Posts Tagged ‘Schariatisierung’

Geburtstagsständchen zum 61sten. Der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte gewidmet

Dezember 14, 2009

Persiflage auf die Multikultur

Religionsrecht entsorgt die Demokratie

E c# A f#. H7 H7 E A,E
E c# A f#. H7 H7 E,H7 E
E c# f# f#. f# H7 E H7
E c# f# f#. H7 H7 E,H7 E
H7 H7 A E. H7 H7 A E
A A H7 H7. E A H7 E

Gesungen zur Melodie des schottisch-australischen Liedermachers Eric Bogle: »The Green Fields of France« („Well, how do you do, young Willie McBride … But here in this graveyard it’s still no-man’s-land“). Text Ümmühan Karagözlü und Jacques Auvergne zum 61. Jahrestag der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte am 10 Dezember 2009

Muslimische Frauen sind nicht unterdrückt

vielmehr von Allah und Scharia beglückt,

zwar kommen sie ohne Mann nirgendwo hin,

ein Kind zu gebären gibt ihnen den Sinn.

Koran und Hadithen sind Information,

vergolden Scheitern der Integration;

muslimische Kinder, die mögen nun mal

ein Leben in Angst vor der höllischen Qual.

Jede sittliche Frau ist mit Stoff zu bedecken,

denn ihr sichtbarer Leib zieht den Teufel heran

und ihr offenes Haar bedroht eben

ihrer Sippe das ewige Leben.

Den Hidschab verbieten, das ist sehr gemein,

die Islamversteher sie laden uns ein,

das Thema des Abends: Die Frau im Koran,

Scharia sei nützlich, modern und human.

Im Saal ein Politiker aus der Türkei,

Vertraute des Sultans von Schardscha dabei,

Herr Laschet gibt Mustafa Cerić die Hand,

mit Bart und Gewand ist Pierre Vogel bekannt.

Jede sittliche Frau ist mit Stoff zu bedecken …

In England gehören die Tücher zur Norm,

man duldet sie zur Polizeiuniform,

die belgische Schülerschaft lebt ganz für Gott:

„Kein Kopftuch, kein Unterricht, auf zum Boykott!“

Zur künftigen Trennung von Kulten und Staat

hat Frankreich die besten Konzepte parat

Als „Burkaverbot“ diskutiert man den Plan

mit dem radikalen Tariq Ramadan.

Jede sittliche Frau ist mit Stoff zu bedecken …

Das griechisch-islamische Recht lässt uns kalt,

dort ist die Braut schwanger und elf Jahre alt.

Das Ehepaar suchte im Rheinland sein Glück,

wir schickten sie gleich in die Heimat zurück.

Es ist Religion, was aus Kelantan kam

nennt sich Wali Mudschbir und nennt sich Islam.

Frau Dr. Boos-Nünning hat mich informiert:

die Ehen sind glücklich und sind arrangiert.

Jede sittliche Frau ist mit Stoff zu bedecken …

Bogle schrieb das rasch weltbekannte Friedenslied aus dem Eindruck heraus, den ein Besuch auf drei oder vier Soldatenfriedhöfen in Belgien und im nordöstlichen Frankreich im Jahre 1976 auf ihn und seine Frau gemacht hatte. Der zur Menschenverachtung der Scharia schweigende Kommunist Hannes Wader, vielen bekannt durch seine Auftritte bei den Burg-Waldeck-Festivals in der Zeit zwischen 1964 und 1969, hat das Lied als »Es ist an der Zeit« („Weit in der Champagne … Ja, auch dich haben sie schon genauso belogen“) im deutschen Sprachraum bekannt gemacht.

Beliebte Akkorde sind auch

G e C a. D7 D7 G C,G
G e C a. D7 D7 G,D7 G
G e a a. a D7 G D7
G e a a. D7 D7 G,D7 G
D7 D7 C G. D7 D7 C G
C C D7 D7. G C D7 G

Resolution gegen Kinderhidjab und Kopftuch im öffentlichen Dienst

Mai 10, 2009

09.05.2009

Resolution

gegen den Kinderhidschab und das Frauenkopftuch im öffentlichen Dienst”

Für engagierte Frauen- und Menschenrechtler ist jede Form islamischer Verschleierung von Mädchen und Frauen Teil einer totalitären, politreligiösen Bewegung und weder mit den universellen Menschenrechten noch mit freiheitlich demokratischen Verfassungen kompatibel. Eine weltweite Fundamentalisierung veranlasst mehr und mehr muslimische Eltern ihre Töchter an das „Schamtuch“ (Feridun Zaimoğlu) zu gewöhnen. Helfen Überredungskunst oder pädagogische Tricks nicht, droht man mit der Hölle und mit Prügel.

Selbst moderat gebundene, mit der übrigen Kleidung geschmackvoll abgestimmte Tücher sind daher kein selbst gewähltes Modeaccessoire. Der Druck auf die Mütter durch Sippe, soziales Umfeld und politische wie religiöse Autoritäten die schariakonforme Bedeckung notfalls mit Gewalt durchzusetzen, ist ungeheuer groß. Multikulturalisten, die das Kopftuch als individuellen Weg der religiösen Emanzipation muslimischer Frauen missdeuten, erschweren säkular denkenden muslimischen Familien die Argumentation.

Die schon von weitem erkennbare Verschleierung propagiert und tradiert ein islamisch orthodoxes Menschenbild, das Mädchen und Frauen ebenso verachtet wie es Männer als willensschwache, triebhafte Wesen herabwürdigt. Die islamische Bedeckung spaltet in antagonistische Kollektive, denen ein fairer, respektvoller Umgang miteinander verboten ist: Frauen / Männer, MuslimInnen / NichtmuslimInnen, verschleierte Muslimas / Frauen mit offenen Haaren.

Das „Schamtuch“ fördert daher schon bei Kleinstkindern das Gefühl von Fremdheit und erlebter Segregation. Integration kann so nicht gelingen. Falsch verstandene, entgrenzte Toleranz und Dialogbereitschaft um jeden Preis hat den Einfluss der islamistischen Organisationen gestärkt. Auch daher hat die Anzahl der verschleierten Mädchen und Frauen in den letzten zehn Jahren deutlich zugenommen. Viele Grundschülerinnen verlassen das Haus nicht mehr ohne Kopftuch, selbst in Kindergärten sieht man neuerdings Drei- und Vierjährige mit Hidjab. Das Kopftuchgebot diskriminiert bereits diese kleinen Mädchen als Verführerinnen.

Nicht nur der Europaabgeordneten Renate Sommer und der Frauenrechtlerin Mina Ahadi gilt der Kinderhidjab als Kindesmisshandlung und Kinderrechtsverletzung. Geschlechter-Apartheid sowie die grundsätzlich damit einhergehenden, vormodernen Denk-, Verhaltens- und Erziehungsmuster verstoßen gegen das Recht junger Menschen auf eine gleichgestellte und gewaltfreie Erziehung.

Sie behindern eine altersgerechte und selbstbestimmte Persönlichkeitsentwicklung. Chancengleiche Partizipation an der (Er )Lebenswelt Gleichaltriger unabhängig von Geschlecht, kultureller Herkunft, Religionszugehörigkeit oder sonstiger Weltanschauung ist strenggläubig sozialisierten Musliminnen bereits in jungen Jahren nicht möglich.

Die Unterzeichner fordern daher ein bundesweites Verbot des Kinderkopftuchs für Mädchen bis vierzehn Jahren in der Öffentlichkeit. Darüber hinaus setzen wir uns für das Verschleierungsverbot im öffentlichen Dienst ein. Die Beschäftigten in Institutionen der Verwaltung, der Justiz sowie des Erziehungs- und Bildungswesens sind Repräsentanten und Funktionsträger des säkularen, freiheitlich demokratischen Rechtsstaates. Sie haben den Anspruch auf und die Verpflichtung zur neutralen Kleidung während ihrer Dienstzeit, ohne die eine wertschätzende und bürgerorientierte Zusammenarbeit kaum möglich ist.

Wir halten ein grundsätzliches Kopftuchverbot in Gerichtsgebäuden, Schulen (französisches Modell) und Kindergärten für unumgänglich. Bei Gerichtsverhandlungen muss zum Schutz der Zeugen und Angeklagten garantiert sein, dass selbst jede unterschwellige Beeinflussung von Plädoyer und Urteil durch politreligiöse Symbole im Saal ausgeschlossen ist. Nur gänzlich kopftuchfreie Schulen und Kindergärten gewährleisten, dass Mädchen und Jungen unabhängig von kultureller Herkunft, Religion und sonstiger Weltanschauung einen Freiraum nutzen und genießen können, in dem sie vor orthodoxer religiöser Indoktrination verschont sind.

Die Unterzeichner sind:

Zentralrat der Ex-Muslime

http://www.ex-muslime.de

Hartmut Krauss, Sozialwissenschaftler, HINTERGRUND-Verlag Osnabrück

http://www.hintergrund-verlag.de

Children First Now (Kinderrechtsorganisation)

http://www.childrenfirstnow.com

Equal Rights Now (Organisation für gleiche Rechte der Frauen)

http://www.equal-rights-now.com

I.so.L.De Lern- und Sprachförderung – i.so.l.de@gmx.de

Wir laden alle freiheitsliebenden Menschen und Organisationen ein, diese Resolution mitzuzeichnen unter http://www.petitiononline.com/s3q4a2b5/petition.html

Vorurteile im interkulturellen Zusammenleben

April 26, 2009

Migrationsforscherin Boos-Nünning

Von Roswitha Wilwerscheid und Karsten Hilchenbach, 20. November 2008

Vertieft Deutschlands Migrationsforschung Parallelgesellschaft und Islamismus? Werden Deutschlands Hochschulen und Unis zunehmend schariafreundlich? Auf der Suche nach einer Beantwortung dieser brennenden Frage hatten wir die Gelegenheit genutzt, eine Vorlesung im Fachbereich Bildungswissenschaften einer nordrhein-westfälischen Hochschule zu besuchen, an der an diesem Tage Migrationspädagogin Prof. Dr. Ursula Boos‑Nünning zum Thema Integration und Interkulturalität sprach.

Deutschland gefällt sich in der Rolle, ein Ort der Interkulturalität zu sein. So jedenfalls haben es die Vordenker der Multikultur beabsichtigt und sind inzwischen dazu übergegangen, sichtbare Probleme scheiternder Integration wie so genannte Ehrenmorde, wie Zwangsheiraten, jugendliche Migrantengewalt oder zugewanderten Antisemitismus und Islamismus interkulturell zu erklären damit jeder weiteren Kritik zu entziehen. Seit ein paar Jahren sind Köln-Düsseldorf und das Ruhrgebiet damit zur Region der entgrenzten Toleranz, des ’anything goes’ oder des ’Mach was du willst, Migrantenpatriarch, auch nach der Scharia, aber lass uns Deutsche damit in Ruhe’ geworden. Nach einem Dutzend persönlich erlebter offizieller Moscheebesuche traut sich eben kein Vertreter von Stadt, Hochschule, Wohlfahrtsverband oder Kirche, öffentlich das Wort Scharia kritisch zu beleuchten.

Um sich dennoch den etwas löchrigen Mantel der Legitimität umzuhängen, bedarf es islamwissenschaftlicher Mietmäuler und anerkannter Migrationsforscher. Eine davon hört auf den Namen Boos‑Nünning, ist seit dreieinhalb Jahrzehnten in der Forschung zu Migration und Integration tätig und schrieb gemeinsam mit der wenig wissenschaftlich arbeitenden Yasemin Karakaşoğlu drei Bücher, die die Scharia verharmlosen oder auch gar nicht erst gekannt haben und die den politischen Islam als frauenfreundlich und demokratietauglich erklären. Hier der durch Roswitha Wilwerscheid und Karsten Hilchenbach, die im Hörsaal auf zornige Zwischenrufe höflich verzichteten und diese stattdessen hier schriftlich einfügen, stenographisch festgehaltene Redebeitrag von Frau Boos‑Nünning:

Boos‑Nünning: Sehr geehrte Studentinnen und Studenten, liebe Gasthörerinnen und Gasthörer, ich darf Sie zu der heutigen Vorlesung begrüßen und danke für Ihr Interesse an dem so wichtigen Thema Integration.

Ich komme aus der katholischen Religionssoziologie und befasse mich seit 1971 wissenschaftlich mit Migration. Einwanderung sorgt zumeist für negative Schlagzeilen. Allzu selten wird das Positive dargestellt.

Eine Sache ist ganz wichtig beim Thema Einwanderung: Die Religion. Einem türkischen Mädchen ist es ganz wichtig, zu wissen, dass ihr Freund eine Religion hat.

Hilchenbach: Na, welche Religion des männlichen Freundes sprich Ehemannes erlaubt die Scharia denn, sehr geehrte Frau Boos‑Nünning, und welche Religion des Ehemannes verbietet die Scharia denn dem von Ihnen erwähnten türkischen Mädchen?

Wilwerscheid: Der Freund hat Muslim zu sein. Ganz zufällig.

Boos‑Nünning: Ich untersuche seit einiger Zeit junge Musliminnen und Muslime, nebenbei auch andere Gruppen. Zu fragen ist: Sind diese Einwanderer denn religiöser als die Deutschen? Fragen sie einander danach, religiös zu sein? Und: Was bedeutet, dass die Bundesrepublik Deutschland nicht nur multiethnisch wird, sondern auch multireligiös? Deutschland hat hier viel versäumt.

Bemerkenswert ist, Duisburg betreffend, das vielfach beschriebene „Wunder von Marxloh“, wobei „Wunder“ gar nicht das Gebäude meint, nein, Wunder ist nicht der Bau, sondern der ausgebliebene Protest, Wunder ist die Bereitschaft der Wohnbevölkerung, diesem Moscheebau wohlwollend zuzustimmen.

Wilwerscheid: Naja, wo keine Deutschen mehr leben, kann auch kein deutscher Protest laut werden. Rund um die Moschee von Marxloh traut sich aber auch unter den aus der Türkei stammenden Einwanderern vielleicht niemand mehr, öffentlich das islamische Recht des fiqh und die islamische Pflichtenlehre der Scharia zu kritisieren.

Hilchenbach: Dass Ditib den türkischen Staatsislam darstellt, die veritable Staatsreligion Kleinasiens, scheint Boos‑Nünning nicht so wichtig zu sein.

Boos-Nünning: Neben der sichtbar werdenden Moschee ist ein weiteres islamisches Symbol im öffentlichen Raum ganz wichtig, das Kopftuch, sind also die kopftuchtragenden Frauen. Leider wird immer noch empfohlen, auch für Schülerinnen das Kopftuchtragen im Schulgebäude nach dem grundfalschen Vorbild der Türkei und Frankreichs zu verbieten. Auch hierbei sehen wir also wieder diese Ablehnung des Fremden.

Wilwerscheid: Einen Augenblick, Frau Professorin: Die radikalislamischen Wohlverhaltensvorschriften sind es, die das Fremde diskriminieren. Hadithe und Fatwas fordern die schickliche, züchtige Kleidung der Frau und beschimpfen die muslimische Kopftuchverweigerin sowie die nichtmuslimische Nichtkopftuchträgerin als fremd und als ekelhaft unrein.

Boos-Nünning: Seit Jahrzehnten wird diskutiert, dass muslimische Türkinnen unterdrückt werden würden. Auch hier sind diese Vorurteile zu nennen, diese Bilder, die nicht stimmen: Einwandererfrauen würden alle aus agrarisch geprägten Regionen der Erde stammen, aus feudal organisierten Regionen, sie würden analphabetisch sein und fünf Schritte hinter dem Mann her gehen. Dieses Bild stimmt einfach nicht.

Wilwerscheid: Unlängst begegnete mir eine Frau mit Tschador und Gesichtsschleier, die fünf Meter hinter ihrem salafistisch gekleideten Mann (das senkrecht‑weißgraugestreifte Hemd über seiner dunkelgrauen Hose, Schnabelschuhe, die weiße Häkelmütze auf dem Kopf) hinterher hastete und hinterher stolperte. Die Frau stieß in perfektem Deutsch unter ihrem niqāb hervor: „Nicht so schnell, ich komm` nicht mit!“, was den Ehemann nun aber keinesfalls dazu bewog, sein Gehtempo zu drosseln. Für Migrationsforscherin Boos‑Nünning sicher nur ein Einzelfall?

Boos-Nünning: Vergessen wird, dass ein Viertel der Frauen ohne ihren Ehemann nach Deutschland gekommen ist, ohne einen Mann, das waren die Frauen der Sechziger und Siebziger Jahre.

Ein beliebtes Vorurteil ist die Ursachenzuschreibung etwaiger Integrationsprobleme zum Islam. Wenn immer es irgendwo Schwierigkeiten gibt, werden diese mit dem Islam in Verbindung gebracht, der anderen Religion, werden dem Islam zugewiesen. Gerade Ehrenmord und Zwangsheirat betreffend meint die deutsche Öffentlichkeit, das habe etwas mit dem Islam zu tun. Es ist zwar richtig, zu sagen: Die Tradition der arrangierten Ehe und der Zwangsheirat wird allgemein vor allem im Hinblick auf islamische Kulturen als gültig betrachtet. In der Öffentlichkeit resultiert aus dieser Verallgemeinerung jedoch unzulässigerweise das fehlerhafte Bild von Frauenunterdrückung, Rückständigkeit und fehlender Emanzipation, was jedoch von den betroffenen muslimischen Frauen und muslimischen Familien ganz anders erlebt und bewertet wird.

In Wirklichkeit kommen etwa die katholischen Italiener in Deutschland regelmäßig viel schlechter klar als die muslimischen Türken.

Wilwerscheid: Die Italiener aber pflegen ihre Frauen nicht zu ermorden, wenn diese leben wollen wie eine Deutsche. Diese Chance auf ein selbstbestimmtes Leben hatte die in Deutschland geborene Hatun der radikalislamischen, kurdischen Berliner Familie Sürücü ebenso wenig wie die gleichfalls in Deutschland geborene Morsal der afghanischen Hamburger Familie Obeidi.

Boos-Nünning: Es sind die Medien, die dieses fehlerhafte Bild des Anders‑Seins vermitteln und in den Köpfen verhaften. Der Mythos vom Unterdrückt‑Sein der muslimischen Mädchen ist so ein fehlerhaftes Bild. Es ist einfach nicht richtig, dass sich die türkischen Kinder unterdrückt fühlen.

Hilchenbach: Die dürfen sich nicht unterdrückt fühlen, sonst kommen sie nicht in den Himmel. Schließlich gibt es keinen Zwang im Glauben und wer erlittenen Zwang zugibt, der ist verachtenswert, weil er nicht genügend glaubt.

Wilwerscheid: Wer sich unterdrückt fühlt, wird noch etwas mehr verprügelt. 44,4 % der türkeistämmigen Jungen und Mädchen erleiden in der eigenen Familie schwere und schwerste körperliche Misshandlungen.

Boos-Nünning: Nehmen wir die Befreiung vom koedukativen Schwimmunterricht und von der Sexualerziehung. Das alles führte schon zu Klagen vor den Gerichten. Wissen wir denn nichts anderes anzufangen, als diese Fragen gerichtlich lösen zu lassen? Warum verweigert sich die Mehrheitsgesellschaft dem Finden von Kompromissen?

Zusätzlich wird in den Medien und in der Öffentlichkeit völlig übersehen, dass dieser Elternwunsch nach dem Abmelden vom koedukativen Schwimmunterricht und vom Sexualkundeunterricht gar nicht nur muslimische Mädchen betrifft. Vielleicht haben Sie vom Fall in Paderborn gehört, auch dort protestierten religiöse Eltern gegen unakzeptable Inhalte und verweigerten den Schulbesuch. Das waren russische Baptisten, die mittlerweile nach Baden‑Württemberg und Österreich ausgewandert sind. Durch die Einwanderung hat sich, wie das Paderborner Beispiel der russischen Baptisten zeigt, das Spektrum der religiös lebenden Menschen erweitert, nicht nur Muslime und nicht nur Mädchen sind betroffen, auch beispielsweise baptistische Jungen oder baptistische Mädchen. Religion ist den Einwanderern wichtig, den Deutschen nicht so sehr. Die öffentliche Diskussion ist also unzulässig vereinfacht und spricht nur von „den Muslimen“.

Wilwerscheid: Deutschland hat Religionsfreiheit, anders als Ägypten oder Pakistan. Jeder kann in Deutschland seine Religion leben, solange Schulverwaltungsgesetz, Grundgesetz und gesunde Entwicklung des Kindes oder Jugendlichen nicht beeinträchtigt wird.

Hilchenbach: Sexuell unaufgeklärte Mädchen und Jungen sind freilich einfacher arrangiert zu verheiraten und auch mit der erweckten Angst vor der Höllenstrafe effektiver zu steuern. Das zur so genannten „wichtigen“ Religion.

