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Frankfurts Hidschabistas und Teherans Mädchen von der Revolutionsstraße

April 8, 2019

Das Prinzip Hidschab und die unterworfene Lage der Frau im islamischen Recht. Anmerkungen zur Frankfurter Ausstellung Contemporary Muslim Fashions. Offener Brief an Gabriele Wenner, Leiterin des Frauenreferats der Stadt Frankfurt am Main, und Linda Kagerbauer, im Frauenreferat der Stadt Frankfurt Referentin für Mädchenpolitik und Kultur. Von Gabi Schmidt und Edward von Roy.

Sharia goes Fashion

Zu einer Freiheit, ein Kopftuch oder vielmehr den der Frau islamisch vorgeschriebenen Schleier (Hidschab) tragen zu dürfen, würde gehören, ihn jederzeit ablegen zu können. Insofern ist der Hidschab nicht einfach dem Bereich der Mode zuzurechnen, die in der kulturellen Moderne eine individuelle Entscheidung ermöglicht, nach der sich ein Individuum heute dezent und morgen extravagant oder gar provokant kleiden kann. Eine Frau kann eine andere Kleidung anziehen als ihre Mutter oder Schwester. Der Hidschab aber bekundet und bewirbt ein Mädchen- und Frauenbild und eine weibliche, dem Mann unterworfene Lebenswirklichkeit, welche in die kulturelle Moderne universeller Menschenrechte und in den an seiner Abschaffung nicht interessierten freiheitlichen Rechtsstaat nicht integriert werden kann.

Im bekennenden islamischen Religionsunterricht (IRU) lernt ein jedes Kind, dass Mädchen ab der Geschlechtsreife „ihren Körper – mit Ausnahme von Gesicht, Händen und Füßen – mit Kleidung derart bedecken“ müssen, „dass die Konturen und Farbe des Körpers nicht zu sehen seien.“ Der Kopf gelte dabei als bedeckt, „wenn Haare und Hals vollständig bedeckt seien“, das ist islamischer Mainstream (DITIB / Diyanet bei Bundesverfassungsgericht Beschluss vom 27.01.2015, siehe unten).

Gemäß dieser Logik garantiert nur der Schleier Ehre, Anstand und Keuschheit. Die Bedeckung diskriminiert, mobbt jede Unverschleierte, mit jedem Hidschab im Straßenzug oder Klassenzimmer steigt der Druck auf Unverschleierte. Wer als Mädchen oder Frau öffentlich Haar zeigt oder den Körperumriss preisgibt, gilt in schariagehorsamen Kreisen als unanständig und unrein (nadschis), als Schlampe.

„Willst Du aussehen wie eine Deutsche?“ Oder: „Das Kopftuch ist unsere Ehre – hast Du keine?“ Und: „Deinen Eltern ist es wohl egal, wie über Dich geredet wird.“ (Rita Breuer (Mobbing gegen kopftuchfreie Mädchen), EMMA vom 01.09.2009.)

Ein Frauenreferat sollte niemals auch nur den Eindruck erwecken, ein solch misogynes Mädchen- und Frauenbild zu propagieren oder zu bestärken, sondern alle Mädchen und Frauen zu einem emanzipierten, selbstbestimmten Lebens- und Kleidungsstil ermutigen. Sozialpädagoginnen oder Pädagoginnen haben die Aufgabe, jedem Mädchen die Chance auf eine selbstgeschriebene Biographie zu eröffnen. Text und Bildfolge des in der Frankfurter Ausstellung gezeigten Soundtrack von Mona Haydar („Wrap my hijab“) transportieren und propagieren jedoch das Gegenteil, nämlich dass weltweit mit massivem Druck für die Einhaltung der Gebote der islamischen Kleidung geworben wird. Ist das im Sinne des Frankfurter Frauenreferats?

Wer sich mit der amerikanisch-syrischen Künstlerin genauer befasst, bemerkt, dass es in ihren Songs jeder Frau nahelegt wird, sich züchtig (modest) zu kleiden. Ein Video von ihr (Dog – „Make sure you watch til the end to see what I’m talking about“) warnt sogar jede Frau davor, zu viel Haut zu zeigen, um nicht vergewaltigt zu werden. Die Epoche, in der es hieß, dass die Trägerin eines Minirocks selbst schuld ist an ihrem Missbrauch, sollte ein für allemal der Vergangenheit angehören. Die islamische Theologie unterstellt jedem Jungen und Mann einen allzeit lüsternen, Frauen begaffenden Blick und die latente Bereitschaft zu sexualisierter Gewalt, weshalb sich auch jeder Mann durch die weibliche islamische Kleidung beleidigt fühlen darf.

Nach dem Glaubensgrundsatz der Fitra, der Geschöpflichkeit, dem naturhaften Ausgerichtetsein auf den islamischen Gott Allah, ist die Frau anders nackt als der Mann. Während der Schambereich, arabisch Aura, des Mannes ausschließlich Geschlechtsteile, Bauchnabel und Knie umfasst, hat die Muslima im öffentlichen Raum ihren gesamten Körper bis auf Gesicht und Hände mit Textilien abzudecken. Sein Haupthaar ist Ehrenhaar, ihres hingegen Schamhaar. Der Familie einer unbotmäßig bekleideten Frau droht Ehrverlust, die Brüder haben auf ihre Schwester nicht ordentlich aufgepasst.

Abu Dawud (4104) überliefert einen Hadith von Aischa, der berichtet, wie Asma einmal zum Propheten kam und sie trug eine etwas durchsichtige Kleidung. Da wandte er seinen Blick ab und sprach: „Oh Asma, wenn die Frau ihre Reife erreicht hat (d. h. wenn sie ihre erste Menstruation bekommen hat), dann darf sie von ihrem Körper nur dieses und dieses zeigen (und er zeigte auf Gesicht und Hände).

Vater, Bruder und später der Ehemann haben die Funktion des Sittenwächters über die Frau. Beispielsweise kann die Braut ohne Wali (männlicher Vormund, hier Heiratsvormund) nicht heiraten. Generell ist der Mahram der männliche Aufpasser. Unterstützt durch die Männer der Großfamilie, die genau kontrollieren, mit wem die weibliche Verwandtschaft sich trifft, ob das Mädchen oder die Frau sich außerhalb des Hauses sittsam genug verhält, sie bestimmen, ob sie das Haus verlassen darf. Ein freies, selbstbestimmtes Leben ist so nicht erreichbar. Die Praxis der Kontrolle kann zeitlich fast lückenlos sein und räumlich so weit reichen, dass „Mädchen mit ihrem jeweiligen Freund in bis zu sechzig Kilometer entfernten Städten von den „Lohberger Jungs“ gesichtet worden sind“ (zitiert aus Lamya Kaddor, Muslimisch-weiblich-deutsch!). Und da schwärmt Max Hollein vom „stolzen und hoch eleganten Ausdruck neuen islamischen Selbstbewusstseins“ (Welt am 15.12.2017).

Während Deutschland vor einem halben Jahr die Geburtsstunde des Frauenwahlrechts, den 12. November 1918 feierte, ein Recht, das die Frauen eben gerade nicht in Gottgehorsame und Pflichtschludrige unterteilt, versuchen Modemacher heute, uns die im Islam einzig gestattete weibliche Entscheidung zwischen Hidschab Eins und Hidschab Zwei als Wahlfreiheit zu verkaufen und fordert das gespaltene Publikum, bestehend aus Deutschlands Yuppies und schariatreuen Hidschabistas, dass doch auch hierzulande endlich jede Frau anziehen können soll, was sie will. Dass in der Frankfurter Ausstellung von Max Hollein und Matthias Wagner K einige Exponate dem Bedeckungsgebot noch nicht entsprechen, tut wenig zur Sache, denn jeder islamgehorsame Besucher von Contemporary Muslim Fashions wird das fallweise fehlende Kopftuch als haram bewerten und das vorhandene als halal.

Auch der in der Ausstellung hier und da sichtbare Schmuck, selbst das Prinzip des Schmückenden ist islamisch nicht korrekt, strahlend bunte Farben oder edle Stoffe sind für einen Hidschab nicht erlaubt.

Die acht Kriterien der islamisch gültigen Bedeckung (Hidschab) des weiblichen Körpers.

