Posts Tagged ‘Kopftuchpädagogik’

Schariagegner empfiehlt: Sehenswertes Theaterstück in Hagen

Dezember 1, 2008


SchülerInnen einer Hauptschule aus Altenhagen beeindruckten durch ihr schauspielerisches Talent. ‚Die Farben der Liebe‘ heißt das Theaterstück nach einem Roman von Ali Arslan, in dem ein muslimischer Vater seine Tochter zwingt das islamische Kopftuch zu tragen. Näheres unter :

http://www.derwesten.de/nachrichten/staedte/hagen/2008/2/15/news-

Nächste Vorstellung: Dienstag 2.12.08, Donnerstag 11.12.08 und 18.12.08 im Lutz, Theaterhagen Elberfelder Straße 65, 58095 Hagen

http://www.bartime.de/location.lutz,-theaterhagen.29.24777.html

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Islamische Kleidung in der Öffentlichkeit

Januar 18, 2008

Das Gesicht ist weg.

Statt eines Gesichtes

nur ein schwarzes Tuch

Çarşaf und Burqa

im öffentlichen Raum

Warum Deutschland den

Tscharschaf und die Burka

im öffentlichen Raum

verbieten muss

von Jacques Auvergne

Wir schreiben den 11. Dezember 2007 und in meiner nordrhein‑westfälischen Heimatstadt sind innerhalb von zehn Tagen gleich drei Burkas aufgetreten, drei gesichtsverhüllende Ganzkörperschleier. Jetzt bin ich besorgt, dass es wöchentlich mehr werden könnten. Ob ein Verbot das richtige oder sogar einzige Mittel ist, um eine derartig entmenschlichende Kleidung als ganz klar nicht zum deutschen Alltag gehörend zu kennzeichnen? Problem ist aber, dass die Frauen vorgeben werden, die Burka (Tscharschaf und Tschador eingeschlossen) freiwillig zu tragen.

Ich ärgere mich also über Textilien. Hast du zu viel Zeit, werden mich meine Freunde morgen fragen. Das Thema legt sich mit der Zeit, nach ein paar Jahren tragen die Frauen wieder Jeans und Holzfällerhemd, werden die Zweckoptimisten unter ihnen mir zuflüstern. Vielleicht liege ich ja falsch, doch mir scheint eine andere mögliche Zukunft wahrscheinlicher, nämlich dass innerhalb von wenigen Jahren erst 10 und dann 20 Prozent der Frauen der westdeutschen Innenstädte Ganzkörperschleier tragen. Die besagten Zweckoptimisten werden natürlich auch dann noch sagen: Das gibt sich wieder, in ein paar Jahren. Doch der Iran nach 1979? Am Anfang einer theokratischen Revolution kann sehr wohl eine Kleidungsreform stehen.

Klingt ja zunächst ganz harmlos: Kleidungsreform, so nach Jugendstil, Tiffany und Blaue Blume. So nach Schiller‑Kragen und Insel‑Kleid. Freigeistig und romantisch.

Doch die Trägerinnen von Burka und Tschador wollen eine andere Gesellschaftsordnung als die städtischen Utopisten im selbst gebatikten Hippie‑Kleid des Jahres 1970 oder die rebellisch gewandeten Punkerinnen um 1980.

„Drei Kittel“ also bringen mich aus der Fassung. Weniger, weil sie rabenschwarz waren. Eher schon, weil sie Arme und Hände absolut verbargen. Vor allen Dingen aber, weil sie den darunter verborgenen Frauen das Gesicht raubten, aus meiner Sicht jedenfalls.

Es ist „islamische“ Kleidung aus verschiedenen Weltgegenden und Epochen, die in Zeiten der Globalisierung nun erstmalig im Rheinland verwendet wird.

Islamische, religiöse Textilien. Dazu gehört 2007 und in Nordrhein‑Westfalen also die von den Taliban zwangsweise in Afghanistan eingeführte paschtunische Burka (Burqa) ebenso wie der radikalislamische schwarze Tscharschaf (Çarşaf) aus dem Osmanischen Reich und aus den Jahren um 1870, gegen den emanzipierte Türkinnen allerdings bereits um 1910 erfolgreich rebellierten. Ich werde im Folgenden von Burka sprechen und meine damit alle bodenlangen Mäntel bei Bedeckung von Stirne, Mund und Nasenrücken.