Boos-Nünning: Dabei sollten wir die islamischen Strukturen vielmehr nutzen, um an die Eltern und Familien heran zu kommen. Denn wirklich erreicht die Schule die muslimischen Familien oft nicht, doch die Schule macht es falsch, die türkischen Eltern können sehr wohl angesprochen werden, etwa über die örtliche Moscheegemeinde. Die Polizei und das Jugendamt in Essen‑Katernberg beispielsweise arbeiten ganz vorbildlich mit der Ditib-Moschee zusammen, über die Imame kann man also mit den türkischen Familien bestens in Kontakt treten. Entsprechend über den russlanddeutschen Heimatverein, den spanischen Elternverein, die griechische Gemeinde, nur die Italiener sind üblicherweise niemals vereinsmäßig organisiert, da wüsste ich auch nicht weiter.

Ausländische Eltern haben Diskriminierung erlebt, die haben erlebt: Die Schule behandelt die Kinder nicht gleich. Gerade die muslimischen Eltern haben das Gefühl, ungerecht behandelt zu werden. Wie ich bereits 1999 einer meiner Abhandlungen beispielhaft voranstellen musste, erlebt selbst ein türkisches Mädchen, das mit dem Notendurchschnitt 1,3 das Gymnasium im zehnten Schuljahr verlässt und sieben Einsen in allen wichtigen Fächern vorweisen kann, auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt Zurückweisung und Ablehnung.

Jugenduntersuchungen zeigen, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund eine deutlich stärkere religiöse Bindung haben als deutsche Jugendliche. Daneben wird ersichtlich, dass die Mädchen religiöser sind als die Jungen, aber das ist auch bei den deutschen Jugendlichen der Fall.

Grundsätzlich ist die Frage zu stellen: Wie messen wir Religiosität? Folgende Kriterien scheinen unverzichtbar:

· an einen persönlichen Gott glauben

· in der Religion Sinngebung finden

· sich in der Religionsgemeinschaft aufgehoben fühlen

· religiöse Riten wertschätzen und einhalten

Genau das also haben wir die Jugendlichen zu fragen, wenn wir wissen wollen, ob sie religiös sind: Akzeptiert ihr die religiösen Riten und Vorstellungen, fühlt ihr euch in der religiösen Gemeinschaft geborgen, wollt ihr religiöse Gemeinschaft herstellen, diese etwa mit einer religiösen Ehe und Heirat und Familiengründung herstellen, soll euer Ehepartner religiös sein? So haben wir Religiosität zu messen.

Natürlich gibt es unter Muslimen auch Atheisten oder überzeugt Laizisten. Atatürk hat ja die Türkei laizistisch gemacht.

Was den Islam betrifft, stellt sich heraus, dass die Türken religiöser sind als die Muslime aus dem ehemaligen Jugoslawien, die Bosnier sind weniger religiös als die türkeistämmigen, hanafitischen Sunniten. Wesentlich weniger religiös als die türkeistämmigen Hanafiten jedoch sind die Aleviten.

Soweit die quantitativen Aspekte, nun zu den qualitativen: Junge religiöse Menschen unterscheiden Religion und Kultur. Ja, junge muslimische Menschen betonen sehr deutlich, dass sie die patriarchalischen Verhältnisse in der Familie der Kultur zuschreiben, nicht aber der Religion. Auch etwaige Ehrenmorde und Zwangsheiraten sind für sie keinesfalls islamisch‑religiös begründet, sondern kulturell verursacht. Dieses Selbstverständnis aber wird in der deutschen Öffentlichkeit noch viel zu wenig erkannt und von den sensationsgierigen Medien verschwiegen. Der Islam gilt den Jugendlichen als soziales Netzwerk.

An manch einer deutschen Hochschule finden sich viele Studentinnen und Studenten aus aller Welt, auch viele Studentinnen mit Kopftuch. Das ist völlig selbstverständlich. Die muslimischen Studentinnen und Studenten wollen nach eigener Auffassung den „wahren“ Islam mit der Moderne verbinden, sie wollen ihren Islam, ihre Religion mit ihrem Leben verknüpfen. Auch hier ist das Kopftuch wieder ganz zentral und bemerkenswert, denn das Mädchen kann sich gerade mit dem Kopftuch frei bewegen. Ohne Kopftuch könnte sie das unter Umständen nicht, die Familie würde ihren Lebensraum vielleicht eingrenzen. Das Kopftuch ermöglicht also einen erweiterten Aktionsradius. Das Kopftuch gibt ihr Freiheit.

Hilchenbach: Das Kopftuch sei gleichsam Führerschein und Transportvehikel in Einem, Fahrstuhl in die Moderne, Gehhilfe in ein emanzipiertes Leben? Boos‑Nünning suggeriert damit, dass Kopftuchverbote die Emanzipation in ein selbst bestimmtes Leben zunichte machen würden. Dass sich mit jedem Kopftuch der Druck der Überwachung und Verhaltenskontrolle erhöhen könnte, scheint Kopftuchverteidigerin Boos-Nünning ebenso wenig zu sehen wie sie das sexualpolitische, frauenfeindliche und alle Nichtmuslime als unrein verachtende Menschenbild des hidschāb in Frage stellt.

Wilwerscheid: Ich zitiere Ümmühan Karagözlü: „Wer freiwillig in der Öffentlichkeit ein Kopftuch trägt, muss es auch öffentlich dann und wann ausziehen, weglassen dürfen, um zwanglos Tage oder Wochen später wieder nach dem Kopftuch greifen zu können. Das Kopftuch muss auch mal fortgelassen werden dürfen, ohne Angst vor der Hölle, ohne Sorge vor Prügelstrafe oder sozialer Ächtung.“

Boos-Nünning: Dem Islam geht es um ein positives Verstärken von Weiblichkeit.

Hilchenbach: Dem Nationalsozialismus auch.

Boos-Nünning: Kopftuch und Islam sind für alle Musliminnen, die ich befragt habe, ein positives Verstärken von Weiblichkeit. Das wird in Deutschland in Medien und Öffentlichkeit völlig falsch gesehen, völlig falsche, vorurteilsbehaftete Bilder sind in unseren Köpfen verankert: Viele muslimische Frauen haben ein grundlegend positives Verständnis von Weiblichkeit. Ja, auch die kopftuchtragenden Frauen, gerade diese, haben ein gleichberechtigtes Verständnis von Mann und Frau. So gaben uns die Frauen vom „Muslimischen Frauenzentrum in Köln“ vertraulich zu verstehen: „Die Männer können mit unserer Religiosität nicht mithalten!“

Keinesfalls also ist das Kopftuch ein Zeichen für Traditionalismus oder für einen unreflektierten Islam.

Hilchenbach: Stimmt, das Kopftuch ist durchaus schon mal Zeichen für einen reflektierten Islamismus.

Boos-Nünning: Auch andere Vorurteile bestehen in Wirklichkeit nicht, zwischen mangelhafter Bildungsintegration und hoher Religiosität besteht nämlich kein Zusammenhang. Die religiösen Frauen gelten völlig zu unrecht als sprachlos und sprachfern, als bildungsfern, Ich‑schwach und als kulturell zerrissen. Unsere wissenschaftlichen Untersuchungen aber haben belegt, dass muslimische Frauen, gerade die bewusst religiösen, sprachlich oft bestens integriert sind, hohes Bildungsniveau haben und in beiden Kulturen selbstbewusst und mit hoher Ich‑Stärke leben können.

Muslimische Eltern wollen das Beste für ihre Kinder, sie sind sehr daran interessiert, ihren Kindern eine gute Bildung zu verschaffen.

Wilwerscheid: Wenn das mal kein Klischee und Vorurteil ist, Frau Boos‑Nünning? Wir Sozialarbeiterinnen kennen seit zehn Jahren etliche muslimisch geprägte Familien, die zwar schon 25 Jahre in Mitteleuropa leben, doch zu Hause nur ein einziges Buch besitzen, das mit dem grünen Einband und der goldenen Verzierung. Dass diese Mütter im Lehrerzimmer herumheulen und ihren Söhnen den Übergang in eine weitere Klasse oder den Verbleib auf der Schule erschleichen, stimmt allerdings. Nur hat das mit Bildung etwas weniger und mit Erpressung etwas mehr zu tun.

Mehrere Familien kleinasiatischen oder nordafrikanischen Ursprungs sind mir persönlich gut bekannt, bei denen die Grundschullehrerin dringlich und immer wieder anmahnte, Nachhilfeunterricht in Deutsch für die Kinder zu organisieren. Es geschah jeweils nichts, gar nichts, und zwar in allen Fällen dreieinhalb Jahre lang. Erst im Versetzungshalbjahr des vierten Schuljahres (!) beliebten die „muslimischen, religiösen“ (Boos‑Nünning) Mütter aufzuwachen.

Es folgte die erwähnte Heulerei und Erpressung. Wenn Grundschullehrer keine Empfehlung für Realschule, Gymnasium oder auch keine Empfehlung für die Gesamtschule geben, hat das zu 90 % seine Berechtigung. Die Lehrerinnen kennen die Kinder seit nahezu vier Jahren sehr gut und wissen, dass die Kinder im Elternhaus keine schulbezogene Unterstützung erhalten werden und sich daher auf weiterführenden Schulen nicht werden halten können.

Boos-Nünning: Was richtig ist: Religiöse Frauen haben eine geringere Orientierung an Deutschland und eine geringere Orientierung an individualistischen Normen. Richtig ist auch der Familialismus der muslimischen Frauen, gerade der religiösen unter ihnen, dazu diese andere Sexualmoral, das andere Körperbewusstsein.

Was können Familialismus und islamische Sexualmoral für Schule und Beruf bedeuten? Was für Wohlfahrtsverbände, Kommunen und Bildungspolitik? In der Schule kann es bekanntermaßen zu Konflikten kommen. Aber das ist letzten Endes immer der Fall, wenn eine religiöse Gruppe auf eine nichtreligiöse Gruppe stößt.

Wilwerscheid: Es kann für eine Frau nicht gesund sein, den eigenen Körper als dämonisch und unrein zu betrachten, psychische, psychosomatische und somatische Schädigungen werden die Folge sein. Vor diesen Folgen hat die kulturelle Moderne die auch Zuwanderinnen („intolerant“) zu schützen. Einer fundamentalistischen Ideologisierung des weiblichen Leibes hat moderne Pädagogik weltweit entgegen zu treten.

Boos-Nünning: Muslime in Deutschland sind zu 75 % türkischer Herkunft, die übrigen teilen sich auf in die Gruppen der bosnischen, marokkanischen, libanesischen, tunesischen und iranischen Menschen. Eine ganz kleine Gruppe von deutschen Muslimen gibt es auch.

Hilchenbach: Mit deutschen Muslimen meint die sprachlich etwas großzügige Soziologin und Migrationsforscherin die deutschstämmigen Konvertiten zum Islam. Auch um den Unterschied zwischen türkeistämmig und türkisch macht unsere Professorin in ihren Vorträgen nicht viel Federlesens. Das sollten türkeistämmige Kurden hören.

Boos-Nünning: Zu den öffentlich verbreiteten Statistiken über die religiöse Landschaft in der BRD ist zu sagen, dass nur noch 50 % der Menschen christlich sind und auch das nur bei der eigentlich nicht statthaften Einberechnung der Freikirchler zu den „Evangelischen“ und der Altkatholiken zu den „Katholischen“. 30 % der Deutschen sind nichtchristlich.

Hilchenbach: Sollen wir Kirchenkritiker, Agnostiker oder Pantheisten jetzt ob so viel Glaubensferne schuldzerknirscht einknicken? Von Konformitätsdruck sagt die Migrationsforscherin keine Silbe. Davon, dass Islamkritiker nichts erben dürfen, dass Ex‑Muslime mit dem Tode bedroht sind, hat Prof. Boos‑Nünning offenbar nichts gehört.

Boos-Nünning: Bemerkenswert religiöse Gruppen sind die Zeugen Jehovas Italiens, die Baptisten der ehemaligen GUS‑Staaten, die Orthodoxen Griechenlands und Russlands. Und dann die Muslime natürlich.

Hilchenbach: Religiös? Nicht besser fundamentalistisch, kulturell vormodern? Deutschlands Altachtundsechziger beginnen, die fromme und tugendhafte Lebensführung zu verehren. Sind die Hamas-Terroristen etwa auch fromme Muslime, ist Terrorpilot Mohammed Atta für uns denn nicht länger ein politisch verhetzter, ein radikaler und suizidaler Mensch, ist er nun ein religiös lebender Student?

Boos-Nünning: Auch im Ruhrgebiet haben wir in vielen Städten und Stadtteilen einen Anteil von Jugendlichen mit Migrationshintergrund von 40 %, in wenigen Quartieren sogar von 60 und in einzelnen Straßenzügen von 70 %. Wir haben also festzustellen, dass die jahrzehntelange Einwanderung in die Bundesrepublik Deutschland nicht nur eine multiethnische Realität zu Folge hat, sondern auch eine multireligiöse.

Wilwerscheid: Wie sehr oder wie wenig säkular diese Menschen, gerade die Kinder und Enkel muslimischer Einwanderer sind, ist keineswegs Schicksal, wird unsere Lebensqualität allerdings bestimmen. Boos‑Nünning vermeidet es jedoch das zu tun, worauf es ankommt: Den Scharia‑Islam und den Fiqh‑Islam zu kritisieren. Völlig äquidistant untersucht sie „die Muslime“.

Boos-Nünning: Sprachverluste sind ein Problem, und zwar die in der Muttersprache, die meisten türkisch-muslimischen Jugendlichen können besser Deutsch als Türkisch. Die, die eher kein Deutsch können, können also auch fast gar kein Türkisch, und dann gibt es pädagogische Probleme.

Wilwerscheid: Sprachliche Integration ist in der Tat äußerst wichtig. Manches Mal jedoch wird das Deutsche von der streng islamisch geprägten Familie verboten und ein Regelverstoß mit Prügel geahndet.

Boos-Nünning: Das Lebensgefühl der Diaspora prägt die Muslime durchaus etwas, obschon zu sagen ist, dass sich die Griechen wesentlich mehr als in der Diaspora lebend fühlen als die Türken.

Hilchenbach: Kein Wunder, etliche der Türken und Kurden sind gleichsam niemals ausgewandert, sondern leben im Kerker der ewigen Großfamilie im „anatolischen Gecekondu von Berlin-Kreuzberg“. Gerade die Import‑Ehefrauen haben keinen Schritt des bewussten Aufbruchs ins Ausland unternommen, die meisten der von arrangierter Ehe betroffenen Menschen taten dieses nicht.

Etwas Ähnliches ist allenfalls bei einigen, nun gealterten Jahrgängen russlanddeutscher Jugendlicher und Heranwachsender zu beobachten gewesen, die sich, ungefähr die gesamten neunziger Jahre, ebenfalls wie ausgerissen, wie verfrachtet fühlen mussten. Der islamische Brautkauf mit dem „Brautpreis Deutschland“ indessen geht auch heute weiter.

Boos-Nünning: Die 15. Shell-Jugendstudie beschränkt sich leider beim Betrachten jugendlicher Religiosität auf „Glauben an Gott oder eine höhere Macht“, wir müssen aber viel genauer fragen. Schließlich ist das Glauben an einen personalen Gott der Minimalstandard aller abrahamitischen Religionen.

Ein weiteres fehlerhaftes Bild gibt es in der Öffentlichkeit: Es bestehe ein konfliktreicher Gegensatz zwischen Islam und Christentum. Das ist ganz falsch, nicht zwischen Islam und Christentum besteht dieser Bruch, sondern lediglich zwischen Islam und bundesdeutschem Christentum, denn zwischen muslimischer und etwa russisch-baptistischer oder russisch-orthodoxer Religiosität gibt es gar nicht so viele Unterschiede, beispielsweise, was die Verbindlichkeit und das Einhalten der Glaubensgebote betrifft.

Es bedarf der Inhalte und Methoden, unseren Jugendlichen zu vermitteln, dass viele Jugendliche mit Migrationshintergrund keinen „lockeren“ Umgang mit Religion pflegen können. Den muslimischen Jugendlichen ist hingegen klarzumachen, dass Werte‑Orientierung auch, wie das etwa bei den deutschen Jugendlichen der Fall ist, ganz ohne religiöse Bindungen funktionieren kann.

Hilchenbach: Das ist nicht in Ordnung, die zwar sehr säkularen, aber auf ihre, freiheitlich-individualistische Weise durchaus oft religiösen deutschen Jugendlichen beinahe als Ungläubige darzustellen. Korrekt ist vielmehr, dass der deutsche Junge sagen kann, in erster Linie Fußballfan oder Schützenbruder oder Maurerlehrling zu sein, das deutsche Mädchen sich als an Karriere oder an Theater und Literatur interessiert definieren darf und dass beide frei sind, „Religion“ eben nicht als eine der ersten Werte einer persönlichen Rangfolge anzugeben.

Muslimisch sozialisierte Jugendliche hingegen verbuchen so unterschiedliche Dinge wie Familienbindung, Nationalismus, Heimatliebe, Kinderwunsch, Identitätssuche, Verachtung der Nichtmuslime und den Wunsch auf einen Platz im Paradies unter dem Etikett „islamisch, Islam“ oder „religiös, Religion“. Das ist keine Spiritualität, dass ist die Angst davor, aus der Reihe zu tanzen oder ausgegrenzt, beschimpft, enterbt zu werden.

Boos-Nünning: Ja, es gibt diese unterschiedlichen Sexualnormen, die uns eine interkulturelle Ausrichtung der Sexualerziehung abverlangen.

Wilwerscheid: Wir Sozialpädagoginnen wünschen eine an universalistischen Normen ausgerichtete, gleichberechtigte und antifundamentalistische Sexualerziehung, keinen sexualpädagogischen Kompromiss aus anything goes und Scharia. Das Grundgesetz ist nicht verhandelbar.

Boos-Nünning: Wir müssen unsere Fehler anerkennen: Wir zwingen muslimische Mädchen in den koedukativen Schwimmunterricht. Das ist falsch, wir sollten in Zukunft vielmehr versuchen, Kompromissformen zu finden.

Die Moschee übernimmt Aufgaben der Sozialarbeit und der Bildungsarbeit, wie man bereits an den Namen der Moscheevereine sehen kann, die sich etwa „Zentrum für Integration und Bildung“ nennen.

Hilchenbach: Ob das nicht auch einfach nur mal taqiyya sein kann und der kalkulierten Erschleichung von öffentlichen Fördergeldern dienlich?

Boos-Nünning: Moscheevereine übernehmen also die Aufgaben, die Deutschland jahrzehntelang vergessen hat.

Muslimische Erwachsene investieren viel Zeit und Arbeit in die Moscheevereine.

Hilchenbach: Das kann öfters so sein ist gelegentlich durchaus rührend, doch bauen diese Menschen sich die Architektur einer antimodernen Gegengesellschaft, betonieren sich buchstäblich ein in eine kalifatsähnliche, an der menschenrechtsfeindlichen Scharia ausgerichtete, parallele Kultur.

Boos-Nünning: Wir sollten also nicht fragen: Wie gefährlich sind die Moscheen. Wir sollten vielmehr fragen, was wir von den Moscheegemeinden lernen können, wie wir diese Lebendigkeit für unsere nichtmuslimische Gemeinschaft, für unseren Wohlfahrtsverband oder für unseren Kirchenkreis übernehmen können.

Die prominente Migrationsforscherin Prof. Dr. Ursula Boos-Nünning wurde kommentiert von Roswitha Wilwerscheid und Karsten Hilchenbach am 20. November 2008

Hisba in der Dar al-Harb

März 16, 2009

Hisba in der dār al-harb

Politische Bildung gewandelt zur dawa

Ümmühan Karagözlü, Jacques Auvergne

Es geschah in Dortmund, im Dezember 2008. Willkommen beim auswärts organisierten Islamseminar unseres Instituts für Erwachsenenbildung und politische Bildung. Der erste Referent betrat die Bühne und begann: „Auf der Welt leben 1,2 Milliarden Muslime, in Deutschland 3,2 Millionen.“

Nanu, Muslime, nicht: Muslimisch geprägte Menschen? Das sollte uns zum Nachdenken bringen, denn das Risiko, Menschen, Staatsbürger in einer Art von Apartheid der Statistik in ethnoreligiöse Kollektive einzuteilen, ist jeder Benennung als „Muslime“, vor allem auch derjenigen, unausgesprochenen als Nichtmuslime, immanent. Damit aber arbeitet man den Parteigängern des Aufbaus kalifatsähnlicher Strukturen zu. „Diese Menschen haben schulpflichtige Kinder. Und diese brauchen Religionsunterricht.“ Aha. Die Theologisierung des Schulwesens.

Dem Auditorium wurde nahe gelegt, den Islamischen Religionsunterricht in Deutschland gutzuheißen, er sei der Integration förderlich, eine Begründung fehlte allerdings ebenso vollkommen wie ein Verweis auf die in (großen) Teilen grundrechtsfeindlichen namentlich frauendiskriminierenden Dimensionen der Gehorsam einfordernden islamischen Pflichtenlehre der Scharia. Allahs eigenes Gesetz, die Scharia, gilt Bosniens Großmufti Mustafa Cerić als ewig und unverhandelbar.

