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Ist FGM nun evangelisch?

Juni 14, 2017

ختان الإناث

ḫitān al-ināṯ

sunat perempuan

FGM nach Koran und Sunna

Gabi Schmidt

Mönchengladbach

An den Polizeipräsidenten in Berlin

14.06.2017

Postalisch in Kopie an:

Staatsanwaltschaft Berlin

Herrn Prof. Dr. Dr. Andreas Barner als Mitglied des Präsidiumsvorstandes 2013 – 2019 des DEKT

Frau Dr. Ellen Ueberschär, Amtierende Generalsekretärin während der Veranstaltung

Frau Senatorin Dilek Kolat, Land Berlin, Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung

Strafanzeige wegen Billigung bzw. Bewerbung der weiblichen Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation, FGM) und wegen Aufruf an Ärzte zur Durchführung der FGM gegen Prof. Dr. Christina Aus der Au, Theologin, Frauenfeld (TG), Schweiz

Ergänzung zu der von mir mitgezeichneten Strafanzeige vom 31.05.2017 gegen die Präsidentin des 36. Deutschen Evangelischen Kirchentags in Berlin und Wittenberg im Jahr des 500. Reformationsjubiläums 2017, Frau Prof. Dr. Christina Aus der Au Heymann

Die Theologin rief am 27. Mai 2017 während der Podiumsdiskussion (Offene Gesellschaft – Wo sind die Grenzen der Toleranz) zumindest Gynäkologen öffentlich auf, weibliche Genitalverstümmelung der WHO Klassifikation FGM Typ II [untergliedert in IIa, IIb u. IIc] bzw. Typ IV zu akzeptieren und auf Elternwunsch durchzuführen.

Aus der Au äußerte sinngemäß: Wenn eine Muslima einen Frauenarzt mit dem Wunsch aufsuche, die Schamlippen ihrer Tochter aus religiöser Tradition beschneiden zu lassen, könne der Arzt diesen medizinisch nicht erforderlichen Eingriff gegen seine eigentliche Überzeugung durchführen. Er schütze damit das Kind, weil er verhindere, dass die Mutter, wenn er die Mutilation ablehne, das Mädchen eventuell zu einem Scharlatan bringt, der dann die Gesundheit „der jungen Frau“ von in der Regel vier bis elf Jahren durch mangelhaftes humanmedizinisches und pharmazeutisches Wissen und chirurgisches Unvermögen schwer schädigt, mögliche Komplikationen nicht erkennt, nicht fachgerecht behandelt oder gar den Tod der minderjährigen Patientin zu verantworten hat.

Da sich „junge Frauen“ wohl kaum von ihren Müttern zum Gynäkologen begleiten lassen, ist davon auszugehen, dass die Kirchentagspräsidentin nicht Siebzehnjährige kurz vor dem achtzehnten Geburtstag oder junge Volljährige gemeint hat. Es ist außerdem nicht auszuschließen, dass andere Fachärzte und Krankenhäuser in Trägerschaft der evangelischen Kirchen oder Nichtmediziner wie Kinder- und Jugendpsychotherapeuten, Juristen oder Sozialpädagogen / Sozialarbeiter und sonstige Dritte sich darin bestärkt und bestätigt fühlen, Verstümmelungen / Verletzungen an den äußeren Genitalien in medikalisierter Form an nicht einwilligungsfähigen, weiblichen Kleinkindern und Schülerinnen der Primar- und Sekundarstufe für ein legitimes, humanistisches Handeln oder einen Akt der Nächstenliebe und Christenpflicht zu halten.

Wenn solche Eingriffe auch ohne jeglichen therapeutischen Nutzen sind, die kleinen Mädchen vor unnötigen seelischen Qualen, Schmerzen, gesundheitlichen Nachteilen oder gar vor dem Tod zu bewahren, wäre dann für manchen Grund genug, rechtliche und berufliche Verpflichtungen sowie ethische Grundsätze außer Acht zu lassen. Mediziner könnten sich motiviert fühlen, die Mutilation / Beschneidung durchzuführen, Rechtsanwälte, „Muslimrechte“ zu verteidigen, Sozialpädagogen oder Kinder- und Jugendpsychotherapeuten, sich für „muslimische Elternrechte“ einzusetzen. Ob Frauenärzte, Hebammen, Therapeuten oder sonstige Entscheidungsträger oder Beratende, man wird entsprechend kultursensibel handeln, beispielsweise in Gutachten für familiengerichtliche Verfahren auf die nichteuropäische Herkunft bzw. muslimische Sozialisation der sorgeberechtigten Patienten / Klienten verweisen und Schamlippenbeschneidungen aufgrund der religiösen oder kulturellen Andersartigkeit als glaubensgeleitet, kulturadäquat und kindeswohlfördernd bewerten und deshalb befürworten. Schließlich gäbe es bei Begegnung und Interaktion mit Muslimen bezüglich der Menschenrechte nicht nur schwarz oder weiß.

Aus der Au plappert nicht einfach unkontrolliert drauflos, sondern weiß genau um Inhalt und Bedeutung ihrer Worte. Als in der Redekunst geschulte, kirchenpolitisch wie gesellschaftlich einflussreiche Theologin wirkt sie mit ihren Äußerungen bewusst final auf Ärzte und Dritte mit dem Ziel ein, in ihnen den Entschluss zu den erwähnten Straftaten hervorzurufen. Die erfolgreiche Karrierefrau mit mehrfacher Leitungsverantwortung studierte Philosophie und Rhetorik in Tübingen, in Basel habilitierte sie über das theologische Menschenbild und seine Herausforderung durch die Neurowissenschaften. Sie ist als Dozentin an der Theologischen Fakultät der Universität Basel und seit 2015 als Titularprofessorin für Systematische Theologie an der gleichen Universität tätig, arbeitet außerdem als Geschäftsführerin des Zentrums für Kirchenentwicklung der Universität Zürich sowie als Dozentin für Medizinethik der Universität Fribourg. Aus der Au wurde 2013 in den Vorstand des Deutschen Evangelischen Kirchentags gewählt und hat 2017, im 500. Reformationsjahr, den 36. Deutschen Evangelischen Kirchentag als Präsidentin geleitet.

Die Aussagen der Schweizerin sind daher weder als politische Unmutsäußerung oder Provokation noch als bloßes Befürworten einer Straftat oder entsprechende Meinungsäußerung zu bewerten. Als Dozentin und erfahrene Referentin hatte sie bei der öffentlichen Veranstaltung anlässlich des mit hochkarätigen Gästen aus Politik und Gesellschaft besetzten Deutschen Evangelischen Kirchentags, bei der ausgerechnet über die Grenzen der Toleranz einer offenen Gesellschaft diskutiert wurde, ihre Worte gewiss gezielt gewählt.

Zu den geladenen gesellschaftspolitisch und theologisch wichtigsten Prominenten des 36. Evangelischen Kirchentags zählt sicherlich der aus Ägypten angereiste Großscheich al-Azhar, Ahmad Mohammad al-Tayyeb, Nachfolger des 2010 verstorbenen Muhammad Sayyid Tantawi. Als solcher ist er gleichzeitig Imam der al-Azhar-Moschee und hat kraft seines Amtes automatisch den protokollarischen Rang eines Ministerpräsidenten. Der Islamgelehrte ist einer der ranghöchsten Würdenträger des gesamten, alle vier Rechtsschulen umfassenden sunnitischen Islam und wird weltweit von vielen Sunniten als höchste geistliche Autorität anerkannt.

Ägypten gehört zu den Ländern mit FGM Prävalenz, die Verstümmelungen werden zu 77 % von medizinischem Personal durchgeführt. Meist handelt es sich um FGM Formen des Typs Ib und II nach der WHO Kategorie, ca. 9 % der Opfer wurden einer Mutilation des Typs III unterzogen [African Journal of Urology, 03.09.2013, S. 145-149]. Für die in dem Land am Nil stark verbreitete schafiitische Rechtsschule ist FGM als verpflichtend [wadschib] anzusehen, alle anderen halten sie für ehrbar [makruma] oder empfohlen [sunna]. Al-Tayyeb schwieg bislang beredt zu dieser Frauenrechtsverletzung. Auch als Mohamed Kandil [Kandeel], namhafter Gynäkologe der staatlichen Universität von Minufiyya, pünktlich zur öffentlichen Debatte über MGM in Deutschland [2012] die Schädlichkeit von Beschneidungen des FGM Typs Ib und IV bestritt und die weltweite Legalisierung wegen der oft schwerwiegenden Folgen von Hinterhofbeschneidungen einforderte, verurteilte der Großimam die Befürwortung solcher die körperliche Unversehrtheit zerstörenden Eingriffe nicht.

Die erwähnten Diskussionsbeiträge der Schweizer Theologin sind auch deshalb brisant, weil bereits jetzt eine gute Zusammenarbeit der Kairoer Al-Azhar mit dem von dem islamischen Religionspädagogen Mouhanad Khorchide geleiteten Zentrum für Islamische Studien [ZIT] an der Wilhelms Universität Münster besteht, wo muslimische Geistliche und Lehrer für den bekennenden islamischen Religionsunterricht ausbildet. Solche Kooperationen sollen künftig auch auf andere deutsche HochschuIen, die islamische Theologie anbieten, ausgedehnt werden.

Aus der Au fiel mit ihren Diskussionsbeiträgen nicht nur Aktivisten, internationalen Organisationen sowie Regierungen, die sich weltweit für die Abschaffung und Ächtung jeder Form der Mädchenverstümmelung nach WHO Kategorie einsetzen, in den Rücken. Statt die offene Gesellschaft zu verteidigen, griff sie deren Fundament, die freiheitlich demokratische Rechts- und Werteordnung an und nahm billigend in Kauf, dass durch ihre Einlassungen Dritte unteilbare, universelle und unveräußerliche Grund- und Menschenrechte verletzen [Art. 1 Abs. 1, Satz 1 GG; Art 2 Abs. 2 GG u. Art. 3 Abs. 1 u. 3 GG], Körperverletzungen begehen, strafrechtlich relevante Entscheidungen treffen, falsch beraten oder dem Familiengericht beschneidungsfreundliche Stellungnahmen vorlegen. Hier liegt kein rechtfertigender Notstand vor, da mildere Mittel genutzt werden können, um Leib- und Leben minderjähriger Mädchen zu schützen [vergl. § 34 StGB]. Vorrang der Verfassung und Einheit des Rechts stehen in der BRD nicht zur Disposition.

Es ist zu prüfen, ob Aus der Au gemäß § 111 StGB zu einer Straftat entweder nach § 224 Abs. 1 u. 2, § 225 Abs. 1 Punkt 3 i. V. m. § 225 Abs. 3, § 226 oder 226a StGB aufgerufen hat. Das einer Aufforderung wesenseigene Element einer offenen und gezielten Einflussnahme auf die Willensentschließung Dritter könnte ebenso vorgelegen haben wie ein strafbewehrter Eventualvorsatz, der nach herrschender [deutscher] Auffassung besteht, wenn der Täter den Taterfolg als Folge seines Handelns ernsthaft für möglich hält und ihn zugleich billigend [im Rechtssinne] in Kauf nimmt. Um ein solches Verhalten handelt es sich dann, wenn er sich mit diesem abfindet [Auffassung des Bundesgerichtshofs in ständiger Rechtsprechung – Billigungstheorie, s. Lederriemenfall]. In der Schweiz ist seit dem 1. Januar 2007 der Eventualvorsatz im Strafgesetzbuch definiert, seine Strafbarkeit ist ausdrücklich festgehalten: „Vorsätzlich handelt bereits, wer die Verwirklichung der Tat für möglich hält und in Kauf nimmt.“

Gabi Schmidt, Sozialpädagogin

Mitzeichnend

Edward von Roy, Diplom-Sozialpädagoge (FH)

E-Mail vom 13.06.2017 20:06 Uhr

WG: Kirchentag: Christina Aus der Au empfiehlt Ärzten FGM durchzuführen

Lieber Edward,

hier meldet sich Angelika von der EMMA. Kurze Frage: Warst du dabei, als Aus der Au das über Genitalverstümmelung gesagt hat? War das eine öffentliche Veranstaltung? Gibt es eine Video-Aufzeichnung, z.B. auf youtube? Kurz und gut: Lässt es sich belegen, dass sie es gesagt hat? Das wäre wichtig für eine Berichterstattung.

Mit lieben Grüßen

Angelika Mallmann

EMMA Redaktion

https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2017/05/28/schmidt-salomon-kritisiert-auftritt-al-tayyebs/

https://schariagegner.wordpress.com/2017/05/31/werbung-fuer-fgm-auf-dem-kirchentag/

Angelika Mallmann

EMMA Redaktion

Köln

Geschäftsführerin: Alice Schwarzer Köln

14.06.2017 18:45 Uhr

AW: WG: Kirchentag: Christina Aus der Au empfielt Ärzten FGM durchzuführen

Guten Morgen liebe EMMA, seid ihr auch schon aufgewacht?

