Mythendeuter in Sachen Wandelbarkeit der türkischen Scharia und der angeblich möglichen modernen Koranexegese (Habilitation 2008). Pöttering wiederum reiste privat in sieben Sommern zwischen 1999 und 2005 in sechzehn islamisch geprägte Staaten, als Nahostreisender sowie als Jurist kennt er die Scharia und ihr grundrechtswidriges, kulturrassistisches und frauenfeindliches Potential genau. Was macht Pöttering? Den Großmufti von Syrien nach Straßburg einladen, der vor dem Europaparlament eine Rede halten durfte.

Bereits seit vielen Jahren bemühen sich die Muslimnnen Islamischen Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach in die Stundentafel des Schulunterrichtes einsetzen zu lassen und inzwischen ist in einem langen Weg des Dialogs die Akzeptanz, ja die Notwendigkeit eines solchen Unterrichts von Politik und gesellschaftsrelevanten Stimmen der Kirchen und Verbände (Gewerkschaften, Erziehungswissenschaftliche Vereinigungen etc.) erreicht und eingesehen worden.

Eingesehen worden? Von Dr. Schäuble und der CIBEDO vielleicht, von mir nicht.

Der nach dem deutsche Grundgesetz von den Religionsgemeinschaften verantwortete Religionsunterricht hat dabei den Anforderungen, die an eine Schulpädagogik von heute gestellt werden, zu genügen. Es ist keine Frage, dass der Islam, ebenso wie andere Religionsgemeinschaften in der Lage ist, diesen Anforderungen zu genügen.

Ma scherziamo?!!! Sie belieben zu scherzen? In fünfzig Jahren, mag ja sein. Das Kölner IPD scheint doch viel eher zu beweisen, dass die deutschen Muslime keinen schulreifen, schulfähigen Islamunterricht denken können.

Wenn in den Schulgesetzen der Länder formuliert wird, dass Schule die Aufgabe hat, die wertvollen Anlagen der Kinder und Jugendlichen zur Entfaltung zu bringen und ihnen ein Höchstmaß an Urteilskraft zu vermitteln, so ist diese Forderung in dem oben erwähnten Rahmenplan und in den vom Institut entwickelten Schulbüchern und Unterrichtsmaterialien bejahend vertreten.

Vermutlich ein Fehlurteil. Ich vermag in den Texten des IPD die Gottheit Allāh und den angeblich von ihm stammenden Koran als Letztbegründung zu finden. Kinder, die Lebensplanungen und Weltbild einem heiligen Text unterwerfen müssen, tun mir leid und sollten unbedingt etwas lernen, was Phantasie, Feingefühl und klares Denken wirklich befördert.

Diese Forderung, wie auch die Gebote der Toleranz und des Respekts vor der Überzeugung anderer zur Förderung von Frieden und positiver Entwicklung einer pluralistischen Gesellschaft, wie sie in den grundgesetzlichen Texten ebenfalls zum Ausdruck kommen, ist selbstverständlich auch eine Forderung und Verpflichtung jeder Religionsgemeinschaft.

Klar, mit eingeschränktem Rechtsstatus (dhimma, Dhimmitude). Tolerant und respektvoll verehren wir alle, Muslime, Dhimmis und Harbis, die respektable Scharia und das tolerante Grundgesetz.

Und tötet sie, wo immer ihr auf sie stoßt, und vertreibt sie, von wo sie euch vertrieben haben; denn die Verführung [zum Unglauben] ist schlimmer als töten. Sure 2:191, Koran.

Ein besonderes Anliegen der/des HerausgeberIn/s wird deutlich, in dem die muslimischen Kinder im islamischen Religionsunterricht an die Globalität der Gesellschaft in der sie leben mittels originär islamischer Quellen herangeführt werden, um sie an ein Denken von gemeinschaftlicher Verantwortung für die (eine) Welt, in der sie leben heranzuführen.

Erst Gegengesellschaft, später Kalifat. Aber immer global gedacht.

Islamisten: Global denken, lokal handeln.

Unterricht, der aber an diesem selbstverständlichen Recht der Schülerschaft auf Herausbildung persönlicher Gottes- und Glaubensvorstellungen vorbeigeht, ist aus Unterricht und Schule zu verweisen.

Jedes Kind schnitzt sich seinen eigenen Allāh – ich bin begeistert.

Wirft das IPD die Hadithe und Fatwen auf den Komposthaufen der Weltgeschichte beziehungsweise der benachbarten Kölner Kleingartenanlage?

Intention

Die Fachausbildung in Islamischer Religionspädagogik ist einem theologischen und pädagogischen Denken verpflichtet, welches sich an den genuin islamischen Grundlagentexten der Offenbarung orientiert und die pädagogisch didaktischen sowie die methodischen Grundsätze aus diesen Textquellen entwickelt. Dabei legt sie ein islamischen Wissenschaftsverständnis der Zeit in der wir leben zugrunde.

Was zu befürchten war: Nicht wissenschaftlich, sondern islamwissenschaftlich. Keinen universellen wissenschaftlichen Ansprüchen der Psychologie oder Pädagogik verpflichtet, keinen Erkenntnissen der Biologie (Darwin statt Kreationismus) oder Geschichte (Armeniervölkermord besprechen; die Opfer der Islamisierung eines Territoriums eingestehen).

Ethnoreligiös segregierte Forschung. Apartheid der Wissenschaft. Das ist schon reichlich extrem, so erscheint es mir, wenn ein sagen wir Hindu einen Religionsunterricht nicht nur nach hinduistischer Religionswissenschaft und hinduistischer Mythologie wie Symbolik aufbaut, das ginge an, sondern nach ’hinduistischem Wissenschaftsverständnis’. Ob es derartig verbissen gegenkulturelle Sektierer auch außerhalb des Islam gibt? Verlangt etwa heute noch ein Kommunist nach einer ’kommunistischen Wissenschaft’ oder ein Jude nach einer Judenwissenschaft? Nur die Parteigänger der Scharia pochen auf Sonderrechte. Auf Sonderwissenschaft. Sehr sonderbar, sie sind schon was ganz Besonderes, die kleinen und großen Muslime.

3.1 Ideen und Ziele

Die Welt, in der wir leben ist, trotz der noch nicht gänzlich abgeschlossenen Diskussion über ihre Begrifflichkeit, eine multikulturellen und multireligiösen Welt.

Im Koran 3:110 sagt Gott Allah seinen Verehrern: „Ihr seid die beste Gemeinschaft, die unter den Menschen entstanden ist.“

trotz der noch nicht gänzlich abgeschlossenen Diskussion über ihre Begrifflichkeit,

Die Ungläubigen da leiden wohl noch unter Begriffsverwirrung. Das gibt sich, wenn sie erst einmal zur wahren Religion zurückgefunden haben.

4. Grundlagen der Fachausbildung

4.3 Der Pädagogische Igtihad

Der Begriff des Igtihads im Wortsinn der Bildung einer durchdachten und begründbaren Meinung aufgrund erworbener Kenntnisse wird als pädagogischer Igtihad in die Didaktische Methodik eingeführt. Sie ist für die Persönlichkeitsentwicklung der zukünftigen Lehrperson und der Unterrichtsvermittlung an SchülerInnen wichtig, ebenso wie soziale Kompetenz, bzw. soziale Intelligenz, wobei diese Begriffe aus den grundlegenden Offenbarungstexten erarbeitet wird.