Der korrekte Hidschab

• muss den gesamten Körper bis auf Gesicht und Hände bedecken

• darf selbst kein Schmuck (zīna) sein

• muss blickdicht (ṣafīq) sein und darf nichts durchschimmern lassen

• muss wallend (faḍfāḍ) sein und darf nicht eng anliegen

• darf nicht parfümiert sein

• darf nicht der Kleidung des Mannes ähneln

• darf nicht der Kleidung ungläubiger Frauen ähneln

• darf keine Kleidung sein, mit der man nach Berühmtheit strebt

Bei Muslim in Hadith 885 spenden die Frauen ihren gesamten Schmuck („und ihre Ohrringe und Ringe“), nachdem sie erfahren haben: „Gebt Almosen, denn ihr seid der Großteil des Brennstoffs der Hölle … weil ihr euch zuviel beschwert und undankbar euren Ehemännern gegenüber seid“ … („Mir wurde die Hölle gezeigt und ich sah, dass die Mehrheit ihrer Bewohner Frauen sind … aufgrund ihrer Undankbarkeit (Kufr: hier Undankbarkeit; sonst Unglaube) ihren Gefährten (Ehemännern) gegenüber“, Sahih Buchari Buch 2, Hadith 28). Unattraktiv muss die Tugendhafte wirken, anonym durch die Nebengassen huschen:

„Dabei hat sie [beim Ausgehen, beim Verlassen des Hauses] abgetragene Kleidung anzulegen und sich nur auf unbelebten Straßen zu bewegen. Die öffentlichen Märkte muss sie meiden und sicherstellen, dass niemand sie an ihrer Stimme erkennt. Sie darf sich nicht an einen Freund ihres Ehemannes wenden, selbst wenn sie seine Hilfe gerade nötig hätte“ (Imam al-Ghazali).

“If the woman performs the five daily prayers, fasts the month of Ramadan, maintains her chastity and obeys her husband, she will enter the Paradise of her Lord.” (Hadith)

Durchsetzung der Herrschaft Allahs auf Erden: Die Hisba

Spätestens seit 1979, seit der islamischen Revolution im Iran kann auch in Europa jedermann wissen, dass eine islamische politische Bewegung versucht, nicht nur den Schleier durchzusetzen, sondern eine ganze Lebensordnung und Gesellschaftsordnung, einen Islamic way of life. Treibende Kraft ist die 1928 gegründete Muslimbruderschaft, deren Organisationen nicht zufällig für das weibliche „Freiheitsrecht“ kämpfen, 24/7 den Hidschab zu tragen.

Wie ein erhobener Zeigefinger propagiert der Hidschab, dass ein Angehöriger der Umma, der islamischen Weltgemeinschaft, zur Einhaltung der jeden Lebensbereich regulierenden islamischen Gesetzlichkeit verpflichtet ist. Insbesondere die durch den Schleier überdeutlich als Muslima markierte Frau wird, nicht nur in Pakistan oder im Nahen Osten, sondern längst weltweit, durch weibliche wie vor allem männliche Muslime öffentlich auf ihr jederzeitiges Wohlverhalten hin kontrolliert, weshalb der Schleier sie gerade nicht vom Gruppendruck befreit, sondern dem Prinzip Sittenwächter ausliefert. Als Mädchen oder Frau bist du naturhaft Wankelmütige und Glaubensschwache sehr gefährdet, Sünde zu begehen oder uns Männer zur Sünde zu verführen (Fitna, Versuchung; Zwist, Zwietracht), darum musst du dich verschleiern, darum müssen wir dich überwachen (vgl. islamqa.info 6991 publication : 20-12-1999).

1990 beschlossen die Mitgliedsstaaten der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) die Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam und definierten die Scharia als alleinige Grundlage von Menschenrechten, was einen bewussten Gegenentwurf zur Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (AEMR) von 1948 darstellt und unter anderem mit einer rechtlichen Diskriminierung aller Frauen einhergeht. Auch für diesen Angriff auf die Gleichberechtigung von Mann und Frau steht der Hidschab, der eben nicht einfach kreative Mode ist.

Zentrale Strukturprinzipien einer derartigen „gottgegebenen“ Ordnung der Geschlechter sind die Komplementarität der Rollen von Mann und Frau, eine möglichst weitgehende soziale Trennung der Geschlechter und der Ausschluss der Frauen aus dem öffentlichen als ‚männlich’ definierten Raum. (Renate Kreile (2007). Der Kampf um die Frauen. Politik, Islam und Gender im Vorderen Orient.)

Sobald sie aber den Hidschab anlegt, der für die Trägerin keine Option je nach Laune oder Tagesform ist, mithin keine frei gewählte Mode, sondern ein „bestimmtes religiöses Gebot definitiver Qualität“ (DİTİB / Diyanet), ist ihr bei schlimmer Strafe spätestens im Jenseits noch das geringste unislamische Verhalten verboten. Händchenhalten mit einem Nichtmahram etwa ist für eine Verschleierte nicht gestattet, sich in einen Nichtmuslim verlieben und diesen heiraten gemäß Scharia unzulässig.

Hidschab bedeutet: Ich bin keinesfalls lesbisch, und ein schwuler Sohn wäre mir und Allah ein Gräuel.

Bis auf Gesicht und Hände ist der gesamte Leib der Frau gemäß dem Islam Aura, Schamzone, das ist islamischer Konsens (Idschma). Hadith bei al-Tirmidhi: „Die Frau ist eine Aura, wenn sie ausgeht, kommt ihr der Teufel entgegen.“ In der in den Hidschab eingewebten Weltanschauung rücken weiblicher Körper und Iblis, Teufel im Islam, ganz dicht zusammen.

Hadith. „Mir wurde die Hölle gezeigt und … ich sah, dass die Mehrheit ihrer Bewohner Frauen sind“, al-Buchari 1052.

Hazrat Ali reported the Prophet saying: „Women have ten (‚awrat). When she gets married, the husband covers one, and when she dies the grave covers the ten.“ And according to the following Hadith, women not only have ten ‚awrat, but the woman herself is perceived as ‚awrah: „The woman is ‚awrah. When she goes outside (the house), the devil welcomes her.“

Zur Konsequenz islamischer Kleidungs- und Verhaltensnormen gehört die islamkonforme Umgestaltung letztlich der Gesamtheit von Recht und Justiz („Und wer nicht nach dem richtet, was Allah herabgesandt hat – das sind die Ungläubigen“, Koran 5:44). Heutzutage geht es weltweit zuerst darum, auch als Lehrerin oder Richterin den Schleier tragen zu dürfen, danach um das Integrieren des islamischen Ehe- und Familienrechts, von der neunjährigen Braut bis zur Polygynie. Seit den Verträgen von Sèvres (1920) und Lausanne (1929) gilt in Griechenland die Scharia, der Mufti von Komotini beispielsweise nimmt Mädchen in Augenschein und entscheidet, ob sie alt genug sind, um zu heiraten, die Braut kann dann auch mal elf Jahre alt sein. Vor zwei Jahren hat sich der Bundestag veranlasst gesehen, zur Bekämpfung von Kinderehen das Ehemündigkeitsalter im deutschen Recht ausnahmslos auf 18 Jahre festzulegen.

the two other muftis are even less circumspect, marrying girls and boys respectively from the age of 12 upward, as allowed under Islamic law.

By Catherine Boitard (Young Muslim teens marrying in Greece with no objections) – Agence France-Presse

Überall auf der Welt, wo das Personenstandsrecht der Scharia entspricht, verliert die Frau im Falle einer Scheidung das Sorgerecht über ihre Kinder, welche Besitz des Mannes und seines Stammes bleiben.

Islamrevolutionäre Gegenkultur

In besonders strengen islamischen Milieus gelten Kleidung und gesamte Lebensweise der Nichtmuslime als sittlich geringeren Wertes und dürfen nicht nachgeahmt werden (Hadith: „Wer sie imitiert, ist einer von ihnen“). Aus der in den Hidschab gleichsam eingewebten Weltanschauung folgt, dass Bekanntenkreis, Nachbarschaft und Stadtviertel über kurz oder lang nach Kräften umzugestalten sind, hin zu der im Islam einzigen sittlich zu nennenden Lebensweise und gemäß der „einzigen Religion, die bei Allah angenommen wird“ (Koran 3:85 Übersetzung Bubenheim & Elyas: „Wer aber als Religion etwas anderes als den Islam begehrt, so wird es von ihm nicht angenommen werden, und im Jenseits wird er zu den Verlierern gehören“).

Mit Toleranz hat eine derartige, den Hidschab verharmlosende Ausstellung wenig zu tun. Ausstellungen wie Contemporary Muslim Fashions tragen vielmehr dazu bei, die zu verhindernde Aufspaltung der Bürger in Nichtmuslime und Muslime voranzutreiben, während sich Max Hollein freut:

„Es sind Entwürfe, die nicht nur als Zeichen sowohl der Modernität als auch der Kulturverbundenheit interpretiert, sondern von vielen Menschen auch verstanden werden als weitreichende Manifeste, nämlich als Ausdrucksform einer positiven, zeitgenössischen und modernen Haltung gegenüber der eigenen islamischen Kultur“.