Liebe Angelika, alle Informationen, die Deutschlands bekannteste feministische Zeitschrift für einen Artikel benötigt, stehen längst im Netz.

Dr. Armin Pfahl-Traughber, Politikwissenschaftler und Soziologe, Brühl; Dr. Michael Schmidt-Salomon, Philosoph und Schriftsteller, gbs-Vorstandssprecher, Trier. Moderation: Constanze Abratzky, Moderatorin Phoenix, Berlin

Gastgeber: Humanistischer Verband Berlin-Brandenburg

Rotes Rathaus, Festsaal, Rathausstr. 15, 10178 Berlin-Mitte

Samstag, 27. Mai 14:30 – 16:00

Offene Gesellschaft – Wo sind die Grenzen der Toleranz?

https://www.facebook.com/events/1866478703635343/

Diese Ansprechpartner und Quellen reichen euch sicherlich zum Tätigwerden im Kampf gegen jede Form von weiblicher Genitalverstümmelung (FGM, WHO-Klassifikation FGM Typ I, II, III, IV und Untertypen).

WHO | Classification of female genital mutilation

http://www.who.int/reproductivehealth/topics/fgm/overview/en/

In freudiger Erwartung eures Berichts

mit gleichheitsfeministischen Grüßen

Gabi und Edward

Edward von Roy

Mönchengladbach

Gabi Schmidt

Mönchengladbach

Staatsanwaltschaft Berlin

10548 Berlin

Postalisch in Kopie an den Polizeipräsidenten in Berlin

20.06.2017

252 Js 2892/17

§ 226a StGB Verstümmelung weiblicher Genitalien

Strafanzeige vom 31.05.2017 von Edward von Roy gegen Prof. Dr. Christina Aus der Au Heymann in Bezug auf § 226a StGB Verstümmelung weiblicher Genitalien, mitgezeichnet von Gabi Schmidt, Mönchengladbach

Ergänzung der genannten Strafanzeige (gegen Prof. Dr. Christina Aus der Au in Bezug auf § 226a StGB Verstümmelung weiblicher Genitalien) vom 14.06.2017 durch Gabi Schmidt, Mönchengladbach, von Edward von Roy mitgezeichnet

Sehr geehrte Damen und Herren,

sehr geehrte Frau S.,

in der Strafanzeige vom 31.05.2017 schrieb Edward von Roy:

Es ist zu prüfen, ob Kirchentagspräsidentin Aus der Au vorbereitende Handlungen durchgeführt hat im Sinne von § 226a Verstümmelung weiblicher Genitalien ((1) Wer die äußeren Genitalien einer weiblichen Person verstümmelt, wird mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr bestraft.(2) In minder schweren Fällen ist auf Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren zu erkennen.).

Ebenso zu prüfen, ob Dr. Aus der Au Ärzte dazu ermuntert hat, beispielsweise um Schlimmeres („Kurpfuscher“, s. Quelle) zu verhindern, auf Wunsch einer muslimischen Mutter eine FGM durchzuführen.

Am 14.06.2017 ergänzte Gabi Schmidt:

Die Theologin rief am 27. Mai 2017 während der Podiumsdiskussion (Offene Gesellschaft – Wo sind die Grenzen der Toleranz) zumindest Gynäkologen öffentlich auf, weibliche Genitalverstümmelung der WHO Klassifikation FGM Typ II [untergliedert in IIa, IIb u. IIc] bzw. Typ IV zu akzeptieren und auf Elternwunsch durchzuführen.

Aus der Au äußerte sinngemäß: Wenn eine Muslima einen Frauenarzt mit dem Wunsch aufsuche, die Schamlippen ihrer Tochter aus religiöser Tradition beschneiden zu lassen, könne der Arzt diesen medizinisch nicht erforderlichen Eingriff gegen seine eigentliche Überzeugung durchführen. Er schütze damit das Kind, weil er verhindere, dass die Mutter, wenn er die Mutilation ablehne, das Mädchen eventuell zu einem Scharlatan bringt, der dann die Gesundheit „der jungen Frau“ von in der Regel vier bis elf Jahren durch mangelhaftes humanmedizinisches und pharmazeutisches Wissen und chirurgisches Unvermögen schwer schädigt, mögliche Komplikationen nicht erkennt, nicht fachgerecht behandelt oder gar den Tod der minderjährigen Patientin zu verantworten hat. […]

Es ist zu prüfen, ob Aus der Au gemäß § 111 StGB zu einer Straftat entweder nach § 224 Abs. 1 u. 2, § 225 Abs. 1 Punkt 3 i. V. m. § 225 Abs. 3, § 226 oder 226a StGB aufgerufen hat. Das einer Aufforderung wesenseigene Element einer offenen und gezielten Einflussnahme auf die Willensentschließung Dritter könnte ebenso vorgelegen haben wie ein strafbewehrter Eventualvorsatz, der nach herrschender [deutscher] Auffassung besteht, wenn der Täter den Taterfolg als Folge seines Handelns ernsthaft für möglich hält und ihn zugleich billigend [im Rechtssinne] in Kauf nimmt. Um ein solches Verhalten handelt es sich dann, wenn er sich mit diesem abfindet [Auffassung des Bundesgerichtshofs in ständiger Rechtsprechung – Billigungstheorie, s. Lederriemenfall]. In der Schweiz ist seit dem 1. Januar 2007 der Eventualvorsatz im Strafgesetzbuch definiert, seine Strafbarkeit ist ausdrücklich festgehalten: „Vorsätzlich handelt bereits, wer die Verwirklichung der Tat für möglich hält und in Kauf nimmt.“

§ 252 StGB Räuberischer Diebstahl – von Ihnen genannt im Schreiben vom 14. Juni 2017 – ist nicht einschlägig, weil die Schweizer Theologin und diesjährige deutsche evangelische Kirchentagspräsidentin am 27. Mai 2017 in Berlin auf der Podiumsdiskussion zum Thema „Offene Gesellschaft – Wo sind die Grenzen der Toleranz“ anlässlich ihrer Aufforderung an Gynäkologen in Deutschland, die Schamlippen von muslimischen Mädchen zu beschneiden, den Frauenärzten gegenüber weder Gewalt angewendet noch diesen Ärzten mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben gedroht hat. Auch ist Prof. Dr. Christina Aus der Au Heymann am 27. Mai 2017 weder auf frischer Tat bei einem Diebstahl betroffen gewesen noch hat sie sich anschließend darum bemüht, sich im Besitz eines gestohlenen Gutes zu erhalten.

Vielmehr bleibt zu prüfen, ob Aus der Au gemäß § 111 StGB zu einer Straftat entweder nach § 224 Abs. 1 u. 2, § 225 Abs. 1 Punkt 3 i. V. m. § 225 Abs. 3, § 226 oder 226a StGB aufgerufen hat.

Bitte teilen Sie aufgrund des anderen Tatvorwurfs meiner Kollegin und mir ein anderes Aktenzeichen zu.

Edward von Roy, Diplom-Sozialpädagoge (FH)

Gabi Schmidt, Sozialpädagogin

Werbung für FGM auf dem Kirchentag?

Mai 31, 2017

ختان الإناث

ḫitān al-ināṯ

sunat perempuan

FGM nach Koran und Sunna

Edward von Roy

Mönchengladbach

An den Polizeipräsidenten in Berlin

31.05.2017

Postalisch in Kopie an:

Staatsanwaltschaft Berlin

Herrn Prof. Dr. Dr. Andreas Barner als Mitglied des Präsidiumsvorstandes 2013 – 2019 des DEKT

Frau Ellen Ueberschär, Amtierende Generalsekretärin während der Veranstaltung

Frau Senatorin Dilek Kolat, Land Berlin, Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung

Strafanzeige wegen Billigung bzw. Bewerbung der weiblichen Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation, FGM) und wegen Aufruf an Ärzte zur Durchführung der FGM gegen Prof. Dr. Christina Aus der Au, Theologin, Frauenfeld (TG), Schweiz

§ 2 Abs. 1 der (Muster-)Berufsordnung:

„Ärztinnen und Ärzte üben ihren Beruf nach ihrem Gewissen, den Geboten der ärztlichen Ethik und der Menschlichkeit aus. Sie dürfen keine Grundsätze anerkennen und keine Vorschriften oder Anweisungen beachten, die mit ihren Aufgaben nicht vereinbar sind oder deren Befolgung sie nicht verantworten können.“

Entsprechend hat der 99. Deutsche Ärztetag 1996 in Köln folgende Entschließung zur rituellen Verstümmelung weiblicher Genitalien verabschiedet:

Der 99. Deutsche Ärztetag verurteilt die Beteiligung von Ärzten an der Durchführung jeglicher Form von Beschneidung weiblicher Genitalien und weist darauf hin, dass entsprechend der Generalpflichtenklausel der Berufsordnung für die deutschen Ärzte derartige Praktiken berufsrechtlich zu ahnden sind. [Auch in anderen] europäischen Staaten (z. B. Norwegen, Dänemark, Frankreich) ist die rituelle Verstümmelung weiblicher Genitalien […] gesetzlich unter Strafe gestellt.“

Christina Aus der Au Heymann (* 1966 in Luzern) ist eine schweizerische evangelisch-reformierte Theologin und Philosophin. Sie ist Dozentin an der Theologischen Fakultät der Universität Basel und Geschäftsführerin des Zentrums für Kirchenentwicklung der Universität Zürich. Prof. Dr. Aus der Au gehört dem Vorstand des Präsidiums des Deutschen Evangelischen Kirchentags an und ist die Präsidentin des 36. Deutschen Evangelischen Kirchentags in Berlin und Wittenberg im Jahr des 500. Reformationsjubiläums 2017. Aus der Au wohnt in Frauenfeld im Kanton Thurgau (TG), Schweiz.

Bei einer Podiumsdiskussion des diesjährigen Deutschen Evangelischen Kirchentags im Festsaal des Roten Rathauses (Offene Gesellschaft – Wo sind die Grenzen der Toleranz) am 27. Mai 2017 warb Aus der Au sinngemäß dafür, die Beschneidung des Geschlechtsorgans eines muslimischen Mädchens zu tolerieren und diese FGM besser durch einen ausgebildeten Arzt durchführen zu lassen als durch einen Laien im Hinterhof; Zitat Christliches Medienmagazin pro:

Für Menschen, die die Menschenrechte verletzen, dürfe es keine Toleranz geben, sagte Aus der Au. Doch in der konkreten Begegnung etwa mit Muslimen gebe es in der Hinsicht nicht nur schwarz und weiß. Wenn beispielsweise eine Muslima hierzulande mit ihrer Tochter zum Frauenarzt komme, um aus religiöser Tradition heraus deren Schamlippen zu beschneiden, sei das gegen die Menschenrechte. Doch weigerte sich der Arzt, das zu tun, würden sie möglicherweise zu einem „Kurpfuscher“ gehen, der die Gesundheit der jungen Frau gefährde. Deshalb könnte der Arzt den Eingriff gegen seine eigentliche Überzeugung vornehmen und dann gemeinsam mit Betroffenen etwas gegen diese religiöse Praxis unternehmen.

Die Kirchentagspräsidentin warb dafür, immer im Gespräch zu bleiben. „Ausschluss ist die Ultima Ratio.“ Es gelte, im Dialog das gegenseitige Zuhören einzuüben, sowie davon auszugehen, vom anderen etwas lernen zu können.

(pro Christliches Medienmagazin 28.05.2017 Kirchentag)

Zitatende. Sicherlich ist die Chitan al-inath (sunat perempuan) genannte Beschneidung auch aller Mädchen sowohl mindestens der schafiitischen Madhhab (Rechtsschule) des sunnitischen Islam als auch den schiitischen Dawudi Bohra Religionspflicht (wadschib). Keine der vier sunnitischen Rechtsschulen verwirft die Mädchenbeschneidung, die islamische FGM wird islamrechtlich vielmehr als makruma, ehrbar bewertet bzw. als sunna, nachahmenswert.

Ja, die FGM ist auch ein sehr islamisches Problem. Und doch irrt sich Dr. Aus der Au, denn auch im Namen des interreligiösen Dialogs oder des gelingenden interkulturellen Zusammenlebens darf niemand, und schon gar kein Arzt, das weibliche Genital einer Minderjährigen (unter 18 Jahre alt) beschneiden d. h. verstümmeln.

Noch die geringst invasive FGM, beispielsweise aus dem Bereich von FGM Typ IV ein Nadelstich (pinprick) oder Einschnitt (ritual nick), könnte zu Infektion, Sepsis, Nekrosen oder gar zum Tod des weiblichen Kindes oder der weiblichen Jugendlichen führen und auch die mit noch der geringst invasiven Genitalverstümmelung einhergehende psychische Traumatisierung hat der freiheitliche Rechtsstaat nicht straffrei zu stellen.