Der Wissenschaftler fuhr fort: „Religion hat größeren Stellenwert als bei den Deutschen“, nanu, die frommen Einwanderer beten für uns Gottlose? Die islamische Sunna-Doktrin eines manchmal geradezu sklavischen Wohlverhaltens sei eine „sehr religiöse“ Lebensweise? Der Referent wies auf die Bertelsmann-Studie hin, nach der unter Deutschlands Muslimen die Religion eine wachsende Bedeutung erlangt habe. Laut Bertelsmann sei der strenge Islam, bei nachweislich ausbleibendem Militarismus und Dschihadismus, geradezu integrationsförderlich zu nennen. Merkwürdig, dass die Studie des Innenministeriums (Brettfeld, Wetzels: Muslime in Deutschland[1]) zu einem ganz anderen Ergebnis kommt, dass nämlich 40 % der Muslime einem fundamentalistischen Weltbild anhängen, das von uns Staatsbürgern als demokratiefeindlich (und damit als weder schultauglich noch kindgerecht) bezeichnet werden muss.

„Sunniten sind religiöser als Aleviten. Vor allem die arabischen Sunniten leben eine starke Religiosität.“ Das ist schamlos irreführend: Die manchmal nicht ganz so sehr theokratisch orientierten Aleviten der Türkei werden auf diesem politischen Seminar durch einen Wissenschaftler als glaubensschwach herabgewürdigt, die eingewanderten Sunniten aus den Gegenden, in denen Frauen oder Nichtmuslime juristisch und sozial nahezu rechtlos sind, seien löblich spirituell und repräsentierten einen irgendwie reinen Islam, der von uns auch noch zu honorieren sei? Offensichtlich sollen sich Deutschlands türkeistämmige Menschen, zumal die Aleviten unter ihnen doch bitte ein Beispiel an den gottesfürchtigen Arabern nehmen.

„Religiosität wird an der Einhaltung der fünf Säulen sichtbar, am Befolgen der Speisevorschriften“, erklärte der promovierte Islamwissenschaftler, der sich damit die vormoderne Doktrin des Wohlverhaltens vollständig zu eigen macht und sich selber daran mitschuldig, Pflichtvergessene als unreligiös zu stigmatisieren. Aus dem Publikum daraufhin angesprochen, erklärte der Referent, den Religionsbegriff der Bertelsmann-Stiftung zu verwenden. Damit gibt der Referent zu, einen wenig wissenschaftlichen, einseitigen Begriff von Islam zu benutzen, wie er von einem Geldgeber verbreitet worden ist. Die Bertelsmann-Stiftung druckt (Schulbuch Saphir, Kösel-Verlag der Bertelsmann-Gruppe) die Schulbücher für den anvisierten flächendeckenden Islamischen Religionsunterricht und hat auf diese Weise ein finanzielles Interesse daran, den Islam zu beschönigen.

„Caritas und Diakonie spielen eine große gesellschaftliche Rolle“, fuhr der Islamexperte klagend und anklagend fort: „Das gilt auch für religiöse Schulen.“ Er schien also zu bedauern, dass es keinen islamischen Wohlfahrtsverband von der Relevanz der Caritas oder Diakonie gibt. Die erwähnten „religiösen Schulen“ hören sich nach evangelischer al‑Azhar oder katholischer Madrasa an, so etwas gibt es überhaupt nicht. Er meint wohl beispielsweise ein traditionsreiches, evangelisches oder katholisches Gymnasium, das seinen Schülerinnen und Schülern eine ebenso fundierte wie fundamentalismusfreie Ausbildung bietet. Der Referent könnte ebenso auf die der krypto-islamistischen Fethullah-Gülen-Bewegung zuzurechnenden Schulen anspielen, die er ja womöglich billigt[2].

„Wir brauchen Islamischen Religionsunterricht. 350.000 Schüler warten auf diesen Unterricht, das sind 6 % der Gesamtschülerschaft.“ Zur Grundrechtsverträglichkeit eines solchen Curriculums schweigt der Referent, auch zu dem zu erwartenden sozialen Druck auf die Mädchen, Kopftuch zu tragen oder die frauenfeindlichen Aspekte von Sunna und Scharia klaglos hinzunehmen. Ein versetzungsrelevanter Islamunterricht würdigt hoheitlich die Selbstunterwerfung des Kindes oder Jugendlichen unter eine vormoderne, antiaufklärerische Pflichtenlehre.

Aus dem Publikum warnte eine Dame vor dem Zustand in Berlin, wo die radikale Islamische Föderation Verkündungsunterricht betreiben darf. Da schaltete sich der anwesende professionelle Leiter des Bildungszentrums ein und beschrieb korrekt, wie sich die der extremistischen Milli-Görüş nahe stehende IFB in diese schulrelevante Position hinein geklagt hat, als „die schlechteste Lösung“, ein systematischer Islamischer Religionsunterricht werde solcherlei Wildwuchs verhindern und die Integration und den gesellschaftlichen Frieden fördern. Dem pflichtete der Referent bei, der die bekannten wenn auch bemerkenswert verwaschenen Aussagen der Politik wiederholte, der Islamische Religionsunterricht würde den oftmals verderblichen Einfluss der Koranschulen schmälern und sei für „die Identitätsbildung“ der jungen muslimisch geprägten Menschen bedeutsam. In Münster, Erlangen‑Nürnberg, Bayreuth und Osnabrück gebe es die Lehrstühle für die angeblich so notwendige Ausbildung islamischer Religionslehrer. Nach islamischem Fundamentalismus, nach der Doktrin der islamischen Gegengesellschaft und der geheiligten Abgrenzung von den als unrein geltenden Nichtmuslimen fragte unser Referent nicht.

„Ziel der islamischen Organisationen ist es seit einem Vierteljahrhundert, die Tradition und das kulturelle Erbe zu bewahren“ erläuterte unser Islamwissenschaftler. Aber Allāh hat einen anderen Plan, hätte Erbakan vielleicht entgegnet. „Ziel“ könnte ja durchaus sein, eine in Europa nie da gewesene und in der Türkei (noch) nicht umsetzbare nachdemokratische, theokratische Gesellschaftsform aufzubauen, die islamische Gesellschaft nämlich, das Imamat (Cerić) sprich Kalifat. Ob ferner mit „Tradition“ der koranische Antijudaismus und der Antisemitismus der 1928 gegründeten Muslimbruderschaft gemeint ist von der sich bislang noch keine Moscheegemeinde distanziert hat? Die IGD beispielsweise ist ein „Islamverband“. Sie gilt als Deutschlandorganisation der Muslimbruderschaft und baute das Islamische Zentrum München auf. „Das kulturelle Erbe bewahren“ – was, wenn zu dieser „Kultur“ Zwangsheirat, Cousinenheirat und Kinderheirat gehören? Oder die „ererbte Kultur“ des Verachtens der Ungläubigen und des Aufrufens zum gottgefälligen Ermorden jedes Islamapostaten? Unser Referent scheint diese Probleme für nicht so bedeutsam zu halten.

„Moscheegemeinden arbeiten in drei Dimensionen: Kulturell, religiös, sozial. Auch gibt es inzwischen Frauengruppen und Integrationskurse.“ Einmal davon abgesehen, dass Integrationskurse und Sprachkurse durch die deutsche Administration niemals an einer Moschee eingerichtet werden sollten, denn die Einwanderer sollen sich in die offene Gesellschaft integrieren, nicht in die islamische Gegengesellschaft. Es erscheint uns angesichts der Gehorsamsreligion Islam mit ihrer Sunna-Verhaltenskontrolle und ihrer geheiligten, angeblich ewigen Scharia-Pflichtenlehre als völlig verfehlt, zwischen religiös und kulturell beziehungsweise religiös und sozial andererseits zu unterscheiden.

Das ist ein Trick der Islamisten, auf den wir keinesfalls hereinfallen dürfen. Denn immer wenn es unbequem wird, sagen die Islamfunktionäre, Zwangsheirat (der walī mudschbir als der optional zwangsverheiratende Ehevormund islamischen Rechts) sei bedauerliche, unislamische Tradition (und keine scharī‘a oder sunna), Vergewaltigung von Unverschleierten oder so genannter Ehrenmord sei patriarchalische vorislamische Kultur (und kein Islam), oder sie sagen, die schafiitische FGM sei sozial erklärbar und nichtislamisch.

Dass jedoch alle Imame und Islamverbände zum walī mudschbir (Heiratsvormund mit Berechtigung zum Zwang), zur geheiligten Segregation und Apartheid (Meidung der Nichtmuslime und ihres Verhaltens) oder zum islamrechtlich einwandfreien Apostatenmord etwas ganz anderes sagen oder einfach schweigen, scheint gerade die kaltschnäuzig kulturrelativistischen Islamverteidiger aus Deutschlands Kirchen, Parteien, Hochschulen und Bildungszentren nicht zu interessieren. Deutschlands nichtmuslimische Intellektuelle werben angestrengt für die theokratischen Feudalstrukturen des Orients, vielleicht um öldollarfinanzierte Pfründe einzustreichen oder EU‑Subventionen oder beides. Mit islamwissenschaftlich verbrämter Islambeschönigung und mit militanter Islamverteidigung lässt sich in Kirche und Partei Karriere machen, die Verteidiger von universellen Menschenrechten namentlich Frauenrechten wirken dabei lästig störend und sind demzufolge einzuschüchtern.

Der eingekaufte Islamreferent fuhr fort: „DITIB betreibt 800 Moscheen, entsendet die Imame für vier Jahre nach Deutschland und ist durch ein staatlich‑laizistisches Islamverständnis gekennzeichnet.“ Das ist freilich zum einen seit zwei Jahrzehnten überholt, denn längst hat ein türkischer Islamismus alle Institutionen unterwandert und stellt mit dem wenig gehemmten Islamismus der AKP die Staatsregierung. Noch nicht einmal Mustafa Kemal genannt Atatürk war verlässlich antitheokratisch oder gar dezidiert antischariatisch, von ein paar großmäuligen Sprüchen („der Islam ist eine stinkende Leiche die unser Leben vergiftet“) einmal abgesehen. DITIB / Diyanet wird von Türkeikennern als die Verwaltung einer veritablen Staatsreligion angesehen. Dann wäre DITIB / Diyanet nichts als die ministerielle Ebene eines türkischen Kalifats, das nach außen mit der Maske modernster Technologie reichlich erpresserisch um den EU‑Beitritt buhlt. „Bedauerlicherweise haben die DITIB-Moscheegemeinden recht wenig Eigenständigkeit. Wir sollten ihre Steuerung durch die DITIB Zentrale kritisch betrachten.“ Der Islam ist die Lösung?

„Die Islamische Gemeinschaft Milli Görüş (IGMG) ist die größte nichtstaatliche islamische Organisation in Deutschland. Sie wird vom Verfassungsschutz beobachtet und könnte ein Doppelspiel betreiben, Gesprächsbereitschaft nach außen vorspiegeln und intern antisemitische und antiintegrative Absichten predigen. Eventuell findet derzeit eine Bewegung zu mehr Demokratie und Transparenz hin statt.“ Von der extrem dualistischen Doktrin Erbakans (adil düzen – batil düzen) redet der Islamwissenschaftler nicht, auch nicht davon, dass die Clans Erbakan und Abidin der Muslimbruderschaft verbunden waren und sind.

„Der Verband der Islamischen Kulturzentren oder VIKZ ist hierarchisch-zentralistisch organisiert und betreibt Internate und Schulen.“ Aus dem Publikum wurde eingeworfen, dass in Deutschland doch etliche illegale Internate und Schülerwohnheime des VIKZ geschlossen werden mussten. Der Vertreter des Bildungszentrums mischte sich ein und betonte, dass einige Internate aber immer noch laufen würden. Darauf meinte der Referent zusammenfassend: „Die schotten sich ab.“ Das streng islamische Gedankengut des im VIKZ verehrten Naqschbendi-Scheichs Tunahan, einst Prediger unter anderem an der Istanbuler Blauen Moschee (so genannte Süleymancılar-Bewegung) fand keine Erwähnung, auch nicht, dass die Marburger Turkologin Dr. Ursula Spuler‑Stegemann den VIKZ für absolut integrationshemmend hält und ihm die Lehre eines strengstens Scharia‑orientierten Islam bescheinigt[3].

„Den Zentralrat der Muslime (ZMD) kennzeichnet ein konservatives Islamverständnis.“ Dass Gründungsmitglied Nadīm Ilyās (Nadeem Elyas) auch dem von Muslimbruder el‑Attar gegründeten Islamischen Zentrum Aachen vorstand scheint nicht so wichtig zu sein. Korporatives Gründungsmitglied des ZMD war die Islamische Gemeinschaft in Deutschland (IGD), die als deutscher Arm der radikalislamischen Muslimbruderschaft gelten kann. Naja, wenn das kein „konservatives Islamverständnis“ ist.

Dieser Referent empfahl sich verabschiedend selbst und empfahl uns als Literatur Annemarie Schimmel, die Bertelsmann-Stiftung und die Verfassungsschutzberichte. Die 2003 in Bonn verstorbene Arabisch sprechende Publizistin und kämpferische Islamversteherin Schimmel verteidigte vehement die für sie nachvollziehbare innerislamische Wut gegen Schriftsteller Salman Rushdie und kritisierte Frauenrechtlerin Taslimā Nāsrin, die sich für eine weltweit geltende Gleichberechtigung von Frau und Mann, eben auch im Islam einsetzt. Schimmel erhielt 1995 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, wogegen neben 270 Verlagen und knapp 300 Buchhandlungen die deutschsprachigen Intellektuellen Bassām Tībī, Ralph Giordano, Elfriede Jelinek und Alice Schwarzer protestierten. Da fragt man sich doch, in wie weit der Referent Ayatollah Khomeinis Todesfatwā gegen Salman Rushdie billigt. Die lobend erwähnte Bertelsmann‑Stiftung hat ein finanzielles Interesse an Islambeschönigung, möchte der der Bertelsmann‑Gruppe zugehörige Kösel‑Verlag doch auch weiterhin Deutschlands islamische Schulbücher drucken – ein Millionengeschäft. Weshalb man auf die Veröffentlichung des Romans über Mohammeds minderjährige Lieblingsfrau Aischa (Sherry Jones: The Jewel Of Medina, bei Random House, Verlagsgruppe Bertelsmann) ebenso islamkonform wie kalkulierend verzichtet hatte.

So weit dieser Islamexperte mit Nahosterfahrung, der am ersten Tag des Wochenendseminars die Funktion hatte, das bildungshungrige Publikum islamfreundlich in Stimmung zu bringen. Was ihm (zum Glück der Demokratie) nicht ganz gelang, aus dem Auditorium waren weiterhin islamskeptische Stimmen zu vernehmen. Dem Bildungszentrum ging es offensichtlich darum; den Türkeibeitritt zur EU als das Gebot der Stunde auszurufen, daneben wurde aggressiv für den flächendeckenden Islamischen Religionsunterricht an staatlichen Schulen geworben, ohne Gründe zu nennen, doch nicht weniger drohend und einschüchternd.

Der zweite eingekaufte Islamexperte begann mit der im Hadith beschriebenen Szene der ersten Offenbarung an Mohammed, dem legendären Berufungserlebnis: Ein Engel presst dem nachmaligen Propheten ein Tuch auf den Mund, dass dieser zu ersticken glaubt und herrscht ihn an: „Trag vor, lies!“, würgt ihn bis nahe zum Ersticken weiter und befiehlt im wiederum: „Lies!“ Derlei ebenso geheiligte wie vorläufige Unfähigkeit oder sogar Unwilligkeit wurde richtigerweise mit den religiösen Legenden um Moses und Jeremias verglichen, die ebenfalls erst einmal eine Blockade des Widerwillens zu überwinden hatten. Die Gottheit scheint schwarze Pädagogik zu bevorzugen, wird es manchem Zuhörer durch den Kopf gegangen sein.

Die Grundlagen des Islams wurden in einer guten Stunde ganz manierlich dargestellt, der Islamwissenschaftler konnte insofern wenig falsch machen. Auf Frauenrechte kam der Wissenschaftler indes nicht zu sprechen, das klassisch-islamische Apostasieverbot oder die heutige Menschenrechtssituation in den islamisch geprägten Staaten zwischen Mauretanien und Malaysia ließ er einfach aus.

Der Mensch könne authentische islamische Belehrung beim bloßen Betrachten der Weltnatur finden, nicht lediglich im Koran. Dass damit die Natur radikal ideologisiert wird und ein unbefangenes Betrachten und Beschreiben ökologischer oder schlicht naturkundlicher Phänomene unmöglich, scheint dem Referenten nicht bewusst zu sein oder schlicht gleichgültig. Wir Pädagogen erleben täglich, dass sich islamisch geprägte Kinder nicht selten weigern, etwas über die Natur zu lernen, vielmehr von einem entschiedenen Weltmisstrauen und Weltekel geprägt sind. Das islamische Bilderverbot, der Referent tat es als fromme Eigenart ab, wird dazu beitragen, die sinnlich erfahrbare Welt als widergöttlich anzusehen beziehungsweise sie als dem politreligiösen Herrschaftskult der angeblich naturhaften, natürlichen Scharia zu unterwerfend.

Nach unserer Erfahrung aus der Arbeit mit islamisch geprägten Kindern in Schule und Jugendverband trifft die vom Referenten beschriebene islamische Naturbetrachtung schon allein deshalb nicht zu, weil diese Kinder sich der Natur nicht zuwenden dürfen. Der weltverliebte Blick auf die Phänomene des Lebendigen drohe ganz offensichtlich Schirk (Beigesellung) zu sein, Allahs Macht zu schmälern. Auch daher die weltweit zu beobachtende islamische Bildungsverweigerung! Eine Befähigtheit, wissenschaftlich zu denken und gleichwohl Muslim zu sein, wird von Islamfunktionären angestrengt der Zone der bida, der satanischen Neuerung zugeordnet sowie vom jeweiligen eifersüchtigen Familienoberhaupt verhindert.

„Während die mekkanischen Suren des Koran aus der Position der Schwäche zu erklären sind und einen moralischen Aufruf zu Läuterung und Umkehr darstellen, wurden die in der Position der Stärke entstandenen medinensischen Suren ganz konkret‑sozial zu einer Gemeindeordnung, zu einem Vertragswerk.“ Das ist ungeheuerlich, den Kulturrassismus der dhimma als soziale Gemeindeordnung zu bezeichnen. Der Autorität des dozierenden Islamwissenschaftlers wagte niemand zu widersprechen.

„Banū n-Nadīr, Banū Quraiza, Banū Qainuqā‘, die jüdischen Stämme in und um Yathrib, später genannt Medina wurden nach und nach vertrieben, viele Männer umgebracht.“ So sprach der Islamwissenschaftler: Viele jüdische Männer. Stimmt. Und die Frauen? Safiyya bint Huyayy etwa, deren Ehemann Kinana in ihrem Beisein und im Auftrage von Allahs gottesfürchtigem Propheten so lange gefoltert wurde, bis er das Geldversteck der Volkskasse bekannt gab. Anschließend ließ Mohammed den Kinana, islamrechtlich einwandfrei, ermorden. Die Jüdin Safiyya musste Mohammed heiraten. Sie wurde als Sklavin seine elfte Ehefrau und zeitlebens von den anderen Frauen gehasst.

Der Prophet pflegte Gold und Frauen zu erbeuten und die eben auch menschliche Beute an seine Mitstreiter zu verteilen, Referenzmodell sowohl der bis heute üblichen Raubökonomie mit ihrem Hofschranzentum und ihrer Pfründevergabe als auch Bezugsgröße für den Umgang der islamisierten Männer mit dem weiblichen Geschlecht und den Dhimmis. Der klassische Islam will institutionalisierte Frauenentrechtung sowie kulturrassistische Dressur seiner Kinder zum angeblich naturgemäßen (fitra) Ekel gegenüber allen Nichtmuslimen.

„Der Koran wurde jüdischerseits bewusst verfälscht und christlich in seiner verfälschten textlichen Gestalt weiter tradiert, der Koran ist das Original.“ Der Referent verzichtete auf die indirekte Rede (eben nicht: ‚Der Koran sei das Original’), doch im Publikum regte sich keinerlei Widerspruch. „Der Koran richtet sich, anders als die jüdische Religion mit ihrer beschränkten Geltung auf das auserwählte Volk, an alle Menschen. Nach islamischer Lesart sind Abraham, Moses und Jesus Muslime.“ Derlei Hochnäsigkeit und Geschichtsklitterei ist zwar islamische Doktrin, doch müssen sich jüdische sowie christliche Menschen diesen mutmaßlichen geistigen Diebstahl nicht unbedingt gefallen lassen. Doch blieb jeglicher Unmut im Saal aus.

