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Mina Ahadi beim Wissenschaftsrat

Juli 16, 2010

Der Wissenschaftsrat und die Politreligion

Von Mina Ahadi und Gabi Schmidt, 16. Juli 2010

Gabi Schmidt:

Am 14. Juli 2010 erschien bei blog.zeit.de aus Anlass der vom Wissenschaftsrat (WR) organisierten Kölner Tagung Islamische Studien in Deutschland (1) ein Artikel des Journalisten Jörg Lau mit dem Titel Begegnung bei einer Islam-Konferenz (2), der beispielhaft für die derzeitige, anspruchslose journalistische Kultur der Berichterstattung durch Opportunisten und Claqueure ist.

Zwar hat Lau, wie er selbst schreibt, sich als einer der Moderatoren der Veranstaltung mit Lob oder Kritik zur Konferenz tatsächlich zurückzuhalten, aber ein wertneutraler Bericht über eine derart außergewöhnliche wie auch folgenreiche Arbeitstagung wäre doch sicherlich möglich gewesen. Immerhin ging es um die Wunderwaffe der Integration, das Allheilmittel gegen die Etablierung von Parallelgesellschaften, nämlich den Aufbau theologisch orientierter Islamischer Studien an zwei oder drei – oder doch vier? – vom Steuerzahler mitfinanzierten deutschen Hochschulen und um die Lehrerausbildung für den flächendeckenden bekennenden Islamischen Religionsunterricht (IRU).

Stattdessen zog es der Publizist vor, über „Begegnungen bei einer Islam-Konferenz“ zu parlieren, die in dieser Freiheit, Offenheit und Vielfältigkeit nur noch in Europa zu realisieren seien. Der Grund warum ein solch fruchtbarer, multikultureller Austausch beispielsweise im Nahen Osten, in Nordafrika oder Pakistan nicht möglich ist, scheint den Autor nicht sonderlich zu interessieren. Dass ein gleichberechtigter, wertschätzender Dialog in islamischen Ländern wegen des mehr oder weniger starken Schariabezugs Utopie bleiben muss und selbst in der einst laizitären Türkei durch eine starke Reislamisierung erschwert wird, tangiert den außenpolitischen Korrespondenten der ZEIT nicht. Vielmehr marginalisierte und diskreditierte der Publizist in sehr unsachlicher und überheblicher Manier die durchaus vorhandenen kritischen Stimmen, die beispielsweise gegenüber dem Veranstaltungsgebäude zu einer zweitägigen Gegendemonstration aufgerufen hatten. Zu den autochthonen und allochthonen Protestlern gehörte der Zentralrat der Ex-Muslime, der HINTERGRUND-Verlag, der Verein für Aufklärung und Freiheit (VAF) sowie der gemeinnützige Verein für Sprach- und Lernförderung I.so.L.De, die von einer Gruppe säkularer GRÜNER unterstützt wurden, darunter auch ein bekannter Alevit, der den Islam genau kennt.

Die Vorsitzende der Ex-Muslime, Mina Ahadi, und ein Vertreter der sich solidarisierenden Organisationen, der sich als staatlich anerkannter Diplom-Sozialpädagoge beständig mit dem Thema Integration befasst, durften nach Absprache mit dem Veranstalter insgesamt zehn Minuten vor dem versammelten Auditorium ihre fundierten Bedenken und Kritik vortragen. Das aber entlockte dem Preisträger des Ernst-Robert-Curtius-Förder-Preises der Universitätsgesellschaft Bonn – Freunde, Förderer, Alumni e.V., der auch mit dem Medienpreis der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern geehrt wurde, nur die gelangweilte Bemerkung, dass wieder einmal vor der Islamisierung gewarnt wurde.

Den zweiten Redner unterschlug der Berichterstatter gleich ganz, dabei ist es der Rede wert, dass uns in Europa nach dem Vorbild Indonesiens, Indiens oder Ägyptens eine Rechtsspaltung in Grundrecht und Schariarecht droht, die zuerst das Familienrecht (Polygamie, Heiratsalter) und das Personenstandsrecht (Imam-Ehe, Talaq) betreffen und später das ethnoreligiös differenzierte Erbrecht der grundgesetz- und menschenrechtswidrigen islamischen Rechtsordnung mit einbeziehen wird, wenn wir den Prozess nicht stoppen. Es darf in Europa keine Scharia-Gerichte geben (3). Anders als Mustafa Ceric darzustellen versucht, ist die Scharia keine legalisierbare „Weltanschauung“, kein Way of Life.

Gabi Schmidt

Mina Ahadi:

Um was geht es, was habe ich in den mir „großzügig“ eingeräumten sechs Minuten im Plenarsaal vor dem Wissenschaftsrat gesagt:

Eine von der Bundesregierung mitgetragene Konferenz, auf der man bereit war, mit dem iranischen Ex-Präsidenten und gottesfürchtigen Sympathisanten der Steinigung Mohammad Chatami sowie mit dem bosnischen Parteigänger der Scharia und ECFR-Scheich Mustafa Ceric zu debattieren, ist ein Skandal. In der Amtszeit von Chatami sind zwanzig Menschen gesteinigt worden. Ceric, Bosniens Großmufti, beansprucht die zentrale, verbindliche „religiöse“ Führung über alle Muslime Europas (The Challenge of a single Muslim authority in Europe (4)) und wünscht sich ein islamisches Familienrecht (opening the way for the Muslim law to be recognized in matters of personal status such as the Family Law (5)).

Über eine für Lau irgendwie anregende Begegnung mit einer Referentin aus Israel, Sarah Stroumsa, wusste der Journalist wiederzugeben, dass es für die Professorin in Israel und Indonesien nicht und in Marokko sowie in der Türkei nicht mehr möglich sei, völlig frei über den Islam zu diskutieren. Nur in Europa könne man noch uneingeschränkt diskutieren (6)). Über die Gründe, warum das so ist, ließ Lau den Leser im Unklaren. Ob sie als israelische Staatsbürgerin nicht einreisen darf oder ob sie befürchtet, als Islamkritikerin bedroht zu werden, wird dem Leser vorenthalten. Dass der organisierte Islam einer jeden Kritik gegenüber intolerant ist und Gegner der Scharia bedroht oder ermordet, scheint für Herrn ohne Bedeutung zu sein.

Sehr geehrter Herr Lau, ich frage Sie, was ist in Köln beschlossen worden, was plant die Deutsche Bundesregierung? Wer war dort aktiv, welche Rolle haben die durchweg gegenmodern orientierten islamischen Organisationen dort in Köln am 13. und 14. Juli gespielt? Was sagt die Bundesregierung zur „ewigen“ Scharia und zur islamischen „auf Zeit und Raum bezogenen“ Rechtssprechung der frauenfeindlichen Scharia?