Der aktuelle US-amerikanische Fall von Ärztin und Mädchenbeschneiderin Dr. Jumana Nagarwala sowie von Dr. Fakhruddin Attar und Farida Attar, alle drei schiitische Dawudi Bohra und derzeit inhaftiert in Detroit, Michigan, dürfte der Theologin und Kirchentagspräsidentin bekannt sein. Und auch wenn der sunnitische Fiqh nach Imam asch-Schafii beim verpflichtenden Beschneiden zwischen Junge und Mädchen nicht unterscheidet, hat die Theologin aus Basel nicht öffentlich für die Legalisierung der FGM zu werben.

Es ist zu prüfen, ob Kirchentagspräsidentin Aus der Au vorbereitende Handlungen durchgeführt hat im Sinne von § 226a Verstümmelung weiblicher Genitalien ((1) Wer die äußeren Genitalien einer weiblichen Person verstümmelt, wird mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr bestraft.(2) In minder schweren Fällen ist auf Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren zu erkennen.).

Ebenso zu prüfen, ob Dr. Aus der Au Ärzte dazu ermuntert hat, beispielsweise um Schlimmeres („Kurpfuscher“, s. Quelle) zu verhindern, eine FGM durchzuführen.

Im Hinblick auf unveräußerliche Grundrechte wie die körperliche Unversehrtheit hat auch Christina Aus der Au niemanden, auch nicht aufgrund der Religionszugehörigkeit, ungleich zu behandeln. „Wenn beispielsweise eine Muslima hierzulande mit ihrer Tochter zum Frauenarzt komme, um aus religiöser Tradition heraus deren Schamlippen zu beschneiden“ (pro), nein, ein Arzt hat gerade keine Einteilung seiner Patienten in ethnoreligiös definierte Gruppen vorzunehmen.

Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland Art 3 (3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

„Die Gesundheit meines Patienten soll oberstes Gebot meines Handelns sein. […] Meine Kolleginnen und Kollegen sollen meine Schwestern und Brüder sein. Ich werde mich in meinen ärztlichen Pflichten meinem Patienten gegenüber nicht beeinflussen lassen durch Alter, Krankheit oder Behinderung, Konfession, ethnische Herkunft, Geschlecht, Staatsangehörigkeit, politische Zugehörigkeit, Rasse, sexuelle Orientierung oder soziale Stellung. Ich werde jedem Menschenleben von seinem Beginn an Ehrfurcht entgegenbringen und selbst unter Bedrohung meine ärztliche Kunst nicht in Widerspruch zu den Geboten der Menschlichkeit anwenden.“

(Genfer Deklaration des Weltärztebundes)

Edward von Roy, Diplom-Sozialpädagoge (FH)

Mitzeichnend

Gabi Schmidt, Sozialpädagogin

Q u e l l e n

Convention on the Rights of the Child

Article 24

3. States Parties shall take all effective and appropriate measures with a view to abolishing traditional practices prejudicial to the health of children.

http://www.ohchr.org/en/professionalinterest/pages/crc.aspx

Art. 24 KRK: Gesundheitsvorsorge (3) Die Vertragsstaaten treffen alle wirk­samen und geeigneten Maßnahmen, um überlieferte Bräuche, die für die Gesundheit der Kinder schädlich sind, abzuschaffen.

https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/themen/kinder-und-jugend/kinder-und-jugendschutz/kinderrechte/foerderungs–und-versorgungsrechte/86542

WHO | Klassifikation der weiblichen Genitalverstümmelung (FGM)

WHO | Classification of female genital mutilation (FGM)

Type I — Partial or total removal of the clitoris and/or the prepuce (clitoridectomy). When it is important to distinguish between the major variations of Type I mutilation, the following subdivisions are proposed:

Type Ia, removal of the clitoral hood or prepuce only;

Type Ib, removal of the clitoris with the prepuce.

Type II — Partial or total removal of the clitoris and the labia minora, with or without excision of the labia majora (excision). When it is important to distinguish between the major variations that have been documented, the following subdivisions are proposed:

Type IIa, removal of the labia minora only;

Type IIb, partial or total removal of the clitoris and the labia minora;

Type IIc, partial or total removal of the clitoris, the labia minora and the labia majora.

Type III — Narrowing of the vaginal orifice with creation of a covering seal by cutting and appositioning the labia minora and/or the labia majora, with or without excision of the clitoris (infibulation). When it is important to distinguish between variations in infibulations, the following subdivisions are proposed:

Type IIIa, removal and apposition of the labia minora;

Type IIIb, removal and apposition of the labia majora.

Type IV — All other harmful procedures to the female genitalia for non-medical purposes, for example: pricking, piercing, incising, scraping and cauterization.

http://www.who.int/reproductivehealth/topics/fgm/overview/en/

[…] Für Menschen, die die Menschenrechte verletzen, dürfe es keine Toleranz geben, sagte Aus der Au. Doch in der konkreten Begegnung etwa mit Muslimen gebe es in der Hinsicht nicht nur schwarz und weiß. Wenn beispielsweise eine Muslima hierzulande mit ihrer Tochter zum Frauenarzt komme, um aus religiöser Tradition heraus deren Schamlippen zu beschneiden, sei das gegen die Menschenrechte. Doch weigerte sich der Arzt, das zu tun, würden sie möglicherweise zu einem „Kurpfuscher“ gehen, der die Gesundheit der jungen Frau gefährde. Deshalb könnte der Arzt den Eingriff gegen seine eigentliche Überzeugung vornehmen und dann gemeinsam mit Betroffenen etwas gegen diese religiöse Praxis unternehmen.

Die Kirchentagspräsidentin warb dafür, immer im Gespräch zu bleiben. „Ausschluss ist die Ultima Ratio.“ Es gelte, im Dialog das gegenseitige Zuhören einzuüben, sowie davon auszugehen, vom anderen etwas lernen zu können. (pro)

pro (Christliches Medienmagazin) 28.05.2017 | Kirchentag | Schmidt-Salomon kritisiert Auftritt al-Tayyebs | Der humanistische Philosoph Michael Schmidt-Salomon hat in einer Diskussionsrunde kritisiert, dass Großscheich Ahmad al-Tayyeb auf dem Kirchentag aufgetreten ist. Kirchentagspräsidentin Christina Aus der Au verteidigte dessen Kommen.

https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2017/05/28/schmidt-salomon-kritisiert-auftritt-al-tayyebs/

Schweizerische Ärztezeitung | 40 | 1.10.2014 | Redaktion Ethik PD Dr. theol. Christina Aus der Au (vgl. ebendort: Terre des Femmes (Schweiz) „In der Schweiz sind schätzungsweise rund 13 000 Frauen und Mädchen von Genital­verstümmelung (FGM) betroffen oder bedroht.“)

file:///C:/Users/dell/AppData/Local/Temp/SAEZ-Fulltext-2014-40-de-1.pdf

conseiller, soutenir et protéger les filles et femmes concernées par les mutilations génitales féminines (MGF) en Suisse

Trotz guter Beispiele im Gesundheitsbereich – Handlungsbedarf besteht weiterhin | von Marisa Birri | SÄZ

Schweizerische Ärztezeitung | Bulletin des médecins suisses | Bollettino dei medici svizzeri | 2014;95: 40

https://saez.ch/de/resource/jf/journal/file/view/article/saez.2014.03012/SAEZ-03012.pdf/

Schweizerische Ärztezeitung (SÄZ) | Redaktion Ethik | PD Dr. theol. Christina Aus der Au | Geschäftsführerin des Zentrums für Kirchenentwicklung an der Theologischen Fakultät Zürich, Privatdozentin Universität Basel, Dozentin für Medizinethik Universität Fribourg, Verwaltungsrat Alternative Bank Schweiz.

https://saez.ch/de/info/

Universität Zürich (UZH) Theologische Fakultät Zentrum für Kirchenentwicklung (ZKE) | Christina Aus der Au, PD Dr. | Theologische Geschäftsführerin des ZKE

http://www.theologie.uzh.ch/de/faecher/praktisch/kirchenentwicklung/Personen.html

Deutscher Evangelischer Kirchentag (DEKT)

Mitglieder des Präsidiumsvorstandes 2013 – 2019

Prof. Dr. Dr. Andreas Barner und Prof. Dr. Christina Aus der Au

https://www.kirchentag.de/ueber_uns/organisation/allgemeines.html

Die Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentages, Ellen Ueberschär

https://www.kirchentag.de/service/meldungen/berlin/november_2016/ellen_ueberschaer_wechselt_zur_boell_stiftung.html

Land Berlin, Abteilung Frauen der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung:

„Die Verstümmelung weiblicher Genitalien ist eine schwerwiegende Grundrechtsverletzung an Mädchen und Frauen und gilt seit 1995 auch international als Menschenrechtsverletzung. In vielen Gesellschaften sind Frauen und Mädchen dieser Form von Gewalt aufgrund traditioneller Praktiken ausgesetzt. Nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) umfasst die weibliche Genitalverstümmelung, international als Female Genital Mutilation (FGM) bezeichnet, die teilweise oder vollständige Entfernung oder Verletzung der äußeren weiblichen Genitalien aus nicht-therapeutischen Gründen.“

https://www.berlin.de/sen/frauen/keine-gewalt/genitalverstuemmelung/artikel.20677.php

Jumana Nagarwala

https://www.justice.gov/opa/pr/detroit-emergency-room-doctor-arrested-and-charged-performing-female-genital-mutilation

Criminal Complaint

https://www.justice.gov/opa/press-release/file/957381/download

Fakhruddin Attar and Farida Attar

https://www.justice.gov/opa/pr/detroit-doctor-and-wife-arrested-and-charged-conspiring-perform-female-genital-mutilation

Criminal Complaint

https://www.justice.gov/opa/press-release/file/959361/download

Empfehlungen zum Umgang mit Patientinnen nach weiblicher Genitalverstümmelung (female genital mutilation)

[…] Die (Muster-)Berufsordnung für die deutschen Ärztinnen und Ärzte hält in der Generalpflichtenklausel des § 2 Abs. 2 fest: „Ärztinnen und Ärzte haben ihren Beruf gewissenhaft auszuüben und dem ihnen bei ihrer Berufsausübung entgegengebrachten Vertrauen zu entsprechen.“ […]

§ 2 Abs. 1 der (Muster-)Berufsordnung:

„Ärztinnen und Ärzte üben ihren Beruf nach ihrem Gewissen, den Geboten der ärztlichen Ethik und der Menschlichkeit aus. Sie dürfen keine Grundsätze anerkennen und keine Vorschriften oder Anweisungen beachten, die mit ihren Aufgaben nicht vereinbar sind oder deren Befolgung sie nicht verantworten können.“

Entsprechend hat der 99. Deutsche Ärztetag 1996 in Köln folgende Entschließung zur rituellen Verstümmelung weiblicher Genitalien verabschiedet:

Der 99. Deutsche Ärztetag verurteilt die Beteiligung von Ärzten an der Durchführung jeglicher Form von Beschneidung weiblicher Genitalien und weist darauf hin, dass entsprechend der Generalpflichtenklausel der Berufsordnung für die deutschen Ärzte derartige Praktiken berufsrechtlich zu ahnden sind. [Auch in anderen] europäischen Staaten (z. B. Norwegen, Dänemark, Frankreich) ist die rituelle Verstümmelung weiblicher Genitalien […] gesetzlich unter Strafe gestellt.“

https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/G/Genitalverstuemmelung/Empfehlungen_zum_Umgang_mit_Patientinnen_nach_weiblicher_Genitalverstuemmelung.pdf

Schariagegner zu Beate Sträter: Kopftuch und Kreuz

September 28, 2008

087

διά,

λόγος!

[Zu] ’Dialog’, von altgriechisch

Dhiá, „hindurch“ und Lógos,

„Wort, Bedeutung, Sinn“.

Diá-Log wäre damit ungefähr

„der hinüberfließende Sinn“.

Ohne vorhandenen Sinn jedoch

fließt wenig von Selbigem hinüber,

von wo nach wo auch immer.

Beate Sträter:

« Kopftuch und Kreuz.

Muslimische Frauen

aus evangelischer Sicht »

Gelesen und kommentiert,

auch aus evangelischer Sicht,

von Jacques Auvergne

7 (aktuelle Fragen), mit denen sich Muslime in dieser Gesellschaft auseinandersetzen müssen.