In allen drei Fällen war das Weiß der Augen nicht zu sehen, was natürlich Methode hatte, guckstu. Diese Frauen, wenn es denn Frauen sind, haben im sozialen Sinne keinen Blick. Sie „gucken“ nicht mehr. Ob wenige Zentimeter oder wenige Millimeter breiter Sehschlitz, ob Nikab (Niqâb, Gesichtsschleier) mit- oder ohne Fliegengitter, für heute sage ich Burka.

Die Burka ist ein afghanisches Gewand, das den Körperumriss völlig verneint. Das der Frau den „öffentlichen Körper“ mehr als symbolisch raubt, das ihn beschlagnahmt und die burkatragende Frau sozial entleibt. Von innen nach außen wird die Welt durch eine Art von geklöppeltem Stoffgitter betrachtet, das in der umgekehrten Richtung nahezu blickdicht ist. Nur derart verhüllt darf die Frau bei dem afghanischen Volk der Paschtunen den öffentlichen Raum, die Männerwelt der Straße und des Marktplatzes, betreten.

Zurück aber nach Deutschland und in den Dezember 2007.

Minutenlang geisterten schwarze Gespenster über den leeren Marktplatz und durch die regnerische belebte Geschäftsstraße. Ich war fassungslos vor Wut. Da, wo ich ein Gesicht erwartet hätte, war nur blicklose Finsternis, war kein Gesicht sondern schwarzes Tuch. Ich fühlte Wut. Die Reaktion der Ureinwohner dieser Minuten erschütterte mich allerdings auch, sie guckten unerfreut, die Deutschen, in der Tat, und drehten den Kopf weg. Sie werden nicht darüber reden. Man will es nicht sehen. Die Deutschen werden sich nicht bei ihrer städtischen Gleichstellungsbeauftragten über die neue Frauenmode beschweren, auch die Frauen unter ihnen nicht.

Deutschlands öffentlicher Raum steht an einer kulturellen Zeitenwende, wenn wir jetzt nicht die Burka beziehungsweise den Tscharschaf verbieten. Denn ich rechne mit einer Art Kettenreaktion, mit der dynamischen Zunahme des gesichtsverhüllenden islamischen Schleiers: In wenigen Jahren und für viele Jahrzehnte! So oder so, das Ergebnis wird in hundert Jahren in Geschichtsbüchern zu lesen sein. Von den letzten Frauen mit öffentlichem Gesicht vielleicht, die dann eine separierte Klasse bilden werden wie einst unter Südafrikas Apartheid. Doch in der Gegenwart islamischerseits erst einmal die Selbst‑Separierung, das von der europäischen Muslimbruderschaft erwünschte provokante Nichtdazugehören. Später dann die Ausweitung des Rechtssystems der Scharia. Dann erst das Kalifat.

Seit zweitausend Jahren erkennen Europäer ihre gesellschaftliche Umwelt wiedergespiegelt in ihren europäischen Mythologien, ihren Volksmärchen oder auch in ihren christlichen Legenden. Da ist die Rede von König und Betteljunge, von der Prinzessin oder der weisen Frau, vom Zauberer und von der bösen oder auch guten Fee. Eines haben diese Menschen alle: Augen, Nase und Mund! Sie haben ein Gesicht.

„Punkt, Punkt, Komma, Strich“, malen schon die kleinsten Kinder. In unserem Teil der Erde also bezeichnen wir mit der sicherlich viele Jahrzehntausende alten „Grundidee Gesicht“ sogar etwa die moderne Ungastlichkeit trister Wohnquartiere: Wir sagen, sie seien gesichtslos.

Bis Dezember 2007 galt auch in Deutschland: Menschen haben ein Gesicht. Am 1.12. jedoch sichteten wir die erste Burka: Günter Wallraff hielt Solches allerdings am selben Abend noch für gänzlich ausgeschlossen. Am 11.12. sehe ich das dritte gesichts- und auch eigentlich körperlose Wesen meiner Stadt. Drei das Gesicht vollständig verhüllende, bodenlange Gewänder aus dem Dunstkreis des radikalen Islams.

