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Das Buch der Weisungen für Frauen

August 2, 2009

أبو الفرج ابن الجوزي

Abu l-Faradsch Ibn al-Dschauzi

Abū l-Faraǧ Ibn al-Ǧauzī

Ebu’l-Ferec İbnü’l Cevzî

Abu’l-Faraj ibn al-Jawzi

Das weibliche Recht auf Gehorsam

Anmerkungen zum »Kitāb aḥkam an-nisāʾ«

von Jacques Auvergne

Abū l-Faraǧ Ibn al-Ǧauzī (Abu al-Faradsch Ibn al-Dschauzi, † 1200) war bedeutender hanbalitischer Rechtsgelehrter (fiqh, Sakraljurisprudenz als die praktizierte Theologie des Islam), Koranexeget (tafsīr) und Interpret der Überlieferung (ḥadīṯ). In der Türkei wird al-Ǧauzī als Ebu’l-Ferec İbnü’l Cevzî verehrt und verbreitet, in Indonesien in englischer Schreibweise als Abu’l-Faraj ibn al-Jawzi. Man verwechsele ihn nicht mit seinem Enkel, dem islamischen Juristen Sibṭ Ibn al-Ǧauzī († 1256). Hier bedeutet Sibṭ Sohn der Tochter (des Ǧauzī), ein aus vormodern-patriarchalischer (damit auch zum islām gehörender) Sicht fraglos höherrangiger Sohn des Sohnes wäre ein ḥafīd.

Die hanbalitische Jurisprudenz ist auf der Arabischen Halbinsel vorherrschend, namentlich in Saudi-Arabien, wobei die ḥanbaliya im saudi-arabischen Westen genannt al-Ḥiǧāz (deutsch auch geschrieben: Hedschas, heute über sechs Mio. Einwohner), der immerhin Mekka und Medina umfasst, erst um 1925 zwangsweise eingeführt wurde. 1932 geriet der Hedschas mit dem arabischen Hochland des Nadschd (naǧd, 4 Mio. Einwohner) in die Klauen oder auch Obhut der wahhabitischen Dynastie der Saudis und wurde Teil von Saudi-Arabien.

Zwar gehören weltweit nur fünf Prozent der sunnitischen Muslime dieser begründet als besonders streng geltenden Rechtsschule (maḏhab) an, doch über die Verbreitung im arabischen Kernraum und das Wächteramt an den höchsten islamischen Pilgerstätten Mekka und Medina mit ihrer für jeden Muslimen bedeutsamen Rolle der zu den Fünf Säulen gehörenden Pilgerfahrt (ḥaǧǧ) kommt der so genannten „islamisch konservativen“ (reaktionären, mittelalterlichen) maḏhab der Hanbaliten neben der Kairoer Azhar, der Muslimbruderschaft (Ḥasan al-Bannā), der türkischen Milli-Görüş-Bewegung (Necmettin Erbakan) und der ursprünglich pakistanischen Partei Jamāʿat-e Islāmī (Sayyid Abū-l Aʿlā Maudūdī) sowie dem Europäischen Fatwa-Rat (Yūsuf al-Qaraḍāwī‎) sicherlich und bis heute die Rolle eines islamischen Referenzmodells zu. Das betrifft zentral die Frauen- und Kopftuchpolitik, wobei politischer (orthodoxer) Islam seit dem siebten Jahrhundert „die Frauenfrage“ stellt, nur geht es dem frauenpolitisch aktiven Kult (Scharia, fiqh) eben darum, die sittliche und rechtliche Ungleichheit von Mann und Frau zu verwirklichen.

Das Kopftuch ist das Zeichen der islamrechtlichen (fiqh, Scharia) Geringerstellung der Frau. Saudi-Arabien kultiviert konsequenterweise beides, die schariatische Ungleichberechtigung der Frau (Sexualität, Ehe, Kinder, Gerichtsaussage, Erbe, Kleidung) und die staatliche Schleierpflicht.

Die Städte Mekka und Medina und ihre nähere Umgebung darf von den aus schariatischer Sicht heilsfernen Unreinen (Nichtmuslimen) nicht betreten werden. Die hanbalitische, mehrheitlich der Doktrin der wahhābīya anhängende Bevölkerung Saudi-Arabiens lebt mehr oder weniger freiwillig die vollumfänglich verwirklichte Scharia und lässt zwischen dem 01.01.2007 und dem 07.08.2007, in einem guten Halbjahr also, 122 (einhundertzweiundzwanzig) Menschen mit Allahs in der Landesflagge dargestelltem Krummsäbel enthaupten. Wird Scharia erst zum Strafrecht, trennen sich Häupter vom Leib. Das Grenzvergehen zeitigt eine Art von frommer Notwehr gegen den satanischen Angreifer auf die edle Gesellschaftsordnung. Allahgott köpft. Wir werden im Folgenden bei al-Ǧauzī zur Kenntnis nehmen, dass Allāh auch die weibliche Genitalverstümmelung will.

Als indischer und pakistanischer (Kaschmir, dort vor allem in der auch Klein-Tibet genannten Gebirgsregion Baltistan) Ableger der Bewegung der Wahhabiten darf die nach 1832 unter Einfluss des jemenitischen Gelehrten al-Schaukani (aš-Šaukānī; engl.: Muhammad ash-Shawkani) entstandene und an ibn Taymiyya (bin Taimīya, † 1263) sowie am extrem puritanischen, die vier sunnitischen Rechtsschulen als „Neuerung“ (bid’a) ablehnenden Schah Dilawi (Šāh Walīyullāh ad-Dihlawī, † 1762) orientierte Glaubensbewegung Ahl-i Hadīth gelten.

Der erste Stifter des Wahhabitismus, Muhammad ibn ʿAbd al-Wahhab († 1792) wurde ebenfalls vom mittelalterlichen bin Taimīya beeinflusst, den man als Hanbaliten einschätzen darf. Heute darf ibn Taimiyya, auf den sich Terrorist und Poet Sayyed Quṭb (1906-1966) ebenso berufen mochte wie die syrische Muslimbruderschaft, als der vor acht Jahrhunderten wirkende Vordenker des islamischen Puritanismus, Salafismus und des teilweise gewaltbereiten Islamismus gelten.

Soviel vorab zu der Rechtsschule der Hanbaliten (al-ḥanbaliya) und den diese Rechtsschule umgebenden, durchweg radikalislamischen Dynastien, Parteien, Bewegungen, Netzwerken und Großfamilien, die, soweit wir Islamisierung als Gefahr für die kulturelle Moderne namentlich für die freiheitlich demokratischen, sehr deutlich säkularen Staaten Europas betrachten, unser Augenmerk verdient. Ein gelegentlich vielleicht allzu voreilig als Rechtsgelehrter, Mystiker oder Moralist verbuchter hanbalitischer Denker trägt den Namen al-Ǧauzī.

Abū l-Faraǧ Ibn al-Ǧauzī (1116-1200) ist Verfasser eines Werkes sunnitischer Sexualpolitik (šarīʿa, islām) namens »Kitāb aḥkam an-nisāʾ«, das inzwischen dank der Arbeit der Hannelies Koloska (Übersetzerin, Herausgeberin) als »Ibn al-Djauzī: Das Buch der Weisungen für Frauen« auch in Deutscher Sprache erscheinen konnte (Verlag der Weltreligionen im Insel Verlag, Frankfurt am Main und Leipzig 2009).

Kapitel 6 Von der Beschneidung der Frau. Die Beschneidung ist Pflicht bei Mann und Frau. Über die Sitte der Beschneidung überliefert Abū Dāwūd in seinem Sunan einen Hadith von Umm ʿAṭiya al-Anṣārīya In Medina gab es eine Frau, die beschnitt. Der Prophet, Gott segne ihn und schenke ihm Heil, sprach zu ihr: »Beschneide nicht viel! Das ist zum Vorteil der Frau und ist für den Mann anziehend.« Überliefert von Anas: »Der Prophet … sprach zu Umm ʿAṭiya: Wenn du beschneidest, beschneide nur wenig, so wie du auch nur wenig Parfüm aufträgst! Es macht sie angesehener und ist genussvoller für den Ehemann.«

Abū ʿUthmān al-Baṣrī sagte, dass der Grund, warum die Frauen ursprünglich beschnitten wurden, nicht darin lag, die Schönheit zu vergrößern, ohne das Begehren zu schwächen, sondern allein der war, ihre Sittsamkeit zu erhöhen. Der Gesandte Gottes … meinte mit seiner Rede: »Beschneide nicht viel!«, dass man vom Geschlecht der Frau nur so viel abschneide, dass es ihr zu einem Grad der Mäßigung verhelfe, denn wenn die Begierde gänzlich abnimmt, versiegt auch der Genuss. Solches aber führt zur Verminderung der Liebe zwischen den Eheleuten, die bekanntermaßen eine Fessel ist, welche die Unzucht abhält.

Einige der ehrbaren Leute pflegten über die Beschneidung zu sagen: »Beschneide nur das, was sichtbar ist!«

Die meisten Sittsamen sind beschnitten.

Der Beweis, dass die Beschneidung eine Notwendigkeit ist, liegt in der Verletzung, die dadurch entsteht, und in der Entblößung der Scham. Wäre es nämlich keine Notwendigkeit, würde es keinen Spielraum dafür geben.

Islam und FGM. Von deutschen Multikulturalisten wie Dr. Sabine Schiffer wird dieser Zusammenhang bar jeder nennenswerten Islamkenntnis schnatternd abgestritten, von Islamfunktionären wie Rüdiger-Nehberg-Seelsorger Tarafa Baghajati (1), Omar al-Rawi (2) von der Initiative muslimischer Österreicherinnen und Österreicher wie auch von Anas Shakfeh von der IGGiÖ aus geheiligt kalkulierter Lüge sprich taqiyya.

FGM ist eben auch islamisch. Schariafreund Rüdiger Nehberg (3) ficht das alles nicht an (4).

Kapitel 7 Von den Regeln des Toilettenganges im Freien und von der Art und Weise der Reinigung

… man tritt mit seinem linken Fuß zuerst hinaus und sagt dabei: »Im Namen Gottes, ich nehme Zuflucht bei Gott vor dem Bösen und Boshaften, vor dem Schmutz und der Scheußlichkeit, vor dem gesteinigten Satan.«

Dann kann ja beim islamrechtlichen Urinieren und Defäzieren in freier Landschaft (draußen Pissen und Kacken nach der Scharia) nichts schief gehen? Irrtum, jetzt kommen die islamischen Vorschriften, deren Missachtung den Platz im Paradies gefährdet:

Man soll sein Gewand nicht heben, bis man nahe an den Erdboden gekommen ist. Ferner soll man weder sein Gesicht noch seinen Rücken der qibla zuwenden, noch sein Gesicht gen Sonne und Mond richten.

Tut ja auch blenden, die Sonne. Nein, es geht um die Beleidigung der verräterisch mit den Gestirnen nebst dem Kaaba-Meteorstein verbundenen Gottheit, die man schließlich auch auf Distanz keineswegs symbolisch anpinkeln darf. Also auch in einer Neumondnacht nicht ohne Kompass ins Gebüsch.

Man soll nicht in eine Ritze oder in einen Graben, weder unter einem fruchttragenden Baum, im Schatten einer Wand noch mitten auf einen Weg urinieren.

Das Reinigen ist eine Pflicht bei allem, was aus den beiden Ausscheidungswegen heraustritt, mit Ausnahme des Furzes.

Ach so. Nun zur Sunna der Analhygiene.

Das, womit man sich reinigen kann, … muss hart, rein und nicht essbar sein, … Stein, Holz, Lumpen, Erde und was diesen Dingen ähnelt. … Ein dreiseitiger Stein genügt aber.

Das würden im Falle unauffindbaren Klopapiers Wildniswanderer, Bergsteiger oder Bundeswehrsoldaten auch so tun, und dass sogar ohne bei Abū l-Faraǧ Ibn al-Ǧauzī den Islam studiert zu haben.

Ist ein vierseitiger Stein auch ok?

Die meisten sagen, dass man den ersten Stein in die linke Hand nimmt, bei der rechten vorderen Seite beginnt, den Stein nach hinten zieht und dann wieder mit ihm zum Beginn zurückkehrt.

Es ist für den Mann wünschenswert, dass er vorn beginnt, damit die Hand die Vorderseite nicht beschmutzt, wenn er mit dem Hintern beginnt.

Was die Frau betrifft, so hat sie die Wahl. Wenn die Frau eine Jungfrau ist und sie möchte den Ort des Urinaustritts … säubern, dann darf sie … nur Wasser benutzen. Wenn sie keine Jungfrau mehr ist und der Urin mit Heftigkeit ausgetreten ist …

Was macht die islamrechtliche Ex-Jungfrau bei mittlerer oder eher geringer Heftigkeit des Urinaustretens?

Wenn er ungehindert austrat und etwas davon in die Vulva kam, so muss sie sie waschen. Wenn sie aber nun nicht weiß, ob Urin in die Vulva geriet oder nicht? Es ist wünschenswert, sie zu waschen.

Hadith und Fatwa beinhalten, zu vermitteln, wie die vorübergehende Unreinheit beseitigt wird, um die für das gültige Gebet nötige rituelle Reinheit wiederherzustellen.

Jedem Ort im Diesseits droht die nadschasa (naǧāsa, Pl. nadschasat (naǧāsāt), die dämonische Besudelung (5). Islam säubert magisch und spirituell. Die Dhimmis sind solange besudelt (nadschis, nāǧis (5)), wie sie nicht zum Islam konvertieren, bis dato sind sie als so dreckig wie Hund, Kot, Sperma, Schwein oder Blut anzusehen, weshalb der Muslim sie nicht berühren sollte. Beispielsweise braucht der Muslim nach kulturrassistischer Ansicht einem nichtmuslimischen Menschen zum Gruß die Hand nicht zu geben (verwirrend überlagert mit dem weiteren radikalislamischen Verbot, dass Mann und Frau einander nicht die Hand geben dürfen).

Ziel der an ein andressiertes Zwangshandeln heran reichenden islamischen Lebensweise ist die aufwändige Erreichung oder Wiederherstellung der prekären rituellen Reinheit aṭ-ṭahāra (6), der himmlisch geputzte Muslim ist also momentan rein, ṭāhir. Rituell gesäubert heißt auch pāk (paak, pak), etymologisch stammt daher das Wort in Urdu: Land der Reinen, Pākistān, deutsch Pakistan.

Kapitel 10. Von den Verletzungen der rituellen Reinheit

Das Berühren der Frauen

Die wesensgemäß dem Dämonischen näher stehende Frau besudelt den frommen Mann. Umgekehrt würde sie selbstverständlich nicht besudelt, wenn ein (rituell reiner) männlicher Muslim sie anfasst, dem Berühren des anderen Geschlechtes stehen indes, von Eheleuten abgesehen, andere Vorschriften entgegen.

Was für ein geheiligter misogyner Ekel. Der Islam heiligt die Frauenentwürdigung.

Kapitel 11. Was die Ganzwaschung erforderlich macht

Zweitens: Das Verschwinden der Eichel in einer Öffnung, sei es vorne oder hinten.

Der Islam denkt ausgesprochen peniszentriert. Wie wir hier in einem mehr als achthundert Jahre alten Text lesen, berücksichtigt al-Ǧauzī den Analverkehr. Was der Volksislam ohnehin und bis heute praktiziert, gerade unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen, welche die islamrechtlich relevante Unversehrtheit des Hymens zu sichern haben. Auch islamunabhängig und erst recht im Zeitalter von AIDS ist Analverkehr im Orient und in Afrika ein Tabuthema geblieben (7).

Kapitel 15 Von der Menstruation

Wenn eine junge Frau Blut sieht und sie ist neun Jahre alt, so handelt es sich um die Menstruation.

Betonung auf Frau: Mit neun Jahren ist die Frau erwachsen, mit acht Jahren war das Mädchen ein Kind. Das islamische Heiratsalter beträgt neun Jahre.

Wikipedia schreibt unter Kinderheirat: „Das Mindestalter für Mädchen bei Heiraten ist nach den Bestimmungen der islamischen Rechtsschulen neun Jahre, wobei sich die Rechtsschulen an der Ehe Mohammeds mit Aischa orientieren, die vollzogen worden sein soll, als Aischa neun Jahre alt war.“

Islam und Kindbraut. Ghulam Haider aus Afghanistan (8). In Düsseldorf wurde eine zwangsverheiratete Zwölfjährige Mutter (9). Hassan N., 22 Jahre alt, und seine hochschwangere elfjährige Ehefrau meldeten sich bei der Düsseldorfer Stadtverwaltung an und legten ihre Heiratsurkunde vor. Barbara Kirchner berichtet: „An der griechischen Grenze zur Türkei werden Minderjährige (ein altes Gesetz erlaubt dies) mit Zustimmung der Eltern verheiratet. Die Zwangsehen sind zwar selten. Da sie aber Griechenland als EU-Mitglied absegnet, sind sie auch in Deutschland gültig.“ Statt „ein altes Gesetz“ zu sagen, hätte Kirchner wohl besser von der ewig jungen Scharia schreiben müssen. Diana Goldermann-Wolf vom Deutschen Kinderschutzbund Ortsverband Düsseldorf e. V. gab sich empört: „Staatlich geförderter Kindesmissbrauch – so etwas darf es in Europa nicht geben und verstößt auch gegen die UN-Kinderrechts-Konvention.“ In der Sache stimmen wir Frau Goldermann-Wolf gerne zu, nur hätte sie doch bitte das Wort Scharia oder wenigstens Islam erwähnen müssen.