Soso, müssen sie das, ’die’ Muslime und ’in dieser Gesellschaft’? Die Bonn-Bad Godesberger Pfarrerin Dr. Sträter konstruiert eine Sorte Mensch, die Menschensorte der Muslime und definiert diese als irgendwie integrationsproblematisch. Das letztere stimmt sogar und wäre eine detaillierte Betrachtung wert, die sich die kopftuchtolerante Autorin leider erspart. ’Die Muslime’ also, das ist bereits ausgesprochen schariakonform gedacht von unserer evangelischen Pastorin, schließlich ist der Islam eine vormoderne Ideologie, die alle Menschen der Welt in Klassen verschiedenen sittlichen Wertes aufteilt und ’die Muslime’ mit repressiver Sexualmoral und sklavisch zu befolgenden Verhaltensvorschriften gängelt. Indirekt legt Dr. Sträter uns gleichzeitig nahe, diese europäische oder jedenfalls bundesdeutsche Gesellschaft als muslimfeindlich zu betrachten und Muslime als diskriminierte Minderheit, was schlicht falsch ist, doch was sowohl dem Erniedrigungsbedürfnis der bußbereiten evangelischen Gutmenschen als auch der taktisch dosierten Larmoyanz der radikalen (ordnungspolitisch aktiven) Muslime entgegenkommt. Nebenbei: Müssen sich etwa nur die deutschen Muslime mit diesen ’aktuellen Fragen’ eventueller religionsbezogener Diskriminierung auseinandersetzen, nicht ebenfalls die entführten irakischen Priester oder Koptenmädchen? Und was ist mit den säkularen Muslimen im Iran oder Ex-Muslimen in Europa? Für Fachfrau Islamberaterin kein Thema.

Warum spricht die Fachberaterin für Islamfragen des Kirchenkreises Bad Godesberg/Voreifel nicht von ’Bürgerinnen und Bürgern eines freiheitlich-demokratischen Staates’, sondern von ’Muslimen’? Hier liegt ganz offensichtlich eine Gefahr für die freiheitliche Demokratie, eine Gefahr, die sich aus einer nebelhaften ’Formlosigkeit’ des christlich-muslimischen Dialogs ergeben kann, nämlich in toleranter Eintracht mit Sunna, Muslimbruderschaft und Islamverbänden Individuen ungefragt in Kollektive zu sperren. Derartig unterstützt die Autorin die integrationsfeindliche Dynamik islamtypischer Selbstabgrenzung und selbst gewählter Fremdheit beziehungsweise trägt als nützliche Dienerin des Patriarchats dazu bei, dass Mädchen und Frauen aber auch Jungen und Männer, dass alle freiheitsliebenden Menschen den Islam als ein Gefängnis der Orthopraxie, der geheiligten Vorschriften nicht verlassen können. Wenn ihnen die Flucht doch gelingt, dann verdanken sie es jedenfalls nicht der Haltung der evangelischen Fachberaterin für Islamfragen, eine Haltung, die sich mit ’entgrenzt tolerant’ beschreiben lässt. Oder mit ’bewährt gleichgültig’. Er muss aber violett sein, der Pullover.

Wie bedauernswert ist denn der diensthabende Muslim in der ach so intoleranten, schrecklich xenophoben BRD, nur weil er hierzulande keine Steinigungen kultivieren darf oder (offiziell) keine Polygamie praktizieren mit einer bedarfsweise neunjährigen Ehefrau? Sträter interessiert sich nicht für die Islamgeschädigten, die Frage nach den seelischen und körperlichen Opfern von Sunna und Scharia ist ihr völlig gleichgültig. Oder sie hat als Boff- und Qutb-Forscherin von der islamischen Sache keine Ahnung, das mag auch sein.

7 Dialog … EKD / EKIR

Das musste wohl so kommen: Die Evangelische Kirche beauftragt Vorturner für die zugegebenermaßen facettenreiche Islamproblematik. Ein irgendwie als islamkundig ausgewiesener Fachmensch denkt fleißig für den gesamten Kirchenkreis mit. Damit hat er dann das Monopol auf evangelische Islamkritik und damit zwingt sein multikulturelles Lächeln das Kirchenvolk zum Verstummen, denn er wird eben schamanengleich den Fetisch Toleranz beschwören statt humanistisch Islamkritik zu betreiben. Um seine Pfründe zu sichern, muss er die fleischgewordene Multireligiosität verkörpern, dafür wird er bezahlt und, das muss der Neid den meisten dieser Leute lassen, sie spielen ihre Rolle des Steinigungsverstehens und Ehrenmordbeschwichtigens geradezu bühnenreif. Pullover, bitte. Ja, lila.

Mein Mandat haben Sie nicht, sehr geehrte Frau Sträter, um christlich-muslimischen-Dialog zu betreiben und ich bin wie Sie Kirchenmitglied eben dieser Organisation EKD / EKIR. Es ist aber wohl so, dass ein Gemeinwesen immer den Islambeauftragten hat, den es verdient. Ich finde, die Rheinische Landeskirche und auch der Wichern-Verlag sollte möglichst rasch etwas Besseres verdient haben! Um sich für einen ernst gemeinten Dialog tauglich zu erweisen, sofern dieser denn gewünscht ist.

8 erschreckend, wie tief die Ängste und Vorurteile gegenüber dem Islam auch bei den Gliedern der christlichen Gemeinden verbreitet sind.

Es ist schon ein Ärgernis, wenn die Basis anders denkt, als die Obrigkeit es will, man denke da an die einstige Katholische Kirche und den Querkopf Martin Luther, mit dem sich Sträter einmal beschäftigen sollte. Statt dessen befasste sich Dr. Sträter wissenschaftlich mit Herrn Sayyed Qutb und der Lobby des ägyptischen organisierten Totalitarismus namens Muslimbruderschaft, theokratischen Putschisten, die Sträter mit der Befreiungstheologie Südamerikas verglich, was ungefähr so ist, als schriebe ich eine Arbeit mit dem Titel ’NSDAP und Ostermarschbewegung, zwei avantgardistische Gemeinschaften im kulturpädagogischen Vergleich’.

Die dienstlich erschrockene Frau Dr. Sträter also macht „Ängste und Vorurteile“ aus? Die so genannten Vor‑Urteile sind nicht selten ganz angemessene Urteile. Die erwähnten Ängste der Kirchenmitglieder vor einer nach weltweiter Dominanz strebenden Ordnungspolitik und Sexualpolitik, wie sie der radikale Islam nach innen etwa mit Bildungsverweigerung, Fundamentalisierung, Empörungsproduktion und nach außen mit einer geradezu industriell betriebenen Einschränkung der Meinungsfreiheit für Nichtmuslime, ganz im Einklang mit Koran und Hadithen, weltweit durchzusetzen trachtet, diese Bedrohung unserer Lebensweise darf und soll einen säkularen Bürger durchaus besorgt machen, sei er nun christlich, muslimisch, hinduistisch oder atheistisch inspiriert. Oder Bahá’í oder Jude. Oder emanzipierte Frau. Oder einfach nur freiheitsliebender Gegner des globalisierten Fundamentalismus.

Wenn hier etwas verbreitet ist, um Sträters Wort zu verwenden, dann sind es schlichte Unkenntnis, schuldhafte Ignoranz, entgrenzte Toleranz bis zu gerade so eben noch vermiedenen momentanen Selbstbeschädigung und ein krampfiger, den einzelnen Migranten namentlich den muslimischen um Absolution anflehender Anti‑Etatismus. Ein masochistischer Strukturhass, falsch etikettiert als Antifaschismus oder Faschismusresistenz. Sträters vielköpfiger ägyptischer Untersuchungsgegenstand in der Nachfolge der Herren al‑Banna und Qutb liest zeitgleich Adolf Hitler im Originaltext und träumt von der Vernichtung des Staates Israel als einer sakralen Reinigung der Erde vom Bösen. Idealisten unter sich.

Tiefernst nämlich zeigen die angetretenen soldatischen Formationen der hinter ihren bärtigen und turbantragenden islamischen Geistlichen aufmarschierten Hamas den Hitlergruß! Die Hamas als die palästinensische Teilbewegung der von Pastorin Sträter einst so ausführlich untersuchten und schnippisch-kokett mit der Befreiungstheologie Südamerikas (Boff) verglichenen Muslimbruderschaft (Qutb). Das müsste doch auch einen in der Wolle gefärbten Toleranten irritieren? Nicht, wenn der Pullover nur feministisch lila erstrahlt.

’Wenn wir die Terroristen nicht tolerant integrieren, dann radikalisieren die Exkludierten sich und wir eurozentrischen Bösewichte sind schuld.’ Mit dieser Logik hätte die Bundesrepublik Deutschland eine Rote Armee Fraktion zum (damals noch gar nicht erfundenen) Integrationsgipfel laden sollen oder zur irgendwie befreiungstheologischen Islamkonferenz. Bombenleger aller Länder.

„Jetzt feiern wir ein Friedensfest / das weiche Wasser bricht den Stein“. „Unter dem Pflaster, ja da liegt der Strand. Komm, reiß auch du ein paar Steine aus dem Sand“. Der revolutionäre Islam hat eben Sex-Appeal für uns romantische Achtundsechziger. Diese hehren Naturburschen aus der Dritten Welt in ihrem Kampf gegen Kapitalismus und Spießbürgerlichkeit. We shall overcome, Allah`u akbar! Venceremos, Hallelujah! Das ist Integration pur. Wir evangelischen feministischen Theologinnen, ganz ergriffen und gerührt.

„Zwischen Radikalisierung und Integration. Politischer Islam in Ägypten und christliche Befreiungstheologie in Brasilien“, Beate Sträter, Baden-Baden (Nomos), 2007.

8 Die Kirchen, ihrer Friedenspflicht nachzukommen

Moralische Pflicht der Humanisten und praktischerweise auch der Christen wäre und ist es, den Unterdrückten und Verfolgten aller Welt beizustehen. Und von diesen nicht selten islamisch Erniedrigten gibt es etwa in Ägypten namentlich Kairo eine ganze Menge, einer Stadt, in der Schariafreundin Sträter ein Jahr gearbeitet haben soll. Die Kairoer Kopten, Bahá’í, Ex-Muslime und Islamkritiker sollte die Bad Godesberger Pastorin im Sonderdienst doch einmal zur Friedenspflicht ermahnen. Mag aber sein, dass die andere Seite dann etwas sauer wird, dann also bitte recht flink loslaufen.

8 multireligiöse Gegenwart

Die Evangelische Kirche soll die kulturelle Moderne bejahen und verteidigen helfen, nicht eine womöglich zunehmend fundamentalistische und in Parallelgesellschaften zerfallende so genannte multireligiöse Gegenwart. Die Evangelische Kirche soll den Wert der universellen Menschenrechte bekennen und verteidigen, beispielsweise die Frauenrechte, das Recht auf Straffreiheit bei gelebter Homosexualität und das Recht auf Straffreiheit und körperliche Unversehrtheit bei Wechsel der Religion namentlich beim Verlassen des Islam. Fehlt Frau Sträter dazu der Mut? Das wäre schade.

Dann eben Dhimmi-Status, eine rechtlich wahrhaft multikulturelle Situation: Allahs halbierte Freiheit für alle, geheiligter Sadismus dem muslimischen Herrenmenschen und verlässliche Entrechtetheit den Juden und Christen. Der lästige Zwang zur Entscheidung ist mir also auch noch abgenommen worden von der fürsorglichen, bekümmerten Scharia im ganzheitlichen, sexualitätsbejahenden und ganz besonders frauenfreundlichen Kalifat.

8 mein Eindruck (…) in der Kirche gibt es die Tendenz, sich abzugrenzen und Hürden für eine Begegnung zu erhöhen.

Das wäre ja schön, wenn eben dieses aus der legitimen Verteidigung der säkularen Moderne, der Meinungsfreiheit oder der (auch negativen) Religionsfreiheit geschähe. Mein Eindruck ist leider, dass die kirchlicherseits kultivierte, selbstbeschädigend tolerante Gesprächsbereitschaft mit der fundamentalistischen, vormodernen und frauenfeindlichen islamischen Orthodoxie dominiert, die Dialoge mit den wenig säkularen Vertretern des deutschen Verbandsislam also eingeschlossen. Sonst würde Beate Sträter die evangelischen Schafe ja nicht derartig ungehindert zur Schariafreundlichkeit ermahnen können.

Es wird wohl noch einige wenige Jahre dauern, bis auch der evangelische Teil der professionellen Lobby der bundesdeutschen (und europäischen) Schaufensterintegration um ihre Pfründe fürchten muss. Die Erkenntnis, dass eine Haltung wie die der Autorin weder den emanzipierten Muslimas noch der freiheitlichen Demokratie hilft, vielmehr durch ihre Duldsamkeit gegenüber den sich verfestigenden Strukturen eines ordnungspolitischen Islam die bürgerlichen Grundrechte und die 1948 erklärten Menschenrechte auszuhöhlen und zu untergraben hilft, beginnt sich zum Glück in den Herzen und Hirnen der Kirchenmitglieder durchzusetzen.