Zwischen 1100 (al-Ghazali) und 1900 war die selbständige Rechtsfindung (idschtihād) für Sunniten recht eindeutig verboten und der Muslim gehalten, ein Vorbild nachzuahmen. Welchen Freiraum könnte es denn da für einen Idschtihad der Pädagogik überhaupt geben?

Exkurs.

Eine von der Robert-Bosch-Stiftung finanzierte Tagung an der Diözese der Akademie Rottenburg-Stuttgart in Zusammenarbeit mit den Universitäten Bayreuth und Erlangen-Nürnberg kommt 2005 zum Ergebnis, dass die Lehrkräfte für Islamischen Religionsunterricht „eine solide theologische Grundausbildung“ (sprich: Erlernen der Scharia) erhalten müssen, um mit den Schülern erfolgreich über „so schwierige Fragen wie Dschihad, Geschlechterverhältnis und Religionsfreiheit“ sprechen zu können.“ Dabei erkennt das Papier durchaus, dass Teile der Scharia „im Konflikt mit der deutschen Rechtsordnung stehen.“ [1].

Dabei ist zu unterscheiden zwischen zu unterbindenden Verfassungsverstößen einerseits und rechtskonformen Glaubensinhalten andererseits, die vielleicht nicht der gesellschaftlichen Mehrheitsmeinung entsprechen.

Da kann man doch dran arbeiten, an der lästigen Mehrheitsmeinung. Was denn so alles an der Scharia mit der Verfassung kollidiert, das konnte oder mochte die Tagung zur Auswertung der Schulversuche in den vier Bundesländern (Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Bayern) nicht abschätzen. Kleiner Tipp: Dschihad (Kalifat), Geschlechterverhältnis (Misogynie in Koran, Imam-Ehe und fiqh), Religionsfreiheit (Apostasie). Die Experimente sind inzwischen drei Jahre lang weiter gegangen, Schäuble lud in dieser Zeit Versammlung um Versammlung zu seiner berüchtigten Islamkonferenz. Zur teilweisen Verfassungswidrigkeit der Scharia schweigt der Jurist und deutsche Innenminister. Gestern wurde bekannt, dass die pakistanischen Taliban im Swat-Tal und in der Region Malakand mit Regierungserlaubnis erste Scharia-Gerichtshöfe einrichten dürfen[2].

Visionen und Elan haben die töchtertauschenden Taliban im Swat-Tal, das muss man ihnen lassen, leider sind es schreckliche Visionen. Sie leben nur 160 km von der Hauptstadt Islamabad entfernt und nach langen Kämpfen musste die Militärregierung und Atommacht nachgeben. Und Deutschland? Würden Pöttering oder Schäuble deutsche Scharia-Gerichtshöfe überhaupt ernsthaft verhindern wollen? Das Swat-Tal war einst vom Buddhismus geprägt. Seit zwei Jahren verbrennen radikale Muslime dortige Mädchenschulen und zwingen die islamisch korrekt unterworfenen Frauen, das Gefängnis aus Stoff, die gespensterhafte Burka zu tragen[3]. Eine Burka fand sich 2009 auf einem Werbe-Plakat der Stadt Nürnberg, viele dortige Lokalpolitiker verteidigten Burka und Plakat trotz anhaltender Proteste beispielsweise der Ex-Muslime und der örtlichen CSU. Manche Deutschen scheint das ’multikulturelle’ Burka-Plakat nicht zu stören, Visionen und Elan benötigen sie anscheinend nicht. Norbert Schürgers, Chef des Amtes für internationale Beziehungen, verteidigt Burka und Plakat nach wie vor, ohne rot zu werden[4]. Ganz unfasslicherweise wagte es ein Chor der Gewerkschaft, öffentlich in der ’Straße der Menschenrechte’ ein Lied zu singen – für das Nürnberger Burkaplakat, sie hefteten rote Rosen auf das Plakat und gaben sich kosmopolitisch und tolerant. Im islamischen Kulturkreis gilt die Rose als Symbol für den Propheten Mohammed[5].

Die mutmaßliche Burka- und Kopftuchfreundin Ute Strait-Aouichi von der Islamischen Gemeinde Nürnberg findet das Burka-Plakat gut. Strait-Aouichi behauptet, keine einzige Frau zu kennen, der das Kopftuch aufgezwungen würde. Gülseren Suzan vom deutsch-türkischen Frauenclub lehnt die Burka deutlich ab und auch das Kopftuch, sofern es nicht freiwillig getragen werde. Ach, hat Strait-Aouichi[6] uns nicht eben nahegelegt, es gebe hier keinen Kopftuchzwang? Sie sollte mal ihren Freundeskreis ausweiten. Der ebenso aalglatte wie islamkonforme evangelische Klerus, hier in Gestalt von Burkaplakatfreund und Plakat-Diskussionsmoderator Pfarrer Eberhard Hadem, driftet indes seit längerem (Rowan Williams will Einführung der Scharia) in Richtung Kalifat ab[7]. Vielleicht hoffen die christlichen Würdenträger, im künftigen Kalifat mögen Krümel der Macht vom Tisch des Sultans abfallen.

Auch den Schulprotest couragierter junger Leute in der letzten Woche gegen eine kopftuchtragende Lehrerin am Speyer-Kolleg, die eben wegen ihrer islampolitischen Kopfbedeckung an einem Gymnasium in Worms nicht eingesetzt wurde, scheint nur geringes Interesse zu wecken[8]. Rheinland-Pfalz hat leider noch kein Verbot des Lehrerinnenkopftuchs.

Soweit zum Institut für interreligiöse Pädagogik und Didaktik (IPD), im oben geschilderten Stil geht das Seite für Seite so weiter, anonym, kein Mensch zeichnet die fundamentalistischen Texte ab. Einen Augenblick bitte: Was ist das? Ein Name. Ein Foto, wahrhaftig! Frau Müller.

http://www.ipd-koeln.de/preisverleihung1.htm

Frau Rabeya Müller höchstselbst, die einen Preis der bekennend islambegeisterten Organisation INTR°A[9] (unter Islamkritikern berüchtigt für die knappe schariakompatible Rezension zu Saphir 5 / 6 [10]) erhält. Allahs Feministin wird der Preis für die kalifatische „Komplementarität der Religionen“ (Kirste) sprich Dhimma von einer interreligiösen Jury überreicht, der, warum wundert uns das jetzt nicht, der strenge Muslim Bekir Alboğa angehört.

Uns fällt ein Stein der Erleichterung vom Herzen. Die heimatlich vertrauten Gesichter der politischen Scharia, der ethnoreligiösen Entflechtung islamischer Gegenmoderne.

Gemeinschaft stiftet der westfälische Lehrerfortbildungsleiter mit dreißig Jahren Berufserfahrung, der watteweich islamoptimistische evangelische Pfarrer Dr. Reinhard Kirste mit seiner im westfälischen Nachrodt ansässigen Interreligiösen Arbeitsstelle (INTR°A).