Durch mehr und mehr schariakonforme Frauenbekleidung, „modest fashion“ bedeutet keusche, gehorsame und unterwürfige Mode, steigt der oft bereits heute auf jeder Tochter eines muslimischen Vaters lastende Druck, sich ebenfalls islamisch zu bekleiden und sich im islamischen Sinne ehrbar und züchtig zu verhalten. „Schützt die Kinder vor diesem Tuch!“ titelte Cigdem Toprak auf ZEIT ONLINE (17.04.2018). Viel stehe schließlich auf dem Spiel, sagt jeder Anhänger einer wortwörtlichen Lesart von Sure und Hadith, denn wer zu Lebzeiten das Kopftuch und die dazugehörige islamische Lebensweise schuldhaft verweigert, landet hochwahrscheinlich in Dschahannam, in der Hölle.

Die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V. (DITIB) hat folgende theologische Bewertung ihres Obersten Religionsrates mitgeteilt: Muslimische Frauen müssten ab Eintritt der Pubertät in Gegenwart von Männern, mit denen sie nicht verwandt seien und die zu ehelichen ihnen religionsrechtlich erlaubt sei, ihren Körper – mit Ausnahme von Gesicht, Händen und Füßen – mit Kleidung derart bedecken, dass die Konturen und Farbe des Körpers nicht zu sehen seien. Der Kopf gelte dabei als bedeckt, wenn Haare und Hals vollständig bedeckt seien. Dies sei ein nach den Hauptquellen der Rechtsfindung im Islam (Koran, Sunna, Gelehrtenkonsens und allgemeiner Übereinkunft der Gemeinden) bestimmtes religiöses Gebot definitiver Qualität. In welcher Weise die vorgeschriebene Bedeckung erfolge, sei allein die Entscheidung der muslimischen Frau. Das Tragen des Kopftuchs diene demnach ausschließlich der Erfüllung eines religiösen Gebots und habe darüber hinaus für die Trägerin weder einen symbolischen Charakter noch diene es der Bekundung nach außen.

Beschluss vom 27. Januar 2015 – 1 BvR 471/10

Selbst Religionsfreiheit hat verfassungsimmanente Grenzen. Ein Verzicht auf Grundrechte ist an strenge Voraussetzungen gebunden. Grundrechte dienen nicht nur der selbstbestimmten Freiheitsentfaltung, sondern haben eine objektive Funktion, begründen eine objektive Werteordnung, die nicht zur Disposition des einzelnen oder eines Kollektivs gestellt ist. Vorrang und Einheit der Verfassung sind Rechtsstaatsprinzipien (Art. 20 Abs. 3 GG), die für die Bundesrepublik konstitutiv sind. Zudem schützt die Ewigkeitsgarantie gemäß Art. 79 Abs. 3 GG die Grundrechte der Staatsbürger. Unsere Verfassung, das GG ist eben kein Warenhauskatalog, aus dem man nur die Artikel aussucht, die gefallen.

Deshalb ist beispielsweise für jedermann ein Verzicht auf Würde (Art. 1 GG) oder Gleichberechtigung von Mann und Frau (Art. 3 GG) verfassungswidrig (s. Übung zur Vorlesung im Öffentlichen Recht: Grundrechte und Verfassungsprozessrecht. Wiss. Mitarbeiterin Christina Schmidt-Holtmann, Universität Trier). Die Umsetzung des Fatwa „Insbesondere der Ehefrau obliegt es ihm zu gehorchen und seinen Anordnungen Folge zu leisten und dass sie das Haus nicht ohne seine Erlaubnis verlässt“ (bei al-Munajjid 125374) ist von den Bedingungen eines Grundrechtsverzichts nicht umfasst.

Ein Frauenreferat sollte nicht für modest fashions, für unterwürfige, keusche Mode werben, sondern über das gegenmoderne und frauenfeindliche Prinzip Hidschab aufklären und alle Mädchen und Frauen der Stadt Frankfurt zu einem im Sinne der universellen Menschenrechte und des deutschen Grundgesetzes selbstbestimmten Leben ermutigen.

Jeder Mensch hat das Recht auf Informations- und Meinungsfreiheit. Jede Frau, jeder Mann, jedes Kind hat das Recht, seine Herkunftskultur zu kritisieren oder sogar abzulehnen. Ein äquidistantes Reden über modest fashions oder muslim fashions vernachlässigt das Recht jedes Individuums auf wirkliche Wahlfreiheit und unterschlägt die Einschüchterung und Angst durch Community und religiöse Autoritäten.

Klar und eindrucksvoll beschreibt Seyran Ateş (auf Twitter am 25. März 2019) das Problem mit der züchtigen Mode und dem Hidschab auf dem Laufsteg oder im Museum: „Man kann Kopftücher anmalen, kann sie modisch designen, kann sie gekonnt in Szene setzen, kann sie aus den innovativsten Stoffen schneidern. Nur eines kann man nicht: Die Unterdrückung, für die sie stehen, wegzaubern.“

Gabi Schmidt und Edward von Roy

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Iman Attia und die entgrenzte Schuldkultur der deutschen Linken

August 17, 2009

الثقافة

aṯ-ṯaqāfa Культура Kultur 文化

Die Dosis macht das Gift

Eine Berliner Dozentin der Alice-Salomon-Hochschule leuchtet uns heim und hat ein neues Buch geschrieben. Jacques Auvergne las das abgründig tolerante Werk

Gerade eben habe ich das neue Buch von Frau Prof. Dr. Iman Attia durchgelesen, »Die westliche Kultur und ihr Anderes. Zur Rekonstruktion von Orientalismus und antimuslimischem Rassismus«. Sehr geehrte gottesfürchtige Frau Dr. Attia: Wissen Sie, was Scharia bedeutet?

Nach Islamischem Recht (Islampraxis; Allah als Souverän wird von elitären sakralen Richtern irdisch vertreten) beziehungsweise nach der Scharia (aš-šarīʿa; kulturrassistische Islamtheorie) ist der walī muǧbir (wali mudschbir, bei Islamisator Mathias Rohe zawaǧ al-ǧabr bzw. wilāyat al-iǧbār) oder nötigende Heiratsvormund das seine kontrolliert jungfräuliche Tochter in die erste Ehe bedarfsweise zwingende Familienoberhaupt. Wie Sie wissen und Ihren Studentinnen und Studenten jeden Tag mit Bedauern erzählen, beträgt das islamische Heiratsalter neun Jahre. Das ist doch schon einmal ein ganz wichtiges Stück Scharia, weg mit dem säkularen Standesbeamten.

Soll ich als Ihr Zuhörer und Sozialpädagoge für derlei trauten Familiensinn jetzt Toleranz aufbringen, sehr geehrte Frau Dr. Attia? Der Rechtsschule der Schafiiten ist die tetas / menetas beziehungsweise arabisch khafdh genannte „Islamic FGM“, die islamische Variante der ḫitān al-ināṯ (chitan al-inath, weibliche Genitalverstümmelung) verpflichtend vorgeschrieben. Demgegenüber heißt die MGM, die sexualmagische Jungenbeschneidung, in Indonesien tetakan / supitan. Beschnittene Frauen in Yogyakarta 43,5 %, Männer 87,5 %, beschnittene Frauen in Madura 94,7 %, Männer 98 %. Allahgott scheint das indonesische Genital mit Blut reinigen und initiieren zu wollen. FGM wie MGM benennt man auch in Indonesien mit dem arabischen Wort khitan (1).

Dem Mädchen wird bei diesem religiösen Handeln genitales Gewebe amputiert. Im indonesischen Java wird diese von Allāh gutgeheißene Operation von der wohltätigen und angesehenen Assalaam-Foundation organisiert und völlig öffentlich in Schulgebäuden, islamischen Sozialzentren oder Koranschulen durchgeführt (2).

Wie uns der Volksmund belehrt, hat das dabei auf, an, über oder in der Klitoris islamrechtlich einwandfrei herausgeschnittene Körpergewebe die Größe von einem Viertel eines Reiskorns oder aber diejenige eines Hahnenkammes. Jetzt gibt es allerdings in der Natur, sehr geehrte Frau Dr. Attia, zwar sehr kleine Reiskörner, aber auch sehr große Hahnenkämme. Das unbeschnittene Mädchen gilt den Schafiiten islamrechtlich als besudelt (). Warum kämpfen Sie nicht gegen die schafiitische FGM und, als gebürtige Ägypterin, nicht auch gegen die Klitoridektomie, wie sie viele fromme Scheichs an der Kairoer al-Azhar seit Generationen fordern und wie sie in jeder Straße Kairos seit Jahrhunderten praktiziert wird?

Das Ministerium für Frauen, Familie und Soziales des Staates Malaysia KPWKM (3) erzählt Deutschlands

Orientfreunden Konkretes zu den beiden wichtigsten sexualpolitischen Treibriemen des Kalifats islamische Eheschließung (imām-nikāḥ) und Schlafzimmerkalifat (Koran: Die Ehefrau als „Saatfeld“). Denn Scharia ist was, konkret?