In Köln lag ein Buch der Organisatoren der Veranstaltung (WR) aus, in dem festgestellt wird, dass die Menschen in unserer Zeit wieder mehr Sehnsucht nach Religiosität und religiöser Rechtleitung haben. Damit will man der Bevölkerung klar machen, dass Islamische Studien an die Universitäten gehören, um religiöse Autoritäten kompetent auszubilden. Als ob ein Molla oder ein Pastor „Religion“ propagieren und „erfolgreich“ verbreiten könnte. Was die christliche oder islamische Geistlichkeit im Angebot hat, ist ein System der Macht und der Abhängigkeit. Die Toleranz oder inzwischen die Begeisterung für das Religiöse, auch für den Islam, wird weitergehen, bis die brutale Scharia vollumfänglich kommt. Wenn CDU und CSU die Einmischung der Religion in Politik und Schulpolitik fordern, dann erstarken auch die Islamisten. Eine ungehemmt proreligiöse deutsche Regierung wird kein Problem damit haben, die rechtsspaltende Scharia auch hierzulande zu akzeptieren und wird Mustafa Ceric gerne als Gast einladen. Wenn dann noch Jörg Lau die Moderation übernimmt, haben sich die richtigen Akteure gesucht und gefunden, passt alles sehr harmonisch zusammen, nur von der Demokratie bleibt dann nicht mehr viel übrig.

Bemerkenswerterweise hat Jörg Lau keine Allergie gegenüber der Lobby des politischen Islam, reagiert aber auf Islamkritik stark allergisch …

Mein Redetext war sinngemäß der folgende:

Ich bin Mina Ahadi, Vorsitzende des Zentralrats der Ex-Muslime (ZdE). Bei diesem, meinem ersten Satz allerdings standen alle Islamisten auf, auch die geschätzten Herren um Aiman Mazyek oder Bekir Alboga, verließen den Saal und strömten ins Treppenhaus. Hier gehen sie also aus dem Raum, und in Ländern wie dem Iran, wo sie an die Macht gekommen sind, lassen sie uns keine Möglichkeit mehr zu reden, bedrohen uns und schrecken vor Morden nicht zurück. Dort wird bereits alles in die Tat umgesetzt, was in Europa jetzt noch als islamische Theorie oder islamische Theologie schöngeredet wird.

Die Verbandsvertreter haben uns mit ihrer Fluchtreaktion deutlich gemacht, wie sie gewillt sind, mit Kritik und Kritikern umzugehen. Dass die Islamisten und Islamfunktionäre aufgestanden und weggegangen sind, ist sehr undemokratisch, sie hätten sitzenbleiben und zuhören sollen, was wir beide zehn Minuten lang zu sagen hatten.

Ich sagte weiter: Meine Damen und Herren, wir veranstalten gerade dort draußen vor der Türe eine Demonstration, und wir sagen ihnen hiermit: Wer den richtigen Islam kennen lernen möchte, der kann bei uns vorbei schauen und sich informieren. Aktivierter Islam, installierter, etablierter Islam heißt Steinigung, Frauenfeindlichkeit und Pressezensur.

Unsere Kritik am Scharia-Islam ist: Religion muss Privatsache bleiben, jede Form der Einmischung der Religion in die Gestaltung der Politik und auch in die Bildungspolitik ist falsch. Seit zehn Tagen kämpfen wir gegen das Steinigungsurteil, das gegen Sakine Mohammadi Ashtiani verhängt worden ist, Anklagepunkt war außerehelicher Sex. Heute möchte ich auch zu Ihnen über Sakine und ihre Kinder sprechen, denn wenn der Islam erst einmal Macht hat, werden auch die Islamkritiker oder Ex-Muslime auch in Europa so brutal angegriffen und das ist ein großes Problem.

Ich sage immer: Alle Religionen sind frauen- und menschenfeindlich. Ich versuche seit mehreren Jahren, das hier in Deutschland zu erklären, aber die Deutsche Regierung ist gegenüber der Tatsache taub, dass der heutige Islam eben nicht nur eine reine Religion ist, sondern ein Political Movement, eine politische Bewegung. Und deswegen muss man in Zukunft mit dem Islam viel kritischer sein, um unsere Bürgerrechte und universellen Menschenrechte zu bewahren. Islam heute bedeutet Mord, Hinrichtung, Steinigung und Frauenunterdrückung.

Die islamische Bewegung hat spezifische Zeichen oder Symbole wie das Kopftuch und den Hidschab oder die Burka, diese Textilien sind regelrecht eine Flagge dieser Bewegung und auch die realen Steinigungen bekunden den Machtanspruch und haben den Charakter religiöser Verkündigung. In Deutschland sind die politischen islamischen Organisationen und ist der politische Islam sehr aktiv, gerade auch mit den Kopftuchdebatten. Natürlich, wir haben in Deutschland keine drohende Steinigung, aber haben anonyme Morddrohungen und haben bereits eine große Einflussnahme der Islamisten auf Politik, Presse und Verwaltung.

Ich kritisiere die Deutsche Regierung und sage: Diese Politik ist falsch und gefährlich, die Zusammenarbeit mit Islamisten und Schariafreunden muss beendet werden. Ich betone: Wir sind Menschen, die aus verschiedenen so genannten islamischen Ländern hierher gekommen sind, um frei zu leben. Wir möchten nicht erleben, dass auch hier das Schariagesetz die Menschen, zumal die Frauen, unmündig und unfrei hält. Wir möchten hierzulande kein Shariah Law. Ich betone: Frauenrechte sind Menschenrechte und Menschenrechte sind universal. Es darf also keine Kooperation mit den Islamisten geben, dem politischen Islam darf keine Macht gegeben werden, denn das wäre gegen unseren Wunsch, und wir wollen die kulturell moderne Welt und die freie Wissenschaft. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Das sagte ich im Saal. Herr Lau und die anwesenden Damen und Herren, die sich mit den dort anwesenden kopftuchtragenden Frauen unterhalten haben, wissen nichts über den realen Islam oder versuchen ein geschöntes, ein unwahres Bild zu verbreiten, beispielsweise, in dem sie die unterdrückte Situation der Frauen in den so genannten islamischen Ländern verharmlosen. Die Frauen im Islam leiden unter Geschlechterapartheid, Kopftuchzwang und unter der patriarchalischen Gesetzgebung der Scharia. Ich habe den Eindruck, dass es einigen der Damen und Herren im Saal gar nicht um Religion ging, sondern um Pfründe, um ein hohes Einkommen, das eine Elite von Islamverharmlosern mittlerweile erzielen kann. Einige dieser Damen und Herren haben den Job, den frauenfeindlichen Islam und die aggressive islamische Bewegung schön zu färben.

Mina Ahadi

(1) Wissenschaftsrat, Tagungsprogramm ohne die Namen Chatami, Zakzouk und Ceric, da „aktualisierte Fassung“

http://www.wissenschaftsrat.de/download/archiv/Islamprogramm_koeln.pdf

(2) Jörg Lau am 14. Juli 2010, auf: blog.zeit.de: Begegnung bei einer Islam-Konferenz

http://blog.zeit.de/joerglau/2010/07/14/begegnung-bei-einer-islam-konferenz_4011

(3) Islamic Sharia Council, London

http://www.islamic-sharia.org/

(4) Ceric: The challenge of a single Muslim authority in Europe, European View, 12/2007, Center for European Studies

http://springerlink.com/content/40280g3825750494/fulltext.pdf

(5) Ceric: A Declaration Of European Muslims

http://www.rferl.org/content/article/1066751.html

(6) Sarah Stroumsa

Professor Sarah Stroumsa of the departments of Arabic Language and Literature and of Jewish Thought, The Hebrew University Of Jerusalem

http://pluto.huji.ac.il/~stroums/cv.htm

Zu Sarah Stroumsa berichtet man am 08.07.2008 bei den CFHU, Canadian Friends of the Hebrew University: “This is the first time in the Hebrew University’s history that a woman has been elected as rector. Starting October 1, Prof. Stroumsa will replace Prof. Haim D. Rabinowitch, who has served in the position for the past seven years.”

