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Zukunftsdialog: Offene Diskussion über den Islam

März 2, 2012

أنجيلا ميركل

А́нгела Ме́ркель

Angela Merkel

Merkels Zukunftsdialog und der Islam

Am 01.02.2012 forderte Thomas Martin im Rahmen des Zukunftsdialogs der Bundeskanzlerin dankenswerterweise die Offene Diskussion über den Islam und begründete überzeugend und bündig:

Das Thema Islam wird von Politik und Medien gründlich gemieden, Islamkritiker werden bestenfalls ignoriert, meist aber diffamiert, Islamkritik wird pathologisiert und kriminalisiert. Eine argumentative Auseinandersetzung über den Islam muss endlich stattfinden. In der Politik. In den Medien.

Zu dem in nur vier Wochen mit etwa 73.000 positiven Bewertungen versehenen Themenvorschlag sind fast viertausend Kommentare eingegangen, die leider nicht nur aufklärungshumanistische und menschenrechtsuniversalistische Positionen umfassen, sondern auch notorischen Fremdenfeinden, christlichen Fundis oder wertebeliebigen Kulturrelativisten eine Bühne geben.

Trotz alledem sollte man sich als Islamkritiker am bestbewerteten Vorschlag des Themenfeldes Wie wollen wir zusammenleben? beteiligen, meint dieses Blog. Jeder Kommentar darf nur aus bis zu 1500 Zeichen bestehen, ein Anspruch auf Freischaltung besteht nicht. Aus dem Diskussionsbereich.

Am 02.03.2012 um 15:55 Uhr schrieb Edward von Roy:

Solange die auf einer wortwörtlichen Lesart von Koran und Hadith entstehenden Schariapflichten nicht abgelegt sind, wird der organisierte Islam auf Segregation (Apartheid) hinarbeiten.

Die deutschen Islamverbände müssen sich von der auf Ungleichbehandlung (Diskriminierung) beruhenden Scharia distanzieren. Recht und Pädagogik der kulturellen Moderne können darauf bestehen, dass den so genannten muslimischen Kindern – gerade auch im Islamischen Religionsunterricht – keine Angst vor der ewigen Verdammnis (Höllenfeuer) gemacht werden darf (sinngemäß etwa: „Mädchen, falls du keinen Hidschab trägst, verspielst du Allahs Wohlgefallen“).

Die Jenseitszentriertheit von halal und haram, das „die Seele rettende“ diskriminierende und dabei vor allem frauenfeindliche Wohlverhalten des die Aufklärung verweigernden orthodoxen Islam muss endlich thematisiert werden.

Wir stehen an der Weggabelung zwischen säkularem Recht für alle und jeden (Allgemeine Erklärung der Menschenrechte; Grundgesetz) und einem Rechtspluralismus verschiedener Glaubensnationen oder Religionsvölker, in dem die (angeblich) zu muslimisierenden Menschen ihren Muftis und Scheichen wohl kaum noch offen werden widersprechen können.

Jede Kategoriebildung in Nichtmuslime und Muslime dürfen wir im Namen des Weltbürgerlichen und Staatsbürgerlichen zurückweisen, denn Muslime sind keine Spezies, keine Sorte Mensch.

Am selben Tag um 15:58 Uhr stellte Gabi Schmidt fest:

In der BRD gilt das Grundgesetz. Die Grundrechte (vgl. AEMR, Paris 1948) binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht, das Deutsche Volk bekennt sich zu den allgemeinen, unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten.

Alle islamischen Strömungen berufen sich auf die Scharia, das islamische Gesetz. Sie enthält alle Normen und Werte, die praktizierende Muslime überall auf der Welt zu jeder Zeit kritiklos akzeptieren und wortgetreu umsetzen müssen, wenn sie ein gelingendes Leben führen und ins Paradies eingehen wollen. Auf der Grundlage von Koran (die wörtliche Offenbarung Allahs) und Sunna (die vorbildliche Lebensweise und die gottgefälligen Ratschläge des Propheten) sind alle kultischen Vorschriften, ‏Riten, gottesdienstliche Handlungen sowie die Beziehungen jedes Menschen zu seinen Mitmenschen und zu Allah verpflichtend geregelt. Das eigenmächtige Erforschen von Sinn und Logik der göttlichen Gesetze ist nicht zulässig. Das sieht der KRM nicht anders.