Scharia ist walī muǧbir:

1. Ist das Einverständnis der Braut in ihre Heirat erforderlich?

Ja, für jede Heirat ist das Einverständnis der Braut erforderlich. Bei einer noch nie verheirateten Frau (Jungfrau) kommt das Einverständnis von ihrem wali mudschbir [Heiratsvormund mit der Berechtigung zum Zwang].

2. Kann das jungfräuliche Mädchen durch den wali mudschbir auch ohne ihre Zustimmung in eine Ehe gezwungen werden?

Ein jungfräuliches Mädchen kann durch den wali mudschbir auch ohne ihre Zustimmung in eine Ehe gezwungen werden, soweit die eheliche Verbindung sekufu [standesgemäß] ist und sie für die Braut keine dharar [Beschädigung] ihrer syarie [schariarechtlichen Verpflichtungen] darstellt.

6. Wer ist wali mudschbir?

Wali mudschbir ist der biologische Vater des Mädchens oder der Großvater väterlicherseits.

Sei es das iranische Blutgeld der diyye (diyya) oder die Steinigung des islamofaschistischen Herrn Revolutionsfühers Chomeini, für die toleranten Schariafreunde unter den Dozenten der Alice-Salomon-Hochschule ist das offensichtlich alles Kultur. Ein neuer persönlicher Rekord beim Bergsteigen im aufregenden Gebirge des Kulturrelativismus ist 2009 denn auch von einer Berliner Professorin für Diversity Studies errungen worden. Vom erklommenen Gipfel der Erkenntnis der Vielfalt (diversity, Kalifat) brachte Iman Attia eine aus mittelalterlicher islamischer Sicht fromme, uns Nichtmuslime oder säkulare Muslime zur Wertschätzung der kulturrassistischen Scharia aufrufende Schrift herab: »Die westliche Kultur und ihr Anderes. Zur Rekonstruktion von Orientalismus und antimuslimischem Rassismus«.

Attias mutmaßlicher spiritueller Vice-Vorgesetzter heißt Mustafa Cerić, ist amtierender Großmufti und wirkt als rechte Hand des im arabischen Katar lebenden Scheichs Yūsuf al-Qaraḍāwī vom bosnischen Sarajevo aus für den Europäischen Fatwa-Rat (ECFR). Großmufti Cerić stellt klar (4)

Daher ist dieser islamische Bund, diese Scharia, ewig, nicht verhandelbar und unendlich.

Der Schatten Allahs in Sarajevo fordert die Errichtung eines europäischen Imamats sprich Kalifats. Natürlich nur für die Muslime. Alles ganz spirituell und seelsorgerlich. Im Blatt European View (Ausgabe 6, 41-48) kommt das Wort Scharia 19 (neunzehn) mal vor, indes Schariaverharmloser Yassin Musharbash am 14. Mai 2008 zu titeln sich erdreistete: „Als der Obermufti einmal Scharia sagte“.

Von der angeblich so numinosen und spirituellen Scharia hat sich Musharbash keineswegs distanziert. In dem in Englisch veröffentlichten Text heißt des CDU-nahen europäischen Zentrums für Europäische Studien (Center for European Studies, CES), laut WELT war gar von einer baldigen Umbenennung der CES „Helmut-Kohl-Stiftung“ die Rede, heißt es:

In the shari’ah as their Weltanschauung (sic!) Muslims have their covenant with God, a covenant that is the same in content if not in form as the previous covenant contained in the Old Testament of Moses and the New Testament of Jesus.

Gelegentlich dreht der Großmufti die schariatische der beiden Seiten der gesetzesreligiösen Medaille Islam flink vom Auge des Betrachters weg, der nun fiqh liest, was der mit dem Eugen-Biser-Preis mystisch beschworene Mustafa Cerić korrekt als „angewandtes islamisches Recht“ übersetzt. Das Recht könne man an die Moderne der Europäischen Union und auch der Bundesrepublik anpassen, das sei kein Problem. Die Scharia sei vielmehr eine ebenso harmlose wie zeitlose spirituelle Grundlage.

Die ebenfalls CDU-nahe und als Kopftuchverteidigerin bekannt gewordene Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) tut es der größeren Schwester CES gleich und verharmlost Scharia und orthodox-islamische Frauendiskriminierung nach Kräften. Man scheint daran interessiert zu sein, die Türkei als der Europäischen Union beitrittsfähig darzustellen. Das Wort Scharia kritisch zu betrachten könnte angesichts der kaum zu verbergenden radikalislamischen Ausrichtung der türkischen Regierungspartei AKP außenpolitisch der deutschen Industrie Hoffnung auf Pfründe zunichte machen und würde innenpolitisch deutschen Wählern mit türkischen Wurzeln die Lust an der islamfreundlich-wertkonservativen CDU vergällen.

Auch die Dhimmis scheinen die Logik des Beutemachens und der Pfründevergabe zu beherrschen. Nutzbarmachung statt Menschenrechte, Herr von Wilamowitz-Moellendorf?

Den sprichwörtlichen Vogel einer antidemokratischen Bereitschaft zur Schariatisierung der nordrhein-westfälischen CDU dürfte allerdings der 1975 im türkischen Nevşehir (Zentralanatolien) geborene KAS-Stipendiat Bülent Arslan abgeschossen haben, der sich im Oktober 2007 eine türkisch-muslimische parallele Polizeitruppe wünschte (5).

Das innerhalb der CDU angesiedelte Deutsch-türkische Forum (DTF), dem der in Viersen wohnhafte Arslan angehört, wünscht sich 150 bis 200 betende Muslim-Bürger in Uniform. Der Polizist, dein Schariafreund und Helfer? Der Vorschlag des niederheinischen Diplom-Volkswirts mag manchem Islamkritiker wie der Ausstieg aus der Säkularität und der Einstieg in die Dhimmitude erscheinen (6).

Muṭawwiʿūn nennen sich jene islamischen Religionspolizisten, wie sie etwa in Usbekistan, Ägypten, im Sudan, in den Palästinensischen Gebieten, in Saudi-Arabien, im Iran, in Malaysia (wo auch Nichtmuslime die schariatischen Anordnungen befolgen müssen), seit 2005 in Pakistan und demnächst wohl in Afghanistan die islamische Moral teilweise gewaltsam durchsetzen. Die Arbeit der geheiligten Büttel in Polizeiuniform erfolgt nach Maßgabe des Aufrufes der ḥisba, dem Befehl Allahgottes an die „Gläubigen“, das Gute zu gebieten und das Schlechte zu verbieten. Die Islamische Religionspolizei hat mit das also Ziel, die von Mustafa Cerić beschworene, „ewige, nicht verhandelbare und unendliche“ Scharia durchzusetzen. Ist die Vision des Bülent Arslan etwas anderes als eine Vorstufe der muṭawwiʿūn?

Dass letztlich jeder Bereich des menschlichen Lebens vom Islamischen Recht (Sakraljurisprudenz geheiligter Kasuistik, von einer klerusähnlichen Elite in Stellvertretung für den Allah-Gott gesprochen) ebenso total und totalitär geregelt wird wie es von der nicht kodifizierten Scharia (aus Fundamentalistensicht nicht von Menschen gemacht, sondern von Allahgott geschaffen) brutal und angsterregend gesteuert wird und dass Polygamie, walī muǧbir (islamischer Heiratsvormund mit der Berechtigung zum Zwangsverheiraten) und elfjährige schwangere italienische, griechische oder deutsche muslimische Ehebräute mit der in New York verkündeten Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (10. Dezember 1948) und dem Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland (23. Mai 1949) frontal kollidieren, verheimlich uns der charmante Mufti mit dem weißen Turban.

Die Scharia ermuntert jeden Muslim intensiv zum Aufbau von verbindlich tätigen Scharia-Gerichten, welche nachfolgend islamrechtliche sprich schariakonforme Gerichtsurteile aussprechen werden, bei denen eine Frau gegenüber einem Mann halbiertes Erbe (Koran 4:11) erhält und ihre Aussage nur halb so viel wert ist wie die eines Mannes (Koran 2:282).

Nach Paret : Koran Sure 2, Vers 282: … Und nehmt zwei Männer von euch zu Zeugen! Wenn es nicht zwei Männer sein können, dann sollen es ein Mann und zwei Frauen sein, solche, die euch als Zeugen genehm sind, – (zwei Frauen) damit (für den Fall), daß die eine von ihnen sich irrt, die eine (die sich nicht irrt) die andere (die sich irrt, an den wahren Sachverhalt) erinnere

Qur’an 2:282 – (Court testimony) „And call to witness, from among your men, two witnesses. And if two men be not found then a man and two women.“

Jedes sichtbare Kopftuch, zumal das Kopftuch einer Lehrerin, Rechtsanwältin oder Schöffin, ist auch eine Erinnerung an diesen angeblich ehrenwerten und verdienstvollen Auftrag, eine Islamische Staatlichkeit, „Islamische Gesellschaft“ aufzubauen, in der, das interessiert den multikulturellen Juristen Herrn Mathias Rohe ja vielleicht, nicht das Volk der oberste Souverän ist, sondern die imaginierte Gottheit Allāh. Für streng gläubige Muslime hat die Demokratie (Necmettin Erbakan: batil düzen, nichtige Weltordnung) keinen sittlichen Wert und muss allenfalls Substitut, besser allerdings Provisorium für die „gerechte Lebens- und Staatsform“ (adil düzen) sein.