http://www.cfhu.org/node/507

Auf das neue Buch von Sarah Stroumsa, Maimonides in His World, freut man sich bei The Book of Doctrines and Opinions: notes on Jewish theology and spirituality:

http://pluto.huji.ac.il/~stroums/cv.htm

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Das Blog Schariagegner gegen Verschärfung von § 166 StGB

September 30, 2008


Blasphemie bestrafen

hilft. Der Scharia

Ein Text von Ümmühan Karagözlü

Blasphemie, Gotteslästerung ist in Ländern mit einer ‘staatlich verordneten‘ Religion (Afghanistan), in Theokratien (Iran) und sogar in manchen laizitären Staaten (BRD) von Strafe bedroht. Maßgeblich für Strafbarkeit und Strafmaß ist immer die Verortung religiöser Traditionen, Leitlinien und Idealvorstellungen in der Wertehierarchie der jeweiligen Gesellschaft. In muslimisch geprägten Pseudo-Demokratien (Afghanistan) und islamischen Gottesstaaten (Iran), kann die Kritik an solchen Leitlinien nach dem dort geltenden Religionsgesetz, der Scharia, die Todesstrafe nach sich ziehen.

Die für eine rechtliche Verfolgung zu Grunde liegenden Kriterien können sich in kulturell modernen Gesellschaften ändern. Europa nach der Aufklärung ist ein gutes Beispiel dafür. Ein Prozess gegen einen Wissenschaftler wie Galileio wäre heute undenkbar, die Bundesbürgerinnen sind in der Wahl ihres Bekenntnisses frei, das Prinzip Cuius regio, eius religio galt nach der Reformation, die Religionszugehörigkeit von Bundeskanzlerin Merkel ist ihre Privatangelegenheit.

Auch die individuelle Interpretation von Glaubensinhalten und das persönliche Gottesbild erfüllen bisher den Tatbestand der Blasphämie genauso wenig wie Religionsübertritte und Atheismus. In laizitären Demokratien die durch ihre säkulare Haltung die weltanschauliche Neutralität des Staates in Glaubensfragen und Weltanschauungen praktizieren, (Frankreich), ist Religionsfreiheit, besonders auch die negative, ein verfassungsrechtlich verbrieftes Grundrecht.

In der freien Wirtschaft und im öffentlichen Dienst beispielsweise soll die Einstellung einer Bewerberin oder die Eingruppierung in eine höhere Gehaltsstufe nun wirklich nicht von ihrem Glaubensbekenntnis sondern von der Eignung für diese Arbeitstelle abhängig sein. Für viele auch tief religiöse Menschen tragen solche Alltagsbedingungen zur Lebensqualität bei. Dieser eigentlich schon zur Tradition gewordene Umgang mit (negativer) Religionsfreiheit soll nun in Frage gestellt werden. Die in konservativen, kirchennahen Kreisen auf Missfallen gestoßene papst- und religionskritische Satire Pope Town ist sicherlich nur der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

Ginge es nach Justizministerin Beate Merk (CSU), würde zukünftig nicht erst eine Beschimpfung der Religion geeignet sein, den öffentlichen Frieden zu stören, sondern bereits die Herabwürdigung oder Verspottung einer Religion.

Merk befindet weiter, dass der öffentliche Friede bereits dann gestört sei, wenn der Spott das Vertrauen der Betroffenen ihre Religion beeinträchtigen könne.

Sollte die bayrische Gesetzesinitiative den § 166 StGB (Gotteslästerung) zu verschärfen, erfolgreich umgesetzt werden, dürfen wir solche “heiligen” Rechtssprüche wie die oben erwähnte neueste Fatwa aus Saudi-Arabien auch hier in der BRD nicht kritisieren. Patriarchale Frauenbilder, vormoderne Ehrbegriffe, Polygamie, Steinigung der Ehebrecherin und Tötung des Apostaten wären religiöse Inhalte, die wir nicht einmal offen in Frage stellen dürften, ohne mit einer Anzeige wegen Gotteslästerung rechnen zu müssen. Denn zweifellos dürfte sich auch in Deutschland immer irgendein Eiferer finden, der sich in seinen religiösen Gefühlen beleidigt fühlt.

Die Anlässe zur Kritik mögen uns MitteleuropäerInnen merkwürdig erscheinen, manchmal auch mittelalterlich oder unmenschlich, im harmlosesten Fall ungerecht. So ist es beispielsweise in ultrakonservativ denkenden und handelnden muslimischen Familien Frauen nicht erlaubt, Männern bei der Begrüßung die Hand zu geben.

Moderate MuslimInnen, Menschen- und FrauenrechtsaktivistInnen, die nicht selten nach der Bedrohung durch Todes-Fatwen oder vor sonstigen koranisch inspirierten Häschern zu uns nach Europa geflohen sind, alle diese freiheitsliebenden Menschen bekämen auch hier in Deutschland einen Maulkorb verpasst, sobald gegen ihre nicht mit der religiösen Doktrin konform gehenden Äußerungen Anzeige erstattet wird. Setzt man den geplanten Gesetzesentwurf tatsächlich konsequent um, hätten Ayaan Hirsi Ali, Necla Kelec, Serap Cileli, Seyran Ates, Ursula Spuler Stegemann und Christine Schirrmacher auch im angeblich so liberalen Europa nie ihre Bücher schreiben dürfen, der Verkauf sämtlicher im Handel befindlichen religionskritischen Schriften müsste verboten, der Nachdruck solcher Werke untersagt werden.

An dieser Stelle wird spätestens sichtbar, dass die deutsche Justiz sich als Büttel der hart agitierenden, weltweit vernetzten theokratischen und fundamentalistischen Hardliner missbrauchen ließe. Bücherverbot in der freiheitlich demokratischen Bundesrepublik. Dem restaurativen Denken und Handeln des weltweit erstarkenden christlichen und islamischen Fundamentalismus würden Tür und Tor geöffnet, der individuelle Handlungsspielraum würde extrem eingeschränkt. Wollen wir wirklich auf der Überholspur ins Mittelalter? Ist Justizministerin Merk “Überzeugungstäterin” oder hindert sie ein schwer aufzulösender Loyalitätskonflikt mit dem ehemaligen Ministerpräsident Edmund Stoiber autonom zu denken?

Ümmühan Karagözlü

Taqlīd: Nicht denken. Denken lassen

Juni 18, 2008

„Salaam Frau Muslima, und wo lassen Sie denken?“ Das Blog Schariagegner ermuntert alle Menschen, also auch muslimische Menschen, zum autonomen Denken. Jacques Auvergne über den Kult der Verehrung der Ulemas, der Gelehrten, der auch in Deutschland immer mehr Anhänger findet.

074

تَقْليد

taqlīd:

Imitieren, Nachahmen.

