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Kopftücher schützen vor Regen – auch vor der Hölle?

Juli 6, 2009

جهنم

ǧahannam,

die islamisch aktivierte Unterwelt

Die Drohung mit der Hölle ist Psychoterror

Fāṭima ech-Cherīf (الشريف فاطمة) betont das Recht der Muslima, ihren Leib auch in Europa mit einem blickdichten Tuch völlig zu bedecken, wie es auch die Frauen der ṣaḥāba, der Gefährten Mohammeds getan hätten. Was für ein Fanatismus oder Masochismus, dürfen scharfe Islamkritiker sagen, was für eine soziale Selbstauslöschung und rituelle Verhöhnung aller das postulierte Wohlverhalten Verweigernden, müssen wir Sozialpädagogen ergänzen, denn der menschliche Brennstoff für die koranisch verbürgte Hölle sind folglich nicht nur die Nichtmuslime, sondern auch alle Muslimas mit öffentlich sichtbarem, nacktem Haar. Auch zu gestörtem Körperbild, Sinnesbehinderung, Selbstausgrenzung, andressierter Angst vor dem Satan und dem Transportieren einer politischen Werbetafel radikalen Inhalts (Werbung für das Kalifat) können wir nicht schweigen. Ob unsere Minister, ähnlich wie bei Zigaretten, sagen lassen sollten: „Der Gebrauch von Ganzkörperschleiern gefährdet Ihre und unsere Gesundheit?“

Geht aufgelegtes Kopftuch und knapp vermiedenes Höllenfeuer überhaupt nur im gelieferten Doppelpack? Frau Cherīf jedenfalls wirbt für beides, den rettenden Ganzkörperschleier und die gruselige Höhle oder wie das heißt, fürchtet den Allahgott nebst Iblisteufel und verteidigt den hiǧab einschließlich Gesichtsschleier gegen die lesenswerte Analyse des niqāb der muslimisch-säkularen Kopftuchkritikerin Ümmühan Karagözlü (Niqab, islamischer Gesichtsschleier: Der Frau das Gesicht verbieten; hier Text Nr. 060).

Eine Antwort von Jacques Auvergne

1.

Salam Alaikum an alle,

die Sahaba- Frauen, also nicht nur die Frauen des Propheten, sall Allahu aleihi wa sallem, trugen alle diesen Kleidung! Wenn man diese Art von “Bericht” schreibt, sollte man schon genau nach der Sunna gehen. Die Kleidung dient zum Schutz der Frauen vor Blicken und Erniedrigung aller Art.

2. Bismillah

Salam Alaikum wa rahmatu Allah wa baraktuh,

diese Frauen, haben sich den “Gesichtsschleier” selbst angefertigt. Hier ein Hadith: Aischa, Allahs Wohlgefallen auf ihr berichtete:

“ALLAH möge sich den ersten Frauen unter den Auswanderen erbarmen, da sie – als Allah … und dass sie ihre Tücher über ihre Kleidungsausschnitte ziehen … offenbarte – Teile von ihren Unterröcken abgeschnitten, diese über den Kopf geworfen und ihre Gesichter damit bedeckt hatten.“

*** Al-Quran;Sura 24:31***

Es gibt natürlich noch weitere zuverlässige Überlieferungen und Aussagen des Propheten Allahs Segen und Friede auf ihm.

Hier mal was allgemeines:

Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden auf ihm, hielt uns eine ermahnende Ansprache, von der die Herzen mit Furcht erfüllt wurden und die Augen Tränen vergossen. So sagte wir: „Oh Gesandter Allahs, dies ist wie eine Abschiedspredigt, rate und darum.“ Er sagte:

„Ich rate euch zur Gottesfurcht Allah gegenüber, dem Mächtigen und Erhabenen, und zum Hören und Gehorchen, selbst wenn ein Knechte über euch zum Befehlshaber eingesetzt ist. Wer von euch (lange) am Leben ist, der wir viel Meinungsverschiedenheiten sehen. So haltet euch an meine Sunna und an die Sunna der rechtgeleiteten, rechtschaffenen Nachfolger. Beißt mit den Zähnen darauf. Hütet euch vor neuen Dingen (in Glaubensfragen);

denn jede neue Sache ist eine Neuerung,

und jede Neuerung ein Irregehen,

und jedes Irregehen führt ins Höllenfeuer.“

* Überliefert von Abu Nagih Al-Irbad Ibn Sariya, Allahs Wohlgefallen auf ihm, bei Abu Dawwud und At-Tirmidyy*

Das sollte sich ein Jeder mal „durch den Kopf gehen lassen“, egal ob („geborener“) Muslim oder Nichtmuslim.

Und alles Lob gebührt Allah subhana wa ta ala, dem Herrn der Welten

3.

Salam Alaikum wr wb,

was ich sagen möchte: Das, was wir heute als Kopftuch kennen, entspricht nicht dem Hijab, der Bedeckung einer Muslima. Die Bedeckung geht von Kopf bis Fuß mit dem Erreichen der Pubertät …

Die Frauen, die lange Kleidung tragen und sich so bedecken, wie es wohl so manchen Menschen stört, erfüllen lediglich ihre Pflicht, an Allah swt. Dafür sollte man sie nicht verachten, betiteln oder in irgendeine Kategorie einstufen. – In Gegenteil, ihnen gebührt Respekt und Anerkennung.

Die Menschen damals haben Islam gelebt. Es wurde nicht hin und her gestritten über irgendein Thema. Sie haben Islam mit Herz, Leib und Seele gelebt und “weitergegeben”. Dafür verdienen sie unsere Anerkennung. Heute gibt es leider viele Gruppen und Sekten im Islam (wie uns Allah swt. im Quran offenbart hatte). Genau das ist diese “Neuerung” und diese Spaltung der Muslime.

Genau das gleich verfolgt auch “die weltweite Politik” – jeder weiß wohl, was gemeint ist.
Es werden Muslime gegen Muslime aufgehetzt und auch gegen ihre eigene Religion aufgehetzt – siehe Beispiel Iran: nur sehr wenige haben den Islam von Herzen kennen und lieben gelernt. Ihnen wurde von Staatsmächten etwas vorgeschrieben und eingetrichtert, um es für ihre politische Zwecke auszunutzen. Leider sehen das viele nicht.