Da lässt sich nur traurig sagen: Allahgott hat mit den universellen Menschenrechten nichts im Sinn, warum sollte er sich um Kinderrechte kümmern? Der Scharia-Islam ist mit der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und erst recht mit der UN-Kinderrechts-Konvention unvereinbar. Die Scharia muss weg. Und Griechenland muss die schariakonforme Rechtsspaltung im Familienrecht beenden, eine sexualpolitische und familienrechtliche Apartheid kann sich Europa nicht leisten.

In Brescia wurde ein zwölfjähriges Mädchen Mutter, die als Elfjährige gegen den Brautpreis von 17.000 Euro von dem aus dem Kosovo stammenden Muhamat I. in eine islamrechtlich einwandfreie Ehe gezwungen worden war (10), (11).

In Großbritannien ist eine Forced Marriage Unit ins Leben gerufen worden: „Wir gehen jährlich 1.600 Berichten über Zwangsheirat nach. Wenn du besorgt bist, dass du zwangsverheiratet werden könntest oder über einen befreundeten oder verwandten Menschen besorgt bist, wähle diese Telefonnummer (…). Wir bieten ferner Hilfestellungen und Trainingseinheiten für Professionelle aus Polizei, Sozialarbeit und Schule an.“ (12).

Die Magie um (die Schwangerschaft und) das Menstruationsblut ist sicherlich viele Jahrtausende alt und war vermutlich rund um den Pazifik wesentlich stärker vertreten als im antiken Europa, wo allerdings auch Plinius der Ältere (23 bis 79 nach Christus) von der „Unreinheit“ menstruierender Frauen lehrte. In der Nähe menstruierender Frauen verdürbe der Wein, so Plinius, würde das Saatgut unfruchtbar und würden Gras sowie Gartenpflanzen verdorren. Paracelsus gar beschrieb noch um 1520 die Existenz eines Menstrualgifts, das er Menotoxin zu nennen sich erdreistete. Naja, noch drei Jahrzehnte später ließ ein „gottesfürchtiger“ Reformator (Calvin) einen „ketzerischen“ Nonkonformisten (Servet) zu Ehren Gottes auf dem Scheiterhaufen verbrennen (13).

Einige afrikanische Volksgruppen kultivieren Rituale während der Regelblutung, die, halb durchschaut, regelmäßig Menstruationsblut, weibliche Sexualität und weiblichen Körper dämonisieren und für die Menstruierende beispielsweise einem Ausgangsverbot gleichkommen. Im heutigen Japan werden Tampons mit Einmalhandschuhen verkauft, um zu vermeiden, dass Frauen mit ihrem eigenen Blut in Kontakt kommen, eine Vorstellung, die offensichtlich mit Panik befrachtet wird. Bei manchen Völkern mussten Schwangere außerhalb des Dorfes leben und ihr Kind in einer improvisierten Hütte gebären, damit das die Geburt irgendwie umflatternde Dämonische nicht die DorfHERRschaft des „Kultur bringenden“ Jägerbundes stört. Bruno Bettelheim ordnete die (steinzeitliche) Genese der männlichen Beschneidung einem Versuch der „neidischen“ Beschlagnahmung der mysteriösen Geburtskräfte durch die Männer zu.

Initiation in den Männerbund überhöht die Geburt, nur der Mann ist im eigentlichen Sinne Mensch. So originell waren die kosmisch aktiven Frauenbändiger Mohammed und al-Ǧauzī dann also auch wieder nicht. Gerade auch den Koran und das Islamische Recht durchwabern die angsterregenden Gespenster der Steinzeit.

Extremismusforschung: Im Hirn des Menschen ist potentiell immer Steinzeit, mag er mittelalterliche „islamische Kleidung“, militärische Uniform oder Krawatte und Nadelstreifen tragen. Bei Stalin, Himmler, Hubbard, Che Guevara oder Ayatollah Chomeini ist diese innere, manichäisch zerrissene Geisterwelt leider ungefiltert politisches Handeln geworden, so etwas geht auch mal ohne die Heerscharen der Teufel und Engel.

Sozialpädagogik: Wie immunisieren wir einigermaßen gegen Fundamentalismus?

Kapitel 25 Vom Ausgehen der Frauen am Festtag

Überliefert von Ḥafsa von Umm al-ʿAṭiya, die sprach: Der Gesandte … hat befohlen, dass am Festtag die reifen Mädchen (al-ʿawātiq) sowie die in der Abgeschiedenheit lebenden Jungfrauen und die Menstruierenden, die sich allerdings von der Gebetsstätte fernhalten müssen, [zu den religiösen Zusammenkünften] ausgehen sollen. Al-ʿawātiq ist der Plural von al-ʿātiq, und das bedeutet Reife.

Mädchen oder Weib, deine sexuelle Reife, dein Genital wird im Islam zum Politikum. Für Europas nichtmuslimische weibliche Multikulturalisten ist derlei vermeintliche Sexualitätsfreundlichkeit bisweilen bereits ein Motiv gewesen, die Scharia als paradiesisch-matristisch zu verklären. Vielmehr sollten wir von geheiligter Obszönität sprechen dürfen und von einer totalitären genitalen Kontrolle.

Al-luṭ ist ein Obergewand, al-ʿqaz das Haar und ʿataqtu [heißt]: Ich bin geschlechtsreif geworden. Von den Frauen, die zur Reife gelangen, wurde als ʿātiq gesprochen.

Wir haben dargelegt, dass das Ausgehen für die Frauen erlaubt ist, aber wenn eine befürchtet, dass Unruhe durch sie oder bei ihr entsteht, so ist das Verbot des Ausgehens besser, denn die Frauen in der Frühzeit waren anders als die Frauen, die es in der heutigen Zeit gibt …

Das Mädchen oder das Weib, zumal das menstruierende, umkreisen unsichtbar die dämonischen weiblichen Sexualkräfte. Dem Allerheiligsten dürfen sich die der Menstruationsdämonie verhafteten Frauen nicht nahen. Was die Parsen, Juden oder (einstigen) Katholiken sinngemäß ebenso betrieben haben, auch dort ist Tempel, Bundeslade, Tabernakel, Altar, ewiges Licht, heiliges Feuer oder Priesteramt der Spezies Weib nicht zugänglich. Wenn wir auch sicherlich noch lange Zeit auf eine Päpstin werden warten müssen, so lassen moderne katholische Gemeinden doch bereits auch Mädchen als Messdiener zu. Andererseits muss man sich zu seinen historisch ererbten Macken bekennen und scheint mir die islamfreundliche Androgynisierung der Gottheit, wie sie die „Bibel in gerechter Sprache“ betreibt, das größere Problem zu sein. Der, soweit schariatisch sprich gegenmodern und antidemokratisch verbliebene, kriegerische Gott Allah und der vor zwei bis drei Jahrtausenden konstruierte, die Steinigung der Ehebrecherin mit Wohlgefallen betrachtet habende Jahwe sind eben nicht „Gott-Göttin“ oder „er-sie“, sondern misogyner himmlischer Stammesführer, wie auf Erden so im Himmel.

Wenn eine Frau ausgeht, soll sie einen Mann niemals grüßen.

Die Islambeschöniger Barbara John, Ursula Boos-Nünning und Sabine Schiffer würden vielleicht sagen: Wie alternativ, die Kerle sind schwatzhaft, die Damen meditativ? Wie frauenfreundlich, ein Schutz vor Belästigung?

Das im Besitz von Männern (walī, Ehemann, maḥram) befindliche (Zeichen: Kopftuch) Weib unterliegt, darf es das Haus überhaupt noch einmal verlassen, der geheiligten Isolation. Derart wird die muslimisierte Frau zum Zombie, zur untoten Toten. Öffentlicher Raum wird je nach dem Grad der Islamisierung zum männlichen Raum.

Eine islamisch-gottgefällige Variante des Ordnungsrufes (ḥisba) mag der Belästigungsdschihad zu sein: Das Angrabschen der Nichtmusliminnen und das seitens der männlichen Jugend in Nordafrika betriebene Anzischen oder obszöne Anquatschen aller Frauen. In Europa fällt Muslimen jeder Altersstufe und beiderlei Geschlechts die Belästigung der sich antischariatisch verhaltenden Frauen (nackte Schultern oder Waden, offenes Haar) oder Männer (kurze Hosen, öffentlich ein Glas Wein trinken, draußen etwas essen) im Monat Ramadan ganz offensichtlich noch wesentlich leichter als in den anderen Mondmonaten.

„Wer sich klein macht, will herrschen“, Dienen enthemmt. Mobben für Allāh.

Nach Australiens Scheich Tāǧ ad-Dīn al-Hilālī (engl: Sheikh Taj El-Din Hilaly) gehört zu der vom Münchener Staatsministerium für den islamischen Religionsunterricht an Bayerns Hauptschulen gepriesenen „Mann und Frau in Gleichberechtigung: Gleichheit in der Differenz“ (14)“ allerdings auch die Vergewaltigung der Unverschleierten (15). Was für eine ganz persönliche Art, seinen Glauben zu leben.

Bereits 1986 versuchte der für Einwanderung zuständige australische Minister Chris Hurford erfolglos, den 1941 in Ägypten geborenen islamischen Geistlichen, der 1982 mit einem befristeten Touristenvisum über den Libanon nach Australien eingereist war, des Landes zu verweisen (16). Die radikalislamische (šarīʿa, fiqh) Lakemba-Moschee allerdings hält ihrem Scheich die Treue und den Hassprediger bis heute hoch in Ehren (17).

Alle Frauen der Welt halt Australiens Scheich für die Waffen („weapons“), die kein Geringerer als der koranisch verbürgte Teufel („Satan“) mit dem Ziel einsetzt, die wesensgemäß relativ unschuldigen Männer der Welt zu unterjochen und gefügig zu machen („to control men“). Eine klassisch islamische Sichtweise, vor acht Jahrhunderten hatte Theologe und Jurist Abū l-Faraǧ Ibn al-Ǧauzī die beiden Seiten der weiblich-satanischen Medaille nicht viel anders definiert.

Kapitel 26. Von der Warnung der Frauen vor dem Ausgehen

Es ziemt sich für die Frau, dass sie sich hütet auszugehen, wie auch immer ihre Möglichkeiten sind, denn wenn sie selbst auch wohlbehütet bleibt, so bleiben die Menschen nicht unversehrt von ihr.

Die frei umher laufende Frau gefährdet die öffentliche Sicherheit und wird mir zum persönlichen Gesundheitsrisiko. Deshalb bleibt die verantwortliche Frau gleich zu Hause, auf das Moral, Stadt und Staat im Sinne Allahs blühen und gedeihen mögen.

Wenn sie mit Erlaubnis ihres Mannes und in schäbiger Kleidung ausgehen muss, dann soll sie sich ihren Weg auf freien Plätzen und nicht auf Straßen und Märkten suchen und soll Acht geben, dass ihre Stimme nicht vernehmbar ist, und soll auf der Seite des Weges und nicht auf seiner Mitte gehen.

Möglichst keusch, und dabei immer öffentlich kontrolliert.

»Jede Frau, die ihr Obergewand außerhalb des Hauses ihres Mannes auszieht, schändet den Vorhang, der zwischen ihr und ihrem Herrn ist.«

Der Vorhang im Hirn. Allah soll die nackte Frau nicht sehen? Nein, die Gottheit blickt ohnehin durch die Mauern hindurch und in die Herzen, will aber die Vorhänge und Schleier für uns Menschen.

Es gibt also einen sichtbaren und einen unsichtbaren Schleier (Hidschab, ḥiǧāb). Das kosmische Prinzip Frau hat sein menschgewordenes Antlitz symbolisch von der ebenso maskulinen wie unsichtbaren (IPU, The Invisible Pink Unicorn) Gottheit weg zu drehen. Ist Allah vielleicht gerade nackt und schämt sich? Auch das nicht, den kann auf Erden niemand erblicken.

Doch die unverschleierte Frau ist eine Bedrohung nicht lediglich für die Menschheit, sondern sogar für die Gottheit. Schamloses Weib, willst du mit deinen nackten Haaren Allah ärgern? Geh, verhülle dich!

Zu den Schamlosigkeiten gehört, dass Frauen die jungen Männer beobachten, wenn sie sich zu ihren religiösen Zusammenkünften versammeln, denn man kann vor der Unruhe nicht sicher sein.

Heinrich Schurtz prägte den Begriff Männerbund im Jahre 1902 in seiner Forschung zu ostafrikanischen Initiationsbünden. Der Männerbund tut geheimnisvoll. Auch Freimaurer oder Burschenschaftler legen auf frauenfreie Zonen großen Wert und sind womöglich vor einer verbalen, frauendiskriminierenden Großspurigkeit pädagogisch-männerarbeiterisch zu warnen. Der Islam jedoch dressiert die Frau selbst dazu, ihren Leib, ihr Dasein als eine Bedrohung für die das Heil alleinig garantierende patriarchalische Ordnung anzusehen.

Eine derartige Abrichtung, die, ist sie erfolgreich, bei den Mädchen und Frauen einen die Persönlichkeit verzerrenden Selbstekel zur Folge haben muss und männlicherseits ein gewalttätiges heiliges Frauenverachten, darf nicht Teil des von Innenminister Schäuble gewünschten Islamischen Religionsunterrichtes werden. Solange sich die Islamverbände und auch die vorsichtig säkularen Organisationen wie der Türkische Bund Berlin-Brandenburg (TBB) nicht von der Scharia distanzieren, ist Islam nicht schulreif.

Man mag es Lobbyarbeit oder Wahlbeeinflussung nennen, dass der TBB alle in Deutschland lebenden Türken aufrief, anlässlich des Volksentscheides der christlich-theokratischen Initiative Pro Reli (24.04.2009) mit Nein zu stimmen und dass er nach wie vor die Rolle der in Berlin Religionsunterricht erteilenden Islamischen Föderation (IFB) vorsichtig kritisiert (18). Die weniger als halbherzig betriebene Kopftuchkritik des TBB indessen wird nicht ausreichen, um einen organisierten Islam zu schaffen, der mit den allgemeinen Menschenrechten kompatibel ist und der die Gleichberechtigung von Frau und Mann will (19).

Kapitel 29. Vom Verbot auszugehen, wenn die Frau sich parfümiert hat

Überliefert von Abū Huraira: »Jede Frau, die sich mit Weihrauch parfümiert hat, darf nicht mit uns am letzten Abendgebet teilnehmen.«

Überliefert von Ghunaim ibn Qais von al-Ashʿarī: »Jede Frau, die sich parfümiert und an den Leuten vorbeigeht, damit sie ihren Wohlgeruch wahrnehmen, ist eine Hure.«

Überliefert von Abū Huraira: »Wer von den Frauen parfümiert zur Moschee kommt, von der nimmt Gott das Gebet nicht an, bis sie sich davon gereinigt hat mit der Waschung wie bei einer großen rituellen Unreinheit. So geh nun und wasch dich!«

Man sagt umgangssprachlich mit tiefem Sinn: „Den kann ich riechen“, finde ich sympathisch, beziehungsweise: „Den kann ich nicht riechen“, finde ich unsympathisch. Islamisierung eines Territoriums ist Politik gewordenes Wegsperren der Frau aus dem öffentlichen Raum. Da sieht doch bitte nichts mehr nach Frau aus (Burka, Tschador, Niqab). Da duftet auch nichts nach Frau, bitte sehr. Kerle hingegen, das hat diesen islamtypischen, verklemmt homosexuellen Unterton, verwenden Rosenwasser.

Der Islam ist in seinen größeren Teilen leider im sexualpolitischen Mittelalter stecken geblieben und greift daher die kulturelle Moderne hoch motiviert an. Die Seite http://www.fataawa.de verlinkt zum radikalislamischen Prediger Mohamed Benhsain (Abu Jamal, http://www.al-tamhid.net, Bonn-Bad Godesberg) und stellt sich, genau wie Abū l-Faraǧ Ibn al-Ǧauzī es vor achthundert Jahren tat, hier und heute die Frage nach dem Thema Moschee, Weib und Parfüm. Und beantwortet sie „authentisch“. Maschinengleich (Fundamentalisten sagen fromm) an Fäden zappeln wie eine Marionette, nur dass diese Steuerfäden von verstorbenen Strippenziehern wie al-Ǧauzī bedient werden.

Die Diyanet İşleri Başkanlığı (kurz Diyanet oder DIB, hierzulande: Diyanet İşleri Türk İslam Birliği, abgekürzt DİTİB oder Ditib) als der organisierte türkische Staatsislam beschäftigt 80.000 Menschen, davon 60.000 Imame, schreibt allen 80.000 türkischen Moscheen die Freitagspredigten (vor) und verkommt unter der Führung der Herren Gül und Erdoğan mehr und mehr zu einer Kopie der Religionspolitik Irans oder Saudi-Arabiens. Jedes Flirten, so ordnet eine Broschüre des einstmals krampfhaft laizistisch geplanten, doch seit zwanzig Jahren islamistisch unterwanderten türkischen Religionsministeriums an, sei gleichbedeutend mit Ehebruch, jede Begegnung einer frommen Türkin mit einem fremden Mann sei zu vermeiden.

Den Gebrauch von Deo oder Parfüm im öffentlichen Raum erklärt der von SPD wie CDU gehandelte EU-Beitrittspartner Türkei über seine staatliche Islambehörde zur sündigen Handlung (21). Die türkische Frauenrechtlerin Kizbes Aydin warnt berechtigt vor einer drohenden Verschiebung der „Schuld“ vom männlichen Belästiger (oder Vergewaltiger) auf die „unkeusche“, kulturell modern lebende Frau, die Turkish Daily News nennt die Geisteshaltung der Diyanet völlig zu recht als den afghanischen Taliban würdig. Mögen diese zaghaften türkischen Säkularen nachhaltig erfolgreich sein, an einem Gottesstaat Türkei ist uns nicht gelegen.