Muslimisches Leben als

stumpfes Wiederholen

Der Papagei, der

plappert nach. Je nach

Lehrer auch mal einen

Glaubenssatz

Jacques Auvergne

13. Juni 2008

„Hallo Jacques Auvergne,

ich finde es äußerst gewagt, als Nicht-Gelehrter und Nicht-Muslim solche Thesen im Internet zu verbreiten. Mir scheint es so, als sei es zu einem modernen Trend geworden, den Islam blind anzugreifen. Erschreckend ist es jedoch, dass dies mittlerweile auch von Dilettanten und Polemikern betrieben wird. Welche Absicht verfolgen Sie, Jacques Auvergne, dabei?“

(Alime am 12. Juni 2008 vom Weblog

http://muslime.wordpress.com/ )

Guten Tag Alime.

Vielen Dank für Ihre Wortmeldung auf diesem Blog unter Baustein 011 zur Entstehungsgeschichte des Korans. Inhaltlich haben Sie leider bislang auf eine persönliche Aussage zur Religionsgeschichte der arabischen Halbinsel verzichtet; Sie bleiben eingeladen, das bei nächster Gelegenheit einmal zu tun.

Auch Muslime haben ein Gehirn und können selbst denken, man soll es manchmal nicht für möglich halten. Leider werden, zeitgleich zum etwas erstaunlichen Werbespruch „Islam heißt Frieden“, Muslime immer noch von ihren Mitschwestern und Mitbrüdern kontrolliert und gegängelt und moralisch erpresst. Sagen Sie, Alime, „Nein!” zu der beschämenswerten Hackordnung des Erpressens und Erpresst-Werdens, die den derzeitigen so genannten Islam vielerorts beherrscht, einerlei, ob es um Gesellschaftskritik versus Scharia, sexuelle Selbstbestimmung versus Sunna oder auch um Geschichtsbetrachtung versus Islam geht. Der politische Islam verbietet hier und heute jedes freie Denken und Forschen und Schreiben. Wissenschaft ist so natürlich kaum möglich, eher schon Fanatismus und Gewalt gegen Nonkonformisten.

Hier genau verläuft die von uns Staatsbürgern zu treffende Unterscheidung zwischen kultureller Moderne und kultureller Vormoderne. Meine Absicht, nach der Sie aufmerksam fragen, ist es, muslimisch geprägten Menschen die traditionellen islamischen, die in vielen heutigen islamisierten Familien wie auch in vielen islamisierten Weltgegenden unserer Zeit recht gewaltsam antrainierten Fesseln und Denkverbote aufbrechen zu helfen.

Es gab Jahrhunderte, in denen, ob im alten Griechenland oder im frühneuzeitlichen Europa, eine jede Kritik an den Göttern bzw. an Gott zur sozialen Exklusion führte wenn nicht zum Tode. In dieser Realität steckt der real existierende Islam heute noch weltweit, weshalb Geistesfreiheit oder Religionskritik zwischen Marokko und Madagaskar nicht gegeben ist.

Dies ist ein Blog der Islamkritik, nicht der blinden Islamophilie. Hier landen schon mal siebenjährige deutschtürkische Mädchen auf Suche nach einer Fatwā oder Lebenshilfe, die ich anständigerweise an Wikipedia verweise. Wer sich für älter als vierzehnjährig ausgibt bekommt auf dem Blog Sägefisch allerdings Islamkritik vom Feinsten. Auch Sie, Alime, scheinen mir das Alter der Religionsmündigkeit erreicht zu haben. Tja, jetzt geht`s also ans Denken, die kindgerechte Phase des Nachplapperns ist vorbei.

Papageien können ein Glaubensbekenntnis ebenso runterleiern wie einen obszönen Fluch. Erwachsene Menschen gereifter persönlicher Religiosität sind indes keine tropischen Vögel. Der taqlīd تَقْليد , die wiederholende Routine, die simple Imitation, der taqlīd ziemt sich für Halbwüchsige, nicht für Alime und auch nicht für Jacques Auvergne. Ein erwachsener Muslim soll sich nicht damit zufriedengeben, lebenslang als muqallid, als Nachahmer, als jemand, der zum autonomen Denken nicht berechtigt ist zu vegetieren. Als jemand zu vegetieren, der papageiengleich taqlīd betreibt, srich: Eine sich selbst nicht gerecht werdende und damit eine unwürdige Lebensweise auszuüben, das aber heißt, eine gotteslästerliche Lebensform auszuüben. Wir erkennen: Der muqallid ist kein autonomer religiöser Mensch. Der muqallid stellt keine Ansprüche an Religiosität, sei es aus Mangel an Begabung oder Übermaß an Furcht.

Auf der kriecherischen Selbsteinschätzung des gewöhnlichen Muslimen als jemand, der lebenslang keinen islamischen Durchblick hat, basiert der seit knapp 1000 Jahren versteinerte Fiqh. Dieser spätmittelalterliche Fiqh erwartet vom simplen muslimischen Endverbraucher jene nach der „Schließung der Tore des Idschtihad“ (انسداد باب الاجتهاد‎, insidad bab al-Idschtihad) seitens der hochnäsigen „Wissenden“ eine dreist jedenfalls kühn eingeforderte geistige wie seelische Unterwürfigkeit. Nur der mujtahid sei der der islamisch Denkberechtigte, der einfache Muslim nicht. Vor der „Schließung der Tore“ des selbständigen islamischen Denkens konnte grundsätzlich jeder gewöhnliche Muslim eine فتوى‎ fatwā ausstellen, das heißt er konnte sein Handeln islamrechtlich begründen.

Jeder politisch ambitiöse Schari’a-Islam und jeder stumpfsinniges Nachplappern erheischende Fiqh-Islam gehört ins Museum für mittelalterliche Sozialstrukturen. Dass Sie, Alime, den Ausdruck “Nicht-Gelehrter” verwenden, sicherlich mit Bezug auf arabisch عالم ālim (Plural علماء Ulamā oder Ulemā), lässt mich ahnen, dass Sie dem Ansinnen der Irshad Manji (project ijtihād) skeptisch bis fassungslos gegenüberstehen. Das aber ist eine der Dimensionen, die die Krise des derzeitigen Islam ausmachen, bei katastrophalen Folgen für die nicht nur muslimischen Individuen.

Ijtihād – selbständiges Denken – ist seit einem runden Jahrtausend nicht zugänglich. Stattdessen kriechen ‘sich muslimisierende’ bzw. zwangsmuslimisierte Individuen sklavisch zu den “fatwaproduzierenden Milieus”. Mit solcher geistigen Kriecherei aber wird sich Ihr und mein Gott nicht abspeisen lassen.

Muslime müssen und werden erkennen, dass der Schari’a-Islam sowie der Fiqh-Islam nicht nur inkompatibel ist zur kulturellen Moderne sondern geradezu gotteslästerlich. Ich empfehle Ihnen als Lektüre Irshad Manji und Wafa Sultan, im Deutschen Bassam Tibi und Ümmühan Karagözlü.

Menschen können ganz bewusst eine Religiosität haben und kultivieren, sie sollen es nach meiner Auffassung sogar. Es geht um Qualitätskriterien des Religiösen. Ein Dschihadist wie Mohammed Atta ist kein frommer Mensch sondern ein verblendeter seelischer Krüppel, das heißt ein Mensch, dem Wesentliches fehlt. In meinem Bekanntenkreis habe ich mehrere muslimische Frauen und Männer, die mir hier gänzlich zustimmen. Viele von diesen aber haben sich einen Schraubendreher ausleihen müssen. Zum Abschrauben des Klingelschildes.