Auf jeden Fall befinden wir uns weltweit mittlerweile im Krieg und es werden immer mehr Länder besetzt und unsicher gemacht. Das sollte jetzt langsam jeder gemerkt haben, was da “gespielt wird”… Die großen Verdiener sind die Rüstungsindustrie und danach die Pharmaindustrie, logisch …

Es ist unglaublich, von wegen Menschenrechte, Demokratie usw. Denkt mal nach. Warum sich über einen Niqab streiten. Fragt doch als allererstes mal eine GLÄUBIGE MUSLIMA, warum sie persönlich ihr Gesicht bedeckt hält – ich kenne KEINE EINZIGE, DIE DAZU VON IHREM MANN ODER DER FAMILIE GEZWUNGEN WURDE. ODER IRGENDETWAS ANDERS, WAS HÄUFIG GENANNT WURDE … UND MIR SIND DADURCH AUCH KEINERLEI NACHTEILE ENTSTANDEN. IM GEGENTEIL: ICH BIN STOLZ DARAUF, ALHAMDULILLAH.

In welcher Gesellschaft leben wir alle denn???!!!- Wie war das – ”Die Würde des Menschen ist unantastbar.”…

Aha- wo denn, wo ist das Mitspracherecht in dieser Zeit?!? Wo ist der Schutz der Frau????????????

Auch in meiner Gegend, gibt es einen “offiziellen Straßenstrich”. WIE KANN DIE POLITIK DAS ZULASSEN??? Wie können Frauen (die im Heimatland nicht haben ODER allein stehende, die nicht mehr zurechtkommen) durch diese Verharmlosungen, dazu ermutigt werden sich zu prostituieren!?? Was ist das bitteschön für eine Welt in der Mord, Prostitution, Hass, Pornografie, Spiel, Krieg, Selbstsucht zur Normalität geworden ist.

Und, denkt ihr Allah sieht das alles nicht??? ER hat eine Frist gesetzt bis zum jüngsten Tag (den gibts ja wohl nicht nur im Islam, stimmts). Und vor allem: ES GIBT NUR EINEN GOTT!!! Eschhadu an la ha illAllah wa eschhadu enna Muhammedan Rasul ALLAH.

Und bitte nicht sagen: “Die können dahin gehn, wo sie herkommen, das gehört doch hier alles nicht her …” usw. – das ist Quatsch, DENN EINE RELIGION WIRD OFFENBART, UM ORDNUNGSGEMÄSS WERTERGEGEBEN ZU WERDEN:) Eines Tages, seid ihr und dafür vielleicht dankbar, insha ALLAH.

Wir alle haben doch echt besseres zu tun und sollen uns um die eigene Rechtleitung kümmern. Oder glaubt ihr wir leben “nur so zum Spaß”, und werden nicht dafür zur Rechenschaft gezogen?!?

Der Islam ist die als letztes offenbarte Religion und die VOLLKOMMENSTE. Stellt euch vor, vor über 1400 Jahren wurden Dinge im Quran offenbart, die teilweise heute noch weiter nachgeforscht und erforscht werden, somit also auch wissenschaftlich bestätigt werden…( von wegen Islam wäre rückständig!!!)

Man kann also auch sagen, dass die Menschheit zur Offenbarungszeit auch schon viel verständiger und weiterentwickelt war. Dazu kann man gern die verschiedenen Glaubensbücher vergleichen- man erkennt sofort die EINZIGARTIGKEIT UND REINHEIT des Quran. Wobei natürlich Thora und Bibel auch von Gott sind, jedoch verfälscht wurden an vielen Stellen.

Möge Allah subhan wa ta ala uns alle rechtleiten und vergeben und uns vor dem Höllenfeuer bewahren. Amin.

Und alles Lob gebührt Allah swt, dem Herrn der Welten

Sehr geehrte Frau Fatima Cherif,

vielen Dank für Ihren engagierten Beitrag. Sicherlich ist mit ḥiǧāb (الحجاب) nicht lediglich ein kleines Tüchlein auf dem weiblichen Kopf gemeint, wobei überzeugte Kopftuchgegner jeder Religion oder Ex-Religion gegen jedes noch so kleine Tuch auf dem Kopf eingestellt sind. An-niqāb (Gesichtsschleier) ist aber schon sehr streng, selbst für das heutige, gelegentlich ‘antiamerikanisch oder antiwestlich politisierte’ islamische Verhältnis bzw. Brauchtum zwischen Marokko und Malaysia. Wenn Sie also den niqāb (نِقاب) verteidigen, dann wird man sagen können, dass Sie Ihrem Leben eine strenge moralische Selbstverpflichtung zu geben und diese äußerst gewissenhaft einzuhalten bereit sind. Weltweit gibt es dieses religiöse Tun einer Art von Askese, welche bekennend wertorientiert ist sprich das Lobenswerte und das Tadelnswerte finden und hörbar benennt, die ziemlich ‘elitär’ weit über dem Durchschnitt liegen will oder auch liegt und die von den einen als fanatisch, von den anderen als vorbildlich und von dritter Seite als übermäßig streng bezeichnet wird. Einen echten idealistischen Menschen wird es (in gewissen Grenzen, hoffentlich) nicht bekümmern, was die anderen über ihn sagen.

Soviel zum elitären religiösen Ehrgeiz der Idealisten, der das Risiko der Vereinsamung in sich trägt und die womöglich auch aus islamischer Sicht fehlerhafte Ideologie, alle, die sich dem durch Scheich Sowieso definierten Wohlverhalten nennenswert verweigern, müssten dereinst in den Flammen der Hölle braten beziehungsweise hätten keinen Zugang zur dschanna (جنّة), zur ewigen Glückseligkeit des grünenden, von Bächen durchflossenen lieblichen Paradieses.

Der niqāb oder auch nur der gesichtsfreie, körperverhüllende hidschāb / pardā (pardaa, englisch geschrieben purdah; Iran) möge, leider doktrinär, „freiwillig“ getragen werden, in Saudi-Arabien und im Iran regelt das die Verfassung sprich tragen die Frauen Uniform wie beim Militär und nicht länger zivile Kleidung. Die Bejahung sogar des Gesichtsschleiers jedoch ist eine Haltung, die, je nach Auffassung, verbissen-verspannt, gottgefällig-tugendhaft oder allzu selbstkritisch ist. Ich neige der dritten Meinung zu und wage zu sagen, dass, wer sich, gerade als Frau, in Bezug auf den islamischen Kleidungskodex hier weit über den Durchschnitt exponiert, allzu hart mit sich selbst ins Gericht geht. Das nichtstaatliche, nichtsäkulare Richten aber ist eine Arbeit, die wir Menschen getrost einer höheren Instanz überlassen können – und müssen, denn totaler fiqh (فقه) funktioniert in der kulturellen Moderne nicht beziehungsweise zerstört eben diese kulturelle Moderne. Wir freiheitlichen Demokraten haben also das für jeden Menschen geltende allgemeine Menschenrecht und das bundesdeutsche Grundrecht und Bürgerrecht vor dem islamischen Recht (Buchtitel von Said Ramadan) zu schützen.