„Mit Migrationshintergrund“ wäre: In der kulturellen Moderne angekommen, und das stimmt eben noch immer nicht. Es wollen sich kleine männliche Grundschüler mit Migrationsvordergrund auf Deutschlands Schulhöfen mit einem wütenden: „Deine Mutter ist eine Hure!“ erfolgreich beleidigen. Immigrierender orthodoxer Islam ist eben zumeist leider kein Hintergrund, die Scharia steht im Vordergrund.

Überliefert von Ḥaḥṣin ibn Miḥṣin: »Hast du einen Ehemann? Sie antwortete : Ja. Er sprach : Wie bist du zu ihm? Sie sprach: Ich mühe mich ständig um ihn, außer in den Dingen, die ich nicht für ihn erreichen kann. Er sagte: Achte darauf, welchen Stand du bei ihm hast, denn er ist dein Paradies und deine Hölle.«

Der muslimische Ehemann ist der Kalif der muslimischen Frau. Das Seelenheil der Frau ist zentral von ihrem ehelichen Gehorsam abhängig, er kann ihr den Zugang ins Paradies verweigern. Unter der Bettdecke mit dem fallweise in einer islamischen Zwangsheirat (walī muǧbir) angetrauten Herrn entscheidet sich die imaginierte absolute Zukunft (al-āḫira, das Jenseits) der Frau als ihr Verbleib im paradiesischen Seelenheil oder in der ewigen Verdammnis. Der sinnlich-irdische (ad-dunyā, das Diesseits) Raum des sakramentalen Gehorsams der muslimischen Frau ist das Schlafzimmerkalifat.

Dem Menschen ist die Schwere und schmerzliche Zucht der Scharia zuzumuten. Dieses Aufladen der Bürde der šarīʿa auf jeden einzelnen Muslimen, diese Beschwerung und Belastung des Menschen mit dem islamischen Gesetz heißt taklif (at-taklīf), in Indonesien in englischer Schreibweise takleef. Mit womöglich militärischer, aber rational nachvollziehbarer „Pflicht“ (duty) oder gar mit der an Logik wie Ethik orientierten „Verantwortung“ (responsability) wird taklīf nicht sinnvoll (also ohne taqiyya) ins Deutsche übertragen.

Bezeichnenderweise ist taklīf auch der Name eines schiitisch-iranischen, mahnenden Initiationsfestes für die neunjährigen Mädchen. Bei der taklīf-Zeremonie lernen die weißgekleideten, vollverschleierten Mädchen, sich von heute an auf Schritt und Tritt von einem maḥram-Verwandten begleiten zu lassen, sich ansonsten von allen Jungen fern zu halten. Die Kinder müssen von nun an sittsam die Verschleierung des islamischen ḥiǧāb (Iran: pardā; deutsch: das ḥiǧāb-Provisorium Kopftuch) tragen, sie dürfen in der Öffentlichkeit nicht mehr lachen und müssen lernen, „den Westen“ kultureller Moderne als satanisch und ekelhaft anzusehen.

Über Sexualität zu sprechen, so wird den Mädchen suggeriert, sei eine schwere Sünde, Aufklärungsunterricht, Sexualkunde oder Gesundheitserziehung wird in der Logik dieser Gehirnwäsche zum satanischen Werkzeug. Zugleich ist die taklīf-Zeremonie als ein „schockierend festlicher“ Einstieg in die sexualmagisch blockierten Denk- und Lernverbote ganz gezielt die öffentliche Bekundung des Erwachsenseins, des Daseins als heiratsfähige Frau (22), (23).

Kinderverlobung, Eheanbahnung oder auch mal die Kindbraut mag sich mit dem iranischen oder sonstigen radikalislamischen „Reifezeugnis“ schrill-dissonant begegnen.

Kapitel 63 Vom Gebot, ein Mädchen zu verheiraten, wenn es volljährig ist

Überliefert von ʿAlī ibn Abī Ṭālib: »Es gibt drei Dinge, die du auf keinen Fall aufschieben darfst: Das Gebet, wenn die Zeit dafür gekommen ist, das Begräbnis, sobald es vorbereitet ist, und die ehelose Frau [zu verheiraten], wenn du einen geeigneten Mann [für sie] gefunden hast.«

Überliefert von Yaḥyā ibn Ab dar-Raḥmān ibn Abī Labība: »Wer erkennt, dass ein Kind heiratsfähig ist, und die Möglichkeit hat, es zu verheiraten, tut es aber nicht und dann geschieht etwas deswegen, so liegt die Sünde bei beiden.«

Überliefert von Muḥammad ibn Ibrāhīm al-Taimī von ʿAʾsha: »… Nichts ist besser für eine Frau als ein Ehemann oder das Grab.«

Überliefert von Zaid ibn Aslam: »Verheiratet eure Kinder, wenn sie erwachsen sind, damit ihr nicht ihre Sünden tragt.«

Überliefert von al-Ḥasan: »Verheiratet eure Frauen eilends, denn die Verzögerung weckt die Begierde in ihnen.«

Der fromme Frauenversteher al-Ǧauzī berichtet aus der für orthodoxe Muslime neben dem Koran sehr verbindlichen Hadithliteratur. Der „edle“ al-qurʾān und die gleichsam die Nervenfasern der Sunna bildenden Hadithen (aḥādīṯ, Singular ḥadīṯ) sind auch für die Hanbaliten die Basis der Scharia, für die drei anderen sunnitischen Rechtsschulen treten noch Analogieschluss (qiyās) und Konsensus der Gelehrten (iǧmāʿ) hinzu, um den Weg ins Paradies islamrechtlich (fiqh als die Anwendung der Theologie) mit Gerichtsurteilen und Fatwas zu pflastern. So genannte Beweiskraft (ḥuǧǧa) und damit Rechtsverbindlichkeit haben lediglich die als „stark, gesund“ (ṣaḥīḥ) bewerteten Hadithe, doch dürfen wir angesichts dieser fünf bei al-Ǧauzī zitierten Anordnungen Allahs, die Töchter mit Erreichen der Volljährigkeit zu verheiraten, die 2009 seitens von Frau Dr. Boos-Nünning verharmlosend arrangierte Ehe genannte Zwangsverheiratung sicherlich als ein veritables islamisches Sakrament bezeichnen. Das islamische Heiratsalter ist neun Jahre, im Volksislam, der ohnehin keinen Geburtstag feiert und die Kinder auf den lästigen türkischen, tunesischen oder deutschen staatlichen Formularen notfalls „zufällig“ am ersten Januar eines (irgendeines) Jahres, wahlweise am Ersten eines (irgendeines) Monats geboren sein lässt, ist die mütterseits schon mal mit Anschreien und Schlagen der Tochter befrachtete erste Regelblutung das göttliche Zeichen der Heiratsfähigkeit.

Islam und Frauenrecht: Die Frau hat das Recht, in ihre Zwangsverheiratung (walī muǧbir) einzuwilligen.

Das Befolgen der Befehle der Männer ist für die muslimische Frau ein heiliges Tun (Sakrament), das der Gehorsamen den Weg ins Paradies öffnet und der Ungehorsamen den Verbleib in der Hölle sichert. Die Muslima erst familiär und später zusätzlich ehelich zu schlagen, sichert somit ihr eigenes und unser aller Seelenheil.

Meine Damen und Herren, unser Innenminister beziehungsweise Ihr örtlicher katholischer oder evangelischer Funktionär wird es Ihnen so klar nicht sagen wollen oder dürfen: Die Frau im Islam ist gehorsamspflichtig. So und nicht anders klärt Allahgott die „Frauenfrage“. Die unter dem Stichwort Bezness (24) von mutigen Menschen wie Evelyne Kern (Sand in der Seele) dokumentierten Misshandlungen an Europäerinnen beispielsweise im nördlichen Afrika sind mitnichten auf die Kolonialzeit, die dortige Armut oder den Traditionalismus der Bevölkerung zurückzuführen, sondern sind Begegnungen mit dem Menschenbild und Frauenbild von Herren wie al-Ġazālī, al-Ǧauzī, Yūsuf al-Qaraḍāwī oder Recep Tayyip Erdoğan (25), (26).

Solange (zumal in Europa) der organisierte Islam und die muslimische Mehrheit die Abkehr von der Scharia und vom fiqh nicht vollzogen hat, solange also der Islam unter Frauenrecht das Recht auf Gehorsam versteht, dürfen und müssen wir die besprechenswerte Opfererfahrung der Frauen im „Bezness“ als etwas zutiefst Islamisches bezeichnen.

Kapitel 64 Von der Gehorsamspflicht dem Ehemann gegenüber und von seinem Recht auf seine Frau

»Ein Mann fragte den Gesandten Gottes: Was ist, wenn ein Mann unter uns Verlangen nach seiner Frau verspürt? Er antwortete: Sie kann es ihm nicht versagen, auch wenn sie am Backofen beschäftigt ist.«

Auch von ihm überliefert: »Wenn der Mann seine Frau ruft, soll sie kommen, selbst wenn sie am Backofen zu tun hat.«

Allahgott meint es gut mit den Männern: Buchstäblich jederzeit ganz wild geschlechtlich verkehren zu dürfen, bedarfsweise ohne Zustimmung des benutzten Weibes. Ob eine solche als Religion getarnte Sexualpolitik nicht auch für deutsche Sinnsucherinnen und Sinnsucher geeignet ist?

Das andernorts als obszön etikettierte frauenfeindliche Augenzwinkern versauter Männerbünde erfährt Heiligung. Diese Araber sind doch tolle Kerle. Mag das Brot doch verbrennen, der fromme Mann will ficken, die Achtundsechziger hätten gesagt: Ganz im Hier und Jetzt.

Islam bedeutet Besinnung auf das Wesentliche: Die gleichermaßen zu Moral und Recht werdende Unterwerfung der Frau.

Überliefert von Muʿadh ibn Djabal: »Würde es recht sein, dass ein Mensch sich vor einem anderen hinwirft, dann würde ich der Frau befehlen, sich vor ihrem Ehemann hinzuwerfen … «

Nur einer von drei nahezu gleichlautenden Hadithen, denn wie Muʿāḏ ibn ‎ Ǧabal ist beispielsweise auch Anas ibn Mālik der Meinung, dass die Frau allen Anlass der Welt hat, sich vor ihrem Ehemann in demütiger Huldigung in den Staub zu werfen.

Die Verachtung des „unten“ gegenüber dem „oben“, die geheiligte Geringschätzung der Erde gegenüber dem Himmel ist typisch patriarchalisch bzw. manichäisch und verdoppelt die Geometrie der kosmischen Herrschaft des „himmlischen“ muslimischen Mannes über das „erdige“ muslimische Weib, mikrokosmische Entsprechung letztlich zur Überordnung der „geistigen“ Gottheit (allāh) über den nicht zufällig ziemlich „irdischen, weiblichen“ Satan (iblis). Um die zerstörerische Wirkung des Scharia-Islam aufzulösen und um den Islam der Einwandererfamilien mit der kulturellen Moderne auszusöhnen, haben wir Pädagogen und Erzieher darauf zu achten, dass die leider in Koran und Sunna tief verankerte Geringschätzung des Erdhaften (im Sufismus wie Dschihadismus: Des Diesseitigen) aufgehoben wird. Die örtlichen Moscheegemeinden und sämtliche deutschen Islamverbände werden uns dabei noch auf einige Zeit Gegenspieler sein.

Überliefert von Ibn ʿAbbās: »Dies sind die Ehefrauen von euch, die zu den Paradiesbewohnerinnen gehören werden: Die Freundliche, die Vielgebärende und diejenige, die, wenn sie jemandem Schaden zufügt oder einen solchen erleidet, zu ihrem Mann kommt und ihre Hand in die seine legt und spricht: Ich will keinen Schlaf mehr kosten, bis du wieder froh bist.«

Bewerkenswert, dass es unerheblich ist, ob die Frau jemanden beschädigt hat oder von jemandem beschädigt wird. Sie hat in beiden Fällen des weltlichen und sozialen Kontaktes nur einen Auftrag, den Ehemann glücklich zu machen. Wie das geschieht, bestimmt nicht sie.

Die Frau muss wissen, dass sie für den Ehemann wie ein Sklave ist.

Das Weib wird dem Männerrecht nutzbar. Islam ist Nutzbarmachung.

Die Eltern der Frau, insbesondere aber die Mutter, müssen sie das Recht des Mannes lehren und ihr alle Ratschläge geben.

Die Braut hat ja schließlich Geld gekostet. Noch ein letzter al-Ǧauzī zum islampädagogischen Schlusswort:

Kapitel 67 Davon, dass es dem Mann erlaubt ist, seine Ehefrau zu schlagen

Wenn die Frau gegen den Mann aufbegehrt oder sich ihm in etwas widersetzt, worauf er ein Recht hat, soll sie mit Erlaubnis Gottes, des Starken und Mächtigen, erzogen werden, indem er sie ermahnt. Wenn sie aber weiter darauf besteht, sich zu widersetzen, soll er sie von der Lagerstatt fernhalten. Beharrt sie dann noch, soll er sie schlagen, aber nicht heftig, ein oder zwei Peitschenhiebe oder ein wenig mehr.

So viel zu Abū l-Faraǧ Ibn al-Ǧauzī, zur Rolle der Frau im Islam und zu Allahs ein oder zwei Peitschenhieben. Oder ein wenig mehr.

Jacques Auvergne

(1) Tarafa Baghajati: „FGM – weibliche Genitalverstümmelung steht im Widerspruch zum Islam“

http://www.thieme.de/viamedici/aktuelles/artikel/fgm.html

(2) Österreichische radikalislamische Funktionäre verbreiten bewusst die Unwahrheit, FGM sei nichtislamisch: Baghajati und al-Rawi. FGM sei ein „afrikanischer Brauch“, den es unmöglich im Irak geben könne

http://sebandthecity.typepad.com/seb_and_the_city/files/wie_geschmiert.pdf

(3) Abenteurer und Atheist Rüdiger Nehberg kämpft gegen FGM – mit dem fragwürdigen Werkzeug des mittelalterlichen, sexualmagisch und misogyn orientierten Fatwa-Wesens und mit Unterstützung der radikalislamischen politischen Bewegung

http://jacquesauvergne.wordpress.com/2009/04/19/112/

(4) Was Anti-FGM-Fatwas nicht bewirken können. Ein Plädoyer für die sexuelle Unabhängigkeit der Frauen. Von Mary Kreutzer

http://sites.google.com/site/marykreutzer/publikationen/was-anti-fgm-fatwas-nicht-bewirken-koennen

(5) naǧis (nadschis) ist satanisch besudelt, naǧāsa (nadschasa) oder naǧāsāt die das Seelenheil gefährdende Besudelung

http://en.wikipedia.org/wiki/Najis

(6) Ziel der an ein andressiertes Zwangshandeln heran reichenden islamischen Lebensweise ist die aufwändige Erreichung oder Wiederherstellung der prekären rituellen Reinheit aṭ-ṭahāra, der himmlisch geputzte Muslim ist also momentan rein, ṭāhir, auch pāk (paak, pak) genannt

http://de.wikipedia.org/wiki/Tah%C4%81ra

(7) Bernard Bauschert: Hintergründe der AIDS-Epidemie in Afrika. Ndiri kutsvaga sauti – Ich suche nach Salz. Überlieferte Vorstellungen und tradierte Sexualpraktiken lassen die HIV-Prävention häufig ins Leere laufen.

A-1372 (44) Deutsches Ärzteblatt 95, Heft 22, 29. Mai 1998

http://aerzteblatt.lnsdata.de/pdf/95/22/a1370-72.pdf

GEO: „Er ist 40 Jahre alt, sie elf. Und sie sind verlobt – der Afghane Faiz Mohammed und das Kind Ghulam Haider.“ Foto: Stephanie Sinclair

http://www.geo.de/GEO/fotografie/fotoshows/57462.html?t=img&p=3&pageview=

(8) Barbara Kirchner: Zwölfjährige bekam in Zwangsehe ein Baby

http://www.express.de/nachrichten/region/duesseldorf/zwoelfjaehrige-bekam-in-zwangsehe-ein-baby_artikel_1212758529424.html

(9), Brescia: Sposa a 11 anni, madre a 12: arrestato marito a Brescia

http://www.lastampa.it/redazione/cmsSezioni/cronache/200807articoli/34428girata.asp

(10) Brescia: Il marito, kosovaro, 21 anni, è in prigione da luglio per violenza sessuale e riduzione in schiavitù. Sposa bambina, arrestati i suoceri

Ha partorito a 12 anni. L‘ accusa: comprata in Serbia per 17 mila euro Devono rispondere di immigrazione clandestina, concorso in violenza sessuale e riduzione in schiavitù

http://archiviostorico.corriere.it/2008/ottobre/17/Sposa_bambina_arrestati_suoceri_co_7_081017007.shtml

(12) Forced Marriage Unit

Our Forced Marriage Unit is a joint-initiative with the Home Office. We see over 1600 reportings of forced marriages a year.

If you are worried you might be forced into marriage or are worried about a friend or relative see information for victims, or call us on 0207 008 0151.