In dieser Welt ist die Scharia in Form von religiösen Gutachten (Fatwas), islamischen Gesetzen und Schariaurteilen zu verwirklichen. Ausschließlich Rechtsgelehrten stehen dafür verschiedene Methoden der Rechtsfindung zur Verfügung, die allerdings Koran und Sunna nicht widersprechen dürfen. Ein auf der Scharia basierender Islam ist verfassungswidrig. Die ungestörte Religionsausübung ist nicht unbegrenzt geschützt.

Um 19:03 Uhr ergänzte Edward von Roy:

Ärgerlicherweise ist in den letzten Jahren nicht zuletzt auch den islamischen Theologen, die der Muslimbruderschaft (europäisch FIOE, deutsch IGD) nahe stehen, der ziemlich ungehinderte Zugang zu unseren Hochschulen (Islamische Studien, Wissenschaftsrat 2010) und Schulen (Islamischer Religionsunterricht in NRW, 2012) gewährt worden.

Es hätte klar sein müssen, dass sich die Theologie des Koordinierungsrats (KRM) nie von derjenigen des muslimbrudernahen Institut des Sciences Humaines (IESH) unterscheiden kann; Kirchentagsgast (Dresden 2012) und Uni-Ehrengast (Tübingen 2013) Mustafa Ceric beispielsweise ist Scheich bei Yusuf al-Qaradawi. Die global aktive, pakistanisch geprägte Darul Uloom oder die türkische Milli-Görüs-Bewegung haben natürlich auch keine andere Scharia im Angebot als Scheich al-Qaradawi.

So werden die Mauern des Schweigens und der Denkverbote zur heilssichernden Ungleichbehandlung und insbesondere Frauenfeindlichkeit der Scharia das Klima unserer Hörsäle und Klassenzimmer mit viel Belauern und Einschüchtern prägen, wenn der Souverän (immerhin das Volk) nicht im Sinne der allgemeinen Menschenrechte, des wissenschaftlichen Denkens und der Rechtseinheitlichkeit widerspricht.

Der an der Scharia festhaltende Islam ist in einer Demokratie, die an ihrer Abschaffung nicht interessiert ist, nicht lehrbar. Der Islam von Scharia und Fiqh ist nicht schulreif.

Quellen

Die Bundeskanzlerin.

Zukunftsdialog. Wie wollen wir zusammenleben?

Offene Diskussion über den Islam

https://www.dialog-ueber-deutschland.de/DE/20-Vorschlaege/10-Wie-Leben/Einzelansicht/vorschlaege_einzelansicht_node.html?cms_idIdea=309

Die Bundesregierung am 01.02.2012:

Bürgerdialog der Bundeskanzlerin jetzt im Internet

Schon in den ersten Stunden des Dialoges sind mehrere hundert Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Einladung der Bundeskanzlerin gefolgt: „Ich lade Sie ein zum Dialog über Deutschlands Zukunft“, sagt die Bundeskanzlerin in ihrem Grußwort zum Dialog, „Jetzt möchte ich mit Ihnen über Ihre Vorschläge im Internet diskutieren.“

Der Bürgerdialog ist Teil des Zukunftsdialoges der Bundeskanzlerin. Unter dem Leitgedanken „Menschlich und erfolgreich. Dialog über Deutschlands Zukunft“ sind konkrete Vorschläge für das kommende Jahrzehnt gefragt. Alle interessierten Internetnutzer sind herzlich eingeladen, sich zu beteiligen.

http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/2012/02/2012-02-01-start-buergerdialog.html