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Das Schweigen der Islamfunktionäre zur Todesstrafe gegen Islamkritiker

September 5, 2014

سهيل عربي

Soheil Arabi

Offener Brief an den Koordinationsrat der Muslime in Deutschland

05.09.2014

Die Islamverbände messen mit zweierlei Maß

Fast jeden Tag können wir Aiman Mazyek, den Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime in Deutschland hören, wie er in Talkshows oder Diskussionsrunden mit sanften, werbenden Worten dafür eintritt, den Islamverbänden, die auf eine wortgetreue Auslegung von Koran und Sunna bestehen, immer noch mehr Einfluss auf Politik und Gesellschaft in der BRD einzuräumen.

Diese Spitzenfunktionäre bemühen sich, den Islam als gerecht, frauenfreundlich, kulturell modern und als mit den Menschenrechten vereinbar schönzureden. Wie würden sie auf folgende Schreckensnachricht aus dem Iran reagieren, dass ein dreißigjähriger Mann, Soheil Arabi, verheiratet und Vater eines fünfjährigen Kindes, der 2013 verhaftet wurde und bereits seit fast einem Jahr im Gefängnis sitzt, nun wegen derselben Tat gleichzeitig von zwei verschiedenen Gerichten verurteilt wurde, einmal wegen des Bloggens einiger islamkritischer Texte, das brachte ihm drei Jahre Gefängnis ein, in einem anderen Gericht in Teheran verhängte Richter Khorasani gegen ihn wegen Lästerung des Propheten Mohammed die Todesstrafe. Was würden die Herren Mazyek, Alboğa, Pürlü oder Kızılkaya sagen, wenn sie um eine Stellungnahme zum Fall Arabi gebeten würden?

Seine Frau, die Mutter seines Kindes, hat ihm einen Liebesbrief geschrieben und mitgeteilt: Ich vermisse dich und kann nicht verstehen, wieso sie dich festgenommen haben.

Die Familie ist unter enormen Druck gesetzt worden, keinen Kontakt zu ausländischen Medien aufzunehmen und nur ja nichts gegen die Todesstrafe zu sagen.

Sie, Herr Mazyek, behaupten, durch die vor neun Jahren in einer dänischen Zeitung veröffentlichten Mohammed-Karikaturen chronisch beleidigt worden zu sein, weil der Däne durch seine Zeichnungen: „unseren Propheten in unseren Augen mit Füßen getreten hat und uns alle Muslime eigentlich mit Füßen getreten hat“. Auch dabei nehmen Sie sich heraus, im Namen von Millionen Muslimen zu sprechen. Vor vier Jahren kritisierten Sie dann die Verleihung des Potsdamer Medienpreises an den Karikaturisten Kurt Westergaard. Dieser war von muslimischen Radikalen inzwischen mehrmals mit dem Tod bedroht worden, was der islamverbandlichen Elite keine Silbe wert ist. Das Missverhältnis muss jeden human denkenden Menschen empören: Islamkritiker drohen umgebracht zu werden, weil sich gottesfürchtige Mitmenschen beleidigt fühlen.

Sie würden ohne Einschränkung zur deutschen Pressefreiheit stehen, sagten Sie 2010, relativierten das aber sofort, indem sie verlangten, dass immer und von jedem Rücksicht auf die Gefühle religiöser Menschen genommen wird: „Es bleibt ein Spannungsverhältnis, wie vieles andere auch. Religionsfreiheit ist auch ein Spannungsverhältnis“. Wer nimmt Rücksicht auf die Gefühle von Soheil, seiner Frau und dem gemeinsamen Kind?

Heute ist der Vater eines fünfjährigen Kindes in Gefahr im Iran hingerichtet zu werden, weil er angeblich den Propheten kritisiert hat. Die deutschen Islamverbände schweigen dazu.

Von atheistischen wie religiösen Bürgern können wir Demokraten die Fähigkeit erwarten, sachliche Kritik oder herausfordernde Karikaturen auszuhalten. Oder ist der säkulare, freiheitliche Rechtsstaat mit Mazyeks Definition von Religionsfreiheit doch nicht vereinbar?

Ein Mitglied des Zentralrats der Ex-Muslime (ZdE)