Our trained professionals offer confidential advice and assistance to:

– those who have been forced into marriage overseas

– those at risk of being forced into marriage

– people worried about friends or relatives

– professionals working with actual or potential victims of forced marriage

http://www.fco.gov.uk/en/fco-in-action/nationals/forced-marriage-unit/

(13) Miguel Serveto (Michel Servet) leugnet die Dreifaltigkeit? Jean Cauvin (Johannes Calvin) reinigt die Genfer Erde vom Teuflischen. Evangelisches Töten für Jesus! Verbrennung auf kleiner Flamme gemeinsam mit seinen Schriften

http://jacquesauvergne.wordpress.com/2009/05/23/121/

(14) „Mann und Frau in Gleichberechtigung (Gleichheit in der Differenz)“, „Regeln regeln das Zusammenleben“. Aus: Lehrplan für die islamische Unterweisung in deutscher Sprache Grundschule Hauptschule Jahrgangsstufen 1 bis 10. Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus (2005)

http://www.isb.bayern.de/isb/download.aspx?DownloadFileID=ebaab98abb1856b37c8f97dc7580121c

(15) Sheikh al-Hilali: „The uncovered meat is the problem.“ The sheik then said: „If she was in her room, in her home, in her hijab, no problem would have occurred.“

He said women were „weapons“ used by „Satan“ to control men.

http://www.theaustralian.news.com.au/story/0,20867,20646437-601,00.html

(16) Chris Hurford und der Scheich Hilaly

http://www.abc.net.au/insiders/content/2003/s890658.htm

(17) Lakemba-Mosque, Lebanese Moslem Association

http://www.lma.org.au/about.php

(18) TBB ist gegen Pro-Reli und schweigt zur Scharia

http://www.tbb-berlin.de/?id_presse=91

(19) TBB ist ein bisschen gegen Kopftuch im Öffentlichen Dienst, aber nicht gegen Kopftuch

http://www.tbb-berlin.de/?id_presse=41

(20) http://www.fataawa.de Frage Nummer 0042 nach http://www.islam-qa.com Frage 7850. Zum Thema Frau und Parfüm. Scheich Muhammad Salih al-Munadschid

http://www.fataawa.de/Fatawaas/7.Verhalten%20&%20Moral/2.schlechtes%20Verhalten/0042.pdf

(21) Willkommen im Mittelalter. „Diyanet Isleri Baskanligi“ (Diyanet İşleri Başkanlığı, DIB). Leitfaden für das gute und vorbildliche Leben der muslimischen Frau

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,556473,00.html

(22) Initiation der neunjährigen Mädchen: die taklif-Zeremonie. Nozrat Kazemi-Trensch: Bildung von Mädchen und Berufsleben der Frauen in drei islamischen Ländern Afghanistan, Iran, Jordanien (2003). Suchfunktion: taklif

http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/volltextserver/volltexte/2004/4407/pdf/Dissertation.pdf

(23) Initiation der neunjährigen Mädchen. Bei: Mohebban-e-Fatemeh: Suchfunktion: takleef

http://mohebban.burjalsaheb.com/wp-content/uploads/2009/04/fatemeh-3.jpg

(24) Für säkular und gleichheitsfeministisch geprägte Europäerinnen ein Kulturschock: Bezness. In völliger Harmonie mit der Scharia

http://www.1001geschichte.de/

(25) Boris Kalnoky: Seit Erdogan regiert, haben die Frauen es schwer

http://www.welt.de/politik/article913046/Seit_Erdogan_regiert_haben_es_Frauen_schwer.html

(26) Türkische Unis: Erdogan will Kopftuchverbot kippen

http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,506728,00.html

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Sabine Schiffer: Das Bild vom Islam in unseren Koepfen

Juli 27, 2009

التسامح

at-tasāmaḥ,

Toleranz

Mehr Toleranz der Intoleranz?

Die wissenschaftliche deutsche Islamverehrung treibt kuriose Blüten. Von Jacques Auvergne, 27.07.2009

Die 1966 in der nördlich von Aachen gelegenen Kleinstadt Geilenkirchen geborene Kommunikations- und Sprachwissenschaftlerin sowie Medienpädagogin Dr. phil. Sabine Schiffer war nach eigenen Angaben (vielleicht ja sehr zeitweiliges) Mitglied der Arbeitsgruppe „Wirtschaft und Medien als Brücke“ der auf drei Jahre angesetzten, zwischen 2006 und 2009 tätigen Deutschen Islamkonferenz (DIK). Seit Sommer 2009 ist die Arbeit der DIK auf Bundesebene plangemäß (hoffentlich) eingestellt worden, sie droht jetzt allerdings auf der Ebene der Länder und der Kultusministerkonferenz fortgesetzt zu werden.

Wolfgang Schäubles DIK gefährdet die Demokratie, das Risiko ist die Implementierung der Scharia ins deutsche Recht, zuerst einmal ins Personenstands- und überhaupt ins Familienrecht. Weiteres Demokratierisiko besteht in Form von möglichen Handlungsempfehlungen an Rundfunk und Presse.

Den europäischen Fernsehanstalten, Verlagen und Zeitungsredaktionen könnte mit Unterstützung islamfreundlicher Kommunikationswissenschaftler und Medienpädagogen nahe gelegt werden, über die scharī’a, die nicht kodifizierte, doch seit etwa dem Jahr 1050 n. Chr. als Totalitarismus aufgebaute islamische Pflichtenlehre nur Gutes zu schreiben. Den Medien könnte empfohlen werden, und über den fiqh, sprich über die islamischen Fallrechtsurteile (case law) als die Bauteile der „Maschine Scharia“, nur positiv zu berichten. Fiqh ist die rechtliche (islamrechtliche) Anwendung der Scharia, fiqh ist die Sakraljurisprudenz. Redakteure und Journalisten könnten doch die Vereinbarung unterzeichnen, über die imām-nikāḥ und den walī muğbir nicht kritisch zu schreiben oder am besten überhaupt nicht zu schreiben.

An die Jugendämter würde man appellieren, jedes Kopftuch und die Burka wohlwollend zu dulden, arrangierte Ehe als akzeptable Lebensform anzusehen (Boos-Nünning) sowie das islamische Heiratsalter für Neun- bis Vierzehnjährige EU-weit als kulturelle Besonderheit nach dem für die türkische Minderheit geltenden griechischen Modell zu betrachten. Die nicht islamophoben Jugendämter und Schulministerien hätten Vielweiberei zu preisen und auch bei unbotmäßigen (islamkritischen namentlich antischariatischen) Pädagogen und Sozialpädagogen für eine Akzeptanz der repressiven Erziehung mit der Drohung vor der Hölle und dem orthodox zu empfindenden Ekel auf die Unreinen zu sorgen. Printmedien und Kultusministerkonferenz könnten jede Islamkritik fälschlich als Rassismus etikettieren und die grundrechtswidrige Scharia als mit den allgemeinen Menschenrechten vereinbar. Derartig bedroht die ganz offiziell als nicht beendet bezeichnete DIK die säkulare Demokratie, denn politischer (orthodoxer) Islam ist Rechtsspaltung.

Die Arbeitsgruppe 3 der DIK „Wirtschaft und Medien als Brücke“ hatte das Ziel, integrationsfördernde Wirtschafts- und Medienprojekte zu initiieren. Die Mitglieder dieser Arbeitsgruppe befassten sich einerseits mit den Bereichen Bildung, Ausbildung und Arbeitsmarkt, da junge wie erwachsene „Muslime“ hier gegenüber der Mehrheitsgesellschaft im Nachteil seien. Andererseits ging es der Arbeitsgruppe (AG) Wirtschaft und Medien als Brücke um das „Islambild in den Medien“ (DIK). Die Arbeitsgruppe sah sich in der Pflicht, Empfehlungen für eine islamfreundliche „Berichterstattung zu konzipieren, die Stereotype durchbricht und Vorurteile abbaut“ (DIK), zu diesem Zwecke habe „die AG neben zwei Fachkonferenzen zur Thematik bereits Handlungsempfehlungen formuliert“.

Arbeitsgruppe 2 war „Religionsfragen im Deutschen Verfassungsverständnis“. Die optimistische DIK vermeidet wieder einmal das Aussprechen des Wortes Scharia und vermeldet freudevoll: „Wie gelingt die Einführung islamischen Religionsunterrichts in Schulen? Wie gelingt es, alle muslimischen Kinder an schulischen Veranstaltungen, wie koedukativem Schwimmunterricht, Sexualunterricht oder Klassenfahrten teilhaben zu lassen? … Wie kann eine Bestattung nach muslimischem Glauben erfolgen? Diese und andere Aspekte werden vor dem Hintergrund der deutschen Gesetze und Verordnungen bearbeitet. … Bis zum Frühjahr 2008 ist es der Arbeitsgruppe beispielsweise gelungen, ein rechtliches Grundlagenpapier für die Einführung eines islamischen Religionsunterrichts in deutscher Sprache vorzulegen.“

Arbeitsgruppe 1 nannte sich „Deutsche Gesellschaftsordnung und Wertekonsens“, was dort im Frühjahr 2007 festgehalten und der muslimischen Seite als leckere freiheitlich-demokratische Speise gereicht wurde, wiesen die in hohem Maße an der frauenfeindlichen Scharia orientierten und damit im gleichen Maße gegendemokratischen Islamverbände naserümpfend als ungenießbar zurück. Angeblich hätten schlussendlich, bis auf den Islamrat, die drei anderen schariatreuen Verbände (DİTİB, ZMD, VIKZ) zugestimmt. Wir dürfen der DIK Intransparenz attestieren. Deutschlands islamskeptische nichtmuslimische und muslimische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger haben jetzt die Aufgabe, herauszufinden, was den eigentlich Gegenstand der realen oder angeblichen Zustimmung gewesen ist. Organisierte Undurchschaubarkeit, das Prinzip Hinterzimmer, auch das gehört zwischen Jakarta und dem Kölner Dom zur Theologisierung der Politik, die sicherlich auch evangelikal betrieben wird, in der Bilanz aber stets Islamisierung heißt.

Lediglich die der Deutschen Islamkonferenz (dem „Plenum der Dreißig“, 15 muslimische, 15 staatlich-nichtmuslimische Vertreter) angehörigen säkularen Muslime wie Ezhar Cezairli (FAZ 27.04.2007) wertschätzen die Trennung von Religion und Staat, wollen die Gleichberechtigung von Mann und Frau und bejahen die Standards der AG „Deutsche Gesellschaftsordnung und Wertekonsens“ gerne. Der Zentralrat der Ex-Muslime tat das einzig richtige und forderte am 30. April 2007 die sofortige Auflösung der Deutschen Islamkonferenz.

Sabine Schiffer leitet das Institut für Medienverantwortung, ein erleuchtet anmutender Name, der seltsam nach Teheran, den Taliban oder der Wahhabiyya anmutet: „Ministerium zur Beförderung der Tugend und zur Verringerung des Lasters“. Medienverantwortung – wer so einem hehren Anspruch widerspricht, ist ja womöglich verantwortungslos.

Schiffer hält 2009 Vorträge mit dem Titel »Islamfeindlichkeit in den Medien« (LidiceHaus Bremen) und lässt Veranstaltungen mit Namen wie »Pädagogisches Seminar Islamfeindlichkeit« oder »Fachtagung Islamfeindlichkeit« organisieren. Soll hier etwa die Pädagogik kultureller Moderne mit der frauenfeindlichen Scharia in den multikulturellen Dialog der Rechtsspaltung treten? Höchste Zeit, Margalith Kleijwegt zu zitieren: „Schaut endlich hin!“

Höchste Zeit also, die folgenden acht Texte, Quellen im Anhang, auf demokratiegefährende Islamverträglichkeit (Schariakompatibilität, Verharmlosung oder Duldung der islamischen Sakraljurisprudenz des fiqh) zu untersuchen.

1. Was ist mir noch heilig? „Islam und Gewalt“, 2007

2. Musliminnen in Deutschland, 2006

3. Verbaler Dauerbeschuss gegen die Antikriegsstimmung in Deutschland, ohne Datum

4. Der Islam in unseren Köpfen, 2005

5. Projektionsfläche Islam, 2006

6. Nach dem Mord im Dresdener Gericht: Medien und Politik tun sich schwer, Ursachen zu benennen, 2009

7. »Ich glaube, die Politik ist erschreckt.« Über das Verhalten der Medien im Mordfall Marwa el-Sherbini, 2009

8. Das Kopftuch oder die Möglichkeiten antirassistischer Erziehung, ohne Datum

1. Was ist mir noch heilig? „Islam und Gewalt“, 2007

Als könnten Menschen nicht auch im Namen von Menschenrechten und Demokratie Kriege führen

Missbrauch von Prinzipien, Standards oder Maßgaben kommt vor. Sollen wir jetzt auf alle Standards verzichten? Ist Frau Schiffer jetzt für oder gegen die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte? Die freiheitlichen Demokratien sind nicht perfekt, aber zumeist ausgesprochen lebenswert. Ist Schiffer der kulturellen Moderne überdrüssig?

Ich glaube, dass wir mit dem Abgleich zwischen Meinungsfreiheit auf der einen und religiösen Gefühlen/Ehrverletzung auf der anderen Seite zu kurz greifen,

Sollen wir die Grundrechte einschränken, um die angeblich empfindlichsten aller Religiösen in ihrer ko(s)mischen Hochnäsigkeit nicht zu stören?

Dem gleichen Mechanismus unterliegen Mediendarstellungen in verstärkter Art und Weise. Der zugrundeliegende Frame etwa für den Karikaturenstreit, war der Fall Rushdie/Khomeini. Schnell, weil schon ein Interpretationsraster/Frame vorhanden war, wurde der Fall der Provokation der rechtslastigen dänischen Jyllands Posten in diesen Kontext eingeordnet – ohne auch nur seine spezifischen Inhalte genau geprüft zu haben. Statt über die Aussagen der Karikaturen zu diskutieren, wurde ihre Existenz auf den Kampf um die Meinungsfreiheit reduziert.

Der 2007 in Kopenhagen verstorbene, 1946 in Jaffa geborene Islamist Ahmad Abu Laban war Imam an der Tauba-Moschee der dänischen Hauptstadt. Laban erlangte Berühmtheit, als er am 23. Dezember 2006 in einem Interview mit der Zeitung EkstraBladet das in Dänemark übliche christliche Fest der Geburt des Jesus von Nazareth mit einem „Euer Weihnachten ist pervers!“ kommentierte (1). Der weltbekannte Fastenmonat Ramadan ist für den engagierten dänischen Imam selbstverständlich nicht pervers. In den gedruckten Karikaturen witterte der erfolgreiche Asylbewerber Laban eine gewisse Chance und reiste durch den nahen Osten (bis auf Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate), um für die notwendige Proteststimmung zu sorgen.

Weil das anfangs nicht so recht gelingen wollte, schmuggelte man weitere, ziemlich eklige Karikaturen unter die sehenswerten Zeichnungen der Jütländischen Post (Jyllands Posten) und organisierte, theaterpädagogisch beachtlich, Szenen kollektiver Wut. Der fromme dänische Muslim Laban hielt das nigerianische Steinigungsurteil, dass ein Scharia-Gericht 2002 gegen die islamrechtlich unkeusche Amina Lawal verhängt hatte, für völlig akzeptabel (sie konnte später der Verurteilung entgehen).

Weil sein Islamismus doch sehr extrem war, Laban nannte den Terroristenführer Osama bin Laden einen „Freiheitskämpfer“, wurde er von Ägypten und den Vereinigten Arabischen Emiraten mit Einreiseverbot (Persona non grata) belegt. Der Imam der Tauba-Moschee und Choreograph der weltweiten Proteste gegen die harmlosen und für interreligiöse Gespräche gut geeigneten dänischen Mohammed-Karikaturen forderte die Einführung der vollumfänglichen Scharia in Dänemark, nach der, so Islamkenner Laban, muslimischen Gewaltopfern die diyya (das koranische, kulturrassistisch abgestufte Blutgeld) auszubezahlen ist.

Religion braucht Kritik, Kunst, eben auch politische Kunst ist ein wunderbares Werkzeug der gesellschaftlichen Weiterentwicklung. Die Karikatur (Punch ab 1841; Simplicissimus 1896-1944) hat den Ausstieg Europas aus dem Feudalwesen glücklich begleitet.

2. Musliminnen in Deutschland, 2006

Bassam Tibi ist out – eine Reihe junger Frauen hat seine Rolle übernommen. Als Ankläger gegen den Islam mit Insiderblick werden sie gerne als Kronzeugen gegen die Verwerflichkeiten einer Religion benutzt, die man nur von bestimmten Thematisierungen kennt.

Schiffer schreibt: „Eine Religion, die man nur von bestimmten Thematisierungen kennt“, damit unterstellt sie der deutschen Bevölkerung Unkenntnis über den Islam.

Wir erkunden den Islam seit mehreren Jahren. Professor Bassām Ṭībī dürfte den Islam auch ein wenig kennen. Welches Kollektiv also ist denn bitte das „man“, das den Islam nur einseitig kennt?

Gemeinsam kämpfen sie gegen einen für rückständig und reaktionär erklärten Islam, den sie als Grund vielen Übels ausgemacht haben.

Der Bügel der Falle beginnt sich zu spannen, Wafa Sultan, Ayaan Hirsi Ali, Seyran Ateş, Serap Çileli, Necla Kelek, Sonja Fatma Bläser und viele andere Frauen sind also die Verräterinnen, die sich vom eurozentrischen Mob gegen die sanften Imame des Scharia-Islam und die weisen Scheichs der Kairoer al-Azhar einspannen lassen. Hier muss die Medienpädagogin unbedingt antirassistisch einschreiten.

Dass die aus der Kabylei stammende Djura bereits 1991 »Le voile du silence« geschrieben hatte, ist der Erlanger Sprachwissenschaftlerin unbekannt. Schade, ein wichtiges Buch für erfolgreiche Sozialarbeiter oder Lehrer, deutsch »Der Schleier des Schweigens« (2). Aber Vorsicht, es kommen Missstände darin vor, nicht dass ich jetzt auf die Idee käme, zu sagen, die von Autorin Djura beschriebenen nordafrikanischen Traditionen der Gewalttaten und Ehrenmordversuche hätten etwas mit dem Islam zu tun, da sei Sabine Schiffer vor.