Wenn die von der Autorin attestierten erhöhten Hürden auf einen erhöhten Informationsgrad zurückzuführen sind, dann ist das ja nichts Schlechtes. Zumal das, was Sträter macht, womöglich keine Begegnung ist, sondern glitschige Anbiederung nach außen zum Islam und masochistische Beschwichtigungskultur gegenüber dem rheinischen Kirchenvolk. Was im Geiste dieses Buches ’Kopftuch und Kreuz’ stattgefunden hat und stattfinden wird, ist kein Dialog, sondern Dogma und Diktat.

Das jedoch wird uns keine Integration bringen, sondern frömmelnde Beweihräucherung der zeitgleich zunehmenden Segregiertheit in nichtmuslimisch bewohnte Stadtviertel der moralisch Minderwertigen und schariatisierte Stadtviertel sittenbezogener islamischer Überwachung. Oder, harmlosestenfalls, glänzende Unterhaltung und eine gerade unter uns frohgestimmten Kirchentagsbesuchern beliebte Tagesdosis von diesem ausgesprochen progressiven und dabei auch noch evangelischen Gefühl, zu den Guten dieser Welt zu gehören. Und wenn man als klerikale Unterhaltungskünstlerin damit auch noch Auskommen und Ruhm erlangt, dann ist das doch sehr erfolgreich für alle Beteiligten, nicht wahr?

Nicht wahr.

9 (die) Jahre des Aufeinanderzugehens

Ja, es hat sie gegeben, diese Jahre des Aufeinanderzugehens im Namen der Leugnung des Armeniervölkermordes, der Leugnung der regionalen Ausrottung der orientalischen Juden, Jesiden, Christen, Mandäer, Zoroastrier und Bahá’í. Jenes EKD-gesegnete, christlich-muslimische Aufeinanderzugehen im Namen der unterdrückten Frauenrechtler und Islamkritiker oder auch nur handwerklich guten Journalisten oder eigensinnigen Blogger. Jahre, die ebenso antiintellektuell geprägt waren wie islamfreundlich. Jahre, in denen etwa Beate Sträter mit Bekir Alboğa auf Kirchentagen plapperte oder in denen sie, offen für fremde Kulturen, die zur Intoleranz und zum Dschihad erziehende Bonner König-Fahd-Akademie betrat. Dienstlich.

12 Meinen Cousin

Die Autorin verteidigt die schreckliche, sich dem Grauen des Inzests annähernde Cousinenehe! Das ist für uns Sozialpädagogen und Kenner der schariakonformen türkischen und kurdischen Zwangsehen kaum zu fassen. Ganz zufällig ist der jetzige Ehemann einer beschriebenen Frau also kein Atheist oder Hindu oder Ex‑Muslim, sondern ist ihr Cousin und damit wiederum ganz zufällig ein begeisterter Bekenner einer Gottheit namens Allah. Die Autorin hat womöglich, zwanzig Jahre lang, nichts kapiert vom menschen(rechts)feindlichen, frauen(rechts)feindlichen Druck der Großfamilie gegen das Individuum, zumal das weibliche. Kreuzcousinenheirat erzeugt seelisch verkrüppelte Menschen, die kaum jemals die Chance haben werden, dem Gefängnis des islamischen Fundamentalismus zu entrinnen.

Sträter toleriert dienstlich sowohl Cousinenehe als auch die Scharia. Pauschal. Undifferenziert …

15 [Menschen, die erfreut sagen] der Multikulti-Traum [sei] ausgeträumt, verberge sich dahinter doch nur eine andere Form des Nebeneinanderherlebens.

Ein in der Sache wichtiger Hinweis, jenen Menschen stimmt dieses Blog sogar zu. Die Autorin träumt ihn weiter, den multikulturellen Traum, und verbrachte auch schon mal einige Zeit beruflich in Kairo, jener multikulturellen Stadt, in der Christen Menschen zweiter Klasse sind und Bahá`í nahezu rechtlos. Koptische Mädchen und junge Frauen werden wie beiläufig geraubt und geschwängert und zwangsislamisiert. Von ihren patriarchalischen Clans verstoßene muslimische Frauen huschen wie Geister durch die Stadt, sie haben ebenso kein Recht auf Erziehung ihrer Kinder wie die ganz wenigen hörbar zum Christentum konvertierten Frauen. In nahezu allen islamisch dominierten Staaten der Erde bedeutet die Konversion zum Christentum den Verlust der Kinder und oftmals ein Leben ohne einen Reisepass oder ohne Papiere. Christen können nichts erben, selbst wenn sie die einzigen näheren Verwandten sind! Die ganze Form der von Europäerinnen zu recht als diskriminierend beschriebenen Folgen des Bezness ist eine veritable christlich-muslimische Begegnung und ein Vorgeschmack auf das, was Nichtmuslimen oder Ausbrechern aus dem totalen Tugendgefängnis namens Islam blüht.

Noch zur Stadt Kairo, dem zeitweisen Erlebnisraum und Forschungsgegenstand der Autorin, die dort wohl einmal ein Jahr lang in einem Kindergarten gearbeitet hat. FGM in der Weise der Klitoridektomie ist ägyptischer Alltag, dem seit Jahrhunderten ebenso wie heute die Mehrheit der Ägypterinnen ausgesetzt ist, die zumeist im Kindesalter an ihren Genitalien verstümmelt werden, um als ehrbar und rein zu gelten. Seit etwa eineinhalb Jahrzehnten findet sich alle ein bis zwei Jahre irgendjemand an der so genannten Universität der al-Azhar, der die khifadh (auch khafd, islamische FGM) treu blickend für islamisch verboten erklärt. Die Zahl der Geistlichen, die khifadh (khafd) gutheißen ist in dieser Zeit natürlich keinesfalls gesunken. Auch 2008 predigen hohe Würdenträger die problemlose Verträglichkeit der FGM mit der Religion. Islam ist halt tolerant, fgmtolerant. Wie tolerant ist die Autorin.

21 Die Sicht des Islam hat sich dabei rapide verschlechtert.

Wegen dichten Nebels oder anderweitiger Sehstörung? Deutsch lernen lohnt sich eben auch als Inländer. Spaß beiseite.

Gemeint ist offensichtlich die Einschätzung und Bewertung des Islam durch Deutschlands Nichtmuslime.

Ist die „Verschlechterung“, ist der von Beate Sträter beklagte Mangel an Islamoptimismus nicht einfach nur auf eine gestiegene Informiertheit zurückzuführen?

Möchte die Islamberaterin und Wildbiologin Sträter dazu einladen, den Tiger als Kanarienvogel zu bezeichnen? Das war jetzt ein Scherz, die Dame hat womöglich keine Ahnung von Biologie.

Um noch ein wenig beim fabelhaften Tiergleichnis zu bleiben. Rabeya Müller, auch lilagewandet, sie wird manchmal eingeschätzt als eine, die einen eingestandenen Tiger namens Islam zum gottlob ausgestorbenen Säbelzahntiger erklärt und damit als Islamreformerin gelte. Dieser Eindruck kommt ihr bestimmt nicht ganz ungelegen, und wenn die Folge einer weltweiten Islamreform mit von ihr ausgeht, möchte dieses Blog dem nicht im Wege stehen. Was allerdings in den kommenden Jahrzehnten wenig wahrscheinlich ist, dass sich überhaupt irgendein islamischer Würdenträger für die kölsche Sunna‑ und Scharia‑Interpretation des ZIF interessiert. ZIF ist eben nicht Azhar. Rabeya Müller sagt auch etwas anderes.

Sie hält Scharia und Sunna keineswegs für fossil, sondern verwandelt das selbst unter Muslimen aller Couleur nahezu unbestrittene Raubtier Islam in ein scheues Reh. Rabeya will den optischen Bambi-Islam! Beide Frauen, Müller wie Sträter zwinkern sich ein fröhliches „Gebe es die Gottheit, die Christen oder jedenfalls Nichtmuslime mögen harmlos wie Kaninchen sein“ zu. Beim Wort Kaninchen allerdings zuckte ihm das Ohr, dem hungrigen Tiger, ein Rehlein tät`s für heute freilich auch.

22 junge Muslime leben in weitgehender Perspektivlosigkeit.

Junge europäische Vietnamesen oder Peruaner oder Urdeutsche vielleicht ebenso, doch diese alle lernen erfreulich häufig Sprache und Benimm und Handwerk, statt von Dschihad und Kalifat zu träumen und sich in jener islamtypischen Mischung aus Wehleidigkeit und Großmäuligkeit zu kriminalisieren und Deutschlands Haftanstalten zu bevölkern. Man lese dazu nur den neuesten ’Integrationsbericht’ der Bundesintegrationsbeauftragten, herausgegeben von Staatsministerin Dr. Maria Böhmer.

22 Kopftuch (…) vielfach eher eine kulturelle Tradition

Hakenkreuzfahne auch, beides nicht angeboren. Die Autorin hat das Wesen des Islam überhaupt nicht verstanden oder aber verbirgt ihren Einblick recht erfolgreich. In Bezug auf die nachweislich und aus seinen eigenen schriftlichen Quellen heraus seit einem Jahrtausend auf unkreative Orthopraxie und auf Zerschlagung des freien Willens zielende Herrschafts- und Sozialisationskultur namens Islam ist es so gut wie verfehlt, zwischen Kultur und Religion überhaupt zu unterscheiden!

Das mag man mit Bassam Tibi bedauern, der freilich genau weiß, wo die prekären Chancen für einen ernst gemeinten arabischen und islamischen Begriff der Säkularität zu finden sind und was beziehungsweise wer ihnen gegenwärtig im Wege steht. Sträters Aussage impliziert, es gäbe sie überhaupt bereits und in einer dem Individuum Freiheiten schaffenden Weise, diese Verschiedenheit von religionsnaher Tradition und muslimischer Spiritualität, damit auch diese Trennung von Alltag und Orthodoxie. Beiderlei Einschätzung trifft den islamisch geprägten Teil der Erde nicht.

Vielmehr ist das Kopftuch islamisch, ohne Kopftuch kein Islam. So gilt das und in aller Brutalität für Hunderte von Millionen von Mädchen und es ist zwar richtig, darauf hin zu weisen, wie Professor Tibi es tut, dass es in gewissen Teilen Westafrikas oder Südostasiens traditionell kein als verpflichtend angesehenes Kopftuch gegeben hat. Es stimmt auch, dass eine gemäßigt fundamentalistische türkische Familie ihre komplette Weiblichkeit mit Tüchern verhüllen mag, indes die radikalislamischen Nachbarn offenes Frauenhaar an den Tag legen (etwas gezügelt und gebändigt ist es freilich fast immer). Sträter vernebelt einfach das frauenentwürdigende islamische Aura-Fitna-Konzept, demgemäß der weibliche Leib das moralisch Zersetzende und das (die persönliche Chance auf einen Platz im Paradies) gefährdend Dämonische in Stadtfrieden und Männerwelt einbringe. Warum schweigt die Autorin zu der veritablen schwarzen Pädagogik, die in jedem gezielten und in muslimischen Familien üblichen Erwecken von Angst vor vermeintlichen Höllenqualen liegt?

’Jedes Haar was man sieht verwandelt sich in der Hölle in eine Schlange’, so hört es manch ein deutschtürkisches Mädchen. Sträter bewiese Courage und Frauensolidarität, wenn sie muslimische Frauen dahingehend ermuntern würde, ihren Kindern künftig keine Angst mehr vor Allahs angeblicher Höllenstrafe zu fabrizieren! Das aber trauen sich beide nicht, die pastorale Islamberaterin und die hanafitische Mutter.

Kopftuchideologie und Kopftuchpraxis entstammen einem nicht lediglich sexualmagisch-okkulten sondern zusätzlich machistisch-mysogynen Wurzelgrund. Für diese vormoderne Auffassung von Frau (und Mann!) läuft jede Kopftuchträgerin Reklame, ob sie es nun weiß oder will oder nicht weiß oder nicht will.

Der im orthodoxen Islam Sozialisierte und der in eben diese vormodern-antidemokratische Herrschaftskultur hinein Sozialisierende fragt nicht nach bürger(recht)licher Freiheit oder kindgerechter Pädagogik, sondern nach dem ewigen Platz im Himmel. Diese antiindividualistische Wertordnung und die Forderung nach dem Aufbau einer antidemokratischen ordnungspolitischen Gegenwelt ’islamischer Gesellschaft’ trägt eben das Kopftuch durch Schulhof und Innenstadt, so als würde die Dame permanent einen mahnend erhobenen Zeigefinger heben.

Wir säkularen Muslime oder Nichtmuslime dürfen das politische Kopftuch als ätzenden Angriff verstehen und sollten das wohl sogar. Es erstaunt nicht zu hören, dass Sträter als begeisterte Befürworterin des Lehrerinnenkopftuches bekannt geworden ist. Sie mag ihre gesellschaftliche Aufgabe einer evangelischen Pastorin dahingehend (miss-)verstehen, dass sie derlei Toleranz unter „Friedenspflicht“ verbucht.