Leider schließt sich Mathias Rohe („Das Islamische Recht“, 2009) diesem auch von Prof. Attia betriebenen Verharmlosen des gestuft entrechtenden Islamischen Rechts an. Das Rechtsgutachtergremium Ägyptens, die Herren sollten doch etwas vom Islam verstehen, sagt uns, warum die Frau vor einem „gerechten, zivilisierten, kultivierten“ Gericht, der Gerechtigkeits- und Kulturbegriff der

Iman Attia, „von Natur aus“ nicht dieselbe Stimme haben kann wie ein Mann. Fatwa Nummer 19723, erschienen am 18.07.2004.

Keine Religion oder ein von Menschen entworfenes Gesetz verleiht Männern und Frauen dieselben Rechte, weil diese unterschiedlich geschaffen sind.

2. In [juristischen] Fällen, die sich auf Familienangelegenheiten beziehen, ist die Mehrheit [der muslimischen Schriftgelehrten] der Meinung, dass das Zeugnis einer Frau ungültig ist. Es ist notwendig, dass mindestens zwei Männer Zeugnis ablegen müssen.

4. Bei Strafsachen und in Fällen, in denen ein Hinrichtungsurteil ausgesprochen werden kann, ist das Zeugnis einer Frau ungültig. Das ist Konsens unter muslimischen Schriftgelehrten.

Der Erlanger Fachmann für Rechtsvergleich erforscht professionell Hunderte von frauenfeindlichen und kulturrassistischen Schariagerichts-Urteilen und vermag unbeirrbar von den Schönheiten des Islam zu träumen Mathias Rohe kennt den real existierenden islamisierten Teil der Welt aus drei Jahrzehnten frohgemuten Reisens und organisiert in Deutschland interreligiöse Gespräche im Rahmen der „Christlich-Islamischen Gesellschaft“ (CIG e. V.). Am für Juristen sicherlich unheimlich spannenden und wie nebenbei auch noch lukrativen Tüfteln von vertrackten Problemen binationaler Ehen (muslimischer Vater entführt Kind einer Nichtmuslima) oder sonstigen Verträgen (muss Deutschland einem Ex-Muslim Personenschutz bezahlen) zwischen Theokratie und Rechtsstaat ist der Professor also nachweislich aufgeregt interessiert. Vielleicht würde der gebildete Jurist noch als Augenzeuge bei einer iranischen Steinigung mit dem anwesenden Ayatollah über den säkular-islamischen Rechtsvergleich fachsimpeln.

Deutschland hat kein christliches Grundgesetz oder keine christliche Straßenverkehrsordnung, sondern Grundrechte und auf sie bezogene Gesetze und Verordnungen, deren Rechtssicherheit Atheisten, Ex-Muslime und Karnevalisten ebenso schützen wie muslimisch Empfindende und die dabei Männer und Frauen ganz bewusst gleichstellen. Findet es der 49jährige Erlanger Rohe denn völlig akzeptabel, seine eigene Tochter als walī muǧbir in Malaysia zu verheiraten, sie als indonesischer Schafiit genital verstümmeln zu lassen oder sein gegen Brautpreis eingekauftes Eheweib mit einem feierlichen dreifachen ṭalaq zu verstoßen? Herr-lich erhebend, dieser Islam – da ist der Mann noch ein Mann!?

Wir dürfen einem Menschen, der einerseits öffentlich die auf Koran und Hadithen gründende, kulturrassistische Scharia sowie ihre durch männliche „kleine himmlische Richter“ dargebotenen Richtersprüche des „Islamischen case-law“ (fiqh) verharmlost und der andererseits Mitbegründer und seit Oktober 2001 sogar Vorsitzender einer „Gesellschaft für Arabisches und Islamisches Recht (GAIR) e. V“ ist sicherlich fragen, ob er die Rechtsspaltung will.

Rohe weiß genau, dass Scharia und fiqh den in Deutschland nach 1945 glücklicherweise Staatlichkeit gewordenen, jedem Menschen ebenso verpflichtenden wie zugänglichen Rechtsstaat angreifen werden. Warum billigt der Jurist ein islamisches Sonderrecht für die „europäische Nation der Muslime“, die Außerkraftsetzung der für alle Bürgerinnen und Bürger, auch für weibliche oder für irgendwie muslimisierte Bürgerinnen und Bürger geltenden Rechtsordnung? Der Mann ist leider auch noch Berater der Bundesregierung, ausgerechnet für den Verfassungsschutz, da bleibt uns nur, zu hoffen, dass man dort den erwiesenen Kenner Islamischen Rechts und Schariafreund Rohe gelegentlich hinsichtlich seiner ethischen Verfassungstreue in Frage stellt. Sollen sich freiheitliche Demokraten sich, nur um als ausreichend religionsfreundlich dazustehen, mit rechtskulturellen Spezialitäten von Abrahams Sohnesopfer, Kannibalismus, Moorleiche, Galgenberg, Hexenprozess, rheinischem Scheiterhaufen oder mit der im Innenhof des Teheraner Evin-Gefängnisses ausgeübten Steinigung wertschätzend befassen?

Durch die deutsche Soziologie wabern nicht erst seit Iman Attia mehrere demokratiegefährdende Gespenster, die ihre Namen alle paar Jahre wechseln und sich seit 2005 etwa „Pluralisierung von Wertschätzung“, „egalitäre Differenz“ und „komplexe Gleichheit“ nennen (aus: Wilhelm Heitmeyer, Peter Imbusch (Hg.): Integrationspotentiale einer modernen Gesellschaft), etwas früher hießen die Geister noch „kultursensibles Arbeiten“, Differentialismus oder Kulturrelativismus, noch früher ließen sich die Dämonen der Wertebeliebigkeit (sprich Willkür) anrufen mit den Namen Toleranz oder Kalifat. Wissenschaft ist mit diesen Begriffen erfolgreich „exkludiert“, ausgeschlossen, von universellen Menschenrechten oder der Gleichberechtigung von Mann und Frau ist bezeichnenderweise auch nicht mehr die Rede.

Die etwas vormoderne Jurisprudenz des auch von der Scharia geforderten Blutgeldes kannte das nördliche Mitteleuropa dabei durchaus, Wergeld oder Weregild, polnisch główszczyzna hieß einst genau das, was das aktuelle Strafrecht der göttlichen Diktatur Iran diyye (arab. diyya) nennt (7). Im „ehrenwerten“ orthodoxen Islam haben Menschen eben nicht lediglich einen unterschiedlichen sittlichen, sondern auch unterschiedlichen finanziellen Wert. Andere Sprachen nennen das Frühe germanische Stammesrecht „Early germanic Law“ oder, sehr bezeichnend, „Droit des royaumes barbares“.

Auf Steuerzahlerkosten untersucht Rohe die arabische Variante der an Sexualmagie und Vergeltung orientierten rechtlichen und geheiligten Barbarei. Das Islamische Recht, so Rohes völlig passender Buchtitel zum fiqh, ist jedoch ein Fossil, oder auch leider ein Relikt kultureller Vormoderne. Dabei wäre das genaue Untersuchen der „Errungenschaften“ kultureller Vormoderne ja völlig in Ordnung. Gar nicht in Ordnung ist das von Mathias Rohe betriebene Verherrlichen oder Verharmlosen jenes Teils der Rechtsgeschichte dieses Planeten, der den leider bis heute menschenfressenden Dinosaurier namens fiqh oder auch schlicht al-islām eingrenzt. Denn durchaus anders als im iranischen Teheran (Tehrān, 7,8 Mio. Einwohner) oder saudi-arabischen Riad (ar-Riyāḍ, 6 Mio. Einwohner) sprechen sich Europas Bürgermeister, Polizisten, Psychologen, Lehrer und vor allem Richter bereits seit mehreren Jahren nicht länger mit dem Bodenpersonal gewisser Gottheiten ab.

„… und das ist auch gut so!“ (Klaus Wowereit, Regierender Bürgermeister von Berlin).

Rohes Buchtitel aus dem Jahre 2009 ist nicht neu, ein »Das Islamische Recht« hat es vor achtundvierzig Jahren bereits gegeben, der Autor hieß Said Ramadan (8).