Zudem ahne ich hinter dem geheiligten Befehl des Frauenhaarverhüllens uralte, sexualmagische, irgendwann in der Ausdeutung rein männerbündisch gewordene Mythen, wie wir sie noch bei den Aborigines, Papuas und Ostafrikanern vorfinden, geheiligte Mythen zum Frauenleib, Dogmen, die ich Skeptiker nicht für naturhaft (islam-ideologisch fiṭra, Weise des Erschaffenseins, فطرة) halte.

Ja, ich zweifle sogar die Legitimität – auch die religiöse Legitimität – des zum integralen Bestandteil der Scharia gewordenen Islam-offiziellen Deutungsrahmens der Begriffe fiṭra und nadschis (Befrachtung mit Ekel, نجس) an. Nun mag mir jeder entgegnen, ich wäre auch kein Muslim, doch in der Tat hätte derzeit selbst ein Muslim in Teheran, Kairo oder Kabul irdische Schwierigkeiten, öffentlich zum Islam ja zu sagen und zur Scharia nein. Denn da gibt es einen barbarischen Konformitätsdruck, den ich schon wieder nicht für menschenfreundlich-religiös halte sondern für patriarchalisch und herrschaftskulturell. Hier stellt sich nebenbei die Frage, ob etwas beziehungsweise was alles am orthodoxen Islam und was am Islamismus menschenfeindlich ist, aber das gehört nicht hierher.

Uns heute Lebenden steht es nicht zu, die Menschen vergangener Jahrtausende pauschal zu kritisieren, das wäre hochnäsig, verriete also mehr über den Sprechenden selbst. Die Menschen anderer Zeiten haben, Sie deuteten es bereits an, vermutlich mindestens genau so geglaubt, gelitten und gelacht wie wir, waren vermutlich ebenso idealistisch oder korrupt wie Hunderte unter uns Heutigen, waren arglos oder heimtückisch, aufrichtig oder verlogen, alles in der Psyche des Einzelnen in gemischten Anteilen oder auch einmal in relativer Reinform. Dummer als wir waren sie nicht.

Der Gesichtsschleier. Neben der Wetter-bezogenen Funktion (Sonne, extreme Lufttrockenheit, Staub, Sturm) gab es also die sexualmagische und herrschaftskulturelle, die Keuschheits-bezogene Rolle seiner Formwerdung.

In der Wüste tragen sie den Gesichtsschleier … die Männer der Tuareg.

Ḥiǧāb und niqāb der muslimischen Frau also, wissenschaftlich. Fünf Gesichtsschleier-Aspekte tun sich auf. Erstens: Es hat ihn gegeben. Zweitens: Es gibt ihn immer noch. Und drittens wirbt Frau F. Cherif für die Bedeckung des ganzen weiblichen Körpers (der Muslima), gerne auch des Gesichts. Viertens empfindet Herr J. Auvergne den Gesichtsschleier als ein Ärgernis. Last but not least, fünftens, sofern es die höchste Intelligenz oder Schöpfergottheit gibt, weiß sie um die Punkte eins bis vier und hat, hoffen wir es, mit allen Beteiligten Erbarmen. Das war jetzt etwas Wissenschaft, und die hat den Zweifel an Gott sozusagen professionell zu kultivieren.

Wissenschaft sagt nicht: Dieser und jener Satz im heiligen Buch ist wahr, sondern: Es gibt ein Buch, das vielleicht so und so alt ist (Archäologie, Altertumswissenschaft, Orientwissenschaft, Islamwissenschaft), es gibt heute soundsoviel Prozent Menschen, die vermutlich allen Ernstes diesen und jenen Satz glauben möchten (Statistik, Soziologie), warum aber tun sie das eigentlich (Psychologie, Kriminologie, Altersforschung, Jugendforschung), sollen wir überhaupt und wenn ja wie sollen wir diese Ziele vermitteln (Pädagogik, Didaktik).

Eines hat mir besonders gut gefallen, nämlich dass Sie gegen den Straßenstrich eingestellt sind, gegen öffentliche Prostitution und vielleicht sogar gegen käufliche Sexualität (”Männer kaufen sich keine Liebe, sondern Macht”) im Allgemeinen. Auch gegen Hass und Krieg sollten alle Menschen arbeiten, Recht haben Sie. Man mag es unter Progressiven ’solidarisch‘ nennen, bei den Konservativen ‚werteorientiert‘ oder bei den Liberalen ‚aufklärungshumanistisch‘, hier sollten wir »citoyennes et citoyens«, wir Staatsbürgerinnen und Staatsbürger, alle zusammenarbeiten. Was für ein Irrsinn, geht einem jeden auf, der über die getöteten Zivilisten oder Soldaten im Europa, Asien oder Afrika seit 1871 oder 1914 nachdenkt: Das Leben, die körperliche Unversehrtheit für jede Frau und jeden Mann, jedes Mädchen und jeden Jungen auf diesem Planeten zu sichern, das muss oberste Priorität haben, denn relativ banale Gründe (Détails der Mode, Sitte, Kleidungsfragen) zum Zerstreiten wird es auf Erden immer geben. Im Islam gibt es kein Recht auf körperliche Unversehrtheit und kein Recht auf Leben – auch dafür stehen der ḥiǧāb und steht das Kopftuch, für dhimma und Kalifat.

Dschahannam, Höllenfeuer (جهنم) sollten Sie allerdings metaphorisch zu verstehen lernen, ein Mensch – Sie, ich – macht anderen oder sich selbst das Leben zur Hölle, das ist ‚Hölle‘. Eine vor Hass oder abgrundtiefem Schmerz verzerrte Seele eines Lebenden, das ist es, was viele Religionen mit ‚(wie) von einem bösen Geist, (gleichsam) vom Teufel besessen‘ meinen, ein kraftvolles und Jahrtausende altes sprachliches und ein ganz und gar angemessenes Bild, aber eben ein Bild. Es ist relative oder absolute Heilwerdung (seelische Gesundung) stets und jedem möglich und es ist beachtenswert, dass wir in jeder Religionslehre seelisch verzerrte und seelisch heile oder geheilte Menschen vorfinden, seelisch Erkrankende wie seelisch Genesende. Eine arrogante (antisoziale, mobbende) Religion billigt dem ‚Ungläubigen“ kein irdisches Heilsein und kein jenseitiges Heil zu, vorsorglich werden Gotteslästerer da schon mal rituell beseitigt. Ein sehr islamisches Problem.