Bekennen Sie sich zur säkularen kulturellen Moderne, bekennen Sie die Apostasie-Erlaubnis für jeden muslimischen Menschen und bekennen Sie den dezidierten Verzicht drauf, in Europa die (als Doktrin unveränderlich-ewige) Scharia umzusetzen. Bekennen Sie die grundsätzliche soziale und politische Unbrauchbarkeit der ahadīth und fatāwa (der Fatwas und Hadithe). Sie würden damit, Alime, etliche ihrer politreligiösen oder einfach nur flachen Freunde verlieren und ganz wenige kluge und treue Freunde neu gewinnen. Es ist ein schmaler, steiler und steiniger Weg, den zu gehen ich Ihnen da vorschlage.

Den ich vorschlage, ich, aus der Sicht von Fundamentalisten ein Nicht-Ulamā, Nicht-Gelehrter. Doch seit Jahrhunderten sind die meisten brauchbarsten Gelehrten jedenfalls Menschheitslehrer des entwicklungsfeindlichen und folgerichtig kulturell rückständigen Islam keine Muslime oder sind manchmal Ex-Muslime. Es gibt sehr wohl auch reife, weise Muslime, deren Namen in diesem Brief genannt sind, deren heilsamer Wirkung Bloggerin Alime sich allerdings bis heute erfolgreich zu entziehen gewusst hat.

Entdecken Sie, erstens, in den folgenden Jahren ihren ‘inneren Ulamā’. Seien Sie مجتهد mujtahid, koranlesender Gehirnbenutzer, denkberechtigter Sunna-Interpret. Werden Sie zweitens Umma- und Islamkritiker. Beides ist ohneeinander nicht denkbar. Und beides zeitigt Wutgeschrei und Bedrohungen aus Ihrem derzeitigen Bekanntenkreis, also denken Sie zunächst heimlich.

Islamische Selbstbestimmung wird noch auf einige Jahrzehnte leider bedeuten, als bedrohter Dissident zu leben. Der orthodoxe, versteinerte Islam, ob wir Muslime sind oder nicht ist dabei unerheblich, der Islam wird uns zu unseren Lebzeiten keine Geistesfreiheit schenken, wir müssen sie uns schon rauben. „Geben Sie Gedankenfreiheit!“, lässt der Dichter Friedrich Schiller in einer Szene des ‘Don Carlos‘ fordern (Marquis de Posa) fordern.

Geben Sie Gedankenfreiheit. Dieser Satz, erstmals 1787 vor öffentlich gefallen, bringt den heutigen Sprecher auch mehr als zwei Jahrhunderte nach Schiller in Lebensgefahr. Nicht durch radikale Juden übrigens. Ganz selten durch radikale Hindus. Täglich und weltweit jedoch durch radikale Muslime. Diese zum Töten bereite Gewalt des „frommen“ islamischen جهاد dschihād ist aber nicht einmal das islamisch ursächliche Problem an der Unfähigkeit des gewöhnlichen Muslimen zu einer wissenschaftlichen Weltbetrachtung oder auch nur zu einer unbefangenen Weltdeutung.

Das Problem ist, dass es aus antrainierter Unterwürfigkeit und bei erwähnter permanenter Einschüchterung weltweit nahezu keine Muslime gibt, die den Satz des Marquis de Posa laut fordern, noch nicht einmal in Europa oder Deutschland. Die wenigen Ex-Muslime tun das couragiert, auch einige säkulare Muslime melden sich mittlerweile und gottseidank in jeder größeren deutschen Stadt vorsichtig zu Wort. Die Mehrheit aber etwa der türkischstämmigen „Deutschländer“ (Seyran Ateş) schweigt und verkriecht sich in die sich immer mehr segregierenden weil immer mehr „islamischen“ Parallelgesellschaften. Das Problem ist, dass es so gut wie keine Muslime zu geben scheint, die das „Geben Sie Gedankenfreiheit!“ denken können und dass folglich die Islamverbände und die radikalen Moscheen ihr (auch seitens der Urdeutschen allzu unhinterfragtes) Interpretationsmonopol zu jedem islamischen Thema ausbauen können.

Der indifferenten und vielleicht bereits etwas säkularen Masse der Muslime aber wird eine radikale Islamisierung, eine „Muslimisierung“ mehr oder weniger brutal aufgezwungen werden, ob in Istanbul oder Berlin. Deutschlands demokratieskeptische Islamverbände steuern diese theokratische Dynamik ganz gezielt, um den „verderblichen“ Einfluss der Demokratie und des freien Denkens auf die muslimische Manövriermasse abzuschwächen.

Wege zu und in einer persönlichen, eigenartigen und eigenwilligen Spiritualität zu finden und zu beschreiten, das ist der Auftrag Gottes an Sie und an mich. Als muslimischer Endverbraucher aber bei der islamischen Obrigkeit um eine Fatwā zum Klingelton seines Mobiltelephons zu betteln oder, wie der australische Scheich Taj El-Din Hamid Hilaly es tat, in einer Predigt modern oder auch moderat gekleidete Frauen als Köder und Katzenfutter zu benennen und damit zur gottgefälligen jedenfalls „naturgemäßen“ Vergewaltigung freizugeben, das beleidigt jeden sittlich anständigen Gott, also hoffentlich auch den Ihren.

Ich möchte Sie, Alime, nun höflich bitten, auf die dargestellten Inhalte des Texts 011 “Der Koran (…)” einzugehen: Wie sehr ist das seelisch lebenslang leidende weil vaterlose Waisenkind Mohammed von Zoroastrismus, Judentum und Gnosis/Manichäismus beeinflusst worden, wie problematisch war der Ausstieg des Feldherrn Mohammed aus dem altarabischen Polytheismus? Wie sehr ist der bis heute jedenfalls im interreligiösen Vergleich bizarr oszillierende, “barmherzig-brutale” und “gerecht-sadistische” Gott namens Allah ein psychoanalytisch erklärbares Produkt eines vaterlos aufgewachsenen und ebenso hypersensiblen wie enthemmt-herrschsüchtigen Menschen und welche Folgen hat das für männliche muslimische Gewalttäter in den Zuwanderungsgesellschaften der kulturellen Moderne wie auch für die doch sehr blockierte Demokratisierung der von Nepotismus, Mysogynie und Brutalität geprägten Regionen zwischen Casablanca und Jakarta?

Jetzt aber zu Alimes fundamentalistisch blockiertem Blick auf das siebte Jahrhundert. Gebildete Menschen, und warum denn bitte sollen Muslime nicht zu ihnen gehören, gebildete Menschen auf aller Welt befassen sich mit Geschichte. Im West-östlichen Divan schrieb Goethe:

Wer nicht von 3000 Jahren

sich weiß Rechenschaft zu geben,

bleibt im Dunkeln unerfahren,

mag von Tag zu Tage leben.

Goethe stellt die Forderung auf, sich über die Zeitdauer von dreitausend Jahren Überblick zu verschaffen, um die Gegenwart begreifen zu können. Von heute aus gesehen und mit Blickrichtung in die Vergangenheit ist bis zum arabischen Heerführer und Religionsgründer Mohammed nicht einmal halb so viel Wasser den Nil oder auch den Rhein herunter geflossen. Wie auch immer, im von Alime kritisierten Text befasst sich Jacques Auvergne mit der Menschheitsgeschichte. Alime ist eingeladen, dasselbe zu tun. Da’awa zum Denken, sozusagen.