Noch zum Thema Frauenrolle im europäischen Islam: Samira Bellil: Dans L`enfer des tournantes (3). Ach so, tournante nennt man in den Pariser Vorstädten die Gruppenvergewaltigung, kriminelle Banden von muslimisch sozialisierten jungen Männern bezichtigen Kopftuchverweigerinnen und andere „Schlampen“ der Unmoral (Islamverweigerung, Apostasie) und schaffen sich derartig die unzufällig erwünschten Sex-Sklavinnen. In deutscher Sprache lesenswert ist auch Hülya Kalkan: Ich wollte nur frei sein. Meine Flucht vor der Zwangsehe (4). Oder: Inci Y.: Erstickt an euren Lügen. Eine Türkin in Deutschland erzählt (5).

Am 4. Oktober 2002 wurde im Pariser Vorort Vitry-sur-Seine die siebzehnjährige muslimische Französin Sohane Benziane von einem jungen Mann in einem Keller mit am Vortag organisiertem Benzin übergossen und angezündet. Sterbend konnte sie auf die Straße laufen, wo ein Dutzend Menschen Zeuge ihres Todes wurden. Als menschenrechtliche namentlich frauenrechtliche Reaktion entstand 2003 aus der Aufarbeitung gerade auch dieses Ehrenmordes die bewundernswerte Organisation »Ni putes ni soumises (NPNS)«, was man übersetzen kann mit: Weder Nutten noch Unterworfene. Die Deutsche Sabine Schiffer möchte ja vielleicht einmal nicht bei der Nürnberger Arbeiterwohlfahrt (AWO), sondern bei der NPNS über die Vorzüge der Scharia und die Frauenfreundlichkeit des schariatischen Kopftuches dozieren.

Am 17. Oktober 2004, einen Tag vor ihrer Heirat, wurde Ghoffrane Haddaoui in Marseille gesteinigt. Ein 17jähriger Tunesier warf die Steine mit einem 16jährigen Mittäter. Hat aber nichts mit Koran und Scharia zu tun, würde Frau Sabine Schiffer sicherlich sagen. »Ni putes ni soumises« machte auf diesen ersten Fall von Steinigung auf dem Gebiet der Europäischen Union mit couragierten Protestaktionen aufmerksam.

Seyran Ates hat es erlebt, dass man bestimmte kulturelle Vorgaben als islamisch gerechtfertigt dargestellt hat.

Immer diese Geheimniskrämerei. Frau Kommunikationsforscherin: Was für „bestimmte kulturelle Vorgaben“ entdecken Sie in den Texten der Gesellschaftskritikerin und Rechtsanwältin Ateş? Damit wir diskutieren können, wie sehr oder wie wenig islamisch diese „Vorgaben“ sind.

Erlanger Islamverteidigung, betrieben im Blindflug, anscheinend unbelastet von jeder Islamkenntnis, was schon kühn ist. Doch ohne Fakten zu nennen auf Islamkritikerinnen herumzuhacken ist frech.

Und dies führt sie heute gegen eine vermeintliche Dominanz islamischer Werte an. Diese Werte und nicht deren Instrumentalisierung empfindet sie als Problem.

Seyran Ateş kennt den Islam.

Sehr geehrte Frau Sabine Schiffer, verteidigen Sie hier etwa die islamischen Werte? Welche islamischen Werte denn halten sie für verteidigungswürdig?

Dabei müsste dies eigentlich ihrer Kollegin Necla Kelek gelingen, zumal diese ihre Erkenntnisse in einer wissenschaftlichen Arbeit evaluieren konnte. Die Soziologin hatte mit ihrer Doktorarbeit auch ein durchaus differenziertes Ergebnis vorgelegt. Breite Resonanz fand das Buch jedoch nicht in seiner Originalfassung, sondern als popularisierte Erlebniserzählung mit wissenschaftlichem Impetus – und diametral entgegen gesetzter Aussage.

Man kann seine Meinung ändern, das unterscheidet Wissenschaftlichkeit vom Fundamentalismus. Die Doktorarbeit ist in keiner Weise die „Originalfassung“ der Erzählung.

Doch so viel Komplexität ist für den „sensationslüsternen“ Buch- und Medienmarkt kaum dienlich. Wenn Necla Kelek sich mit ihrer reduzierten und zugespitzten Publikation für diesen Wirkungskreis entschieden hat, dann sollte sie auch als Meinungsmacherin und nicht als wissenschaftliche Analytikerin und soziologische Beraterin behandelt werden.

Sabine Schiffer versucht, Necla Kelek als Forscherin, Soziologin und Beraterin unglaubwürdig zu machen. Wir halten sehr viel von Frau Kelek. Die Argumente der Dr. Schiffer gegen die Soziologin sind wenig plausibel.

Dass sie überdies für die offensichtlich reißerische Veröffentlichung von „Die fremde Braut. Ein Bericht aus dem Inneren des türkischen Lebens in Deutschland“ noch Preise, wie den „Geschwister-Scholl-Preis“ erhielt, zeugt nicht von einer vielfach vermuteten Brillianz ihrer Arbeit, sondern vielmehr von einem Zeugnis mangelnder Kritikfähigkeit des Publikums, vor allem bei Aussagen, die der antiislamischen Lesererwartung entsprechen.

Wir sind also doof? Frau Schiffer, Sie erklären uns, das Publikum für „nicht kritikfähig“ sprich für deppert? Vor einigen Jahrzehnten soll es einen exzentrischen Kunststil gegeben haben, bei dem als Höhepunkt des Abends die volle Publikumsbeschimpfung zum Einsatz kam.

Schiffer verknüpft den Begriff Kritiklosigkeit (Unbildung, Unbelehrbarkeit) mit Islamkritik. Wer Fatwas, Muftis, Ayatollahs, Steinigungen, Hadith, Koran, Dschihad und Kalifat kritisiert, der ist damit laut Schiffer entweder ungebildet oder verstockt, auf jeden Fall verachtenswert.

Wir Pädagogen verachten keine Ungebildeten, sondern bringen ihnen gerne etwas bei. Frau Dr. Schiffer etwa könnte anfangen, etwas über die Scharia und das islamische Recht zu lernen.

Die Zwangsheirat. Die Relation zwischen dieser Praxis und dem Islam, die von Autoren wie Necla Kelek hergestellt wird, ist daher schlichtweg falsch.

Walī muǧbir. Mücbir veli. Der zwingende Heiratsvormund ist schlichtweg Islam (6). Für das in Erlangen weltberühmte »Institut für Medienverantwortung« mag die vom Ministerium für Frauen, Familie und Gesellschaft (Malaysia) verstaatlichte islamische Zwangsverheiratung ja vielleicht völlig in Ordnung sein:

„Ist vor Abschluss der Ehe seitens der Braut ein Einverständnis erforderlich?“ „Ja, für jede Ehe ist die Zustimmung der Brau erforderlich. Für eine Frau, die bislang noch nie verheiratet war (Jungfrau), kommt das Einverständnis von ihrem Wali Mudschbir (Heiratsvormund).“ „Kann ein jungfräuliches Mädchen durch den Wali Mudschbir ohne ihre Zustimmung in eine Ehe gezwungen werden?“ „Ein Jungfräuliches Mädchen kann durch ihren Wali Mudschbir ohne ihr Einverständnis zwangsverheiratet werden, unter der Voraussetzung, dass die Ehe sekufu ist, standesgemäß, und der Braut keine dharar syarie bewirkt, keine Verletzung der islamischen Pflichtenlehre.“

Sekufu, unsere berühmte Islamkennerin Sabine Schiffer weiß das doch sicherlich, bedeutet statusbezogen-ständische Gleichheit, dharar bedeutet Verlust, Beschädigung oder Schaden. Syarie = schariatisch, die [von Allahgott jedem Muslimen] auferlegten Pflichten betreffend, schariatisch; zu syariah = Scharia. Darar syarie / dharar syarie bedeutet „gegen das Islamische Recht verstoßend“, antischariatisch. Heiratsalter sprich Geschlechtsverkehr für das nach der Scharia muslimisierte Mädchen, unsere medial verantwortliche Sabine Schiffer möchte dazu ja vielleicht etwas sagen, ist neun Jahre.

Vor Allahgott gilt aus der Sicht von Fundamentalisten eben nicht die standesamtliche türkische, tunesische oder deutsche Ehe, sondern die imām-nikāḥ, die Imam-Ehe. Geldsummen werden auf einem Papier namens Ehevertrag festgehalten, der natürlich keine im Sinne der kulturellen Moderne nennenswerte Rechtssicherheit bietet. Für den diskriminierten Status der Frau in der imām-nikāḥ sorgen Schwiegermutter, Ehemann und Allāh.

Zur islamischen Eheschließung braucht man eine Frau und ihren walī (hier in der Bedeutung Heiratsvormund). Dieser soll männlich sein, es geht schließlich um eine um wichtige Sache. Eine Frau kann im Islam niemals ihr eigener Heiratsvormund sein, die Scharia will schließlich den Brautpreis nebst Tochtertausch. Vater und Großvater väterlicherseits können die junge Frau oder das Mädchen, ein Heiratsalter des Mädchens von 13, 11 oder auch 9 Jahren ist islamrechtlich einwandfrei, auch gegen ihren Willen in die erste Ehe zwingen. Das ist islamische Rechtsfindung (fiqh), das ist Scharia.

Blumig orientalische Verstoßung mit dreimaligem »ṭalāq!« birgt das Risiko, vom Herkunfsclan als Fleck auf der Familien- oder Stammes-Ehre (nāmūs) empfunden zu werden, ein sozialer Makel, der bekanntlich nur mit femininem Blut „gewaschen“ werden kann. Der Mann kann bis zu drei weitere Frauen ehelichen (kaufen) und eine nicht festlegbare Anzahl von ehrlosen Konkubinen. Die ehrbaren Frauen sind an ihrem Hidschab oder Kopftuch (Tschador, Burka, Dschilbab) erkennbar. So viel auch zum Thema Scharia und Kopftuch.

Ḥiǧāb, imām-nikāḥ, walī muǧbir, ṭalāq, was sagt uns das?

Dass Sabine Schiffer vom Islam keine Ahnung hat.

Wir brauchen also eine Verlagerung der Debatte hin zur Anprangerung grundsätzlich aller Missstände ohne dabei nur einzelne Facetten aus zeitgemäßen, politischen oder medialen Motiven übermäßig zu betonen. Nach wie vor bleibt es eine feministische Aufgabe, die weltweiten patriarchalischen Strukturen zu kritisieren, die sich jeweils regional äußern.

Wo bitte ist denn die Kritik der Frau Schiffer an Frauenentwürdigung und Frauenentrechtung? Lesen wir doch einmal zur Politik gewordenen weiblichen Sexpflicht: „Eine Frau ist dazu verpflichtet, die sexuellen Wünsche ihres Ehemannes zu erfüllen“, das ist es, was Präsident Hamid Karzai den schiitischen Afghaninnen auferlegt hat (7). Das Gesetz ist zwar noch nicht in Kraft getreten, wurde jedoch vermutlich nicht vom Institut für Medienverantwortung angeprangert, sondern von Angela Merkel: „Wir setzen darauf, dass dieses Gesetz zurückgeschickt wird.“ Merkel hält es für „unverzichtbar“, dass Männer und Frauen gleichberechtigt sind. Die Bundeskanzlerin betont: „Wir kämpfen dafür, dass in Afghanistan alle Menschen vernünftig leben können, Männer und Frauen gleichermaßen.“ Was Karzai vorschreibt, ist auch nicht Folge der Kreuzzüge oder der Kolonialzeit, noch nicht einmal des Einmarsches von Truppen der Russen oder Amerikaner.

Der eheliche und eben auch sexuelle Gehorsam (das Schlafzimmerkalifat) ist im Islam eine Art Sakrament, Verweigerung zieht die aus Allahs Sicht nur gerechte weil Seelen rettende Prügelstrafe nach sich. In Koran 4:34 spricht die bald lockende, bald drohende und dabei risikoreich willkürliche Gottheit: „Die Männer sind den Weibern überlegen wegen dem, womit Allah die einen vor den anderen ausgezeichnet hat … Diejenigen (Weiber) aber, deren Widerspenstigkeit ihr fürchtet – warnt sie, verbannt sie in die Schlafgemächer und schlagt sie.“ Ist es jetzt „feministisch“, zu tun, was Frau Schiffer vorzieht, nämlich diesen Satz aus dem Islam (Koran) totzuschweigen? Nur ja nichts Schlechtes über Muslime?

3. Verbaler Dauerbeschuss gegen die Antikriegsstimmung in Deutschland

Offiziell soll die Deutsche Islamkonferenz (DIK), die Innenminister Wolfgang Schäuble ins Leben gerufen hat, dazu beitragen, dass Islam und Muslime als selbstverständlicher Bestandteil der deutschen Gesellschaft angesehen werden.

Das ist vermutlich leider korrekt, aber eine Gefahr für die freiheitlich demokratische Grundordnung, denn das islamische Recht (Sa’īd Ramaḍān von der Muslimbruderschaft, Scheich Yūsuf al-Qaraḍāwī vom Europäischen Fatwa-Rat ECFR) verstößt gegen die deutsche Verfassung. Scharia ist nicht mit Religionsfreiheit gedeckt. Kein Bürger braucht auf deutschem Boden politisch gewordenen fiqh-Islam oder Scharia-Islam zu dulden.

Die Staatswerdung des Islam hat sieben Indikatoren: a) subtiler oder brutaler Kopftuchzwang, b) mit Gewalt oder subtilem Druck arrangierte Imam-Ehen, c) erstarkendes Zwangshandeln des Sunna-Fundamentalismus, d) Werbung für Konzepte der Heiratsverbote und Ekelbefrachtung, die auf die theokratische Apartheid der Millet (osmanische Glaubensnation) beziehungsweise gleich der klassisch islamischen ḏimma hinauslaufen, e) laute Forderung nach dem heutigen Kalifat (chilāfa, es zu errichten ist farḍ al-kifāya, islamische Gemeinschaftspflicht), jener für Muslime einzig legitimen Staatsform, wie es von den Organisationen Kalifatstaat (Hilafet Devleti), Ḥizb at-taḥrīr (HuT) und letztlich auch von der Muslimbruderschaft (al-iḫwān al-muslimūn, MB) bekundet wird, f) hörig machendes Fatwa-Wesen, g) in Familienrecht namentlich Scheidungsrecht und im Erbrecht arbeitende Scharia-Richter.

Im Übrigen besteht in Deutschland Religionsfreiheit, wozu auch die Freiheit gehört, die Religion zu wechseln oder gar keine Religion zu haben. Ob die Friedensfeundin Dr. phil. Schiffer, die 2009 auf mutmaßlich zur Duldung der Installation der Scharia (Zwangsverheirater walī muǧbir, Dressurinstrument ḥidschāb, Naturideologisierung fiṭra) aufrufenden Veranstaltungen namens »Pädagogisches Seminar Islamfeindlichkeit« und »Fachtagung Islamfeindlichkeit« doziert, sich jemals für Bahá’í, Ex-Muslime oder Christen im Iran, in Ägypten oder in Pakistan eingesetzt hat?

Ihre Agenda konstruiert jedoch einen Gegensatz zwischen dem Muslimsein und der Demokratischen Grundordnung, den es in der Realität so gar nicht gibt bzw. der auf den Katholizismus ebenso zutreffen würde …

Sehr geehrte Frau Schiffer, Joseph Ratzinger ist ja im Katholizismus nicht irgendwer, doch er ruft nun gar nicht dazu auf, all die vielen treulosen Ex-Katholiken zu steinigen.

Das antiislamische Feindbild. Wenn keine realen „islamistischen“ Aktivitäten zu befürchten sind, dann werden fiktive Warnungen und Bedrohungsszenarien in die Welt gesetzt, indem man unkritisch ungeprüfte „Nachrichten“ aufgreift. … die so genannten „Kofferbombenattentäter“. Wieder eine Verschiebung in Richtung „Der Islam ist Schuld!“

Es sind junge europäische Muslime, die sich terroristisch radikalisieren und bereit sind, auf dem vermeintlich islamischen Pfad des Eifers (Dschihad) Bomben detonieren zu lassen, es sind keine jungen Juden, Taoisten oder Ex-Muslime. Frau Kommunikationswissenschaftlerin, möchten Sie Deutschland dahingehend beraten, den Dschihadismus der Muslime Mohammed Atta (Hamburg; Flugzeugentführung; 9/11), Mohammed Bouyeri (Amsterdam; Ritualmord und Bekennerbrief; Theo van Gogh), Jihad Hamad (Köln; Kofferbomben; Zugreisende) oder Fritz Gelowicz (Medebach-Oberschledorn im Sauerland; Flüssigbomben mit Wasserstoffperoxyd; nicht viele Menschen töten) für eine Fiktion zu halten?

Auch sind Opus Dei oder der Dalai Lama doch sicherlich nicht die Ideengeber des Dschihadismus, eher schon Worte wie: „Und wenn sie sich
abwenden (und eurer Aufforderung zum Glauben kein Gehör schenken),
dann greift sie und tötet sie, wo (immer) ihr sie findet,“ (Koran 4:89) oder: „Und wenn nun die heiligen Monate abgelaufen sind,
dann tötet die Heiden, wo (immer) ihr sie findet, greift sie,
umzingelt sie und lauert ihnen überall auf!“ (9:5). Dann gibt es da noch einen nichtbuddhistischen und auch nicht atheistischen Herrn Yusuf al-Qaradawi (ECFR), der alle Juden für die Feinde Allahs hält und Selbstmordattentate gegen israelische Nichtmuslime, auch Frauen und Kinder, als gottesfürchtige islamische Lebenspraxis bezeichnet wissen möchte. Aber vielleicht irre ich mich und es haben Mohammed Atta († 2001), Mohammed Bouyeri, Jihad Hamad sowie Fritz Gelowicz von den beiden Koransuren 4:89 und 5:9 und von der Existenz eines in Katar lebenden Scheichs mit dem Namen al-Qaradawi noch nie etwas gehört. In diesem Falle wäre ich wohl ein klassisches Opfer der in den deutschen Medien grassierenden Islamfeindlichkeit.