„Die beiden Völker der ahl al‑kitāb sind Juden und Christen, Juden gelten islamtheologisch als halsstarrig und leugnerisch, Christen als die Überlieferer der nunmehr fehlerhaften, verfälschten religiösen Tradition. Staatsbürger können Juden und Christen im islamrechtlichen Sinne niemals sein, ein Schutzvertrag sichert ihren Status der dhimma ab.“ Was diese geheiligte dhimma für Kopten in Kairo oder Christen in Pakistan heute und täglich bedeutet, übergeht der Islamwissenschaftler ebenso wie die zwar über Generationen sich vollziehende, doch nicht weniger folgerichtige Auslöschung der nichtmuslimischen Großfamilien oder Dörfer in den Kernlanden der arabisch-islamischen Mono‑Kultur. Dhimmis wurden islamrechtlich einwandfrei gedemütigt, hoch besteuert und ausgeplündert (dschizya), andernfalls hätte sich die notorisch arbeitsverweigernde islamische Raubökonomie nicht finanzieren können.

Zum einen war die islamische Gesellschaft auf die zahlenden Dhimmis angewiesen. Zum anderen wurde das Nichtmuslim‑Sein für jede Siedlung zum Standortnachteil, für jede Großfamilie zum Insolvenzrisiko. Was also nach einigen Generationen geschah: Die Islamisierung des Territoriums. Dann sagte der Referent einen vernünftigen Satz: „Der interreligiöse Dialog ist schwierig. Die Kirchen verdrängen das Trennende.“ Wohl wahr, die Kleriker hoffen auf Krümel der Macht, die vom Tisch des Sultans (Muslimbruderschaft, Europäischer Fatwa‑Rat, Öl‑Scheichs) herunter fallen werden. Es gibt kein Machtvakuum, gerade die klerikalen Islamversteher der anarchistisch sowie multikulturalistisch orientierten Kirchentagsmilieus zeigen uns das: Die beiden deutschen Großkirchen beginnen, sich in das aus der klebrig‑zähen Schmelze der Nachdemokratie auskristallisierende Kalifat einzuordnen.

Ein Zuhörer betonte, dass wir, um eine säkular-staatsbürgerliche Haltung universeller Menschenrechte (für alle) nachhaltig zu sichern, nie von nichtmuslimischen Kindern im Gegensatz zu muslimischen Kindern reden dürften, niemals zulassen sollten, dass in Schule, Arbeitswelt oder Rechtssprechung Muslime von Nichtmuslimen unterschieden werden, weder sprachlich noch emotionsbefrachtet‑halbbewusst. Mehrere Zuschauer nickten, der Referent und sein Aufpasser auch.

Eine Zuhörerin berichtete den uns Bürgerrechtler alarmierenden Vorgang der letzten Wochen, in denen die bekanntermaßen antiamerikanisch und antiisraelisch motivierte so genannte Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch unter dem Arbeitstitel „Diskriminierung im Namen der Neutralität“ gegen die Lehrerinnenkopftuchverbote der deutschen Bundesländer kämpft und sich, europäisch wie weltweit orientiert, für das ungehinderte Kopftuchtragen ausspricht, was sie als „Recht auf Religionsfreiheit“ darstellt.

Human Rights Watch hat den Anspruch, Religionsfreiheit gerade auch in säkularen Staatswesen uneingeschränkt zuzulassen. Von einem Eintreten für Christen, Islamkritiker oder Ex‑Muslime beispielsweise in Ägypten, im Iran oder in der Türkei habe man allerdings seitens dieser Menschenrechtsfachleute noch nichts vernehmen dürfen. Hier allerdings verzog der Hausherr verärgert sein Gesicht und gab wohl eher die Zuhörerin selbst denn die von ihr kritisierte Organisation mit dem Ausruf: „Das kann ich mir nicht vorstellen, das ist mir viel zu obskur!“ der Lächerlichkeit preis. Niemand wagte es, dem Leiter des Bildungszentrums zu widersprechen. Die kalifatsfreundliche Zensur des Dhimmis griff. Hisba in der dār al‑harb.

Vielleicht bezeichnend verhuscht murmelte der Referent ein paar löbliche Worte über die Ankara‑Schule, die der DITIB‑Frankfurt zuzurechnen sei und erwähnte den Namen Ömer Özsoy. Professor Özsoy aber hat sich möglicherweise noch niemals vernehmlich gegen Imam‑Ehe und Scharia ausgesprochen, doch behauptet unverdrossen, dass der Koran ganz aus seiner Zeit heraus zu verstehen sei und dass Frauenverachtung, Gewalt und Undemokratie, die die islamisch geprägten Teile der Welt leider kennzeichnen, nichts mit dem Islam zu tun hätten.

Eine Zuhörerin, die sich bislang noch nicht zu Wort gemeldet hatte, stellte die Frage, ob der Islam um 700 oder 900 christlicher Zeitrechnung nicht auch Humanisierung und gesellschaftlichen Fortschritt bedeutet hätte, gerade in Bezug auf die Stellung der Frau. Hier aber mahnte der Referent sinnvollerweise zur Zurückhaltung: „Wir wissen es nicht“ und gab Fatima Mernissi wieder, die der Meinung sei, Frauen hätten in vorislamischer Zeit durchaus mehr Rechte gehabt als nach der Islamisierung.

Ob seit etwa 1979 eine nennenswerte Islamexpansion in Afrika auszumachen sei, wollte ein Herr aus dem Auditorium wissen. Der Islamwissenschaftler riskierte, zu verneinen und sprach von einer „Islamisierung bestehender Konflikte über schwächer werdenden Bindungen an Stamm und Volk“. Die unlängst erfolgte Ausrufung der Scharia in den Nordprovinzen Nigerias, immerhin bevölkerungsreichstes Land Afrikas, beliebte der Islamwissenschaftler zu übergehen. Das kann doch nicht wahr sein: Was denn bitte ist eine „Islamisierung der Konflikte“ anderes als eine islamische Radikalisierung? Es mag ja sein, dass wir im Afrika der letzten drei Jahrzehnte flächenmäßig umfangreiche islamische territoriale Eroberungen nicht gesehen haben, was erstens nicht heißt, dass es so bleiben muss. Zum zweiten gilt es, die Prozesse der schleichenden Islamisierung zu betrachten, wie sie aus dem Heiratsrecht der Scharia resultieren: Die Zahl der Nichtmuslime wird sinken, nicht zuletzt durch die zwangsweise muslimisch zu erziehenden, zahlreichen Kinder eines jeden gemischtreligiösen Pärchens. Arbeitsmigration und neue Medien spielen auch innerafrikanische eine zunehmende Rolle. Das Internet als Allahs Heiratsbörse wird, nicht anders als in Europa und beiden Amerika, zum Motor der Islamexpansion.

„Für die seit Jahren unter den Warlords leidenden Menschen in Somalia erscheint die von den beiden talibanähnlichen Islamistenarmeen ausgerufene Scharia subjektiv als ordnende Kraft, die das Chaos beseitigt.“ Die „ordnende Kraft“ der Steinigung einer dreizehnjährigen so genannten Ehebrecherin erwähnte der Referent nicht.

Den missionarischen Prediger Pierre Vogel erklärte unser Islamwissenschaftler unbegründet zum verachtenswerten, radikalen Islamisten: „Ein Fall für Verfassungsschutz und Polizei, der Mann behauptet, jeder Abweichler sowie jeder Jude oder Christ würde in der Hölle schmoren“, er rückte Vogel jedoch gleichzeitig in die Ecke der unseriösen Sonderlinge. Dass die islamische Orthodoxie Vogels Behauptung durchaus stützt, verschwieg der Referent. Indirekt unterstellte der Islamexperte, Prediger Vogel würde nicht den wahren Islam vertreten und gibt damit der monopolgleichen Deutungsmacht und dem Einfluss der großen deutschen Islamverbände Auftrieb.

Im Sinne der erfolgreichen Islamisierung scheinen die sonderbaren Prediger und die orthodoxen Großverbände Hand in Hand zu arbeiten und sich die Beute zuzutreiben. Entsprechendes gilt beispielsweise für DITIB und Fethullah-Gülen-Bewegung, für Sunniten und Ahmadiyya beziehungweise Sufi‑Islam und Muslimbruderschaft: Man ist verfeindet, aber das gemeinsame Ziel der Ausweitung der dār al‑islām über die Sphäre des Nichtislamischen (freiheitlicher Demokratie) verbindet die frommen Streithähne. Islamwissenschaftler werden hierbei als Helfer (die Dialogreferenten als veritable ansar al‑islām) zur Beschwichtigung der europäischen Öffentlichkeit eingesetzt, und zwar von Kirchen wie Kommunen. Der schrille Pierre Vogel ist daher als Sündenbock im Sinne eines Ablenkungsmanövers hoch willkommen.

„Scharī’a“ begann der Referent, „bedeutet wörtlich Weg zur Tränke oder deutlich gebahnter Weg. Die Scharia wird mit Körperstrafen asoziiert, die jedoch nur in wenigen Staaten wie Saudi-Arabien, Somalia, Indonesien und im Iran angewendet werden. Die orthodoxen Konzepte des dīn wa daula oder al‑islām huwa al‑hall sind aus der Scharia abgeleitet, ohne dass die Scharia kodifiziert werden kann. Nach der Scharia darf eine Muslima keinen nichtmuslimischen Mann heiraten. Marokko hat hierbei jedoch kürzlich eine bemerkenswerte Ausnahme für im Ausland geschlossene Ehen festgelegt, diese Ehen werden nun in Marokko anerkannt, was als Beispiel für die Reformierbarkeit von Islam und Scharia zu sehen ist.“

Reingefallen, mit diesem Schachzug will Marokko die Anerkennung von Imam‑Ehen in der Europäischen Union forcieren, zu denen Polygamie, Kinderheirat und islamische Zwangsheirat gehören. Als Ehevormund darf der Vater oder Großvater seine Tochter oder Enkelin auch gegen ihren Willen verheiraten, denn nach Allahs göttlichem Willen ist er walī mudschbir, Ehevormund mit der Berechtigung, Zwang und Gewalt anzuwenden. Die Braut kann nach Islam und Scharia volljährig, das heißt neun Jahre alt sein, seit Jahrhunderten beruft man sich dabei auf Mohammed und Aischa.

Jede muslimische Ehefrau muss damit rechnen, dass sie Gesellschaft in Gestalt einer angeheirateten Konkurrentin bekommt, mit der sie fortan unter einem Dach leben muss. Auch die Kinder erleben ihren Vater dann als polygam, bei Verstoßung (at‑talaq) der biologischen Mutter haben sie eben eine neue weibliche Bezugsperson. Das Herumschieben von Kindern ist ein islamisches Phänomen (Milchamme), eine vertrauensreiche, tragfähige Mutter‑Kind‑Beziehung wird von der Scharia wenn auch nicht immer so doch sehr systematisch verhindert. Das aber verriet uns der Herr Islamwissenschaftler natürlich nicht, auch nicht, dass es der Scharia darum geht, das Aufenthaltsbestimmungsrecht über das Kind, auch das ungeborene, dem Vater zu sichern, der die biologische Mutter verstoßen wird oder auch nicht. Die Ehefrau lebt in der von Allāh vorgesehenen Gewissheit, jederzeit verstoßen werden zu können, wofür sie als Verletzerin der Familienehre möglicherweise von ihrer Herkunftsfamilie ermordet wird. Islam ist Tochtertausch, Scharia Frauenkauf. Unser Referent schloss mit einem „Der Muslim ist verpflichtet, die Scharia einzuhalten.“ Eben, ließe sich hinzufügen, das ist das Problem.

„Auch die rituelle Reinheit gehört zur Scharia.“ Davon, dass mit der geheiligten Reinheit (at‑tahāra) ein geheiligter Ekel gegenüber den besudelten, höllisch dreckigen Unreinen zu empfinden ist, sprach der Islamwissenschaftler nicht. Auch vor jeder Frau darf sich der männliche Muslim islamisch ekeln, zumal vor der menstruierenden Frau. Selbst die Scheidungsgesetze (at‑talaq) machen das Intime der Frau zur öffentlichen Angelegenheit, der Allahgott definiert das weibliche Genital auch hier als Staatsangelegenheit. Die nach Sunna und Scharia vorgeschriebene männliche Beschneidung stellt nach Maßgabe kultureller Moderne eine Körperverletzung sowie sexualisierte Gewalt an Kindern sprich Kindesmissbrauch dar, sofern sie nicht medizinisch (absolut) indiziert ist. Doch dem deutschen Bildungszentrum ist die körperliche Unversehrtheit des Jungen offenbar weniger wichtig als die grenzenlose Religionsfreiheit seiner Eltern.

Nichtmuslime gelten im Islam als so ekelerregend dreckig wie Urin, Sperma, Kot oder Menstruationsblut, der Gläubige hat derlei Verunreinigung mit geheiligten Waschungen zu beseitigen und im direkten Kontakt zu vermeiden. Bereits das fundamentalistisch erzogene Kindergartenkind kann die nichtmuslimischen Kinder als ekelerregend betrachten und als Schweinefleischfresser hassen lernen, der Integration ist eine intensive Erziehung zur tahāra wohl nicht so sehr förderlich. Der erwachsene männliche Muslim wird von seinem Hassprediger oder auch einfach nur vom örtlichen Imam hier in Deutschland dazu angehalten, Frauen nicht länger die Hand zu geben.

Besonders unrein aber ist der Frauenleib. Ab der Menarche ist darum das Haar der ständig von widerlichem Unglauben umlauerten und von satanischer Verunreinigung umflatterten Frau vollständig zu bedecken. Diese Pflicht des Bedeckens gilt eigentlich für ihren gesamten Leib bis auf Gesicht und Hände, jedenfalls nach strenger, orthodoxer Auffassung der Scharia, die Großmufti Mustafa Cerić und damit wohl auch der Europäische Fatwā‑Rat in Dublin (ECFR) für „ewig und unveräußerlich“ halten. Cerić (The challenge of a single Muslim authority in Europe) will zwar nach wie vor ein Leben aller Muslime Europas unter der ganzen Scharia, was die Staatsbürger Wolfgang Schäuble und Christian Ude nicht davon abhielt, dem ranghöchsten Islamisator Europas im November 2008 für die zweifelhaften Verdienste im christlich‑islamischen Dialog den Eugen-Biser-Preis zu verleihen. Schäuble und Ude sind Optimisten, Islamoptimisten.

Alle vier sunnitischen Rechtsschulen (deutsches Wikipedia) definieren den Frauenleib, Hände und Gesicht ausgenommen, als aura (awrah), als Schambereich jener islamischen Sexualdressur, in dessen Logik Frauenhaar zum Schamhaar wird. Insoweit beschrieb Schariafreund Feridun Zaimoğlu („Schamtuch, Schamtuchträgerinnen“) die graduell inhumane Sache, vielleicht versehentlich, völlig treffsicher. Das englische Wikipedia nennt denn auch unumwunden den Hidschab als (nach Auffassung der vier sunnitischen Rechtsschulen) verpflichtend und kann sich auf einen schwachen (32:4092) und einen starken (32:4090) Hadith von Abū Dawud berufen.

Die intolerante Ideologie der Scharia konstruiert die muslimisierte Frau, die gottesfürchtige Frau. Aus tugendhafter Einsicht bei prekärem Verstand hat sie freiwillig ihrem männlichen familiären Aufpasser, dem von der Scharia vorgesehenen mahram (Plural maharīm; beispielsweise der kleine Bruder) zu gehorchen und sich von ihrem walī (zunächst ist das ihr Vater) verheiraten zu lassen. Das Kopftuch hat sie aus natürlichem (fitra) Schamgefühl zu bejahen sprich zu tragen. Viele uneinsichtige Muslima verhalten sich anders und finden nicht zum sittsamen hidschāb, doch predigt wohl weltweit kein Imam für einen möglichen Kopftuchverzicht und liegt der unter Sunniten grundsätzlich hoch angesehene Yūsuf al‑Qaradāwi auch bezüglich der Hidschabpflicht einstweilen voll im Trend.

Dann erläuterte der Referent die fünf Bewertungen einer Handlung, wadschib (fard) verpflichtend, mandub empfohlen, mubah möglich (indifferent, neutral), makrūh verpönt und harām verboten. Die ersten beiden sind, auch Nichtmuslime kennen das von den islamischen Speisegeboten, halāl, zulässig. Was für eine schwarze Pädagogik beim Erwecken der Angst vor höllischer Strafe, was für einen ordnungspolitischen Sittenterror (hisba-Marschbefehl der mutawwi‑Religionspolizei oder vertretungsweise hisba von jedem Muslim) man damit aufspannen kann, liegt eigentlich auf der Hand, wurde aber nicht erwähnt. Mandub hier, makrūh dort, empfohlen oder verpönt, das klingt so harmlos nach Verbraucherberatung und Lebenshilfe.

Hisba statt Ruf nach universellen Menschenrechten, Scharia statt Bürgerrecht wird Europa etwas anderes bringen: Aus dem öffentlichen Raum verschwundene, weggesperrte Frauen oder aber Frauen, die unter den Erfindungen islamischer Wissenschaft von an‑niqāb und burqa, schwarzen Gespenstern gleich über Gehwege huschen. Dazu bei fortschreitender Islamisierung vielleicht jene Bilder zerstörter Leiber, die in Mauretanien, im Sudan, in Somalia oder im Irak nicht anders aussehen als in Afghanistan[4], [5].

Dass jeder Muslim durch die zweidimensionale, nämlich gottbezogen-menschenbezogene Verpflichtung auf die Scharia zum gewaltsamen Durchsetzen der einzigen sittlich korrekten Ordnung auch innerhalb von Europas sich islamisierenden Straßenzügen verpflichtet ist (hisba[6]) wurde vom Islamwissenschaftler politisch korrekt übergangen, schließlich wollte der ganz seitlich auf dem Podium lauernde Hausherr das Auditorium motivieren – für den Beitritt Kleinasiens zur Europäischen Union. Die Türkei kennzeichnen Staatsreligion Islam, explosive Kurdistanfrage und geleugneter Armeniervölkermord. Man sollte dem Land Entwicklung zu Säkularität, universellen Menschenrechten und freiheitlicher Demokratie wünschen, doch braucht diese Entwicklung, ist sie denn türkeiseits erwünscht, nun wirklich nicht innerhalb der Europäischen Union geschehen. Die Mehrheit der Europäer will den Türkeibeitritt nicht, was bei nahezu allen so genannten Islamseminaren natürlich ausgeklammert wurde. Solches aber ist nicht länger Wissenschaft, vielmehr Propagandaveranstaltung.

Der Rechtsgrundsatz „Gebieten was recht ist und verbieten, was verwerflich ist“ steht im Mohammeds Tagebuch gleich vier mal, Suren 7:157, 9:71, 9:112, 22:41. Zur hisba gehört es doch womöglich, den hidschāb in Familie und Freundeskreis gewaltsam durchzusetzen, nötigenfalls mit Prügel. Die Bedeckung (hidschāb, dschilbāb; Kopftuch) muss dann allerdings freiwillig getragen werden, es gibt ja letztlich, ganz spirituell gesehen, keinen Zwang im Glauben.

Bedecke dich, Weib. Du solltest zusehen, dass du nicht in der Hölle landest, wenn das Kopftuch da kein günstiges Angebot ist. Du willst doch nicht behaupten, dass sich, die Verhüllung betreffend, tausend Jahre Scharia‑Islam geirrt haben?

Zweifel an der islamtheologischen Frage, ob das Kopftuch aufgeprügelt werden dürfe, beseitigt der ehemalige ägyptische Mufti Ali Jad al-Haqq: „Der Ehemann hat die Pflicht, seine Frau zur Verschleierung zu zwingen. Er muss dies tun, ansonsten gilt er genau wie sie als Sünder (22.12.1979, deutsch bei ifi 28.08.2008[7]).“ Dieser bei Bedarf prügelreichen Kopftucherkenntnis hätte selbst Allāh sicherlich nichts hinzuzufügen, denn Jad al-Haqq (geschrieben auch al‑Haq, Scheich Jad al‑Haqq, Sheykh Jadul Haqq) war als 42. Großscheich der Azhar Vorgänger des jetzigen Amtsinhabers Muhammad Sayyid Tantāwī (geb. 1928), den man, noch vor al‑Qaradāwi als die derzeit höchste Autorität des sunnitischen Islam bezeichnen darf.