Pfarrer Kirste pflegt sanft von „theologischem Pluralismus“ und von der „Gleichwertigkeit der Religionen“ zu schreiben, Allāh hat einen anderen Plan. Kirste hat den vielleicht ja gut gemeinten[11] „Preis für die Komplementarität der Religionen“ ersonnen und ist Visionär des friedlichen Zusammenlebens oder auch Getrenntlebens ethno-religiöser Kollektive. Von Islamkritikern, Islamgeschädigten oder Ex-Muslimen redet der sanfte Pfarrer Kirste nicht, Steinigungen, Hidschab, Kopftuchzwang, FGM, MGM, der islamische Kulturrassismus, die in Koran und Hadithen aufgezeigte Frauenunterdrückung und Frauenentrechtung bringen ihn nicht aus dem dialogischen Gleichgewicht „pluralistischer“ Äquidistanz und „vorurteilsfreier Liebe“.

Wird es dem evangelischen Geistlichen gelingen, das antimoderne Raubtier Islam zu bändigen, zu demokratisieren? Schön wäre es. Oder wird Dr. theol. Kirste ungewollt zum Islamisierer der ausgedünnten evangelisch gefärbten bundesdeutschen Mittelschicht? Ist der Pfarrer, tragisch-unwissend, Wegbereiter der ordnungspolitischen Scharia, des Imamats (A single muslim authority, Großmufti Cerić[12]), des Kalifats? Man muss dem Friedensverkünder und Eine-Welt-Freund Kirste ebenso Erfolg wünschen wie uns säkularen Staatsbürgern.

Vor der islamischen Autorität Yūsuf al-Qaradāwi, vor dem absoluten Gehorsam fordernden Europäischen Fatwa-Rat ECFR oder vor den deutschen Islamverbänden wie IGD (Muslimbruderschaft) oder Milli Görüş (Erbakan-Doktrin) vermag der friedfertige Dr. Reinhard Kirste kein Wörtlein der Warnung auszusprechen, die Ayatollahs oder Wahhabiten kritisiert er nicht. Was für ein guter Mensch, mag wohl auch die mit dem Preis geehrte Rabeya Müller vom Kölner IPD gedacht haben.

Jacques Auvergne


… und Abraham verschlägt`s die Sprache

November 10, 2008

090

Ecclesia Catholica Romana

Ecclesia Catholica Romana est orsa a duodecim Iesu apostolis, quorum summus sanctus Petrus, qui et papa primus habetur cuique ipse Iesus Christus claves regni caelorum dedit

Römisch-katholische Kirche, der Scharia und dem Kalifat dienlich.

Und der Priester spricht:

»Ich segne diese Ringe

im Namen von

Jesus Christus und Allah!«

Von Kasimir Krawczyk

Handelnde Personen:

Aurelia: heiratet einen Muslim

Samory: heiratet eine Katholikin

Sékou: Samorys Bruder, afrikanischer Schariafreund

Diakon Frank Schmücker: spielt Gitarre und singt dazu

Pfr. Dr. Walter Dienlich: kennt Jerusalem, segnet Ringe

Ort der Handlung: Altendorf, Kleinstadt unweit von Mainz

Alle Namen und Orte verändert

Ein rheinhessischer Vorfrühlingstag neigt sich seinem Ende zu. Es dämmert über der Innenstadt von Altendorf und wird ganz still und hoch und schwarz ragen die Dächer und Türme der riesigen gotischen Kirche Sankt Mauritius auf. Auch von innen macht die Abteikirche ihrem Namen alle Ehre, Mittelschiff, Seitenschiffe, Säulenreihen im Halbdunkel, ein Seitenaltar, irgendwo in der Schwärze des fernen Altarraumes schwebt ein riesiges Kruzifix mit dem Corpus Christi. Die Steine atmen vielhundertjährigen Weihrauchduft. Schweigend und feierlich langsam betreten die Gäste aus Nackenheim und aus Ingelheim den im Dämmerlicht nahezu unfasslich hoch wirkenden Kirchenraum einer ehrwürdigen, sozusagen klassisch-katholischen Atmosphäre. Sogleich fällt jedem Besucher auf, dass an diesem heutigen Sonntagabend eine Gemeinde oder Gemeinschaft sich zu einer ganz besonderen Festlichkeit zusammenfindet, vielleicht würde ein Jubiläum eines christlichen Laienordens oder ein moderner meditativer Gottesdienst ganz ähnlich inszeniert werden. Wir begrüßen einige lose Bekannte und nicken Unbekannten verspannt lächelnd zu, ein paar afrikanische Gesichter, die Nähe zu Mainz verschafft uns immer wieder etwas Kosmopolitisches. Man gibt sich neugierig und aufgeschlossen. Etwas Ungeahntes liegt in der Luft, etwas jenseits von Vertrautheit und Routine. Im Gemeindebrief stand es, das irritierende Wort: Christlich-muslimische Trauung! Hier und heute also wird katholisches Neuland betreten, das kleine Altendorf schreibt ein bisschen Weltgeschichte.

Das Mittelschiff ist entlang der gewaltig hohen alten Säulen, ob eigens zu diesem Anlass oder nicht, mit orangen, gelben und roten, senkrecht hängenden Tuchbahnen abgehängt und abgeteilt von den Seitenschiffen, was einen neuen und gleichsam zelthaft improvosierten, helleren und wärmeren Innenraum schafft, in dem am Boden zwei unglaublich lange Reihen von brennenden Kerzen stehen, durch weißliches Pergamentpapier matten, dabei nicht zu kalten Glanz verbreitend entlang der hochmittelalterlichen Blickachse zum heute abend wohl etwas vernachlässigten Altarraum. Zu beiden seiten jeweils zwei Stuhlreihen, weiße moderne Klappstühle mit jeweils einer kunstseidenen Schleife versehen und einem Liederblatt. Aha, da hatte man sich zu setzen, oh, dort der Pastoralreferent der regionalen Universitätsgemeinde sprich studentischen Seelsorge, eine Konzertgitarre herantragend, der würde womöglich zum Singen anstiften: „Diakon Frank Schmücker“ flüsterte meine Begleiterin: „Der kann richtig schwungvoll singen!“, und dort, wahrhaftig, eine Art Priester, mir flüsternd mit „Doktor Dienlich, katholischer Priester aus Jerusalem“ vorgestellt, ohne Zweifel war dieser Dr. Dienlich ein veritabler katholischer Theologe, denn er trug ein priesterliches langes feierliches Gewand in fein gemustertem Weiß und Grau und darüber eine Stola in alternativ nach Kirchentagsmilieu wirkendem Regenbogenbunt. Wie modern. Was machen katholische Priester eigentlich in Jerusalem? „Da drüben, Muslime aus Afrika“ verkündete mir meine Nachbarin. Togo oder Sénégal, das hätte ich ja doch gerne gewusst, es schien aber niemanden zu interessieren. Afrika halt, aha. Und natürlich: Muslimisch. Klar.