Im genannten Sinne der Märchenerzählerei, Symbolarbeit oder Mythenforschung hat das Dämonische, Christen nennen es das ‚Böse‘, klassische Chinesen hätten von ‚gestörter Harmonie‘ gesprochen, durchaus auch heute seine soziale Bedeutung. Teufelchen oder Dämonen ‚gibt‘ es im Mythos schließlich eigentlich überall, selbst, aus der älteren Bön-Religion oder dem Hinduismus herrührend, im tibetischen Buddhismus.

Im Übrigen dient der Teufel (Satan; Diábolos; iblīs) dazu, auf verwerfliche Weise Kinder einzuschüchtern oder dient Erwachsenen beispielsweise für gewisse exorzistische Rituale. So singt ein altes deutsches Volkslied: „So treiben wir den Winter aus, durch unsre Stadt zum Tor hinaus / mit sein Betrug und Listen / den rechten Antichristen“, so ist auf der Pilgerfahrt Ḥaǧǧ in Mina bei Makkah das Ritual des ramy al-ǧamarāt bedeutsam, welches den Teufel hoch emotional ‚tötet‘, hasserfüllt steinigt. Den hat man natürlich bereits vorher im Kopf herum getragen, den eingebildeten, jeden Menschen, im besonderen Maße aber die vom Islam als relativ unmündig definierte Frau umlauernden Teufel.

Nur das gemeinsam geteilte, personifizierte Bild (das Symbol) des Teufels ermöglicht die Gemeinschaft stiftende Handlung (das Ritual) des Exorzismus. Zu den Risiken und Nebenwirkungen der tolerierten Teufelsaustreibung gehören Barbareien wie europäische Hexenverbrennung oder mordender Dschihadismus. Jede Religion ist auf ein Gefüge von Symbolen angewiesen, kann jedoch spätestens seit Sigmund Freud (1856-1939) für die sozialen Folgen ihrer Religionspädagogik allerdings die Gottheit oder das heilige Buch nicht länger glaubwürdig verantwortlich machen.

Interreligiöse Teufelskunde, ethnologischer Vergleich der Personifikation des ‚Bösen‘, das wäre ein eigenes Thema, wobei sofort der Streit entstünde zwischen den atheistischen oder säkularen Duldern der Erkenntnisse der Psychoanalyse und den bildungsverweigernden Wortgläubigen. Wobei hier Muslime traditionell und leider vielfach bis heute gerne allzu vorsichtig sprich textnah im seelischen und geistigen Mittelalter verharren (Angst vor bid’a, Neuerung), während den mehrheitlich hedonistischen Christen seit 1968 so ziemlich alles egal geworden ist und jetzt der radikale Egoismus oder die entgrenzte Toleranz angebetet wird. Heutige (linke) Raffgier tarnt sich gerne mit der Maske der (multikulturellen) Toleranz, wer gemeinsame Spielregeln vernebelt, kann unerkannt tyrannisch herrschen.

Diese ganz strenge Wortgläubigkeit, unter der Minderheit der so genannten fundamentalistischen Christen etwa das: ‚Die Welt ist in sechs Tagen geschaffen worden‘ (sechs Tage, nicht acht, nicht drei, nicht 6 Milliarden Jahre, nein sechs Tage, ’so steht es geschrieben‘), dieses Wortwörtlichnehmen, das werden Sie ahnen, ’schmeckt‘ mir nicht, ist nicht meine Wellenlänge, obschon mir Religion ganz wichtig ist und ich mir meinen Teil der Deutung des Religiösen der Menschheitsgeschichte nicht von so genannten Experten entziehen lassen möchte.

Ein aufklärungshumanistischer Weltbürger begreift alle religiösen und religionskritischen Traditionen und Strukturen der Erde als Teil des gemeinsam zu verantwortenden kulturellen Erbes der ungeteilten Menschheit und verteidigt das Recht auf Religionsfreiheit einschließlich Islamapostasie und Schariaverweigerung. Niqabis schweigen hier auffallend, was nachweisbar nicht nur an dem Stoff vor dem Mund liegen kann, wenn auch die weibliche Stimme im öffentlichen Raum das Tuch allenfalls gedämpft durchdringen kann, was die klugen Frommen mit dem xy-Chromosom natürlich mit einkalkuliert haben. Frauenfreie Politik, patriarchalisches Geld, machistische Öffentlichkeit. Und die menschliche Stimme wird zur männlichen Stimme!

Prinzi niqāb: Und das menschliche Gesicht zum männlichen Gesicht! Lernbereite Musliminnen und Muslime sollten den entmenschenden Gesichtsschleier (türkisch peçe) zurückweisen und dem Museum für die Geschichte der arabischen Halbinsel überlassen. Nun ja, 2009 verhüllt (islamologisch: bedeckt) Fāṭima ech-Cherīf ihr Gesicht bis zu den Füßen.

Sehr geehrte Frau Cherīf, es beeindruckt mich immer, wenn Glauben in einer ganz eigenartigen, ‚unerhörten‘ persönlichen Sprache ’sprachfähig’ wird, in diesem Sinne müssten – werden – Zwillingsgeschwister je verschiedene Perspektive auf die Welt und auf das Göttliche haben und damit eine je eigene religiöse Sprache, vielleicht nicht mit elf und sicherlich erst eingeschränkt mit fünfzehn Lebensjahren, doch mit zwanzig oder vierzig Jahren ein paar Sätze pro Jahr zum religiösen Erfahren und Wachsen zu sagen, das müsste jeder Frau und jedem Mann möglich sein, ob muslimisch oder nichtmuslimisch sozialisiert oder geprägt.

Schreiben Sie, sehr geehrte Frau Fāṭima Cherīf, diese wenigen Sätze, islamische Argumente und Bekenntnisse, die es, sozusagen, noch nie gegeben hat. Der einzige Gott weiß es natürlich anders und kennt und spürt bereits jetzt das raue Muster im Innern eines morgen von mir aufgeschlagenen, uralten Steines ebenso wie er heute und uranfänglich die feinsten Krümmungen und Windungen im Inneren einer von Ihnen im Spätherbst 2009 geöffneten leckeren Wallnuss kennt und sieht.

Finden Sie monotheistische (tauḥīd) Worte, wenige pro Jahr genügen, die für Menschenohren ‚unerhört‘ sind. Das Wort unerhört hat ganz angemessen gleich mehrere Schichten an Bedeutungen: Anstößig, Schlafmützen aufweckend, revolutionär, unvernommen, unausgesprochen.

Völlig neues zu denken aber ist Kreativität, Kunst. Einerseits sind Künstler immer mehr oder weniger pantheistisch, andererseits, so sagt es Joseph Beuys, ist jeder Mensch Künstler. Der pantheistische Poet Hermann Hesse nannte diese Haltung des unerhörten, ganz persönlichen Weges ‚Eigensinn‘.