Die Bevölkerung wird durch immer neue Hiobsbotschaften vor allem aus der Islam(isti)schen Welt in Atem gehalten. Das Islambild ist inzwischen extrem verzerrt und spricht viele an: Entweder, es wächst die Bereitschaft, den „gefährlichen Feind“ zu bekämpfen und sich zu „verteidigen“ oder aber man fühlt sich verpflichtet, die „arme, unterdrückte muslimische Frau“ oder gar alle Muslime vom Islam zu befreien. Über Jahrzehnte wurde das „Feind“bild Islam und auch der Mythos von der ausnahmslos unterdrückten muslimischen Frau durch gezielte Propaganda, unzählige Missverständnisse und wohlmeinende Feministinnen und Pseudo-Feministen aufgebaut – so dass inzwischen etliche Ereignisse vorschnell in die „islam(ist)ische Verschwörungstheorie“ eingeordnet werden. Dies ist nicht eindeutig steuerbar, aber auch kein Zufall. Und für diejenigen durchschaubar, die sich mit der Arbeit von Think- Tanks, PR-Agenturen und Lobbying-Gruppen befassen.

Der von Europa und Nordamerika allzu lange unkritisch hofierte afghanische Präsident Hamid Karzai hat ein vom Parlament verabschiedetes Gesetz zum Familienrecht für die schiitische Bevölkerung unterzeichnet, welches die traditionelle oder auch geheiligte Vergewaltigung von Ehefrauen bei längst geltendem Schariavorbehalt gestattet. Ferner ist den schiitischen Frauen das Verlassen des Hauses nur noch mit Erlaubnis des walī (hier in der Bedeutung Heiratsvormund) oder mahram, also eines männlichen Familienmitgliedes gestattet. Sehr geehrte Frau Dr. phil. Schiffer, kommunizieren Sie mit uns doch einmal zu Artikel 132 des Gesetzes, wo es heißt: „Die Frau ist verpflichtet, den sexuellen Bedürfnissen ihres Mannes jederzeit nachzukommen.“ Fasst man ein solches Vordringen des seelischen und geistigen Mittelalters bei Ihnen in Erlangen unter Medienverantwortung zusammen? Gleich weiter zu Artikel 133, nach dem der Ehemann das eingekaufte (Brautpreis) Weib „von jeder unnötigen Beschäftigung abhalten“ darf. Unterzeichnet: Karzai.

Mehrere Menschenrechtsorganisationen nennen das verabschiedete ethnoreligiös segregierende Gesetzeswerk, nach dem sich die schiitische Afghanin mindestens jede vierte Nacht nicht dem Geschlechtsverkehr verweigern darf sprich die eheliche Vergewaltigung staatlich hinzunehmen hat, ein Vergewaltigungsgesetz, was die Sache völlig treffend beschreibt, wir Islamkritiker möchten es zusätzlich allerdings auch Scharia beziehungsweise politischen (orthodoxen) Islam nennen. Menschenrechtlerin Soria Sabhrang aus Kabul meint: „Dieses Gesetz wird die Gewalt gegenüber Frauen steigern – und keine Frau wird sich irgendwo beschweren können“ (SPIEGEL-online, 2. April 2009). Kenner des Landes verweisen auf die Nähe zur Präsidentschaftswahl und die dem Präsidenten kostbaren Stimmen der im Zentrum Afghanistans ansässigen, turkmenisch-mongolischstämmigen und heute schiitischen Volksgruppe der Hazara, die Präsident Karzai für dieses Entgegenkommen als Wähler gewinnen möchte. Die Hazara waren in früheren Jahrhunderten Buddhisten, die Buddhastatuen von Bamyan stehen – standen – in ihrem Siedlungsgebiet. Sie wurden Schiiten und über Generationen von den tadschikischen und paschtunischen Eliten unterdrückt.

Exkurs: Ethnoreligiöse Rechtsspaltung kennen Indien und Indonesien. Indonesien hat 33 Verwaltungseinheiten: 30 Provinzen, zwei Sonderwirtschaftsszonen und die Haupstadtzone. Sechzehn der dreißig Provinzen Indonesiens haben inzwischen Teile der „ewigen, unverhandelbaren“ (Mustafa Cerić) Scharia eingeführt. Religionswechsel ist nicht möglich (außer zum Islam natürlich), das halbtheokratische Konzept „Pancasila“ (Sanskrit: „Fünf Prinzipien“) sieht die (mindestens familienrechtliche, in einigen Provinzen wie Aceh auch strafrechtliche) indonesische Rechtsspaltung in fünf Kollektive vor: Muslime, Protestanten, Katholiken, Buddhisten und Hindus.

1945 konnte die Pancasila auch als Schariasubstitut oder prekär wirksames Werkzeug der Verhinderung der Implementierung der Scharia in die Verfassung gelten, deren Einführung auch damals schon (Jakarta Charter, Piagam Jakarta) gefordert wurde. Die Provinz Aceh hat die Scharia vollumfänglich eingeführt. Wer in Aceh trotz Glücksspielverbot um auch nur einen Dollar wettet, bekommt öffentlich sieben Peitschenhiebe verabreicht. „Dieses sichtbar werdende Religiöse im Alltag“ (frei nach Nilüfer Göle) zeigt sich in einem islamischen Beitrag zur Weltzivilisation namens „wilayatul hisbah“, das bedeutet Religionspolizei. Die Einsatzkräfte der wilayatul hisba fahren Motorrad (wie die paramilitärische Miliz der Basīdsch im Iran), und jede Frau, die den staatlich vorgeschriebenen ḥidschāb, in Aceh nennt man das „Prinzip Kopftuch“, das den weiblichen Leib bis auf Hände und Gesicht völlig bedeckt „ǧilbāb“, nicht oder nicht vorschriftsmäßig korrekt trägt, wird von der islamischen Tugendmiliz der wilayatul hisbah verhaftet.

Wilāyat-ul-hisba.

Wilāya bedeutet im Arabischen Herrschaft, Gouvernement, Provinz oder Regierung (die USA heißen arabisch al-wilāyat al-muttaḥidah), gelegentlich theokratisch aufgeladen wie Chomeini es in seinem Buchtitel velāyat-e faqih (Nadschāf 1970) verwendete. Die ḥisba jedoch ist ein geheiligtes Tun und meint das politreligiöse (politische, islamische) Tätigwerden eines jeden einzelnen Muslimen im Straßenzug oder Stadtviertel. Die hisba folgt der koranischen Maßgabe „zu gebieten was Recht ist und zu verbieten, was verwerflich ist“ (al-amr bi-‚l-ma’rūf wa-’n-nahy ‚ani ‚l-munkar), die in den Suren 3:110, 7:157, 9:71, 9:112, 22:41 festgelegt ist. Die ḥisba ist die höchste Pflicht eines jeden muslimischen Herrschers. Abū Ḥāmid al-Ġazālī († 1111) meinte, ohne eifriges Bemühen um ḥisba brächen Chaos und Anarchie aus. Ob die Hisba nun Pflicht oder Kür ist: Islampolitik ist Kopftuchpolitik, und ohne Kontrolle und Verhüllung des Weibes keine ordentliche ḥisba.

Zurück in die Dschomhuri-ye Eslāmi-ye Afghānestān, wo 20.000 Hindus ihr diskriminiertes Dasein fristen und der 1960 geborene Teppichhändler Zebulon Simentov vermutlich der letzte Jude des Landes ist. Seine Frau und die beiden Töchter leben längst in Israel. 1951 lebten noch 5.000 Juden in Afghanistan, die überwiegend nach Israel auswanderten.

In der Bonner Abschlusserklärung vom 05.12.2001 der Petersberger Konferenz war der Übergangsregierung von Afghanistan explizit zugestanden worden, das Rechtssystem der Nation „in Übereinstimmung mit islamischen Prinzipien, internationalen Standards, der Herrschaft des Rechts sowie afghanischen Rechtstraditionen“ wiederzuerrichten“ (7). Bei Verträgen bitte immer auch das Kleingedruckte lesen. Wozu die Deutschen wieder einmal nützlich sind, selbst der afghanische Schariavorbehalt ist Made in Germany?

Das ist ein menschenrechtliches und demokratisches Ärgernis, der afghanische Schariavorbehalt hätte verhindert werden müssen. Das Auswärtige Amt (29.01.2002) möchte jetzt kompensatorisch die gleichfalls genannten „internationalen Standards“ betonen, auf das von Afghanistan unterzeichnete Abkommen gegen Folter und schwere Strafen verweisen oder setzt sozusagen auf Allahs Beistand und bittet um liberalere Auslegungen der Scharia. Unter Vermeidung des Eindrucks zu offensichtlicher Einmischung von außen will Deutschland nun vermittels Dialog, bewusster Auswahl von Experten und gesteuerter Mittelvergabe die verflixte afghanische Variante der schariakompatiblen Menschenrechte ein wenig in Richtung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (AEMR) zupfen.

Weiter mit Karzais sexualpolitischem (islamischem) Frauengesetz: Ohne die Erlaubnis des Ehemannes darf die Frau das Haus nicht verlassen. Wo kämen wir hin, da sei Allahgott vor. Artikel 137: Stirbt der Mann, darf die Frau nichts von ihm erben. Für Sabine Schiffer ein verantwortungsvoller Beitrag zum Kampf gegen den Kapitalismus?

Präsident Karzais Unterzeichung weckte die Begeisterung der Taliban und steht völlig im Einklang mit den Forderungen schiitischer islamischer Autoritäten, welche die islamische Moral des Landes schützen möchten und ein entsprechendes Gesetz zur Voraussetzung für eine jede Unterstützung Karzais bei den anstehenden Wahlen gemacht haben.

Das afghanische Gesetz, welches das Genital der Frau ebenso verstaatlicht wie ihren sexuellen Gehorsam, entspricht dabei auch den Vorstellungen von gottesfürchtigem Leben der meisten sunnitischen Geistlichen sowie großer Teile der Bevölkerung. In Afghanistan kann jede Islamkritik als offiziell so genannte Gotteslästerung (säkularer gesprochen als Hochverrat, nämlich als Aufruf zum Staatssturz) mit dem Tode bestraft werden, weshalb sich die wenigen Kritiker der Scharia oder Sunna ihre „blasphemischen“ Äußerungen zumeist für sich behalten. Für Frau Sabine Schiffer aus dem schönen Erlangen ist das kein Problem.

Nur weil der internationale Protest auch von der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy dann doch zu laut wurde, an Frau Schiffers Warnung vor Islamfeindlichkeit wird es sicherlich nicht gelegen haben, wurde der mit dem islamischem Recht konform gehende, frauendiskriminierende und barbarische Gesetzesentwurf Anfang April 2009 vorläufig zurückgenommen, wie DER SPIEGEL am 4. April 2009 berichtete. Karzai habe eine juristische Überprüfung angeordnet. Was das heißt? Dass es wieder auf den Tisch kommen wird zum einen. Zum anderen werden die 20 % der oft analphabetischen schiitischen Bevölkerung Afghanistans der Verwirklichung der göttlichen Tugend doch nicht im Wege stehen wollen, nur weil ein Blatt Papier in der Hauptstadt noch nicht freigegeben ist. Schließlich geht es um das Seelenheil, und wer der Ordnung Allahs im Wege steht, riskiert für sich und die Seinen den ewigen Aufenthalt in den schmerzlichen Flammen.

Über Jahrzehnte wurde das „Feind“bild Islam und auch der Mythos von der ausnahmslos unterdrückten muslimischen Frau durch gezielte Propaganda, unzählige Missverständnisse und wohlmeinende Feministinnen und Pseudo-Feministen aufgebaut

Wie wir gehört haben, meint Schariafreundin Schiffer: „Das Islambild ist inzwischen extrem verzerrt“. Die Dame hat Recht, entzerren wir also unser Islambild und lassen einen authentischen islamischen Gelehrten zu Wort kommen, es handelt sich um niemand Geringeren als den irakisch-hanbalitischen Rechtsgelehrten Abu al-Faradj ibn al-Djauzi, deutsch auch geschrieben Abu Faradsch ibn al-Dschauzi.

Abū Farağ Ibn al-Gauzī (*1116, † 1200) rechtleitet in seinem hohe Autorität genießenden Werk „Das Buch der Weisungen für Frauen“ (Kitab ahkam al-nisa; Kitāb aḥkām an-nisā‘) den muslimischen Ehemann:

„Die Frau muss wissen, dass sie für den Ehemann wie ein Sklave ist. Sie verfügt nicht über sich selbst, noch über seinen Besitz außer mit seiner Erlaubnis. Sein Recht kommt vor ihrem und dem ihrer Verwandten. Sie muss immerzu bereit sein, ihn zu erfreuen mit allen Mitteln der Reinlichkeit“ (Seite 105). Der im gelehrte irakische Hanbalit führt (S. 103) weiter aus: „Einer verständigen Ehefrau obliegt es, … sich sehr darum zu bemühen, ihn zu befriedigen. Alles, was ihn kränken könnte, soll sie meiden“ (8).

Sehr geehrte Frau Schiffer, endlich haben wir Sie verstanden: Der islamophobe hanbalitische Rechtsgelehrte Abū Farağ ibn al-Ǧauzī betreibt in seinem emotionalen, undifferenzierten Machwerk „Das Buch der Weisungen für Frauen“ nichts anderes als jene eurozentrische „gezielte Propaganda“, vor der Sie als namhafte Erlanger Kapitalismuskritikerin uns immer schon so freundlich gewarnt haben.

4. Der Islam in unseren Köpfen. Tages-Anzeiger, Seite 9, 15.07.2005

Selektive Wahrnehmung. Nicht zu leugnen ist, dass es gravierende Missstände gibt, auch in der so genannt islamischen Welt. Es gibt Terror, es gibt Aggression und Verschwörungstheorien, die nicht zu unterschätzen sind. Es gibt auch Resignation und Idealisierung angesichts der massiven Vorwürfe seitens der «Aufgeklärten». Die aktuelle Glaubwürdigkeitskrise, die viele Muslime und Dialogtreibende beklagen, war lange vorprogrammiert, und dafür tragen Medien und Meinungsträger eine Mitverantwortung. Mehr Medienbildung kann hier Abhilfe schaffen.

Das arg strapazierte Wort vom „Dialog“. Markus Söder hat zum (richtig verstandenen) Dialog sehr Zweckmäßiges ausgesagt, denn bereits vor dem zweiten Treffens der Deutschen Islamkonferenz stieg die Unzufriedenheit: CDU-Politiker kritisierten, es gebe keine nennenswerten Ergebnisse, „die konservativen“ (das bedeutet in der Orwellschen Neusprech des islamischen Umweltveränderns „die schariatreuen“) Religionsvertreter würden eher gegen als für die Integration arbeiten. CSU-Generalsekretär Söder forderte ein „lückenloses Bekenntnis“ zu den tragenden Werten des Landes: „Ich bin dagegen, dass wir einen falsch verstandenen Dialog in Deutschland führen. Wer auf Dauer hier leben will, der muss sich zu unseren Werten bekennen. Wer sich nicht dazu bekennt, der hat hier keine Zukunft.“ Bravo, Herr Söder! Bei wem wir jetzt Glaubwürdigkeit oder auch nur Islamkenntnis vermissen, ist Frau Dr. phil. Sabine Schiffer.

Dabei fällt die Vermengung von Islam und Islamismus oder gar Terrorismus kaum noch auf.

Findet Frau Schiffer die Scharia ist ok?

5. Projektionsfläche Islam, 2006

Es mag ein Hinweis auf das Vakuum einer Wohlstandsgesellschaft sein, dass wir mit Belanglosigkeiten wie Kopftuchmoden unsere Gerichte beschäftigen. Es gibt historische Vorbilder für die Verweisung eigener Probleme auf eine markierte Gruppe – eine solche waren etwa die Juden hier und die Armenier in der Türkei. …

[Uns einen] Informationsausschnitt und weniger verbreitete Fakten aus der sog. islamischen Welt gegenüberzustellen – etwa die von sehr hohen Studentinnenzahlen im Iran

Frau Schiffer, Sie wollen doch nicht allen Ernstes die steinigende, mordende Islamische Republik Iran verteidigen, nur weil da Frauen studieren? Wie können Sie es wagen, den Iran zu loben, ohne ein Wort der Kritik an Ayatollah Chomeini oder Mahmud Ahmadinedschad hören zu lassen?

von dreimal so viel Professorinnen in der Türkei wie in Deutschland, von weiblichen Regierungschefinnen in Bangladesch, Pakistan und Fernost.

Pressefreiheit scheißegal? Die Türkei steuert Richtung Gottesstaat. Religionswechsel von gestern? In Bangladesch oder Pakistan werden Christen bespuckt, beraubt, erpresst, vergewaltigt, verstümmelt, ermordet.

Sabine Schiffer ist angebliche Atheistin, das kann ja ein nettes Tun sein, wenn man es wie Karlheinz Deschner oder Jaya Gopal angeht. Schiffer indes lobt den Islam und beschimpft Europa, das freut die Mullahs und Imame, damit käme sie im Nahen Osten so eben durch. Deschner und Gopal betreiben fundierte, exzellente wissenschaftliche Religionskritik, denen droht religiöse Gewalt, mancherorts eben islamische Gewalt.

Der Orient … als vermeintlich homogener Gegenpol zu unserer davon angeblich völlig unabhängigen Zivilisation.