Im Arabischen ist, wie erwähnt, ālim عالم der Gelehrte. Sie aber nennen sich Alime. Das inspiriert mich zu folgendem Vorschlag und Aufruf: Nehmen Sie Ihren gewählten Namen als Herausforderung zu einem autonomen geschichtlichen, religionsgeschichtlichen und religiösen Denken. Entdecken Sie Ihre selbst gesteuerte Religiosität in der autonomen Weise eines ālim, eines Gelehrten. Sie haben es nicht nötig, lebenslang taqlīd تَقْليد zu machen, stumpfsinnig zu kopieren und nachzuahmen. Mit diesem eigenen Denken kommen Sie, Duftwasser und Deos betreffend, vielleicht zu einem überraschend anderen Schluss als das türkische Religionsministerium, welches allen türkisch-muslimischen Frauen außerhalb des Hauses auferlegt oder jedenfalls dringend empfiehlt, kein Parfüm zu benutzen.

Beschreiten Sie den unebenen Weg des selbständigen islamischen Denkens, den ungebahnten Pfad des ijtihād اجتهاد. Ermuntern Sie andere, dasselbe zu tun. Das wäre religiöses Lebensgestalten. Und Sie können das! Anders als der zum klanglichen Nachahmen zwar erstaunlich genau fähige, aber für den Inhalt seiner Wiedergabe nicht verantwortlich zu machende bunte Vogel. Nehmen Sie sich die bei Schiller geforderte „Gedankenfreiheit“ und denken Sie den Islam im Rahmen ihres Lernens und Erfahrens ganz unabhängig neu.

Das allein wäre der Pfad zum Wasser des Lebens. Das wäre der Weg zur Tränke.

Mit freundlichen Grüßen

Jacques Auvergne

Islam kritisieren – aber bitteschön: authentisch

Oktober 30, 2007

Subkulturen der Islamkritik

Europa reagiert. Verschieden

Islam braucht

Kritik

Mit oder ohne Bergführer?

Sich (s)eine Islamkritik erobern

Ein Essay von Thea Stavridis

Denken ist Topographie, das jedenfalls sagt der etwas in Vergessenheit geratene Psychologe Kurt Lewin sinngemäß. Wenn Menschen also denken, so Lewin, dann tun sie es in geometrischen Figuren. Lassen Sie mich dieses einmal auf Europas Islamkritik beziehen.

Erfolgreiche Islamkritik wird dem Montblanc gleichen, nicht aber dem Matterhorn. Warum?

Wir finden mit Montblanc und Matterhorn zweierlei Geometrie oder Topographie: eine prachtvoll gelassene mit breitem Gipfel auf der einen Seite und andererseits eine hektische spektakuläre Form der aufregenden Abgründe und Abstürze. Glücklicherweise entspricht die Meereshöhe der intellektuellen Höhe und vor allem dem Niveau der Herzensbildung. Das herzlose Matterhorn ist, nüchtern betrachtet, vergleichsweise mickrig.

Die höchsten Stellen des Montblanc weiten sich großzügig zu ganzen Hügellandschaften von Haupt- und Nebengipfeln, die auch an belebten Tagen (hoher Traffic) Platz bieten für viele Seilschaften verschiedener Kletterschulen. Und auch Einzelwanderer nimmt solcherlei Topographie stets heimatlich auf.

Ganz anders das Matterhorn. Diese Geometrie, die eigentlich nur aus Abgründen besteht, sie kann „ganz oben“ nur einem „Führer“ Platz bieten, der dich Kletterer dann, so lange er Lust hat, am „sicheren“ Seil hält. Du bist ganz schön … abhängig, hm? Eine pyramidenspitzenartige Form versinnbildlicht stets Hierarchie, Despotie, Undemokratie. Die Pyramide war schon immer das Sinnzeichen der Sklavenhaltergesellschaft. Sehr islamisch eigentlich. Ein Pharao ist seelisch uneuropäisch. Prinzip Matterhorn: Säkularität und Pluralität werden von herandrängenden Abgründen auf einem erbärmlich ungastlichen Gipfelplatz zurammen getrieben.

Lassen Sie mich die vier „Abgründe europäischer Islamkritik“ beschreiben, als Modell eignen sich die vier Himmelsrichtungen.

The North

Im Norden die Pickelhaube allzu übertriebener Heimatliebe sprich Xenophobie.

The East

Im Osten lauern die manichäischen „Strukturmuslime“ sprich Theokraten, das sind die Evangelikalen, die radikal-schriftgläubigen jüdischen Ultraorthodoxen, die monotheistischen Kreationisten, die Mormonen und viele andere.

The South

Im Süden das Eva-Prinzip, der Macho‑Heimchen‑Dualismus, die mittelalterliche Geschlechter‑Apartheid also von „Mutti‑Kult & Heldensöhnchen“. Geradezu schariakonform.

The West

Zuletzt im transatlantischen Westen das Wolfsgeheul der letzten verbliebenen Weltmacht, die imperiale Bush‑Konservative, jene Umweltzerstörer und Erdölkäufer, die nichts anderes vorhaben, als die Türkei in die Europäische Union zu bringen, um selber die „number one“ zu bleiben – dazu instrumentalisieren sie sogar das diffus islamkritische Fußvolk der westeuropäischen Zuwanderungsgesellschaften. Jene Bush‑Imperialisten, die 2007 aus militärischem Kalkül die türkische Leugnung des Armenier‑Völkermordes hinzunehmen wagten. Die Geschichte der Vereinigten Staaten wird sich, künftig, dafür noch zu schämen haben.

Vier Himmelsrichtungen …

… oder „Abgründe erfolgloser islamkritischer Haltung“ ergeben dem Segelnden oder Bergwandernden eine erstklassige Landkarte. Sogar Mischtypen lassen sich prima orten: „Oh nein, heute wieder Eine aus Südost“ chiffriert die patriarchale Eva‑Hermann‑begeisterte Kreationistin. „Der Sowieso ist ja so was von Nordwest“, denn Sowieso ist so xenophob, dass er sich von den US‑Imperialisten einspannen lässt. Ein „südwestlicher Kerl“ also ist? Richtig, ein germanischer Pascha mit Texas‑Cowboyhut. Yippiee! So viel Spott muss uns Demokraten erlaubt sein. Stichwort: Freiheit der Kunst.

Fazit. Ausblick

Wir islamkritischen Demokratinnen und Demokraten, wir dürfen uns gewiss nicht selbst zerfleischen, dafür ist die Gefahr des weltweit agitierenden politischen Islams viel zu ernst. Die Scharia bedroht alle europäischen Werte und Strukturen. Damit aber Islamkritik „nachhaltig“ d. h. erfolgreich ist, muss sie zur Selbstkritik fähig bleiben.

Thea Stavridis

Quelle: Theas Blog:

http://wer-sich-wehrt.blogspot.com/

Islamkritisches Lied. Für Oriana Fallaci

Oktober 20, 2007

Lied für

Oriana Fallaci

Von Hennen und

Zikaden

1.

Ich hab’ die Ferne, das Schweigen gewählt –

heute sei meine Geschichte erzählt:

zog ins Exil nach New York ich auch fort

„Elfter September“ verlangt mein Wort.