23 Die massive Abwehr des Kopftuchs

Nanu, das Kopftuch als aktiver Abwehrspieler, ach nein, sie meint die aktiven Kopftuchgegner, kein wild gewordenes Tuch. Das Adjektiv massiv ist etwas manipulierend und unterstellt Unverhältnismäßigkeit wenn nicht Heimtücke oder unchristliche Militanz. Ach so, Muslime wehren niemals irgendetwas ab (kleiner Scherz).

Zur Sache: Es wird gar nicht abgelehnt, das Kopftuch, leider, jedenfalls nicht durch das evangelische kirchliche Fußvolk.

Es wird von säkularen Muslimas abgelehnt, das Kopftuch. Es wird von Ex-Muslimas abgelehnt. Diesen Frauen fällt die Schariafreundin aus Bad Godesberg in den Rücken. Das allerdings massiv.

Wir sollten die Godesberger Dame geschwind als Dozentin für die ehrwürdige al‑Azhar vorschlagen.

23 [Muslime] Menschen, die ihre Religion auch im Alltag leben

Da knickt der multikulturell erleuchtete Kirchentagsbesucher doch zerknirscht lächelnd ein: Der ’edle Wilde’ ist fromm! Erkenntnis masochistischen Lustgewinns, der leider für Spiritualität gehalten wird. Der Orientale betet für mich evangelischen Sünder, was für ein integratives Kopftuchglück. Und die kuschelige alternative Wohngemeinschaft namens EKD erstrahlt in einem feministischen Lila, sofern sie nur scharf genug über Alice Schwarzer lästert. Wie gut, dass Schwarzer Atheistin ist, allahseidank.

Genug der Ironie.

Islamisch geprägte Großfamilien und Straßenzüge sind Kerker des Gehorsams und der permanenten Überwachung, deren kreativste oder sensibelste Köpfe manchmal die Chance hatten, in einen nicht islamisierten Teil der Erde zu fliehen. Das mag ja in zweihundert Jahren einmal menschlicher sein.

Das Entwickeln einer persönlichen Spiritualität konnte im Islam seit 1.400 Jahren noch nie im Vordergrund stehen. Sehen wir zu, dass das freie Denken und Kunstschaffen und Kritisieren, dazu gehört weltweit immer auch eine gehörige Portion an Islamkritik, in unserer Zuwanderungsgesellschaft erhalten bleibt und sogar den Muslimen zugänglich gemacht wird. Das wird mehrere Generationen dauern und kann durchaus misslingen. Misslingen beispielsweise im Namen einer verabsolutierten Toleranz.

In diesem Fall werden in fünfzig Jahren christliche Kreationisten und christliche Schariafreunde den feudal herrschenden Islamverbänden ordnungspolitisch zuarbeiten. Lästige Atavismen wie Pressefreiheit oder Islamapostasie werden dann als überwunden gelten. Das alles sind dann, würde Sträter vielleicht sagen: „Menschen, die ihre Religion auch im Alltag leben.“

23 das Recht auf Differenz, das die feministische Bewegung immer (…) eingefordert hat [anstelle dessen herrsche intolerant ein] Diskurs der Dominanz, sehr festgelegte Konzepte von Integration

Menschenrechte sind universell, unser kopftuchkritischer, islamkritischer und gleichheitsfeministischer Blick, seien wir nun Muslime oder Nichtmuslime, darf sich und muss sich gegen den islamischen Konformitätsdruck und Kollektivismus richten. „Recht auf Differenz“ soll wohl den Mangel an Bereitschaft der Europäer vernebeln, die universellen Menschenrechte für die Individuen der islamischen Parallel- und Gegengesellschaften Europas zu garantieren und durchzusetzen.

Nach Sträter sei jede Kopftuchkritik von Nichtmuslimen eurozentrisch und islamophob. Das ist freilich Unsinn.

Dürfen wir vermuten, dass Islamberaterin Beate Sträter bei den Moscheegemeinden und Islamverbänden sehr beliebt ist?

25 Wirtschaftliche oder politische Teilhabe – gerade auch muslimischer Frauen

Sträter unterstellt der deutschen Gesellschaft permanentes Muslimdiskriminieren, was sachlich falsch ist. Jeder kann in Deutschland glauben was er will, recht anders als in Saudi-Arabien oder Pakistan übrigens. Die Autorin bietet sich als verlässliche Hilfe zur Behebung dieses angeblichen permanenten Verfassungsbruchs an. Endlich tut jemand was. Ist sie heute schon mit einem Demo-Transparent in der Innenstadt gesehen worden?

Die Autorin verschweigt die Wahrheit, dass gewisse Teile der muslimischen Eltern ihre Kinder verprügeln, wenn sie zu hause auch nur ein Wort deutsch reden, Eltern, die in Kauf nehmen würden, dass ihre Kinder ohne ein Wort Deutsch zu sprechen eingeschult werden. Sträter verschweigt, dass muslimische Familien ihrer Tochter den Ehemann aussuchen, der sie dann zur Kinderaufzucht ins Haus verbannt und der im Einklang mit den Normen der Umma ihr den Kontakt zur nichtmuslimischen Urbevölkerung verbietet. Wir wissen von türkeistämmigen Eltern, die der Tochter den Schul- oder Fachhochschulbesuch untersagen, weil sie im Schulgebäude wiederholt mit dem einen oder anderen männlichen Studenten gesehen worden ist und irgendeine anatolische Tante plötzlich Alarm schlägt. Dann nämlich herrscht die Angst davor, ’ins Gerede zu kommen’, nicht irgendein auf dem Papier stehendes Recht auf Schulbesuch.

Wahr ist ferner, dass in gewaltigen Teilen der islamisch dominierten Staaten Mädchen die Schule nicht besuchen dürfen, beispielsweise, weil sie das Haus nicht verlassen dürfen. In Teilen der Welt besitzen Frauen kein Bankkonto, keinen Pass, kein Bargeld, keinen Führerschein, alles begründet mit einer als Religion daherkommenden Lebensordnung namens Islam. In Afghanistan und auf der arabischen Halbinsel sind wiederholt Mädchenschulen von islamisch Motivierten Männergruppen angegriffen worden.

Den Orient betreffend, sehr geehrte Frau Sträter, ließe sich auch was die „wirtschaftliche oder politische Teilhabe“ von Mandäern, Zoroastriern, Kopten und Bahá’í oder Ex-Muslimen betrifft sicherlich noch einiges tun.

Muslimische Frauen in Deutschland werden nicht von der Bundeskanzlerin oder der Bundesregierung unterdrückt, sondern von einem politischen Kult namens Islam. Niemand in Deutschland oder Europa fragt mich nach meiner Religion oder Ex-Religion, weder Arbeitgeber noch Krankenkasse noch Bürgermeister noch Zeitungsredakteur oder Sportverein. Halt, das mit dem Sportverein stimmt seit kurzem nicht mehr so ganz, seitdem es im benachbarten Schwimmbad einmal wöchentlich ’Muslimisches Schwimmen für Männer’ gibt. Schwimmbad-Apartheid, einst Whites only, jetzt Muslims only.

26 Gesichtschleier. Das steht doch nicht im Koran

Ja und was ist, wenn sie denn drin stünde, die Pflicht zum Gesichtsverschleiern, im Koran? Die besonders kriecherischen oder ziegig frömmelnden oder einfach nur verprügelten Musliminnen würden dann mit einer Burka herumlaufen, das mag ja so sein. Eines ist sicher: Sträter würde sie dann so herum laufen lassen, wenn die Niqabpflicht koranisch wäre. Und Sträter hält den Niqab heute für ein interessantes und schützenswertes Accessoire? Zeitgleich wird im Internet unter deutschen Muslimas diskutiert, ob der Niqab denn nun fard ist oder nur ein bisschen fard, wer Lust hat informiere sich unter http://www.an-niqab.de/index.php, da verlinkt man den erleuchteten Pierre Vogel.

Gesichtsschleier! Der Niqab ist eine der heimtückischsten und niederträchtigsten Folterwerkzeuge der letzten zwei Jahrtausende, die sich der menschliche Geist ausgedacht hat. Niqab entmenscht, der Gesichtsschleier raubt der Frau öffentlich das Gesicht. Kein Problem für Frau Fachberaterin.

28 Vorhang oder Wandschirm zur Trennung von Männer- und Frauenbereichen.

Finde ich das denn so toll als fremdenfreundlich sozialisierter Kirchgänger, dass meine Bonn-Bad Godesberger Pfarrerin Verständnis aufbringt zur Apartheid der Geschlechter im ex‑öffentlichen Raum der europäischen ex‑offenen Gesellschaft? Und mich dahingehend erziehen möchte, dass ich bitte nicht länger intolerant aufschreie, wenn jemand von Trennwänden oder Raumteilern zur angeblich gottgefälligen Schaffung von Männer- und Frauenzonen schreibt? In der Tat, da bin ich intolerant, wenn ich höre oder lese, dass da wer die Anwesenheit von Frauen in der Männergruppe nicht toleriert oder die Anwesenheit von Männern im Frauenbereich (einer beispielsweise von Pierre Vogel angemieteten Stadthalle). Wie aber kommt es nur, dass die Autorin jetzt sicherlich nur die eine Art von Intoleranz anprangert, nämlich die der Vorhangfeinde und Wandschirmgegner, nicht die Intoleranz der Feinde der Koedukation beziehungsweise die Feinde stundenweiser ’frevelhafter’ Gemischtgeschlechtlichkeit?

29 Tschador, (…) Burka (…) entstammen lokalen Bräuchen und Gewohnheiten

Glühbirne und Guillotine, Dampfmaschine und Konzentrationslager auch. Und Frau Pastorin schwebt in gott-/göttingleicher ethischer Äquidistanz zwischen diesen soeben genannten Objekten ortsüblicher Brauchtümer und Gewohnheiten und ruft ’Friede, Friede!’ Mit lila Wollpullover, das versteht sich. Jemand sprach einmal von ’militanten Friedenstäubchen’.

Die Islamberaterin möchte uns vernebeln, dass Tschador und Burka aus dem so genannten Islam stammen, einem repressiven, mysogynen, territorialdominanten politischen Kult, den man entweder in die Schranken weist oder tolerant ’blühen’ lässt.

Das ’Prinzip Hijab’ ist als Teil der Scharia kosmisch, ewig, zumindest seinem zugegebenermaßen reichlich überheblichen Anspruch nach. Der orthodoxe (ordnungspolitische) Islam ist nun einmal sehr anspruchsvoll.

Tschador und Burka, Frau Islambeauftragte!

Tschador und Burka sind textile Gefängnisse für Hunderttausende von Frauen, die lebenslang als Kauf und als Beute jedenfalls Besitz unter diesen Hüllen zu verharren haben. Ausbruch aus dem Stoffkäfig zieht das Verprügelt- oder Vergewaltigtwerden nach sich. Derlei Menschenverachtung, übrigens auch Männerverachtung ist unserer Islambeauftragten ganz offensichtlich egal, gleichgültig. Gleich-gültig, äquidistant.

Für Millionen von Frauen in dem Teil der Erde, der vom islamischen herrschaftlichen Kult ’befriedet’ worden ist, ist eine persönliche Auswahl der eigenen Kleidung ebenso wenig möglich wie die Auswahl des Ehemannes oder eine Meinung zum Thema Verhütung oder zur Kinderzahl. Unsere Islambeauftragte darf heute lila tragen, Mullahs jedenfalls Männer lächelnd anquatschen und im In- und Ausland herumreisen. Meine türkische Nachbarin darf ohne Erlaubnis nicht vor die rheinische Haustür und bekommt Schläge, wenn sie es dennoch tut. Und muss die subjektiv höllische Angst haben, ’nicht in den Himmel zu kommen’, wenn sie ihrem Ehemann widerspricht. Richtig, Kopftuch trägt die Türkin keines, Islam ist halt sehr flexibel.

33 Frauen im Kampf um gleiche Rechte

Eben. Mit Koran, Sunna und Scharia nicht zu machen.

85 Alice Schwarzer

Alice Schwarzer, Verstand und Verantwortung. Stark! Das ist Frauenpower pur. Klar, dass Schariafreundin Sträter einige Zeilen gegen Schwarzer poltert.

Für uns säkulare Humanisten, für uns Evangelische in der EKD und zumal in der EKIR sollte die Gründerin der Zeitschrift EMMA und Altmeisterin des Gleichheitsfeminismus zu allen frauenrechtlichen Belangen maßgeblich sein. Sträter freilich sieht das etwas anders.

86 alle Scheußlichkeiten der Frauenunterdruckung in islamischen Gesellschaften

Eben! So sieht`s aus, traurig.

88 Während muslimische Frauen die Verschiedenheit von Männern und Frauen selbstverständlich voraussetzen (…)

Bei Mullah Sträter erfährt die muslimische Frau Rechtleitung.