Wir fordern gerade die Universalität der Wissenschaft und der Menschenrechte, gegen das segregierende Denken des (islamischen) Fundamentalismus. Menschenrechte sind unteilbar, es ist der orthodoxe (politische) Islam, der die Menschen in Klassen verschiedenen sittlichen und rechtlichen Wertes aufteilt. Es gibt nur eine Zivilisation. Islamische Orthodoxie ist Apartheid.

Die Muster der Frauenentrechtung, Sexualmagie, Ekelbefrachtung der Nichtmuslime, die antijudaistischen und antisemitischen Muster sind zwischen indonesischer Assalaam-Foundation und türkischer Milli-Görüş erstaunlich ähnlich, was ja vielleicht daran liegen könnte, dass Indonesier auf Java und Türken in Deutschland so ein kleines Buch mit grüngoldnem Umschlag in Ehren halten und sogar dieselben, knapp zwölfhundert Jahre alten Hadithen des al-Buḫārī lesen, nach Mekka pilgern oder den gleichen ägyptischen Fernsehpredigern lauschen.

Auch so ein Trick, Hütchenspielerei: Wo ist die Kugel? Wo ist der Islam? Ganz viele kleine Islams oder sagt man Islame, alle unschuldig … aber bitte, gleichmäßig unschuldig. Homogen unschuldig.

Hier gießt gerade der Papst Öl ins Feuer der Abgrenzung

Gemeint ist wohl das Papstzitat von Regensburg, etwas weniger Anspielung wäre allerdings sachdienlich. Schön, dass sich das Oberhaupt der Katholiken an den oströmischen Kaiser Manuel II. erinnert. Sollen wir uns jetzt auferlegen, mehrere Jahrhunderte alte Aussagen nicht länger korrekt zu zitieren, nur weil sie die islamischen Autoritäten erzürnen könnten?

Die Papstrede „Glaube, Vernunft und Universität.
Erinnerungen und Reflexionen“ vom 12. September 2006 ist ein Intelligenz und Kenntnisreichtum beweisender Text, den es lohnt, zweimal zu lesen. Ein großer, europäischer Text, der historischen Bestand haben wird und den alleine deswegen auch Europas Musliminnen und Muslime lesen sollten (9).

Der 1946 in Tunis geborene französische Schriftsteller Abdelwahhab Meddeb, selbst Muslim, stellte sich hinter Benedikt XVI.: „Er darf keinesfalls den Disput abmildern und sich einschüchtern lassen. Er hat sich bereits zu sehr entschuldigt.“

ins Feuer der Abgrenzung

Das ist ja ein Brüller! Ich leide doch nicht am Stockholm-Syndrom, dass ich mit meinem Entführer oder Misshandler zu verschmelzen versuche! Wie jeder extreme Fundamentalismus bildet auch der orthodoxe Islam, wörtlich und erzieherisch heißt Islam Unterwerfung, an Kindern eine dem Stockholm-Syndrom ähnliche Verzerrung heraus. Schmusekurs allein wäre nach Dr. Schiffer wohltemperiert, Abgrenzung irgendwie zerstörerisch?

Sabine Schiffer verteidigt den Islam, mit geringer Kenntnis, dafür mit Zähnen und Klauen. Und redet („Öl ins Feuer“) vom Menschen fressenden „Feuer der Abgrenzung“.

Wie sagt man so schön: Wer für alles offen ist, kann nicht ganz dicht sein.

Die Enttäuschung von evangelischer Kirche und Ökumene wird an dieser Stelle überspielt und auf die sog. islamische Welt projiziert. Eine „vernünftige“ Diskussion über einen „vernunftbegabten (christlichen) Gott“ steht nun der „muslimischen Unvernunft“ gegenüber – bildlich und verbal.

Calvins Mord an Servet ist ein wichtiges Thema. Islam ist traditionell Unvernunft, Sexualmagie, Höllen-Pädagogik, Kulturrassismus, Frauenentrechtung. Daneben gibt es bereits erste islamische Säkularität.

Das ist aber keine Zukunftsmusik, denn während man vor ungebauten „islamischen“ Atombomben warnt,

Wollen Sie Herrn Diktator Ahmadinedschad die Atombombe überlassen?

Überhaupt wird uns verheimlicht,

Erleuchte uns, zeig uns den Weg!

Auch im Boot wirtschaftlicher Ausbeute sitzen wir alle gemeinsam, auch wenn man uns gar noch erfolgreich gegeneinander ausspielt.

Sister Leader!

Darüber sollten auch keine Themenstellungen hinweg täuschen, die derzeit so beliebt sind, wie etwa ob „Islam und Demokratie“ oder „Islam und Freiheit“ vereinbar seien.

Beide sind nicht vereinbar – darüber jetzt tolerant hinweggehen?

6. Nach dem Mord im Dresdener Gericht: Medien und Politik tun sich schwer, Ursachen zu benennen, 2009

Ich denke, das Schockiertsein und die Betroffenheit sind echt. Aber man versperrt sich vor der wichtigen Aufgabe, ernst zu nehmen, wofür Islamfeindlichkeit den Boden bereitet. Es ist bezeichnend, daß es solange für eine offizielle Stellungnahme brauchte. Ich überlege seit Tagen, ob man die Zusammenhänge wirklich nicht versteht, nicht verstehen will, oder ob man sie – wenn es auch langsam dämmert – einfach nicht zugeben kann, weil man damit Versäumnisse einräumen muß.

Deutschland ist gerettet, Sabine Schiffer überlegt seit Tagen.

Und was das Islambild anbelangt, brauchen wir keinen Kampagnenjournalismus. Sogar in einer ansatzweise wohlmeinenden Berichterstattung, die ich seit einiger Zeit beobachte, werden bestimmte Stereotype zum Islam und zu Muslimen noch mal verfestigt: Die Affinität zu Gewalt, eine gewisse Rückständigkeit und Frauenunterdrückung scheinen als Wissenssätze über den Islam zementiert

Wer die Frauenentrechtung in Koran und fiqh kritisiert, ist also jemand, der selektiv wahrnimmt? Der Islam ist eine militante Religion, anders als das Christentum der vier Evangelisten. Der um 1050 nach Christus allumfassend (totalitär) verfestigten Scharia ist Gewalt in hohem Maße immanent, sowohl nach innen als Frauenkontrolle, Nachbarschaftskontrolle und repressive Kindererziehung als auch nach außen, wo es gilt, die Dhimmis und Harbis zu Ehren der islamischen Gottheit emotional, körperlich und rechtlich zu erniedrigen.

Dabei sagen diese Produkte selektiver Wahrnehmung vor allem etwas über diejenigen aus, die sie benutzen. Es sind im Grunde selbst¬idealisierende Projektionen – wie einst und immer noch in Bezug auf die Juden.

Ḥiǧāb, šarī’a oder ḏimma universell-menschenrechtlich (also ablehnend) zu kritisieren, verschmilzt Sabine Schiffer mit dem Antisemitismus und sogar mit der Vor- oder Nachbereitung eines millionenfachen Völkermordes. Das ist eine ungeheuerliche Beschuldigung und unterschlägt uns den koranischen Judaismus (die Juden als „das Volk, dem Gott zürnt“) und den alltäglichen Antisemitismus im arabischen Raum.

Ob die Medienpädagogin jemals riskiert hat, öffentlich den Völkermord an den Armeniern von 1915 und 1916 anzuprangern? Natürlich nicht, das brächte ihr auch keinen Ruhm, sondern allenfalls Drohungen von „patriotischen“ Türken ein. Da ist es doch wesentlich angenehmer, Islamkritik überwiegend irrational mit Rassismus und Antisemitismus zu verschmelzen, ja mit dem Wegbereiten eines neuen Holocaust.

Die Sprachwissenschaftlerin scheint ganz ergriffen zu sein vor ihrer eigenen Moral. „Nie wieder Auschwitz, nie wieder Islamkritik“ – ein guter Mensch, ein Gutmensch.

7. »Ich glaube, die Politik ist erschreckt.« Über das Verhalten der Medien im Mordfall Marwa el-Sherbini, 2009

Ich glaube, die Politik ist erschreckt.

Jetzt bin ich einmal „erschreckt“, man sagt „erschrocken“.

Ich bin erschrocken und entsetzt: Wir treffen die Gesellschaftskritikerin Schiffer jetzt nicht auf irgendeiner Seite antifaschistischer Romantiker im Internet, sondern auf german.irib.ir

Oberster Dienstherr der Seite german.iribir ist Allahs Schatten auf der schiitischen Erde, Āyatollāh Chāmene’ī, Oberster Rechtsgelehrter und somit das Steinigungen segnende Staatsoberhaupt des faschistischen Iran (10). Für Antiimp Sabine aus Erlangen, hoch die internationale Solidarität, ist es überhaupt kein Problem, auf dem offiziellen Nachrichtenorgan des glühenden Israelhassers und faschistischen Diktators Maḥmūd Aḥmadī-Nežād zu veröffentlichen (11).

… die Deutsche Presse. … Man hat vor allen Dingen nicht benannt, was wirklich die Ursache für diesen Mord war, dass nämlich der Mörder ganz explizit die Frau abgelehnt und sie ermordet hat, weil sie Muslimin war, er hat sie als „Islamistin“ beschimpft. Und das ist ja eine Sache, die hätte uns alle in Deutschland erschrecken müssen. Ich glaube, die Politik ist erschreckt, aber sie hat die Zusammenhänge noch nicht verstanden.

Freilich, die Politik versteht die Zusammenhänge nicht. Sprachanalytikerin Sabine aus Erlangen aber versteht die Zusammenhänge. Jetzt zeigt Sabine uns Nichtpolitikern und Politikern, wo es lang geht, beziehungsweise was hier mit wem zusammenhängt. Dazu benutzt die Dame die Homepage der Abteilung Auslandspropaganda des prügelnden und mordenden heiligen Staates.

Eindeutig, also man hat überhaupt nicht reagiert, wie man bei anderen Sachverhalten reagiert, also wenn ein jüdischer Mitbürger zu Schaden kommt, oder andere Minderheitsvertreter, dann ist man sofort mit einer Erklärung dabei. Hier gab es nur eine lapidare Erklärung des Sprechers von Angela Merkel, aber sie selber und andere hochrangige Politiker haben sich nicht geäußert. Ich glaube, damals haben sie die Dimension wirklich noch nicht verstanden. Ich glaube, inzwischen verstehen sie es, aber sie können sich eigentlich nicht mehr äußern, weil sie völlig unglaubwürdig geworden sind.

Wer über den Iran redet und dabeiunterlässt, die geheiligte Pressezensur, die vielen Todesstrafen, das barbarische Blutgeld (diyye) der Scharia, den Kopftuchzwang beziehungsweise Verschleierungszwang sowie die Wahlfälschung vom Juni 2009 nebst mehrhundertfachem Einkerkern und Foltern oder auch einfach nur Zusammenschlagen der demonstrierenden Menschen anzuprangern, der ist es, der bei mir jede Glaubwürdigkeit verliert.

Aber zunächst mal, wenn wir in die Vergangenheit schauen, dann kann man sagen, wir haben seit der Iranischen Revolution, seit 1979, in Deutschland im Grunde genommen eine total stereotype, Mediendarstellung, was islamische Sachverhalte anbelangt, oder Berichte aus der islamischen Welt, sie werden stark mit islamischen Symbolen verknüpft, oder immer wird eine negative Auswahl getroffen.

Sabine Schiffer lobt die Iranische Revolution von 1979. Ob Schiffer jetzt die Installation einer faschistischen Religionsdiktatur lobpreist, das ist hier die Frage.

Ja, das ist eine gute Frage. Wir können insgesamt sagen, dass das Islambild in Deutschland im Wesentlichen durch die Auslandsberichterstattung geprägt wird. Ja, und dann hat man plötzlich die Muslime zu Hause entdeckt und auf die werden jetzt alle diese Vorurteile übertragen.

Ja, die Islamische Revolution hat damals mit Medienbildern, mit schwarz verhüllten Frauen, das haben die Menschen alles noch im Kopf so. Dann kam die Geschichte mit „Betty Mahmudi“ und das Buch und der Film dazu …

In der Tat, Allahs iranischer Faschismus nebst Tschadorpflicht ist für uns und unsere exil-iranischen Freundinnen und Freunde seit drei Jahrzehnten ein Thema. Betty Mahmoody ist Autorin des lesenswerten autobiographischen Berichtes von »Not without my daughter«, deutsch: »Nicht ohne meine Tochter«, worin sie beschreibt, wie ihr iranischer Ehemann, der Arzt Sayeed Bozorg Mahmoody, im Jahre 1984 ihr einen angeblichen zweiwöchigen Urlaub im Iran anbieten wollte und ihr und der gemeinsamen Tochter Mahtab (damals 4) gewaltsam die Rückreise verweigerte und sie vielmehr islamisch korrekt ins Haus einsperrte. Über die Türkei gelangen der heute Kinderrechtsorganisationen tätigen couragierten Amerikanerin und ihrer kleinen Tochter Flucht und Rückkehr.

Unsere rebellische Kommunikationswissenschaftlerin vom schariafreundlichen Erlanger »Institut für Medienverantwortung« drückt sich ja immer so geheimnisvoll und augenzwinkernd anspielungsreich aus, doch scheint Frau Dr. Schiffer die mutige Betty Mahmoody als islamfeindlich (kulturrassistisch) und damit als unglaubwürdig hinzustellen und setzt dafür, wenn schon, denn schon, gleich die Homepage des göttlichen Staates ein (Dschomhūrī-ye Eslāmī-ye Īrān).

Redefreiheit ist im Iran nicht gegeben, das ist dann sozusagen der Abenteuerspielplatz für Kommunikationswissenschaftler und Sprachforscher wie Frau Dr. Sabine Schiffer. Teherans unfreie Presse und das Lernen, zwischen den Zeilen zu lesen (Genese neuartiger islamischer Sufi-Mystik?). Wir besuchen deutsche Exil-Iraner und suchen den lustigsten politischen Flüsterwitz. Exkursion in Teheraner Vororte, Feldforschung zur Strukturanalyse jugendlicher subversiver Parolen. Na so was, leider ist der Jugendliche inzwischen ins Evin-Gefängnis verbracht worden.

„Mehr Medienverantwortung!“ (Schiffer).

8. Das Kopftuch oder die Möglichkeiten antirassistischer Erziehung

Es ist schon paradox: Da wollen wir die Musliminnen befreien und die wollen gar nicht. … Das Kopftuch

Das Kopftuch ist Zeichen der sittlichen Geringerstellung der Frau. Hadith: »Wenn eine Frau euch entgegenkommt, dann kommt sie mit dem Antlitz eines Teufels.« Quelle Ralph Ghadban, Das Kopftuch in Koran und Sunna (12) Oder: Hadith: »Ich habe auch das Höllenfeuer gesehen … Ich sah, dass die meisten Einwohner der Hölle Frauen waren. „… Warum ist das so?“ Der Prophet antwortete: „Wegen ihrer Undankbarkeit … sie sind undankbar gegenüber ihren Ehemännern und undankbar bei guten Taten.«

[Das Kopftuch] Ist es nicht das Symbol weiblicher Unterdrückung schlechthin?

Ja. Die Verschleierung, das Kopftuch ist das Zeichen der rechtlichen Geringerstellung der Frau: Halbes Erbe für die Tochter gegenüber ihrem Bruder (Koran 4:11), halbe Aussagekraft vor Gericht (Koran 2:282).

Anders als für Sabine Schiffer ist der unter Orthodoxen wie Islamisten als verpflichtend geltende hiǧāb für uns gar kein Anlass, herumzualbern. In Riad, Teheran, Swat und Banda Aceh werden Frauen verprügelt und inhaftiert, die den vorgeschriebenen Schleier (Tschador, Parda, Burka, Dschilbab) verweigern oder islamisch inkorrekt tragen. Kindern wird auch in Deutschland mit Drohungen wie „Jedes Haar, was man sieht, verwandelt sich in der Hölle in eine Schlange“ andressiert, das Kopftuch als prekär erfolgreiche Eintrittskarte ins Paradies anzusehen.

[Fereshta Ludin] Da geht doch eine hin und klagt darauf, ihr Kopftuch tragen zu dürfen.

Islamische Geistliche haben mit einer fatwā, einem islamischen Rechtsgutachten, wiederholt dem Muslim gestattet, seine das Kopftuch verweigernde Frau so lange zu prügeln, bis sie es trägt. Im Jemen und Oman, in Afghanistan und neuerdings im Gaza-Streifen ist die Verschleierung (sozusagen das vollgültige Kopftuch) Vorschrift. Im Irak (Basra, Bagdad) werden Frauen ohne Schleier bedroht, vergewaltigt oder erschossen. Burka und Gesichtsschleier nehmen rund um das Mittelmeer zu und werden von fundamentalistischen Szenen in Deutschland (Salafisten um Pierre Vogel; Wahhabiten) beworben.

Die andressierte so genannte Scham wird als natürliche Sitte (Fitrakonzept) ausgegeben. Ralph Ghadban schreibt dazu: „Die Frau war nun eine ‚aurah. Der Prophet soll gesagt haben: „Die Frau ist eine ‚aurah, wenn sie ihr Haus verlässt, der Teufel kommt ihr entgegen.“ (at-Tirmidhî 1093). ‚Aurah bedeutet Mangel. Es kann Mangel an Sehfähigkeit (daher a’war, Einäugige) oder Schwachpunkt in der Verteidigungslinie im Krieg oder Mangel an Schutz des eigenen Hauses oder der Privatsphäre heißen. Das Wort bedeutet auch die Schamgegend am Körper, die aus den Geschlechtsteilen besteht“ (12).