Sie woll’n versklaven sogar die Braven

sie woll’n zerstören jeden Mut,

der zarten Seele

hält an die Kehle

man rasch den Dolch und bald fließt Blut.

2.

Habt ihr politisch korrekt euch gefühlt?

Damit habt ihr euer Glück verspielt!

Trägst du kein Kopftuch: man pöbelt dich an.

Such deiner Tochter `nen frommen Mann.

Von Imams Gnaden

lebt ihr Zikaden,

bald singt euch keiner dieses Lied;

Europas Hennen

sie werden flennen

herrscht in der Stadt der Wahhabit.

3

Sie woll’n nicht leben wie du, Demokrat,

sie woll’n vielmehr einen Gottesstaat.

Dort herrschen Dummheit, Erpressung und Not –

wer da noch aufmuckt, dem droht der Tod.

Sie sprengen Züge

verbreiten Lüge

in jedem Land, in aller Welt.

Versklaven Frauen,

verbreiten Grauen,

verlangen, dass dir das gefällt.

Text 2007 von gruppe pik. Dem Andenken an Oriana Fallaci. Der Text entstand aus dem Eindruck des erneuten Lesens ihres sechs Jahre alten Buches “Die Wut und der Stolz“ (2001). Dieses islamkritische Lied wird üblicherweise gesungen auf die Melodie “Wir sind das Bauvolk der kommenden Welt…“ der Melodie ’Arbeiter von Wien’

In drei Tagen ist es so weit: Bloggerinnen & Blogger weltweit zeigen Solidarität mit den Menschen in Burma

Oktober 1, 2007




am 04.10.2007



___!Free___

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__Burma!__

Über die _Free_Burma!- Aktion

Blogger aus aller Welt

bereiten einen Aktionstag

zur Unterstützung der

friedlichen Revolution

in Burma

vor.



Wir wollen ein Zeichen

für den Frieden setzen und

den Menschen, die ihr grausames Regime

ohne Waffen bekämpfen,

unsere Sympathie bekunden.



Diese Blogger haben vor,

am 4. Oktober 2007

ihre normalen

Blog-Aktivitäten

einzustellen,

um

nur

einen

einzigen

Artikel

zu veröffentlichen:

Ein rotes Banner mit dem Text

„Free Burma!“.

Was sind uns unsere Grundrechte wert?

Oktober 1, 2007

In dem Stadtteil Neukölln/Berlin drohte eine Mitarbeiterin des dortigen Jobcenters einer 25-jährigen Muslimin in einem Streitgespräch um eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme mit einer Leistungskürzung, wenn die junge Deutsche palästinensischer Herkunft nicht bereit sei, sich endlich ernsthaft um eine Tätigkeit zu bemühen. Dazu sei es unumgänglich, das Kopftuch abzulegen, mit dem ihre Chancen auf einen Job stark sinken würden. Auf die Frage der selbstbewussten “Hilfebedürftigen“ in welchem Gesetz dies denn stehe, war die äußerst unsachliche Antwort der „Beraterin“ …“das steht bestimmt im nächsten Jahr im Gesetz!“, worauf sich die Muslimin diskriminiert fühlte und sich mit ihrem Erlebnis an die taz wandte.

Kommentar:

Nach §2 SGBII muss jede(r) erwerbsfähige Hilfebedürftige aktiv an allen Maßnahmen zu ihrer/seiner Eingliederung in Arbeit mitwirken. Ebenso ist sie/er verpflichtet, sich an die Eingliederungsvereinbarungen zu halten. Ist eine Erwerbstätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt für die Leistungsempfängerin/den Leistungsempfänger nicht möglich, muss die/der erwerbsfähige Hilfebedürftige jede ihr/ihm zumutbare Arbeitsgelegenheit annehmen.

Leistungskürzungen können demnach also nur auf Grund von Verstößen seitens des Leistungsempfängers gegen diese Verpflichtungen vorgenommen werden. Jetzt wäre es doch sehr interessant, weswegen es zum Streitgespräch zwischen der Beraterin des Jobcenters und der Muslimin kam und warum die Mitarbeiterin des Jobcenters offensichtlich den Eindruck haben musste, die Leistungsempfängerin bemühe sich nicht ernsthaft um eine Beschäftigung. Dazu schweigt die taz jedoch. Das mag politically correct sein, dient aber nicht der Objektivität.

Wie auch immer, nach § 15 SGB II heißt es im Umkehrschluss, dass jede Beschäftigung als zumutbar gilt, wenn das tarifliche oder ortsübliche Entgelt gezahlt wird und die Kinderbetreuung sichergestellt ist. Sollte die junge Frau gegen diese Pflichten von LeistungsempfängerInnen verstoßen haben, hätte die Beraterin einen juristisch einwandfreien Grund, Leistungen zu kürzen.

Ich meine zu diesem bedauerlichen Vorfall:

es sollte eine Selbstverständlichkeit sein, dass MitarbeiterInnen von Jobcentern die einschlägigen Gesetze bestens kennen, ihnen sollten ebenfalls Arbeitsrichtlinien und Gerichtsurteile zur Umsetzung der Vorschriften zur Verfügung stehen, sie sollten auf das gelingende Durchführen von konfliktreichen Klientengesprächen geschult werden. Eine Szene wie die eben beschriebene darf sich nirgendwo wiederholen.

Andererseits kann ich den Missmut der Sachbearbeiterin auch nachvollziehen. Sie beruft sich wohl auf in der Geschäfts- und Arbeitswelt der Bundesrepublik seit langem praktizierte Dress-Codes, die nicht per Gesetz oder Erlass festgeschrieben sind, sondern aus einem Bedürfnis nach Konformität, auf Grund einer stillschweigenden Übereinkunft oder einer Erwartungshaltung eines Arbeitgebers eingehalten werden. So kann der Inhaber eines westlichen Kaufhauses durchaus von seinen Angestellten erwarten, jede KundIn gleich zuvorkommend zu behandeln, weltoffen und politisch wie religiös neutral aufzutreten und dies auch durch ihre/seine Kleidung zu dokumentieren.

Im Arbeitsleben wird die Kleidung der MitarbeiterInnen oft dem vom Arbeitgeber angestrebten Image (Unternehmenskultur, Corporate Identity) angepasst und kann eine gewünschte Farbwahl bis hin zur Standard Uniform umfassen (Wikipedia.org/wiki/Kleiderordnung / 9.11.07).

Jeder hier sozialisierten Bewerberin / jedem hier sozialisierten Bewerber ist bekannt, dass bei beruflichen Vorstellungsgesprächen unangebrachte Kleidung die Entscheidung für oder gegen eine Kandidatin/einen Kandidaten ungünstig beeinflussen kann. (Wikipedia.org/wiki/Kleiderordnung / 9.11.07).

Das Tragen eines Kopftuches in diesem Zusammenhang könnte in der Bundesrepublik Deutschland durchaus als unpassend erachtet werden, besonders in Bereichen, in denen KundInnenkontakte zum Arbeitsalltag gehören. Dies ist sicherlich auch der jungen Frau aus Neukölln bekannt.

Da es sich bei dem fraglichen Ereignis um einen Routinetermin handelt (s. Spiegel, auch die heftige Reaktion der Beraterin lässt auf eine Vorgeschichte schließen), hat die Mitarbeiterin des Jobcenters genügend Gelegenheit gehabt, sich einen Gesamteindruck zu verschaffen. Ich kann ihren Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Bemühungen ihrer Klientin verstehen, wenn auch das Gespräch niemals hätte verbal derartig entgleisen dürfen.