Mit der femininen körperlichen Unversehrtheit haben die drei Herren Jad al‑Haqq, Mohammed und Allāh auch jenseits des koranischen Prügelverses nicht so viel im Sinn. Der vieljährige Rechtsgelehrte an Ägyptens Scharia‑Gerichtshöfen Jad al‑Haqq (1917-1996) hielt die islamische Genitalverstümmelung für eine Würdigung, Auszeichnung und Ehrung der Frau oder aber hielt die Genitalverstümmelung an Frauen (FGM) sogar für ebenso verpflichtend wie die Beschneidung für Männer[8], [9]. Scheich Jad al‑Haqq verfasste 1994 ein islamisches Rechtsgutachten, eine fatwā: „Wenn die Leute in irgendeinem Dorf von der [obligatorischen] Frauenbeschneidung abzulassen beginnen, muss der lokale Imam so sehr dagegen kämpfen, als beschlössen sie, der [schariatischen] Gebetspflicht nicht länger nachzukommen[10]“. Unlängst sprach sich Scheich Dr. Wahdan im Gespräch mit FGM‑Gegnerin Dr. Zarrar für eine islamrechtliche FGM aus, explizit für die Kürzung der Klitoris, nicht bei jedem Mädchen versteht sich, aber bei jedem Mädchen, das die islamische FGM zu einem sittlich korrekten Leben braucht[11], [12]. Die Schafiiten Indonesiens und Malaysias pflegen Formen von FGM, die in Indonesien heute islamverbandlich durch die angesehene religiöse Assalaam-Foundation organisiert und öffentlich durchgeführt wird[13], [14].

Erst 2005 wurde bekannt, dass auch die schafiitischen Kurden im Nordirak, Region Sulaimaniya, dieses grausame Ritual durchführen, gegen das inzwischen die unabhängige Entwicklungshilfe- und Frauenrechtsorganisation Wadi e. V. couragiert und erfolgreich vorgeht[15], [16].

FGM war einmal vorislamisch gewesen, sicherlich. Doch vor mehr als dreizehn Jahrhunderten ging die vorislamische Zeit vorbei. Und seitdem ist FGM islamisch, seit tausend Jahren ist das Zusammenspiel von islamischer Geistlichkeit und FGM ein gemeinsames, blutiges, frauenzerstörendes Thema. Islam zerstört eben nicht nur die Psyche der Menschen mit dem doppelten x‑Chromosom. Der Islam will die rechtliche Geringerstellung der Frau und ihre moralische Herabwürdigung, doch auch ihr Körper bleibt unter den unsichtbaren riesigen Gefängnissen von Scharia und Fiqh nicht unversehrt. Ins Haus gesperrt werden, Kopftuchzwang, Formen malinesischer, somalischer, ägyptischer, jemenitischer irakischer oder indonesischer FGM, Zwangsehe, kultisch vergewaltigende Hochzeitsnacht, schariatische Strafen wie Stockschläge, Auspeitschen und Steinigung, das erlebt so manche muslimische Frau. Auch angesichts der unzähligen Gewaltaufrufe gegen Ungläubige und Islamapostaten in Koran und Hadithen darf es uns Nichtmuslimen, säkularen Muslimen und Ex‑Muslimen schwer fallen, dem Wort von Dr. Farid Shahran Glauben zu schenken: „Gewalt hat nichts mit dem Islam zu tun[17]“. Naja, veröffentlicht bei den Islambeschönigern der regierungsnahen Seite qantara.

Unser Islamfachmann kam auf das Fatwawesen islamischer Rechtssprechung (fiqh) sprechen. „Ist der Fatwaschreiber tot, gilt die fatwā nicht mehr. Das ist ein innerislamisch völlig unstrittiger Grundsatz. Salman Rushdie hatte insofern nach dem Tod des Machers seiner Todesfatwa, Ayatollah Chomeini, nichts mehr zu befürchten.“ Auf die Rolle des offiziellen Erteilers (Mufti) eines Rechtsgutachtens ging der Islamkundler gar nicht erst ein, doch ohne muftī[18] gibt es keine fatwā. Für die kulturelle Moderne beziehungsweise für eine vielleicht ja erwünschte nachhaltige freiheitliche Demokratie in Europa und Nordamerika tut sich hier ein gewaltiges Problem auf. Durch Verhaltenskontrolle (Sunna), doktrinäre Gehorsamspflicht (Scharia) und gräusliche Angst vor der Höllenstrafe (Koran) ist jeder Muslim erpressbar oder vielmehr ist er dazu erpresst, Fatwen (fatāwa, Einzahl fatwā) sklavisch zu verlangen jedenfalls zu befolgen.

In Dublin ist der Europäische Fatwa‑Rat (ECFR) ansässig, der, einer Machtergreifung gleich, jederzeit die Vollmacht über das Erteilen von verpflichtenden Fatwas beanspruchen könnte, ob ihm dann ein deutscher Islamverband widersprechen würde, ist mehr als fraglich. ECFR bedeutet European Center for Fatwa and Research, dreißig (30!) Scheichs aus aller Welt, von Saudi‑Arabien bis Sudan sind in ihm organisiert, Vorsitz hat Professor al‑Qaradāwi, nach Tantāwī womöglich die zweithöchste Autorität des sunnitischen Islam. Sudan wird durch Scheich Issam al-Bashir vertreten, der sudanesische Scheich und Professor ist Generalsekretär des Zentralinstituts für wassatiyya in Kuweit. Wassatiyya (wörtlich Zentralität, Mittigkeit) stammt von arabisch wasat, Mitte, und propagiert den reinen Islam als angeblich maßvolle, gemäßigte Lehre der seelisch wie sozial gesunden Stabilität. Beliebig strenger Islam sei eine Haltung der Ausgewogenheit, je strenger desto „mittiger“, ausgewogener. Aus dieser „gemäßigten“ Perspektive sind Aufklärungshumanisten Exzentriker sowie Extremisten, islamkritische Demokraten deviant, antisozial und kriminell.

Stattdessen kam der Referent auf die Kamel‑Fatwa von Amir Zaidan zu sprechen, über die er entrüstet den Kopf schüttelte und sich über solch einen Unsinn lustig machte. Dass Amir Zaidan nach Aussagen der Islamwissenschaftlerin Claudia Dantschke für seine Mitglieder der IRH (Islamisch Religionsgemeinschaft Hessen) eine außerdemokratische, grundrechtswidrige „parallele Rechtsordnung“ (Dantschke[19]) zu schaffen trachtete und nun für die radikalislamische und im österreichischen Schulwesen höchst einflussreiche IGGiÖ (um den Islamisten Anas Schakfeh) tätig ist, erwähnte der Referent nicht. Nach der Kamelfatwa dürfe ein Mädchen nur dann auf Klassenfahrt gehen, wenn sie von der elterlichen Wohnung nicht weiter entfernt ist, als ein Kamel in 24 Stunden gehen könnte. Das klingt kurios bis hanebüchen, doch bedeutet es einen Angriff einer radikalislamischen geistlichen Organisation auf das staatliche Schulwesen und dessen Erziehungs- und Bildungsauftrag, zumal die nächsten Fatwen nicht auf sich warten lassen werden und die Freiheit der Mädchen aus einem sich muslimisierenden Elternhaus zu sinken beginnt.

Wie eine Gefängnismauer Ziegelstein um Ziegelstein aufgebaut wird, so mauern sich die Gegenkulturen der Scharia Fatwa für Fatwa von der säkularen Gesellschaft weg. Sie mauern sich ein. Was auch die Nichtmuslime unter uns beunruhigen darf, denn sobald die islamisch radikalisierten Muslime die Mehrheit haben, werden die Nichtmuslime zu den Eingemauerten. So schafft auch das, säkularen Europäern womöglich ja lebensberaterisch anmutende Fatwawesen, die theokratische Apartheid eines kulturellen Rassismus. Europa müsste die Fatwaproduktion, dem illegalen Waffenbesitz oder dem Rauschgift gleich, verbieten.

„Die hanbalitische Rechtsschule kann als sehr konservativ gelten“, fuhr unser Mietmaul pardon Islamreferent mit seiner Ausführung fort. Konservativ? In der Tat, Malikiten und eben auch Hanbaliten fordern die Tötung jedes Ketzers (zindīq), da sie ihn mit dem im Koran genannten Heuchler (munāfiq) identifizieren, ohne, dass dem Ketzer die Möglichkeit der Reue zusteht. Zum Ausgleich stirbt er wiewohl gewaltsam so doch als ein gläubiger Muslim und darf er auf einem islamischen Friedhof bestattet werden[20]. Laut amnesty international (2008) werden in Saudi‑Arabien wöchentlich mehr als zwei Menschen hingerichtet, Frauen, Mittellose und Ausländer werden dabei überdurchschnittlich oft islamrechtlich getötet, üblicherweise mit dem in der Landesflagge abgebildeten Säbel[21]. Grundlage der saudi‑arabischen Rechtssprechung ist die Scharia. Unser Islamreferent nennt solches konservativ. Dass die hanbalitisch-wahhabitischen Saudis durch ihre Funktion als so genannte Hüter der heiligen Stätten, namentlich des Pilgerzentrums Mekka mit seiner von jedem Muslim einmal im Leben andächtig zu umkreisenden Kaaba eine erhebliche Vorbildfunktion für die gesamte islamische Welt haben und dass ihr Verweigern universeller Menschenrechte den weltweiten Islam erfolgreich an der demokratischen Entwicklung hindert, verschwieg der Islamwissenschaftler.

„Die Reformbewegung der Salafiten strebt nach einem am Koran orientierten Leben, wie es die frommen Altvorderen führten. Allenfalls ein Teil der Sunna ist ihnen wichtig.“ Eine dezidiert rückwärtsgewandte Bewegung sollten wir doch wohl nicht reformistisch nennen, sondern reaktionär.

„Der Wahhabismus der Saudis droht über Stipendien, Moscheebauten und Geldmittel den bislang liberalen, moderaten bosnischen Islam zu radikalisieren.“ Bravo, die Radikalisierung der Muslime auf dem Balkan durch arabische Geldgeber und Moralbringer, beispielsweise die „erzwungene Muslimisierung“ (das Wort stammt vom Zentralrat der Ex‑Muslime, 30.04.2007[22]) der autochthonen Bosnier und Pomaken, ist ein wichtiges Thema.

Wobei allerdings nicht nur die Wahhabiten, sondern auch die Vereinigten Arabischen Emirate und eventuell die Sekte der Murabitun eine Rolle spielen und die Islamisierung Südosteuropas dann durchaus „made in Germany“ wäre. Dann nämlich, wenn die Radikalisierung von der angeblich unabhängigen Moschee in Penzberg bei München ausginge, deren Bau vom Sultan von Schardschah finanziert worden war, welcher auch den Moscheebau der ein Kalifat erstrebenden, antisemitischen Politsekte der Murabitun in Granada bezahlt hatte[23]. Zu den eher grundrechtsfreien Murabitun gehören Althippie Ian Dallas genannt Scheich as‑Sufi und, in Deutschland, der Herausgeber der Islamischen Zeitung Rechtsanwalt Andreas Abu Bakr Rieger. Imam von Penzberg ist der bosniakische Mazedonier Ibrahim Idriz, von dem bislang leider noch kein Wort der Kritik an Scharia‑Islam und Fiqh‑Islam zu vernehmen war[24]. Imam Idriz gilt der deutschen Öffentlichkeit, eigentlich ist das wenig erklärlich, als gemäßigt und modern[25].

Nun kam man auf die islamische Familie zu sprechen. Eine Dame aus dem Auditorium sprach davon, dass die islamische Großfamilie einem Kerker gliche, aus dem eine von Zwangsheirat oder vom so genannten Ehrenmord bedrohte junge Frau den Weg hinaus zu Polizeistation, Jugendamt oder Frauenhaus kaum finden könne. Zwangsheiraten wären absolut unislamisch, polterte der Islamwissenschaftler vom Podium. Ein Herr aus dem Publikum widersprach und sagte, 60 % der türkisch-muslimischen Ehen in Deutschland seien arrangiert und zwar überwiegend gewaltsam, auch könne man nicht oder jedenfalls kaum zwischen arrangierter Ehe und Zwangsehe unterscheiden. Da sprang der Leiter des Bildungszentrums auf: „Sie haben keine belastbaren Zahlen! Die Daten von Frau und Frau Ateş sind nicht seriös, ich weiß, wie sie zustande gekommen sind! Auch die Untersuchung, die Peter Brettfeld und Katrin Wetzels veröffentlichten, ist mit Vorsicht zu genießen“, würgte der Hausherr jede weitere Diskussion ab und verwies die Argumente des auf muslimische deutsche Zwangsheiraten Hinweisenden ins Reich der Fabel. Niemand wagte mehr, einen Einwand geltend zu machen.

So wurde die Scharia mit dem Grundgesetz für kompatibel erklärt. Zur vormodernen, extrem patriarchalischen Institution des walī mudschbir mochte der Islamwissenschaftler nicht sprechen, doch dürfte die nikah, die islamische Ehe[26] in seinem Studium nicht übergangen worden sein, nach der ein Vater selbstverständlich seine Tochter dem anderen patriarchalischen, muslimischen Clan übergibt, sprich sie verheiratet.

Ganz zaghaft meldete sich ein Mann aus dem Publikum: „Es besteht bezüglich des Wunsches der europäischen Muslime nach einem Leben unter der Scharia doch nicht etwa die Gefahr eines doppelten Standards?“ Der Referent blickte entschieden zum Horizont und sagte zackig. „Nein!“

Bevor wir die Äußerungen des dritten der Mietmäuler, pardon, Islamreferenten dokumentieren, einige Anmerkungen zu einer altehrwürdigen islamischen Institution, nicht der Kairoer Azhar, nein, der muslimischen Schwiegermutter. Das Prinzip Schwiegermutter ergibt sich unmittelbar aus Koran und Hadithen und wird solange fortbestehen, wie der schwerziehbare Allāh noch nicht resozialisiert sprich demokratiefähig ist, also noch ein paar Jahrzehnte.

Beginnen müssen wir mit der Logik des Tochtertauschens und der von Allahgott höchstselbst ausgestellten Erlaubnis des jederzeitigen Ehefrauenverstoßens an alle Vertreter Gottes auf Erden sprich Herren Muslime. Dieser Freibrief nämlich zeitigt für die muslimisierte Kinderschar Erstaunliches: Neue Mütter oder auch Zweit- und Drittmütter zeitgleich zur eigenen Mutter, ferner nach Allāhs oder auch nur Papas (ist in etwa dasselbe) Ratschluss diverse Pflegemütter und Milchammen. Die muslimischen Kinder werden entsprechend geprägt: Mater semper incognitus est. Mädchen können mit neun Jahren verheiratet und ehelich vergewaltigt werden, das hat Allāh für alle vier sunnitischen Rechtsschulen so vorgesehen und für die abtrünnigen Schiiten gleich mit. Nun aber zur Schwiegermutter, denn nach ewigem Ratsschluss des qadar türkisch kismet ist das Mädchen irgendwann selbst Schwiegermutter und kann über eine gelin (türkisch für: Die, die kommt) herrschen, über eine Sklavin herrschen: Die Schwiegertochter.

Vom männlichen Männergeld des Stammes nämlich ist die jungfräuliche Braut eingekauft worden, beschädigte Ware (keine Jungfrau mehr) geht zurück an den ehrlosen Herkunftsclan und braucht sich ihres Lebens endgültig nicht sicher zu sein. Die Jungfrau ist die Visitenkarte des namus[27], der Stammesehre. Um die Satisfaktionsfähigkeit sprich Gottesfürchtigkeit des Nachbarstammes zu testen, dürfen deren frei laufende Frauen vergewaltigt werden, die anderen Männer haben dann halt nicht genügend aufgepasst. Leicht ersichtlich, dass Frauen die Sklavinnen der männlichen Hälfte der islamisierten orientalischen Familie sind, die gegen den Brautpreis verkaufte Braut hat ins Haus ihres Mannes zu zu ziehen (patrilokal) und Dienerin (Schlafzimmerprostituierte) nicht nur des Mannes zu sein, sondern auch Dienerin (Küchenhilfe, Arbeitssklavin in Haus und Garten) der Schwiegermutter. Bei Schafiiten oder bei den Opfern oben erwähnter islamischer Gelehrter der Kairoer Azhar kommt als weitere traumatisierende Erfahrung weib‑weiblicher Gewalt die erlebte FGM, die weibliche Genitalverstümmelung hinzu, die, wiewohl im Dienste des enthemmten Patriarchats, ausschließlich von Frauen an Frauen praktiziert wird: Es geht Allāh bis auf weiteres darum, Frauen voneinander zu entsolidarisieren. Islamisch erfolgreich.

Folgerichtig ist es in den Kulturräumen von Hidschab, Tschador, Abaya und vor allem niqāb, Gesichtssschleier, Frauen verboten, in der Öffentlichkeit miteinander zu quatschen und zu labern, etwas, was sich Männer weltweit und eben auch im Islam ohne weiteres herausnehmen. Die nötigenfalls auch gegen ihren Willen ins fremde Haus verkaufte Frau (Imam‑Ehe, nikah) hat dem Mann sexuell und der Schwiegermutter als Arbeitskraft zu Diensten zu sein, doch kann sie sich, vielleicht zwei Jahrzehnte später, rächen. Dann nämlich, wenn ihr Sohn (vielleicht durch ihr Intrigenspinnen) verheiratet wird und eine gelin ins Haus kommt, die ihren Kommandos folgen muss. So quält unter der Scharia eine Frau die andere, eine jede Mutter ihre Tochter. Derartig unterdrückt der hidschāb, so mobbt das Kopftuch: Und wer nicht gehorcht, kommt nicht in die lustvoll süße dschanna[28], sondern brennt qualvoll in der dschahannam[29].

So verewigt sich Allāhs Sozialpädagogik weib‑weiblicher Hackordnung, bei der es einst, vor knapp vierzehn Jahrhunderten, den vergewaltigenden Männern aus der Gefolgschaft Mohammeds gelungen war, Frauen zu erbeuten und zu vereinzeln (zu entsolidarisieren). Dieses geheiligte frauenhassende Prinzip (Scharia) muss im heutigen Gebiet zwischen Mauretanien und Malaysia nicht immer gänzlich ausgeprägt sein, doch lastet in allen muslimischen Familien auf jeder Frau ein gerade von der (Mutter und) Schwiegermutter ausgehender ungeheurer Druck, Kinder zu bekommen. Daneben ist die Frau selbstverständlich ständige Quelle jenes Unheils und jener Streitigkeiten (fitna), die eine Harmonie im dschihadistischen (islamischen) Männerbund bedrohen.

Soweit zur muslimischen Schwiegermutter, nun zum türkeistämmigen kurdischen Islamreferenten. Der jedoch uns über das Prinzip walī mudschbir beziehungsweise kurdische Schwiegermutter ganz bewusst nicht belehrte, ein wissenschaftliches Mietmaul mehr im Dienste des Türkeibeitritts und der europaweit von Kirchen und Parteien propagierten angeblichen Kompatibilität (Verträglichkeit) von Scharia und Grundrechten.

Der türkeistämmige Referent erschien mit einem süßen vierjährigen Töchterchen, welches er malerisch als eine Art Maskottchen auf dem Podium drapierte mit der Ausrede, heute Abend keine Kinderbetreuung gefunden zu haben. Seltsam, der Termin hat doch wochenlang estgestanden und alleinerziehend ist der Mann auch nicht. Die folgenden drei Stunden saß das Kind vorne auf dem Podium und durfte mit einem eigens für diesen Abend gekauften rosa Stoffdrachen spielen. Der uns als Sozialwissenschaftler vorgestellte Herr überraschte uns mit einem „Sie können mir auch andere Fragen rund um den Islam stellen“ und spielte wie nebenbei den kinderhütenden Vater, die Urdeutschen fanden das ergreifend, was natürlich beabsichtigt war. Ebenso nonverbal wie gezielt torpedierte der Redner damit das Vorurteil, muslimische Väter würden die Kindererziehung und Kinderbetreuung verweigern und ihren Frauen überlassen. Der Milieuforscher begann, von den bemitleidenswerten Imamen der DITIB zu reden, denen man vor ihrem vierjährigen Aufenthalt die Angst vor Deutschland nehmen müsse und denen es ein differenziertes Bild der hiesigen Gesellschaft zu vermitteln gelte, der deutsche Staat müsse hier endlich helfend eingreifen.

Lobend, wenn auch sehr leise hob dieser dritte Referent die vorbildliche Arbeit für eine Lehrerausbildung für das Schulfach Islamischer Religionsunterricht des Islamologischen Instituts München hervor, das uns leider nicht bekannt ist, wenngleich wir betonen möchten, dass der Begriff Islamologie, wie (nicht Prof. Bassām Tībī, sondern) Amir Zaidan ihn bekannt gemacht hat, mit Islamwissenschaft so viel zu tun hat wie Astrologie mit Astronomie[30]. Ein Islamologisches Institut kennen wir allerdings aus der Stadt Wien als die neue Wirkungsstätte des erklärten Sympathisanten des Gedankengutes der Muslimbruderschaft, Amir Zaidan. Könnte der Referent die Lehrerausbildungen zum Islamischen Religionsunterricht des radikalen Wiener IRPI (Anas Schakfeh, IGGiÖ) akzeptabel finden?