Saʿīd Ramaḍān war Vater vom Genfer Steinigungsfreund Hānī und vom mit Einreiseverbot in die USA belegten Schariafreund Ṭāriq, ägyptischer Muslimbruder, Europarepräsentant eben dieser verlässlich gegendemokratischen und terrornahen Muslimbruderschaft (al-iḫwān al-muslimūn), Sekretär, Vertrauter, Schwiegersohn und geistiger Erbe von Hassan al-Banna (Buchtitel: „Return of the Pharao“), dem Gründer der Muslimbruderschaft. Ob unsere seit Jahren über den Islam schreibende Quasselstrippe Iman Attia den Namen Ḥasan Aḥmad ʿAbd ar-Raḥmān al-Bannā denn noch nie vernommen hat, der als ein völlig in sich ruhender, politisch aktiver und glaubensbewegte Muslim sprach:

Es liegt in der Natur des Islams, zu herrschen und nicht beherrscht zu werden, seine Gesetze allen Nationen aufzuzwingen und seine Macht über den gesamten Planenten auszuweiten.

Na hoppla, das macht man doch nicht. Ganz im Sinne dieses Verständnisses von „Globalisierung“ verwendet die terroristische Hamas (Ḥamās) als der palästinensische Zweig der Muslimbruderschaft die von al-Bannā zur differenzierten Erkenntnis des Begriffes umma zielgerichtet gegenaufklärerisch entwickelten Begriffe „mittleres Maß“, „Nation“ und „Volk“. Die islamistische Dreidimensionalität der umma:

Wasatiyya, „mittleres Maß“, bedeutet wörtlich Mittigkeit oder Mitte. Die anderen (laut Koran sittlich minderwertigen) Religionen sind aus diesem Blickwinkel exzentrisch und, sofern sie hörbar werden, extremistisch. Wasatiyya ist der harmonische Frieden … einer faschistischen Theokratie.

Wataniyya, mit „Dienstbereitschaft an Heimatland und Nation“ oder kurz mit „Nationalgefühl“ übersetzbar findet sich in der Charta der Ḥamās, Artikel 12, gemeint ist theokratischer Faschismus. Der Gaza-Streifen hat seit der Entmachtung der Fatah sehr viel Kassam-Raketen, Burkas, Gesichtsschleier und wataniyya.

Qawmiyya, „Dienen am Volk“ ist Hilfe und Dienst für die eigenen Leute. Wenn in Europa also ein mutmaßlicher oder erklärter Freund der radikalislamischen Muslimbrüder Begriffe wie „der mittlere Weg, das mittlere Maß“ (wasatiyya), „Nation“ (wataniyya) oder „Volk (qawmiyya) verwendet, sollte man als freiheitlicher Demokrat sprich Islamskeptiker und Schariaverhinderer sein gebotenes Misstrauen nicht einen Augenblick lang aufgeben.

Doktrin und Sprache der al-iḫwān al-muslimūn, der Muslimbrüder, geben fein systematisiert wünschenswerte und ablehnenswerte Einstellungen zum Begriff Volk oder Nation wieder, hier zu zwei „guten“ (theozentrischen, theokratischen) Haltungen der „Heimatliebe“, des Nationalbewusstseins:

Wataniyat al-hurriya wa ‚l ‚izza: Der Wunsch nach der Arbeit an der Wiederherstellung der Ehre und Unabhängigkeit des eigenen Landes ist ein Wunsch, wie ihn der Koran und das Selbstverständnis der iḫwān (Muslimbruderschaft) vorgibt.

Wataniyat al-fath: Der Wunsch nach Herrschaft und Weltherrschaft, wie er seine Grundlage im Islam hat, welcher seine Eroberer zum besten System von Kolonisation und Beherrschung führte, so, wie es der Koran anzeigte.

Volkstümlichkeit auf gut islamistisch:

Qawmiyat al-najd: Der Stolz der jungen Generation, an der Ehre der Ahnen teilhaftig zu sein und der Wunsch, es ihnen gleich zu tun ist ein lobenswertes Lebensgefühl, das uns der Prophet Mohammed nahegelegt hat.

Qawmiyat al-tanzim: Die Verwirklichung der gemeinsamen Ziele von Freiheit und Wohlfahrt, erreicht durch Arbeit und Anstrengung jeder einzelnen Gruppe ist ein [islamrechtlich] zulässiges Ansinnen.

Bei diesem im Folgenden genannten (jahiliyah-) Volksbegriff aber endet die auf Dialogforen, Kirchentagen, Islamkonferenzen sowie Vorlesungen an der Berliner Alice-Salomon-Hochschule so arg strapazierte islamische Toleranz, denn es gibt für sehr radikale Muslime nur zwei Gesellschaftsformen, die islamische und die dschahilitische:

Qawmiyat al-jahiliyah: Der Versuch, überwunden geglaubte, vorislamische [islamfeindliche] Formen von Brauchtum zu reetablieren und den Islam durch einen übertriebenen Nationalismus und Rassismus zu ersetzen.

So viel zur Sprache der Muslimbruderschaft, zitiert aus Richard P. Mitchell: The Society of the Muslim Brothers (9). Übersetzung durch den Autor.

Dschahiliyya (al-ǧāhiliyya) ist im Islam die „Zeit der Unwissenheit“ und bezeichnet mit unfrommem oder auch frommem muslimischem Hass die Epoche vor Mohammed und die unerleuchteten altarabischen Polytheisten. Sayyid Quṭb frischt den Begriff nur geringfügig auf, um, ganz im Einklang mit der Doktrin von Koran, Dhimma und Kalifat und ganz im Nachklang an Ibn Taymiyya (1263 – 1328) die Nichtmuslime oder die nichtmuslimische (seit al-Maudūdī und Quṭb also auch: die demokratische) Lebensweise und

Gesellschaftsform verächtlich zu machen und als hassenswert und zerstörenswert zu bezeichnen. Das alte Ägypten mit seinen Göttinnen und Göttern, seinem Bilder- und Pharaonenkult war aus radikalislamischer Sicht Heidentum, Unwissenheit, ǧāhiliyya. Und der Pharao muss natürlich weg.

Wie erwähnt nannte sich ein frommes literarisches Werk des Gründers der Muslimbruderschaft Ḥasan Aḥmad ʿAbd ar-Raḥmān al-Bannā »Die Rückkehr des Pharao« (Return of the Pharao). Herr Chalid al-Islambuli hatte seinen Lehrer verstanden. Und der Mann wurde religiös konkret.

Ḫālid al-Islambūlī hätte es 1981 sicherlich ganz ausführlich formulieren können, damit auch der Gengenbacher Wolfgang Schäuble es versteht:

„In Ägypten herrscht keine vollumfänglich installierte Scharia, vielmehr droht die Gleichberechtigung der Frau. Das nennen wir Aktivisten der Gruppe al-Jihad und Freunde des Gelehrten Aiman az-Zawāhirī einen unislamischen Zustand. Verpflichtende Aufgabe (ḥisba) eines jeden Muslimen ist es, die widernatürliche, teuflische ǧāhiliyya zu beseitigen und der gerechten Seinsweise Geltung zu verschaffen, also dem Islam. Mein Mord hat Ägyptens drohenden Sturz in die frevlerische säkulare Demokratie verhindern helfen. Wissen Sie, genau betrachtet war Präsident Muhammad Anwar as-Sādāt ein Heide, ein Götzendiener. Damit war es nach der Scharia entweder gestattet oder auch geboten (Flexibilität der Scharia), ihn zu beseitigen.“

Warum so kompliziert, mag Ḫālid al-Islambūlī gedacht haben, der Kenner von Koran, ibn Taymiyya und Sayyid Quṭb. Er bringt die Sache theologisch brillant auf den rhetorischen Punkt:

Ich habe Pharao getötet!

Ungeachtet ägyptischer Proteste durfte in der iranischen Hauptstadt zwanzig Jahre lang eine Straße nach el-Islambouli heißen, in mehreren wichtigen Städten wurden ebenfalls Khaled-el-Islambouli-Straßen eingeweiht. Allahs geheiligten Faschisten ließen den Sadat-Mörder im gesamten Īrān trotz offizieller ägyptischer Proteste öffentlich als „Helden“ und „Märtyrer“ preisen. Wünschen wir 2009 den Iranerinnen und Iranern ein möglichst bald zugängliches Leben in Gesundheit, Sicherheit und Freiheit.

Freiheitliche Demokratie funktioniert nicht ohne die höfliche Verbannung der Götter ins Private (Säkularität, kulturelle Moderne) sowie, des Göttlichen ins juristisch (Würde), ökonomisch (soziale Marktwirtschaft, Parlamentarismus) und staatlich „Unverfügbare“ (nach Raddatz). Das wäre Religionsfreiheit, immer auch die negative. Ein Blasphemieparagraph oder Anklagen wegen Gotteslästerung entfallen damit.