Nein, an diese Kleidung möchte ich micht nicht gewöhnen müssen.

Gesichtslos. Das bedeutet auch, dass ich nicht weiß, ob sich unter dem Tuchgefängnis eine ostasiatische, eine zentralafrikanische oder eine mitteleuropäisch anmutende Frau verbirgt. Ob sich überhaupt eine Frau unter dem Tuch verbirgt, überhaupt ein Mensch. Ganz sicher kann und soll ich nicht sein. Es wird schon ein Mensch sein und kein Roboter. Doch ist es ein älterer oder ein jüngerer Mensch? Unser soziales Selbst nennen wir seit der Antike „Person“. Diese Frauen haben kein soziales Selbst auf dem Marktplatz der Ungläubigen beziehungsweise auf dem Marktplatz der islamischen Männer. Die Sprache des Anblickens ist diesen Menschen geraubt und damit ein wichtiger Teil dessen, was Artikel 1 des Grundgesetzes „Würde“ nennt. Warum verteidigt Deutschland dieses Grundrecht nicht? Manche der Frauen können die Burka aus patriarchalem Druck nicht ablehnen, andere mögen in einer Lebensphase der politreligiösen Radikalität sein. Jedenfalls wird diese Kleidung, wie ich fürchte, ansteckend sein wie ein Schnupfen.

Wer ist unter dem Tuch. Ich kann es nicht wissen und ich soll es nicht wissen. Wir kennen die Floskel „ganz im Sinne des Erfinders“. Aha. Es gibt eine Intention, eine beabsichtigte Wirkung auf mich. Und es gibt eine Intention der Islamisten in Bezug auf die weibliche Gestalt ohne Gesicht.

Unter dem Kittel ist eine gekaufte Gebärmaschine, eine „Söhnchenfabrik (Hirsi Ali). Mehr muss keiner wissen.

Die sozial getötete Gestalt. Das ist neu, das hat Europa seit Jahrhunderten und vielleicht seit Jahrtausenden nicht gekannt. Das geht auch „nicht einfach weg“, die anrollende Welle aus Burka und Tschador. „Das“ bleibt und das nimmt ohne Frage rasch zu, wenn wir Demokratinnen und Demokraten nicht entschieden gegensteuern. Die Iraner können es nicht.

Der Gesetzgeber muss diese Textilien verbieten. Wie kann das geschehen? Vielleicht auf dem Klageweg über den Begriff des im Alltag nun gefährdeten Rechtsguts der negativen Religionsfreiheit. Vielleicht auf dem Wege des Tierschutzparagraphen, denn ich habe wenig Zweifel: Hielte ich eine Katze oder ein Reh mit einem körper- und gesichtsverhüllenden Schleier, man würde mich erfolgreich beklagen. Und das ganz zu Recht. Aber es ist ja bloß eine Frau. Gut eingekauft. Söhnchenfabrik. Orientalisches Männerrecht.

Patriarchat ist auch etwas sehr Europäisches, wir hätten in dieser Angelegenheit der Nachhilfe durch die Damen und Herren Wahhabiten, Ahmadiyyas oder Taliban nun wirklich nicht bedurft. Denn als Abendländer haben wir unsere Ketzerinnen, Hexen, Kommunistinnen und Frauenrechtlerinnen stets ganz gut selbst versklaven oder ermorden können.

Das „Prinzip Kopftuch“ will Koran und Scharia, das heißt, es will die verhinderte Gleichwertigkeit von Frau und Mann.

Inwieweit verstößt die Burka gegen die von allen menschenrechlichen Konventionen betonte Selbstbestimmung des Individuums?

Und, was den öffentlichen Dienst betrifft, inwieweit ist ein noch so dezentes Kopftuch „Strukturmuster“ der entmenschlichenden Burka, ihre Entsprechung und ihr Vorläufer? Frei nach dem Motto: Zuerst das Kopftuch, dann die Burka.

Jacques Auvergne