Finden Sie Zugang zu Ihrer ur-eigenen, ganz eigenwilligen Religiosität, die ohne weiteres eine islamische sein mag.

Doch seien Sie beim Beschreiten des unendlichen (und des uns Menschen aufgetragenen, spüren wahrhaft Gläubige) Weges in das religiöse Eigensinnige auf der Hut. Denn auch das gilt seit Jahrtausenden, dass wir uns, sofern wir auch nur ungefähr durchschnittlich anständig leben, weniger vor dem Zorn der Gottheit fürchten müssen als vor den irdischen wölfischen Machthabern, die sich öffentlichkeitswirksam in den Schafspelz der Religion hüllen.

Und lassen Sie, das ist meine Bitte, die Ganzkörperbedeckung nicht zur textilen Siebentagewoche gleichsam festwachsen wie der Schildkröte ihr Panzer oder der Schnecke ihr Haus angewachsen ist, wir sind nackt geboren und auch das hat seinen Sinn: Erleben Sie sich und die natürliche Umwelt (Parkspaziergang, besser Waldwanderung) sowie die soziale Umwelt (ein Getränk genießen mitten in einem belebten Gartencafé) dann und wann ganz bewusst auch einmal ohne den Hidschab. Vielleicht ist eine der Erkenntnisse oder gar Weisheiten von menschlicher Kleidung (denn völlig nackt läuft ja wohl niemand durch die Innenstädte aller Welt) ja dieses Zyklische, der stete Wechsel: Wir müssen unsere Möglichkeiten immer wieder und immer bewusster ausweiten und vertiefen, das schließt ein, als nachteilig erkanntes nicht zu wiederholen.

Über fromme oder unfromme Zusatzbekleidung, akzeptable oder provokante Entkleidung, gegenmoderne oder karnevalistische Verkleidung, das wird hier wieder klar, über Kleidung lohnt es sich nachzudenken.

Mit freundlichen Grüßen

Jacques Auvergne

Bismillahir Ar Rahmanir Ar Rahim

Salam Alaikum, und guten Tag sehr geehrter Herr Auvergne,

danke für ihren umfassenden Beitrag. Das war wohl ein “wissenschaftlich”-theologischer und zugleich selbstgefälliger Betrag. Aber vielen Dank dafür auf jeden Fall für ihr Bemühen.
Wir finden es schön, dass sie sich damit intensiv auseinandersetzten.

Was auch immer das Ziel davon ist. Allahu alim. Möge ER sie rechtleiten und ihnen vergeben. Amin.

Es ist schwierig, sich immer exakt, auf dien Aussage des Gegenübers zu beziehen.
Leider musste ich feststellen, dass einem schnell Dinge angedichtet werden, bzw. das eigentliche Thema häufig verfehlt wird.

Also, wollen wir hier mal ganz ehrlich sein:

All diese Seiten und Beiträge dieser Art (damit meine ich keinesfalls den ihrigen), dienen dazu die Muslime zu unterdrücken und falsche Dinge zu verbreiten.

Es war so und es wir immer, bis zum jüngsten Tag so sein, dass es Menschen gibt, welche sich gegen GOTT stellen und alles bestreiten und widerlegen.

Der wahrhaftige und ehrliche Mensche wird geliebt und gehasst.
IN DER HEUTIGEN ZEIT UND GESELLSCHAFT ZÄHLT DIE WAHRHEIT NICHT.
JEDER IST MIT SICH BESCHÄFTIGT UND VERSUCHT “DAS LEBEN ZU GENIEßEN”.
BEVOR IRGENDJEMAND SAGT “das machen die Muslime ja auch”: AUCH MUSLIME MÜSSEN IHRE RELIGION LERNEN UND VERBESSERN,
SO IST ES NUN MAL. MIT IHNEN MUSS MAN GEDULDIG SEIN.

WIE GESAGT, JEDER MENSCH TRÄGT FÜR SICH SELBST DIE VOLLE VERANTWORTUNG.

MODERNEN ISLAM GIBT ES NATÜRLICH NICHT. ES GIBT NUR EINEN WEG.
DEN WERDEN WIR BIS ZUM JÜNGSTEN TAG GEHEN. UND ZWAR FRIEDLICH.
DENN ISLAM HEISST FRIEDEN UND FREIDEN MACHEN.

JEDER MENSCH KOMMT ALS MUSLIM ZUR WELT, DANACH WIRD ER VON SEINER UMGEBUNG GEFORMT UND ZU DEM GEMACHT, “was die anderen wollen” AUSSER ER HAT RECHTSCHAFFENDE ELTERN. ODER, UND DAS IST DAS WICHTIGSTE: ER WIRD VON ALLAH SUBHANA WA TA ALA RECHTGELEITET.

DARUM SOLLTE JEDER BITTEN UND WENN ER DIE UNENDLICH RECHTLEITUNG HAT DANKBAR DAFÜR SEIN!!!

ABER EINES JETZT HIER NOCHMAL GANZ KLAR:

WIR WERDEN, IMMER DIE WAHRHEIT SPRECHEN, AN WELCHEM ORT AUCH IMMER!

WIR WERDEN NICHT ZULASSEN, DASS WEITERHIN EIN FALSCHES “Islambild” VERBREITET WIRD.

WIR WERDEN UNDEREN HIJAB NICHT ABLEGEN, UM JEMAND ANDEREM ALS ALLAH SOMIT ZU GEFALLEN.

FÜR UNS ZÄHLT WAS ALLAH SWT. UND SEIN GESANDTER s.a.s. SAGEN,
ALSO KEINE THEOLOGISCHEN AUSLEGUNGEN”

UNSERE LEBEN HAT NICHT DAMIT ZU TUN IN WELCHER ZEIT UND AN WELCHEM ORT WIR LEBEN.

WIR ERFÜLLEN UNSERE PFLICHT AN ALLAH SWT.

WIR GEHEN GENAUSO SPAZIEREN, EINKAUFEN UND ALLES ANDERE,
Ja, WIR KÖNNTEN “UNTER DEM SCHLEIER” AUCH IN EINEM CAFE
ESSEN UND TRINKEN.

DAS TUN WIR AUCH DRAUßEN …

NUR IST EIN CAFE NICH UNSER ERSTER ANLAUFPUNKT, DA SICH DORT MEISTENS MÄNNER UND FRAUEN MISCHEN – DAS KOMMT NATÜRLICH NICHT IN FRAGE. UNSERE MÄNNER SIND KEINE MACHOS!

WIR HEIRATEN GOTTESFÜRCHTIGE MÄNNER.