Im Ernst: Zwar erziehen viele der Scharia oder der Sunna unterworfene Frauen ihren Sohn zum verwöhnten Macho und ihre Tochter zur gehorsamen Kammerzofe, doch ist derlei Ideologie nun wirklich nicht angeboren. Modern denkende, fundamentalismusresistente Menschen werden wohl jeglichen ’Gender-Extremismus’, werden all das überholte patriarchalische Verständnis von Geschlechterrollen auf den Müllhaufen der Weltgeschichte werfen wollen. Will die Autorin die Weiterentwicklung des Orients verhindern?

Koran, Hadithe und Fiqh erklären Mann und Frau als einerseits einander wesensfremd, andererseits die Frau zum Wesen minderen Wertes.

91 Insgesamt stellen Boos-Nünning/Karakaşoğlu eine weitgehende Zufriedenheit der Mädchen mit der Beziehung zu ihren Eltern und zu ihren Familien fest

In der Tat, die ’Zufriedenheit’ nimmt in meiner Stadt dieser Jahre sogar noch zu, weil dort auch die Zahl der Kopftücher und Zwangsehen ansteigt. Fundamentalismus macht halt ’fröhlich’. Angst desgleichen.

Soviel zur ’wissenschaftlichen’ Ergebnisqualität von Boos-Nünning und Karakaşoğlu. Einfach legendär.

98 Die traditionsreiche al-Azhar …

… hält auch im Jahre 2008 die Kappung, Kürzung oder Amputation der Klitoris für gottgefällig. Aber nicht bei jedem Mädchen. Und nur so viel wegschneiden, wie es notwendig ist. Und Allah weiß es am besten.

Hoppla, wie verstörend multikulturell, die al-Azhar will die khifadh (khafd), die islamischen Eliten bejahen die FGM! Das passt aber gar nicht in unser Bild vom erwünschten toleranten Islam. Glücklicherweise für uns Evangelische wird die kultursensible al-Azhar dann aber sehr differenziert und grenzt den Mädchenkreis ein. Islam‑urologisch, sozusagen. Und verbietet jedes zweite Jahr die FGM, um sie einmal wöchentlich zu erlauben. Geht doch. Hauptsache, die europäischen Touristen bringen Devisen ins Land der Cheopspyramide.

Stadtviertelweise sind in Kairo zwischen 90 und 97 % der Frauen beschnitten. Der Dozent der fundamentalistisch-unwissenschaftlichen al‑Azhar-’Universität’ Dr. Muhammad Wahdan verteidigte die Frauenbeschneidung in einem Fernsehinterview gegenüber Frau Dr. Malika Zarrar in einem am 28. März 2006 ausgestrahlten Beitrag auf al‑Rai TV, Kuwait (Quelle: MEMRI).

Dem Einsatz etwa von TARGET um Rüdiger Nehberg ist es zu verdanken, dass am 22. und 23. November 2006 die islamische Frauenbeschneidung seitens der Azhar als unislamisch verboten worden ist. Goma’a, Tantawi, Zakzouk, Qaradawi, Nehberg, alle Würdenträger waren dabei. FGM jetzt ganz unislamisch, FGM jetzt so was von verboten! Das mögen wir Europäer doch so gerne hören. Also erschallt es entsprechend europafreundlich. Es wird jeden Tag weiter beschnitten. In Kairo, der flexiblen Stadt mit dem besonders flexiblen Herrn Scheich Tantawi.

Jener Herr Muhammad Sayyed Tantawi, der seit Jahrzehnten bekunden lässt, Beschneidung sei „a laudable practice that [does] honor to women“ – „Frauenbeschneidung ist eine löbliche, islamisch besonders anerkennenswerte Praxis, die der Frau zur Ehre gereicht“, Quelle: Geneive Abdo. Für die Rechtsschule der Schafi’iten gilt eine gemäßigte Frauenbeschneidung als verpflichtend. Die Indonesier sind schafiitisch, übrigens auch die meisten Palästinenser und die nachweislich teilweise FGM praktizierenden Kurden.

Noch zum 23. November 2006, Qaradawi und Nehberg in einem Kairoer Zimmer, die druckfrische Fatwa gegen FGM verlesend. Lesen konnte man allerdings, auch am selben Tag, auf Qaradawis Homepage: (1)

„[FGM] ist keine Vorschrift, wer glaubt, dass es im Interesse seiner Töchter liege, soll es tun, und ich persönlich unterstütze es unter den gegebenen Umständen in der modernen Welt. Aber wer sich dagegen entschließt, wird nicht als Sünder angesehen, da es vor allem dazu gedacht ist, Frauen zu ehren, so sehen es die Gelehrten.“

Soweit zur Flexibilität der Scharia, von der 2008 unter Menschenrechtsaktivisten und Islamkritikern wieder so viel gemutmaßt wird.

103 [ZIF möchte] … die Auslegung der Quellen von patriarchalischen Verzeichnungen [befreien]

Der violett angemalte ZIF‑Islam ist an der al‑Azhar nicht erwünscht, bei den deutschen Freunden der Multikultur schon.

106 [ZIF] geht auch von einer prinzipiellen Frauenfreundlichkeit und Gleichwertigkeit der Geschlechter im Koran aus …

Ja, der Islam ist frauenfreundlich, indem er zum Prügeln der Ehefrau aufruft, zur erzwungenen Verheiratung und ehelichen Schwängerung der Tochter, zum geheiligten Töten der Lesbe. Ja, da die Männer auch zwangsverheiratet werden ist der Mann irgendwie gleichwertig. Sträter übersieht, dass nur der Mann die gekaufte Frau verstoßen und zurückgeben kann an ihre Herkunftsfamilie, welche die Frau zu einem schlechteren Preis weiterverheiraten muss oder sich ’entehrt’ fühlt und die Frau dann nicht selten ermordet.

Kein Blut auf dem Bettlaken der einer arrangierten Vergewaltigung gleichkommenden islamischen Hochzeitsnacht?

Die Sache mit der angeblichen Gleichwertigkeit von Mann und Frau im Islam. Bei Wahhabiten und Taliban? Diese sind ’zwar’ patriarchalisch, zugegeben, aber möglicherweise ja wesentlich näher bei Mohammed und seinen Mitstreitern als das dem Wassermannzeitalter der Achtziger Jahre entsprungene Kölner ZIF es ist oder die gelegentlich von Kopf bis Fuß lila gewandete Schariafreundin Rabeya Müller.

Der heutige islamische Totalitarismus betreibt halt nicht nur die in der Weise des ’outsourcing’ seinen angeblich spontanen terroristischen Zellen überlassene Medien- und Propagandaarbeit (Attentate), sondern hält sich im Rahmen ganzheitlicher Kulturpädagogik auch ein paar Feministinnen, um der humanistisch oder auch christlich geprägten Sehnsucht nach Harmonie der Nichtmuslime zu genügen.

Dann gibt es da noch die etwas verwahrloste so genannte Linke, die Osama bin Laden mit Fidel Castro gleichsetzt und beide als Sozioreformer bewundert. Diese versehentlich jedenfalls verlässlich islamophile Linke hatte in den achtziger und neunziger Jahren Jobs in Pädagogik oder Kirche inne und in ihrer Jugend unheimlich viel ’antiimperialistisches’ Verständnis für Andreas Baader und Gudrun Ensslin, diese Linke erblickt womöglich im irgendwie ’koranisch-frauenfreundlichen’ (ZIF, bei Sträter) Ur‑Islam den befreiungstheologischen und antikapitalistischen Fortschritt auf einem Weg zur herrschaftsfreien Gesellschaft. Das sind doch mal Visionen, ’I have a dream’. Wo uns doch immer wieder von irgendwelchen xenophoben Islamhassern eingeredet wurde, Sunna und Scharia und Kalifat würden brutalen Klassengesellschaften entstammen und selbige neu produzieren. Was schließlich gar nicht stimmen kann, sonst hätte uns Frau Pfarrerin Dr. Sträter doch etwas Derartiges mitgeteilt. Stattdessen: Jesus und Mohammed als die beiden ersten Exemplare von Frauenversteher und ’neuem Mann’, beide sozialistisch, der Prophet des Islam auch noch dezidiert antiimperialistisch.

EKD / EKIR 2008. Zwischen “Kopftuch und Kreuz” (Sträter 2007) spielt man gerade als alter Achtundsechziger ein bisschen Jesus und gibt man sich moralisch äquidistant: Allah goes New Age. Woodstock statt Steinigung oder: Vom Istanbuler Harem zur kommunistischen WG. Die Muslimbruderschaft feiert den Weltfrauentag. Mit Betroffenheit. Tschador und Kaaba heute ganz in feministischem Lila. Wer jetzt nicht kuscht hat wohl zu viel Alice Schwarzer gelesen. Genug der Ironie.

Die von keinem geringeren als von Allah beschriebenen Steine, ’nicht zu groß um nicht sofort zu töten, nicht zu klein um kein anständiger Stein zu sein’, aus sträterscher „Frauenfreundlichkeit“ zertrümmern sie den Schädel der iranischen oder afghanischen oder somalischen Ehebrecherin. Auch diese Frau, legt uns « Kopftuch und Kreuz » nahe, diese Frau sei vom Koran als gleichberechtigt angedacht worden. Gut dass wir mal darüber geredet haben, face-to-face, so von Gesicht zu Gesicht. Ach, sie hatte gar kein Gesicht, die zerschmetterte Paschtunin oder Perserin oder Somalierin? Wo ein Gesicht hätte sein sollen war lebenslang nur ein schwarzes Stück Stoff mit Sehschlitz oder ein taubenblaues und dabei keusch‑blickdichtes textiles Gitter?

„Prinzipielle Frauenfreundlichkeit“, so erwähnt es Fachfrau Sträter, Islamberaterin von Bad Godesberg/Voreifel.

Das Märchen vom freundlichen Islam. Eine unendliche Geschichte.

Jacques Auvergne

(1) Reaktionäre Islamisten als Verbündete? Die Fatwa gegen weibliche Genitalverstümmelung ist ein ambivalentes Signal. Ein Text von Mary Kreutzer (Die Presse)

http://diepresse.com/home/meinung/gastkommentar/105137/index.do

Moscheebau Alfter-Witterschlick

September 17, 2008


085.

مسجد

Masdschid, wörtlich:

„Ort der Niederwerfung“.

Moschee.

Kirchenangestellte in Alfter-Witterschlick:

Xenophiler Klerus sehnt sich nach einem

stabil gemauerten „Ort der Niederwerfung“

Witterschlick wünscht sich

eine Kaserne der Theokratie

Ein Zwischenruf von Jacques Auvergne

Im Islam gibt es keine Menschenrechte. Jedenfalls keine universellen. Der Islam teilt die Menschen in hierarchische Klassen und erniedrigt die Frauen noch einmal besonders, das ist sein Wesen als Politreligion und das wird Alfter-Witterschlick zu spüren bekommen, wenn denn seine unbesorgten Ureinwohner feinfühlig genug wären. Denn eigentlich ist es längst zu spüren, nicht nur in Bonn ist die Anzahl der textilen Kerker namens Tschador und Niqab angestiegen und das nicht nur im Umfeld der antidemokratischen König-Fahd-Akademie, in deren Schulbüchern Nichtmuslime als Schweine und Affen bezeichnet werden.

Was kümmert es mich, wenn Mädchen Kopftücher tragen, schließlich betonen sie, das so was von freiwillig zu tun. Stimmt, „es gibt keinen Zwang im Glauben“, wer sich gezwungen fühlt ist also nicht gläubig genug. Und dem Ungläubigen droht das schmerzhafte Höllenfeuer.

Es ist allerdings zu befürchten, dass die 8.700 Einwohner von Witterschlick oder die 22.900 Menschen der Stadt Alfter, der Witterschlick zugehört, sich für die universellen Menschenrechte noch nie so recht interessiert haben, jedenfalls geht aus den kulturellen Glanzleistungen der an der Eisenbahnstrecke Bonn-Euskirchen gelegenen Ortschaft nichts Derartiges hervor. Das Schrifttum aus dem örtlichen Vereinswesen des letzten Jahrzehnts, die Rundbriefe aus Gruppierungen von Sport, Brauchtum und Kirchengemeinden wiederspiegeln einfältigen oder auch durchtriebenen Lebenshunger, kleinbürgerliche Selbstgefälligkeit, schlampigen Umgang mit der Volksdroge Alkohol (na, da ist doch der alkoholabstinente Islam „die Lösung“) sowie absolutes Desinteresse an politischen und religiösen Fragen, man genieße nur das schmalzig-sinnfreie „Ein Lied für Witterschlick“ oder höre und lese Verlautbarungen aus den Karnevalsvereinen „Grün-Weiß, Alpenrose“ und „Tonmöhne“.