Der Männerbund hat sich der angeblich hilflosen und unmündigen Frauen zu schämen und kann die Frauenbändigung als Fürsorge umetikettieren. Nichtmuslimische Islamfreunde halten das für ganzheitlich und lustbetont: Das ganze Weib unter Tschador oder Burka ein einziges Geschlechtsorgan. Gleichheitsfeministisch ist das zu ergänzen durch: Die Frau wird auf ihr Geschlechtsorgan reduziert. Die Somalierin und langjährige niederländische Politikerin Ayaan Hirsi Ali brachte es unbestechlich auf den Punkt: zoontjesfabriek, Söhnchenfabrik.

Das Kopftuch wird zum Politikum: Die Frau ist immer nackter als der Mann. Der hiǧāb oder das Kopftuch ist ein Instrument der Frauenkontrolle. Darum geht es. Tochtertausch, Jungfernhäutchenkontrolle, geheiligte Männerherrschaft. Islam ist Sexualpolitik.

Inzwischen ist die Bedeutung dieses Stückchens Stoff dermaßen überfrachtet, dass auch richterliche Entscheidungen ihm kaum neutral gegenüberstehen können.

Frau Dr. Schiffer, Halten Sie Deutschlands Richter jetzt eher für befangen oder eher für unfähig?

Aus der Psychologie ist bekannt, dass Ablehnung die radikalen Kräfte stärkt.

Wir dürfen uns nicht wehren? Was für eine Werbung für das Stockholm-Syndrom. Recht erpresserisch dazu:

„In dem Maße, in dem ihr euch jetzt gegen den politischen Islam wehrt, weckt ihr Begeisterung für den Dschihadismus. Eigentlich seid ihr Eurozentriker am militanten Dschihad sogar schuldig und habt den islamisch-unschuldigen Osama bin Laden zum Terrorismus verführt. Lehnt den achtenswerten Scharia-Islam nicht länger ab, dann werdet ihr in Frieden leben können. Nun ja, im Kalifat, man kann nicht alles haben.“

Die Anstrengungen derjenigen, die sich um eine realistische Einordnung des Islams in Europa bemühen, werden damit torpediert.

Islamkritiker sind Unrealisten und Spinner?

Dabei ist die Symbolüberfrachtung des Kopftuchs durchaus hausgemacht.

Genau, das Haus ist es, welches das Kopftuch gemacht hat, das Haus (arab. dār) des islām.

Die Welt ist gespalten in dreckig versus anständig, in dar al-harb (dāru ‚l-ḥarb, wörtl. Haus des Krieges) und dār al-islām. Zwischen diese segregierten Welten spannen wir einen weiteren, blickdichten (multikulturellen) ḥiǧāb.

Frau Ludin selber betont immer wieder ihre religiöse Selbstfindung und die Symbolhaftigkeit ihres Kopftuchtragens. Dabei würde der Hinweis auf die kulturelle Eigenheit schon ausreichen, die persönliche Schamgrenze betreffend

Sollen wir gschamig schweigen? Haben Sie schon einmal den Namen Sigmund Freud gehört?! Wir Eltern oder Pädagogen dressieren Kindern die Grenzen des Schämenswerten recht stark an, wir Erwachsenen müssen unsere mitnichten naturhafte „Schampädagogik“ verantworten. Scharia-Islam und islamisches Recht überlassen die Verantwortung über die angedrillten Schamgrenzen der patriarchalischen Gottheit.

Fereshta Ludin, Tochter eines einstigen afghanischen Innenministers und Botschafters in Deutschland, ist Kind einer nicht kopftuchtragenden Mutter. Nach 1999 war Ludin an der Islamischen Grundschule Berlin (IGS) tätig, die vermutlich an Necmettin Erbakans Milli-Görüş-Bewegung (hierzulande als IGMG bekannt) orientiert ist. Die Schule IGS steht der schariatisch ausgerichteten Islamischen Föderation Berlin nahe, die bisweilen für den „de-facto-Landesverband Berlin“ der IGMG gehalten wird. Die IFB könnte jedoch neben der Pflege der radikalislamischen Erbakan-Doktrin (adil düzen, batil düzen) eine zusätzliche Nähe zur Muslimbruderschaft (al-iḫwān al-muslimūn, MB) kultivieren, initiiert nicht zuletzt durch den irakischen Arzt Dr. Yusuf Zeynel Abidin, der 1976 in Köln die erste Sektion der deutschen Milli Görüş ins Leben rief (13).

Seine beiden Töchter Emel und Muna verheiratete der islampolitische Aktivist und Muslimbruder (14) Dr. Zeynel Abidin arrangiert, die Tochter und bescheidene islamische Multifunktionärin Emel heißt heute Emel Abidin-Algan. Gelegentlich nennt sie sich indes Emely oder Emel Zeynelabidin, wenn sie Islamwerbung betreibend durch Deutschland tourt und als gelernte Kommunikationsberaterin (daher ohne Kopftuch) für die Schönheiten der Scharia (natürlich mit Kopftuch, seien wir tolerant) schwärmt.

Islamkommunikation.

Welches Bild vermittelt aber eine Lehrerin mit Kopftuch

Der Hidschab ruft: „Es gibt Mahram, Wali oder Ehemann, also belästige mich nicht (sexuell), ich stehe unter männerbündischer Aufsicht.“

Das Kopftuch sagt aus: Die Frau hat einen Besitzer. In der repressiven, herrschaftskulturellen Logik der Gottesknechtschaft (Hisba, Scharia) ist die Kopftuchverweigerin eine Schlampe.

Antirassistische Erziehung ist dann am erfolgreichsten, wenn in der Umgebung des Kindes alle Lebensformen unkommentiert – also unmarkiert – vorkommen, einfach vorhanden und damit normal sind.

Wollen Sie etwa nationalsozialistische Lebensformen im Kindergarten Raum geben?

Ein Beispiel dafür liefert die Frage nach dem Frauenbild, das wir unseren Kindern doch nicht vermitteln wollen – dabei soll eine kopftuchtragende Frau diametral unseren emanzipatorischen Rollenvorstellungen gegenüber stehen.

Mädchen und Islam, war da nicht was? Genau, die verbandsislamisch mehr als wohlwollend geduldete Abmeldung der Mädchen vom (koedukativen) Sport- und Schwimmunterricht, was Staatsbürgerin Sabine Schiffer als zeitweiliges Mitglied einer Arbeitsgruppe der Deutschen Islamkonferenz doch sicherlich nicht entgangen sein wird. Sinnvollerweise wies die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), die mit dem (schariatischen, die Islamverbände streben nach weitmöglicher irdischer Installation der Scharia) Islam begründete Forderung der Muslime nach getrenntem Sportunterricht für Jungen und Mädchen zurück: „Wir werden nicht zulassen, dass eine kleine Minderheit von Rückwärtsgewandten hier die Regeln ihrer Großväter zu installieren versucht.“ Maria Böhmer hält kulturelle Vielfalt für schön und bereichernd, diese sei aber genau dort einzugrenzen, wo Deutschlands Grundwerte und Grundrechte in Frage gestellt würden: „Die Gleichberechtigung der Geschlechter ist eines dieser nicht verhandelbaren Grundrechte.“

Entweder ist es der Erlanger Kommunikationswissenschaftlerin nicht bekannt, dass Koran und Hadithen, dass sowohl Necmettin Erbakan (Millî Görüş) als auch Yūsuf al-Qaraḍāwī (ECFR) mit der Gleichberechtigung von Mädchen und Junge, Frau und Mann, muslimisch-säkularem Schariaverweigerer und (orthodoxem oder islamistischem) Schariafreund sowie mit der sittlichen Gleichwertigkeit von Nichtmuslim und Muslim nichts zu tun haben möchten, oder es interessiert die atheistische Medienpädagogin schlichtweg nicht.

Bezüglich der muslimischen Frauen, die Kopftuch tragen, würde ich mir wünschen, dass man ihnen genauso wenig Kleidungsvorschriften macht, wie anderen Mitbürgern

Deutschland verstößt also gegen das Grundgesetz oder jedenfalls gängelt Muslimas diskriminierend?

Dennoch sollte auch bestimmt werden, dass das Vermummungsverbot freilich weiterhin gilt und es Grenzen der Kleidungsfreiheit für alle gibt. Diesem ins Polemische abdriftende Bedrohungsszenario radikaler Feministinnen, die vor der Burqa in Deutschland warnen, ist damit von vornherein der Boden entzogen.

Erstens ist die Burka samt Niqab da. Zweitens äußert sich Schiffer wieder einmal weder gegen den Gesichtsschleier (an-niqāb) noch gegen die Burka.

Natürlich darf eine Kultur selbst bestimmen, wie tolerant sie sein mag bzw. was sie als Grenze ihrer Toleranz definiert – so auch die unsere.

One law for all! Es gilt, die Rechtsspaltung zu verhindern. Rassismus, Hexenjagd oder Kannibalismus sind auch Kultur und kultivierbar, der zwangsverheiratende, die FGM praktizierende (Schafiiten, al-Azhar) sowie Blutgeld und Todesstrafe (etwa für Apostaten) fordernde Islam jedoch unterliege bitteschön in der BRD dem Kultivierungsverbot. Oder aber: Der vorhandene Rassismus, Hexenwahn, Kannibalismus oder Islam darf nicht bestimmen, wie sehr er die für alle geltenden Grundrechte für „seine“ Menschen oder auch für uns alle einschränkt.

Indisches Kastenwesen oder südafrikanische Apartheid sind veritable Multikulturalität.

Orientieren wir und am Beispiel Frankreichs, das den Laizismus vorschreibt? Oder eher an England, das nicht nur kopftuchtragende Lehrerinnen, sondern auch Polizistinnen und Polizisten – turbantragende Six – hat?

Rechtschreibung. Sikhs! Nicht Six. Uns statt und.

In der BRD gilt für Motorradfahrer die Helmpflicht, also trägt auch der kosmopolitisch empfindende Easy Rider auf der Piste keinen Turban, sondern einen Sturzhelm.

Bejaht Dr. Schiffer die polykulturelle EU, vielleicht auch die Rechtsspaltung innerhalb britischer oder deutscher Straßenzüge? Die kulturrassistischen Ansprüche der totalitären Scharia, das diskriminierende islamische Recht, kurz: Der politische Islam scheint von der Erlanger Kommunikationswissenschaftlerin unter „Selbstverwirklichung und kulturelle Äußerung“ oder gar unter „Religionsfreiheit“ verbucht zu werden.

Möge das die Mehrheit der Deutschen stets anders sehen.

Der Maßstab für Bestimmungen muss der eigene sein und diesen gilt es nun festzulegen.

Hier wird nicht verhandelt. In Deutschland gilt das Grundgesetz.

Jacques Auvergne

Die betrachteten Texte von Dr. Sabine Schiffer

1. Was ist mir noch heilig? „Islam und Gewalt“ – Zwischen Meinungsforschung und Achtung religiöser Gefühle. Vortrag auf dem ev. Kirchentag 2007, Köln, 8. Juni 2007

http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/themen/Kirche/islam.html

2. Musliminnen in Deutschland. Von Kronzeugen und Halbwahrheiten. Qantara.de, 2006

http://www.qantara.de/webcom/show_article.php?wc_c=469&wc_id=501

3. Der inszenierte Kulturkampf und seine Funktion. Verbaler Dauerbeschuss gegen die Antikriegsstimmung in Deutschland. Auf: AG Friedensforschung der Uni Kassel, ohne Datum

http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/themen/Islam/islamkonferenz08b.html

4. Medienkompetenz als Beitrag zur Friedenserziehung. Der Islam in unseren Köpfen. Tages-Anzeiger, Seite 9, 15.07.2005

http://www.medienverantwortung.de/imv/pdf/Islam_in_unseren-Koepfen.pdf

5. Projektionsfläche Islam. Über politische Beschäftigungstherapie und Ablenkungsmanöver. uni-kassel.de; 19.09.2006

http://www.ekkw.de/akademie.hofgeismar/publ/Vortraege/07189_Islam_Schiffer_Projektionsflaeche%20Islam.pdf

6. Nach dem Mord im Dresdener Gericht: Medien und Politik tun sich schwer, Ursachen zu benennen. Ein Gespräch mit Sabine Schiffer. Junge Welt, 9. Juli 2009

http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/themen/Rassismus/sherbini.html

7. »Ich glaube, die Politik ist erschreckt.« Ein Interview mit der Leiterin des Instituts für Medienverantwortung (Erlangen) über das Verhalten der Medien im Fall Marwa el-Sherbini. Auf der Diktator Ahmadinedschad treu ergebenen Seite der steinigenden Theokratie: I.R.I.B. Deutsches Programm, Berlin; im Juli 2009

http://german.irib.ir/index.php?option=com_content&view=article&id=25601:interview-mit-frau-dr-sabine-schiffer&catid=14:interviews&Itemid=13

8. Das Kopftuch oder die Möglichkeiten antirassistischer Erziehung. Ein Kommentar von Sabine Schiffer, AG Friedensforschung an der Uni Kassel, ohne Datum

http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/themen/Rassismus/schiffer.html

Quellen zu: Jacques Auvergne: Mehr Toleranz der Intoleranz? Die wissenschaftliche deutsche Islamverehrung treibt kuriose Blüten (26.07.2009)

(1) Jeres Jul er pervers! Euer Weihnachten ist pervers, das jedenfalls befindet Abu Laban, jener dänische Imam, ohne den es den weltberühmten Karikaturenstreit wohl gar nicht gegeben hätte

http://ekstrabladet.dk/nyheder/samfund/article70143.ece

(2) Djura: Der Schleier des Schweigens. Von der eigenen Familie zum Tode verurteilt

http://www.amazon.de/Schleier-Schweigens-eigenen-Familie-verurteilt/dp/3453873165

(3) Samira Bellil: Dans L`enfer des tournantes

http://www.amazon.fr/Dans-lenfer-tournantes-Samira-Bellil/dp/2070429903/ref=pd_sim_b_5/276-1996350-7974117

(4) Hülya Kalkan: Ich wollte nur frei sein. Meine Flucht vor der Zwangsehe

http://www.amazon.de/wollte-sein-Meine-Flucht-Zwangsehe/dp/3550078587/ref=pd_sim_b_6

(5) Inci Y.: Erstickt an euren Lügen. Eine Türkin in Deutschland erzählt

http://www.amazon.de/Erstickt-euren-L%C3%BCgen-Deutschland-erz%C3%A4hlt/dp/3492248217/ref=pd_sim_b_4

(6) Dr. Sabine Schiffer verschweigt es den Deutschen: Wali mujbir, wali mudschbir, mücbir veli: Islam ist Zwangsehe. Ministry of Women, Family and Community (Kementerian Pembangunam Wanita, Keluarga Dan.) Malaysia:

Is consent from the bride required before a marriage can be carried out? Yes, consent from the bride is required for any marriage. For a woman who has never been married before (virgin), the consent comes from her Wali Mujbir (guardian) Can a virgin girl be forced to enter into a marriage without her consent by the Wali Mujbir? A virgin girl can be entered into a marriage without her consent by the Wali Mujbir on the condition that the marriage is sekufu and the marriage will not bring dharar syarie to the bride.

http://www.kpwkm.gov.my/new_index.php?page=faq_content&code=4&faqtitleID=5&lang=eng#

(7) Afghanistan, BRD, Auswärtiges Amt, Scharia

Auswärtiges Amt / Betr.: Scharia und Menschenrechte / Berlin, den 29.01.2002 / Bezug: „Ankündigungen des Obersten Richters in Afghanistan, dass die Gerichte weiterhin Verurteilungen zu Steinigungen und öffentlichen Hinrichtungen auf Grundlage der Scharia vornehmen werden“

http://www.ecoi.net/file_upload/1329_1204205673_mk391-1673afg.pdf

(8) Abu al-Faradj ibn al-Djauzi (Schreibweise auch Abu Faradsch ibn al-Dschauzi). Abū Farağ Ibn al-Ǧauzī (*1186, † 1200) rechtleitet in seinem hohe Autorität genießenden Werk „Das Buch der Weisungen für Frauen“ (Kitab ahkam al-nisa; Kitāb aḥkām an-nisā‘) das geheiligt unterwürfige muslimische Eheweib und den die unmündige Frau im göttlichen Auftrag lenkenden muslimischen Ehemann

http://www.suhrkamp.de/buecher/das_buch_der_weisungen_fuer_frauen_kitab_ahkam_al-nisa_-abu_l-faradj_ibn_al-djauzi_70018.html

(9) Benedikt XVI.: Glaube, Vernunft und Universität. Regensburg 2006

http://www.vatican.va/holy_father/benedict_xvi/speeches/2006/september/documents/hf_ben-xvi_spe_20060912_university-regensburg_ge.html

(10) Sabine und das Revolutionsoberhaupt

http://german.irib.ir/index.php?option=com_content&view=category&layout=blog&id=60&Itemid=30

(11) Sabine und der Präsident

http://german.irib.ir/index.php?option=com_content&view=category&layout=blog&id=61&Itemid=31

(12) Ralph Ghadban: Das Kopftuch in Koran und Sunna. Auf: Bundeszentrale für politische Bildung (recht anders als Qantara veröffentlicht die bpb also auch einmal etwas zum Islam, was für die ernst gemeinte Integration geeignet ist)

http://www.bpb.de/themen/IYRYVB,6,0,Das_Kopftuch_in_Koran_und_Sunna.html

(13) Der arrangiert verheiratende irakische Arzt Dr. Yusuf Zeynel Abidin

http://www.emma.de/470.html

(14) Der Muslimbruder Dr. Yusuf Zeynel Abidin

http://demo.ebiz-today.de/personen/personen,217,Weltweit_vernetzter_politischer_Islam,news.htm