Zaidan gründete sein Islamologisches Institut in Wiesbaden, amtlich eingetragen in Frankfurt, mittlerweile gibt es Außenstellen jedenfalls Zaidansche Islamologie‑Kurse in Berlin, Köln, Salzburg, München sowie in der Schweiz[31], [32]. Ob die Münchner Qualifizierungskurse im Geiste des mutmaßlichen Muslimbruders[33] Amir Zaidan etwa in Freimann (IGD, Muslimbruderschaft) oder gar Penzberg (Geld aus dem arabischen Emirat Schardschah) stattfinden? Wie auch immer, „der Begriff Islamologie verweist auf Amir Zaidan“, wie der Mitwirkende am neuen Schulbuch Saphir und Schariafreund Harry Harun Behr in seiner Dissertation (Fußnote 618) feststellt[34].

„Die Moschee hat nicht nur sakrale, sondern auch profane Aufgaben, der Imam ist nicht nur Seelsorger, sondern nahezu auch Sozialarbeiter“, fuhr unser türkeistämmiger Sozialforscher mit seinem Vortrag fort: „Doch da gibt es Grenzen, ein noch so guter Imam kann nicht Steuerberater und Schuldnerberater sein.“ Wohl wahr, doch seit wann ist Sakrales und Profanes im Islam jemals getrennt gedacht worden? Der Referent ist immer für eine Überraschung gut, die alte arabische Moschee war Treffpunkt des Männerbundes, Waffenlager und Beratungsplatz zum Aufbruch in den Dschihad, der Ort absolut weltlicher Machtpolitik. „Wir brauchen für Duisburg‑Hochheide mit seinen vielen kurdisch-nordirakischen Zuwanderern arabisch sprechende Streetworker.“

Unterdessen begann seine kleine Tochter, in dem für den abendlichen Vortrag eigens angeschafften Malbuch zu kritzeln, die Kunstlehrerin unter uns merkte an der Stiftführung und den ungelenken Bewegungen des Kindes genau, dass das Kind zum ersten Mal ein Malwerkzeug in der Hand hielt. Der Referent wollte also pädagogisch korrekt daherkommen, die Deutschen mögen Kunstpädagogik. Allāh und sein Islam jedoch mögen das Bilderverbot. „Anders als der türkische Staat mit seinen DITIB-Imamen bezahlt Milli Görüş keine Imame und verwendet manchmal sozusagen die Rentner von DITIB.“

Vom auch unter Deutschlands DITIB-Geistlichen verbreiteten islamischen Dogma, die Frau als Mangelwesen und Schutzbefohlene des Mannes anzusehen, die keinesfalls Schminke oder Parfum verwenden oder alleine Reisen darf, mochte der Milieuforscher nicht berichten[35], [36]. „Besonders stolz sind wir auf die Integrationsarbeit von Bülent Arslan vom Deutsch-Türkischen Forum (DTF), der völlig zu recht mehr muslimische Polizisten in Nordrhein-Westfalen fordert“, meinte der Türkeistämmige. Der Pressesprecher der Polizei vergleicht dieses Ansinnen mit Spionage und betont völlig richtig den unzumutbaren Loyalitätskonflikt ethno‑religiös ausgewählter Polizeibeamter[37]. Bülent Arslan (CDU) hat das weder das Wesen des säkularen Staates verstanden noch das Demokratierisiko islamischer Theokratie, wenn er de facto aus Staatsbeamten mutawwi‘-Religionspolizisten machen möchte[38].

Auch dieser türkeistämmige Herr verwendet dieselbe Statistik, wie die eingangs gehörte: „Auf der Welt leben 1,2 Milliarden Muslime, in Deutschland 3,2 Millionen.“ Es leben Muslime, sprach also auch der Sozialforscher und Sozialwissenschaftler, nicht etwa: Es leben Menschen. Aus Menschen, aus Staatsbürgern werden Muslime. Hierbei handelt es sich offensichtlich um ein Beispiel für das, was in Europa, die reale und gewollte Islamisierung verschleiernd, in diesen Jahren stattfindet: Die von allen Parteien und Kirchen vorangetriebene Theologisierung der Politik, deren Nutznießer allerdings nicht das Christentum sein wird.

Dass viele deutsche Muslime vom Dubliner Fatwa‑Rat oder vom Verbandsislam nicht gegängelt werden wollen, verheimlicht uns der Wissenschaftler ebenso wie die Lebenslage der vielen Ex‑Muslime unter den „Muslimen“. Das Publikum sollte, den pawlowschen Hunden gleich, daraufhin dressiert werden, die Scharia sowie den Türkeibeitritt als reizhaften Leckerbissen zu verbuchen, der einem in Vorfreude auf aromatischen Wohlgeschmack das Wasser im Munde zusammen laufen lässt. Die drei Referenten und der Leiter des Bildungszentrums waren an diesem Dortmunder Wochenendseminar nicht erfolglos, denn etwa 50 % der Zuhörerinnen und Zuhörer sind als vertrauensvolle Dulder der Scharia und als Türkeibeitrittsfreunde entlassen worden. So verläuft die Entdemokratisierung Europas, die Erosion der Erwachsenenbildung sowie politischen Bildung, unter Missbrauch der Sozial- und Islamwissenschaften. „Wir Islamreferenten denken für Sie, wir üben Vertrauen in die Scharia gemeinschaftlich ein, lassen Sie uns Vorurteile und Ressentiments überwinden“ könnte das Motto solcher Islamisierer sein.

Nun wurde es märchenhaft: „Im Islam gab es vorher die Macho‑Kultur nicht, das ist Tradition, nicht Religion. Auch Christentum und Judentum sind in patriarchalischen Gesellschaften entstanden.“ Aha, der türkisch-kurdische Sozialwissenschaftler weiß, wie der reine Islam zu denken ist, der von der jeweiligen Zeitgeschichte nicht verunreinigt werden dürfe. „Für Muslime hat die Religion größeren Stellenwert als für die Deutschen!“ donnerte der Wissenschaftler, die urdeutschen Konvertiten ließ er unter den sprichwörtlichen Tisch fallen. Was wesentlich unverschämter ist: Der Kurde erklärt Deutschlands Christen für relativ unreligiös, für gottvergessen.

Niemand im Saal protestierte, der Wissenschaftler muss einfach Recht haben. Wir dürfen uns fragen, ob der Sunna‑Islam, der Fatwa‑Islam oder der Dschihad‑Islam überhaupt eine Religion ist oder nicht vielmehr ein sexualpolitischer militanter Kult. Der Akademiker ließ nicht locker, auch dieses Argument erinnerte an den ersten Referenten, insofern schloss sich der Kreis: „Die Sunniten sind religiöser als die Aleviten, vor allem die arabischen Sunniten leben eine starke Religiosität!“ Abschließend schwärmte er von der couragierten Predigerin Amina Wadud, die als Beispiel für die Modernität im Islam stehen könne: „Die tapfere Muslima leitete 2005 in New York ein Freitagsgebet!“

Dass dieses Gebet aufgrund von Bombendrohungen in einer anglikanischen Kirche statt finden musste und von mehreren namhaften islamischen Geistlichen aus aller Welt scharf verurteilt wurde, blieb von unserem Islamexperten unerwähnt[39]. Die Afroamerikanerin Wadud ist hingegen vereinzelt der Apostasie bezichtigt beziehungsweise als „Teufelin mit Kopftuch“ bezeichnet worden[40]. Es mag sein, dass Frau Wadud ihr Anliegen ernst nimmt oder auch nicht, hier auf dem Islamseminar in Deutschland wurde die Dame schlicht missbraucht, um wider besseres Wissen eine angebliche Toleranz des Islam zu behaupten.

Noch zu der vierjährigen Tochter des gerade beschriebenen Referenten. Hoffentlich darf das Mädchen auch künftig zu Papier und Stift greifen, um schöpferisch tätig zu sein, sich visionär etwas auszumalen und ihr eigensinniges Bild von der Welt darzustellen.

Ümmühan Karagözlü, Jacques Auvergne


Islam für Kids aus islamkritischer Sicht

August 27, 2008

084

أنيس

anis,

seltener arabischer

männlicher Vorname,

Bedeutung etwa

„herzlich“, „höflich“

oder „loyal.“

Islam für Kids.

Das Buch von Anis Hamadeh

islamkritisch rezensiert

Cees van der Duin am 27.08.2008

Der singende und malende Anis Hamadeh ist Autor von „Islam für Kids“ (2007). Hamadeh, Sohn einer Deutschen und eines Palästinensers lebt im rheinland-pfälzischen Mainz. „Islam für Kids“ erschien beim Vertrieb bhv-Buch (Redline GmbH) in einer schulbegleitenden Buchreihe, die bislang pädagogisch wertvolle Bücher wie „Biologie für Kids“ oder „Mathematik für Kids“ erstellte und damit für einen Verlag, der eigentlich auf Computerhandbücher spezialisiert ist.

Sozialpädagoge Cees van der Duin hält „Islam für Kids“ für ein Vehikel, welches im Namen der Toleranz, des Kulturrelativismus und der gesellschaftlichen Vielfalt („diversity“) sehr scheinheilig das fundamentalistische und antidemokratische Gedankengut eines auf ethno-religiöse Segregation zielenden politischen Islam unter Deutschlands Kindern und Jugendlichen verbreiten möchte. Gemessen am Ziel der Qualitätssicherung wissenschaftlich orientierter Jugendliteratur hält van der Duin „Islam für Kids“ für misslungen und als Lehrbuch für nicht schulfähig. Speziell der Maßgabe der Schulbuchkommissionen, einen den universellen Menschenrechten nachgeordneten und nur damit nachhaltigen Abbau von Feindbildern zu erzielen, sieht der Rezensent in „Islam für Kids“ ein Verharmlosen des politischen Islam und unterstellt dem Autor, Parallelgesellschaften aufbauen zu wollen und die ohnehin bedrohte Haltung der Säkularität unter Europas Muslimen planmäßig zu untergraben. Das tendenziell antiaufklärerische und damit jugendgefährdende Werk „Islam für Kids“ wirbt für die Ordnungspolitik der Scharia und ist auf Verfassungsverträglichkeit zu überprüfen.

Übermorgen, am Freitag den 29. August 2008 wird Hamadeh gemeinsam mit der städtischen Integrationsbeauftragten Coletta Manemann anlässlich eines palästinensischen Kulturfestivals auf dem Marktplatz der Stadt Bonn auftreten und von 17:00 bis 17:30 sein „Islam für Kids“ öffentlich diskutieren

Islam

für Kids

14 Woran glaubt ein Muslim? Wie funktioniert das islamische Recht, die Scharia?

Hamadeh wisse darüber Bescheid, was ein Muslim zu glauben hat: Bitte, in welcher Ironie oder in welchem Fanatismus, mit welcher Unfähigkeit oder Fähigkeit zur Außenansicht und Religionskritik namentlich Schariakritik?

Scharia wird als irgendwie funktionierend dargestellt, das impliziert Funktionalität und damit Kompatibilität zur kulturellen Moderne. Ein repressives, auf Denkverboten und Fundamentalismus beruhendes geistiges und seelisches Gefängnis wird also bereits in der Einleitung des „Islam für Kids“ verharmlost und verkitscht. „Für Kids“ suggeriert uns, Islam sei etwas Kinderleichtes: Wer jetzt noch kritisiert, ist womöglich dummer als ein Kind.

19 … neue Religion? Aber nein, Muhammad sprach vom selben Gott der Juden und Christen, nur als neuer Prophet.

Diese Vereinnahmung der jüdischen und der christlichen Religion durch einen gefräßigen Islam ist für bewusst religiöse Juden und Christen wohl kaum hinnehmbar. Hamadeh also gibt einer fundamentalistischen und aggressiv missionierenden Auffassung von Islam Raum, die beim Anschein der freundschaftlichen Nähe und der religiösen Verwandtschaft die Grundlagen der beiden anderern – älteren – abrahamitischen Religionen gleichsam schluckt und sich einverleibt. Diese Frechheit geht noch nicht einmal auf Anis Hamadeh zurück, sondern auf Mohammed, einem unterrichtsbegleitenden Buch jedoch, mit dem Anspruch, objektiv zu informieren, wird derartige Propaganda nicht gerecht.

24 … dass es oft mehrere Versionen einer Geschichte gibt (…) hat jeder seine eigene Sichtweise …

Allerdings. Das gilt auch für säkulare Muslime und für Ex-Muslime, die von Hamadehs orthodoxer Islamauffassung womöglich verschont werden möchten.

29 Die neue Religion hatte es nicht leicht.

Anders als auf Seite 19 ist der Islam jetzt doch eine Religion? Hamadehs Denken ist elastisch wie Kaugummi. Der Islam „hatte es nicht leicht“, er verdiene angeblich das Mitgefühl des womöglich minderjährigen Lesers. Hamadehs Appell ans Mitgefühl ist eine Manipulationstechnik und als solche in moderner Pädagogik nicht statthaft.

29 Vor Gott war der Mensch frei. Diese Idee interessierte besonders Sklaven, Frauen und Arme …

Che Guevara Mohammed! Der Prophet als Sozialreformer. Als Sklavenversteher, Frauenfreund und Sozialarbeiter.

34 Viele Sonderrechte wurden abgeschafft und der Gedanke der umfassenden Gerechtigkeit gewann an Bedeutung.

Ja, die Stammesreligionen und Stammesgesetze der polytheistischen Araber wurden restlos zerstört. Juden und Christen wurden als Menschenklasse minderen Ranges islamrechtlich qualifiziert, was der Autor freilich den deutschen Kindern der Dhimmis verschweigt.

36 Im Mai 629 … Oase Haibar … kämpften gegen die Banu Nadir. Muhammad nahm eine der Witwen zur Frau.

Sich um verarmte Witwen kümmern, wie nett? Die Juden des Stammes Banu Nadir (Banū Naīr; Banu n-nadir / بنو النضير‎) wurden im Jahre 628 in Chaibar nahezu vollzählig umgebracht. Eine Tochter und Augenzeugin der grausamen Folter und Ermordungen musste mit dem Propheten fortan auf einem Kopfkissen übernachten.

„Witwe“ nämlich ist die Jüdin Safiyya (Safiyya bint Huyayy) dadurch geworden, dass ihr Mann Kinana (Kināna ibn al-Rabī), der so etwas wie Kassenwart oder Schatzmeister der Banu Nadir war, von Mohammed zu Tode gefoltert wurde, weil er den Muslimen nicht so ohne Weiteres verraten wollte, wo das gemeinschaftliche Geld versteckt war. Die traumatisierte Jüdin wurde zwangsweise die elfte Frau des Propheten. Soviel zum Konzept „umfassender Gerechtigkeit“ (Hamadeh, 34).

46 In den nächsten fünfzig Jahren wurde ganz Nordafrika islamisch. Bis nach Frankreich kamen die muslimischen Krieger. Auch tief in den Osten gelangte der neue Glaube (…) das mächtige persische Reich wurde islamisch. Der Süden Arabiens war ganz islamisiert …

Einverstanden. Die Islamisierung eines Territoriums geschah mit militärisch organisierten Massenmorden und dem Aufbau einer politischen Besatzung. Islam ist Dschihad.

56 Schon vor der islamischen Zeit gab es ein Weltwissen, ein Wissen der Völker.

Allerdings. Dieses Menschheitserbe wird bis heute kosmopolitisch weiter entwickelt, doch wohl eher in Milieus, die von Fundamentalismus und Theokratie nicht so sehr geprägt sind.

66-67 Die Logik des Aristoteles (…) blieb da eine ganze Weile umstritten, wo der Koran mit seinen Versen als erste Beweisführung galt und die Logik als Konkurrenz erschien.

Nachvollziehbare Beweisführung macht den Hütern heiliger Denkverbote nun einmal schwer zu schaffen. Wir werden doch wohl im heutigen Islam nicht etwa Orte finden, an denen die Schlüssigkeit des Denkens gegenüber den Inhalten irgendwelcher Freitagspredigten oder Fatwas „als Konkurrenz erscheint“? Gar im Buch Islam für Kids? Wir werden.

Die inhumane Prägung der beschriebenen orientalischen islamisierten Stadtkulturen als Jahrhunderte der religiösen Entrechtung der Juden, der Christen und der Frauen unterschlägt uns der Autor großzügig.

81-82 Wir heute in Europa glauben an die Demokratie mit Wahlen und freier Presse, Gewaltenteilung und Menschenrechen. Im Grunde ist das auch eine Art Rechtgläubigkeit (…)

Hamadeh hält die Forderung nach Wahlrecht und Pressefreiheit für intolerant, radikal und fundamentalistisch? Dieses weltanschauliche Problem sollte der Autor doch bitte einmal im Dialog mit Verfassungsschützern vertiefen.

94 Die islamische Welt hatte jetzt alle Einflüsse der Umgebung in sich aufgenommen.

„Alle Einflüsse“, jetzt übertreibt der Autor aber ein wenig, von den Juden und Buddhisten und Griechen hätten die stolzen Muslime noch vieles lernen können.

Andererseits ist islamischerseits das Lernen von nichtmuslimischen Kulturen auch in unseren Jahrzehnten mal wieder mehr als überfällig: Psychoanalyse, Frauenrechte, negative Religionsfreiheit … die angeblich „beste Gemeinschaft“ (Koran Sure 3 Vers 110) hat, sehr beschämenswert, im weltweiten Vergleich mal wieder großen Nachholbedarf.

96 Christen und Juden lebten als Minderheiten in muslimischen Ländern.

Sie lebten nicht nur, sie starben auch. Nicht selten gewaltsam. In den meisten islamisierten Regionen gab es bald keine Christen mehr.

100 Die Menschen der muslimischen Welt liebten auch das Reisen sehr.

Meine türkische Nachbarin wird verprügelt, wenn sie einmal im Monat auch nur zum 100 Meter entfernten Kiosk geht, um sich ein paar Zigaretten zu kaufen. Ihr frommer muslimischer Mann gibt ihr auch keinen Euro Geld, sie tauscht daher bei einer feministisch-säkularen Nachbarin heimlich Naturalien, um an Münzen für ihr Genussmittel zu kommen. Autor Hamadeh aber lässt die mittelalterlichen Muslime „das Reisen lieben“? Die islamischen Frauen kann er jedenfalls nicht gemeint haben.

106 Die Rückeroberung Andalusiens durch die Spanier … 1492

Eben. Zurück erobert. Spanien den Spaniern, Fremdherrscher raus.

110 Wenn der Sultan anwesend war, verhielten sich alle mucksmäuschenstill.

War auch ratsam. Bei schlechter Laune des Sultans endete deine Audienz für dich tödlich.

110 Unter ‚Harem‘ versteht man in Europa oft die Frauengemächer des Herrscherhauses. ‚Privater Bereich‘ ist allerdings passender. Auch hier wurde Politik gemacht.

Etymologisch und orthodox zu „haram, verboten“ gehörend, war der Herrscher-Harem ein Ort der Menschenzucht aus den gekauften Söhnchenfabriken (Frauen). Der Autor verschweigt uns an dieser Stelle den Sachverhalt der koranisch legitimierten und islamisch traditionellen Vielehe, Polygamie. Unter Harem sollten wir alle, Nichtmuslime und Muslime, die Strukturen der Vielweiberei verstehen. Eifersüchtige Nebenfrauen pflegten die Söhnchen der Nebenbuhlerin im Harem, den alle Frauen nicht verlassen durften, zu ermorden, insofern wurde in der Tat „auch hier … Politik gemacht.“ Das zutiefst islamische Prinzip der ins Haus gesperrten Frau unterschlägt uns Anis Hamadeh ohne erkennbaren Skrupel, auch dasjenige der unter Deutschlands Türken so verbreiteten Zwangsehe oder das der häuslichen Gewalt.

110 Manche Historiker betonen, dass die islamische Orthodoxie das „Tor der selbständigen Forschung“ geschlossen hat. Diese Theorie des Kulturverfalls ist nicht von der Hand zu weisen.

Um wissenschaftliches Forschen im Sinne von Naturwissenschaft oder Sprachwissenschaft ging es bei der so genannten Schließung der Tore des Idschtihad eher sekundär, was Hamadeh eigentlich wissen sollte. Das Gegenteil zu idschtihād ist taqlīd, blindes Befolgen. Wer im letzten Jahrtausend kein mujtahid war, kein „Elite-Ulema“, der hat zu Koran und Sunna den Mund nicht mehr autonom öffnen dürfen. Taqlīd, stumpfsinniges Nachplappern des Lehrstoffes deiner madhhab, deiner Rechtsschule ist für dich als Muslim seither verpflichtend. Gegen diesen Kerker denken weltweit nur ganz wenige Menschen an, darunter Irshad Manji (mitunterzeichnend im „Manifest der 12“) und das Projekt Secular Islam. Ob dem offensichtlich nichtsäkulare Hamadeh nun der Mut oder der Verstand fehlt oder beides, um den Islam in die kulturelle Moderne führen zu helfen, das geht aus „Islam für Kids“ leider nicht hervor.