Meine Begleiterin hatte mich erst wenige Stunden vorher angerufen, dass an diesem Sonntagabend des Jahres 2008 eine ungewöhnliche Trauung und Eheschließung zelebriert werden würde, binational, das interessierte mich sogleich, bireligiös, das fesselte mein Interesse, christlich-muslimisch, ich war elektrisiert. An die ganz große sprichwörtliche Glocke wurde die Angelegenheit in der Stadt dann wohl doch nicht gehängt, die Studentengemeinde aber und ebenso Gemeindebriefe das Bistums hatten eine gute Woche lang auf dieses Ereignis hingewiesen. Wenngleich etwas kryptisch verborgen, es schien und scheint also ein ziemlich subversives Ereignis zu sein. Revolutionär sozusagen, die Achtundsechziger sind im Priesteramt angekommen. Ob Rom davon weiß, ob der Bischof so etwas dulden würde?

Der Raum beginnt sich vom Westwerk her zu füllen, 90 oder 95 Personen werden es nun wohl sein, der priesterlich Gewandete tritt an die altarnahe Stirnseite und zieht alle Blicke auf sich. Da ist aber doch noch etwas, richtig, vorne in beiden Winkeln rechts und links thront oder sitzt würdevoll jeweils eine Gestalt, in rotes Gewandtuch gekleidet, dass muss wohl das binationale Brautpaar sein! Man versucht, genauer hinzusehen und sieht links eine Frau in ein auf kraftvollem Feuerrot braun-schwarz gemustertes, irgendwie afrikanisch oder arabisch wirkendes Gewand gehüllt, sie europäischen Typus bei seltsam geflochtenem Haar, vorne rechts aber ein königlich wirkender, stolzer Mann mit edlem schwarzbraunem Gesicht, in ein nahezu rein rotes, strahlend feuerrotes Gewand gehüllt. Das muss das Brautpaar sein, die Stühle stehen noch weit, weit auseinander. Was würde wohl geschehen? Beide Brautleute wirken, als wären sie vierzig Jahre alt, aber wie gesagt, sie sitzen ein wenig in den Winkeln des sehr längsgestreckten und durch die Kerzenlichter am Boden aufgespannten Raumes, man sieht sie nicht so genau. Auch im Publikum hier und dort afrikanische Gesichter, Frauen in festlichen schwarzgelben Gewändern, kleine Mädchen mit kunstsinnig geflochtenem Haar. Das wirkt international, interkulturell, ungewöhnlich, interessant, aufregend fremdartig und damit durchaus im Kontrast zum altvertrauten, etwas langweiligen Kirchenschiff. Das Gerede und maßvolle Begrüßen wird zu einem Murmeln und verstummt dann bald ganz. Stille.

Der priesterlich Gewandete mit der regenbogenbunten Stola erhebt das Wort:

„Ich begrüße alle Anwesenden und besonders begrüße ich Aurelia und Samory, deren Trauung wir alle zusammen heute feiern möchten mit einer ganz besonderen, einer bislang in Deutschland äußerst seltenen christlich-muslimischen Eheschließung.“

Da ist das unerhörte Wort gefallen! Christlich-muslimische Trauung, christlich-muslimische Eheschließung.

Nun also bin ich Zeuge der ersten christlich-muslimischen Eheschließung in jener Stadt am Rheinufer. Ein neben mir sitzender Mann wendet sich mir zu und sagte leise: „Sehen Sie diesen afrikanischen Herrn dort, auch der soll eine feierliche kleine Rede halten, es ist Sékou, der strenggläubige Bruder des Bräutigams Samory. Die katholische geschiedene Pfälzerin, Mutter zweier erwachsener Kinder, heißt Aurelia, sie und ihr muslimischer neuer Mann heirateten vor zwei Jahren standesamtlich, auch soll es eine große Hochzeitsfeier in Afrika gegeben haben.“ – „Eine islamische Ehe, eine Imam-Ehe?“ wollte ich natürlich sofort wissen – „Ja, ich glaube wohl!“ antwortete der Bürger.

Es versprach ein spannender, womöglich auch verstörender Abend zu werden: Wie würde der katholische Prediger mit Allahs ewiger Scharia umgehen? Würde der afrikanische Bruder des Bräutigams einen Dolmetscher einsetzen oder vielleicht mit einem überraschenden Akzent zu uns auf Deutsch sprechen oder gar auf hessischem oder pfälzischem Dialekt?

Beim priesterlich Gewandeten, flüsterte mir meine Begleiterin von der anderen Seite ins Ohr, soll es sich um einen echten katholischen Theologen handeln, der solche interreligiösen namentlich christlich-muslimischen Hochzeiten schon mehrfach im In- und Ausland zelebriert habe, durchaus zum Missfallen der kirchlichen Obrigkeit und der katholischen Konservativen: „Walter Dienlich ist halt ein sehr moderner Theologe, der hat mit einer christlich-islamischen Ehe kein Problem!“ Sie schien begeistert und zwinkerte mir verschwörerisch zu: „Ob die Bischofskonferenz davon weiß?“ Diese Frage hatte ich mir nun allerdings auch bereits gestellt. Eine reguläre Uhrzeit für einen Gottesdienst war das, Sonntagabend um 19:30 Uhr ohnehin nicht gerade, würde also beispielweise ein Abendmahl gefeiert werden? Würde es eine Segnung der Eheringe geben, einen gesegneten Handschlag der Brautleute, die vorausgegangene klassische Frage an die Eheleute mit der berühmten Formel von den guten und den bösen Tagen?

Der priesterlich Gewandete begann zu feierlich sprechen:

„In dieser besonderen Stunde wollen wir die Eheschließung von Aurelia und Samory feiern. Lassen Sie uns beginnen, einen kleinen Kanon zu singen, der nicht auf dem Liedblatt steht, einen Kanon in hebräischer Sprache, er hat eine eingängige Melodie und lediglich vier Worte, die ich Ihnen einmal vorspreche …“ Routiniert, alle Achtung. Nur eine Minderheit kannte das Lied, und doch erklang nach wenigen Augenblicken ein schöner Kanon, das war ein Erfolgserlebnis, das die Bereitschaft des Aufeinander-Hörens und des guten Willens angemessen ausdrückte. Die Melodie mutete, wie so manche israelisch geprägten religiöse Lieder, etwas ukrainisch-slawisch oder pentatonisch-ungarisch an, die Worte sind die des weltbekannten Psalmes 23:1: Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln, Adonai roi lo echsar.

Die Stimmung ist gelöster, Theologe Dienlich hat diesen Kanon gekonnt eingesetzt und spricht zu uns:

„Ob dieses Lied, wie wir es gerade gesungen haben, die genaue Sprache ist, so wie Jesus, der von den Muslimen Issa genannt wird, sie einst gesprochen hat, wissen wir zwar nicht, aber Hebräisch und Arabisch sind beides nahöstliche, so genannte semitische Sprachen.“ Sprach der Jesus nicht Aramäisch, aber naja, Hebräisch wird er verstanden haben, und die genaue Aussprache ist nach 2000 Jahren nur zu ahnen. Was hat Arabisch mit diesem heutigen Abend zu tun? So schoss es mir durch den Kopf. Der Prediger wollte den afrikanischen Teilnehmern des Abends gegenüber offenbar etwas Nettes sagen, ob die jedoch überhaupt Arabisch sprechen oder nicht viel eher Fulfulde oder Malinke? Dienlich redet weiter:

„Die Entscheidung zu dieser christlich-muslimischen Trauung fand nicht nur Zustimmung. Viele sagten mir, macht so etwas nicht, in Anbetracht der vielen gescheiterten interkulturellen oder interreligiösen Ehen rieten sie mir von dieser feierlichen Eheschließung ab. Doch habe ich selbst und in aller Welt immer wieder gute Erfahrungen mit solch einer christlich-muslimischen Eheschließung gemacht, namentlich in meiner fast zwanzigjährigen Zeit als Seelsorger in Jerusalem. Wahrlich: In Jerusalem ist vieles möglich!“ So spricht der katholische Priester. Und fährt fort:

„Und so wollen wir die Hoffnung nicht aufgeben, dass es auch Aurelia und Samory gelingen wird, eine gemischtreligiöse Ehe in Freude und im Glaube zu leben.“

Wer hier noch an was glaubt wird zwar nicht explizit ausgesprochen, doch ist bereits aus der Einladung und der Ankündigung der Veranstaltung im Gemeindebrief und im Internet recht offensichtlich, dass nämlich Samory Muslim bleiben wird und Aurelia katholische Christin. Ob Christus und Allah damit einverstanden sind oder vielmehr ob die afro-muslimische Großfamilie sich damit dauerhaft zufrieden geben wird, dass ein Teil der Familie Bier trinkt und Schweinefleisch isst? Oder ob Aurelia nicht bereits extrem tolerant ihre unislamischen Lebensmittel und Lebensgewohnheiten aus ihrem Alltag gestrichen hat?

„Abraham, der Anherr der drei monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam, Abraham machte sich auf und wurde Wanderer, Reisender, und auch Aurelia und Samory haben sich auf die Reise gemacht, ihre Lebensreise, zueinander und miteinander. Über den Islam weiß ich leider nicht viel, doch der universelle Gott hat Aurelia und Samory zur Freundschaft und Liebe gerufen. Das wollen wir hier heute Abend feiern.“

Da hätte der alte Abraham jetzt aber vielleicht gerne ein Wörtchen mitgeredet, er wusste ja schließlich gar nichts davon, dass einst Muslime ihn überstrapazieren oder doch arg beanspruchen würden! Aus islamischer Sicht freilich ist Abraham vor über tausend Jahren kurzerhand nachträglich zum Muslim erklärt worden. Für Dr. Dienlich alles kein Problem, der Mann lebt ganz im Hier und Jetzt und will seine Gemeindesekretärin wiederverheiraten und die bireligiöse Ehe salonfähig machen. Und den guten alten jüdischen Himmelsgott Jahwe, Schöpfer der Welt, erklärt Dr. Dienlich flugs zum universellen Gott. Ob Jahwe und ob Jesus damit einverstanden sind? Ach was, Jahwe und Jesus Christus sollen gefälligt Nachhilfeunterricht bei Dr. Dienlich nehmen in Sachen universeller Gott und Ringesegnen. Das ist modern, dynamisch, innovativ, katholisch.

„Ich weiß nicht viel vom Islam, aber ich weiß, dass der Gott des Mohammed ein sehr beweglicher Gott war!“ Samory lächelte verständnisvoll, Aurelia guckte weiterhin versteinert und bekam wohl kaum etwas mit, Sékou aber blickt zornig auf, eine Bewegung durchfuhr den frommen Muslim, recht so, was erlaubt sich denn auch der Dhimmi-Priester, dem Allah irgendwelche Eigenschaften anzudichten? Aus Sicht des katholischen Pfarrers konnte ein gelernter Karawanenhändler und dynamischer Kriegstreiber wohl als persönliche Gottesfigur nur eine Art himmlischen Speditionskaufmann haben. „Ja, Allah ist ein sehr beweglicher Gott! Gott aber ist der universelle Gott, der Gott der Reisenden, nicht derjenigen der sesshaften Hausbewohner, die in ihrer Zimmerecke einen Hausgötzen anbeten!“

Nun, dieser Dr. Dienlich scheint mir auch sehr beweglich zu sein. Jetzt vergöttert er das Nomadentum, die nichtsesshafte Lebensweise, auf Kosten der Bauern und Stadtbewohner. Warum macht der Mann das?

„Gott wohnt nicht in Tempeln. Selbst in den christlichen Kirchen, so sehr wir Europäer diese Bauwerke auch mögen, auch in dieser alten Kirche in der wir uns gerade befinden wohnt Gott nicht. Gott ist kein Gott der Grenze, Gott ist ein Gott der Entgrenztheit, der ungehinderten Reise, der Weite, der Wüste! Gott wohnt, wie wir das auch aus den alten jüdischen Gleichnissen kennen, Gott wohnt im Zelt, nicht im Steintempel!“

Wollte der entgrenzt tolerante Pfarrer etwas Nettes sagen zu den gar nicht anwesenden nomadischen Arabern? Dr. Dienlich macht Mohammed sozusagen Komplimente oder dem vermuteten Gottesbild des Koran? Oder möchte der Pastor, der immer in kalten Steinkirchen arbeiten muss, mit dem Zelt Urlaub machen auf einem netten Campingplatz?

Meine Sitznachbarin flüstert mir verschwörerisch und etwas geschwätzig ins Ohr: „Die Aurelia, Tochter von Herbert und Roswitha, sie ist Kirchenangestellte und war ja schon einmal katholisch verheiratet, deswegen jetzt also dieser Trauungsgottesdienst zweiter Klasse“ – „Aha, Allah sitzt sozusagen am Katzentisch, nicht besonders nett den Afrikanern gegenüber“, meine ich trocken, woraufhin sich meine Sitznachbarin zusammenreißen muss, um nicht in lautes Lachen auszubrechen.

Mir ist klar, dass aus der Sicht der ewigen Scharia hier nur ein folkloristisches Theater stattfindet, den ’ungläubigen, unmoralischen’ weißhäutigen Ureinwohnern gönnt man als großzügiger muslimischer Mensch ein Ritual bei Kerzenschein. Soso, Aurelia ist Gemeindesekretärin, Profi-Katholikin sozusagen. Meine mir unbekannte Nachbarin raunt weiter: „Die Kirche sichert Aurelia ihre Existenz. Werden Gemeindesekretärinnen eigentlich gezielt von Bezness-Tätern oder gar radikalen Muslimen angebaggert, angegraben, um den Einflussbereich der lokalen Moscheegemeinden zu stärken? Oder sind weibliche Kirchenbedienstete schlicht derartige masochistische Gutmenschen, dass sie einen wilden Muslim einfangen und glauben zähmen zu müssen oder den Mann aus der Dritten Welt um Absolution für die Kolonialzeit und MacDonald’s anflehen? Oder ist das hier wirklich einmal starke Freundesliebe, die enge Denkgewohnheiten überwindet und nebenbei gleich noch den Islam zur Demokratieverträglichkeit hin reformiert?“ Alle Achtung, die Dame hat aber gründlich nachgedacht, ich versuche ihr, möglichst unauffällig, dankbar zuzunicken, hatte ich mir doch ähnliche Fragen gestellt. So gänzlich unbedarft sind die Altendorfer Ureinwohner wohl doch nicht.