Saʿīd Ramaḍān war Gründer einer leider bis heute bestehenden Kette von kulturrassistischen »Islamischen Zentren« (etwa: Islamisches Zentrum München: Planung 1960, Eröffnung 1973 unter Ghaleb Himmat, späterer Leiter Mahdi Akef, heute dabei: Ahmad von Denffer). Saʿīd Ramaḍān studierte zeitweilig in Köln, wo er 1959 bei Professor Dr. Gerhard Kegel promovierte, lebte kurz London und lange in Genf und plante lebenslang sehr ernsthaft und diszipliniert die Islamisierung Europas. Ein vom Schweizer Geheimdienst 2001 im dortigen Domizil des Herrn Youssef Moustafa Nada gefundenes Script war mit der Jahreszahl 1982 und dem Titel »Das Projekt« versehen und ist eine vielleicht ja völlig phantastische Planung der Islamisierung der Westlichen Staaten, als Autor können wir Saʿīd Ramaḍān vermuten, der 1962 an der Gründung der Islamischen Weltliga mitwirkte. Namen, die man sich merken sollte: Himmat, Nada, Ghaleb, Ramadan, Erbakan, el-Zayat.

GRÜNEN-Politiker Winfried Kretschmann wiederholt am 14.07.2009 gegenüber der Frankfurter Rundschau allen Ernstes seine drei Jahre alte Forderung nach der „Entpolitisierung des Kopftuchs“, die entsprechende magische Arbeit freilich, wer entpolitisiert eigentlich die bayerische Lederhose, den japanischen Kimono oder meinen Besenschrank, haben die „Guten“ (Islamfreunde) unter den Nichtmuslimen zu leisten, doch ganz offensichtlich, um so etwas wie europäische Schuld zu entsühnen. Die diskriminierende geheiligte Scharia wird von Kretschmann nicht kritisiert.

Bei den Kopftuchträgerinnen jedenfalls kann ich ganz klar feststellen, dass das Kopftuch entpolitisiert ist. Ich hatte unlängst eine Veranstaltung mit gut hundert jungen Kopftuchträgerinnen. Es ist ganz eindeutig, dass diese jungen Frauen das aus religiösen Gründen tragen, aus Gründen ihrer eigenen Identität. Und dass es mit einem politischen oder extremistischen Islam für diese Frauen nichts zu tun hat.

Sehr geehrter Herr Kretschmann, Islam ist Sexualpolitik, weil es aus orthodoxer (Koran und Hadithen, al-Azhar) oder islamistischer (al-Maudūdī, Quṭb) keine Trennung von Islamreligion und Islamstaat geben darf (al-islām dīn wa dawla, der Islam ist Glaube und Staat). Und dass „das Private“ politisch ist, haben Sie in Ihrer studentisch revolutionären Jugend mitgebrüllt, wenn auch ohne übermäßig viel nachzudenken.

In der Tat gibt es für die Muslima eine islamrechtlich korrekte Möglichkeit, kein Kopftuch zu tragen, wie der unter allen Sunniten grundsätzlich akzeptierte wenn nicht verehrte hochrangige Rechtsgelehrte Yūsuf al-Qaraḍāwī aus Qaṭar uns belehrt, nämlich bei der Ausführung eines Selbstmordattentates (10). Sonst hat die Frau sich lebenslang völlig freiwillig unter ihrem ḥiǧāb zu verhüllen, um den ziemlich politisch denkenden Gott Allāh nicht zu erzürnen.

Die Frau im Islam ist dem Ehemann, von dem Befolgen eventueller Aufforderungen zu Verstößen gegen Koran und Scharia abgesehen, den völligen Gehorsam pflichtig. Finden Sie es völlig in Ordnung, im Auftrag der Gottheit die gehorsamspflichtige Ehefrau im Falle ihrer Auflehnung oder auch nur Widerspenstigkeit zu verprügeln (Koran 4:34), wie es Ghalal al-Khateeb am 24. Dezember 2008 im ägyptischen Fernsehen verkündete (11)?

Koran 4:34. Die Männer haben Vollmacht und Verantwortung gegenüber den Frauen, weil Gott die einen vor den anderen bevorzugt hat [ausgezeichnet hat] und weil sie von ihrem Vermögen (für die Frauen) ausgeben. Die rechtschaffenen Frauen sind demütig ergeben und bewahren das, was geheimgehalten werden soll, da Gott es geheimhält. Ermahnt diejenigen, von denen ihr Widerspenstigkeit befürchtet [oder: Deren Widerspenstigkeit ihr fürchtet], und entfernt euch von ihnen in den Schlafgemächern [oder: Trennt sie im Ehebett] und [wenn auch das nichts hilft] schlagt sie. Wenn sie euch gehorchen, dann wendet nichts Weiteres gegen sie an. Gott ist erhaben und groß.

Die Frauen also: „… und schlagt sie“! Das ist Islam. Für den bedarfsweise islamisch frauenprügelnden Islam steht das islamische Kopftuch.

Sehr geehrter Herr Kretschmann, halten Sie es etwa für freiheitlich demokratisch, wenn der Ehemann nach Islamischem Recht (geheiligtes Fallrecht des fiqh, praktizierte Theologie) beziehungsweise nach der Scharia (totaler irdischer Geltungsanspruch der Islampolitik) das Aufenthaltsbestimmungsrecht über alle „seine“ Kinder hat, wenn er die Mutter oder eine seiner bis zu drei Nebenfrauen (Koran 4:3, Konkubinen nicht mitgerechnet), jederzeit verstoßen kann? Das ist das politische Kopftuch, seit 1.400 Jahren. Ein verweigerter oder auch nur unfreiwillig getragener ḥiǧāb führt nach islamischer Doktrin die Angreiferin an Allahs Lebensordnung schnurstracks in die Flammen der ǧahannam, der qualvollen Hölle, aus der es, wie Koran und Hadithe versichern, kein Entrinnen gibt. Die unbotmäßige Frau gefährdet zudem das Seelenheil von Kindern und Familie. Andererseits bewertet der orthodoxen Islam das Weib ohnehin als wesensgemäß wankelmütig, geistlos und führungsbedürftig. Die grundsätzliche Unmündigkeit der Frau wird auch darin deutlich, dass sie im Rahmen der islamischen Eheschließung nicht ihr eigener walī (Heiratsvormund) sein darf, das heißt noch nicht einmal selbst heiraten kann, denn ohne walī keine Hochzeit.

Sehr geehrte Frau Attia, ist Ihnen als der Autorin von »Die westliche Kultur und ihr Anderes. Zur Rekonstruktion von Orientalismus und antimuslimischem Rassismus« denn die Gefahr nicht einsichtig, dass die einzelne Frau oder das einzelne Mädchen den Weg aus dem Kerker der sich womöglich an al-Maudūdī oder al-Qaraḍāwī theokratisch radikalisierenden Großfamilie oder aus der parallelen, dem islamischen Wohlverhalten unterworfenen, vielleicht durch Banden von selbsternannten bärtigen Tugendwächtern aus dem salafistischen Milieu oder durch die „simple“ kriminell aktive Banden beherrschten Kontrollgesellschaft hin zu Erziehungsberatungsstelle, Polizeistation oder Frauenhaus nicht mehr finden wird und eventuell noch nicht einmal zur Schule?

Warum schreiben Sie, Frau Attia, kein Wort über 15- oder 16jährige türkischstämmige deutsche Schülerinnen, die nach den Sommerferien in der Türkei verschwunden bleiben oder aber in den Schulferien einen elterlicherseits ausgewählten Import-Ehemann geheiratet haben? Kaum ein muslimisch sozialisierter europäischer Mann wagt es, hörbar gegen šarīʿa-Islam und fiqh-Islam zu reden. Sie helfen kräftig dabei mit, den Druck auf Islamkritiker beziehungsweise Ex-Muslime zu erhöhen, indem Sie den politischen (orthodoxen) Islam im Rahmen Ihrer so genannten Kolonialismus- und Eurozentrismuskritik verharmlosen.

Als Islambeschwichtigerin und Professorin für Diversity Studies werden Sie dem Herrschaftsanspruch der Islamfunktionäre und zugleich dem masochistischen Bedürfnis eines Absolution erflehenden nichtmuslimischen „deutschen“ Publikums verhängnisvoll gerecht und wissen um diesen Zusammenhang recht genau. Ihr vermeintlicher Antiimperialismus ist in Wirklichkeit anti-säkular und pro-schariatisch, Ihre Lösung auf die „Frauenfrage“ in der (Berliner) Zuwanderungsgesellschaft bietet muslimisch sozialisierten Mädchen und jungen Frauen nichts anderes an als die Unterwerfung unter das Frauenbild der Scharia, als die „freiwillige“ Akzeptanz einer der das Selbstvertrauen untergrabenden Unreinheit, entwürdigenden Unmündigkeit und permanenten Kontrolle. Sie wissen, dass der Islam die rechtliche Geringerstellung der Frau fordert und fordern für diese diskriminierende Islampolitik unsere Wertschätzung und Toleranz.