112 Große Teile Indiens beispielsweise stabilisierten sich unter den muslimischen Mogul-Kaisern.

Auf derlei „Stabilisierung“ hätten die unterworfenen Menschen Indiens als Buddhisten, Hindus oder auch Stammesreligiöse sicherlich gerne verzichtet. Bereits die islamische Schreckensherrschaft des Ala du-Din Khalji ließ die Nichtmuslime sich an ein wahrhaftig „stabiles“ Dasein als Sklave gewöhnen. Die Buddhisten wurden unter ihm und den Moguln nahezu restlos ausgerottet, fast alle buddhistischen Tempel Indiens systematisch zerstört. Durch gezielte, massenhafte Tötung der buddhistischen Mönche war es leichter, Indiens Buddhisten zwangsweise zu islamisieren, andere flüchteten in die zwar versklavten, aber für die Muslime zur Ausbeutung „volkswirtschaftlich“ unentbehrlichen Gemeinschaften der Hindus. Heute gibt es in Indien als der Heimat des historischen Buddha nur noch 0,8 % Buddhisten, darunter viele Exil-Tibeter. Auch Afghanistans Buddhisten sind längst ausgerottet oder zwangsislamisiert worden, letzte vorislamische Spuren sollten mit der Sprengung der Buddha-Statuen von Bamyan aus der Erinnerung getilgt werden. Die Zahl der in Indien während eines halben Jahrtausend islamischer Herrschaft ermordeten Hindus dürfte gewaltig hoch sein. Alles ein Beitrag zu „Stabilisierung.“

112 Revolution in Arabien … eine revolutionäre Bewegung … Muhammad ibn `Abdu l-Wahhāb (1703-1792) … vertrat einen besonders strengen Islam

Nun, wir Demokraten dürfen „islamische Revolution“ in der Tat getrost als Aufbau einer theokratischen Schreckensherrschaft verstehen, als politische Systemtransformation hin zu einem islamischen, sprich einem inhumanen und quasi-rassistischen Staatswesen, in dem Frauen und Nichtmuslimen die Rechte männlicher Muslime nicht mehr zugänglich sind (Allahkratie, englisch Allahcracy).

Abdu l-Wahhāb ließ sich von dem um 1300 lebenden Sufi-Gegner und geistigen Ahnherrn des neuzeitlichen Islamismus Ibn Taimiya inspirieren und schuf in der Tat diejenige Variante von Staatsislam, der es bis heute gelungen ist, mit der heute auf Brutalität und Erdölverkauf beruhenden Macht des saudischen Königshauses als des Hüters der heiligen Stätten zu verschmelzen.

Wahhabiya ist eine fromme islamische Kultur der Prügelstrafen oder Auspeitschungen für Männer, der vollzogenen Todesstrafen, der Inhaftierung gewaltloser politischer Gegner und der Haft ohne Anklage und Gerichtsverfahren. Homosexualität wird, islamrechtlich einwandfrei, mit Auspeitschungen bestraft. In Städten dürfen Frauen kein Auto fahren. Frauen dürfen das Land nicht ohne Erlaubnis durch ihren „Vormund“ (männlichen Besitzer oder Hüter) verlassen. Hamadeh verschweigt diesen menschenverachtenden Sachverhalt und bevorzugt die Wortwahl „besonders strenger Islam.“

Im Jahre 2007 wurden im Staate der von Anis Hamadeh so genannten „Revolution in Arabien“ 153 Männer und 3 Frauen hingerichtet, die meisten davon mit dem im der Landesfahne so dekorativ dargestellten Schwert enthauptet. Statt Pressefreiheit herrscht im wahhabitischen Saudi-Arabien strikte Zensur, was „Islam für Kids“ allerdings großzügig übergeht. Großzügigkeit ist eine islamische Tugend.

114 Kolonialismus

Der Herrschaftsbereich des Islam ist ein einziger Imperialismus und Kolonialismus. Muslime betrieben jahrhundertelang Sklavenfang und Sklavenhandel. Die Doktrin der Dār al-Harb meint das Imperium Allahs, Nichtmuslime sind islamrechtlich Menschen minderen Wertes.

117 [Die ] Muslimischen Reformer. (…) [al-Afghānī, `Abduh und Raschīd Ridā] formulierten den Islam neu.

‚Den Islam neu formulieren‘, Anis beliebt zu scherzen. Die drei radikalen Theokraten al-Afghānī, `Abduh und Raschīd Ridā sind die Wegbereiter der rückwärtsgewandten as-Salafiyya, einer Gegenbewegung einerseits zu Europas Kolonialismus, andererseits gegen die kulturelle Moderne mit deren Forderungen nach universellen Menschenrechten, negativer Religionsfreiheit, Glaubenswechsel in jede Richtung und Frauenrechten. Der populärste rheinische Seelenfänger der Salafiyya ist Pierre Vogel, die von ihm und seinen Getreuen kultivierten Attribute sind Kittel, Bart und Strickmütze für die Männer beziehungsweise Tschador oder sogar Niqab für die ins Hinterzimmer huschenden Weibchen. Hat der Autor Sympathien für die Salafiyya? Wir wissen es nicht … und Anis äh Allah weiß es am Besten.

117 1928 gründete Hasan al-Bannā die Muslimbruderschaft in Ägypten …

… als den Wurzelgrund nahezu sämtlicher islamischer terroristischer Gruppen. Gegründet vom Kolonialismus- und Kapitalismuskritiker al-Banna wuchs die Muslimbruderschaft, al-ichwān al-muslimūn, zu einer Gegenkraft, die seit 1948 plausibel verdächtigt wird, den ägyptischen Staat stürzen zu wollen.

Dass sich die Ägypter um 1928 vom Bau und Betrieb des Suez-Kanals überrollt und gedemütigt fühlten ist vielleicht nachzuvollziehen. Bezeichnend jedoch, dass sie nicht mit Fleiß und Lernen nach Zugang zur damaligen höchsten Technologie strebten wie etwa Japaner oder Koreaner es getan hätten und haben, sondern mit einer „Rolle rückwärts“, mit einer Verweigerungshaltung bei Verehrung und Verklärung der asr as-saadet, der islamischen Frühzeit als eines Zeitalters der angeblichen Glückseligkeit.

Hassan al-Banna ganz realpolitisch: „Es liegt in der Natur des Islam, zu herrschen und nicht beherrscht zu werden, seine Gesetze allen Nationen aufzuzwingen und seine Macht über den gesamten Planeten auszuweiten.“

1800 radikal-muslimische Anhänger zählt der bundesdeutsche Zweig der Muslimbruderschaft (MB), welcher auch die Islamische Gemeinschaft in Deutschland (IGD) unter Ibrahim el-Zayat zugerechnet wird. Die MB scheint eine Art Outsourcing zu betreiben, für den militärtechnischen Teil und in Israel sowie Palästina etwa ist die HAMAS zuständig, die Raketen baut und benutzt, Selbstmordattentäter ermutigt und bereits Kindergartenkinder antiisraelisch indoktriniert und Wehrsport einüben lässt. HAMAS-TV führt diese Pädagogik der Aufhetzung weiter, berüchtigt ist die dschihadistische und antisemitische Kinderfilm-Reihe „tomorrow`s pioneers“ mit den Comic-Figuren Farfour und Nahool, geklaut bei Walt Disney. Ibrahim el-Zayat ist Vorstandsmitglied bei dem der MB freundschaftlich nahe stehenden FIOE, zu dem muslimische „Jugendwerke“ wie WAMY und FEMISO gehören.

Jene FEMYSO, mit der sich Europas christlichem Jugendverband EYCE im Dezember 2007 im griechischen Vólos zum Gespräch traf (Monologue or Dialogue? Inter-religious dialogue meets fundamentalism”), eingebettet in die Veranstaltungsreihe “All Different – All Equal”, European Youth Campaign for Diversity, Human Rights and Participation.

All different, all equal. Alle anders, alle gleich. Irgendwie gleich also … vor dem Europarat oder auch dem radikalislamisch unterwanderten UN-Menschenrechtsrat oder auch vor dem unsichtbaren Allah höchstpersönlich.

Die auf Hasan al-Banna zurück gehenden, der heutigen MB nahe stehenden Strömungen fühlen sich nicht der freiheitlichen Demokratie verpflichtet, sondern der aus orthodoxer islamischer Doktrin einzig legitimen Gesellschaftsform, dem hilāfa, Allahs Kalifat. Dazu aber sagt unser Islamwissenschaftler, Herr Hamadeh aus Mainz? Nichts.

120 Seit fast hundert Jahren steckt der Konflikt in Palästina/Israel wie ein Keil zwischen der islamischen und der westlichen Welt.

Das ist nicht verantwortungsvoll, den in den wenig bürgerrechtlichen islamischen Regimes von Regierungen wie Oppositionsgruppen zu propagandistischen Zwecken „nützlichen“ Nahostkonflikt auch hier derartig zu stilisieren. Die zwar häufige, aber nicht desto weniger groteske Chiffre „Welt“, ob „islamische Welt“ oder „westliche Welt“ sollte man ohnehin vermeiden, wie wäre es mit etwas mehr Eine-Welt-Idee? Zumal ja hier recht unverhohlen der islamische Welt-Teil vom westlichen Teil (der Welt) abgegrenzt wird. Will Hamadeh zwei Welten? Dar al-Harb und Dar al-Islam?

122 Am 11.09.2001 sind zwei Flugzeuge ins World Trade Center in New York geflogen und haben beide Türme des Gebäudes zerstört.

Es gab mehr als dreitausend Tote, ja. Die beiden Muslime Chalid Scheich Mohammed und Mohammed Atef sind wohl die Planer der Anschläge. Der in Syrien geborene deutsche Staatsbürger Muhammad Haider Zammar, in Pakistan als Mudschahidin-Kämpfer ausgebildet, rekrutierte die ausführenden Muslime, mehrere davon im Hamburger Studentenmilieu um die als radikal geltende Hamburger al-Quds-Moschee. Der gebürtige Ägypter Mohammed Atta, 1993-1999 Student der Stadtplanung in Hamburg, kann als Anführer des deutschen Kreises der dschihadistischen eingewanderten Studenten gelten. Jung, männlich, muslimisch, antiwestlich, etwas entwurzelt, radikal-islamisch, fast ein bisschen deutsch, antimodern, antisemitisch. Sympathisanten des zeitweisen Mitglieds der Muslimbruderschaft Osama bin Laden und der dschihadistischen Netzwerke von und um al-Qaida.

122 eine neue Lücke zwischen West und Ost entstanden ist

Lücke, Kluft. Die man nicht um jeden Preis schließen, überwinden muss, schon gar nicht aus Angst vor weiterem radikal-islamischen Terror, unter dem auch freiheitliche orientalische Muslime leiden, Freidenker, Frauenrechtler. Auch müsste der Autor jetzt eigentlich im Nahen Osten sowie unter Europas Muslimen für weltbürgerlichen, kosmopolitischen Geist werben, für die Eine-Welt-Idee, für die Universalität der Menschenrechte, wenn ihm wirklich an einem Frieden in Freiheit gelegen wäre. Aber der politische Islam sagt ja nicht Freiheit, sondern Gerechtigkeit …

122 Wenn du auf die Geschichte des Islam blickst, siehst du, dass einem friedlichen Miteinander eigentlich nichts im Weg steht.

Das ist für uns Leser des „Islam für Kids“ allerdings gar nicht zu sehen. Eine vormoderne Herrschaftsordnung, welche Frauen entrechtet, Ungläubige verachtet, Abtrünnige der heiligen Ermordung anempfiehlt, gehört nicht, ja: „Nicht ungezähmt“ in die freiheitliche Demokratie und muss, durchaus: „Wie ein wildes Tier“ gebändigt, gefesselt, eingegrenzt und eingeschränkt werden, soll sie in Kindererziehung, politischer Meinungsbildung, Arbeitswelt, Nachbarschaft und innerer Sicherheit keinen Schaden stiften.

Ich weiß, nicht-säkulare Muslime gucken traurig und schreien: „Rassismus, Diskriminierung!“ oder „Islamisch zu leben ist mein Freiheitsrecht!“

Islamrechtlich einwandfrei Delinquenten köpfen oder ihnen die Hand und den Fuß amputieren, solange es, ganz nach Allahs Anweisung, nur der Fuß der anderen Körperseite ist? Kindern in jeder Koranschule und jeder auch nur halbwegs orthodoxen Familie einreden, dass die Ungläubigen, darunter die Mehrheit der christlichen und wohl sicherlich alle jüdischen Nachbarn und Mitschüler nach dem Tod in der Hölle schmoren? Dazu aufrufen, das Dogma der weltweiten Islamisierung und mit jedem Mittel durchsetzen zu dürfen, vorzugsweise mit List oder Gewalt? Sehr geehrter Herr Islamwissenschaftler, mit dem „friedlichen Miteinander“ wird das leider nichts.

Töchter und Söhne zwangsweise verheiraten, bei Bedarf Neunjährige verheiraten und ehelich vergewaltigen, die von der al-Azhar gebilligte und in Ägypten täglich praktizierte Frauengenitalverstümmelung beschweigen sofern man nur Anis Hamadeh heißt, Vielweiberei (Polygamie) dulden? Verbot des Glaubenswechsels und der Islamkritik? Herr Hamadeh, Ihre Lieblingsreligion steht bis auf Weiteres einem „friedlichen Miteinander“ durchaus sehr im Weg.

208 Für männliche Kinder ist im Islam wie auch im Judentum die Beschneidung vorgeschrieben, bei der die Vorhaut vom Penis chirurgisch entfernt wird, heutzutage normalerweise in einem Krankenhaus. Es handelt sich um eine Hygiene-Vorschrift. Dieses Ereignis wird als festlich angesehen.

Anis, lies mal Bruno Bettelheim und befrage die Häuptlinge der Papuas oder Aborigines. Ach ja, jeder Mensch sei von Natur aus Muslim und das Vorkommen der sexualmagischen Routine-Jungenbeschneidung bei afrikanischen und pazifischen Stammeskulturen sei so etwas wie ein korankonformer Gottesbeweis?

Routinebeschneidung ist vormodern und die „heiligen“ Beschneidungswerkzeuge gehören ins Museum. Dass sich mittlerweile eine „Medikalisierung“ der sexualmagischen Körpermutilationen eingeschlichen hat, in Ägypten und Ostafrika natürlich gerade auch die ungleich grausamere weibliche Genitalverstümmelung betreffend, verschleiert leider sowohl die archaischen Wurzeln als auch die zu erhoffende Durchschaubarkeit dieses theokratischen Unterwerfungs- und Initiationsrituals.

Ich habe mir einen Scherz erlaubt, Anis. Du musst jetzt nicht das tun, was dir die Häuptlinge der Papuas und Aborigines sagen, die haben nämlich ihre womöglich höchst grausame und unwissenschaftliche Variante von at-tahāra, ritueller Reinheit, meist mit zusätzlichem heiligem Zahnausschlagen und gottgewollter Tätowierung verknüpft. Tu`s dir nicht an.

Der Autor von „Islam für Kids“ vermengt die Begriffe „rein“ und „sauber“ oder behauptet, die Jungenbeschneidung diene dem Aspekt „sauber“ (Hygiene), wo es doch überwiegend um „rein“ (rituelle Reinheit) geht. Entscheidend: Hamadeh stellt die Jungenbeschneidung und den sie umgebenden Konformitätsdruck nicht annähernd in Frage, sofern er ihn überhaupt durchschaut. Modern denkende Pädagogen, Urologen, Kinderärzte, Psychologen oder Politiker können einer sexualmagischen Routine-Operation am Genital des männlichen Kindes nicht zustimmen.

Bettelheim betont den initiatorischen und zugleich sexualmagischen Charakter der geheiligten Zirkumzision ostafrikanischer und melanesischer Stämme, bei denen die Einritzung oder Entfernung der Vorhaut am Genital des kleinen Mannes sowohl die Einweihung in die Kriegerkaste beziehungsweise den Jägerbund markiere als auch Schmerz und Blutung einem grandios scheiternden Versuch der Aneignung der Macht weiblichen Gebärens entspreche. Durch die Mutilation am Genital werde der Mann zum zweiten Mal geboren, die unvermeidliche Geburt aus der Mutter überkrönt, übertroffen und die Frauengeburt und damit die Frau religiös abgewertet. Der Krieger, so ließe sich mit Bettelheim sagen, gebäre sich selber. Vom Fransenschneiden in die Vorhaut bis zum Aufritzen der Harnröhre war und ist im Laufe der Jahrtausende mancherlei getrieben worden am „männlichsten aller Körperteile“ (Jacques Auvergne).

Jungenbeschneidung als „kulturelle“ oder sexualmagisch-religiöse Routine ist ein Angriff auf das männliche Genital und damit ist sexualisierte Gewalt, nennen wir es Kindesmissbrauch. Routine-Zirkumzision, ob Amerikaner, Papuas, Juden, Aborigines, Muslime oder Südkoreaner, verstößt gegen die Maßgabe der körperlichen Unversehrtheit und darf in der kulturellen Moderne etwa mit Religionsfreiheit nicht zu entschuldigen sein. Der Initiant männlicher Genitalverstümmelung weigert sich erklärlicherweise, sich einzugestehen, Opfer seiner (angeblich „rituell reinen“ wie zugleich „zivilisierten, hygienischen“) Kultur zu sein.

Der männliche Autor entstammt als Kind einer deutschen Mutter und eines palästinensischen Vaters dem Grenzgebiet zwischen einer beschneidungsobligatorischen und einer beschneidungsindifferenten Kultur. Was macht Hamadeh als verantwortlicher Verfasser „Islam für Kids“, wovor schreckt der stolze Krieger Gottes nicht zurück? Die patriarchalische Ritualzirkumzision ins Kapitel „Kinder“ zu verfrachten und sie als „Hygiene“ zu rationalisieren und zu bagatellisieren.

Üblicherweise die zweite geheiligte sexualisierte Gewalterfahrung für muslimische Männer, womöglich für jeden zweiten da zwangsverheirateten türkischen Mann, ist die durchzuführende Penetrierung der Jungfrau in der Hochzeitsnacht, indes draußen die Dorfbevölkerung oder Großfamilie auf das blutbefleckte Bettlaken wartet. In Allahs überirdischem Glanz fusionieren Sexualität und Gewalt schier unauflöslich, Reinheitswahn und Sadismus.

212 Kleidung. Zugrunde liegt das islamische Gebot, sich nicht aufreizend und eher zu kleiden.

Islamischer Tugendterror, der seine „satanischen“ Opfer konsequent und maschinengleich konstruiert, schafft, fordert. Auf Frauenseite finden wir hier die Grunddichotomie „Heilige und Hure“ jedes Patriarchats. Frau-frauliches Nase-Drehen, „Ätsch, ich komme in den Himmel, Schwester, und du nicht, dein Kopftuch ist zu wenig keusch!“ Kopftuchmobbing, Tugendterror.

Die Muslima sei lebenslang, so die Logik von Hijab und Niqab, von Unreinheit, das heißt von diabolischem Dreck bedroht. Der Muslima drohe mit sittlichem Fehlverhalten eine Gottesferne, die den Männerbund in seiner Ordnung und Frömmigkeit zerstören könne. Dem Muslim wird der angeborene Wesenszug des Vergewaltigers unterstellt.

Muslimischen Männern wie Frauen wird mit der wortlosen Sprache der Kleidung anerzogen, angedrillt, antrainiert: Als „Sorte Mensch“ erhebe sich die Umma mit der arroganten Selbstkennzeichnung sakraler Kleidung über die fürs Höllenfeuer bestimmten Barbaren. Das ist neben der mehr oder weniger radikal realisierten Geometrie der Geschlechtertrennung die zweite Geometrie oder Dichotomie: Die sittlich höherwertigen Gläubigen gegen die Kuffār. Das gibt schon mal Probleme im Klassenzimmer oder Großraumbüro, zumal kleine Mädchen eingedreckt und verprügelt werden, wenn sie ihre „Bedeckung“ nicht fromm genug tragen.

Weder der ebenso alberne wie brutale Konformitätsdruck noch die Dynamik der aufgezwungenen „Muslimisierung“ durch radikal-islamische Gruppen, die den muslimischen Frauen in Kairo wie in Köln, in Beirut wie in Berlin eine jeweils immer „noch keuschere, noch strengere“ Kleidung vorzuschreiben trachten ist dem Autor eine Zeile wert. Auf Videos gewisser Kindergartenfeste der „pädagogischen Arbeit“ der palästinenischen HAMAS (zur Firmengruppe Muslimbruderschaft) sind Wesen, fraglos Frauen mit Tschador und Niqab zu sehen: Keusche wie reinheitsbedrohte Weibchen mit Sehschlitz-Anblick und zugehörigem Sehspalt-Weltbild. Soweit zu „islamische Kleidung“, steht aber nicht in „Islam für Kids.“

212-213 … sieht man so gut wie nie Männer und schon gar nicht Frauen in kurzen Hosen … man macht es nicht, weil man sich nicht wohl fühlen würde oder weil die Leute sonst über einen reden.