Das ist interessant und das ist natürlich geheimgehalten worden im Gemeindebrief und auf den katholischen Homepages der Region Rheinhessen: Dass nämlich eine Kirchenangestellte die Braut des Muslims werden würde ist gleich noch einmal so skandalös, würden katholische Konservative jedenfalls sagen. Die Gemeinde von Sankt Mauritius gibt sich also progressiv, weltoffen, „Die Kirchengemeinde ist bischöflicherseits von Mittelkürzungen ebenso akut bedroht wie von der Zusammenlegung mit drei anderen Kirchen zu einer neuen Großgemeinde, das wollen die hier anwesenden Katholiken aus Altendorf natürlich verhindern.“ Aha, interreligiös heiraten, sprudelt da eine neuartige Verdienstquelle? Das wird ja immer toller.

Die Gemeinde kann sich als modern geben und so vielleicht ihre Zwangsauflösung verhindern, geht es darum? Will die Kirche von der Basis her einen zugegeben zunehmend häufigen Ehetyp ebenso alltäglich machen wie kirchenrechtlich standardisieren, vorerst noch eher gegen den Willen der tendenziell konservativeren Bischöfe? Werden Europas Muslime sich daran gewöhnen, mit Katholiken in einer gemeinsamen Familie zu leben, ohne die Christen als ’Dhimmis unterm gemeinsamen Dach’, als Menschen sittlich geringeren Wertes zu betrachten? Wird Samory, der ja in diesem Augenblick absolut sympathisch, sanft, souverän und vertrauenswürdig wirkt, sich von der traditionellen islamischen Geringschätzung der Frau befreien können oder hat er es bereits getan und ist er gar ein bewusst säkularer Muslim, ein Gleichheitsfeminist, ein freiheitlicher Demokratiefreund und Gegner des politischen Islam? Das wäre wahrlich ein Quantensprung, Ayaan Hirsi Ali hat ihn ja geschafft. All dies schießt mir durch den Sinn, während die Gemeinde brav ihre schönen Kirchenlieder singt, auch die afrikanischen Gäste blicken ganz freundlich. Eine seltsame Sache jedenfalls, ungewöhnlich fühlt sich das an, Zeuge einer christlich-muslimischen Eheschließung zu sein! Werden wir alle uns daran gewöhnen müssen? Vielleicht, wahrscheinlich. Werden wir aber auf Richtlinien des Zusammenlebens auf gleicher Augenhöhe wert legen, auf Eingrenzung der alten islamischen Dominanzkultur, ihrer unduldsamen Absolutheit und ihrer engstirnigen Orthopraxie? Doch da, ein Lied ist zu Ende und Pastor Dienlich erhebt beschwörend die Hände und verkündet leidenschaftlich:

„Unser Bischof sagte, und das brachte ihm einen Waschkorb voller Beschwerdebriefe ein, er sagte also: ’Unser Gott ist kein christlicher, kein jüdischer und kein muslimischer Gott!’“

Ich bin erstaunt, anthropologisch-psychologisch gesehen mag der gute Bischof damit zwar Recht haben, Traumdeuter Carl Gustav Jung oder Völkerkundler Mircea Eliade schrieben ja Ähnliches. Doch riskiert unser Pastor Dr. Dienlich damit in Deutschland überhaupt nichts, während er in Pakistan oder dem Irak mit so einem Satz eigentlich nur die brutale Übermacht der islamischen Doktrin schönlügen würde, denn ob Bischof oder, hier und heute im Kirchengebäude, der Pastor, beide sagen mit einem solchen pantheistischen-universalistischen Gottesbild ganz multikulturell und pazifistisch: ’Christen sind ein bisschen muslimisch’, sie versteigen und verbiegen sich zur kruden Christologie und Theologie: ’Als deutscher Katholik glaube ich ab sofort ein bisschen an Allah.’ Die grinsenden Muslime werden nichts dagegen haben, wenn katholische Christen beginnen, die ersten Dogmen von Koran und Scharia anzuerkennen. Doch wollen Deutschlands und Europas Katholiken das?

Es ist nicht höflich, Allah nicht um Erlaubnis zu fragen, mein lieber Herr Pastor! Was für ein Dhimmi, freiwillig den Gott des Weltalls mit dem Namen Allah zu benennen, heute abend in Sankt Mauritius einen kosmischen Allah-Gott zu lobpreisen und den glücklich erfundenen universellen Allahgott zum christuskompatiblen Vatergott zu erklären. Fromme Muslime könnten das als höchst anmaßend empfinden, doch haben sie, anders als Deutschlands wohlstandsverwöhnte heutige Christen, ein klares Gespür für oben und unten, für machtvoll und ohnmächtig. Pastor Dienlich hat, indem er auf ein griffiges christliches Profil verzichtet, sich und die Christenheit erniedrigt und beschwört einen schwammigen Allahjahwe oder vielmehr Jahweallah, wir erkennen, dass er auch gleich über den jüdischen Gott verfügt.

Die katholische Kirche des Jahres 2008 ist schlicht zu feige, zu sagen, ihr Gott ist dezidiert nicht Allah! Man will Konflikte vermeiden, man will Frieden um den Preis der Selbstaufgabe. Bislang hatte ich noch nie gänzlich verstanden, was Giordano mit dem Wort Beschwichtigungsdogmatiker gemeint hatte. Die Muslime werden den Christen Frieden anbieten. Islamischen Frieden, sozusagen. Schariafrieden, Dhimmitude.

Derartig grübelnd blicke ich auf die Braut. Aurelia wirkt zwar momentan etwas königlich versteinert, doch könnte sie eine rebellische Tochter von Altachtundsechzigern sein. Hier im geweihten Kirchenraum spielen alle freilich fromm oder sind es auch tatsächlich.

Dann geschieht das Ungeheuerliche und mit donnernder Stimme ruft Walter Dienlich in den widerhallenden alten Kirchenraum:

„Ich segne diese Ringe im Namen von Jesus Christus und Allah!“

Grauen packt mich. Entsetzen lähmt mich. Das kann doch nicht wahr sein, was geschieht hier, ein Pastor handelt explizit Namen des koranischen Gottes?! Pfarrer Dr. Dienlich erklärt sich zum Beauftragten Allahs, ohne Allah zu fragen womöglich, und verbiegt Christus zum Propheten Allahs, und das tut Dr. Dienlich als ein Katholik und Priester, wo Jesus von Nazareth doch womöglich vom Gott der Kaaba und Scharia gar keine oder keine gute Meinung hat? Wir Christen müssen aber noch weiter fragen:

Priester Dienlich bezeichnet ganz offensichtlich den Gott des Jesus von Nazareth mit dem koranischen und islamischen Wort Allah! Lässt der nahosterfahrene Dr. Dienlich den Frauen steinigenden, Hände- und Köpfe abhackenden Allah gleich noch ein himmlisches Friedensfest mit Jesus Christus feiern? Was der sanfte Dr. Dienlich ausspricht, wirkt wie ganz selbstverständlich, charismatisch, hypnotisch, einlullend, eben sanft. Vielleicht ist das ja der christliche Weg zum Weltfrieden, mag der eine oder andere der hier in Sankt Mauritius Anwesenden denken, jedenfalls zuckt niemand der 95 Anwesenden auch nur mit der Wimper. In aller Seelenruhe und Souveränität fährt der Mann damit fort, sein interreligiöses Ritual zu zelebrieren. Ich bin schockiert.