Leicht erklärlich, dass Sie als eine für die Scharia werbende Professorin jenen Menschen wie Alice Schwarzer oder Necla Kelek, denen es an der Gleichberechtigung von Mann und Frau gelegen ist, dem Lager der Eurozentriker und „antimuslimischen Kulturrassisten“ zuordnen. Im Namen der Toleranz gegenüber der „fremden Kultur“ lassen Sie die von uns zu verhindernde Spaltung der deutschen Bevölkerung in ethnoreligiöse Kollektive bereitwillig zu, die, wären sie noch stärker voneinander entkoppelt, auf unterschiedliche Weise die Nähe oder eben Ferne zum Menschenbild von Verfassung und Grundgesetz „kultivieren“ würden. Alles Kultur oder was?

Daraus, dass es Ihnen – wie Mathias Rohe von der CIG – letztlich um nur eine einzige dieser ethnoreligiös konstruierten Klassen geht, nämlich den Politik werdenden Islam, machen Sie kein Geheimnis. Unter dem einem priesterlichen Ritual gleichkommenden Anbieten von Entsühnung von mittelalterlicher (Kreuzzüge) und kolonialzeitlicher Schuld bieten Sie den europäischen Gut- und Bessermenschen das gnostisch-entrückte Zertrümmern von Schuldgefühlen und Schuldkulturen an und machen gleichsam den Weg in das Paradies (Christen) auf Erden (Atheisten) frei, den zu beschreiten keinen anderen Aufwand erfordere als dem nach Ihrer (völlig unbegründeten, hier gilt Religionsfreiheit) Deutung marginalisierten und diskriminierten, wesensgemäß seit Mohammeds Zeiten angeblich schuldlos gebliebenen Islam mehr politischen Einfluss zu erschleichen.

Ganz offensichtlich wollen Sie, Frau Dr. Attia, aus der bundesdeutschen Rechtssicherheit der für alle geltenden Bürgerpflichten und Freiheitsrechte islamisch befreite Zonen abspalten, in denen (zunächst) Ehe und Familienleben nach der „ewigen, nicht verhandelbaren und unendlichen“ (Cerić) Scharia zu gestalten sind. Dafür verlangen Sie als an der Alice-Salomon-Hochschule Berlin lehrende Wissenschaftlerin unsere unbegrenzte Toleranz. Das Nachdenken, wie es denn um die Lage von Christen, Juden, Bahá`í oder auch ganz einfach nur von Frauen in Pakistan oder Ihrer elterlichen Heimat Ägypten steht, soll unsere Toleranzfähigkeit gefälligst nicht belasten.

Wer das Kopftuch kritisiert, ist für Dr. Iman Attia ein Kulturrassist. Zum erwünschten Wohlverhalten unserer Fachfrau für Toleranz gehört es, dass die säkularen Muslime, Ex-Muslime und sonstigen Nichtmuslime von der Erlaubnis begeistert sind, dass der fromme Ehemann seine Frau zum Kopftuchtragen notfalls auch mit Prügel zwingen kann (12). Der Islam ermögliche und erfordere schließlich unsere totale Toleranz. In der islambegeisterten Fachwelt möge man vom Attia-Effekt sprechen.

Uns deutschen citoyens & citoyennes fehle Rechtleitung in der Finsternis, unser Fuß drohe in das verderbliche Straucheln jeder Islamskepsis zu geraten. Attias schriftgewordene Leuchte, bei transcript für nur € 21,80 zu haben, erhellt dem säkular Angekränkelten Noch-nicht-Muslim den Pfad durch die sumpfigen Niederungen intoleranten staatsbürgerlichen Denkens:

»Die westliche Kultur und ihr Anderes. Zur Rekonstruktion von Orientalismus und antimuslimischem Rassismus«.

Jacques Auvergne

(1) FGM / MGM, Yogyakarta, Madura

http://222.124.24.96/~zudha/file/BUKU%20-%20Genital%20Cutting.pdf

(2) Islamic FGM. Assalaam-Foundation

http://jacquesauvergne.wordpress.com/2008/01/20/046/

(3) Malaysia. Wali Mujbir (guardian)

1. Is consent from the bride required before a marriage can be carried out?

Yes, consent from the bride is required for any marriage. For a woman who has never been married before (virgin), the consent comes from her Wali Mujbir (guardian)

2. Can a virgin girl be forced to enter into a marriage without her consent by the Wali Mujbir?

A virgin girl can be entered into a marriage without her consent by the Wali Mujbir on the condition that the marriage is sekufu and the marriage will not bring dharar syarie to the bride.

6. Who is a Wali Mujbir?

Wali Mujbir is the natural father (father by birth) or grandfather on the father’s side.

http://www.kpwkm.gov.my/new_index.php?page=faq_content&code=4&faqtitleID=5&lang=eng

(4) Ceric: The challenge of a single Muslim authority in Europe (Englisches Original, nach shari gesucht ergibt nicht “einen“ Musharbash), sondern 19 Treffer

http://springerlink.com/content/40280g3825750494/fulltext.pdf

(5) Bülent Arslan hat Phantasie und will die ethnoreligiös segregierte, dabei selbstredend muslamische (schariakonforme) Polizeieinheit

http://www.welt.de/politik/article1256866/Muslimische_Polizisten_sollen_in_Moschee_beten.html

(6) Islamsensible Polizei an Rhein und Ruhr, eine Vorstufe der muṭawwiʿūn, der Religionspolizei?

http://jacquesauvergne.wordpress.com/2007/11/15/024/

(7) Early Germanic law. Droit des royaumes barbares

http://de.wikipedia.org/wiki/Germanische_Stammesrechte

(8) Said Ramadan: Islamic Law. Deutsch: Das Islamische Recht (1961), besprochen von Jacques Auvergne

http://jacquesauvergne.wordpress.com/2009/04/06/109/

(9) Mitchell: The Society of the Muslim Brothers

http://quod.lib.umich.edu/cgi/t/text/text-idx?c=acls;idno=heb00919

Mitchell: The Society of the Muslim Brothers

http://books.google.de/books?id=ltVtj3Kh7IIC&pg=PA265&lpg=PA265&dq=al-banna+nature+islam+conquer&source=bl&ots=RxROAX8apT&sig=-BWRvyFWMJzpl6quGODF89pRd34&hl=de&ei=XT6HStioA4OYnQOF0vDQBA&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=3#v=onepage&q=wasat&f=false

Mitchell:

http://books.google.de/books?id=ltVtj3Kh7IIC&pg=PA83&lpg=PA83&dq=The+Society+of+the+Muslim+Brothers&source=bl&ots=RxROAY98rK&sig=E2TwuTAaEPOxCllMAt2_-bIkF-g&hl=de&ei=mGiHSuvoGY6CnQP1mKXVBA&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=4#v=onepage&q=&f=false

(10) Scheich Karadawi: Musliminnen müssen KEIN Kopftuch tragen – wenn sie sich in die Luft sprengen!

http://blog.zeit.de/joerglau/2007/06/03/scheich-karadawi-musliminnen-mussen-kein-kopftuch-tragen-wenn-sie-sich-in-die-luft-sprengen_536

(11) Fatwa zur Züchtigung der Ehefrauen. Bei Widerspenstigkeit ist Züchtigung ein erlaubtes Mittel zur Zurechtweisung. Vom Rechtsgutachter und ägyptisch-muslimischen Geistlichen Galal al-Khateeb

http://www.islaminstitut.de/Nachrichtenanzeige.55+M57fc208101b.0.html

(12) Zur Verschleierung zwingen? Na klar! Fatwa: Das Familienoberhaupt darf sein Eheweib unter das Kopftuch prügeln

http://www.islaminstitut.de/Anzeigen-von-Fatawa.43+M56be5750836.0.html

Schariagegner empfiehlt: Sehenswertes Theaterstück in Hagen

Dezember 1, 2008


SchülerInnen einer Hauptschule aus Altenhagen beeindruckten durch ihr schauspielerisches Talent. ‚Die Farben der Liebe‘ heißt das Theaterstück nach einem Roman von Ali Arslan, in dem ein muslimischer Vater seine Tochter zwingt das islamische Kopftuch zu tragen. Näheres unter :

http://www.derwesten.de/nachrichten/staedte/hagen/2008/2/15/news-

Nächste Vorstellung: Dienstag 2.12.08, Donnerstag 11.12.08 und 18.12.08 im Lutz, Theaterhagen Elberfelder Straße 65, 58095 Hagen

http://www.bartime.de/location.lutz,-theaterhagen.29.24777.html