Frau macht es nicht, weil man ihre koranisch angedachten blauen Flecken sehen könnte, weil sie an der nächsten Ecke von Muslimen vergewaltigt werden würde und weil sie weiß, dass die Beine von westlich-dekadenten Minirockträgerinnen im islamisierten Teil der Erde dann und wann mit Säure übergossen worden sind. Soviel zu Scharia und Shorts für Frauen.

Der Autor ist zu feige, im Orient Shorts zu tragen, weil er Angst hat ins Gerede zu kommen? Klar, Moslems, männliche wie weibliche übrigens, gaffen kurzbehosten Männern so lange auf die Beine und signalisieren mit Gesten, Schnalzen, Zischen und Augenrollen, dass der Mann wohl schwul sein müsse oder Heide oder Schlimmeres, bis das der frevlerische Mann wieder keusch seine Beinchen bedeckt. Aus Europas Zuwanderermilieus heraus baut sich Gruppendruck auf Jungen jeder (Ex-)Religion auf, im Schwimmbad wenn nicht Kniebundhosen so doch Bermuda-Shorts zu tragen. Soviel zu Scharia und Shorts für Männer.

Den Konformitätsdruck zur Sittsamkeit kritisieren sieht sich Hamadeh nicht in der Lage. Der Autor schweigt zum textilienbezogenen Gruppenzwang.

213 Sauber soll die Kleidung sein. Das ist schon etwas Islamisches, denn im Koran und in der Sunna …

Ach so, sauber muss Kleidung sein! Steht in „Islam für Kids.“ Ach nein, steht im Koran und in der Sunna …

213 Hygiene-Regeln (..) wie das Waschen vor dem Gebet oder das Haareschneiden beim Hadsch

Vor wenigen Jahren gab es einmal eine etwas problematische Fernsehreklame: „Nicht sauber, sondern rein!“ Putzmittelbezogene Produktwerbung also griff auf magisches Denken zurück.

Haareschneiden bei der Pilgerfahrt ist ein öffentlich Demut wie Stolz darstellendes Ritual der Unterwerfung, Hingabe, der Solidarität und der „Verwandlungsbereitschaft“, weltweit haben viele Kulte oder Glaubenslehren ähnliches. Gegen Riten ist nicht grundsätzlich zu protestieren, doch sollte man sie den Ungläubigen und auch nicht den eigenen Kindern als „hygienisch“ verkaufen. Sich dem Göttlichen nähern ist ein Weg heraus aus dem Alltäglichen, die zwar konstruierte aber seelisch für Menschen wohl nicht gänzlich vermeidbare Aufteilung von Handlungen, Zeiten und Räumen in profane und sakrale Bereiche „fordert“ sichtbar werdende Sinnzeichen.

Nebenbei erhebt sich der sich einem Reinheitskult verpflichtet fühlende „Rechtgläubige“ mehr oder weniger unsozial über den „Ungläubigen“, wohl keine Geistlichkeit betont die „frevelhafte Dreckigkeit“ der Andersgläubigen so sehr wie die islamische. Das jedoch brauchen sich nichtmuslimische Demokraten nicht so ohne Weiteres gefallen lassen, von englischen, niederländischen oder deutschen Moscheepredigern als stinkend und unzivilisiert bezeichnet zu werden, nicht wahr, Herr Hamadeh?

213 … gehört auch, dass sich Muslime nach dem Toilettengang den Po mit der linken Hand waschen, weil die rechte fürs Essen gebraucht wird. Wenn man sich überlegt, dass zur Zeit des Propheten weder Klopapier noch Messer und Gabel benutzt wurden, wird deutlich …

… dass wir nicht im siebten Jahrhundert leben. Dass aber die muslimische Mami den Kindern mit Geschrei und Ohrfeigen die linke Körperhälfte als teuflisch, dreckig, schwul und feminin antrainieren muss. Den Weltraum und die deutsche Stadtöffentlichkeit schariatisieren heißt eben auch, den Körper zu zerspalten. Wie soll das Kind jemals Juden, Atheisten, Linkshänder, Frauen und Homosexuelle hassen, wenn dieses nicht „erlebnispädagogisch wertvoll“ antrainiert wird? Hamadeh verschweigt uns diese „Islampädagogik“ der verteufelten linken Körperhälfte, letztere wir nach C. G. Jung der „Anima“ des Menschen zuordnen dürfen. Auch andere patriarchalische Kulturen beziehungsweise Milieus verwenden „links“ als Synonym für „verhext“ (Redensarten wie „mit dem linken Fuß aufstehen“) oder unmännlich-schwul. Scharia beruht auf halbierten Klassenzimmern und Stadträumen (Geschlechtertrennung, Dhimmi-Ghettos, selbstgewählte Segregation der Muslime) ebenso wie auf einer zur entsprechenden Motivation unentbehrlichen Spaltung der Seele und der Persönlichkeit.

Nur sehr säkulare oder sehr moderne türkische Eltern lassen ihr Kind als Linkshänder zu. Der Hass auf die linke Hand entspricht dem Hass auf die Frau und den unmännlichen (schwulen, atheistischen) Mann, nicht nur im rückständigen Teil des Islam, aber gerade dort.

Klassisch-islamrechtlich gilt es, homosexuelle Männer zu töten, indem man sie von hohen Gebäuden in die Tiefe stürzt.

214 Grundsätzlich gilt, dass Islam alle Bereiche des Lebens betrifft

Das bezeichnet der Totalitarist als ganzheitlich und der freiheitliche Demokrat als totalitär.

214 … denn es zählt zu den islamischen Tugenden, anderen Menschen zu helfen und gut zu ihnen zu sein …

Nur Juden dürfen diese Menschen nicht sein, Apostaten auch nicht, auch keine Islamkritiker. Frau ist auch nicht so gut. Es ist schon ein tolles Gefühl, ein guter Mensch zu sein. Eine gute Dosis Islam schmeichelt dem Ego.

216 Kriege zwischen Muslimen … werden als unislamisch abgelehnt.

Warum sprengt ihr Sunniten und Schiiten euch dann zum Freitagsgebet in Bagdad oder Basra wechselseitig aus der Moschee?

Im Prinzip stimmt dieser Satz auch noch. Islam will den Krieg gegen den Nichtislam. Bis zur Unterwerfung (Islam). Unterwirf dich und du wirst verschont (Aslim, taslam). Doktrin ist, die Welt glücklich zu islamisieren, bis dahin ist der Nichtmuslim Mensch zweiter Klasse und darf übervorteilt werden. In der tausend Jahre alten und von Hamadeh nicht kritisierten Doktrin der „islamischen Gesellschaft“ sind Nichtmuslime (soweit Dhimmis) als Menschenklasse minderer Rechte vorgesehen, Polytheisten und Atheisten (zur Klasse der Harbis) dürfen einfach so getötet werden. Gleichberechtigung für Zoroastrier oder Christen oder Bahá`í gibt es in Saudi-Arabien oder im Iran ganz offiziell nicht, in der Türkei oder in Ägypten funktioniert diese Diskriminierung der Nichtmuslime gewissermaßen spontan.

239 Aus den anerkannten Hadith-Werken geht hervor, dass das Abhacken der Hand tatsächlich von Muhammad praktiziert wurde. Auch im christlichen Europa wurde übrigens Dieben die Hand abgehackt.

Richtig. Es gab Religionsstifter, die Dieben die Hand abhacken ließen und es gab Religionsstifter, die Dieben nicht die Hand abhacken ließen.

240 Ebenso wie der islamische Prophet … das Abhacken von Händen in Einzelfällen selbst in Auftrag gab, so hat er auch in mehreren Fällen befohlen, Menschen hinzurichten.

Mohammed halt. Scharia.

245 Deshalb erben Frauen nach islamischem Recht nur die Hälfte von dem, was Männer erben. … Nach islamischem Recht wiegt die Aussage einer Frau – da, wo sie überhaupt als Zeugin auftreten darf – halb so viel wie die eines Mannes.

Koran halt, Scharia.

245 Muslimische Männer dürfen Nichtmusliminnen heiraten, muslimische Frauen aber keine Muslime.

Was, alles andere als zufällig, im Laufe der Jahrzehnte eine ethnoreligiöse Auslöschung der Nichtmuslime (Islamisierung) der Region befördert, da jedes Kind eines männlichen Muslims ungefragt Muslim ist und das Entführen jedenfalls Beutemachen an zu schwängernden Dhimmifrauen islamische Folklore. Islam expandiert auf Kosten der Nichtmuslime (auf wessen denn sonst). Der Autor stellt dieses patriarchalische, expansive und kulturenzerstörende Prinzip mit keinem Wort in Frage.

Hamadeh ist hier ganz persönlich betroffen, was er freilich uns gegenüber – und vielleicht sich selbst gegenüber – nicht zugibt, was er dreist oder panisch verleugnet: Wäre seine Mutter muslimische Palästinenserin und sein Vater (nichtmuslimischer) Deutscher, stünde einer Karriere Hamadehs bei den Ex-Muslimen ebenso wenig im Wege wie der Benutzung eines Schraubenziehers zum Abschrauben des Mainzer Klingelschildes aus berechtigter Sorge vor einem islamisch inspirierten Attentäter. Oder dem arabischen „Ehre waschen“ sprich Ermorden an der „Verräterin“, der muslimischen Frau, die einen Kāfir zu heiraten wagte.

Das sollte in der kulturellen Moderne anders sein. Durch sein Schweigen mach sich Hamadeh zum Komplizen der politischen Scharia, der von radikalen Kreisen gewünschten Schariatisierung Europas.

245 Die Gleichberechtigung von Frau und Mann ist eine Herausforderung für die drei von Männern beherrschten Religionen.

Hindus, Sikhs, Maoisten und atheistische Wohngemeinschaften nicht zu vergessen. Herausforderung oder Zumutung? Was hält der Autor von dieser „Herausforderung“, die gegen die von Mohammed pardon Allah gestiftete heilige Scharia schließlich ganz klar verstößt? Erwartet Hamadeh ein klares Bekenntnis zur Gleichberechtigung der Frau, ausgesprochen durch die orthodoxe Geistlichkeit der Palästinenser oder der al-Azhar oder des europäischen Fatwa-Rates? Er erwartet nichts, er vermisst nichts, so dürfen wir als Säkulare und Demokraten das Schweigen des Autors von „Islam für Kids“ doch wohl deuten.

247 … im siebten Jahrhundert war es üblich, dass Väter ihre Töchter verheiratet haben.

Jede zweite Frau, Türkei, heute. In unseren Städten sind regelmäßig sechzehnjährige oder sogar fünfzehnjährige „Frauen“ in den Sommerferien verheiratet worden. Die Braut kann aber auch in Europa durchaus einmal ein halbes Jahrzehnt jünger sein; im Jemen klagte eine Achtjährige vor Gericht dagegen, in der Ehe dauernd vergewaltigt zu werden. Gut, das Prinzip Kindbraut ist in der islamischen Praxis glücklicherweise eher selten, doch warum verschweigt Hamadeh uns die Alltäglichkeit der arrangierten Ehe sprich Zwangsehe?

248 Ebenso werden Mädchen nicht mehr verheiratet und schon gar nicht in dem Alter, in dem etwa Muhammad die `Aischa geheiratet hat

In Nordrhein-Westfalen ist die Hälfte der türkischen Ehen erzwungen. Ist das, lieber Herr Hamadeh, in Rheinland-Pfalz so anders?

Deutscher Islam: Die Zwangsehen der achtziger und neunziger Jahre sind für sechzehn- und fünfzehnjährige Schülerinnen arrangiert worden, das wird in unseren Städten von den betroffenen Frauen heute relativ offen zugegeben („Ich kannte meinem Mann nur vom Sehen“, „Ich sprach mit ihm erst nach der Hochzeit“).

Wir Sozialarbeiter und Sozialpädagogen wissen von muslimischen Kinderehen für dreizehnjährige, zwölfjährige, elfjährige Mädchen. Das ist selten, das kommt aber vor. Die schwangere türkische Unterstufenschülerin als islamische Braut einer Imam-Ehe sowie, für ältere Bräute, leider immer noch die traditionelle Cousinen-Ehe sind ein sehr deutsches Thema, sozialpädagogisch wie polizeiarbeiterisch.

252 Friedliches Nebeneinander … muslimische neben nichtmuslimischen Ländern

Länder, nicht Menschen. So wird praktischerweise die stets mehr oder weniger entrechtete Situation aller Nichtmuslime in „muslimischen Ländern“ ausgeblendet. Wobei „muslimisches Land“ den Islam als ordnungspolitisches System erkennbar macht und dem europäischen Leser offensichtlich nahelegt, der Einrichtung von islamisch befreiten Zonen zuzustimmen, von schariatisierten Territorien.

Autor Hamadeh spricht nicht von freiheitlicher Demokratie, verzichtet darauf, eine Säkularisierung des Islam als Qualitätskriterium aufzuzeigen.

Lebt Hamadeh, als Sänger und Maler in Mainz und übermorgen auf Vortragsreise zu Coletta Manemann in Bonn, lebt er in einem „nichtmuslimischen Land“ oder nicht vielmehr in einer freiheitlichen Demokratie der universellen Menschenrechte, geprägt von Gleichberechtigung der Geschlechter und Religionen, von Pressefreiheit, negativer Religionsfreiheit und altehrwürdiger Religionskritik? Fragen über Fragen.

273 Schalten wir den Fernseher ein … nach einem Bombenanschlag … jemand ruft ‚Allāh, Allāh‘ …

Es ist sehr erklärlich und sehr angemessen, wenn ein verängstigter Mensch in Not den Namen seines Gottes ausruft. Nanu, irgendetwas stimmt hier noch nicht so ganz: „Nach einem Bombenanschlag“ schreibt der Autor?

Ach ja: Uns Kritiker des politischen (orthodoxen) Islam beunruhigen nicht die Allāh-Allāh-Rufe nach einem Bombenanschlag islamischer Extremisten mit Opfern irgendeiner Religion oder Nichtreligion, sondern die Allāh-Allāh-Rufe der genannten Extremisten vor ihrem Bombenanschlag.

281 Der soziale Frieden entsteht da, wo sich die Menschen mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen kennen und respektieren.

Muslime haben, alle kollektiv, wie zufällig als Individuum dieses und jenes Bedürfnis, das wir in „Islam für Kids“ nachlesen können. Heh, du bist Muslim, du musst jetzt dieses und jenes Bedürfnis haben, steht bei Hamadeh.

Geschickt übergeht und vernebelt der an der Scharia orientierte Autor die Konstruktion von ethnoreligiösen Kollektiven, von Menschenklassen. Die Säkularen oder Nichtmuslime mögen „die Muslime“ also hinfort in Ruhe lassen und deren „besondere Bedürfnisse“ nicht stören, sondern respektieren. Andernfalls, hier schwingt sehr erpresserisch eine sorgsam dosierte Drohung mit, gebe es keinen sozialen Frieden. Sondern, richtig, sozialen Krieg.

281 … ist es nicht zu übersehen, dass Migranten und Migrantenkinder im Durchschnitt eine schlechtere Ausbildung und schlechtere Jobs erhalten. Sie werden seltener für höhere Schulen vorgeschlagen und schaffen es nicht so häufig in gut bezahlte Berufe.

Hamadeh unterstellt Europas nichtmuslimischer Mehrheit augenzwinkernd ein bisschen Rassismus. Deutschlands Muslime namentlich Türken sind leider immer noch mehrheitlich Bildungsverweigerer, das gilt auch für Roma (Zigeuner). In unserem Haus wohnt ein sehr frommer türkischer Vater, der seinen fünfjährigen Sohn ins Gesicht schlug, wenn dieser auch nur das Wort danke auf Deutsch sagte. Letzterer wurde, wundert uns das jetzt, zwar eingeschult, aber aufgrund eines Wortschatzes von 25 Worten und der Unfähigkeit, auch nur einen vollständigen Satz zu bilden, von entsetzten Lehrern zurückgestellt, in einen Kindergartenkurs mit Deutschunterricht geschickt. Seine Mutter ist übrigens in Deutschland geboren worden, ihr zwangsweise anverheirateter Ehemann, erst nach der Hochzeit nach Deutschland importiert, verbüßte hier im Rheinland mehrfache Haftstrafen und murmelt gelegentlich „Scheißdeutschland.“ Alle Kinder dieser intellektuell mindestens durchschnittlich begabten türkischen Familie werden, mit Hamadehs Worten, „schlechtere Ausbildung“ erhalten. Es ist ebenso tragisch wie angemessen, dass diesen Kindern keine unverdient guten Schulnoten hinterher geworfen werden.

281 Deutschland ist für sie eine Heimat.

Das ist für 90 % der immigrierten Muslime falsch und Hamadeh weiß das. Die Frauen dürfen nicht mit Kolleginnen auf Wochenendtour sofern sie überhaupt das Haus verlassen dürfen, die Mädchen werden vom Schwimmverein abgemeldet, die Jungen weigern sich, etwas über deutsche Geschichte oder Naturkunde oder Politik zu lernen, die Männer haben ein Alibi, den deutschen Staat irgendwie doof zu finden, der sie ja öfter mal inhaftierte.

Und der Mainzer Hamadeh singt „Free Gaza!“

284, 287 Euro-Islam (vgl. 117 Muslimbruderschaft)

Enkel von al-Banna (117) ist übrigens Tariq Ramadan, der dem – säkular gemeinten! – Begriff „Euro-Islam“ eines Bassam Tibi einen theokratisch verstandenen „Euro-Islam“ dreist gegenüber setzt.

Wobei Anis Hamadeh den Euro-Islam (säkular) eines Professor Tibi in geschickter Hütchenspieler-Manier mit dem nahezu konträr angelegten Euro-Islam (theokratisch) eines Tariq Ramadan verwirbelt und vernebelt.

Euro-Islam, sofern Tariq Ramadan statt Bassam Tibi: Ziemlich viel Islam, ziemlich wenig Europa.

326 … ebenso der türkische Nationalismus, der zum Beispiel im Verhältnis zu den Armeniern (…) deutlich wird

An ungefähr tausend türkischen Orten wurden 1915 und 1916 jeweils ungefähr tausend Armenier ermordet, weshalb 1917 auch 1.000.000 Menschen „fehlten“, nebenbei bemerkt: Christliche Menschen fehlten. Es gehört leider zum hochnäsigen türkischen Selbstverständnis, bis heute den Völkermord an den Armeniern zu leugnen. Erst ganz wenige türkische Intellektuelle haben es öffentlich gewagt, über den verschwiegenen Genozid zu reden, noch jeder von diesen wurde anschließend beschimpft und bedroht. Die meisten Türken, ich spreche aus vielfacher eigener Erfahrung, weigern sich, in diese Richtung auch nur zu denken, gucken, daraufhin angesprochen, erst sekundenlang bekümmert und dann rasch hasserfüllt und brechen den Kontakt für immer ab. Ausnahmen gibt es, einen von hundert, der mich dann um Geheimhaltung bittet, aus Angst vor seinen Landleuten und Mitmuslimen. Jetzt gibt es keine Armenier mehr, Kismet.

Der Traum oder Alptraum vom makellos reinen Kollektiv, die Angst vor Verunreinigung, Entehrung und „Gesichtsverlust“ bilden die seelischen Grundlagen für einen gewünschten Straftatbestand „Beleidigung des Türkentums“, Artikel 301. Nation oder Umma ist dabei einerlei, austauschbar, der einzelne hat nicht aus der Reihe zu tanzen.

Was aber sagt uns der Herr Islamwissenschaftler zur Ausrottung der kleinasiatischen christlichen Armenier, zur Rechtlosigkeit der Bahá’í in Ägypten, zur geradezu traditionellen Diskriminierung der orientalischen Juden, Jesiden und Zoroastrier? Nichts.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Inhaltsverzeichnis, Kapitelstruktur und optisch-technische Gestaltung des „Islam für Kids“ dem Thema angemessen sind. Verweise auf Kunst, Architektur, geschichtliche Daten und Personenamen sind in Umfang und Quelle gleichermaßen gut ausgewählt. Die Manipulation des Lesers durch einen fundamentalistischen und politischen Islam indes wurde zwar kraftvoll umgesetzt, aber keineswegs ironisch oder gar ehrlich aufgelöst. So ist „Islam für Kids“ zu attestieren, für den Gebrauch in Schule und Jugendbildung ungeeignet zu sein und in Wirkung wie Intention die Kluft zwischen Nichtmuslimen und Muslimen zu vergrößern. „Islam für Kids“ mag es gelingen, einen erfolgreichen Beitrag zu leisten zur Verfestigung der europäischen wie gerade auch deutschen, schariatisch ausgerichteten Parallelgesellschaften, in denen Bürgerrechte gerade für muslimische Frauen und Kinder nicht mehr zur Gänze zugänglich sind. Die Idee und Struktur von Wissenschaftlichkeit sowie die Idee und Struktur von Schule und Schulunterricht wird vom Autor ironisiert und erodiert.

Cees van der Duin