SIE LIEBEN UNS. UND JEDER GLÄUBIGE MANN WEISS EINE RECHTSCHAFFENDE FRAU ZU SCHÄTZEN. DAS IST EIN GROSSES GESCHENK.

WENN MÄNNER SICH AUF DER STRASSE ODER ANDEREN PLÄTZEN MIT DER SCHÖNHEIT IHRER FRAU PRÄSENTIEREN, IST DAS MACHOHAFT.
SO BEKOMMEN DIESE NÄMLICH IHRE BESTÄTIGUNG UND WERTEN IHR
SELBSTBEWUSSTSEIN AUF. DAS IST LOGISCH UND LEICHT NACHZUVOLLZIEHEN.

SCHÜTZEN TUN WIR UNS SELBST, UND DAS OHNE DAS EINE HEIRAT
NOTWENDIG WAR ODER IST.

VIELE SCHWESTERN TRAGEN SCHON LANGE IHREN NIQAB
SIE LEBEN TEILWEISE OHNE MANN, SIND ALSO NOCH NICHT VERHEIRATET.

DAS WOLLT ICH “MAL SO NEBENBEI ERWÄHNT HABEN” 🙂
DIESES THEMA SIND WIR ALLE LEID.

MÖGE ALLAH ALLE RECHTLEITEN UND IHNEN IHRE BELEIDIGUNGEN UND MUTMAßUNGEN GEGEN SEINE RELIGION VERGEBEN. AMIN.

KEINE MUSLIMA KOMMT MIT HIJAB ZUR WELT.

ALLES GESCHIEHT DURCH ALLAHS RECHTLEITUNG.

HIERBEI SPIELT ES KEINE ROLLE, OB ES SICH UM EINEN “GEBORENEN MUSLIM” ODER “KONVERTIERTEN MUSLIM” (ALSO ZUM ISLAM ZURÜCKGEKEHRTEN MUSLIM) HANDELT …

JEDER MENSCH AUF ERDEN, IST EINZIG UND ALLEIN FÜR SICH SELBST VERANTWORTLICH.

WIR TRAGEN DEN HIJAB NICHT FÜR UNSERE MÄNNER ODER FAMILIEN.

AN ERSTER STELLE STEHT ALLAH UNS SOLLTE DIE FAMILE ODER DER EHEMANN ETWAS ÄUSSERN ODER VERLAGEN, WAS DEN WORTEN ALLAHS, DES ALLMÄCHTIGEN WIDERSPRICHT, SO MÜSSEN WIR
NICHT AUF DIESE PERSON(EN) HÖREN.

GANZ KLAR.

WASALAM!!!

ALLES LOB GEBÜHT ALLAH, DEM HERRN DER WELTEN

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Taqlīd: Nicht denken. Denken lassen

Juni 18, 2008

„Salaam Frau Muslima, und wo lassen Sie denken?“ Das Blog Schariagegner ermuntert alle Menschen, also auch muslimische Menschen, zum autonomen Denken. Jacques Auvergne über den Kult der Verehrung der Ulemas, der Gelehrten, der auch in Deutschland immer mehr Anhänger findet.

074

تَقْليد

taqlīd:

Imitieren, Nachahmen.

Muslimisches Leben als

stumpfes Wiederholen

Der Papagei, der

plappert nach. Je nach

Lehrer auch mal einen

Glaubenssatz

Jacques Auvergne

13. Juni 2008

„Hallo Jacques Auvergne,

ich finde es äußerst gewagt, als Nicht-Gelehrter und Nicht-Muslim solche Thesen im Internet zu verbreiten. Mir scheint es so, als sei es zu einem modernen Trend geworden, den Islam blind anzugreifen. Erschreckend ist es jedoch, dass dies mittlerweile auch von Dilettanten und Polemikern betrieben wird. Welche Absicht verfolgen Sie, Jacques Auvergne, dabei?“

(Alime am 12. Juni 2008 vom Weblog

http://muslime.wordpress.com/ )

Guten Tag Alime.

Vielen Dank für Ihre Wortmeldung auf diesem Blog unter Baustein 011 zur Entstehungsgeschichte des Korans. Inhaltlich haben Sie leider bislang auf eine persönliche Aussage zur Religionsgeschichte der arabischen Halbinsel verzichtet; Sie bleiben eingeladen, das bei nächster Gelegenheit einmal zu tun.

Auch Muslime haben ein Gehirn und können selbst denken, man soll es manchmal nicht für möglich halten. Leider werden, zeitgleich zum etwas erstaunlichen Werbespruch „Islam heißt Frieden“, Muslime immer noch von ihren Mitschwestern und Mitbrüdern kontrolliert und gegängelt und moralisch erpresst. Sagen Sie, Alime, „Nein!” zu der beschämenswerten Hackordnung des Erpressens und Erpresst-Werdens, die den derzeitigen so genannten Islam vielerorts beherrscht, einerlei, ob es um Gesellschaftskritik versus Scharia, sexuelle Selbstbestimmung versus Sunna oder auch um Geschichtsbetrachtung versus Islam geht. Der politische Islam verbietet hier und heute jedes freie Denken und Forschen und Schreiben. Wissenschaft ist so natürlich kaum möglich, eher schon Fanatismus und Gewalt gegen Nonkonformisten.

Hier genau verläuft die von uns Staatsbürgern zu treffende Unterscheidung zwischen kultureller Moderne und kultureller Vormoderne. Meine Absicht, nach der Sie aufmerksam fragen, ist es, muslimisch geprägten Menschen die traditionellen islamischen, die in vielen heutigen islamisierten Familien wie auch in vielen islamisierten Weltgegenden unserer Zeit recht gewaltsam antrainierten Fesseln und Denkverbote aufbrechen zu helfen.

Es gab Jahrhunderte, in denen, ob im alten Griechenland oder im frühneuzeitlichen Europa, eine jede Kritik an den Göttern bzw. an Gott zur sozialen Exklusion führte wenn nicht zum Tode. In dieser Realität steckt der real existierende Islam heute noch weltweit, weshalb Geistesfreiheit oder Religionskritik zwischen Marokko und Madagaskar nicht gegeben ist.

Dies ist ein Blog der Islamkritik, nicht der blinden Islamophilie. Hier landen schon mal siebenjährige deutschtürkische Mädchen auf Suche nach einer Fatwā oder Lebenshilfe, die ich anständigerweise an Wikipedia verweise. Wer sich für älter als vierzehnjährig ausgibt bekommt auf dem Blog Sägefisch allerdings Islamkritik vom Feinsten. Auch Sie, Alime, scheinen mir das Alter der Religionsmündigkeit erreicht zu haben. Tja, jetzt geht`s also ans Denken, die kindgerechte Phase des Nachplapperns ist vorbei.