Pastor Dienlich entehrt und verschrottet, verkauft und verramscht eine zweitausend Jahre alte Weltreligion, besonders schamlos angesichts der Tatsache, dass in Saudi‑Arabien bereits der Besitz einer Bibel Gefängnisstrafen nach sich zieht oder dass in Afghanistan Konvertiten zum Christentum nur mit dem antidemokratischen Kunstgriff, sie als wahnsinnig, das heißt als unzurechnungsfähig zu erklären vor der islamrechtlich einwandfreien Tötung bewahrt werden können.

Ihre eigenen Kinder verlieren angeheiratete Nichtmuslime in jedem Fall, das nennt sich Scharia, ein Wort, das der Pastor (Dienlich: “Ich weiß nicht viel vom Islam“) gar nicht erst zu kennen scheint.

Das klingt ja so modern, so nach Buddha oder Goethe oder Hesse, zu sagen, Gott sei weder christlich noch muslimisch. Obschon Dienlich bezeichnenderweise zu feige ist, heute Abend den buddhistischen oder taoistischen Begriff des Weltganzen zu verteidigen. Ist Dienlich also New-Age-Jünger oder gar Bahá’í? Weiß er, wie es Bahá’i in Teheran oder in Kairo ergeht? Pfarrer Dienlich geht kein Risiko ein, er spielt den ’Wellenreiter’, er ’surft’ auf den Wogen der Macht. Er verhöhnt die Opfer indem er sie noch nicht einmal erwähnt. Er will das Produkt christllich-muslimische Ehe handelskonform machen und als katholischer Funktionär und Manager erfolgreich verkaufen. Hier sieht 2008 womöglich bereits ein beträchtlich starker Teil der Katholischen Kirche die Chance auf Macht, das heißt auf Geld. Moralisch schäbig. Aber kundenorientiert.

Doch da erhebt der Bruder des Bräutigams das Wort, sehr gut zu verstehen trotz des starken Akzentes, der eigentlich sympathisch und charmant hätte sein können, schaute er nicht so giftig und Gehorsam heischend darein:

„Der Wert der Familie im Islam ist außerordentlich hoch! Die Familie ist die absolute Keimzelle der islamischen Gesellschaft und Kultur. Das bedeutet, das es im Islam, anders als es in Europa leider immer wieder behauptet wird, keinerlei Form des Zwanges in der Ehe oder gar eine Zwangsehe gibt! Vielmehr ist der muslimische Ehemann verpflichtet, seine Frau gut zu behandeln. Jede Form von Gewalt gegen die Frauen oder Kinder ist in der islamischen Familie verboten.“

Was für ein Lügner! In mir zuckte es, ich will dazwischenrufen und aufspringen und die Kirche verlassen, doch ich beherrsche mich. Welche Niedertracht! Die islamische Ehefrau ist kein Vertragspartner sondern Vertragsgegenstand, ohne Wali, und Wali bedeutet Vormund, männlich versteht sich, ohne Wali läuft noch nicht einmal eine Eheanbahnung oder standesamtliche türkische oder tunesische Hochzeit! Die Hälfte der türkischen Ehefrauen in unserem Städtchen Altendorf ist im Alter von 16 oder 15 Jahren zwangsverheiratet worden, und, wie es so blumig heißt im blumigen Islam: Das Schweigen der Frau wird als Zustimmung gewertet. Warum macht Sékou das, der Bruder des Bräutigams?

Sékou macht Da’wa! Er streut den Treibsand oder Nebel des Iham oder der Taqiyya um die kunstvoll ausgelegten Schlingen der Da’wa, der Einladung zum Islam, die islamische Mission. Und keine Da’wa ist so nachhaltig wie das Erbeuten eines Weibchens, pardon, einer Ehefrau. Da wird Lüge zur islamischen Selbstverständlichkeit.

Es ist gar nicht selbstverständlich, überlege ich schweigend und kochend vor Wut, dass Islamfreund Sékou sich überhaupt verteidigt – denn niemand hatte ihn angegriffen, niemand (leider) hatte die Muslime beschuldigt, gegen den Willen der Frauen erzwungene Ehen zu arrangieren. Sékou erzählt den anwesenden Christen oder auch Nichtchristen etwas von der Schönheit des angeblich so friedfertigen islamischen Ehelebens und Familienglücks. Seltsam, mein türkischer Kollege und Nachbar schlägt seine Frau häufig und die wiederum schlägt ihre Kinder noch öfter, hat Sékou diese Hanafiten soeben zu Ungläubigen erklärt?

Ist der anwesende Priester, ist Dr. Walter Dienlich mit seiner knapp zwanzigjährigen Israelerfahrung über die im Islam leider immer noch übliche Eheanbahnung nach dem Grundatz des Tochtertauschens zwischen zwei Männerbünden denn gar nicht im Bilde? Hat auch Diakon Frank Schmücker noch nie etwas von der grundsätzlichen rechtlichen Minderwertigkeit der Ehefrau und überhaupt der Frau in Allahs eigenem Gesetz gehört, hat er die Hadithen und Fatwen zum Prügelvers denn nicht gelesen? Haben die beiden katholischen Seelsorger Aurelia auf die Risiken und Nebenwirkungen des Ehelebens nach Sunna und Scharia nicht hingewiesen? Die vor Aufregung (Schmücker) oder Selbstgefälligkeit (Dienlich) wie angeknipsten Gesichter verraten uns nichts, keine Silbe, doch für ein „Ich weiß nicht viel vom Islam“ seitens des Pfarrers reicht es. Ich bin bestürzt, der Mann kennt die Scharia nicht und zelebriert hier eine christlich-islamische Trauung. Das ist unfasslich, diese Ehe muss annuliert werden.

„Aurelia“, wendet sich der Priester an die Braut: „Wenn Kinder kommen sollten, dann erziehe sie im christlichen Geist und im Namen der christlichen Religion!“ Aha, für das Wörtchen katholisch hat es für eine Ehe zweiter Klasse, Aurelia war ja bereits einmal verheiratet, jetzt nicht mehr gereicht, ein wenig christlich also soll es sein. Der Mann ist zu feige zu sagen, dass der Islam das schlicht nicht zulässt, denn Kinder eines muslimischen Vaters gelten nach der Scharia als Muslime, manche im Publikum werden es wissen, andere nicht. Dr. Dienlich ruft zur Seite:

„Ich bitte Sie, die Stühle zusammen zu stellen!“ und wahrhaftig, herbeieilende Helfer setzen die Stühle Armlehne an Amlehne nebeneinander, die beiden Heiratswilligen setzten sich, ihre roten Gewänder strahlen nun genau in der Blickachse des Mittelganges. Der Priester fragt:

„Aurelia, bist du freiwillig gekommen, ohne Zwang, und willst du Samory aus freiem Entschluss und nach reiflicher Überlegung zum Ehemann nehmen im Namen des universellen Gottes?“

Oho, der Gott des Christentums franst heute etwas aus, wird weich gekocht und hier etwas in die Länge gezogen und da etwas gekürzt, damit er auf Allah passt. An Allah traut sich der Priester nicht heran, das ist interessant: Der Christengott wird universell und multikulturell, Allah jedoch bleibt sozusagen unverändert. Tja, es kann nur Einen geben. Nun, wenn mit einem universellen Gottesbild auch universelle Menschenrechte einhergehen, könnten säkulare Humanisten ja zufrieden sein.