Die junge in Deutschland geborene Frau palästinensischer Abstammung genießt hier verfassungsrechtlich garantierte Grund- und Menschenrechte, die sie vor Diskriminierung schützen und die ihr viele Handlungs- und Gestaltungsmuster der persönlichen Lebensführung zur Verfügung stellen. Die Demokratie ist jedoch kein Selbstbedienungsladen, in dem man Grundrechte nach Gutdünken in Anspruch nimmt oder für sich als nicht zutreffend erklärt. Wir leben in der Bundesrepublik Deutschland in einem sozialen Rechtsstaat, aber auch in einer kulturellen Moderne, in der Säkularität und Religionsfreiheit, auch der negativen, wesentliche Kennzeichen des Geschäfts- und Berufslebens sind. Hier wird keine Frau gezwungen, Haare mit einem Kopftuch oder Haare und Körper mit Hijab, Niqab oder Burqa zu bedecken.

Die Frau, die sich trotzdem verschleiert, wohl wissend, dass sie damit ihre Einstellungschancen womöglich minimiert, handelt freiwillig und bewusst. Ich halte es daher für vertretbar, an der aktiven Mitarbeit, die Grundlage jeder Eingliederungsvereinbarung ist, zu zweifeln. Die Neuköllnerin missachtet meiner Meinung nach außerdem das Recht der negativen Religionsfreiheit im nicht kirchlichen Arbeits- und Berufsleben. Ein Grundrecht, für dessen Verwirklichung Menschen ihre Existenz und ihr Leben eingesetzt haben, um dessen Willen sie gezwungenermaßen aus der Heimat geflohen sind, alles auf eine Karte setzend, in der Hoffnung auf Freiheit. Was ist uns dieses Menschenrecht wert?

Der muslimische Iraner Ibrahim Batmani schätzt diese Freiheit sehr. Er kennt die Schrecken der iranischen Theokratie und war wegen regierungskritischer Äußerungen inhaftiert worden. Es gelang ihm die Flucht nach Norwegen, wo er ein Leben in Freiheit und nach seinen eigenen Vorstellungen führen wollte. Der 47‑Jährige war überzeugt, in einem westlichen, demokratischen und säkularen Land zu leben, in dem Männer und Frauen im Privatleben frei in der Wahl ihrer Kleidung seien und jede/jeder ihre/seine Meinung frei äußern dürfe. Er war sicher in dem schwedischen Möbelhaus IKEA einen Arbeitgeber gefunden zu haben, der ähnliche Grundsätze hatte wie er selbst. Dies stellte sich jedoch nach fast 10-jähriger Betriebszugehörigkeit als Irrtum heraus.

Der Iraner wollte eine neue muslimische Kollegin, die am Mittagstisch Platz nahm, mit Handschlag begrüßen. Als die verschleierte Frau diesem bei EuropäerInnen als höflich geltenden Begrüßungsritual aus religiösen Gründen ausweichen wollte, sagte der Iraner, dass es doch keine Notwendigkeit gäbe, Hijab bei Ikea in Norwegen zu tragen, sie befinde sich doch in einem freien Land. Die Angesprochene reagierte brüsk und wies den Iraner zurecht, dass dies doch absolut nicht seine Angelegenheit sei, beschwerte sich bei ihren Vorgesetzten über das ihrer Ansicht nach anstößige und belästigende Verhalten des Kollegen und nahm sich völlig verzweifelt den Rest des Tages frei (so Pax Europa und Gates of Vienna sinngemäß).

Dieser Vorfall endete mit einer Abmahnung des Arbeitgebers IKEA an Batmani, des Inhalts, dass man dem Regimekritiker einer Theokratie Rassismus vorwarf, weil er in einem demokratischen Staat sich die Freiheit nahm, eine neue Kollegin darauf aufmerksam zu machen, dass sie im Job nicht gezwungen sei Hijab zu tragen. “This is in conflict wirh IKEA´s policy and values and it is not acceptable for our employees to behave like this,”(“dies widerspricht der Firmenphilosophie und den Leitlinien von IKEA und es ist nicht akzeptabel, dass unsere MitarbeiterInnen sich so verhalten,“… . Quelle: Gates of Vienna, frei übersetzt ins Deutsche von ük.).

Bei einer anderen Gelegenheit brachte sich der couragierte Iraner in eine Diskussion mit seinem Arbeitgeber ein und trug erneut seine Meinung vor, dass MitarbeiterInnen während der Arbeit nicht Hijab tragen sollten. Bei dem anschließend an seinem Arbeitsplatz stattfindenden Treffen versicherte Batmani, dass er die Meinung der Hijab tragenden Frauen respektiere, dass er es jedoch für angebracht halte, dass IKEA diese Angelegenheit entscheide und nicht die Muslime.

Das kostete Batmani endgültig den Job, Begründung des Kündigungsschreibens: Rassismus und Missachtung schriftlicher Abmahnungen. Der Iraner ließ sich nicht entmutigen und sagte der Aftenposten “Norway is a fine country and I just want to say that in Norway you´re not forced to wear the hijab if you don´t want to. I don´t care if you wear the hijab privately. My mother wears the hijab,“ (Norwegen ist ein wunderbares Land und ich wollte nur sagen, dass in Norwegen keine Frau gezwungen ist Hijab zu tragen, wenn sie es nicht will. Ich kümmere mich nicht darum, wenn Frauen privat Hijab tragen. Meine Mutter trägt Hijab,…“ übersetzt ins Deutsche: ük; Quelle: Gates of Vienna / Aftenposten).

Der langjährig als Tellerwäscher beschäftigte Mitarbeiter des schwedischen Möbelhauses klagte gegen die Kündigung vor einem Osloer Gericht. Schon während des Prozesses milderte IKEA den Vorwurf Batmani sei ein Rassist dahingehend ab, dass der Konzern befürchte, der Iraner würde mit seinem in ihren Augen unpassenden Verhalten gegenüber Kolleginnen, die Hijab tragen fortfahren und damit den Betriebsfrieden gefährden. Das angerufene Gericht wies die Befürchtungen des Möbelkonzerns mit der Begründung zurück, dass kaum vorstellbar sei, dass der Kläger nicht verstanden habe, dass IKEA eine solche Handlungsweise nicht erlaubt. Außerdem rehabilitierte das Gericht den obrigkeitskritischen Batmani und erklärte die Kündigung für ungerechtfertigt und unhaltbar. Nach allgemeingültiger Rechtsauffassung sei eine erhebliche Beleidigung einer Person notwendig, um eine Kündigung aus diesem Grunde zu rechtfertigen.

Der Pressesprecher des Unternehmens, Christen Roehnebaek, erklärte, dass IKEA das Gerichtsurteil zu Kenntnis nehme, sich aber vorbehalte, es gründlich zu prüfen, bevor der Konzern eine Entscheidung treffen will, wie es weiter gehen soll. Für das Großunternehmen sei die Kleidungsangelegenheit Privatsache der MitarbeiterInnen, die aus Respekt vor den Betroffenen nicht öffentlich besprochen werden sollte.

Ümmühan Karagözlü

Quellen: Pax Europa, Gates of Vienna, Aftenposten