Papageien können ein Glaubensbekenntnis ebenso runterleiern wie einen obszönen Fluch. Erwachsene Menschen gereifter persönlicher Religiosität sind indes keine tropischen Vögel. Der taqlīd تَقْليد , die wiederholende Routine, die simple Imitation, der taqlīd ziemt sich für Halbwüchsige, nicht für Alime und auch nicht für Jacques Auvergne. Ein erwachsener Muslim soll sich nicht damit zufriedengeben, lebenslang als muqallid, als Nachahmer, als jemand, der zum autonomen Denken nicht berechtigt ist zu vegetieren. Als jemand zu vegetieren, der papageiengleich taqlīd betreibt, srich: Eine sich selbst nicht gerecht werdende und damit eine unwürdige Lebensweise auszuüben, das aber heißt, eine gotteslästerliche Lebensform auszuüben. Wir erkennen: Der muqallid ist kein autonomer religiöser Mensch. Der muqallid stellt keine Ansprüche an Religiosität, sei es aus Mangel an Begabung oder Übermaß an Furcht.

Auf der kriecherischen Selbsteinschätzung des gewöhnlichen Muslimen als jemand, der lebenslang keinen islamischen Durchblick hat, basiert der seit knapp 1000 Jahren versteinerte Fiqh. Dieser spätmittelalterliche Fiqh erwartet vom simplen muslimischen Endverbraucher jene nach der „Schließung der Tore des Idschtihad“ (انسداد باب الاجتهاد‎, insidad bab al-Idschtihad) seitens der hochnäsigen „Wissenden“ eine dreist jedenfalls kühn eingeforderte geistige wie seelische Unterwürfigkeit. Nur der mujtahid sei der der islamisch Denkberechtigte, der einfache Muslim nicht. Vor der „Schließung der Tore“ des selbständigen islamischen Denkens konnte grundsätzlich jeder gewöhnliche Muslim eine فتوى‎ fatwā ausstellen, das heißt er konnte sein Handeln islamrechtlich begründen.

Jeder politisch ambitiöse Schari’a-Islam und jeder stumpfsinniges Nachplappern erheischende Fiqh-Islam gehört ins Museum für mittelalterliche Sozialstrukturen. Dass Sie, Alime, den Ausdruck “Nicht-Gelehrter” verwenden, sicherlich mit Bezug auf arabisch عالم ālim (Plural علماء Ulamā oder Ulemā), lässt mich ahnen, dass Sie dem Ansinnen der Irshad Manji (project ijtihād) skeptisch bis fassungslos gegenüberstehen. Das aber ist eine der Dimensionen, die die Krise des derzeitigen Islam ausmachen, bei katastrophalen Folgen für die nicht nur muslimischen Individuen.

Ijtihād – selbständiges Denken – ist seit einem runden Jahrtausend nicht zugänglich. Stattdessen kriechen ‘sich muslimisierende’ bzw. zwangsmuslimisierte Individuen sklavisch zu den “fatwaproduzierenden Milieus”. Mit solcher geistigen Kriecherei aber wird sich Ihr und mein Gott nicht abspeisen lassen.

Muslime müssen und werden erkennen, dass der Schari’a-Islam sowie der Fiqh-Islam nicht nur inkompatibel ist zur kulturellen Moderne sondern geradezu gotteslästerlich. Ich empfehle Ihnen als Lektüre Irshad Manji und Wafa Sultan, im Deutschen Bassam Tibi und Ümmühan Karagözlü.

Menschen können ganz bewusst eine Religiosität haben und kultivieren, sie sollen es nach meiner Auffassung sogar. Es geht um Qualitätskriterien des Religiösen. Ein Dschihadist wie Mohammed Atta ist kein frommer Mensch sondern ein verblendeter seelischer Krüppel, das heißt ein Mensch, dem Wesentliches fehlt. In meinem Bekanntenkreis habe ich mehrere muslimische Frauen und Männer, die mir hier gänzlich zustimmen. Viele von diesen aber haben sich einen Schraubendreher ausleihen müssen. Zum Abschrauben des Klingelschildes.

Bekennen Sie sich zur säkularen kulturellen Moderne, bekennen Sie die Apostasie-Erlaubnis für jeden muslimischen Menschen und bekennen Sie den dezidierten Verzicht drauf, in Europa die (als Doktrin unveränderlich-ewige) Scharia umzusetzen. Bekennen Sie die grundsätzliche soziale und politische Unbrauchbarkeit der ahadīth und fatāwa (der Fatwas und Hadithe). Sie würden damit, Alime, etliche ihrer politreligiösen oder einfach nur flachen Freunde verlieren und ganz wenige kluge und treue Freunde neu gewinnen. Es ist ein schmaler, steiler und steiniger Weg, den zu gehen ich Ihnen da vorschlage.

Den ich vorschlage, ich, aus der Sicht von Fundamentalisten ein Nicht-Ulamā, Nicht-Gelehrter. Doch seit Jahrhunderten sind die meisten brauchbarsten Gelehrten jedenfalls Menschheitslehrer des entwicklungsfeindlichen und folgerichtig kulturell rückständigen Islam keine Muslime oder sind manchmal Ex-Muslime. Es gibt sehr wohl auch reife, weise Muslime, deren Namen in diesem Brief genannt sind, deren heilsamer Wirkung Bloggerin Alime sich allerdings bis heute erfolgreich zu entziehen gewusst hat.

Entdecken Sie, erstens, in den folgenden Jahren ihren ‘inneren Ulamā’. Seien Sie مجتهد mujtahid, koranlesender Gehirnbenutzer, denkberechtigter Sunna-Interpret. Werden Sie zweitens Umma- und Islamkritiker. Beides ist ohneeinander nicht denkbar. Und beides zeitigt Wutgeschrei und Bedrohungen aus Ihrem derzeitigen Bekanntenkreis, also denken Sie zunächst heimlich.

Islamische Selbstbestimmung wird noch auf einige Jahrzehnte leider bedeuten, als bedrohter Dissident zu leben. Der orthodoxe, versteinerte Islam, ob wir Muslime sind oder nicht ist dabei unerheblich, der Islam wird uns zu unseren Lebzeiten keine Geistesfreiheit schenken, wir müssen sie uns schon rauben. „Geben Sie Gedankenfreiheit!“, lässt der Dichter Friedrich Schiller in einer Szene des ‘Don Carlos‘ fordern (Marquis de Posa) fordern.