Nennenswerten Widerstand gegen die im Koran festgeschriebene Praxis der Frauenentrechtung und Frauenentwürdigung, der geheiligten islamischen Demokratieverachtung und des schariatisch legitimierten Antisemitismus und gottgefälligen Apostatenermordens wird auch der Witterschlicker Männergesangsverein „Rheingold“ dem von den Herren Yussuf al-Qaradawi, Tariq Ramadan und Mustafa Cerić angestrebten europäischen Imamat verbindlicher Fatwa-Produktion nicht entgegensetzen wollen. Nur am 102 Jahre alten „Turnerbund“ sowie an der „Jesus-Christus-Kantorei“ wird sich Allahs Kalifat die Zähne ausbeißen. Kleiner Scherz.

„Lassen Sie uns die Flucht nach vorne antreten, zeigen wir uns kosmopolitisch-multikulturell und stimmen wir dem Moscheebau der DITIB zu.“

Nein. Ob der Standort Auf dem Schurwessel sei oder die Raiffeisenstraße: Wir Bürger sollten dem Moscheebauwunsch nicht zustimmen.

Alfter und Integration. Etliche Gastarbeiter kamen, seit Oktober 1961, auch aus der muslimisch geprägten Türkei in die Region. Man hat auch in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis vom Fleiß der kurdischen oder türkischen Gastarbeiter profitiert, die beispielsweise in Tongrube, Steinzeugfabrik und Fliesenindustrie am Rande des Kottenforstes tätig waren, denn hochwertige Tonerde ist der Bodenschatz, dem der Ort seinen rheinisch-fränkischen Namen verdankt: Weißliche Tonerde, „weißer Schlick“, Witterschlick.

Die Integrationsarbeit jedoch wurde nach ein paar multikulturellen Sprüchen und internationalen Grillnachmittagen vertagt und man begann ab etwa 1980, sich an die entstehende, zunehmend radikale islamische Parallelgesellschaft zu gewöhnen. An die Frauen, die kein Wort deutsch sprachen gewöhnte man sich am Raschesten. Über die sechzehn- oder fünfzehnjährigen Mädchen, die aus den Sommerferien nicht mehr zurück kamen, hätte man eigentlich reden müssen, doch da der Schuldirektor und die Dame vom Jugendamt die sprichwörtliche Klappe nicht aufmachten, durfte man mit gutem Gewissen schweigen. „Das ist halt eine andere Kultur“, so leugnete man sein Unbehagen. Die rasant zunehmende Anzahl der Kopftücher, die Abmeldungen der Mädchen von Klassenfahrt und Schulsport? Wir sollten toleranter sein, kultursensibel, islamfreundlich, irgendwann werden sich die Muslime schon für die freiheitliche Demokratie zu interessieren beginnen. So haben wir gedacht. Sie werden es nicht, nicht ohne bewussten Druck.

Auch als islamische türkische Nationalisten damit begannen, türkische Frauenrechtlerinnen als „Aufklärungshysterikerinnen“ und „Funktionärinnen einer Zwangsemanzipation“ zu verleumden, griffen wir nicht ein.

Integration hätte heißen müssen: Bürgerrechte für muslimische Frauen zugänglich machen, von der sexuellen Selbstbestimmung bis zur Religionsfreiheit, das heißt auch dem Wechsel der Religion, das wiederum heißt auch: Das Verlassen des Islam. Islam-Apostasie indessen ist ein lebensgefährliches Tun, wir wissen das. Eigentlich. Wir wissen eigentlich recht genau, dass an den universellen Menschenrechten orientierte Islamkritiker auf der ganzen Welt mit Angriffen auf ihre Gesundheit und ihr Leben zu rechnen haben, übrigens auch im bevölkerungsreichsten deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen. Uns ist, ob Atheist oder Ex-Muslim oder Nichtmuslim oder einfach nur als Mensch eigentlich sehr klar, dass im nahen Umfeld einer Moschee niemand mehr wagen wird, den Islam zu verlassen.

Islam ist in erster Linie keine persönliche Spiritualität, wenn Islam überhaupt eine Religion ist. Islam ist gleichsam ein Kerker aus Beton oder undurchdringlichem Mauerwerk, ein unsichtbarer Kerker. Islam bedeutet, und das eben ist für deutsche Nichtmuslime und auch christliche Pastoren und Pfarrer „unsichtbar“, Islam ist die Unterwerfung unter eine totalitäre soziale Kontrolle, Islam bedeutet einen „religiösen“ Gruppenzwang, denen ein Europäer allenfalls vor drei oder fünf Jahrhunderten ausgesetzt war. Daneben gibt es allerdings auch sichtbares Mauerwerk. Das Gemäuer ist für einen Muslim persönlicher Spiritualität ebenso überflüssig wie für einen säkularen Muslim oder Ex-Muslim. Diese Mauern nennt man Moschee.

Moschee ist der Ort, an dem universelle Menschenrechte, Frauenrechte, Meinungsfreiheit und Religionsfreiheit im Auftrag eines vormodern-patriarchalischen Islam erodiert und ironisiert wird. Dein geschätzter Imam von VIKZ oder DITIB guckt jetzt natürlich treu oder traurig und erzählt dir das Märchen vom friedlichen Islam. Und du knickst dienstbeflissen und gefroren lächelnd ein und lässt ihn eine Moschee „auf dem Schurwessel“ oder an der Raiffeisenstraße bauen. Du willst doch nicht als Fremdenfeind dastehen. Die Witterschlicker sind doch nicht untolerant. Stimmt, untolerant sind sie nie gewesen, Ignoranz kann man ihnen vorwerfen, schuldhaftes Nichtwissenwollen, nicht aber keine Intoleranz. Nicht die Witterschlicker sind intolerant.

Der Islam ist intolerant. Der Islam teilt Menschen in Klassen verschiedener sittlicher Wertigkeit, selbstverständlich bei islamischer Dominanzkultur und systematischer Herabsetzung der Frau. Sehr sinnfällig schreibt denn auch der womöglich mit dem ersehnten Bau der Witterschlicker Moschee betraute Architekt Ismail Yildiz in nicht ganz einwandfreiem Deutsch: „Zwingend ist es aus religiösen Gründen, dass die Frauen und Männer im innern der Neubaukomplex eigenständig getrennt bewegen müssen“, der Architekt gießt die Apartheid der Geschlechter in Beton.

Mit dem Bau einer „architektonischen Maschine“ der Geschlechtertrennung zementiert Witterschlick im wahrsten Sinne die (angebliche) wesensgemäße Verschiedenheit von Frau und Mann. Das wird für Körpersprache, Gewalt im Alltag, Machismus und Kleidung im Straßenbild nicht ohne Folgen bleiben. Das ist Islamisierung: Die Moschee als totales Handlungsvorbild, moralischer Leitstern und Wegbereiter der Transformation der Gesellschaft.

Das muslimischerseits aus (schlechter) Tradition betriebene und islamverbandlich bewusst verstärkte Leben über vier Jahrzehnte hinweg ohne Kontakt zu Nichtmuslimen oder Ex-Muslimen im Gemeinwesen unserer gescheiterten deutschen Integration bei zeitgleicher Re-Islamisierung der Türkei unter dem radikalislamischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan und seiner theokratisch wie nationalistisch orientierten AKP ließ es bei vorhandener verantwortungsloser Ignoranz auf Seiten der Altbürger zu, dass in jeder westdeutschen Stadt ganze Straßenzüge in die Segregation abgleiten konnten. Zunehmend an der Scharia orientierte Gegengesellschaften und sunnitisch-islamische Milieus, in denen nun fragwürdige theokratische Organisationen wie VIKZ, Milli Görüş und eben DITIB die Deutungshoheit darüber beanspruchen, was Islam ist und was nicht, was Sittlichkeit ist und was nicht. Dabei war man als Islamverbandsvertreter, nicht zuletzt über den Erbakan-Clan, stets auf diplomatische Nähe zur Muslimbruderschaft bedacht.

Die auch in Witterschlick vertretenen, kleinasiatisch-stämmigen und nichtsunnitischen Aleviten haben sich dabei als nicht ganz so totalitär erwiesen, wenn auch vielleicht nur deshalb, weil sie traditionell relativ wenig machtvoll sind. Individualität, Religionsfreiheit und Frauenrechte stehen bei allen genannten islamischen Gemeinschaften nicht hoch im Kurs, diese Werte würden auch nicht dem Koran und der Sunna entstammen, nicht dem schariakompatiblen Kollektiv sondern der kulturellen Moderne und der freiheitlichen Demokratie.

Man hat sich auf Seite der Ureinwohner, wie überall in Westeuropa, für die Situation der Bürgerrechtler in den Herkunftsländern der eingewanderten Muslime, man hat sich für die Lebenslage der dortigen Christen und der Frauen, pardon, einen Dreck interessiert. Da gab es in Kleinasien die bis zum Bürgerkrieg reichende Kultur der Unterdrückung gegen die Kurden, als Deutscher freut man sich auf den Türkeibeitritt zu europäischen Union oder interessiert sich noch nicht einmal dafür wirklich. Da gab (und gibt) es den geleugneten Völkermord an den Armeniern, man freut sich auf den Türkeibeitritt und erklärt die Mahner des Erinnerns dieses Genozids zu Pessimisten oder Nervensägen.

Dann ereigneten sich, hoppla, wie störend, auch in Deutschland mehrere Ehrenmorde an Frauen aus kurdischen oder türkischen Großfamilien, an Frauen, die sich einer Zwangsheirat widersetzen wollten oder die einfach nur leben wollten wie deutsche Frauen. Jetzt allerdings wurde es doch etwas unbequem. Doch rasch sprangen die bärtigen Prediger oder deren smarte Nadelstreifenfunktionäre aus dem Orient ein: Muslime seien wesensmäßig einfach ganz anders als Ureinwohner, zum Beispiel würden sie die türkische Küche ebenso mögen wie den Koran und die Scharia. Und sie würden alle eine Moschee mit Kuppel und Minarett ganz nett finden, so heimatlich, so altvertraut. Und sich nur mit einer Moschee integrieren können! Und die Sache mit den arrangierten Ehen würden sie gerne unter sich regeln, die Ur-Deutschen würden sie doch nicht etwa in paternalistischer Manier bevormunden wollen?

Glücklicherweise also hat die islamische Geistlichkeit und Prominenz, von der schariafreundlichen und nationalistischen Zeitung Hürriyet bis zum mittelalterlich gewandeten Kölner Islam-Prediger Pierre Vogel uns Rheinländern versprochen, sich um die verflixten Themen Zwangsheirat und Ehrenmord zu kümmern. Als Gutmensch mit Sitz im Presbyterium oder Stadtrat ist man nun moralisch gerettet und kann beispielsweise unbesorgt für den Moscheebau plädieren. Und kann optimistisch zum Gespräch einladen, am 13. Oktober 2008 ins evangelischen Gemeindehaus Witterschlick, Pfarrer Andreas Schneider gibt sich die Ehre und wird sich, jede Wette, weder als vehementer Moscheebaugegner erweisen noch die Totalität und zugleich Inhumanität von Koran und Scharia hörbar in Frage stellen, sofern sie ihm überhaupt bewusst ist. Rainald Ollig von der katholischen Kirchengemeinde soll uns den multikulturellen Abend moderieren, doch auch er wird nicht eine Silbe der Kritik an den alten Hadithen und neuen Fatwas zum Thema Atheismus oder Islam-Apostasie oder Frauengenitalverstümmelung oder Kinderheirat hören lassen, sofern er davon jemals etwas gehört haben sollte.

Ex-Muslime oder säkulare muslimische Islamkritiker werden am 13. Oktober in Witterschlick nicht anwesend sein. Es ist zu befürchten, dass die Anwesenden dieses abendlichen Gesprächs im Geiste der „Religiosität“, der „Toleranz“ und der (blinden) Fremdenfreundlichkeit dazu beitragen, jene freiheitsliebenden Menschen einsperren zu helfen in das Kollektiv „der Muslime“, aus dem sie mit hohem persönlichem Risiko geflüchtet sind. Die Anwesenden werden für den Moscheebau plädieren und die beiden christlichen Geistlichen werden sich besonders dafür verantwortlich fühlen, allen nichtmuslimischen Witterschlickern den Bau der Moschee schmackhaft zu machen. Diese Nichtmuslime riskieren damit vorläufig noch nichts.

Die Einschränkung der an den universellen Menschenrechten orientierten Bürgerrechte kommt immer erst etwas zeitverzögert, bei zunehmender Prägung eines Territoriums durch den orthodoxen (politischen) Islam.

DITIB will auch in Deutschland jedem Kind eines muslimischen Vaters eine totalitäre Lebensgestaltung nach dem Koran aufzwingen und betrachtet Deutschlands türkeistämmige Einwanderer als „Auslandstürken“, die dem sunnitischen-hanafitischen Staatsislam zu dienen haben. Offiziell ist die Türkei natürlich ein säkularer Staat und sind Politik und Islam getrennt …

Lassen Sie sich am 13. Oktober ab 20:00 Uhr den Tee und die Kekse schmecken.

Jacques Auvergne