„Ja!“ rief Aurelia, es klang etwas hektisch und verkrampft.

„Und du, Samory, bist du freiwillig gekommen und willst du Aurelia nach reiflichem Überlegen und aus freiem Entschluss zur Ehefrau nehmen, für sie sorgen in Gesundheit und Krankheit, in guten und in schlechten Zeiten?“

„Ja!“ sprach Samory mit würdiger Gelassenheit.

„So reicht einander eure Hände!“

Alle drei standen nun vorne vor der Gemeinde, das heiratswütige Paar Hand in Hand und vor ihnen der Priester mit dem grauen Kostüm oder Kittel zum Woodstock-bunten Regenbogenschal:

„Ich lege meine Stola über eure rechten Hände zum Zeichen der Segnung eurer ehelichen Verbindung.“

So also schlägt die ewige Scharia im katholischen Rheinhessen ein wie ein Komet und die schutzbefohlenen Dhimmis können bei Bedarf das Gefühl haben, noch selbst ein aktives Subjekt zu sein.

Zum ersten Januar 2009 wird das zivilrechtliche Gebot der standesamtlichen Voraustrauung fallen, dann braucht für eine derartige doppelreligiöse oder religionsvermischte oder eigentlich rein schariatische Ehe ein Standesamt, seit 1875 war das Pflicht, gar nicht mehr betreten zu werden. Wie schariatische Ehe? Gewiss, aus islamrechtlicher Sicht findet hier im Kirchengebäude einfach nichts statt, gar nichts, Karneval, Party, Dhimmi-Zauber findet statt. Nichts findet statt. Die ewige Scharia hat die Sache bereits geregelt.

„Und so wollen wir diesen Wortgottesdient schließen mit dem Gebet, das uns Jesus gelehrt hat, der im Islam Issa heißt!“ Man spricht das Vaterunser, jedenfalls die größeren Teile der ’Deutschländer’, die afrikanischen Muslime hören höflich zu. Verflixt, der Priester hat soeben den Jesus als Issa bezeichnet, das ist sehr nett den Muslimen gegenüber, doch ist der Islam nicht über ein halbes Jahrtausend später entstanden und Jesus von Nazareth im Vergleich zu den frühesten Christen in Antiochia oder Korinth dann im Islam völlig anders ausgedeutet worden, nämlich islamisiert das heißt islamisch ideologisiert? Muslime erklären beispielsweise den Jesus Issa zum Muslim, zum vorletzten Propheten, so weit so seltsam.

Doch für welchen Jesus entscheidet sich der Pastor von Sankt Mauritius, begeht Dr. Dienlich nicht Verrat am christlichen Jesus, am seit über zwölfhundert Jahren im gesamten Rheinland verehrten Jesus Christus? Die anwesenden katholischen Bürger ficht das alles nicht an, sie lächeln diplomatisch, wenn auch, wie mir scheint, etwas gezwungen. Moment mal, begibt sich Dr. Dienlich nicht ganz und gar in die Rolle des Dhimmis, der sich mit den Machthabern im Kalifat nicht anlegen will, hat er der islamischen Sichtweise auf Jesus nicht soeben den Vortritt und die Höherrangigkeit gelassen? Ist das noch Höflichkeit oder einfach schiere Entchristianisierung, Entchristlichung? Und wenn diese katholisch Gemeinde ihren Gott und ihren Christus schon bereitwillig zum Islam hin verwässert und verfremdet, sind die regionalen Moscheegemeinden denn auch wirklich im selben Maße ’tolerante Brückenbauer’ und christianisieren, humanisieren und demokratiseren ihren willkürlich barmherzigen Allah und ihren kriegerischen und herrschsüchtigen Propheten Mohammed nachträglich ein bisschen, um den Christen oder Humanisten oder Ex-Muslimen entgegen zu kommen?

Keine Rede von diesen Fragestellungen: Die Kirche verändert sich, der Islam verändert sich nicht. Der zauberhafte Priester islamisiert unseren Jesus auf Koran und Hadithe hin, der Bruder des Bräutigams indessen lügt uns Taqiyya-schamlos ins Gesicht, dass es keine Gewalt in der islamischen Ehe gebe und keine Zwangsehen im Islam. Dr. Dienlich denkt dynamisch und führt die Gemeinde ein wenig hinters Licht. Ich blicke mich um. Alle gucken zufrieden. Na dann!

Doch was ist das? Aus dem Hintergrund rollen zwei Helfer ein Stehpult mit einem aufgeschlagenen, gewaltig großen Buch herbei. Horizontal mehr als einen Meter Kantenlänge. Mir stockt der Atem. Das phantastisch multikulturelle Heiratsritual wird im altehrwürdigen Kirchenbuch der Gemeinde Sankt Mauritius eingetragen? Oder sogar im bischöflichen geheimen Verzeichnis, in dem die paar eigentlich nicht statthaften Kinder gewisser Priester nebst kirchlicherseits zugesagter Versorgung anerkannt sind? „Ich brauche noch die beiden Trauzeugen, die jetzt hier doch einmal unterschreiben möchten.“ Was das wohl für ein Buch war? Meine Neugier wächst ins Unermessliche.

Mit einem kühlen Segen an die Gemeinde verabschiedete der Pfarrer sich und uns, nicht ohne auf die kleine Feier im Nachbarraum hinzuweisen, zu der jetzt gleich im Anschluss doch jeder herzlich eingeladen sei. Doch da, da sagte er noch etwas: „Ich rufe die Gemeinde zum Zeugen dieser heute geschlossenen christlich-muslimischen Trauung auf!“

Irgendwie ist es doch reichlich erpresserisch vom Pastor, uns zum Zeugen zu rufen, da nämlich die Anwesenden die kirchenrechtlichen Folgen vielleicht gar nicht kennen und die schariarechtliche Bedeutung ganz sicher nicht, aber egal. Auf zur deutsch-afrikanischen Party im benachbarten Gemeindezentrum! Es wird richtig nett, Speis und Trank gibt es reichlich, Tanz und Gespräch, Frauen ohne und mit Kopftuch, bei halal-Häppchen und Schinkenbrot, bei Saft und Wein friedlich vereint. Es weiß ja jeder, was er zu essen hat! Musik ertönt, vier Musiker aus Westafrika, Trommel und Zupfinstrumente, herrliche Klänge. Alles redet durcheinander, sehr aufregend, man versteht einander vor lauter Tanzmusik und Fröhlichkeit nur noch mit Mühe.

Ob in allem Trubel die Braut vom Schinkenschnittchen isst oder ein Glas Wein trinkt ist nicht bekannt. Noch stundenlang bleibt die Stimmung ausgelassen und irgendwann verabschiede ich mich. Und in meinem Fortgehen vernehme ich noch aus großer Entfernung den Jubelruf des Dr. Dienlich über der brausenden und wogenden Geräuschkulisse: „In Jerusalem ist vieles möglich!“

In Deutschland ganz offensichtlich auch.

Kasimir Krawczyk