Geben Sie Gedankenfreiheit. Dieser Satz, erstmals 1787 vor öffentlich gefallen, bringt den heutigen Sprecher auch mehr als zwei Jahrhunderte nach Schiller in Lebensgefahr. Nicht durch radikale Juden übrigens. Ganz selten durch radikale Hindus. Täglich und weltweit jedoch durch radikale Muslime. Diese zum Töten bereite Gewalt des „frommen“ islamischen جهاد dschihād ist aber nicht einmal das islamisch ursächliche Problem an der Unfähigkeit des gewöhnlichen Muslimen zu einer wissenschaftlichen Weltbetrachtung oder auch nur zu einer unbefangenen Weltdeutung.

Das Problem ist, dass es aus antrainierter Unterwürfigkeit und bei erwähnter permanenter Einschüchterung weltweit nahezu keine Muslime gibt, die den Satz des Marquis de Posa laut fordern, noch nicht einmal in Europa oder Deutschland. Die wenigen Ex-Muslime tun das couragiert, auch einige säkulare Muslime melden sich mittlerweile und gottseidank in jeder größeren deutschen Stadt vorsichtig zu Wort. Die Mehrheit aber etwa der türkischstämmigen „Deutschländer“ (Seyran Ateş) schweigt und verkriecht sich in die sich immer mehr segregierenden weil immer mehr „islamischen“ Parallelgesellschaften. Das Problem ist, dass es so gut wie keine Muslime zu geben scheint, die das „Geben Sie Gedankenfreiheit!“ denken können und dass folglich die Islamverbände und die radikalen Moscheen ihr (auch seitens der Urdeutschen allzu unhinterfragtes) Interpretationsmonopol zu jedem islamischen Thema ausbauen können.

Der indifferenten und vielleicht bereits etwas säkularen Masse der Muslime aber wird eine radikale Islamisierung, eine „Muslimisierung“ mehr oder weniger brutal aufgezwungen werden, ob in Istanbul oder Berlin. Deutschlands demokratieskeptische Islamverbände steuern diese theokratische Dynamik ganz gezielt, um den „verderblichen“ Einfluss der Demokratie und des freien Denkens auf die muslimische Manövriermasse abzuschwächen.

Wege zu und in einer persönlichen, eigenartigen und eigenwilligen Spiritualität zu finden und zu beschreiten, das ist der Auftrag Gottes an Sie und an mich. Als muslimischer Endverbraucher aber bei der islamischen Obrigkeit um eine Fatwā zum Klingelton seines Mobiltelephons zu betteln oder, wie der australische Scheich Taj El-Din Hamid Hilaly es tat, in einer Predigt modern oder auch moderat gekleidete Frauen als Köder und Katzenfutter zu benennen und damit zur gottgefälligen jedenfalls „naturgemäßen“ Vergewaltigung freizugeben, das beleidigt jeden sittlich anständigen Gott, also hoffentlich auch den Ihren.

Ich möchte Sie, Alime, nun höflich bitten, auf die dargestellten Inhalte des Texts 011 “Der Koran (…)” einzugehen: Wie sehr ist das seelisch lebenslang leidende weil vaterlose Waisenkind Mohammed von Zoroastrismus, Judentum und Gnosis/Manichäismus beeinflusst worden, wie problematisch war der Ausstieg des Feldherrn Mohammed aus dem altarabischen Polytheismus? Wie sehr ist der bis heute jedenfalls im interreligiösen Vergleich bizarr oszillierende, “barmherzig-brutale” und “gerecht-sadistische” Gott namens Allah ein psychoanalytisch erklärbares Produkt eines vaterlos aufgewachsenen und ebenso hypersensiblen wie enthemmt-herrschsüchtigen Menschen und welche Folgen hat das für männliche muslimische Gewalttäter in den Zuwanderungsgesellschaften der kulturellen Moderne wie auch für die doch sehr blockierte Demokratisierung der von Nepotismus, Mysogynie und Brutalität geprägten Regionen zwischen Casablanca und Jakarta?

Jetzt aber zu Alimes fundamentalistisch blockiertem Blick auf das siebte Jahrhundert. Gebildete Menschen, und warum denn bitte sollen Muslime nicht zu ihnen gehören, gebildete Menschen auf aller Welt befassen sich mit Geschichte. Im West-östlichen Divan schrieb Goethe:

Wer nicht von 3000 Jahren

sich weiß Rechenschaft zu geben,

bleibt im Dunkeln unerfahren,

mag von Tag zu Tage leben.

Goethe stellt die Forderung auf, sich über die Zeitdauer von dreitausend Jahren Überblick zu verschaffen, um die Gegenwart begreifen zu können. Von heute aus gesehen und mit Blickrichtung in die Vergangenheit ist bis zum arabischen Heerführer und Religionsgründer Mohammed nicht einmal halb so viel Wasser den Nil oder auch den Rhein herunter geflossen. Wie auch immer, im von Alime kritisierten Text befasst sich Jacques Auvergne mit der Menschheitsgeschichte. Alime ist eingeladen, dasselbe zu tun. Da’awa zum Denken, sozusagen.

Im Arabischen ist, wie erwähnt, ālim عالم der Gelehrte. Sie aber nennen sich Alime. Das inspiriert mich zu folgendem Vorschlag und Aufruf: Nehmen Sie Ihren gewählten Namen als Herausforderung zu einem autonomen geschichtlichen, religionsgeschichtlichen und religiösen Denken. Entdecken Sie Ihre selbst gesteuerte Religiosität in der autonomen Weise eines ālim, eines Gelehrten. Sie haben es nicht nötig, lebenslang taqlīd تَقْليد zu machen, stumpfsinnig zu kopieren und nachzuahmen. Mit diesem eigenen Denken kommen Sie, Duftwasser und Deos betreffend, vielleicht zu einem überraschend anderen Schluss als das türkische Religionsministerium, welches allen türkisch-muslimischen Frauen außerhalb des Hauses auferlegt oder jedenfalls dringend empfiehlt, kein Parfüm zu benutzen.

Beschreiten Sie den unebenen Weg des selbständigen islamischen Denkens, den ungebahnten Pfad des ijtihād اجتهاد. Ermuntern Sie andere, dasselbe zu tun. Das wäre religiöses Lebensgestalten. Und Sie können das! Anders als der zum klanglichen Nachahmen zwar erstaunlich genau fähige, aber für den Inhalt seiner Wiedergabe nicht verantwortlich zu machende bunte Vogel. Nehmen Sie sich die bei Schiller geforderte „Gedankenfreiheit“ und denken Sie den Islam im Rahmen ihres Lernens und Erfahrens ganz unabhängig neu.

Das allein wäre der Pfad zum Wasser des Lebens. Das wäre der Weg zur Tränke.

Mit freundlichen Grüßen

Jacques Auvergne